BERLIN Sieastag 16. Februar 1932 10 Pf. ?!r.78 B 59 49. Jahrgang Erscheint täalich außer SoontagS. M B£* Knitigenpcti»; Di--insvamg- antuim-t-rj-u- so i*». Z-gl-i-d Adn,d«ussabr d-«.Borwärt«' B r j o g« v r-i« fü> R mg§>| g i ff gg i f§ Oicflamtj-ilt 2.— 2B. Srmäfitgimgcn nach latif KcftfdietHonto: bkidk Ausgab-» 7- Vf. pro Woche. z,2i M. pro Mona,.''/ a. A// HA m*.»Jim Vorwarrs-A-rlag S. m. d. H.. B->lin Rr. Z7-W.- D-r zz-ri-g 7 Pf. monaliilt, für Zuiiclluiiz ins Hauj) im pp-mis V.A» f> f&jfy f t Jt fv iT.JLSY /fiK. ß �ißtPjL. b-hait nch r»S Rc-dt p-r Ablchnung nick, g-ncdm-r Anzkigcn por' »dliar. P o st d- 1 u g Z.S? M.-inschii-Kii» S0 Pf. PpiiieitupgS- 99 Sty�tsP1 if R-daktion und Erpedtiipn: Brrlin SM SS, Lindcnstr st und 72 Pf. Postdcst-llg-bühr--. J � ff# e t n f p r- tfc- r;® öntoffiA 7) 292-2S7 Harzburger Einheit kracht! Drei Harzburger Kandidaten: Hitler, Hugenberg, Ouesterberg? Polizei im Dritten Reich Laß dich hauen— oder du bist entlassen! Vraunschweig. 1k. Februar. sEigenbericht.) Minister K l a g g e s hat den Polizeiwachtmeister Schuh frist- los entlassen, weil er sich am Tage des Reichstresfens der SA. in Braunschweig gegen anstürmende Nationalsozialisten zur Wehr gesetzt hatte. In der Begründung der Entlassung heißt es wört- lich:„Sie waren am 18. Oktober 1931 aus Anlaß des Treffens der NSDAP, mit mehreren anderen Polizeiwachtmeistern als Posten an der Ecke Ackerhof-Friesenstraße eingeteilt. Wie die vernommenen Zeugen bekunden, hatte dieser Posten den ausdrücklichen Auftrag, aufzupassen, daß keine Nationalsozialisten von Kommunisten über- fallen wurden... Sie haben gegen diese selbstverständliche und elementare Pflicht in völliger Berkennung Ihrer Ausgabe, dem Tagesbefehl entsprechend die Nationalsozialisten zu schützen, verstoßen und sich infolge Ihrer Unbeherrschtheit zur blutigen Mißhandlung eines der Angegriffenen hinreißen lassen." Der Polizeiwachtmeister stand mit anderen Polizeibeamten gegenüber dem„B o l k s f r e u n d"- Gebäude, um zu verhindern, daß Nationalsozialisten in die enge, von Arbeitern bewohnte Friesenstraße hineingehen. Ein Lastkraftwagen der Nazis, ein so- genanntes Ueberfallkommando, jagte trotzdem in die Straße hinein. Der Polizeibeamte mußte zurückspringen, um nicht überfahren zu werden Bei der dann in der Mitte der Straße entstandenen Schlägerei zwischen Arbeitern und Nationalsozialisten mußte sich der Polizeibeamte gegen neu heran- stürmende Nationalsoziali st en mit dem Säbel wehren. Klagges konstruiert aus diesem Vorfall ein Vergehen des Polizeibeamten, dem von allen Vorgesetzten ein glänzendes Zeugnis ausgestellt wird. Das ist ein neuer Beitrag für die Zer- mürbungstaktik des nationalsozialistischen Polizeiministers. Klagges will die Braunschweiger Polizei einschüchtern und kampfunfähig machen. Nazi-Niederlage bei Studentenwahlen. Bei den Wahlen zum Allgemeinen Studentenausschuß(Asta) an der Technischen Hochschule in Braunschweig erhielten die National- sozialisten 338 Stimmen, während die Korporationen 353 und die Sozialisten 89 Stimmen erhielten. Di« Nationalsozialisten hofften in Braunschweig die Mehrheit aller Stimmen auf sich vereinigen zu können. Das ist nicht gelungen. Sie haben nicht einmal die Stimmen- zahl der Korporationen erreicht. Nationalsozialisten und Deutschnationale verhandeln heute weiter über die Frage, was sie nun tun sollen. Hitler fordert, daß Hugenberg und Duesterberg vor ihm kuschen,, die trauen ihm nicht, und so steuern sie gleich auf drei Kandidaten los: Hitler und Hugenberg und Duesterberg. Hitler hat sich inzwischen intim mit Herrn Schacht gemacht, und Herr Schacht soll sich seitdem der Hoffnung hingeben, daß auch er als Harzburger Präsidentschaftskandidat in Betracht kommen könnte. Die Nationalsozialisten haben im„Völkischen Beobachter" den Feldzug gegen Hindenburg eröffnet. Ihre Parole heißt: Hindenburgs Ende. Hitler selbst erklärt eine Kundgebung für sich gegen Hindenburg. Er spricht ihn als Kandidaten„der sich in hoffnungsloser Minderheit befindlichen Parteien der schwarzroten Koalition" an und schließt großmäulig: „Die Stunde der Auseinandersetzung mit den Novembermünnern ist damit gekommen. Wir bedauern, daß der Generalfeldmarschall von Hindenburg sich bewegen ließ, seinen Namen in diesem Kampf« verbrauchen zu lassen." Der ganze Haß, den die Faschisten bisher gegen alle Nicht- faschisten verspritzt haben, wird nun auch auf Hindenburg abgeladen werden! Die enttäuschten Putschisten, die schon vor sieben Iahren von ihm den Staatsstreich erwarteten, wollen nun ihre Enttäuschung abladen. Voran geht dabei das Organ der Alldeutschen, die„Deutsche Zeitung". Die hat es schon immer gewußt und immer gesagt: „Als auf dem Alldeutschen Verbandstog in Plauen am 9. September 1928 Iustizrat Clah scharf gegen den Reichs- Präsidenten von Hindenburg Stellung nahm und der E n t- täuschung Ausdruck gab, weil die Hoffnungen, die man auf ihn gesetzt hatte, nicht in Erfüllung gegangen sind, da heulte der- selbe Teil der Presse auf, der heute geschlossen für eine Wieder- wähl Hindenburgs eintritt. Als dieser dann am 13 März 1930 den Poung-Plan unterschrieb, da nahm die„Deutsche Zeitung" Abschied vom Sieger von Tannenberg. Was wir damals schrieben, das muß heute, ohne daß man auf Einzel- hellen einzugehen braucht, erneut festgestellt werden:„Der Reichs- Präsident ist restlos der Mann jener poli tischen Gruppe geworden, die zu Bismarcks Zeiten als der Bund der Windtho.'st, Richter, Güttenberger an der Schwächung des jungen Reiches arbeiteten, deren kleinere Nachfolger im Kriege das Vaterland zum Untergang trieben, die jetzt— einerlei mit welchen Beweggründen immer, die bei den einzelnen verschieden sind— den Weg zu Deutschlands Auferstehung verbauen." So hat der Reichspräsident den Schatz an Vertrauen restlos ver- loren, mit dem die nationalen Gruppen ihm einst ihre Stimmen gaben." Schon im November 1918 haben die Leute von der„Deut- fchen Zeitung" mit Mißtrauen auf Hindenburg geblickt: „Als es damals um die Erhaltung der Monarchie und den Uebertritt des Kaisers nach Holland ging, da hat Hindenburg das erforderliche Wort nicht gesunden, er hat viel- mehr nach seinem eigenen Zeugnis dem Kaiser den Uebertritt nach Holland geraten. Wie dieser damals das Opfer feiner Umgebung geworden ist, so wird Hindenburg heute das Opfer der seinigen, in erster Linie seines Staatssekretärs Dr. Meißner." Da sieht man nicht nur, wie sie über ihn denken, sondern auch was sie wollen! Wenn er Hugenberg zum Reichskanzler gemacht hätte, so würden sie heute Hosiannah rufen und nicht Kreuzige! Katzenjammer bei Hugenberg. In der„Pommerschen Tagespost" wird die Harzburger Front preisgegeben: „Auf der anderen Seite scheinen, wie wir offen gestehen wollen. geringe Aussichten dafür vorhanden zu sein, daß sich die Rechte auf einen gemeinsamen Kandidaten einigt. Offen- bar haben die Nationalsozialisten die feste Absicht, ihren Führer Hitler als Präsidentschaftskandidaten aufzustellen. Bei den Deutschnationalen und beim Stahlhelm scheint wenig Neigung dafür vorhanden zu sein, eine solche Kandidatur mitzumachen. Wir wissen nicht, ob es noch gelingen wird, die Harzburger Gruppen auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen. Eine Wahl Hindenburgs im ersten Wahlgang halten wir auf alle Fälle für unwahrscheinlich. Bis zum zweiten Wahlgang dagegen ist es möglich, daß wir noch allerlei Ueberraschungen er- leben. Die vorige Präsidentenwahl hat in disscr Beziehung doch ein ganz ausschlußreiches Beispiel gegeben." Sie sitzen am Grabe der Harzburger Front und weinen, und weil ihnen nichts rettendes mehr einfällt, träumen sie von einem großen Wunder zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang!_ Rat appelliert an Japan allein. Stellt die Feindseligkeiten ein! Genf, 16. Februar.(Eigenbericht.) Der Zwölfer-Ausschuß des V ö l k e r b u n d sr a t es(d. h. der Rat ohne Japan und China) hat In seiner heutigen Vormittags- flhung beschlossen, heute nachmittag in der öffentlichen Ratssitzung durch den Rat den dringenden Appell an Japan allein zu richten mit der Maßgabe, die Feindseligkeiten sofort e i n z u st e l l en und ebenso jede Vorbereitung aus neues vorgehen gegen die chinesischen Truppen. In der Sitzung selbst hatPaulvoncour dem Zwölfer-Aus- schuß Kenntnis gegeben von einem ausführlichen Vrief des englischen Außenministers Sir John Simon, in dem mitgeteilt wird, daß alle Schritte zur gütlichen Regelung bisher an dem Mider- stand Japans gescheitert seien. Die Beschlußfassung über die Einberufung der Vollversammlung erfolgt wahrscheinlich erst am Donnerstag dieser Woche. Vor der Rachmiltagssihung des Rates versammelt sich der Zwölser-Ausschuß nochmals. Immer neue Borschläge. Die Generaldeballe der Abrüstungskonferenz wurde doch noch durch einige neue Anregungen belebt. Nach der holländischen For- derung auf Verbot der Treibminen schlug heute der argentinisch« Hauptdelegierte Bosch vor, die Staaten, die nicht Unterzeichner der Flottenabkommen von Washington und London seien, sollten Verträge eingehen, daß sie keine Kriegsschisse über 10 000 Tonnen kauften oder bauten. Ferner müsse von der Kon- ferenz eine klare Definition der Kriegskonterbande auf- gestellt werden, wobei Nahrungsmittel von diesem Begriff ausgenommen werden müßten. Im übrigen stimmte Bosch den bekannten Gedankengängen des Verbots der Angriffswaffen und chemischen Kriegsmittel, sowie der Kontrolle dieses Verbots bei. Alarlnkowitsch- Jugoslawien stellte die französische Sicherheits- these über jede Bereitschaft zur Rüstungsbeschränkung. ZNolta- Schweiz unterstützt die schon mehrfach als Kompromiß- grundlage genannten Begrenzungen und Verbote, während er die Idee einer internationalen Armee als utopisch bezeichnete, solange wichtige Großmächte noch außerhalb des Völker- bundcs stünden. LtGA.-Chiffrierschlüssel gestohlen? Einbruch bei der amerikanischen Abrüsiungsdelegation. Gens, 16. Februar. wie erst jetzt bekannt wird, ist in der Rächt vom 2. aus den Z. Februar ein schwerer C i n b r u ch d i e b st a h l bei der amerika- Nischen Abordnung im Hotel„Des Vergues" verübt worden. Roch den bisherigen polizeilichen Ermittlungen sind drei bisher noch nicht festgestellte Personen in das Büro der Abordnung eingebrochen. Die verschlossene Aktenmappe des amerikanischen Senators S w a n s o n ist mit einem Messer geöffnet worden. Mit dem Gehelmschlüssel ist sodann der Aktenschrank geöffnet und zahlreiche Dokumente sind gestohlen worden, von ameri- konischer Seite verlautet, daß zwar wichtige politische Schriftstücke nicht gestohlen seien, jedoch der C h i s s r i e r s ch l ü s s e l sehte. Die Ermittlungen der Genfer Polizeibehörden sind bisher streng geheim gehalten worden, so daß die Talsache des Einbruchs erst jetzt bekannt wird. Es ist bisher noch nicht gelungen, die Urheber des Einbruchs zu ermitteln. Strafloser Mord! Ein SA.-Führer freigesprochen. Darmstadt. 16. Februar.(Eigenbericht.) Der S A.- F ü h r e r Stier, der am 16. Juli vorigen Jahres vor dem Arbeitsamt Groß-Gerau zwei Kommuni st en er- schössen hatte, wurde in diesen beiden Fällen freigesprochen Wegen fahrlässiger Körperverletzung eines dritten Kommunisten und Vergehens gegen das Schußwaffengesetz erhielt er acht Monate Ge- sängnis, worauf 6!-� Monate der Untersuchungshaft angerechnet wurden. Der Mitangeklagte Nationalsozialist Sperling, dem die Schußwaffe gehörte, erhielt drei Monate Gefängnis, Vom Generalstreik in Spanien. Oer Radikalismus besorgt die Geschäfte der Reaktion. Der Charakter dieses„Generalstreiks" ergibt sich aus den Mitteln, mit denen dieser Streik gegen die spanische Republik zu führen ver- sucht wird. Mit Bomben werden Eisenbahnstreckcn, Straßenbahn- geleise und Straßenbahnwagen beschädigt. In Madrid wurde ein Straßenbahnwagen mft Petroleum Übergossen und in Brand gesteckt. 2luch Kanalisationsanlagen wurden in Sevilla mit Bomben be- arbeitet. In Tarrafa wurde die Gendarmeriekaserne umzingelt und dergleichen Scherze mehr versucht. Mit gewerkschaftlichem Kampf gegen das Untsrnehniertun: hat die feit Monaten inszenierte wild« Streikbewegung nichts zu dm Es sind politische Streiks gegen die Regierung, die nur der Reaktion dienen und nützen. Sahm bei Hindenburg. Wahlen nach Artikel 48 Ein sehr ernstes Problem Heute morgen meldeten wir. daß die„Rote F a h n e� für zwei Wochen verboten ist. Dieses Verbot gibt nicht nur zu recht- lichen Bedenken Anlaß, soweit es sich um Auslegung und Anwendung der geltenden Notverordnungen handelt, sondern macht auch eine grundsätzliche Auseinandersetzung über ein sehr ernstes Problem notwendig. Wir sind jetzt in eine Periode der Wahlen eingetreten, und es entspricht dem Sinn und Geist der Verfassung, daß ganz be- sonders zu solchen Zeiten die Freiheit aller Parteien, für ihre Sache zu werben, gesichert wird. Darum haben wir mit großer Befriedigung vernommen, daß im Reichsministerium des Innern Pläne erwogen werden, die auf eine stark« Milderung der Presse-Notv«rordmingen gerichtet sind. Die Anwendung der bestehenden Bestimmungen nach Auslegungskünsten, die sie fast bis zum Zerreißen ausweiten, steht im entschiedensten Gegensatz zu solchen lobenswerten Absichten. Zu den schwerwiegenden prinzipiellen Gründen, di« für eine möglichst weitgehende Presse-, Rede- und Der- sammlungsfreiheit während der Wahlkampagne sprechen, gesellen sich auch Erwägungen politischer Natur. Man soll doch den Parteien, deren Mißerfolg klar vorauszusehen ist, nicht die billige Ausrede liefern, dieser Mißerfolg sei nicht auf ihre eigene Schwäch«. ihr eigenes Ungeschick zurückzuführen, sondern auf die ihnen angetane Gewalt. Man kann sich leicht vorstellen, das gewiss« rechts- gerichtete Zeitungen es geradezu als ein Glück betrachten würden, wenn man st« jetzt für«in paar Tag« verbieten wollte: damit wäre ihnen aus ihrer augenblicklichen Verlegenheit geholfen. Und doch müßte man nach denselben Grundsätzen, die man auf die „Fahne" angewendet hat, sofort auch ein Dutzend Naziblätter verbieten, denn was zum Verbot der„Fahne" geführt hat, das liest man dort ähnlich alle Tage! Wir sind also der Meinung, daß alle bestehenden Verbot« sofort aufzuheben sind, und daß man wenigstens in der nächsten Zeit den Versuch machen soll, ob es nicht überhaupt ganz ohne Verbote geht. Daß die Bürgerkiiegsparteien ein solches Verhalten irgendwie zu würdigen wissen werden, nehmen wir nicht im entferntesten an. Jhr Geschrei wegen Verletzung der Pressefreiheit ist nichts als widerliche Heuchelet: sind sie doch entschlossen, wenn sie die Macht haben, alle Pressefreiheit zu vernichten. Nicht aus Liebe zu ihnen, sondern weil wir den Kampf gegen sie mit den wirksamsten Waffen wollen, sind wir für Aufhebung aller Verbote! Oesterreich wünscht Zollunion Angebot an alle(Staaten wie». lS. Februar. Die amtliche Nachrichlenstelle teilt mit: Bundeskanzler. Dr. Boresch hat hente die Gesandten Deutschlands. Englands, Frankreichs, Italiens und anschließend daran die diplomatischen Vertreter der übrigen Staaten empfangen. Er nahm in einer längeren Regierungs- erkläruag Bezug anf die vom Finanzkomitee des Völkerbundes abgegebenen Empfehlungen und teilte ihnen mit, daß Oesterreich unbedingt eine Erweiterung seines Wirtschaft- lichen Arbeitsraumes benötige. Die Ssterreichifche Regierung erklärt deshalb, daß sie mit allen Rachbar st aaten und mit allen Staaten, die dazu bereit sind, in Verhandlungen über eine wirtschaftliche Annähe- rung einzutreten wünsche. Der Bundeskanzler ersuchte die Ge- sandten, ihren Regierungen von den vorstehenden Mitteilungen üenntois zu geben und sie zu bitten, die Bestrebungen der Sster- reichischen Bundesregierung weitest gehend zu fördern. Laval fürchiei den Senat. Ziegieningsparote: Zeit gewonnen- alles gewonnen. Paris, 16. Februar.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Laoal hat den Montagnachmittag in den Wandelgängen des Senats verbracht, um sich mit seinen Freun- den und Gegnern über di« innenpolitische Lage zu unterhalten und sie über die Haltung der Regierung bei der Wahlresormdelatt« in der Kammer aufzuklären. Der Eindruck, den der Ministerpräsident aus diesen Gesprächen gewonnen hat, scheint nicht besonders günstig gewesen zu sein. Die Regierung gemeßt im Senat kein großes Ansehen mehr und viele Senatoren schemen entschlossen zu sein, sie zum Rücktritt zu zwingen. Angesichts dieser Situation ist in den Rechtskreisen des Senat» oie Idee erwogen worden, die De- batte über die Interpellation Peyronnet zu vertagen. Der Ministerpräsident soll nach der Verlesung der Interpellation und nach der Frag«, welches Datum für die Debatte vorgeschlagen werde, die Vertagung um eme Woche verlangen. Da es im Senat nicht üblich ist, über das Datum für eine Interpellation eine lange De- batte zu führen, müßte sich der Senat sofort durch Handaufheben über diesen Antrag aussprechen. Nur wenn das Abstimmungs- ergebnis zweifelhaft erscheint, muß«ine namentliche Abstimmung vorgenommen werden. Die Regierung würde den Vertagungsan- trag vor allem damit begründen, daß im Fall« einer Minister krise Frankreich während der Generaldebatte auf der A b r ü st u n g s- konferenz nicht vertreten fein werde, was natürlich den In- teressen des Landes nicht förderlich sei. Da die Generaldebatte in Genf in dieser Woche beendet werden solle, wäre es vorzuziehen, daß, wenn es zu einer Ministerkrise kommen sollte, diese erst in der nächsten Woche ausbricht. Die Regierung hofft dann, daß sich inzwischen die politischen Leidenschaften noch mehr beruhigt haben und die Debatte in der nächsten Woche ohne Gefahr für die Regierung vorübergeht, zumal sich bis dahin auch die Wahlrechts- kommisston des Senats über die Wahlreform auegesprochen haben wird. E» ist so gut wie sicher, daß die Kommission einstimmig und das Plenum des Senats fast einstimmig die Reform ablehnen werden, womit dann der Stein des Anstoßes für die Iriterpella- tionsdebatte beseitgt wäre. Die Regierung wird nun abwarten. welche Wirkung diese Nachrichten auf den Senat machen. Sie wird sich in einem heute stattfindenden Ministerrat darüber ent> scheiden, ob sie den Vertagungsantrag stellen oder sich mit der so- fortigen Beratung der Interpellation einverstanden erklären soll. Sie Aonahme-ErNärung voa Hindenburg unterzeichnet. Der Reichspräsident hat heute mittag ein« Abordnung des Sahm- Ausschusses empfangen. In seiner Ansprache an den Reichspräsidenten sprach Dr. Sahm den Dank des Ausschusses für di« Annahmeerklärung Hindenburgs au», mit der der Reichspräsident seiner Botschaft vom 12. Mai 1S2Z „überparteiliche Zusammenfassung aller arbeitswilligen und aufbau- bereiten Kräfte des deutschen Volkes" neu« Kraft verliehen habe. Der Reichspräsident erklärte sich in seiner Antwortred« bereit, eine auf ihn fallende Wahl anzunehmen. Ich handele hierbei, so fuhr er fort, nicht aus persönlichem Ehrgeiz, sondern im Bewußtsein meiner Berantwnrwng für Deutschland und im Gefühl meiner Pflicht. Sie stehen hier vor mir nicht als die Vertreter einer Partei, sondern als Angehörige der verschiedensten Berufsstände und politischen Richtungen aus allen Teilen Deutschlands. Daß Ihr Ruf an mich nicht ausgeht von einer bestimmten Partei oder Jnter- essentengruppe, sondern von allumfassenden Ausschüssen in den verschiedensten Gebieten des Reiches, hat mir meine Entscheidung wesentlich erleichtert. Ich erkläre Ihnen daher mein Einverständnis dazu, daß mein Na-me auf den von Ihnen vorbereiteten Wahloorfchlag für die Reichs- Präsidentenwahl gesetzt wird und ich hoffe so, mit meiner letzten Kraft dem dienen zu können, was mir in meinem langen Leben stets hoch und heilig war, dem Vaterland. Danach hat der Reichspräsident dem Oberbürgermeister di« von ihm unterschriebene Erklärung übergeben, die sein Einverständnis damit ausspricht, daß der Name des Reichs- Präsidenten in den„Wahloorfchlag Hindenburg für die Reichs- Präsidentenwahl 1932" aufgenommen werde. Erst verleumden, dann verdusten! Nie Goldschmidt-Lüge in Köln. Im Juli o. I. schrieb das Kölner Naziblatt, der„Vorwärts" habe von Jakob G o l d f ch m i d t 899 999 M. erhalten und diesen Tatbestand vor Gericht zugeben müssen. Das Blatt erhielt eine Berichtigung, feine Behauptung fei unwahr, sie fei auch nie vor Gericht zugegeben worden, vielmehr feien alle, die sie aufgestellt hätten, verurteilt worden. Das Naziblatt bezeichnete das als „jüdischer Dreh" und hielt unter wüsten Schimpfereien an seiner Lüge fest. Nun erfolgte Klage. Am 8. Februar war Termin. Der Angeklagte Dr. Winkel- k e m p e r war nicht erschienen. Das Gericht beschloß Vorführung. Sie sollte am 13. Februar erfolgen. Aber auch am 13. war Winkelkemper nicht da, er war unauf- sindbar. Es wurde festgestellt, daß gegen ihn schon in einer anderen Sache Haftbefehl erlassen ist. Sobald man ihn erwischt hat, wird er sich auch wegen der Verleumdung des„Vorwärts" zu verantworten haben. Ein Held von Harzburg. Ttativnal- aber nur wenn es nicht gefährlich ist. Köln. 16. Februar.(Eigenbericht.) Vor dem Kölner Schöffengericht wurde am Montag eine i n t e r- efsante Beleidigungsklage des deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Martin Spahn gegen den vorjährigen Rektor der Kölner Universität Professor Dr. Kroll oer- handelt. Der Beklagte Dr. Kroll wurde freigesprochen. Kroll hatte am 26. Juni vorigen Jahres einer studentischen Abordnung, die ihn zu einer Demonstrationsveranstoltung der Stu- dentenschaft gegen die Kriegsschuldlüge, in der Professor Spahn sprechen sollte, einlud, u. a. erklärt, daß die Untversitätsbehörde auch deshalb nicht an der Veranstaltung teilnehmen könne, weil Spahn die Universität unter merkwürdigen Umständen verlassen habe. Bon den Studenten nach den Umständen befragt, erwiderte Kroll, daß im Spätherbst 1923, als auch für Köln der Einzug der Franzosen befürchtet wurde, Spahn ohne vorherige Mittellung an die Universitätsbehörde von Köln nach Berlin gezogen sei. Man habe damals den Eindruck gehabt, daß Spahn aus Angst vor den Franzosen seinen Wohnsitz verlegt habe. Trotz mehrfacher Aufforderungen der Universi�ätsbehörde und des preußi- schen Kultusministers sei Spahn nicht nach Köln zurückgekehrt. Ein Disziplinarverfahren, das damals gegen Spahn eingeleitet worden sei, hätte nicht durchgeführt werden können, weil Spahn inzwischen Reichstagsabgeordnetcr und damit immun geworden sei. Diese Aeußerungen Krolls veranlaßten Spahn zu setner Beleidi- gungsklage. In der Verhandlung erklärte er, daß er ein«national- gesinnter Mann" fei, der nur für das Vaterland lebe und sterbe und nur mit Rücksicht auf seine Familie nach Berlin gezogen sei. Er selbst sei jedoch in Köln geblieben. Diese Behauptung wurde aber im Laufe der Verhandlung auf das b e- st i m ni t e st e widerlegt. Tatsächlich hat Spahn monatelang keine Vorlesungen an der Kölner Unioersttät gehalten. Der gegen- wörtige Rektor der Kölner Universität Professor Kuske sagte aus, daß er, wäre er damals Rektor gewesen, genau so gehandelt hätte wie Rektor Kroll. Der Verteidiger Krolls bemerkte an Hand von Beweisstücken, daß der„nationale" Mann Spahn schon einmal ähn- lich gehandelt habe wie 1923. Im Jahre 1918 sei er vor dem Ein-. marsch der Franzosen von der Stroßburger Universität fluchtartig! verschwunden. Er sei also zweimal, wenn„national gesinnte Männer" gebraucht worden wären, ausgerissen. Das Urteil lautete auf Freispruch des Angeklagten Kroll. Die Kosten wurden dem Privatkläaer auferleat. In der Urteilsbegrün- dung heißt es, daß Kroll als Rektor in Wahrung berechtigter Jnter- essen gehandelt habe. Wieder Börse! Jedoch mit Beschränkungen. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat den Börsenvorständen mitgeteilt, daß er mit der Abhaltung von Versammlungen in Wertpapierbörsen nunmehr einverstanden sei. Dabei soll jedoch zunächst von amtlichen Kursse st st ellungen abgesehen werden. Des weiteren«rfcheint es notwendig, daß der Wertpapierver- kehr sich nach der Lage der Schließung in der nächsten Zeit un- beeinflußt von Pfandexekutionen von Wertpapieren(Lombardeffek- is«) entwickelt. Es sollen daher vor der Wiederausnahme der Börsenoerjamm- lungsn Beschlüsse der Berufsvereinigungen des Bankgewerbes ver- anlaßt werden, nach denen sie sich für ihre Mitglieder verpflichten. Pfanderetutionen im Börsenverkehr vorläufig nicht vorzunehmen. Dreifacher Mord im Eafck. Die Rache des Argentiniers. Paris, 16. Februar.(Eigenbericht.) In einem Pariser Casä erschoß am Montagabend ein Argentinier nach einem heftigen Wortwechsel drei Landsleute. Der Mörder wurde sofort von dem Personal des Eafös festgenommen und einem Polizeibeamten, der die Schüsse auf der Straße gehört hatte, übergeben. Der Polizeibeamte konnte den Argentinier auf dem Wege zur Wache kaum vor der drohenden Menschenmenge schützen. Bei seiner Vernehmung gab der Mörder an. seine drei Landsleute hätten ihm vor zwei Iahren in Buenos Aires beim Kartenspiel mit gefälschten Karten die Summe von 199 999 Franken abgenommen Vor kurzem habe er die drei Freunde wieder in Paris getroffen und sie zu einer Unterredung in das Eafe bestellt. Er wollte sie um die Rückgabe der Summe bitten, worauf die drei jedoch nicht eingegangen seien. Berggipfel abgestürzt. Das Trümmerfeld bei Klagenfurt.- Folge der Kälte. Der Gipfel des Ankogelmassivs bei k lagen furt ist abgestürzt. Man hat nach den Ursachen geforscht und die Untersuchung ergab, daß der Absturz infolge starken und plötzlichen Temperalu t/m e ch| e l s erfolgke. 3a der Rächt vom 6. auf den 7. 3anuar trat plötzlich Tauwetter ein. das dann sofort wieder in außerordentlich starke Salle umschlug. Diese Temperatur» schwanknng bewirkte, dag der Gipfel des 3262 Meter hohen Berges samt den Gletschern nnd den vorstehenden Felsgebielen des Ankogelmassivs zv Tal stürzte. Es entstand ein Trümmerfeld von Millionen Tonnen Gestein, darunter Felsblöcke von 39 Meter Länge und IS Meter Höhe. Die schwere Gesteiitserschütterung war in dem viel tiefer gelegenen Berggasthof Waidmannshell wie ferner Kanonen- donner vernehmbar und wurde bis ins Anlauftal gehört. Jetzt ist das riesige Trümmerfeld vereist, da seit dem Bergsturz Temperaturen von 6 bis 12 Grad Kälte verzeichnet werden. Die Ausdehnung des Trümmerfeldes beträgt in seiner Länge über 1999 Meter und in seiner Breite über 199 Meter. Alle Touristen werden gewarnt, sich dem Ankogel zu nähern und das verwüstete Gebiet zu betreten, oder auch nur in die Nähe dieses Gebietes zu kommen, da höchste Lebensgefahr besteht. Neuer Leiter bei der Berliner Bolfsfürsorae. Von der Nechnungsstelle Berlin der Volksfürsorge wird uns geschrieben: In 6 Funktionärversammlungen der einzelnen Stadtteile nahm der bisherige Leiter der hiesigen Nechnungsstelle, Genosse Bruno Müller, von den Vertrauensleuten Abschied, da er in Zukunft als Vorstandsrevisor, mit besonderen Aufgaben be- traut, tätig sein wird. Sein Nachfolger, der Genosse Ernst Hassenpflug, zuletzt Rechnungsführer in Mannhelm, stellt« sich den Mitarbeitern mit einigen Worten über da» von ihm durch- zuführende Arbeitsprogramm vor. In allen Versammlungen wurde dem scheidenden Genossen Müller für seine umfassende Tätigkeit gedankt und seinem Nachfolger das Vertrauen ausgesprochen. Wirifchastskrise— Außenpolitik. Das Februarhest der.Gefellschast". „Die Gesellschaft"(Verlag I. H. W. Dietz) veröffentlicht im Februarheft eine scharfsinnige Betrachtung des Lederer-Schüler» Mark Mitnitzky üker.Wirtschaftsschrumpfung ohne Ende?" Gen. Mitnitzky weist nach, daß der weitverbreitete Glauben an die lawinenartige Verbreitung der Krise ohne Hinzu- kommen neuer Anlässe unbegründet ist. Er ist weiter der Mei- nung, daß der nach der Kredstkris« des letzten Sommers neu«in- getretene Schrumpfungsprozeß begrenzt ist. Jede Wirtschaftspolitik, die die Massenkaufkraft weiter schwächt, kst wirtschaftszerstörend. Entschiedene Eingriffe in die Kartellorganisation müssen sich mit der Stärkung des Derbrauchs verbinden.— Prof. Gustav Mayer schildert in einem Aufsatz Friedrich Engels Siel» lungnahm« zu der großen Wirtschaftskrise von 1 8 S 7, die Engels zunächst als Vorbote einer bevorstehenden Renn- lution erschien, deren Verlauf ihn jedqch später den Zusammenhang von kapitalistischen Krisen und Revolutionen vorsichtiger beurteilen ließ. Von den anderen Beiträgen des Heftes seien noch besonders hervorgehoben: Eine ausgezeichnete Untersuchung über die Eni- stehung 0er preußischen Bürokratie und des Rechtsstaats von Eckart Kehr, sowie eme Auseinandersetzung von R. A b r a m o w i t s ch mit Otto Bauer und Friedrich Adler über das Problem Sowjetrußland. Das Felruarheft der„Neuen Blätter für den Sozio- l t s m u s" betont in einem beachtenswerten Leitartikel die Not- wendigkeit der d e u tsch- f r a n zö f isch« n Perständi- gung. Ein Aufsatz des jungen französischen Soziallsten Pierre B r o s s o l« t t« unterrichtet über die französische E i n st e l- ! u n g zu den großen Problemen der deutsch-franzäsi schen Verständigung._ Bürgermeister als Betrüger. Die Potsdamer Strafkammer verurteilte den früheren Bürger» m«ister von Dahin«, Georg Wendland, wegen fortgesetzten Betruges zu 699 Mark Geldstrafe, nachdem er vom Luckenwalder Schöffengericht freigesprochen war. Der Angeklagte halt« fälschlich Kriegsanleihe zuungunsten de» Deutschen Reiches und des anhaltinischen Freistaates als Altbesitz angemeldet, obgleich es sich um später erworbene Stück« handelte. Appell der Eisernen Front. Führerkundgedunz am Sonntag in der.Neuen Welt". Nach dem Abschluß der erfolgreichen Riisttvoche in Berlin wird am Sonntag eine große Fiihrerknnd» g e b u n g die Marschroute der Eisernen Front fiir die nächsten Wochen festlege». Tiefer Führerappell findet am kommenden Tonntagvormittag, dem 21. Februar. in der Neuen Welt statt. Die Führer des Reichsbanners, der Hammerschaften der Gewerkschaften und des Arbeitersportes, der drei große« Formationen der republikanischen Front, werde» nunmehr genaue Anweisungen an die Funktionäre ausgeben. Tie Kund- gebung erhält höchste Bedeutung durch die Tatsache, daß am 21. Februar überall im Reiche große öffentliche Kund- gedungen stattfinden, die gleichzeitig Werbeveranstaltun- gen für die Rüftwoche find, die jetzt in der Provinz mit der gleichen Hingabe durchgeführt wird, wie das in Berlin der Fall war. Alle Kräfte konzentriert! Die Versammlung der Eisernen Front, die am Sonntagnach- mittag um S Uhr in Blankenburg im Lokal von Klug stall- fand, war übersüllt. Unter stürmischem Beifall der Versammlung erklärte Ge- nosse Kuttner: Die Eiserne Front bedeute, daß es die Republikaner satt haben, die Demokratie zum Tummelplatz für Verleumdungen, Pöbeleien und Ausschreitungen ihrer Gegner werden zu lassen. In der Politik komme es daraus an. wie schon Ferdinand Lassalle ge- lehrt hat. alle Kraft aus den entscheidenden Punkt zu ton- zentrieren. Die Entscheidung falle jetzt zwischen Republik und Fa- schismus. Weder der Obergendarm chlller noch einer seiner Unter- oendarmen Frick oder Auwi, dürfe Reichspräsident werden. In der Diskussion sprach ein Kommunist. Er oersuchte, die Frage der Präsidemenwahl demagogisch auszunutzen. Dies Manöver schnitt ihm jedoch eine Zwifchenfrage des Referenten ab: Würden den» die Kommunisten für Otto Braun stimmen, wenn wir ihn aufstellen würden?—„Selbstverständlich nein!' lautete die Antwort des Moskaujünglings, was«in verständnisvolles„Aha' der ganzen Ver- sammlung auslöste. Ein Jungbannermann aus Pankow gab im Namen der Jugend dem Apostel Moskaus einige frisch« und herzerquickende Antworten. Der Referent erwiderte in seinem Schlußwort: Wenn mich ein toller Hund anfällt und ein anderer hilft mir ihn abzuwehren, so frage ich nicht, ob der andere vielleicht ein Bürgerlicher ist. Zunächst gilt es einmal, den tollen Hund des Faschismus totzuschlagen, dann wird immer noch Zeit sein, sich mit dem Bürgertum im Zentrum und in der Staatspartei auseinander� zusetzen.' Stürmische Zustimmung.) Girahlenforfchung in 9000 Meier Höhe Man schreibt uns aus Potsdam: Im Meteorologischen Ob- seroatorium in Potsdam und Ditterfeld wird zur Zeit ein wissen- schaftler Ballonausstieg vorbereitet, der der Strahlenforschung dient. Mit einem gewöhnlichen Freiballon, dem größten allerdings, den wir in Deutschlarch haben, und einer offenen Gondel soll oersucht wsrden, bis in sine Höhe von 3000 Meter zu gelangen, um dort in einer Lustschicht, die man in wissenschastlichen Kreisen für am günstigsten hält für die geplanten Messungen, die Inlensiollüt der „sogenannten d u r ch d r r n g e n d e u S t r a h l e n' festzustellen Als Piccard seinen Flug, in die Stratosphäre unternahm, wobei er in ein« Höhe von etwa IS 0(X> Meter kam, sind auf diesem Gebiet so gut wie gar keine Ergebnisie erzielt worden. Bei dem setzigen Unternehmen, das von Professor Düring vom Meteorologischen Institut in Potsdam, dem seit kurzem ein Strahlen- Observatorium angegliedert wurde, vorbereitet und von dem be- kannten Freiballonführer Schütze ausgeführt werden wird, handelt es sich um die Messung jener„durchdringenden Strahlen', die in winzigen Mengen aus dem Wellall komnien und eine so stark« DurchdrinMngskrast haben, daß sie beispielsweise durch eine einen Meter dick« Bleischicht hindurchg-chen. Man weiß noch nicht, wie dies« Strahlen praktisch für menschliche Zwecke ausgewertet werden können, wenn es erst einmal gelungen ist, sie aufzufangen. Vielleicht bedeuten sie ein« Reoolutwnierung aus dem Gebiet der Strahlen- forschung. Aus diesen Gründen mißt man in wisienschastllchen Kreisen dem Ballonaufstieg große Bedeullmg bei. Zwischen SäQO und 9000 Meter glauben die Meteorologen, daß sie mit ihren Meß- instrumenten genau herausfinden können, wieviel von diesen„durch- dringenden Strahlen' aus dem Kosmos, wieviel von der Sonn«. wieviel von der Erde und wieviel aus der Atmosphäre kommen. Mit dieser Erkenntnis hofft man, dann ein erhebliches Stück weiter in der Erforschung dieser Strahlen kommen zu können. Der Ballonaufstieg ist in der vorgesehenen Form ein kühnes Wagnis, denn von der SMO-Metel-Grenze an ist das Atmen nur noch unter Zuhilfenahme von Sauerstoffapparaten möglich. Sch.m wiedsrholl stnd Ballonfahrer, obwohl sie mit Sauerstoffapparaten ausgerüstet waren, in höheren Regionen bewußtlos geworden. So ist es auch dem setzlgen Organisator des Forschungsfluges. Prosesior Süring ergangen, als er vor vielen Jahren den deutschen Höhen- rekord für Freiballonslüg« mit 10 800 Metern aufstellt«. Erst in etwa 3000 bis 4000 Meter Höh- stnd er und sein Mitsahrer wieder zu Bewußtsein gekommen. Schütz und sein Begleiter glauben mit Sauerstossapparaten auskommen zu können, deren Brauchbarkeit sie in den letzten Tagen ausprobiert haben. Das Unternehmen wird auch staatlich durch einen Zuschuß unterstützt, der den Forschern aus einem für derartige Zwecke bestimmten Fonds des Reichsverkehrs- Ministeriums zur Verfügung gestellt worden ist. Der Statt soll erfolgen, sobald stabiles Hochdruckwetter zu erwarten ist. _ Heinrich Miltner. (Ttn Tlerschuhmuseum in Berlin. In Bettin wird von einer zu diesem Zweck zu bildenden Vereinigung die Gründung eines Tier- schutzmuseums vorbereitet. Die Anregung geht von dem Schöpfer des W-lttierschutztages, Heinrich Zimmermann, aus, der als Grund- stock seine umfangreichen Sammlungen zur Verfügung stellen will. Das Museum, das in seiner Art einzig werden soll, wird vor allem propagandistisch dem Gedanken des Tierschutzes dienen, aber auch das Werden der Tierschutzbestrebungen zeigen und früheren Ver- nachlässtgungen und Quälereien der Tiere heutige Errungenschaften gegenüberstellen. Mit dem Museum soll ein Bortragssaal und eine ttettundliche Bibliothek verbunden werden. Iu der SeseMchsst für«mpirlsch- Philosophie spricht heute Bros. Viktor I o l l o s über das Evowtionzproblem. Im Museum Mr Raturluod« spricht Mittwoch, ü Uhr: Vrof. B av v e w. heim über„Selbsttätige Mechanismen im Fischkörper: 8 Uhr: Prof. Moser:„Dm Tlbestrand, eine Wanderung a» unsere» Küsten. Fm Museum fiir Meereskunde ist der heutige Bortrag des Herrn Prof. fe 11 Sverdrup ausverkauft: er wird Freitag 8 Uhr wlederdott. I« Schiller-Theater wird„Die göttlich- Jette"' nur noch bis M» A. F-bsu» gegeben. Nazis in Döbsritz Faschisten werden auf dem Truppenübungsplatz ausgebildei Unter der Ueberschrift:„Getarnte Felddienst- Übungen in Döberitz!" brachte das Spandaner „V olksblatt" eine« längere« Bericht über groß- angelegte Felddienstübungen ans den Exerzierplätte» von Döberitz. Die Teilnehmer sind Nationalsozialiste», die sich unter dem Name«„B erei« Deutscher Volkssport getarnt haben. Wie wir von zuständigen polizeilichen Dienststellen er- fahren, handell es sich beim„verein Deutscher Volkssport' in der Tat um eine rein nationalsozialistische Ver- cinigung. Bezeichnenderweise steht sie unter der Lellung des gleichen Graf helldors. der letzthin im kursürsleadamm- Ohnesorge-Brozeß unter aussehenerregenden Umständen freige- sprachen wurde. An Einzelheiten ist, nach den Mittellungen des„Volksblattes', zu vermerken, daß beispielsweise am Sonntag, dem 31. Januar, früh um 9 Uhr, nicht weniger als 60 Privatkraftwagen mit Nazis und außerdem marschierende Trupps von Hakenkreuzlern sich nach Glienecke zu bewegten. Gegen 14 Uhr kehrten die„3ie- truten' des Dritten Reiches verdreckt und abgehetzt zurück, die Führer spielten in Automobilen Stab und Offizierskorps. Man marschierte unter Absingung der bekannten Kampslieder nicht in Einzeltrupps, sondern in Kolonnen in einheitlicher Kleidung. weitere Hebungen fanden statt, bei denen durchschnittlich 3000 Wann gezählt werden können, die in der Hauptsache aus Berlin kommen. Die Uebunzen gehen, und das mutet besonders seltsam an, auf Gelände, dos der Reichswehr untersteht. Man betreibt mllitärische Ausbildung, was mit aller Deutlichkeit aus den Prahlereien der „Rekruten" auf dem Heimweg hervorgeht. Es ist natürlich dabei üblich, Passanten, namentlich, wenn sie proletarischen Schichten angehören, anzurempeln und zu terrorisieren. Als besonders frech mutz es übrigens erscheinen, so etwas als„Volks- spart' zu bezeichnen. Die Mitteilungen des„Spandauer Volksblattes' stützen sich, wie wir erfahren, auf wochenlange gewissenhafte Beobachtungen. Eine sehr rasche Aeußerung der zuständigen Stellen muß dringend gefordert werden. Anschlag auf Ningbahnzug? Laternenständer aus den Schienen An der Anhalter Bahnbrücke entdeckte der Führer des Riugbahnzuges 2645 ans den Schiene» zwei gußeiserne Laternenständer. Es gelang ihm, im letzte» Augenblick de» Zug abzubremsen. Gr konnte aber nicht mehr ver- hindern, daß einige Wagen über die Ständer hinweg- gingen. Die Eisenröhren wurden von den Rädern zer- schnitten und beiseite geworfen. Irgendwelcher Schade« ist glücklicherweise nicht entstanden. Wir erfahren zu diesem Vorfall folgende Einzelheiten: Die Stelle, an der die Laternenständer über die Schienen gelegt worden sind, ist an der Kreuzung der Züge nach Lichterselde-Ost und der Ringbahnstrecke Schöneberg-Ebersstraße. An dieser Kreuzung steht eine Blockstelle, die die technische Bezeichnung V.O.?. führt. Der Zug 364S verläßt den Potsdamer Ringbahn- Hof, fähtt über Papestraße, Stralau-Rummelsburg und kommt schließlich über West kreuz nach dem Ausgangsbahnhos zurück. Er passiette die Unglücksstelle um 22.23 Uhr. Dadurch, daß der Zug- führer das Hindernis auf den Schienen rechtzeitig bemerkte, ist größeres Unglück oerhindert worden. Die Laternenständer werden für die Notbeleuchtung bei nächtlichen Ausbesserungen gebraucht. Der Zugführer hielt an und benachrichtigte die Blockstelle und den Bahnhof Papestraße. Bon beiden Stellen eillen sofort Beamte her- bei, die das Hindernis beseitigten. Der Zug konnte dann seine Fahrt fortsetzen. Bon der Ueberwachungsabteilung der Eisenbahn ist eine Kommission entsandt worden, die an der Stelle Nachforschungen anstellt. Ein abschließendes Untersuchungsergebnis liegt noch nicht vor. Bruckners Aeunte Sinfonie. 7. Für twangler-Konzert. Don ihr, von dieser letzten Bruckner-Sinfonie, trifft zu, was man von Schübe: ts Unvollendeter gcmeinhin glaubt: hier mußt« (der Meister starb) ein Werk ohne ein krönendes Finale bleiben, das äußere Bollenbung verdient hätte wie kaum ein anderes. In höherem Sinn, in tieferem Verstand freilich ist es vollendeter und vollkommener als beinahe all« Werke, die wir kennen: reichste und reifste Schöpfung eines mühsam Ringenden und langsam Wachsen- den, aber unaufhaltsam größer und gewaltiger Werdenden. Di» Sinfonie war das große Problem seines Lebens(kein anderer hat, feit Beethoven starb, den Geist der Sinfonie bsgriffsu und gestallet wie er). Sein« neun Sinfonien bringen inmier die gleichen Satz- typen in immer herrlicherer Prägung: in der letzten ist der Gipfel erreicht: ungeheure Ausmaß« stnd durch edrlste Propottionen ge- bändigt, kompakte Harmonik, polyphon differenziert, verwirrendsts Vielstimmigteit, harmonisch integriert— die architektonische Geniali- tat mir durch eins üdettroffen, durch die strömend«, nie versagende Fülle der Einfälle. Furtwängler, dem man es anmerkte, daß er das Werk in vollem Bewußtsein seines Wertes und seiner Herrlichkeit zele- brierte, übertraf sich selbst: er baute, wuchtet«, türmte, verband zu klingenden Flächen und gewaltigen Steigerungen, tremtte durch langau-gehattsne Cäsuren vall intensivster Spannung, er lieh die Musik einschlafen, weckte sie wieder auf aus träumendem Nuhls: er sieh die architektonische Form in nie erlebter und prachtvoller Klarheit erstehen. Wje er e«n phantastischen Sommernachstraum des Scherzo hinzauberte, die Coda des ersten Satzes auftürmt« oder ungeheure letzte Steigerung des Adagio, bevor«s in schmerzsicher Süßigkeit verklingt(um nur ewiges zu nennen)— dies war ein völliges Sichdecken von Wiedergabe uno Werk. Kongenialer Inier- pret"dieser Sinfonie zu sein, ist aber auch für einen Futtwängler höchstes Lob und höchste Ehre. A. W. Die ,/Kofe l�evue". Großer Erfolg in Dessau. Der Arbeiter-Bildungsausschuß Dessau und der Gesangverein„Borwärts"- Dessau stnd gemeinsamer Beranstaller einer Werbeaktion, die in vorbildlicher Zusammenarbeit mit den proletarischen Verbänden, Pattei, ADGB., Freidenker, den Reichsbund der Kriegsbeschädigten und dem Zentralperband der Arbeiteinvaliden, sowie die Gewerkschastssugend erfaßt. Nicht zum ersten Male hat die„Rote Revue', in der Hans H e l l f r I e d revolutionäre Szenen der Weltttteratur in loser Folge verbindet, ihre Werbekraft erwiesen. Wo wir dem Werk, das Ottmar C« r st e r musikalisch in knapper Form illustriett, begegnen, überall ist ihm seit der Essener Uraufführung der durchgreifende Erfolg beschieden gewesen. In Dessau sind zunächst fünf Ausführungen der„Roten Revue" vorgesehen. Gesangs- und Sprechchöre, Arbeiterjugend und Sänger, Spiel- mannszüg« der Arbeiterturner und des Reichsbanners verbanden sich mit Darstellern des Friedrich-Theaters Dessau. Di«„Rote Revue' verlangt zu chrer Wiedergabe— außer Schauspielern und einer Sängerin, Gesangs-, Sprech- und Be- wegungschören— nur ein Bläserorchester von 14 Musikern. Unsere proletarischen Verbänden sollten ernstlich erwägen, ob das Werk in den bevorstehenden Wahlkämpfen nicht agitatorisch auch in Berlin für Partei und Gewerkschaften auszuwetten wäre? Ueberall, wo unsere Arbeiterschaft zu kämpfen hat! Nach der gestrigen ersten Aufführung der„Roten Revue' er- öffnete Genosse Seeger das„Eiserne Buch'. Er fordette Mit- wirkende und Zuhörerschaft auf. sich einzutragen. Von«wer stattlichen Zahl wurden wesentliche Beträge gezeichnet. Auch die vier weiteren Aufführungen werden zur Werbung für dos„Eiserne Buch' ausgiebig benutzt wetden. Ein Erfolg schafft hier den anderen! V. Filmexpresflonismus. „Das Kabinett des Dr. Caligari."—- Kamera. Vor elf Jahren entstand.Las Kabinett des Dr. Caligari", damals als eine wegweisende Großtat gepriesen. Der Expressionis- mus, in Literatur und Kunst bereits im Stadium der Krise, eroberte den Film. Allerdings bedeutete der Caligari nur einen Auftakt, dem keine Entwicklung in dieser Richtung folgte. Die„Kamera" spielt jetzt w der Epoche des Tonstlms das Werk, und man oermißt nicht das Wort. Grotesk« Phantastik braucht keinen Dialog, der die gespenstisch« sinwirklichkett der Vorgänge nur in eine greifbare Sphäre herabziehen würde. Die Erzählung eines Irrsinnigen von dem mit hypnotischen Kräften begabten Dr. Caligari, der durch einen Somnambulen morden läßt, wäre auch perständlich ohne die Fülle der Texteinschaltungen. Die Handlung löst sich völlig in sichtbare Eindrücke auf. Bleibt die Komposition des Films ausgezeichnet, so stören heute stilistische Eigentümlichkeit tn der Dekoration und im Spiel. Die Periode des Expressionismus ist uns sehr fern gerückt. Da es sich um die Zwangsvorstellungen eines Geisteskranken handell, ist gegen eine wirklichkeitsserne Inszenierung, gegen eine schief gestellte Kulissenpracht, die das Bild der realen Well verzerrt und ins grausig Visionäre steigern will, nichts einzuwenden, aber sie gleitet in das Kunstgewerbliche ab. Sie unterstreicht nicht die Vorgänge, sondern sie steht als spielerische Arabeske da. Die Regie ist heute ruhiger. Die Hauptrollen spielen Werner Krauß und Conrad Veidt, also Gestalter, die zu den Größten zählen, gebändigte Künstler, sparsam in der Gest« und im mimischen Ausdruck. Im Caligari fällt jedoch die Uebersteigerung und Verkrampfung ihres Spiels auf, das oft die Lächerlichkell streift, und die anderen etwa eine Lil Dagover wirken wie Opernsänger aus der Provinz. Die Darstellung im Film ist während der Zell ausgeglichener geworden. Erst allmählich stich die Uebertreibungen gefallen. Dekoration und Darsteller er- scheinen antiquitiert. Entscheidend bleibt aber ein anderes Moment. Der Ton bedeutet keine Notwendigkeit. Ein guter Filmstoff vermag auch in stummer Form heute noch starke Wirkungen auszulösen. Warum hat übrigens der Film das Gebiet des Phantastischen ver- nachlässtgt? Ein Gebiet, das eine Domäne seiner Darstellung sein müßte. Setz. Die Dramatiker zur Theaierkrise. Der Verband Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkom- ponistcn hat in feiner ordentlichen Generalversammlung an, Man- tag eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Der Verband stellt zur Krise des Theaters fest, daß die Leitung fast oller deutschen Theater sich in den Händen ehemaliger Schauspieler befindet. Die Krise des deutschen Theaters ist auch eine Krise der Schauspielerdirektionen, denen der innere Zusammenhang mit den lebendigen Kräften der dramatischen Erzeugung fehll. Der Ber-. band stellt fest, daß die deutsche Oesfenllichkell, insbesondere aber die deutschen Ministerien und Stadtbehörden den dramatischen Autor noch immer nicht als zum Theater� gehörend betrachten. Der Ver- band richtet an Ministerien und Stadtvcrwalwngen die Auffordc- rung, bei Ausschreibung von Intendanten- und Direktorenstellen die geistige Führung der Bühnen im Auge zu beHallen... Der Verband stellt mll Bedauern fest, daß eine Reihe von Theatern. darunter vor allem das Berliner Staatstheater, die Stelle des Dramaturgen aus falsch angebrachter Sparsamkeit unbesetzt läßt. Die Thealerkttle in Vot-dam. Der Potsdamer Magistrat hatte für das Schauspielhaus in der Spielzeit 1931/32 23 000 M. bereit-■ gestellt. Diese 23 000 M stnd tevetts verbraucht worden. Da bei dem Wegfall einer weiteren Unterstützung das PersriW von 36 Köpfen der Wohlfahrt zur Last fallen würde, hat der Magistrat ein« Beihilfe von 15 000 M. gewährt, trotzdem die Stadtverordnetenversammlung noch nicht zugestimmt hat. Th-ed-r Kappitein lprichk Mittwoch, den 17. Febxhqx. um 19 Uhr, Dvrvtheenstr. l?, über„Die O u ä kc r. Kundgebung der Werkmeister. Gegen Naziterror, für Eiserne Front. Seil Iahren Hot sich in das Berliner Gewerkschaflshaus nicht ein so gewalliger ZNenschenstrom ergossen wie gestern abend, als sich die s r e i g e w c r t s ch a f t l i ch e n B e r l i a e r Werkmeister in die Eiserne Front einreihten. Der grohe Saal reichte nicht aus. obwohl alle Tische entfernt waren, um alle Einlas} Fordernden zu fassen. Saalsläche, Tri- bünen und Bühne waren bereits vor der fcstgesehten Zeit des versammlungsbeginns gestopft voll, hunderte von Wert- meistern muhten wieder umkehren. Vor den rund 2000 Versammlungsbesuchern legte der Vor- sitzende des Deutschen Werkmeister-Verbandes, Genosse Busch- mann zunächst die Ursachen der Wirtschaftskrise dar, der die Reichs- regierung durch eine grundsalsch« Wirtschafts- und Preispolitik zu begegnen sucht. Die Nationalsozialisten glauben, die Arbeiterschaft verwirren zu können, wenn sie den Kapitalismus rot an- pinseln. Diese rote Deckfarbe ist aber so schlecht, daß schon ein flüchtiger Blick genügt, um den gelben Untergrund zu er- kennen. Die Werkmeister lassen sich ebensowenig wie die Hand- arbeiterschast über das Wesen des Nationalsozialismus täuschen. Die Eiserne Front ist der Inbegriff der gewaltigen Kraft der deutfchen Arbeiterschaft, zu der sich auch die Werkmeister bekennen. Die Werk- meister werden gemeinsam mit den Handarbeitern in der Eisernen Front dafür sorgen, daß das stolze Gebäude der deutschen Gewerk- schaftsdewegung vom Faschismus nicht in Schutt und Asche gelegt wird Durch stürmischen Beifall bekundeten die Werkmeister die U e b e r ei n st i m m u n g mit den Ausführungen ihres Verbands- Vorsitzenden. Einmütig brachte die Versammlung ihre Kampfes- stimmung durch die Annahme einer Entschließung zum Ausdruck, in der es zum Schluß heißt: „Die Werkmeister bekämpfen die mtionalsozialistische Jellen- bildung in den Betrieben, weil sie wissen, daß ein Erfolg dieser Partei, der sich stützen würde auf Terror und Gewalt, das Berufs- schicksal der Werkmeister noch grausamer gestalten würde als es je in der Vergangenheit war. Die Werkmeister stehen auf Vorposten zur Bekämpfung einer falschen Arbeiterpartei, sie stehen auf Vor- Posten in den Hammerschaften der Eisernen Front." Eine Domäne der KPD. für Eiserne Front. Riesrnversammlung im Schlacht- und Viehhof. Eine überwältigende Kundgebung für die Eiserne Front fand Montagabend für die Belegschaft des Schlacht- und Viehhofs statt, in der Genosse D r e s s e l referierte. Heber 800 Personen dieser bisherigen kommunistischen Domäne folgten gespannt den Ausführungen des Redners, der scharf mit den Nazis ins Gericht ging, aber auch die KPD. als Spalterin der Arbeiterklasse gebührend kennzeichnete. Minutenlanger Beifall drückte demonstrativ die Zustimmung der Versammelten aus. Bon den anwesenden kommunistischen Rednern macht« keiner den Versuch, das Wort zu ergreifen. Mit einem be> geisterten Hoch aus die Eiserne Front schloß die Kundgebung. Einigung in Dänemark. Die Massenaussperrung abgesagt. Kopenhagen, lö. Februar. lTigenbericht.) In dem Tarifkonflikt, der sich zu einem Grohkamps auszuwachsen drohte, ist der Schlichtungsvorschlag, wonach die V e r- träge unverändert um ein Zahr verlängert werden sollen, angenommen worden. Die angekündigte Großausspcrrung wurde abgesagt. Die Tarisoerträge waren von den Gewerkschaften gekündigt worden, die sich gegen zu erwartende Preissteigerungen infolge des Absinkens der dänischen Währung schützen wollten. Die Unternehmer waren anfangs bereit, die Verträge um ein Zahr zu verlängern. später forderten sie herabsehung der Stundenlöhne und Akkordpreise um 20 proz. und dreijährige Lanfsrist der Verträge. Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in Frankreich betrug nach der am 6. Februar abgeschlossenen Statistik 2 5 0 4 8 2<200 283 Männer und 50 109 Frauen). Das bedeutet gegenüber der Vorwoche eine Zunahme um 17 005 Arbeitslose. Auf Paris und die Vororte entfallen 140 346 Arbeitslose. e Buch ./tUhard ißillinger: SEwei Spiele*) Der Dichter der„Rauhnacht" legt hier zwei Bauernspiele vor— allerdings nicht Spiele für den Bauern, sondern Spiel« vom Bauern. Denn was Billinger gestaltet, das ist nicht der nüchterne Ackerbauer, nicht der sparsame Verwalter einer längst gezähmten Natur, ist nicht das, als was der Bauer selbst sich zu sehen gewohnt ist! Billingers Menschen sind noch immer die Tyrannen einer wild gegen das Joch der Bearbeitung sich ausbäumenden Urnatur; und diese Urnatur ist nicht mir wach draußen auf den Feldern, im feindlichen Wechsel von Nässe und Dürre, sondern auch und fast mehr noch drinnen in der scheinbaren Einfalt der Seelen, als jenseit jeder gesellschaftlichen und ethischen Bindung unhemmbar auflodern- der Trieb. Die solche Triebe tragen und von solchen Trieben fort- getragen werden, bezeichnet Billinger selbst als„Riesen", wenn es sich um den Mann, als„hexen", wenn es sich um das Weib handelt: solche Wörter sind hier keine Märchenwörter, in ihnen sind auf- bewahrt und verdichtet Jahrtausende alte Erinnerungen an den Kampf— und an die Gemeinschaft zwischen Mensch und Natur. Darum wiegen alle Wörter schwer, jedes möchte ein Satz sein—, die Wortkargheit des Bauern setzt sich hier um in die Eigenwillig- keit einer zweifellos neuen dramatischen Form: was der Expressiv- nisnms vergebens zu erreichen suchte durch den Bruch mkt der heimischen Tradition, die alles verstandesmäßige Begreifen und selbst den„Sinn" überwältigende Autonomie des Wortes an sich. das wird hier erreicht durch die Einkehr in die letzten Tiesen der Tradition. So ergibt denn die Handlung, will man sie vom Wort lösen, fast nicht mehr als eine schauerliche Moritat, so ergibt das Wort, gelöst von der Handlung, eine Folge lyrischer Gedichte— und so ergibt das Widerspiel von Wort und Handlung die wahrhaft monumentale Vision eines wahrhaften Dichter. Hsrrmann Mostar. *) Verlag Georg Müller, München. Dienstax, 16. Februar. B e r H n. 16.05 F W. Kaiser: Unruhige Zeilen im Fernen Osten. 16.30 Leipzig. Konzert. 17.30 Max Herrmann-Neiße liest eigene Gedichte. 17.50 Dr. Julius Kapp: Joseph Haydn. 15.10 Mitteilungen des Arbeilsamtes. 18.15 Unterhaltungsmusik. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Volkstümliche Bücher über Musik.(Am Mikrophon: Direktor Fritz Ohrmann.) 19.40 Häuer Georg Protzek, Beuthen O.-S.: Aus dem Leben eines Kumpels. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Was die Deutschen lasen, als ihre Klassiker schrieben. Manuskript; Dr Walter Benjamin, Ltg.: Edle! Koppen. 22.10 Räuscher: Zeitungsschau. 22.30 Wetter. Nachrichten und Sport. Anschließend: Vom Berliner Sechstagerennen im Sportpalast Königswusterhausen 16.30 Leipzig: Konzert 17.30 Claude Qrander: Aufrichtigkeit In der französischen Literatur. 13.00 Dr. Sahm: Das Wesen der Hanse. 18.30 Mersmann: Gespräch über Musik. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 19.20 Walter Maschke, Gotthard Sachsenberg; Arbeitsdienstpflicht? 20.00 Langenberg: Leichte Musik. 21.00„Der Fall Emma Badicke". Lehrspiel von Ludwig Spitzer. 21.35 Breslau; Konzert der Breslauer Singakademie. 1. Kreis. Die Bestattungsfeier für den verstorbenen Genosicn Weinberg findet am Mittwoch, dem 17. Februar, vormittags 10� Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Weiler für Verlin: Teils heiter, teils wolkig, nur nachts leichter Frost, schwache Nordwinde.— Für Deutschland: Im Westen be- ständig und heiter, im übrigen Reiche wolkig, aber kein« nennens- werten Niederschläge. Temperaturen im allgemeinen wenig verändert. Perantwortl. fUr die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Berlin Verlag: Vorwärts Verlag G m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3. Hierzu l Beilage. »ROGRAMM ür die Zeit vom 16. bis 15. Februar mm® Potsdamer Straße 38 Der Stolz der 3. Kompagnie mit Heinz Rühmann— Außerdem das Lustspiel: Wie wohne ich gnt und billig mit Maly Dclsehuft, Anton l'ointner W. 5, 7. 9 tlhr Rheinstraße 14 kISMIm Verlängert: Fräulein, falsch verbunden, mit Maarda Schneider, Johannes Kiemann— Außerdem: Fasse dich kurz m. K. Lilien W. 5, 7. 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 Der weiße Rausch mit Leni HiefenstnbH, Hannes Schneider— Außerdem: Kiesen des Urwaldes Für Jugendliche freigegeben! W. 6, 7, 9 Uhr Tarmstraße 12 Der Herr Bürovorsteher mit Felix Bressart, Horra.Thimig:. Alfred Abel, Margot Walter Für Jugendliche fieigegebenl W. 5, 7, 9 Uhr KINO-TAPSL PROGRAMM rür die Zeit vom 16. bis 18. Februar Moabit J As»/ Wochent. ab 6 Uhr BTlUoilOT Sonntags ab 5 Uhr Pcrleberger Str 29 Zwei Tonfilme: Der Dranfffänffer mit Hans Albers— Iftcimat- klänge— Tonwoche Welt-Kino W 6.45 o 9.05 U. S. 3, 5. 7. 9 Uhr Alt-Moabil 99 Tonfilmoperelte: Fräulein, falaeh verbunden mit Magda Schneider— Toubelprocramm— Tonwochc ■_«»arlottenbura— J Kant-L ich tspiele Kanlstr 54<33 der Wilmersdorfer Str.) Der Stolz der 3. Kompagnie mit Heinz RUhmann— Außerdem: Fasse dich kurz mit Kurt Killen W. 5, 7, 9 Uhr Alexanderstraße 29-40 ( Passage) Die Xacht ohne Pause mit Camilla Horn. Siegfried Arno — Außerdem: Peetz in Viotz mit Josef Plaut Den ganzen Tag geöffnet! ■ wnatnn V Primus-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr. Holzapfel weiß alles mit Felix Bressart. Kretl Theinicr, Th. I 00s, Julius Falkenstein W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr C| Friedrichstadt M Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3.30, 6.10, 8.50 Uhr Tonwoche: Niemandsland— Dachendes Debcn Franziskaner»rauhrinvorm Georcenstraße(Ecke Friedrichstraße) 9, 12. 3. 6. 9 Uhr: Zwei große Tonfilm-Kultur-Wcrke Wh Byrd zum Südpol Originalaufnahmen der Südpol-Expedition. Zweijährige Forschungsarbeit in der Antarktis 10.50, 1.30, 4.30, 7.30, 10.30 Uhr: Trader Horn Afrika-Tonfilm ITeneste Tonbild-Reportage Germania-Palast Charlollenburg. Wilmersdorfer Str 53/54 Durchlaucht amüsiert sich, mit den Dcycrs, Geora: Alexander— Ferner: Das Ende von Warada W. 5, 7. 9 Uhr Schlüter-Theater ff�su. Schlüterslr. 17. S. 3 U Jgd.-Vorst. DI© Wutter der Kompagnie mit Weiß-Ferdl— Tonbelpr.— Tonwochc Atrium Beba-Palast Kai.erallee. Ecke Berliner Straße Wochent. 7, 9� U. Sonnt. 5. 7, 9�4 U. Uraufführung! Tonlustspiel: Ein steinreicher Wann mit Dolly Haas, C. Dois, Sandrock. Elör- bigrer. Regie: Stefan Szekely— Tonfilmbeiprogramin Titania Schöneberg Hauptstr. 49 W 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Tonfilmoperetle: Die Fledermaus mit Anny Ondra, Georg: Alexander— Tonbeiprogramra A Wach. 5. 7, 9 Uhr AltianXOYa Sonnt. 3. 5. 7. 9 Uhr Uauptsir 30 Wüdchen in Uniform— Ferner: Frauennot— Frauenglück— Bühne: Harim AI Raschids orienf. Zaubcrscbau. AI Raschid verschenkt in jeder Vorstellung eine gold. Uhr(llkar 585 gest.) G ffftfanau T| Kronen Lichtspiele*™� Rheinstr 65. Sbd. Stg. ab 5 Uhr Schofför Antoinctte m. Cbarl. Ander, H. A. v. Schlettow— Großes Tonbeiprofirramm >»ehlnnnorr-Mlttn> Beginn tägl. 5, 7. 9 Uhr tteil Stg. 3 Uhr Jugenüvorslell Potsdamer Sir 50 älfidchen in Uniform mit BHen ■Schwanneeke, Dorath. Wieck — Beiprogramm ■»««»"*« m Titania-Palast Sieglitz. Schloßstr 5. EckeGulsmuthsstr Uraufführ.I Tonlustspiel: Ein Auto und kein Geld m. Dina Gratia Jugendliche haben Zutritt! Für die Besucher wird ein Opel- Sport-Zwcisitzer verlost Jeder Besucher erhält ein Freilos. G WarlAwciorf F•••-»Hendorfer W.6.30, 9U. lvIQml*l Tonlichtspicfe So. ab 5 U. Chausseestr. 305. Die Nacht der Entscheidung: mit Conrad Vcidi— Der schwarze Saphir W Tempelhof � Karfürst sVsAouhr Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Sonntag 3 Uhr: Jugendvorstellung Der Hauptmann von Küpenick mit Wax Adalbert— Ton bclpro�ramra— Jugend!. Zutritt TV*/)/; Täglich 5, 7, 9 Uhr 1 IVO II stgs. 3 Uhr: Jugendvorstell Berliner Str. 97 Großtonfilm: Fräulein, falsch verbunden m. Wagda Schneider — Tonbeiprogramm Mercedes-Palast ÄIB: Hermannslr 212 Tonlustspiel: Wadame hat Ausgang mit Diane Haid— Wiener Liebschaften— Bühnenschau SüdwAsten Film-Palast Kammersäle TellowerStr.l W abSt/b.So ab3)fiU lOOproz. Tonfilm: Die Fleder- ■nau. mit Anny Ondra, G. Alexander— Held v. Kalifornien S Q d• n Theater am Moritzplatz Wo. 5, 7. 9 Uhr, Sonntags ab AVz Uhr Ich bleib bei dir mit Jenny Jngo. II. Thtmlg— Lockruf der Berge Filmeck Am Görlitzer Bahnhof W ab 6�5. Stgs. ab 3 Tonfilm: Niemandsland Tonlustspiel Zwei himmelblaue Augen mit Hermann Thimig, Charlotte Ander— Jugendliche Zutritt Luisen-Theater s!gSab� Rcichenberger Str. 34. Uiegfr. Arno, Wax Adalbert, Camilla Horn in dem Tonfilmschwank Dl© Nacht ohne Pause Ferner der Abenteuerfilm: Am Rande des Abgrundes Jugendliche haben Zutritt! Primus-Palast ILÄs u! Am Hermannplalz. Ürbaf.slr 72'76 Sexualfilm: Liebe, ein Naturgesetz, nie gezeigte Aufnahmen mit ärzll. Vortrag— Nachtkolonne •(Unterwelt") Kukuk Wochent. 6.30, 9 Uhr Sonntgs. 3. 5. 7, 9 U. Ivotlbusser Damm 92 Hinter den roten Wauen« von Lichterfelde mit Alb. Bassermann— Der gehorchende Film. Mal was anderes Excelsior Wocht. 6.45. 9 Uhr Sonntags 3. 5. 7. 9 U. Kaiser Friedrieh-Straße 191 Vorck mit Werner Kraus.— Tonbeiprogramm.— Jgdl. Zutritt Stern, Hermannstraße 49 Wocnl. 6.45 9 Uhr. Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Großtonfilm: Stün*?'» der f' n schaft mit Emil Jannlngs, Anna Sten— Tonbeiprogr. Stella-Palast Z™.« S: Köpenicker Straße 12—14 Emil Jannlngs, Anna 8teen in dem Tonfilm Stürme der Leidenschaft Große Btthncnschau Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 4,,£, letzte 9. Die Fledermaus mit Anny Ondra— Herzen in Flammen mit Marlene Dietrich Neue Philharmonie Köpenicker Str 96 Tonlustspiel: Der verjüngte Ado- lar mit Fritz Schulz— Ton beiprogrumm— Bühnenschau Lichtspielhaus I0„6nt' Ibl v. Baumschulenw. 78. Stg. 2 U-: Jug.-V. Hurra ein Junge! nvt Roberts, Fritz Schulz— Tonbeiprogramm— Tonwoche Nordosten Prenzlauer „LljSlUin Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15. Stgs. 3.15. 5. 7.15. 9.15 2 Laehschlager: Der Herr Bürovorsteher mit Felix Bressart — Der Schlemihl mit Cnrt Bols— Emelkatonwoche Flora-Lichtspiele Wochentaßs 5.30, 7, 8.30 Uhr, Sonntags 3, 4.30. 6, 7.15, 8 45 Ubr 2 Tonfilme- Eine Xochf im Grand- holel— Durehlanrht, die 551» «cherin mit Hanoi Niese Osten German ia-Palast Frankfurier Allee 314 Wocht. ab 6.30, Sonnabd. 5. Stg. 3 Uhr Ronny mit Käthe Ton\ogy. Willy Frltsch, Otto Watiburg Auf der Bühne: Gudrun Hildebrand mit ihrem berühmten Ballelt Klassische u. moderne Tanzschopfung WeICensee Luna-Palast Woch. 5 Uhr ___________ Sonnt ab 3 Uhr Gr Frankfurter Str. 121 Tonwochc Verlängert: Wadame hat Ausgang mit L. Haid. A. Prejean — Bühne: Kapelle Efim Schachmeister Schwarzer Adler au«1» W. 5. 7. ca 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Di© Sterne lügen nicht(Zukünftige Ereignisse). Film mit Vortrag — Ferner Tonfilm: Der bebende Berg— Jugendliche haben Zutritt Viktoria-Theater sS�b sv5 Frankfurter Allee 48. Die Fledermaus, n. d. berühmten Operette von Joh. Strauß, mit Anny Ondra, Georg Alexander Us* Wochent. 7 u 9 D. noTinonte>onnt 5. 7. 9 U Langhansstr. 23. 2 Tonfilme: Solang noch ein Walzer von Strauß erklingt mit Maria Paudler— Weekend im Paradies m. O. Wallburg U jFrledricltsf GldG Frl.. Sbd., Stg. ab 5. Aino MJUSCtl sonst Beginn 6 Uhr Alt-Friedrichsfelde 3 Erstauff.l Luise, Konigin von Preußen, mit Hcnny Porten — Tonbeiprogramm— Tonwoche— Jugendl. Zutritt Ä ftvn MüIIerslraße 136. Ahiamöra Erke«ieestraße W. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Durchlaucht amüsiert sich mit Lien Beyers. Georg Alexander — Tonbeiprogramm Pharas-Lichtspiele Möllcrstr. 142 Täglich 5. 7. 9 U. Tonfilmopcrelter Die Fledermaus mit Anny Ondra. Georg Alexander— Menschen unter der Lupe— Beiprogramm d Bclnitkgntäorf-Oi� Beba-Lichtspiele Residenzstr 121 W 6.45 u. 8.45 Uhr Stg. 5, 7, 9 Uhr 3 Uhr: Jugendvorst. Wegen Riese lerfolg verlängert: Luise, Königin von Preußen, mit Henny Porten— Gloria mit Br. Helm— Tonbeiprogramm Jugendliche Zutritt P a n ftc o " 9 Frankenbarg Treptow-Sternwarte Mittwoch 8, Donnerstag 8 Uhr: Opslerrelchlscho Rliapmodie (Film) Elim BQhne Gr. Frankfurter Str. 74 W. 5, 7, 9 U. S. 3 U-: lugendvorst. Die Fron, von der man»prirht mil Mady Christinn». G Wall burtr u. a.— Tonnbcipr.— Tou- woche— uahnensrhau fl fntrum B Babylon, am Bülowplatz W. 5 Uhr Stg. 2.30 Uhr: Jug.-V. X 27, Spionin oder Dirne? mit Marlene Dietrich Bühne: Komponisten-Wettstreit mit Kapelle Egon Kaiser Kosmos- Lichtspiele Lückstr. 70. Tgl 5, ca. 7, 9 Uhr 2 Tonfilme: Die Pranke mit Hans Rehmann. Ch. Susa— Tingel-, Tangel mit Fritz Karopers 1 Palast-Theater Breite Str. 21a 2 Großfilme: Wüdchen in Uniform — Alarm um Mitternacht mit Gerda Maurus Wochen! 7.» 1 Sbd. u. Sonnt. 5 U Berliner Straße 27 2 Großtonfilme: Er und sein Diener mit Oskar Sabo, Paul Henkels— Elisabeth von Oesterreich mit Lil Dagovcr — lleiprogramm Tivoli Tegel Filmpalast Tegel �ße°2 Wochent 6. Sonnt 4.15 U Sonntags 2 Uhr; Jugend Vorstellung Liebe, ein Naturgesetz, mit ärztl. Vortrag Dr. Edwards— Menschen im Käfig mit Heinrich George, C. Veldt W__[ Filmnnlnrt Bc« w 6- 8 311 Llu rumpaiasi stgs tu e'-i-snu Berliner Str 59 Tonlustspiel: Geld auf der Straße mit Georg Alexander— Gutes Tonbeiprogramm föellage Dienstag, 16. Februar 1932 SnUftnttl %iUniiiga6e-clei tbwäs/i Die Frauen und dasDritteReich Eine Auslese— Von Käthe Kern Wenn sich die Nationalsozialisten in ihrem Programm auch wohl- weislich darüber ausschweigcn, welche Stellung sie der Frau einzu- räumen gedenken, so haben uns die Erklärungen ihrer Führer um so deutlicher gezeigt, daß sie die Frau nicht als gleich- berechtigte Staatsbürgerin anerkennen. Bon dem Wunsch des Herrn Goebbels, daß die Frau dem Bogelweibchen gleich zu Hause sitzen, Kinder bekommen und behüten möge, und von der Sehnsucht des Herrn Feder nach der„Frau, die Magd und Dienerin ist", haben wir bereits Kenntnis genommen. Besondere Beachtung oer- dient jedoch die grundsätzliche Stellungnahme des Herrn Rosen- b e r g in einem Buch„Der Mythos des 20. Jahrhunderts" zur Frage des Stimmrechts! er sagt darüber folgendes: „Dieses allgemeine Stimmrecht soll also der Frau genommen werden? 3a— und dem Manne auch!" Ein völkischer Staat wird Wahlen nicht durch anonyme— männliche und weibliche— Massen vornehmen lassen, sondern durch vcrantwort- liche Persönlichkeiten." Wer sollen dies«„verantwortlichen Persönlichkeiten" sein? Bon nationalsozialistischer Seite ist sehr oft erklärt worden, daß die breite Masse wieder an die„alte preußische Tradition" herangeführt wer- den müsse. Demnach sollen offenbar wieder wie beim p r e u ß i- schen Dreiklassenwahlrecht mit seinem Zweikammersystem Rang, Stand und Geldsäckel ausschlaggebend sein für die Teilnahme an Gesetzgebung und Verwaltung des Staates. Die Frauen aber gehören für Herrn Rosenberg ec> ipso alle zu den unter- wertigen Menschen. Im übrigen steht er ebenso wie Herr Goebbels in der Frau nur ein Fortpflanzungswesen. Zur„Aufnordung" empfuhlt er im Dritten Reich orientalische Vielweiberei. In seinem obengenannten Buch erklärt er:„Ein deutsches Reich der Zukunft wird gerade die kinderlose Frau— gleichgültig, ob verheiratet oder nicht— als ein minderwertiges Glied der Volksgemeinschaft be- trachten und damit auch den„Ehebruch" des Mannes einer Korrektur unterziehen insofern, als ein solcher mitKindessolge nicht als juristisch zu wertender Ehebruch betrachtet werden kann. Eine Ausnahme erleidet diese Bestimmung bei Rassenvermischung. Läßt sich eine deutsche Frau freiwillig mit Negern, Gelben, Misch- lingen, Juden ein. so steht ihr in keinem Falle gesetzlicher Schutz zu. Dieser Auffassung entspricht ein Antrag, den die Nationalsozialisten am 12. März 1930 dem Reichstag unterbreitet haben. Sie be- antragten zum 8 213: „Wer es unternimmt, die natürliche Fruchtbarkeit des deutschen Volkes zum Schaden der Nation künstlich zu hemmen oder in Wort, Schrift, Druck, Bild oder in anderer Weise solche Bestre- bungen fördert, oder wer durch Vermischung mit Angehörigen der jüdischen vlut- gemcinschaft oder farbigen Rassen zur rassischen Verschlechterung und Zersetzung des deutschen Volkes beiträgt»der bei- zutragen droht, wird wegen Rasscnoerrats mit Zuchthaus bestraft." Nach dem Willen der Nazis sollte demnach nicht nur erfolgt« Abtreibung, sondern schon der Versuch, ja sogar die Verhütung und die AufNärung über Berhümngsmöglichkeiten mit Zuchthaus be- straft werden. Diese Aussichten über die Stellung der Frau im Dritten Reich haben in jüngster Zeit ihr« Bestätigung und Anerkennung in grundsätzlichen Artikeln von nationalsozialistischen Frauen gesunden. Heft 22 der„Nationalsozialistischen Monatshefte" vom Januar 1932 ist ganz der Frage„Die deutsche Frau und der Nationalismus" gewidmet Eine Florentine Hamm er- klärt dort:„Eines der traurigsten Symptome des Zufalls der materialistischen Weltherrschast ist der Kampf um Aufhebung des § 218, welcher mit der niederträchtigsten Heuchelei unter der Maske „Menschlichkeit" geführt wird." Offenbar ist es„menschlicher", die unter großen Schmerzen geborenen und mit vieler Mühe groß- gezogenen Kinder einem Diktator als„Kanonenfutter" zur Verfügung zu stellen. Als einzig wahr« Frauenbewegung erkennt Frau Hamm nur die Anteilnahme �der Frauen am Befreiungskampf Preußens 1813 an. Die Nationalsozialisten wollen ebenso wie der dem Stahlhelm nahe- stehende Königin-Luise-Vund den Typus der kriegerfrau. Auf ihrer Naumburger Tagung im Herbst 1930 oerlangten die Nazi- frauen, der Militärpflicht des Mannes im Dritten Reich ein« D i e n st- pslicht der Frauen und Mädchen an die Seite zu stellen. Als Aufgab« der Dienstpflicht wird der Mutterdienst bezeichnet. Wenn sich dieser Dienst darin erschöpfen würde, die Mädchen auf Säug- lingspflege und dergleichen vorzubereiten, brauchte man nichts da- gegen einzuwenden. In Wirklichkeit aber soll durch diese Dienst- Pflicht in erster Linie die g e i st l g e Ausrüstung betrieben wer- den. Im Zeitalter der Lustrüswngcn, Giftgase und Tanks wird von den Nazis systematisch in romantischer Kriegsbegcisterung gemacht im Siime von 1813. Im übrigen sind die Nazisrauen damit einverstanden, daß sie im Dritten Reich kein Stimmrecht haben sollen. Marie B a l tz e r sagt in einem Artikel„Die Frau im nationalsozialistischen Staat": „Die Stellung der Frau im nationalsozialistischen Staat wird der Verantwortung entsprechen, die ihr durch die dargelegt« Neu- rezelung des Familienlebens übertragen wird. Gleichwertig wer- den Männer und Frauen als werteschasfende Glieder ihres Volkes nebeneinander stehen, jeder in seinen« Bereich Herrscher und un- entbehrlich. Ein politisches Wahlrecht gibt es für die Frau ebenso- wenig wir für den Mann: denn der nationalsozialistische St rat wird kein parlamentarischer Staat sein." Florentine Hamm erklärt, daß in einem nationalsozialistischen Staat dem Mann in leitender Stellung„das Amt des Staatsmannes und Richtet- vorbehalten bleibt". Sie hat sich also die Auffassung des Herrn Goebbels zu eigen gemacht, der seinerzeit in>„An- griff" dagegen polemisierte, daß eine Assessorin Vorsitzende des Schöffengerichts Charlottenburg geworden war und in dieser Tatsache„eine Herabwürdigung der Rechtspflege sah, wie sie schlimmer kmun gedacht werden kann". Emma Witte wendet sich in einem Artikel„Die Frau im Lebensraum des Mannes" gegen das Studium der Frauen. In völliger Außerachtlassung der wirtschaftlichen und sozialen Ver- schiebungen der letzten Jahrzehnte macht sie für die Proletarisierung des intellektuellen Mittelstandes hauptsächlich das Eindringen d«r Frau in die akademischen Berufe verantwortlich. Für sie ist das Studium der Frauen ,chie Unnatur eines Zuftandes, der den Mann immer mehr aus seiner eigenen Lebensbahn drängt, die Frau da- gegen unter Unterdrückung ihrer naturgemäßen Anlagen in fremde Lebensbahnen zwingt". Sie verlangt dem Beispiel des faschistischen Ungarn folgend, gesetzliche Einschränkung des akadenüschen Frauenstudiums und Verbot der Zulassung zu den rechts- und staatswisien- schastlichen Fakultäten. Wir haben es hier nicht etwa mit einer Privatmeinung zu tun, sondern mit der Linie der Partei. Im Juni 1930 bereits wurden die nationalsozialistischen Stu- dentinnen aus dem RS D.- Studentenbund ausge- wiesen. Wie den Nationalsozialisten in wirtschaftlicher Hinsicht reaktiv- näre Ziele vorschweben, so erstreben sie auch wieder frühere gesell- schaftliche Zustände. Persönlich« Selbständigkeit und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau ist für die Nazis„pervertierte Vermänn- lichung". In einer Schrift„Die moderne Frau! Die deutsche Frau?" wendet sich ein Hans Hauptmann mit folgenden Worten gegen die moderne Frauenbewegung:„Wüßtet ihr, daß ihr politisch und wirtschaftlich und ethisch Gleichberechtigten dem Mann, dem ihr Brot und Herrschaft entwunden habt, aus Göttinnen Tierweibchen geworden seid! Ihr habt ein Ziel erreicht. Wie glücklich wäret ihr, wären wir, wäre Deutschland, wenn ihr es nicht erreicht hättet. Wenn es nach wie vor noch die naiven Backfische, die züchtigen Bräute, die ruhelos sorgenden Gattinnen, die getreuen und selbstlosen Mütter gäbe, diese vielholden vier Jahreszeiten um des Haufes geheiligten Herd, statt der ewig hastenden Kontoristinnen, paradiesischen Sport- girls, kindlich angezogenen Matronen, von Spiel zu Fest, von Fest * zu Spiel rasenden Mütter, statt der lächerlichen Pasto- Irinnen, Adookatinnen, Richterinnen und Abge- ! o r d n e t i n n e n." Dem Marxismus wird von den Nazifrauen vorgeworfen, daß ! er das Leben der Frau der Gllterproduktion angepaßt habe. Mit ' diesen Behauptungen werden die geschichtlichen Tatsachen versälscht. Die Entwicklung der Freiheitsbewegung der Frauen und die Ve- gründung des wissenschaftlichen Sozialismus fallen zeitlich wohl zu- fammen, aber dieser hat nicht den Anstoß für sie gegeben. Beide Bewegungen— Sozialismus und Frauencmanzipation— haben vielmehr gemeinsam ihre Ursachen in den gleichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandlungen des 19. Jahrhunderts. Der bürger- liche Haushalt wurde durch die zunehmende Industrialisierung mehr und mehr entlastet. Die Familie war nicht mehr eine Stätte der Produktion, sondern mir noch Verbrauchsgemeinschast. Für die bürgerliche Frau war damit die Zell zur Beschäftigung mit geistig. Fragen gegeben. Der bürgerliche Frauenüberschuß aber, der sich früher im Rahmen der Familie nützlich betätigen konnte, hatte nun keine Funktion mehr. Wollten die Mädchen des bürgerlichen Mittel- standes nicht riskieren, im Falle der Nichtoerheiratung Verwandten lästig zu fallen, so mußten sie wohl oder übel sich auf die Ausübung eines Berufes vorbereiten. Zunächst galt es mit alten Vorstellungen aufzuräuinen. Beschäftigung gegen Bezahlung war bis dahin für die Töchter des Bürgertums als un st an desgemäß verpönt gewesen.„Das Recht auf Arbeit" mußten sich die Frauen des Bürgertums erst erringen. So entstand die Freiheitsbewegung der bürgerlichen Frauen. Sie kämpften vor allem um die Gleich- stellung der Mädchen mit den Jungen in der Schulbildung, weil gewisse Grade der Schulbildung Voraussetzung zur Erlangung bestimmter Berufe sind. Für die Arbeiterin hat die„Frauenfrage" ein anderes Gesicht. Die Frauen der p.. letarisierten Handwerker und Bauern wurden durch die Jndustriali- sierung zur Fabrikarbeit gezwungen. Sie mußten als Gattin, Haus- frau, Mutter und Arbeiterin doppelte und dreifache Lasten auf ihre schwachen Schultern nehmen. Das Familienleben war für sie zer- stört und kein Ausgleich dafür gegeben. Sie mußten verdienen, weil der kärgliche Lohn des Mannes nicht ausreichte, um den Lebens- unterhalt der Familie zu bestreiten. Als aber die Arbeiter und die Arbeiterinnen sich organisieren wollten, um bessere und menschenwürdigere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erringen, da verbot ihnen„die alte preußische Tradition" den Zusammenschluß und die politische Betätigung. Und als die Sozialdemokratie im Jahre 1891 die Forderung nach einem Schutz der Heimarbeil erhob, weil in den Heimarbeitbezirken die Ausbeutung am schlimm- sten war, da wurde sie mit der heuchlerischen Begründung abgewiesen:„An der Schwelle der Familie muß der Gesetzgeber hallmachen." Damals wie heute spielt sich das Bürgertum als Hüter der Familie auf, dabei läßt es durch das Ausbeutungssystem des Kapitalismus die Familie wehr und mehr zerrütten Di« Ehe- scheidungsstatistiken weisen mit zunehmender Arbeitslosigkeit eine enorme Steigerung der Zahl der Ehescheidungen nach. Die Sozial- demokratie hat immer betont, daß für uns die Frauensrage eng oer- knüpft ist mit der so z i a le n Frage. Die proletarische Frau kann ihre wahre Befreiung nur in einer sozialistischen Wirtschasts- und Gesellschaftsordnung erlangen. Von einem Dritten Reich aber haben weder die Frauen in gehobenen Berufen noch die Arbeite- rinnen irgendwelche Erleichterungen im Kampf ums Dasein zu erwarten. Notschrei aus unserer Zelt Eine Antwort Man schreibt uns: Mein soziales Empfinden und meine eingehend« Sachkenntnis auf dem Gebiete der kommunalen Wohlfahrtspflege(ich bin reibst Sachbear. eiter bei dem Wohlfahrtsamt eines Bez'uksamts) ver- anlassen mich zu dem am 9. Februar veröffentlichten Schreiben „Notschrei aus unserer Zeit" Stellung zu nehmen. Vor allem auch aus der Erwägung heraus, daß diese Veröffentlichung vom 9. Februar eventuell dazu angetan ist, bei indifferenten und leicht- gläubigen oder oberflächlichen Lesern die Ueberzeugung zu erwecken, als ob seitens der kommunalen Wohlfahrtseinrichtungen mit den Bedauernswerten, die durch die Verhältnisse der Zeit öffentliche Wohlfahrtsunterstützung in Anspruch zu nehmen gezwungen sind, Schindluder gespielt wird— und dem ist, wie Ihnen ja auch be- kannt sein wird, absolut nicht so. Das Schreiben der Unterstützten enthält die Behauptung, sie erhalte nur 5,95 M. wöchentliche Unteistützung. Dieser Betrag entspricht nicht den Unterftlltzungrrichtsätzen. Die Unterstützte (54 Jahre alt) ist als„über21 Jahre alteEinzelperson mit Mehrleistung" zu unterstützen und hat als solche ab 1. Februar 1932 10,15 M. wöchentliche Unterstützung zu erhalten. Dazu kann ihr auf ihren Antrag eine laufende monatliche Miet- leihilf« gewährt werben, die bei einer Nettomiete(nach Abzug der Hauszinesteuer) von monatlich 35 M. nach'dem vom Magistrat festgesetzten Errechnungsschlüssel ab 1. Februar 1932 15,50 M. monatlich beträgt. Die ihr mithin zustehende Varunterstützung beträgt demgemäß Insgesamt monatlich 59,50 M. und nicht, wie von der Unterstützten angegeben wird, 5,95 X 4,3;= 25,90 M. Es gibt, die Tatfächlichkeit eines Jetztbezuges von 5,95 M. vorausgesetzt, nur zwei Möglichkeiten, die der Unterstützten zu diesem niedrigen, nicht den Richtsätzen entsprechenden Wochenbetrag verholfen haben. Entweder liegt ein grober Rechen- bzw. Schreib- fehler in der Unterstützungssestsetzung vor, oder aber, und dieses ist das Wahrscheinlicher«, die Unterstützt« hatte zu der Zeit, als sie den Antrag aus Wohlfahrtsunterstützung stellte, als Inhaberin einer eigenen Wohnung noch an Dritte untervermietet. In letzte- rem Falle wird ein Betrag von 50 Proz. der erzielten Untermiete auf die laufende Barunte stützung angerechnet. Die eventuell in Betracht kommende laufende Mietbeihilfe wird jedoch unbedingt voll weitergewährt. Denn ausdrücklich sagen die entsprechenden Unterstützungsrichtlinien, daß die anteilig« Anrechnung von Unter- miete nur einmal, entweder auf die Unte:stlltzung oder die laufende Mietleihilfe erfolgen darf. Nun schreibt ja die Unter- stützte selbst, daß sie seit drei Monaten nicht mehr untervermietet hat. Ich nehme an, daß sie dem Wohlfahrtsamt keine Mitteilung gemacht hat über den Ausfall der auf ihre laufende Unterstützung angerechneten Untermiete. Zweifellos tut die Unterstützte gut daran, sich sofort zur Klärung ihrer Unterstützungsfrage mit dem zuständigen Wohlfahrtsamt in Verbindung zu setzen. Die von der Unterstützten ebenfalls berührte Kohlenfrage ist ab 1. Februar 1932 gleichfalls im Sinne einer besseren Unter- stützung mit diesem jetzt ja so dringend nötigen„Wärmemittel" möglich. Wie bekannt, standen der Stadt Berlin in diesem Winter zur Verabfolgung von Kohlen erheblich weniger Mittel als im vergangenen Winder zur Verfügung. Diese MiUelbeschränkunc folgerte eine Beschränkung der Empfangsberechtigten. Die Kohlen- unter stützungsrichtlinien vom November 1931 bestimmten, daß in diesem Winterhalbjahr nur Hauptunterstützte mit mindestens einem Zuschlagsempfänger(also Ehepaare oder Väter bzw. Mütter mir mindestens einem Kind usw.) Kohlenkarten bzw. Kohlengeld emp- fangen konnten. Der mild« Winter, der eine eventuelle Sonder aktion auf diesem Gebiete bisher nicht nötig machte, und wohl auch sonstige Einsparungen, mit denen man vorher nicht rechnen konnte. haben es möglich gemacht, daß ab 1. Februar 1932 aus Antrag auch an solche Wohlsahrtsunterstiitzten Kohlen verausgabt werden können, die lediglich Unterstützung als„Alleinstehende" beziehen Voraussetzung ist allerdings, daß die Betreffenden«ine„eigene Wohnung" unterhalten, also nicht Untermieter sind. Da die Unter- stützte ein« eigene Wohnung inne hat, kann sie jetzt auch einen Antrag auf„Kohlengeld" stellen. Die Verabfolgung von Brennstoff erfolgt seit Januar dieses Jahres in bar. Einzel- Personen erhalten den Gegenwert von einem Zentner Briketts mit 1,35 M. monatlich, dazu empfangen sie einen Kohlenbezugsschein. auf Grund dessen eine Verbilligung des Kohlenpreises erfolgt, und einen Kohlenbezugefchein des Ostelbischen Braunkohlensyndikats. der eine weitere Verbilligung herbeiführt. Zu den in vorstehenden Ausführungen behandelten Bar- und Kohlenunterstlltzungsbeträgen kommen dann für die längere Zeit bereits erwerbslosen Wohlfahrtsunterstlltzten wie auch für Krisen- unterstützungs- und auch Alu-Empfänger noch die Sonderleistungen, die jeweilig auf Antrag nach Prüfung der Bedürftigkeit bzw. Not- wendigkeit gewährt werden, in Form von Schuhbesohlscheinen Kleidung, Schuhzeug, Wäsche usw. Ferner kann heute jede Er- werbslose gegen den geringen Betrag von 20 Pf. pro Portion (auf Antrag bei größter Notlage auch ahn« Vergütung) gutes und reichliches Mittagessen aus den städtischen Volksküchen erhalten. Wie man sieht, ist es mithin nicht ganz richtig, wenn die Unterstützte schreibt,„daß einem Menschen nur 5,95 M wöchentlich angeboten werden", es ist erheblich mehr, was die Stadt Berlin jedem einzelnen Unterstutzten tatsächlich in bar und in Sachleistungen verabfolgt. Berücksichtigt man dabei die ungeheure Zahl der Hilfsl«dürftigen, die die Hilfe der Stadt Berlin"jetzt in Anspruch zu nehmen gezwungen sind, und vergleicht die hierfür zur Verfügung stehenden mehr und mehr«inschrump- senden Mittel, dann wird wohl jeder Einsichtige davon überzeugt sein, daß seitens der Wohlfahrtseinrichtungen der' Stadt Berlin alles getan wird, was in jetziger Zeit getan werden kann. Natürlich ist individuelle und objektive Behandlung eines jeden Antrages der Hilfsbedürftigen Voraussetzung für ein« gerecht« Wohlfahrtspflege. Wer sozial empfindet und sich in die ieelisch« Verfasiung eines Antragstellers versetzen kann, und wer versteht was„Erwerbslosigkeit" mit all ihren Einwirkungen auf die gesamt- Lebenslage des davon Betroffenen bedeutet, der wird als„Wohl fahrtsamts-Sachbearbeiter" im Rahmen der in Bet-acht kommende' Richtlinien und Bettimmungen auch immer im Interesse und zum Wohle des Antragstellers, wie auch im Jnteresie und zum Woh'� der die Unterstützungen gewährenden Wohlfahrtsbehörde handeln 350 Frauen turnen Werbelcst der FTGB.-Frauen On der Zentrallurnhalle Prinzenstraße zeigen Sö0 Arbeitersport- lsrinnen der Freien Turnerschaft Groß-Berlin in ihrem alljährlich stattfindenden großangelegten W e r b e f e st allerlei Jntereflantes, nor allem Nützliches Die sportliche Ertüchtigung der Frau richtet sich in der Hauptsache aus ein gleichmäßig verteiltes Körpertraining! dessen bedarf die berufstätige Frau, deren Arbeit sehr häufig, man kann sagen fast immer, einzelne Körperteile übermäßig stark, die anderen wiederum überhaupt nicht in Anspruch nimmt. Da ist die Plätterin, die den ganzen Tag auf einem> nd dem- selben Fleck steht, die Verkäuferin, die ihre Gehwerkzeuge übermäßig beansprucht, dann wieder die Näherin und die Kontoristin, l ie>>en ganzen Tag gebückt über Schreibpult und Maschine sitzen. Für sie olle ist die sportliche Betätigung, die weder auf Rekordlel'tungen, noch auf besonders gewagte Kunststücke aus ist,»on großer, nicht zu unterschätzender Bedeutung. Am gestrigen Sonntag zeigte nun die weibliche Turnerschaft einem überaus zahlreich erschienenen Publikum, wie maus macht. Unter den flotten Klängen des Musik- korps der FTGB zog die Mannschaft, fahnengeschmückt, mit sröh- lichem Gesang ein, dann folgte ein Prolog mit dem Schlußwort „Schwestern, wir marschieren!" Und nun ginge an die Arbeit. Die Riege der Aelteren, Frauen und Mädchen über 25.whre, machte den Anfang; da reckten und spreizten sich 250 Arm-»nd Beinpaare, m Biegen, im Beugen, in der Drehung md im Lauf kriegte jeder Körperteil seine Beschäftigung. Im Handballspiel tcr- Uvigte sich die Jugend, dann zeigte die Musterrlege am Pferd rnd am Barren prächtige Uebungen, wobei die Olympia-Meisterin Else Schäfer Proben ihres vielseitigen Könnens gab. Flott rnd exakt stiegen die Freiübungen unter forscher Musikbegleitung, dann wan- delten sich all die kühnen Springer und Turner wieder zurück in anmutig tanzende und hüpfende Weiblichkeit. Allgemeines Geräte- turnen. Festfreiübungen, Spiele und eine von Schaffensfreude und Lebenslust getragene Schlußkundgebung be'chlosisn ien überaus gelungenen Nachmittag, der hoffentlich für viel« ein Ansporn sein wird, nächstens mitzumachen. Osirmg-W aldsiafeite Audi die Wiederholung wer gut besetrt. Im Treptower Pläntsrwald ging gestern zum zweiten Male in diesem Winter der Waldlauf des VfL. Ostring, Mitglied im Arbeiter-Turn- und Sportbund, vonstatten. Die Beteiligung war wiederum in allen Klassen gut. wenn auch wegen der zahlreichen anderweitigen Veranstaltungen die erste Beteiligungszisfer nicht ganz erreicht wurde. Die Wege gefroren und schneebedeckt, aber sonst war Waldlaufwetter. Die Sprinter eröffneten wiederum den Reigen der Well- laufe mit einem stattlichen Feld. Ortsbezirk Neukölln erwies sich am schnellsten. Ein selten zahlreiches Feld brachten die älteren Sportler auf die Bein», besonders die Klasse über 3S Jahre war zahlreich besetzt. Von den Sportlerinnen, deren 1000 in Läufe sich nun gut eingebürgert haben, stellt« Volkssport Neukölln di« Siegerin. Den schönsten Endkamps sah man bei der Jugend. Bolze-ASV Neukölln endete knapp mit Brustbreite vor Scherf- Volkssport Neukölln. Der Ruderer Czyschke konnte seinen Erfolg vom ersten Waldlauf in der langen Strecke wiederholen. Die 3x2lZ- Meter-Stafette siel erwartungsgemäß an Ostring. Bei den v- V e r» einen war die Staffel bis zum zweiten Wechsel offen. Schönsberg «rhislt dabei in ASA. Nsukölln»inen zu beachtenden Gegner. MM Meter epriah»; 1.»taujuborf(B.-NeuMn) 8:49,4 Mi».; 2. Schuster 8:49,6; 8. IZrs(S.-itotBDn) 4:01,2; 4. Fürster(Fr. 8eSi«tfppg.); 5. Suckror:(ASB. Neukitllu); 8. SoSSes(ADV. ReuIBun).— 1000 Meter Sport. Ter über 30 Jahre: 1. Solz I(Z1GV. Wedding) 4:10,1 Min.; 2. Solz II(ASB. Wedding) 4:10,2.— 1000 Meter Sportler über 85 Jahre: 1. Müller(FTDB.- Nordcst) 4:22,4 Mi».;?. Aroll(Ostring); Z.Görlitz(Bolkssp..Neu!öll»); 4. Serard (Ostring).— 1000 Meter Sportlerinnen: l. Stolzenburg(V..NeulMn) 4:34.2 Minute«; 2. Neumann(V'-Zieulöllll): Z. Eeehaier(Ostring) 4. Äalliwoder(Ost. ring).— 2000 Meter Jugend: 1. Beize(AS?. Neulölln) 5:25.2 Min.: 2. Scharf (B..Neuki>lI») Brustmeit«: 8. Siewert(BSV. Wedding); 4. Golz(ASS. Wedding). — 6000 Meter Sportler: 1. Eznlchle(Ruderoerein Borwärt«) 18:19,2 Min.; 3. Nöpke(ASV. Wedding) 18:59.7; 3. ftnofp»(Moabit); 4, Böhm(Ret-Weiß); 5. flltnter(Freie Kanu. Union); 6. Theek(B--NeukWn).— ZxZOOO-Meter. Stafette: I. Mannschaften: 1. vstring 16:21,2 Min.: 2. ASB. Schön-b-rg I 16:50.4: 8. ASD. Neuköü». U. Monnschoften: 1. ASB. Neukölln: 2. ASV. Schöneberg: 8. Oftring. HI. und IV. Mannschaften: 1. Ostring m; 2. Ostrtng IV; 3. Volksspart-Neukölln M.__ Zu den Arbciier-Fu�ballspiefen Vor bsm Spiel um die Kreisfußballmeist«?- fchoft stanten sich die Jugendmannschaften von Teltow und Staaken gegenüber. Auch diesss Treffen könnte man ein Meisterschaftsspiel nennen, denn was die Kleinen zeigten, war wirklich sehr gut. Bis zur Pause führten die Teltower mit 1: 0. Dann kamen die Staakener auf. Durch jzandelfineter erzielten sie den Ausgleich, um dann kurz vor Schluß durch ein Mißverständnis der Teltower Verteidigung mit 2:1 zu gewinnen. Ein zweites Meisterschaftsspiel gab es in Teltow, chier standen sich Schöneberg und Wilmersdorf um die Ab- toilungsmeisterschaft der Nordgruppe im ä. Bezirk gegen- über. Doch Meisterleistungen zeigte keine Mannschaft. Es wurde mehr mit dem Mund als mit den Beinen gespielt. Die Schöneberger haben mehr durch Glück, denn durch Technik gewonnen. Bei den Wilmersdorsern hätte man aber da» gleiche sagen können, hätten sie gewonnen. Bis zur Pause führte Wilmercdors. Dann kamen die Dchöneberger etwas auf und erzielten zwei Treffer. Nun machten die Wilmersdorfer das, was sie schon nom Beginn on tun sollten, sie stellten ihren alten Linksaußen auf den Posten, auf den er hin- gehört, während er vorher als Vertsidiger fpielte. Doch es war bereits zu spät. So wurde dann Schöneberg mit 2:1 Ab- t e i l u n g s m e i st e r. Ob sie sich aber in der höheren Klaff« be- haupten werden, ist mehr als fraglich. Bei den Arbeiter-Handballipiclern am Sonntag wurden in den Bezulen folgende Ergebnisse«rzielt: BozirlzUaff« Osten: Ariesen, Fürstenwald« 2--TSA. Sauladorf 0: 0. Eiche- Bohnsdorf 2-B-rlin XII 3 5:3(2: 2). FSV. Echweifstsrne 2— FT. Potsdam 2 0>8.— Frauen: FSB. Nowawes—Eiche-Boh Uedorf 0: 1. FTGB.-Llchten- berg 9— Normannia 0: 4. Bezirk-kloff, Norden: FS«. Tegel S-ASN. Rol-Weiß 3 0:4(0:3). FTGB..Nordrmg 3— SB. Moabit 3 0:7.— Frauen: FSB. Tegel— SB. Moabit 4:0(8:0). Be.irksklasie Weste»! FSB. Nowawes 2— Frelheit-Nauen 8: 1. FTGB.» Spandau— Freiheit-Rathenow 4:2(1! 1). Bezirkeklasie Süden: FT. Wilmersdorf— FTGB.-Süden 2 1:0. Berlin All gegen MTB. Ruhlsdorf 2: 1(1: 1). Volkssport Neukölln 8— FT. Wilmersdorf 2 2: 1. gehlendorf-Schwimmer— ASV. Rot-Weitz Z 3: 1(1: 1). FTGB.-Friedenau gegen FTGB.-Nordrtng 24:9<2: 4).— Frauen: FTGB.-Eüden— FS. Ficht» 7:0._ Rm�emadiwucbs Im Kampf Gleich der erst» diesjährig« Kreiswettstreit im Ringen für Schüler und Jugendliche brachte ein« Rekordbeteili- gung: neben den mehr als 20 Jugendlichen kämpften über SO Schü- ler aus den Dereinen Sparta, Frischauf, Alt-Wedding, Tegel, Einig- keit und Rosenthal in der Halle des veranstaltenden Vereins Alt- Wedding. Mit einem bewundernswerten Eifer wurde in den zahllosen Treffen von einem jeden aus einen Sieg hingekämpst und selten gab«b ein Unentschieden, aber Bligsiege wurden in großer Zahl erreicht. Schon in den nächsten Kämpfen werden zahlreiche der diesmal noch Unplacierten vorn zu finden sein. Ergednisi« im Schülerriugen. Schüler von 40—50 Pfund: 1. Preis Sparta: Gewicht pon 50—60 Pfund: l. Herfe-Sparta; 2. Browski-Wedding. 60—70 Pfund: 1. Stolzmann.Einigkeit: 2. Pachert-Wedding. 70—80 Pfund klaffe: 1. Hennig. Tegel und Müller-Wedding. 80— SO Psund: t. Fiebig-Weddwg: 2. Saraffiä- Wedding. 90—100 Pfund: L tzoschke-Tegel: 2. Frttz-Tegel. 100— 110 Pfund: 1. Siottawski-Einigkeit: 2. Peise. Wedding.— Resullate der Sugendkämpfe: Körpergewicht von 90— 100 Pfund: L Wiese-Tegel: 100— 110 Pfund: 1. Langer- Sparta; 110— 120 Pfund: 1. Meier. Tegel: 120—130 Pfund: 1. Erich Schenk-Rafen» thal; 130-140 Psund: 1. Hellwig-Wedding; 140—150 Pfund: 1. Lau-Alt-Wedding. I>le l'egnng des DWV. in Benncckenstein im Harz. Bei der Tagung des republikanischen Deutschen Wintersportverbandes anläßlich des ä. Winterfportfestes in Benneckenftein im Harz(über die sportlichen Ergebnisse haben wir gestern im„Abend" berichtet!) konnte im Geschäftsbericht mitgeteilt werden, daß das vorgesehene Wintersportprogramm restlos durchgeführt perden konnte. Infolge der starken Beteiligung mußten sogar zwei Wintersportreisen veranstaltet werden. Der junge Verband hat auch im letzten Jahr außerordentlich gut arbeiten können. Die angeschlossenen Verein« haben nicht nur eine rührige Propaganda entfaltet, sondern auch vorbildliche Sporteinrichtungen geschaffen. So hat der Halberstädter Sportverein die erste Skihütt« des Wintersportoerbandes im Harz errichtet, während der dem Verband gleichfall« angeschlossene Deutsche Alpenoerem sein Friesenberghaus in den Zillertaler Alpen fertig- stellen konnte. Der Gau Derlin-Brandenburg hat sich«in Stadion gebaut, das neben Fußball-, Hockey- und Tennisplätzen mit Zu- schauertribünen für 25 OVO Personen auch ein geschmackvoll aus- gestattetes Kasino hat. Die Leistungen dieser Verein« sind um so höher zu bewerten, als 81) Praz. der Mitglieder erwerbslos sind. Schneider gab den Kassenbericht und teilte mit, daß zur Zeit 18S Vereine dem Deutschen Wintersportverband angehören. Der Pressewart Arno Scholz berichtete, daß die Zeitschrift in einem neuen Gewands erscheint; er dankte in seinen weiteren Ausführungen besonders der Presse für die gute Unter- stützung. Dr. Kühne teilte für die Sporttommission mit, daß eine Prüfungsordnung für Skilehrer ausgearbeitet ist Zu dem Verbandssportfest in Frauenwald haben sich 120 Sportler zur Unter- suchung gemeldet, so berichtete der Verbandsarzt Dr. Oppenheimer. Ein Ergebnis, das weit größere Verbände nicht aufzuweisen haben. Im Hotel Fürstenhos wurde abends ein Sportball veranstalt-t, der so zahlreich besucht war, daß der Saal nicht alle Sportler auf- nehmen konnte Besonders herzlich wurden auf dieser Veranstaltung 23 Braunschweiger Skikameraden begrüßt. Bürgermeister Q n e h l begrüßte die Sportler in einer sehr herzlichen Ansprache. Auch-iuf dieser Beranstaltung versicherte Pape unter großem Beifall, daß die republikanischen Wintersportler nicht abseits stehen, wenn es heißt, die Republik zu verteidigen. Das Sechstagerennen Schon— G5be! halfen die Spitze Die Berichte über das laufende Sechstagerennen ließen sich bequem in Klischeeform herstellen.. Nach den Abend- und Nacht- Wartungen gibt» Jagden, bei denen Runden gewonnen und oer- loren werden, dann tritt wieder Ruhe ein und dann gshte wieder los. Gestern abend zeigten sich Schön-Göbel, die an der Spitze liegen, als das stärkste Paar, indem sie alle Anschläge aus ihre Position erfolgreich abwehren konnten. Broccardo-Tietz suchten in die Spitze zu kommen, was chnen schließlich auch im Ver- laus der Nacht gelang. Die o. Kempens liegen eine Runde zurück und sind jetzt bei ihrer hohen Punktzahl als gefährlich anzusehen. Ein Sturz zwang van Heoel zur Aufgabe, Debaet- bleibt Ersatz- mann. Der Stand des Rennens um 6 Uhr(80 Stunden gleich 1802.500 Kilometer): 1. Schön-Göbel 121 P.; 2. Broccardo- Tietz 118 P.: eine Runde zurück: 3. Piet und Jan van Kempen 227 P.: 4. Kroll-Funda 124 P.; 5. Rieger-Preuß 116 P.; zwei Runden zurück: 6. Chaerlier- Deneef 122 P,: drei Runden zurück: 7. Rausch-Hürtgen 170 P.; 8. Siegel-Thierbach 137 P.; sieben Runden zurück: 9. Dinalc-Miethe 81 P.; 10. Braspennmg-Dülberg 47 P.. zehn Runden zurück: 11. Ehmer-Rickel 92 P. Debaets Ersatzmann. Arbciler.Eiskockcy. Spiele. Morgen, Mittwoch, 19H Uhr, Fortsetzung der Eishockeyspiel« aus der Eisbahn im Voltspark Marien- darf. Alle Cinzelspieler aus den Vereinen ASC-, Rot-Weiß. Tennis Rot, Vorwärts und der FTGB werden ersucht, zur Zusammen- stellung von kombinierten Mannschaften zu erscheinen. Die am Montag ausgefallenen Spiele werden nackgeholt. Fahrverbindung: Linien 99, 199 und 25 bis Prühß- Ecke Causieestraße. Umkleidelokal „Sportheim", ebenda. Verichiigung eines hockeysplelresulials. Der Freie Hockey- klub Spandau gewann gegen den Arbester-Sportverein Schöne. berg 07 mit 4: 1. Arbeiter- Schach. Die Abteilung Lichtenberg der Freien Arbeiter-Schach-Bereinigung Groß-Berlin spiest jetzt jeden Diensiaz im Lokal von Grigert, Sonntagslraße 1, 20 Uhr. Die Abteilung Karlshorst jeden Freitag bei Bartel, Rheinsteinstraß« an der Flug- bahn, Biesenhorst. Gäste willkommen. Rennskallbcsiher Oppenheim gestorben. Am Montagabend ist der Rennstallbesitzer Freiherr Simon Alfred von Oppenheim im Atter von 67 Jahren gestorben�_ «SB. Kvt-Deltz. TonnaJtag, 20 Uhr, Sngindheim Sonttendttraer Str. 20. letzt, zusatmnetriunlt rot detn vtllenlelt. Sornabend. 20. Fedruar, Sdllensprtt. fest, Schvl« Elleimstr. 40. Sreffpiintt 185» Uhr not der Schule. Antreten aller Mtglieber ist MHcht. Frek Schwimmer EbnrlvUcndnrg 04 E. B. Mittwoch, 17. Februar. SchtPitnm. wamcsttzung bei Iaenicke. KaiserititAugusta-All« 72. Alle Magdebuvg.Fahrer müssen anwesend lein. Beginn 20 Uhr. kenuie-Rot Sroh-Berliu 6. B. Vereinsgeneralners a mmlung Dienstag, 16. Februar, IZltz Uhr, Gewerkschaftshaus, Engelufer 24— 25. Mitgliedsbücher mitbringen. Anschliessend Beisammensein. Volksspert Neukölln-Bri!». Haäeyspieler. Mittwach, 17. Februar, 20 Uhr, Sitzung der Männermannschaften bei Schabeiko, Weichsel. Ecke Danaustrahe. Das Erwerbslosensplel gegen„Moabit- sindet am 18. Februar von 10— UV- Uhr auf Platz 4 im Neuköllner Sportpark statt. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Berlin E. B. Die Generalver. sammlung findet Sonnabend, 2. April, 19 Uhr, statt Tagesordnung: Pratekall, Bericht, Anträge, Neuwahlen und Kartellangelegenheiten. Anträge müssen oier Wochen vorher an die Gefchäfisstelle des Kartells, Berlin N, 65, Razarethkirch- Üraße 48, eingesandt werden. Bekanntmachung des Lokals und der für seden Verein matzgebenden Delegierteiyiahl wird noch durch direkte, Rundschreiben an die Vereine und Kartelle bekanntgegeben.— Der SefchSftsführenbe Ausschutz. S. A.: R'bert Oehlschläger. Seschäktsfühter. Tonrist'npereiu„Die Natu: freunde-. Dienstag, 1«. Februar. 2« llhr. Fried- richshain: Frankfurter Allee 307:„Das beutige Indien,— Friedenau: Offen- bacher Str. 5i; Slatzbrenner-Abend.— Humboldthain: Willdenowftr. 5:„Snt, ftehung des Volksliedes-— Norden: Sonnenbnrger Str. 20: Vortrag:„Buch des Arbeiters"(Referent: Kurze).— Wedding: Willdenowstr. 5: Bunter Abend. — Osten: Ebertnstr. 12: Vortrag.— Oberschöneweide: Laufener Str. 2.-— Donnerstag. 18. Februar, 20 Ubr. Lichtenberg: Gunterstr. 44: Filmvortrag. Schallvlatten".— Tiergarten: Lehrter Str. 18—19: Geschäftliches.— Natveknnd. I lichc Abteilung: Johannisstr. 16: Arbeitsabend.— Rofenthaler Borstadt: Wein. meisterftr. 16—17:„Kunü und Preletnriat-.'-"i «asscvpartparew Mark Branb-ndnrn e.«. Mitglied des Freien Segler. Verbandes. Li-geplatz Erkner am Dklmerltzfee. Bovtshanz Lindemann. Fe-nr: f: Erkner 874. Der Derein nimmt neue Mitglieder auf. Nähere, bei Karl Rich-cr. NO. 55, Jmmanuelkirchflr. 25, II- Fernruf: Alexander 5705. Die Fußball« meislerschafi Unser Bild zeigt, wie In dem Spiel um die Meisf er schalt des I. Kreises im Arbeiicr- Turn-und5porfbund„E!n~ tradil"' das erste Tor schoh. Die Eintrachtsleutc gewannen dicMcistcrscha't gegen „Adler 08** mit 5; Z Toren. 1 1 7 m, ifi* Hl f ta» TUealtt Ltdilsptelt usw Siaaii Theafer Dienstag,«an 10. Febroar staatsoper unter cen unfloa 20 Uhr Die Kugenoftcn Stjatl-Sdiausgultius iiueanDmnihn. 20 Ubr Cyrano m Bergerac Sdilller-Theatei jiariflttinlMirj. zu Uh« Qu basserer Ben hierauf: Die ZaoberiD, der Biese ond derlife Mih« Sct.le». 6hl. 5e.»u.Stu.2.(,l»U.| Tel.; t7Weic(iftl 4031' JHiOlnwreellwnf' Rose■ Theater '«>« freoMiimr Stiele Iii !«. Viübul E 7 3427 8.15 Uhr Sfadr.Oper Charloticnbure OifirnarckstraBe 14 Dienstag. 16. Febi Turnus II Anfang 20 Ubi Das Bheingold bade nach 22 Uhi >!sj!«st« Charlouensu.00-9: faglicn o Uhr OailnstnililtlToWliiit Kampf omiiilsdi VoiKsatihne TOiatv SU BOlowolat! s Uhi Fährmann Benschei mit EbU Jannio�s u. Margarete Melzer Regie; K H. Martin Stull. SdiiHir-siuler 8 Uhi Eio besserer Herr H'erauf: Die Zauberin, der Riese and der Affe I»UORTPAkASI| TSglich luterooi. lliacliDiittags:! '(linier SO PI.| Emcliseu ,d 1.- Mk.l tibertelaeeStei f IZBitaainM« �rataa| — Hieinu Tb.—, Truppe 1931. Vagi. 80« Ubr Die mauseiaiie i'reise 76 PI.— 6 11 Sonnt, nachm. 4 U. halbe Preiee. Theater em HüllendorstilaU Kegle: öitiu Sa teiboig Pallas 7051 Figllch SVt Uhr Stgs auch 40« Uhr Qasparone »"«ubeCASlNO-THEAlER�uhr Lothrlaeer SfraSe 87. •■'iiiiiuit Iii!(ii ii ii in in ii m tiim iiiniiii u,,!,,,,.„Hill iiniiniiniiK FBr foniB Geld gm cionBietü er tbend Seul Sfen! men von haute Dazu et. neuer Dauer Teil and eine Opere.te iutschein 1-4 Personen: Paikett so PfM -aaieun 1.— MarK Sessel l.so Mark. RcidishallenTheafer I.Unbott plnta üüi. Soootags 3'• Uhr zu kleinen Pi eisen Stettiner Sänger Nur noch kpiie Zeit -SSo'u Bein fall J"