Morgenausgabe Ar. öl A 41 -ty.Iahrgang Wöchentlich 75 ff., monatlich 3,25 M. l davon 87 ff. monatlich für gultei» lung ins Ha»s> int voraus joiilbar, Postbezug 3,97 M. einschließlich 80 ff. f o'zeitungs- und 72f f.f ostbestellae. bichren.Auslandsabonneminl 8,S5 M. pro Monat: für Lander mit ermäßige tcm Drucksachcnporto 4.85 M. Der„Vorwärts' erscheint wochenläg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilag» .Volk und Zeit". Berliner Voltsblatt vounerstag 18. Kebruar 1932 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 15 pf. Die einipalt. Millimeterzeile Zll ff. Reklamezelle 2.- M„Kleine An» zeigen" das fettgedruckte Wort 20 ff. tzuläsligzwei settgcdruckteWorte.sedcs weitere Wort l» ff. Rabatt lt. Tarif. Worte über>5 Buchstaben ziihle» für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter- zelle 25 ff. Familienanzcigen Millimeterzeile 16 ff. Anzeigcimnnahme im Sauptaefchilft Lindenstraße S, mochentäglich von S>/, bis l? Uhr. Der Benag behält sich dasRecht derAb» lehnung nichtgenehmerAirzeigen»ort Jentralovgan der Sozialdemokratischen Vartei Deutsrbiands Redaktion und Verlag: Berliit SW 68. Lindenstr. 3 gernspr.. Tönboff sÄ T) 292—297. Telegromm-Adr.: Soitaldemvkrai Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Psstschecklonto: Berlins? SZS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. ÄugeilcUten vnd Beamten, Lwdenftr. 3 Dt B.u.DiZc.-Ges.. Deposltenf..Ieru>alemer Str. KZfä. Offensive! Das Wirischastsprogramm der Arbeiterbewegung. Von kViedricd Steimpfer. Die Bedeutung der politischen Entscheidungstämpse, in denen wir stehen, kann gar nicht überschätzt werden. Aber die wirtschaftlichen Fragen, mit denen sich die letzte Bundesausschußsitzung des ADGB. beschäftigt Hot. sind nicht weniger wichtig. Beide hängen aufs engste miteinander zu- sammen. Wir stehen verfassungspolitisch und sozialpolitisch in der Defensive, weil die Krise des Kapitalismus nicht uns, sondern unfern Gegnern, besonders denen von rechts, zuglite gekommen ist. Dos Aufschnellen einer ultrareaktio- nären Bewegung als Folge einer großen Wirtschaftskrise ist ein Ereignis, das für uns eine unangenehme Ueberrafchung war und das zu manchen theoretischen Vorstellungen, die wir uns früher gemacht hatten, sehr wenig paßt. Die Kommunisten, deren Politik darin besteht, aus Er- fahrungen nichts zu lernen, glauben noch immer an die revo- lulionärc Welle als Krisenfolge: sie wollen die ungeheure konterrevolutionäre Welle, die hcranrollt, nicht sehen und halten den Kampf gegen sie für Verrat an der Revolution. W i r wissen, wie notwendig dieser Kampf ist. Wir sollen uns ober auch dessen bewußt sein, daß es gefährlich wäre, sich in ihm zu erschöpfen. Die verfassungspolitische und sozialpolitische Defensive muß Ergänzung und Ausgleich fin- den in einer wirtschaftspolitischen Offensive. Das Rerfagen des kapitalistischen Wirtschaftssystems M eine offenkundige Tatsache, die geistige Abkehr der Massen von ihm ist es nicht minder. Nazjs und Kommunisten treten in Wettbewerb mit. yns. indem sie behaupten, sie seien richtigere oder bessere Sozialisten als wir. Jmbusch, der Führer der christlichen Bergorbeiter, fordert die Verstaat- lichung des Bergbaus. Die Vertreter des kapitalistischen Systems selbst haben sich längst vom Wirtschaftsliberalismus abge- wandt. Einst spottete Lassalle über die„Nachtwächter- rolle", die sie dem Staat zumuteten— darüber sind sie nun längst hinaus. Nickst der Nachtwächter soll der Staat für sie sein, sondern der Bankier, der sie subventioniert und stützt. Allerdings soll der Staat sich selber jeder Wirtschaft- lichen Betätigung enthalten— was ein ganz offenbarer Widerspruch ist. Und nicht anders die große und die kleine Landwirtschaft, der gewerbliche M it t e l st a n d, der a u s b e s i tz, sie alle wollen, daß d e r S t a a t ihnen Helsen soll. Jffier dann dem Staate hilft, das kümmert sie weniger. schließlich, nicht zuletzt die Arbeiter. Sie sind in ihrer Erkenntnis politisch-wirtschaftlicher Zusammenhänge den anderen weit vorausgeeilt. Sie haben sich mit chilfe der staatlichen Gesetzgebung ein System des sozialen Schutzes ge- schaffen, das unter normalen Umständen wenigstens das schlimmste Elend von ihnen fernzuhalten versprach. Dieses System des sozialen Schutzes ist jetzt durch die Krise aufs schwerste bedroht und reicht für seine Zwecke nicht mehr aus. Noch einmal richtet sich der Blick der Arbeiter a u f den Staat. Man verlangt vom Staat, daß er durch Inangriffnahme großer öffentlicher Arbeiten einem Teil der Erwerbslosen Arbeit verschafft. Das ist eine alte sozialistische Forderung, durch Vergebung öffentlicher Arbeiten in Zeiten weichender wirtschaftlicher Konjunktur die Ucberwindung der Krise zu erleichtern. Nur sind alle Maßstäbe ins Gigantische ge- wachsen, heute geht es um Millionen Menschen und um Mit- liarden Mark— und es entstehen Zweifel, wie weit die wirt- schaftlich-finanzielle Rüstung des Staates reicht, um so ge- waltige Unternehmungen in Gang zu setzen. Allen soll der Staat helfen— wer Hilst ihm? Wieder waren es die Arbeiter, die zuerst erkannten, daß man aus den Staatskassen nichts herausholen kann, wenn man nichts hineintut, und daß man vom Staat keine Wirtschaftshilfe er- warten darf, wenn man nicht bereit ist, seine Wirtschafts- m acht zu stärken. Diese alte Erkenntnis gilt es. jetzt auch auf das brennende Problem der Arbeitsbeschaffung anzuwenden. Mehr Wirtschaftsmacht dem Staate! Mehr bewußtes Wollen, vom Staate aus in die Anarchie der kapitalistischen Wirtschaft planend und regelnd einzugreisen! Mehr sozio- listischen Willen und stärkere Entschlossenheit, diesen sozio- listischen Willen zum Staatswillcn werden zu lasten, das ist die Forderung der Stunde! Partei und Gewerkschaften haben schon längst den Ruf nach einer Reform des Bank, und Kreditwesens erhoben, nach einer zielbewußten Lenkung der Kapitalström« Hitlers Bestien! Viehische Blutiai von SA.-Verbrechern /Im Schlafzimmer der Eltern ermordet! Breslau, 17. Februar.(Eigeubericht.) Fn der Nacht zun» Mittwoch wurde in Baukau, Kreis Ltreuzburg, eine neue schwcrcBluttat von National- sozialiste» verübt. Ein nationalsozialistischer Sturmtrupp fuhr im Auto»ach dem benachbarte« Baukau, wo sie Strasieupassante» nach der Wohnung des Komm». nisten Adamich fragten. Als schließlich ein Auflauf entstand, schlugen die Nationalsozialisten auf die sich au- sammelnde Menschenmenge ein. Im gleichen Augenblick kam der Landarbeiter August Bassh mit seiner Frau über die Straße. Die Nazis erkannten ihn und stürzten sich auf ihn. Bassh flüchtete i n die in der Nähe gelegene Wohnnug seines Vaters. Die Nationalsozialisten verfolgten ihn. schlugen Fenster und Türen der Wohnung ei« und drangen in das Hans des Vaters von Bassh ein. Als der Vater sich den Eindringlingen in den Weg stellte, wurden mehrere Schüsse ans ihn abgefeuert, so daß der alte Bassh schwer verlebt wurde. Ter junge Basiy war unter- dessen in die elterliche Schlafkammer geflüchtet. Auch hier drangen die Nationalsozialisten ein und streckten Zl n g n st Bassh nieder. Er war s o- fstrtto.t. Wie der Mord geschah. Breslau, 17. Februar.(Eigenbericht.) 'Bereits im Laufe des Dienstag nachmittag war es in Bau- kay, Kreis Kreuzburg m Oberschlesten, zu kleinen Reibereien zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten gekommen. Gegen 13,30 Uhr holten die Nationalsozialisten aus Kreuzburg in drei vollbesetzten Kraftwagen Verstärkung heran, diese ging dann in Bankal mit rücksichtsloser Brutalität gegen die andersdenkende Bevölkerung vor, Als A u g u st B a s s y, der Mitglied des Deutschen Landarbeiter-Verbandes ist, mit seiner Frau an den nationalsozialistischen Trupps vorbeikam. stürzten sich sofort zahlreiche Nazis auf ihn. Bassy flüchtete, wie schon gemeldet, in die Wohnung seines Vaters. Darauf drangen unter Führung des Gutsinspettors Bau- mert mehrere nationalsozialistische Strolche in die Wohnung- des Vaters Basiy ein und schlugen diesen nieder, als er ihnen entgegen- trat. Der alte Bassy, aus den mehrere Schlisse abgefeuert wurden, trug einen Streifschuß am Hals davon. August Bassy hatte sich inzwischen in der Schlaskammer seiner Eltern versteckt. Er stemmte sich gegen die Tür. um das Eindringen der Nazis zu verhindern. Diese feuerten dann durch die Tür und von außen durch die Fenster mehrere Schüsse in die Kammer. Basiy wurde getroffen und brach zu- s amm c n. Als er seine in die Wohnung gelangte Frau um Hilfe und Verbandzeug anrief, warf sich diese am Türeingang dem Nazihaufcn entgegen und bat flehentlich, ihren Mann gehen zu lassen. Danrnf entgegnete ihr der Führer Baumert: Machen Sie. baß Sie wegkommen, sonst kommen Sic selbst dran. Der Kerl muß verrecke«! Daraufhin drückten die Nazi die Türfüllung zur Kammer ei« und schlugen den am Boden liegenden, schwerverletzten August Basiy mit Knüppeln und Holzscheiten tot. Dann verließen sie die Wohnung. Im Lause des Mittwoch wurden von der Kriitimatpokizei mehrere Nationalsoziali st en verhaftet, die unter dem Verdacht stehen, sich an dcn schweren Ausschreitungen beteiligt zu haben. Hohenzottern gegen Hindenburg. Kandidai der Harzburger: Prinz Oskar von Preußen? Der dentsch nationale Parteivorstand hat gestern vor- mittags und nachmittags bis in den Abend hinein getagt. nn» über die Kandidaten frage zu beraten. Beschlüsse wurden»roch nicht gefaßt, doch läßt sich erkennen, auf welches Ziel Hugcnberg lossteuert. An der Sitzung des. deutschnationalen Partcivor- standcs nahm ein Hohenzollernprlnz, n»»d zwar der Prinz Lskar von Prenßen teil. Dieser Prinz soll von Hugen- bcrg den Nationalsozialiste«»nd dem Stahlhelm als Einheitskandidat der Harzbnrger Front gegen Hinden» bnrg vorgeschlagen werden. Ter Prinz hat sich in der deutschnationalen Partei- vorstandssitznng bereit erklärt, eine solche Kandidatur anzunehtncn. Die deuifchnationale Sitzung. Die Deutsch nationale Pressestelle teilt mit:„Der Vorstand der Deutschnationalen Volkspartei trat am Mittwoch in Berlin zu der angekündigten Sitzung zusammen. Der Sitzung des Vorstandes wohnte der in der letzten Tagung der Parteivertretung in den Parteivorstand gewählte Prinz Oskar von Preußen erst- molig bei. Dr. Hugenberg begrüßte ihn auf dos herzlichste und wertete seine Zugehörigkell zum Parteivorsland als ein sichtbares Zeichen der engen und treuen Verbundenheit der Deutschnationalen Vollspartci mll dem Hause Hohenzollcrn. In vollständiger Uebcreinstimmung aller Landesverbände und Vorstandsmitglieder begrüßte der Vorstand die Stellungnahme des Parteiführers gegenüber dem Versuch Brünings, dcn Reichspräsi- denten durch den Reichstag wiederwählen zu lassen und die Ver- össentlichung der Partellellung, die den Kampf gegen die von der in allgemeinwirtschaftlichem Interesse. Sie sind einig in der Erkenntnis, daß die Schlüsselindustrien nickst länger mehr von Leuten beherrscht werden dürfen, die alles eher als wirtschaftliche Genies und desto sicherer politische Schädlinge sind. Es gibt keine Meinungsverschiedenheiten über die Not- wendigkeit, die monopolistischen Wirtschafts- zweige unter die Kontrolle des Staates zu bringen. Die Gesetzentwürfe, die die Reickstagsfraktion soeben eingebracht hat, um die Wohnungswirtschaft zu fördern und den Bau- markt zu beleben, finden den Beifall der Gewerkschaften ebensogut wie den der Partei. Alle diese Reformoorschläge und viele andere lassen sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen! sie sind alle Aus- druck des Willens zun: Sozialismus, sie sind alle Folgerungen aus der Erkenntnis, daß die Zeit für einen großen Umbau der Wirtschaft reif geworden ist. Es gilt nicht, nach kommu- nistischen Rezepten alles niederzureißen, ohne Rücksicht dar- auf. wieviel Millionen Arbeiter nebst Frauen und Kindern von den Trümmern erschlagen werden. Es gilt vielmehr, ohne tödliche Lähmung der Wirtschaft, ohne Ver- mehrung des Elends, unter dem das Proletariat leidet, einen grundsätzliche« Umschwung der staatlichen Wirtschaftspolitik zu sozialistischer Ziel- setzung herbeizuführen. Dies, glaube ich. soll in dieser Zeit nicht nur von jedem einzelnen von uns so klar wie möglich ausgesprochen werden. Es so laut und so deutlich wie möglich in die Welt zu rufen. ist heute die Sache der sozialistischen Arbeiterbewegung als Ganzes genommen. Die Massen warten auf ihren Ruf und auf ihre Führung. Sie wollen am 13. März den Faschis- mus schlagen, aher sie wollen auch sehen, wie der Weg weiter- geht» wenn der Faschismus geschlagen ist. Ein Wirtschafts- Programm, das alle unsere gemeinsamen Erkenntnisse und Forderungen klar und gemeinverständlich formuliert, ein wirtschaftliches Kampfprogramm der sozio- listischen Arbeiterbewegung, mit dessen Her- stellung unsere besten Köpfe seit Monaten beschäftigt sind, darf nun nicht mehr lange auf sich warten lassen. Sein Zweck soll keineswegs sein, mit unseren Gegnern von rechts und links ein Wettrennen scheinsozialistischer Demagogie zu veranstalten — im Gegenteil! Es soll den Massen zeigen, daß das bessere Wissen von der Wirtschaft, der stärkere Mut zur Wahrheit und der ehrlichere Wille zum Sozialismus bei uns ist. schvarzr�en Äoflhtijut. getragene 5tenöii»otur �irtbotririxrgs 1 ündigt. Tai- Vontand billigte die Zurückhaltung, die seitens der Deutsch- »attonalen Partei aus besonderen Gründen in der Rennung von Kandidaten geübt wurde. Allseitig wurde betont, daß der aus- lchloggebende Gesichtspunkt für die Behandlung der Reich sprastl dentenfrage der in Harzburg vsrtüiidsta Kampf gegen das System lein muß" Dabei meird« die Frage geklärt bei welchem Vorgehen dre größte Anzahl von Stimmen für die nationale Opposition er- iieü werden kann. Zum Schluß der Boratungen erklärte der Bor- stand einstimmig, daß er alle weiteren Entscheidungen in der Frage der Reichspräsidentemvah! vertrauensvoll in die Hand von Dr. Hugenberg lege. Zentrumsaufruf fürHindenburg .�ütcr der Verfassung gegen Llnfähigtcit und Gewalttätigkeit Unter der Ueberschrist„Zur Voltswahl Hindenburg" erläßt der 'Dmsigmdi? der Deutschen Zentruinspartei, Reichstagsahgeordneter Dr. Kaas einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: „Das deutsche Volk steht vor der Neuwahl seines Staatsober- Haupte», vor der Wahl desjenigen, der ihm Hüter der Ber- ' a s f u n g, Garant für Ordnung. Symbol seines t. i n h« i t- w i l l e n s sein soll. Mehr als irgendein anderer ver- lärpert diese Eigenschaft der bisherige Reichspräsident, Generalfcld mar schall von Hindenburg. Was an Gegenkandidaten genannt wird oder genannt i' erden kann, ist angesichts der Gesamtlage nicht die Bejahung, son- dern die Verneinung deutschen Einheitsmillens, im besten Falle un» »erantwortbare Schwächung. Gegenüber der schon heut« der Gc» schichte angehörenden, im In- und Auslande in einziger Achtung nzhenden, in Krieg und Frieden bewährten, in glorreichen und dunklen Stunden erprobten Heldengestalt Hindenburgs sinken sein« rarteipolitisch gekürten und parteipolitisch belasteten Gegen- spieler zur Bedeutungslosigkeit herab. Derhehimg und Demagogie ist ihr weg zur wacht« Unfähigkeit und Gewalttätigkeit ist ihre Betätigung im Beflhe der Macht. Hn gewollter Verneinung alles Trennenden wollen wir den l t. März zu einem Bekenntnistag voltsbejahe irden Einheitswillens, frmmelnde» Gemeinschaftsgeistes machen. An unsere Freunde in Stadt und Land ergeht darum der-Ruf, sich der Dedeutung dieser Wahl und der Größe ihrer Verantwortung bewußt zu sein. Auf- uisg oder Niedergang, Friede oder Kampf, Ausbau oder Zerstörung h ingt'ab von der Fiihrerweisheit und Eharakterstärk« der geistigen »trd sittlichen Reife, der Ausgeglichenheit und Unparteilichkeit dieses Mannes, in dessen Hand in dieser beklemmend ernsten Stunde die Wahrung der deutschen Geschichte gelegt wird. Unsere Wahl ist ge- i offen. Deutschlands Wiederaufstieg ist mit dem Namen Hinden- hurgs oerknüpft. Sein Sieg wird Deutschlands Sieg fein!" Zeniralgeschästsstette des Hindenburg-Ausfchusses. Der zur Vorbereitung des Wahloorschlages Hindenburgs von Oberbürgermeister Dr. Sahm gegründet« Hrndenburg-Ausschuß hat n iirs Tätigkeit beendet, nachdem sein Ziel durch die Annahme- >'llärung des Reichspräsidenten von Hindenburg erreicht war. Für hie in den einzelnen Ländern und in den preußischen Provinzen ichon bestehenden und noch in Bildung befindlichen Hindenburg- Wahlausschüsse ist eine zentral« Geschäftsstelle eingerichtet worden. Sie führt den Namen.Hauptgeschäftsstelle der Hinden- > urg-Ausschüsfe" und hat ihr Büro in Berlin SW 11. Prinz-Albrecht- Straße 9, Fernsprecher Jäger A 1 6776. Für die Zentralstell« wird >-m überparteiliches Kuratorium gebildet, dessen Zirsammensetzuvg cisbald bekannt gegeben w-rd. Ein Sindenburg-Ausschuß in Königsberg. Königsberg. 17. Februar, In Königsberg hat sich ein Ausschuß für die Wiederwahl Hinben. burgs gebildet und eine Kundgebung erlassen. Dem Ausschuß ge- hören u. a. an: Oberpräsident a. D. von Batocki. Ober- l-ürgermeister Lohmeyer und der Rektor der Königsberg«? Unkverst- tät, Professor Mitscherlich. Reichslaudbund gegen Hindenburg. Der Rcuhslandbund veröffentlicht ein Schreiben des Geschäfts- Mhrsnden Präsidenten des Reichslandbundes, Graf von Kalck- ' e u t h, an die Führer der sogenannten nationalen Opposition, da» chttchfalls die Stellungnahme des Londbundpräsidimns zur Kandidatur Hindenburgs zum Ausdruck bringen soll. In dem Schreiben heißt es, daß der Reichslandbund die Wiederwahl Hinden- kurqs ablebnen müsse. Mißirauensantrag der Kommunisten. Di« Kommunisten hohen im Reichstag«inen Mißtrauen»- o ntrag gegen die Regierung Brüning«ingebracht. Di« '.'lazis und Deutschnationalen werden«bensall» Mißtrauensonträge -'«gen die Gesamtregicrung und gegen einzelne Minister, wie Graener, einbringen. Memel-Landtag protestieri. Einheitsfront oller Deutschen. ZNemel, 17. Februar. TNit 23 Stimmen der Aolksparlel, Laadwirsschastspartel. Sozialdemokraten und Kommunisten gegen vier Stimmen der litauischen Abgeordneten nahm der Zssemelländische Landtag folgende Protestentschlicßuag an: „Der wemellündische Landtag erhebt nachdrücklich und feierlich Protest gegen die seit dem 6. Februar d. 3. vorgenommenen Ein- griffe des Gouverneurs in die autonomen Rechte des tllemclgcbietcs, die augenblicklich Gegenstand der Beratungen des DSlkerbondes bilden. Der Präsident de» Dlreklorium», Böttcher. und L«mdesdlrcktor Podzus sind auch heute noch inler» >: t c r t, und Landesdircktor S z i g a u» ist durch Zlndrohung von «ssewattmaßnahmen an der Fortführung der GefchSfle gehindert worden. Der Gonvitveur Hot mit der cinstweiltgen Führung der Prä- sidialgefchäfle den Landesrat Tolischu» beaustragt, der wiederum iwei Beamte de» Dlrekloriums zur Mahrnehmuag der Geschäfte de» Laudesdirekior» bestimmt hat, eiue Regelung, die weder den Gesetzen entspricht,»och die Billigung de» Laadtage» erhallen hat. per Laadtag de» ZRemelgebiel, fordert sofortige Aushebung aller Gewaltmabuahmea und die Wiederherstellung de» versassnng«mäßigen Zustande»." Eine treue Anhängern Gandhi», die Tochter de» englischen Admirals Glade, ist von ber Polizei au« Bomba» mit 24 Stunden Frist ausgewiesen worden. Helldorfs Volkssport. Was das Reichswehrmmifierium nicht steht. Das Zsteichswehrmmisterwm hat eine Untersuchung dar- über emgoleltet, ob der Berein Deutscher Volkssport einen politischen Verein darstellt oder nicht. Man hätte annehmen sollen, daß das Neichswehrministerium sich um den Charakter des Vereins bekümmert hätte, bevor es den Truppen- Übungsplatz Döberitz zur Verfügung gestellt hat. Bei einiger Sorgfalt hätte der Charakter dieses Vereins nicht übersehen werden können. Vor uns liegt das Vereinsorgan dieses Vereins mit dem Titel„Der deutsche Volkssport". Nr. 1. vom 1. September 1931. Es enthält ein Geleitwort, dieses Geleitwort ist gezeichnet: Graf Helldorf, erster Vorsitzender des Deutschen Dolkssport-Ver- eins. An der Sptoe des Blattes ist angegeben: Ge- schäfts stelle S2B48, Hedemann st r. 10. Als Zweck des Vereins wird angegeben:„Der Wehrsport führt uns ins Gelände und macht uns mit den hohen Aufgaben der Landesverteidigung bekannt." Auf der letzten Seite lesen wir: „Sportbekleidung. Die Sportbekleidung der Juirgmannsn und Jugend besteht aus der braunen Sporthose mit dein Stoffabzeicheu des Deutschen Volksfportvereins auf dem linke» Hosenbein, sowie dem braunen Trainingsanzug. Für die Männerabts ilungen schwarze Spotthose, schwarzer Trainingsauzug." Also SA.- und SS-Uniformen. Zu allem. Ueberflutz liest man daneben: „Vorschriftsmäßige SA.-Ausruftung nur beim Zeugmeifte!-. Zeugmeisterei Ost____ Das neue Abzeichen des Deutschen Volkssport-Verems ist nur durch die Zeugmeisterei Ost zum Preise von 60 Pf. pro Stück erhältlich. Zeugmeisterei Ost, Berlin SW. 48, Hedemanirstr. 10." Schließlich wird darunter noch eine Schallplatte mit einer Rede von Goebbels angekündigt. Wir fragen uns: Welche militärische Stelle der Reichsmehr hat die Erlaubnis der Benutzung des Truppenübungsplatzes Döberitz gegeben? Wir interesi'eren uns dafür, weil wir wissen möchten, wer die Verantwortlichen sind, die diesen Deutschen Volkssport- Verein für einen unpolitischen Verein gehalten haben! Wir fragen uns weiter, wie es kommt, daß die Tatsache, daß Graf Helldorf Vorsitzender dieses Vereins ist, die militärischen Behörden nicht von vornherein zu einer Untersuchung veranlaßt hat, sondern daß diese Untersuchung jetzt erst geführt wird, nachdem in der Oeffenllichkest Lärm geschlagen worden ist. Das find Fragen, auf die das Reichswehrministerium klare und eindeutige Antworten wird geben müssen! Klagges in der Minderheit. Oer Aaziprafideni korrigieri, indem er Kommunisten ausschließt. Brauuschweig, 17. Februar.(Eigenbericht.) Die gestrige Landtagssitzung, in der die erste Etatberatung statt- fand, gestaltete sich durch die skandalöse Geschäftsführung des Nazi- Präsidenten Zörner und durch die von ihm unterstützten Provo- tationen der Nationalsozialisten außerordentlich stürmisch. Zweimal innerhalb kurzer Zeit flog die Sitzung auf Es hagelte Ordnungs- ruf« ausschließlich gegen die Linke. Die beiden einzigen KPD.- Abgeordneten wurden von Zörner auf a ch l. S i tz u n.g e n ausgeschlossen. Damit ist der brüchigen Rechtskoalition eine Mehrheit verschasft worden, obwohl der jungdeutsche Abge- ordnete Schräder erklärt hat, dem Mißtrauensvotum gegen Klagges seine Zustimmung geben zu wollen. Nachdem der deutschnationale Minister Dr. Küchenthal den Etat eingebracht hatte, der im wesentlichen durch die Notverordnungen Brünings ausgeglichen ist, kritisierte der sozialdemokratische Redner Dr. Jasper das Fehlen jeglicher Hilfe der gegenwärtigen Regierung zur Behebung der Not- lag« der Gemeinden und zur Belebung des Baumarktes. Für Wohnungsbau habe die Naziregierung überhaupt nichts übrig. Scharf wandte sich unser Sprecher gegen die zunehmenden Unsicher- hellen im Lande Braunschweig, die besonders von den zahlreichen SA.- und SS.-Aasernen ausgehen. Die Geduld der Bevölkerung sei erschöpft, sie könne den blutigen Terror der Nazis nicht länger ertragen. Die Schuld komme auf da» Konto des Alllllsters Klagges. der sein« llagesetzllchkeiiea durch die Erneu nung Hillers zum Pro- fessor der Technischen Hochschule krönen wolle. Der Vorsitzende de» Sioatsminiskerimns falle klipp und klar erklären, ob der- artige Pläne beständen. Der Minister Küchenthal hüllte sich jedoch in Still- schweigen. Statt seiner bestätigte der Borsltzende der N a z i f r a k t i o n, der Abgeordnete Bertram, erneut, daß seine Partei die Einbürgerung Hitler» in Braunschweig„mit aller Kraft" betreibe. Im übrigen beschimpfte dieser Naziredner hie Mitglieder der Eisernen groill als polllische Strauchdiebe(.'). Die Beschimpfung löste ungeheure Empörung auf den Tribünen aus. InderNachmittagssitzung brüllten die Nazis systeinatisch den KPD.-Redner nieder, so daß dieser, vom Präsidenten in keiner Weise geschützt, sich schließlich zur Beschimpfung des P r ä s i- denten hinreißen ließ. Der kommunistische Abgeordnete wurde aus acht Sitzungen ausgeschlossen. Die Sitzung flog auf, da die Tribünen in die Verhandlungen eingriffen. Im Sitzungssaal standen sich die Abgeordneten der Linken und der Rechten drohend gegenüber. Zörner pöbelte den Ab, geordneten Jasper an. Die Sitzung flog dann nochmals auf. als der zweite KPD.-Astgeordnete eine Erklärung gegen die patteiische Geschäftsführung des Präsidemen abgab. Auch er wurde, da er weiter redete, auf acht Sitzungen ausgeschlossen. Der Ausschluß wurde mit großem Lärm auf den Tribünen begleitet. Da der Antrag der Sozialdemokratischen Fraktion aus sosartige Einberufung des Aellestenrates abgelehnt wurde, verließen unsere Abgeordneten geschlossen den Saal. Daraus erklärt« der sungdeulschc Abgeordnete Schräder, dag er gegen Minister Klagges stimmen werde, weil dieser nie ein Wanderredner im Reiche herumziehe und die meist« Zeit von Braunschweig abwesend sei. um sich um seine Geschäfte zu kümmern. Das wäre Pslichtaergeisenhell. In später Abendstuirde wurde dann, da der zwelle aufgerufene sozialdemokratische Redner fehlte, der Etat dem Ausschuß zur ftzeiterberchung, überwiesen. Bereit zur Schiebung. Hitlers klaagesiquische Professur soll fie.gen. Braunschweig. 17. Februar.(Eigenbericht.) Im Zimmer des Raziminifter» Klagges herrschte heute nach der Landtagssitzung sehr lebhafte Bewegung. Hier soll nun endlich, und zwar noch heute oder morgen. die große Schiebung mit Hitlers Eiubiirge» rwng perfekt gemacht werden. Der deutsch nationale Minister Küchenthal ist inzwischen breitgeschlagen worden, so daß er seine Zustimmung geben wird. Frankreich:Konzentrationskabine mLgensrechtM.en Auseinandersetzung mit den nonnals regierenden Fürstenhäusern und standesherrlichen Familien geftellten Anträge vor. Lur Abstimmung kam so der sozialdemokratische An- trag, durch den die Länderregierungen ennächtigt werden, alle Leistungen aus Verträgen oder Urteilen an ehemalige Fürsten und Mitglieder der standesherrlichen Familien mit sofortiger Wirkung einzustellen, sowie die aui Grund von Urteilen oder Der- trägen zustande gekommenen Auseinandersetzungen mit diesen unter Berücksichtigung der wirtschastlichen Notloge der Länder und weitester Volk skr eise neu zu regeln. Die K o m m u n i st e n erklärten, diesem Antrag zustimmen zu uwllen, obwohl sie ausdrücklich betonten, daß die allgemeine Not- luge eine völlige Enteignung der ehemaligen Fürstenhäuser ver- lange. Durch diese Zustimmung wollten sie auch keinerlei Eigen« iumsansprüche der Fürstenhäuser anerkennen. Der sozialdemokratische Antrag wurde mit. eis zu zehn Stimmen abgelehnt. Für ihn stimmten nur die Sozialdemokraten und .Kommunisten, die Vertreter aller anderen Fraktionen dagegen. Mit, demselben Stimmenverhö/tnis wurde ein sazialdenm- kraiischer Eventualantrag abgelehnt, der die Herabsetzung der wiederkehrenden Leistungen an die Fürsten unter Anwendung der (Srnndsätze der Notverordnungen von, August und Oktober 1931 forderte, falls über die Herabsetzung eine Einigung zwischen dem Lande und dem Berechtigten nicht erzielt wird. . Daraufhin wurde gegen die sechs Stimmen der Deutschnatio- nalen, der Deutschen Aolkspartei und der Landvolkpartei mit fünf- zehn Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Boyeri- >chen Aolkspartei und der Christlichsozialen sowie der Äommunisten ein von sozialdemokratischer Seite gestellter Antrag o n-g e n o m m e n. Dieser besagt, daß die aus Grund von llrleileu. Dergleichen. Dertrögen oder Landesgesehen von einem Land an da» vormal» regierende Fürstenhaus zu entrichtenden rviederkehrenden Leistungen, wenn sich die wirtschaftlichen vorousietznnge« für diese zuungunsten des Landes wesentlich verändert hoben, in An- wendung der Grundjähe der Verordnung des Reichsprosidenien vom 24. August herabgesetzt werden können. Aeber da, Matz der Herabsetzung cnischeidet aus Antrag der Landesregierung eine ..«eich»schied». stelle", die beim«eichsianeuministerium zu bilden ist und von diesem, dem«eichssustiz. und dem«eichsfiaanz- Ministerium durch je ein Mitglied besetzt wird. Die«eichsschicdsstellc entscheidet noch Anhörung der Darleien nach billigem Ermesien endgültig. Aus der anderen Seite sollen sich, wenn die Leistungen herabgesetzt«erden, die namillelbor der Erfüllung prioatrechllicher Verpflichtungen des Lerechflgtea zu dienen bestimmt sind, diese in demselben Verhältnis erwätzigen. in dem die eulsprycheaden Leistungen de» Laude, herabgesetzt sind. Das Verfahren rm der Schiedsstelle ist kostenfrei. Um d>« endgültige Verabschiedung de» Gesetzentwurfes im Plenum möglichst reibungslos vor stch gehen zu lassen, beschlotz der A,ssch>iß. eine zweite Lesung zu»«austotteu. BsIIsöv von den Hammerschaften' Von Mox Borth«! Achteehnhundorttiintundsiebilg, nach dam greftaa Krief. AI« der Kriegsgawinn vielen wie Wein in die Köpfe stieg, Ging In Mitteldeutschland ein Streik um einige Pfennige mehr lehn. Die Arbeiter flogen auf die Strafte, das kennen wir sehen, Kampf ist unser leben. Die Proleten trugen damals den Hemmer unter dem tack, Des Tageswerkes klingenden SchlegeUtock, Das Schlagzeug der Arbelt, das stfthlerne Aufgebet, Aber der Hammer allein gibt noch lange kein Brot, Der Hammer muß achlagen! Die Bäcker sagten:„Hein, ohne Geld gibt es nichts!" Die Fleischer sagten:„Nein, ohne Geld gibt es nichts!" Die Krämer sagten:„Ohne Geld gibt es nichts, nein", Die Organisation war damals noch klein. Streikunterstützung gab es nicht, Kamerad! Der Hunger von damals tat weher als weh, Die Tränen der Kinder flössen in einen Elondssec, Die Arbeiter standen damals für sich allein, Ihr Mut war groft, aber ihre Macht war klein. Sie ergaben sich nicht Nein! Sie gingen verbittert durch alle Straften der Stadt, Sic waren verhungert, die Bürger waren satt So krochen die Wochen und brachten nur Jammer, Die Arbeiter faftten sehr oft nach dem Hammer, Nach dem Hammer unter dem Reck. Als aber der letzte Hausrat versetzt war, Als von der Polizei das grofte Werk besetzt war, Als in der Garnison das Militär bereit war, Als es die allerhöchste Zeit war, Da stand einer auf! Da stand einer auf im verräucherten Streiklekal, Seine Stimme klang wie gehämmerter Stahl „Morgen", so sprach er,„alle heraus aus der Kammer! Morgen marschieren wir alle gegen den Jammerl Alsdann: steckt in den Gürtel sichtbar den Hammer!" Sie marschierten auf am anderen Tag, Es war in ihnen ein ganz andrer Zug und Schlag, Die Stadt erdröhnte von ihrem Gestampf, Und sie gewannen den Streik, gewannen den Kampf, Denn sie trugen im Gürtel sichtbar den Hammer! Den Hammer, den Hammer, den tragen wir, Die Feinde der Freiheit zerschlagen wir, Wir alle fühlen die zündende Kraft Und: grüße» die erste Hammerschaft! Wir schmieden den Frieden! Vorwärts! Angewandte Pädagogik. (Hitler trainiert für den neuen Beruf.) Krüh übt sich, was ein Professor für angewandte Pädagogik werden will! Preußens Sparverorduungen. Aussprache im Landtag abgeschlossen. Der Preußische Landtag setzte am Mittwoch die am Vortage begonnene Aussprache über die zu den Notverordnungen gestellten Anträge der Parteien beim Abschnitt Pädagogische Ätade- m i« n und sonstige Schulangelegenhetten fort. Abg. Dr. Dohner(ötactsp.) wendet sich gegen die Anschauung. daß die Frage des Lehrer-Nachwuchses und damit die der Päd- agngikchen Akademien nicht so dringlich sei. da noch zahlreiche un- bsschästigtc Junglehrer vorhanden seien. Abg. Jitellc(Dt.-Hann.» fordert AufrechlerhAtung der Päd- agogischen Akademie in Hannover. Ein Regierungsvcrtreter erinnert daran, datz die Regierung schon im Ausschuß erklärt hahe. die hannoversche Akademie pei «-nee Erleichterung der jetzigen finanziellen Lag», wieder eröffnen. KU wollen. Abg. Dr. Lauscher(Z.) bezeichnet es als unverständlich, datz die Deutschnattonalen jetzt die Aufr-cktsrhalrung weiterer evangelischer Akademien verlangten, währeno sie die Pädagpg>schen Akahenüen als solche rundweg abgelehnt hätten. Abg. koch(Dnath tritt für die Erhaltung des ftaatlicher Schiller-Ddeaterz in Berlin ein. Abg. Frhr. v. wongenhclm(Dt.-Hann.) nimmt gegen die ix. obfichtigte Echlietzunn des Staatstheaters m Kassel Stellung. Abg. Strudel(D.Bp.) unterstützt die Forderung aus Weiter- gewährung der Zuschüsse für die Theater in Kassel und Wiesbaden. Abg. Simon-Neusalz(Soz.) «isterftreicht die Ansicht, daßjbie Idee der neuen Lehrerbildung erhalten werden müsse. Die Simultanakademie in Frankfurt a. M. müsse erhallen bleiben. Es folgt die Aussprache über'den Abschnitt Berwaltungs- r e f o r m. Abg. Verdes(Landvh fragt, ob die Gerüchte über«inen rast. losen Abbau der Gestüte richtig seien. Abg. Steudel(D. Vp.) sieht in den Ankündigungen einer Ver- waltungsresorm leer« Deklamationen. Abg. Rhiel-Fulda(Z.) bittet das Justizministerium, die Frag« der Zusammenlegung von Amtsgerichten noch einmal zu prüfen. Abg. Freiherr v. Vanqenhelm(Dt..Hannh bestreitet, datz durch die Zusammenlegung von Kreisen, namentlich in Hannover, wesent- lich« Ersparnisse erzielt werden könnten. Abg. Haase-Liegnitz(Wp.) betönt, daß unter der Zusammen- legung von Kreisen b-� anders die Grcnzbevölkerung des Ostens zu leiden haben werde. Abg. Darteld(Staatsp.) wirit der Deutschen Bolksportei vor. die Berwalttingsreformplänc vereitelt zu haben. Beim Abschnitt Ocffentliche Fürsargeleistungen nimmt Abg. ftlosl.(Z.)«ntschiöden gegen eine weitere Kürzung der Unter- ftützungzsätze Stellung. Zum Abschnitt„Gewerbeaufsichtsämter und Berg- r ev i e re� führt Abg. Krau Hanna(Soz.) aus, sie habe den Vorwurf.zurückzuweisen, als ob die SPD. ihre Hallung zur Gewerbsaufsicht geändert habe. Die SPD. sei von jeher für einen wirksamen Arbeiterschutz eingetreten. Die Sozial- demokraten seien aber der Meinung, daß nickst die Zahl der Aus- sichtsinstanzen den Arbeiterschutz gewährleists, sondern die Zahl der zur Verfügung stehende« stoutrollbeamten und die Art der Handhabung der Kontrolle. Zwar reiche die Zahl der Kontrollbeamten jetzt nicht aus; aber im Augenilick könne man eine habere Zahl nicht durchsetzen. Keines- falls dürften öi« neuen Sparmaßnahmen zu einer Einschränkung Lcs Arbeiterschutzcs führen, das würde ja auch nicht einmal«ine Einsparung für den Staat bedeuten. Im Gegenteil könnten aus mangelhaftem Arbeiterschutz dem Staat durch Regreßklagen sogar höhere Ausgaben erwachsen. Sehr wahr! bei den Soz.) Theater m der Siresemannfiraße »Ja jeder Ehe--.• Was gastern im Deutschen Theater von D-rhart.Hauptmann hoch tragisch abgehandelt wurde, die Lieb« des allen Mannes zu dem jungen Mädel, das haben die sarkastischen Engländer Ehester- ton und Real« zu einer recht amüsanten Komödie verarbeitet. Es wurde durch die sehr hübsche Darstell, mg der Fra» Kon- pantis»«tu unbesttKleuM Erfolg. M. FL Die Negierung sei auch in, Ausschuß vtrn einer Beschränkung des Arbciknchmerschuhes abgerückt; sie wolle nur den t«ch. Nischen Apparat vereinsachen. In einer Polemik gegen den Abg. Stendel D. Vp.) sagt die Red- nerin. die Sozialdemokrat cm hätten die Matznahmen des Arbeiterschutzes und die der Sozialpolitik veranlaßt, wann sie auch damals noch nicht an der Regierung beteiligt waren. Das habe der Reichskanzler Bismarck schon in den achtziger Jahren öffentlich zugegeben. (Sehr wahr! bei den Soz.) Insbesondere habe die SPD. auch schon in der Vorkriegszeit für die Ausgestaltung des Bergarbellerfckmtzes gekämpft. Gerade aber die Rechtsparteien hätten z. B 1S2ö den Landtag bsschllltzunfcchlg gemacht, als sozialdemokratische Anträge auf Erweiterung des �Arbetterichutzes Zur Abstimmung. standen c (Sehr wahr! bei den Soz.) Abg. Freiherr v. Daugenheim(Dt-Hann.) verwahrt sich dagegen, daß man im Oberharzer Bergbau Achbaumatznahmsn durchfuhren wolle. Beim Abschnitt Kulturbauämter ergibt sich«in« längere Aussprache. Abg. Diel(Z.) Holl die Auslösung der Kulturbauämter shr eine technische Frage. Auf keinen Fall dürfe sie«inen Verzicht auf die sachlichen Aufgaben der Kulturbauämter bedeuten. Abg. wcitzermel(Dnat.) vermißt ein« Regierungserklärung über die durch die Aendcrung der Behördcn-Organisation erwarte. ten Ersparnisse. Abg. Schiston(D. Vp.) weist darauf hin. datz Friedrich II. in richtiger Erkenntnis wirksamer Sparmaßnahmen gerade Geld in Landesn«lioration«n hineingesteckt habe. Abg. v. Wougenheim(Dt.-Hann.) lehnt gleichfalls den Ahbqu der Kmlturbauämter ab. Abg. Keller(Dt. Fr.) meint, man hätte eher einige Abteilung.m des Wohlfohrtsminiftcriums beseitigen sollen, statt dcr Kulturbau- ömter. Abg. Hestermann(Wv.) empfiehll ein« nachmalige Ausschuß- perhondluna über die Kulturbauämter. Zum Abschnitt„Schutz des inneren Friedens" pole- misiert Abg. Kasper(Komm.) gegen die„faschistische Front von Deutschnationalen bis Sozialdemokraten", gegen die Demonstration s.- verbotc und verlangt Aushebung des Verbots der„Roten Fahne". Damit ist die gesamte Aussprache über die Svarverordnungp'i erledigt. Nach 17� Uhr vertagt dos Lzaus die Abstimmungen und die Erledigung kleiner Vorlogen auf Donnerstag. 1? Uhr. Schlägerei im Badischen Landing. Aoziabgeordneier provoziert. Karlsruhe, 17. Februar. Am Schluß der Mittwoch-Vormittagjitzung des Badischen Land- tags bekam der Zentrumsabgeordnete Hilbert dos Wärt zu einer persönlichen Erklärung, weil, er in der Dtenstagssitzung den Führer der Nationälsozialiston Hiller, einen österreichischen D«- sorteur genannt hatte. Hilbert sagte, die ihm wegen dieser Bemer- kung von dem nationalsozialistischen Abgeordneten Kraft zugerufenen Worte„Schwein, Lump" könne er nicht ernst nehmen, da für den Abgeordneten Kraft der§ 51 in Frag« komme. Es entstand eine ungeheure Unruh« und der Präsident rügte diese Bemerkung. Die Nationalsozialisten riefen zum Zen- truM rüber:„Worum schütteln Sie denn diesen Menschen nicht obb" Als der nationatsozialistische Abgeordnete Köhler dem Abgeord- neten Hilbert antworten wollte, entstand ein derartiger Lärm im Saal, daß der Präsident die Sitzung schloß. Hierauf ging der Abgeordnete Kraft zu Hilbert und gab ihm eine Ohrfeige. Hilbert stürzt sich auf Kraft und warf ihnzu Boden. Im Augenblick war eine allgemeine Schlägerei im Gange. Nur der Besonnenheit einiger Abgeordneter gelang es, die Streitenden zu trennen. Der Vertrauensmänncrausschutz des Badischeu Landtags be- schloß, den nationalsozialistischen Abgeordneten Kraft wegen der Borgänge in der Bormittagssitzung auf 60 Tag« von allen Sitzungen auszuschließen. Der Präsident soll die Mög- I ichkell erhallen, künstig ähnlichen Vorkommnissen, wie sie sich am Vormittag ereignet haben, durch polizeilich« Maßnahmen vorzu- beugen. Vormarsch der Eisernen Front. Kein Platz mehr für Spalier in der Arbeiierschast. In den«ck)larasjiosälen, in denen wir nicht allzu langer Zeit die ROD. ganze zehn Versicherungsangestellle zu einer„Massen- Kundgebung" zusammenbrachte, sprach gestern vor über 200 Ber- sicherungsangestellten Genosse Ernst Heil mann. Die wirklich große Frage, die' in den nächsten Monaten zur Entscheidung steht, ist die Frage um die Macht in Deutschland. Man macht die Republik für das unbeschreibliche Elend verantwortlich, das die Volksmasscn bedrückt. Schon im Jahre 187ö schrieb der Abgeordnete und Landbundsührer Diest-Dahber. der stanzler müsse verschwinden, weil er sich in den bänden der Juden befände. Damals wurde Deutschland auch von einer schweren Wirtschaftskrise geschüttelt und der Kanzler hieß— Bismarck. Schließlich gibt es in den Augen der Nationalsozialisten nock) «ine andere Sorte von Verantwortlichen für die Wirtschaftskrise, und zum die„M a r x i st e n" Daß in Amerika, ir, Italien und anicren Staaten Marxisten für die Staats- und Wirtschaftsführung noch nie verantwortlich waren und demzufolge auch an der Krise in diesen Ländern keine Schuld haben können, stört die Verbrester der Behauptung, daß der„Marxismus" an allem Elend schuld sei, nicht im geringsten. -Eitler will mit allen Slrbeiterrachten und mit der Sozialversichs- rung aufräumen und wird in diesen Bestrebungen vom deutschen und sogar internationalen Unternehmertum reichlich mtt Geldmitteln unterstützt. Diese Entscheidungen will der Nationalsozialismus bald herbeiführen. Die erste Generalprobe soll die R« i ch s p r ä s i- de n te n wa hl, di« zweite die Preußenwahl sein. In diesem Entscheidungskamps werden die K o m m u n i st e n der Reaktion die gleichen Helsersdienste leisten wie bei dem Volks- entscheid in Preußen am 9 August. Die deutschen Arbeiter und Angestellten werden die Republik mit aller Kraft gegen ihre Feinde zu verteidigen wissen. Sie werden erst die Söldnertruppe des Kapitalismus schlagen, um die Bahn freizubekommen für den Kampf gegen den Kapitalismus selbst. Die Eiserne Front erwartet, daß jeder denkende Arbeiter und Angestellte in diesem Kampf seinen Mann stehen wird. Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen des Genosien Heilmann, gegen den nicht ein einziger Zwischenruf gemacht wurde. Die Eiserne Front im Gaswerk Lichtenberg. Eine außcrordenllich stark besuchte Versammlung der Belegschaft des Gaswerks Lichtenberg, in der Genosse Dresse! refe- nerte, gestaltete sich zu einem durchschlagenden Erfolg der Eisernen Front. Im Gaswerk Lichtenberg hatten bei der letzten Betriebsratswahl die Kommunisten noch die überwiegende Mehrhest. Die Neid- Harb und B a r e n s k y glaubten deshalb, die Versammlung der Eisernen Front sprengen zu können und aus ihr ein« Thälmann- Versammlung zu machen. Sa wurde in der„Zelle" beschlossen. Da man sich der Belegschaft aber angesichts der Stimmung für die Eiserne Front nichi sicher war, nahm man einen Stoßtrupp Betriebs- sreinder zu Hilfe und hielt noch Reservetruppen in dem nahen Vcr- kehrslokol der KPD. in Bereitschaft. Der Anschlag mißlang jedoch kläglich. Als dies feststand, ver- steß die„Opposition" in Stärke von 8 Atann den Saal. Die Ver- sammlung verlief durchaus harmonisch und schloß mit einem brausenden Hoch auf die Eiserne Front. Riesenkundgebung der Bewag. Gestern sprach Genosse Stelling in einer überwältigenden Kundgebung der Belegschaft der Bewag in den Germaniasölen. Mehr als 2000 Menschen standen Kops an Kopf gedrängt und füllten den großen Saal, die Galerien und die Nebcnräume. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch Mufitvorträge einer Reichsbanner- kapelle. Besonders eindrucksvoll war, als zu Beginn der Veran- staltung eine Hammerschast von 300 Mann und 150 Fahnen ein- marschierten. Mirmtenlanger Beifall folgte der Aufforderung des Redners, Leben und Blitt für die Freiheit einzusetzen. Soweit sich die Erschienenen nach nicht in das Eiserne Buch eingetragen hatten, nahmen sie die Gelegenheit wahr, um das Versäumte nachzuholen. Gegner meldeten sich nicht zur Diskussion. Mtt dem Gesang„Brüder zur Sonn«, zur Freiheit" schloß di« von herrlichem Geist getrogene Kundgebung. Die Arbeitsamtsangeffellten schließen sich an. Die Arbeltsamtsange st eilten nahmen am Dienstag in vier Versammlungen Stellung zur Eisernen Front. Die Angestellten des Arbeitsamts Mitte und des Landesarbetts- amts waren im„Hackeschen Hos", wo Genosie Franz K ü n st l« r zum Anschluß an die Eiserne Front aufrief. Den Angestellten des Arbeitsamts Ost führte der Genosie Max.U r i ch die Bedeutung des notwendigen Zusammenschlusses in der Eisernen Front vor Augen. In das Eiserne Buch wurden noch eine ganze Reche von Eintragungen gemacht. Vom Arbeitsamt Südost waren etwa zwei Drsttel der Belegschaft in Meisels Festsälen erschienen, vor denen der Genosse Richard R o s i n sprach. In allen durchweg sehr gut besuchten Ver- sammlungen herrschte einmütige Stimmung für die Eiserne Front. Die Landarbeiter marschieren. Mit einer Einmütigkeit, die erkennen läßt, daß die Landardeiter begriffen haben, was auf dem Spiele steht, schließen sich die Arbeiter der st ä d t i s ch e n Güter in der Eisernen Froitt zusammen. Ueberall vollbesuchte Versammlungen, in denen die Arbeiter fast restlos erscheinen. Am Montag in Boddinsfelde, am Dienstag in Hobrechtsfelde sprach Genosie Heymuch unter der allge- meinen Zustimmung der Versammelten. Wohl sprachen auch einige bisher kommunistische Arbeiter in der Diskussion in Boddinsfelde, aber um auszusprechen, daß in dieser Stunde die gesamte Arbeiter- (chast sich zusammenschließen müsse in der Eisernen Front. Die Belegschaft des Stadtgules Helle rsdors war bis auf den letzten Mann in der Versammlung erschienen, in der Genosie H e y m u t h referierte. Auch aus der Umgebung war noch eine größere Anzahl von Arbeitern gekommen. Einmütig erklärten die Land- arbester, entschlossen in' der Eisernen Front gegen jede Diktatur kämpfen zu wollen. Gegen die Diktatur. Aufruf des Gefamiverbandes der christlichen Gewerkschaften. Der Vorstand des Gesamtoerbandes der christlichen Gewerk- schasten erläßt einen Aufruf, in dem es heißt: Der Nationalsozialisinus gefährdet vor allem die sozial« Entwicklung der deutschen Zukunft. Auch die christ- liche Arbesterschaft ist sich klar, daß der heutigen Staatsordnung Mängel anhasten, daß sie soziale Ungerechtigkeiten einschließt, die möglichst schnell beseitigt werden müssen. Aber die heutige Staats- und Volksordnung ist ein Ansatzpunkt zur künftigen nationalen und sozialen Volks- a r 0 n u n g, die zu schaffen Aufgabe aller Volksschichten ist. Der Nationalsozialismus will den Weg zu dieser Zukunftsovdnung g e- waltsam zerstören. Sein täglicher Schrei noch„Acnderung des Systems" geht auf di« Zerstörung aller Aasahpunkle de» sozialen volksswates. Sein Ziel ist die Diktatur des brutalen Machtgedantens. Und hinter ihm stehen starke Kräfte der Reaktion, die von seinem Sieg als„Ware" für ihr„Geld" die Ausschaltung und endliche Vernichtung der Gewerkschaften erhoffen. Dies« Erkenntnisse weisen auch der christtichen Arbesterschaft ihren Platz an. Schon hoben sich starke Kräfte der Arleiterschast und auch des Bürderttnns zu Abwehrso r m a t i o n e n gesammelt Den Kampsförmatstrnen des Nationalsozialismus stehen Bs- reitschaften des Voltes gegenüber, di« zur Abwehr jeder illegalen Machtergreifung und Macht. führung entschlosien sind. Die christliche Arbeiterschaft bejaht den Volkswille« zur Abwehr jeder Diktatur. Sie selbst steht in eigener geschlossener Front gegen tommunisti- schen und nationalsozialistischen Dittaturwillen. Ihr Kamps gilt der Freiheit der Arbeiterschaft. Ihr Kampf gilt der Freihest der christlichen Kultur und Lebenssonn. Ihr Kampf gilt der nationalen Freiheit des deutschen Lölkes. Ihr Kampf gilt der Sicherung einer zukünftigen sozialen Volks- und Wirtschaftsordnung. die aus der freien Entsallung und sinnvollen Zusammenarbeit der Berufe und Stände erwächst. Für die Verteidigung dieser Zu- kiinstsentwicklung setzt sich die christliche Arbeiterschaft mit allen körperlichen und geistigen Kräften ein. Der Vorstand des Gesamt- Verbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands ist über- zeugt, daß alle Glieder der Bewegung in dieser verantwortungs- vollen Zest in letzter Treue ihre Pflicht tun. Es geht um Leben und Freiheit der deutschen Arbeiterschaft. Es geht um Leben und | Freiheit des deutschen Volkes. Nie Schwindelhuber der 3U30. Wie ihre Siege aussehen. Bei der Kraftog, dem größten Kroftdroschkenuntcriiehmcn in Berlin, bemüht sich die RGO. krampfhaft, das Terrain wiederzu- gewinnen, das sie durch ihre sinnlosen Streikaktionen in diesem Unternehmen verloren hat. Der Betrieb war einmal eine Hochburg der NGO-, will es ober trotz der größten Krastanstrengnngen nicht wieder werden. So ist in den letzten Togen erst wieder ein Versuch fehlgeschlagen, die Belegschaft der Krastag gegen den Gesamt- verband aufzubringen, weil es dieser Organisation gcluuge» war, durch Verhandlungen zu erreichen, daß den Taxichausseuren weniger als 10 Proz., wie es die Vierte Notoerordnung vor- schreibt, von chren Löhnen abgezogen werden. Das war natürlich ein„Verrat", denn nun blieb für die „Masienstrcik"aktion der RGO. bei den Taxichauffeuren kein Raum mehr. In allen Depotvcrsammlungen ließ die RGO. durch ein paar Anhänger Mißtrauensanträge gegen den Gesamtvcrband einbringen. Als wirklich in einigen Versanimlungen eine Mehrheit für diese Mißtrauensanträge zustande kam. machte die„Rote Fahne" einen Riesenerfolg der RGO. bei der Krastag daraus. Dabei sind diese„Erfolge" nicht um einen Schein anders als die bekannten„Streikerfolge" der RGO. nach dem Inkrasttreten der Vierten Notverordnung. Die„Rolc Fahne" hütete sich wohlweislich. die Abstimmungszahlen und vor allem die Zahl der in jedem dieser Depots Beschäftigten zu nennen. Wir holen deshalb das Versäumte nach. Das Depot Sophie-Charlotte-Straße hat eine Beleg- schaftsstärke von 450 Mann: davon waren in zwei Betriebsver- sammlungen 62 anwesend, von denen 37 für und 23 gegen den Rundreiseantrag der RGO. stimmten. Von den 600 Mann Beleg- schast des Depots Garten st rahe waren in der Betriebsver- sammlung ganze 4 1 M a n n anwesend: davon stimmten 5 für und 36 gegen den Mißtrauensantrag. Dos Depot Babels- berger Straße hat eine Belegschaftsstärke von 350 Mann: in der Betriebsversanimlrnig waren 23 Mann anwesend, von denen 13 für und 10 gegen den RGO.-Antrag stimmten. Von der 250 Köpfe zählenden Belegschaft des Depots Cicero st raße kamen zu der Betriebsversammlung 19 Mann: davon stimmten für den Miß- trauensantrag 12 Mann und dagegen 7. Für das Depot W rangelst raße niußten auch zwei Betriebsversammlungen einberufen werden, zu denen insgesamt 93 Mann erschienen von insgesamt 250 Man» Belegschaft. Es stimmten jür den Miß- trauensantrag der RGO. 11 Mann, dagegen 82. Von 1900 Beschäftigten haben mithin 238 Mann den Weg zu den Betriebsversammlungen gesunden. Davon haben 78 für den tommunistische» Mitztrauensantrag, 160 jedoch dagegen gestimmt. Das ist der„Sieg" der RGO. bei der Krastag. Wir beneiden die RGO. nicht um solche Siege, sondern bedauern nur die Menschen. die sich von diesen Schwindelhuber» immer noch täuschen lassen. Die Bekleidungsarbeiter in der Krise. Einreihung in die Eiserne Front. In voriger Woche hielten die Bekleidungsarbetter ihre Delegiertenversammlung ab. Genosse Siegle vom Ortsausschuh des ADGB. gab einen Uebcrblick über den augenblicklichen Stand der Maßnahmen, die von der Reichsanstall für Arbcitslosenvermittlung und Arbeitslosenversicherung sowie vom Landesarbeitsamt für die einzelnen Arbeitsämter geplant sind. Der Redner streifte hierbei auch das Gutachten des Reichssparkommissars und erläuterte in eingehender Weife, wohin die Wege der Reichsanftall in der Frage der Fachoermitttung gehen sollen. Die Versammlung war einstimmig mit dem Referenten darüber einig, daß unter keinen Umständen die zentrale Fachvermittlung beseitigt werden darf. Der Vorsitzende Genosse Lehmann berichtete dami über die Auswirkung der Notverordnung vom 8. Dezember 1931. Die Ar- beitgeber Höllen niemals eine solche ungeheure Lohnsenkung erreicht, wenn ihnen nicht die staallichen Machtmittel zu Hilst geeilt wären. Die Preissenkung macht nicht im entferntesten die Lohnsenkung wett. Die Unternehmer möchten, angespornt durch di« Hilfsmaß- nahmen der Rcichsrcgicrung, wieder gerne den„Herrn-im-Hause- Standpunkt" hervorkehren. Um so mehr muß unausgesetzt i» unserem Sinne agttiert und unsere Reihen müssen gestärkt werden. Genosse Lehmann betonte hierauf die Bedeutung der Eisernen Front, in die sich auch die Bekleidungsarbeiter ein- rechen und sie mit allen Mitteln unterstützen müssen Das Unter- nehmertum, das mtt der Züchtung der Gelben keinen Erfolg hatte. glaubt in der nationalsozialistischen Bewegung die Geister gefunden zu haben, die es zur Schädigung der Gewerkschaftsbewegung und damit zur unbehinderten Ausbeutungsfrechett gebraucht. Die Ar- bctter müssen klar erkennen, daß in der Nationalsozialistischen Partei eine gelb-braunc Bewegung entsteht, die für das steiheitliche Bestreben der Arbctter und Angestellten eine große Gefahr bedeutet. Genosse Lehmann schloß mit dem Appell, sich in das Eiserne Buch einzutragen und sich einzureihen in die Eiserne Front. Die Generalversammlung pflichtest einmütig den'Ausführungen Lch- manns bei. Aus dem Leben eines Kumpels. Oie Tragik der Arbeit. Das Unglück, das kürzlich über die oberfchlesische Carsten- Zentrumsgrube hereinbrach, ist noch unvergessen: unvergessen ist auch der Name des Hauers, dessen Mut und Zuspruch es zu danken war, daß eine Anzahl der verschütteten Bergleute lebend geborgen werden konnte. Nun erzählte dieser Mann, Georg Prötzel, vor dem Mikrophon der Berliner Funkstunde„Aus dem Leben eines Kumpels". Wer eine dramatisch« Schilderung erwartet hatte, wurde ent- täuscht. Mit bewegtem Pathos kann von deni Schicksal eines Berg- mannes der berichten, der tiefem Schicksal selber fernst cht: wer es lebt, für den ist es Alltag, beherrscht von Arbctt, All- tagssorgcn, Müdigkeit. Es bleibt wenig Zett dabei, an die grausigen Sensationen, die immer wieder in diesen Bergmannsalltag ein- greifen, zu denken: es Hai für den Mann, der täglich in den Schacht einfahren muß, keinen Sinn, davon zu reden. Die S ch l a f h ä u s e r, die in unmtttelbarer Nähe der Grube errichtet sind für jene Bergarbetter, die zu wett entscrnt von ihr wohnen, seien nicht jedermanns Sache, berichtete Georg Protzet: nicht nur wegen des kasernenmäßigen Lebens, sondern auch, weil der Bergmann hier dauernd den Anblick der Anlage vor Augen habe. tias Arbeiten in Stollen, die nur eine gebückte Stellung zu- lassen, in drückender Hitze, nur mit Hose oder Lendenschurz bekleidet, die vom Schweiß durchweicht werden, immer die Gefahr über sich. still der eine mit Tausenden von Kameraden; darum klagt der einzelne nicht. Und trotzdem, oder vielmehr gerade darum, weil es hier um Massenschicksast geht, klagte der Bericht an mtt semen unerregten, unkommentierten Feststellungen. Täglich acht Stunden der harten Bergmannsarbeit werden mtt 4H0 bis 7 Mark entlohnt. von denen noch 15 bis 18 Proz. Abzüge für Sozialabgaben usw. gemacht werden. Die oft kilometerweiten Wege von den Wohnungen zur Grube legen viele Bergleute zu Fuß zurück, weil sie sich die Ausgabe für ein Beförderungsmittel nicht leisten können; der Ver- dienst wird für dringendere Lebensbedürfnisse gebraucht. Und an keinem Zahltag weih der Bergmann: wird er den nach st cn noch erleben? Erfolgreicher Abwehrstreif. Köln, 17. Februar.(Eigenbericht). Ein« sechswöchige Aussperrung der Ardetter im Heizungsgewerbe in Köln hat jetzt mit einem vollen Erfolge der Arbetter geendet. Der Arbsitgcberverband der Metall- induftrie hatte die Absicht, die Heizungsmonteure unter den un- günstigen Tarif der Metallindusstie zu zwingen, vic wollten durch ein Lohndiktat den Lohn von 1,48 auf 1,10 Mark senken. Jetzt ist vor dem Schlichter für das Rheinland ohne Mitwirkung des Arbeit- geberocrbandcs mit den Firmen direkt«ine Vereinbarung gc- stosfen worden, nach der der Lohn aus Grund der Notverordnung auf 1,30 Mark die Stunde festgesetzt wird. Freie Gewerkschafts-Juaenü Berlin auf der Mntaren Seit« der Schule. Staat und Ätetschaft in Rujjlaua. Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— Ig. Wir lesen Tronin.— Staaten: In- gendheim der 17. Volksschule, Sartcnstadt, Kirchplatz. Endhaltestelle Autcbua 81. Di« Stellung der Sewerlschasten in der hcutir.en Wjrtschastslage.— SchSuhaasee Tar: Iuacndhein, Tiechtr. 18. Von: Einzelarbcii.-rertrag zum Tarifnertraa.— Zeantsurter Allee: Iugcnftdeim Tilliter Str. 1. Wie führe ich eine(Seschtitlsordnuna.— Landsberger Platz: Jugendheim Dicslelmenelstr. ä. Bunter Abend.— Lichtenberg: Jugendheim Dossritr 22. Trane», rdenb.— Zi«u-Lichte»bcrg: Jugendheim(Sunterstr. ii. Bunter Liederabend.— Ostcudc: Jugendheim Karlshorft, Trcotowallee 14 tNant.EchuIel Bunter Abend.— Sc- suuddruuucu: Jugendheim Rote Schule, Satenburger Str. 2. Lustiaes von Theo Marel.— Schaneweibe: Jugendheim Laufener Str. 2 srrtes?ii"N!er>. Alfred kommt mit der Micknmaus.—»öpeniit: Jugendheim Gritnauer Str. S fRäh» Bahnhof Spindlersfeld). Kewertschafle» und Rotverarduung.— ß-trerk- schastshaus: Jugenbheii» Sewerkschaftshaus, Engelufer 24— 2C, Saal 9. Lieder. abend.— Jügendqrappc des Deutschen T-rtilarbeitervcrbandes: lg Uhr Sitzungssaal der Ortsverwaltung, Engelufcr 24— 2ä. Kameradschaft zwischen jung und alt._ �uoendgruppe des Zentralverbandes per Anaestellten CJs Heute. Donnerstag,■finden folgende Veranftalfungrn statt: Pantow- Ricdcrschonhausen: Jugendheim Gdrschfir. 14 lgrotzes Zimmer). Hc-m- abend.— Rordeu: Jugendheim Lartzingslr. 49. Wir Irrina neue Lieder. Lei» tung: Schäfer.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Lichtbilder. vertrag: Der Militarismus in der Karikatur.— Trrntow: Jugendheim Elfen- b ratze 3. Vortrag: Der Stand der Gewerkschaftsbewegung in England und in Frankreich. Referent: Lamm.— Die Freie Angcstelltenbant e. G. m. b. H. tagt heute von 20 bis 22 Uhr im Verbandshaus. Verantworllich für Palitil: Victor Schiff: Wirtschaf!: G. Klingelhöscr: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuillelra: Dr. John Schitaweli:' Lokalcs und Sonstiges: Fritz Karstadt, Anzeigen: Th. Glocke! sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Perlin. DcucI: Bocwitrio.Buchdriatcrei und Berlogsauflalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. vb, Ltndensirotze 4. Hierzu 2 Beilage». Nr. 81* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 18. Februar 1932 in derminute durch Jahrhunderte Durch die König st raße flutet der Weltftadtoerkehr. Autobusse, Straßenbahnen. Droschken, Privat- und Geschäftswagen, Rad- fahrer und Fußgänger im wirren Durcheinander. Aber wenn man hinter dem Rathaus rechts in die Iüdenslraße einbiegt und sich dann gleich in die erste Querstraße, die links abgeht, wendet, ist man der Weltstadt mit einem Schlage entrückt. Eine der merkwürdigsten Straßen Berlins nimmt uns auf: die S i e b e rst r o ß e. Straße ist vielleicht ein wenig überheblich. Es ist eine schmale, kurze Gasse, eigentlich sogar nur eine halbe, denn die links aufragende graue chäufersront zählt kaum. Diese riesigen grauen Kästen gehören nicht zu diesem Gäßche», sondern zur Iüden- und zur Klosterstraße. Um so bemerkenswerter ist die andere Seite der Gasse mit ihren zum Teil winzigen chäusern, die durch die Nummern 7 bis 18 gekenn- zeichnet sind. Auf diese 12 Hausnummern kommen nicht weniger als fünf Gastwirtschaflen. Das ist auch für Berlin eine verhältnismäßig hohe Zahl. Das Haus Nr. 10, das mit feinen drei Stockwerken und seiner glatten, graugestrichenen Front hochmütig über seinen kleinen Nachbar hinwegschaut, paßt nicht in diese altväterliche Um- gebung. Hier hat ein Friseur seinen Siß aufgeschlagen. Hinter kleinen, weihen Tüllgardinen lugen Gesichter: Kleinstadt in Berlin. Genau in der Mitte dieser Strahenzeile steht das zweistöckige Doppelhaus Nr. 11 und 12. Hier hat sich eine Socknäherei eingenistet. Welcher Berliner weiß etwas von Sacknähen? Sock- hüpfen ist den meisten bekannter als die mühsame Herstellung dieses wichtigen Verpackungsmittels. Eine ausgeschliffene Holzswse führt zu der wackligen Holztür empor. Das mutet an wie eine einladende Geste:„Bitte, treten Sie näher! Und man tritt in manches dieser Häuser hinein, legt die Hand aus die klapprig« Türklinken, die vor vielen Jahrhunderten gefertigt wurden, blickt in muffige, dumpfe, gcrümpelbehaftete Höf«, steigt knarrende, altersschwache Stiegen empor und wagt nicht, sich im Halbdunkel der Treppenhäuser dem Geländer anzuvertrauen. Das ist die Romantik Alt-Berlins, wenn man sie nicht nur von außen oberflächlich betrachtet. Ein goldener Schlüssel an kunstfertig geschmiedetem Gestell kündigt den ehrsamen Schlossermeister an. Ein Betrieb für Installation, Bau- und Mo- schinenschlosserei.auf dem Hof soll noch die alte Schmiede mit Blase- balg und Herdfeuer zu sehen sein. Aber:„Unbefugten ist der Zu- tritt streng verboten!� Man ist nicht sehr entgegenkommend. Man sieht den Fremden, der hier keine besonderen Geschäfte zu erledigen hat, nicht gern, und doch hat gerade dieser Betrieb die Vergangen- beit der Sieberstraße bewahrt, denn hier hatten sich in alten Zeiten die Zeugschmiede Berlins Heimatrecht erworben. Der goldene Schlüssel ist das Symbol dieser Vergangenheit, in der der Hand- werksmeister noch unbeschränkt und unabhängig von Fabritbetrieben wirkte. Wer arbeitet, soll auch essen, und so paßt der Kolonial- warenladen im nächsten Haus recht gut zu dem Gesamtbild. Viel- \ leicht versorgt sich hier der Wirt von Nr. 16 mit guten und preis- werten Dingen, denn bei ihm kann man schon für 40 Pfennig zu Mittag essen, und ein lukullisches Mahl von drei Gängen für 70 Pfennig vorgesetzt erhalten. Der alte Klosterkrug, der seit Menschengedenken im Haus Nr. 17 heimisch ist, könnte beinahe seiner Ehrwürdigkeit halber unter Denkmalschutz gestellt werden. Di« Gaststube ist mu bunten Papiergirlanden verziert. Dichter Rauch liegt über dem Ganzen, und die Gäste schwatzen oder sitzen philosophisch nachdenklich vor ihrem Glase Bier, so haben hier die Leute schon 1610 gesessen, als der Krug eröffnet wurde. Die meisten wissen nicht einmal, daß sie in einem„königlichen" Gast- hause sind, denn hier soll Friedrich II., der alte Fritz, mehr als einmal eingekehrt sein. In einer Minute kann man durch diese Gasse gehen. In einer Minute kann man durch Jahrhunderte eilen und in der Gegenwart Vergangenheit erleben--- Die Sieberstraße an der Königstraße Ltnruhen im Erziehungsheim. 10 Zöglinge in Strausberg festgenommen. Za der vergangenen Nacht ist es im L a n d erzieh u n g s- heim Strausberg zu Unruhen gekommen, in deren verlaus 10 Zöglinge festgenommen wurden, wir ersahreu zu den Vorgängen folgende Einzelheiten: Im Gartenhaus der Anstalt sind Zöglinge untergebracht, die als besonders schwer er ziehbar gelten. Aus Gründen, die im ganzen noch nicht geklärt sind, verbarrikadierten sich die Iungens gegen Mitternacht in ihrem Schlafsaal. Sie sperrten die Tür ab, zerschlugen die Möbel, schnitten die Strohsäcke entzwei, und schichteten aus dem Stroh einen Scheiterhausen auf, den sie mit ihren Tabokspseisen entzünden wollten. Alles dies war mit lautem Schreien und Brüllen verbunden, wobei„Rot-Front- Rufe" vorherrschten. Die Wärter alarmierten den Anstaltsdirektor, der herbeieilte, aber vergeblich versuchte, gegenüber den Lärmenden zu Worte zu kommen. Er sah sich deshalb veranlaßt, die Poli- z« i zu benachrichtigen. Zwei Polizeibeamte aus Straus- berg erschienen bei.dWM ÄnlrMft-die.�glchg�die. F e II st schlugen, um sich so einen Ausweg ins Freie zu sichern- � Dar-- aufhin richteten Schutzleute und Wärter einen herbeigeholten Feuer- weyrschläuch auf, die Zöglinge, aas aber ohne nachhaltige Wirkung blieb. Inzwischen'traf das Ueberfallkommando ein. Erst nachdem dann die Beamten Schreckschüsse abgegeben hatten, gelang es, de« Unruhen Herr zu werden. Die Barrikaden wurden beseitigt,!iZ Iungens wurden verhaftet und ins Strausbsrger Polizeigefängnis eingeliefert. Die übrigen im Gartenhaus untergebrachten Zöglinge verteilt« man auf die anderen Säle. Die Unruhen sollen auf Einwirkungen von außen zurückzu- führen sein. Vielleicht spielt- auch die Anhäufung von schwer Er- ziehbaren eine Rolle. Eine genaue Untersuchung ist eingeleitet. Entgegen anderslautenden Mefdungen sei betont, daß die Stadt Berlin mit dem Landerziehungsheim Strausberg nichts zu tun hat. Es sind in ihm auch keine aus Berlin gebürtige junge Leute untergebracht. Zuständig ist der Landesdirektor der Provinz Brandenburg, dem gestern mittag vom Leiter der Anstalt Bericht erstattet wurde. Auf diesen Bericht hin«rsolgtc die Anordnung einer umfangreichen Untersuchung der Vorfälle. SchneMriebwagen. Noch schnellere kl)-Züge Berlin-Hamburg. Mit Beginn des Sommerfahrplons werden— wie die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbohn-Gesellschast mitleili— die FD-Züge aus der Strecke Berlin— Hamburg höchstgeschwindig- keilen von IZ0 Slundenkilomelcr entwickeln. Damit geht die Reichsbahn erstmalig im regelmäßigen Betrieb über die bisher in Deutschland zugelassene Geschwindigkeitsgrenze von 100 bzw. von 110 Stundenkilometer(bei Verwendung besonderer Schnell- bremsen) hinaus. Dieser Schritt war nur unier bestimmten technischen Voraus- setzungen möglich: Der bisherige Abstand zwischen Vorsignal und Hauptsignal von 700 Meter war kein ausreichender Bremsweg mehr, um einen Schnellzug bei Warnstellung des Vorsignals aus I20-Kilometer-Etundeng«schwindigkeit heraus bis zum Hauptsignal zum Halten zu bringen. Die Entfernung vom Vorsignal zum Haupt- signal mußt« daher vergrößert werden. Die Reichsbahn läßt jetzt diesen Signalabstand aus der Berlin— Hainburger Bahn auf 1200 Meter erhöhen. Damit wird es ermöglicht, im Lauf« der Eni- Wicklung Geschwindigkeiten bis zu 130 Stuirdenkilometer auf dieser Strecke zu entsallen. Dies« Verbesserung wird besonders dem neuen Schnelltriebwagen zugute kommen, der auch bei starkem Gegen- oder Seitenwind dauernd eine Fahrgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometer einhalten soll. Auch die Wagenbautechnik muhte sich beim Bau des Schnelltriebwagens den Anforderungen, die so hohe Geschwindigkeiten stellen, anpassen. Zur Verringerung des Luftwiderstandes wurden die Kopfseiten der beiden Wagenhälsten stark abgerundet, der Wagentasten so niedrig wie möglich gehalten und mit einem glatt durchgehenden, gewölbten Dach ohne Aufbauten versehen. Die günstigst« Form wurde mit Hilfe von Modellen im Windkanal des Zeppelin-Luftfchlffbau in Friedrichshafen ermittelt. Der Wagen ist als Doppelwagen entworfen: er enchält einen Gepäckraum, 102 Sitzplätze 2. Klasse und 2 Aborte. Die eine Wagenhälfte ist für Raucher, die andere für Nichtraucher bestimmt. Größeres Hand- gepäck wird— wie beim Rheingoldzug— im Gepäckraum aufbewahrt werden. Außerdem ist in der Mitte ein Erfrischungsraum eingebaut, so daß kalte und warme Getränk«, wie auch kalte Speisen verabreicht werden können. Der Doppelwagen ist etwa 42 Meter lang, wiegt rund 77 Tonnen und wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr abgeliefert«erden. Cr wird zunächst auf Versuchsfahrten eingehenden Erprobungen unterworsen werden. Bei günstigen Lersuchsergebnissen ist geplant. ihn im Laufe des Sommers auf der Strecke Berlin— Ham- bürg imFahrplaneinesFD-Zuges(also mit 1 2 0 S tu n- d enckrk»me te r Höchstgeschwindigkeit) regelmäßig verkehren zu lasten.'"""": 1' Der Tod beim Eislauf. Auf dem LangenSeebeiGrü na u, unweit der togenann- ten Bammelecke, liesm in den gestrigen Abendstunden mehrere Jungen Schlittschuh, obgleich das feit Tagen herrschend« Tauwetter die Eisdecke an vielen Stellen schon stark brüchig gemacht hatte. Einer der Schüler brach ein und ging sofort unter. Rettungsversuche verliefen ergebnislos. Die alarmierte Grünauer Feuerwehr mußte die Bergungsversuche wegen der Dunkelhett bald a b- brechen. Die Personalien des Ertrunkenen konnten bisher von der Polizei noch nicht festgestellt werden. „Unsere Zeit ist nichts anderes als Verfall", be- harrt John. Die Freunde antworten sich nicht, sie reden ungeniert aneinander vorbei und werden sich dieserhalb nicht böse. Sie freuen sich, beieinander zu sein und können sich dennoch nicht aufeinander einstellen. Ein Statist kommt in den Wagen und schminkt sich zum Indianer. Billy hat vor echten Indianern eine gewisse Scheu, und das Publikum sieht gut angestrichene Bleich- gesichter meistens liebev als die rassereinen Rothäute. John sieht durch die offene Wagentür auf den rosa ge- färbten Himmel.„, „Wie schön der scheidende Abend ist, sagte er zu Billy. „Gleich haben wir Strom", antwortet Billy. Er setzt den elektrischen Kocher auf eine primitive Vorrichtung, deren Be- deutung ein Fremder von sich aus nicht erraten kann, und gießt nach einiger Zeit heißes Wasser auf ziemlich viel Tee. John, Billy und der Pseudo-Jndianer trinken Tee. „Möchtest du dir das Programm ansehen?" fragte Billy. „Jawohl, Arbeitslose halbe Preise", erklingt von draußen die Antwort aus eine Anfrage, die an den Portier ge- richtet war. Unwillkürlich zuckt John zusammen. „Nein, danke sehr, Lilly, wenn es dir recht ist, bleibe ich hier und sehe mir nur deineMummer an." „Gerne, ich arbeite heute früher als sonst, nämlich vor den Löwen. Die eine Löwin soll morgen in aller Frühe ge- röntgt werden. Darum arbeiten die Löwen heute als letzte Nummer. So kann der Zentralkäfig gleich für morgen stehen- bleiben.". � Es kommen noch drei Iungens. die erst John mit er- staunten Augen betrachten und sich dann als Indianer schminken. Billy lacht.„Alles Häuptlinge vom Stamme Sirup. Die Jungen lachen und John locht desgleichen. Ach, wie schön ist, so vor sich hwsudösen. Billy legt Puder auf. rot und gelb verrieben, schminkt sich frische Farben an und sieht aus, als ob er soeben aus der Prärie käme. Er zieht die Augenbrauen nach, schaut in seinen Spiegel und durch ihn zugleich in Johns Gesicht und lacht:„Ja, jetzt kann ich mich schminken. Du, so gut, daß sogar ein paar Tänzerinnen neulich zu mir in den Wagen kletterten und mir knit Spucke übers Gesicht fuhren, weil sie wissen wollten, ob meine Farben echt oder ausgelegt seien. Ja, ja, man kultiviert sich bei kleinem." „Nein, man wird zivilisiert und verkommt dann lang- sam", erwidert John. Billy überprüft alle Requisiten. Dann schlendern die beiden Freunde in den Stall. Johns Blicke fallen auf ein grell gemaltes Plakat. „Achtung? Es wird scharf geschossen. Der Aufenthalt im Stallgang ist während der Nummer des Kunstschützen ver- boten. Es besteht Lebensgefahr." Für John schiebt sich der Vorhang vorsichtig ausein- ander. John schlüpft hindurch. Es braucht ihm kein Platz angewiesen zu werden, er braucht auch keinen Platz zu suchen. Es ist mehr als reich- lich Platz im Zirkus. John setzt sich auf einen mit Sperrsitz bezeichneten Stuhl. Billy kommt in die Manege. Er spielt nach John hin. Der Billy macht sich, er ist ein feiner Kerl. Das Publi- kum ist begeistert. Selbst John kommt in Stimmung. Er sieht sich noch die Löwen an, dann eilt er in Billys Wagen. Der Cowboy hat sich bereits abgeschminkt. Trotzdem fährt er sich noch mehr als einmal mit dem Taschentuch durchs Gesicht. Das Tuch ist gelb und rot. Billy seufzt:„Ich schwitze nachts alle Kissen gelb und rot. Ich habe eigene Bettwäsche. sonst hätte ich andauernd Kroch mit den Wirtinnen. Ach. es ist ekelhaft. Heute wollte ich nicht warm werden. Und immer wenn ich mir vornehme, arbeite dich nicht so ab, strenge dich nicht so an, dann bin ich nachher wie aus dem Wasser ge- zogen. Das muß nervös sein." „Billy, was höre ich, du und nervös?" lacht John etwas gequält. „Ach ja", sagt Billy gedehnt und sieht in den Spiegel, der ihm ein sehr müdes Gesicht zeigt. Die Jungens haben sich abgeschminkt. In den Wasch- schüsseln steht braune Soße. Eilige Schritte gehen die vier Stufen der angesetzten Treppe auf. Ein Journalist erscheint. Er interviewt zum soundso vielten Male Billy. Der oerzieht die Mundwinkel und holt eine Kognakflasche. Bald erzählt der Journalist nur von sich. Er hält sich für einen Lebcnskünstler und teilt diese Weisheit den beiden mit. Endlich sieht er nach der Uhr und springt hastig auf, weil er noch nach Berlin muß. John sagt nicht, daß er das gleiche Ziel hat. Erst als sie wissen, daß sie den Gast unterwegs nicht mehr einholen werden, machen sich Billy und Johnncr dramatischen Szene, als der Mann der Ermordeten den Saal verlassen sollt«. Er wollt» sich auf die Angeklagten stürzen, schrie ihnen zu:„Mörder, sie haben meine Frau getötet", und konnte nur mit Gewalt zurück- gehalten werden. Draußen bekam er Schrelkrämpfe. Die Verhandlung entrollte da» übliche traurig« Bild. Beide Angeklagten kommen aus zerrissenen Familien. Möbert war beim geschiedenen Vater geblieben. Licht, da» vierte von 14 Kindern. Sohn eine» noiorischen Trinkers, lebte bei der geschiedenen Mutter. Möbert kam in Fürsorge, lies aus der Anstalt davon, beging Diebstähl« und wurde das letzt« Mal ün März o. I. aus Tegel ent- lassen. Er lernt« Fräulein R. kennen, vallführte mehrere Einbrüche: um seine Freundin, die von chm in anderen Umständen war, in die Heimat begleiten zu können, entschloß er sich zum Raub im Garde- robengeschäft SUberzweig. Licht hatte bis zum Jahre 1923 ge- arbeitet. Wegen seiner Arbeitelosigkeit gab es Differenzen mst dem Stiefvater. 14 Tag« vor der Tat wird er von der Mutler aus der Wohnung gswiesen. Er wurde zum Werkzeug in den Händen des zwei Jahre älteren Möbert. Beide bestritten, die Absicht gehabt zu haben. Frau SUberzweig zu töten..Ich habe nicht geglaubt. daß Licht zu so etwa» fähig wäre, ich habe nur rauben wollen. dafür will ich bestraft werden." Dr. D y r e n f u r t h gab«ine anschwillche Darstellung der Per» sönlichkeft beider Täter. Möbert. ein sehr intelligenter Bursche, voll innerer Unruhe, er hat mehrmals ernsthaft« Selbstmordversuch« begangen— besitzt zweifelsohne ein» epileptoide Komponente. Die Tat tut ihm sehr leid, er ist aber ein asozialer Mensch, der Im Stehlen irichts Schlechtes sieht, im Grunde weitherzig und rührselig ist, man kann ihm glauben, daß er nicht dl« Absicht hatte. Frau Silberzweig zu töten. Licht ist gleichfalls als leicht epllsptvid zu bezeichnen. Er hat in der Jugend schwere Unfälle gehabt, leidet seel sch sehr in der Zelle, er weiß selbst nicht wie er in die Tat hineingeschliddert Ist. Es ist wohl möglich, daß gerade er bei feinem leichten Schwachsinn sich von der Situation hatte meistern lassen und so zu e I n e r T a t hingerissen wurde, die nicht in seiner Absicht lag. Dies- letzte Feststellung des Sachoerständ'gen konnte für das Gericht ent- scheidend werden: es lag also nicht Mord, sondern Tot- schlag vor. Die Verhandlung wird auf Freitag vertagt. » Die Niederlage der Verteidigung durch Rechteanwalt Dr. Rei- wall» verfetzt dos Gericht in ein- äußerst schwierige Lage. De An- klage lautete auf Mord: der Staatsanwalt wird zweifelsohne ein Todesurteil beantragen. Unter solchen Umständen erscheint es un- möglich, daß ein Offizialverteidiger, der weder den Angeklagten noch die Einzelheiten des sowohl in tatsächlicher wie in rechtlicher Be- Ziehung äußerst kompliz'ertcn Falles kennt, in diesem Stadium des Prozesses vollkommen unvorbereitet für den ausgefallenen Verteidiger einspringt... zu lassen. Ob das Mädchen nun einem Derbrechen zum Opfer gefallen ist oder vielleicht au» Angst vor ihrer Krankheit freiwillig den Tod gesucht hat, läßt sich varläufig noch nicht sagen. i 00 00y-Mark' legenhelten die Fahne einer �nicht oerbotenrn�Pirrtei zu ziehen. Auch in diesem Falle ist die llnterlassungsklaae des Vermieters abgewiesen. Unter das nach Artikel 118 der Reichs- Verfassung jedem Deutschen innerhalb der Schranken der allgemeinen Gesetze zustehende Recht der freien Meinungsäußerung durch Wort, Schrift. Druck, Bild oder In sonstiger Weise fall« auch das Heraus- hängen der Fahne. Zwei Sammler eigener Art. Mißbrauch des Namens der sozialdemokratischen par ei. Unter der Flagge einer sozialdemokratischen Hilfsaktion für die Erwerbslosen versuchten zwei Schwindler, zum Teil mit Erfolg, namhaft« Beträge von Berliner und auswärtigen Firmen zu ergaunern. Die beiden Betrüger, ein 3Sjähr!ger Maschinenbauer Johannes Grohall und ein llljähriger Expedient Willi G u t s ch o w wurden am Frsitag von dem Erweiterten Schäffengericht Pankow als Sühne für Ihr« Gaunerelen zu einer Gefängnisstrafe von je 6 Monaten, allerding» mit bedingter Strafaussetzung, verurteilt. In der kleinen Gemeinde Lindenberg bei Bernau waren einem dortigen Parteiaenossen zwei merkwürdige Samm'er aukqe- fallen, die auf sein« Veranlassung verhaftet wurden. Die beiden setzt Angeklagten, die nicht unbeträchtliche Summen bereits gesam- melt hatten, führten eine Liste bei sich mit dem Briefkops „Reichstag', unter den mit einem Gummistempel das Zeichen der SPD-Fraktion gesetzt war. Der Text besagte, daß die beiden Sammler im Auftrage der Organisation, di« bereit» je zehntausend Mark für diese Zwecke bereitgestellt hätten, handelten. Unterschrieben waren die Listen mit dem Namenszug Franz Künstlers für die Bezirksleitung und Bredows für den All- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund. Die Unterschriften waren natürlich plump- Fälschungen, das ganz« Unternehmen«in gemeiner Schwindel. Gutschow, der früher einmal dem linken Flügel der KPD. angehörte, war der Vater des Gedankens und hatte seinem Genossen aus der Stempelstelle den Plan unterbreitet. In der Verhandlung waren die beiden geständig und verteidigten sich mit chrer durch jahrelange Arbeitslosigkeit hervorgerufenen Not. Es ergab sich aber, daß es sich nicht um nur durch die Not ge- strauchelte armselige kleine Betrüger handelte, sondern daß sie auch unter normalen Umständen nicht zu den sympathischen Zeitgenossen gehören. Die als Zeugen geladenen Parteimitglieder Künstler und Bredow wurden zwar nicht vernommen, hatten aler mit Rücksicht auf di« wirtschaftlichen Verhältnisse der Angeklagten um keine oder um eine möglichst milde Bestrafung gebeten Da» Gericht kam zu der oben mitgeteilten Strafe und wies darauf hin, daß die Schwindeitätigkeii der beiden Angeklagten im Interesse der Allge- meinheit gemein genannt werden müsse, da dadurch nicht nur die gerade jetzt doppelt notwendige Mildtätigkeit gefährdet werde, son- dern auch durch derartige Manipulationen die wirklich Bedürftigen geschädigt würden. parieinachrichten jol�für Groß-Berlin EinlcnDann« iü- Ott)« RlldrU sind verlin SD A.!>lud«nitr-tz» Z G stet» an da» et|tttsfctretariai i. Hos. 2 Tnvven rechts, j» richlca Beginn aller Beranstaltungeu IL'/- Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! t.»reis. Freitag, lg. Februar, Nreisvrrtrrtertag Im Hackeschen Hos. Rosen. lhaler Str.<0— il. Salircsderickit, Neuwahl des Porftanbrs, Aerschiedene,. gutritt nur mit Mandat und Mitgliedsbuch gestattet. It. Neeis. Der Kursus Reese fällt heute aus. U. Kreis. Freitag. Id. Februar, lg'i, Uhr, erweiterte Kreisvarstandsfltzung in altsr Vescgnng an brtannter Stelle. 2«. Nrel«. Heule, Donnerstag, IS. Februar, Uhr, gusammenkllnst« her erwerbslosen Parteimitglieder an folgenden Steven: R«in>ck-ndors-Ost in der Schule Houvestraße.„Das Gesicht de» Fernen Ostens." Referent: Curt Aiging.— Wittenau im Jugendheim Reu« Schule, Haurtstrahe. Lichtbilder. »ortrag der Eenalst» Riider-Erepmann:„Die neue» Heiligen".— T-gcl im Jugendheim Schöneberg-r Str. s. Bartraz des Heirossen Dr. Carl Schräder. s. Rot. Freitag, ts. Februar, im Heim Scnthiner Str. 17 gufammenkunst der jiinaeren Parteimuglieder.„Unsere Ärbcit in Preußen." Referent: Willi Wrsff. 45. Abt. Heute, Donnerstag, 18. Februar. 20 Uhr, bei Thielert. Liegniher Straße 10, Zusammenlunft der jitngeren Parteimitglieder.„Die deutsch« Arbeiterbewegung seit lSlZ." Referent: Dr. Eberlew. K, Abt. Die kurze Besprechung des Abteilungsaorstandc, mit den Rreis. Vertretern findet nicht am IS., fondern erst am Eennabend, dem 20. Fe. bruar, 18 Uhr, bei Keil. Prilli-Hondlern-Str. 88, statt. 10». und 108*. Abt. Sämtliche Karten für den am 2V. Februar im Stadttheater stattfindenden„Roten Fasching" miissen Freitag. 19. Februar, zwischen 20 und 21 Uhr, im Parteihcim, HKloßstr. 27, abgerechnet werden. Zrauellveranstaltung. 7.»reis. Frsitag. 19. Februar, 20 Uhr, im Sugemdhelm Rosinen str. 4 Funk. tianarintusnstjung.- vezlrksciupschuh für Arbeitenvohlfahrk. Mit UnterftSlung de» Snaind- und Bohlfahntrairtt» Pren'laner Berg wird am Donnerstag, dem 8. März in sämtlichen RtUimen de» Saalbans Friede rifhabiiin.in er.ie.> i- iPr hl, Tf i rut h,.-.„Ii■tssittter iinh ftinh- o,, Kreisleitung Prenzlauer Berg und beim Genossen Walter Suhr, RO. Z5. Chadowieckisir. 15, 1. Aufgang. 0.«tri». Am Freitag, dem 19. Fabruar, bei KrUacr, Grimmstr. 1, 181$ Uhr, Obleute-Aktendcsprechung. Um 20 Uhr engerer Kreisoorstand. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Grost-Äerlin. Mitte. Heute Helferlursu» um 20 Uhr im Sugendhsim Elisabeth- tirchstraße 19. Friebrtchshai». Au der Filmvernnstaltung im Filmsternpalast in der Große» grankfuricr Str. 29, Beginn is Uhr, tresfen sich di« Abteilungen wie folgt: Stralau um 14 Uhr vor dem Heim! Land». (W berger Plaz 14 vi Uhr Fallenecke; Margarete Wengels 14 Vi Uhr vor dem Horm. Karlen für 20 Pf., auch sllr Eltern, sind noch an den Treffplätzen zu habcn.— Abt, Stralau: Freitag, 18 Uhr, Lichtbildervortrag sllr alle. Sonntag, 16 Uhr, Treffen im Hei»:. Kreuzbceg. Restfallen. Bewegungsspiele heute, 19 Uhr, im Heim Urban- straße 167, ReuISlln. Nestfalken. Bewegungschor heute, 17Vt bis 18>/z Uhr, Donaustraße. Abt. Jungvolk. Freitag. 20 Uhr, Slternverfammlung. Wichtige Tagesordnung. Schule Kaiscr.Frtedrich>Str. 4. Treptow. Sonnabend, 20. Februar, im Sugendhewl Baumfchulenwrg, Ernst. straße 16, Kreishelfersitzuug. Beginn 19 Uhr. Sterbetafel der Groß-Derliner Partei«Organisation 2». Abt. Am Sonntag, dem 14. Februar, verstarb an den Folgen eine» Echlaaznfall» Genosse Hermann Korth«, Prenzlauer Allee 92. Seit 1908 UN- unterbrochen Parteimitglied, war der Dahingeschictene rllhrtg di» zuletzt sllr unser« Sache. Wir werden ihm ein ehrende» Andenken bewahren. Einäscherung Freitag, 19. Februar, 19 Uhr, Krematorium Gcrichlsiraßr. 82. Abt. Am Sonntag, dem 14. Februar, verstarb unler» hochgeschätzt» Par» teigenosst» Hundt, Am Echlestschen Bahnhof 1. Seit«inen: Menschenalter gehörte sie der Arbeiterbewegung an, und hat bereit» unter dem Sozialistengesetz an »er Seile ihre» Manne» siir die Befreiung der arbeitenden Menschen gelämvft. Chi» ihrem Anden?:». Einäscherung Freitag, 19. Februar. 18 Uhr, Baum- r uleuweg. Die Genossinnen und Genossen tresfen sich um 12VH Uhr am Bahn- häs Baumschulenweg. Um rege Beteiligung mixd gebeten. eandwirkschafMch« Hochschule in Verlin. Beginn der Auf- nahm« für dos Sommersemester 1932 om 2. April, der Vorlesungen am 16. Aprll. Drucksachen durch di« Registratur Wetteraussichten für Berlin: Wellerhin trockenes und beständiges Wetter, nachts Frost. Tagestemperaturen wieder einig,« Grade über Null, stelleirweise nächtliche Nebelbildung, schwach« Lustbewegung.— Für Deutschland: Im ganzen Reiche trocken und vielfach Heller, all« gemeine Nachtfröste, stellenweise Morgennebel. Edelsoja als Nahrungszusatz. Ein neue? billiges Massennahrungsmittel soll in Berlin ein- geführt werden. Eine Eiweißquell« ersten Ranges, nur viel, viel billiger als Fleisch und Eier. Die Sojabohne kommt aus dem fernen Osten, hauptsächlich aus der Mandschurei, wo sie in ungeheuren Menge» produziert wird, und ist eins der wichtigsten Nährunqs- mittel der ostasiatischen Bölker soll undenklichen Zeiten. In Deutsch- land wird die Sojabohne seit Fahren in steigenden Mengen ein- geführt, allerdings bisher nur ihres Oeles wegen, das ein wichtiger Rohstoff der Maraarinefabrikotton ist. Viel wichtiger ist aber ihr Eiweiß, etwa 42 Proz.(mittleres Rindfleisch hat nur 21 Proz. Ei- weih). Die Sojabohne wird nach einem patentierten Verfahren zu einem schönen zartgelben Mehl— Edclsoja— verarbeitet, welches man allen Speisen zusetzen kann, um ihren Nähr- und Sälti-zunäs« wert entsprechend zu erhöhen und ihre Gestehungskosten beträchtlich herabzudrücken, wobei der Charakter und der gewohnte Geschmack de» Essens überhauvt nicht verändert wird. Ein Elerkuchen ohne Ei und Milch, an Nährwert dem richtigen überlegen, an Aussehen und Geschmack kaum von ihm zu unterscheiden, kostet nur 3 bis 4 Pf.(ein Eßlöffel Edelsoja, 2 Eßlöffel Mehl, angerührt mit Wasser. das ist das Rezept). Ein Zusatz von 19 Proz. zu Brot würde den Nährwert beträchtlich erhöhen, denn normales Brot enthält keine nennenswerte Menge Eiweiß, der Preis aber könnte bei gleichem Gewicht von 47 auf 41 Pf. gesenkt werden. In der Berliner Versuchsküche, Apostelkirche 1, kann man jeden Tag«in komplettes Mittagessen für 16 Pf. bekommen, sogar mit Fleisch. Gelvinnauszug 6. Klasse 38. Preußisch-Eüddeuijche Staats-Lollerie. Obue Gewähr Nachdruck verboten Auf seb« gezogen« Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lese gleicher Rummer in ven beiden Ableilungen l und II 8. Zlehnngslag I7.stebruar 1932 Vn der heutigen Dormittagsziehunz wurden Gewinne über 499 M. gezogen 2»»6)1»»««n 100000 ffl. 183935 2 Ol 750u0®t. 23429 6«-Winne in 10000 W. 101375 121340 297156 14«.Vinn» ja 6000 M. 33357 61724 238109 237819 916718 384681 360324 1 6».»Inn»>- 3000 W. 28054 132298 223708 227962 248688 2981 78 327733 355986 48«»tvinne ja 2000®t, 14187 20663 34329 60108 63562 72878 88609 89602 108404 103534 129494 149141 165274 18! 056 197096 213503 267238 319501 333934 342797 381141 375284 377013 394883 130«twinn. i« 1000 CT. 1229 8455 9094 0251 24067 27546 211507 32425 37567 38170 3900S 80LS9 82282 62764 63796 87276 112350 11 2858 114971 118540 121094 I 231 86 124250 124452 132543147275 148942 151095 157540 15995? 162570 164801 170891 I 72823>81221 198608 200721 201093 203110 213438 218466 234842 251258 255590 265166 272074 296104 297298 300391 303364 305455 309905 312843 316905 317623 319202 338817 347190 347368 360561 386727387697 390717 396641 398801 1 90««mm» ja 600 CT. 12078 12095 13383 22062 83273. 3654? 39874 43160 47759 59039 60470 69400 74177 77736 852 93318 95044 197902 110709 II 6759 125507 126612 132055 132012 133959 136843 138119 138555 139873 148397 171312 176243176462 177301 177594 178318 181325 184627 187619 187733 199399199973 201078 204045 206018 207105 207117 211973 217918 219332 224603 227805 227808 230081 833776 243298 244545 281135,251382 260680 M ÜS M WS? Wir, mm Ulis 333073 334963 335059 338154 345780 347067 347520 350689 364378 368463 377279 379051 382211 385017 387067 396172 Sn der beuligen Nachnnttogsziehung wurden Eewlmie über 100 N. gezogen 8 Gewinne ja 10000 CT. 17250 121554 125791 129190 12««Winne ja 5000 CT. 35739 35352 71560 84329 209837 271300 18«ewinne in 3000 CT. 11869 51899 74759 83434 94678 237429 325031 356727 64«ewinn« n 2000 CT. 12885 33210 38870 44762 65236 81681 116963 150397 155595 203607 228276 233048 263139 270139 282904 284569 287980 200462 293549 303588 340008 344063 346286 348470 357061 333146 379248 96»-Winne ,n 1060 CT. 4579 10804 15304 15660 16960 16973 22327 24181 71953 77398 81032 82032 1 11534 118533 122403 134649 140885 167534 176730 191805 192138 1 99057 235722 237346 241852 245103 249995 251774 252912 260881 297498 303623 305408 307967 310938 321447 340044 351605 353180 361588 367195 373325 378538 380313 380938 381633 384896 397237 160«--im:« IN 500 CT. 1 964 5137 6390 6495 6641 23777 29754 29755 35558«2280 42591 43533 44552 47463 54822 57258 69933 «192» 79344 79873 82316 85215 86788 88241 93788 114209 1 17639 125403 126471 132877 133679 143673 145465 147931 154347163499 175991 178335 179198 184572 187293 189265 190992 192277 192983 193301 196084 209978 209901 210454 212096 220370 227361 232573 245127 254203 261327 262972 233234 271307 274003'.>73nB4 270366 283480 284642 265093 288834 307253 314439 324185 820157 326560 335060 336487 340245 344143 345681 343227 349037 350360 362643 371397 331469 383302 384752 387034 387636 391009 391293395743 Berickuignug: Zn der Nachmitiags-Ziehung vom 16 Februar lüSli wurde Nr. 218840 statt S106I8 mit Ö00 M. gezogen. Im Gemlnnrade verblieben: 2 Prämien je zu«»000, S Gern nne zu je 5>)&!00. 2 zu j« 300000, 2 zu je 200.100, 2 zu je 100000, 3 zu je 7 000. l>> zu je S»Xl0. 20 zu je 220>0. 134 zu ie 10000. 344 zu je fiO<1. 734 zu je S.KX), 24''4 zu je 2000, 4302 zu 4. imvs nm*... Knn an mn WJnrf Donng rstag- Freitag- Sonnabend Drei Tage lang berechnen wir für«dtOn« una wertvolle Waren ganz besonders ermäßigte mr Sonderpreise"3*1 wi: sie auch bei Cadtel kaum JemaU zu firden waren. mr Gelegenheitskäufe sondergle cfaen erwan n Sie bei uns, wie die nachstehenden BeUpIe e a-deut n sollen. Winter-Mäntel in überwältigender AuswaM mit und ohne Pete, darunter herrliche Modell- Mäntel zu außerordentlich tief herabgesetzt; n Preisen Frühjahrs- und liberganns- Mäntel aiisaLermodern»len8 oöe» in prachtiser Austöhrung Neue bildschöne Modelle zu niedrigsten Preisen Kf n ItziCMdi O»« M motfcrnsferDiosen In vorzOfli. Macsi- an. in a len Farben,>«II« auch i frei»Wel to di» 54, Ins 5« en nur 5:2:9: Hin«roOcr Posifn Klelderrdche 9U5 mpdernsn relijwo Ii-nen Stoffr». in allerneuesten Ptzrbsn, In 3 d»r>«n nur 5: 1: 9: 10: Prauenrödce aus reinwollenen S offen In Schwarz, Braun u Manne, auch (Or die siärKstep Figuren nur Einsegnungs- und Pt ülungskleider in allerreichster A iswahl, in neuzeitigen Steifen und Formen ungewöhnlich biUig Elegantes Mmittags-Kleid au» dem neuesten Mode Stoff O r*pe>- Amneone mit sch'.nem Scnieifensounuck. gezogener Aermelgar lerun», aparem Glockenrock. Qflrtel, In neuzettleen Farben, In allen GrOfien __ n»z- 29 Reinwollene Slrick- Pullover in neuesten Formen und Strick rten, In 3 Derlen: 4� � ■«h« UHW • HoUimoüern.Slomp& aus reinseidenem tnilid Blase aus modeinen h spitzen In besonders schöner Verarbeitung, an- gearbeite'er Rock mi> rundherum gehenden ein- Biegten Flchersiilten upd en'zllckendem Bolero- j ä c k e b e n. Dieses herrliche Komplet kos e1 nur lansAruirttv0 )our Spuckte: 49 dm ScMm Sie Nachricht, daß der Nozi-Beest, der phantasiebegabt« Autor des blutrünstigen Dokuments von Boxheim, als wohlbestallter Richter der Republik im hessischen Alzey amtiert, hat mich an ein Erlebnis erinnert, das ich dort vor mehr als drei Jahrzehnten als Hand- wertsbursch« hatte, wobei ebenfalls ein Amtsrichter eine Rolle spielte. Mit einem fidelen Walzkumpanen, Franz Taver S. aus Dachau, einem echt bayerischen Naturburschen, war ich in dos Hessenstädtchen eingewandert. Beide waren wir Tischler und der Herbergsvater offerierte uns sogleich Arbeit in einer kleinen Eisschrankfabrik am Orte. Eine kritische Besichtigung unserer Trittlinge und das naß- kalte Fobniorwetter ließen es uns geraten erscheinen, dieses An- gebot nicht zu verschmähen. Nach wenigen Stunden Aufenthalt in dem genannten Betriebe, in dem selbst für die damaligen Verhält- «isse unglaublich rückständige Arbeitsbedingungen herrschten, waren wir ober auch schon entschlossen, unseren Arbeitsdrang nicht in eine zeitlich unbegrenzte Orgie ausarten zu lassen. Außer uns beiden Zugewanderten waren noch acht bis zehn Einheimische im Betriebe beschäftigt, meistens ältere und verheiratet! Kollegen, von denen noch keiner mit der Organisation in Berührung gekommen war. Ucberrascheird schnell fanden wir aber Verständnis für die Gewerkschaftsidee und ehe sie noch in die Praxis umgeseßt werden kowtte, war die ganze Belegschaft schon nach wenigen Tagen einig in dem Entschlüsse, dem Unternehmer I. am Montag früh ein Ultimatum auf Lohnerhöhung zu stellen. Als die vorbedachte Stunde des Handelns gekommen war, erschien I. mit einem ironischen Lächeln, das keinen Zweifel darüber ließ, daß er bereits aufs Genaueste über unsere Pläne unterrichtet war. Damit war es aber auch mit dem Mute unserer Kollegen vorbei. Jeder suchte zuerst aus der Schlachtlinie in die Deckung des Arbeitsplatzes zu entweichen, um durch doppelten Eifer den Verdacht von sich abzulenken, als ob er an dieser Rebellion beteiligt sei. Mit einem gräulichen urbaycrischen Fluche riß sich mein Franz Taver die Arbeitsjchürze vom Leibe, zog sich den Rock an und ver- langte mit lautem Gebrüll seine Papiere. Natürlich schloß ich mich dieser Forderung an. Wütend schrie uns der Unternehmer �u, daß er uns freche Lausbuben sowieso zum Teufel gejagt hätte, daß wir ober nun gerade erst mal arbeiten sollten, bis die vierzehntägige Kündigungsfrist abgelaufen sei, und daß wir Ans sofort an unsere Plätze scheren sollten. Er verschwand, hochrot vor Zorn, in seinem anliegenden Kontor und zog die Tür knallend hinter sich zu. Wie ein rasender Stier stürzte der Dachauer hinter ihm her und schrie noch seinen Papieren. Ich wollte ihm nach, aber die Kontortür wurde mir vor der Nase zugeschlagen und von innen abgeriegelt. Hinter der Tür entwickelt« sich ein heftiges Wortgefecht, dem sich bald klatschende Geräuschs beimischten, die mich zu der trüben Vermutung anregten, daß mein guter Franz Taver nach allen Regeln der Kunst von einer seind- lichen Uebermacht, dem Unternehmer und feinem stämmigen Buch- Halter, verhauen wurde. Schließlich wurde die Tür ausgerissen und mit einem gewaltigen Schwünge, ausgelöst durch einen kräftigen Fußtritt, flog mir der Gefährte vor die Füße. Mit blutunterlaufenen Augen suchte mein Freund noch irgend etwas handfestem, um die ganze Bruchbude zusannnenzuschlagen, wie er tobend verkündete. Nur mit großer Mühe gelang es mir, ihn zum Ausgang zu drängen und ihm begreiflich zu machen, daß wir uns ja viel wirksamer rächen könnten, wenn wir zur Polizei gingen, den Unternehmer und seinen Knecht wegen brutaler Miß- Handlung eines friedfertigen Staatsbürgers vor Gericht und ins Kittchen- brächte« und mit.einem. Polizisten zwecks Abholung unserer Pichits»' zurückkämen. Ein iso harmloses Gennit hatte, ich mir bis' dahin noch bewahrt. Der Polizeigewaltige nahm mit wachsender Verblüffung unseren Bericht und Unsere Wünsche entgegen. Sollte man es für möglich halten, daß zwei hergelaufene Landstreicher sich erdreisteten, gegen honorige Bürger des Oris die Polizei anzurufen? Als er sich aus der Erstarrung über unsere Frechheit losgerissen hatte, herrschte er uns mit barscher Stimme an: Wir sollten die Hosenträger abknöpfen »nd die Taschen leeren. Das Verblüsftsein war min an mir, denn diese Formalität kannte ich noch nicht. Auf meine naiv« Frage, was das zu bedeuten habe, bekam ich, keineswegs liebenswürdig, die Aufklärung, daß wir verhaftet feien und daß man mit solchen Türschchcn, wie wir es seien, nicht lange fackele. Nachmittags wurden wir ins Gerichtsgefängnis gebracht. Der Amtsrichter, dem wir zur Vernehmung vorgeführt wurden, ein kleiner fetter Choleriker mit bösen Augen, benötigte erst einig« Zeit. bis er uns mit Hilf« des Amtsdieners die für arme Sünder, vorgeschriebene Körperhaltung beigebracht hatte. Ob wir gestehen wollten, uns des gemeinsamen Hausfriedensbruches, der tätlichen Beleidigung und der schweren Drohung schuldig gemacht zu haben? Ein reumütiges Geständnis würde unsere Strafe, die bei der Schwere des Falles nicht gering ausfallen könne, immerhin mildern. Mein Komplice schwieg verstockt, ich dagegen beteuerte meine völlig« Unschuld und trug erbeut das Berlongen vor, den Unternehmer I. unter Anklage zu stellen. Das war nun aber doch zu viel für den Amtsrichter und wutschnaubend ließ er uns wieder abführen. Mein Gefährte kam in das eigentliche Gefängnisgebäude, wäh- reird man mich in eine Art Waschküche im Hos einsperrte, einem ungeheizten naßkalten Raum, in dem ich unter einer dünnen Woll- decke am anderen Morgen mit einem ausgewachsenen Schnupfen und einer ordentlichen Erkältung aufwachte. Als der Wärter kam. verlangte ich eine andere Unterkunft und einen Arzt. Dieser erschien auch bald bei mir. ein jovialer Herr mit einer vertrauenerweckenden Kupfernase, der mißbilligend den Raum und nicht ohne Mitleid mich musterte. Ja, das sei«ine dumme Sache, ich müsse ins Bett und das Gefängnis habe keine Krankenstube. Da würde ich wohl ins Krankenhaus gebrockt werden müssen. So geschah es denn auch und dann folgten drei Wochen eines herrlichen Schlaraffenlebens. Mit einem unsagbar wohligen Gefühl dehnte ich mich, ge- badet und reichlich geatzt, in meinem sauberen weißen Bette. Die Schwestern umstanden neugierig mein Lager und wollten hören, was ich verbrochen hätte. Vielleicht enttäuschte es sie ein wenig, daß ich kein richtiger Raubmörder war, aber ich wußte ihnen die Geschickte meiner und meines Kumpanen Verhaftung, unsere blllten- weiße Unschuld, die Verworfenheit unserer Widersacher und die empörend ungerechte Behandlung durch die Organe der Gerechtig- keit so spannend und überzeugend zu erzählen, daß sich zu meiner Genugtuung und eigenen Rührung tiefes Mitleid auf die Mienen der Umstehenden legte. Dann kam auch der Oberarzt hinzu, dem ich im besonderen meine Erfahrungen mit dem Amtsrichter ausführlich schildern mußte. Da ich unverkennbare Zeichen des Verständnisses für das Unrecht, das mir da widerfahren war, bei ihm wahrzunehmen vermeinte, unterließ ich es nicht, meinem beleidigten Rechtsgefllhl über einen Richter, der unschuldige Menschen, nur weil sie ehrliche Handwerls- burfchen seien, brutal behandelte und in lebensgefährliche Unter. tünftc stecke, während er seinen gesetzlichen Pflichten zuwider Unter- nehmer, die ihre Mitmenschen mißhandeln, zu verfolgen ablehn«, in beredten Worten Ausdruck zu geben. Zustimmend nickte der Arzt zu meinen Darlegungen.»Armer Freund", sagt« er wohlwollend,.cha sind sie freilich dem Richtigen in die Finger gefallen. Der ist bekannt dafür. Aber vorläufig bleiben Sie ja nun erst einmal bei uns." Dann gab er der Schwester Anweisungen:„Dem geben Sie ordentlich zu essen, erste Form mit allen Zulagen, täglich drei Glas Roiwein. Wie berechnen wir denn jetzt die Umschläge?" „Ein Prießnitz 35 Pfennig, Herr Doktor." „Also dann drei Prießnitz täglich, und wenn der Patient be- sondere Wünsche hat, geben Sie es ihm, schreiben Sie aber alles ordentlich auf." Ich war wie betäubt von meinem Glück und stolz darauf, durch die überzeugende Art meiner kunstvollen Darstellung solch ein Wunder ausgelöst zu haben. Roch einigen Tagen enthüllte sich mir aber das wirkliche Geheimnis, das dahinter steckte. Bei meiner Ein- lieferung war zunächst ein Streit darüber entstanden, wer für die Kosten auszukommen habe, und es hatte sich dann herausgestellt, daß die Genchtskasse in Anspruch zu nehmen sei. Nun bestand aber zu dieser Zeit eine hefttge Fehde unter den Honoratioren der Stadt, wobei der Oberarzt auf der einen und der Amtsrichter auf der an- deren Seite die Führung hatte. Der Unternehmer I. gehörte zur Partei des Amtsrichters. Ich war also quasi Kriegsgefangener, der der Gegenpartei ent- rissen war und für den diese die Futterkosten zu tragen hatte. Diese Rolle hatte ich schnell begriffen und bemühte mich nach Kräften, die damit verbundenen Pflichten zu erfüllen. Di« Liste der zu honorierenden Extraleistungen wurde zur allgemeinen Freude in unserem Hauptquartier immer länger. Nur der gütigen Anregung, die Zahl der Pricßnitzumschläge zu vermehren, widersprach ich auf das Entschiedenste, da dieser Teil des Kriegslastenbudgets ohnedem schon den einzigen störenden Faktor in meinem sonst restlosen Glück darstellte. Fast täglich kam eine kategorische Ausforderung aus dem feind- lichen Hauptquartier, mich sofort auszuliefern und dem sehnsüchtig auf sein Opfer harrenden Tribunal zu übergeben. Mit kaltem Hohne wurde jedesmal die Antwort erteilt, daß ich mit Fieber im Bett liege und daß keinem Arzt die verbrecherische Verantwortungs- losigkeit zugemutet werden könne, einen Menschen in diesem Zu- stände vom Krankenlager zu reißen. In Wirklichkeit fühlte ich mich so gesund wie nie. Dieses herrliche und spannende Leben hätte von mir aus noch sehr lange dauern können, zumal, wenn ich durch das Fenster auf die vom Regen aufgeweichte Landstraße blickte. Allmählich aber fing der Gedanke an meinen Franz Taoer an, mich heftig zu be- Alexander von Sacher-Vlafoch: •Der üDfchungel ertrachl „Ter Leopard des Kimfnnalcrs O., der das zweijähriae Kind der Psörwersfrau tötete, wurde auf Beranlasfunz des Berliner Polizeipräsidenten erschosien." Spät erst kam das Erwachen. Mitten in der Steinwüste einer großen Stadt. Fern— fern den heimatlichen Urwäldern. Er schlief lange. Seine ganze Kindheit und Jugend verträumte er so auf dem bunten Teppich eines Zimmers. Blumen waren hier auch, rote, blaue und grüne Tupfen. Doch nie gaben sie Witterung, die ihm vertraut war. Irregeführt und einsam taumelte er/ als der große Mann ihn aus-dsm Gestrüpp crmlas und/mst stich fort nahm in dieses Zimmer/t eln:■ tsieitt«-,•«ltzenartigtSf Tier; mtt.Äberlängen Beinen und dickem Kops, so recht ein Spielzeug für die Launert-der Menschen. Er purzelte über Hindernisse, schnurrte,, fauchte, und spuckte, fiel gierig über das Essen her, wie ein' vergmigtes. spielerisches Hündchen, doch er war nie vergnügt. Räudig, klein und ungeschickt verstand er sich' nicht aus dieses Leben im steinernen Kerker der zweibeinigen Herren. Und da ihn äußerlich nichts an die Freiheit vergangener Generationen mahnte, blieb er schüchtern und in sich gekehrt, wuchs verträumt auf und wußte nichts mit seinen spitzen Zähnen und nadellscharfen Klauen zu be- ginnen. Früh schon kam er zum Film. Er wurde prominent sozusagen. Seine Gagen waren nicht gering und er konnte sich jetzt«in gutes Leben leisten. Er war gelehrig und folgsam. Wild fauchend sprang «r auf«ingebildete Gegner los und das Surren der Aufnahme» opparate und das blendende Licht der Scheinwerfer hatten bald nichts Beängstigendes mehr für ihn. Er strich durch künstliches Gestrüpp, das nichl einmal mehr den Duft vergangener Frische in sich trug, sprang über Felsenattrappen und kletterte aus morschen, leblosen Baumstämmen herum. Manchmal mußte er hoch in die Luft springen und dann, aus den Rücken fallend, leblos liegen bleiben. Das geschah immer, wenn der Held oder die Heldin ihn im letzten Augenblick ärgster Bedrängnis durch einen wohlgezielten Schuß zur Strecke brachten. Jedoch, es knallte nie, da der wohlgezielte Schuß des Helden natürlich stets separat aufgenommen wurde. Sein Herr war gut zu ihm. Zuxir empfand er keine bosondere Zuneigung zu den zweibeinigen Wesen, m deren Mitte sein Leben verrann, ober er haßte sie auch nicht. Noch war er jung und in den Entwicklungs- jähren. Sein Körper wurde immer geschmeidiger, sein Fell begann seidig zu glänzen und wirkte mit seinen schwarzen Tupfen wie das Kleid einer Tänzerin. Sein Schnurrbart stach verwegen in die Luft. Schläfrig und matt glänzten die milden Lichter aus seinem runden, breiten Gesicht. Einmal— ganz unerwartet geschah es— sprang er nachts im Traum hoch und ließ, am ganzen Körper bebend, ein ängstliches Schnurren»emehnien. Sein Herr bemerkte das nicht. In dieser Nacht geschah es, daß er fein Blut erkannte. Zwar lebte «r äußerlich noch frei und sorglos dahin, aber die Unruh« verließ ihn nicht mehr. Oft war es ihm, als schliche er durch dickes, sumpfiges Gebüsch und seine Ohren vernahmen die Geräusche, die sein Vater und sein Großvater vernommen hatten. Nichts wußte er von der freien Wildnis und doch war sie bereits in ihm. Die Attrappen in den Filmateliers gewannen Leben für ihn und manchmal, wenn er sprang oder durch papiernes Schilf kroch, kam ein grünes Funkeln in feine Augen. Er konnte nicht mehr atmen in den enge» Mauern der Zweibeinigen, die Sehnsucht noch anderer Luft überiiel ihn übermächtig. Und damit kehrte auch Mißtrauen gegen die Menschen in ihn ein. Da geschah es eines Tages— in der vergangenen Nacht hatte er gerade zum erstenmal, vor Haß und Verachtung bebend, die „Witterung Mensch" in ihrer ganzen Fremdheit erträumt— als sein Herr, der Kunstmaler O-, die Wohnungstür östnete. Er sah nicht, wer eintrat, schreckliche Wut packte chn gegen die Stadt, die fremden, zweibeinigen Tiere, deren Geruch ihm jetzt widerlich erschien. Er sah rot und sprang zu. Das. kleine Mädchen starb unter seinen Klauen. Man kann ihn nicht schuldig nennen. Deim man entzog ihm alles, was ihm zukam, drängte ihn in ein Leben, für das er nicht gemacht war. Sein Herr, der chn siebte, verkaufte chn einem Dompteur. Aber man fürchtete Wiederholungen. Er lag jetzt in einem kleinen Käfig auf dem Rummelplatz Schläftig starrte er rn das trübe, winterliche Licht. Er war angekettet und sollte vieles lernen, was er noch nicht konnte. Aber er träumte von den Wäldern, deren Duft in seinem Wut er macht war. Lad er träumte vom Äompje. der sein drücken, denn er mußt« ja so fange in sein» kahlen ZeSe bnmuue», bis auch gegen mich verhandelt werden konnte. Darum bedrängte ich am Ende der dritten Woche meinen ärztlichen Wohltäter, mich frei zu geben, damit mein armer Freund erlöst würde.„Wenn Sie schon absolut wollen", ineinte der Arzt mißmutig,„und dabei haben Sie vorgestern noch 37,2 Grad gehobt", fügte er Vorwurfs- voll mit einem Blick auf die Fiebertabelle hinzu. Ja, ich wollt« meinen Kumpanen befreien, und dieser heroische Opsersinn rührte unseren Häuptting so, daß er ans Telephon ging uiid di« Bolschast übermittelte. Umgehend kam die Ladung zum Termin schon für den nächsten Vormittag. Die Verhandlung dauerte nicht lange. Aus Anweisung des Arztes hatte ich zu Beginn die Erklärung abzugeben, daß ich nur auf wenige Stunden vom Krankenlager beurlaubt sei und nach Schluß der Sitzung sofort wieder zurückkommen und ins Bett müsse. „Darüber werden wir die Entscheidung treffen", knurrte mich der Richter mit einem tückischen Blick auf mein Aeuheres, an dem die drei Wochen erste Form mit Zulagen nicht spurlos vorübergegangen waren, bissig an. Franz laver war geständig, sich im Kontor nicht ganz so ftied- fertig benommen zu haben, wie das nach meinen wiederholten Schilderungen wohl anzunehmen gewesen wäre. Ich dagegen, im ehrlichen Gefühl meiner Unschuld und im Bewußtsein, daß im schlimmsten Fall meiner statt einer Gefängniszelle ein komfortables Kriegsgefangenenlager harrte, widerstand ollen Zureden, ebenfalls ein Geständnis abzulegen. Das Urteil lautete gegen meinen Kom- plicen auf zwei Wochen, gegen mich— strafverschärfend wegen hartnäckigen Leugnens— auf drei Wochen Gefängnis. Die Unter- siichungshaft sei voll anzurechnen, der Ausenthalt im Krankcnhause gelte als Untersuchungshaft. „Sie sind also frei", schloß der Richter,„und dann sogen Sie dem Dr. H., daß von heute an das Gericht keinerlei Krankenhaus- koste» mehr übernimmt." Mit einem sieghaften Blick, der sich durch die Mauern des Gerichtsgebäudes hindurch dem Führer der feind- lichen Truppen ins Herz bohren sollte, schloß der Richter die Sitzung ab. Damit war meine Rolle als Kriegsgefangener bei diesem Bürgerkampf in Alzey ausgespielt. Von dem Augenblick an, da ich nicht mehr auf Konto der Tributlastcn des Feindes verbucht wer- den konnte, war auch vom ärztlichen Standpunkt aus nichts mehr an meinem Gesundheitszustande auszusetzen. Die Landstraße nahm uns beide wieder auf, Franz laver E. aus Dachau, der im Hochgefühl der wiedergewonnenen Freiheit sein ganzes Reperwire an lustigen Liedern in die Lust stieß, und mich, mit der wehmütigen Trauer um ein verlorenes Paradies im Herzen. T. Leben ausmachte. Und er wußte, daß er ein starker Jäger w>ir. Daun so hatte ihn die Natur erschaffen. Um den Schwachen zu töten, um vom Stärkeren erwürgt zu werden. Da trat ein Mann in den Käsig zwischen ihn und das trübe Licht. Er duckte sich und wollte springen, aber die Kette hinderte chn daran. Etwas in der Hand des Mannes blitzte auf..._ Anns Mauer: JtlldTCTftß JülSÖC Meine allererst« Liebe hat Erika geheißen und ich war damals erst zwölf Jahr« alt. Was Erika onbetrat, so ging sie schon ins dreizehnte Jahr und war eine richtige kleine Dame. Es stand durchaus fest, daß sie von den- Leuten, zuweilen schon mit Sie angeredet wurde und das verstärkte die Verpflichttmg, sich vor ihr als Erwachsener zu geben. Ich bemühte mich grenzentos in Erikas Gegenwart, unterdrückte alles, das als kindisch hätte gedeutet werden können, gab zu erkennen, daß ich eine festbegründete Meinung über kulturelle und politische Probleme hatte. Ich verleugnete vor Erika die Jungen meines Bekanntenkreises, mit denen ich in ihrer Abwesenheit so lächerliche Dinge wie Räuber und Soldaten spielte, ich ließ Erika den Vorttitt, wenn es sich darum handotte, gemeinsam «ine Tür zu passieren, ich lud sie sogar gelegentlich zu den Nachmittagsvorstellungen ins Theater ein und ließ es mir nicht nehmen, für sie zu bezahlen. Aber da geschah nun eines Tages folgendes: Ich treibe mit einer Iungen-Meute eines Nachmittags auf einem Platz« harmlose, kindliche Spiele. Wie wir uns so vergnügen, kommt«in Trupp fremder Jungen und macht sich ebenfalls auf dem Plage heimisch. Es entstehen Streitigkeiten über das Besitzrecht an einem Sand- Haufen. Der Streit verschärst sich. Schließlich ist zwischen einem der fremden Jungen und mir die schönste Balgerei im Gang«, um die sich, nach dem Abslauen anderer Geplänkel, sämtliche Jungen» die bejreundeten und befeindeten, mit schmunzelnder Kennermiene scharen. Nach einigem Hin und Her flieg« ich aus den Boden. Mein Gegner wirst sich auf mich. Ich mache Anstrengungen, mich aus meiner Lage zu beireien. Da gelingt mir indessen nicht und schließlich ist die Situation jedenfalls so. daß mein Kops zwischen den Beinen meines Bezwingers klemmt und er die Wonne des Sieges in Gestalt von Schlägen auskostet, mit denen er mein Hinterteil bedenkt. Die Jungen des«igenen und des fremden Trupps umstehen uns, ober keineswegs sind nur diese erbaut von dem Verlaus des Kampfes, sondern auch jene finden Gefallen an der Sache, die sich hier abspielt, und alles kameradschaftliche Mit- gefühl tritt hinter dem Amüsement zurück, dos ihnen die Sensation dieses Schauspieles bereitet. Nach einer Weil« variiert mein Gegner sein« Kampsesweise und schlägt nicht mehr wahllos, sondern im Rhythmus auf mich ein. Einer der Jungen hat den Einfall, den Takt anzugeben. Schnell macht er Schule und bald zählt die ganze Corona mir. Es ist eine fürchterliche, peinliche, unwürdige Lage, in der ich mich befinde. Es kommen die Schmerzen hinzu, die die Schläge mir verursachen. Die Tränen treten mir in die Augen. Da geschieht nun das Entsetzliche. Ich entdecke plötzlich, in etwa 100 Meter Entfernung, Erika. Sie kommt dahergeschritten und nimmt ihren Weg in der Richtung der Stelle, auf der ich ver- möbelt werde. Ich unternehme in hellster Derzweislung einen Ausbruchsversuch. Er mißlingt. Es bleibt dabei, daß mein Klips von den Beinen meines Peinigers festgehalten wird. Erika nähert lich: «in wahrhaftiges Fräulein schon ein wirkliches Dämchen. Das Unvermeidliche geschieht: Erika entdeckt mich, oder vielmehr meinen Kopf, der ihr zugewendet ist und aus den Schraubstöcken der fremden Beine herauslügt. Und wahrend gerade die Jungen wieder den Takt zu den Scklägen angeben, begegnen sich unsere Augen. Erika ist erstaunt, maßlos erstaunt. Sie weiß nicht recht, was das hier olles heißen soll und dann entschließt sie sich im Wetterschreiten zu einem ganz leisen, ganz leichten Kopsnicken. Ich erwidere dm Gruß und zwinge meinem verweinten Gesicht ein Lächeln ab, ein galantes »nd nur durch die Erschütterungen, denen mein Körper ausgesetzt ist, etwas derangiertes Höflichkeitslächeln. Es begrüßm sich Kavalier und Dame... Am Abend habe ich mich dann mit Selbstmordgedanken ge- tragen und wenn nun gar dos, was ich heute lächelnd niederschreibe, damals schon ins Blatt gekommen wäre, dann wäre es vielleicht bei den bloßen Gedanken nicht geblieben. Denn mit den Ehr- begrisse« der ZwölsjährigeK ist nicht zu spaßen. 5lr. 81• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Oonnerstag, 18� Aebruar 1932 Bankensanierung im großen. Alle Großbanken kommen dran.— Aeue Gelder durch Reich und Reichsbank. Das Reichskabinett hat gestern nachmittag sich mit der Banken- und Äreditbereinigung beschäftigt. Die Dinge scheinen in ein e n d° gültiges Stadium getreten zu sein. Daß Danat und Dresdner fusioniert werden, steht jetzt ziemlich fest. Die Deutsch« Bant und Discouto-Gesellschaft hat am 22.Februar Bilanzsitzung, die der Commerz- und Privatbank wird bis dahin ebenfalls statt- finden. Am 23. d. M. tritt der Reichstag zusammen. Offenbar hat die Reichsregierung den Wunsch, dem Reichs- tag über den gmndsnhlichen Abschluß der Vankenbereini- guag berichten zu können. Reben diesem politischen Grund dürfte die Beschleunigung auch dadurch herbeigeführt sein, daß die Banken ohne Bereinigung einfach nicht bilanzieren können. Da in keinem einzigen Fall(Reichskrcdit- und Berliner chandels-Geselljchaft scheiden aus) die Großbanken ohne neue Mittel auskommen können, dürfte sich die beschleunigt« und zusammenfassende Behandlung zwangsläufig ergeben haben. Wir haben vor vierzehn Tagen gesagt, daß eine Wieder- «erstellung des Vertrauens in Deutschland ohne grundlegende und �r Oefsentlichkeit deutlich erkennbare Bereinigung bei den Banken icht möglich sein wird. Es ist zu begrüßen, daß man jetzt bald klar sehen und die Acra der Geheimpolitik und Gehcimverhand- lungcn beendigt sein wird. Das Problem bei der Bankeichereinigung ist einfach. Es handelt sich»m die Abschreibung der Verluste bei Aktienkapital und Reserven und die Zuführung neuer Mittel Die Durchführung ist schwer und ein Akt von hoher Verantwortlichkeit. Die Verlustbereini- gung muß gründlich sein. Für die Zuführung neuer Mittel kommt schließlich n»r die öffentliche ch a n d in Frage, der im ganzen aber nur die R o t e n st e u e r b e t r ä g e bei der Reichs- dank und neue Schulden«Missionen zur Verfügung stehen. Danat und Dresdner. Bei der Danat greift die Behauptung kaum zu weit, daß die abzuschreibenden Verluste Kapital und Reserven nahezu erreichen. Die Fortführung der Geschäfte wird aber außerdem noch neue Mittel erfordern. Bei der D r e s d n e r B a n k spricht man von einer Kapitalzusammenlegung im Verhältnis 4: l: das Kapital be- trägt jetzt 100 Millionen Mark. Von den 30l) Millionen Schatz- anwcisungen, um die man seinerzeit das Vermögen der Dresdner Bank zunächst erhöht hatte, wird man die chälste ihr wohl be- lassen müssen. Eine Biertelmilliarde neue Mittel werden Danat und Dresdner nach der Fusion, trotz der Kapital- zusammenschreibung, noch benötigen. Was mit dem F i l i a l s y st e m geschieht, ist noch unklar� wahrscheinlich wird ober auch hier eine Zusammenfassung und eine teilweise Einschränkung crsolgen. Für sächsische und mitteldeutsche Filialen soll sich die A d c a(Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt — jetzt mit. der Sächsischen Staatsbank fusioniert) interessieren. Die Vermögensstärkung um eine Viertelmilliarde durch öffent- lich« Stellen wird irgendwann in Aktienform umgegossen werden müssen. Der ganz überwiegende Einfluß wird dann beim Reich liegen. Diese Entwicklung in privatwirtschaftlicher Richtung abzubiegen, wird aus dem Zwang der Dinge heraus kaum gelingen. Nachdem die Selbständigkeit der Danat preisgegeben wird, dürfte eine Bindung des Reiches an den Ve rtrag mit dem schwer- industriellen Konsortium kaum mehr anzuer- kennen sein. Lei der Deutschen Dank und Disconto- Gesellschaft und bei der Commerzbank liegen die Verhältnisie anders. Di« Unabhängigkeit und private Selbständigkeit wird mindestens der Form nach nicht angetastet iverden. In der Sache werden auch diese beiden Großbanken, wie in der Presse mehrfach festgestellt wurde, eine gewisse Stützung durch Zuführung neuer Mittel auf mehr oder weniger öffentlichem� Wege ersahren. Daß das Kapital der UD-Bank und der Commerzbank zusammengelegt wird, und daß diese. Zusammenlegung ziemlich stark sein wird, ist sicher. Fraglich ist nur das Ausmaß, Man spricht davon, daß in beiden Fällen die Golddistontbank bzw. die Reichsbank(als cherrin der Golddiskontbank) die Zuführung neuer Mittel ermög- lichen sollen. Auch hier ist dos Ausmaß unbekannt; die Hälfte des Bedarfs von Danat und Dresdner dürfte aber wohl die Unter- grenze sein. Bei der Commerz- und Prioat-Bank wird die An- gliederung des Barmer Bant verein s' erwogen. Alle diese Dinge sind noch im Fluß- die Richtung und die an- gegebenen Gröhenverhältnisse dürften aber stimmen. Die Oes» fentlichteit hat ein um so größeres Interesse auf» z u p a s s e n. was hier geschieht� als monatelang« Geheimberatun- gen vorangegangen sind, aus denen man nichts erfuhr, und als jetzt die Durchführung der Maßnahmen mit einem Schlage zu erwarten ist. Es handelt sich um die nrönte Transaktion, die die deutsche Wirtschaftsgeschichte kennt. Roch niemals wurden Staatsmittel in so gewaltigem Umfange zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit des prioatwirtschaftlichen Systems eingesetzt. Begreiflich, daß s e h r st a r k e K r ä f t e am Werke sind, um im trüben zu fischen. Die Reichsbürokratie ist in erster Linie privotwirtschaftlich eingestellt. Die alten und die neuen im Auftrag des Staates fungierenden Bankleiter verfolgen ebenfalls privat- Betelligten natürlich wieder im prioatwirtschaftlichen Sinne zu lösen versuchten werden die prioatwirtschaftlichen Tendenzen noch verstärkt. Ein gestriger Artikel der„DAZ." läßt deutlich erkennen, daß schwerindustrielle und private Finanzkreise mit aller Macht um die Aufrechterhaltung der prioatwirtschaftlichen Einflüsse bemüht sind. Wir haben immer wieder, zuletzt am Sonntag, betont, und be- tonen es von neuem, daß jede staatliche und sonstige öffentliche Hilfeleistung bei der Bankenbereinigung— dazu gehört auch die über Golddiskontbank und Rcichsbank— die Sicherung des öffenllichen Einflusses bedingf. Man kann nicht Staatshilfe per Kasse gewähren und auf Ver- mögens- und Personenkontrolle verzichten. Für die finanzielle Bankenhilfe muß der Steuerzahler mindestens mit Garan- tien geradestehen, höchstwahrscheinlich ober auch mit oußerordent- lich fühlbaren Opfern. Der Spaß muß aufhören, daß man den« Steuerzahler die Opfer zumutet die Kontrolle der Verwendung der von ihm gebrachten Opfer aber verweigert. Das deutsche Wirt- schaftsführertum Hot im allgemeinen das Recht verwirkt, ohne Kon- trolle des Staates noch zu arbeiten. Bei allen Staatsfunktionären — dazu gehören auch die der Reichsbank— haben ihre privaten Auffassungen über die Zweckmäßigkeit der Wirtschaftsform zurück- zutreten gegenüber den Verpflichtungen aus ihrem Amt, die diese Funktionäre im Interesse der engagierten öffentlichen Finanzen wahrzunehmen haben. Gleichzeitig mit der Bankenbcreinigung wird die B e r e i n i- gung in der Privatwirtschaft zu beginnen haben. Sie ist der zweite große Akt, der zur Wiederherstellung der Ordnung der deutschen Wirtschaft notwendig ist. Die Bankcnbereinigung wird auch nur Sinn haben, wenn ihr die Sanierung in der In- dustrie folgt. Ausbau der Bankenkontrolle. In seiner Mittwochsitzung nahm der A f A- B u n d e s v o r- stand erneut zur Frage der Bankcnkontrollc wie folgt Stellung: „Die Zicuordnung des Bank- und Kreditwesens ist eine not- wendige Vokausfetzung für die Lösung der Krisis. Der gegenwärtige Schwebezustand seit der Stützung der Großbanken durch das Reich ist auf die Dauer unhaltbar. Die ungeklärte Situation bei den be- schirmten Banken erfordert eine sofortige Bereinigung, für die allein gesamtwirtschaftliche Interessen maß- gebend sein dürfen. Eine Sanierung der Banken mit Hilfe öffent- licher Mittel, die praktisch auf eine erneute Privatisierung hinaus- läuft, ist unerträglich. Der einmal gewonnene Einfluß des Reichs auf die Banken darf nicht wieder preisgegeben werden, sondern ist mit dem Ziele der Verstaatlichung des ge- samten Kreditwesens auszubauen. Das öffentliche Bank- und Sparkassemvesen ist zu reorganisieren und zu vereinheitlichen und mit den Kreditinstituten, an denen die öffentliche Hand betelligt ist, zu einem nach einheitlichen Gesichts- punkten arbeitenden System auszugestalten. Bei der Sanierung der Banken ist auf die sozialen Interessen der Bankange- stellten Rücksicht zu nehmen. Auf der ganzen Linie erfordert die Wiederherstellung eines geordneten Kreditoerkehrs eine ehrliche B i l a n z b e r e i n i g u n g, die nur möglich ist bei rücksichtsloser Abschreibung der entstandenen Verluste. Jede öffentliche Hilfe für die Banken darf nur in Form einer Kapitalbeteiligung des Staates erfolgen, wobei jedoch der Einfluß der öffentlichen Hand auf die Geschäftsführui»g der Banken gesichert werden muß. Diese Bereinigung der Besitz- und Bilanzverhilltnisse der Banken muß zugleich den Anlaß bieten, die öffentliche Kontrolle der B a n k e n a u s z u b a u e n. Die Institution des Bankenkommissars ist entsprechend den Borschlägen der freien Gewerkschaften in ein Bankenamt mit dem Ziel der planmäßigen Lenkung des Kredit- stroms umzuwandeln.. Auch alle Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung sind in ihrer Wirksamkeit gebunden an die öffentlich« Einflußnahme auf Kredit, Produktion und Absatz. Der ZlsA-Bund ist sich bewußt, daß nur durch eine Neuorganisation der Wirtschaft der Weg zur plan- mäßigen Gemeinwirtschaft gesunden werden kann." Krisenbilanz der Reichspost. Der Postverkchr ist im vergangenen Jahre mit Ausnahme von wenigen Gebieten stark zurückgegangen. Der Briesoerkehr sank um 1.3 auf 32,6 Milliarden Stück. Gewöhnliche Pakete wurden 26 Millionen weniger befördert. Hier ergab sich ein Rückgang auf 232 Millionen. Bei Z a h l k a r t e n, Post, und Zahwngsanweisungcn wurden 1? Millionen Stück mit 3,3 Milliarden Mark weniger umgesetzt: Nachnahmepakete wurden S Millionen Stück weniger befördert. Der Luftpo st oerkehr verringerte die Linienzahl von lll> auf 94, die Streckenlänge um 3000 Kilometer. 6,16 Millionen Telegramme wurden weniger aufgegeben. Im Fernsprechwesen sank die Zahl der Haupt- anschlüsse um 63 000, während 1930 noch 84 000 Anschlüsse zuge- gangen waren. Ferner wurden 33 600 Nebenanschlüsse aufgegeben, nachdem 1930 noch 27 300 hinzukamen. Es wurden 109 Mil- lionen Gespräche weniger geführt, davon 19 Mil- lionen Fern- und 91 Millionen Ortsgespräche. Demgegenüber sind die eingetretenen Verbesserungen im Po st verkehr gering. Die Zahl der Kraftsahrzeuge stieg von 12 159 aus 13 715, die Kraftpostlinien vermehrten sich um 91 aus 2441 bei um 1476 Kilometer aus 48135 Kilometer vergrößerter Streckenlänge. Im P o st s ch e ck w e s e n sind 20 000 Konten neu, hier wurde sogar der Zugang von 1930 üb-rtroffcn, was wohl auf die guten Erfahrungen der Postscheckkunden in der I u l i k r i s e zurückzuführen ist. Der Rundfunk nahm um 471 000 auf 3,98 Millionen Teilnehmer zu, wobei zu bemerken ist, daß auch jetzt iwch die Deutsch« Reichspost den Weltrekord in der Höhe der Rundfunkgebühren hält! Bauer und Markt. Wahrhaftige Wirtschastsbelehrung für den Landwirt. Seine geistige Nahrung bezieht der Durchschnittsland» w i r t aus den Kreiszeitungen, den Wochenschriften der Landwirt- schastskammern und den Vereinsblättcrn der freien wirtschastspoliti- scheu Verbände, wie Reichslandbund und christliche Bauernvereine, soweit er einem solchen Berband als Mitglied angehört. Das sind alles trüb« Quellen. Alle diese Organe stehen meist unter großagrorischem oder deutschnationalem Einfluß, was dasselbe ist. Wenn auch in den landwirtschaftlichen Zeitschriften neben den ewigen Forderungen nach Zöllen und sonstigen Staatsbeihilfen hier und da wirtfchaftlich-technisch« Themen behandelt werden, so wird das wich- tigfte Problem der Landwirtschaft, die Absatzfrage, fast überhaupt nicht beachtet, und zwar mit gutem Grund; denn je mehr die Bauern etwas vom Markt und seinen Gesetzen erfahren, desto weniger glauben sie an dos Geschrei von den all«ili scligmachenden Zoll- erhöhungen. Es ist noch nicht lange her. da konnte in jeder land- wirtschaftlichen Versammlung von den Agitatoren unwidersprochen behauptet werden, allein die polnischen Schweine hätten an den niedrigen Schweincproisen schuld. Geglaubt wurde dies steif und fest, obwohl kein polnisches Schwein über die Grenze kam. Deshalb ist es ein Verdienst des preußischen In- stituts für landwirtschaftliche Marktforschung, wenn es jetzt«ine für die praktischen Landwirte geschriebene Wochen- schrift„Bauer und Markt" herausgibt. In kurzen Artikeln und mit einleuchtenden Bildern wird dort z. B. gezeigt, welchen Einfluß die Wirtschaftskrise durch die immer weiter sinkende Kauf- kraft der Berbraucher auf die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ausübt, ferner, wie falsch es ist. unverlescne und angc- stoßen« Kartoffeln zu verladen, weil die Kartoffeln von den Händ- lern in der Stadt dann beanstandet und schlecht bezahlt wcrden. was bei der Gründung von Absatzgenossenschaften zu beachten ist und vieles Aehnliche mehr. Es ist zu wünschen, daß diese Zeitschrift möglichst w�ite Verbreitung erhält, weil aus ihr die Landwirte lernen können, wie man durch Rationalisierung seines Betriebes den höchsten Er- trag herauswirtschastet. Nicht die Einstellung des Junkers, daß der Verbraucher olles zu fressen hat, was auf feinem Felde geerntet wird, und die Kohlrüben als Ananas anzusehen hat, kann der Land- Wirtschaft helfen, sondern nur Umstellung der landwinschaftlichen Produktion auf d'e Bedürfnisse des Verbrauchers, äußerste Kalku- lation und Senkung der Produktisnskosten. Dazu soll die Wochen- schrist beitragen. Die Reichsbank am itS. Februar. Weitere starke Entlastung.- Geringere Devisenverluste. In der Woche zum 13. Februar hat die Entlastung der Reichs- dank Fortschritte gemacht. Die Wechsetbeständc gingen um 212,3 auf 3249,5 Millionen, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 17,9 auf 4,2 Millionen zurück. Auf dem Konto der Lombarddarlehen zeigte sich, wie gewöhnlich zur Monatsmitte, eine Zunahme, und zwar um 58,9 auf 187,9 Millionen Rtark. Die zum Januarende eingetretene Kreditbelastung der Reichsbant war am 15. Februar mehr als aus- geglichen. Auf dem Konto der fremden Gelder erfolgte eine Zu- nähme um 37,8 auf 370,7 Millionen Mark. Der Notenumlauf ging um 120,9 auf 4155,2, der an Renlenbankfcheincn um 3,5 auf 408,5 Millionen zurück. Die Goldbestände liegen mit 928,7 Millionen säst unverändert: die Bestände an deckungssähigcn Devisen nahmen diesmal nur um 2,5 auf 144,2 Millionen ab. Die Notcndeckung durch Gold und Devisen hat.sich gegen die Vorwoche von 25,1 auf 25,8 Prozent verbessert. 26,5 Millionen Gtaatsverlust. Zeder Einwohner Bremens zahlt SV Mark für Schröders Spekulationen. Je mehr sich das Dunkel um die Finanzgeschäfte des Bremischen Staates lichtet, desto deutlicher wird, in wie unoerantworllicher Weise vom bremischen Senat hier Gelder der Allgemeinheit für einige bremische Großkauslcute und llntcrnehmcr verspekuliert wor- den sind. Im jetzt vorliegenden Bericht des Senats an die Bürgerschaft wird festgestellt, daß die Verluste des bremischen Staates bei der Schröder-Bank etwa doppelt so hoch sind wie bisher angenommen wurde. Das Guthaben des Staates bei der Bank in Höhe von 2 5 Millionen Mark mußte bei der Sanierung„aus wirt- schaftspolit'i scheu Erwägungen preisgegeben" werden: später mußten weitere lO Millionen Mark gegeben werden, um die Schröder-Bank„insbesondere im Interesse der bremischen Wirtschaft wieder lebensfähig" zu machen. Erhallen hat Bremen dafür 3,5 Millionen Mark Aktien der neuen Schröder- Bank und vom Reich(gegen Uebergabe weiterer 3,5 Millionen Aktien) 5 Millionen Mark. Bremen hat also einen V e r l u st von 26,5 Million»» Mark erlitten, Was auf den Kopf der Bevolksrnng etwa SO Mark ausmacht. Dieser Verlust steht fest-, daß weitere Verluste folgen, ist sicher. Da ist zunächst der samose Ankauf von Danatbank- Aktien fnomwal 6,6 Millionen Mark); dieses„Geschäft� kommt aber erst Ende ISZZ zur Abwicklung Dann hat der bremische Staat einen cholland-Kredit in Höhe von 10 MMionen Gulden sfast 17 Millionen Mark) für den �Norddeutschen Lloyd aufgenommen, damit dieser seine Beteiligung an der chamburg-Südamerika-Linie finanzieren konnte. Dieser Kredit ist am 1. April fällig! der Norddeutsche Lloyd kann aber bestimmt nicht zahlen, er muß vielleicht sogar sein Kapital zusammenstreichen, so daß Bremen vielleicht auch aus diesem„Gefälligkeits�geschäft einen erheblichen Verlust erleiden wird. Auch die Verluste der chansabank aus Kreditgewährung an die Lahufen» werden zum Teil die Staatsfinanzen belasten. Im Bremer Senat scheinen noch heute merkwürdigeAuf- f a s s u n g e n über diese Geschäft« zu herrschen. Die„Ueberschreitung der Zuständigkeit" einzelner Senatoren wird zugegeben, aber fach- lich seien die„Maßnahmen vielleicht(!) durchaus gerechtfertigt" gewesen. Schadensersatz kZnne man von den Berantworllichen nicht fordern, da ste„iftcht als Beamte im Sinne des Bremischen Landes- rechts angesehen" werden könnten! Der Bürger des Schröder- Lahusen-Staates aber darf zahlen. Bautätigkeit im Dezember und im Jahre-1931 Im Dezember 1631 sind nach.Wrrtschaft�-Statistik" nur 6061 Wohnungen fertiggestellt worden: da» sinü 30 Proz. weniger als im Dezember ISA). Sloch stärker kommt das Erliegen des Baumarktes zum Ausdruck im Rückgang der Ziffern der Vau- beginne und Bauerlaubnisse, die um 83 bzw. 77 Proz. sanken. Im ganzen Jahre 1631 sind in den deutschen Groß- und Mittelstädten 120 000 Wohnungen fertiggestellt worden: gegenüber dem oochergeh-nden Jahr beträgt der Niickgaug 26 Proz. In der ersten Hälft« des Jahres war die Beschäftigung noch er» träglich infolge de» Bestancee an Bauten, die im Vorjahr de» gönnen worden waren. Aber während sonst die Hauptzahl der Bauvollendungen ins letzte Vierteljahr fiel, wies in diesem Jahr» der Juli die höchste Zahl aus. Seit 1916 sind in den Städte» mit mehr als SO 000 Emwohnsru 14 Millionen Wohnungen gebaut wo.den. Ansang Januar 1932 wurde in den Groß- und Mittelstädten ein Bestand von 6,4 Millionen Wohnungen er« mittett: davon waren 17 Proz. Neuwohnungen. Der Anteil der Kleinwohnungen ist weiter ans 57 Proz. gestiegen. Eine Million Arbeiislose in Italien. Die Arbeitslosigkeit in Italien Hot riesige Ausmaße an- genommen. Am 31. Januar wurden 1 051 000 Arbeitslose ge- zählt. Wir haben gestern schon kurz darüber berichtet. Frappierend ist das Tempo, m dem sich die Arbeitslosigkeit vermehrt hat. Noch Mitte 1S31 murüen erst 637000 Arbeitslose gezählt, ein Jahr vorher 342 000 und zur gleichen Zett 1929: 202 000. Man kann annehmen, daß in den großindustriellen Betrieben Italiens heute 60 bis 70 Prozent arbeitslos sind verglichen mit dem Jahre 1929. Dabei ist zu berücksichtigen, daß verhältnismäßig in keinem Land der Well soviel öffentliche Mittel zur Verhinderung von Krise nwirkmlgen durch Rotstandsarbetten verwendet worden sind. Hai sich Hitler schon erkundigt, warum auch Mussvlinl gegen die Weltkrise bisher ohnmächtig war? Besserung der französischen Handelsbilanz. Die scharfen Drolselungsomßuahlnen Frankreichs zur Fern- hallung der ausländischen Einsuhr wirken sich zunehmend aus. Im Januar wurden Waren im Werts von 2340 Millionen Franken ein- geführt und Waren im Werte von 1806 Millionen Franken aus- gefuhrt. Der Emstchrüberschuß betrug im Januar 534 Millionen Franken gegemiber noch 709 Millionen im Dezember und 1401 Mil- lionen im Januar 1931._ 639 436 Tabakwarengeschäfte. Der Tabakwarenhandel hat sich mit der Zunahme der Arbeitslosigkeit vermehrt. Für 1930/31 wur- den amilich 689 436 Tobakwarengeschäfte festgestellt gegen 626 670 im Jahr« 1926/30. und nur 561 763 im Jahre 1926/27. Wil B Sozialistische Arbeiterjllgeud Groß-Vett:z Einsendungen für diese Nuörik nur an- das JugendsVkretaNai fo�Tiir 53. 2- vorn l T-eppe rechts. proletarisches Orchester der SAZ. 19� Ukr Sesamtorchest erprob in bn K arl-Marx-Schule, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Sn). 263— 219-. Heute. Donnerstag. 18. Februar. 19� Uhr: Sotttagftaile. Was Hl Sczi-Ii-ini-st— Platz N, S-st»bi-g« Z. t�Ewheiw'rmir.-'x.lwla, U S«uu»diirg» Tagesvolillk.— Su»unu»»Stz! Slewistr. 33— Vi.«titt.StncgjcIwrf.,— R-ld- alte» XI: Dsvziger Str. 62. Tagesp-INtl.- SchSah-uIer PorstidN soimer. bürg» Str. 2Ü.»SL. o-üL-ri« Ses�bsnd.- Närc»>., sw,c. unp _____ et,______ s.—. ifl irt.« 0,«;ff%rt»tlrtr-f»rrtör. llir lftftfTttft« ___ Lindicute und ÄUngbabemd aerbaten.— Lichtonderq.. areitaa. Ut. Zedruar. Ät llbr. Mtglioderoersammlungen.«awerablcka-t melebu« TiirrschniidtNr. III. BoKazen bei ötSber. Zung. Ecke Odersiro?--- Sasian Demp-r bei Bartz. WÄleudorfstr. IS. Traneplatz bei Sspir, itro». prwzensiraße. Saulsdorf bei Hitöner. Bahnbositiaße.-- ReulMn-�-itz U »aauradschaft. Am 14. Februar verstarb unser Kamerad Weltzetm PuttermAi. Ehre seinem Andenken. Tranerseicr Donnerstag, 18. i«. Uhr im jtomatatinat Baumschul« mvog. Leteillgung Ehreuofli ________ ,.4,8.1 4 4.C1.U.' r«!. 18. Februar. IZt. Uhr, UN Pflicht. Anzug Zivil. mir M�R!� SOLVEG Eduard v. Winterstein, Leonard Stecke!, Reinhold Bernt, Ferdinand Hart, Ferdinand v. Alten, Erich Dunskus, Wilhelm Ofegelmann, L. v. Ledebour, Gerhard Dammann Manuskript: WERNER SCHEFF Musik: FRITZ WENNEIS Resle: HARRY FIEL Tonverfahren: Tobls-Kl angfilm Verleih: Deutsche Univers aJ-Pilm A. G. URAUFFÜHRUNG: HEUTE MOZARTSAAL am Nolhndsrfplatz. Vorvtrfcasr: 12— 2 und ab 4 Ufer. Pallas 0673 §lSM.Spcr Cbarlouenbure SismarcksuaS« n Dotmerstag. t«. i Turnos n Anfang 19J0 Uin iUanon Ende gegen 2280 Ii Vontsbfltine toter us BSlswjtit: & Uhr Fährmann Uenzen e» mit Eaü Janolni» a. Xargateta Selrer S�ie: K H. Wartin Statt.- Süffin-Mu S L'hr MedOttüdie leite Hl üb toifilsulast FiaiUg.18 Febiua«. »-«t Chr Prmanler» Brithe Dorsch ßasytfCrünägena Lseiott' SugspiriibhsrtKüniÄ's Inserate im A Vorwärts sichern Lrfolgf »lSiU» Tdesler OemaeraUl, de» IS. Febroaa staatsoper unter cen Linden 20 Uhr Die Geisha SrulLSttUTSSitlSim uniiunnmrb, » Uhr Cbarleys Taste Sthlller-Theat« Cheilotteabatg. 20 um Die öSttllche Jette ■ OiTH LORANO com caiuuo HATSÄs-ollüTT Itw, X8ki. SVJ Ohr; SO Pf. bis 4.- M rugr S Uhr 40 Pf. dl, M Nih« Sehl«. I ild�.Stgi.Z.I.SUal Tel.: E7W«tbsel4031 ,lile BTarn« vw HawaT Theater am Njllendoriplab Mqft: Htilr Sltetlm- Pallas 70S1 TJgiicn s»;. Uhr Stst auch 4ch Uhr Meuiaiqmif3.MaI« Gasparone Rose- iheater Crsh friHfaKtr SlraSc! 3 M. Wild«.{ J UV Ä.IS Uhr DerüetteiM -Tbeaterlnfler- StfeiemabObtr. Tag i ioi-i 8>r. Uhr iMOwi 8021)358(1 TRodor Lob in In jeder Ehe... rtglicn 81/4 Uhr Morgan geht« uns gut! Grete Piusheim Mex Husen Orchester Dajas Bala Winte, Garten 115 w fisn 3434 ftoAeo elabt Bell er- Fem II!«..4)*•<*■. Hago n. sein Welbsteafel. Will». Bendow. S A'llsons aad veL'cre Attialcttonen tv.uh» CASINO-THEATER». uh. Lothringer Stratze 57. iiHiHiiutuiintii rar votB Gau au easalnirUT uaai Xen! Ks«! tuen«on tieuie Osao eis neuer oomer Teil nad«In« Operede Juuehein>--4 Personen: Parken so Pt. rauiaan 1-— Mark. 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Xach aehverem Leiden verstarb am 17. Februar 143: unser langiihrlger treuer Mitarbeiter und Kollege, Qeaoae Hermann Ellas Llch'.anbtr", Blomenthalstr. M, im 71, Lebensjahr. 6 n Menschena er hindurch hat der Verstorbene mit vollster Hingabe und Qewissen- bafiigkeit den Transport des.Vorwärts" erledig?. Wir«erden sein Andenken in Ehren halten Berlin, den IS. Februar 1712. Getcbäftslelhmg und Personal des Vorwärts«Verlages. er. Hofen, für Anoden, jede Ziaur passend"fc" 1 und uulc andere iSelcge nheitaCuife.■ LeiHHau» Friedrich strotze 2, am Hai leschen Tor. Seim Lomtzardware. Fahrrahznbzbiir enorni billig. Zllän- tel l.iji au. Schlau- che 42 Pfenniz an, Schlauchreifen 2,1� an, Setten 42 Psen. um an, Pedalen Sö Pfennig an, Lenker 70 Pfennig an. Bremsen SZ Pfennig an, gespannte Na- d« ILO on. St:m. nlette SJancmn. tampen 4,— an. Btachnom. Sein. mristerstratze 14. 7,50, vierpoNg 13,—, �drta-.FMa Iä' WsT'liC �Ä==ti: gebraucht, sucht zu tauseu. 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Wein. meister stratze 14. «ce schenkt iunzen Echo. fertzund. Hermann. Cbarlottenburg. Kaiser. Friedrid.. Stratze N. 6 l'sr- inietyr�en WmWei Char.öitenstr.4o-8t flgiien 8 Uhr DnEutiibleiLTollislilliiii Kampf llMMUM r- Kleinas tu.— j Trappe 19S1. fligL 8V, Uh* DI« mausefaüe Prtlae 75 PL— 1 U. Sonnt, oaebso. 4 U. halb« Preise. fEm l 1 15 Fe ruar verstarb der F�btllomi Franz Morbach ist 73 Lebensjahr. Dia EtnAcheruag sinbet am Man. tag. dem 22 ssediaor. I7>/, Uhr, Im strsinator'um«Serichsstratz» statt. Speisezimmer,(neu. gebram aetzraucht, Büfett, durch Grlia-, Orauiensiratze El/ S' � Doahafs 7389. >dsschowch, 8ln., '»- FEftrrMBf Obmr nur einschrcibqtolh lirnsi. veruiittelt Wotz» HS. uangaheld Ziere »istSnzgftratze ach!- sundbreitzig direit Zllexandervlatz.' JUERGENS Alhxandsrplsfz Neue Königs lr.43 DsatJUsr Mtüaliariieiter-leniaDd VersraUanS44lclIe Berll» Todesanxelge P« Mitgliedern tut Rachricht. bat unser Kollege, der Former Wilhelm Hartlg geb SO. August 1300, am 18. Jabmor g.stoedeu ist Die S na'chernng findet am Sonn. atzend, dem 20 Kediuar. 15 Uhr. tm strematortum Baumchuleiuveg, Kies. Hobstratz» statt. A.«g« Beteiligung wir» tcwocttL Nachruf ttm 9 Februar starb unser Kollege. der Staschrnsulchtoss« Max Swoboda geb.8 fiptll 1908 Sie Beerdigung hat bereits statt. gesunden. Sstr, ihrem«nbentea! DI« OrtreerwoltaB«. EebzauchtLK Speisetzimmer. lau.! Aatzrskneue kasisch Nutzbaum, Fahrräder 3Z,—- modern« Bauart, 35,—. 45.—. Mach Biiseit Zrz Meter, now. Weinmeister. apart» Jitrine, und siratze 14. Kredenz mit Tisch.~-...... und Twisten, foott.1--«alonraber. uno u/tui ten, iudii.,,---- r-—■„ billig. MSbekhau« kaSrt!�u. 37- an Moritz Sirkch-nuitz unt Fretlauf und Südosten. �Rücktrittbremse jetzt itratz« 25, siochbahn B'Z''' Jl?'7f Äotttzusf« Tor. iBallonrader. Marie 'Xccnn.2jD', Ti«, Zimmsf Leerstmm«?. stüchenbenutzung, 22 U, zu verraiet-n. Zlätebufch, Lange stratze 8. 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