Morgenausgabe Ar. 83 A 42 4y.Iahrgang Wöch-mllch 75 Pf-, numatfhf) 3,4# R. t davon 87 PI. monatlich für SufteJ» lunq in» Sans) im voraus imblbar, Postbezug s,»7 M. emschliestUch so Pf. Po zeituags- und 74Pf.Postbestellge- dichren. Ausland sabonnemcnt s.s# M. pro Monat; Mr Länder mit ermäßig» tem Drucklachenporto#.SS M. Der„Sotmätts* erscheint Wochen ist g» lich zweimal, Sonntags und Montag, einmal, die Abendausgabe für Berüu und im Sandel mit dem Titel ,D« Abends Illustrierte Sonntazsdtilag« .Voll und Zeit� Vevttner Vvwsblatt Kreilag ÜS. Kebruar 1SZ2 Groß-Serlin Ii) pf. Auswärts ilZ pf. Die einlpalt. Mtlltmetsrzetl« 30 PI. weitere Wort l0 Pf. Po statt lt. Tarif, Worte über Ist Buchstaben zählen ft« zwei Borte. Arbeitsmarkt Millimeter- »eile ZS PI------■' ineterzeile im Sau von SM/, bis 17 T«r Lerlag behält sich dasRechl der lehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentralorgan der Soziawemoevatikwen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin EW 68. Lindenstr. 3 lecrnipr.. Dönboti lA Ti 292—297 Telegromm-Adr.; Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Berlaa G. m. b. H. Pofticheckkomo: Berlins? SZS.— Bankkonto: Bank der Ärbettei. Angestellten»nd Beamten, Lwdenltr. 8 Dt B.n.DlSr..Ge>., Deposttenk..Serma!elner Str.SöiSS. Wo bleibt der Führer? Ein Vorgeschmack der neuen Herrlichkeit. Von Paul Lobe. Klare, rasche, energische Entscheidung in-allen wichtigen politischen Angelegenheiten, das soll der erste und äugen- fälligste Vorzug des Systems der Diktatur vor dem Feilschen und Verhandeln der Parlamente sein. Die Parlamentarier zögern und ziehen jede Entscheidung hilflos hin und her, der Führer befiehlt und der Fall ist erledigt. So ungefähr lautet das Evangelium des Dritten Reichs und seiner Verfechter. Aber etwas seltsam ist der Vor- geschmack, den seine Vertreter uns in diesen Tagen von der Verwirklichung ihrer staatsmännischen Ideale bieten. Man beachte die einzelnen Etappen: Reichskanzler Brüning will die Amtszeit des gegen- wärtigen Reichspräsidenten verlängern und braucht für diesen parlamentarischen Akt auch die Zustimmung der nationalsozialistischen Abgeordneten. Ein Wink nach München und schon hat„der Führer' seinen Koffer gepackt, schon sitzt er in der Eisendahn, ungeduldig steht er vor der Tür— an die ein anderer Führer ihn gerufen. Er erfährt den Plan des Kanzlers, der einfach und unzweideutig ist. Hören wir ein klares ,3a" oder„Nein", wie es dem Führer geziemt? O nein, zunächst Bedenkzeit bis morgen, damit er dem dritten, Herrn Hilgenberg,„seine Beschlüsse" mitteilen kann— die offenbar gar nicht gefaßt sind. Denn während der andere Unterhändler, der Kanzler, den Eindruck ge- winnt, der„Führer" sei dem Plan nicht abgeneigt, beginnt jetzt ein Handeln und Feilschen, wie es greulicher von dem ge- wiegtesten Parlamentarier nicht eingefädelt werden kann: drei Tage, vier Tage, sechs Tage— endlich hat der Führer seinen Entschluß gefunden, zu dem die andern ihn ge- führt haben! Der starke Mann ging, den entgegengesetzten Weg von dem. den er selbst hatte einschlagen wollen. Zwischen dem ersten und zweiten Akt liegt die Ent- hüllung des Zwischenspiels von Hildburghaufen..FZn meiner Partei geschieht nichts ohne meinen Willen, ja ohne meine Kenntnis", so hat es der Führer verkündigt. Aber Dr. Frick, der auch manchmal führen will, erdreistet sich, den obersten Osaf zum Gendarmeriekommissar zu ernennen! Ganz heim- lich natürlich, wie es dem deutschen Mann geziemt, hinter dem Rücken seines Ministerkollegen, hinter dem Rücken des thüringischen Kabinetts— auch hinter dem Rücken des großen Führers, denn der ist gar nicht damit einverstanden, fondern weist feine„Ernennung" empört zurück. Allerdings wird diese Empörung erst sichtbar, als die blamable Schiebung der OeffentlichkeU unterbreitet war. Vorher ist dem eigen- mächtigen Dr. Frick von seinem Osaf nichts geschehen, die Beurteilung der Lage scheint etwas schwankend gewesen zu sein! Wenn nicht Gendarm, dann vielleicht Professor! Wenn nicht in Hlldburghausen, dann vielleicht in Braunschweig! Dort sitzt ein getreuer Untergebener des Führers,- Herr Klagges, der gegen Arbeiter einen unheimlichen Mut ent- faltet. Hat nun der Führer etwas zu diktieren oder nicht? Wieder beginnt das Verhandeln und Rätselraten: Wert)' ichs oder werd' ichs nicht? Wo bleibt das. Kommando des Ofafs? Ist es fein Wunsch, Profesior in Braunfchweig zu werden, dann hat er seinen Befehl an Herrn Klagges zu geben, und der hat einzuschwenken und den Versuch zu unternehmen, ganz gleich, wie er ausgeht! Oder rührt der wieder etwas ein auf eigene Faust, will man den großen Adolf ärgern, indem man ihn auch noch zum Professor wider Willen macht? Ihn. den Führer, der anscheinend nicht die kleinste Sache selber führt? Denn nun ist die große Entscheidung reif: Wer wird der sichere, der siegreiche, der unüberwindliche Kandidat zur Reichspräsidentenwahl, der Erwählte der„15 Millionen", der eigentliche Eroberer des Dritten Reichs? Seit vier Wochen drucksen sie herum mit Dutzenden von Vorschlägen: Ritter von Epp? Dr. Frick? Hitler selbst? Hugenberg? Schacht? ein Hohenzollernprinz? Litzmann? Ein anderer alter Ge- neral? Wo bleibt die klare, kurze, energische Entscheidung des Führers? Was ist das für ein unwürdiges, geradezu par- lamentarisches Kuhhandeln hinüber und herüber? Gemein- samer Kandidat! Eigener Kandidat! Der Führer selbst! Nein, ein Platzhalter! Seit vier Wochen sehen die Getreuen dieses seltsame Spiel und mit wachsendem Erstaunen kommts von ihren Lippen: Führer, wo bist du? Willst du oder willst du nicht? Kommst du oder kommst du nicht? Was ist das für ein Zotteln und Zögern? Mußt du Schacht, den einst geschmähten Aufwertler, muht du Hugenberg. den Mbrer der schmSchlich«? Garde, mußt Die Sache mit Oskar. Hugenberg läßt sich in die Karten sehen. Die Nachricht, daß Hugenberg Herrn Oskar Prinz von Preußen als Ueberraschungskandidaten gegen Hindenburg vorgesehen hat, hat wie eine Bombe einge- .schlagen. In ihrem Drange, öffentlich mitzuteilen, daß ein Sohn Wilhelm geruht hat, als Mitglied des deutschnationalen Parteivorstandes an der Sitzung des Parteivorstandes tellzu- nehmen, hat die Deutschnationale Pressestelle selber dafür Sorge getragen, daß die Aufmerksamkeit der Oeffenllichkeit auf diese sogenannte Ueberraschungskandidatur gelenkt worden ist Um den Charakter einer Ueberraschungskandidatur nicht vollständig verschwinden zu lassen, hat sich nun die Deutsch- nationale Pressestelle zu einem Dementi entschlossen, das keines ist. Die Absichten Hilgenbergs mit Oskar werden in diesem sogenannten Dementi keineswegs eindeutig bestritten. Dafür werden die Pläne derer um Hugen- berg weiter aufgedeckt. Es heißt in der deutschnationalen Verlautbarung: „Ganz allgemein scheint überhaupt die Bedeutung des ersten Wahlganges und der dasür genannten Kandidaten etwas überschätzt zu werden. Nach Lage der Dinge kann der erste Wahlgang nicht zu. einem endgültigen Er- gebnis führen. Dies folgt insbesondere daraus, daß die Kamnni- niste» und ein großer Teil der Anhänger der Sozialdemokratie den sozialdemakratischen Parolen für Hindenburg kaum folgen werden. Der erste Wahlgang verlangt bekanntlich eine absolute Mehrheit, d. h. etwa 18 Millionen Stiminen sür den zu wählenden Kandidaten. Niemand wird annehmen, daß diese Zahl im ersten Wahlgang er- reicht werdpn. kann.- D a s wird schop allein duxch die S t i m m e n, d i e h e r I o m m u n i st i s ch c Kandidat erhält,. unmöglich ge.ma cht." Also: Mit Hilfe der Kommunisten gedenken die um Hugenberg es zu einem zweiten Wahlgang zu bringen. Im ersten Wahlgang wollen sie eine Zählkandidatur in der Person des Herrn Duesterberg aufstellen, der neben Hitler oder Frick kandidieren soll, wobei sie eifrig versichern, daß die Bedeutung der Kau- didaten im ersten Wahlgang überschätzt werde. Das ist ein Giftpfeil gegen Hindenburg, der aber in diesem Falle aus die Schützen zurückprallt. Herr Duesterberg und selbst der große Adolf sind danach nur Nebenfiguren, ein- fache Statisten, nur gut dazu, um dem emserwählten Manne im zweiten Wahlgang Platz zu machen, dem Manne mit der B e d e u t u n g in der Person des Herrn Oskar von Preußen. Das ist doch wirklich ein Mann von Bedeutung, neben dem Hitler selbst ein Niemand ist. Seine Sporen hat er sich in ähnlicher Weise verdient wie seine Brüder. Auch er hat sich in die Stahlhelmüniform geschmissen und bei sogenannten vaterländischen Kundgebungen den Kameraden gemimt. Auch er ist bekannt durch Hetzreden und durch schnoddrige Bc- merkungen. Seine Geistesart wurde im Jahre 1S26 durch einen ganz besonderen Vorfall hell beleuchtet. Damals wur- den mehrere Leute gefaßt, die ein Attentat auf Strefemann geplant hatten. Es waren feine Brüder. Von ihnen stammen die Worte:„Strefemann verwese man" und„das Schwein muß gekillt werden". Ihr Haupt war ein gewisser Lorenz. Der erhielt in die Untersuchungshaft einen freundlichen Brief Oskars und dazu 5 0 Zigaretten geschickt. Strefemann hatte sich bekanntlich sehr be- flissen gezeigt, um dem Exkronprinzen die Rückkehr zu er- möglichen. Es war deshalb eine besondere Pikanterie, daß Oskar dem Attentäter, der den Freund seines Bruders killen wollte. Zigaretten schickte. Als sich in der OeffentlichkeU des- wegen Lärm erhob, versuchte sich Oskar mit faulen Ausreden und falschen Anschuldigungen gegen die Justizbehörden her- anszupauken. Er stand nicht zu dem, was er getan hatte. Das ist die Hauptfigur in Hugcnbcrgs Kriegsplan! In diesem strategischen Plan ist. den K p m m u n i st e n die Rolle der Hiilfs.t.ruppe zugewiesen. Sie sollen im ersten Wahlgong die Bahn frei machen für Herrn Oskar Prinz von Preußen, den Sohn Wilhelms des Landflüchtigen, und im zweiten Wahlgang sollen sie dann dafür Sorge tragen, daß einer aus dem Haufe Hohenzollern gewählt wird! Aufrufe für Hindenburg. Die Bayerische Volkspartei und der Barst�'ib des Deutschen Landvolk haben Wahfaufrme sür Hindenburg erlassen. Nun auch Milchteuerung. Oer Milchpreis soll um 4 Pfennig je Liier erhöhi werden. Die Berliner Milchnotierungskommifsio« hat gestern den sogenannten Einfuhrpreis für die Milchlteferungen nach Berlin von 12,25 auf 16,2ö Pfennig erhöht. Es ist z« erwarten, daß die Milchpreise für den Konsum schon hente um die gleichen 4 Pfennig verteuert werden. Haben wir nicht einen Preiskommissar, dessen Aufgabe es ist. eine Perbilligung der Lebenshaltung entsprechend der letzten Lohn- und Gehaktsseukung durchzuführen? Haben wir nicht da» Wort des Reichskanzlers vom 12. Dezember, daß die Kaufkraft der Bevölkerung unter den Maßnahmen der 4. Notver- ordnung im Endergebnis nicht verringert werden darf, weil sonst neue Wirtschaftsschrumpsung und neue Arbeitslosigkeit lmvermeid- lich sind? Bei der Milch gibt es keinen Ersatz, wie die Mar- garine ein Ersatz ist, wemi das letzte Stückchen Butter, das im Arbeiterhaushalt noch gebraucht wurde, so verteuert wird, daß man auch dieses letzte Stuckchen nicht mehr kaufen kann. Will man den Kindern die Milch entziehen, die selbst Erwerbslos« mit elendem Einkommen unter Opfern bisher noch beschafft haben? Es ist nicht abzusehen, wohin die Entwicklung der Lebensmittel- preise uns noch führen wird. In den letzten Tagen ist der Weizenpreis wieder gestiegen. Auch die Mehlpreise haben sich erhöht. Die Bäcker werden bald wiederkommen und erklären, daß auch die Brotpreise nicht mehr zu halten seien. Für das spätere Frühjahr ist ein« Steigerung der Schwcinepreise sicher. So ist die Milchteuerimg, die jetzt eintritt, nur ein Symptom sür eine Entwicklung, die nicht mehr ertragen werden känn! Die Reichsregicrung steht vor einer sehr schweren Berank- Wartung! 263436! Sas Ergebnis der Ziüstwoche in Verlin. I« der gestrigen Sitzung des Gauvorstandes des Reichsbanaers Schwarz-Rot-Gotd wurde das Ergebnis der Rüstwoche der Eisernen Front festgestellt. In der Zeit vom 31. Januar bis 14. Februar haben sich in den Sammelstellen 2S3 43K Personen in die Eisernen Bücher eingetragen. Diese Ziffer wird sich noch um einige Hunderte erhöhen, da noch einige Liste» ausstehe». Der Gauvorstand nahm mit Befriedigung von diesem Ergeb- nis Kenntnis, das sowohl in propagandistischer als auch in finanzieller Hinsicht einen alle Erwartungen über- steigenden Erfolg bedeutet. du Seldte, den Freimauer, mußt du Thysien. den Stahlkönig. fragen? Was sind das für merkwürdige Ratgeber der Nationalsozialistischen Deutschen„Arbei. t e r"- P a r t e i? Aber das Spiel geht weiter— in die fünfte Woche hinein. Der Führer weiß nicht, wer führen soll. Er wankt, zögert, verhandelt, feilscht, er probiert alle Finessen des Par- lamentarismus. des gehaßten. Nur eins tut er nicht: er führt nicht, sondern wird geführt, er entscheidet nicht, sondern wird entschieden. Und so kompromittiert er vor aller Augen nicht nur den zögernden, entschlußlosen, von verborgenen Gewalten ab- hängigen Führer, sondern mit ihm das System der Diktatur selbst. Wir aber fragen mit seinen Getreuen: Führer, we bleibst du? I Das Dritte Reich in Kreuzburg. Eine Ausgabe für das preußische Lnnenmimsternim. ZÄrfienrenten und Notzeit. Oer soziotdemokratifche Gesehentwurf im Ausschuß angenommen. Im Rechlscujsjchuß des Reichstags erhielt in Zweiter Lesung rx Jniiiativgesetzeniwurf des A b g. Marumn den umliegenden Orken von Bischdorf. Durch Aulos und Droschken wurden sie heraugeschaffk. Gegen 4 Uhr fühlten sich die Banditen dann stark genug, einen Angriss aus die Versammlung zu unternehmen. während mehrere hundert Mann vor dem Lokal Aufstellung nahmen, drangen dreißig Mann mit dicken knüppeln, Gummiknüppeln und Totschlägern bewaffnet, in den Versammlungsraum e'n, wo sie sofort auf die Teilnehmer ein- schlugen. Diese setzten sich zur Wehr. Nur mühsam tonnte die eingedrungene Horde aus dem Saal gedrängt werden, nachdem eine Anzahl Personen verletzt waren. Di« Versammlung wurde aus- Saalschlachi in Weinheim. 60 Verlstzie. weinheim, 18. Februar. Zu schweren Prügeleien kam es geftern abend in einer national. sozialistischen Versammlung, in der der ehemalige Tschetamörder Neumann aus Frankfurt a. M. sprechen sollte. In der Saal- schlacht gab es etwa 3S Verletzte, von denen drei mit Kops- Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden mußten. Die Polizei drängte schließlich die in der Versammlung anwesenden Kommunisten hinaus und sicherte den ungestörten weiteren Verlauf der Veran- staltung. Im Zusammenhang mit diesem Vorfall sind vom Minister des Innern die Polizeivcrwaltungsbehörden angewiesen worden, öffentliche Veranstaltungen der Nationalsazia- listen und Kommunisten im Einzelsalle auf Grund der Be- stimmungen der Notverordnungen bis e i n s ch l i e ß l i ch 28. d. M. zu o e r b i« t e n. Gegen Neumann wurde sür ganz Baden Rede- verbot erlassen. Ein Toter, drei Verletzte. Sottbus. 18. Februar. Im Zusammenhang mit einer nationalsozialistischen Versamm- lung in Klein-Gaglow am Mittwoch wurden etwa einen Kilometer vom Ort entfernt 80 SA.-Leute von einer großen Zahl politisch linksstehender Personen überfallen. Es kam zu einem blutigen Zu- sammenstoß, in dessen Verlauf vier SA.-Leute verletzt wurden. Einer von diesen Schwerverletzten— der SA.-Mann Walter Görna- gelöst, nach Saalräumung setzt«! die'Angriffe der'Nationalisten auf die abmarschierenden Teilnehmer fort. Diese mußten trotz oer chnen drohenden Gefahr den Saal, der noch Schutz geboten hätte, räumen, well die Landjäger m'i den Tvorduu„wachen Sic, daß Sie herauskommen, die Versammlung ist ausgelöst!" sich gegpn die lleberfallenen wandten. Sausetretär Musiol, Landarbeitersekretär Olbrich und 18 Reichsbannermitglieder traten den Weg zum Bahnhof an. So- fort nach Verlassen de- Lokals waren sie von annähernd dreihundert Nazis und Stahl helmern umringt. Gleich nach'Bertaffiit des Dorfes begannen diese mit Steinen zu werfen und aus den Ateichsbannertrupst einzuschlagen. Bon letzteren sührtcn acht Mann ihre Fahrräder mit. die Radführer wurden fortgesetzt mit Stöcken und Gummiknüppeln auf die Hände. Arme und Köpf- geschlagv. Ungefähr ö00 Meter hinter Bisch- corf zogen Musiol und Olbrich ihre Pistolen, um ihren be. drängten und wehrlosen Komeuaben einen Abzug zu ermöglichen. Die Nazi-Stahlhekmer verfolgten aber die über die Felder flüchten- den Reichebannerleute, schlugen m eh rereniedcrund ver. letzten diese zum Teil schwer. Musiol und Olbrich, die aus der Landstraße allein zurück- geblieben waren imd versuchten, den Weg zum Bahnhof sortzu- setzen, wurden vollkommen umringt und die Banditen schlugen mit Mordwerkznigen alber Art auf sie ein. Olbrich wurde ab- gedrängt, zu Boden geschlagen und von mehreren Dutzend Nazi» Stahlhelmern viehisch mißhandelt. Die«chläge Hagelten auf ihn nieder, als er zum Schutz seiner Schädeldecke die Hände über den Kops hielt, trat man ihn mit den Absätzen ins Gesicht. Der ganze Körper Olbrich» ist blutunterlaufen uno voller Merkmale der Mißhandlung. Als er regungslos dalag, erklärte der Anführer der Rotte: „Laßt ihn. der hat genug, jetzt los aus das dicke Schwein(ge- meint war Musiol). der darf nicht mehr davonkomme»." Musiol versuchte nach der Abdrängung Ollörichs, sich mit der Pistole einen freien Zlbzug aus der ihn umstelleiüien und fortgesetzr zuschlagenden Rotte zu verschaffen. Er löste zunächst zwei Schreckschüsse. In höchster Gefahr feuerte er scharf: ein Nationalist erhielt«inen Bauchschuß, einer«inen Oberschenkelschuß und der Anführer einen Armschutz. Während des Notwehraktes wuvde Musiol van rückwärts zu Boden geschlagen, worauf sich die ganze Horde mit einem viehischen Gebrüll auf ihn stürzte. Es hagelte von schworen Schlägen, die insbesondere mit Gummi- knüppeln und Totschlägern ausgeführt wurden. 2n wenigen Minuten war Musiol bcfinnungalo*,. Er hat mehrere schwere Kopfwunden und Verletzungen am ganzen Körper davongetragen. Da Fieber eingetreten ist, ist sein Zustand nicht unbedenklich. Musiol wäre sicherlich von den Nationalisten erschlagen worden, wenn nicht endlich die Landjäger am Tatort erschienen wären. Diese muß- ten mit den Pistolen in den Händen zunächst die viehischen"'-"v- nalrsten von dem bewußtlosen Opfer ihrer Roheit abdrängen, sie brachten dann Musiol nach Bischdorf zurück. wo n nur mühsam vor aeuca Mißhandlungen durch mehrere hundert Personen ftatfe Nazl.Stahlhelm>Mevge geschützt werden konnte. Der aus im Pitschsnsr Krankenhaus emgetroffsne Arzt legte M «inen Notoerband an. Di« Nazihorde war inzwischen vor das Krankenhaustor in Püschen gezogen, wo sie bei der Em- lieferung von Musiol erneut versuchten, seiner habhaft zu wexden. Sie verfolgten den Transport bis vor das OpcraSouszimmcr de» Krankenhauses. Erst aus energisches Drängen von Musiol wurde das Krankenhaus von den nationalistischen Banditen geräumt. Nachdem Musiol die Uebersührung in das Krenzburger Krankenhaus ablehnte, sorgt« der Arzt für Ilederführung nach Gleiwltz. Bemerken wollen wir noch, daß während der Verfolgung von Musiol und Olbrich eine Droschke der nationalistischen Horde folgte. in der vier Gulslnspektoren saßen, die d'e Banditen durch fortgesetzte Zuruse anfeuerten. Dieselben Greueltaten wie in Bankau. dieselbe Entmenschung. die den Schwerverletzten noch im Srankenhanse totschlagen will! In Bischdorf wie in Lanka» waren Gutsinspekioren die Führer der Mörderbande. wir fragen uns empört: Liegt der Kreis Kreuzburg wirklich in Preußen? Was gedenkt das preußische Innen- Ministerium gegen diese Zustände zu»m? was geschieht mit dem deutschnationalen Landrat von Bärensprung? wwski— ist auf der Fahrt in das Krankenhaus verstorben. Der schwerverwundste SA.-Mann Fritz Gesell aus Kottbus wurde erst sine halbe Stunde nach den Kämpfen aufgefunden. Zwei andere SA.-Leute wurden leichter verletzt Die herbeigeeilten Landjägerei- beamten wurden ebenfalls mehr oder weniger leicht verletzt. Ltniersuchung gegen Krick beantragt. Oie thüringischen Eozialvemokraten fordern Aufklärung. Im Thüringischen Landtag hat die sozialdemokratische Fraktion folgenden Antrag eingebracht: Die Unterzeichneten bezweifeln die Gesetzlichkeit und Lauterkeit von Verwaltungsmaßnahmen: a) durch den ehemaligen Staats- minister Dr. Frick: insbesondere bestehen diese Zweifel hinsichtlich der Anstellung Hitlers zum Gendarineriekommissar von Hildburghausen: b) des Innenministeriums— Polizei abteilung— und staatlicher Polizeibehörden. Gemäß 8 23 der Verfassung beantragt die sozialdemokratische Fraktion dir Einsehung eines Untersuchungsausschusses. Der ehemalige König von Sachsen. Friedrich August, ist am Donnerstagabend gestorben. In Uruguay hat die Polizei von Montevideo in der Sowjet- Handelsvertretung eine Haussuchung vorgenommen, um zu et- Mitteln, ob Moskau die kommunistische Bewegung in Uruguay finon» ziert hat. Es lebe der Schah... Oie deutsche Justiz schuht den Orientalen. Man erlebt immer neue Dinge in Deutschland. Selbst der KÄrigsbcrger �ochnerratsprozeh, an den dieser Tage aus Anlaß des 60. Geburtstages Otto Brauns erinnert wurde, wird in den Schatten gestellt durch einen Beleidigungsprozeß, der vor Ber» liner Gerichten sich abspielen soll. Ein hier studierender Perser namens Alawi hatte in einer hier herausgegebenen Emigranten- zsitung den persischen Usurpator, der jetzt den Titel Schah führt, einen„orientalischen Despoten" genannt. Darauf Beschwerde der Gesandtschaft des Herrn aller Perser, Ausweisung des Studenten aus Preußen und Verbot feiner Zeitung! Aber damit ist es noch nicht genug. Der Perserschah stellt im Triumph Strafantrag gegen feinen Landsmann, der ihn für einen Despoten hält, und gegen deutsche Publizisten, die sich der Sache Alawis angenommen haben. Die Staatsanwaltschaft er- hebt Anklage, das Schöffengericht lehnt aber die Eröffnung des Berfahrens wegen Majestätsbeleidigung ab. well in Persien keine Gegenseitigkeit garantiert sei. Denn der deutsche Reichspräsident sei nun einmal kein„Sultan" und nur einen solchen schützt das persische Strafrecht vor Beleidigung. Aber das Schöffengericht denkt— die Strafkammer lenkt. Tat- lächlich hat sich eine Berliner Strafkammer gesunden, die auf staats- anwaltliche Beschwerde das Verfahren wegen Beleidigung der persischen Majestät eröffnet hat. Nun ist in Deutschland bei Be- leidigungen jeder Wahrheitsbeweis zugelassen. Also wird man sich nor Gericht ausführlich darüber unterhalten müssen, ob wirklich der Schah ein„orientalischer Despot" ist. Da unsere Richter bekanntlich sonst mit Recht über Ueberlastimg klagen, werden sie in dieser Prozehsührung wahrscheinlich eine Entlastung erblicken. Vielleicht ist Herr Keßner bis dahin mit seinem Sklarsk-Prozeß fertig geworden. Er schiene der geeignete Mann für den Perscr-Prozeh zu sein. „Wir mußten gehorchen." Vom Führergedanken beim Hakenkreuz. Kassel, 18. Februar.(Eigenbericht.) Das Schöffengericht verurteilte am Douacrslog den 21 Zahre alten landwirtschaftlichen Gehilfen Hermann Held ivegen Verbrechens gegen den§ 17S und Vergehens gegen den§ 175 de» Strafgesetzbuches zu vier Zahren Gefängnis uud Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Daner von fünf Jahren. Held wohnte feit Februar 1S31 in Hofgeismar, wo er die Hitler-Jugend organisiert«. An dem Realgymnasium der Stadt wurde auf feine Veranlassung eine Wanderoogelgruppe ge- bildet, die aber im Grunde nichts anderes war, als verkappte Hitler-Jugend. Dieser Weg wurde gewählt, um die Verfügung des preußischen Kultusministers, nach der politische Vereinigungen an höheren Schulen oerboten sind, zu umgehen Obwohl im Laufe der Monate imkner wieder Gerüchte austauchten, daß Held sich an den Schülern oerging, konnte ihm nichts nachgewiesen werden. Auch von der NSDAP, wurde gegen Held nichts unternommen, bis es der Polizei schließlich gelang, der Sache aus die Spur zu kommen. Die Anklage beschuldigte Held in 11 Fällen der unzüchtigen Handlungen an Knaben unter 11 Jahren und in vier Fällen des widernatürlichen Geschlechtsverkehrs. Befragt, wie er fein Vorhaben ausgeführt habe, sagt der Angeklagte, daß er die Jungen unter irgendeinem dienstlichen Lorwand zu sich in die Wohnung bestellt ffätte. Das wurde von«inigen Jungen», die als Zeugen vernommen wurden, bestätigt. Auf die Frage, warum sie immer wieder zu Held gegangen feien, antworteten sier„Wir mußten ge- horchen. Er war unser Führer. Wenn er mit uns sprach. mußten wir stramm st e h e n." Die betreffenden Kinder kamen vorwiegend aus sogenannten besieren Kreisen, vornehmlich aus Beamtenkreisen. Ihre Eltern haben nichts gegen Held unter- nommen. Als der Skandal aufgedeckt wurde, versuchte die Bezirksleitung der Nationalsozialistischen Partei, Held abzuschütteln Sie behauptete, daß er nicht Mitglied ihrer Partei sei Die Gerichtsoerhandlung hat jedoch das Gegenteil ergeben. Held war bis Oktober 1931 Mitglied der NSDAP. Erst nachdem die Vorgänge in der 5zitl«r-Jugend offenkundig geworden waren, ist er ausgeschlossen worden. Oeuischnationale Lügen. Keine Zuwendungen der Preußenkasse au Minister Klepper. Obwohl bereits in der Antwort auf eine früher erfolgte Klein« Anfrage festgestellt worden ist, daß Finanzminister Klopper außer dem im Haushalt verzeichneten Betrage keinerlei Zuwen- düngen aus Mitteln de« preußischen Staates, ser Preußenkasie oder irgendeiner anderen in unmittelbarer oder mittelbarer Be- ziehung zum preußischen Staat stehenden Stelle erhall, ist in einer weiteren Kleinen Anfrage eines deutschnationalen Londtagsabgoord- neten erneut nach den finanziellen Beziehungen gefragt worden, die angeblich zwischen dem preußischen Finanzministcr und der Preutzenkasse noch bestehen sollen. Diese Klein« Anfrage behauptete, es seien seitens der Preußenkasie dem Finanzminister Klepper 30 000 M. ausgezahlt worden. Das Staatsministerium wurde ge- fragt, ob ihm die Tatsache solcher Auszahlung bekannt sei. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteiv. hat der preußisch« Ministerpräsident auf diese Frage folgende Antwort«rteill: Es ist weder die behauptete Auszahlung erfolgt, nach sind sonstig« Zu- Wendungen geschehen oder zugesichert. Auf dl« weitere Frage über angebliche finanzielle Beziehungen dcsFinanzminist-rs zur Preußen. kasie lamet die Antwort: Zwischen Staatsminister Klepper und der Preußischen Zentralgenosienschastskasse bestehen weder direkte noch indirekte finanzielle Beziehungen. Das Abkommen mit Litauen. Zm Reichsrat angenommen. Gin Memelprotest. Der Reichsrat stimmte am Donner-ttogabend dem Abkommen mit Polen über Erleichtorungen im kleinen Grenzverkohr zu. Dann folgte die Beratung e«s Abkommens mit Litauen über den gegenseitigen Schutz des gewerblichen Eigentums und des Urheberrechts an Werken der Literatur und Kunst. Dabei wurde eine Erklärung des Vertreters Ostpreußen«, Freiherr von Gayl, angenommen, in der es u. a. heißt: Di« Bevölkerung Ostpreußens erwartet van o«r Reichsregierung, daß sie mit allen verfügbaren Mitteln die Wiederherstellung des durch das Meinel- statut gegebenen Rechtszustandss betreibt. Sollten die in Genf geführten Perhandlungen nicht da« Ergebnis haben, daß Cic gc- rechten Forderungen des memelländifchen Deutschtums erfüllt wer- den. so erwartet Ostpreußen von der Reichsregierung, daß sie durch euergischen Einsatz wirtschaftlicher Mittel Litmea oa> Streit in der Harzburger Krönt. 0% K*r HiHcP „Oer simple Gendarm mache plah dem legitimen Kürstensproß." Schanghai-Aniversität brennt. Studenten gegen japanischen Einbruch. Schanghai über Moskau, 18. Februar. Japanisch« Truppen sind in das Gebäude der Schanghaicr Universität eingedrungen. Die Studenten leisteten Widerstand, wobei ein großer Brand im Gebäude entstand, der auch auf die Bibliothek übergriff, die au» 300 000 Bänden besteht. Neues japanisches Ultimatum. Schanghai, 18. Februar. Der japanische Oberkommandierend« hat den Chinesen ein neues befristetes Ullimatum übersandt, in dem die Zurück- ziehung der chinesischen Truppen auf 20 Kilometer von der Stadt, die dauerndeEntfestigungderWusung-Forts und die Räumung, der gesamten Frontlinie kü» Sonnabend 7 Uhr verlangt wird. Die volle Durchführung des Rück- zuges könne bis Sonnabend 17 Uhr Ostzeit ersolgen. Diese unverschämten Forderungen sind abgelehnt worden. Der Artilleriekamps bei Schanghai dauert fort. Mandschurei als— Halbmonarchie. Tokio. 18. Februar. Di« neue Regierung der Mandschurei wird die Mitte zwischen einer Republik und einer Monarchie unter einem Regierung»- chef auf Lebenszeit hatten. Der neue Staat soll die Provinzen Mulden, Kirin, Heilunkiang und den Distrikt Jehol umfassen. Das japanische Auswärtige Amt bemerkt, daß Japan nicht beabsichtigenden neuen Staat anzuerkennen, wenn er nicht all« Garantien für sein» staatlich» Unabhängigkeit biet«! anlaßt, dafür zu sorgen, daß die Recht» des Msmellandes wieder- hergestellt werden. Schließlich nahm der Reichsrat noch den Gesetzentwurf über die Gewährung von Zugaben zu Waren oder Leistungen an. Wer find die Nazis? Nazi-Studienrat Hille-Hildburghaofon enthüllt es. Am Freitag, dem 12. Februar, fand der Beloidigungsprozeß vor dem Einzelrichter in Hildburghausen statt, den Staatsminister Daum gegen Nazi-Studienrat Hille angestrengt hat. Wir haben bereits mitgeteill, daß Nazi-Studienrat Hill« vor dem Einzelrichter freigesprochen worden ist. Einzelne interesiante Dinge aus dem Prozeß sind aber wart, für die Zukunft festgehallen zu werden. Nazi-Hille erklärt« in der Verhandlung, daß Minister Baum in Bouernversammlungen, in der auch über die Landwirtschaft»- kammerwahlen gesprochen worden sei, die von den Nazi» ausge- stellten Kandidaten gröblich beleidigt und auch sonst objektiv unwahre Behauptungen gegen die Nazis aufgestellt habe. In der Rede Baums wären Ausdrücke vorgekommen wie: „Maulaufreißer, Esel, reines Agitationsbedürfnis. Partei der Versprechungen, Partei, die die Bauern betrüge, sie wolle die Kammer parteipolitisch umgestallen, die Nazis kämpften in erster Linie für Tarife und hohe Löhne." Hille ist der Meinung, daß all diese Aeußerungen, die Staats- minister Baum gebraucht habe, schwere Beleidigungen für die Nationalsozialisten sind. Es ist also eine Beleidigung für die Nazis, wenn Staatsminister Baum behauptet, die Nazis kämpfen in erster Linie für Tarife und hohe Löhne. Die Nazi» kämpfen also nicht für Tarife uud hohe Löhne. Sie sind vielmehr dicke Freunde de» Großagrarier- und Unternehmer- tum». Für uns ist es schon längst feststehende Tatsache, daß die Nazis die größten Feinde der Llrbeiter und auf der anderen Seite die Soldkncchte der Kapitalisten sind. Einnahmen und Ausgaben des Meiches. Das Rechnungsjahr bis Ende Dezember 193 l. In den Einnahmen und Ausgaben des Reiches ergibt sich für das lausende Rechnungsjahr bis Ende Dezember iSZI. also für die Zeit von April bis Dezember 1931, ein Gesamt- fehlbetrag von fast 1190 Millionen Mark. Im ordenllichen Haushall wird jür den Monat Dezember ein Ueherfchuß von 91,7 Millionen Mark nachgewiesen, im außerordentlichen Haushalt ein Defizit von 1,7 Millionen Mark. Insgesamt stellt sich im ordenllichen Haushall für die Zell von April bis Dezember 1931 bei 6362,6 Millionen Mark Einnahmen und 6257,7 Millionen Aus- gaben der Fehlbetrag auf 95,1 Millionen Mark. Der Fehlbetrag aus dem Vorjahr wird mit 1020,3 Millionen Mark angegeben. Cr verringert sich durch die Schulde imlgung auf 713,3 Millionen Marl. Mithin war im ordentlichen Haushall End« Dezember 1931 ein Defizit v-R LIOB Millume» Mar! vorhanden. Das Defizit im außerorderMchen Haushall stellt sich für End« Dezember auf 115,3 Millionen Mark. Dazu tritt ein Defizit in Höhe von 261,1 Millionen Mark aus den Bsrjahren. polnische Militärsiedlung. Protest der Ostslawen. Als im 17. und 18. Jahrhundert die Türken aus Mitteleuropa zurückgeschlagen wurden und Ungarn nach löOjähriger Herrschaft räumen mußten, siedelten die Habsburger in Kroatien-Slawonien entlassene Soldaten an. Sie und ihr« männlichen Nachkommen waren zur Verteidigung des Landes gegen eine Wiederkehr türkischer Angriffe verpflichtet. Dieses Beispiel befolgt jetzt Polen, das gleichfalls 150 Jahre unter russischer Fremdherrschaft gestanden hat und das um seine weißrussisch-ukrainischen Ostgebiete um so mehr bangt, als diese Slawen der schärfsten Polonisierung ausgesetzt sind, während ihre Bolksgenosscn in der Sowjetunion eigene Gliedstaaten bilden. Di« ergaunert« Mehrheit des Warschauer Sejms hat in dritter Lesung eine Novelle zum Gesetz über die Militärsied- lung in den O st marken angenommen. Der ukrainische Abg. Kohane wiederholte, was feine Fraktion schon bei der ersten Lesung erklärt hatte, nämlich dieses Gesetz im Sejm und auf dem Lande mit allen zulässigen Mitteln bekämpfen zu wollen, da es den Charäktcr eines gegen die Ukrainer gerichteten K o l o n i f a- tionsgefetzes trage: die Ukrainer hätten sich deshalb bereits an den Völkerbundsrat gewandt. Der ukrainische Sozialist M a c z a k betonte, daß Polen in den Ostmarkcn zwischen dem ethnographisch ukrainischen und dem weißrussischen Gebiet p o l n i s ch st ä mm i g e Gebiete schaffen wolle. Die.Ukrainer würden dieses Gesetz ebenso wie jede andere fremde Kolonisation mit allen Mitteln bekämpfen. Das gleich« kündigte der Weißrusse Jeromicz an. Minister Kozlowski behauptete demgegenüber, das Ziel des Gesetze» liege nur in einer Perbesserung der bisherigen Militär- fiedlungsaktion. Die Erklärung der ukrainischen Abgeordneten vcr- folgten augenschcinlch nur den Zweck, zwischen Polen und den Minderheiten Zwiespalt zu säen. painlev6 nimmt endgültig an. Kabinettsbildung voraussichtlich Freitag früh perfekt. Paris, 18. Februar.(Eigenbericht.) Paiulevc hat sich kurz vor Mikteruacht ins Elys-e begebe»»ab dem Präsidenten ber Republik mitgeteilt. daß er die Aufgabe, das Kabinett zu bilden, endgültig annehme. Er erklärte beim Verlanen des Elbfee, daß fein Kabinett wahrscheinlich am Freitag früh gebildet sein werde. Die GVU. hat angeblich eine verbotene Vereinigung anged- licher zaristischer Offiziere auigeSeckt. 11 Personen wird Per- untrenung und ahsichilich« Schädigung nachgesagt, die dem Staate «in«n Schaden von 11 Millionen Rubel zugefügt haben sollen. Die Angeklagten sollen mit der Gesellschaft Rjabuschinskis in Lerbwdung gestanden Hab«». Memeldebatte im Landtag. Vorher Stäupung großagrarischer Korruptiomsten aus Pommern. Der preußische Landtag besprach gestern zunächst die sozial dem» kratljchen Anträge und Anfragen, in denen die Korruption in den pommerfchen Landbundkreisen und der Landbnndterrorr bloßgestellt wird., Abg. Hartwig-Stettin(Soz): Dereits im August 19Zt bat die Staatsamvalrschait ein Deriahren gegen die Direktoren der Pommerfchen chauptgenossenschait wegen Unterschleise mit Cinfuhrschemen eingeleitet. In der chauptoerhaird- lunz lst festgestellt, daß durch die Schiebungen das Reich um 176 000 Mark geschädigt worden sei. Das Geldstrafeuurkeil gegen die Täler, die zur Avantgarde huqenbcrgs und Hitlers gehörten, werde in der Oestentlichkeil als unbefriedigend bezeichnet. Lei diesem Prozeß habe sich gezeigt, wie diejenigen aussehen, die das jetzige Regime bekämpfen, die, wie Herr von Rohr beim Volksbegehren fagke, vom„erwachenden Preußen" sprächen. Schieber seien diese Leute und sonst nichts. Ein besonderer Korruptionsfkandal habe sich durch ein Schreiben enthüllt, das der Landesvorsitzende des deutschnationalen Landes- Verbandes Pommern, v. Z l tz c w i tz, an die Rittergutsbesitzer rich- tete. Darin hieß es, der Landrat o. Bismarck habe mit den leitenden Persönlichkeiten der Spiritusnerwertungs-Gesellschaft Rücksprache ge- nommen. Diese sei bereit, selbst unter großen Schwierigkeiten eine einmalige Ueberwdtsung für das Jahr 193 2' an den Landesverband der Partei zu ihren Lasten vorzu- nehmen. Eine genaue Kalkulation habe ergeben, daß es notwendig ist. daß für je 100 zu liefernde Liter Spiritus 10 Pf. Sonder Beitrag bezahlt werden müßten.„Van uns aus", so sage das Schreiben weiter,„können wir selbstverständlich die Berechnung für Ihre Spiritusmenge und damit die Berechnung der Bdtragssumme nicht vornehmen. Dieses will liebenswürdgsr- weise das Büro der Spirirusverwertung übernehmen." Der Redner erinnert daran, daß auf diese Rieise Reichsgelder. die die Spiritusgesellschafl erhalle, der Dcutschnalionalcu Partei zugcslosscu seien und sarderi Vorgehen gegen diesen liorrup- liovsskandal. Es liege hier auch nicht etwa ein Einzelsall vor. sondern e i n System schlimmster Korruption. So habe nämlich die Deutschnalio- nale Partei Pommerns auch bei den Reichstagswahlen 1928 einem Vertreter der Spiritus-Jnteresienten ein sicheres Mandat auf der Reichs liste gegen Zahlung von 40000 M k. überlassen. Den Gipfel deutschnationaler Sabotage bedeute ein Rundschreiben des Pommerfchen Landbundes, das zur Bildung einer Echicksalsgemsinschaft ausfordert und unter Terrordrohungen zu er- reichen versucht, dag erst hinler allen anderen Ausgaben die Steuern entrichtet würdcu. Das Rundschreiben eines pommcrschen Kreislandbuudes lasse die Steuern und Ausgaben sogar er st hinter den Landbund- und Parteibeiträgen rangieren.(Lebh. hört! hört!) Auch der Pammersche Landbund habe sich hiernach der Aufforde- rung zur Verletzung der bc stehenden Gesetze schuldig gemacht, wie dies fchonjjndere Landbüydc getan hätten. Der hierzu vorgelegte Antrag der SPD. verlange Bekämpfung des Terrors des Landhundes mit allen Mitteln. Di« dentschnationalen Landbund- leute wollten zwar dem Staat die Steuern verweigern, verlangten aber gleichzeitig immer größere finanzielle Unterstützung vom Staat. Viele�pommerschc kreis? könnten sosolge der geitleiligesährlichen; SleuSisabytage der Deusschnatioualen und der Landbündler nicht einmal mehr die Unterstützung an die Uiohlfahrlserwerbslosen zahlen shörll hört! bei den Soz.) und richteten Hilferufe an die preußische Regierung. Es sei daher grobe Demagogie, wenn man„das System" für die Schwierigkeiten verantwortlich mache. Mit Ausncchme eines Falles in Mecklenburg-Strelitz habe sich in Dsutschland bisher kein Staats- anwalt gesunde», der gegen die staatsgefährlichc Sieuersabotage und den Terror vorgegangen wäre. Nicht einmal die Bürokratie in Pommern schütze die kleinen Landwirte vor dem Terror der Deutsch- nationalen. Bisher habe die Regierung zu den Korruprionsfällcn der Deulschnationalen nur sehr milde Erklärungen abgegeben, die nicht genügten. Die Regierung müsse endlich mit starker Hand zugreifen, wie es die SPD. in ihre» Anträgen im Zvkeresse der schosfendcu Lauern fordere.(Beisall b. d. Soz.) Abg. v. Rohr sDnat.) wendet sich gegen die Angriffe des Dor- redners auf Angehörige des Pommerfchen Landbundes und der Deutschnationalen Partei. Gerichtlich sei festgestellt worden, daß dem angegriffenen Obennüller jede gewinnsüchtig« Absicht fern gelegen habe. Inzwischen sei er gestorben. Der Pommersche Lanöbund habe mit Recht gesagt, daß jeder aus seinen Reihen auszuscheiden habe, der auf Zwangsversteigerungen das Eigentum landwirtichofllicher Berufsgenosssn an sich bringt. Abg. Kirchmann(Soz): In einer Landbundvcrsammlung hat der Abg. von Rohr gesagt: Die ganze Osthilfe ist uichls als eine ganz wüste Quälerei. Er hat auch davon gesprochen, daß die preußische Regierung Ro- mode» schützen, die den Fleißigen haßten und den Deutschen ver- rieten. Der Landbund ist für Senkung der Löhne aus den Bor- kriegsstand. Die Selbsthilfe des Stahlhelms will in derselben Weise Wanderarbeiter haben wie früher. Abg. van Rohr hat sogar im Winter polnische Landarbeiter befchöfligl und dafür deutsche Arbeiter entlassen. Der Abg. von Rohr müsse sich mit Recht Unwahrhaftigkeit und Un- ehrlichkeit vorwerfen lassen. Ke ne Aufhebung der(Kparverordnung. Die Aussprache wird zur Vornahme der Abstimmungen über die zur zweiten preußischen Sparverordnung gestellten An- träge unterbrochen. Die Anträge der Deutschnationalen, der Deutschen Fraktion und der Kommunisten auf Aufhebung der Sporverordnung werden mit den Stimmen der Regierungsparteien abgelehnt. Mit dem gleichen Stimmenverhältnis wird beschlossen, die zweite Sparverordnung zur Kenntnis zu nehmen. Annahme smden Anträge des Hauptausschusses, worin das Staats- Ministerium ersucht wird, im Falle des Erlasses weiterer Spar- bzw. Notoerordnungen dem Landtag und Staatsrat vor Erlaß der- selben Gelegenheit zur Mitarbeit zu geben, sofern nicht zwingendes Reichsrccht daran hindert. Das Haus setzt dann die Aussprache über die sozialdemokra- tischen Anträge betreffend die pommersche Landbund-Genossenschaft usw. fort. Im Schlußwort polemisiert Abg. Hartwig(Svz.) gegen den Deulschnationalen Rohr. Die sozialdemokralischcn Anträge gehen dann in die Ausschüsse. Die Große Anfrage der SPD. über dm Fall der„pommerfchen Reichspost" wird dem Ausschußanlrag eulsprechend sür erledigt erklärt. Es folgt die Aussprache über den Bericht des Verfassungsaus- schusies zu"dem deutschnatioitalen Antrag gegen die Verletzung öer Memelland-Konvention durch die litauische Regierung. In der vom Berfassungsousschuß beschlossenen Form verlangt der Antrag, daß das Staätsministe- rium beim Reich alle möglichen Maßnahmen gegen den litauischen Rechtsbruch im Memelland erwirken möge. Abg. Bugdahn(Soz.) erklärt, der Antrag des Berfassungsausschusses gehe weit über den Parteirahmen hinaus Diese Entschließung sei schlechthin ein Protest des Deutschtums gegen die litauische Vergewaltigung. Gegen- über den Genfer litauischen Bestrebungen müsse mit allem Nach- druck festgestellt werden, daß das vorgehen Litauens eine eNalanle schwere Verletzung der ZNemclkonvenlion ist. (Zustimmung.) Die Gründe, die Litauen für die Mahnahmen und für die Internierung des Präsidenten Böttcher anführe, seien sehr fadenscheinig. Ich betone das mit Nachdruck, so fährt der Redner fort, weil unsere Parteifreunde im Memelland im Direktorium bisher nicht vertreten waren und oft eine oppositionelle Haltung gegen das bisherige Direktorium haben einnehmen müssen. Aber gestern bei der Besprechung im Mcmelländischen Landtag hat der sozialdemokratische Sprecher erklärt, daß die Nachprüfung der An- gelegenheit Böttcher mcht eine Angeleaenhett der litauischen Regie« rung sei, sondern daß das ausschließlich eine Angelegenheit des' Memelländtfchen Landtages sein könne. weun also die bisherig« Opposition gegen das Dlrcklorium Löllcher sich jetzt energisch dem Protest aojchliehl, so macht dos diesen Protest besonders werlvoll. Im Memeltändischen Landtag haben alle Parteien, mit Ausnahme der vier Nationallitauer, gegen die Vergewaltigung protestiert. Ich unterstreiche besonders, daß sich unter der Mehrheit auch die Stim- men der Kommunisten befanden.(Widerspruch bei den Komm.) In Memel sind die allgemeinen Menschheits- und Freihsitsrechte un- geheuerlich verletzt. Die Presse steht unter einer Vorzensur, wie wir sie nur im vorigen Jahrhundert gekonnt haben. Es gilt, einen Gefahrcuherd schlimmster Art zu beseitigen. Solche Gesohrenherde haben wir seit den urnnöglichen Staotskon- struktionen von 1918 eine ganze Reihe. Wir sind als Sozialisten Gegner aller Gewaltmaßnahmen bei Auseinandersetzungen der Vö!ker. Der Protest, den wir erheben, ist ein Teil des Kampfes, den wir zur Befriedung Europa s und der Welt führen. den wir unter der Parole führen: Nie wieder Krieg!(Beisall bci den Soz.) Abg. plr.gel(Z.); Wenn es Litauen auch leugnet: Das Memel- land ist dcutsch und seine Bewohner sind deutsch nach Abstammung. Kultur und Sprache. Met Dank erkennen wir an, daß die Reichs- regicrung bereits ausgeprnchen hat, daß sie nicht nur die Pflicht. sondern auch das Recht habe, vom Völkerbund zu verlangen, daß der Rechtsbrilch im Memelland wieder outgemacht werde. Welche Mittel anzuwenden find, überlassen wir der Roichsregierung.(Bei- fall im Zentrum.) Abg. von plehwe(Dnat.): Der Völkerbund Hobe das Memel- statut garantiert: er habe jetzt die Pflicht, einzugreifen. Noch r'e sei in Preußen und Deutschland eine derartige Frechheit begangen worden, wie jetzt von diesem Ziaeunervolk. Werde diese Tat nicht energisch zurückgewiesen und rückgängig gemacht, dann sei die natürliche Folge die Besetzung Ostpreußens und Danzigs durch Polen Repressalien seien im Sinne einer vatcr- ländischen Abwehr unbedingt erforderlich. Abg. Schulz-Neukölln(Komm.) bringt bringt einen Antrag seiner Fraktion ein, der das Staatsministerium ersucht, auf die Reichsregierung im Sinne des Austritts Deutschlands aus dem Völkerbund einzuwirken. Er nennt den Völkerbund den Zuhälter der imperialistischen Räuberaesellschaft im Fernen Osten. Abg. Stessens(D. Vv.): Dos Memelland sei gegen das Selbst» bestimmungsrecht von Deutschland losgerissen worden. Wir klagen Litauen an. wegen Litauisierung und Schiktmistcrung � einer unzweifelhaft deutschen Bevölkerung. Abg. Geldau(Landvolk) gibt namens seiner politischen Freunde folgende Erklärung ab: Wir stellen fest, daß die litauische Regie- rung durch das Vorgehen gegen den Präsidenten Böttcher wie durch andere Maßnahmen und Versuche einem zweifelsfreien und bewußten Bruch der Memelland konvemion verübt hat. Wir ver- langen, daß das Deutscbe Reich, wenn nicht eine klare Wiedsrher- stellnng des Rechts im Memelland und eine Bestrafung des Rechts- bruchs' mit größter Beschleunigung gesiltzert wird, sich zur Anwcn- dung aller Repressiv maßnahmen entschließt, die ihr gegenüber Litauen zu Gebote stehen. Abg. Grzimek(Staatsp.) weist ouf das Deutschtum der memel- saudischen Bevölkerung hin und spricht der mustergültigen Hältung der deutschen Repräsentanten im Memelland seine Bewunderung aus. Die Reichsregierung und die� hinter ihr stehende Staats regierung verdienten Dank für die Schnelligkeit und Energie, mit der sie die Memelfrage vor den Volkerbund brachten. Abg. hestermanv(Wp.) tritt für eine selbständige deutsche Regelung der Memellandfragc sür den Fall ein, daß der Völker- bund versage. Unter Zlblehnung des kommunistischen Antrages auf Austritt Deutichlands aus dem Völkerbund wird der Antrag des Verfassungs- ausschusses gegen die Kommunisten angenommen. Das Haus erledigt dann noch mehrere kleine Vorlagen. Ab- gelehnt wird der deutschnationale Antrag, der die Regierung er- sucht, erneut Verhandlungen mit dein Diakomevereiit im Interesse der Ausrechterhaltung der Berliner Chirurgischen Klinik in der Ziegelstratzc aufzunehmen.— Nachdem»och ein Antrag des Hauvt- ausschusses angenommen worden war, der auf eine Wciterführvng des.«taatliche» Schillertheaters Berlin abzielt, vertagt sich der Landtag auf Dienstag, den 1. März. sGewerkschaftlichcs stehe 2. Beilage-� Verantwortlich fitr Politit: Di-tov Schiss! ffiirtfojüft:®. tlliagelhäfcri Gkwerkschaltzoewegung: O.-Ztciaci: Feuilleton:®'.?ohi> Schikoweti: öoiolcü und Sonstiges: Sein Sorftäiit; Ameigon: Th. Stockei sämtlich in Vcrlin. Verlag: BorwÄrts-Verlag G. m. b. H., Verlin. Druck: Vorwärts. Buchdrucker i und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW.«6, Lindenstrage ll. Hierzu 2 Vcilagcn. Gsnss 55,, gefroren. Piund ron en r'm Hühner friMh..•. Pfand r. an 0.68 Wolga'.iuhner... Pfund». m> 0.70 Wildenten..... Pfand».«> 0.72 HaSen r-jN. ti. Ütug.. Pfand ▼. an 0,70 Hirschfleisch JJ™1« Tfund too an O.vi 0.76 0,96 Wildschwein....... tlundrooaa 0 70 0,63 0.33 Rchfleisch....... Pfund rem«n 0.92 1.28 1.35 Kensegveti Schnittbohnen r> �»2?». Spinat.... 0.42 Kohlrabi 038 J 3- Erbsen mw-u. 0.74 c«a(ue 0.52 Kaiserschoten. 1.30 i-w. 1.08 leipziger Al'erlci...... 0.78 Gemischtes Gemüse muteu-w 0.95 Br.Spargelsiark 1,75 Atudmiua 0.85 Stg Spane! sehr»;ark 1.95 mltid 1,65 Sellerie 0.58 Pflaumen. 0.58 Heidelbeeren. Stachelbeer. 0.70 Erdbcer.1.10 Anrikoseni/jFr. 0.98 Konfiiarea>,, Eimer Pflaumen 0.95 Apriks.,Orang.,Iohann;sb. 1.10 Erdcecr.Himoeer, Kirsch.. 1.25 Obst Apfeisinen 3 pw."ar'T pi cb- u. Kochäpfel.. 2p und 0.2 j Zitronen.... m-d. 0.28 0.38 Amenk, Äpfel 3p.und 0.70 0.9, Orangen 3 pu 0.50 j«ifa3pid. 0.70 Bananen...... 3 Pfund 0.85 WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt. fStfflie Jßehefismiiiel Frisch. Fleisch Kalbshaxe 0.32 Kamm 0.36 Kalbsbrust u. Rucken 0.50 Kalbskeule..... pfmd 0.62 Kalbsroulade... ptund 0,88 Kalbsschnitzel...Pfand 1.12 Schweinebauch.«und 0.60 Schweineschulter Pfand 0.64 Kablerkamm u. Schuft 0.70 la. Berliner Bratwurst 0.78 Herzen pid.0.4S BackeptdO.M Lunge 0.30 Gehacktes 0.50 Kolonlaswarcn Aprikosen itam..ptd."E�aPpt. Haferflocken..... Pfand 0.22 Kartoffelmehl.... Pfand 0.18 Auszug-Mehl Pfand 0.2 Z 0.28 Hartgrieb..... Pfund 0.27 0.29 ReiS 5rud: Pfd. 0.1 2 Tai. Pfd. 0.1 5 0.22 Gelbe Erbsen»»»-«.ptd. 0.23 0.35 Backobst(«sudit, Pfand 0.36 0.58 Mast- OchsenfleSsch Suppenfl. Pfd. 3Spf. Fehlrippe Pfd.»»». Schmor«. Ä 58 Roulade Pfund HI p». PL RHaitierwaren 20. Bücklinge m«n Sprotten r und an 0.25 Illu- 0.24 Schellfische...... Pwnck an 0.28 Seelachs....... piund an 0.32 Flundern Ed. 0.16. Pfand an 0.35 Rotbars, Fleckheringe p.d«n 0.38 Fettheringe....,« sia* an 0.32 Oelsardinen....s v<>»-n m 0.85 Gebr. KaHee Pfund von an 1.68 Soweit Vorrat Fische Merlan n. Dorsch Pfand 0.12 Seelachs-.«d..» 0.1 2 Kabeljau, Rotbars pw. an 0.14 Riet 0.1 8 Ä 75 0.28 Auslernfisch°og«•«<« 0.26 Zander geiroran.... Pfd. an 0.35 Gr. Heringe � 3 Pfd. an 0.32 Ostseesdiollen 3 Pfd. an 0.35 Rotzungen..... Pfd. an 0.55 Leb. Karpfen 0.50 Schleie 0.68 Lebende Forellen Pfand.. an 1.55 Lebende Aale... Pfand t. an 1.65 PreUe für �«/, Fl o. Gla. gm»» 1931 Ober Aioseler�� Pf- 1939 Liebfraumilch Goid-mpa 0.80 1930 Mesenicher Köngsbg. 0.95 1930 Burweiler Sdflofeberg 1.08 1930 Lieserer....... 1.10 fohannisbeerwein... uter 0.70 1930 Maikammercr.. u:er 0.80 Muskateller........ uter 1.10 Wurst 68 Fleischwurst Pfand pt. Hausmachcr-Sülze.. piund 0.38 Sülz- u. Damplwurst Pfand 0.63 Landleberwurst. piundi.ion. 0.82 (agdwurst..... Pfundi.ioo. 0.84 Mettwurst Braun»ch*. Art. Pfand 0.85 Feine Leberwurst Pfand i.ze 0.98 Hlst. Zervclatw., Salami Pfd 1.05 Teewurst leine und grobe. Pfand 1.18 Zervelatwurst L F-Ndarm. Pfand 1.28 Speck mager Pfand IW5 telt Pfund 0.68 Schinkenspeck.... Pfand 1.15 Schinken gekod>t.gudm.V< Pfand 0.32 Schinken r»l>. gesdo... piund 0.40 Käse 18 PL Camembert"»«e»- Halbmond<).25 Harzerkäse.. i-pfund-Paket 0.25 Limburgerkäse roino.Kheibi. 0 38 Blockkäs;(TUellerArfJ halb!. Pfd 0.56 Dan. Schweizer'.fa«..Pfand 0.60 Steinbuscher Tomeö...Pfand 0.70 Briekäseu-Tilsiterkäsc.oiii. 0,70 Holländer u. Edamer»oiil 0.84 Margarine u. Kckos ett Pfund 0.32 3 Pfund 0.95 Roh- u.Bratenschmalz Pfand 0.44 Molkereibuttcr..... Pfund US Ceemüse 23 Rosenkohl 2 Pfand Rot-.Weib-.Wirsingkoh! pid. 0.07 Möhren sevaidiea..,. 3? and 0.10 Role Rüben.... 4 Pfand 0.20 Märk. Rübchen....3 Pfand 0.20 Rhabarber M.ca.2 p Iahrgang Srcifog, 19. Se6ruar 1932 Gro�feucr in Haselhorst! Möbelfabrik in Fiammcn.— Alle Maschinen zerstört.— Großer Sachschaden. Durch ein Großfeuer wurden gestern abend die Möbel- und Sperrholzwerk« der Firma Pöckner& Lange in Haselhorst bei Spandau eingeäschert. Fünf Löschzüge der Feuerwehr waren mit der Bekämpfung des Brandes unter Leitung des Oberbaurates Scheele stundenlang angestrengt beschäftigt. Der Material- und Gebäude- schaden ist sehr hoch. Die von dem Feuer betroffene Holzbearbeitungsfobrik befindet sich" auf dem Gelände der Deutschen Jndustrierverte, den früheren Deutschen Werken, in der Fabrikstrohe zu Haselhorst. In einein lanzgestreckten Flachbau arbeiten mehrer« Betriebe. Den größten Teil des Gebäudes nimmt die Firma Pöckner u. Lange»in. Kurz nach 17 Uhr, etwa eine Stunde nach Betriebsschluß, bemerkte ein Pförtner in den Möbelwertstätten starken Feuerschein. Noch beoor der Mann ans Telephon eilen konnte, um die Feuerwehr zu alar- mieren, zersprang der größte Teil der. Fenster unter der Hitzeein- Wirkung und Flammen von 10 bis IS Meter Länge schlugen empor. Der größte Teil der Fabrikanlagen bildete bereits ein einziges Flammenmeer, als die Spandauer Wehren und die Siemens- feuerwehr an der Brandstelle erschienen. Sosort mußten drei weitere Züge der Berliner Feuerwehr zur Hilse gerusen werden. Mit vereinten Kräften wurde das Feuermter aus sieben starken Schlauchleitungen bekämpft. Starker Qualm und eine ungewöhnlich heftige Strahlenhitze zwangen die Löschmamt- sch asten zur größten Vorsicht. Inmitten der Üöscharbeiten stürzten mehrer» Mauern und Wände krachend zusammen. Äerletzt wurde zlücklicherweise niemand. Ms nach zweistündigem Wassergeben an di« Zlusräumunzsarbeiten herangegangen«erden konnte, zeigte sich. mit welcher Macht das Eroßfeuer gewütet hatte. Große Vorräte von Sperrhölzern, Möbel u. Fournieren sowie sämtlich« Maschinen waren restlos vernichtet. Start« Eisenträger hatten sich durch di« Hitze völlig oerbogen. Als Entstehungsursache wird Selbstentzündung ange- nommen. Vermutlich sind Polierlappen in Brand geraten und haben das Feuer entfacht. Die Untersuchung ist jedoch noch nicht abge- schlössen. Am Spitielmarkt tödlich verunglückt. Am Spittelmartt ereignete sich in den gestrigen Nachmittags- stunden ein folgenschwerer Unfall. Beim Ueberschreiten des Fahr- dammcs wurde eine etwa 30 Jahre alte Frau von einer Straßen- bahn erfaßt und mehrere Meter mitgeschleift. Die Unglückliche wurde mit schweren inneren Verletzungen zur Rettungsstelle nach der Kommandantenstraße gebracht, wo der Arzt fedoch nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen konnte. Bisher war es der Polizei noch nicht möglich, die Personalien der Verunglückten zu ermitteln. *- Ein weiterer tödlicher Unfall trug sich gegen 20 Uhr cm der Kreuzung Kaiseralles und Spichsrnstrah« in Wilmersdorf zu. Dort geriet der S4 Lahr« alte Schauspieler Georg« Just aus der Bandelstr. 2 unter die Äädor eines Straßenbahnwagens der Linie 177. Mit schweren Verletzungen wurde I. von der Feuerwehr unter dem Straßenbahnwagen hervorgezogen. Der Verunglückte wurde in das Wilmersdorfer Krankenhaus in der Achenbachstraße eingeliefert, wo er kurze Zeit nach seiner Aufnahme starb. Umsk'ntene siadirandsiediung. Reishskommissar und Erwerbslosensiedlung.- Schlafkoje Ist kein Schlafraum. Der für dw Durchführung ver Arbeitslosen, ledlung ein- gefetzte Retchskommissar Dr. Saasen sprach gestern vor Vertretern der Presie über die bisherige Entwicklung de« Prosekke«. Der Reichstommifsar erklärte noch einmal, daß die vorstädtische Kleinsiedlung als Nebenberufssiedlung gedacht ist. De? Reichstommifsar ist der Meinung, daß der Erwerbslose in einem 800 Quadratmeter großen Garten die Möglichkeit habe, den Bs- darf seiner Familie an Gemüse und Obst felbst zu ziehen. Eni- gegen anders lautenden Gerüchten fei der Besitz einer, osrstädyfchen Giedlerstelle nach den gesetzlichen Bestimmungen kein Grund zur Entziehung der öffentlichen Fürsorge. Auch die Sarge mancher Arbeitslosen wegen einer Benachteiligung bei der A.deitsoermltt» lung nach dem Erhalt einer Siedlerstell» sei unberechtigt. Der Reichskommisiar Ist weiter der Meinung, daß kein Arbeitsloser sich durch die verlangte Selbst- und Nachbarhilse abschrecken zu lassen brauche. Bei der Selbst- und Nachbckrhilfe könne selbst- verständlich auf di« Mitarbeit gelernter Bauhandwerter nicht verzichtet werden. Auch das Baugewerbe solle grundsätzlich nicht ausgeschaltet«erden. Dr. Saaßen beschäftigte sich dann im besonderen mit der auffallenden Zurückhaltung der Groß- Berliner Erwerbslosen zu dem Siedlungsprosekt. Nach seiner An- ficht lieg« der Grund darin, daß die Fragebogen nicht an all« Arbeitslosen herangekommen wären. Er monier« auch, daß die Scadt Berlin aus ihrem Merkblatt von Schlafkojen/ anstatt von Schlafräumen, gesprochen habe. Auf diese letzteren Ausführungen des Reichskommtsiars ver- breitet das Städtische Nachrichtenamt eine Entgegnung, in der festgestellt wird, daß insgesamt mehr als 15 000 Fragebogen ausgagelen worden sind. Die Wohlfahrtsämter hätten absichtlich keine Fragebogen zugeteilt bekommen, da sämtliche Erwerbslose durch die Arbeitsämter erfaßt werden. Der Ausdruck Schlaf- k o j e im Gegensatz zu Schlafraum sei gewählt worden, da die für Schlafzwecke bereitzustellenden beiden Räume des Siedlungshauses nur je neun und je sechs Quadratmeter groß seien. Der Ausdruck Schtaftoje dürfte somit berechtigt sein. In der Entgegnung wird weiter darauf hingewiesen, daß die Unterbringung linder- reicher Familien in den Siedlungshäusern nur möglich ist, wenn der dafür vorgesehene Dachraum sofort ausgebaut wird. Hierfür ständen Mittel jedoch nicht zur Verfügung, und nach den Wünschen des Reichskommissar« solle versucht werden, hierfür eigene Mittel der Siedler in Anspruch zu nehmen. Da diese Mittel selbstverständ- lich nicht vorhanden sind, ist der Ausbau vorläufig nicht möglich. In den zuerst bekanntgegebenen Richtlinien des Reichskommissars sei außerdem gesagt worden, daß in absehbarer Zeit die öffent- lichen Fürsorgelasten für die Erwerbslosen und ihre Angehörigen gesenkt werden können. Die Arbeitslosen hätten hieraus die Folgerung gezogen, daß eine Kürzung der Unterstützung ln abseh- barer Zeit einsetzen könne. Biel« Arbeitslose hätten �luch darüber Helden oder Toren. Billy ist in Hamburg gelandet. Wieder liegt der graue Regennebel aus der Stobt und wieder kriecht die Feuchtigkeit unangenehm in den Körper. Aber Hamburg hat Speicher, auf denen man für wenig Geld Sachen unterstellen kann, Hamburg hat ständige Verbindung mit allen Erdteilen, und schließlich hat Hamburg jeden Dezember seinen Dom. Diesen großen Rummel, auf dem die Illusionen der Primitiven greifbare und zahlbare Wirklichkeit werden. Die Domzeit ist zugleich die Zeit der Buchung internationaler artistischer Akte. Vom alten Brauch wird hier nie und nimmer gebrochen. Es tut sich was während des Doms, es ist nicht gut. ihn zu versäumen. Das wußte Billy und er handelte danach. Anita hatte ihm gefehlt und er hatte Ersatz gesucht. Er suchte keine Partnerin, auch keine Kameradin, sondern eine Gefährtin. Sie war hübsch, sie war lebenslustig und verstand es. Gell) auszugeben. Billy war nicht kleinlich. Trotz ihrer, für seinen Geldbeutel unerfreulichen Kauffreudigkeit dachte er daran, sie zu seiner Lebensgefährtin zu machen. Er wollte sie zur Hausfraulichkeit erziehen. Sie aber setzte ihren Stolz darein, unerziehbar zu sein. Und eines Tages war sie verschwunden und hatte Billys Bar- g-ll) und seine sämtlichen Schmucksachen mitgenommen. Das verdroß ihn sehr. Nun steht er wieder vor dem Nichts. Das ärgert ihn jedoch nicht so wie der Reinfall. „Billy, Billy, wo hast du nur deine Augen gehabt?" das fragt er sich mehr als einmal. Er oerkriecht sich in eine billige, nicht sehr saubere Pension. Er mietet einen großen, leider ungemütlichen Uebungsraum. in dem er jetzt täglich versucht, mit verbun- denen Augen rückwärts nach kleinen Karten zu schießen. Es ist eine schwierige Aufgabe. Sie reizt ihn ungemein. Er will sie zwingen. Bei angestrengtester Ardest und starkem Munt- twnsverbrauch vergehen sein« Tage. Für John ist es unmöglich, eine Stellung zu finden. Er hat sich die Hacken seiner«tiefe! schief gelaufen, er hat mit Stellengesuchen mehrere Briefbtocks verschrieben. Er will und will den Mut nicht sinken lassen, obwohl es ihm sehr schwer fällt, Anita immer ein heiteres Gesicht zu zeigen. Die Wohnung bei der Witwe haben sie aufgegeben. Einen Teil der Sachen haben sie verkauft. Die Möbel sind schandbar bezahlt worden. Sie hätten sie getrost verschenken sollen, dann hätten sie wenigstens das Bewußtsein, eine Freude gemacht zu haben, so haben sie nur das Gefühl, be- trogen worden zu sein. Gegen Betrug aber ist jeder recht- lich denkende Mensch stark empfindlich. Anita und Billy wohnen im Hinterhaus. Das Zimmer ist stets Halbdunkel, es kommt nicht ein Sonnenstrahl hinein. Es liegt im Norden. „Zm Norden fährt der Totenwagen", sagt ein altes Sprichwort, das John in Bremen des öfteren gehört hat. Be- sorgt sieht er Anita an, wie schmal sie geworden istl John denkt an den jungen Thormeilen. Ob der wohl Hilfe wüßte? Nach vielen Nachfragen erfährt er dessen unge- fähren Aufenthalteort. Er gefällt sich auf einsamer Insel als Europamüder. Nein, Thormeilen würde nicht helfen. John ist ja nur ein alltäglicher Fall, John ist keine Sensation. John ist ein stellungsloser Korrespondent und weiter nichts. Wenn er einen Raubmord begangen hätte, besaß« er be- stimmt eine Chance bei Thormeilen jun. und seinen Ge- sinnungsfreunden. Anita denkt an den Zirkus. Allein kann sie kein Engage- ment bekommen und Billy liegt fest, hat keinen Anschluß. Im Cafö Central erfährt sie von seinem persönlichen Mißgeschick. Nein. Billy kann nicht besten, eigentlich müßte sie zu ihm ffahren, um darauf zu achten, daß er sich selbst wiederfindet. Doch kann sie an eine solche Rettungsaktion zur Zeit nicht denken. Anita denkt an ihren Vater. Rein, der soll nicht helfen. Der würde auch nicht helfen. Sagt er doch, er habe keine Tochter mehr, sie sei ihm durchgebrannt. Das hatte auf tränenbelaufenem Briefpapier die treue Magd geschrieben. Johns Eltern? Rein, die kann man nicht um Hilfe bitten. John und Anita sprechen nie von Bremen, und doch denken sie beide oft mit Schaudern an die Mutter, den Bruder Tim und die Schwägerin Helene. Die sollen sie nicht verhöhnen, die nicht: denn die sind dazu nicht berechtigt. John und Anita haben tapfer den Kampf mit dem Leben ausgenommen und die Bremer sitzen alle miteinander wohl geklagt, daß die Räume in den Häusern viel zu klein seien, und keine Unterbringungsmöglichkeit für dt« vorhandenen Möbel bieten. Ein Vertauf der Möbel lohne aber zur Zeit nicht. Andere Bs- denken zielten dahin, daß bei der Lage der Stadtrandsiedlung an der Peripherie später größere Fahrgeldaufwendungen zu machen wären, zum Beispiel auch für die Kinder zum Schul- besuch, da ja für Berlin di« in der Provinz leicht durchführbaren Möglichkeiten, diese Dinge zu beheben, nicht gegeben sind. „Den werden wir uns merken!" Nazis bedrohen ihren Ortsgeistlichen. Es ist nichts Neues mehr, wenn man hört, daß evangeiffche Pfarrer sich als nationalsozialistische Propagandisten betätigen. Wie dies«„Seelsorger" den Mordgeist der Hitler-Garden mit den.Grund- sätzen der christlichen Lehre in Uebareinstimmung bringen wollen, vermag«in normales Gehirn nicht auszudenken. Dabei bleiben die Hüter der Kirche von den Mvrddrohungen der SA.-Banden nicht verschont, was der nachstehende Bericht zeigt, den wir dem„Böl- tischen Beobachter" vom 17. Februar 1332 entnehmen: Grünhainichen: Am 2. Februar sprach unser Pg. Pfarrer Leutheuser bei außerordentlich gutem Besuch im„Deutschen Haus". über das Thema„Die Kirche im 3. Reich"! Seine Ausfiihrungsn über den Erzfeind der Kirche, den Marxismus, verfolgte man mit äußerstem Interesse, und es dankte ihm herzlichster Äetsall für sein« vortrefflichen Ausführungen. Trotz Anwesenheit verschiedener Pfarrer kam es zu keinerlei Diskussionen, so daß der erhebende Vortrag mit unserem Horst-Wesscl-Liod abgeschlossen werden konnte. Unser Ortspfarrer hielt es dabei für richtig, sitzen zu bleiben, was wir uns gut imtieren werden! Pfarrervortrag mit Horst-Wesiel-Lied und da will der Pastor nicht stramm stehen? Zum Teufel nochmal: der Fall wird notiert! Im 3. Reich, wenn Adolf Hitler oberster Priester ist, hoben auch die Geistlichen strammzustehen und„Heil" zu brüllen. Blanelarium am Zoo. Für die Alfrod-Wegener-Gedächtnisjeier am Sonntag, dem 21. Februar, vormittags 11.30 Uhr, stnd noch Karten an der Kaste erhältlich. Es sprechen Untversltätsprofessor Dr..A. Kopfs und Dr. Ernst Sorge als Teilnehmer der Grönland expsdition.—„Wind und Wasser" im Planetarium. Der Film>vs bereits viermal vor ausoerkaustsm Hause. Wegen der starken Nach- frag« findet am Montag, dem 22. Februar, abends g Uhr, ein« 5. Vorführung statt. Einheitspreis 0,70 Mark, Studierende, Schüler und Arbeitslose zahlen die Hälfte. Sdüulz der Sedisiage. Sieger; Tietz— Öroccardo. Der gestrige letzte Abend des Sechstagerennens brachte den Beweis, daß nicht Können, sondern Wollen, wohlüberlegte» Wollen mit festen Absichten für den Sieg in den Sechstagerennen e»t- scheidend geworden ist. Tietz-Broccardo gingen gegen ?5l0 Uhr lo» und brachten sich ohne viele Mühe in die Spitzen- gruppe, wo sie vor Charlier-Deneef wegen ihrer höheren Punktzahl führten. Niemand im Felde dachte cm ein Nachgehen. Alles fuhr ruhig feine Bahn weiter, ja, man oerjuchte sogar dem Publikum«inen Kamps vorzutäuschen, indem beispielsweise Kroll- Van Kempen und besonders G h a r l i» r einige dreißig Meter antraten— aber nur. um sofort wieder abzustoppen. Dieses unehr- lich» Spiel mit dem Publikum wiederholte sich dann noch mehrer? Male. Die letzte Stunde: Die letzte Stunde des Sechstagerennens brachte noch Zagden über Jagden, bei denen di« Spitz« des Feldes oftmals wechselte. Schließlich siegten Tietz-Broccardo, eine Runde zurück folgten Rausch. Hürtgen, zwei Runden zurück G h a r l t e r- D e n e e f. drei Runden zurück Rieger-Preuß, vier Runden zurück Gebr. van Kempen, ferner llefen Schön- Göbel, Kroll-Funda und Siegel-Thierbach behütet zu Hause und lassen bei kluger Ueberlegung und fast mathematischer Berechnung ihr Geld arbeiten. Nein, Die Bremer sollen sie nicht demütigen, die nicht. John und Anita wollen das Lehen meistern. Was für eine Rolle wird es ihnen zuteilen? Werden sie Helden oder Toren sein? So kitschig ist das Leben. Anita stickt Monogramme in ein paar Dutzend Taschen- tücher. Sie tut es heimlich, morgens, wenn John auf Stellensuche geht. Hin und wieder bekommt er ein paar Uebersetzungen. Man gibt sie ihm gönnerhaft und zahlt sie ihm außerordent- lich schlecht. Meistens find es sehr eilige Arbeiten. John kann sich die Zeit nicht aussuchen, er muß sich sofort hinsetzen und arbeiten, und zum Schluß werden dann durch den Verdienst eben und eben die entstandenen Lichtkosten gedockt. John ist nervös. Anita tut alles, um ihn aufzuheitern, aber es fällt ihr schwer, bitterschwer sogar. Die Taschentücher hat sie rechtzeitig geliefert, ohne Geld zu erhalten. John soll von ihrer Arbeit nichts wissen. Sie will daher nicht, daß man ihr das Geld ins Haus schickt. Fünfmal muß sie vergeblich nach dem Geld laufe, i. Immer und immer ist die Gnädige nicht anzutreffen, trotzdem am Tage vorher Anita zu der angegebenen Zeit bestellt ist. Dem Mädchen aber vertraute die Gnädige das Geld nicht an. O, wie schwer alles zu ertragen ist. Aber John söll es nicht erfahren, es hätte ihn nur unnötig verletzt. John hustet. Anita versorgt ihn mit heißem Tee, und als der nichts ändert, mit allen möglichen Hausmitteln. Der Husten geht nicht zurück. John sieht elend aus, Anita bemerkt es. obwohl sie doch jeden Tag um John ist und man dann für gewöhnlich das sich ändernde Aussehen des andern kaum beachtet. Die Hausbewohner roten der jungen Frau, sie solle doch zu einem Arzt schicken. Anita und John sind in keiner Krankenkasse, sie befürchten zu Recht die Arztrechnung. Zu- dem sagt John zuversichtlich:„Die Natur muß sich allemc helfen. Eine schwere Erkältung flaut nicht so leicht ab. John wird sehr matt.„Ich bleibe zu Bett", sagt er, „dann ist morgen alles wieder gut." Erfolglos hat er mehrere Schwitzkuren durchgemacht. Heute schwitzt und fiebert er ohne jede Hilfsmittel. „Du fieberst", sagt Anita und Angst kömmt über sie. (Fortsetzung folgt.) Die arm sind und Recht suchen. Beratung in der Rechtsantragssieile/ Ausgepfändete und EKmiUierte. Die Buchmacheraffäre. Vorwürfe gegen ehemalige Beamie des Polizeipräsidiums. Der ehemalige Syndikus des Reichsverbondes der Buchmacher E r n ft. der selbst schwer belastei ist. Hot seht der Polizei eine D e n k s ch r i s t über die von ihm behaupteten Unregelmäßigkeiten bei der Erteilung von Buchmacherkonzessionen überreicht. Es heißt darin u. a., daß ein großer Teil der behördlich zu- gelassenen Buchmacher vorbestraft sei, daß aber die Betreffenden es auf Grund ihrer Beziehungen zu den maßgebenden Stellen doch verstunden hatten, die Konzessionen zu erlangen, ferner daß im Zusammenhang mit diesen Schiebungen Strafalten im Polizei- Präsidium verschwunden seien. Man hat Ernst aufgefordert, seine allgemein gehaltenen Behauptungen zu sub- st a n t i i c r e n, damit weitere Ermittlungen ermöglicht werden. Zu seiner Behauptung, daß Konzessionen an vorbestraste Buchmacher erteilt und daß in Berbindung damit Strafakten vcr- schwundcn seien, wurde bereits in einem Fall festgestellt, daß der betreffende Buchmacher amnestiert worden war und daß aus diesem Grunde bestimmungsgemäß feine Vorstrafe im Strafrcgistcr gelöscht wurde. Im übrigen schwebt jetzt auch im preußischen Landwirtschafts- Ministerium eine Untersuchung darüber, ob P o h l i g zu Bc- amtcn oder Angestellten dieser Behörde irgendwelche Beziehungen unterhalten hat, die es ihm ermöglichten, über die Konzesswnsanträge und ihre Bearbeitung rechtzeitig Nachricht zu erhalten. Die ganze Asfäre zeitigt natürlich einen wahren Ratten- schwänz von Vorwürfen und Anschuldigungen der »Büllzmachcr untereinander, so daß man sich bei der Kriminal- Polizei augenblicklich vor Anzeigen gar nicht retten kann. Es scheint sich aber noch ein anderer Komplex aus diesem Skandal herauszu- schälen, und zwar hat es den Anschein, als ob ein großer Berliner Bnchmachcrkonzern die gesetzlichen Bestimmungen über das Kon- zessionierungswcscn bei seinem Aufbau umgangen hat. Fingierte Zahlen. !lnd gefälschte Bestellscheine im Sklarek-prozeß. Im Sklarek-Prozeß wurde gestern nachmittag die Vernehmung des Stadtbanldirektors Schröder fortgesetzt, wobei hauptsächlich die Frage erörtert wurde, wieso trotz der Prüfungen die Sklarckschen Fälschungen nicht gemerkt und rechtzeitig ausgedeckt wurden. Der Vorsitzende legt« unter anderem Schröder ein Geschäft.s- b mch vor, das er bei den Sklareks kontrolliert hat und das die Lieferungen an die Straßenbahn ausweisen sollte. Die Sklareks hatten hierbei die extra für die Prüfung fingierten Zahlen an den Anfang des Buches schreiben lassen, während sich die tatsächlichen Zahlen, die viel niedriger waren, im gleichen Buche etwa IM Seiten weiter befanden, ohne daß dies Schröder aufgefallen wäre. Der Zeuge konnte sich nicht mehr an diese Prüfung entsinnen. Vors.: Haben Sie in der Stadtbairk davon etwas gehört, daß die Prüfungen und Unterlagen nur Formalitäten sein sollten? Zeuge: Ich habe das aus den Zeitungen entnommen. In der Stadtbank habe ich es seinerzeit nicht gehört. Ich habe geglaubt, daß der Kredit auf Grund richtiger Unterlagen gegeben worden ist, und ich kann mir nichr denken, daß die Direktoren sich über die Satzungen hinweg- gesetzt haben. Vors.: Fünf Vierteljahre sind auch die Bestellscheine der Bezirksämter gefälscht worden, ohne daß man es merkte. Bei einzelnem" Bestellscheinen fehlte sogar das Datum. Man hät es «mfäch öbgcrisscn. so daß das Formular dadurch kleiner wurde. Ist denn das niemanden ausgefallen? Schröder: In einem so großen Betrieb achtet man doch nicht auf derartige Kleinigkeiten. Dazu hatten wir ja zu viel zu tun. Vors.: Bei der Stadtbant entschuldigt sich immer jeder mit Arbeitsüberlastung. Ich möchte wirklich mal wissen, was man da alles gemacht hat.(Zu Schröder): Und das ist olles unbeeinflußt geschehen und hat nichts mit Ihren Vorteilen zu tun? Zeuge: Das hat nicht das Geringste damit zu tun. Der Angeklagte Stadtbankdirektor Hoff mann erklärte dann, daß Schräder ein sehr gewissenhafter Mann sei, der alle Aufträge ordentlich ausgeführt habe. Bor f.: Zur Kreditgewährung gehört auch eine Kreditkontrolle. Da müssen Si« auch Beamte haben, die dazu in der Lage sind. H o f f m a n n: Die Beaniten wurden uns ja vom Magistrat überwiesen. Ich habe mich ja auch weiterbilden müssen und habe zu Hause eine große banktechnische Bibliothek. Ich >Kibe getan, was in meinen Kräften stand und mußte mit den Beamten arbeiten. Die Verhandlung wurde auf Freitag früh vertagt. Stadtbank- direktor Schröder wird weiter vernommen. Zehnfache Wohlfahrtsunterstützung. Ein gefährlicher Betrüger wird unschädlich gemacht. Durch die Aufmerksamkeit eines Angestellten eines Wohlfahrts- amtcs im Westen Berlins konnte ein Betrüger sestgonammen werden, der sich auf Grund gefälschter Papiere recht erhebliche Unterstützungen erschwindelt hatte. Der Festgenommene ist ein 3l Jahre alter früherer Bergarbeiter Ludwig Kay aus Oberschlesien. Der Mann arbeitete mit gefälschten Papieren, die er sich zum Teil besorgte, zum Teil auch selbst anfertigte. Unter oer- schiedencn Namen war er bei den einzelnen Berliner Wohlfahrts- ämtern eingetragen und holte sich von dort jeweils seine Unter- siützung ab. Die Fälschungen waren so geschickt gemacht, daß K. mehrfach das Drei- und oft auch das Zehnfache der eigentlichen Unterstützung ausgezahlt bekam. So wanderte er von Amt zu Amt. Einem Beamten fiel der Mann auf. und er ließ ihn festnehmen. Kay war bereits vor zwei Jahren wegen ähnlicher Geschichten bc- straft worden. Als man eine Durchsuchung seiner Wohnung vor- nahm, wurden dort gefälschte Papiere und auch Stempel ge- fnnde»: die letzteren lauteten auf die Firma einer Ortskrankcnkasse außerhalb Berlins. K. erweckte damit den Eindruck, daß er von dort nack) Berlin gekommen sei. Das Material wurde beschlagnahmt, ebenso eine geladene Pistole, die man unter seinem Kopfkissen fand. Bei seiner Festnahme hatte K. SSO Mark bares Geld bei sich. Halbmast am Trauertag. Gemäß Anordnung des preußischen Staatsministeriums sind am Sonntag, dein 21. Februar 1932, aus Anlaß des Volkstraucrtages sämtliche kommunalen Gebäude sywic die Gebäude der öffentlichen Schulen nach den Bestimmungen der Verordnung vom 29. Juni 1929 halbmast zu beflaggen. TaS Lesiinx-biumnoiium, Berlin?f. 63. Pankstr. 18—19, feiert in der -Vir vom 12. bis SO, März>. I. fein f.ü n f z i g j S h r i z c s Bestehen.. Stzll« früheren Lehrer und Sibüler sowie Freund« des Gvw- näfiums. die an ben Festlichkeiten �Aufführung von Goethes„Iphygeme", Nerahend der ehemaligen Schuler. Bunter Nachmittag und Ballt teil- jimefimcn wünschen, werben gebeten, ihre Anschrift der Schulleitung mit- zuteilen. 3n jedem der Berliner Amtsgerichte gibt es eine Rechlsautrags stelle— eine Einrichtung also, in der, wie ihr Name sagk, jeder sein Recht durch einen Antrag gel- lcnd machen kann. Diese Rechtsantragsstelle ist die Zufluchtsstätte derer, die arm sind und nicht die Hilfe eines Anwalts in Anspruch zu nehmen ver- mögen. Da unendlich viele hier ihr Recht-suchen, gibt einer dem andern die Tür in die Hand, nachdem er zuvor hübsch lange gewartet hat, heißt das, denn Zutritt gibt es nur auf Nummernmarken, die unten der Portier ausgibt. Schon lange vor Dienstbeginn stellen sich die ersten um ihre Marken an, um ja recht schnell heran- zukommen. -i- Eine Frau ist da, eine arme vergrämte Frau, die von ihrem Mann geschieden ist. JhrKind willsiesehen, was der Mann ihr verweigert, denn bei ihm hält es sich auf, ihm ist es zu- gesprochen im Ehcschcidungzprozcß, bei dem auch vereinbart wurde, daß die Mutter ihr Kind alle vierzehn Tage einmal zu sprechen bekommen soll. Am letzten Besuchstage war das Kind an dem verabredeten Ort, einer Fürsorgestellc des Nordens da irgendwo, nicht erschienen— der Vater hatte es zurückgehalten. Die Fron klagt dem Beamten.ihre Not. Aber sie will zuviel: von sechs bis zehn Uhr abends will sie ihr Kind sprechen.„Von sechs bis zehn, nein, das geht nicht", erklärt der Beamte, das Kind kann so spät nicht aufbleiben. Dann muß es ja schon längst schlafen." Es ist ein erst vier Jahre altes Kind.„Gut, gut", meint die Frau resigniert, „aber dann von sechs bis sieben." Die Frau und der Beamte gehey in einen Nebenraum, wo der Antrag sofort in die Maschine diktiert wird. Zwei, drei Stunden später vielleicht schon hat der amtierende Richter den Antrag genehmigt— und die Frau hat ihr Recht, kann ihr Kind wiedersehen. -i- Auch ein anderer versucht sein Recht zu kriegen. Ein Mann ist da, der Vormund eines Kindes ist, eines unehelichen Kindes, dessen Vater seit geraumer Zeit das monatliche Unterhalts- geld, die Alimente, nicht gezahlt hat— obwohl er es könnte, wie der Antragsteller sagt. Der Vater aber hat erklärt, er hätte nichts. Sogar den Ofsenbarungseid hat er darauf geleistet! Nun meint aber der Vormund, der Mann sei damals im Besitz eines Grund- stücks gewesen, das er erst später seiner Frau übereignet hätte. Also— mit dem Eid, da steht es faul! Jetzt soll der Pflicht- vergessene Vater, der in einer östlichen Provinz wohnt, zunächst einmal durch Zahlungsbefehl an feine Pflicht erinnert werden— reagiert er darauf nicht, geht man in die Zwangsvollstreckung— und fällt sie fruchtlos aus— ja, dann muß der Ofsenbarungseid von damals angefochten werden. Zwei alte Leutchen erzählen, daß ihnen ihr Kassierer, der da irgendein Geschäftchen für sie verwaltet, seit Jahr und Tag trotz mehrfacher Aufforderung keine Rechnung gelegt und auch kein Geld gezahlt hätte. Die Sache hat schon krimchellen Einschlag— die beiden werden cur die Krimlnalpolizel gewiesen: Immer wieder Kohlenoxyd. Eine ganze Familie den tödlichen Gasen erlegen. Gleiwitz. 18. Februar. In der Ortschaft K a m i n i c tz im Landkreise Gleiwitz hat sich ein furchtbares Unglück ereignet, dem fünf Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Am Montag war der Rentenempfänger Max W r o b e l mit seiner Familie nach Kaminictz gezogen, wo er eine Wohnung in dem leerstehenden Hause eines Briefträgers mietete. Seit Dienstag wurde von der Familie Wrobel niemand mehr gesehen. Als nun am Donnerstag die Ehefrau des Briefträgers, durch das lange Aus- bleiben der Mieter beunruhigt, die Wohnung öffnete, fand sie das Ehepaar Wrobel, einen Ibjährigen Sohn, eine sechsjährige Tochter und ein etwa sechs Wochen altes Kind tot in ihren Betten. Nur ein dreijähriges Kind lebte noch. Die fünf Personen Elksrns Front! Unsere nächsten Veranstaltungen Freiiao, den 19. Februar: Belegschaft der Sozialen Baubetriebe GroB-Berlins: 17 Uhr, in den Musiker-Sälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31. Redner: Nikolaus Bernhard, MdR. Angestellte und gewerbliche Arbeiter der Zigarettenindustrie: 17 Uhr, Großer Saal~des Gewsrkschaftshauses, Engelufer 24-25. Redner: Käthe Kern. Stadtgut Schönerlinde: 15 Uhr. Redner; Genosse Keymuth. Hauptverband Deutscher Krankenkassen: 1614 Uhr, Lokal„Zum Afrikaner", Charlottenburg, Wallstr. 6. Redner: vr. Julius Moses, MdR. Beamte, Angestellte und Arbeiter der Post: 20 Uhr, Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25. Redner: Otto Meier, MdL. Städtisches Obdach, FröbelstraSe: 20 Uhr, Lokal Kuhfittig, lablonskistr. 9. Redner: Karl Drossel. Sonnabend, den 20. Februar: Arbeitsamt Süd: 19!-- Uhr, Lokal Schuldt, Mariendorfer Str. 5. Redner: Albert Falkenberg, Vorsitzender des ADB. Sonntag, den 21. Februar: Hausangestellte: 18 Uhr bei Will, Schöneberg, Martin-Luther- Straße 69. Redner: Luise Kähler, MdL Graphisches Kartell: Vormittags 95� Uhr im großen Saal der Kemmersäle, Teltowef Straße 1/4. Redner: Fritz Tarnow, Mitglied des Reichswirtschaftsrats, Vorsitzender des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes. Städtische Güter Buch, Hobrechtsfelde, Blankenfelde, Schöner- linde.(Rieselwärter, Guisarbeiter): Vormittags 10 Uhr im Lokal Piatrpwski in Buch. Redner: Georg Klaufiner, MdL Wir stoßen vor! Wir greifen an! Eine alte Frau weiß sich keinen Rat: ihr g e s ch i e d c n c r Mann kommt seiner Unterhaltspflicht ihr gegenüber nicht nach. Sie könnte ihn schon dazu zwingen— nur weiß sie nicht, wo er wohnt Seine alte Wohnung hier in Berlin hat er aufgegeben, ohne sich polizeilich abzumelden. Jetzt soll er irgendwo in einer großen Stadt des Rheinlands sein— aber wo? Düsseldorf, Dort- mund, Elberfeld? Ucberall und nirgends kann er sein. Der Frau wird geraten, an die Polizeibehörden all dieser Städte zu schreiben. Vielleicht daß er sich doch irgendwo gemeldet hat. Wenig ermutigt geht die Frau hinaus. Einem jungen Mann hat man ganz übel mitgespielt. Er bewohnte ein möbliertes Zimmer irgendwo. Eines Tages hat ihn die Wirtin nicht mehr hereingelassen, hat ihm seine Siebensachen hinausgereicht, und damit basta! Warum? Run, weil er des Nachts ein bisse! laut gehustet hat. er hat es nämlich auf der LungL. Und nun fürchtet die Frau, er könne ihr Kind anstecken. Jetzt fitzt der junge Mann ohne Obdach da, denn Geld, sich ein Zimmer zu mieten, hat er keins. Wie kann ihm geholfen werden?— Der Gerichtsvollzieher wird in Marsch gesetzt, aus daß er bei der überängstlichen Frau dort den Wiedsreinzug des widerrechtlich Exmittierten erzwinge. Immer ist es der Gerichtsvollzieher... Das hier ist ein ziemlich einfacher harmloser Fall. Aber es gibt schlimmere wie diesen. Hier geht es um MöbeL Ein junges Ehepaar ist da, auf Räumung verklagt, weil es die hohe Neuboumiete nicht zahlen konnte. Es ist danach dann einmal vor Gericht zu einem Bcrgleich gekommen, noch dem die beiden neben der laufenden Miete die alte Schuld in Raten abdecken sollten— aber auch das ist ihnen nicht gelungen. Nun müssen sie die Wohnung räumen. Sie zogen auch. Aber der Wirt, der hinderte sie daran. Erst wolle er sein Geld! Sofort! Und die Möbel, soweit sie noch nicht über die Baufluchtlinie hinausgeschafft worden waren und sich im Treppenhaus befanden, mußten wieder in die Wohnung zurück- gebracht werden. Denn dem Wirt steht nach dem Gesetz das Ver- mieterpfandrccht zu, an den Möbeln kann er sich schadlos halten für nicht gezahlte Miete. Jetzt sind die beiden hier und wollen wenigstens die Herausgabe der allcrnotwendigftcn Möbel— der Betten, der Stühle und Tische, erwirken. Vielleicht kriegen sie einen demcntsprechcnden Gerichts- beschluß— vielleicht auch nicht—, alles kommt auf die Rechts- läge an. So geht es von früh um acht bis spät in den Nachmittag hinein. Was diese aus den Angeln gehobene Welt erschüttert, die Krachs der Banken, die Zusammenbrüche schlecht verwalteter Konzerne, die Insolvenz aller angesehener Häuser, die Zahlungsunfähigkeit eines ganzen Volkes— von all diesen Dingen platzen a»ch'Splitterchen in diese Rechtsantragsstellen. Denn schließlich sind die meisten von denen, die hier um Rat fragen und ihr Recht suchen, irgendwie Opfer der großen Wirtschaftskatastrophe, wie sie sich jetzt vor unseren Augen abspielt. Allesamt sind sie Menschen in Not, die hier noch ein Zipfelchen jene» Rechts zu erhaschen versuchen, das ihnen in ihrer .verzweifellen Situation noch zur letzten Rekküng verblieben ist. sind durch Kohlenoxydgasvergiftung ums Leben gekommen. Man fand das Abschlußrohr des eisernen Ofens verstopft. Das Unglück ist offenbar bereits in der Nacht zum Dienstag geschehen. Preisabbau aus dem Papier. polizeiliche Maßnahmen gegen falsche Vorspiegelungen. Der Polizeipräsident tellt mit:„Es ist wiederholt beob- achtet worden, daß Gewerbetreibende ihre Waren unter der Behauptung öffentlich ankündigen, daß Preissenkungen„ent- sprechend der Notverordnung" vorgenommen seien, ohne daß diese Angaben den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen. Dieses Bor- gehen ist geeignet, das Publikum irrezuführen. Ankündigungen dieser Art werden häufig die Tatbestände des§ 4 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb erfüllen. Die Versolgung dieses Bor- gehens ist auch ohne Strafantrag zulässig. Die Dienststellen des Polizeipräsidiums Berlin find angewiesen, gegen derartige Ankündi- Hungen, sowell sie nicht den Tatsachen entsprechen, einzuschreiten. Bei besonders krassen Fällen der Irreführung des Publikums kann die Schließung des betreffenden Betriebes ange- ordnet werden." Das Programm der IE. Reichsgaftwirtsmcsse. Die in diesem Jahre in den Tagen vom 2. b i s 8. A p r i l zum 10. Male staltfindrnde Reichsgast wirts messe wird als Iubi- läumsveranstalwng in einem besonderen Rahmen zur Durchführung gelangen. Die größte, 16ö00 Quadratmeter fassende Halle l des Ausftellungsgebäüdes steht den am Gaftwirtsgcwerbe interessierten Industrien zpr Verfügung, während die sich anschließende rund 13 000 Quadratmeter große Halle II für eine Anzahl Sanderveranstaltungen vorgesehen ist. In dem soeben vom Ausstellungs-, Mess>>- usid Frcmdenverkehrsqmt der Stadt Berlin hcrausgegegebencn Pro- g r o m m h e f t werden die Themen der großen Iubiläumsveran- staltung„Kultur der Gastlichkeit",„Küche und Keller",„Pflege der Eeselligkeir" und„Allgemeine Regie" eingehend veranschaulicht. Die neuzeitliche Gaststätte zeigt eine Vielseitigkeit, van der sich der Außen- stehende kaum einen Begriff machen kann. Es gibt fast keine In- dustrie, die nicht irgendwie Fühlung mit dem Gaftwirtsgewerbc hat. Zlls besondere Sehenswürdigkeit der 10. Iubiläumsrcichsgastwirts- messe wird u. a. ein vollständig eingerichtetes modernes Wochen- e n d h o t e l gezeigt werden. Führende Firmen der Industrie aus dem ganzen Reich werden sich ausstellungsmäßig beteiligen. Auch ist das Interesse in Fachkreisen für die diesjährige Beranftallung außerordentlich groß. Die Fernsprcchvermittlungssielle Lichtenrade wird in der Nacht zum 21. Februar unter Beibehallung ihres Ramens von Handbetrieb auf Selbstanschlußbctrieb umgestellt. Die neue Bermilllungsstelle führt das Rufzitichen„G 0(Null)". .JM-Hier wirkt TÜOSjht�A macht unempfindlicher Jr gegen Erkältung! Diebeskurve bei Wustermark. Eisenbahnplünderer werden gefaßt. Zwischen den Stationen Nauen— W u ste rma r k wurden in letzter Zeit Gütertransporte der Eisenbahn beswhlen. Es wurde festgestellt, daß sich innerhalb einer Kurve kurz vor Wust er- mark zahlreiche Fußspuren befanden, die tief eingedrückt waren. Alan vermutete, daß es Sprungspuren waren. Als sich in den ersten Morgenstunden des Donnerstag em Güterzug der Kurve näherte, beobachteten Bahnpolizeibeamte, die sich aus die Lauer ge- legt hatten, wie in der Kurve ein Mann vom Zug sprang und wie sich im gleichen Moment hinten aus dem Walde eine Gestalt löste. Die beiden Männer trafen zusammen und wollten weitergehen. Die Beamten griffen aber zu. Der Mann, der von dem Zug ge- sprungen war, konnte jedoch slüchten, während der andere fest- genommen wurde. Es handelt sich da um eine dreiköpfige Bäubcrbandc, die lange Zeit hindurch den Schienenweg un- stcher machte. Während der eine auf der Fahrt den Zug aus- plünderte und die Güter den Bahndamm hinunterwarf, fuhren zwei andere mit einem Motorrod auf der Chaussee entlang und sammelten die Beute auf. Mordiaien eines Neichswehrsoldaien. Erschießt seine Geliebte und deren Mutter. Regensburg. 18. Februar. In der Mittwochnacht ereignete sich eine schreckliche Bluttat. Ein Reichswchrobergefreiter gab auf ein Mädchen, mit dem er ein Verhältnis unterhielt, sowie auf dessen Mutter mehrere Schüsse ab. Die Mutter wurde durch drei Kugeln in die Brust sofort getötet. Das Mädchen, dos auf der Flucht in den Rücken einen Schuß erhielt, und der Gefreite, der nach der schrecklichen Tat sich einen Kopfschuß beibrachte, wurden in schwer verletztem Zustand in das Krankenhaus eingeliefert, chier erlag der Gefreite feinen Verletzungen. Auch das Mädchen ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Laiernenpfähle auf den Schienen. Das„Eisenbahnattentat" in der Trunkenheit. Vom Eisenbahnüberwachungsdienst wurde gestern der 27 Jahre alte Eisenbahntranspartarbeiter Franz I. aus Lichtenrade unter dem Berdacht festgenommen, in der Nacht zum Dienstag die gußeisernen Laternen st angen in der Nähe des Lahnhofes Papestraße auf die Schienen gelegt zu haben. Dos mut- maßliche„Attentat"' stellte sich als ein Akt schwerer Trunken- h e i t heraus. I. hotte an jenem Abend viel getrunken und war auf dein cheimweg über die Laternenpfähle gestolpert, die längs der Bahnböschung lagen. In trunkener Wut warf er die Pfähle über den Zaun. Geglückter Aufstieg in die Gubstratosphäre. Bilterfeld, 18. Februar. Der seit längerer Zeit vorgesehene Start des Ballons„E r n st Brandenburg" in die S u b st r a t o s p h ä r e erfolgte am Don- ucrstagvormittag. Der Ballon wurde von Schütze-Bittcrfeld geführt, der zweite Insasse war ein Student der Meteorologie aus Berlin namens Sucksdorf. Nach einem um 18.80-Uhr in Rothemühle(West- falen) aufgegebenen Telegramm" ist der Balloh b'e i D kp e in West- falen glatt gelandet. Es wurde die beabsichtigte Höhe von 0 0 gl) Metern erreicht, so daß der Zweck der Höhenfahrt erfüllt sein dürste. Treibende Mine in der Ostsee. Sopenhagen. 18. Februar. Fischer hoben in der Nähe von Marstal aus der Insel Arö eine treibende Mine gefunden. Bei der Untersuchung hat sich herausgestellt, daß es sich um eine deutsche Mine handelt. Die Mine wurde auf einer kleinen Insel gegenüber Marstal zur Explosion gebracht. In den letzten Tagen hat man im gleichen Fahrwasser bereits drei deutsche Minen ai�s gefischt. Auch sie werden jetzt untersucht werden. Aufgeklärte Lcichenfunde. Am gestrigen Nachmittag fand im Berliner Schauhaus die Obduktion der Leiche der 36 Jahre alten Arbeiterin Emma Bor- k o w I k i statt. Die Tote wurde, wie wir berichteten, in Falken- berg in einem Luch im Eise aufgefunden. Die Sektion erbrachte keinerlei Anzeichen dafür, daß die Frau einem Verbrechen zum Opser gefallen sei. Es haben sich weder Schädel- noch Schußoerletzungcn feststellen lassen. Unzweifelhaft Hot die Frau aus Angst vor einer Operation Selbstmord begangen.— Auch der L c i ch e n f u n d in der We i n m e i st c r st r a ß c ist vollkommen aufgeklärt. Der 64 Jahre alte Karl Duncker, der in einer großen Blutlache tot aufgefunden worden war, war eine Treppe hinuntergestürzt und hatte sich dabei tödliche Verletzungen zugezogen. Na;d-Försicr abgeblitzt. Möwcs vom Landarbeiterverband freigesprochen. Der stolze Thüringer Naziobecförsler und Bürgermeister von Theuern in einer Person, Dr. S ch n e l l, ist gestern bei einem preußischen Gericht gehörig abgeblitzt, llebec seine Beleidigungsklage gegen den Gauleiter des Oandarbeitervcrbandes, ZU ö w e s, hat der „Vorwärts" bereits vor etwa fünf Wochen berichtet. Der„Landarbeiter", das Organ des Deutschen Land- arbeiterverbandes, hatte über Dr. Schnell geschrieben:„Er ist mehr Funktionär, Redner, Agitator der Nazipartei als Oberförster. Dr. Schnell versteht es meisterhaft, sich die Forstarbeiter' vom Forst- amt Theuern gefügig zu machen." Eine derartige„Verleumdung" wollte der Herr Oberförster und Bürgermeister auf sich nicht sitzen lassen. Also klagte er, hatte aber vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte damit wenig Glück. Die erste Verhandlung war vertagt worden. Möwes war nicht erschienen. Gestern war er zur Stelle und erteille, obgleich ein einfacher Arbeiter, dem Herrn Ober- förster und Akademiker eine Lektion, aus der der Oberförster noch etwas lernen könnte. Dr. Schnell konnte sich wenden und drehen, soviel er wollte, er mutzte schließlich zugeben, daß s ä m t- liche Behauptungen des inkriminierten Artikels zu Recht be standen: er hatte seine Agitationsreisen während der Dienstzeit in einem Auto unternommen, für das er dienstliche fibteilunss- Vorständekonferenz am Montag, dem 22. Februar, pünktlich 19.30 Uhr, In den Sophiensälen, Sophienstraße 17/18 Teilnahmeberechtigt sind: 1 und 2. Kreisleiter, Kreiskassierer, Vertreterin der Frauen im Kreisvorstand, 1 und 2 Abteilungsleiter, Abteilungskassierer, Vertreterin der Frauen in der Abteilung Ohne Parteimitglipdsbuch mit gleichlautender Funktionärkarte kein Zutritt. Der Bezirksvorstand. Zuschüsse erhielt und hatte die ihm unterstellten Forstarbeitcr zu diesen Autofahrten eingeladen. Daß es im höchsten Grade ungehörig war, das offizielle Schreiben des Angeklagten Mowes an das Forst- amt mit einer einfachen Postkarte und einem Heil Hitler-Grüß" zu beantworten, dafür brachte der Nazibürgernreister kein Verständ- nis auf Dagegen konnte er sich angeblich nicht daran erinnern, daß er unter dem sozialdemokratischen Finanzminister Hartmann Förster geworden war. Der Staatsanwalt glaubte sich trotz des gelungenen Wahrheits- beweises für die beleidigte Ehre des Naziobersörsters einsetzen zu müssen und beantragte statt der 100 Mark Geldstrafe, auf die der Strafbefehl lautete, 50 Mark. Rechtsanwalt Robert Schlesinger be- antragte Freispruch und das Gericht entschied demgemäß. Die Urteilsbegründung war die zweite Lektion, die der Thüringer Nazi gestern in Berlin erhielt. Amtsgerichtsrat Dr. Unge: führte ungefähr aus: Der Vorwurf, den der„Land- arbetter" dem Kläger gemacht hat, nämlich daß er seine Diensttätig- keit mit seiner politischen Tätigkeit verquickte, enthält eine Belcidi- gung. Sie bleibt aber straffrei, sofern der Wahrheitsbeweis er- bracht ist. Das ist auf Grund der eigenen Erklärung des Klägers geschehen. Er hat Agitationsfahrten während der Dienstzeit in einem Auto gemacht, für das er Zuschüsse erhält, und er hat Arbeiter, die nicht Mitglieder der NSDAP, sind, auf diese Agitationsfahrten mitgenommen: da diese ihm unterstellt waren, hatten sie sich be- einflußt fühlen können. Noch wichtiger für den Wahrheitsbeweis war aber der Umstand, daß er ein offizielles Schreiben in einem amtlich eingeleiteten Strafverfahren in einer Weise beant- wartet hat, die eine Verquickung seiner Amtspflichten mit seiner Parteitätigkeit darstellt. Er schreibt darin non „marxistischen Anpöbelungen" und unterschreibt es mit„Heil Hitter". Daß der Thüringer Förstersmann aus dieser Lektion eine Lehre ziehen wird, dürfte wohl kaum anzunehmen sein. Theuern liegt übrigens nur wenig ösllich von Hildburghaüsen und ist ein winzig kleines Waldnestchen. Staalsbaulen 1931. Wie säcb die Krise in unvollendeten Bauten auswirkte. Ein Achtel der Bevölkerung leidet schwer unter dem völligen Dar- niederliegen des Baumarktes und der Erwerbslosigkeit. Ueberall ist ein- geschränkt, eingespart worden, überall wurde begonnene Arbeit aus Mangel an Mitteln abgebrochen. Einen Ueberblick über die Staats- bauten des Jahres 1031, die nur teilweise fertiggestellt werden konnten, gab Ministerialdirektor Dr.-Ing. c. h. Kießling, der Leiter der preußischen Hochbauverwaltung, in seinem Vortrag „S t a a t s b a u t e n 19 31", den er im Architekten- und Ingenieur- verein, Berlin, hielt. Eine große Anzahl von Lichtbildern gab einen lebendigen Ein- blick in diese Bautätigkeit, die leider nunmehr bis zum 1. März 1934,.? ine? Sperre unterliegen soll. Unter dieser Matz- nahine leiden vor allem die pädagogischen Akademien. die Zeugen der veränderten Ziele der neuzeitlichen Lehrerausbildung. Im Rohbau steht die Pädagogische Akademie in Bonn, die diesen Zielen durch eine moderne Bauweise Rechnung tragen sollte, mit Brettern verschalt ist die Pädagogische Akademie in Frankfurt an der Oder, die sich an die Siedlung Paulinenhof anschließt. Unsertig ist auch die Pädagogische Akademie in Breslau, und die Pädagogische Akademie in Halle, die am hohen Saaleufer in herrlicher landschaft- sicher Umgebung emporragen sollte, muß in ihren Fundamenten stehen bleiben. Kießling erläuterte an diesen Beispielen das Wesen der modernen Baukunst, die er die edelste Repräsentantin der Staats- kultur nannte. Diese Baukunst muß modern, das heißt Ausdruck ihres Jahrhunderts sein, wenn sie wahr sein will. Es hat sich stets in der Geschichte gezeigt, daß gerade die Bauten, die getreu und wahr ein Bild chrer Zeit wiedergaben, auch starken Eindruck auf-kommende Jahrhunderte hinterlassen haben. Bauten dieser Art dürften die glücklicherweise fertiggestellten Pädagogischen Akademien in Elbing und Dortmund sein. Ein vollendeter Bau ist auch die Technische Hochschule in Hannover, die durch eine riesige Halle für Grund- und Wasserbau interessant ist. Erweiterungs- beuten, die das Kullusministerium 1931 fertigstellen ließ, sind u. a. der Anschlußbau der Unwcrsität in Bonn, das Physikalische Institut und das Heinrich Hertz-Institut in Berlin. Der Vortragende zeigte ferner zahlreiche Bauten, die im Auf- trag der anderen Ministerien, häufig durch Zusanimenarbeit der Hochbauverwaltung' mit freien ArchiteUen entstanden sind oder wenigstens begonnen wurden. Hervorzuheben sind die Polizei- Präsidien in Düsseldorf und Duisburg, das Landesamtsgericht in Königsberg, dessen Bau eine seit Jahren dringende Notwendigkeit war, und"endlich die Musterstrafanstalt in Brandenburg, deren Ent- würfe in der ganzen Welt angefordert werden und die bereits in mehreren Bauten in Amerika Nachahmung gefunden hat. Es ist dringend zu wünschen, daß der Staat bald wieder diese begonnenen Arbeiten weiterführen und neue, notwendige Aufgaben verteilen kann. Die Eiserne Front in Pankow. In einer überfüllten Versammlung der Eisernen Front im Pankower Gesellschaftshaus hielt der Landtags- abgeordnete Gen. Möller- Halle a. d. S. scharfe Abrechnung mit den Nazis und Kommunisten. Er wies nach, daß die Hgrzburgcr Front, ein zusanMengclaufMex Iuteressentenhaufey ist, JjW die für den Dummenfang gegebenen- reichlichen Versprechungen niemals halten kann. Die Ausführungen des Redners fanden immer wieder den Beifall der Versammlung, so daß die mannigfachen Störung?- versuche kommunistischer Zwischenrufer kläglich scheiterten Heiterkeit erregten zwei deutschnationale Jünglinge, die als Diskussions- redner debütierten. In einem machtvollen Schlußwort forderte Genosse Möller alle Anwesenden auf, im Rahmen der„Eisernen Front" den entscheidenden Abwehrkampf gegen Faschismus und Reaktion zu führen für eine sozialistische Zukunft. Mit einem 5)och auf die SPD. und die„Eiserne Front" bekräftigten die Anwesenden ihren Willen zum Kampf und zur Verteidigung der Rechte der Ar- beiterschast. Unter dem spontanen Gesang der International« fand die Kundgebung ihr Ende. Kommerziearal Joses Rodenstock, der Senorches der O p t i s ch« n Werke R o d« n st o ck, ist, wie aus München gemeldet wird, auf seinem Landsitz Erl bei Kufftein soeben gestorben. Das Glück der grauen Stadl. Der Stadt Husum in Schleswig- Holstein(«torms„graue Stadt") ist van einem in Amerika ver- storbenen früheren Einwohner ein Vermächtnis von drei Millionen Mark zugefallen. 750 000 Mark wurden in bar ausgezahlt, der übrige Nachlaß besteht aus Hypotheken und Forde- rungen, die realisiert werden sollen. Mit dem Umbau der Automaten für Postwertzeichen wird in den nächsten Tagen begonnen werden, und zwar sollen zunächst die IZ-Pf.-Briefmarken-Automaten eine Einrichtung zur Abgabe van 6-Pf.-Briefmarken erhalten. Die Ilmbauarbeiten werden immerhin einige Wochen dauern. Später sollen oie Postkartenautomaten so geändert werden, daß sie K-Pf.-Postkarten verabfolgen. �05 muss jeder von i Bergmann KlasseZl/� Luissen Haus Haus Bergmann Klasse ist ein Meisterstück der deutschen Zigarettenindustrie. 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Februar stsatsoper unter-en Unsen 30 Uhr Das Hers Staanidiajsiiiiiiuiis jaolamnBii« eo Uhr Cyrano von bergerac Schiller-Theater Charlotte ab urg. Ein tessersr Bsn rntrtui Die Zaubsrio, d�r Riesa und detAtfe SgJff.Stii.t.&.l Tal.: E 7 Weichsel 4831 „Dil Blu-ne vonHawlT Rose- meater nli fmltinti Slrsäa O itl. WiMlsti 1 1 1th R.I5 Utu UerBeMtiiileDtg Lachem tma vollem üevxen tonn man nur über gute Tin- jälle. Eine wahr» Fülle solcher und humoristischer Dar» dietungen geschöpft aus dem täglichen Leben bringen: Hugo und sein Weibsteufel, Wichelm Bendow u m. im Wintergarten Das ganze Programm ist g' spickt mit tollem fhumor und ortistisehon HSehstlolstvngsn i mir 15. n«! 1414. naidüo crtaSL Süniuleml uM Sanatai je l Toistelijngen 4 lüv UDd 8 Dhr 15, 4 Uhr Heine Preise. »v.uhrCASINO-TüEAlER*!.� Lolhtin�er 17, itiiiHUnMiiiiiimiiiiiitiuuuiiiiniiiiHiiuiiiiiimituiuiiiuiimtiii FOr vaalg Seid«tu censBreirrer Urad Xcn! 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Februar, um 17 ühr statt. Theater desWestens Täglich wli« Uhr Prinz MeUmtalem Operett. von Job. Streut Waldtnülicr, Morran. Jank-hn. Lilien. Ewald- Sonnabend lr4 Uhr Ka! aus der Kiste Kin erkomSdie \«sing-Jm Täglien-iu Uhi Morgen gehts uns gut! Grete ZK> ttiietira Mus Hanacaa Ortbeifcr Dtjaa ßcla siafluoper Charmiionbura 6ismarckniaB» 14 Freitag. 10 Febr. Tuniut Ii AdtaNt 26 hi Das Spitzentudi der Künigin £nae deren 13 uBf VaittsuUline Hutv M Efllanolati « Uhr Fnörmann HenscHe) mit tmf) Jennlo-s u. Mir�wete Melier rt#gie: K H. Märtin StiatL Sdilllor-Hiesler S Utlf Od besserer Zerr H erauf: Die Zauberin, der Riese und der Af/, Uhr, auf dem Friedhot Kronpiinzenst.aEt in Beriih-HeinerSaorf siati. 0„01.Beften rb-, Polbter, ChaioeL, an jAden. teil*. Uloe freL KtanmöbAlfabrik Sulü(TbÜA) Eim Kinderb. Kai' ilietropoi-liteater Täglich 8''1 Uhr ein Lied der Liebe Bich. Tnnber Anni Ahlem Bzuiscüss IMZtt 8 Uhr ¥or JooDEEüiiisrgaiig v Qell'.Hsup MSNN lilli: Hu äanbarit. Hßas fiiUs nur dnma', das dibls nidil wieder z FrlcdlAsleldc-Ost an der Marzahner Chaussee: günstigst gelegene PARZiLLiM Fahrgeld nur 20 Pf« Vdrirtter Sonnabeftd ui�d Sonatag auf dem Gelände, sonFtige Auskunft und VerKauf Scbneider, Oberlid IT. Ffiedrlct) Hroke Q. m. I) H-, BerinjCnar- lotenbu-K. Wai'zsfr 14- Tel. C 2. B'ei t-eu im aeoisM lüeiailarlieiter-VeioiDii VtrwAliandM'eÜe Berlin Todesanzeigen Dil aHnglifScrn aut Nachrlchi. bnj unter Kc liege, der Wer.zeugmacher Lräeh l�elebel ged 9. Mm l908, am 14. Februar gestorben bi Die Vmdi'img findet am Sonn- adtttd. deM Zl) Fed U Tr. l4>/, Udr.vön ber Le chonholle des Etadl ichen Zen» tcMfiiedhoies in Friedrichsselde statt Am 17. Kedruar starb unser ktoÜeHe, der Sch'oner Lmtt Frommke gtb io. ßunf i-6l iit Eluaicherung ffndet am Mr». tag, dem 22 Februar, 4 Uhr, Un tlccmaiönum Gericht Itrage stau. E r« Ihre« ündonteni Äege Beleiiigung«rw inet 01«(yr'tvrrw&l1nn-. KLEINE ANZEIGEN IltlilllltllllllllllllllllMlllilllllltlllllllllllllllllllllllllllllllll Oberschrif i/torl 20 Pf.Jex'.wort 1 M Wlederh-Iungsrobatt: 5 mal 5% 8 mal 7xlt%i 12 mal tO%, oder 1000 Worte Absch uß 10%, 20 0 Worte 15% 40j0 Worte 20% Annahme durch den Verlag, Linden- stroße S(Ve9 bis 5 Uhr) lamriiche Vorwärts- Filialen u.«Ausgabeste len sowie alle Annoncen-Expeditionen yepHame glNdl«»!, h&at. Abloirls- -ÄB« 4. HisiflungsstucXB. Uiascne nsui. Lelhha»» Loauicki »ectault zu un. zlaublich billigen Preisen wenig ge» tragsne sowie neu, Herrengarderobe. Herren- u. Damen, Whe-.. lESeiteftet Weg lohn! Nein« Ldütbardware. Priitztnllraß» 105, eine Stmot........ «or gut und billig kaufen will, oersuche es bei mir. Don Kavalieren wenig getragene und Neue SackeUanzllg«, Smo. ftn am MWWWWWW jede Figur passend und viele andere 1 Gelegenheifstliufe. Peibhau* Friedrich. Ilraze 2. am Kal> laichen Tor. deine | Lombardware. IsiGDtl fttil'e». :«leeandervla». 3nbbi itataug Nr. 36 ataiis. 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Die Brauereien haben einen größeren Anteil an der Derbilligung zu übernehmen. Die vom Preiskammifsar Dr. Goerdeler getroffene und von uns von Anfang an bekämpfte Regelung der Bierpreise hat zu Folgen geführt, die vorauszusehen waren und für die man in erster Linie den Preiskammifsar selbst verantwortlich machen muß. Es war und ist ein Skandal, daß der Preiskommiffar vor den Brauereien gekuscht hat, daß er das unmögliche Prinzip anerkannt hat, daß bei der notwendigen Preissenkung die Privatwirtschaft ihre Kostenrechnung ausmachen darf und daß er sich schließlich mit einer Preissenkung von 2 Mark je Hektoliter durch die Brauereien zufrieden gab, einer Berbilligung, die nicht einmal den vom Gesetz verlangten 10 Proz. entsprach! Wir haben immer darauf hingewiesen, daß die Gast- wirte sich einem gerechten Beitrag zur Preissenkung nicht cnt- ziehen werden. Wir haben auch erklärt, und kein Gastwirt wird das bestreiten, daß eine ausreichende Preissenkung der Brauereien, wenn sie von den Gastwirten an die Konsumenten weitergegeben wird, durch die Psennigrechnung zum Nutzen der Konsumenten oer- stärkt werden kann. Kein Gastwirt verschließt sich der Erkenntnis, daß er vom Verbraucher abhängt, daß sein eigenes Schicksal mit dem Schicksal des Verbrauchers besiegelt ist und daß der Verbraucher auch beim Bier einen entsprechend billigeren Preis bekommen muß, wenn sein Einkommen so gesenkt wird, wie es geschehen ist. Was die Gastwirte aber mit Recht empört, das ist die doppelte Zlloral, mit der der Preiskonunistar vor- gegaagea ist. Es ist alles ander« als ein« salomonische Lösung, eine Preissenkung un, 4 Pf. je Liter zu diktieren und Brauereien und Gastwirten je die Hälfte davon einfach zuzutetlen— ohne Rücksicht daraus, daß die Brauereien Jahre hindurch glänzend verdient haben, Gewinn aus Gewinn gehäuft und noch gewaltige Reserven haben, die Gast- wirte aber in der Tat-m allgemeinen mit der Steigerung der Ver- brauchernot selbst auch eine Steigerung der eigenen Not erlebten. Das ist keine Gerechtigkeit. Es gibt auch im Augenblick noch keine ander« Lösung, als daß der Preis- scnkungsbeschluß D r. Goerdelers in der Richtung der Brauereien revidiert wird. Es ist ein Höhepunkt dreister Kurzsichtigkeit, wenn die Brauereien es jetzt wagen, dem Reichs- lanzler St u r m t el e g r a m m e zu senden, ultimativ die Senkung der Biersteuern zu verlangen und mit politischen Konsequenzen zu drohen. Es ist ein« große Torheit der Gastwirte, sich jetzt von Natio- nalsozialisten und Kommunisten mißbrauchen und zu Formen des Protestes hinreißen zu lassen, die sie ins Unrecht setzen. Die Gastwirte dürfen nicht übersehen, daß sie bis jetzt weit- gehend nicht nur die Sympathie der Oesfenllichkeit, sondern auch die Sympathie der Verbraucher auf ihrer Seite hatten. Wenn in Ber- lin das Hamburger Beispiel, das ein schlechtes Beispiel ist, befolgt werden sollte, so setzten die Gastwirte diese Sympathien aufs Spiel. Die Front der Gastwirte hat sich mit den Verbrauchern gegen die Brauereien zu richten, nicht aber gegen den Staat uud nicht gegen die Verbraucher. Die Gastwirte dürfen den Eindruck nicht erwecken, daß sie aus Eigen- nutz nicht bereit wären, das Nötig« zur Preissenkung beizutragen. Das gilt auch für die Frage der Biersteuer, sowohl die des Reiches als die der Gemeinden. Die OeffenLichkeit hat sich nie- mals dagegen gewehrt, daß die Biersteuern vom Bierverbraucher getragen werden: noch niemand aber hat dem Reich und den Ge- meinden gezeigt, wie die Mindereinnahmen aus einer Senkung der Bierbelastung durch neue Steuern aufzubringen sind. Die Gast- wirte könnten wahrlich wissen, daß, wenn die Bier steuern gesenkt werden, die jetzt noch derVer- brauch er zahlt, danndieGa st wirteselbst mitneuen Steuern belastet werden müssen, die ihren Ver» dien st noch mehr schmälern, als es bisher ge- I ch e h e n ist. Preiskommissar und Re i ch s r e g i e ru n g dürfen sich nicht darauf versteifen, einen vom Preiskommiffar gemachten Fehler unkorrigiert zu lassen. Eine ausreichende Preissenkung muß durchgeführt werden. Eine gerechte ausreichende Preissenkung m u ß in erster Linie von den Brauereien getragen werden, die sie auch tragen können. Diese Linie gilt jetzt, wie sie vor 14 Tagen galt. Wir glauben nicht, daß die Gastwirte ernstlich die Verbraucher enttäuschen und schädigen wollen. Wir sind überzeugt, daß die gegenwärtig schon fast überall durchgeführte Verbilligung r e st l o s durchgeführt werden wird, wenn man den Anteil der Bauereien an der Verbilligung so erhöht, wie es gerecht und geboten ist. Die Fettlebe der Braucreiaktionäre hat zur Not des Volkes beizutragen, was sich gebührt. Konsumvereine und Wirischastsnot Die Entwicklung im lehien Quartal-193-1. Mit dem Tiefstand der Wirtschaft hat sich im letzten Quartal 1031 auch die Kaufkraft der Konsumvereinsmitglieder weiter empfindlich verringert. Mehr als 2 Millionen von den 3 Mil- lionen Mitglieder-Hausholtungen der Konsum- vereine des Lentralverbandes sind heute von Ar» beitslosigkeit und Kurzarbeit heimgesucht. Mit aller Kraft haben die Konsumvereine die Familien im einzelnen durch eine die allgemein« Preissenkung noch übertreffende Verbilligung zu entlasten versucht. Eines aber können die Konsumvereine nicht leisten: die Einkommenschrimipfung selbst zu verhindern, die zuletzt durch die 4. Notverordwmg noch so verstärkt worden ist, oder gar eine Berbesierung des Einkomntens der Mitglieder überhaupt l-erbeizitsühren. Trotz der zunehmenden Vereleirdung haben die Arbeiter und Angestellten, die bekanntlich 90 Proz. der Mitgliedschaft ausmachen, den Verbraucherorganisati onendicTreuebewahrt. Das Elend hat die Werbekrost der Konsumvereine erhöht. Im vierten Quartal hat sich gegenüber dem dritten die Zahl der Mit- g l i c d e r noch um 14 400 auf 2 938 444 vermehrt. Die Zahl der Mitglieder Ist heute noch größer als in den Ausstiegjahren 1927/1929. Aber alle Treue der Rlilglieder kanu die wachsende Rot nicht weltmachen, die auch in den Umsätzen der Konsum- vereine zum Ausdruck kommen mutz. Im letzten Quartal betrug bei den erfaßten Komümocreinen mit mehr als 400 Mitgliedern der Gesamtumsatz 232 M i l L M Er ist der niedrigste des ganzen Jahres 1931 und liegt auch noch niedriger als der vergleichbare Umsatz im Jahre 1927. Daß wirkliche Not in der ZlrbeiterschaH herrscht, das zeigt die Tatsache, daß z u m erstenmal in der Entwicklung der Konsumvereine das vierte Quartal, in dem der Weihnacht s.m o n a t liegt, keinen größeren Gesamtumsatz zeigte, als das dritte. Auch das dritte Quartal hotte nur 2S2 Will. M. Um» iotz erbracht. Wir haben schon einmal gesagt, daß es wahrlich ein Warnungszeichen für die Regierenden in Deutschland ist. daß es in diesem Lande einWeihnachtsfestnurnochsür die Reichen gibt: daß der Arbeiter und Angestellte Weihnachten nicht mehr feiern kann. Roch deutlicher kommt die Verarmung in dem vierteljährlichen D u r ch s ch n i t t s u m s a tz j e M i t g l i e d zum Ausdruck. Er betrug nur 85,89 M. gegenüber 105,50 M. der gleichen Zeit 1930, 116,10 M. in der gleichen Zell 1929. 111.40 M. in dem entsprechenden Quartal. 1928 und immer noch 97,30 M. im legren Quartal 1927. Man muß auf dos Kriseniahr l926 zurückgehen, um ähnlich niedrige Durchschnittsumsätze wie im 4. Quartal 1931 anzutreffen. 14000 Mitglieder wurden im 4. Quartal 1931 mehr verzeichnet. Im ganzen konnten trotzdem, wie oben gezeigt wurde, von der vermehrten Milgliedschast nicht mehr gekaust werden. Der durchschnittliche Umsatz ist aber gegen- fbcr dem 3. Quartal 193l nach gesunken(trotz des Weihnachtsfcstcs!), nämlich von 86 03 M. auf 85,89 M! Lei einer solcken Steigcrunq der Rot kann auch das Dild der Spareinlagen nicht so günstig sein wie früher. Die Not mußte auch hier einen sehr beachtlichen Umschwung bringen, denn wenn die Einkommen so gewaltig zurückgehen, wenn Zweidrittel der Mitglieder erwerbslos sind oder kurzarbeiten, kann nicht ge- fpaft werden, müssen alte Ersparnisie aufgezehrt werden. Wenn die Mitglieder che Grund hatten, in die sorgfältig« Verwaltung ihrer Ersparnisie Zweifel zu setzen, so mußte doch erst die Zeit die tiefe Beunruhigung hellen, die durch Kreditkrise im Juli auch hier unvermeidlich mar. Im 4. Quartal 1931 haben die Notobhebungen von Spargeldern, die Einzahlungen bei de» Vereinen des Zentral- Verbandes noch um 42.8 Mill. übertroffen. Daß dos Vertrauen aber zurückkehrt, ergibt sich daraus, daß im 3. Quartal der Auszahlungs- Überschuß mit 45,4 Mill. M. noch größer war. Dementsprechend mußten auch die Bankeinlagen der Kan- sunwereine bei der Vankabtellung der GEG. sinken. Das Ueber- wiegen der Rückzahlungen ließ diese Einlagen gegenüber dem 3. Quartal von 124,4 aus 93.4 Mill. M. sinken. Dennoch Ist die Dermögensbewegung und die Ausnützung der eigenen Aiisialieu im Gesamtverband günstig ge- blieben. Die eigenen Mittel der Konsumvereine des Jentrolver- bandes haben sich um 2,6 aus 135,9 Mill. M. erhöht. Die Antell- guthaben bei M Wieder stiegen von 67,9 MUl. am 30. September auf 69,9 Mill. M. am 31. Dezember 1931. Die Rücklagen aller Art vermehrten sich von 63,3 auf 66,1 Mill. M. Die Befriedigung des Konsumvcreinsbedarfs b e i d e r G E G. hat sich gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres im 4. Quartal 1931 mit 42.65 Proz. noch etwas verbessert, ging aber gegenüber dem 3. Quartal 1931 etwas zurück. Dem entspricht es. daß der Umsatz der Fabrikbetriebe ebenfalls nicht voll aufrechterhalten blieb, wobei freilich die Preisentwicklung zu berücksichtigen ist. Der Anteil der von den GEG-Vetrieben hergestellten Erzeugnisie am konsumgenossenschastlichen Gesamtumsatz stieg von 12,32 auf 15,12 Proz. Hier liegt der Beweis, wie sehr die Konsumvereine bemüht waren, die enge Zusammenarbeit mit den zentralen Einkaufs- und Herstellungsbetrieben auirechitzuerhallen. Das mutz man auch für die Zukunft wünschen. Denn je stärker der wirtschaftliche Druck aus die Konsumverein« übergreift, desto fester muß das Band zwischen den vereinen und den zentralen Organisationen geknüpft werden. Die Bankenreinigung. Schwerindustrielle Sabotage.- Ein dreistes Bauernfänger- Manöver. Die Jndustrieherren, unter Führung der Schwerindustrie, haben sich das hohe Ziel gesteckt, die Reinigungsarbeit im Bankwesen nach im letzten Augenblick zu stören. Sie wollen von der Beute der Danatbank, die ihnen die Regierung in unverständlichem Großmut im Juli hingeworfen hat, nicht lassen. Damals wurde ihnen in einem Vorvertrag die Aktienmehrheit der Danatbank zugeschanzt, für deren Bezahlung das Reich fünf Jahre lang in Vorlage treten sollte. Wir haben dieses skandalöse Handelsgeschäft immer aufs heftigste bekämpft. Nachdem nun aber die Absicht des Reiches, die Danatbank mit der Dresdner Bank zu fusionieren, endgültig geworden ist, sind diese Abmachungen selbst- ver st Südlich hinfällig geworden.— ganz abgesehen davon, daß sie ja auch durch die Verweigerung der parlamentarischen Zu- stimmung hinfällig gemacht werden könnten. Nun versucht es aber die Industrie mit einem letzten Dreh, die Herrschaft über die Danatbank doch noch in die Hand zu bekommen und damit den großen Reinigungsprozeß zu unter- binden. Sie erklärt plötzlich, daß st« noch Anspruch aus die Re- ferse der Bank für Jndustriesbligatt»»«» hat und s mii der Hingabe dieser Reserve an das Reich— sie erfolgte in Höhe von 70 Millionen Mark im Jahr« 1930— den Erwerb von Danat- aktien bereits überreichlich bezahlt hätte. Wäre die Situation nicht so bitter ernst, so müßte man über diese UnverschämcheU lachen. Die Frage des Schicksals der Jndustriebank-Reserve ist mit dem damaligen Gesetz über den Wbau der Jndustneumlage endgültig erledigt und es widerspricht allen tatsächlichen Grundsätzen, wenn dieses Geld, über das schon einmal verfügt wurde, jetzt, nach zwei Jahren, noch einmal verteilt werden sollte. Oder würde die Industrie sich damit omverstanden erklären, daß die Entscheidung über die 700 Millionen, die die Schwei- industri« nach dem Ruhrtrieg vom Reich bekommen hat. noch einmal herbeigeführt wird? Aller auch sachllch ist der Airspruch der Industrie auf die Reserve der Jndustriebank völlig unbegründet. Die Verfügung darüber stand nach dem Jndustriebankgesetz ausdrücklich dem Reiche zu. Und wenn die Regierung seinerzeit der Industrie auch versprochen hatte, daß die Reserve ihr zufließen solle, so war das nur fo gemeint, daß die letzten Reparationszahlungen der Industrie entsprechend ermäßigt werden sollten. Mit dem Inkrafttreten des Voung-Planes aber wurde ein viel früherer Abbau der Reparations- belastung der Industrie möglich, als man früher angenommen hatte. Daher mußte die Zusage der Regierung an die Industrie mit dem unverhofft raschen Abbau der Jndustneumlage auf jeden Fall als abgegolten angesehen werden. Es ist zu hoffen, daß das dreiste Manöver der Industrie zur Rettung ihres„Anspruches" auf die Beherrschung der Danatbank so rasch und kühl abgewehrt wird, wie es Bauernfänger verdienen. und daß mit der Durchführung der Reinigungsarbeit im Bankwesen unverzüglich begonnen wird. Oiskontsenkung bitte! London, Stockholm vnd Oslo haben herabgefeht. Die Neichsbank kann folgen. Die Bank von England hat ihren Diskontsah von 6 aus 5 JJrnz. herabgesetzt. Der Sah von 6 proz. war seit dem 21. Sep- lember 1931 in Kraft. Die Schwedische Rcichsbank ermäßigt mit Wirkung vom 19. Februar ihren Diskontsatz von 6 auf SZö Proz. Der Sah von 6 Proz. war seil dem 19. Oktober 1931 in Kraft. Die Bank von Rorwegen hat den Diskontsah von 6 ans 51- Proz. crinähigt. Der alte Sah galt seit dein 19. Oktober 1931. Diese drei Meldungen sind am gestrigen Tage gleichzeitig ein- getroffen. Es entsteht die Frage, ob für die Deutsche Reichs- bank jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, ebenfalls den Diskont zu senken. Wir haben diese Frage schon vor vierzehn Tagen gestellt und bejaht. Unseres Erachtens darf die Reichsbank sich der Kredit- verbilligung im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr verschließen. In den genannten drei Ländern, van denen England für Deutschland das wichtigste ist, ist der Banksatz um% bis 1 Proz. ermäßigt worden. In New Park hallen wir einen Diskont von 312 Proz., in Amsterdam gellen 3 Proz., in Paris 21- Proz., in Zürich 2 Proz. Die Spanne zwischen London, New Zork, Am st er- dam und Zürich hat sich verringert..Die Rejchsbank stand bisher einer Diskontsenkung ablehnend gegcmlber, weil London mit seinem sechsprozentigen Banksatz die ausländischen Stillhaltunzs- kredste teuer hielt. Sie fürchtete, daß eine Senkung des jetzigen fiebeirprozentigen Reichsbankdiskonts die deutschen Schuldner zu Rückzahlungen gegenüber dem Ausland in irgendeiner Form ver- anlassen würde, womit die an sich schwache Devisenposition der Reichsbank verschlechtert würde. Die jetzt eingetretene Verringerung des Ainsgcfälles zwischen London, New Jork, Amsterdam nich Zürich(Paris spielt kein« ent- scheidende Rolle) läßt diese Besorgnisse jetzt weniger be- rechtigt erscheinen. Es ist zu erwarten, daß die Verzinsung der Stlllhallungskredlle sich verbilligen wird und sine Diskontfcnkung der Reichsbank die Rückzahlung vo-n Stillhalwngskrsditen und sonstigen Auslandskredllen nicht mehr fördern wird. In Berlin wird in den Finanzkreisen die Diskontsenkung offenbar auch erwartet. Im Vüroverkehr der Banken er- folgte im Anschluß an die Meldung von der Londoner Diskont- ermößigung eine Kurssteigerung von l bis 4 Proz. Börseneröffnung ab 25. Februar. Der Berliner Börsenvorstand hat beschlossen, den vom preußi- schen Handelsministerium nunmehr zugelassenen Frewerkehr in den Börscnsälen der Wertpapierbörse ab Donnerstag, dem 23. Februar, wieder aufzunehmen. Es wäre dringend zu wünschen, daß bis dahin au 6, das Verbot derKursverössentlichung fällt. Gtahl- und Wa'zwerkproduktion weiter gesunken. Nach Deröffenllichungen der Zeiilchrift„Stahl und. Eisen" ist die deutsche Rohstahlgewinnung und die Leistung der Walzwerke im Januar weiter zurückgegangen. An Rohstahl wurden ar- beitstäglich(6 007 Tonnen hergestellt. Das bedeutet gegen- über Dezember(17 551 Tonnen) einen Rückgang um 0 Proz. und gegenüber Januar 1931(29 753 Tonnen) einen Rückgang um 46 Proz. Die arbeitstäglich« Herstellung von Walz- werksfertigerzeugnissen belies sich im Januar auf 11 908 Tonnen. Der Rückgang gegenüber der Dczembcrproduktion(12706 Tonnen) macht 6 Proz., gegenüber der Produktion im Januar des Vorjahres(20 764 Tonnen) 43 Proz. aus. Der Zementabsah im Januar. Der Tiesstand des Zement- absatzes, der die trostlose Lage der Bauwirtschaft ex- kennen läßt, dauert an. Im Januar wurden 104 000 Tonnen Zement versandt gegenüber 164 000 Tonnen im gleichen Monat des Vor- jahres und 315000 Tonnen im Januar 1930. Der Absatz hat sich also innerhalb von zwei Jahren auf ein Drittel vermindert. Br-mer Vulkan stellt 1000 Arbeiter ein. Der Bremer Bnlko», Vegesack baut zur Zeit zwei Tankmotorschiffe von je 16 000 Tonnen für die Dapolin-Gesellschait lStandard Oil Co.) Da d-e Anktraq- qeber auf beschleunigte Ablicserung drängen, damit die Schiffe svätestens im September in Dienst gestellt werden können,, muß die Belegschaft— zur Zeit nur wenige hundert Mann— um etwa 1000 Arbeiter vermehrt werden. Diese Neueinstellung bedeutet eine wesentliche Entlastung des Bremer Arbeitsmarktes, fteUich nur für «in halb es Jaftr. Dsmaskierung der Llnfähigkeit. Wie sich die„Wirtschastsführer" den technischen Fortschritt vorstellen. ..Ruhr und Rhein", das Organ der rheinisch-westfälischen Schwer- industriellen, veröffentlicht in seiner heutigen Nummer eine Unter- suchimg über die Entwicklung.der Üebenshaltungs- kosten auf der einen und der Löhne auf der anderen Seite. Bei den Lebenshaltungskosten bedient sie sich der amtlichen Feststellungen über den Reichsindex, bei den Löhnen über die tariflichen Stunden- löhne, die vom Statistischen Reichsamt ermittelt werden. Auf Grund dieser Zahlen sagt das Blatt, daß die Löhne von 1V29 bis November 1331 um 5,1 Proz., der Lebenshaltungsindex um 14,2 Proz. ge- funken fei. Somit fei der Realwert des Lohnes„in der Zeit der größten je erlebten Wirtschaftskrise noch gestiegen". Daraus erkläre sich auch, daß nach amtlichen Unterlägen der Fleischverbrauch je Kopf der Bevölkerung während der ersten neun Monate 1331 noch um 3,4 Proz. höher war als 1913. Auch der Eier- verbrauch fei gestiegen, und wenn gegenwärtig allerdings der Verbrauch von Roggenbrot um 19 Proz. unter Vorkriegshöhc stehe, so sei doch wenigstens der Weizen verbrauch ebenso hoch wie vor dem Kriege. Der Pferdefleischverbrauch und der von Kartoffeln habe auch nicht den Vorkriegsstand erreicht. Das Blatt zitiert dann eine Untersuchung eines gewissen Robert G ö t t e aus der„Kölnischen Zeitung", der seit vierzig Jahren dem Bäckergewerbe„nahestehe" und der ganz phantastische Berechnungen über die Lohnsteigerung des Bäckergehilfen— dem er gewiß nicht nahesteht— hcrausrechnet. Der Schluß, der zu beweisen war, lautet folgendermaßen:„Dieses Auseinanderklaffen zwischen Lohn und Preis ist der Abgrund, in den unsere Wirtschaft stürzt." Die ganze Beweisführung von„Ruhr und Rhein" zeigt, wie abgrundtief das Unvermögen der sogenannten wirlschafts- führer ist, das Funktionieren und die Funktion der kapitalistischen Produktion auch nur zu begreifen, geschweige denn zu leiten. Es erübrigt sich, die Zahlenkunststücko des Artikels zu unter- suchen. Schließlich weiß heute jeder Mensch in Deutschland, daß der Lebenshaltungsindex eine Reihe von unvermeidlichen Aus- gaven, die in den letzten Jahren der Krise besonders gestiegen sind, überhaupt nicht berücksichtigt. Weiter weiß selbstverständlich auch die Redaktion von„Ruhr und Rhein", daß die Tariflöhne keines- megs identisch sind mit den wirklich gezahlten Löhnen. Wir genieren uns beinahe, hier nochmals sagen zu müssen, daß die tatsächlichen Stundenverdienste ungleich stärker zurückgegangen sind als die in den Verträgen festgesetzten Mindestlöhne. j)eute ist es so, daß die Verdienste zum allergrößten Teil auf die nackten Tariflöhne abgebaut worden sind, soweit die Tariflöhne über- Haupt eingehalten werden, während sie in den Jahren 1927 bis 1923 ganz erheblich ü b e r den Mindestsätzen der Tarifverträge lagen. Nach den Ermittlungen des ADGB. beträgt der lalfächliche Lohnabbau etwa 30 Prozent. Dazu kommt, daß ein erheblicher Teil der Arbeiter und Angestellten heute auf Kurzarbeit gesetzt ist, von der Arbeitslosigkeit nicht zu reden, wodurch sich das Einkommen natürlich noch weiter vermindert. Nicht auf den Swndenverdienst, sondern auf das Jahres- eintommcn muß man die Rechnung basieren, wenn man fest- stellen will, ob die Lebenshaltung des Arbeiters sich verbessert oder verschlechtert hat. Wenn„Ruhr und Rhein" feststellt, daß der Fleisch- verbrauch, der Verbrauch von Eiern und Weizenbrot ebenso hoch oder noch höher ist als 1913, während der Verbrauch von Roggenbrot, Pferdefleisch und karlofseln, die ja wohl nicht zur hauptsächlichen Nahrung der Schwer- industriellen gehören, im Verhältnis zu 1913 zurückgegangen ist, so widerlegt es schlagend, was es beweisen wollte. Aber darauf kommt es eigentlich nicht an. Die geistige Jmpo- tenz der Schwerindustriellen und ihrer journalistischen Verteidiger offenbart sich darin, daß sie immer wieder den(mit Regierungshilfe erfolgreichen) Versuch machen, die Arbeiter, Angestellten und Beamten, d. h. die ausschlaggebende Masse der deutschen Verbraucher, zurück- zuschrauben auf den Stand von 1913. Der von„Ruhr und Rhein" zitierte Göttc geht sogar bis auf 1895 zurück! Es ist geradezu märchenhaft, daß diese Leute, die für sich das Monopol der Wirtschaftsführung in Anspruch nehmen, immer noch nicht begriffen haben, daß der Lohn nicht verglichen werden darf mit einer längst überholten Wirtschaftsperiode, sondern daß der Lohn, der den Verbrauch und somit den Absah bestimmt, immer in einem entsprechenden Verhältnis zum Leistungseffekt stehen mnß. Wenn der Massenverbrauch zurückgeschraubt werden soll auf 1913- oder auf eine andere beliebige zurückliegende Wirtschaftsperiode, dann müßten auch die gesamte Rationalisierung, der gesamte technische Fortschritt auf das gleiche Niveau zurückgeschraubt werden. Wenn der Arbeiter, der Angestellte, der Beamte heute nicht anders und nicht besser leben sollen als 1313, dann mühte die gesamte Radioinduftrie, die gesamte Flugzeugindustrie radikal stillgelegt werden. Dann müßte das Fließband, dann mühten die Fördermaschinen im Bergbau, die Technisierung der gesamten Produktion zerstört werden. Wie der Zauberlehrling bei Goethe die Geister nicht zu bannen vermochte, die er rief, so stehen die angeblichen Wirtschaftsführer händeringend und verständnislos vor den Ergebnissen des technischen Fortschritts. Sie zerstören immer wieder den Massenverbrauch und zerstören damit das gesamte Ergebnis der Technisierung, die ohne eine entsprechende Steigerung des Massenverbrauchs nichts anderes wäre als eine von Wahnsinnigen unternommene Verschleuderung und Zer- störung des aus der Arbeitsleistung herausgeschundenen Kapitals. Es ist höchste Zeit, diese„Wirtschaftsführer" zu entmündigen! Für die Eiserne Front! Paul Kerh vor dem Personal der Konsumgenossenschast. In einer von über SOO Personen besuchten Versammlung der Arbeiter und Augestellten der Zentrale der Berliner Konsumgenosfenfchafl in Lichtenberg sprach gestern Reichstagsahgeordneker Paul Havh über die Ledeukung der Äseruea FroNk. Cr wies einleitend darauf hin, daß iuc Eiserne Front in der Hauptfachs die ZufamMenballung der arbeitenden Massen ist, die bisher in den Gswsrtfchchten, der Partei, dem Reichsbanner und den Arbsitersportorganisationen getrennt für den Aufstieg der Ar- beiterklasso wirkten. Die Faschisten wollen nicht nur die Gewerk- schaften, sondern auch die Konsumgenossenschaften zerschlagen. Italien hat eine mustergültige Konsumgenoffenschaftsbewegung ge- habt, die hertts leider der Vergangenheit angehört. Für die Arbeiter und Angestellten der Konsumgenossenschaft ist der Kampf gegen den Faschismus nicht nur ein Kampf um die Erhaltung ihrer Gewerk- schaften und um ihre politischen Rechte und Freiheiten, sondern auch um ihre und ihrer Familie Existenz. Die bedeutungsvollste Entscheidung über den Sieg oder die Bezwingung des Faschismus ist ohne Zweifel die R s i ch s p r ä f i- dentenwahl. Nichts zeigt deutlicher die Absichten der politischen Reaktionäre als der Beschluß der Deutschnationalen, den Hohen- zollernprinzen Oskar von Preußen als Kandidaten der„nationalen Opposition" präsentieren zu wollen. Diesen Sprung in das System der Vorkriegszeit wird die Eiserne Front zu ver- citeln suchen. Für die Sozialdemokratie handelt es sich bei der Reichspräsidentenwahl nicht um die Frage, ob Deutschland ein bürgerliches oder sozialistisches Staatsoberhaupt bekommt, sondern ob es in Freiheit oder Knechtschaft leben soll. Die Frage, w i e wir den Faschismus am Tage der Reichspräsidenten- wähl schlagen, steht noch offen. Daß wir den Faschismus mit Hilfe der Eisernen Front bezwingen werden, ist gewiß. Der Kampf um die Reichspräsidentschaft ist letzten Endes nicht nur psti Kampf um die Demokratie und gegen die Diktatur, sondern auch ein Kampf um die Beseitigung all der Leiden, die mit der Wirtschaftskrise ver- bunden sind und die die Arbeitenden und Arbeitslosen gleichermaßen bedrücken. Die Versammlung verlief ohne jede Störung. Drei Kommu- nisten, die etwas spät begriffen, daß sie nichts mehr zu bestellen l?ob«n, verließen zu Beginn �„demonstrativ" den Versammlungs- räum.' Einheitsfront im Berliner Großhandel. Die Arbeiter und Angestellten des Berliner Groß- Handels vollzogen gestern abend in einer gutbesuchten Kundgebung in den Restdenz-Festfälen ihren Anschluß an die Eiserne Front. Die Versammlung war von einem erfreulichen Kampfgeist beseelt. Genosse Oltersdors vom Gesamtoerband wandte sich in einer zündenden Rede an die Versammlung. Er zerpflückte gerade deshalb, weil die Versammelten auf Grund ihrer Berufstätigkeit einen guten Einblick in die internationalen Berflechiungen des Han- dels haben, die wirklichkeitsfremden Pläne einiger Wirtschaftsführer. die die wirtschaftlich» Autarkie Deutschlands propagieren. Der Bor- lauf der Kundgebung war«in einheitlicher, imposanter Willens- ausdruck für die Kampfziele der Eisernen Front. Die Charit will mit dabei sein. Das dienstfreie Personal der Eharlte bekundete gestern in einer gut besuchten Versammlung ihren Willen, olles daran zu setzen, den Faschismus bei den bevorstehenden Entscheidungskämpfen um die Macht in Deutschland niederzuringen. Landtags- abgeordneter Genosse Dr. Chajes führte den Versammelten in anschauliche? Weis« das Wesen und die Ziele des Notumalsoziaüs- MUS vor Augen. Der Referent ging besonders auf die Fortschritt« ein, die das Gesundheitswesen in der Republik, vornehmlich auf Betreiben der Sozialdemokratie, gemacht hat. Der Vortrag des Referenten fand die uneingeschränkte Zustimmung aller Versamm- lungsbesucher. Erfolgreiche Werbung TN den Warenhäusern. Vor den Arbeitern und AtHestollten der Waren- und. Ku u f- h äu.s»r im Süd en Berlin.? sprach Genossin Meda Licht vom ZdA. lwer die Notwendigkeit Bildung der Eisernen Front. Dia Referentin enthüllt» den Versammelten das wahre Gesicht des 'Nationalsozialismus in einem fesselnden Vortrag, der in dem Appell ausklang, auch in den Waren- und Kaufhäusern die Massen zu mobilisieren für den Entscheidungskampf gegen den Faschismus, der in den nächsten Wochen und Monaten mit einer nie gekannten Schärfe entbrennen wird. Die Versammellen brachten durch die beifällige Aufnahme des Referats zum Ausdrück, daß sie sich über den Ernst der Stunde und die Notwendigkeit des geschlossenen Zu- sammengehens aller freiheitlich denkenden Arbeiter und Angestellten in einer Front durchaus im klaren sind. Haushalt des Mastenelends. Wie lange noch Steigerung der Arbeitslosigkeit. Der Gesamthaushalt der Reichsanstalt, der vom Verwallungsrat einstimmig angenommen wurde, schließt in Ein- nähme und Ausgabe mit rund 2,4 Milliarden Reichsmark ab. Aus den einleitenden Ausführungen des Präsidenten Dr. Syrup sei folgendes vermerkt: Die im Sommer 1331 vorgenommene Schätzung für die Ge- staltung des Arbeitsmarktes im Winter hat sich im wesentlichen als richtig erwiesen. Vermutlich wird der winterliche Höhepunkt dieses Jahres etwa bei Millionen Arbeitslosen liegen. Damit wird ein Jahresdurchschnitt von rund 4L Millionen erreicht. Durch die im Sommer gesammelten Ueborschüsse von etwa 105 Mil- lionen müssen die Fehlbeträge Dezember 1931 bis März 1932 gedeckt werden. Für das neue Haushallsjahr ist ein Jahresdurchschnitt von 5,6 Millionen Arbeitslosen zugrundegelegt. Der monatliche Durch- j schnittskopfsatz der Unterstützung ist mit Rücksicht auf die Herab-' setzungen der. Unterjtützungsleistungen und den Rückgang der Löhnemitö3Mart(bei der Gründung der Versicherung betrug er 81 M. und im laufenden Rechnungsjahr 70,50 M. Di» Red.) angesetzt, einschließlich 4,25 M. für Krankenversicherung. Der Bedarf für die Arbeitslosenunterstützung beträgt danach 356 Mil- lionen. Der Unterstützungsaufwand in der Ärisenfürsorge erscheint unter den durchlaufenden Mitteln mit rund 1200 Millionen. Die Bellrageeinnahmen sind auf 6X Proz. mit 1140 Millionen, also im Monatsdurchschnitt mit 95 Millionen angesetzt. Unter den Ausgaben sind erwähnenswert der Betrag für Kurzarbeiter-Uitterstützung mit 72 Millionen, ferner 31 Millionen für Grundförderung von Notstandsarbeitcn, 8,3 Millionen für Forderung der Arbeitsaufgaben, wovon etwa 3 Millionen zu Schulungsmaßnahmsn für Jugendliche kommen, schließlich 16 Millionen zur Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes. 1? Millionen Arbeitsgesuchc, 3.5 Millionen Vermittlungen und 13 Millionen Anträge auf Unterstützung wurden von den Arbeits- nmtorn durchgeführt. Allein an Unterstützungen wurden in jedem Monat 12,5 Millionen einzelne Zahlungen, überwiegend in Hart- geld, geleistet, gebucht und abgerechnet. Die Maßnahmen der Reichs- regierung auf dem Gebiete der Arbeitslosenhilfe ließen sich durch den ciicheitlichen Berwaltungstärper der Reichsanstalt rasch und zuverlässig durchführen. Die außerordentliche Arbeits- leistung des Personals fand die allgemeine An- c r I e n n u n g des Verwaltungsrates. Zu der Reufestsetzung de? Unterstützungsbetrages pro Stopf und| Monat auf 53 M. ist noch ein Dort zu sagen: dieser neue Sah bedeutet gegenüber dem Ausgangspunkt der Unterstützung bei Schaffung der Arbeitslosenversicherung eine Senkung um 3 5 P r o z. Man muß das gerade jetzt betonen, well die unberufenen Arbeitslossnkommijsare, wie' Herr Goerdeler, schon wieder eine neue Senkung der Unterstützung verlangen. Für 1932 schätzt die Reichsanstalt eine weiter- ungeheure Steigerung von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Das ist wirtschaftlich, politisch und sozial nicht zu ertragen. Die Förderung der Gewerkschaften auf Arbeitsbeschaffung muß verwirklicht werden! Rückblick auf ein Krisenjahr. Harte Gewerkschafisarbeit in der Herrenkonfektion. Die im Deutschon Bekleidungsarbeiterverband organisierten Ar- bciter und Arbeiterinnen der Berliner Herrenkonfektion hielten am Dienstag in den„Residenzfestsälen" ihre J a h r e s- branche n Versammlung ab. Den Bericht über die Tätig» keit der Branchenleitung im vorigen Jahr erstattete der Branche'?»: leiter Genosse Aldo. Auch die Unternehmer in der Berliner Herrenkonsektion sind während der Berichtszeit mit ihren Abbauwünschen hinter den Unternehmern anderer Industrien und Gewerbe nicht zurückge- standen. Abbau der Serien, der Löhne usw. wechselten in bunter Folge mit gänzlichen und tcilweisen Betriebsstillegungen sowie Massenentlassungen ab. In der Berliner Herrenkonfektion wurden im vorigen Jahr sieben Betriebe teilweise oder vorübergehend und neun Betriebe gänzlich stillgelegt, darunter einige alte und bekannte Firmen. Aus der schlechten Beschäftigung erklärten sich auch die maß- losen Abbaufordcrungen der Unternehmer zu Anfang vorigen Jahres. Die Unternehmer verlangten einen generellen Abbau aller Löhne um 15 Prozent. Durch die Bemühungen der Branchen- und Orga- nifationsleitung kam schließlich ein Schiedsspruch zustande, der den Wünschen der Unternehmer nicht entsprach. Der Stunden- lohn der Konfektionsschneider wurde von 1,02 Mark auf 36 Pfennig herabgesetzt, der Wochenlohn der Zuschneider von 77 Mark aus 72,50 Mark und die Löhne der Arbeiterinnen im gleichen prozen- tualen Verhältnis. W 1. Januar d. I. kam dazu der neue Wbau auf Grund der 4. Notverordnung. In der Diskussion wurde an dem Tätigkeitsbericht der Branchenleitung Kritik nicht geübt. Einig«„Opposttionslcute" ver- suchten Dinge zu bemäkeln, die gar nicht ans der Tagesordnung standen, fanden aber keinen Anklang. Die Versammlung brachte ihre Auffassung über die Tätigkeit der Branchenleitung im Berichts- jähr bei den anschließenden Neuwahlen deutlich zum Ausdruck. Der Branchenleiter Genosse Aide wurde einstimmig wie- d e rg e w ä h l t: gegen die Wiederwahl der übrigen„reformisti- schen" Mitglieder der Branchenkommission wurden ganze drei Stimmen abgegeben. Als Delegierte zur örtlichen Generalver- sammlnng wurden von der gutbesuchten Versammlung gegen jaiif Stimmen ebenfalls nur Anhänger der Politik des ADGB. gewählt. „Hib" beißi auf Granit. Köln, 18. Februar.(Eigenbericht) In dem Texkllbetrieb von Baldns in Friedrichstal im oberbergifchen Land, den die Jtoz's schon für sich erobert zu haben glaubten, erhielten die Hitterianer und Stahlhelmer zusammen bei der Betriebsrälewahl 42 Slimmen, während die Gemeinschaftsliste der Gewerkschaften 233 Stim- men aus sich vereinigte. 30000 Bergarbeiter streiken m palen. Vorschau. 18. Februar.(Eigenbericht) Im D o mj> ro lv a er und Krakauer Kohl»nrevi.tr sind die Bergarbeiter in Starte von 30 000 Mann am Donners- tag in den Sir erk getreten. Der Streik ist auf den seit langem andauernden Lohnkonflikt im polnischen Kohlenbergbau zu- rückzusühren. Der Bergarbeiterverband von Dombrowa und Krakau hatte die Aufhebung der unlängst von den Unternehmern in Per- cinbarung mit der Regierung durchgeführten achtprozentigen Lohn- kürzung gefordert. Auf diese Forderung erteilten die Unternehmer überhaupt keine Antwort. Die Folge war der Streit der Berg- arbeiter. Die Führung des Streikes hat der Sozialistische Borg- urbellervcrband innc. Die Gewerkschaften beabsichtigen im Falle einer längeren Dauer des Streiks im Dombrowaer und Krakauer Bezirk auch in Oberschlesien zum mindesten«inen teilweisen Streik zu proklamieren. Paul Löhrke 60 Jahre alt. Am 13. Februar wird Paul L ö h r k e. der 2. Vorsitzende im Deutschen Landarbeiter-Verband, 60 Jahre alt. Von Beruf Former. kam er 1909, als der Deutsche Landarbeiter-Verband gegründet wurde, zur Landarbeiterbewegung. Hier wirkte er zunächst als Gau- leiter in Schleswig-Holstein. Die Generalversammlung des Vor- bandes wählte ihn 1923 zum 2. Verbandsvorsitzenden. Löhrke bekleidet außer diesem Amt eine große Zahl von wichtigen und ver- antwortungsvollen Funktionen. Auch für die Partei hat Paul Löhrts stets seine ganze Person eingesetzt. Jahrelang kandidierte er in Schleswig-Holstein für den Reichstag und hat in unzähligen Ver- fammlungen, namenllich auf dem Lande, für die Partei erfolgreiche Werbearbeit geleistet. Ihm selbst und uns wünschen wir, daß auch in künftiger Zeit die wertvolle Arbeitskrast von Paul Löhrke der Partei und Gewerkschaft noch viele Jahre erhalten bleiben möge. G»�reie Gewerkfchafts-3usenö Berlin Acute, Freitaa, 19. Februar, 19»� Uhr, tagen die Eruppent Süden: Jugendheim Bassertorstr. s. Schutzvolizci al« Bclks freund.—»her- lottendurg: iZugendheim Sprsestr. 30. Walzerlebnisse, Liederabend.— Zlardring: Jugendheim, Schule Ssnnsnburger Str. ZO. Trbeitegemsinschaft „Junger Gemerlfchafter".— Trepto»: Jugendheim ElCenstr. 3 Com Bahnhof Treptow». Allgemeines von der Abrüstung.— SteuISlln: Jugendheim Ä:»p- tomer Str. Od. Die Aufgaben der Gewerkschaften in der Krise.— Kermau»- platz: Jugendheim Sanderstr. 11. Gcke Hobrochtstrahe. Wandern und Schauen.— Osten: Jugendheim Frankfurter Allee 307, Löno-Zimmer. Sofemann kommt. — geppelinplatz: Jugendheim Turinor Ecke SecstraKe. Die Mode im Wandel der Zeit.— Soinickendorf-Ost: Jugendheim Lindauer Strasse(Baracken). Eigene Erlebnisse in der iranzdstschen Fremdenlegion.— Adlershof: Jugenddriin Adlershof, Bismarckstr. 1. Im Westen nichts Neues. && Iuaendqrvppe des ZentralverbanSes der Angestellten Sr?' Heute. Freitag, finden folgend» Veranstaltungen statt: Südwest: Zu- — Hof, Quorgebäud«, 1 Treppe, Zimmer S). Kultur. Leiter: Nachow— Potsdam. i, Wichgrafstraße. Arbeitsabend der Uebungs. firma.— Heute findet die Mitgliederversammlung um 20 Uhr im Verbans»• haus statt.— Heute beginnt der Anfängsrkursuz der Photogrupve um 20 Uhr im Borbandshau», Zimmer 24.— Heute tagt die Berliner Druckerei, und Berlagsgssellschaft m. b. H. von 20 bi« 22 Uhr im Jugendheim Eb-rtystn 12. Äei gichtischen Schmsrzen, Nerven- unbKopfschmerzer�ow�� Schlaflosigkeil haben sich Togal- Tabletten heroorraaend bewährt. Togal löst die schädlichen Bestandteile im Blut! Fragen SieIhren Arzt. 2» asten Apotheken. w, uul, o.ih-v.cuin» 7«% Acii sc«, saik- N«. tBayeriScher �Bilderbogen Wenn der Norddeutsche von Bayern spricht, meint er im vllgemsmen das Bayern südlich der Donau, oder, genauer be- zeichnet. München und sein Hinterland. Boshafte Leute behaupten. bei Erschas'ung der Menschen habe der Schöpfer vergessen, die Bayern zu hobeln und zu polieren. Das stimmt aber keineswegs. Di« waschechten Bayern sind ganz handsame Leute, mit denen sich umgehen läßt. Und was da alles über„Preutzenhaß* gefabelt wird. ist halb so wild. Mag die bayerische offizielle Politik auch ihre besonders betonte„eigenstaatliche" Färbung haben, die Bayern selbst sehen den Norddeutschen recht gern, zumal setzt, wo der Fremdenstrom bedenklich abebbt. Der Fremdenverkehr spielt im wirtschaftlichen Leben Slidbayerns eine recht bedeutende Rolle, und da kann man das Schimpfen auf die„Saupreißen" schon gar nicht brauchen. Im übrigen führt jeder Münchener Schutzmann das Gerede über den Preußenhaß»cl aksuräum. Die dunkelblau be- rockten Hüter der Ordnung haben sich nämlich eine echte und rechte preußische Pickelhaube über den Kopf gestülpt und demen- tieren damit in persona alles antipreußische Gerede. Und diese Pickelhaubenbewehrten sind gar gemütliche Leute. 2lm Marienplatz, der seine einstige beschauliche Geruhsamkeit längst verloren hat und von Straßenbahnen, Autos, Motorrädern und sonstigen Berkehrsoehikeln gar wimmeltg belebt ist, wird ein bayerischer Ordnungshüter von ein paar Norddeutschen angesprochen: „Entschuldigen Sie, Herr Wachtmeister, können Sie uns nicht sagen, wo hier etwas los ist...?" Es war schon nicht mehr ganz früh am Abend.„Naa", sagt der Pickelhaubenmann,„dös kann i net."— „Aber, Sie sind doch Verkehrsschutzmann", beharren die Fremden, „und wir sind doch gewissermaßen ein Stück Fremdenverkehr, da müssen Sie uns doch Auskunft geben können." Darauf der Schutz- mann:„Ja, Auskunft kann i scho ge'm. Aba nur über andere Sachen"— jetzt lacht er übers ganze Gesicht wie ein Honigkuchen- pferd und fügt verschmitzt hinzu—„aba den Verkehr, den wo Sie moane, für den bin i net da..." Das ist Münchener Gemütlichkeit. Nun müßte die Sache aber nicht in München gewesen sein, wenn sich, da ein Schutzmanp von vier Leuten umringt war. nicht gleich noch ein halbes Dutzend dazugestellt hätte. Hilss- bereit, wie der Münchener nun einmal ist, bietet sich gleich einer an. die verweigerte Auskunft zu geben.„Was möchtens denn wisssn...—„Konnten Sie uns nicht sagen, wo wir was erleben können...?"—„Ja", meint der Bayer,„dös können's leicht ha'm. Da gengens sttzt pseilgrad ins Hofbräu, stellcns Eana auf an Tisch und singen:„Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben"; da garantier' i Eana, nachert könneng was er- leben!" Die übrige Korona lacht, und unsere Preußen haben lieber daraus verzichtet, die Probe aufs Exempel zu machen. Sie ergaben sich statt dessen dem Studium der Bierologie und haben dabei sicherlich auch allerleihand erlebt. Am Vormittag trifft man sich, wenn man sremd in München ist, im Hofbräu. Unten ist die„Schwemm". Das ist nur etwas für die Eingesessenen. Man trinkt das Bier aus großen Maß- trügen sitzt dabei in einem verräucherten Lokal; die Lust ist so dick, daß man Zwei daraus machen könnte, und Bierdnnst liegt über allem. Zwischen den Stuhl- und Bankreihcn segeln m»hlbeleibte Kellnerinnen, die in jeder Hand etwa sechs Maßkrllge tragen. Hinterdrein kommt das Wassermädel, in jeder Hand ein paar Teller mit Weißwürsten. Aber die Weißwürste gibt's auch oben im ersten Stock in der Trinkstube, allwo die Fremden sich meist nieder- lassen. Hier hört man alle deutschen Zungen klingen. Sächsisch, Berlinerisch, Schwäbisch, Hamburgisch und»»er weiß, was für Dialekte noch. AZ» am Tische neben»ms eins Berlinerin Weißwürste bestellt und dt» Kellner m fragt Jä Heils oder a Dunkels "dazu?" und die Berlinerin, meint:„Nein, ich trinke eins Himbeer-. .limonadS�, da hätte nicht viel gefehlt, und die Zenzl»päre in 'Ohnmacht gefallen.„O. Iesses, Marie and Josef! Gibt's denn dös aa? Himbeerlimonade zu die Weißwürscht? So»vas könnens bei uns net ham. Aba a Springerl bring i Eana." Limonade zu Weiß- würsten ist für den Münchener eine Schändung seines Heiligtums. Wir erkundigten uns nach dem„Braunen Haus" und bekamen bereitwilligst Auskunft, lieber den Odeonsplatz sollten wir gehen, die Brienner Straß« hinunter, dann an dem großen Obelisken vorbei.„Wissens, der hat an jeder Ecke an großen Schafskopf am Sockel. Dös is zweng die Schafsköpf. die wo mit'n Napoleon seinerzeit nach Rußland sind und elendiglich derfrorn san. Also, da gengens vorbei und immer gradaus! Dann feh'ns schon die vielen feinen Autos vor an großen Haus. Dös is dös „Braune Haus".— Jetzt wußten wir's. Also dort, wo die vielen feinen Autos stehen, deren Besitzer beim Osas Besuch machen, ist das Haus der Nazi- A r b e i t e r p a r t ei. Daher auch der Name NSDAP.— Nationalsozialistische Deutsche Auto-Partei. In München haben übrigens die Nazis nicht viel zu melden. Man hört recht saftige bayerische Witze, mit denen Hitler.cherbleckt" wird. Das scheint symptomatisch zu sein. Der Hitler-Rummel ist hier schon zu alt. Er zieht nicht mehr. Man hört immer mir die gleichen Phrasen, die man allgemach schon kennt. Schließlich hat der Mllnchener auch nicht vergessen, daß Hitler 1923 ausgeknissen ist, als sein Putsch niedergeschlagen wurde. Versammlungsstörungen gibt's in München schon lang« nicht mehr. Einmal sprach Mücke in München. Ueberfüllter Saal. An einein Tische sitzt ein Dutzend Nazis. Die Reichsbannerkameraden haben's schon g'spannt. Sie umstellen unauffällig den Tisch. Da werden unterm Tisch ein paar Stinkbomben aufgetreten. Uebler Duft zieht auf. Die Nazis wollen sich langsam einer nach dem anderen„verkrümeln". Aber da werden sie von kräftigen Reichsbannersäusten wieder auf die Stühle gedrückt. „Jetzt kann niemand raus. Das würde stören." Die Nazihelden müssen noch über eine Stunde in ihrem eigenen Gestank sitzen bleiben. Die Bahn sührt uns nach Mittenwald, dem Geigenbauer- darf. Es ist jetzt ruhig dort. Wenig Fremde, und den Geigen- dauern geht's schlecht, sehr schlecht sogar. Wir wandern zwischen Wetterstein» und Äarwendelgebirge. Prachtvolle winterliche Alpen- well. Einmal kamen wir über die Tiroler Grenze. Auf bayerischer Seite steht eine gußeiserne Grenztafel. Sie ist weiß gestrichen; das bayerische Wappen und die Beschriftung sind reliesarüg in die Tafel gegossen. Die Königskrone über den beiden Löwen hat man be- seitigt. Es hat sich also offenbar schon herumgesprochen, daß Deutschland eine Republik ist. Aber die Schrift verkündet noch kreuzfidel.Königreich Bayern". Damit aber niemand Anstoß nehmen kann, ist der„König" mit weißer Oelfarbe gestrichen, wie die übrige Tafel, während der Rest der Schrift schwarzlackiert kundtut, daß HUr das„reich Bayern" beginnt. Im Winlerkurort Garmisch-Partenkirchen stehen am Bahnhof zahlreiche Autos und Fiaker. Die Chauffeure und Kutscher stehen auf einem Klumpen zusammen und bereden die schlechten Zellen. Drei oder vier stürmen auf uns zu und wollen uns irgend- wohin fahren. Wir wehren ab, kommen ins Gespräch.„Is scho a G'frett, dös Jahr, daß koani Fremd'« kemma."—„Ja, die Wirt- schaftskrise wirkt sich hall auch im Fremdenverkehr aus."—„21 wos, Wirtschaftskrise. Schasti-Ouasti! Die Leit, die wo zu uns nach Garmisch kemma, die ham allweil no a Geld. An Schnee sollt ma ham, dann kemma d'Lell scho.—„Jetzt wird's ja bald Frühling und Sommer: dann kommen schon wieder Fremde."—. „A, bis dahin is no lang. Aba nächste Woch'n wird's besser. Da kemma-1009 Konditor,.—„So, d» Kondlloranverband hat hier'wohl eine Tagung?".Icoa. die ham wa b'stellt zum Sch�ee-schlag n.. Schallendes Gelächter bolährj nöch. daß ich auf einen bayerischen Äher'z hereingefallen Sin. Und da soll mir noch«tner sagen, daß die Bayern nicht- gemütlich sind. jambus: 3)as „Her MW den Ramsch, bat ist all min!" „Na row man'n beten, bat möt allens sin Ordnung b ebben." Jan Bertagen sah mll gierigen Augen, wie sein Geld bedächtig gezählt und dann ganz langsam, fast behutsaim, über den Tisch hin- weg ihm zugeschoben wurde. Dann griff er hastig zu, steckte aber schließlich seinen Gewinn zögernd in die Tasche. Er sackte in sich zusammen. „Hill is ill mll bat Speele«, will na Hus gahn." Ja» Vertagen stand auf, nahm seine Mütze. „Na dann gah man, verget man nicht bat Wedderlamen." Jan aber ging nicht heim. Cr wandle seine Schritte zum Hasen. Die Spielleidenschast war verflogen. Der kühle Wind umspielte sein Haar. Nun hatte er wieder Geld, mehr, als er hoffen konnte. Der Teufel hate es gut mll chm gemeint. Nun konnte er sich wieder streiken, tonnte wieder etwas anfangen. Die Masten tanzten lln Mondlicht sachte Kreise. „Dunnerflag, dat wer wat for mi." Jan blickte tiefsinnig zu dem allen Gaffelschoner hinüber, der nun schon seit Menschengedenken im Hafen lag. Den sollt« man wieder einmal mll der Nase in den Wind fahren. Entschlossen ging er denselben Weg zurück, den er gekommen war. Sein« Kumpan« saßen noch in der Kneipe. „Hallo, Jan hell noch nich allens wedder verlorn, hei will wedder spceren." „Nee, dat gerad nich," antwortete Jan.„Aber mll di, Christian, will ick een Geschäft malen." Christian ging mll Jan in eine Ecke, und bell»« flüsterten erregt mlleinander. Während die ganze Kneip« im Dunst versank, beob- achteten viel« neugerige Augenpaare, was nun werden würde. Endlich sah man. wie Jan in Christians Hand hieb. Der reichste Mann am Ort hate mit einem, der vor einer knappen halben Stunde �nocki arm war wie eine Kirchenmaus, der kaum den Einsatz zum Spiel ausbringen konnte, einen Handel abgeschlossen. Von diesem Augen, blick an war Jan Schiffseigner. Der alte Gaffelschoner hate wieder einen Kapllän. Christian rieb sich oergnügt die Hände. Der gute Jan sollt« sich wundern. Mll dem Kahn konnte er keine Meile well segeln. Der war kaum als Brennhalz zu oerwenden. Das iah Jan selber ein, als er am anderen Morgen bei hellem Sonnenschein an Bord gegangen war und den allen Kasten unter- sucht halle. Christian hatte ihn gehörig angeschmiert.„Na tow, kommt TA, kömmt Rat, dat war ick die betalen." Jan richtete sich häuslich ein. In der Leinen Kabine war Platz genug für ihn. Er lungerte wieder wie einst im Hafen herum, bettelte h!»r ein wenig, handlangert« dort ein bißchen. Aber er spielte nicht mehr. Dem reichen Christian ging er aus dem Wege und wo das nicht möglich war, begrüßte er ihn, als ob er nicht wüßte wie er betrogen worden war. Jan wurde sparsam. Als der Sornnrer kam, Halle er«in hüb- sches Sümmchen beieinander. Miete Halle er nicht zu zahlen. Das bißchen Essen brachte er auch ohne große Ausgaben zusammen. Eines Tages hantiert« Jan mll Hammer und Säge. Er besserte an dem alten Schoner allerhand aus. „Jan will in See gehn," lachten die Leute. Dann pinsell« Jan meisterhaft, so daß der Schoner in der Tat schmuck aussah wie ein werstneues Schiff. „Geschickt is de Jan," sagten die Leute,„dat möt em de Neid laten." lind alle waren neugierig. Aber all« ihre Erwartungen wurden übertroffen. Jan tat etwas, an das keiner in der Stadt und sieben Meilen in der Ruirde gedacht hatte: Jan wurde Gastwirt an Bord seines Schiffes. Die Konzession hatte er in der Tasche. Die Leute kamen, seinen Kram zu besehen. Sie konnten Bier und Grog, Tee und Kasi-e haben. Abends leuchteten buntfarbige Lampions über das Deck und spiegellen sich im leisen Wellenschlag des Hafens. Das war doch mal was anderes. Und wenn Jan noch dazu auf dem Schifferklavier luftige Wessen spislle, die sie olle kannten und mitsingen konnten, dann waren sie zufrieden. Und Jan war auch zufrieden. Er wurde cm wcchkhabender Mann, wenn er das Geschäft weiter betrieb. Der Winter sah Jan als Einsiedler an Bord seines Schrffes. Sein Geschäft brauchte Sonne, Licht und warnte Sommertage. Die kalte Jahreszell vertrieb die lustigen Gäste. Zuweilen ging Jan an dunklen ülbenden an Land, und wenn er hennkehrte> lächelle er verstohlen und pfiffig. Der Sommer brachte wieder Leben in den Schiffsbetrieb. Jans geniale Einrichtung war an der Küste bekannt geworden. Mancher Sommergast war, angelockt von Lampions und Musik, gleich am Ort geblieben. Alle Stuben waren vermietet. An Bord gab es jetzt Restauration und Tanzbetrieb. Die Sommergäste tanzten oergnügt mll den Einheimischen. Jan machte em glänzendes Geschäft, und die Gastwirte der kleineit Stadt beschwerten sich über ihn. Abend für Abend tanzte auch des reichen Christians Tochter auf den blankgescheuerten Schifssplanken. Sie war ein hübsches, viel unuoorbenes Mädchen. Aber der Jan hatte es ihr angetan. Am liebsten tanzte sie mit ihm, der auch als Wirt hin und wieder für sie Zeit fand. „Mensch, Jan, die Dorothee. dat is wat für di." Jan guckte dann den Betreffenden von oben bis unten an, sagte aber kein Wort. Ein Küßchen in Ehren war ja schließlich nicht oerboten. Bald wußte die ganze Stadt, daß zwischen Jan und der Dorothee nicht alles in Ordnung war. Jeder sah. wie oersiebt die Dorothee in Jan wan Nur manchmal meinte der eine oder der andere, daß Jan sich wie ein Klotz betrage, So ein Mädel, Donnerwetter.... Eines Tages wurde Chrsstian in der Kneipe weidlich ausgezogen. „Een Prinzen wird die Dorothee sa wohl nu nich kriegen, ober een «chixper mit fiten morschen Kahn." Christian taumelte, als er nach Haufe ging. Er ballte die Faust. Dorothee ging seitdem mll verweullen Augen uncher. Aber eines Tages fuhr sie zu Jan und erklärte chm, daß sie nun für immer bei ihm bleiben wolle. Jan kratzte sich hinter den Ohren. Er zog fem Gesicht in be- dcnkliche Fallen. Am nächsten Tag kam Ehristian zu ihm. Jan stand breitbeinig vor ihm.„Die Dorothee." sagte er,.habe ich nicht gerufen. Wenn man seine Kinder nicht erziehen kann, muß man eben selber die Verantwortung tragen." Jan sprach hochdeutsch. Das halle er sich von den Kurgästen so altgewohnt, lind dann war das auch„feiner". Christian drohte mft der Polizei. Jan lachte chn aus. Chrsstian zog unoerrichteter Sache ab. Er besprach sich mit dem Bürgermeister. Aber der konnte ihn nickst helfen. Da ging Chrsstian wieder an Bord zu Jan. Beide sprachen lange mlleinander. Und endlich erreichte Christian, was er wollte. Jan mußte weg. Und darum kaufte er den allen Kahn zum doppeven Preis zurück und zahll« für die Aufgabe des schönen Geschäftes noch ein tüchtiges Stück Geld' drauf. Unter diesen Bedingungen erklärte Jan sich großntütig bereit, sofort abzureisen. „So, mein lieber Christian," sagte er,„jetzt bist du angeschmiert. Und dann grüß mir die Dorothee. Tut mir leid, das Mädel. Rann nich dafür. Hab aber selber Frau und Kinder. Wollte damals ein ehrlicher Schiffer werden. Du hast mich betrogen. Ich Hab die Dorothee nicht gerufen. Sie muß sich schon bei dir bodanken. Na, denn adjlls." Jan ging von Bord. Die Stadt sali chn nicht wieder. Christian aber sprach mit seiner Tochter wie einer, der eine schwere Sünde begangen Halle und nun büßen muß. W. Wegcler: �OtetmillSken Qaug durch eine große Sammlung Prof. Dr. Friedenthal von der Universität Berlin hat eine Sammlung von Totenmasken zusammengestellt. Von bedeutenden und interessanten Menschen werden seit einigen hundert Jahren die Totenmasken abgenommen, und es ist eine besondere Wissenschait geworden, aus diesen Masken das herauszulesen, was man zu Leb zeiten in den betreffenden Menschen nur vermuten konnte. Denn jeder Mensch trägt eine Mazke sein Leben lang, eine selbstgemachte. aber nicht immer undurchdringliche. Sobald sich in dem jungen Menschen die ersten Gefühle irgendwelcher Art, sei es Furcht, Scham, Reue, Liebe regen, dann setzt er eine Maske auf, spannt die Mus- kein auf der Stirn, an den Schläfen, Augenbrauen, auf den Lippen und Kinnbacken, zwingt dos Auge in besonder« Stellung, steift den Hals, preßt die Zähne auseinander. Der Mensch wird älter, hat sich bei allen möglichen Gelegenheiten seine Maske so angewöhnt. daß aus ihnen im Laufe der Zeit eine Gewohnheitsmaske für den Alllag entsteht, die der Mensch dann für den Rest seines Leben» mll sich umherführt und die er nicht einmal im Schlaf mehr lüftet. Rasch llllt der Tod den Menschen an, so rasch, daß keiner Zeit Halle, sich eine neue, eine schönere Maske zu besorgen. Das ist auch nicht nötig, der Tod löst alle Glieder, alle Muskeln, sie werden schlaff, fallen zurück in die Formen, die ihnen von der Natur ange- wiesen waren und aus denen heraus sie der Mensch drängte und preßt«, um sich seine Lebensmaske zu schaffen. Um die Toten. maske braucht er nicht besorgt zu sein, sie formt sich von selbst. Und erst dann«kennt man oft Züge im Gesicht eines Menschen. die m cm bn Leben an ihm nermißte, weil er sie zu' gut züft>erberge!t muhte. Guts» Spottsucht, Trnnkichkeft. Der Tod ist eist große,' Kunstler, wenn er nüll. Manche Gesichter läßt er zusammen sinken, daß nfchls mehr«knf allen kann, ander» bei denen es sich lohnt, nimmt er, formt die erschlafften Züge zu enter Schönheit, die einem Bildhauer, einem Maler unerreichbar ist, Von großen Verbrechern und bedeutenden Menschen hangen bort die Masken nebeneinander,' obgleich sie im Leben nichts mit- einander zu tun hallen. Aber hier, wo der Tod seine Markierungen in die Gesichter geschnitten hat, ist es sehr schwer zu unterscheiden, ob diese Maske einem Gauner oder sene einem Genie gehörte So kann man zwischen den Masken des englischen Raubmörders W a s h und des Bildhauers D a n a t e l l o eine fabelhafte Aehnlichkcit fest- stellen. Don Revolutionären fallen Liebknechts Züge auf, da- neben ist der feine Kopf R o b e s p i e r e s, der noch nicht der feinste war der französischen Revolutionäre. Verändert sich der Mensch im Tode sehr? Nach hcn Masten zu urteilen ja. wenigstens in demselben Maße, in dem er bei Lebzeiten sich verstellte! Es ist oft schwer, von einer Maske zu sagen oas ist der oder jener. Man hielt mir eine vor, ich riet hin und her, fünf, sechs Namen, schließlich war es Wicland, auf den ich nie gekommen wäre. Manche Masken sind erkennbar, Nietzsche, dessen struppiger Bart und Augenbrauen selbst di« ungeheuer groß und tief einfallenden Augen vergessen lassen, oder Menzel, dessen zerknitterter, kleiner(nicht wie im Leben großer!) Kops auffällt. Auch bei Richard Wagner kann man kaum zweifelhaft sein, um wen es sich handelt, vielleicht auch noch bei Voltaire, dessen Affenkopf zu keinem anderen Menschen paßt. Bei den anderen ist es schwierig. Lang« suchte ich naci, Goethe, aber ich fand ihn nicht. Die wirkliche Totenmaske ist von der Idealmaske derart verschieden, daß man in dem etwas hohen Kopf mll wulstigen Brauen und nichtssagendem Mund niemals Goethe.vermutet. Beethoven, dem es in den letzten Jahren gesundheitlich schlecht ging, ist nicht zu erkennen ober besser nicht mehr zu erkennen, Liszt ist nur durch seine vier großen Warzen zu agnoszieren. Von den Verbrecherköpfen ist der des Fraueninorders G r oß- mann interessant durch die noch offenen GehirnnShte, die bei an- deren Menschen in frühester Zftndbeit schon zusammenwachsen. Nur wenig« Frauen haben sich zwischen die vielen Männer verirrt. U. a. sah ich Minna C a u« r, die Frauenrechtlerin. Da- nach müßte ich annehmen, daß Frauen sich im Leben weniger ver- stellen als die Männer denn bei ihr merkt man zwischen Tod und Leben keinen Unterschied im Ausdruck. Di« schönste Maske haben uns darum doch die Frauen geschenkt, es ist die berühmte de- siebzehnjährigen Mädchens, das vor Iahren in die Seme ging. Als man sie auffischte, war ein Künstler dabei, der die Maske ab- nahm, und so ist uns dieses Lächeln erhalten geblieben, dieses Lächeln, das nicht zu beschreiben ist. Merkwürdige Gewichte. Bei den asten Römern herrschte der Brauch, beim Wiegen von Waren immer Gewichte zu benützen, di« den Waren, deren Gewicht sie bestimmen sollten, nachgebildet waren So wurden zum Beispiel zum Wiegen von Schweinefleisch oder Fischen Gewichte in Gestast lleiner Schweinchen oder Fische ver- wendet, während Gewichte für Knochen die Form von Rinder knochen besaßen. Selbst die Gewichte, mit denen Käse gewogen wurde, waren kleinen Käselaiben nachgeformt. Zu Begräbnissen kleiden sich die Chinesen immer in Weiß, wahrend sie, wenn sie Hochzeit feiern, Schwarz tragen. Allgememe Wetterlage. 0«wilfenlos,® hsiferXI kalb bedeckt 3 vwlkig,® bedeckt»fiegerw. Graupeln !SchrK!t=tteWJ'GewinW@WindsrHle Das europäische Hochdruckgebiet hat sich jetzt zu einer von Irland bis nach Innerruhland und weiter reichenden Zone hohen Druckes entwickelt. Unter ihrem Cinslutz herrschte am Donnerstag in. Deutschland weiterhin trockenes und meist heiteres Wetter, jedoch kam es in Mittel- und Nordwestdeutschland zu verbreiteten Morgen- nebeln; stellenweise hiell der Nebel auch am Tage an. Die Tempe- sturen stiegen vielfach über S Grad Celsius, in den nebligen Ge- bieten blieben sie dagegen meist unter Null.— Auch in den nächsten beiden Tagen wird die Hochdrucklage noch sortbestehen. Mit der Ärsöreitung des westlichen Luftstrvmes an der Nordseite der Hoch- druckzone nach Mitteldeutschland dürste jedoch in unferm Bezirk die Neigung zur Nebelbildung beträchtlich zunehmen. * Wekleraussichlen für Berlin: Fortdauer des trockenen und beständigen Wetters, vielfach nächtliche Nebelbildung, schwache Luft- bewegung.— Für Deutschland: Ueberall trocken und beständig; im Nordwesten und Norden Deutschlartds vielfach nebelig; im übrigen Reiche meist heiter, abgesehen von Morgennebeln: Temperawrver- bältnisse im ganzen wenig verändert. Aus der Partei. Die Sozialistische Partei in USA. plant für den lt. Mai in Chikago eine große Demonstration, der die Kan- didaten für die Präsidentschaft und die Bizepräsidentschaft und die Mitglieder der neuen Parteiexelutive beiwohnen werden. WM»a0»ng«n sS, dtrl» SwdrU sind v»« l t» SB 68. Lurdenstroge» parieinachnchier» lSroß-Rerlin stet» an da» Vezirteletretarta, 2. Hof. 2 Trepv«» recht«, ja richte» Varcütigumg sozialdemokratischer Zartste«- Am Freitag, dem 19. Febaiar, 29 Uhr, im Saal Z de« Pschane-Savs«, TaacNflieastr. 1Z, Bortrag:„Stcllaag der Justiz i» der jetzige» Ziechtsstaatetrisr". Refcre»t: Dr. Kruft Fraeuiel-Berlia. Ks wird um zahlreiches Erscheiura aedeteu. Zutritt sür Mitgiicder aur grgcu Byrzeignag der Mitgliedslarre jar da« t. Quartal 19Zl, stir Safte nur gegea Borzeiguag de» Mitgliedsbuchs der Partei. » i. strris. Sajtniaa, 21. Februar, 1114 llhr, ffilmmatiitcc tut Filmtheater ,, Babylon", am Biilomplatz. Mitmirlende: Ziote Nebel! en, B«ner Saul zeiHnet Zeitkarikaturen., SLniercnrier Genosse Hochberocr, Anspreche Gr- noste Dp. Zurt Lowanstein, M. t>. N. Der Uederschuh wird fiir die Unter- Haltung des Ermerhslosenheims im Kreis Mitte verwandt. Karten zu 30 Pi. bei den Bezirkssilhrcin und an der Kasse. Lestte Abrechrmng der Karten eine Stunde yar Beginn der Beraniioliu Z. Kreis. Deutscher Freidenteroerband. Heut», erfolgt die VorfithriUlg des Filmes ,.Frai_______________...... "* ichstr. 1, der am Freitag, dem 12. Februar, nicht ans. oa bnnfce. rm Filmtheater.. , Freitag, 1SL Februar, 20 Uhr, raucnnot— Frauenglllck" in der Die alten Karten haben ihr« Siiltigkeit. Am SijtgenSrrrusrai, '"hrt werden Sa, Kreis._______ mann. Schule.______ Wst.„_____-JHP �____,.... und der«t Angehiirrge. Di« Ausgestaltunz hat der Deutsche Freidenker- perband übernommen. Mitwirkende: Qunrtatt des Frendcnkiryerhandes, Rezitatipn Martha John und Ansprache. Gintritt frei. Mitgliedsbuch als Ausweis mitbringen. 17. Kreis. Mittwoch, 24. Februar, lg Uhr, bei Tempel, Gndrunstraße, außer- ordentliche �unktronörkonferenz. ...._______-...... Genosse WW>W 7. Abt. Di« Mlletrs zur Filmniotince am A. Februar müssen bts Sonnabend beim Kassierer Lehmann abgerechnet werden. ZU Abt. Sonnabend, 20. Februar, 20 Uhr, geselliges Beisammensein dcr Mit- glieder unserer Abteilung im Lokal unseres alten Parteiwirts Wilhelm Soldschmidt. Ltolpische Str. Sil. SZ. Abt. 7Z. Bezirk. Alle Genossinnrn und Genossen werden herzlichst ein- geladen zum geselligen Abend im Lokal Keil, Prinz, Handjerr,-Str. 38, am Sonnabend, dem ZO. Februar. 20 Uhr. 198. und 198a. Abt. Sannabend, 20. Februar,„Roter Fasching". Musik, Gesang, politisches Kabarett sSpieltruppe Rote Funler). Tanz. Siatsttheoter, Fried. richftr. 0. Ginlaß 19 Uhr. Beginn pünktlich 20 llhr. Eintritt inkl. Steuer 20. Februar, 20 Uhr, Mitgiiederver- oC_Pf. 133». Abt. ftanlsboif-SSi. Sonnabend, . sammlnng hn Lokal.Lagerheim". Bezirksmlsschusz für Arbesierwohlfahrt. 7. Kret« kharlotteobnrg. Freitag, 19. Februar. 1816 Uhr, Sitzung der Ar- beiterwohlfahrt im' Jugendheim Ghaolottenburg, Zirstnenstraße- Arbeitsgemeiaschask der kinderfreunde Groz-Berlin. Treptow. Laura de Basis. Sonntag, 21. Februar. Fahrt nach Meißners Hof. Trefspunkt 8 Uhr Bahnhof Treptow. Fahrgeld SO Pf. Trinkbecher mitbringen. Montag, 22. Februar. Zugendheim Elsen- straße S. Elternabend. Beginn 19 Uhr. Die Selierützuna am 20. Februar fällt aus, dafür findet am 25. Februar, 20 Uhr, im Iu- w/i/i aendheim Baumschulen.weg eine außerordentliche Kreishelfersißung statt. Erscheinen Pfl!"" Senlöllu, Abt. Lichtlä»ü>fer. Ganghoferstraße. t. ie Roten Falken sind um lß*i Uhr in der Sterbetafel der Groß-Berliner parle»-Organisation 1. Abt. Unser Genosse Max Büttner, Gartenstr. 40, ist am 14. Februar verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Freitag, 19. Februar, 12 llhr, im Krrmatorlum Gerichtstraße. Um rege Beteiligung whd gebeten. Der Abtetlungsvorstand. 11. Abt. Am 16. Februar verstarb unsere Genossin Müller, Pmbusser Straße 18. Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 20. Februar, in der Gerschtstraße statt. Du Genossen treffen sich um 1314 Uhr bei Sottschalk, Put- busser Str. 2t. III Sozialistische MbelterjugendGroß-Verlin Ginlendungen für diese Rubrik nur an das Ipgendsekretariut Berlin SW 68 Lindenstratz» 2. vorn l Treppe rechts. Heule, Freilag. 19. Februar» 19� llhr. Arkonaplotz: Elisabethkirchsir. 19. Arkena-Rundfunksender.— KZInischer Park: Waifenstr. 18. Tagesvolltik.— Zentrum: Waisenstr. 18. Heimabend.— Rosentholer Vorstadt: Tiecksir. 8. Leseabend.— Hansa- Bachumer Str. 8d. unb-Slberi.— Moabit k- Balbouferste. 93L ?rb«teafl!hrer Bebel, Lleb��--,.---------------------—— teimab-ird.— Moabit II; Lehrter Str. 18—19, Das Problem des Krwges.— »ortpalaft: Gentblner Str. 17. Falkenabend.— Selunbbrnnne« ll: Kvlor.i-..- jlraße 8. Arbeitsgenuwlchaf?.— Araimplotz: Sonnenburger Str. 20. M:t» gliedernersammlung.— Aruswolder Platz II: Rastenburger Str. 16, Berliner 'umor.— Balkan: Mandelftr. 2. Zeltlager und soziales Wandern.— Fall- >eck und Ziel unlerer Beweguna.— Helmplatz: Sonnenburger«tr. 20. holtzplatz: Kasiauienallee 81 Straß« s. Heiterer Abend. Republik.— Weiße»lec � Aus dem Tagebuch eiiws Arbeitermädels.— Friedeaau: Osfenbochcr Str. Bunter Abend.— Siböneberg I: Haupiftr. 15. Fahrtenbilder.— Schönebcrg ll: Hauptftr. IS. Auf Walze.— khaelotteaburg: Resinenstr. 4. Scimabend.— Kbarlottentnrg-Zlorb: Sremensstadt. Schule Junafernheideweg. Was sollen wir lrsen?— Kharlott«»bnig-Snd: Soethcstr. 12. Arbritsgemeinlchaft.— Spandau: Lindennfer l. Togespolitik.— Laakwitz: SÄnlsiraß«. Auslprachcabend.~- Lichtcrlelbei Albrechtsir. Ha. Lcseabend.— St-alih I: Flemmiugsir. 14. W's in Sozialismus?— Narieadorf: Doifftr. 7. Werbearbeit— Britz: Parchimer Allee. Arbeitzgemeinlchgft.— Rcakölla I: Sander- Eokc Hobrechtstraße. Dos Kommunistische Manifest.— Zlculölln II: Steinmeßstr.. 94. Heimabend.— Ben- lall» Hl: Ziethenstr. 58. Di« Lage und Aufgaben der Arbeiterschaft.— Nev- kolln n"; Kanner Straße. Ein Spartakist erzählt.— Nenlössa l: Treptower Straße 95—26. Jllngerenzusammenkunft.— Riukhlla VIl: Karl-Marr-Schulc. Wie begegne ich meinem Segner?— Benkälln X: Ganghosers'.r. S sBaracke). Arbeitsgemeinschaft svünktlich).— Neukölln AI: Flughasenstr, 08. Bunter Abend. — Baumschulenweg: Kundgebuna mit den Freidenkern im Tinalü Treffpunkt 19 Uhr am Bahnhof.— Johapni-tbal: Rathans. Politische Tagessragen.— Schöneweide II: Berliner Str. 31 wrielabepd.- Trmüow: Elsenstr. 3. Welt. Wirtschaftskrise.— Bohnsdorf: Wachtelsir. h Gerda-Wenl-Abend.— Falkenderg: Gemcinfchaftshaus. Berliner Kümor.— Köpenick I: Grünauer Str. 5. Lichthilderoortrag.— Köpenick II: Dahlwißcr Straße. Einführung in den So- zialismus.— Reinickrndors-Ost: Lindouer Str l, Liederabend.— Wittcaan: Hauptftr. 15 lSchuli). Heimabend.— Karow: Frundsbergsir. 9. Grundgedanken bep kommunistischen Manifestes.— Riedeeichönhauiea: Antenftr. 47. Alkebal und Nikotin.— S-rmsdors: Schul« Roonftraße. Reparationen und Birtschait. . Merbebe-il? Wedding: Willdenowstr. 5 Delegiertenzusammenkunft. Werbeb-'irk Li-bteab-rg! VuNterslr. 11. Mitgliedcrveriominlung. Thema: „Ddr Konflikt zwischen Japan und Ehina". Referent: Ludwig Dteberich. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwari-Rol-Gold". S-schSstsstelle: Berlin s. 14. S-dastwnstr S7-3S s°i 2 Tr. lOxtsverein). Freitag. 19. Februar. 20 Uhr. Mitglieder. '■■■-AI. i,—.«■-Tll e, v» S 1 Q st fla Versammlung im Berliner Hof. Borstand 19 Uhr.— Rcinickendor!» Ost sAameradschaii). Freitag, 19. Februar. 20 Uhr, bei Kiebne. Rsidenzftr. 9. KameradsÄaftdversammlüna.— Friedrichshoin IKameradfchaft Frantiurt). Freitag, 19. Februar. 20-Uhr, Äameradschaftsversammlung bei Sittschuß, Peters- burger Str. o.— Lichtenberg kKameradschaft Friedrichsieldel. Freitaa. 19. Fe» bruar, 20 llhr, Mitgliederversammlung bei Schwarz, Eaprivialle« 104. Baad Satschledencr Schalresoimer. Oefsentliche Monatoveranstaltung Dien? tag, 23. Februar, lOlt llhr. in der Aula der Angusta-Echule. Elßholzftr. 34—37. Ecke Pallasstraße.„Der Faschismus und)><* Würde der Frau." Reöncrinnen u. a.: Edith Bgumaun, Dr Gertrud Bäumer, Gertrud Bodin. Elsbet Frank, Maria Ariiche. Marie Reichheim, Lisa Rietz, Lydia Stöcker. Elsa Wiegwann. Freie Aussprache. Unkostenbeitroa am Sapleingang 50 Pf., für Mitglieder 30 Pf., Arbeitslose(Ausweis) 20 Pf. Die prohe Beliebtheit des Schuhhvfes bei der Käufertchoft läßt es zu, daß der Zentrale in der Köpenicker Straße ein weiteres Gs- schäjt angegliedert� wird. Diesmal holt der Schuhhof zu einem bedeutungsvollen Schlage in der„City des Ostens", am Ällerander- platz, aus und erschließt sich dadurch das dem ganzen Wesen der Firma ureigene Gebiet des Berliner Ostens. In dem großen Block, der von Wertheim in der Königstrahe ausgeführt wird, wird der größte und schönste Schuhhof Berlins entstehen. Der karloffelverbravch geht bekanntlich nach Weihnachten zurück. Die Kartoffeln beginnen dann zu keimen und verlieren an Nährwert. Viele Verbraucher geben deshalb in dieser Zeit oft anderen nahrha'ten Lebensmitteln, wie es alle Teigwaren sind, den Bhrzua. Den Mitgliedern der Berliner Konsumgenossenschaft stehen dabei die oorzllglichen Erzeugnisse der beiden großen, m Riesa und Mannheim gelegenen GEG.-Teigwarenfabriken zur Verfügung. GEG.-Teigwaren werden bei peinlichster Sauberkeit mit modernsten Maschinen aus bestemHartweizengrieß hergestellt; sie sind. wie alle anderen GEG.-Waren, von höchster Preiswürdigkeit. Wiirsfrvarsn Sülzwurst................ Tiä 0,65 Speckwurst m«. Art...Pick 0,65 Damptwurst............ Pfd. 0,70 Bauern-icberwursf..m v ,75 iagawurst.............. Pio 0,7« Knoblauchwurst....... Pia 0,65 Wiener Würstchen... Pfd. 0,05 ft. Leberwurst.......... pid. 0,08 $chinkenpolnische... Pfd. 0,98 Zervelat od. Salami.. Pta 0,95 Hamb.sok-Metlwufstpia 7,05 Schinkenspeck....... pta7,15 feewurst fein............ Pfd. 1 20 k Istwurst................ Pia 1 25 Fetter Speck.. Pia von 0,68 Magerer Speck ptd. von 0,65 Obst und Gemüse Erdnüsse................. Pia 0,25 Mandarinen............ Pfd. 0,20 Blutapfelsinen....... 3 ptd. 0,50 �afta-Orangen...... 3 pta 0,70 Zitronen............. Dtt. von 0,28 Bananen............... 3 pw 0,E5 Tafeläpfel ainerik...... 3 Pick 0,70 Möhren gewasiuea..... 3 Pta 0,10 Sellerie................. 3 ptd. 0,20 Orünkohl................ Pta 0,06 Rot- oder Weisskohl ptd. 0,07 Zwiebeln................ Ptd. 0,16 | Apfelsinen....3Ffd.0,44| Kolonraiwaren Brucnreis................ pta 0,12 Burma-Reis............. Pia 0,14 Bassin-Reis glasiert..... Pia 0,18 Japan- eis EUftert..... Pia 0,22 Eier-Fadennudeln....pta 0,48 Bruch-Makkaroni... p a 0,44 Viktoria-Erbsen..... 2Pid. 0,35 Weisse Bohnen..... 2 pta 0,25 Linsen.................. Ptd 0,12 Backobst............. ptd. ton 0,36 Pflaumen petrocket, Pfd. VON 0,24 Pfirsiche cetrocknel...... Pfd 0,60 Aprikosen m ra.m trnetn, Pfd 0,38 Gebrannte Gerste...Pia. 0:22 Krümelschok.-Pulver Pia 0,65 Tee lose.................... Pid. 3,80 Kaffee.......... pta voni ,68"] itor trattoa». Sonnaj nd.— Manganabfloka vcrbxhaltm.- Varkauf tewalt Verrat.- Flatsch u. latchlvar.'larl-'lcha «lad vom vsnand auigaichlosseri.- Dia Zu:«ncun-i von lebanomittaln orlo'gt bat Beitellung von 9,00 Mark an. Praha nor Waran Ffsche�Raucherwaren 'Seelachs gr„o.K..L t.. Ptd. ▼. 0,12 'Kabelsau Ptd.». 0,14 'Austern« eh........... p.a o,20 'Schellfisch m. Kopix gz., Pia 0,26 'Kabeljaufllet.......... pm. 0,28 'Bralscholten....... s«4 6,38 'Grüne Heringe....3 Pta 0,32 Fettbücklinge.......... ptd. 0,20 Sprotten................. ptd. 0,25 Räucherflundern..... Pia 0,42 Liliput-Marinaden... Dose 0,25 Rollmöpse 1- 1 Itcr• Dose O,»® VrDtr.-Doee Fettheringe ta Tomaten, Do»o 0,5b Appetit-Slld.......... Dose 6,80 Poituglaolicha Olsardinen......... 8 vomn 0,85 Pilchards................ Do» 6,95 Heringssalat............ Pia 0,85 *ln allen Käufern atniar Andraoutrasse l-Ptd- Glas Konfitüre Orang.-, Himb.- Konfit. 0,62 SaureKirschen-Marmel. 0,62 Apfal-Himbeer-Gelee.. 0�2 Erdbeer-Xonfittire...... 0,62 Pilcumen und Kirschen 0,62 IlM'll mild. PIA von 0,70 üsme sefroren..... . Pfd. tou 0,55 OoiSflbBkKr 0.70 fefrorfn.......Pid. von Suppenhühner Qjg Enten �0.00 Unsen 0,78 Frisches Fleisch Kalbskeule bis 9 Pia eoha-er,. nana oder eeieilt.........Pld. von",62 Kalbsschnitzel..... pta von 1,12 Kalbskotelett..... pta von 0,88 Kalbsrücken o. b....Pia von 0,50 Kalbsbrust o b...... fta v»n 0,50 Kalbskamm o. b....Pfd. von 0,44 Schweinebauch o. b«. pta 0,60 Schweineschuiterbl.os.pfi). 0,84 Schweineschink. m. tve. Pia 0,68 Schweinekamm oder-Sekott,. eins i;ei a e................ r n 0,70 Schweinekotelett pta von 0,74 Eisbein ia.Cpltreei>i,«epekelt.Pfd. 0,48 Schweineköpfe mjt Bacia Pia 0,34 jehweinenferen....... Pia 0.68 Hammeivorderfl. piq. von 0,74 Schmorfleisch oinKn, p.a>. 0,98 Gulasch gemifdit........ PfA 0,6» Rlnderiunge.......... p.a. 0,30 Rlnderaerzen.......... fm. 0,46 Rinderbacken......... pia 0,38 Euter..................... Pta 0,26 H? mmelvorderfl. v.«>«> l',44 RUckenfett hiav.ertig.pia 0,58 Kglbsreulod» ger. pia v. 0,88 Roastbeefo�nocbrn. pm. 0,91 30er Aisterweil. Letten 29e. Willinger Mosel... Roter Torragona........ VorzOgl. Erdbeerwein.. J 10 h. s.oo „Aluschta", KHm-Desseitweio PI. 1,25 Zyer Gberernrn Rosenberg k l 1,45 29erZelt. Hlmme(reich v»tur,Fi.1 ,6 5 • Sekr kilsige �6106 IMO OpitttUSZSII N«-»- \\ Fla§ch« 0,95 ..' 10 H. e.OO jOO Krim- Rotwein sehr astev, volle Uaa'itSt. 6 I-tter ♦,76, I I er Unsere Speaialitit: 8 CA Deutscher Weinbrand dDU 5 T.ltcr 122,50, l.iter" Echter Nord.iäuser 4 QK 32°.......... Liitrflascbe G, 3«! Spezial-Aprelw.herb.zorKarUr. 0,<0 „Cidsr" süsser Apfelwein....... Air 0,65 Rot. Johannisbeerw. süss. u,. 0,88 Rheinpfdlzer Welsswein Ltr. 0,68 Rot.Tarragona sehrjauQaal.Lir. 1,10 Portwein gnte oneiitat........ Ltr, 1,60 SO'Edenkobener, iO,6bioM.6,10 Käse und Fette Münsterkäse voUieti....PfA 0,85 Frühstückskäse i.EoiL. bsl 0,50 Bayr�chweizer vom., piav. 0,95 Stangenkäse.pia von 0,38 Edamer«v............. pia 0,84 Holländer 40°),.......... pia 0,84 Süssrahmkäse...„ zstück 0,25 Dän. Schweizer ZtPj... Pia 0,65 Harzer.................... Pia 0,23 Emrnanthaier vsctuohtei 0,48 Tilsiter vuiiiett......... pia von 0,70 Steinbuscher voiitett...pia 0,70 Rohschmalz............. Pia 0,44 Bratenschmalz........ pta. 0,44 Griebenschmalz...... ptd 0,48 | Molk.-Bulter... pia 1,35 Obst-Konserven Dom Apfelmus................... 0,48 Aprikosenkompott span. 0,63 Ananas in öclietben.......... 1,10 Birnen halbe Krocht.......... 0,90 Erdbeeren................... 1,10 Gemischte Früchte....... 1,35 Haidelbeeren.............. 0,70 Kirschen roi. mit Stern...... 0,90 Sauerkirschen mit stein... 0,93 Pflaumen ohneSlein........ 0,1 5 Preisselbeeron A«_ '/. Oese V,VS Gemüse- Konserven 1,!><;«. Stangenspargel sehr stark 1,95 Stangenspargel extra stark 2,05 Brechspargel mittel........ 1.45 Kaisererasen.............. 1,30 Junge Erbsen mitteitein.... 0,74 Junge Erbsen tda.......... 1,1V Gem. GemJse tein........ 1,15 Garn. Gemüse mittel....... 0,95 H ausb altmisciiung aas guti' ckn. Bibeen hergestellt 0,38 Karotten gewarreU......... v,38 falna lang> Schnittbohnen A CO DosjViSIÄ HERMANN T1ETZ