BERLIN Sonnabend 20. Zebwar 1932 i 10 Pf. lir. 86 B 43 49. Iahrganfl Erschein ltäqlich außer Sonntag«. Zugleich Ubcndau«gabc de«.Borwärti' Beiugsvre!« für beide Ausgaden 7ö Pf. uro Woche, z.sz M. pro Monal (davon S7 Pf. monatlich für Zustellung ine Haus) im«oraus «adldar. P o st b e i n g z,9? M. einschlirglich so Pf. Postjeituug». und 72 Pf. Postbcstrllgcbüdren. Anjetgenpret«: Die einspaltige MiUtmelerjeile 30 Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif.'Vostscheckkontcr. Vorwärts-Berlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 27 526.- Der Verlag behält üch das Recht der Ablehnung nicht genebmer Anzeigen vor' Redaktion und Erpedtlton: Berlin SW 69, Lindenstr 2 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297. Kampf in den Buchdruckereien Die Großunternehmer provozieren den Streik Japanische Offensive Großkampftag um Wusung Wir haben wiederholt über den Konflikt in den Berliner Bnchdrurkereicn berichtet, der dadurch entstand. daß die Unternehmer nach dem Lohnabbau auf Grund der Notverordnung von 12.S Proz.. noch die über- tariflichen Verdienste abbauen wollten. An- gesichts des entschlossenen Widerstandes der Buch- druckereiarbeiter vertagten die Unternehmer ihr Vor- haben. Sic haben sich inzwischen offenbar auf eine neue Taktik geeinigt, von der sie sich mehr Erfolg versprechen. Gestern wurde in einigen grösieren Druckereien an einige Arbeiter das Ansinnen gestellt, sich mit dem Abbau der iibertariflichen Verdienste einverstanden zu erklären. Das wurde durchweg abgelehnt. Darauf erfolgte die Kündigung. Wenn die Unternehmer geglaubt haben, auf diesem Wege zum Ziele zu gelangen, so dürften sie bereits feht über ihren Irrtum aufgeklärt sein. Das Buchdruckerei- personal ist restlos organisiert und zwar nicht erst seit heute und gestern. Solidarität ist für diese Arbeiter nicht ein leeres Wort, sondern eine Lebensregel, die ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die Kün- digungen einzelner Arbeiter löst automatisch die Gesamtaktion aus. Bisher sind davon betroffen die Druckereien von Scherl(„Berliner Lokal-Anzeiger". „Nachtausgabe" usw.). Elsner.„Berliner Bör» seuzeitung".„Deutsche Tageszeitung" und Langenscheidt. Bei der Firma Scherl wurde der größte Schlag versucht. Als das übrige Personal bereits den Betrieb verlassen hatte, wurde an 30 Buchdruckergehilfen das Ansinnen gestellt, sich mit dem Abbau der übertarislichen Verdienste einverstanden zu erklären. Das wurde abgelehnt. Daraus erfolgte die Kündigung zum nächsten Freitag. Die Gekündigten stellten als Antwort in aller Seclensruhe die Forderung auf L o h n z u l a g e. Heute vormittag ist es zum akuten Konflikt gekommen, da sich die Kollegen der Gekündigten mit diesen solidarisch erklärten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das Personal, das über das Vor- gehen der Firma außerordentlich erbittert ist, trotz der Empfehlungen der Organisation die Arbeit noch heute niederlegt. ohne die achttägige Kündigungsfrist einzuhalten. Bei der Firma Elsner. wo etwa S00 bis 600 Buchdrucker, Hilfsarbeiter und Buchbinder beschäftigt sind, wurden gestern fünf Mann gekündigt, nachdem sie das an sie gestellte Ansinnen auf Beseitigung der übertarislichen Verdienste abgelehnt hatten. Darauf antworteten sämtliche Buchdrucker sofort mit der Kündigung. Heute hat sich auch das übrige Personal der Kündigung angeschlossen, nachdem die Firma ein Ultimatum, bis 11 Uhr vormittags die Kündigungen zurückzunehmen, abge- lehnt hatte Nach der Ablehnung des Ultimatums trat das Personal zu einer Versammlung zusammen. Die Aufforderung der Firma, sofort die Arbeit wieder auf- zunehmen, wurde abgelehnt. Auch hier besteht akute Streikgesahr. Aehnlich war der Verlauf der Unternehmeraktion in den anderen genannten Firmen. Bei Langenscheidt wurden zunächst vier Mann gekündigt, worauf das gesamte Personal mit der Kündigung antwortete. In der Druckerei der„Berliner Börsenzeitung" wurde drei Maschinensetzern gekündigt, woraus sämtliche Maschinensetzer mit der Kündigung ant- wartete. Aehnlich war der Hergang in der Druckerei der„Deutschen Tageszeitung". Man hatte eine gleiche Aktion noch in zwei anderen Eroßdruckereien geplant, jedoch in letzter Stunde nicht durchgeführt, offenbar weil das Risiko zu groß war. Durch die Notverordnung wurden die Löhne der Buchdrucker um 12.5 Proz. gekürzt, nachdem sie im vergangenen Frühjahr durch Zwangsschiedsspruch bereits um 6 Proz. gekürzt worden waren. Ohne die staatlichen Zwangsmittel wäre es den Unternehmern nie gelungen, innerhalb eines Jahres die Lohne um 18K proz. abzubauen. Das genügt den Unternehmern aber noch nicht. In der Hoffnung, infolge der ungeheuren Arbeitslosigkeit genügend Streikbrecher zu finden, versuchen sie jetzt, über die Notverordnung hinaus die Löhne noch weiter abzubauen. Die Hoffnung der Unternehmer wird sich nicht verwirklichen. Schanghai, 20. Februar.(Reuter.) Nach einer Mitteilung des japanischen Haupt» quartiers sollen die japanischen Truppen Kiangtvan an der Eisenbahn Schanghai— Wusung nach schweren Kämpfen eingenommen haben. Wie verlautet, werden die japanischen Truppen sich zunächst in ihren augenblick- lichen Stellungen festsetzen, bevor sie weiter vorgehen. Die chinesischen Militärbehörden bestreiten aber die An- gaben des japanischen Hauptquartiers und erklären, das» vielmehr die chinesische Truppe die Japaner zurück- getrieben hätte««. Die japanischen Stoßtruppen gehen auf der langen Front zwischen Tschapei und Hongku in westlicher Richtung auf das zwei Meilen nördlich von Hongku gelegene Kiangwan zum Angriff vor. Ziel ist die Besetzung der Wusung-Eisenbahnlinie, um aus diese Weise Flanken der Truppen zu decken. Man nimmt an, daß sie nach Besetzung der Bahnlinie zum Schlage gegen Tschapei ausholen werden. Gegenwärtig bombardieren japanische Flugzeuge die Ort- schaft Kiangwan, die von Teilen der 87. und der 88. Devision der Armee Tschiangkaischeks verteidigt werde. Diesem Flugzeugangriff kommt insofern besondere Bedeutung zu, als die Japaner bisher immer nur die 19. chinesische Armee, nicht aber die Truppen Tschiangkaischeks angegriffen haben. Um 4 Uhr morgens(MEZ.) meldeten die Japaner, daß sie in Kiangwan die Gebäude des Sportklubs, die am Rande der Ortschaft liegen, genommen haben. Die japanischen Truppen sollen auf harten Widerstand gestoßen sein. Um VA Uhr morgens(MEZ.) überfielen zehn japanische Bombenflugzeuge den nördlichen Teil von Tschapei. 120 wei- lere Bombenflugzeuge und 60 Jagdslugzeuge standen starl- bereit. Die Artillerie hat ein heftiges Trommelfeuer begonnen. Die Offensive richtet sich zunächst gegen den linken Flügel der chinesischen Truppen, den Japan aufrollen will, um die Stellungen bei Kiangwan unhaltbar zu inachen. Durch energischen Gegen st oß eroberten die Chinesen Kiangwan. Versteckt aufgestellte 10,5-Zentimeter-Geschütze setzten die japanischen Tanks teilweise außer Gefecht oder zwangen sie zum Rückzug. Aber die Japaner setzten ihre Angriffe fort und be- setzten das Gebäude des Sportklubs wieder. llnd in alldem— wählt Japan. Tokio(über London), 20. Februar(Times). Die uninteressanteste aller Wahlkampagnen seit Einführung des Wahlrechtes geht heute zu Ende. Die mandschurische Frage stand im Wahlkampf nicht zur Diskussion. Das Land steht vor lebenswichtigen Fragen, aber die Parteien haben A n g st, daran zu rühren, und die Wähler sind anscheinend der Ansicht, daß die Parteien sie nicht lösen können. Oas Kommunistenpaar Ruegg hingerichtet? London. 20.Februar. Der Liga gegen den Imperialismus ist eine Nachricht aus Schanghai zugegangen, wonach während der Uebersied- lung der chinesischen Regierung von Nanking nach Loyang politische Gefangene in Nanking hingerichtet worden seien. Es werde befürchtet, daß unter den Opfern auch der Sekretär der Pan- Pazifik-Gewerkschaft, Paul Ruegg und seine Frau Gertrud sind. Weltboykott gefordert. New Zork, 20. Februar.(Eigenbericht.) Der demokratische Präsidentschaftskandidat Newton Baker und zahlreiche führende Persönlichkeiten haben in einer Petition an Hoover die Vereinigten Staaten zur Teilnahme an inter- nationalen Wirtschaftsmaßnahmen gegen Japan aufgefordert. Die amtlichen Stellen deuten an, daß ein solches Vorgehen in erster Linie von Völkerbundsbeschlüssen abhänge. Hilflos am Kein Ergebnis de Genf, 20. Februar.(Eigenbericht.) Der Völkerbundsrat ist heute vormittag unerwarteterweise zur Behandlung der Memelsrage einberufen worden, da der Rats- Präsident Paul Boncour sich noch heute nachmittag nach Paris begibt. Infolge hartnäckigen Widerstandes des litauischen. Außen- Ministers ist der vom Völkerbundsrat angeforderte Bericht der drei Juristen nicht zustand« gekommen. Die Ablehnung jeder Lösung durch den litauischen Außenminister macht eine Beschlußfassung des Bölkerbundsrats unmöglich. Der litauisch« Außenmimster stützt sich auf die für alle Beschlüsse des Rates geltende Bestimmung der E i n st i m m i g k e i t, da Litauen, das nicht Ratsmitglied� ist, nach dem Völkerbundsstatut in einem Streitsall, der es betrifft, als Ratsnritglied angesehen wird. Der Bericht des Nonvegers Colban erklärt den Memel- konflikt als sehr schwierig. Einerseits habe Deutschland vorgebracht, der Präsident des Direktoriums sei entgegen den Bestimmungen abberufen worden, andererseits aber stehe fest, daß die Anordnungen der Pariser Konvention vom 8. Mai 1924 und ihres Anhanges das Recht des Gouverneurs nicht ausschließen, in bestimmten Fällen das Direktorium abzuberufen. Im vorliegenden Falle sei Herr Boettcher ganz regulär abgerufen worden, da noch Ansicht der litauischen Regierung er sich Befugnisse ange- maßt habe, die der Zentralgewall zustehen; dadurch habe er das Memelstotut verletzt. Der Rat habe mit Befriedigung festgestellt, daß die litauische Regierung alle Berpflichtuagen aus dem INernelfiatul auf sich nehmen wolle � in Memel Genfer Beraiung und Bemühungen unternehme, um ein Direktorium nach den Bcdin- gungen dieses Statuts zu bilden. Es bleibe deshalb nicht aus- geschlossen, daß in kürzester Zeit der anormalen Situation ein Ende gemacht.«verde. Die Situation verlange dringend Maßnahmen, um jede Er- schwerung auszuschließen. Die Bildung eines Direktoriums aus Männern, die das Vertrauen des Landtages besitzen, sei unbedingt notwendig. Dieses Direktorium inllfse sich ohne Verzug dem Landtag stellen. Es müsse dies auch geschehen vor dem Ablauf der im Artikel 17, 2 des Statuts vorgesehenen äußersten Zeitgrenze. Der Rat sei sehr begierig darauf, im Territoriuin von Memel das normale Funksionieren des Statuts verwirklicht zu sehen. Diese sofort nötigen Maßnahmen änderten nichts an der Legitimität der Abberufung des Herrn Boettcher. Es müsse nur noch untersucht werden, ob die Umstände, die zu dieser Abberufung geführt haben, die Ausübung des Abberufungs- rechtes rechtfertige. Um dies zu entscheiden, habe er(der Bericht- erstatter) zunächst daran gedacht, den Rat um Anrufung des Haager Gerichtshofes zu bitten. Aber er würde das nur tun, wenn im Rat eine Mehrheit für seinen Bericht zustande käme; im Falle der einseitigen Annahme würde er sich damit begnügen. daß die S i g n a t a r m ä ch t e der Memelkonvention ja doch die Möglichkeit hätten, untereinander die ausgeworfenen Rechts- fragen zu verhandeln auf der Grundlage des Abschnitts 2, 17 der Memeltonvention. Zaunius-Litauen lehnte die zwei wichtigsten Paragraphen des Berichts ab, die von den dringenden Maßnahmen und der Vor- ftellung des neuen Direktoriums im Landtag handeln, da feine Negierung bemüht fei, gemäß dem Statut ein Direktorium zu bilden. Dieses werde sich dann dem Landtag vorstellen. Staatssekretär v. Bülow-Deutschland appellierte an die Signatarmächte, die Rechtsfrage dem Haager Schieds- gerichtshof zu unterbreiten. Noch weiterer Debatte wurde die Weiterberatung vertagt. Kein Kabinett painleve. Bildung der Linkeiregierung gescheitert. Paris, 2V. Februar.(Eigenbericht.) Um fünf Uhr hat PainlevL auf die Durchführung der Kabinettsbildung verzichtet und dies dem Präsidenten der Republik mitgeteilt. Man nimmt an, daß Doumer nunmehr Paul Boncour beauftragen wird, der heute früh aus Genf in Paris eingetroffen ist. Man zweifelt nicht, daß Paul Boncour in kurzer Zeit ei« Konzentra- tionskabinett mit Sabal und Tardieu zustande bringen wird. Der.Kabinettsbildungsversuch Painleves scheiterte, weil den Radikalen der Löwenanteil an dem Kabinett zugedacht war. Um sich in der Kammer die Mehrheit zu sichern, hätte Painleve zu den Stimmen der Sozialisten auch die Mitarbeit einiger Mitglieder der Mittelparteien ge- braucht, die der bisherigen Regierungsmehrheit angehört hatten. Diese Mitarbeit ist ihm jedoch verweigert worden. Lavalgegner werden angepöbelt. Paris, 20. Februar. Die Ärnndgebungen'der nationalistischen Studenten gegen die Senatsmehrheit seit dem Sturz der Regierung Laval galten am Freitag besonders dem ehemaligen Finanzminister Chäron, der gegen die Regierung Laval gestimmt hat. Einige Male tonnte er nur mit Hilfe der Polizei davor geschützt wenden, tätlichen An- griffen zum Opfer zu fallen; zahlreiche Beschimpfungen und Ber- wünschungen waren vorausgegangen. Stahlhelm gegen Mittelstand. Gastwirte wegen Ausübung ihres Berufs boykottiert. Von der Sozialdemokratischen Partei und dem Reichs- banner wurde in I st e r b i e s(Kreis Jerichow I) eine Werbeversammlung veranstaltet. Die Versammlung war außerordentlich stark besucht. Auch von auswärts waren Freunde erschienen. Es wurde u. a. der Film„Im Westen nichts Neues" gezeigt. Schon nach der Ankündigung der Versammlung hatte der König des Dorfes, Gutsbesitzer L u c a n u s, den Versuch unternommen, durch brutale Dro- Hungen gegen den Wirt der Sozialdemokratischen Partei das Lokal abzutreiben. Er schrieb an den Wirt folgenden Brief; «tahlhelm, Ortsgruppe Jsterbies. Kamerad... Wie ich aus zuverlässiger Quelle höre, findet m Ihrem Lokal ' an einem Abend der jetzigen Woche eitt Lichtbildervortrag über den Film„Im Westen nichts Neues" statt." Der Veranstalter dieses Abends ist der sozialdemokratische Landarbeiterverband. Als Stahl- helmmann wissen Sie, daß der Stahlhelm seit seinem Bestehen— also seit nunmehr 13 Iahren— die SPD. bekämpft. Ferner müssen Sie wissen, daß besagter Film eine Niedertracht gegen unser Front- joldatentum ist, wie sie einzig dasteht. Ich empfehle Ihnen daher, besagter Partei und dem Deutschen Landarbeiterverband Ihr Lokal nicht zur Verfügung zu stellen. Sollten Sie das doch tun, so kommt Ihr Lokal für den Isterbieser Stahlhelm in leiner Weise mehr in Frage. Alle andern Schritte gegen Sie behalte ich mir als hiestger Ortsgruppenführer des Stahlhelms vor. Front Heil! gez. Lucanus. Der„Bund der Frontsoldaten", der den„Frontgeist" im Reich zur Geltung bringen will, zeigt hier aufs deutlichste, welcher Art dieser„F r o n t g e i st" ist. Das Mittel des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykotts gegen Gastwirte ist v o r dem„Fronterlebnis" im Lande gang und gäbe gewesen. Die Parole der Fronthelden von heute heißt also: Zurück vor 1914! Für den W a h l k a m p f, bei dem der Stahlhelm um die Stimmen auch der Mittel- ständler wirbt, soll man sich dieses Zeugnis brutalsten Terrors nach kaiserlichem Muster gut merken. Im übrigen: Wird sich eine Interessenvertretung des Mittel st andes, wird sich eine Behörde finden, die den Gastwirt gegen den Stahlhelm schützt? 15 Kluglinien. Ab 1. März Fruhjahrsflugplan der Lufthansa. Am l. März tritt im europäischen Zlugstreckennetz der Früh- jahrssluoplan in Kraft. Die Deutsche Luft-Hansa unterhält von diesem Zeilpunkt an 18 Linien, die bei einer Tageshöchslleislung von etwa 14 000 Kilometer Schnellverbindungen zwischen 23 deutschen und 13 ausländischen wirtschaflszentren vermitteln. Weitere Berkehrs- verbesserungen sind ob 1. April geplant. Der Flugplanwechsel bringt vor allem die Wiederaufnahme des Berkehrs auf einer Reihe von Auslandslinien, die während der Wintermonate— vorwiegend aus finanziellen Gründen— hatten stillgelegt werden müssen. So wird die große Durchgangslinie Hamburg— Frankfurt— Stuttgart bis Zürich verlängert. Berlin und Hamburg erhalten ab 1. April wieder die Verbindung mit Kopenhagen— M a l m ö, Nordwest- und Mitteldeutschland wieder den Anschluß nach Prag. Erheblich verstärkt wird der Flug- dienst zwischen Deutschland und Italien. Gemäß den Be- ichlüssen der Internationalen Flugplankonferenz werden in diesem Jahr Fluglinien von München nach Rom(im Sommer von Berlin nach Rom) sowohl über Mailand wie über Venedig betrieben. Erwähnung verdient ferner die Verstärkung des deutschen Flug- oerkehrs noch den Balkanstaaten. Der Personenflugverkehr, der bis- her auf Lufthansastrecken in B u d a p e st endigte, wird evtl. im Sommer auch auf den Abschnitt Budapest— Belgrad— Sofia ausge- dehnt werden können. Zur Beschleunigung des Post- und Fracht- dienstes nach dem Orient wird die Strecke Wien— Sofia an zwei Tagen der Woche als Postfrachtlinie bis Athen durchgeführt, wo sie die Anschlüsse an die holländischen und englischen Strecken über Aegypten nach Niederländisch- bzw. Britisch-Indien erreicht. Die Linie Wien— Athen besitzt unmittelbaren Anschluß von und nach Berlin, so daß die etwa 2400 Kilometer lange Entfernung Berlin Hitlers Mordbanden „Strafexpeditton" gegen Arbeiterviertel. Breslau. 20. Februar.(Eigenbericht.) Zu Saarau(kreis Schweidnitz) kam es am Freitagabend zu schweren Zusammenstößen zwischen Rationalsozialisteu und sozial- demokratischen Arbeitern. Die Nazis hatten eine Betriebszellen- Versammlung einberufen und dazu die Arbeiterschaft de» Orkes eingeladen. Zm Berlauf der Aussprache meldeten sich u. a. zwei sozialdemokratische Diskussionsredner zum Wort. Bis dahin war die gut besuchte Versammlung ruhig verlaufen. Plötz- iich rückten mehrere Dutzend SA.- Leute au, die offenbar auf Anruf aus den Braunen Häusern in Schweidnitz und Striegau herbeigeeilt waren. Aus Wut darüber, daß sie nicht mehr in den überfüllten Saal hineingelassen wurden, warfen die aus- wältigen SA.-Leute von draußen die Fenster ein. Daraufhin sahen sich die Landjäger genöligt, die Versammlung aufzulösen. Der Saal wurde sofort unter großem Lärm geräumt. Mit dieser Wirkung ihres Vorgehens aber waren die SA.-Leute noch uicht zufrieden. Unter Lärmen und Zohlen zogen sie in eine benachbarte Straße, die fast ausschließlich von Arbeitern bewohnt wird, um dort nach berüchtigtem Braunschweiger Muster eine Strascxpedition gegen die proletarische Bevölkerung durchzuführen. Die Arbeiter setzten sich zur wehr. Es entspann sich eine regelrechte Straßensch lacht. Dabei wurden mehrere Arbeiter schwer verletzt. Die Landjäger, die sich der Uebermacht kaum erwehren konnten, machten von ihrer Schußwaffe Gebrauch. Ein Nationalsozialist wurde erschossen. Erst ein aus Waldenburg alar- miertes Uebersallkommando tonnte die Ruhe in Saarau wiederherstellen. Bei den Zusammenstößen wurde auch ein völlig unbeteiligter Brauereiverwalter getötet, dem mit einem Stein der Schädel eingeschlagen wurde. Insgesamt sollen fünf Schüsse gefallen sein, von denen vier getroffen haben. Zwei Striegauer SA.-Leute wurden schwer verletzt in das dortige Krankenhaus eingeliefert. Ein schwerverletzter Reichsbannermann fand im Saarauer Krankenhaus Aufnahme. Die Schweidnitzer Staatsanwaltschaft oer- anstallet zur Zeit einen Lokaltermin, dem der Landrat von Schweidnitz beiwohnt. Verurteilte Verleumder. Wie gegen Minister und Abgeordnete gehetzt wird. Hannover, 20/ Februar.(Eigenbericht.) Wegen Beleidigung des preußischen Justizministers Schmidt hatte sich der verantwortliche Redakteur der„Nieder- deutschen Zellung", eines Hetzblattes Hugenbergscher Richtung, am Freitag vor dem erweiterten Schöffengericht Hannover zu verant- Vorbereitung fir/i/jc Oäfan /mt/iß Hugenberg:„Als Grundlage höchstibrer Fiegierunqs- tätigkeit geruhen Königliche Hoheit, diese Bücher lesen zu wollen" worten. Der Angeklagte S i e b o l d ist bereits wegen Beleidigung vorbestraft. Sein bekannter Prozeß wegen Beleidigung Rostes, in dem das Reichsgericht mit einer sensationellen Begründung den stau- dalösen Freispruch Siebolds in der Berufungsinstanz aufgehoben hat. schwebt noch. Im vorliegenden Falle handelle es sich um folgendes: In einem Artikel, der in drei von Siebold verantwort- lich gezeichneten Kopfblättem erschienen war. war die Personal- Politik des preußischen Justizministers Schmidt auf das gehässigste angegriffen worden. Unter anderem war behauptet, daß Schmidt seinen erst 3Sjährigen Schwager unter Uebergehung well befähig- terer Vormänner zum Landgerichtsdirektor befördert habe. Die oer- lesene amtliche Auskunft ergibt, daß der Schwager Schmidts nicht 3Z, sondern 4S Jahre all ist(das normale Alter für die Beförderung). beide Examina mit dem Prädikat„gut" bestanden hat und von den in Frage kommenden Vorgesetzten an e r st e r Stelle für den Posten vorgeschlagen worden ist. Oberstaatsanwalt Loerbrooks beantragte gegen Siebold drei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte aus einen Monat Gefängnis, wobei Siebold noch von Glück sagen konnte, daß sein Artikel gerade eine Woche vor Erlaß der Vierten Notoerordnung erschienen war. Sonst wären drei Monate die Mindeststrafe gewesen. Vorher hatte Siebold sich noch wegen Beleidigung des Land- tagsabgeordneten K u t t n e r zu verantworten. Hier handelle es sich um einen Schimpf- und Schmähartikel, der gegen Kuttner ws- gelassen war, weil er den Berfasser der„Gefesselten Justiz", Moritz Zarnow, gerichllich zu belangen gewagt hat. Der als Nebenkläger erschienene Genosse Kuttner führte aus, daß seit Anstrengung dieser Klage ein förmliches Trommelfeuer von Verleumdungen auf ihn niedergehe. Der Artikel behauptet unter anderem: Kuttner sei als Referendar aus dem Amte entfernt worden, weil er„ihm amtlich anvertraute Dienstgeheimnisse an die Feinde des Staates verraten habe". Deswegen stellt ihn der Artikel mit den rheinischen Separa- tisten gleich. In Wirklichkell ist Kuttner, wie er als Zeuge bekundete und die von ihm überreichten Urkunden übereinstimmend ergcchen. unter dem alten System wegen politischer Betätigung im demokratischen Sinne als Referendar disziplinarisch bestrast worden. Das Gericht erkannte gegen Siebold wegen mehrerer formaler Be- leidigungen auf 50 M. Geldstrafe und wegen übler Nachrede im ausgeführten Sinne auf 200 M. Geldstrafe, außerdem wurde dem Nebenkläger die Publikationsbefugnis zugesprochen. Guben, 20. Februar.(Eigenbericht.) Das Schöffengericht Guben verurteilte den Untermelker Riedel aus Cummeltitz bei Pförten zu drei Wochen Gefängnis wegen übler Nachrede über den Genossen Hilferding. Der Angeklagte hatte in einer öffentlichen Versammlung in Cummeltitz behauptet, daß Hilferding wegen Unterschlagung und nicht aus polllischen Gründen von seinem Posten als Finanzminister zurückgetreten sei. In der Verhandlung gab der Angeklagte zu, daß er keinerlei Unterlagen für seine leichtfertigen Behauptungen habe. Selbst der Verteidiger mußte das Verhalten seines Mandanten als außer- gewöhnlich unverantwortlich bezeichnen und tonnte nur für Ab- Milderung des Strafantrages des Staatsanwaltes plädieren, der 6 Wochen Gefängnis verlangte. Das Gericht kam zu obigem Urteil mit der Begründung, daß trotz der Jugend des Angeklagten es in Anbetracht der Leichtfertigkeit, in der er gehandelt habe, und wegen der Verwilderung des potitifchen Kampfes k e i n e Bewährungsfrist geben könne. (Achleppeniräger der Reakiion. Rosenfeld-Seydewitz am Schwanz der KPO. Der Vorstand der Splitterpartei um Rosenfeld-Seydewitz hat, um seine Notwendigkell zu beweisen, einen Aufruf erlassen, in dem er seine Freunde aufruft, für den Kommunisten Thälmann zu werben und zu stimmen. Damll hat sich die Splittergruppe endgültig als Hilfstruppe für die KPD. entlarvt! Inzwischen liefert das Blättchen der Gruppe auch den Haken- kreuzlern Material gegen die Arbellerbewegung. In allen Naziblättern wird von den„schlemmenden Bonzen" geschwindell. Das Stichwort hat ihnen vor einigen Tagen das Blättchen von Seydewitz gegeben, das über eine harmlose gesellige Veranstaltung im Berliner Gewerkschastshaus unter der Ueberschrift„Bonzenball" in einem Ton berichtete, der dem entschlafenen Reichslügenverband gegen die So- zialdemotratie alle Ehre gemacht hätte. Die Partei Rosenfelds als Materiallieferantin für die Hitler- Presse— das ist die neueste Blüte im deutschen Frühlingsgarten! bis Athen binnen 15 Stunden durchflogen wird. Auf Grund der guten Beförderungsergebnisse, die im vergangenen Jahr im Post- und Frachtverkehr auf der Strecke Berlin— Hannover— Köln— London erzielt wurden, wird auch diese Linie am 1. April wieder in Betrieb genommen. Dem allgememen' Preisabbau Rechnung tragend, hat die Deutsche Lufthansa wiederum auf vielen Strecken bzw. Strecken- abschnitten die Personenflugpreise herabgesetzt. Da ab 1. Mörz auf sämtlichen innerdeutschen Strecken die zulässige Frei- gcpöckgrenze von 10 auf 15 Kilogramm heraufgesetzt wird, tritt auch hierdurch eine beachtliche Verbilligung ein. Oer Haftbefehl gegen Hackebeil Merkwürdige Geschäfte mit wertlosen Aktien. Der Bernehmuugsrichter beim Amtsgericht Mitte hat gegen den gestern aus Beranlassung der Staatsanwaltschaft I festgenommenen früheren Generaldirektor Guide Hackebeil Hastbesehl wegen Bilanzverschleierung und Sonkursvergehens usw. erlassen. Die AnzeiAe, die zu diesem Verfahren führte, war schon vor Monaten von Herrn Weidlich, der früher zu den JG.-Farben gehörte, erstattet worden, und zwar gegen Guido Hackebeil, den Generalkonsul Dr. S t r u b e, den Direktor Schneider von der Danai-Bank und gegen den Direktor L e w i n von der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig. Weidlich fühlte sich durch den an ihn erfolgten Bertaus von Hackebell-Aklieu, die sich als werllos herausstellten und die ihm kurz vor dem Konkurs des Unternehmens verkauft worden waren, geschädigt und er kam auch durch seinen Eintritt m den Aufsichtsrat der Hackebeil A.-G. in Schwierigkellen. so daß er sich schließlich zu der Strafanzeige entschloß. Die umfangreichen Ermittelungen der Staatsanwallschaft führten dann zu der Aufdeckung merkwürdiger Transaktionen mit neuen Aktien der Hackebeil A.-G. in Höhe von einer Million Mark, die von der Danat-Bank gezeichnet worden waren, für die aber die Hackebeil A.-G. selbst so gut vlie nichts bekam, well mit diesem Betrag einmal die persönlichen Schulden Hackebells gegen- über der Berkehrswart A.-G. in Höhe von einer halben Million verrechnet wurden, während der Rest anderweitige Verwendung fand. Die Ermitllungen in dieser Sache waren außerordentlich langwierig, so daß die ganze Angelegenheit schließlich als Sondersache bei der Staatsanwaltschaft bearbeitet werden mußte. In der letzten Zell hat sich dann das Belastungsmaterial gegen Guido Hackebeil durch die Zeugenaussagen außerordentlich verstärkt, so daß sich die Staatsanwallschaft schließlich zur Festnahme entschloß. Was das Verfahren gegen S t r u b e und L e w i n betrifft, so scheinen diese beiden durch die bisherigen Aussagen ziemlich ent- lastet zu sein, während die Rolle des Direktors Schneider in dieser Sache noch nicht ganz geklärt sein soll. Milchprets 26 Pfennig. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin hat mit sofortiger Wirkung den Kleinhandelspreis für in Berlin eingeführte oder in Berlin erzeugte Milch auf 26 Pf. für den Liter festgesetzt. Gchreckenstai einer Handarbeiterin. Wirft ihre Kinder in den Brunnen. Schwerin, 20. Februar.(Eigenbericht.) In der mecklenburgischen Ortschaft Hein Hof bei Ludwigsluft verübte heute morgen gegen 7 Uhr die Arbeiterfrau I a h n k e eine Schreckenstat. Als der Mann zur Arbeit gegangen war, warf sie ihre Kinder von 3 und 9 Jahren in einen Brunnen, wo leide ertrunken. Danach zündete sie in ihrer Wohnung di« Betten an. Die Wohnung brannte vollständig aus. Die Frau ist seitdem ver. schwunden. Man nimmt an, daß sie ihrem Leben ein Ende ge- macht hat. Buttler. Buttlrr heißt der Mann bei Schiller, Der den Wallenstein ermordet. Als modernen Eigen-Killer Sehen wir ihn aufgenordet. Buttler. Nazi fetzt in chefsen, Giert nicht nach des Feldherrn Leiche. New, kurz vor dem Abendessen Schoß er selbst sich in die Weiche. In den Landtag ward gekürt er Mit viel andern Pachologen. Doch die grause Tat vollführt er Just auf einem Brückenbogen. Buttler knallte kurz entschlossen Sich ew Loch durch beide Schinken. Gab dann an, daß ihn beschossen Gegner hätten von der Linken. Doch die angesengten Kleider zeigten, was er nicht bedacht: Daß er die Verletzung leider Ganz allein sich beigebracht. Zorn schlägt um w Lachgeknister, Nazischrei klingt bang und bänger. Ach, und Buttlers Strafregister Wird um ein« Nummer länger. Jonathan. Das fiaatsgesährliche Maul. Warum Plakate verboten werden. V»» tu» der NazIT Er reißt das Maul aus und schimpft aus die Sozialdemokraten Was tut der'KomaiunUtT Er schwärmt von Sowjetrußland und schimpft auf die Sozialdemokraten Was tut dar Aazlaldemoftrat? Er arbeitet unverdrossen an der Besserstellung des werktätigen Volkes. Er kämpft siegesfroh für die Errichtung einer menschenwürdigen Gesellschaftsordnung Und was tust DuTIT Die Kah im Gack. Hitlerblatt lebt vou Iudeoliteratur. Die Wiener..Arbeiter-Zeitung� veröffentlicht folgende amüsant« Zuschrift des Schriftstellers Genossen Walter Süß: „Es ist jetzt mehr als ein Jahr her. daß ich für das „Kleine Blatt"(«w voltstümlich-billiges Organ der Wiener So- zioldemokrati«. Red. d.„V.".) einen Wiener Kriminal- r o m a n„Die graue Katze" schrieb. Das war ein gespenstiges Vieh. das herumfputte und mancherlei Unheil anrichtete. Seitdem ist manch Wässerlem durch die Donau geronnen und ich hatte„Die grau« Katze" vergessen. Und nun Hab« ich, der Halbjude, der nur vom Mütterchen die arische Frohnatur geerbt, vom Vater jedoch die jüdische Struktur, das arme Vieh an der Isar wiedergefunden: Adolf Hitlers„Illustrierter Beobachter", der dort, wo der Rosenberg aufhört, Gipfelpunkte der Aufnordung erreicht, hat„Die graue Katze" im Sack gekauft, eigentlich nicht gekauft, sondern einsach ge stöhlen. Cr druckt sie ohne Angabe meines Namens und mit diskreter Veränderung einiger De- zeichnungen, ohne mein« Bewilligung mit novdisch-germanischer Frechheit nach. So bin ich, ohne es zu wollen, auf dem Wege des unerlaubten Zweitdruckes in das mir ebenso u n- erlaubt« Dritt« Reich gelangt: unter Nachsicht des Präpu- tiums, aber auch unter Nachsicht des Honorar«. Denn der„Sllu- strierte Beobachter", der sich da mit dreister Nichtbeobachwng mewer Sluwrenrecht« angemaßt hat, halbjüdisches Schrifttum seinen Abgenordeten vorzusetzen, hat bei mir nie jene Erlaubnis des Nachdrucks erbeten, die ich ihm mit Hall-arischer Chuzpe beharrlich oerweigert hätte. Er hat einfach gedruckt wie gestohlen, in der Erwartung, sich auch um das Honorar drücken zu können.- Was ihm aber, wenn ihn meine Schadenersatzklag« früher erreicht als mich die Nacht der langen Messer, traun fürwahr und nebbich, nicht gelingen wivd. Was aber die wackeren SA.» Mannen und SS.-Edelmenfchen betrifft, die sich herabließen, das illustriert beobachtete Machwerk«ine» Halb- Hebräers zu lesen, so bedaur« ich in ihrem Namen, daß„Die grau« Katze" halbjüdsschen Ursprungs ist und damit aus jenem femi- telniden Osten kommt, aus dem auch das Licht stammt, das dem „Illustrierten Beobachter" ausgehen wird. Wenn ihm nämlich die Bost die kategorische Aufforderung aus den hakenkreuzförmigen Tisch legen wird, dem Juden, den er stech bestahl. Nachdruckshonorar und Schadenersatz zu tributen...." Künnekes neues Singspiel „Liseloii" im Admiralspalast Was da von acht bis halb zwölf, reichlich ausgiebig also, gespielt wird, ist wieder einmal große historische Operette, daß es dieses etwas merkwürdige und paradoxe Genre überhaupt gibt, hat seine guten Gründe. Ist die Oper vielleicht in einiger Verlegenheit, was Weiterentwicklung anlangt, neue Wege, zeitgemäße Formen— die Operette jedenfalls ist um all dies in Heller Verzweiflung Um es einmal deutlich zu formulieren: feit sie chren Ausgangspunkt, die Kontrast- stellung zur Oper verließ fest sie aus der Sphäre des Geistigen in die des Sinnlichen abglitt, fett Pathos und Sentimentalität Satire und Ironie verdrängten, fett diesem ihrem Absturz ist die Operette nunmehr an Stelle freiwilliger und bewußter eine unbewußte und unsteiwillige Opernpalodie geworden. Eine richtungslose Misch- form, die unproblematische Unterhaltung bieten möchte: meist aber nur problematische Resultate liefert, ohne den bescheidenen Wunsch- [ träum der„Unterhaltung" verwirklichen zu können! Inner« Leer« � und Abgebrauchtheit der albernen Liebeskonflikte, die nach geheiligten Tradttwnen allein für operettenfähig gellen, haben sich im Lauf der ' Zeit offenbar zu einem Minderwertigkeitskomplex der Herren Text- j dichter ausgewachsen, der durch„Aufmachung" überkompensiert werden soll. Was aber wäre geeigneter, kleine Dinge größer er- scheinen zu lassen, als ein historischer Rahmen, ein geschichtlicher Hintergrund? Die„Liselott" der Herren Keßler und S t o b i tz e r ist jene Liselotte von der Pfalz, deren sehr aufrichtig« und überaus deutliche Briese über Leben und Treiben am Hof des Sonnenkönigs kultur- historische Berühmtheit erlangt haben. Hier ihr Operettenschicksal: die Prinzessin(sie hat ihr Herzchen selbstverständlich längst in Heidel- berg verloren) heiratet, um die Pfalz zu retten, Philipp von Orleans, den Bruder Ludwigs XIV.: ist in Versailles, wo weder für ihre hausfraulichen noch ihre ehelichen Tugenden viel Derwendungs- Möglichkeit besteht, sehr unglücklich und beschließt endlich zu fliehen. Die Flucht wird vereitell: und da sowohl der König wie chr hoher Gemahl die Wilde als den wettaus besseren Menschen anerkennen Dieser Text, als Plakat gedruckt, wurde vom Pollzelpräfl- deuten tu Braunschweig verboten, nur well durch den Ausdruck „Maul" die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet würden! Das Dresdener Polizeipräsidium hat das Plakat„Zwei Jahre Nazimorde" verboten mit der Begründung, es verstoße gegen die Bestimmungen der Notoerordnungen. Dabei ist das Plakat für den Landespolizeibereich Berlin genehmigt und hier, wie in anderen Städten Deutschlands, angeschlagen worden. Die Einheit des Reichs äußert sich in der Vielfall seiner Polizeipraxis. Aber dort, wo die Nazis direkten ober indirekten Einfluß haben, wirst die Praxis aufregend komisch! müssen, kommt zur Ehe die Liebe. Damit ist das glorreiche Finale der Operelle erreicht. Licht und Schallen sind ungleich, ja sogar tendenziös verteill: die blonde und tugendhafte deutsch« Prinzessin ist ihrer welschen Rivalin— die ist selbstverständlich eine lüsterne Kokotte— gar zu sehr überlegen. Die Musik von Eduard Künnek« ist qualitativ sozusagen jensetts von gut und böse, sentimentaler Drewierteltast: ein paar nette Walzer, synkopierter gerader Tall: angedeuteter Foxtrott, alles routiniert gemacht, schmissig, durchschnittlich, unoriginell: gleichgültig eigentlich bis auf zwei, drei Nummern, die in die kurze Unsterblichkeit der Schallplattenindustrie eingehen werden. Quantitativ ist für das ausgedehnte Textbuch zu wenig Musik da: sie wirkt stellenweise bloß als Einlage, durchaus nicht als tragende Kraft. Bei diesem Singspiel— wie die Autoren es offiziell nennen— war das Singen dem Spielen leider durchaus nicht ebenbürtig. Käthe Dorsch und Gründgens sind ja von Haus aus gar keine Sänger, werden es wohl auch niemals werden: und Max R e i ch a r t(Graf Harting) erntete auf dem Gebiet ebenfalls kein« Lorbeeren. Die Dorsch ist für die Rolle fast zu schade: großartig, wie sie das alles machte, wie der ganze Unsinn(durch sie nur) Sinn bekam, wie da der Heidelberger Trotzkopf so lebendig wurde wie die unwahrscheinliche Herzogin. Gustav Gründgens gelang Aehnliches: mit Charme und Grazie zog er sich aus der Affäre seiner Rolle, wußte zu pointieren, zu extemporieren und machte sehr er- götzliches und gutes Theater, was von all den anderen zahlreichen Mitwirkenden nicht so ohne welleres behauptet werden kann Hilde Hildebrand und Olga Engel waren erfreuliche Ausnahmen Ueberflüfsig zu erwähnen, daß für einen prunkvollen Rahmen gesorgt war und daß ein Balett(voll geradezu königlicher Lange- weile) ebensowenig fehlte wie die leise rauschenden Fontänen im träumenden Park von Versailles. �rnolä Walter. Deutsche Künstler gegen deutsche Kunst. Zur Ausstellung iu Oslo. Die Ausstellung neuer deutscher Kunst, die Dr. Thormählen von der Rationalgalerie in der von Norwegen ausdrücklich gewünschten Beschränkung auf nachimpressionistische Meister und einige Jüngere für Oslo zusammengestellt hatte, findet die uneingeschränste Billigung zweier ebenso verschiedener wie kompetenter Beurteiler: des großen Norweger Malers Münch und des Hamburger Mufeumsdirektors Sauerlandt, der eigens zur Ausstellung nach Oslo. gefahren war. Außerdem ist sich die gesamte Presie Norwegens, ohne Unter- schied, einig in der Begeisterung für diese Schau, die dem Norden zum erstenmal eine Vorstellung von dem vielfettigen Wollen der deutschen Kunst in der Gegenwart vermittelt hat: sie erklärt die französische Malerei von der unsrigen geschlagen! Es gibt ja berühmte deutsche Kritiker, die den Mut aufbringen, dies« Ansicht für völlig verkehrt, ja für eine Blasphemie zu hallen. Ihnen wird auch die Einstimmigkeit Norwegens kein Licht aufftecken. Das Allerschlimmste ist, aber der Protest von dreizehn deutschen Künstlerverbänden unter Vorantritt der Preußischen Akademie gegen eben die von Münch und Norwegen gefeierte Schau. In diesem Augenblick gegen Justi und Thormählen Sturm zu laufen, und mtt kleinlichen Einwendungen an der Auswahl herumzumäkeln, die deutsche Oeffenllichkett gegen«inen unbezweifelbaren Erfolg unserer Kunst im Ausland« eingunchmen: wie soll man das wohl bezeichnen? Ist es ein Beispiel echt deutscher Treu« zur eigenen Sache und zur deutschen Kultur, oder ist es der„Dolchstoß von hinten" aus be- leidigtem Ehrgeiz, weil die überwiegende Mehrheit der Mttglieder jener Verbände nicht dabei gewesen ist? Ich kenne die Auswahl und hatte gegen manches Einwendungen zu erheben: der Kern aber war unanrastbar und ebenso die Grund- idee, die ja übrigens von drüben her ausdrücklich gewünscht war. Man wollte Führer, aber keinen Querschnitt durch deutsch« Iahresschau. Und wenn das Ausland sich in einer so zuvorkommenden Weise befriedigt zeigt«, dursten wohl kleine Schönhettssehler(die jedem unterlaufen wären!) mit Selbstoerständlichkett übersehen werden. p. v. sali. Dr. T h o r m a e h l e n, der angegriffene Organisator der Aus- stellung. weist darauf hin, daß die Norweger ausdrücklich nachin- pressionistische Kunst gewünscht und die Künstler großentells selbst bestimmt haben. Er macht weiter den glücklichen Vorschlag, seine Auswahl, die auch in Stavanger, Göteborg und Kopenhagen gezeigt wird, in der Berliner Akadamie auszustellen. Llnfall des D-Zuges Prag— Verlin. Ziadreifenbruch.- Niemand verletzt. Dresden. 20. Februar. Die Reichsbahndtrektion Dresden teill mit: In der vergangenen Nacht hat der Schnellzug Prag— Berlin zwischen den tschechi- schen Etationen Polepp und Gastorf einen Unfall erlitten. Zufolge Rodreisenbruchs entgleist« ein Schlafwagen. Perfoneu wurden nicht verletzt. Auch sonst ist kein wellerer Schaden entstanden. Der Aug, der fahrplanmäßig um 2.11 Uhr in Tetschen eintreffen sollt«. fuhr nach Auswechslung des Wagens mtt etwa 4� stündiger Per- spättmg beschleunigt weiter. Kodor:„Roulette." Deutsches Künstler»Theater. Der Import von französischen Unterhallungsstücken in der Art. ! wie sie vor dem Kriege internationale Mode waren, hat stark nach- ! gelassen.(Es scheint, daß man auch in Paris jetzt andere Sorgen hat.) Glücklicherweise haben einige ungarische Autoren es über- nommen, diese Amüsierbedürfnisse in aller Weise wefter zu beftiedi. gen. Fodor hat schon hinlängliche Uebung in der Technik dieses Genres, er hat die leichte(zwette) Hand und auch den Witz der Fran- zosen. Sein Roulette-Stück spielt in Monte Carlo und deutet damit schon an, welcher Art es sei. Ein Spielertyp ist herausgegriffen. Er wird uns präsentiert, wie er eben aus der Hochzettsreise mtt seiner jungen, echt bürgerlichen Frau in der Spielerstadt ankommt und dort sofort seiner Spielletdenschast nachgeht. Er vergißt darüber Frau, Hochzettsnacht und alles ander« und kehrt immer nur zurück, um aufs neue Urlaub für den Spielsaal zu nehmen. Die jung« Frau nimmt bei einer Kokotte, die ihrem Mann als Glücksbringerin dient, Unterricht in der Kunst, sich einen Mann zu angeln. Sie hat Glück Ein reiferer Mann verliebt sich in sie(er ist natürlich ein Freund ihres Mannes). Der Schlußakt spiell im Spielsaal, dessen Mllieu uns vorgeführt wird. Der Spielsr sprengt die Bank und sie gewinnt definitiv die Liebe des älleren Herrn. So hat jeder sein Glück ge- macht. Der Reiz des Spiels liegt in dem Kontrast zwischen der Spieler- natur und der Liebessehnsucht der jungen Frau, in dem Kontrast auch zwischen der bisher wohlbehüteten Bürgertochter und der Kokoll«. ; die ihren Beruf doziert. Margo L i o n ist als Kokotte voll sprühen- den Lebens und Witzes, sts hat den richtigen Ton der der Konver- sation und die leichte französische Art. Luise Ullrich will die junge Frau in ihrer ganzen Unerfahrenhett. aber auch in ihrer Sehnsucht nach Lieb« charakterisieren, sie bleibt aber bei alledem etwas herb« und reichlich bürgerlich. Den Spieler zeichnet mtt leichten Strichen Victor de K o w a; Alfred Abel hat Gelegenhett, den älteren Herrn überlegen, distanziert und mit dem Nachdruck, der imponiert, heraus- zubringen. Statt Barnowfky führt Hans Behal die Regie, nicht immer mtt der Kunst des erfteren. E). „Zwei Herzen und ein Schlag." Gloria»Palast. Je größer die wirtschaftliche Rot der Zeit, desto stärker die Sehnsucht, tm Film oder im Theater zu vergessen und zu lachen. Man steht im Zeichen der Tanzoperette und fragt kaum danach, wie Stoff und Form beschossen sind. Das Thema ist gesunden, und die Sujets unterscheiden sich wenig- voneinander. Er ist Kellner und sie Chansonette. Sie gehen auseinander und finden sich schließlich nach allerlei Mrrungen in der mondainen Welt. Der Film ist nach einer französischen Komödie geschrieben und mit Chansons Jean Gilberts garniert worden. Der Akzent ruht auf dem Tänzerischen, den Tanzduetten. Aber vi« Musik kommt nicht zu prägnantem schlagerartigem Ausdruck. Wenigstens stört sie nicht. Di« Handlung gipfell w ein paar gut gespielten und ausgebauten Szenen. Doch sie ist im ganzen profillas und sickert dahin. Die Regie Wilhelm Thieles sucht in der Dewilaxbett zu glänzen, und tatsächlich sind die einzelnen Auftritt« szenisch und darstellerisch gut geformt. LUian Haroey verschiebt ihr Können immer mehr vom Schauspielerischen auf den Tanz. Sie ist gut in der rhythmischen Bewegung und bleibt diesmal glatt im Spiel. Der neue Mann Wolf A l b a ch- Retty hat Charme und verfügt über Geschmeidigkett und Darstellungstaleitt. In kleineren Rollen bieten Rosa Valetti und Otto Wallburg ausgezeichnete Leistungen.— t. „Der fidele Bauer." Zentral» Theater. Der fidele Bauer hat gut seine 23 Jahre aus dem Buckel. Das Textbuch wandte sich seiner Zeit an den sorglosen Bürger des Klassenstaates, der fem gutes Herz entdeckte, wenn er mtt dem armen Bauer fühtte: der alles für seinen Sahn opferte, von dem aber nicht gebührend beachtet wurde. Die Operette selbst— die un zweiten Akt schon deullich auf den Musiker von Bedeutung hm- weist— war Leo Falls erster großer Erfolg. Sie HIeU sich jähre- lang auf dem Spielplan und wurde sogar von der„Dollarprinzesstn" und der„Geschiedenen Frau" nicht oerdrängt: obwohl Fall mit diesen Werken wahre Sensationserfolge erzielte. Im Berliner Zentral-Theater hatte Leo Fall sein erstes Engagement als Kapell- meister. Darum besann man sich gerade im jetzigen miesen Theater- winter auf ihn und brachte ihn geschickt zu Ehren. Die von der Crinnerungsfreude sanft verschönten Schlager wurden von dem beifallsfreudigen Premierenpublikum doppell ver- langt und das Heinerle-Lied mußte sogar dreimal gesungen werden. Unter Carl Fischers— vom lieblichen nicht abweichenden Regie— gaben die Schauspieler ihr Bestes. Unter ihnen steht Eduard R i c o l im Mittelpunkt, dieser rein menschlich« fidele Bauer verfügt wirklich über sehr gutes Können. Die im Spiel und auch gesanglich frische Christt S t o r m gefällt als fesche Annamirl und Carl Fischer hat die nötige Portion Komik als Lindeno�erhofer. Hans Walden findet sich mtt der nicht gerade donkbaren Rolle des Sohnes gut ab. Recht nett wirkt Erika H a a f e s Heinerle, well sie tatsächlich als Kind auf der Bühne steht.— g. Um die Schließung des Schiller-Theaters. Vom Preußischen Landtag wurde ein Antrag seines Hauptausschusses, worin das Staatsministerium ersucht wird, nochmals zu prüfen, ob von einer Schließung des Schiller-Theatere in Berlin Abstand genommen werden kann, angenommen. In dem Antrag wird darauf hinge- wiesen, daß die Schließung des Schiller-Theaters kaum irgendwelche Ersparnisse erwarten ließe. Ausstellung Kampf dem krebs. Da der Besuch an den Frauen- tagen an jedem Mittwoch besonders groß war, soll auch noch an jedem Freitag Frauentag stattfinden. Außerdem wird die Ausstellung an jedem Donnerstag bis 22 Uhr geöffnet bleiben. Um unseren Lesern den Besuch dieser aufklärenden Schau zu erleichtern, ist mit der Ausstellungsleitung vereinbart, daß jeder gegen Vor- legung dieses Ausschnittes an der Tageskasse nur den ermäßigten Eintrittspreis von 30 Pf.(statt 30 Pf.) zahlt. Studenten. Schüler und Erwerbslose zahlen gegen Vorzeigung des Ausweises nur 20 Pf. vermann:„Die Kultur der Polynesier" im Museum für Bölkerkuudc Wieviel Lohnabbau? .�rreffur der Berechnungen des Statistischen NeichSamtS. Ueber die Auswirkung des Eingriffs der Vierten N o t v e r- ordnung in die geltenden Tarifverträge hat das Statistische Reichsamt vor kurzem einige Feststellungen veröffentlicht. Danach wären die Tariflohnsätze im Durchschnitt aller Arbeitergruppen gegenüber dem Stand vom 1. Dezember 1931 um9,6Proz ge- kürzt. Die Senkung beträgt nach den amtlichen Berechnungen für Facharbeitet 9,1 Proz., für Angelernte 19,2 Proz., für Hilfs- arbeiter 9,3 Proz., für weibliche Fach- und angelernte Arbeiter 11,4 Proz. und für chilfsarbeiterinnen 11.3 Proz. Diese Ergebnisse sind, wie die„G e w e r k s ch a f t s z e i t u n g" in ihrer soeben er- schienenen neuesten Nummer nachweist, in mancher chinsicht irre- führend Die Fehlerquellen der Berechnungen des Statistischen Reichsamts liegen in folgenden Tatsachen: Bei der Einschätzung der Lohnsenkung im cholzgewerbe ist das Reichsamt von den alten längst überhollen Lohnsätzen aus- gegangen. Auf diese Weise wurde für das ganze cholzgewerbe eine durchschnittliche Lohnsenkung von 4,2 Proz. für die Facharbeiter und 3,9 Proz für die Hilfsarbeiter ermittelt. Daß das nicht stimmen kann, bätte dem Statistischen Reichsamt auffallen müssen. In Wirk- lichkeit betrug die Lohnsenkung für die Holzarbeiter in den Bs- zirken, wo im Dezember die Löhne tariflich geregelt waren, 19,6 Prozent bei den Facharbeitern und 19,8 Proz. bei den Hilfsarbeitern. Berücksichtigt man diese Korrektur, dann rückt der Gesamtdurchschnitt der Loknsentung über 19 Proz. Allem auch dieser Prozentsatz ist. wie sich aus den Meldungen, die der Bundesvorstand des ADTB. von einzelnen Verbänden erhalten hat, noch zu niedrig. Nach den Meldungen der Verbände ergibt sich im gewogenen Durchschnitt eine Lohnsenkung von 12 Proz. Für die meisten Berufsgruppen decken sich die Berichte der Verbände mit den Angaben der amtlichen Tariflohnstatistik. Das gilt vor allem für die Metallindustrie, das Bekleidungsgewerbe, die Schuhindustrie, das Buchdruck- und Baugewerbe. Die amtliche Sta- tistik läßt jedoch außer Betracht, daß bei den Landarbeitern die Tariflöhne im Durchschnitt um 13,4 Proz., bei den Tabak- a r b e i t e r n um 14,9 Proz. gekürzt wurden. Wenn die amtliche Tariflohnstatistik diese Kürzungen bei den Land- und bei den Tabak- arbeitern mit berücksichtigt hätte, würde sie zu einem Gesamtdurch- schnitt von etwa 11 Proz. gelangen. Schließlich liegt noch eine dritte Quelle der Abweichung zwischen den Meldungen der Gewerkschaften und den amtlichen Angaben über die Erfassung der Lohnsenkung in der T e x t i l i n d u st r i e. Das Statistische Reichsamt gibt für diese Industrie eine durchschnittliche Lohnsenkung von 7,7 Proz. bei den Facharbeitern und 7,9 Proz. bei den Hilfsarbeitern an. In der bis jetzt vorliegenden Uebersicht der Gewerkschaften sind die Ergeb- nisie der Lohnsenkung bei den Textilarbeitern noch nicht enthalten. Die„Gewerkschaftszeitung" stellt zusammensasiend fest, daß ab- schließende Ergebnisse über die Auswirkung der Vierten Notver- ordnung noch nicht vorliegen Sie würden aber kaum stark von den von den Gewerkschaften ermittelten vorläufigen Zahlen ab- weichen und„zweifellos hoch über dem Stand des vom Statistischen Reichsamt errechneten Durchschnitts" liegen. Cgtigsn Friedebach 60 Lahre alt. Der erste Vorsitzende des Deutschen Chorsänger-Verbandes und Tänzerbundes Eugen Friedebach feiert heute seinen 69. Ge- burtstag. Er hat sich als Führer dieser besonders schwer zu organi- sierendcn Berufe größte Verdienste erworben. Seine organisatorischen Fähigkeiten haben aus schwierigstem Boden größte Erfolge gezeitigt. Seine Verdienste um die Erhaltung vieler deutschen Theater in früheren und jetzigen Krifenzeiten sind groß. Einen besonderen Dank oerdient sein bahnbrechendes Wirken für die Einordnung der Bühnenkünstlerorganisationen in die große Gemeinschaft des A f A- Bundes. In seinem Verband, seinen vielfältigen Funktionen und im Bundesausschuß des AsA-Bundes ist er noch heute mit unermüd- licher Frische für das Wohl der Theaterangestellten und der gesamten Arbeitnehmerschaft tätig. Wir wünschen ihm und seinem Verbände die unverminderte. Kampfesfrische und Gesundheit sowie weitere erfolgreiche Tätigkeit und besonders wieder bessere Zeiten für die deutschen Theater. Möbel- und Cinrichtungsschau. Vom LS. März bis 3 April in 6 Hallen am Kaiserdamm. Die zweite„Mö", Berliner Möbel- und Einrichtungsschau, dies- mal verbunden mit einer großen Sonderausstellung„Die billige Wohnung", findet in der Zeit vom 19. März bis 3. April in den 6 Ausstellungshallen rund um den Funkturm statt. Der große Er- folg der ersten„Mö" 1939 läßt erwarten, daß auch die diesjährige Veranstallung beim Publikum besonderes Interesse findet, um so mehr da gerade während der Au-stellungszeit in der Reichshaupt- stadt ein Wohnungswechsel in noch nie dagewesenem Ausmaße statt- finden wird. Dementsprechend ist die Beteiligung der Aussteller- firmen ungewöhnlich stark: schon heute ist fast die ganz« zur Ver- fügung stehend« Hallensläche belegt. In der Sonderschau„Die Bezirksgruppe Groh-Berlin und Mark Brandenburg, ausgeschrie- stellt, deren Entwürfe bei einem vom Deutschen Möbelfachverbano, Bezirk.gruppe Groß-Berlin und Mark Brandenburg, ausgeschrie- denen Wettbewerb mit Preisen ausgezeichnet wurden. B o l l st ä n- dige Einrichtungen für 1-, VA. und 2-Zimmer-Wohnung«n in den Preislagen von 476 bis 1169 M. werden gezeigt. Da die Reichsbahn für die Osterseiertage wiederum erhebliche Fahrpreis- ermäßigungen vorgesehen hat, ist auch den auswärtigen Interessenten die Möglichkeit zum verbilligten Berlin- und Ausstellungsbesuch ge- geben._ Kürzung der Bergarbeiterlöhne. In dem Lohnkonflikt aus den nordfranzösischen Kohlengruben ist am Mittwoch in Douai eine Einigung zustande gekommen. Die Grubengesellschaften hatten eine Lohnkürzung um 19 Proz. be- schlössen, die zur Hälfte bereits seit dem 1. Februar durchgeführt ist. Die zweite Kürzungshälfte sollte am 16. März in Kraft treten. Es ist den Gewerkschaften nun gelungen, eine Verminderung des zweiten Kürzungssatzes um die Hälfte durchzusetzen und die Durch- fllhrung der zweiten Kürzung auf den 1. April zu verschieben. Die Gesamtkürzung des Tagelohns beträgt danach nur 3,15 Franken gegen 4,29 Franken, wie die Unternehmer gefordert hotten. Wetleraussichten für Verlin: Anfangs heiter mit Nachtfrost, Tagestemperaturen über Null, später Bewölkungszunahme, auf- frischende nordwestliche Winde.— Für Deutschland: Im größeren Teile des Reiches niederschlagfreies Wetter mit verbreiteten Nacht- frästen, nur im Alpenvorland stärkere Bewölkung mit Schneefällen. Theater der Woche. Vom 21. bis 29. Februar 1932. Volksbühne: Thentcr am Bülawplatz: Fuhrmann Hcnschel. 21., II1,-;. Uhr: Tiinzergruppe Marz. Wallmann. Staalskheater. Staataaper Unter den Linden: 21. Hochzeit des Figaro. 22. Troubadour. 22. Rhringold. 24. Carmen. 23. Maskenball. 26. Hugenotten. 27. Nacht ,n Venedig. 2?. Traoiata. 2g. Boheme. Staatliches Schauspielhans: 21. Clavigo. 22. bis 2g. Curano oon Bergerac. Städtische Oper, Charlottenburg! 2l. La Dobeme. 22. Der Troubadour. 23., 27. Das Spihcntuch der Königin. 24. Die Wallilre. 23. Don Giooanni. 26. Manon. 28. Tannhäuser. 2g. Die verkaufte Braut. Staatliches Schiller-Theater: 21. Die göttliche Jette. 22. Ein besserer Herr. Die Zauberin, der Riese und der Affe. 2Z. bis 29. Die endlose Straße. Theaker mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Vor Sonnenuntergang.— Die Komädie: Juwelenraub am Kurfllrstendainm.— Deutsches Künstler-Theater: Roulette.— Theater in der Sirescmannstraße: In jeder Ehe.— Komödienha»»: Hasenklein kann nicht dafür.— Metrapol-Theater: Ein Lied der Liebe.— Theater des Westens: Prinz Methusalem.— Luftlpielhaus: Ab 22. Runrendorf.— Tbeatcr im Admirals- valaft? Lisclott'.— Komische Oper: Ein entzückender Mensch.— Großes Schau- jpiclhaue: Hoffmanus Erzählungen.— Lessing-Theater: Morgen geht's uns gut!— Theater am Rollendorfplatz: Gasparone.— gentral-Theatcr: Der fidele Bauer.— Die Tribüne: Spiel im Schloß.— Kleines Theater(Internationales Theater): Truppe ISZI: Die Mausefalle.— Eastno-Theater: Ehen von heute.— Pla-.a: Die Biume von Hawai.— Seala. Wintergarten: Internationales Variet«.— Reichshallen-Theater: Stettincr Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan: Rose-Theater: Der Bettclstudcnt. 28., 21 Uhr: Götter unter sich.— Theater in de« Klosterstraße: LI. Faust. Ab 22. 2 Mädels aus dem 4. Stock. Nachmillagsvorsiellungen: Volksbühne. Theater am Bülowplatz: 28. Fuhrmann Henschel.— Deutsches Sünstlcr-Shcal«: 21. Der Biberpelz. 28. Der Revisor.— Metropol-Theater: 21. Die Fledermaus.— Komische Oper; 21., 28. Ein entzückender Mensch.— Großes Schauspielhaus: 21., 28. Hoffmanns Erzählungen.— Theater am Rollen- darsplatz: 21., 28. Gasparone.— Kleines Theater(Internatianales Theater): 21., 28. Die Mausefalle.— Rose-Theater: 24., 27., 18 Uhr, und 28., 15 und 18 Uhr: Der Bettclstudent.— Theater i- der Klosterstraße: 21.. 28., 15 Uhr: Sänsel und Grete! und 17 Uhr: Büchse der Pandora. 21., 22., 15zh Uhr: Wilhelm Tell.— Plaza: Die Blume von Hawai.— Srala, Wintergarten: 21., 27., 28. Internationales Variete-.— Reichshallen-Theater: 21., 28. Stettin« Sänger. Erstaufführungen der Woche: Dienstag. Schiller.Theaterr Die endlose Straß».— Theater in der Klosterstraße: Zwei Mädels aus dem ersten Stock. 8difoti Sucht einen llachfolger Der große amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison, der im vergangenen Jahr« gestorben ist, hat 1939 einen Wettbe- werb veranstaltet, durch den er unier den amerikanischen Schul- jungen seinen zukünftigen„Nachfolger", also den kommenden großen Mann, auswählen wollte. Dem glücklichen Gewinner winkte neben den Siegerehren ein wertvolles Stipendium für das Studium an einer technischen Hochschule. Dieser Wettbewerb wurde von den amerikanischen Zeitungen als großes Ereignis gefeiert. Es ist ge- wiß schön, wenn ein reicher Mann ein Studicnstipendium stiftet, aber es ist ebenso lächerlich, durch einen Schülerwettbewerb den zukünftigen großen Mann finden zu wollen. In einem kleinen Buche, das soeben unter dem Titel„Edison sucht einen Nachfolger" erschienen ist(Frankfurter Verlagsanstalt, Berlin W. 15, 1931, 193 Seiten, gebunden 1,59 M.), schildert A. Harsch- w i tz Edisons Leben, den Verlaus des Wettbewerbs und teilt die Preisfragen mit: im zweiten Teil des Buches untersucht Professor Paul O e st r e i ch, der Vorsitzende des Bundes entschiedener Schul- reformer, die Frage, ob dieser Wettbewerb überhaupt einen Sinn hat. Frau H o r s ch w i tz teilt die Antworten mit, die Edison selbst in einem Interview auf einige Fragen gegeben hat. Zu dem Pro- blem der Arbeitslosigkeit hat Edison nur zu sagen:„Die Industrie sei so vielseitig, daß es bereits heute an sachlich Vorgebildeten fehle." Angesichts der riesenhaften Arbeitslosigkeit zeugt diese Meinung von einem fast kindlichen Optimismus. Der Wettbewerb selbst ging so vor sich, daß zunächst aus den einzelnen amerikani- schen Staaten je ein Junge ausgewählt wurde: die 49 Besten trafen sich im Hause Edisons in West Oro�ege. Unter diesen wurde dann„der Beste der Besten" in Gegenwart von Edison, Ford und Lindbergh bestimmt. Die Jungen hatten einen Fragebogen auszu- füllen, der 57 Probleme enthielt. Die Antworten wurden dann nach Punkten bewertet. Paul Oe st reich zeigt, daß diese ganze Fragerei höch- stens das Schulwissen feststellen kann, daß der ganz« Wettbewerb darüber hinaus wertlos ist. Eine der Fragen lautet:„Ist das heutige Verhältnis von Kapital und Arbeit einigermaßen gerecht und billig?" Es wäre interessant zu erfahren, wie die Antworten auf diese Fragen„nach Punkten" bewertet wurden. Die Beant- wortung setzt ein langes Studium der Tatsachen und Systeme vor- aus, wie kann man von 16jährigen Schülern höherer Lehranstalten hierüber Auskunft verlangen? Interessanter aber als alle Einzel- heiten ist der Geist dieses merkwürdigen Wettbewerbes. Dem Ganzen liegt der Gedanke zugrunde, daß die Wissenschaft nur zum Profitmachen da sei und daß es darauf ankomme, auf Kosten der Mitmenschen einzelnen den gesellschaftlichen Aufstieg zu ermöglichen. Der Erfolg des einzelnen wird zum pädagogischen Prinzip. Was uns not tut, ist nicht eine Auslese nach Schulwissen und durch schulhafte Prüfungen: die Erziehung darf das soziale Chaos nicht unberücksichtigt lassen. Eine sinnvolle soziale Ordnung und eine Erziehung zur Solidarität des Men- schentums ist notwendig. Das Problem der Erziehung wird auf diese amerikanische Weise sicherlich nicht gelöst. Dr. S. Weinberg. Sonnabend, 20. Februar. Berlin. 16.05 San.-Rat Dr. Paul Frank:„Medizinisch-hygienische Plauderei". 16.30 Unterhaltungsmusik. 18.00 Die Erzählung der Woche.(Sprecher: Pem.). 15.25 Dr. Artur Karsen: Für den Siedler und Kleingärtner. 18.40 Adele Gerhard liest eigene Dichtungen. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Die Funkstunde teilt mit... 19.15 Beethoven. Serenade D-Dur, op. 25. für Flöte. Violine und Viola. 19.45 Mitteilungen des Arbeitsamts. 19.50 Orchesterkonzert. 21.00 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 22.00 Wetter, Nachrichten und Sport. 22.20 Vorführungen im Kroll-Theater. Mitw.: Solistinnen und Solisten der Staatsoper; das Orchester der Stiatsopcr: der Chor der Staatsoper. Es dirigieren: Wilhelm Furtwänglcr. Erich Kleiber, Otto Klcmpcrcr. Königswusterhausen. 16.00 Felix Stiemer: Der Untcrhallungsroman. 16.30 Hamburg. Konzert. 17.30 Viertelstunde für die Gesundheit. 17.50 Ob.-Ing Nairz: Viertelstunde Funktechnik. 18.05 Günther: Deutsch. 18.30 Prof. Max Wundt: Die geistigen Grundlagen des neuen Nationalismus. 18.55 Welter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.30 Der beseelte Alltag. 20.00 München: Jedem das Seine. Berlin. 6.45 Funkgymnastik. 5.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Stadthalle. Magdeburg: Orgelkonzert. 11.30 Edith Larsson erzählt Märchen. 12.00 Reichstag: Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. 13.00 ca. Vor dem Reichstag.(Am Mikrophon: Alfred Braun.) 13.15 Konzert. � 15.00 Kaiser-Wilhelm-Gcdächtnis-Kirche:„Gefallcncn-Gcdächtnisfclcr des Kriegerdankbundes e. V., Berlin. 15.45 Rudolf Stumpf: Der Tod in Kunst und Dichtung. 16.10 Unterhaltungsmusik. 18.20 Dr. Hermann Oncken: George Washington. 18.50 Neue Stimmen vor dem Mikrophon. Ltg.: Cornelis Bronsgeest. 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Volkstrauertag. Dir.: Bruno Seidlcr-Winklcr. 1. Beethoven; Corfolan- Ouv. 2. Rezitationen(Edith Herrnstadt-Oettingen). 3. Händel: Trauermarsch aus„Samson". 4. Rezitationen(Max Bing). 5. Schubert: Unvollendete Sinfonie H-Moll. 22.05 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 23.30 George Washington. Ein Lebenslauf, für den Rundfunk bearfeitet von Fritz Laukisch. Ltg.; Edlef Koppen. Königswusterhansen. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert. 11.30 Erich Emst Schwabach liest eigene Dichtungen. 13.00 ca. Von Berlin: Vor dem Reichstag. 14.30„Elternsprechstunde". Lehrspiel von Dr. Hans Hajck. 15.45 Di. Hans Moser: Bayerisches Bauerntheater 17.15 Gedichte in Prosa von Iwan Turgenjeff(gelesen v. Grete Markstein) 18.20 Dr. Walter Bloem: George Washington. 18.45 Abrüstung— Aufrüstung?(Mehrgespräch). 19.30 Dr. Leo Weismantel:„Helft— Helft!" 21.00 Leipzig: Kriegs-Requiem. Peraniwortl. für bic jHebaftion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: TH. Glocke. Berlin Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» bruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. S. Hierzu l Beilage. Glt Theater. Lichtspiele usw. Slaafi|g||� Theater| Sonnabend, den 20. Februar staatsoper unter ren Linden IQVa Uhr R i g o I e 1 1 o StaztLSdiauspielhaiis umdanninmarla 20 Uhr Clavigo Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uht Die göttliche Jette ISi.m.Stoa.Z.S.BiSD. I Tel.:E7Welcbsel 4031 .Die Blum« vai Hawtf' Rose- 1 heater rot, Fmkhirtn StnOi<31 ttl. Waith»! E 7 347? 6 u. 9 Uhr Oer Bettelstudeot 8.15 Uhr Flora 3434 RaudioD erlaubt Reiter-Familie..Cssl". Hufiro u. sein Weibsteufel. Willi. Bendow. 0 Allisons and weitere Aürakiionen Sonnabirad o. Soontao le 2 Vorstelle. 4 a.8.15 Ohr. 4 Uhr kleine Preise. Stadl. Oper Charlottenbur« dismarckslraße 34 Sonnabend, 20. Febr. Turnus II Anfang 19.30 Uhr Carmen Ende gegen 23 Uhr WmstM Charlotienstr. 90-91 Vor noch» Tage! ragiich m uhi OasEnsembleil.VolksböhiiE Kampf um Ktfsdi VolKsbUUne Tbtatar am BOlowolati 8 Uhr Fährmann Henschel mit Emil Janniugs u. Margarete Melzer Regie: K H. Martin StiafL Sdnller-Tbutar 8 Uhi Die gOttUdie jeöe ■ GR. SCHAUSPIELHAUS Tägl. 8U.■ Voffmanns IKUhKAKüT INSHENIbKUHij■ JunUinacJiiU»� »v.uhrCASlNO-THEATERo'/.uh. Lothringer Strafe 37. i iiiiii ii in hihi in um in in in Hin iiiiiioiifiiiiiniiiiriiiii tun in in im Für venlo Geld ein oenoAreliiier Abend Xenl Ken! Ehen won heute Dazu ein nener banter TeU and eine Operelle üulschein I-4 Personen: Parkett 50 PI. Pauteuil 1.— Mark. Sessel 1.30 Mark p— meines in.—, Truppe 1931. FäfL 8V4 Uhr Die mausetalie Preise 75 PI.-5 M Sonnt, nachm. 4 ü. halbe Preise. Theater im Nollendorfplati •Ugii: Hilm Sillnbu: Pallas 7051 räglich SV« Uhi Stgs auch 4V« Uhi Heute zum 105. Male Gasparone Reidishallenfheaier Utin hoff platz Uhr. Sonntags 3 /' Uhr zu kleinen Preisen Stettiner Sänger Nur noch Kuize Zeit „So'n Keinfall!" Homöopathie klieren-. Blas. Leb., natt.-, Maeen-, Barm Innere U-Nelrenl-I Ksn«. MUnz>tr.O Bcbandl. nur 2 M. LV9t�-Zimmer-Wohnungen Ofenheizung, teilwel$e Zentralheizung und Warmwasser I54 Zimmer 53.— bis 55— RM. 2 Zimmer 53— bis 63— RM. 2� Zimmer etwa 70— RM. Johannisthal 4 Min. v. Bahnhof Schöneweide Friodrichsfold 6 3 Min. v.U-B. Friedrichsfelde PankOW unweit vom U-Bahnhof Vinetastraße Neuenhagen bei Berlin. Einfamilienhäuser 2% Zimmer 57— RM. und 3zj Zimmer 95__ RM. Genossenschaftsanteil mit kleiner Anzahlung und kleinster Ratenzahlung. ..Stadl und land-fsrfÄirs (ßeitage Sonnabend/ 20. Februar 1932 ihrAM) SfuUau±gaße Ja tburäsA J)ie Qeöc&icfite der'Woeße: / Won Qexfkaxt Henmann Wlo&tar Das Geschehnis� das dieser Crzählnng zugrunde liegt, hat in so unmittelbarer Nahe meines Hauses sich abgespielt, daß ich es gewissermaßen miterlebte. Es ist ein sehr einfaches Geschehnis; man muß versuchen, es ebenso einfach zu erzählen. Die Beeke ist prunklos wie ihr Name.„Beeke", das ist platt- deutsch und heißt einfach„Bach"; bäuerische Sachlichkeit gibt ihr seit Jahrhunderten diese Bezeichnung. Sie ist denn auch nichts als ein Bach, ohne irgendwelche besonderen Merkmale; sie bildet sich aus vielen kleinen Rinnsalen eines Sumpsgebietes, fließt in Zweimeter- breite ohne eigenmächtige Umwege, aber auch ohne Bemühen um die kürzeste Route zu Tale, unterquert eine Landstrahe und eine Kleinbahnstrecke, staut sich schließlich zu einem Teich, dessen Druck das Wasserrad der Kramnitzmllhle treibt, und findet schon nach knapp fünf Kilometern ihr Ziel: den Gudelacksee. Sie vermag nur einen schmalen Wiesenstreifen zu bewässern und muß den größten Teil ihres Tales dem Heidekraut und dem Wacholder überlassen: einmal und, wenn es hoch kommt, zweimal im Jahre leistet sie sich eine kleine, wohlanständige Ueberschwemmung, die niemanden schädigt. Das Wild trinkt aus ihr; an Menschen sieht sie, da sie kein Dorf berührt, außer mähenden Knechten und dem Jäger nur die spielende und planschende Jugend; die allerdings ausgiebig. Das ist wirklich alles, was über die Beeke zu sagen ist. Dennoch gab es einen Menschen, der ihr puf eine seltsame und tiefe Weise und, wie sich gestern herausstellte, geradezu schicksalhaft oerbun- den war. Diesen Menschen hat bis gestern niemand gekannt. Es war nämlich nicht, wie man meinen sollte, der Müller von Kramnitz: der ist längst nicht mehr auf die Beeke angewiesen, sondern mahlt meist mit elektrischer Kraft. Seine Frau ist die einzige, die zu- weilen den: Bach einen mehr als nüchternen Blick schenkt; sie ist gelähmt seit acht Jahren, es ist wie ein Wunder, daß sie überhaupt noch lebt, und sie hat manchmal den dummen Gedanken, daß sie das Wunder dem Wasser verdankt, das immerzu an ihr vorbeifließt und ihr das reine und klare Leben bringt— sozusagen eben, nur als dummer Gedanke; der Arzt nämlich hat, als sie herzog, sie gewarnt: Wasser bringe Nebel und Feuchte, und das müsse ihr Leiden verschlimmern. Der Mensch ober, der wirtlich mit der Beeke in einer Schick- salsverbundenheit stand, wohnte gar nicht in der Nähe der Beeke, sondern etwa fünfzehn Kilometer von ihr entfernt, in Groß-Wolters- dorf, das an der Straße zwischen Gransee und Menz gelegen ist. Er war schon sehr, sehr lange in Groß-Woltersdorf, er galt als Groß-Woltersdorfer und hielt sich selbst dafür. Er war zweiund- achtzig Jahre alt und saß auf dem Altenteil eines Achtzigmorgen- Hofes, den sein Sohn leitete. Jeder kannte ihn im Dorf, jeden kante er; und nur, wenn ein Fremder ihn fragte:„Na, Großvater, schon immer hier in Groß-Woltersdorf, wie?"— dann sagte er gewissenhaft:„Jawoll; dat heit, geborn bün ick so man eigent- lich in Banzendorf; wi sünd aber oll schon weckmakt, as ick dörtein Johr west bün." Und Banzendorf, das ist hier zu sagen, liegt ziemlich nahe an der Beeke.... so nahe, daß die Banzendorfer Kinder ihre halbe Kindheit an ihr und in ihr verspielen. Dennoch hatte der alte Mann in Groß-Woltersdorf die Beete vollkommen vergessen. Mein Gott, neunundsechzig Jahre waren hingegangen, seit er sie das letztemal gesehen hatte, das waren neunundsechzig Saaten und neun- undsechzig Ernten, und alles, was zu säen war, Roggen und Gerste und Rüben und Seradella und Kartoffeln, hatte er in Groß- Wolter-dorfer Boden gesät, und alles aus Groß-Woltersdorfer Boden geerntet; vom Holzschlag, von der Gartenpflege, von der Jmmenhaltung zu schweigen. La vergißt sich son kleiner Bach und son bißchen Spielen daran. Vergißt sich eben..., vergißt sich. * Nun, und diesen selben alten Mann fand man gestern vor- mittag tot auf. Sein Leichnam lag in der Beeke---- * Niemand kannte ihn. Der Gendarm wurde geholt. Es wurde photographiert. Borsichtshalbcr. Der alte Mann mußte bei dem Versuch, die Beeke zu überschreiten, durch das ziemlich dünne Eis durchgebrochen sein. Nun ist die Beete zwar nur einen knappen Meter tief, oder noch weniger. Aber unter dem Eis strömt das Wasser, und sein sanfter Druck war vielleicht stark genug, die schwachen Greisenfüße seitlich wegzudrücken, so daß der Oberkörper es nicht vermochte, sie herauszuziehen. So lag der Mann denn mit dem Unterkörper im Wasser, um seine Hüfte war das Eis fest angefroren, und der Oberkörper lag an die Böschung des Strandes gepreßt: nur das Gesicht ragte über die Böschung empor und sah durch eine Waldschneise genau auf den Kirchturm von Banzendorf. Die Temperatur war in der Nacht nur wenige Grade unter Null gesunken: aber der Zweiundachtzigjährige war erfroren. Ich stand mit anderen Dorfbewohnern dabei, als der Gendarm seine Feststellungen machte und den Toten, weil er keine Papiere bei ihm fand, zunächst nach Banzendorf transportieren ließ. Neben mir stand der alte Wilhelms, der auch seine achtzig Jahre auf dem krummen Rücken hat. „Je", sagte der alte Wilhelms zu mir,„wat de Möllerin is, de ward denn woll nu ook to't Starwen kamen." „Aber wieso denn?" fragte ich erstaunt. „Je, dat is so. Dat Water bringt den Dod to Dal..." Der alte Wilhelms nämlich ist ein Museum heimischen Aberglaubens: das Wasser bringe den Tod zu Tal, meinte er... •* Es war bald heraus, daß der Tote der alte Mann aus Groß- Woltersdors war. Sein Sohn hatte der Polizei gemeldet, daß sein Vater plötzlich verschwunden war. Das heißt: eigentlich nicht so plötzlich. Seit zwei Wochen nämlich hatte der Alte davon zu reden be- gönnen, daß es mit ihm zu Ende gehe. Niemand hatte recht hin- gehört, niemand es geglaubt: er war immer noch, recht rüstig ge- wesen, und auch jetzt zeigten sich keine Zeichen des Verfalls. Er hatte es denn auch bald wieder aufgesteckt, vom Tode zu sprechen; dafür aber hatte er sich ein anderes Lieblingsthema erwählt: und dies Thema hieß: Banzendorf und die Beeks. Zu den Kindern, die am Dorfteich spielten, war er hingegangen und hatte gesagt:„Je.?ie ick all so kleen west bün as jetzt Zi, do heff ick ook an een Water speelt; ober dat wir keen Diek. dat wir ecne Beeke— dat wir eben die Beeke..."„Neä. Schlittschauh Hebben wi dor nich op loopen könnt."—„Je, aberst scheun is et not all west." Und zu Hause, zum kleinen Enkel:„Iehann heit hei, hehe, Je- han. As ick tein Johr west bün, heff ick ook mit een'n speelt, dei het Iehann heten wie hei hür. Ob d» woll noch lewen dheit?" Und zu Nachbarn war er hinüber gegangen:„Hebbt ji nich Verwandtschaft in Banzendorf? Föhrt ji nich mol hen in dcse Tid? Mit Pird un Wagen?" Nein, man fuhr nicht hin. „Denn werd ick woll lopen möten____ Is ja man een biscken veel för mine ollen Knaken, aberst de Straten slln ja gaud un drög.. „Aber Großoader, wat wollt ji denn in Banzendorf?" „Ach, blot so, man möt doch woll noch eenmol hen, allens noch eenmol wedderseihn..." So war das gegangen, Tag um Tag. Niemanden war es sonderlich aufgefallen, und dem eigenen Sohn gegenüber hatte der Alte geschwiegen— gerade und nur ihm gegenüber. Warum? Furcht, nicht verstanden zu werden? Scham? Nichts ist schwerer zu deuten als der Eingriff des Unerwarteten in einfache Menschen.. Nun, und ehe vorgestern in der Frühe war er losgegangen— ohne irgendwem zu sagen, wohin. Für die fünfzehn Kilometer hatte er wohl so ziemlich den ganzen Tag gebraucht: es lag Schnee, drüber hin war Frost gegangen, man glitt leicht aus. Schließlich, in den Abendstunden, hatte man ihn durch Banzendorf gehen sehen. Aber er war seltsamerweise nirgends eingekehrt, hatte nicht versucht, sich irgendwem zu erkenen zu geben. Er hatte den alten Wiesenweg gesucht, der früher zur Beeke führte. Der war jetzt nur mehr ein halb verwachsener Pfad. Die Banzendorfer Kinder von heute gingen andere, neue Wege. Aber der Alte war seinen alten ge- gangen. Er hatte auch auf ihm die Beeke gefunden. Hatte wohl probieren wollen, wie ein Zwölfjähriger, wie damals vor sechzig Jahren, ob das Eis noch trug. Aber es trug nicht, und er war eben doch kein Zwölfjähriger, er war ein kindischer alter Mann, der Kinderspiele spielte, und es war Nacht und Frost-- und so mußten sie ihn am andern Morgen finden, die müden Füße im Beekewasser, die Hüfte vom Beekeeis umgürtet, das Gesicht nach Banzendorf gewendet. Man kann sagen, dies Sterben sei grauenhaft. Ich sage es nicht. Die Bauern hier meinen, so hielten es auch die Dorfhunde, wenn es mit ihnen zu Ende gehe: sie suchen sich einen Platz, der nahe ihrer Hütte ist und dennoch ganz einsam. Das stimmt, ich habe das selbst einmal erlebt. Aber es ist nichts Grausiges und beileibe nichts Herabsetzendes in diesem Vergleich zwischen Mensch und Hund, er war auch nicht so gemeint. Er sollte wohl sagen. daß dieser Tod eine Heimkehr war: und das soll wohl jeder rechte Tod sein: das Heim muß nicht immer Himmel heißen, und das seltsame Wort Heimat muß nicht immer leer sein. Und der größte und menschlichste Dichter Rußlands, man entsinnt sich wohl noch, suchte sich denselben Tod. » Heute nachmittag nahm ich an der Beerdigung der Müllerin teil. Sie starb in derselben Nacht wie der alte Mann, wahrschein- lich wenige Stunden nach ihm. Der alte Wilhelms sah mich nur an, er sagte nichts: sagte nicht noch einmal:„Das Wasser bringt den Tod zu Tal". Man muß seinen Aberglauben nicht mitglauben: es gibt der natürlichen Erklärungen die Fülle. Aber man muß ihm lassen, daß es ihm auf seine Art gelang, dem Zufall einen Sinn zu geben. Das ist viel für den alten Wilhelms. Zur gleichen Zeit, in der man die Müllersfrau begrub, ließ der Sohn des alten Mannes aus Groß-Woltersdorf seinen Vater aus Banzendorf heimholen— oder vielleicht: in die Fremde holen. Die Teilnehmer an der Beerdigung der Müllerin froren im kühlen Hauch; der von der Beeke aufwehte, waren mißgelaunt und trösteten sich ob ihrer Ungerllhrthcit:„Sie hett all lang litten, sie is all erlöst". Die vielen weißen Tauben des Müllers flogen eine schwirrende Ehrenrunde über den dunklen Wagen und über die I Beeke, deren Eis gebrochen ist. cflchefacudcn in WlH Ctnio und(Pfcxd dutcß die Steppen HCeina&icnA Otto Mönchen hat durch einen glücklichen Zufall eine Studienreise ins asiatische Tuwa, der kleinen Hirtenrepublik fern in der sibirischen Steppe, die sonst Fremden der chlossen ist, machen können. Bon dem Leben und Treiben der Tuwiner, ihrem kaum bekannten Land und von dem Einsluh der Sowjets in Moskau aus diese autonome Republik der UdSSR, im innersten Asien erzählt sein Buch„Reise ins asiatische Tuwa"(mit 28 aus- gezeichneten Photobildern, Verlag Der Bücherkreis). Die nach- folgende Skizze ist ein Beispiel, wie eigenartig die neue Aivili- sation und die alten Lebensformen nebeneinander und gegenein- ander wirken. wt. Ich bin in Tuwa zumeist geritten, aber ich will Tuwa nicht verkleinern und schlecht machen: es gibt auch Automobile dort. Wenn inzwischen keines dazugekommen ist und die alten noch fahren(was allerdings zu bezweifeln ist), dann verfügt die Re- publik über drei Autos. Gefahren bin ich auf ihnen das letzte Stück des Weges nach K y s y l- ch o t o, dann einmal von Kysyl-choto nach D s ch a d a n a und noch einmal von Kysyl-choto nach S ch i g a n a r. An die letzte Fahrt werde ich denken, solange ich lebe. Das Auto, das uns mitnehmen sollte, wartete vor dem Regiorungsgebäude. Auf einem amerikanischen Autofriedhof hätte es selbst noch die Sclbstmörderecke ausgespien, so erbärmlich sah es aus. Auf allen Seiten zerschrammt, mit außen grob aufgeschraubten Eisenbändern, die es vor dem drohenden Auseinanderfallen bewahren sollten, mit Reifen, denen man es ansah, daß sie in den nächsten hundert Kilo- meiern fünfmal platzen würden(was sie auch taten), die Karikatur eines Wracks. Dazu mit Kisten, Ledersäcken, Benzinkannen so be- packt, daß man kaum ins Innere klettern konnte. Dieses Innere bot Platz für vier Menschen. Ich war der elfte, der einstieg. Es war eine Erlösung, wenn eine Panne kam. Bodanow, burjätischer Vertreter der Komintern in Tuwa, der zu einer Parteiversammlung in Schiganar fuhr, zu der auch ich wollte, stieg dann von meinen Füßen hinunter, mein koreanischer Nachbar stellte eine Zeitlang den Versuch, meine Rippen zu zerquetschen, ein und in die Zusammen- stöße meines Kopfes mit der Konservenkiste kam eine Pause. Vor die Wahl gestellt, mit diesem Auto zu fahren oder im Holzsattel auf einem stoßenden Gaul zu reiten, hätte ich mich am liebsten für das Zufußgehen entschieden, wenn nicht Schiganar 120 Kilometer ent- fernt gewesen wäre und wenn nicht schon am nächsten Tag die große Versammlung begonnen hätte. So mußte ich also mit. Ueber Stock und Stein, auf einem Weg, den man auch nachts nicht verfehlen konnte— er war so breit wie die Steppe: die Steppe war der Weg—, hüpfend, ächzend, fuhr das höllische Auto. Die Passagiere stöhnten so lange, bis ihnen der Staub sogar das Stöhnen erstickte. Das will nun nicht sagen, daß ich mit den tuwinischen Pferden nur himmlische Freuden erlebt hätte. Meistens ging es ja gut, aber es gab auch böse Tage. Ich ritt, solange es ging, nach den U r t e l st a t i o n e n. Gegen regelmäßige Bezahlung durch die Regierung halten in Abständen von 20 bis 40 Kilo- metern Nomadenfamilien Pferde bereit für Reisende, die in offiziellem Auftrag reisen. Ich hatte eine Bescheinigung erhalten, die mich ermächtigte, an jeder solchen Station Pferde anzufordern, und reiste recht angenehm. Die Pferde sind es gewohnt, stemde Reiter zu tragen, und wenn man sich einmal dem Sattel an- gepaßt hat, geht es ganz gut. Ganz leicht ist es allerdings nicht, sich an die Sättel zu gewöhnen. Aus Holz, mit einem dünnen Filz überzogen, vorn und hinten ein Holzbogen, dazu noch die Steigbügel so kurz, daß die Schenkel manchmal fast waagerecht liegen, machen sie einem das Reiten anfangs zur Qual. Immerhin, es ging. Erst als ich in Gegenden kam, wo es keine Urtelstationen mehr gab, wurde es wirklich ungemütlich. Der Schein gab mir das Recht, Pferde zu nehmen, wo ich sie gerade fand, also auch in Jurten, die nicht dafür bezahlt wurden. Das hat den Leuten wenig Freude gemacht. Außer dem Reitpferd für mich und meinen Begleiter hatten sie noch ein Packpferd zu stellen und einen Mann mitzugeben, der alle Pferde wieder zurückbrachte. Sie gaben daher die schlechtesten Pferde her. die sie hatten: alte, störrische, kaum zu» gerittene, das heißt, wenn sie sie überhaupt hergaben. Denn es geschah mehr als einmal, daß auf das Gerücht meiner Ankunft hin alle Pferde in die Taiga getrieben wurden, und ich konnte nun zusehen, wie ich sie einfing. Bis das mit Fluchen und dem Lasso gelang, verging manchmal ein ganzer Tag. Ich habe keines der Abenteuer erlebt, die jeder anständige Reisende in Jnnerasien zu erleben hat. Ich bin nicht von Räubern überfallen worden, kein Sandsturm hat mich verschüttet, ich habe nicht hungern müssen und fand immer reichlich Wasser. Wären nicht die Pferde gewesen, ich wüßte nicht, wie ich vor dem Leser bestehen könnte. Aber was waren das schon für Abenteuer? Manch- mal ging das Roß durch. Das geschieht auch einem Reiter im Tiergarten. Eines Rittes erinnere ich mich trotzdem mit einigem Unbehagen. Die kleinere Karawane war zum Flüßchen Köndergej auf- gebrochen und zog nach Osten. Ganz vorne der tuwinische Begleiter, hinter ihm das Packpfcrd, dann ritt ich und hinter mir der Dol- metsch. Mein Pferd hatte schon einige Male vor aufflatternden Rebhühnern gescheut. Aber erst als das Packpferd scheu wurde, sich hinwarf, wieder aussprang, die Ledersäcke abstreifte und davon- raste, ging auch meines durch. Das wäre nichts Besonderes. Ich brachte es ja auch wieder zum Halten. Doch die Landschaft, durch die das scheue Tier raste, war recht besonders, etwas unheimlich. Ich flog vorbei an menschlichen Brustkörben, Totenschädeln, Schenkel- knochen, sprang über Leichen, ritt Skelette nieder. Ich ritt durch ein tuwinisches Totenfeld. Daß der Steppenbewohner Tuwas fein Pferd nicht gern einem Fremden anvertraut, ist nicht verwunderlich. Mehrfach konnte ich beobachten, wie sehr ein gutes Pferd geschätzt wird, so einmal in einer Kinovorstellung. Ich sah dort den schönen G o r k i- F i l m„M u t t e r". Es wird nicht alle Tage gespielt, wenn es hoch kommt, zweimal in der Woche, mitunter aber auch wochenlang gar nicht. Die Tuwiner waren von weit her geritten gekommen, um sich dieses Wunder an- zusehen. Zwanzig, dreißig Kilometer— was macht das diesen Reitern schon aus. Da saßen sie auf den schmalen Holzbänken, schrecklich eng aneinandergepreßt, in gespanntester Erwartung Das Filmband riß an diesem Abend mindestens zwanzigmal. Doch das freute die Zuschauer bloß. Um so besser! Um so länger dauert das Märchen! Verstehen konnten sie nicht das allergeringste. Kein Tuwiner hat je in seinem Leben eine Eisenbahn gesehen, eine Fabrik, kein Tuwiner weih, was ein Streik ist. Sie konnten nicht einmal erraten, was da vorgeht. Die Aufschriften waren russisch, — die konnten sie nicht lesen. Aber sie freuten sich dennoch un- endlich. Den Borgängen auf der Leinewand standen sie absolut neutral gegenüber. Wer gerade schoß, das war ihr Mann; ob das ein Revolutionär war oder ein Gendarm, kümmerte sie durchaus nicht, schon weil sie nicht verstanden, warum der Kamps ging. Wenn Pferde kamen, geriet der Saal in Begeisterung. Mit wildem„Tschai Tscha!" hetzten sie, schrien sie, sprangen sie aus. Sie unterhielten sich ganz glänzend. Nur einmal waren sie empört und tobten. Ich verstand den Grund nicht. Der Film zeigte gar nichts besonders Aufregendes: laufende Füße, einen erhobenen Arm, ein Gesicht. Aber das war eben der Grund! Man übersetzte mir, was sie schrien:„Wir haben voll bezahlt! Warum zeigt ihr uns nur einen Fuß? Wo ist der Kopf? Wir wollen einen ganzen Menschen sehen! Warum macht ihr die Wand so klein? Wir verlangen eine Wand, auf der ein Mensch Platz hat! Wir wollen eine große Wand! Große Wand!" Die Vorstellung war schon lange zu Ende und noch immer standen sie beisammen, lachten, schwätzten. Einer wollte bei der Kasse unbedingt das Pferd kaufen, das im Film„der Mann mit dem goldenen Zahn" geritten hatte Bis dann einer nach dem anderen fein Pferd bestieg und heim ritt. Vorbei an der Elektrizitätsstation und dem Postgebäude, zurück in die Jurte, zurück in die Steppe durch die schon von allen Seiten der dunkle Ton der Schamane" trommel die Geister rief. Sport an Außer den bereits gestern im„Abend" angekündigten Spielen oer Arbeiterfuh- und-Handballer und der-Hockeyspieler finden heute, Sonnabend und morgen, Sonntag, im Arbeitersport folgende Ber- anstaltungcn statt: Der jüngste Berliner Bundesverein ASV. Rol-Weiß tritt heute um 19 Uhr in der Turnhalle Gleimstraße 49 mit seinem ersten leichtathletischen Hallenvereinskampf, zu dem als Gegner der ASV Wedding' oerpflichtet wurde, an die Oefientlichkeit. Aus dem Programm ragen hervor der Sprinterdreikamps, Staffeln, Poarlaufen� Mannschaftshochsprung und Medtzinballkonturrenzen für Männer, Frauen und Jugendliche Gleichzeitig wird den Zuschauern ein Einblick in den Uebungsbetrieb des ASV. Rot-Weiß geboten. Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt und oerspricht sehr interessant zu werden, so daß jedem der Besuch dieses kleinen Hallen- sportfeftes empfohlen werden kann. Eishockeyspiele. Heute finden um 19 Uhr in Mariendorf folgende Spiele statt: Ostring 2 gegen eine kombinierte Mannschaft: Osten 2 gegen Tennis-lltot: Osten 1 gegen Ostring 1.— Fahrgelegenheit Straßenbahn 2S, 99 und 199 bis Prühß- Ecke Chaufseestrahe. Versammlung der wassersportlerinnea. Heute um 1954 Uhr findet im großen Saal des Gesamtoerbandes, Berlin N. 24, Iohannisstr. 14/15, eine Frauenoersammlung aller Wasser- sportlerinnen des 1. Kreises statt. Referat der Genossin Klara Böhm- Schuch M d. R Ferner wird behandelt das Hallensportsest am 28. Februar, dann der Städtekampf Wien— Berlin am 12. und 13. März. Schwimmsest im Bezirk Friedrichshaia. Die Freien Schwimmer Groß-Berltn, Gruppe Friedrichshain, veranstalten am Sonntag, 15 Uhr, im Stadtbad an der Schillingsbrücke ihr 3. Bundes- offene S ch w i m m f e st. Die sportlich stärksten Vereine sowie Eberswalde haben insgesamt über 259 Meldungen zu den Weit- kämpfen abgegeben. Neben den einzelnen Wettkämvfen werden auch der Frauenkunstreigen und das Gruppenspringen gute sportliche Berliner In Oslo Arbcitcrsdiwiinmer k&mpilen in Norwegen» Hauptstadt erfolgreich (Sucoffc® r ü Ij n unb die Genossin ff r o h n, die kürzlich in dir norwegischen Hanotstadt Oslo weilten, mn bort bei der Eröffnung des neuerbaulen Hallenbabes bie deutschen Arbeiterschwinimer aktio zu vertreten, wobei sie in allen Konkurrenzen siegen konnten, sind jetzt wieder nach Berlin zurückgekehrt. Sie geben uns in nachstehendem einen Bericht über das, was sie in Oslo gesehen und erlebt haben. „Wir waren, schreiben sie uns, von Norwegens Arbeitersport- ler eingeladen, gelegentlich der Einweihung eines neuen Hallen- bades zu starten Außer uns war der von der Olympiade be- konnte finnische Brustschwimmer Paanaen eingeladen: er hatte aber leider im letzten Augenblick wegen Krankheit absagen müssen. Das neugebaute Bad hat rund 5 909 090 Kronen gekostet. Der Bau war nur möglich, weil Oslo eine sozialistische Mehrheit hat. Kom- munisten gibt es dort nur sehr wenige, im Parlament sind sie gar nicht vertreten. In dem Rückenschwimmen über 199 Meter sowie im Kraul- schwimmen über die gleiche Distanz traf die Genossin Frohn mit den Rekordinhaberinnen Norwegens zusammen. Beide Male wurde bei dieser Gelegenheit für Norwegen ein neuer Landes- rqk. drd aufgestellt... Lotte Frohns Zeit für 199 Bieter Kraul- fchwimmsn war 1: 22.2(Norwegischer Rekord 1: 29,45, für das Rückenschwimmen 1: 32,7(1: 37,2) Minuten. Grühn schwamm 199 und 299 Meter Kraulen und wurde beide Male Erster: Zeit: 1: 97L und 2: 34,1 Minuten. Im 299-Meter-Krauen schaffte der als Zweiter einkommende Gulbrandsen-Norwegen mit 2: 44,9 einen neuen Landesrekord. Uns Deutsche mutete es merkwürdig an. daß man die Peran- stoltung in zwei Teilen austrug. Als um 13 Uhr der erste Teil begann, waren 1599 Zuschauer anwesend, die stürmisch applau- dierten, als wir vorgestellt wurden. Um 15.39 Uhr war dann Schluß und die Zuschauer räumten die Halle. Wer den zweiten Teil, der um 17 Uhr begann, erleben wollte, mußte neu Eintritts- geld bezahlen. Die sportlichen Programme sind längst nicht so abwechslungsreich wie in Deutschland. Reigenschwimmen und Tauchkonkurrenzen wurden nicht gezeigt, Kunstspringen ist offenbar auch nicht bekannt, denn es wurden nur einfache Kopfsprünge vor- geführt. Die Anteilnahm« der Presse war sehr groß und Arbeiter- und bürgerliche Blätter brachten ausführliche Vor- schauen und große Berichte. Am Sonnabendfrüh erschien im„Ar- beiderbladet for Social-Demokraten" ein am Freitag aufgenom- menes Bild mit der Ueberschrift:„Gestern kamen Lotte Frohn und Krühn!" Am Abend nach der Veranstaltung wollten Mit- orbeiter aller Zeitungen unser Urteil über den norwegischen Sport wissen. Was wir zu sagen hatten, erschien am Dien-tag in regel- rechter Jnteroiewform. In der Ueberschrift heißt es sinngemäß etwa:„Frohn und Grühn gaben unserem Schwimmsport wert- vollen Impuls". Daneben war ein Bild. Di« Arbeitsverhältnisse in Norwegen sind, was die Seefahrt anbelangt, sehr schlecht. In der Industrie geht es noch. Die Ar- beitsr oerdienen wöchentlich 69— 79 Kronen. Immer wieder muß betont werden, daß das Verhältnis zu Deutschland äußerst herzlich ist. Der Uebertritt von der Kommunistischen zur Soziali st ischen Arbeiter-Sportinternationale ist im Einverständnis mit fast allen norwegischen Genossen beschlyssen worden. Obgleich wir in den von uns bestrittenen Rennen den Sieger stellten, hatten wir nie das Gefühl, daß man uns das mißgönnte. Beim Abschied riefen sie uns in ihrer Sprache herzlich gemeinte„Auf Wiedersehen" zu." Domgorgen schlug Nefzgcr Eine ausgezeichnete Vorstellung gab der frühere deutsche Leicht- gewichtsmeister Jakob Domgörgen gestern im Spichern-Boxring. Der Kölner traf aus den Münchener Phil N e f z g e r, den er über- legen noch Punkten abfertigte. Domgörgen erwies sich in jeder Beziehung als der Bessere, und sein Sieg noch Punkten, den er nach Ablauf der acht Runden zugesprochen erhielt, wurde mit großem Beifall ausgenommen. Unter Protest des Publikums er- hielt dagegen der Spandauer Eggert die Punktentscheidung über H ö l z l- Hamm. Hier wäre ein Unentschieden besser am Platze ge- i Sonntag Momente bringen. Im Wasserballspiel werden sich die Mannschaften von Hellas und Friedrichshain gegenüberstehen. Der im Bezirk Friedrichshain durch seine Tätigkeit sehr bekannte Verein ermöglicht durch seinen niedrigen Eintrittspreis(59 Pf., Erwerbslose 39 Pf.) einem jeden, das Fest zu besuchen. Arbeiter-wasserball-vorschau. Heute, Sonnabend, stehen sich um 21 Uhr im Wellenbad Lunapark die Mannschaften von Möwe und Neukölln gegenüber Die bester eingespielte Mannschaft ist Möwe, die auch einen klaren Sieg erringen sollte. „Vir marschieren!" Unter diesem Motto veranstaltet die FTGB-, Bezirk Reinickendorf, am Sonntag, 17 Uhr, in der Turnhalle des Gymnasiums Berner Straße ein Schau» und Werbeturnen. Das gutgewählte, reichhaltige Programm bietet dem Zuschauer einige fröhliche Stunden im Kreise Gleichgesinnter. Ab 12 Uhr finden auf dem Sportplatz beim Realgymnasium Handballwettkämpfe statt. Auch den Fußballfreunden bietet sich durch das Mitwirken des Bundesvereins Hansa 31 Gelegenheit, das Können des noch jungen Vereins zu kritisieren Die Veranstaltung steht im Zeichen der „Eisernen Front": alle Freunde und Gönner des Arbeitersports werden gebeten, diese Veranstaltung zu unterstützen. Der Eintritt ist ftei! werbekurnen. der FTGv.-Wittenau. Der Bezirk Wittenau der FTGB. tritt am Sonntag mit einem Wcrbeturnen an die Oeffentlichkeit, um von seinem Wirken und Können Zeugnis abzu- legen. Der Zutritt zu dieser Veranstaltung, die von 15 bis 18 Uhr in der Turnhalle Rosenchaler Straße stattfindet, ist ftei. » winlertrabrennen zu Ruhleben. Die Winterkampagne der Traber nähert sich langsam ihrem Ende, denn am Sonntag wird in Ruh- leben bereits der vorletzte Renntag veranstaltet. Das in gewohntem Rahmen gehaltene Programm bringt als wertvollste Nummer den Jnländerfliegerpreis, eine über die kurze Distanz von 1999 Meter führende Prüfung. Die Rennen beginnen um 13 Uhr. wesen. Technisch und taktisch überlegen war der Dresdener Welter- gewichtler Paul Richter femem Gegner K ü h n- Hirschberg. Richter hatte keine Mühe, den«inseitig boxenden Kühn in Schach zu halten und nach Punkten zu gewinnen. Auch der Einleitungs- kämpf wurde nach Punkten entschieden, und zwar zugunsten von P f i tz n e r- Berlin über H e n n i g- Spandau. Wanim Freikor perku'lur? Wissenschaftler und Sportler sprechen! In der Schulaula Friedenstraße 31 hatten sich Freunde und Anhänger des Freikörperkultursports in großer Zahl eingefunden, um die vlelumstrittene Frage der Freikörperkultur vom wistenschaft- lichen, sportlichen und ethischen Standpunkt erörtert zu hören. Genoste Dr. H e i t a n sprach als Mediziner, er eröffnete sein Referat mit einem historischen Rückblick auf die Anfänge dieses Kultursports, der Jahrtausende zurückführt zu den Spartanern und vor allem zu den Griechen: die Kultur der Antike gipfelte bekanntlich in der Darstellung der wohlgeformten, hüllenlosen, menschlichen Ge- stalt. Heute soll und muß aber die Freikörperkultur vor allem lebens- wichtigen Dingen dienen und das tut sie, indem sie uns Lebensbe- dingungen verbessern hilft. Wir leben in Mietkasernen und ent- bohren Sonne, Luft und Licht; diese drei Faktoren aber sind für den Körper und für den ganzen Menschen überhaupt von größter Wichtigkeit, denn sie bilden den Schutzwall gegen Krankheiten, sie fördern den Blutkreislauf und somit die allgemeine Kräftigung In Widerstandsfähigkeit unseres Organismus. Als bester Beweis mag dienen, daß heut«, wo sich viele Menschen bereits zu dieser Ansicht bekennen, auf der anderen Seite auch die medizinische Wissenschaft die starte Hellkrast der Sonneneinwirkung erkannt hat und Krank- heiten wie Skrofulös«, Rachitis und Tuberkulose ganz gewaltig zu- rückgegangen sind. Dr. Fahle beleuchtete die Frage vom juristischen Stand- Punkt und er erzählte in launiger Weise von den schwierigen An- sängen der Freikörperkultur, deren erste Anhänger vom bayerischen Büttel, wie welland Adam und Eva, aus dem Paradiese der freien Natur gejagt wurden. Vernünftigerweise hat sich aber der recht- liche Standpunkt dahin gelagert, daß das Tummeln im unbekleideten Zustand erlaubt ist, sofern man sich auf einem abgeschlossenen, von außen weder sichtbaren, noch zugänglichen Terrain befindet. Zum Schluß sprach eine Sportlerin als Frau und Mutter über die in körperlicher und seelischer Beziehung heilbringende Wirkung von Lust, Licht und Sonne. Lichtbilder von der Pätzer Sonnen- Heide, dem vereinseigenen Gelände, illustrierten in plastischer Weis« das gesprochene Wort. 5dmee als Verkehrsfeind Erschwert Der Winter schon infolge der Kälte das Kraftfahrwesen, so ist dies ganz besonders bei Schneefällen der Fall. Nicht nur der private, sondern auch der gewerblich« Personen- und Güterverkehr wird zu Umwegen gezwungen oder völlig lahmgelegt. Das trifft besonders auf Den Verkehr im Gebirge zu. Es ist daher von besonderer Wichtigkeit, sich vor Antritt einer Fahrt über die Schneeverhältnist« unterrichten zu können. Hierbei hat es der ört- liche Berkehr verhältnismäßig leicht, während die Kraftfahrer, die von weiterher kommen, die einschlägigen illachrichten sich bi-her nur unter großem Kostenaufwand beschaffen konnten. Im Ausland ist man in dieser Hinsicht weiter. So sind z. B. in der Tschechoslowakei alle Straßenämter verpflichtet, Schneeverwehungen sofort telephonisch dem tschechoslowakischen Auwmobll-Club zu melden, der sie durch Rundfunk täglich über alle tschechoslowakischen Sender verbreiten läßt. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club hat sich daher entschlossen, im Interesse des gesamten Kraftverkehrs ein« ähnliche Einrichtung zu treffen und für alle Nachrichten über Befahrbarkeit der Straßen in desi deutschen Gebirgen und den Gebirgen der Nachbarländer«ine Sammelstelle einzurichten, bei der an jedem Freitagoormittag die Nachrichten telephonisch und telegraphisch zusammenlaufen. Ein zu- sammenfassender Bericht wird dann an demselben Nachmittag durch die Deiüsche Welle verbreitet, während am Frettagabend örtliche Sender über die Verhältnisse in den nächstgelegenen Gebirgen aus. führlicher berichten. Mit«inigen der örtlichen Sender sind die Ver- Handlungen noch nicht abgeschlossen. Es ist jedoch zu hoffen, daß schon in nächster Zeit die erwähnten, auch besonders für die Wochenendfahrer wichtigen Berichte über all« örtlichen Sender be- konntgemacht werden._ Kleiner Sport von überall Die Berussvereinigung deutscher Flugzeugführer hatte ihre Mitglieder sowie Freunde und die Presse zu einer Deranstallung geladen, auf der für besondere Leistungen auf luftfahrtlichem Gebiet der von Politikern und Sportführern gestiftete Preis oertellt wurde. Die Flugkapitäne Steinbeck, Bauer u. a. waren die glücklichen Preisträger. Fast 129 Personen, unter chnen alle Prominenten der deutschen Luftfahrt, als Gäste ferner die Attaches der Vereinigten Staaten und Großbrttannien, waren Zeuge, als Reichsbankpräsident Dr. Lucher in überaus launiger, humorvoller Rede seine Zusammen- hänge mit der Lustfahrt auseinandersetzte. Bedauerlich war. daß gerade diese Ansprache, bei der die Pointen sich nur so aneinander- rechten, nicht auf den Rundfunk übernommen wurde. Es ist für die Luftfahrt von größter Wichtigkeit, daß sich nicht nur alle Volks- kreise theoretisch oder besser noch praktisch mit ihr befassen, sondern daß gerade führende Köpfe des neuen Staates sich dieses fortschritt- lichsten Verkehrsmittels annehmen. Auf diesem Gebiet waren unsere Genossen im Reichstag(Keil, Schumann. Hünlich u. a.) vorblldlich für alle Parteien tätig. Hein Domgörgen gegen Besaeux. Als Termin für den nächsten Boxkampfabend im Sportpalast ist nun endgültig Freitag, der 4 März, festgelegt Es gelangt ein internationales Programm zur Abwicklung. Zwei Paarungen stehen bereits fest. Exeuropameistcr Hein Domgörgen-Köln hat den wenig bekannten französischen Mittel- gewichtler Besneux zum Partner erhalten und der frühere deutsche Leichtgewichtsmeister H e i n i s ch- Mühlhausen kämpft mit dem Ungarn S a n d o r, der kürzlich gegen Dübbers im Sportpalast sehr zu gefallen wußte. keine veulschlandrundfahrt 1932. Die Vorbereitungen für die dritte internationale Radrundfahrt durch Deutschland sind umsonst gewesen. Aus finanziellen Gründen hat sich der Jbus entschließen müssen, die Fahrt abzusagen. Es ist geplant, als Ersatz für die Deutschlandrundfahrt mtt Unterstützung der Industrie einzelne Be- rufsfahrerstraßenrennen zu veranstalten, um dadurch den Fahrern Verdienstmcglichkeiten zu bieten. Zlu-Ziksu im Clou. Der durch seine Tätigkeit bei der Schutzpolizei bekannte deutsche Iiu-Ittsu-Meister Erich Rahn veranstaltet Dienstag, 23. Februar, 21 Uhr, einen Iiu-Iitsu-Werbeabend, zu dem die Schutzpolizei und die Reichswehr ihr Erscheinen zugesagt haben. Ausstellung„Sonne. Luft und Haus für alle". Unter dem Ehrenpräsidium de« preußischen Ministers für Dolkswohlfahrt Dr. k. c. H i r t s i e f« r und des Oberbürgermeisters der Stadt Berlin Dr. S a h m findet in diesem Sommer auf dem großen Berliner Ausstellungsgelände vom 14. Mai bis 7. August eine Ausstellung„Sonne, Luft und Haus für alle" statt. In der Ab- teilung„Wochenende— Wie?", die unter der wissenschaftlichen Leitung des Museums für Leibesübungen steht, werden mtt besonderer Gründlichkeit alle das sportliche Wochenende angehenden Fragen dargestellt. Die Spitzenveriände für Leibesübungen und Jugend- pflege haben ihre Mitarbett beretts zugejagt. Di« Abteilung „Wochenende— Wie?" ist untergliedert in die Gruppen: Spiel und Kampf, Schwimmen und Wassersport, Wandern, Berg- und Winter- spart. Daneben sind auf dem Freigelände der Ausstellung sportliche Veranstaltungen vorgesehen. Für deine Ferien nimm unsere Hilfe! Unter diesem Mouo haben die Berliner Naturfreunde Ihr Reise- und Wander- Programm zusammengestellt. Sie künden an: eine Ostersahrt in die Sächsische Schweiz, Pfingstfahrten in das Erzgebirge und noch Rügen, eine Weferwanderung, drei Wanderungen durch den Schwarzwald an den Bodensee, acht Tage durch das grüne Thü- ringen, fünfzehn Tage Wien und Salzburger Land, eine B a l d u r- fahrt nach Hamburg, natur- und kulturgeschichtliche Wanderungen durch Friesland, eine Fahrt über Hamburg nach Kopenhagen und den dänischen Inseln sowie eine Wanderung durch die Lüneburger Heide. Selbstverständlich sind auch diesmal Hochgebirgsfahrten in das Programm aufgenommen. Sie führen nach Innsbruck, in die Oetztaler und in die Stubaier Alpen, in die Venediger und Glöckner- gruppe und in das Gebiet der Dolomiten. Im Vorjahre haben an den Sonzerzugfahrten und den Ferienwanderungen 2374 Personen teilgenommen. Wie alljährlich veranstalten die Naturfreunde«in Reiseteilnehmertreffen, das in diesem Jahre am 5. März im Saalbau Alpendorf, Inoalidenstraße, stattfindet. Wer im Kreise seiner Wanderfreunde einige frohe Stunden verleben will. versehe sich rechtzettig mit einer Berechtigungskarte. Die Karten sind erhältlich in der Geschäftsstelle, Iohannisstr. 14, bei Richard Walter, Neukölln, Siegfriedstr. 55, Buchhandlung„Courier" im Hause des Gesamtoerbandes, Berlin SO, Engelufer 26, Schmidt, Rankestr. 39, und E. Thomas, Luxemburger Straße 1. e> Auch in den bayerischen Bergen gibt es Erholungsstätten, die nach dem Urtell berühmter Hygieniker den Vergleich mit den winter- lichen Sonnenkurplätzen der Schweiz sehr wohl aushalten. Dazu zählt in erster Linie der Ra i n t a l e r h o f, das Ferienheim des Deutschen Metallarbeiterverbandes, das zweieinhalb Wegstunden oberhalb Garmisch-Partenkirchen an einem sonnen- bestrahlten Südhang liegt. Die klare, waldwürzige Lust macht den Aufenthalt zu einem wahren Gesundheitsborn. Der Freund des Wintersports hat hier unerschöpfliche Gelegenheit zur Betätigung. Bis 15. März werden kostenlos Skiturse für Anfänger und Fortgeschrittene unter Leitung sorgfältig ausgebildeter und geprüfter Slilehrer des Touristenvereins„Die Naturfteunde" durchgeführt. Pensionspreis einschließlich aller Nebenausgaben wie Kurtaxe, Bs- dienungsgeld, Schuhputzen usw. je nach Zimmerlage 4,59 bis 6 M. Anfragen und Anmeldungen sind direkt an Hotel Raintalerhof, Gar- misch-Partenkirchen, zu richten. Schwimmcrsvart« 1.»reis, 1. B-zirl. Sonntag,«. MSrz, Stabtbab Lichte». berg, Hubertus strah«, letzte Lehrstnnbe. g— 10 Uhr neuzeitlicher Uebungobetrirb. 10—11 Uhr Wasserballllbungen, 11— IS Grunbilbungen zum Reigenschwimmen. Au-snrache. Rettungsschwimmer treten um 0 Uhr an, ebenso bie«raul, schwimmer zum Ausschwemmen für bi« Bezirksstasett« 10x30 Meter silx b-n Stitbtekampf Wien— Berlin. «an. und Srwcrbogcnofleaschast„Borwärts". Generalversammlung Sonntag, 21. Februar, 16 Uhr, im Bootshaus. ATD. SchSncberg.Frlcbcaan 07. Schwimmabteilnng. Monatsversammluna Dienstag, 1. März, bei Sroh, SSiSneberg, liaisei.Friedrich.Etr.#, 21 Uhr. Auf der Tagesordnung u. a. Beitragssenkung. ---------------- lDis Sin�igS Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die Kranken- undS|erS>ekasse für das Oenäsclie Reick ■n Jatares 1SCS4 atctäräSnded(■.BdayerCeld««- Er«adKl«asaej Im JaBaa-«>»»-» tfeakvCSn«!«« die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet H