BERLIN Mittag 22. Zebruar 1932 10 Pf. Nr. 88 B 44 49. Zahrganfl ErscheinttSglich außer Sonntag«. Zugleich ilbendauigabe dei„Vorwärts' Beguggvreli für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Moual (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus labldar. D o st b e» u» 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postjeitungs- uud 72 Pf. Postbestellgebübreu, Anietgcnprei«: Die einspaltige Millimeter, eile 30 Pf. Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag bchäll stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anjelgen vor! Redaktion und Erpedition: Berlin SW 69, tfnbenftr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(AT) 202—297. Zwei Krauenmorde In Neukölln und auf der Landstraße nach Jüterbog Die heutigen Morgenstunden brachten die Entdeckung von zwei furchtbaren Verbrechen, die an Frauen verübt worden sind. M»rz nach 7 Uhr wurde in der F r i e d e l» st r a ß e 23 in Neukölln ein junges Mädchen, das erst am Sonnabend in diesem Haus ein Zimmer gemietet hatte, mit einem Knebel im Munde und einem Strick um den Hals auf dem Fußboden liegend tot aufgefunden. Das junge Mädchen, an dem nach den bisherigen Ermittlungen der Mordkommission zweifellos ein Sittlichkeitsverbrechen verübt worden ist, wurde als eine 24 Jahre alte Mathilde Rolland festgestellt. Am Sonnabend war das Mädchen bei dem Eheprar Zeitz, das im 4. Stockwerk des Hauses Fricdelstr. 23 in Neukölln wohnt, zugezogen. In den Mittagsstunden des Sonntags empfing die neue Mieterin, wie die Wirtsleute aussagen, den Besuch eines Mannes, der sich als Onkel des Mädchens vorstellte. Als sich der Onkel verabschiedet hatte, erschienen abermals zwei Männer, die von Mathilde R. gleichfalls als Verwandte ausgegeben wurden. Auch diese beiden Besucher entfernten sich bald wieder. Gegen 18 Uhr verließen die Wirtsfeut« ihre Wohnung und kehrten erst spät abends wieder. Zu ihrem Erstaunen brannte aus dem Flur Licht, auch das Zimmer des Mädchens war noch erleuchtet. Die Leute gingen schlafen, in der Nacht stand Frau Z. jedoch nochmals auf, um nach dem Rechten zu sehen. Als sie im Zimmer der Mieterin noch immer Licht brennen sah, klopfte sie an die Türe, er- hiell jedoch keine Antwort. Frau Z. glaubte nun, daß Fräulein R. eingeschlafen sei und suchte wieder ihr Schlafzimmer auf. Erst heut« früh entschlossen sich die Wirtsleute, als sich im Zimmer noch immer nichts regte, gewaltsam einzudringen. Ihnen bot sich ein schrecklicher Anblick. Zwijecha Sofa und Tisch lag das ZNädchen mit verzerrleu Gesichtszügen regungslos aus dem Teppich. Die Be- amten des alarmierten zuständigen Polizeireviers benachrichtigten die Mordkommission, Gleich der erste Befund bestätigte die An- nahm« eines Verbrechens. Der Ermordeten war von dem Täter ein Knebel, der aus einem Klaviertastenschoner bestand, mit großer Gewalt in den Mund gepreßt worden. Der Tod ist offen- bar durch Ersticken eingetreten. Außer Kratzwunden waren an der Toten Verletzungen nicht festzustellen. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß an dem Mädchen ein S i t t l i ch k e i t s v e r- brechen verübt worden war. Die Ermittlungen der Polizei gehen zunächst darauf hinaus, die Besucher des Sonntagsnochmittags zu ermitteln. Wie bisher festgestellt werden tonnte, war die Ermordete früher Justizangestellte. Ein Mord auf der Landstraße. Einen grausigen Fund machte heule früh ein Fuhrmann, der mit seinem Gespann die Chaussee von hohenalsdorf über weusickendorf nach Jüterbog passierte. 3n größerer Ent- sernuug von der Chaussee sah er auf dem Felde eine völlig u n b e- kleidete Frauenleiche in einer großen Blutlache liegen. Der Mann benachrichtigte den nächsten Landjägerposten. Nach dem ersten Befund zu urteilen, dürfte es stch um einen Lust- mord handeln. Dom Berliner Polizeipräsidium ist Kommissar Lissigkeit mit mehreren Beamten, Photographen und einige;, Such- Hunden an den Fundort entsandt worden. Bei der ersten Unter- suchung ergab sich folgendes: etwa 50 Meter von der Chaustse«nt- fernt liegt die Leiche. Di« Ermordete ist nur noch mit Schuhen und Strümpfen bekleidet und dürfte etwa 3» Jahre alt sein. 10 Meter vom Fundort entfernt fand man ihre zerrissenen Kleidungs st ücke und noch weiter ein Fahrrad. Die Leiche ist völlig beschmutzt. Das Verbrechen ist wahrscheinlich in den Abendstunden oder in der Nacht zu heute begangen worden. Mutmaßlicher Täter verhaftet. Bald nach der Aufsindung der Leiche konnke die Toke rekognosziert werden. Es Handell sich um die Wirtschafterin Erna M e i- w a l d aus Jüterbog. Bei der Tatbestandsaufnahme ergab sich, daß die Frau niedergeschlagen und erwürgt worden war. Erna M. war bei einem Bauern in Jüterbog beschäftigt. Sie unter- hiell eine Bekanntschaft mit einem Stallschweizer aus der gleichen Ortschaft. Sie war gestern nachmittag auf ihrem Fahrrad fortgefahren und wollte sich mit dem Schweizer treffen. Dieser Mann ist jetzt unter dem dringenden verdacht, die Frau ermordet z» haben, verhaftet worden. Tardieu löst Laval ab Laval als Arbeiisminister/ Keine außenpolitische Kursänderung Aus Paris wird am Sonntagabend gemeldet: Im Laufe des Sonntags gelang es Tardieu, eine neue Regierung zu bilden, so daß er sich am frühen Rachmittag ins Elysee begeben konnte, wo er Doumer, dem Präsidenten der Republik, die neuen INinister vorschlug. Die Ministerliste, die Tardieu dem Präsidenten vorlegte, wird weder nach innen noch nach außen eine sichtbare Kursänderung bringen. Es ist offensichtlich, daß dieses Kabinelt nur als lieber- gangskabinelt gedacht ist, das vor allem d>e Ausgabe hat, die Kammerwahlen vorzubereiten und durchzuführen. Bemerkenswert ist, daß das Amt des Ministerpräsidenten und Außenministers wieder in einer Hand vereinigt ist und daß der haudelsminister zugleich die Poftangelegenheilen erledigt. Weiter haben die Ministerien für Heer. Marine und Lustsahrt eine Spitze erhalten, und zwar in dem neuen„Ministerium für nationale ver- teidigung". Das Kabinett Tardieu seht sich aus folgend en Mit- gliedern zusammen: Tardieu. Ministerpräsident und Außenminister. Paul Reynaud. Justizminister und Vizepräsident, gleichzeitig Konkrolle der öffentlichen Verwaltungen. Mahieu, Innenminister. Flandin, Finanzminister. Pietri. Minister für nationale Verteidigung(Sriegsministerium sowie Kriegsmarine- und Ministerium für Lustfahrt). Rolliu, Handel, Industrie und Post und Telegraph. Ehauveau, Landwirtschaft. Garnier. Oeffentliche Arbeiten. Roustan, Unterricht. Laval. Arbeit. Champetier de Ribes, Pensionen. De Chappedelaine, Kolonien. Blaisot, Gesundheit. Unlerstaotssekretäre: Cathale und Petsch. Ministerpräsidentschast; Fauld und Riche, Rationale Verteidigung: Bradier, Finanzen: Foulon, Inneres: Dr. pechin, Oeffentliche Arbeiten. Die neue Regierung Tardieu stellt offenkundig einen weiteren Ruck nach rechts gegenüber der bisherigen Regierung Laval dar. Denn Laval selbst hatte noch trotz aller politischen Gegnerschaft noch viele freundschaftliche Beziehungen persönlicher Art zur Linken, die aus seiner besseren Vergangenheit stammten. Der Name Tardieu hingegen bedeutet schon ein K a m p f p r o g r a m m. Er ist die stärkste Persönlichkeit der Rechten und sein herausforderndes Auf- treten hat ihm auf der Linken nur Gegner verschafft. An dieser Gesamttendenz des neuen Kabinetts ändert auch die Tatsache nichts, daß der für die Wahlzeit besonders wichtige Posten des Innenministers einem Senator übertragen wurde, der theoretisch der Linken angehört. Die Betrauung des ziemlich un- bekannten Mahieu mit dieser Aufgabe soll eine Konzession an die Senatsmehrheit darstellen, die soeben erst die Regierung Laval ge- stürzt hat. Sie wird natürlich in Rechtskreisen bemängelt, vermag aber die Linke nicht zu versöhnen. Eine Mehrheit vair 30 bis 40 Stimmen dürfte in der Kammer dem neuen Kabinett gestchert sein, und es ist sehr zweifelhast, ob sich der Senat dazu auf- raffen wird, ein zweites Mal innerhalb so kurzer Zeit eine Regie- rung zu stürzen. Ihm wird es genügen, daß die Regierung die Wahlreform fallen läßt, was zweifellos geschehen wird. Außenpolitisch ist eine Kursänderung um so weniger zu erwarten, als Tardieu bereits im vorigen Kabinett in seiner Eigen- schaft als Delegationsführer auf der Abrüstungskonferenz weitest- gehenden Einfluß auf den Regierungskurs genommen hatte. An sich ist der von nicht allzu viel Bedenken beschwerte Tardieu für jede Außenpolitik zu haben, die die Konjunktur erfordert. Gegenwärtig ist aber die Konjunktur für wirkliche Versöhnungspolitik nicht günstig und da wird man sich beim neuen Ministerpräsidenten und Außen- minister auf eine schärfere Tonart gesatzt inachen müssen. Oie Linke sagt den Kampf an. Paris, 22. Februar.(Eigenbericht,) Das neue Kabinett wird von der Rechtspresse bisher ohne Begeisterung begrüßt.„Echo des Paris" und„Figaro" machen Einwendungen gegen die Ernennung verschiedener Minister. Die radikale und die sozial! st ische Presse kritisiert die Zusammensetzung des Kabinetts und kündigt die s ch ä r s st e Opposition an, 6-122000 Erwerbslose. Wir nähern uns dem Höhepunkt? Bei den Arbeitsämtern waren am 13. d. M. K 127 000 Erwerbslose ge, neidet. Die Zunahme in der ersten Februarhälfte beträgt rund 83 000. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres war die Zunahme 104 000. Wir nähevn uns dem Höhepunkt der winterlichen Arbeitslosigkeit, Er wird Ende Februar infolge des Kälteeinbruchs der letzten Tage erreicht werden, wäh- rend er im Vorjahr bereits Mitte Februar erreicht war. Vom März an erwartet man einen Stillstand oder sogar Rückgang der Arbeitslosigkeit je nach dem Bedarf der Landwirtschaft. Die Schätzungen der Reichsanstalt auf 0,2 bis 0,3 Millionen Arbeitslose in diesem Winter haben sich be- stätigt. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung beträgt zur Zeit 1 880 000 oder höchstens 3000 mehr. In der Krisen» fürsorge ist eine Zunahme der Hauptunterstützungs» empfänger um 47 000 auf 1 033 000 zu verzeichnen. Sowjelrußlands höchstes Strafmaß, wie man dort die Todes- strafe umschreibt, ist in T i f l i s(Kaukasus) über drei Bauern wegen politischen Mordes verhängt worden. Fünf Angeklagte er- hielten Gefängnis von zwei bis sechs Jahren. Der ehemalige argentinische Diktator Jrigoyen ist von der neuen Regierung des Präsidenten Uriburu— begnadigt worden. Lseberfall im Arbeiisamt. Langes Marien führt zu Explosionen.— Fausthiebe gegen Angestellte. In den Räumen des Arbeitsamtes in der pankslraße 47 kam es heule vormittag zu einem ausregenden Vorfall. Ein Angestellter wurde von einem Erwerbslosen überfallen und durch Fausthiebe ins Gesicht derart verletzt, daß er zum Gewerbearzt gebracht werden mußte. Gegen 10.30 Uhr erschien der Erwerbslose Z. aus der Malpa- uetstraße mit seiner Frau, um eine Beschwerde vorzubringen, Z. wurde an den Beamten verwiesen, dem die Publikumsabsertigung unterliegt. Hier kam es zu einem Wortwechsel zwischen Z. und dem Angestellten. Als sich plötzlich die Frau des Erwerbslosen einmischte und zu schimpfen begann, erklärte der Angestellte, daß er nur mit ihrem Manne zu verhandeln habe und daß sie ruhig bleiben möge. Das nahm Z, zum Anlaß, um sich auf den Beamten zu stürzen und ihm mehrere wuchtige Schläge ins Gesicht zu versetzen, Blut- überströmt wurde der Ueberfallene fortgeschafft. Als der Täter von der Polizei abgeführt wurde, schwang seine Frau siegesbewußt einen Zettel und rief anderen Erwerbslosen zu:„Meinem Manne kann nichts passieren, der hat ja den Paragraphen 51." Dieser Vorfall beleuchtet wieder einmal schlaglichtartig die Zu- stände auf den Erwerbslosenämtern, Der ständige Abbau hat die Zahl der Ordner derart reduziert, daß eine Sicherheit der An- gestellten, die ohnehin durch Arbeit stark überlastet sind, nicht mehr gewährleistet ist. Die Arbeitslosen müssen meist lange warten, und so führt die ohnehin erregte Stimmung dann zu Explosionen, wie sie in den Stempelstellen an der Tagesordnung sind. Die An- gestellten der Erwerbslosenämter verlangen von der Reichsanstalt, daß endlich mit diesen unwrdigen Zuständen Schluß gemacht wird. Japans Offensive stockt. Erfolgreiche chinesische Abwehr. London, 22. Aebeuar.((Eigenbcticpf.) Troh aller erbitlerlen Sümpfe haben die Zopaner die chinesische i)auptlinie vor Schanghai bi»her nicht überrennen rönnen. Nur ein Teil von kiangwan tonnten die Japaner bieher besehen. Der hauptangriff der japanischen Truppen richtete sich am Sonntag auf die chinesische Front westlich vou dem Vorort klanowan. Die japanischen Tank» versanken zum Teil in den Sümpfen des chinesischen Verteidigungsgeländes. Allein am Sonnlag hatten die Japaner mehr als l00 Tote. Neuer Großangriff am Montagmorgen— bisher erfolglos. Schanghai, 22. Februar. In den Morgenstunden des Montag wurde das Feuer a n der ganzen Front nach kurzer Waffenpause durch die japanische'Artillerie wieder ausgenommen, und von den Chinesen erwidert. Während der Nacht waren hauptsächlich die Stellungen verstärkt und befestigt worden. Die Japaner versuchten am Montag früh, an mehreren Stellen mit Jnfanterieabteilungen durchzu- stoßen. Ihre Bewegungen wurden jedoch durch den dichten 'Nebel behindert. Die Lage in W u s u n g ist trotz der ununter- broclzenen japanischen Beschießung unverändert. Die Chinesen, die neue Munitionslieferungen erhalten haben, scheinen nach ver- schiedcnen'Anzeichen nunmehr selbst zum Angriff überzugehen. Ein vor Wusung liegendes japanisches Kriegsschiff wurde von einer chinesischen Granate getroffen. Der Kommandant und zehn Mann der Besatzung wurden verwundet. Bisher ist es den Japanern noch nicht gelungen, sich wieder in den Besitz von Kiangwan zu setzen, da die Chinesen ihre sämtlichen Maschinengewehr«est er im Dorfe noch halten und jegliches Vordringen vereiteln. Die Japaner haben mitgeteilt, daß sie keinen Wert m e h r auf die Rückeroberung des Dorfes legen. Eine nördliche japanische Kolonne ist nach heftiger Artillerie- Vorbereitung gegen das Dorf Tafang vorgedrungen. Das Dorf steht zum größten Teil in Flammen, befindet sich jedoch noch in den Händen der Chinesen. Eine gemischte japanische Brigade unter dem Oberbefehl des General Schimomoto rückte gegen das Dorf Miaochung vor, es gelang ihr jedoch ebenfalls nicht, die chinesischen Linie,, zu durchbrechen. Die Japaner richten nunmehr ihren An- griff hauptsächlich auf Tschapei. Auch Tanks und Truppen- Panzerwagen sowie Flugzeuge sind eingesetzt, um die Chinesen cms ihren dortigen Stellungen zu vertreiben. Die GozialistischeLugend Generalversammlung der Berliner GAI. Nie besten Schreihälse. Eine Einladung und eine' Ablehnung. Die Nazis in Rothenburg(Fulda) hatten den Genossen Scheide mann zur Teilnahme an einer ihrer Versammlungen eingeladen mit dem Angebot einar halbstündigen Redezeit. Die Nazis bemerken in ihrem Einladungsschreiben, daß sie den Wunsch hätten, Scheidemann nicht nur zu hören, fondern sie wollten auch ihrem eigenen Redner einen ebenbürtigen Gegner entgegenstellen. Auf dieses Schreiben hat Scheidemam, geantwortet: „Die Gelegenheit, mich in Rothenburg zu hören, haben Sie schon oft gehabt. Leider haben Sie sich jedesmal benommen wie gewisse Geschöpfe, die man normalerweise in Mens- g erä:p«u:o.dc r in Ao.plog ische n Gär ten unterzubringen pflegt.' Wenn die Rothenburger Nazis für ihren Rsdner einen ebenbürtigen Gegner wünschen, dann sollten sie sich an eine der Säuglingsfürsorgen wenden. Da gibt es die besten Schreihälse." Ein karnevalistischer Scherz! Thüringer Naziurteil über den Gendarmen Hitler. In Thüringen hat die sozialdemokratische Land- tagsfraktion bekanntlich einen Untersuchungsausschuß be- antragt, der das Verhalten des ehemaligen Ministers F r i ck bei der Ernennung Hitlers zum Hildburghausener Gendarm auf seine Gesetzlichkeit hin nachprüfen soll. Die nationalsozia- l i st i s ch e Fraktion hat die Beteiligung an diesem Ausschuh a b- gelehnt. Sie hat ein Schreiben an den Landtagspräsidenten ge- richtet, das dieses Verhalten nach Mitteilung des„Angriff" mit den Worten begründet, „daß die Fastnacht bereits vorüber ist und die Mitglieder der Fraktion der NSDAP, ohnedies keine Zeit haben, sich an karnevalistifchen Scherzen zu beteiligen". Danach beurteilen sogar die Nazis den Gendarmen Hitler als einen Karnevalsscherzi Das ist recht lieblos gegen den Ofaf. Der Terrorist als KpO.-Bauer. Bruno von Solomon zu Gefängnis verurteilt. Itzehoe, 20. Februar. Der frühere Landvolkführer Bruno von Solomon, der jetzt der KPD. angehört, hatte sich heute hier wegen Einberufung einer nicht angemeldeten Versammlung zu verantworten. Es han- gelte sich um eine Versammlung des kommunistischen„Bauernkomi- tees" in Kremperheide, die sich mit der Verhinderung einer Zwangsversteigerung beschäftigen sollte. Der Angeklagte behauptete, es habe lediglich eine Besprechung stattfinden sollen. Nach Ansicht des Gerichts schien aber der Nachweis einer öffentlichen Versammlung erbracht. Das Urteil lautete auf drei Monate Gefängnis ohne Bewährungsfrist. Llniernehmer für verschärste Reakiion. Eine Tagung des Neichsverbandcs der Industrie. In einer Lorstands- und Hauptausjchnßsitzung des Reichs- Verbandes der Deutschen Industrie wurde am Freitag zu aktuellen Tagesfragen Stellung genommen. Die auf oieser Tagung geäußer- ten Ansichten lassen erwarten, daß für die deutschen Unternehmer wirtschaftliche und soziale Reaktion auch in der Zukunft die Richt- lini« bleiben wird. Geheimrat Dr. Kastl forderte in seinem'Referat über„Wirt- fchastsnot und Kreditnot" das sreie Spiel der Kräfte von Angebot un>d Nachfrage, fand aber kein Wort gegen die Marktbeherrschung durch die Kartelle. Sein« Forderung, daß sobald wie möglich auf oem Gebiet der Arbeitsbedingungen eine freie Entwicklung wieder- hergestellt und freie Vereinbarungen insbesondere über den Arbeits- lohn ermöglicht werden müssen, ist nur im Sinne des Kampfes gegen die Tarifverträge und im Sinne eines neuen Lohnabbaues zu verstehen. In der Arbeitslosenfürsorge soll das Versicherungsprinzip preisgegeben werden. Mit oiefer Forde. rung geht der Reichsverband der Industrie zur sozialpolitischen Offensiv« über. In dem Verlangen nach einer„vernünftigen Ge- Auf der Generalversammlung der Sozialistischen Arbeiter- Jugend Berlins, die am Sonntag tagte, hielt Genosse Dr. Ernst Frankel einen Bortrag über Die politische Silualion und die Aufgaben der Zugeud. Wenn sich im Fernen Osten Japaner und Chinesen bekriegen, dann steigen die Eisenpreise; das ist die letzte Rettung aus der Wirtschaftskrise— so etwa lautet das Rezept der deutschen„Wirt- schaftssührer" zur Rettung ihres Systems. Sie merken dabei wirk- lich nicht oder wollen es nicht merken, daß sie damit selbst den Bankrott des kapitalistischen Systems erklären. Weil das Großbürgertum den Glauben an eine Sicherung seiner Herr- schaft mit den gesetzlichen Mitteln des demokratischen Staates ver- loren hat, deshalb hat es sich zum erheblichen Teile dem F a- schismus oerschrieben. Hilfstruppen sind dabei die.chürger- lichen" Mittelschichten, die Handel- und Gewerbetreibenden, die selbständigen Existenzen, die kleinen Beamten und Angestellten, die wirtschaftlich durchaus proletaristert sind, es aber nicht wahr haben wollen. Sie klammern sich an das Gewohnte, streben, obwohl pro- letarisiert, wieder in ihre alten Verhältnisse zurück, kurz chr Klassen- bewußtsein ist erstarrt, zur Erkenntnis ihrer Lage sind sie noch nicht gekommen. Der Faschismus ist durch sein Ziel charakterisiert: Er will als Hilfstruppe des Kapitalismus der Arbeiterschaft alle wirt- schaftlichen, politischen und sozialpolitischen Rechte rauben. Des- halb ist auch der Kamps der Eisernen Front gegen den Faschismus nicht nur ein Kampf gegen etwas, sondern für etwas, nämlich für den Sozialismus! In diese Front reiht sich die Sozialistische Arbeiter-Jugend ein. Wenn das Jugenderlebnis entscheidend für die Zukunft des Men- schen sein soll, so darf festgestellt werden, daß die heutige Jugend ihr Jugenderlebnis ständig, täglich, stündlich wieder erlebt. Es ist die Gestaltung der kapitalistischen Wirtschaft, die Tausenden und Mil- lionen von Jugendlichen dauerarbeitslos macht, sie sehen läßt, wie trotz vorhandenen Bedarfs Lebens-, Genußmittel, Bedarfsartikel vernichtet werden, nur weil sie keiner kaufen kann. Dieses— fortgesetzte— Jugenderlebnis wird und muß die junge Generation zum Sozialismus bringen. Gekennzeichnet ist die Aufgabe der Arbeiterjugend durch die Wirtschaftslage und durch die Angriffe aus den demokratischen Staat. Hier in diesem Kampf ganze M i t t ä m p fe r zu stellen, das wird die Sozialistische Arbeiter-Jugend wahr machen.(Leb- hafter Beifall.) Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: „Die Generaloersammlung der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß-Berlin vom 21. Februar 1932 begrüßt die Aktivität und den Kampfwillen der in der„Eisernen Front" zusammengeschlossenen Organisationen der Arbeiterbewegung. Die Arbeiterjugend reiht sich in die„Eiserne Front" ein und gelobt, mit allen Mitteln den Kampf gegen den Faschismus zu unterstützen. Sie fordert aber von Partei und Gewerkschaften und den anderen Organisationen der sozialistischen Arbeiterbwegung, daß der Kampfwille sich nicht nur in der Abwehr gegen die faschistische Gefahr erschöpft, sondern darüber hinaus fruchtbar gemacht wird zur Erreichung sozialistischer Ziele. Die'Wirtschaftskrise und ihre Folgen haben den Bankrott der bestehenden kapitalistischen, auf das Privat- eigentum an den Produktionsmitteln aufgebauten Gesellschaftsord- nung dargetan. Die Arbeiterjugend sieht es als höchste Pflicht der sozialistischen Arbeiterbewegung an, aus der Entwicklung der kapi- talistischen Wirtschaft die notigen Folgerungen zu ziehen und durch Entfaltung der proletarischen Klassenkräfte zu einem sozialistischen Aufbau der Wirtschaftsordnung zu gelangen. Der Kampf gegen den Faschismus darf sich nicht darauf beschränken, nur den gemalt- samen Umsturz der bestehenden Staatsverfassung zu verhüten, er muß vielmehr mit gleicher Intensität darauf gerichtet sein, die innere Aushöhlung der demokratischen Verfassung Deutschlands zu verhindern. Darum müsien von den Fraktionen der Sozialdemo- kratischen Partei schärfste Kritik und Abwehrmaßnahmen gegen die reaktionären und arbeiterfeindlichen Maßnahmen in der Reichs- wehr, der Justiz und sonstigen Verwaltungen in Reich, Ländern und Gemeinden gefordert werden. Die Interessen der Jugend in Schule, Fortbildungswesen, den Sozialversicherungen, im Jugend- schütz und Iugendwohlfahrt dürfen trotz der bestehenden finanziellen Schwierigkeiten nicht vernachlässigt werden. Die Arbeiterjugend ge- lobt, im kommenden Preußenwaylkampf alle Kräfte einzusetzen für die Sozialdemokratische Partei, für ihren Sieg über die faschistische Reaktion." Genosse Lösche erstattete hierauf den GefchSflsberichk. Selbstverständlich hat die Organisation auch schwer unter der Wirtschaftskrise zu leiden. So betrug im Jahre 1930 der Durch- schnittsbeitrag pro Mitglied 42,7 Pfennig, im Jahre 1931 sank dieser Beitrag aber auf 32,8 Pfennig. In diesem Rückgang spiegelt sich die Erwerbslosigkeit der Mitglieder wider und kaum tragbare Ein- sparungen mußten vorgenommen werden. Jugendheime wurden geschlossen, das Erscheinen von Zeitungen und Zeitschriften ein- gestellt. Die Spaltung durch Mitglieder der Seydewitz-Gruppe hat einen vorübergehenden Mitgliederrückgang zur Folge gehabt. 747 Mitglieder gingen verloren, am Ende des Jahres 1931 waren 346-3 Mitglieder, darunter 1351 Mädel vorhanden. Die 13 259 arran» gierten Veranstaltungen waren von 273 720 Mitgliedern besucht. In der Bildungsarbeit ist man von dem Gedanken der Rationali- sierung und Zentralisierung ausgegangen. Von der soziaidemo- kratischen Reichstagsfraktion wurde verlangt, daß sie sich für die Wiedereinbeziehung der Jugendlichen in die Arbeitslosenversicherung einsetzt, an die sozialdemokratischen Stadtverordneten ging das Er- suchen, die Schließung der Erwerbslosenheime und der Werkstätten und den Abbau an den Berufsschulen und Jugendheimen zu ver- hindern. Eine große Anzahl Cigenoeranstaltungen und die Teil- nähme an Bersammlungen der Partei und anderer freier Organi- sationen beschäftigten die Jugendlichen. Genosse Lösche gab daii» noch einige interessante Zahlen bekannt. So waren in Berlin 20,5 Prozent der männlichen Mitglieder der SA. gleichzeitig Mitglieder der Partei, bei den Mädeln sind es 12,69 Prozent. Freigewerkschaft- lich organisiert waren bei den Jungen 69,84 Prozent, bei den Mädeln 58,46 Prozent. Die Zahlen für die Mitgliedschaft bei den Arbeitersportlern lauten 16,82 und 12,17 Prozent. An Hand von 2042 eingegangenen Fragebogen wurde festgestellt, daß in 1299 Fällen im Elternhaus der befragten Jugendlichen sozialdemokratische Zeitungen, in 31 kommunistische, in 447 bürgerliche und in. 265 Fällen gar keine Zeitungen gelesen wurden. Die Eltern wäre» auf 1133 Fragebogen als sozialdemokratisch organisiert, auf 6 kam- munistisch und auf 4 Bogen als bürgerlich organisiert bezeichnet. Eine längere Debatte schloß sich dem Geschäftsbericht an. In einem der angenommenen Anträge wird verlangt, der„Vor- wärts" möge nach dem Eingehen der Iugendbeilage einen ent- sprechenden Raum der Arbeiterjugend für die Werbung zur Ber- sügung stellen. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Vorsitzender wurde wieder Erich Schmidt. Jugendoertreter: Lucie Krüger, Westen: Walter Marotzke, Prenzlauer Berg: Richard Meyer, Wed- ding: Kurt Schmidt, Neukölln: Friede! Schmiedel, Neukölln: Herbert Wirth, Schöneberg, Parteivertreter: Alfred Brehmer, Prenzlauer Berg; Ferdinand Hannemonn, Neukölln; Theo Schwieger, Lichten- berg: Theo Thiele, Wedding. Als Reichsansschußmitglied wurde Walter Marotzke, in den Hauptoorstand Ferdinand Hannemann, Erich Schmidt und Theo Thiele gewählt. Delegierte zur Reichs- konferenz wurden: Herbert Borsky, Wedding: Fritz Erler, Prenz- lauer Berg; Ferdinand Hannemann, Neukölln: Walter Mar�-�, Prenzlauer Berg; Friede! Schmiedel, Neukölln: Theo Thiele" ding. Revisoren wurden: Erich Bock, Neukölln: Willi Hohn. lauer Berg: Eberhard Hesse, Neukölln; Gerhard Schlegel, garten; Kurt Staudemeyer, Wedding. staltnng des Unkostensaktors der öffentlichen Hand" kommt die Forderung nach weiterer Drosselung der öffentlichen Ausgaben zum Ausdruck und der Wunsch nach der kulturellen Balkanisierung Deutschlands. Dieses Programm des Reichsverbandes der Industrie ist ein Programm der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zerstörung! Autounglück im Grunewald. Vier Personen schwer verletzt. Am Kurmärker Platz in der Kolonie Grunewald hat sich heute morgen gegen%9 Uhr ein schweres Autounglück ereignet. Eine von einer au ständischen Dan« gesteuerte Opel-Limousine fuhr mit voller Wucht auf einen entgegenkommenden Straßen- bahnwagen der Linie 176 aus und wurde vollständig z e r- trümmert. Die Führerin des Autos und drei weitere Insassen wurden schwer verletzt aus den Trümmern befreit und von der Feuerwehr an das Martin-Luther-Krankenhaus in der Eajpar-Theyß- Straße gebracht. Brolat seht sich zur Wehr. Streit um angeblich schwebendes Ermittelungsverfahren. Die heutige Verhandlung des Sklorek-Prozesses wurde mit Auseinandersetzungen begonnen, die sich auf die Erklärung des früheren Stadtverordneken Rosen thal und auf den Antrag des Direktors Brolat bei der Staatsanwaltschaft II aus Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen sich selbst bezogen. Der Vorsitzende rief den Zeugen Stadtbankdirektor Schröder aus und hielt ihm vor, daß Rosenthal in einem Schreiben an das Gericht die Aussage, daß er, Rosenthal, Schröder gewarnt habe, bei den Bezirksämtern nachzufragen, als unrichtig bezeichnet habe. Di- rektor Schröder blieb aber bei seiner Aussage, ebenso wie Hoffmann nochmals bestätigte, daß Rosenthal in Gegenwart von Schröder in seinem Dienstzimmer diese Warnung wiederholt habe. Rechtsanwalt Puppe: Rosenthal hat sich an die Justizpressestelle gewandt und dort erklärt, daß die betreffenden Aussagen Schröders nicht richtig seien. Die I u st i z p r e s s e st e l l e hat sich veranlaßt gesehen, dies« Er- klärung Rosenthals, der hier noch nicht als Zeuge gehört ist, der Presse öffentlich mitzuteilen und so seine Aussage festzulegen. Das ist ein Novum, und ich finde es unverständlich, daß sich die Justiz- Pressestelle zu einem solchen Verfahren mißbrauchen läßt.— Der Vorsitzende und Oberstaatsanwalt Steinäcker oertraten die Ansicht, daß es sich um keine amtliche Erklärung der Justiz- Pressestelle handle, und meinten, daß die Angelegenheit auch für den Prozeß ohne Bedeutung fei.— Rechtsanwalt Dr. Pindar griff dann noch einmal die Angelegenheit mit der Villa auf, die in der letzten Verhandlung zur Sprache gekommen ist. Es sei völlig un- wahr, daß Leo Stlarek eine Villa für 170 000 Mark in Dahlem zu kaufen beabsichtigt habe. Angesichts der schweren Beschuldigungen, die in diesem Vorwurf für Leo Sklaret enthalten seien, bitte er die betreffenden Personen, die das Gerücht aufgebracht hätten, zum Bc- weise dafür zu laden, daß daran kein wahres Wort fei. Der Vor- sitzende erklärte hierzu, d aßer im Augenblick nicht in der Lage sei, die Namen zu nennen, weil sie ihm selbst noch nicht bekannt wären. Der Vorfall sei ihm von dritter Seite mitgeteilt worden, und man werde die Zeugen ermitteln.— Rechtsanwalt Bahn: Es ist auch eine Pressenotiz veröffentlicht worden, nach der Direktor Brolat gegen sich bei der Staatsanwaltschaft II ein Ermittlungs- verfahren beantragt habe. Entspricht das den Tatsachen?— Vors.: Diese Anzeige ist unerheblich, da bereits gegen Direktor Brolat ein Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft I eingeleitet worden ist. Das ist Direktor Brolat bekannt, da er in diesem Verfahren schon oerant- wortlich vernommen worden ist. Was er mit der Anzeige bei der Staatsanwaltschaft II will, ist zunächst seine Sache. Man setzte dann die Zeugenvernehmung fort, und es wurde der Abteilungsleiter des Wechselkontrollbüros der Stadtbank, Tausche!, gehört, und zwar zu den Revisionen, die er gemein- schaftlich mit Schröder und Höge bei den Sklareks vorgenommen hat, um festzustellen, ob die zur Diskontierung eingereichten Kunden- Wechsel wirklich aus Warengeschäften stammten. Tausche! hat dies bescheinigt, und zwar auf Grund der ihm von den Sklareks vor- gelegten Bücher und Rechnungen an die Wechselakzeptanten. Jetzt weiß man, daß diese Unterlagen von den Sklareks extra für die Revisionen fabriziert wurden. Auch Tausche! bestätigte, daß man bei den Revisionen Kaffee und Kuchen vorgesetzt bekam, will sich dadurch aber nicht irgendwie beeinflußt gefühll haben. Einen direkten Auftrag, die Sklareks zu schonen, habe er nicht erhalten, nur seien die Angestellten der Stadtbank mit Rücksicht auf das An- sehen, das die Sklareks beim Magistrat genossen, nicht so schroff vorgegangen. Genosse Brolat teilt uns mit, daß ihm selbst vou einem schwebenden Ermittlungsverfahren nichts bekanuk sei. Er sei vor etwa 1 bis 1K Jahren nach Moabit zur Vernehmung bestellt wor- den. Dort wurde ihm seine protokollarisch« Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter Oberregierungsrat Tapolski vorgelesen. Die Frage, ob er noch etwas hinzuzusetzen hätte, verneinte Brolat, und damit war die Vernehmung beendigt. Zwillingsforschung/ Lebenskunde Ergebnisse und Ausblicke Die letzte unter dem Vorsitzt von Dr. Max pirsch- Berlin ab- gehaltene Sitzung der ärztlichenGesellschaftfiir Sexual- Wissenschaft und Konstitutionsforschung gab einen Einblick in den gegenwärtigen Stand der Zwillingsforschung. Professor Dr. Kronacher vom Institut für Tierzüchtung in Berlin-Dahlem berichtete über die bisherige Zwillingsforschung bei den Haustieren, insbesondere beim Rind, und Prioatdozent Dr. v. Verschuer vom Institut für Anthropologie in Berlin über Grundfragen und Ergebnisse der menschlichen Zwillingsforschung. Aus diesem Gebiet konzentriert sich das Interesse in erster Linie auf die sogenannten eineiigen Zwillinge. Man unterscheidet zwischen erbgleichen(eineiigen) und zwischen erbverschiede- n e n(zwei- oder mehreiigen) Zwillingen oder Mehrlingen. Letztere entstehen dadurch, daß ein Ei kurz nacheinander von zwei Samen- faden befruchtet wird oder daß nicht, wie gewöhnlich, ein Ei, sondern zwei Eier zu gleicher Zeit reifen und vom männlichen Samen be- fruchtet werden. Die eineiigen Zwillinge entstehen dadurch, daß, ab- weichend von der üblichen Entwicklung, im sehr frühen Stadium das durch einen Samen befruchtete Ei sich spaltet. Solche eineiigen Zwillinge sind stets von gleichem Geschlecht und einander außer- ordentlich ähnlich. Auch Mißbildungen sind meistens eineiige Zwil- linge. Von 100 Zwillingsgeburten sind beim Menschen etwa 15 ein- eiig. Die Feststellung eines eineiigen Zwillings erfolgt beim Men- schen wie bei den Haustieren durch eine außerordentlich sorgfältig durchgearbeitete Aehnlichkeitsdiagnose, durch welche die Erbgleichheit belegt wird. Abgesehen von der verblüffenden Aehnlichkeit in den äußerlichen körperlichen Merkmalen spielt hierbei die Uebereinstim- mung der Blutgruppe, von Blutdruck, Blutbild. Anlage der Drüsen (hormonale Verähltnisse), Anfälligkeit gegen Krankheiten usw. eine Rolle. Das Erbgut der Vorfahren wird bei verschiedenen Kindern und bei zweieiigen Zwillingen verschieden vererbt. Nur die ein- eiigen Zwillinge geben die Möglichkeit der experimentellen Unter- suchung von Erbgleichheit. Neuerdings hat darum die Zwillingsforschung nicht nur in der Vrerbungslehre, sondern vor allem für das außerordentlich wichtige Problem der Lebenskunde Bedeutung bekommen, welches sich mit dem Einfluß von Anlage und Umwelt auf das Schicksal des Einzelwesens befaßt. Bisher hat die Zwillingsforschung bereits hinsichtlich der äußeren und inneren körperlichen Verfassung(morpho- logisch und physiologisch) sowohl als hinsichtlich der seelischen(psycho- logisch) und hinsichtlich der Anfälligkeit gegenüber Krankheiten(patho- logisch) weitgehende Einsichten erarbeitet. So hat sich erwiesen, daß die körperliche und seelische Eigenart des Menschen(Konstitutionstyp) im Erbgefüge verwurzelt ist, daß auch die inneren Merkmale des Körpers(Anlagen von Herz, Lunge, Magen und Darmtätigkeit) erb- lich bestimmt sind. Es ist heute auch bereits der Anteil von Erb- und Umwelt bei den verschiedensten Borgängen und Anlagen des Menschen(physiologische Eigenschaften wie Blutdruck, Blutgruppe usw.) festgestellt. Von besonderer Bedeutung ist, daß sich erwiesen hat, daß nor- male Unterschiede an Begabung und Charakter gleichfalls im Erbgefüge verwurzelt sind. Dies konnte nachgewiesen werden in den Lebenslaufen vieler eineiiger Zwillinge, die kurz nach der Ge- burt getrennt werden und in verschiedenen Verhältnissen aufwuchsen. Gleichfalls im Erbgefüge verwurzelt sind eine Reihe von Krankheits- anlage, so die Anlage zu Muttermalen, Rachitis, Tuberkulose und zu psychischen Erkrankungen. Das gilt vor allem für den Schwachsinn mrd da sJugendirresein. Während z. B. bei 50 untersuchten zwei- eiigen Zwillingen in 40 Fällen nur einer schwachsinnig und nur in vier Fällen beide schwachsinnig waren, wurde bei 16 eineiigen Zwll- lingen festgestellt, daß in 14 Fällen beide schwachsinnig udn nur in zwei Fällen einer von beiden schwachsinnig war, nur also die Erb- anlage bestimmend ist Die neuzeitige Zwillingsforschung sollte auch im wissenschaftlichen Sozialismus ernste Beachtung finden. In der Arbeiterbewegung des Früh- und Hochkapitalismus befaßten sich, beeinflußt durch die naturwissenschaftliche Einstellung des 19. Jahrhunderts(Entwick- lungslehre) bisher die Bestrebungen zur Förderung des Einzelschick- sals der Menschen fast ausschließlich mit der Besserung der äußeren Verhältnisse. Die neuere Zwillingsforschung zwingt zu der Einsicht, daß auch die Erbanlage für das L e b e n s s ch i ck s a l des Einzelwesens nicht zu vernachlässigen ist und daß die Probleme der Eugenik(Wohlgeborenheit) vordienen, im wissenschaftlichen Soziolis- mus berücksichtigt werden. Dr. P. K r i s ch e. Die neue(Schandiat. Lungbannerlevte niedergeschlagen. Siel, 22. Februar.(Eigenbericht.) 3ti Quaal überfielen 40 Nazis nach einer Reichsbannerversamm- lung einen kleinen Teil der noch im Saal befindlichen Versamm- lungsleilnehmer. Sie schlugen mit den verschiedensten Gegenständen ans die noch anwesenden Zungbannerleute ein. S echs R e i ch s- bannerkameraden wurden schwer verlehl. Sei einigen besteht Lebensgefahr. Zn dem Lokal selbst wurde alles kurz und klein geschlagen. Zwei Nationalsozialisten wurden als die Haupträdelsführer festgenommen. Eine geradezu bestialische Szene spielte sich bei dem Abtransport der Serlehten nach dem Krankenhaus ab. Der B e- f i tz e r des Krankenautos begrüßte die in dem Lokal an- wesenden Nationalsozialisten mit einem»Heil Hitler". Ein Schwerverletzter wurde nicht etwa auf eine Lahre gelegt, sondern von zwei Nationalsozialisten wie ein Stück Vieh zum Auto ge- schleift und dann auf den Wagen geworfen. Der Ueberfall ans die Reichsbannerleute war systema- lisch vorbereitet worden. Die Nazis lauerten hinter einer Scheune, bis die Versammlung beendet war und der größte Teil der Versammlungsteilnehmer bereits den Heimweg angetreten Halle! Nazis erschießen Chauffeur. Hamburg, 22. Februar. Am Bahnhof Barmbeck entwickelte sich eine Prügelei zwi- schen Nationalsozialisten und Kommunisten. Einschreitende Polizei- beamte konnten weitere Unruhen unterdrücken. Daraufhin zog sich ein größerer Trupp Nationalsozialisten in ein in der Nähe ge- legenes Verkehrslokal der Nationalsozialisten zurück. Polizeibeamte Letzte Aufnahme des präsidentschafiskandidaten der Harzburger Front. und Kriminalbeamte überholten das Lokal und b e s ch l a g- n ahmten mehrere Hieb- und Schußwaffen. Eine größere Anzahl Nationalsozialisten wurde festgenommen. Am Sonnabendabend gerieten drei von einer Hochzeitsfeier heimkehrende Nationalsozialisten in Hellbrock an der ham- burgischen Grenze mit einem Kraftdroschkenführer in Streit. Der Chauffeur erhielt mehrere Schüsse, durch die er schwere Bauchverletzungen davontrug. Der Verletzte mußte in be- sinnungslosem Zustand einem Krankenhaus zugeführt werden. Die Festgenommenen bestreiten, geschossen zu haben, und behaupten, von dem Chauffeur angegriffen worden zu sein. Separatisten als Nazis. Vest wirst aus dem Glashaus mit Steinen. Frankfurt a. vi.. 22. Februar.(Eigenbericht.) Der aus der Boxheimer Affäre bekannte hessislhe Naziabgeordnete und frühere Gerichtsassessor Dr. Best besaß die Dreistigkeit, im Hessischen Landtag der Sozialdemokratie vorzuwerfen, sie habe sich an den separat! st ischen Umtrieben beteiligt. Diese un- glaublichen Angriffe wurden von sozialdemokratischer Seite mit der Feststellung beantwortet, daß der Mainzer Sturm- führer der Nazis, Feldmann, wegen Hochoerrats zum Schaden Deutschlands fünf Jahre Festung erhalten habe. Dieser Feldman», der aus Freiberg in Sachsen stammt, diente von 1909 bis 1913 und 1918 Us 1923 in der französi- schen Fremdenlegion und kämpfte während des Krieges auf feiten Frankreichs gegen Deutschland. Im September 1923, als der Separatismus im Westen Deutschlands seinen Höhepunkt erreichte, kam er nach Mainz und stand dort wiederum bis im Juli 1930 in' dem Dienst der französischen Besatzungsbehörde. Am 22. Mai 1931 wurde er vom vierten Strafsenat des Reichsgerichts wegen Landesverrats zu der Mindestftrafe von 5 Jahren Festung verurteilt. Bei seiner Verhaftung war Feldmann im Besitz eines französischen Militärpasses. Uebrigens habe auch die Zeitung der freien Bauernschaft, der„Rhein- und Hessenbauer", die heute als Naziorgan angesehen werten muß, beim Abschied des psälzisch- separatistischen Redakteurs Schmitz-Epper diesem einen Nachruf ge- widmet, worin die Verdienste dieses separatistischen Verräters ge- feiert worden seien. Auch ein Best soll nicht mit Steinen werfen, wenn er mit separat!- stischen Hochverrätern im gleichen Glashause sitzt! Die stellungslosen Schulam'sbewerber. Verschiedene Zeitungen bringen, auf einer Landtagsdrucksache fußend, die Mitteilung, es gäbe in Preußen zur Zeit 22 500 stellenlose Schulamtsbewerber. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist diese Zahl irre- führend, da sie die Gesamtziffer der noch nicht fest- angestellten Schulamtsbewerber angibt. Von diesen- 2 jOJ find jedoch annähernd 10 000 voll beschästi g t. wenn sie aueh nicht Inhaber von Planstellen sind, und rund i 200 mit Fortbildungszuschüssen in Volksschulen tätig. Von den restlichen 5300 Schulamtsbewerber» sind rund 4350 beurlaubt oder in Fremd- berufen beschäftigt. „Das jüngste Gericht." Margarete Wallmann in der Volksbühne. Das siebente Tanzmatinee im Theater am Blllow- platz brachte ein chorisches Tanzspiel von Felix E m m e l„Das jüngste Gericht", das von der Tänzergruppe Margarete Wallmann aufgeführt wurde. Der Inhalt des Tanzspiels ist kurz folgender: Der Besitz steht der Armut gegenüber, die er verochlet und miß- handelt. Eine Naturkatastrophe erschüttert die Welt, auf der arm und reich steht, und hebt für eine Weile die trennenden Schranken auf. Dann stellen sich Herr und Herrin wieder an die Spitze, und die Masse beugt sich wieder unter chr Jach. Doch einige haben dem Locken des Goldes widerstanden, das die anderen einfing. Diese kleine Gruppe wächst, wird mächtig, vernichtet die Gewalthaber. Aus der Arbeitsfron wird ein freudiges Schaffen in der Ge- meinschaft. Man.sieht: viel Neues hat Felix Emmel sich nicht einfallen lassen. Die wirkungsvolle Idee liegt ja heute nicht einmal mehr in der Lust, sondern recht greifbar auf der Erde. Der Dank für das, was diese Matinee bot, gebührt eigentlich ausschließlich Margarete Wallmonn. Sie hat eine Tanzschöpfung von außerordent- licher Eindringlichkeit auf die Bühne gestellt. Das Werk stützt sich in jeder wesentlichen Phase auf die tänzerisch bewegte Masse, die zum wirksamen Träger des dramatischen Ausdrucks wird. Hier ge- lingen chr Steigerungen von seltener Kraft. In der Gruppenbe- wegung, die nie als Ueberfetzung eines Gedankens, sondern immer unmittelbar wirkt, entwickelt sich die Handlung: in der Gruppen- bewegung findet sie chre Höhepunkte und ihren Ausklang. Pracht- voll das letzte Bild: die im Arbeitsrhychmus freudig schwingende Masse, die immer stärker als. Einheit wirkt, zum Schluß chr Bor- strömen bis an die Rampe, Verbindung schassend mit dem Zu- schauerraum. Dabei tritt die Gestaltung der Solorallen etwas zurück. Der unerhörten Geschlossenheit der Tanzgruppe stehen in Liselorc Berg- mann und A. Kamaro fs als Herr und Herrin zwei Solisten gegenüber, die das Symbochafte ihrer Rollen nicht immer ganz stark zum Ausdruck bringen. Besonders bei Liselore Bergmann störte einige Male eine unbeherrscht wirkende Beweglichkeit, was wohl kaum ein Mangel an künstlerischer Ausdrucksfähigteit der Tänzerin, sondern ein Mangel der Rolle sein dürfte, die die in- dividualistilche Betonung vorschreibt oder doch zuläßt. Besonders in dem Biid„Die Entscheidung" wäre strengere Liniensührung auch in den Solorollen ein Gewinn für die Gesamtwirkung. Das Publikum zeigte sich sehr begeistert.— br. Figaro in der Lindenoper. Die Krollopcr-Jnszenierung der„Hochzeit des Figaro" wurde jetzt— zur Freude aller begeisterten Verehrer dieser schönsten aller Opern— von der Lindenoper übernommen und heraus- gebracht. Die Besetzung ist zum größten Teil die bisherige der Linkenoper: Faßbaender, de Garmo und Ruziczka als Figaro, Su- janne, Cherubin< Kindcrmann, Abendroth, Henke als Marcellina. Bartolo, Basilio:' nur Fritz Kreon und Delta Reinhardt als Graf und Gräfin Almaviva. .Wieder entzückte Gründgens Inszenierung und Klem- perers musikalische Direktion, entzückten Zusammenspiel. Jnein- anderverpslochten- und Einssein von Musik und Szene, die hier er- reichte echt Mozartischc Verteilung von Licht und Schatten, ohne daß(nach einem Wort Busonis) dos Licht schmerzte, nicht ohne daß auch noch im Dunkeln die Konturen deutlich wären---- Mit..Cosi jen tutte" zusammen gibt es nun an der Staatsoper zwei jehens- und liebenswerte Mozactauffllhrungen, die in erlesener Ensemble- kunst und tausend köstlichen Detail? die so leicht verletzliche Seele dieser Musik eingefangen haben, einer Musik, die von ihren Jnter- Preten unnachsichtig und ohne jede Kompromißmöglichkeit verlangt, was sie selbst in' denkbar schönster Prägung besitzt: Vollkommenheit. Die neu entdeckte Pyramide. Seiim Hakans Funde. Wie bereits gemeldet, hat der ägyptische Archäologe Professor Selim Hassan eine neue Pyramide entdeckl, die die vierte unter den berühmten Pyramiden von Gizeh ist. Ueber die außerordentliche Bedeutung dieses Fundes wird nun Näheres berichtet. Die neue Pyramide liegt etwa 300 Meter südlich von der großen Pyramide ! und westlich von der Shinx. An dieser Stelle trat ein Mauerwerk aus einem großen Sandhaufen heraus. Professor Selim hat bei seinen Grabungen die deutlichen Spuren des Pyramidenbaues ge- funden. Die neue Pyramide erscheint etwas kleiner als die dritte: sie ist in ihrer Bauform von den übrigen Gizeh-Pyramiden ver- schieden. Trümmer zweier etwa 4 Meter hoher Granitstelen, die gefunden wurden, bildete nden Eingang der Pyramide und trugen den vorher unbekannten Namen Khenet Kaues. Eine Inschrift besagt:.König von Ober- und Unterägypten, Mutter des Königs van Ober- und Unterägypten, Tochter des Gottes." Es handelt sich hier also um die Grabstätte einer königlichen Persönlichkeit, die zugleich die Tochter eines Königs und Mutter eines Königs war. Professor Selim vermutet, daß es sich vielleich um die Tochter des letzten Königs der vierten Dynastie handelt und daß damit das bisher fehlende Bindeglied zwischen der vierten und fünften Dynastie der Pharaonen gefunden ist. 2lm Eingang der Pyramide finden sich zwei Kapellen mit blin- den Türen, die augenscheinlich nicht die Türen der Grabkammern sind. Die Ausgräber arbeiten gegenwärtig in einem langen Gang. der abwärts und wahrscheinlich zu der Grabkammsr führt. Die Außenseite der Pyramide ist stark zerstört, aber ein Teil ist noch ganz unberührt. Eine Seite der Pyramide ist aus dem festen Felsen misgehauen udn zeigt blinde Türen in der Oberfläche. In der Nähe der Pyramide entdeckte Professor Selim eine Reihe von Felsgräbern hervorragender Personen und Beamten. In einiger Entfernung von dem neuentdeckten Denkmal finden sich Spuren eines Ziegelbaues, der auf das Vorhandensein eines mit Pyramiden verbundenen Tempels hindeutet. Geneppte Schauspieler. Das Berliner Theaterleben nimmt immer kompliziertere Formen an. Ueber Nacht entstehen neueBetriebe, die sich bald als Versuchstheater, bald als Kollektive oder sonst etwas ausgeben, und ehe man sich den Namen gemerkt hat, sind sie zum Ten schon wieder verschwunden. Aull) die Leute, die on der Spitze stehen, kennt man meistens nicht, und ob außer der zweifelhaften künstlerischen Bürgschaft auch noch eine pekuniäre Sicherstellung des Unternehmens vorhanden ist, scheint oft sehr zweifelhaft. Das Ensemble der Nachtvorstellung„Der Graue" deckt jetzt in einer Zuschrift an die Presse die Vorgänge auf, die bei solchen Unter- nehmungen sich hinter den Kulissen abspielen. Die Schauspieler scheinen dabei gehörig betrogen und um den Erfolg ihrer Proben gebracht zu sein. Alle Schauspieler werden gut tun, sich in Zukunft die Leute genauer anzusehen, die solche Theatorgrünbungen vornehmen. Afrikaforscher Hans Schomburgk zurückgekehrt. An Bord des Dampfers„Ufu Kuma" traf Freitag Hans Schomburgk mit seinen Begleitern auf der Rückreise von seiner Airikaexpeditinn in Rotterdam ein. In einer Unterredung mit Pressevertretern erklärte der Cxpeditionsleiter, man habe alles erreicht, was man wollte. U. a. konnten zwölf der seltenen weißen Naßhörner aus nächster Nähe aufgenommen werden. Die Ausbeute der Erpedition bestehe aus 16 000 Meter Filmaufnahmen. Die Expedition sei im Juli 1931 mit vier Autos von Durban aufgebrochen. Von dort sei es noch dem Zululand, Prätoria, Südrhodefien und dem portugiesischen Kolonialgebiet gegangen. Schomburgk hofft, seinen Film im Oktober der Oefsentlichkeit vorführen zu können. Gerhart Hauptmanns neues Drama„Vor Sonnenunter- gang" ist in der Buchausgabe im Verlag von S. Fischer, Berlin, soeben erschienen. Der Nestor der Düsseldorfer Malere!, der achtzigsährige Pro- fesior Ernst te Peerdt, ist an den Folgen eines Schlagansalles gestorben. Te Peerdt, der der impressionistischen Schule angehörte, ist besonders durch sein Gemälde„Das Duell" bekannt geworden. Emil Jannings Austreten als„Fuhrmann Henschel" in der Volks- bühne muh wegen einer leichten Erkrankung für einige Tage unter- krochen werden. Bis zu seinem Wiedcrauftreten wird das Stück in der übrigen Originalkesetznng weitergespielt. I» der Stoatsoper wird Kammersänger Julius L i b a n zur Feier , seines 75. Geburtstages am 23. Februar im Wagners„Rbeingold' als Mime ein Ehrcngastspiel absolviere». In der G-scllschast sür wisienschastliche Philosophie l bisher Gesellschaft für empirisebe Philosophie) spricht Dienstag Schumannstr. 21 Reichsministcr a. D. Erich Koch-Weser über„Empirisches zur Staats- kund e". Eine historssche Graphik-Ausstellung der Kuuftalademie. die Original- graphik Berliner Künstler aus dem Kreise der Berliner Akademie von 1759 bis 1650 bringt, wird in den Bereinigten Staatsschulen für Kunst, der alten Berliner Kunstakademie, Montag eröffnet. Sie bleibt bis zum 12. März geösfnet. fm Museum für Meereskunde spricht Dienstag. 8 Rhr, Professor esant über den internationalen Eissscherunqsdienst im Nord- atlantischen Ozean. Rundfunk der Woche Frauensiunden. Di« proletarische Hausfrau ist von den Berliner Sendern noch nicht entdeckt worden. Sollte jemand diese Tatsache bezweifeln, so sei ihm angeraten, eine Zeitlang alle sogenannten„Frauen- stunden� der Funkstunde und der Deutschen Welle abzuhören. Diese Frauenstunden sind nicht immer schlecht: manche Vorträge aus irgendwelchen Wissensgebieten können durchaus Vergnügen bereiten und geistige Anregung bringen. Aber diese Vorträge sind doch nur für Menschen, die Zeit und Spannkraft genug haben, sich aus ihrer Alltagswelt herauszustellen und die unbeschatteten freundlichen Pfade der Bildung zu wandeln. Die proletarische Hausfrau wird dazu selten imstande sein, wenigstens unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Was sollen ihr literarhistorische oder kulturhistorische Rückblicke und Betrachtungen, die weltenweit von all den Fragen und Problemen entfernt sind, die sie Tag und Nacht bedrängen? Und doch sind im allgemeinen Darbietungen dieser Art noch die besten der Frauenstunden. Sie haben eine gewisse Substanz und eine klar ausgerichtete geistige Kraft, dere Feld eben abßerhalb des Alltags liegt. Im Käseblättchcnstil... Die Mehrzahl der Hausfrauenstunden sieht leider sehr viel weniger sympathisch aus. Eine Weile schien es, als sei von den maßgebenden Stellen die Unzulänglichkeit der klein- und großbürger- lichen, auf Zeitverbundenheit frisierten Vorträge erkannt worden: es gab eine Reihe von Auseinandersetzungen mit allgemein wichtigen Tagesfrageu. Leider waren sie kein Anfang, sondern nur ein Zwischenspiel: heute sind wir längst wieder bei dem Hausfrauen- Käseblättchen st il angelangt. Auch diese hübschen Zeitschriften haben sich ja den Forderungen der Gegenwart nicht verschlossen, und wenige begehen den reklametechnischen Fehler, nicht mindestens in jeder zweiten Ueberfchrift die Worte„zeitgemäß" und„modern" anzudeuten, angefangen beim zeitgemäßen Festmahl, besten Reste die kalte Platte für den nächsten Abend geben, bis zur modernen Mutter, der geraten wird, ihre halbwüchsigen Kinder für den Umgang mit Kameraden freizugeben und sich selber zwecks gemeinsamer Ausflüge und Theaterbesuche einen netten Freundeskreis zu suchen. Das sind so ungefähr auch die Probleme, deren Wichtigkeit vom Rundfunk erkannt und entsprechend gewürdigt wird. Natürlich: in allen Schichten der Bevölkerung ist das Wort„Sparsamkeit" heute mindestens zu einem mitbestimmenden Begriff in der Lebenshaltung geworden. Auch die kultivierte Dame, deren wesentlichste Berührung mit dem Proletariat durch die eigenen Hausangestellten gegeben ist und die unter Umstünden auf einer Wohlfahrtsrecherche ein Proletarieroisrtel gesehen hat, die ausschlaggebenden Vorstellungen vom proletarischen Leben aber aus Literatur und Film bezieht, kann sich nicht immer seinem Zwang, noch weniger aber seiner suggestiven Macht entziehen. Weshalb also soll sie nicht ihre Weisheit vor dem Mikrophon weitergeben, Ratschläge über Einsparung von Haus- personal, über die Anordnung kleiner„zeitgemäßer" Geselligkeiten, über die beste Zeiteinteilung zur Gewinnung ausreichender Muße- stunden? Und weshalb soll die Kleinbürgersfrau nicht oerraten, wie sie künstlerische Pappschachteln klebt und alte Säcke dekoraüo zum Wohnungsschmuck durch Anbringung sinniger Stickereien erbebt, wo es doch sicher zahlreiche Hörerinnen gibt, die die Garteulauben-Iahr- gänge aus dein vorigen Jahrhundert, denen dies« Rezepte ent- nommen sind, nicht besitzen? Vorträge dieser beiden Typen beherrschen die Frauenstunde. Wird in Ihr von Kindererziehung geredet, so liegt die Problemstellung ebenso in der Sphäre gesicherter Bürgerlichkcit, wie wenn es sich um Vorträge handelt, die sich mit der b e r u f s- tätigen Hausfrau beschäftigen. Vernünftigerweise finden diese Vorträge regelmäßig zu einer Zeit statt, in der berufstätige Frauen ohnehin nicht Rundfunk hören können. Dadurch sind die Rednerinnen schon als das gekennzeichnet, was sie in Wirklichkeit sind: Außenseiterinnen der Gebiete, die sie behandeln. Die im normalen Berufsleben stehende Frau könnte sich gar nicht zu einem Rundfunkvortrag für diese Stunden freimachen: sie käme auch nicht aus den Gedanken, weil sie selbstverständlich begriffe, daß ihre Ausführungen keine Zuhörerinncn finden würden. Geplätscher um die Preissenkung. Die Tatsache, daß vor dem Mikrophon Menschen über Dinge reden dürfen, für die sie nicht das geringste Verständnis Hoben, wird am deutlichsten, sobald Angelegenheiten behandelt werden, die in den proletarischen Lebensraum einschneiden. Ganz selten erlebt man es, daß in den Frauenstunden jemand vor dem Mikrophon spricht, der die proletarische Lebensperspektive überhaupt kennt. Fast immer wird das Proletariat als der kulturell und wirtschaftlich schwächste Grad des JEleinbllrgertums betrachtet, dem man mit einigen wohlgemeinten und herablassenden Ratschlägen dienen kann und der sich im Grunde freut, nn den Gc- sprächen der Bessergestellten teilnehmen zu können. Charakteristisch für diese Auffassung war kürzlich das Zwiegespräch über die Preissenkung, bei dem eine Dame im altklugen und neckischen Ton sich an den Vertreter des Reichskommistars mit einer Reihe von Fragen wandte, an deren Beantwortung ihr eigentlich nichts lag. Sie kam sich aber offensichtlich sehr wichtig vor. Nun denke man sich, der Rundfunk hätte statt ihrer eine oder zwei proletarische Haus- frauen den offiziellen Vertreter des Reichskommissars interviewen lassen. Das wäre sicher nicht nur eine Anklage geworden: damals hatte ja die heutige ungeheure Aufwärtsbewegung der Preise noch nicht eingesetzt. Aber es hätte ein Bild von den wirklichen Auswirkungen der bisherigen Preissenkungen ergeben, hätte vor allem den Kernpunkt des Problems sichtbar gemacht: w i e sieht die Lebenshaltung der proletarischen Fa- milie bei dem gegenwärtigen Stand der Preise aus? In diesem Interview wäre bestimmt keine überflüssige Wendung, kein überflüssiges Wort gefallen: es wäre ganz auf Sach- lichkeit gestellt gewesen, und es hätte rrotzdem sicherlich ein Heer von gespannt aufmerkenden Hörern und Hörerinnen gefunden. Was not tut. Dieses Zwiegespräch war ein typisches Beispiel dafür, wie „proletarische" Probleme vor dem Mikrophon bebandelt werden. Die große proletarische Kulturbewegung, die, min- bestens der Hörerschaft der Berliner Funkstunde entsprechend, rich- tunggebend die Mehrzahl der Vorträge der„Frauenstunde" be- stimmen müßte, wird in ihnen überhaupt kaum je sichtbar. Die proletarische Frau ist keine eigenbrötlerische Kleinbürgerin, die Zeit hat, ihre Seele, ihre Person und ihren Haushalt von allen Seiten eingehend zu bespiegeln. Ihre Persönlichkeit wächst aus dem G e- meinschaftsbewußtfein. Nur wer das begreift, kann mit ihr die heute oft so schwer auf sie lastenden Probleme des Familien- lebens und der Wirtschaftsführung besprechen und manchmal viel- leicht sogar einen Rat geben. Häufig wird das gar nicht möglich sein: häufig würden wohl solche Vorträge sich bescheiden mit einer Durchleuchtung der Verhältnisse begnügen müssen. Dann wäre.: sie überflüssig? Sicher nicht, wenn sie von einem Menschen gehalten würden, der selber von Gemeinschaftsbewußtsein erfüllt ist und es darum in anderen wecken kann. Nicht die bürgerlich resignierende Wendung: wir alle müssen heute entbehren, die Generaldirektoren gern heroisch auf sich beziehen und die für den ausgesteuerten Ar- beitslofen und seine Familie sinnlos und unverschämt klingen muß, sondern die proletarische Erkenntnis: wenn wir zusammen- halten..., muh der Grundton der Vorträge in der Frauenstunde sein.__ Tes. Ein kiassischerGireik derRGO. Llnd sein gerichtliches Nachspiel. Im Juli 193l hatte die NGO. in der Umgebung von Leipzig einen wilden Erntearbeiter st reik inszeniert. Die frei- gewerkschaftlichen Landarbeiter, die die Streikparolen nicht befolgten, wurden von Kommunisten verprügelt und mit Erschlagen bedroht. Als es der RGO.-Leitung trotz des Terrors nicht gelang, die Landarbeiter zum Streik zu zwingen, schickte sie einen Trupp Kommunisten in die bestreikten Ortschaften mit dem Auftrag, die Landarbeiter zu Sabotageakten zu veranlassen. Mitglieder der kommunistischen„W e h r o r g a n i s a t i o n" wurden beauftragt, den Landwirten die Felder zu vernichten und die landwirtschaft- lichen Maschinen zu zerstören. Denn nur dadurch konnte die REO. dieEntlassungder freigewerkschaftlichen Arbeiter erzwingen. Mit etwa 20 Leuten machten sich die beiden Rädelsführer in der Nacht vom 17. bis 18. Juli 1931 auf und zogen auf die Felder der Landwirte, deren Arbeiter sich nicht an dem NGO.-Streik beteiligten. Sie schnitten die Garben auf, vernichteten alles und zerstörten mehrere landwirtschaftliche M a s ch i n e n, die dringend zur Ernte benötigt wurden. Trotz der Terror- und Sabotageakte war der RGO. kein Erfolg beschieden. Die Landarbeiter ließen sich nicht betören und befolgten nur die Anweisungen des Deutschen Landarbeiter-Verbandes. Der Streik brach ohne jeden Erfolg zu- sammen. Die RGO. ließ die Arbeiter, die sie zum Streit gehetzt hatte, schmählich im Stich: mochten sie nun sehen, wo sie wieder Arbeit bekamen. Gegen die Leute aber, die sich an der Sabotage- aktion und Zerstörung beteiligt hatten, wurde das Strafverfahren wegen Sachbeschädigung und Aufruhrs eingeleitet. Das Gemeinsame Schöffengericht in Leipzig oerurteilte neun Kommunisten zu zweibisachtMonaten Gefängnis.— Jeder Kommentar erübrigt sich. RGO. nicht tariffähig. Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts. Das Reichsarbeitsgericht beschäftigte sich am 29. Februar mit dem Rechtsstreit der RGO. gegen den Verband der Ber- liner Baugeschäftsinhaber. Nach einem Bauarbeiter- streik hatt der beklagte Verband seinen Mitgliedsfirmen empfohlen, nur solche Mitglieder wieder einzustellen, die einer am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschaft angehörten. Die Kläger, die dem Baugewerksbund nicht angehören, sondern Mitglieder und Funktionäre der RGO. sind, wurden nach be- endigtem Streik nicht wieder eingestellt. Der be- klagte Arbeitgeberverband erklärt, daß nach der Rechtsprechung des Reichsarbeitsgerichts die RGO. keine wirtschaftliche Organisation und deshalb auch nicht tariffähig sei. Die RGO. hat den Verband der Baugeschäftsinhaber auf Schadenersatz verklagt, weil er nach dem Streik ihre Mitglieder nicht wieder eingestellt hat. Die RGO. versucht nachzuweisen, daß sie eine Kampforganisation ist, die ebenfalls Tarifverträge abschließen kann. Das Landesarbeitsgericht in Berlin wies die RGO. mit ihrer Klage ab. Der beklagte Verband habe seinen Mitgliedern nach dem Streik empfohlen, nur solche Mitglieder einzustellen, die einer am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschaft angehörten. Die RGO. sei aber keine tariffähige Organisation, so daß für ihre Mit- glieder ein Wiedereinstellungszwang nicht bestand. Gegen dieses Urteil hatte die RGO. Revision eingelegt, die aber vom Reichsarbeitsgericht abgewiesen wurde. Die Lehrlingsnoi. Verhandlungen im preußischen Handelsministerium. In dieser Woche werden im preußischen Handelsministerium Besprechungen mit den Gewerkschaften über die Lehrlingsnot geführt. Die Behörden müssen unbedingt gegen diese Not etwas unternehmen: denn sie nimmt allmählich bedenkliche Formen an. Die Stillegungen und Einschränkungen der kleineren und mitt- leren Betriebe haben viele Lehrlinge gezwungen, chren Lehrgang zu unterbrechen und die Innungen kümmern sich leider recht wenig um diesen bedauerlichen Mißstand: jedenfalls sorgen sie nicht ge- nügend dafür, daß der eine oder andere Lehrling wenigstens in einem verhältnismäßig noch gut gehenden Betrieb wieder unter- kommt. Nach Ostern melden sich neue Lehrlinge. Was soll aus ihnen werden. Ihre Unterbringungsmöglichkeiten werden durch das Eindringen der Abiturienten in Industrie und Handwerk noch mehr beeinträchtigt. Unter diesen Umständen kommt der Abbau bei den Berufs- schulen einem richtigen Schildbürgerstreich gleich. Gerade die Be- rufsschule könnte für die Fortbildung der Lehrlinge noch eine ge- wisse Hilfe bieten._ Streik im Oombrowaer Kohlenrevier. Blutige Zwischenfälle. KallowiH, 22. Februar. Der Regierung ist der Streik der Bergarbeiter höchst un- erwünscht. Die Regierungspresse klagt, daß sich der Streik ganz besonders ungünstig auf die Kohlenausfuhr auswirke. Es wird zu verstehen gegeben, daß bei Weiteranhalten des Streikes die Ber- ordnung des Staatspräsidenten vom Jahre 1923 über den zwangsweisen Kohlenumsatz in Anwendung kommen würde. Diese Verordnung sieht den militärischen Arbeits- zwang auf den Gruben vor. Einstweilen greift die Polizei ein. Am Sonnabend wurden 13 Verletzte ins Krankenhaus in Millowitz eingeliefert. Auf dem Jowitfch-Schacht legten sich Streikende auf den Schienenstrang, um die Kohlenförderung zu verhindern. Auf einer Konferenz der Betriebsräte des Dombrowcer Jndustricreviers wurde eine Entschließung gefaßt, worin die streikende Arbeiterschajt ausgefordert wird, weiterhin Disziplin zu bewahren und sich an die Weisungen des Streikausschusses zu halten. Gleichzeitig wurde vom Streikausschuß erklärt, daß die Polizei verschiedentlich in brutaler Weise Versammlungen der Streikenden auseinandergesprengt und die Fühlungnahme mit dem Streikkomitee verhindert habe. Von kommunistischer Seite wird versucht, die Sicherheits- cinrichtungen auf den Gruben zu zerstören. Eine Versammlung der Betriebsräte in L i p i n e wurde von der Polizei verhindert. Bei Bendzien kam es zu einem Straßenkampf zwischen Streiken- den und Polizei, die mehrere Salven abgab, wobei zwei Arbeiter erschossen und zwei schwer verwundet, ander« leicht verletzt wurden. Ein Sympathie st reik der Metallarbeiter Ost- oberschlesiens und der Streikreviere Dombrowo und Krakau ist für Donnerstag angekündigt. Reichssinanzminister Dietrich spricht über die Reorganisation der deutschen Großbanken heute abend von 19.13 bis 19,33 Uhr für alle deutschen Sender. Das für dieselbe Zeit angekündigte New-Porker Konzert des Negerquartetts wird auf Schallplatten aufgenommen und gegen 29 Uhr als Einlage zum Programm gebracht. 136. Abteilung. Reinickendors-Ost. Heute, 20 Uhr, Baracke Lindauer Straße, Sitzung der Arbeiterwohlfahrt. Thema: Die Arbeit des Wohlfahrtspflegers. Referentin: Genossin Ella Kay. Alle Wohlsahrtspfleger und-Pflegerinnen sowie interessierte Helfer sind eingeladen. Wetterbericht für Berlin und Umgebung. Größtenteils trübe mit leichten Niederjchlägen. Tagestemperaturen über Null. Wieder- auffrischende nordwestliche Winde.— Für Deutschland. Im Norden vielfach trübe und ziemlich mlld. Im Süden bedeckt und Milderung des Frostes. Im Nordosten anfangs noch zeitweise aufheiternd, später bedeckt mit mäßigen Schneefällen. oinli Nnantwortl. sUr die Redaktion: Rich. Beenstein, Berlin; Anzeigen: Th.»locke, Berlin. Berlaa: Borwärts Verlag D. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW KS. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Montag, den 12. Februar staatsoper unter den Linden 20 Uhr Der Troubadour StaatLSduusplelluos Gflndarmenrnarkl. 20 Uhr Cyrano von Bergerac lila Intinnriuat Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhl Ein besserer Den hierauf: Die Zanberio, der Nahe Schlei. Bhf. SOU.SIgi.k.S.lisu. Tel.: E7Welckttl 4031 Jti aine tenHiwil" Rose- Theater iroSa Fmkfirtir Sinti 137 Ul.Wildiul E 7 3427 8« Uhr OerüettelstiiiieDt Volksbühne Theater an Bülowplatz 8 Uhr Fuhrmann Henschel mit Emil Jannings u. Margarete Melzer Regie; K. H. Martin Staat). Sdriller-niealei 8 Uhr Ein besserer Herr Hierauf: Die Zauberin, der Riese und der Affe Staatsoper Unter den Linden H Uhr Der Troubadour metropoi-iheaier Täglich SV, Uhr Ein ited der Liehe Bich. Tauber Anul Ahiers Stadl. Oper Cfaarlouenbure Bismarckstraße 34 Montag, 22. Febr. Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Anfang 20 Uhr Depipouöaflour Ende gegen 23 Uhr WW WMWWtW Deatsdies Ibeater 8 Uhr Vor v. Gerh. Hauptmann Ragie; Mai Reinhardt. Beilioerfheatn Charlottenstr. 90-92. Heule 8 Uhr Zum letzten Male SasEosenhieOoltsbllluie Kampf um Kilsdi r- Nieinei m.— � Truppe 1931. TügL 8V« Uhr Ole mauselalle Preise 73 PL— 5 M. Sonnt nachm. 4 U. halbe Preise. sv, ubr CASINO-THEATER»Vi uh. Lothringer Strafte 37. lllillllllllllllllllllllllllilllllllllllllllUIIHIIIIIIIIilllliDlllltniUlllltl Nur noch bis 3. Mfirz Elien von heute Dazu eine Operette und banter Tel Freitag, den 4. Mira, mm 1. Male „Seine Freundin" Gutschein I-4 Personen: Parkett 50 Pt. Fauteutl I.— Mark, Sessel 1.50 Mark. | CR. SCHAUSPIELHAUS lägt. 8U. B Voffmanns Erzählungen IKblNHAROT INSZENIERUNU■ to«nta|nclm.3lttr milln frehe OrPUlre> Wint«.;. Carten. 8.1S Uhi Flora 3434 Baudien erliuM Reltcr-Famllle„Casl". Hubo n.«ein Welbstenfel. Wtlh. Bcndow. 0 Allinons und wettere Attraktionen ReidishallenTheafer USnboff platz 8 Ohr. Sonniaos 3- Ubr zu KleilleD Preisen Stettiner Sänger Nur noch kurze Zeit „So'n Beinfall!- Theater desWestens Täglich SV, Uhr Prinz Helhnsalem Operette von Joh. StranO WaldmUller, Morgan. Jankuhn, Lilien, Ewald. -Tbeaterin Her-, Stresemannstr. TS o" oh 8'/« Uhr leoinldim Ronstutiii Tlwodor Un In: InjederEhe... Theater am Nollendorfplab Regii; OiiuUtntarj Pallas 7051 Täglich 81« Uhr Stgs. auch 4V« Uhi Heute zum 108. Male aasparone Leitlng-Tltattr Täglich SV, Uhr Morgen gehts uns gutl Grete Muahetni Max Hannen Orchester Dajos Seit Tb. in Idniralspalast Täglich 8V« Uhr Der neue groS« Erftlg! Käthe Dorsch Gustaf OrQndgens Liselott* Singspiel lidiunHUtnnelie Biunienswn jeder Art llefort preiswert Paul Golletz vormals Robert Meyer Mariannenskr. 3 Fa Oberbaum 1303 Berliner HUlTriO N B■ 1 0 1 1■, wLuhnatr. 74776J Neul Neu 3 Chamotte-Kachelöfen in farbiger Glasur, 35 cm breit, 35 cm tief, 135 cm hoch, mit Rostfeuerung nur 62,40 RM. sind zu haben bei der Berliner Töpferhütte G.m. b.H. 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Der Vor- sitzende Genosse F l a t a u hielt eine kurze Begrüßungsansprache. Er gab seiner Freude über den großen Widerhall Ausdruck, den der Aufruf der Berliner Kampfleitung bei den sozialdemokratischen Parteigenossen, bei den freien Gewerkschaften, dem Reichsbanner und den Arbeitersportlern gefunden hatte. „Wenn die anderen mit Bürgerkrieg drohen, können wir nicht mit der Zriedcnspalme wedeln, wenn die anderen mit kugeln schießen, können wir nicht mit Pralinen werfen." (Stürmische Zustimmung.) Die Versaminlung erhob sich, als Fla- tau der Toten des Weltkrieges und der Opfer gedachte, die für die Republik gefallen sind und vor allem an Friedrich Ebert erinnerte, dessen Todestag sich in diesen Wochen jährt. Martha John rezitierte wirkungsvoll, dann nahm Robert Bredow als Vertreter der freien Gewerkschaften das Wort. „Hier wird Instruktion erteilt nicht durch frühere Generäle, sondern durch Kollegen, die als Vertrauensleute alljährlich durch Sie gewählt werden. Die Gewerkschafter haben verstanden, was der Aufruf zur Eisernen Front bedeutet, und sie sind chm gefolgt. Ueber einige wenige, die abseits stehen, können wir hin- weggehen. Wenn jemand gegen die Eiserne Front rennt und es klingt hohl, dann hat es sicher in seinem eigenen Kops hohl ge- klungen.(Heiterkeit und Zustimmung.) Die hanimerschaflen stehen gegen den Faschismus. denn die Arbeiterschaft legt sich nicht ins Bett, bis sie gestorben ist, und unsere Hammerschaften stellen mehr als nur einen idealen Begriff dar. Wir wollen schnellstens handeln und die Ding« vor- wärts treiben. Deshalb wird, was wohl noch nie in der Geschichte dagewesen ist, ein Außerordentlicher Gewerkschaftskongreß einbe- rufen werden, der dem Gegner ein: Bis hierher und nicht weiter! zuruft: In allen Betrieben sind hammerschasten zu bilden, die. soweit solche vorhanden sind, gemeinsam mit den SPD.-Fraktionen arbeiten. Unter lebhafter Zustimmung sagte Bredow, daß auch die republi- konisch gesinnten Angehörigen der Hirsch-Dunckerschen und Christ- lichen Gewerkschaften in den Hammerschasten willkommen sind. Er schloß: Wir haben keine Ursache zu verzagen, sondern schreiten durch Kampf zum Sieg! Fritz Barthelmann von den Arbeitersportlern wies dar- auf hin, daß Tausende junger Menschen im Arbeitersport sich noch Aktivität sehnen. Der Zustand des Duldens ist ihnen ein Greul. In dem Zusammenschluß von Tausenden in der Arbeitcrsportbc- wegung liegt mresre Stärke. Diese Tausende setzen wir jetzt ein zur Abwehr gegen den Faschismus, well wir wissen, daß der Ar- beitersportler durch den Faschismus viel zu verlieren hat. Partei und Gewerkschaften kärnpfen für kurze Arbeitszeit und gesunde Ar- beitsvcrhältnissc. die eine Grundlage des Arbeitersports sind. Siegt der Faschismus, dann wird auch der Arbeitersport hinweggefegt werden. Das hat das Beispiel von Italien bewiesen. Deshalb sind wir mit freudigem Herzen beim Kampfe. Wir wollen leben als Menschen und unseren Sport als Menschen treiben. Dar- um haben wir unsere Hundertschaften aufgestellt unter der Parole: wir wehrcn ab. wir stoßen vor. wir greisen ani Artur Neidhardt vom Berliner Reichsbanner dankte der Viertelmillion Berliner, die im Eisernen Buch ihre Unterschrist für die Republik gegeben haben.(Zuruf: Groener auch? Heiterkeit.) Vielleicht wäre es besser, wenn wir schon früher gehandelt hätten. Jeder marschierte getrennt vom andern und verfolgte seine eigenen Ziele. Das wird jetzt anders.(Stürmischer Beifall.) Das Reichs- banner hat nicht immer auch in unseren Kreisen nur Zustimmung gefunden, dem einen war es zu schlapp, dem anderen zu militärisch, dem dritten nicht radikal genug. Wir waren immer die Radi- k a l st e n im Kampf für die Republik, und wir trügen die Windjacke nicht einen Tag länger, wenn wir nicht glaubten, der Republik zu dienen. Unzählige Uebersälle zeigen, daß wir im Bürgerkrieg stehen. Wir haben den Staat gewarnt und gemahnt, aber wir sagen ihn? daß Treue nicht einseitig sein kann, sondern mti Treue vergolten werden muh. Die Antwort der Regierung für unsere Treue war das Uniformverbot und der Erlaß G r o e n e r s, der uns mit dem Boxheimer Gesindel gleichstellt.(Pfuirufe.) Sollten wir auch die Hoffnung auf den Staat ausgeben müssen, unser- Ueberzeugung und unseren Willen, für die Republik zu kämpfen mit geistigen und materiellen Mitteln bis zum endgültigen Siege, geben wir nicht auf. Es geht darum, ob wir für den Rest unseres Lebens und ob unsere Kinder in einer freien Republik oder in einer f a- schistischen Kaserne leben sollen. Volksappell der Eisernen Front Ist die Losung, und entschlossener Kampf gegen die Gegner. gegen die Schlappen, gegen die Säumigen in den Amtsstellen.(Bei- fall.) Wir stehen in vorderster Reihe. Es lebe die Eiserne Front! (Stürmische Beifallskundgebungen.) Für die Berliner Sozialdemokratie sprach Franz Künstler. „Die Eiserne Front ist formiert und steht schlagbereit. Die Faschisten und ihre Verbündeten vom 9. August mögen über uns ruhig ihre Spötteleien machen. Das stört uns. nicht. Ich sage klar und ein- deutig: Die. Zeit, nur zu reden und Geschästsordnungsdebatten zu führen, ist in Deutschland vorbei!(Stürmische Zustimmung.) Wir sind gerüstet, den Feind der Republik die schon längst fällige Nieder- läge beizubringen. Unsere Gegner bestimmen die Wahl der Kampf- mittel. Kein Angriff wird uns unvorbereitet finden. Wir tun unsere Pflicht gegenüber dem republikanischen Staat im Interesse der großen freien Arbeiterbewgung. An dem Tage, da die deut- schen Republikaner und Sozialisten die braunen Hitlergarden ge- schlagen haben werden, werden sich die Konjunkturpolitiker wieder aus den Boden der gegebenen Tatsachen stellen wollen. Unsere Gegner höhnen von der Wellblechfront, aber die Eiserne Front wird kein Wellblechbunker sein, wo man aus Angst vor der Abrechnung unterschlüpfen kann. Ein zweites 1918 gibt es dann nicht mehr. (Stürmischer Beifall.) Auch die Arbeiter und Republikaner haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Am 13. März 1932 werden die Hoffnungen Adolf Hitlers sich ebensowenig erfüllen, wie die Wünsche des Generallandschaftsdirektors Kapp am 13. März 1929. Wir wählen nicht nur einen neuen Reichspräsidenten, sondern es fällt die Entscheidung: Bürgerkrieg oder nicht! Unsere bewußte Zu- rückHaltung hat bei den Gegnern Nervosität ausgelöst. Für Hitler soll die demokratische Verfassung die Funktion eines Galgen aus- üben, an dem Republik und Arbeiterschaft aufgehangen werden. Wir werden das verhindern. Kampf für die Republik ist weiter Kampf um Arbeit und Brot. Arbeitsbeschaffung ist das Gebot der Stunde. Ziel ist und bleibt der Sozialismus! Hitler hat gesagt: es wird keinen parlamentarischen nationalsozialistischen Staat geben. Das ist durchaus richtig, weil wir Hitler gar nicht erst die Gelegen- heit geben werden, seinen Staat aufrichten zu können. Nicht das Dritte Reich kommt.sondern über die Republik von Weimar die Entwicklung zur sozialistischen Republik. Das Jahr 1932 soll das Jahr der Entscheidung und des Sieges sein!(Anhaltende Zu- stimmung.) Zum Abschluß der Kundgebung richtet der Vorsitzende Flatau noch einmal kurze anfeuernde Worte an die Versammelten. Gemein- samer Gesang:„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!" bildete den Ab- schluß des Berliner Fllhrerappells. Oer Aufmarsch im Lande Die Zahl der fortgesetzt bei uns einlaufenden Be- richte Uber die gestrigen Generalappclle der Eisernen Front in ganz Deutschland ist so groß, daß wir uns auf die Wiedergabe eines Teiles beschränken müssen. Alle Berichte, seien es nun die über die 3 8 K u n d g e b u n- gen in Hesse n-Nassau, über den GeneralaPPell im Rheinland, über die ungeheuren Aufmärsche im rheinisch- westfälischen Industriegebiet, in Mitteldeutschland, in Batzern, Sachsen, über die Kundgebungen in allen schlesi- schen Gebietsteilen und denen Ostpreußens, alle atmen den gleichen Geist: die Entschlossenheit, die Republik mit allen Mitteln bis zum letzten zu verteidigen. 3n Brandenburg. In einer von Tausenden besuchten Kundgebung, die schon lange vor Beginn polizeilich gesperrt werden mußte, sprach am Sonntag der Vorsitzende der Soziabemokratischen Partei Deutsch- lands, Otto Wels. Von den weltpolitischen Gesichtspunkten der bewegten Gegenwart ausgehend, forderte Wels als nächste dringendste Aufgabe die Bekämpfung und Vernichtung des Faschismus, der das deutsche Volk in die finsteren Zeit- alter der Reaktion zurückversetzen wolle. Cr wies darauf hin, daß die Bildung der Eisernen Front das Gefühl der politischen Ohn- macht bis in die bürgerlichen Kreise hinein beseitigt habe. Wenn der EndkampstMt dem Faschismus nicht mit den Waffen der De- mokratie geführt werden soll, dann ist die Eiserne Front dazu auch bereit. Aber die Wahl der Waffen hangt nicht von der Eifer- nen Front ab. Wir schlagen mit den Mitteln und mit den Ver- kündeten, gleich, woher wir sie bekommen, den Faschismus. Im Anschluß an diese machtvolle Kundgebung begab sich Otto Wels auf die Konferenz des Unterbezirks Brandenburg-Westhavel- land-ZauchJelzig, von deren Teilnehmern er mit stürmischem 5)ände klatschen begrüßt wurde. In seinem zweistündigen Referat gab er eine treffende Schilderung des Kampfes, den der sterbende Kapitalismus hier mit Golid uns dort mit Bombenflugzeugen aus- führt. Der Kapitalismus soll sterben, aber die Wirtschaft muh leben! Otoo Wels erinnerte an die Tatsache, daß unsere Väter Leibeigene waren und daß uns allen noch diese Leibeigenschast tief im Blut steckt. Unter stürmischem Beifall der Versammlung richtete er einen leidenschaftlichen Appell an die Arbeiterschaft, sich endlich dieses Gefühl aus dem Herzen zu reißen, selbstbewußt und stolz zu werden. Die Generalversammlung der Eisernen Front in Mitteldeutschland führte in allen Städten und Orten zu imposanten Kundgebungen, die ohne jeden Mißklang verliefen. Die Beteiligung war außer- ordentlich stark. In vielen Städten mußten Parallelversammlungen abgehalten werden. Der Generalappell der Eisernen Front in Haanover war eine Kundgebung, wie Hannover sie seit langem nicht gesehen hat. Ueber 19 090 Menschen füllten nach dem Einmarsch von rund 4999 Reichsbannerkameraden, Arbeitersportlern und Hammerschasten die große Ausstellungshalle. Der Vorsitzendes Mctallarbeiterver- bandes Reichel und Dr. K a u b a ch- Berlin sprachen. Die Rüst- woche der Eisernen Front hatte bis Sonnabend bereits 32 999 Ein- Zeichnungen ergeben. In Hamburg hatten sich in den beiden großen Messehallen nach der Schätzung der Polizei bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Kund- gebungen etwa 28 999 Menschen vereinigt und die Säle be- setzt. Aber immer noch strömten Tausende herbei, die keinen Ein- laß fanden. So mußte in einem großen Konzertsaal eine Parallel- kundgebung durchgeführt werden. In sämtlichen Veranstaltungen wurde den Toten des Weltkrieges eine Minute schweigenden Ge- denkens gewidniet. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, H a n s V o g e l, gab in einer Rede unter brausendem Beifall seiner Zuhörer zur Reichsprüstdcntenwahl die Parole aus:„Sie ist für uns ein« Schlacht gegen Hitler, den wir schlagen müssen und werden." In Schleswig-Holstein veranstaltete die Eiserne Front am Sonntag insgesamt 8 9 Kund- gebungen, die überall glänzend verliefen. Die Nordmark steht kampfbereit und wartet aus die Stunde, in der diese Bereitschaft sich in die Tat umsetzen kann. In Frankfurt a. M. waren ebenfalls die größten Säle der Stadt überfüllt. Auch hier waren Tausende und abex Tausendc dem Ruf der Eisernen Front können. gefolgt. Als Hauptredner erklärte S ch e i d e m a n n als die Parole der Stunde:„Wir wählen jjindeirburg, weil wir gegen Hitler sind." In München ließ man die Eiserne Front in fünf Riesenoersomm- l u n g e n aufmarschieren. Das große Zirkusgebäude und vier der größten Säle der bayerischen Hauptstadt waren überfüllt und muß- ten polizeilich gesperrt werden. Mif Begeisterung bekundeten die Riesenmassen das Treugelöbnis für die Republik und den Kampf- schwur gegen den Faschismus. In Dresden waren dem Ruf der Eisernen Front am Sonntag ebenfalls wieder viele taufende gefolgt, obwohl erst kürzlich eine gewaltige Demon- stration in der sächsischen Hauptstadt stattgefunden hat. Etwa 16 999 Menschen zählte der Zug, der am Sonntag durch die Straßen von Dresden marschierte, 16 999 ohne Frauen! Auf dem Platz, auf dem die Kundgebung schließlich ihr Ende fand, hatte sich etwa die doppelte Zahl eingefunden. Die hier ausgegebene Parole lautete: „Der Gendarm von Hildburghausen darf nicht Präsident der deut- schen Repubhik werden. Wir wollen keinen Bürgerkrieg, setzen aber der Gewalt Gewalt entgegen. Heute marschieren wir, morgen schlagen wir." Aus Chemnitz wind uns berichtet, daß dort am Sonntag mit dem Aufmarsch der Eisernen Front die gewalligste Kundgebung seit den Revolutions- tagen erlebt wurde. Auch hier waren es mehr als 29 999, die auf- marschierten und in den Straßen von Tausenden und aber Taufen- den begrüßt wunden. Mit ungeheurer Begeisterung wurde schließ- lich der Treueid für die Eiserne Front abgenommen. Die Sonntagsveranstaltungen der Eisernen Front nahmen in der Oberlausih einen imposanten Verlauf. Trotz aller Machenschaften der Nazw und Kozis konnte sich die Eiserne Front für Sonntag das Recht auf die Straße erkämpfen, so daß viele Tausende von Repu- blikanern aufmarschierten und für die Republik demonstrierten. Jeder Störungsoersuch von rechts und links scheiterte an der Diziplin der aufmarschierten Massen. In Breslau war der größte Saal bei der zweiten Kundgebung der Eisernen Front überfüllt. Alle bisherigen Veranstaltungen der Breslauer Nazis wurden von dem Maffentreffen der Eisernen Front bei weitem in den Schatten gestellt. S o l l m a n n appellierte an die Massen: Alle Kraft, alles Gut und Blut, wenn es fein muß freudig herzugeben, um Nation und Arbeiterklasse vor den brutalen Angriffen des blutbcsudelten Faschismus zu schützen. Dieser Appel löste orkanartige Zustimmung aus. In Köln marschierte die Eiserne Front ebenfalls in der großen Messehalle auf. Auch sie konnte die Massen, die Bekennermut bezeugen wollten, nicht lle fassen. In einem zweiten großen Messesaal war eine Parallel- Versammlung notwendig. Wie in Hamburg, so galt auch in den beiden Kölner Versammlungen ein Teil der Kundgebung dem stillen Gedenken der Toten des Weltkrieges. In Düsseldorf waren die vier größten Säleder Stadt überfüllt. Hier sprach als Hauptredner Höltermann. Er führte aus, die Eiserne Front sei da und würde immer da sein, um die Volksmacht gegen die Diktatur zu verteidigen. Ihr Programm fei die Erfüllung und Erhaltung der Weimarer Verfassung. Sie wolle, daß die Zeit der Notverordnungen aufhöre, sie wolle den Erwerbslosen wieder Ar- bcit geben. Am 13. März werden das deutsche Volk ein über- wiegendes Votum gegen die Machtansprllche der Nationalsozialisten stellen. Appell der Molorstaffel. Das in Berlin-Brandenburg gegründete Motorkorps der Eisernen Front veranstaltete am Sonntag einen ersten Probe- a l a r m, der sich als ein voller Erfolg erwies. Eine staatliche Zahl von Kraftfahrzeugen aller Art war dem Ruf der Staffelleitung zu einem Treffen nach der Bundesschule des ADGB. bei Bernau ge- folgt. Ein großer Teil der Erschienenen gehört dem demokratischen Bürgertum an In dem großen Vortragssaal der Bundesschule erörterte die Stafselleitung des Motorkorps dessen politische und praktische Auf- gaben. U. a sollen die Mitglieder des Korps die Aufgabe haben, bei den bevorstehenden Wahlen Referenten und Flugblattoerteiler der Eisernen Front auf das Land zu bringen. Man hofft auf diese Weise das Vier- und Fünffache an agitatorischer Arbeit leisten zu » Arbeiter-Rasenspiclc Hansa schläft Butab 7: 1 Beim Werbetag des Bezirks Reinickendorf der FTGB- spielte L> a n s a 31 in Reinickendorf einen Klubkampf gegen Butab. Während das Spiel der zweiten Mannschaften mit dem knappen 2: 1-Sieg der Butab-Leute endete, konnte Hansa das Spiel der ersten Elf glatt mit 7: 1 gewinnen. Nur während der ersten Halb- zeit, in der die Techniker mit dem sehr starken und kalten Wind als Bundesgenossen noch einigen Widerstand leisten konnten, blieb das Spiel einigermaßen offen. Resultat 1: 2. Nach dem Wechsel machte sich die Ueberlegenheit Hansas um so deutlicher bemerkbar. Butab wurde gänzlich in die eigene Spielhälfte zurückgedrängt. In gleichmäßigen Abständen schoß Hansa weitere fünf Tor«, denen Butab nichts entgegensetzen konnte. So mailchen Erfolg der Hansee ten hotten der Torwart Butabs allerdings verhindern können, wenn er nicht im entscheidenden Augenblick immer von seiner eigenen Verteidigung behindert worden wäre.— Einen geradezu drama- tischen Ausgang nahm das Treffen der dritten Mannschaften. Nach- dem das Spiel noch bis IS Minuten vor Schluß vollkommen offen war. ging Hansa dann mit dem Sieg aus und davon. Bis zu diesem Zeitpunkt lautete das Resultat noch 4: 4. Einmal schoß diese Mann- schast ein Tor, dann war es wieder die andere, die den Vorsprung ausholte. Mit 7: 4 konnten die Hanseaten den Sieg sicherstellen. Im Klubkamps blieben somit die Hanseaten mit dem Ergebnis von 4: 2 Punkten und IS: 7 Toren siegreich. Minerva 28 konnte das letzte Serienspiel der Kreisklasse gegen T e l t o w mit 4:2 gewinnen. Lichtenberg II weilte mit zwei Mannschaften in Kagel. Während die erste Mannschaft der Lichten- berger verdient mit 2: 0 gegen den Gastgeber gewinnen konnte, endete das Treffen der zweiten Elf gegen Werlsee unentschieden 2: 2. Gänzlich unerwartet kommt die Niederlage, die Pankow von Alan- kenburg erhielt Trotz technisch besseren Spiels der Pankower konnte Blankenburg mit Unterstützung der Pankow-Verteidigung bis zur Pause bereits mit 3: 0 in Führung gehen. In der zweiten Halb- zeit hatte Pankow den Wind als Bundesgenossen, konnte jedoch nur zu einem Erfolg kommen, während die Blankenburger den geg- tierischen Torwart nicht mehr überwinden konnten. Mit 3: 1 blieben die Blau-Weißen geschlagen. Einen schönen Kampf lieferten sich Britz 88 und Saxonia, den die Britzer mit dem Resultat von 4: 1 für sich entscheiden tonnten. Veit«« Slelaltatc: Wilmersdorf gegen Lichtenberg 1 2:2.— Wilmersdorf 2 ' Zulenweg gegen ATV. Neuliill» 4:2.— Obergegen Lichtenberg 3:0.— Baumschulenweg gegen ATV. Ncutiilln 4:2. Werder T7 gegen Brandebura 5:2.— Slotmannt gegen Weisiensee 3:2,— � fpree gegen Eiche.Bohnsdorf 2:3.— Pankow 2 gegen Blankenburg 0:0.— Minerva 2 gegen Teltow 0:4.— Normannia 2 gegen Weißensee 5:1.— Baumschulenweg 2 gegen ASV. Neukölln 0:0.— Iugendmannschaftcn: Normannia gegen Lichtenberg 1 0:4.— Minerva gegen Luckenwalde 2 4:1.— Minerva 2 gegen Luckenwalde 3 2:2.— Wilmersdorf gegen Adler 08 2:3. biw Bezirks-Handballspiele Freiheit-Nauen schlägt FTGB.-Spandau 2:0(0:0) Das Spiel nahm einen unerwarteten Ausgang. Nauen als Tabellenletzter kämpfte mit größter Hingabe: unter Ausnutzung des starten Windes zwang man den Spandauern das System auf. Spandau gab sich dadurch zu sehr aus und konnte auch nachher in der zweiten Spielhälfte nicht zu der in letzter Zeit gewohnten Form auslaufen. Es muß allerdings bemerkt werden, daß Nauen Haupt- sächlich verteidigte, zudem fielen die Ersatzstürmcr auf dem Spar- dauer linken Flügel vollkommen aus. Infolgedessen handelte Nauen ganz richtig, daß es ein besonderes Augenmerk auf die dauernden Angriffe durch Spandaus Rechtsaußen wandte. Zum Spielverlauf wäre zu sagen, daß Nauen schnelle und energische Angriffe vortrug, die äußerst gefährlich waren, aber der gute Spandauer Torwart verhinderte vorerst jeden Erfolg. Der Angriff der Gäste litt an mangelnder Verständigung untereinander und vor allem an den schlechten Leistungen des Halblinken Bis zur Pause wickelte sich das Spiel meist im Mittelfeld ab. Trotzdem mußte die Hinter- Mannschaft der Gäste schwer arbeiten und erwies sich dabei als tüchtig. Nach dem Wechsel verpaßte Spandau günstige Chancen, dagegen hatte Nauen mit den Durchbrüchen mehr Glück. Be�irksktafse Osten: Etche-Pobnodors 2 gegen FTGB. Nordost 3 3:4(3:1).— Eintracht- Mahlsdori 2 gegen FT. Kalkberge 1:5.— Jugend: Eintracht. Mahls- dorf gegen TSV. Kaulsdorf 8:4(4:1).— SchiU-r: Eiche-Bohnsdorf gegen Ein- Iracht-Mahlsdors 1:8 ,0:1). «ezirk-klafle Norden: FTGB. Buch gegen FTGB. Mitte 3:0(1:0). Bezirkaklaste Süden: FTSB. Süden 2 gegen Berlin 12 0:3(3:1).— FTGB. Süden 3 gegen FS. Ficht- 1:1(0:0).— FTDB. Süden 5 gegen FTGB. Westen 5:2(3:1).— Frauen: FTGB. Süden 2 gegen Butab 1 0:1(0:1).— Jugend: FTGB. Süden gegen Pollssport Neukölln 7:3(5:1).— FTGB. Süden 2 gegen FTSB. Südost 2:5<2:3). Hockey Bei leidlich spielfähigem Boden wurden alle angesetzten Spiele ausgetragen. Sehr schwach zeigte sich der Arbestersportverein Rot- Weiß im Spiel gegen Ostring 2, das mit 0: 2 verloren ging. Rot- Weiß zeigte wenig Zusammenspiel, nach gutem Anfang de? Rot- Weißen gelang es den Ostring-Spielern, ihre Spielweise mit Erfolg durchzusetzen. Planmäßiges Aufbauspiel des Mittelläufers brachte die Lichtenberger zum oerdienten ersten Torerfolg. Beim Stand von 1: 0 wurden die Seiten gewechselt. Auch in der zweiten Spiel- Hälfte war Ostring stets im Bortest und tonnte den zweiten Erfolg wieder durch einen sehr eindrucksvollen Aufbau des Mittelläufer� erzielen. Em gutes Spiel lieferten sich der Verein für Leibes- Übungen Ostring und Tennis-Rot mst unentschiedenem Ausgang 2: 2. Wenn auch die Tennis-Leute ständig im Bortest lagen und eine tadellose Ballführung und große Stocksicherheit zeigten, so war Ost- ring im Eifer und im geschickten Ausnutzen der beinahe schon zur Gewohnheit gewordenen Schwächepause der Tennis-Sppieler nach dem Seitenwechsel gleichauf. Im übrigen zeigte Ostring eine wesent- liche Spielverbesserung.— Der Spandauer Freie Hockeyklub siegte erwartungsgemäß, nur ein wenig hoch, gegen die Freie Sportver- einigung Pankow mit 7:3.— Der Athletiksportklub siegte gegen Wedding unerwartet hoch mit 8: 0 Toren. Weitere Rciullat«: SB. Moabit kombiniert gegen FSB. Bankow 2 mit 0:0. — Tennis-Rot 3 gegen ASB. Wedding 2 mit 5:0.— Tennis-Rot 4 gegen ASB. Rot-Weiß(Jugeno) 3:1.— BS. Neukölln gegen ASB. Schöncberg 07 mit 5:0. — Bei den Frauen konnten Ostring gegen Tennis-Rot 2 mit 8:0 und die Frauen vom Rot-Weiß gegen Pankow mit 3:1 gewinnen. * Arbeiler-Eishockeyspielo. Die für heute abend angesetzten Eis- hockeyspiele im Volkspark Mariendorf finden bestimmt statt, da das Eis spielfShig ist. .&rbeitersdrmlnzner waren fleißig Schwimmfeste in Berlin und Magdeburg In der gutbesetzten Hall« des Stadtbades an der Schillingsbrücke wurde das Schwimmfest der Freien Schwimmer Groß-Berlin, Truppe Friedrichshain, durch eine der Zeit angepaßte An- sprach« eröffnet. Der Redner bat besonders um die Unterstützung der Behörden und der Presse beim Kampf um die Herabsetzung der Badepreise. Das folgende Festspiel zeigte, daß man auch mit nicht- sportlichen Misteln werbend wirken kann. Das Schwimmen nahm seinen Anfang mst einer Männer- crawlstafeste über 8 X 40 Meter. Lichtenberg mußte distanziert werden, so daß Neukölln vor Möwe den ersten Platz belegen konnte. Die vielen am Start befindlichen Erstschwimmer bewiesen die gründ- liche Ausbildungsarbeit der Gruppe. Im Jugenbrustschwimmen der Mädchen wurden gute Zeiten geschwommen. Kornetzki-Lichtenberg belegte mit 1 Min. 41, S Sek. vor Greser-Charlottenburg den ersten Platz. Eine Abwechslung in den vielen aufeinander folgenden Brust- schwimmkonkurrenzen wäre im Interesse der Zuschauer angebracht gewesen. Im Männerbrustschwimmen der Klasse L über IVO Meter war die Betelligung so stark, daß sich fünf Läufe erforderlich machten: Salbach-Mstte konnte dabei seine Qualifikation für die �.-Klasse be- weisen. Alle Konkurrenzen waren durchweg gut besetzt, so daß man die schnelle und tadellose Abwicklung des Festes anerkennen inuß. In der Männerlagenstafette 4 X 80 Meter gelang es Lichten- berg mst 4 Min. 14,8 Sek., mst 8 Sek. Vorsprung vor Hellas ans Ziel zu kommen. Ein unter bewährter Leitung stehendes Gruppen- springen fesselte die Zuschauer sehr und brachte großen Beifall. Das Figurenliegen der Frauen der festgebenden Gruppe fand den ver- dienten Erfolg. Bei dem Männercrawlschwimmen stellten sich fast 30 Schwimmer dem Starter: die Mitglieder der Altersriege be- wiesen, daß nicht nur junge Menschen aktive Sportler sein können. Beim Tauziehen blieb der Beifall nicht aus. In der Männertauch- stafette konnte Möwe die beste Zeit erreichen. Vermißt wurden die sonst auf allen Arbesterschwimmveranstoltungen üblichen Rettungsoorführungen. Nach gutbefetzten männlichen und weiblichen Iugendkonkurrenzen kam als Schluß ein Wasserballspiel. Es standen sich Friedrichshain und die 2. Mannschaft von Hellas gegenüber. Durch ein flostes Spiel komite Friedrichshain mit 12: 6 gewinnen. Männercrawlstafette,« mal 40 Meter: l. Olcukölln 2:31: 2. Möwe 2:32.— Männliche Juaendlagenstafette, 4 mal 80 Meter: 1. LichlcnOctB 4:26; 2. Möwe 4:33.— Weibliche» Jugendbrustschwimmen, 100 Meter, 14 bis 16 Jahre: 1. Kor- netzki(Llchtenbera) 1:41,5; 2. Greser(Charlottenburg) 1:44,3.— Dasselbe 16 vis 18 Jahre: I. Kuck(Friedrichshainl 1:45; 2. Döscher(Kreutberg) 1:57,2.— Frauen.Prustschw-mnten, 100 Meter, Klasse 0: 1. Peters lPotodaml 1:88,4: 2. Fleischer lPotsdam) 1:42,2.— Männer Brustschwimmen, 100 Meter, Älasse.1: 1. Becker(Neukölln) 1:23,4: 2. Grigullies lFalkensee) 1:25,3,— Männer.Brust- ichwimmen, 100 Meter,«lasse B; 1. Salbach(Mitte) 1:26,4; 2. Jehder(Siemeno- stabt) 1:28,4.— Kinder-Bruststafette, 6 mal 40 Meter: 1. Lichtenberg 3:30; 2. Union 3:48.— Manner-Lagenstaferte, 4 mal 80 Meter: 1. Lichtenberg 4:14,8; 2. Hellas 4:22,8.— Männer-Brustschwellstafette: l. Neukölln 4:55,3: 2. Hellas 5:10,2,— Mönnercrawlschwimmen, 100 Meter,«lasse B; 1. Trivpensee(«reut bergl 1:12.2: 2. Henschel, H,(Mitte)>:12,6.— Männer Seiteschwinunen, 100 Meter,«lasse B: 1.«chrer(Lilbtenbera) 1:23,9: 2. Prenzlow(Cberswalhe) 1:27.— Männertauchstasett». 4 mal 20 M-t-r: 1. Möwe>5.3: 2. Friebricho- Hain 58.— Männliches Jugendbrustschwimmen, 80 Meier, 14—10 Jahre: 1. Gocbel(Freiheit) 1:10,8; 2. Gocrkc lWeißenscel 1:11,5.— Dasselbe 16 bis 18 Iahte: 1. Quiß(Möwe) 1:10,2; 2. Mirsch(Sehtenhorf) 1:11,8.— Weibliäie Iugendbruststofette. 4 mal 80 Meter: 1. Freiheit 5:36,6: 2. Lichtenberg 6:2,4, Schwimmfest in Magdeburg Berliner sehr erfolgreich Uiüor Boteiliguigg der beiden Berliner Vereine Freie Schwimmer Charlottenburg und Freiheit 07 sowie Vereinen aus Dessau, Leipzig, Halle, Burg usw. gelang es gestern den Magdeburger Arbeiterschwimmern, ihren Anhängern zu beweisen, daß Magdeburg nicht nur die Hochburg des bürgerlichen legen 3; 5. Halbzest S: 2. Das fchr flost durchgeführt« Spiel zeigte die Berliner dauernd im Vorteil. Crawlstafette, 6 mal 50 Meter: 1. Altstadt 3:11,2; 2. Leipzig 3:13,7; 3. Frei. heit 3:13,8.— lOO.Meter.Crawlschwimmen für Männer,.4.«lasse: 1. Grühn- Charlaltenburg 1:04,8(!); 2. Richter.Freiheit 1:10/; 3. Schöbel-Leipzig 1:11,5. —«lasse B: 1. Schiemann-Dessau 1:15.— 4 mal lOO-Meter-Brustafette für Männer: 1. Tharlottenburg 5:47/; 2. Altstadt 5:53.— Crawlschwellstasettr (50.100.200.100.50 Meter): Charlottenburg und Freiheit totes Rennen. Feit 6:17,8: 2. Leipzig 6:26,1.— 4 mal lOO-Meler-Männer-Zugendlagenstafette: 1. Altstadt 5:26; 2. Charlotenburg 5:51.— lOO.Meter.Crawlschwimmen für die Jugend, 14 bis 16 Jahr«: I, Zimmermann. Charlotenburg 1:16,4; 2. Knabe,— Männerlagenstafette, 4 mal 100 Meter,.i.AIasse: 1. Altstadt 5:17,8.— B. Klasse: 1. Charlottrnburg 5:33/; 2. Altstadt,— lOO-Meter-Brustschwimmeu. männ. liche Jugend, 16 bis 18 Jahre: 1. Ackermann-Olvenstedt 1:31: 2. Langhammcr- Charloltenburg 1:31/.— lOO.Meter.Männer-Bruftschmimen, Klasse B: 1. Acker» mann-Altstadt 1:27,7; 2. Brüssow-Charlatenburg 1:38. Schwimmsports ist. Da die Veranstaltung gleichzeitig Austatt für die kommende Magdeburger Rüstwoche der Eisernen Front war. haste man alle Kartellvercine zur aktiven Mstarbest heran- gezogen. Das ergab in einigen Rennen Felder von annähernd 50 Teilnehmern und dadurch eine Unmenge Läufe. Trotzdem, oder vielleicht gerade aus diesem Grunde, waren die sportlichen Kämpfe außerordenllich eindrucksvoll. Bei der einleitenden Kraulstafette für Männer über 6 X 50 Meter sah es bis zum vierten MarnAso aus, als würde Freiheit- Berlin gewinnen. Aber Magdeburg-Altstadt und Leipzig hatten noch gute Leute für den Schluß aufgehoben und konnten so noch an Freihest vorbeigehen. Die folgenide Einzclkonkurrenz hieß: 100- Meter-Kraulschwimmen für Männer der Klasse A. Sicher dachte niemand daran, daß sich für den Bundesbestzcitschwimmer Grühn- Charlottenburg ernschafte Konkurrenz finden würde. Das war auch nicht der Fall. Als aber die Zeitnehmer, nachdem Grühn seinen Mitstartern auf und davongegangen war, die Uhren besahen, zeigten sie 1:04,8, einen neuen Bundesrekord, der bisher auf 1;05,2 Minuten stand. Zweiter wurde Richter-Freiheit mst 1:09,8. Bei der Bruststafette der Männer über 4 X 100 Meter hatten die Schwimmer von Magdeburg-Altstadt die Absicht, den Bundesrekord zu verbessern und das auch ordnungsmäßig angemeldet. Ihr Bor- haben mißglückte. Bei dem Zwesten Mann führte schon Charlottenburg mit etwa 4 Meter Vorsprung und ließ bis zum Schluß nicht noch. Die von Charlottenburg erreichte Zell lag aber noch einige Zehntel unter der Bundesbestzeit. Magdeburg wurde Zwester, Leipzig Dritter. Als das Rennen des Tages nmß die Kraulwell- staseste für Männer über 50, 100, 200, 100, 50 Meter angesprochen werden, brachte sie doch den wirklichen sportlichen Schwung und riesige Begeisterung. Am Start waren zwei Magdeburger Mann- schaften, ferner Leipzig, Frccheit-Berlin und Charlottenburg. Bei der ersten lOO-Meter-Distanz war das Feld schon ziemlich aus- einandergezogen. Leipzig führte, Freiheit war Dritter und Char- lottenburg lag an letzter Stelle. In dieser Reihenfolge lösten auch die 200-Meter-Schwimmer ab. Langsam aber sicher kam dann Charlottenburg auf, und als die ablösenden 100-Meter-Leute ins Wasser gingen, lag Leipzig nur noch knapp vor Freiheit und Char- lottenburg, die über die ganze Streck« wie Zwillingsbrüder schwammen und dabei dann auch Leipzig überholten. Die 50-Meter- Schwimmer waren von gleicher Stärk«, und so gab es noch heißem Bord-on-Bord-Kampf ein totes Rennen zwischen Charlottenburg und Freiheit. In der Männerlagenstafette 4 X 100 Meter startete Frei- Heit-Berlin in der A-Klasse, konnte sich aber nicht placieren. Char- lottenburg gewann bei der S-Klasse mit erheblichem Vorsprung vor dem nächsten. Nachdem am Vormsttag die Jugend von Charlottenburg in einem Wasserballspiel gegen Dessau ein 8: 4-(2- 3)-Resultat erzielt hatte, traf in einem Spiel gegen Schluß des Programms die Mann- schast des deutschen Bundesmeisters Charlottenburg auf den mehr- fachen mitteldeutschen Meister Leipzig. Nach anfänglich verteiltem Spiel kam Charlottenburg zum Führungstreffer, dem aber bald der Ausgleich folgte. Dann war aber gegen die gute Kombination und schnellen Durchbrüche der Bundesmeister nichts zu machen und man ging mit 8; 2 in die Halbzeit. Die Pause benutzte die Meistermann- schast nicht zur Ruhe, sondern zeigte dem interessierten Publikum unter Beisall vor dem eigenen Tor verschiedene Wurfformen und Torkombinationen. Donk ihrer physischen Stärke spielten sie die zweite Halbzest weiter überlegen und erzielten ein Endresustut von 10: 4. Freiheit-Berlin spielte gegen die Männer von Dessau über-� Arbeiter»W asserball- Serie Ein schönes und schnelles Spiel zeigten am Sonnabend Möwe und Neukölln im Lunabad in Berlin, das Möwe erwartungsgemäß mst 7:4 für sich entscheiden konnte. In beständigem Wechsel ging der Ball von Tor zu Tor, bis ein Alleingang des linken Verteidigers den ersten Erfolg für Möwe brachte. Neukölln konnte in der fünften Minute gleichzichen und bald darauf in Führung gehen, beidemal durch gute Kombinationen und abschließende Verlängerungen. Möwe glich wieder aus und legte noch ein Tor vor. Einen scharfen Schuß konnte der Torwart von Möwe nicht ganz erreichen und lenkte ihn sogar noch sekbst ein. Damst war bis zur Halbzeit ein Gleichstand von 3: 3 erreicht. Nach Wiederbeginn war bei Neukölln ein wert- liches Nachlösten im Tempo festzustellen. Das erleichterte den Möwe- leisten das Spiel, die noch viermal einsenden konnten, während Neu- köllu nur nach zu einem Erfolg kam. Neukölln verdarb sich in der zweiten Hälfte viel durch mangelhaftes Platzhallen und wenig plan- volles Spiel in Verbindung und Mittelsturm. Möwes Stärke lag wie üblich in energischen Durchbrüchen, die die Neuköllner Ver- teidigung oft mehr hart als taktisch geschickt abwehrte. * Am Dienstagabend, 20% Uhr, findet ein Wasserballserienspiel ausnahmsweise im Stadtbad Mitte in der Gartenstraße statt. Es spielen im Protestwiederholungsfpiel Lichtenberg und Union, An- zunehmen ist, daß es bei Union, gemessen an der technischen Reife, zum Sieg langt,_ Berliner in Stettin Beim gestrigen Hallensportfest m Stettin starteten von Ber- liner Arbeitersportvereinen der SD. Moabit und Volkssport Neukölln-Britz. Vor zirka 1500 Zuschauern wickellen sich interessante Kämpfe ab. Durch die Größe der Hall« war sogar ein 100-Meter-Lauf in der Geraden möglich, Sie hatte sonst nur«inen Mangel, sie war nicht heizbar. Dieser Umstand war bei der gestern herrschenden Temperatur wenig erfreulich, weder für die Zuschauer noch für die Wettkämpfer, Trotzdem wurden beachtliche Resultate ei zielt. Die Berliner konnten sich zuerst an das„Klima" gar nicht gewöhnen und kamen erst spät in Schwung. Zu erwähnen wäre die Zeit des SB. Moabit in der 4 X 400-Meter-Stasette mst 3,48 Mi- nuten, die Zweiter hinter Stettin mst 3:45,8 Minuten wurden. Bei der 10 X 280-Meter-Stafette mußt« der SV. Moabst den sicheren Zweiten durch Stabverlust an Volkssport Neukölln abgeben. Eine Turnriege des l. Kreises erntete reichen Beifall. Resultat«! Männer: Sprinter.Dreikamps: 1. Harig, ZdA. Maadeburg, 50 Meter 6, 75 Meter 8,4, 100 Meter 11,1; 2, Höa-Ier, Stettin.— läOO.Meter. Lauf: 1. Wagner, Leipzig, 4:15; 2. Langmack, Stettin. 4:16,7.— Hachsprung: Koch, Beneckenbeck, 1,68 Meter.— 3000.Meter.Lauf: Wagnrr, Leipzig, 0:10 8; 2. Birlholz, Stettin, 0:24,4.— 4 mal lOO-Meter-Staffel: 1, FT. Stettin 46,3. — 4 mal 400.Meter.Staffel: l, FT. Stettin 3:45/; 2, Moabit, BerNn, 8:48.— 10 mal 260 Meter: 1. Stettin 5:25,6; 2. Vollasport Reulölln.— Iugenö: 100 Meter: Azt, ASC, Berlin, 12/.— 1000 Meter: Zimmermann, Stettin, 3:6,4.— 3 mal 200.Meter.Staffsl: Stettin 1:22/.— Frauen: 100 Meter: Diederich, Stettin, 13/.— Kleine Olpmpifche: FT. Steltin 1:57,7.— Fünf mal eine halbe Runde: FT. Stettin 1:33/. Luckenwalde scb'ägt Tegel II Im vorletzten Serienkampf im Ringen um hie Kreis» Meisterschaft startete am Sonnabend die zweite Mannschaft der Sportoereinigung„Tegel 1899" gegen die erste Staffel des Sportklub Luckenwalde. Die Luckenwalde?, die.auf der Tabelle an dritter Stelle lagen, vermochten mst einem Siege über die Tegeler diesen Platz zu behaupten. Um den ersten und Zwesten Platz stresten am Freitag die Endrundengegner Tegel 1 und Alt-Wedding 1 im Tegeler Strandschloß. Der große Saal war zu Beginn dieses Kampsabends im Ringen und Boxen bis auf den letzten Platz besetzt. Im Gesamt- ergebnis siegte Luckenwalde mst 22: 8 Punkten über Tegel 2. Der Städtekampf Luckenwald« gegen Stettin wurde ebenfalls von Luckenwalde mit 8: 4 Punkten gewonnen. Oer Tod im Hing Am Sonntag ereignete sich während eines Boxkampses in Lemberg ein Todesfall. Der Msttelgewichtler G o d l e w s k i. der gegen Groß um den Meisterschaftstitel des Bezirks auftrat. wurde schon in der drstten Runde durch einen rechten Kinnhaken von Groß zu Boden gestreckt. Während Groß zum Sieger durch k. o. ausgerufen wurde, mußte der bewußtlose Godlewski in den Ankleideraum getragen werden, wo die Aerzte nur noch seinen in- zwischen eingetretenen Tod feststellen tonnten. Siegel-Thierbach und Piei van Kempen, die am Donnerstag» abend erst das Berliner Sechstagerennen beendet hatten, starteten om gestrigen Sonntag schon wieder, erstere in Breslau, wo sie in einem 100-Kilometer-Mannschaftssahren erste wurden, Kempen in Brüssel, wo er mst Deneef in einem Zweistundenmannschafts- rennen fuhr._ Rundfunk am Abend Montag, 22. Febrnar. Berlin. Iß. 15 Karl Sonnenschein(Sprecher: Heinz Monzel, Käthe Graber). 16.30 Franz Schubert: 1. Sonate C-Mol!(Kurt Appelbaum. Flügel). 2. Lieder tFred Drissen, Bariton: Helsa Stjcrna, Sopran; am Flügel: Willy.Taejer). 17.30 Tisch-Tennis(Georg Lindenstaedt). 17.55 Rechtsanwalt Dr. Hollaender*. Die neue Cinkommensteucrerklärung. 1�.20 Fritz G. Lennhoff und Hans Samter: Jugendnöt und Jugendselbsthilfe. lb.50 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55 Die Funk-Stunde teilt mit... 19.00 Reichssendung. Dr. Hans Bredow: Heinrich Hertz zum 75. Geburtstag. 19.30 Tanzabend. 21.00 Tages- und Sportnachnchton. 21.10 Joseh Szigeti spielt. Anschließend Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abcndunterhaltung. Köoigswusterbausen. 16.00 P. Crtcld: Methodische Erfahrung der Gegenwart. 5 17.30 Adolf Rcicbwein: Die angelsächsischen Mächte im Kampf, um die Vormacht.� 18.00 Robert Spfirry* Goethe und das deutsche Lied. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft, 10.15 New York: Tuskegee Ncgerquartctt. 19.30 Dr. Schurig: Richtige Anwendung der Düngemittel. Anschließend Wetter für die Landwirtschaft. 15 Räuscher: Zeitungsschau.