Morgenausgabe Ar. 89 A 45 49.3ül?rgang Wöchentlich To Pf. msnntlich 3,58 M. (booon 87 Pf. monatlich für gustel» luna in» Hau») im vorau» zahlbar. Postbczug 3.97 M. emschließlich»oPf. Pcislzeiwngs- und 72Pf. Postbestellak- bühren-Auslandsabannement 8,88 M, pro Monat: für Länder mit ctmä�ig« tem Drucksachenporto 4,65 M. Der.PoroSrt»* erscheint tnochentäz. lich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel..Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilaa» .Volk und Zeit". W/ f Berliner SolkSblatt Oiensiag 23. Februar 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die eiu spult. Millimeterzeile ny Pf. SleNamezetlc 2.— M.„svlcinc Anzeigen" das fettgcdnitttc Wort-0 Pf. tzulasstgzweifettaedruckteWortelnedes weitere Wort 10 Pf. Babott It. Tarif. Worte über IS Buchstaben zahlen für zwei Worte. Arbeitsmarlt Millimeu r» zeile 25 Pf. Famtlienanzcigen Mini- ineterzcUe 10 Pf. Anzeigenannahme itn Hauptgeschäft Lindenstrahe 3, wochentäglich«an SV, bis 17 Uhr. Der Verlag dehäll sich daoZlecht derAd» lchnung ntchtgcnehmcrAnzeigen norl Jentvalorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 kvernfpr.t Dönboss(A 7) 292—297. Telegramm-Zldr.! Sozialdemokr« Berlin. Vorwarts-Verlaa G. m. b. H. Postschcikron!otBcrlin27LZS.— BatirrontotBattkdcrArbctlcr.Angestclllcnuiid Beamten, Linbrnslr.Z. Dt.B.u.2tsc.»EeI., Depositen!., Jernsalenter Str. KölbZ. Goebbels ernennt Hitler. Lltti» Hugenberg proklamiert Ouesterberg. Gestern noclfmillag beschlossen die Dentschnolionalen und der Stahlhelm für den 3 Millionen Mark zu veraus- gabon und bis zu 490 Millionen Mark im Wege des Kredits zu bejchosten. Die große Sanierung. Oer Staat als Wirtfchastsretter. Voq Fritz Naplitali. Es gibt äußere Vorgänge, die blitzartig den Charakter der gestern vollzogenen Sanierung der deutschen Großbanken schärfer beleuchten als alle Einzelschilde- rungen. Alljährlich, wenn die Großbanken ihre Abschlüsse vorlegen, laden sie die Vertreter der Presse zu erläuternden Besprechungen ein. Gestern fanden die Aufsichtsratssitzungen und Pressebesprechungen bei allen Berliner Großbanken am gleichen Tage statt, und, was das Entscheidende ist, sie gip selten in einer Besprechung, die nicht mehr in den Büros der Großbanken, sondern im Reichsfinanzmini st e- r i u m stattfand. Und die Rundfunkrede, die dem deutschen Publikum den Vorgang der Bankensanierung erläutern sollte, hielt keiner der beteiligten Bankdirektoren, sondern der Herr Reichsfinanzminister! Der Reichsfinanzminister Dietrich, der Reichsbank- Präsident Dr. Luther und die Herren Staatssekretäre S ch ä f f e r und Trendelen bürg sind bei den Worten, mit denen sie die große Sanierungsaktion der deutschen Banken begleitet haben, nicht müde geworden, immer wieder zu versichern, daß sie nicht etwa die böse Absicht hatten oder haben, die Banken zu sozialisieren oder auch nur Macht und Einfluß des Reiches im deutschen Bankwesen dauernd aus- zubauen. Die Funktionäre des Staates haben— leider— nicht mit dem Willen zur Macht gehandelt in der Richtung, die wir im Interesse der Gesundung der Gesamtwirtschaft für notwendig hallen, in der Richtung des zielbewußten Aus- baues der Oberhoheit des Staates als Sachwalter der Interessen der Gesamtheit über das private Bankwesen. Aber wenn auch der Wille gefehlt hat und wenn auch dieses Fehldn klarer Zielsetzung in gewissem Umfange Verlegen- heitslösungen an die Stelle einer planvollen und organischen Neugliederung des Bankwesens unter Zusammeiifassnng aller öffentlichen Zweige des Bankwesens gesetzt hat, so sind doch die hohen Funktionäre des Reiches und der Reichsbank wider Willen zu Vollstreckern einer unver- meidlichen Entwicklung geworden. Die Entwicklung hat die ideologischen Vorkämpfer der freien Wirtschaft ge- zwungen, den„Vater Staat", den sie so gerne aus der Wirt- schaft herausdrängen wollen, um Hilfe anzurufen. Der Staat mußte diesem Ruf folgen, weil mit der Erschütterung des Kreditsystems nicht nur die privaten Interessen der unmittel- bar Beteiligten, sondern darüber hinaus Interessen der Gesamtwirtschaft, Arbeitsmöglichkeiten für Millionen bedroht waren. Der Staat konnte mit den Mitteln der Allgemeinheit nicht helfend eingreifen, ohne sich gleichzeitig Einfluß auf die Bankcnführung in erheblichem Umfange zn sichern. Er hat dieser von uns vertretenen Forderung,, enl- sprechend der Einstellung seiner Funktionäre, nur zögernd und unentschlossen nachgegeben. Aber trotz alledem ist etwas dabei herausgekommen, was den Einfluß und die Verantwor- tung des Reiches für das deutsche Bankwesen gewaltig verstärkt hat. Man mag diese Zwischenlösung gemischt- wirtschaftlich oder staatstapitalistisch nennen. Auf jeden Fall werden wir sie nur als einen Uebergang zu neuen Wirtschaftsformen anerkennen, bei denen klarer und eindeutiger die Oberhoheit des Staates als oachtvalter der Interessen der Gesamtheit gegenüber den privatkapitalistischen Interessen gesichert wird. Das Tempo der Entwicklung lKinest auch hier von der politischen Machtgestaltung, von der Stür- kung des Einflusses der Sozialdemokratie, ab. Aber die Eni- Wicklungstendenzen sind so mächtig, daß sich ihnen auch die- jenigen nicht entziehen können, die es als öffentliche Funktionäre noch immer für notwendig halten, sich zn entschuldigen, daß sie mit und nicht gegen den Geist ciucr neuen Zeit wirken müssen. Sämtliche deutschen Großbanken haben auf Grund der internationalen und nationalen Kredit und Wirtschaftskrise von 1931 schwere Berlustc erlitten. Gewiß bestehen. tells zufällig, teils durch die Oualita tsführung bedingte Gradunterschiede. Aber das!•■ ist, daß das Bedürfnis nach B i l a n z b e r c i u'es Bedürfnis Nach Kapitalherabsetzung u eibun- gen und nach Wiederauffüllu- lbgesetzten Kapitals als Kreditgrundlage bei allen graßen Filialbanken gegeben ist, und daß sie, wenn auch in verschiedenen Formen, alle der öffentlichen Hilfe bei der Durchführung der Sanierung nicht entraten können. Es ist bei dieser Lage als zweck- mäßig anzuerkennen, daß man gleichzeitig, mit einem Schlage, die notwendigen Sanierungen duräni-hrt, damit nicht nutzlos neue Einzelbeusrohizunsten und Minden vec- schiebungen sich vollziehen. In jeder kapitalistischen Krise führt der Weg zur Wiedererholung über die Abbuchung von Kapitalverlusten. Man hat sich in Deutschland im Verlauf dieser Krise an vielen Stellen allzu lange gescheut, die wirk- lich eingetretenen Verluste auch buchmäßig durch Kapital- abschreibungen anzuerkennen und dadurch auf neuer Bilanz- grundlage unter Ausmerzung der nicht erhaltbaren Unter- nehinungen die lebensfähigen Unternehmungen neuqr Arbeit entgegenzuführen. Es ist zu begrüßen, daß wenigstens jetzt bei den Großbanken einheitlich eine Bllanzbereinigung und 5lapitalherabsetzung vorgenommen wird. Es ist zu hoffen, daß sie weit genug geführt ist, um die Moglillsteit zu geben, � m Anschluß an die Bänke ilbereinigungauch die erforderlichen Sanierungen durch Strci- chung von Eigenkapital und nötigenfalls von Schulden auf noch un berein igten Industriegebieten vor- zunehmen. Unter diesem Gesichtspunkt kann das Vorwärts- treiben des Sanierungsprozesses der Erleichterung einer Wiederbelebung in der Wirtschaft dienen. Da die Banken als Durchgangsstellen des Kapitalstroms in erster Linie fremde Gelder verwalten, ihre Funktionsfähigkeit also auf dem Vertrauen, das sie genießen, beruht, können ihre Eigenkapitalien nicht beliebig tief herabgesetzt werden, ohne daß eine zwangsläufige Schrumpfung der Kredite ein- tritt. Deshalb mußte nach der Zusammenlegung der Aktienkapitalien, die bei der Dresdner, Danat- und Commerz- und Privatbank im Verhältnis von IV; 3, bei der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft im Verhältnis von 10:-t erfolgt, sogleich eine gewisse Wiederauffüllung von Kapital und Reserven vorgenommen werden. Bei der man- gelnden Aufnahmefähigkeit des privaten deutschen Kapital- Marktes niußte an diesem Punkte die Hilfe der öffentlichen Hand einsetzen. Die beiden schon seit der Julikrise vom Reich betreuten Institute, Dresdner und Danat-Bank, werden fusioniert. Ihr Aktienkapital wird in Zu- kunft zu 150 Millionen beim Reich, zu 50 Millionen bei der der Reichsbank angegliederten Golddiskont- dank liegen, und nur weniger als 30 Millionen A k t i en werden noch in privatenHänden verbleiben. Ueber die Kapitalhingabs hinaus stellt das Reich 23 Mll- {Urnen Mark in Schatzanweisungen als Bilanzreserve und noch weitere Mittel als Liquiditätsreserve zur Verfügung. Es entsteht hier also ein ganz großes, vollkommen vom Reich beherrschtes Institut, das mit allen erdenklichen Sicherungen umgeben wird. In die Commerz- und Privatbank wird der Barm er Bankverein übergehen. Auch das ist charak- teristisch: man zog aus mll der Parole, unter Loslösung von Berlin das regionale Bankwesen in den einzelnen Landes- teilen zu fördern, und man kehrte heim mit der zentralistifchen Angliederung der größten westdeutschen Pröoinzbank an ein Berliner Institut. Der Zwang zur Zentralisierung ist stärker als partikularistische Gefühle. Aull) die erwellerte Commerz- und Privatbank erhält nach der Zusammenlegung von einem Gesamtkapstal von 80 Millionen Mark 5 6 Mit- lionen durch Golddiskontbank und Reich und darüber hinaus Rescroemittel in unverzinslichen Schatzanwei- sungen des Reiches. Also auch hier wird die Mehrheit in Zu- kunft bei der öffentlichen Hand liegen. Etwas anderes ist die Konstruktion bei der D e u t s ch e n B a n k u n d D i s c o n t o- Gesellschaft. Hier werden von 72 Millionen Mark neu auszugebendem Kapital 22 Millionen an private Gruppen gegeben, während die resllichsn 5 0 Millionen, wie es heißt„vorläufig", auch von der Golddiskontbank übernommen werden. Mit Einzelheiten der Sanierungsaktion� wollen wir uns an dieser Stelle nicht beschäftigen. Entscheidend ist, daß. wenn man die unmittelbar von dem Reich in der Form von Schatz- anweisungen und die mittelbar aus öffsilllichen Geldern von der Golddiskontbank zur Verfügung gestellten Summen zu- sammenrechnet, sich ein Einspringen der öffent- lichen Hand ergibt, das mehrere hundert Mil- lionen Mark ausmachen dürfte. Wir glauben, daß auch wenn wir eine mehr von konstruktiven Gedanken als von augenblicklichen Verlegenhellen ausgehende Neugruppierung der Bankenwirtschaft gewünscht hätten— die Hilfeleistung mit Mitteln der Gesamtheit aus diesem Gebiete unvenneidlich und notwendig war, um weitere Kredifftörungen und damll vcr- bundene Wirtschaftsschrumpfungen zu verhüten. Wir be- grüßen es bei dieser Lage, daß an den entscheidenden Stellen dieöffentlicheHand nicht nur zum Gläubiger, sondern zum Kapitalträger der Bankwirtschaft geworden ist. Wir wissen, daß den Bantdirektoren und leider auch manchen Sachwaltern der öffentlichen Hand als Ziel vorschwebt, an- statt die gegebene Lage zum Ausgangspunkt planmäßiger öffentlicher Führung zu machen, möglichst schnell den Weg zur R e p r i v a t i s i e r u n g zu suchen. Gerade well wir diese Einstellung kennen, wird es unsere Aufgabe sein, dafür zu kämpfen, daß dem Schritt vorwärts, der jetzt zwangsläufig in der Ausgestaltung des öffenllichen Einflusses auf die Bankenwirtschaft gegangen worden ist, nicht bald wieder ein Schritt zurück folgt, sondern daß der neue Stand zum Ausgangspunkt einer organischen Zusam- menfafsung aller öffentlichen Kräfte im Bankwesen gemacht wird, mll dem Ziel, der S i ch c- rung staatlicher Herrschaft und Führung im Bankwesen und damll in der Gesamtwirtschaft. Für die Männer, die heute wider ihren Willen die Boll- itrecker einer neuen Wirtschaftsen�wicklung sind, gilt das Wort:„Du denkst zu schieben, doch du wirst geschoben." Für uns Sozialisten gilt es, Macht zu gewinnen, um planmäßig im Einklang»mit den Entwicklungstendenzen der modernen Wirtschaft die Führung auf dem Wege zur Ueberwindung des .Kapitalismus und zum Aufbau des Sozialismus zu über- nehmen. 3n Kaschmir, dem Hochland zwischen Indien und Tibet, hat es recht große Unruhen gegeben. Jetzt ist der Premierminister aus angeblichen Kranthellsgrünbeir zurückgetreten und— ein englischer Ober st Calvin regiert die Bewohner dieses Landes, das in jeder Hinsicht sehr englanldsern ist. Acht Lahre Reichsbanner. Massenkundgebung der Eisernen Front in Magdeburg. Magdeburg, 22. Februar.(Eigenbericht.) Mll einer gewaltigen Massenkundgebung wurde in der großen Stadthalle die achte Wiederkehr des Gründungstages des Reichsbanners gefeiert. Nachdem ein« Reichsbannerkapell« die Kundgebung durch einen Marsch eingeleitet Halle, marschierten unter Trommelwirbel von allen Seiten die Bannerträger, die Gruppen der Roten Falken, die Neich-bannerformationen und die Arbeitersportler in ihrem Dreß ein. Hinter ihnen kamen, von Beifallsstürmen über- schüttet, die Männer und Jünglinge der Hammerschasten. Jeder van ihnen trug einen großen Amboß!)amlner in den Händen. Die fest- gefügten Gruppen formlerten sich aus dem weiten Podium hinter den Trommlern des Reichsbanners. Bon der Bühne grüßten zwei riesige Transparente, die das Symbol der Eisernen Front, den van einer Arbeitersaust umspannten Hammer zeigten. Reichstagsabgeardneter Ferl begrüßte mit dem Hinweis auf den Geburtstag des Reichsbanners die Redner. General von Deimling, der zuerst das Wort nahm, er- klärt«: Wenn ich als 79iährigsr Mann die Ehr« habe, hier vor der Eisernen Front zu sprechen, so deshalb, weil ein alter Soldat seinen Posten nicht verläßt, sondern dem Vaterlande dient, solange er kann. Unser Gelöbnis, das wir am Gründungstage des Reichs- bannvs ablegten, an der deutschen Republik niemals rütkeln zu lassen, gilt auch heute noch, und wir werden es bis zum Ende halten. Deutschland kann nur auf dem Boden des Heu- tigen Staates aus dem Elend herausgeführt werden. Und das weiß niemand besser als der Reichspräsident von Hindenburg, der sich darum bereit erklärt hat, auf seinem verantwortungsvollen Posten weiter zu verharren. So hat er das Angebot des Stahl- Helms, seinen Reichskanzler fallen zu lassen, zurückgewiesen. Im Drllten Reich, das niemals kommen darf, wächst für Deutschland die Gefahr eines neuen Weltkrieges ins Riesenhafte. Die Humanität des Krieges ist schon immer gepriesen worden. Aber jedesmal, wenn die harten Forderungen des Krieges da sind, ist die Phrase von der Humanllät vergessen. Die wahren nationalen Männer in Deutschland sitzen nicht in der Harzburger Front, son- dern sie stehen bei uns in der Eisernen Front. Deshalb bleibe auch ich bei euch und werde mit euch kämpfen bis zum letzten Atemzuge. Nachdem der Beifall sich gelegt hatte, kündigte der Sprechchor den Redner der Sozialdemokratischen Partei, Wilhelm Ditt- mann, an: Das politische Thermometer, sagte Dittmann, steht auf Sturm. Die allen Machthaber, die Deutschland 1914 in den Weltkrieg und 1918 in den Zusammenbruch führten, sind wieder erwacht, Hitler ist staatenlos, well er sich 1912 um seine Dienstpflicht in seiner öfter- reichischen Heimat gedrückt hat. Später wurde er im Kriege in Deutsch- land Freiwilliger, well er sonst an Oesterreich ausgeliefert worden wäre. Die Eiserne Front wird dafür sorgen, daß 1932 Hlller nicht an die Macht kommt, und daß der Faschismus auf den Müllhaufcn der Geschichte geworsen wird. Nacheinander sprachen dann für die in den freien Gewertschafte» organisierten Arbeiter Peter Graßmann, für die Angestellten Siegfried A u f h ä u s« r, der darauf hinwies, daß der Jahres- tag der Bundesgründung des Reichsbanners zusammenfalle mit dem 290. Geburtstage George Washingtons, des großen Vorkämpfers für Freiheit und Demokratie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Albert F a lk e n b e r g rief die Beamten auf, sich in die Eiserne Front einzureihen, und Fritz Wildung ermahnte die Arbellersportler zum festen Durchhalten im Kampf bis zum Siege der Demokratie. Rachspiel zum Reichswehrerlaß. Ein Briefwechsel mit General Schleicher. Genosse Georg Schöpslin übergibt folgenden Briefwechsel der Oeffentlichkell: Generalleutnant v. Schleicher Berlin W 19, 16. Februar 1932. Reichsweh rministerium. Sehr geehrter Herr Schöpslin! Sie haben im„Vorwärts" einen Artoikel erscheinen lassen, der mich recht unangenehm berührt hat. Vor allen Dingen, weil er wenig schöne z�e r s ö n l i ch e Angriffe euch alt, eine Kampfesweise. die ich bei Ihnen noch niemals bemerkt habe. Ich bin Kummer gewöhnt. Es berührt mich aber immer wieder schmerzlich, wenn ich einen Menschen, den ich bisher bei allem sachlichen Gegensatz stets besonders hoch geschätzt habe, aus der Liste der ritterlich Kämpfenden streickzen muß. Wir kennen uns so lange, daß es für Sie ein leichtes gewesen wäre, den Weg zu mir zu finden, bevor Sie einen zwar sensationell ausgemachten/ aber sachlich durchaus unrichtigen Artikel über mich veröffentlichen. Es wäre Ihnen dann erspart geblieben, völlig falsche Behauptungen über mein« Person und meine Motive aus- zustellen. Ich hätte von Ihnen, sehr geehrter Harr Schöpflin, nach Ihrer langen und intensiven Kenntnis der Dinge annehmen können, daß Sie wissen, daß das Reichswshrministerium, als dessen treibender Faktor Sie mich ja ansehen, seit seinem Bestehen stets dieselbe Linie verfolgt hat, nämlich die Linie, lediglich dem Staat zu dienen und sich den Interessen keiner Partei dienstbar zu machen. Lesen Sie einmal alle Reden und Kundgebungen des Herrn Reichswshrministers aus den letzten Jahren und den vom Ministeramt herausgegebenen „Leitfaden für Crzichung und Unterricht im Heere" über die Ein- stzllung der Wehrmacht zum Staate, so werden Sie diese Tatsache immer' bestätigt finden. Ueber die gröbsten sachlichen Unrichtigkeiten sind Sie bereits durch die Richtigstellung in der Pressekonferenz unter- richtet worden. Ich stehe Ihnen aber selbstverständlich auch noch zu einer mündlichen näheren Erläuterung zur Verfügung, falls Ihnen Agitation nicht wichtiger sein szllte als die Wahrheit. Ich darf von Ihrer Loyalität örwarten, daß Sie auch diesen Brief den Lesarn das„Vorwärts" nicht vorenthalten werden und bin mll dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochacktung Ihr sehr ergebener v. Schleicher. Auf dies Schreiben erhielt General von Schleicher die folgende Antwort: G e o r g S ch ö p f l i n, M. d. R. Karlsruhe. 29. Februar 1932. Sehr geohrier Herr General. Wunschgemäß habe ich den Wortlaut Ihres Briefes dem gleichen Korrespondenzbüro zur Weitergabe an die Presse übermittelt, das meinen Artikel den Zeitungen zugänglich gemacht hat. Sie sind durch meinen Artikel„sehr unangenehm berührt", sehr geehrter Herr General, und Sie haben mül)„aus der Liste der ritterlich Kämpfenden" gestrichen. Dagegen kann ich mich mit Erfolg nicht wehren, es gereicht mir aber immerhin zur Genugtuung, daß Sie. Herr General, mir im gleichen Briese bescheinigen, daß Sie eine„wenig schöne persönliche" Kampfesweise bisher bei mir nicht bemerkt haben. Während der nunmehr vierzig Jahre öffent- l icher politischer und rund neuirundzwanzig Jahre parlamentarischer Tätigkeit habe ich stets den allergrößten Wert darauf gelegt, daß mir d:r Vorwurf der persönlich gehässigen und unchrkchen Kampfssweiso erspart bleibt. Zum ersten Male während dies«? immerhin langen Zell trifft mich aus Ihrem Briefe heraus ein solch harter Vorwurf. Es ist durchaus richtig, Herr General, daß der Ton in meinem Artikel in eurem schroffen Gegensatz zu den Gepflogenheiten steht, die wir bisher und sell ungefähr zwölf Iahren sowohl im schriftlichen wie mündlichen Verkehr gogmrsellig beachtet haben. Herr General? Sie schreiben mir:.Ich bin Kummer gewohnt." Glaube ich gern. Aber, Herr General, wir deutschen Repitblikairer, die wir in unzerstörbarer Liebe und Treue zum deutschen Potte und zum deutschen Vaterlande stehen, gelellet von der klaren Erkenntnis, daß das deutsche Voll seinen schweren Weg ins Freie aus der heutigen Bedrängnis und kllot nur mit Erfolg wird gehen können. wenn die republikanisch- demokratische Grundlag« des Reichs und seiner Länder nicht nur erhallen bleibt, sondern b e f e st i g t wird, wir sind auch an Kummer gewöhnt worden. Und aus dem„BonWerblcck" heraus. Herr General, in dem Sie eine so entscheidende Stellung inne haben, ist uns such des Kummers wahrlich gelruq beschert worden. Für den so unglückseligen Erlaß des Reichswehrministeriums der in allen republikanischen Kreisen ohne Unterschied der Partei eine so tiefe und berechtigte Erbitterung ausgelöst hat, mache ich ; Sie, Herr General, in der Hauptsache verant- " wortlich. Ich lasse es dahingestellt, ob der Erlaß von Ihnen ausgeht, vielleicht als polllische Nachwirkung des bekannten Früh- stücks mit Herrn Adolf Hitter, aber wenn auch nicht. Sie. Herr General, gerade Sie mußten ihn verhindern, wenn eine andere Stelle die Initiative zu dem Erlaß ergriffen haben sollte. Lagen etwa militärische Notwendigkeiten für einen solchen Erlaß vor? Nein! Der Andrang zur Reichswehr und zur Reichsmarine ist, veranlaßt durch die surchtlare Wirtschastsnot, so stark, daß die Reichswehr müheloz ihren Personalstand aus aus- gesuchten Anwärtern verdoppeln könnt«, wenn das möglich wäre. Darüber, 5)err General, können alle Offiziere Sie belehren die die Einstellung von Anwärtern zu bearbeiten haben, ebensowohl auch die Abgeordneten der meisten Parteien, an die zahlreich Sie Gesuche um Befürwortung der Aufnahme in die. Reichswehr heran- treten.'" Die Reichswehr hat Ersatz in Hülle und Fülle; für die' Mannschaften, für die Offiziere. Wso sind es politische Gründe und Erwägungen gewesen, die den Erlaß gezelligt haben. Das R« i ch s w e h r m i n i st« r i u m hat einen Kurswechsel gegenüber der NaLonalsozialistischen Partei vollzogen, der nur noch schwer rein taktisch betrachtet werden kann. Täglich erklären in Hunderten von Versammlungen, in zahl- losen Zeitungsartikeln und Flugschriften die Herren Nationalsozia- listen, daß sie, zur Macht gelangt, dieses„System", d. h. die Weimarer Verfassung und die staatsrechtliche Grundlage des heutigen Staates restlos zerschlagen und dlejenigen, die diesen Staat ge- schaffen, bisher erhalten uiiid verteidigt haben, materiell und physisä» vernichten werden. Vielleicht hat Ihnen, Herr General, Herr Adolf Hlller bei mündlichen Unterredungen„Versicherungen" der„Legali- tat" abgegeben. Aber, was sind dies«„Versicherungen" schon wert angesichts der Tatsache, daß ausnahmslos alle Unter- führer der nationalsoziolistisä-en Bewegung täglich die Gewalt- anwendung und die gründliche Zerstörung der heutigen Staate- form propagieren? Herr Hitler hat wiederholt erklärt, daß i n seiner Partei nichts ohne seine Kenntnis und nichts ohne feine Billigung geschehen könne. Also killigt er, wenn man seinen Worten Glauben säz-nkt, was seine Unterführer erklären. Und da erleben wir das Schauspiel, daß ausgerechnet das R« i ch e w e h r m i N i st e r i u in es fertig bringt, zu sagen, man könne eine Partei nicht entscheidend danach beurteilen, was einzelne nicht in erller Linie verantwortliche und maßgebende Persönlichkeiten sagen! Die Partei, deren Unterführer konsequent verkünden, daß sie die heutig« Staatsform zerschlagen wollen, wind durch den Erlaß des Reichsroehrministeriums nicht nur„legalisiert", sondern förmlich auch noch vor aller Oeffentlichkell entschuldigt. Daß das geschehen konnte, dafür sind Sie. Herr General, verantwortlich. Der Erlaß war-in politischer Akt, denn mllllarische Notwendigkeiten oder Er- foiüernlsse haben ihn nicht bedingt. Und Sie sind der Mann der polltisch ea Geschehens im R e i ch s w« h r m i n i- st e r i u m. Zu meinem lebhaften und, Sie dürfen sich dessen versichert halten. Herr General, aulrichtig-en Bedauern, bin ich nicht in der Lag«, die sachlich- Schärfe jetzt zu mildern, die in meiner kritischen Betrachtung des Erlasses enthalten ist. Genehmigen Sie den'Ausdrllck ausaezeichneter Hochachtung, Ihr ergsbener Georg Schöpflin. Briefwechsel Groener-Hö'ierwann. In der politischen Diskussion der letzten Tage hat der jüngste Erlaß des Reichswehrministsrs, der Nationalsozialisten den Zutritt zur Reichswehr ermöglicht und Ausführungen u. a. auch über das Reichsbanner enthalt, eine gewisse Rolle gespielt. Der Bmchesführer des Reichsbanners, Höltermann, hat wegen dieses Erlasses einen Brief an den Reichswehrminister Groener gerichtet, worin um eine Interpretation der Verfügung Groener? gebeten wird. Die Ant- mort des Reichswehrministers wird für Dienstag erwartet, so daß mll der Veröffentlichung dieses Briefwechsels spätestens Mittwoch früh zu rechnen ist. Der ungarisch« Slaalssekreiär a. D. Emmerich Drchr wurde wegen Beruvtreuilnoen im Boklswohlfahrtsministerium zu Amts- Verlust, endgültiger Entziehung seiner Pension und 87 7S? Pengä Schadenersatz verurteill, die er binnen 69 Tagen zahlen muß. Oskars Heldentaten.; Der rettende Herzkrampf- ein verunglückter Frontausflvg Unsere Nachfrage nach den Heldentaten des deutschnationalen Hohenzollcrn-Oskar haben uns eine Anzahl sehr interessanter Zu- schriften von Kriegsteilnehmern eingebracht. Ein Leser, der beim Grenadierregiment König Wilhelm I. den Feldzug mitgemacht hat, dessen„Kommandeur"(pro lorma) Oskar war, verweist uns auf die gedruckte Regimentsgeschichte. Diese verherrlicht zunächst in byzantinischem Ueberschwang den Helden Oskar bei Schilderung eines Angrifss auf die Maashöhen(Seite 141). So liest man: Mitten unter den vordersten Abteilungen, die so todesmutig vorstürmten, befand sich unser Regimentskommandeur, S. Kgb H. Prinz Oskar von Preußen. Nicht achtend des ununterbrochenen Gewehr- und Schrapnellfeucrs stand der Prinz aufrecht, in der Hemd das Gewehr eines Gefallenen haltend, und gab den neben ihm stehenden Führern ruhig seine Befehls. Begeistert schauten unsere Leute zu ihrem prinzlichen Führer auf, den sie, jeder Gefahr trotzend, so heldenhaft unter sich sahen, usw. usw. Hierzu bemerkt unser Einsender mit Recht, daß jeder«in- fache Soldat, der sich anders verhalten hätte, wegen Feigheit vor dem Feinde schwer be st rast worden wäre Aber schon zwei Seiten später(Seite 143) nimmt das Heldentum Oskars einen höchst kläglichen Ausgang. Die Regunentsgeschichte meldet: Unser Regimentskommandeur, Prinz Oskar, war infolge der seelischen und körperlichen Anstrengungen des Kampfes schwer erkrankt. Herzkrämpfe machten es unserem hohen Führer unmöglich, weiterhin an der Spitze des Regiments zu verbleiben. Mitten im siegreichen Vordringen hatten ihn feine Kräfte verlassen... Hiernach fuhr Prinz Oskar nach Metz zurück. Herzkrämpfe durfte sich der simple Soldat nach noch so gewaltigen Anstrengungen nicht leisten. Der Herr Stabsarzt hätte ihn nicht nach Metz, sondern als„Drückeberger" und„Simulant" schleunigst an die Front zurückgeschickt. Erinnert man sich noch an das Schicksal des Kriegsfreiwilligen Helmhake? Bei dreißig Grad Kälte war er i» den Hochkarpathen auf den Tod erkrankt. Der Stabsarzt weigerte sich, Helmhake nach hinten zu schicken. Sein Leutnant H i l l e r ließ ihn als„Simulanten" in einen eiskalten Unter st and ahn«Nahrung einsperren. Als Helmhake sich beim Major von Köhler beschwerte, wurde er zur Strafe stundenlang an einen Baum gebunden(!). Kurz darauf ist H. an Krankheit, Kälte. Hunger und Erschöpfung gestorben. Die Rechts- presse hat dies Verfahren des Leutnants Hiller im Interesse der „Disziplin" gelobt. Welch Unterschied in der Behandlung eines Oskar und eines Helmhake! Wie es sich mit Oskars Verwundung verhält, darüber teilt uns ein früherer Angehöriger des Reserveinfanterieregiments 261 folgendes mit: Das Regiment lag ungefähr 13 bis 2l) Kilometer von Smorgon (Rußland) bei einem Dorfe Sutzko auf etwa 800 bis 1 Meter den Russen gegenüber. Am 6. Februar 1916 sollte eine Besichtigung durch Hindenburg stattfinden der jedoch absagte. Statt seiner er- schienen Prinz Oskar, General Eichhorn, General L i tz- mann und viele andere hohe Tiere. Die Herren benahmen sich jedoch skandalös unvorsichtig, sie behielten ihre hohen Mützen auf, traten in Gruppen auf usw., so daß die russischen Fesselballons sehr bald das ungewohnte Treiben im Graben entdeckten. Nach wenigen Minuten schoß die russische Artillerie genau nach der Stelle des Besuches. Dabei wurde einem Oberstleutnant von Mengelbicr glatt der Kopf vom Rumpfe getrennt. Oskar bekam einen Splitter in den Oberschenkel ab. Der pompöse Besuch endete mit einer überstürzten Flucht der hohen Gäste nach hinten. Der Sanitäter, der Oskap verband und abtransportierte, durfte dafür 14 Tage später ein Bild des Geretteten und 20 M. in Empfang nehmen. Die Frontsoldaten wird es gewiß sehr wundern, wenn dieser Betriebsunfall bei einem fürwitzigen Besuch mit ihren Leiden, Mühen und Gefahren auf gleichen Fuß gestellt wird. Der kosispieiige Landhund. protesifchkist 0es Avgeordneien Oori'ck»/ Er muß es wissen D arm st ad t. 22. Februar.(Clgenbericht.) Der Reichslagsabgeordnete des hessischen Landbundes Dorsch ist aus dem hessischen Landbund und dem Reichslaod- bund ausgetreten. Aus dem hessischen Landbund wegen dessen poli- tischer Neutralitätserklärung, die nur eine verkappte Offeuholtung gegenüber den Nazis bedeitte, und aus dem Reichelandbuod wegen dessen Ablehnung der Kandidatur hindenburg? als Reichspräsident. 3n einem Schreiben au ein oberhessisches Blatt bemerkte Dorsch zu seinem Auetrill:„Wenn Präsidium und Vorstand des Reichs- landduudes glauben, in dieser Schicksalsfrage für alle Landbund- Mitglieder sprechen zu können, dann werden sie sich täuschen. Wo war in der Zeil des Zusammenbruch» die sogenannte„nationale Opposition"?" „Wir fchemt— so schließt Dorsch sein Schreiben—. daß die Leitung des Reichslandbundcs mit vier Präsidenten und drei hochbezahlten, auf Lebenszeit angestellten Direktoren für die verarmte Landwirtschosl zu kostspielig ist." Stürme der Begeisterung... Oer Arbeitsplan des Reichstags. Noch heute Dienslaa Rede ves Reichskanzlers. Der Reichstag tritt am Dienstag zwecks Beschlußfassung über den Termin der Reichsvräsidcntenwahl zu einer kurzen Tagung zusammen. In der Dienstagsitzung wird zunächst Reichsmimster Groener dem Parlament eine Vorlage über den Termin der Reichs- Präsidentenwahl, den 13. März, unterbreiten. Anschließend bcab- sichtigt der Reichskanzler Dr. Brüning das Wort zu nehmen. Die anschließende Debatte über die Innen- und Außenpolitik der Reichs- rsgierung dürfte am Freitag mit der Abstimmung über die Miß- trauonsanträge der Opposition beendet werden Von Dienstag bis Freitag. Der Aeltestenrat des Reichstags beschloß am Montag, daß m.t der Beratung der Vorlage über den Termin der Reichspräsidentenwahl in der am Dienstag beginnenden Beratung de» Reichstags die Mißtrauensanträge sowie die Anträge auf Aus» lösung des Reichstags verbunden werden sollen, desgleichen die von den Parteien gestellten neiien Anträge. Die Redezeit wurde iür jede Fraktion auf eins Gesamldauer von drei Stunden festgesetzt. Staatssekretär P ü n d e r äußerte für die Reichsregierung den Wunsch, daß sich der Reichstag jetzt auf die Fesis.-ßung des Termins der Reichspräsidentenwahl beichränken möge. Ein neuer Termin für den Zusammentritt des Reichstags könne für die Zeit nach der Erledigung der Reichspräsidentenwahl in Aussicht genommen werden. Ein entsprechender Beschluß wurde jedoch nicht gefaßt. ... erweckte in einer nationalsozialistischen Versammlung die Vorstellung des Kandidaten! Die Schlacht um Schanghai. Japaner zurückgedrängi.- Chinesen schießen falsch. London. 22. Februar.(Eigenbericht.) An der Front nördlich von Schanghai waren die militärischen Operationen der Japaner am Montag noch weniger erfolg- r e i ch als in den letzten Tagen. Ein Gegenstoß der Chinesen warf die Japaner bei Kiangwan zurück. Im Westen drangen jedoch die � Japaner vor. Dauerregen erschwert das Vordringen der Japaner. Sie erwarte» Verstärkungen. Die Chinesen sollen nach Meldungen aus Nanking mi� einem Krieg von langer Dauer rechnen und dem- entsprechend Kriegsmaterial kaufen. Die Verluste der Chinesen aus den letzten Tagen werden auf 500 Tote und 1500 Verletzte geschätzt. Die Japaner hatten nach offiziellen Angaben 300 Tote, in Wirklichkeit aber dürften ihre Verluste wesentlich größer sein. �................. In den Abendstunden des Montag begann die chinesische Ar- tillerie mit Achtzollgeschützen(20,32 Zentimeter) den japanischen Teil der internationalen Zone zu beschießen. Zahlreiche Zivil- Personen wurden verletzt. Das Ziel der Geschosse war das japa- nisch« Konsulat. Das chinesische Feuer wurde von den japa- Nischen Schissen beantwortet. Vorher hatten chinesische Soldaten auf amerikanische Marinesoldaten, die an der Grenze der internationalen Zone Wache hielten, geschossen. Sie hielten sie wegen ihrer blauen Uniformen für Japaner. In der internationalen Zone erging allgemein die Aufforderung, bei der Räumung Frauen und Kindern den Vortritt zu lassen und möglichst viele Eßwaren mit- zunehmen. Die Flüchtlinge sollen in Konzentrationslagern untergebracht werden. Man hofft noch immer, daß die Räumung nicht nötig sein wird. Japan verhöhnt den Völkerbund. Tokio, 22. Februar. 3 a p a n» Antwort auf den Appell der Ratxmächke wird heute Nachmittag abgehen. Wie verlautet, wird darin u. o. daraus hingewiesen werden, daß der völkerbundspakt nicht aus China angewendet werden könne, da dieses infolge der dort dauernd herrschenden Unordnung, de» Bürgerkriege» und der Anarchie nicht als organisierter Staat angesehen werden könne. Darüber, ob China ein„organisierter Staat" ist oder nicht, kann jedenfalls Japan auf eigene Faust nicht entscheiden. Da» wäre ia zu einfach: man überfällt einen Schwächeren ohne Kriegzerklä- rung, und wenn sich dieser hilfesuchend an den Völkerbund wendet, antwortet man schnoddrig:„Das geht den Völkerbund nichts an— in diesem Staat herrscht Unordnung, und damit basta!" Japan wählt. T o k i o, 22. Februar. Das vollständige Wahlergebnis ist: Seiyukal(Regierungspartei)....30! Sitze Minseilo(Opposition)...... 149, Pro let ar terp arte i..... 5, Üebrige Parteien.......: 11» Dies war die dritte Wahl seit der Wahlreform von 1925. Diese Wahl brachte zum ersten Male einen Koreaner auf die Kau- didatenlifte. Die Seijukai war im alten Parlament in der Minderheit. Die Seijukai, die etwa den europäischen Konservativen gleich- kommt, hat seit ihrer Amtsübernahme im vergangenen Dezember für einen günstigen Ausgang der Wahlen viele Posten von Prooln- zialgouverneuren und Polizeichefs mit Parteileuten besetzt. Der Kampsruf'des Seijukaiprogramms heißt:„Wohlfahrt" (Prosperität). Sie beschuldigen die Minseito-Leute, die Wirtschosts- krlse durch das zu lange Beibehalten des Goldstandards verschärft zu haben. Die Seljukai-Regierung beschloß sofort nach ihrer Amtsübernahme im Dezember das Abgehen vom Goldstand.: rd. Als großen Vorteil haben sie zu buchen, daß während der Zeit des größten wirtschaftlichen Niederganzes die Gegenpartei am Ruder war. Zu den Ereignissen in China haben beide Parteien die gleiche Haltung eingenommen, aber im ganzen hat der chinesische Konflikt keine große Rolle bei den Wahlen gespielt, zumal die Parteien niemals einen ausschlaggebenden Einfluß auf die voll- kommen unabhängigen Militärbehörden, die nur dem Kaiser unter- stehen, gewonnen haben. Im übrigen ist zu beachten, daß es sich hier nicht wie in Europa um zwei scharf getrennte Interessen- oder Weltanschauungsparteien, sondern um zwei Parteiorganisationen traditionellen und persönlichen Charakters etwa nach amerikanischem Muster handelt. Mobiimachung sür blutigen Wahckampf Heereslikfcrunsen für die SA. der NEOAY. Bei der V e r b a n d st o f s a b r i k Paul Hartmann A.-G. in Heidenheim(Bergstraße) ist vom 15. Februar ab die Arbeits- zeit von 43 auf 50 und 52 Stunden erhöht worden. Der Betrieb beschäftigt rund 500 Personen. Die Ursache für diese Ar- beitszeitverlängerung liegt darin, Laß die Firma starke Aufträge sür SA.-Be r b a n dp a k e t e(Verbandpäckchen für erste Hilfe) er- hallen hat. Die Bestellungen gehen in die Hundert- tausend« von Päckchen und sind direkt von Mün» ch en der Firma zugeschrieben. Bon München werden die SA.- und SS.-Formationen in ollen Gauen versorgt. Die Leitung im Braunen Haus in München richtet sich also heute schon darauf ein, daß die bevorstehenden Wahlkämpfe zahl- reickze Blutopser fordern! Es ist notwendig, daß. nicht nur die Oesfenllichkeit, sondern auch die Sicherheitsorgane hiervon Kenntnis nehmen! Bewaffneie Nazis als Verbrecher. Darmsladt, 22. Februar.(Eigenbericht.) 3n Eich(Rheinhessen) schoß ein Nazi aus Hamm zwei Kommunisten in die Beine. Einem zweiten Nazi aus Hamm wurde ein gezückter Dolch abgenommen. Beide sind ge- ständig. Sie hatten sich vorher in einer Wirtschaft mit ihrer Stärke aebrüslet. Als sie dann am Orleausgang mehrere Kommunisten stehen sahen, griffen die Maulhelden ohne jede Veranlassung zu ihren; Mordwaffen. Oesterreich-Prozeß in Berlin. Freisprechung aus H-193. Das Amtsgericht Berlin-Mitte verhandelte eine Privatbeleidigungsklage eines Dr. B e s m c r t n y gegen den Redakteur der Zeitschrift„Oesterreich-Deiitschland", Dr. Öli schier. In einer Zeitschrift„Neue Revue", herausgegeben yon Herrn v. Gontard jr. hatte die Kläger gegen den Anschlußgedonken geschrieben, dabei Deutschösterreich als korrumpiert hingestellt, wo? besonders mit dem österreichischen Einsührungsnwnopol für Mineralwasser illustriert wurde. In der Zeitschrift„Oesterreich- Deutschland" wurde darauf dem Kläger vorgeworfen, er sei wobl von der deutschen Mincralwasserindusirie bestochen worden. Die Prioatbeleidigungskloge sollte eigentlich den Presserescrenten der österreichischen Gesandtschaft, Dr. Wasserböck, al? Verfasser jener Erwiderung treffen: da dieser jedoch exterritorial ist. konnte er nicht verklagt werden. Das Gericht sprach M i s ch l e r frei. Der Artikel sagt, die Be- gründung enthält wohl eine Beleidigung: sein« Vorwürfe gegen Besmortny seien zu unrecht erhoben, doch stehe dem Angeklagten der ß 193. Wahrung berechtigter Interessen, z-ir Seite. Tod des Hamburger Wachtmeisters. Hamburg, 22. Februar.(Eigenbericht.) Der P o l i z e l w a ch l m e i st e r. der am 14. Februar an» geschossen wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. Der Wachtmeister wurde bei einem Zusammenstoß mit Kommunisten schwer verwundet. Also doch Putschabsichten. Warum Hitler die Betriebe erobern will. Die Reichsleitung der NSDAP, wird, wenn es so weiter geht, nächstens jeden Tag einen Geheimerlaß über den Ausbau ihrer Betriebszellenorganisation herausgeben. Nun ist schon wieder von München aus«in NSBO.- Gchcnnerlaß ins Land gegangen. Der ist datiert vom 10. Februar 19ZZ. Die Nazireichsleitung, die mit ihrer NSBO. verdammt un- zusrieden sein muß, hat jetzt angeordnet, daß jedes Parteimitglied. das Arbeitnehmer ist, gleichzeitig der ZiSBO. beizutreten habe. Man wolle auf diese Weise den einzelnen Zellen eine„größere Arbeits- Plattform" geben. Jedes Parteimitglied habe als Nationalsozialist die Verpflichtung zum Kampf gegen den Marxismus. Der Marxis- mus habe aber gerade in den Betrieben feine größten Reservoirs. Jeder Ortsgruppen-Betriebswart müsse nochmals sofort die Orts» gruppenkartci durchsehen und säumige Parteimitglieder zum Eintritt in die NSB0. aussordern. Ebenso müsse jeder Amtswalter der NSBO. in der nächsten Zeit die Parteimitgliedschaft seiner Umgebung noch ihrer Zugehörigkeit zur NSBO. befragen. Warum das alles? Aus zwei Gründen:„Unsere Zellen", so heißt es in dem Geheimerlaß der Rcichsleitung,„müssen so stark sein, »m alle lebenswichtigen Arbeiten bei kommender Gelegenheit selbst auszuführen. Kapp-Putsch-Erscheinungea dürfen sich nicht wiederholen." Die Herrschasten wallen also doch putschen. Sie sind nicht sicher, ob sie auf„legalem" Weg zur Macht kommen, und deshalb bildet der Staats st reich nach wie vor eine Haupt- rolle in ihren Plänen. Deshalb ihr krampfhafter Versuch, durch eine Betriebszellenorganisation die Gewerkschaften schachmatt zu setzen. Der zweite Grund, den die Nazireichslcitung für die Notwendig- keit der NSBO. angibt, ist ein schlagender Beweis für die F r i v o- l i t ä t, mit der die Hitler-Bewegung zur Macht strebt.„D i e Uebernahme der Macht"— so sagt die Rcichsleitung in ihrem Geheimerlaß—„wird uns vor schwierigste Ausgaben stellen, denen wir unbedingt gewachsen sein müssen." „Für die NSBO. ist mit Wirkung vom 1. Januar ein Facharbeiter fiir Erwerbslosenfragen bestimmt worden. Don diesem wird in nächster Zeit Sonderschulungsmoteriol für Erwerbslosen- fragen herausgegeben werden. Dieses Material muß durch die ein- zelnen Gairbetriebszellen-Abteilungen angefordert werden. An allen Stempelstellen müssen unsere Erwerbslosen als beste Propagandisten auftreten können. Nationalsozialistische Betriebsräte oder NSBO.-Mitgliedcr, die als solche ausersehen waren oder sind, müssen mit Fragen ihres Arbeitsgebietes aufs genaueste vertraut gemacht werden. An ollen Orten und in allen Gauen müssen Arbeits- gemeiistchalten nationalsozialistischer Betriebsräte aufgezogen werden. Dadurch soll unseren Betriebsräten Gelegenheit geboten werden, Erfahrungen untereinander auszutauschen, mn sich so schon selbst weiterzubilden." Also morgen wollen die Herrschasten dos Dritt« Reich in Deutschland einführen, und zwölf Stunden vorher sangen sie schon an, sich mit sozial- politischen Fragen zu beschäftigen. Die Herrschaften haben, wie aus ihrem Geheimerlaß ganz deutlich hervorgeht, von diesen Dingen keine blasse Ahnung. Sozial- politische Fachleute sind— wie wir darüber hinaus verraten wollen— bei den Parteibuchnazis ein sehr gesuchter Artikel. Trotz- dem wollen sie den Arbeiter schulmeistern und im Betrieb wie in der Politik kommandieren. Nur Nazisrechhcit ist dazu sähig. Die Herrschaften sollten sich zunächst einmal ein paar Jahre aus ihren Hosenboden setzen und etwas lernen, bevor sie von sozialen Dingen reden, geschweige denn die Gewerkschaften ablösen wollen. Was den Gelben und den Kommunisten nicht ge- lang, wird den Hitler-Brüdern am allerwenigsten gelingen. Auch die von der Nazireichsleilung angeordnete A u s s p i o n i e r u n g der Namen und Wohnungen der Gewerks chasts- f u n k t i o n ä r e wird daran nichts ändern. Diese Funktionäre sind mit dem Arbeiterverratsgeschrei der Kommunisten fertig ge- worden, sie werden auch mit der Frage der Nazireichsleitung noch der„Arbeiteroerratspolitik der SPD." fertig werden. Der Buchdruckerkonflikt. Schiedsamt weist Klage ab.- Freitag Entscheidung. Am Sonnabend und Sonntag haben die Belegschaften der Berliner Buchdruckereien, die ihren Arbeitern einen Abbau der über- tariflichen Zulagen auszwingen wollen, zu dem herausfordernden Vorgehen der Unternehmer nochmals Stellung genommen. In den Versammlungen ergab sich für die Gcsamtlage in den Berliner Buch- druckereien folgendes Bild: Bei der Firma B ll x e n st e i n, die vor kurzem ebenfalls den Abbau der übertariflichen Verdienste angekündigt hatte, besteht kein Konflikt, weil die Finna am Freitag keine Kündigungen ausgesprochen hat. Demzufolge sind auch von dem Personal keine Kündigungen eingereicht worden. Auch bei der Firma G r e v e. in der die„Deutsche Allgemeine Zeitung" gedruckt wird, hat sich die Lage nicht zugespitzt. Die Firma hat zwar eine Kürzung der übertarislichen Zulagen bis zu 7 Mark pro Woche, das sind 18,5 Proz., verlangt; obwohl dieses Ansinnen von der Belegschaft einmütig abgelehnt wurde, hat die Finna bis jetzt von Kündigungen Abstand genommen. Die Firmen Elsner und Langenjchcidt haben beim Berliner Schiedsamt der Buchdrucker eine Klage eingereicht! Sie beantragen die Feststellung, daß die Kündigungen der Arbeiter t a r i f w i d r i g sind, weil in dem Tarifvertrag für das Buchdruck- gewerbe Massenkündigungen untersagt sind. In diesen beiden Betrieben wurde ein Abbau der übertarislichen Verdienste um 50 Proz. gefordert. Das Schiedsamt der Buch- druckcr verhandelte gestern nachmittag über die Klagen der Firmen Otto Elsner und Langenscheidt. Beide Klogen wurden vom Schieds- aint mit Stimmengleichheit abgewiesen. Die Ge- hilfenoertreter nahmen den Standpunkt ein, daß diese Massen- kündigungen keine Tarifverketzungen seien, während die Prinzipale der Ansicht sind, daß hiermit der§ 1 Ziffer 2 des Tarifs verletzt sei. Den Firmen steht das Recht zu, innerhalb vierzehn Tagen Berufung beim Neichsfchiedsamt der Buchdrucker ein- zulegen. Die Belegschaft der„Deutschen Tageszeitung" hat am Sonntag nochmals zu der Abbouforderung ihrer Betriebsleitung Stellung genommen. Die Firma, die zuerst einen Abbau der über- tariflichen Verdienste um 50 Proz. forderte, hat ihre Forderung beretts auf 20 Proz. reduziert. Die Belegschaft hat auch dieses An- sinnen einmütig zurückgewiesen. Bei der„Deutschen Tageszeitung" sind bis jetzt weder von der Firmenlcitung noch von dem Personal Kündigungen ausgesprochen worden. Bei der Firma Langenscheidt, die ebenfalls einen Zvprozentigen Abbau der übertarislichen Verdienste verlangt, ist die Lage nach wie vor äußerst zugespitzt. Die Gesamtbelegschaft steht seit Freitag im Kündigungsverhältnis. Die Situation im Berliner Buchdruckgewcrbe ist äußer st gespannt. Die graphischen Arbeiter sind der Meinung, daß nahezu 19 Proz. Lohn- abbau, dazu Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit mehr als genug sind. Sie sind fest entschlossen, jedem weiteren Lohnabbau entschlossen Wider stand zu leisten. Am Freitag läuft die Kündigungsfrist ab. Die Unternehmer haben also nur noch wenige Tage zur Umkehr. Graphische Arbeiter in Eiserner Krönt. Die graphisch« Arbeiterschaft Berlins legte am Somttagvor- mittag in den Kammersälen in einer gutbesuchten Kundgebung «in Bekenntnis unverbrüchlicher Treue für oie Eiserne Front ab. Es sprach zu ihnen Reichstagsabgeordneter Genosse Tornow. Er führte den Bcrsammelren durch anschauliche Beispiele vor Augen, wie durch dos Erstarken des Faschismus die Wirt- schaftskrise in Deutschland, die keine spezifisch deutsch«, sondern ein« internationale Krise ist, bis zur Unerträglichkeit verschärft worden ist. An der internationalen Berflechtting der Wirtschaft wies er nach, wie unsinnig die Pläne einer wirtschaftlichen Autarkie Deutschlands sind, die auch von den Nationalsozialisten propagiert werden. Die Eiserne Front ist nicht nur ein Schutzwall gegen die politische Reaktion, die der Faschismus verkörpert, zugleich auch«in Staudamm gegen die sozialreaktionären und wirt- fchastlich rückwärts orientierten Bestrebungen des Unternehmer- ttims. Die Eiserne Front, zu deren Bildung erst vor wenigen Wochen aufgerufen wurde, und die heute bereits im ganzen Reich wie eine N tauer steht, wird dafür sorgen, daß dem Faschismus in diesem Jahr nicht der lang ersehnte Sieg zufällt, sondern daß ihm eine vernichtende Niederlage bereitet wird. Am 13. März, dem Tag« der Reichspräsidentenwahl, muß dem Faschismus der schwerste Schlag versetzt werden. An diesem Entscheidungstage für die deutsche Republik wird die Eisern« Front alles aufbieten, um zu verhindern, daß aus dein Neichspräsidenitenjtuhl ein elektrischer Richlstuhl für die Republik und die Demokratie gemacht wird. Stürmischer Beifall folgt« den Ausführungen des Ge- nassen Tornow. Die eindrucksvolle Kundgebung wurde durch Kampflieder umrahmt, die ein gemeinsamer Ehor der graphischen Gesangverein«„Typographia" und„Solidarität" vortrug. Billiges Brot? Goerdeler, der Sozialabbaukommistar. Die„Einigkeit", das Organ des Verbandes der Nahrungs- mittel- und Gettänkearbeitcr, nimmt in ihrer letzten Nummer scharf gegen die Pläne des Prcisüberwachungskommissars Dr. G o e r- deler Stellung, die eine Lockerung des Nachtback- Verbots bezwecken. Dr. Gocrdclcr steht, wie verlautet, mit den Brotfabrikantcn in Verhandlungen wegen der Lockerung des Nachtbackvcrbotes, von der er sich eine Senkung des Preises für Fabrikbrot verspricht. Gegenstand der Bcr- Handlungen ist die Frage, ob nicht durch gewisse Vorarbeiten v o r 5 Uhr morgens, wie z. B. das Ansäuern, oder durch eine Belieferung der Verkaufsstellen der Brotsabriken schon vor? Uhr die angestrebte Preissenkung herbeigeführt werden könne. Die„Einigkeit" erinnert im Zusammenhang mit den Mittel- lungen der Tagespresse über diese Verhandlungen daran, daß die Brotfabrikanteu selbst den Plan auf Zulassung der Nachtarbeit nicht mehr verfolgen, da auch sie der Meinung sind, daß dadurch eine Vcrbilligung des Brotes nicht erzielt werden kann. Auch die Brotfabrikantcn vertreten die Auffassung, daß eine Senkung des Brotpreises nur durch ein Abgehen von der v.c r f e h l t e n Zollpolitik für Brot- getteide und die damit verbundene Senkung der Preise des wich- tigften Rohstösfes des Brotes, des Brotgetreides, herbeigeführt werden kann. Die„Einigkeit" schließt ihre Kritik an diesem Vorgehen des Preisüberwachungskommissars mit den Sätzen: „Wir müssen doch fragen, mit welchem Recht kommt der Preiskommissar dazu, eine Lockerung des Nachtbackverbotes herbei- zuführen, um nach seiner Meinung eine weitere Senkung der Brot- preise zu ermöglichen. Es Ist bestimmt nicht Aufgabe des Preis- kommissors, die wenigen bestehenden Rechte im Arbeitsschutz»och weiter zu verhunzen. Wenn er über keine anderen Mittel verfügt, als der Arbeiterschaft ihre sozialen Errungenschaften zu rauben, dann möge er endlich erklären, die ihm gestellten Aus- gaben der Preissenkung seien wegen der Aufrcchterhaltung der überspannten Zollpolitik undurchführbar. Neue Enilaffungen bei der Reichsbahn? Eine Meldung über starke Arbeikseinschränkung bei der Reichsbahn läuft durch die Presse. Zahlreiche Entlassung?» seien ausgesprochen worden, in verschiedenen Ausbesserungswerken werde das personal erheblich vermindert und einige Werke würden sogar stillgelegt: serner seien verschiedene vaukolonnen ausgelöst worden. Diese Meldung eilk den Tatsachen voraus. Abbaupläne bestehen. Sie müssen jedoch erst noch mit den Gewerkschaften besprochen werden. Solche Besprechungen sind für M i t l e März angesehk. Ob, wie und in welchem Umfange die Abbaupläne der Reichsbahn Gestalt annehmen, ist im Augenblick noch eine ossene und auch noch sehr umstrittene Frage. Mit der Schließung von Ausbesserungswerken gehl es nicht so schnell. Bis jetzt ist jeden- salls noch nicht die erforderliche Zustimmung der Behörden eingeholt, die auch noch notwendig ist, und auch dann muh erst nach die erforderliche Stillegungssrist ablausen. ?! WS s SPD..Zralt>oi> Deutsche Iudustric-Deeke Svaudau. Mittwoch c'. illjr im Lokal Soorf, Strrsowvlatz, Fraktionsvorsammlung mit ?t Eympathisicrcndcn. Erschcincn aller Genossen ist Pflichi. | 1 »Freie Gewerkschafts-Iugend Berlin Heute, Dienstag, 23. Februars um 19Vs Uhr, tagen die Gruppen: Ge- werkschaftshaus: Jugendheim Äöpenickcr Etc. 92.„Notverordnung— Gewerkschaften und Jugend."— Stealitz: Jugendheim Flemmingstr. 14b. Lustiger Zlbcnd.— Moabit: Jugendheim Bremer Str. 69—70. Volkstänze.— Spandau-Wilhclmstadt: Lugendheim Sportplatz Secburger Straße. Zehn- Minuten. Referate.— Pankow: Lugendheim KissiNgenstr. 48, Zimme'r 7,. Wir lesen Kurzgeschichten:„Ernstes und Heiteres ans aller Welt".— Treptow: Lugendheim Elsenstr« 3(am Bhs. Treptow).„Aktuelle Wirtschaftsfragcn."— Frankfurter Allee Jugendheim Litauer Str. 18. Busch.Abend.— Laudeberacr Platz: Lugendheim Große Frankfurter Str. 16. Wir diskutieren über' Artikel in der Gewerkschaftspresse.— Lichtenberg: Lugendheim Dossestr. 22.„Die .Kämpfe der Gewerkschaften 1931."— Neu'Lichtenberg: Lugendheim Gunter- straße 44. 1. Reihenvortrag:„Arbeiterführer— Gewerkschaftsführer".— Cftcnbe: Lugcndhcim Karlshorst, Treskowallce 44 lKantschule).„Eeschiäite der Arbeiterbewegung."— Wedding: Jugendheim Willdenowstr. 5, 2 Treppen, Zimmer 11. PoUtische Satire:„Von Heine bis Tuchvlski".— Schönewcioc: Jugendheim Hasselwerderstraße, Mädchenschule im Keller.„Jugendfürsorge."— Adlcrohof: Lugendheim Adlershof, Bisuiarckstr. 1.„Frau und Kunst." Zugendgruppe des'Zentralverbandes der Angestellten Bgät Heute, Dicnstaa. folgende Veranstaltungen: Lichtenberg: Iuqrndheini Gunterstr. 4t. Ausspracheabend:„Gcwcrkschaftsfraqcn der Gegenwart". — Rorbwest: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Togespol, tische Rundschau.— Der Sprech- und Bcwegungschor übt ab 20 Uhr in der Turnhahe Varuther Straße 20.— Der Turnabend der Sportobteiluug findet von 20—22 Uhr in der Turnhalle Tempclhofcr Ufer 20 statt.— Dir Eingestünde am Sonntag. 28. ssc- bruar. findet nicht im Altersheim Dairziger Straße, sondern im Lugeuddeim Lehrter Str. 18— 19 statt. ®. Slingelhöser; Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: Gcwsrkschaftöh-----------—.•—.- j und Verlag:_____________„..... v.,_____________ WMWMW und Verlagsanstalt Paul Einger u. Co., Verlin EW. 58, Lindenstraße 2. Hierzu 2 Beilagen. WERTHEIM Sonder-Angebol Zusendung von 5 M an, soweit Vorrat, leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt. Dorsch....... Pfd. en 0.09 Kabeljau, Seelachs Pfd. an 0.1 0 Rotbars ohne Kopf.. Pfd. an 0.1 S Filet vom Seelachs Pfd. 0.15 Filet vom Kabeljau Pfd. 0.20 Kochschollen....pfd.0.10 Bratschollen... 3pfd.«n 0.28 Schellfische.... pfd.e° 0.26 Grüne Heringe 3 Pfd.«, 0.32 Zander gefroren.,.Pfd. an 0.35 Rotzungen....pfd.an 0.38 Lebende Schleie. Pfd. an 0.68 Spiegelkarpf. lebend. Pfd.an 0.75 Lebende Forellen Pfd.«, 1.65 Fische u. Fleisch Bücklinge...., pw. an 0,20 Sprotten....... pfd.an0.25 Flundern Bund 0.15 Pfd. an 0.35 Fleckheringe..... pfd.an0.38 Seelachs in stocken«». Pfd. an 0.32 Schellfische...... ptd. an 0.32 Dorschrogen..... Pfd.an 0.32 HeringSSalat m. Mayonnaise Pfd. 0.65 Fettheringe....lOstadan 0.32 Fettheringe i.oiu.Tomat. dos« an 0.45 Oelsardinen... 5 Dosen an 0.85 Oelsardinen, 4 wubdosen an 0.95 Bratheringe Dose 0.32 o«- 0.50 Hering in Gelee,| � � Rollmops, KronsardfneD,( A 4 A A£ C DiSmardchcringc••••' Ua4U U>v9 Kalbshaxepid.0.32 Kamm 0.36 Kalbsbrust»..Racken. Pfd. 0.48 Kalbskeule...... pw 0.60 Kalbskotelett....Pfd. 0.72 Kalbsroulade.... p». 0.88 Kalbsschnitzel....Pfd. 1.12 Mastochsenfleisch.. p». 0.48 Mastochsenschmorfl. iSl 0.74 Schweinekamm u..sdmft 0.66 Schweinekotelett..pfd. 0.72 Kafelerkamm».-sdmfj ph. 0.68 la Berliner Bratwurst 0.68 Herz Pfd. 0.46 Backe Pfd. 0.38 Gehackt. 0.54 Fett IS!' 0.54 Nr. 89• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 2Z. Februar 4932 »er MM in der„SdiredcseKunde". Generaldirektorsfrau bleibt straffrei. Ert Freispruch der Ehefrau des GeueraldircNors Schröter durch die Verkehrskammer des SchSsfcugerichls D erlin- Mille am 30. September v. 3. hat, wie erinnerlich, nicht geringes Aufsehen erregt. Einem von ihr verursachtes Verkehrsunglück auf dem Leipziger Platz, unmittelbar vor dem Warenhaus Wertheim. war ein Menschenleben zum Opfer gefallen Zu der Verufungs- Verhandlung der Strafkammer unter dem Vorsitz von Landgerichts- dlreklor Löschborn wurde die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch der ersten Instanz aus Staatskosten verworfen. Das Gericht nahm damals an, daß die Angeklagte nicht die- jenige Aeranlagung zu besitzen scheine, die ein schnelles und sicheres Handeln bei plötzlich auftretender Gefahr gewährleiste, wie es einem guten� Zahrcr zukomme. Es nahm ferner an, daß alle Umstände des Falles mit Sicherheit den Schluß rechtfertigten, daß die Ange- klagte von dem Augenblick des Höhepunktes der Gefahr, dem Auf- fahren auf den Lürgerfteig an, sich in einem die freie Willens- bestiinmung ausschließenden Zustande von Bewußtlosigkeit befunden hat(Z 51 des Strafgesetzbuches). Frau Schröter hatte nämlich einen Nervenschock erlitten. Auch, meinte das Gericht, sei keine Fahr- lässigkcit darin zu erblicken, daß die Angeklagte bei ihrer mangelnden Geistesgegenwart und ihrer Schreckhaftigkeit einen Kraftwagen/ insbesondere in Berlin, fuhrt. Sie hatte bis zu dem Unglücksfall keine Gelegenheit gehabt, ihr schwaches Reaktionsvermögen festzu- stellen. Sic konnte sich gar nicht ihrer mangelnden Entschlußkraft und ihrer Nervenschwäche im Augenblicke der Gefahr bewußt werden.... Gerade diese Begründung war es, die allgemeines Aufsehen erregt hat. Man neigte zu der Ansicht, daß in soundso vielen Fällen, wo es sich gerade nicht um eine Generaldirektorssrou gehandelt habe, unter ganz gleichen Umständen, ebenso unge- schickte und unfähige Fahrer die Verantwortung für die Folgen des „Unglücks" tragen mußten. Die Staatsanwaltschaft hatte aus begreiflichen Gründen gegen das freisprechende Urteil Berufung eingelegt. Die gestrige Verhandlung ähnelte mehr einer wissen- schastlichen autotechnischen Veranstallung als einem Strafprozeß. Neben den acht Sachverständigen sah man eine große Zahl von wissenschaftlichen Interessenten. Selbst der Generalstaatsanwalt vom Kammergericht und der stellvertretende Präsident des Landgerichts I wohnten der Verhandlung bei. Vor devl Richtertisch war der Leipziger Platz mit dem Wertheim-Gebäude im kleinen aufge- richtet. Sogar ein besonderer Film, für dessen Herstellung 10 000 Einzelaufnahmen erforderlich waren, und der den Herrn General- direltor ein gutes Stück Geld gekostet haben muß, kam zur Aus- führung. Sanitätsrat Dr. Leppmann hatte sein psychologisch- psychiatrisches Gutachten über die Reaktionsfähigkeit der Angeklagten zu erstatten. Die Beweisaufnahme ergab das gleiche Bild wie in der ersten Verhandlung. Frau Schröter, die seit dem 17. Juli 1929 einen Führerschein Klasse Illb hatte, kam in ihrer 6-Sitzer-Horch- Limousine mit Linkssteuerung von der Potsdamer Straße und bog in den Leipziger Platz ein, um zur Vorhalle des Warenhauses Wert- heim zu gelangen. Sie fuhr im vorgeschriebenen langsamen Tempo und wurde plötzlich von links von einer Äutotaxe„angekratzt", die nnvorschriftsmäßig im Augenblick des Wechsels vom gelben zum roten Licht noch herangcfaust kam; rechts von ihr befanden sich gleichfalls unvorschriftsmäßig in der Nähe der Bordschwelle vor dem Warenhaus Wertheim zwei Autotaxcn. Um dem Wagen, der von links kam, auszuweichen, drehte sie den Wagen nach rechts, geriet auf das Trottoir, verlor vollends den Kopf, konnte den Wagen nicht bremsen, fuhr in eine Gruppe Passanten hinein, verletzte eine 43jährige Angestellte tödlich und deren 48jährige Schwester so schwer, daß die crstcre bald darauf starb und die letztere sechs Monate lang im Krankenhaus liegen mußte, drei Personen wurden leicht verletzt. Also ein ganz schwerer Unfall. Die Sachverständigen waren sich in der Beurteilung der Lage nicht ganz einig. Während die einen glaubten, die ganze Schuld der Autotaxe zuschreiben zu müsien, die unvorschriftsmäßig herangesaust und, ohne zu halten, verschwunden war, waren andere Sachverständige der Ansicht, daß man von einem guten Fahrer auch in solch einer Situation zu verlangen habe, daß er seme Geistesgegenwart bewahre. Dr. Sanitätsrat Dr. Leppmann wollte für die Angeklagte eine verlängerte Reaktionsfähigkeit geltend machen; sie sei in ihrer ganzen Konstitution einer derartigen Situation nicht gewachsen und man dürfe von ihr nicht mehr ver- langen, als sie zu leisten imstande sei. Das Gericht kam schließlich zu dem eingangs mitgeteilten Ent- scheid: Verwerfung der Berufung des Staatsanwalts und mit Frei- spruch der Frau des Generaldirektors Schröter; c- hat nach dem technischen Befund angenommen, daß der Wagen der Angeklagten, obwohl die Ursache nicht ermittelt werden konnte, von cinckn anderen Wagen einen Stoß erhalten habe. Die Angeklagte war nicht in der Lage, ihren Wagen sofort herumzureißen, und in diesen Schrecksekunden ist sie mit ihm auf den Bürgersteig geraten. Eine Fahrlässigkeit war darin nicht festzustellen. Stürmische Gihung im Sklarek-Prozeß. Die Aussagen des Stadtobersekretärs Feist. Di« gestrige Nachmittagssitz ung des Sklarek-Prozesses gestaltet« sich wieder außerordentlich stürmisch, und es kam zu schweren Zu- sammenstößen zwischen Leo Sklarek und dem Angeklagten Stadtbankdirektor H o f f m a n n, die sich gegenseitig anbrüllten. Die erregten Szenen spielten sich bei der Vernehmung des 82jährigen Stadtoberlnfpaktors Feist ab, der im Kreditkontrollbüro der Stadtbank beschäftigt ist. Der Vorsitzende hielt dem Zeugen u. a. einen von ihm erstatteten Berich-t aus dem Jahre 19 27 vor, aus dem hervorgeht, daß die Forderungen der Sklareks an die Bezirksämter in Form einer offenen Zession, also mit Kenntnis der Bezirksämter abgetreten waren, obwohl es sich in Wirklichkeit um«ine st i l l e Zession handelte, bei der die Be- zirtsämter nichts von der Abtretung der Forderungen wußten. Vors.: Können Sie mir den(Sruiro für diesen falschen Bericht er» klären? Er hat letzten Endes dazu geführt, daß die Hauptprüfungs- stelle ihr Monitum fallen ließ. Sie berichten absolut« Unwahr- heiten. Wie konnten Sie das als aller Beanller tun?— Zeuge: Ich kann nur erklären, daß er in sinngemäßer Anwendung der be- stehenden Bestimmungen verfaßt ist. Auf«ine Frage des Vorsitzen- den erklärt der Zeuge mit Bestimmthell, daß er von den Skia- reks keinerlei Vorteile erhallen habe, abgesahen von eini- gen Zigarren, die er aber als Nichtraucher anderen Kollegen geschenkt Hot, und«inigen Reklameartikeln zu Weihnach-ien, wie Notizbücher, Feuerzeuge, Bleistifte usw. Einmal hätten ihm di« Sklareks für einen Anzug Maß nehmen lassen, er hätte ihn aber nicht genom- mcn.„Ich da äste mir. wenn man dem Teufel den kleinen Finger gibt, dann nimmt er die ganze Hand." Eine erregte Auseinandersetzung gab es bei der Erörterung der Tatsache, daß Feist die sogenannten Wertstücke in Verwahrung genommen hat, auf die die Sklareks Kredite bekamen. Diese Wert- stücke bestanden, wie man jetzt weiß, aus verfchlosienen Kuverts, in denen vordatiert« Schecks lagen. Feist will dies aber nicht gewußt haben.— R.-A. Dr. Pin dar: Sie sind koch bankmäßig vorgebildet, ist Ihnen nicht bekannt, daß das Arbeiten mit vor- datierten Schecks diffamiert und beweist, daß der Betreftenve kein Geld hat? In welcher Bant wird denn darauf Kredit gegeben?— Zeuge: Ich habe ja den Kredtt nicht gegeben. Ich habe die 5buv«rts nur in Verwahrung genommen.— Leo Sklarek(zum Zcugenj: Sie waren doch nur Bote in der Stadtbank. Hoffmann hat Sie doch wie einen Schuhputzer behandelt.— Der Zeuge Feist, ein alter weißhaariger Mann, trat auf Leo Sklarek zu, klopfte ihn auf die Schulter und erwiderte würdevoll: Ich bin Stadtoberinspektor, Herr Sklarek.— Leo Sklarek: Haben Sie bei mir gebettelt?— Zeuge: Nein.— Leo Sklarek: Haben Sie von mir Freikarten bekommen?— Zeuge: Nein.— Leo Sklarek(sich zu Stadt- bankdirektor Hossmann umdrehend und auf ihn zeigend): Aber sehen Sie sich Ihre Direktoren an, die haben das getan.— Hoff mann sprang erregt auf und schrie mit überlauter Stimme: Die haben sich auch revanchiert. Nach wenigen Minuten verließ Hoffmann dann in höchster Erregung den Saal, so daß der Vorsitzende ein« Pause eintreten lassen mußte. Der Mord in Neukölln. Wer waren die Besucher der Mathilde Rolland? Zu dem Frauenmord in der Friedclsirahe in Neukölln erfahren wir noch weitere inlercssanke Einzelheiten, die das frühere Leben der Ermordelen berühren. Machilde Rolland war früher Artistin und trat in einem Zirkus als Trapezkünsllerin auf. Dabei stürzte sie eines Tages so schwer, daß sie 19 Monate im 51rankenhaus liegen muhte. Nach der Entlassung hatte sie die Absicht, chren alten Berus wieder aus- zunehmen und wollte auch trainieren. Inzwischen mußte sie sich ober nach einer anderen Beschäftigung umsehen, um Geld zu verdienen. Sie fand Anstellung als S c k r e t ä r i n im I u st i z m i» i st c- rium, wurde aber von dort ans Amtsgericht in Neu- kölln versetzt. Hier mußte sie abgebaut werden und stand mm völlig mittellos da. Mit einer Aushilscstellung bei einem Homöo- pachen war es auch bald vorbei. Sie suchte sich jetzt in der Friedel- stroße ein neues Zimmer und lieh sich zuvor von einer Freundin, die auch bei dem Homöopathen tätig war, einen kleinen Geldbetrag für btfc Anzahlung des Zimmers. Diese Freundin erschien in der Wohnung, als die Mordkommission am Tatort weilte und wor natürlich entsetzt, als sie hörte, was vorgefallen war; sie erklärte, daß sie von Machilde R. hinbestellt war. um das geliehene Gcld von ihr zurückzubekommen. Damit taucht die Frage auf, von welcher Seite aus Mathilde R. Geld zu erhoffen hatte, denn sie war jetzt vollkommen mittellos und es ist möglich, daß das Mädchen damit gerechnet hatte, von einem ihrer Besucher am Sonntag Gcld zu bekommen, sei es von dem Onkel oder von den beiden anderen jungen Männern, die sich in de» Nach'.nittagsstundcn bei ihr auf- gehalten hatten. Die Ermittelungen der Mordkommission bewegen sich jetzt in dieser Richtung, um das Geheimnis um den Tod des jungen Mädchens aufzuklären. Krauenmörder von Jüterbog geständig. Lustmord uach einem Tanzvergnügen. 3m gestrigen„Abend" hatten wir bereits kurz mitgeteilt, daß man den mutmaßlichen Mörder der Wirtschafterin Erua Meiwald aus 3ükerbog in der Person eines Siallschwcizcrs festgenommen halle. Diese Mutmaßung hat sich bestätigt. Der Schweizer vruno Richard 3 ä h r i g hat vor der Mordkommission ein Geständnis Abgelegt. Die Bluttat hat sich wie folgt abgespielt. Jährig war bei dem Gemeindevorsteher von Hösgcn bcschäsligt. In den Nachmittagsstundcn des Sonntags kam seine Freundin Erna aus Jüterbog auf einem Fahrrad zu ihm. Beide suchte:: später ein Tanzlokal auf und verließen es auch gemeinsam und zwar mit, ihren Fahrrädern. Auf der Chaussee hielt Jährig plötzlich an und forderte auch das Mädchen auf, abzusteigen, zog sie aufs Feld und wollte sich an ihr vergehen. Sic weigerte sich aber. Im Verlauf eines kurzen Kampfes schlug er das Mädchen nieder und würgte es, zerriß ihr die Kleider und zog sie aus. Dann raubte er ihr aus einer Handtasche den Betrag von 1,50 M. und verschwand. Als die Land- jäger ihn festnahmen, war er gerade im Begriff, seinen Koffer zu schließen, um sich von danncn zu machen. Als er an ein Gartenstück kam, in dem Efeu eine Mauer emporkletterte, machte er halt. Ihn fröstelte. Nun sah er Efeu. Der Efeu ist eine warme Ruhestätte für kleine Vögel. Ob in dem Efeu wohl Spatzen schliefen? Ach, wenn er jetzt nur einen Spatzen sähe, dann wäre doch im gleichen Augen- blick ein Verbindungsmann zwischen chm und der Natur aus der UnHeimlichkeit dieser nächtlichen Stadt aufgetaucht. Er hatte plötzlich Sehnsucht nach der Prärie. Er stierte den Eseu an und schlief ein. Vollkommen klamm erwachte er. Der Weg nach dem Zoologischen Garten war weit, sehr weit. Billy legte ihn zu Fuß zurück. Die Ueberanstrengung sollte alle Älkoholreste aus seinem Körper treiben. Als er mit Schüttelfrost im Zoologischen Garten landete, schämte er sich derart, daß er schleunigst in seinen Wagen kroch. Als am Mittag ein Messerwerfer nach seinem Chef sah, log der. er sei krank. Billy hatte gar kein Verständnis für seinen Rausch, ihm fehlte plötzlich der Humor. In einer Cowboy-Schau muß Ordnung herrschen, und der Chef muß der erste sein, der Ordnung hält.. Am Nachmittag probt und probt er. Seine Leute arbeiten allein. Am Abend hat er sich schon gut eingeschossen, er ist beidhändig, folglich fällt es ihm nicht schwer, linkshändig reelle Arbeit zu liefern. Diese Bravourleistung ist seine Reue, und erst nach dem glänzenden Erfolg der Abendvorstellung beichtet er Anita, was in der Nacht vorgefallen ist. Ein Resultat. Jahre sind vergangen. Billy ist wieder auf Zirkustour, fröstelnd hockt er im Packwagen. Ein früher Herbst zieht ins Land, es ist ungemütlich und der Zirkus arbeitet mit Verlust. Die ZirkuÄ>irektion läßt vor Beginn der lßorstelluug Holzkohlenbecken in die Manege stellen, die Luft wird etwas angewärmt, aber je später es wird, desto bösartiger kriecht die Kälte unter das Zelt, das ist Jahr für Jahr der gleiche Vorgang- Billy schleppt sich seit einem Monat mit der Grippe. Nur Kognaks helfen gegen Grippe, dos ist ihm mehr als einmal gesagt worden. Billy trinkt Kognaks. Er trinkt nicht nur einen und zwei, nein, er trinkt mehrere Kognaks, und abends zählen alle gemeinsam gewissenhaft nach, wieviele er ge- trunken hat. Sind es über zwanzig, dann sagt er:„Anita, setz den Helm auf." Er ist vorsichtig: beim einundzwanzigsten Kognak schießt er nicht mehr den Apfel vom Kopf, sondern nur noch vom Helm. „Billy", Anita spricht jetzt sehr oft seinen Namen recht vorwurfsvoll aus. „Ach, einmal ordentlich betrunken ist besser als ewig verrotzt", antwortet Billy. Aber er bekämpft mit dem Alkohol die Grippe nicht. Er weiß es. Anita wohnt in einem vornehmen Hotel. Sie haben zu- sammen das Zimmer ausgesucht. Sie konnten kein anderes finden. Es ist sehr teuer. Doch als Billy sah, wie Anita mit der Hand liebkosend über den Schreibtisch fuhr und glücklichen Auges die Aussicht betrachtete, stand es im Augenblick bei ihm fest:„Sie behält das Zimmer." Wir stehen nur drei Tage am Ort. Sie soll es mal gemütlich haben. Das Zimmer nebenan wollte gern die junge Frau eines Clown mieten. Auch sie sah mit verzückten Blicken in das Zimmer. Doch der Clown sagte:„Es ist zu teuer." Als die junge Frau noch zögerte, nahm er sie fest am Arm und sagte: „Komm, wir wollen gehen." Er selbst hätte gern dieses Zimmer genommen, doch be- fürchtete er Auseinandersetzungen mit seinen Brüdern und noch mehr mit deren Frauen. Sie arbeiten zu Bieren, sind ein vorzüglich eingespieltes Quartett, sie sind echte Brüder und einander zugetan- Er ist der jüngste, hat spät geheiratet. Seine kleine Frau kam in die Familie, als es ihr gut ging und die vier Clowns bereits einen internationalen Namen hatten. Die Frauen der anderen Brüder aber hoben Jahre hindurch schwer gequält, sie oerkauften im Zirkus Schoko- lade, sie standen in der Gemeinschaftsküche hinter den schwe- 1 ren Kesseln und kochten oder hatten— und das war mehr f als einmal der Fall gewesen—- gehungert, wenn kein En- gagement zu bekommen wor. Wie manche Anschaffung. mochte es sich um Pelze oder Schmucksachen handeln, die nach einer guten Saison gemacht wurde, wanderte bei schlechten Zeiten in das Pfandhaus und wurde nicht wieder eingelöst. Nun endlich haben sie es geschafft. Sie alle miteinander. Da kommt ein junges Ding in die Familie, schöpft gleich aus dein Vollen, lernt keinen Hunger und keine Sorgen um das nächste Engagement kennen. Nein, der Elown darf, um des lieben Friedens willen, das Zimmer nicht mieten. Billy denkt unablässig an den zaghaften Clown. Billy denkt ferner daran, daß es für ihn gesundheitlich nicht zu- träglich ist, in diesem nicht heizbaren Packwagen zu hausen. Er hat zwar eine große Petroleumlampe auf den Fußboden gestellt. Das mußte er heimlich tun; denn die Polizei ver- bietet es. Die Lampe spendet geringe Wärme, dafiir stinkt sie desto mehr. Billy hustet. Wenn er die Lampe mit sehr hoher Flamme brennen läßt, kann sie leicht explodieren und sein ganzer Wagen liegt voll scharfer Munition. Dennoch muß er im Wagen bleiben. Die Zeiten sind zu schlecht. Würden ihm seine Cowboymanschetten, seine Perl- stickereien, seine Sättel und seine Waffen gestohlen, würde er sie nicht so leicht wieder beschaffen können. Nach seinem Debüt in Berlin ist er schon durch ganz Europa getrudelt. Er hatte sich Geld gespart. Wofür? Arbeit inuß einen Sinn, muß ein Ziel, muß ein Resultat haben. Er hatte sich Waldparzcllen gekauft, in Konradshöhe, in der Nähe van Tegel, tief im Hochwald. Er hat sie gekauft, weil alle Artisten fast krankhaft nach Grund und Boden streben. Er ist von dieser absonderlichen Sehnsucht nach einem Ruheplatz fürs Alter angesteckt worden. Warum liegen diese Waldparzellen brach? Man weilt dort so nahe bei den Tieren. Es muß dort wirklich schön zu wohnen sein! Billy überlegt sich die Sache. Mit sich allein. Er zündet Kerzen an. Sind die Kerzen denn nur zum Ausschicßen da? Nein, er darf sich auch einmal etwas gönnen. Die Kerzen geben solch mildes Licht. Es sieht beinahe nach Weihnachten aus und Billy gesteht es sich ein, er wird sentimental. Er sitzt hier auf einem Koffer des Packwagens und grübelt über seine Zukunft.(Fortsetzung folgt.) Ein wenig lichl ins graue Heule. ParteigenOssische Treue und Kameradschan. Bon einem in der praktischen Arbeit für erwerbslose Parteigenossen tätigen Parteifunktionär in Weißensee erhalten wir folgende beachtens. werte Ausführungen: Mit der langen unabsehbaren Dauer der Wirtschaftskrise verliert auch für die meisten Opfer der Krise die Arbeitslosigkeit den Cha- rakter einer kurzen Unterbrechung im Arbeitsverhältnis: sie ist nicht mehr eine übersehbare Pause zwischen zwei Arbeitsstellen, ist viel- mehr ein unbestimmtes dunkles Schicksal geworden. Die Existenz- Unsicherheit tritt immer deutlicher hervor. Damit drohen zugleich die Fäden zu zerreißen, die einst den Arbeitern und Angestellten im Betrieb mit der übrigen Umwelt verknüpften: die Beziehungen zum Beruf, zum Betrieb, zu den Kollegen. Der Strom des Lebens rauscht an ihnen vorüber. In untätiger Muße verrinnt ein Tag nach dem andern. Je weniger innere Festigkeit, je weniger Einsicht in die wirtschaftlichen Zusammenhänge einer Hot. desto größer ist die Gesahr, auch geistig den Boden unter den Füßen zu verlieren. Hart und einschneidend von der Krise betroffen sind seit langer Zeit auch die in der Sozialdemokratischen Partei vereinigten Ge- nassen und Genossinnen. Im ganzen Reiche sind Hunderttausende unserer Mitglieder ebenfalls erwerbslos, verrichten Kurzarbeit oder haben sonst unter den Auswirkungen der Krise zu leiden und müssen alle Opfer und Entbehrungen in gleicher Weise tragen. Zugleich mit diesen ihren von der Not bedrängten Mitgliedern ist die Partei selbst vor gewaltige Aufgaben gestellt. Bon einer Welt von Feinden umgeben, wird es nur gelingen, das Schiff des Sozialismus durch alle Klippen hindurchzusteuern, wenn die Kampfkraft der Partei erhalten wird und wenn insbesondere unsere Erwerbslosen fest mit der Partei zusammengeschmiedet sind. Gewiß kann man erfreulicherweise feststellen, daß unsere Erwerbslosen dank jahrelanger Schulung und Einsicht in die wirtschaftlichen Zusammenhänge der Partei die Treue wahrten und als Funktionäre ihre Arbeit verrichten. Aber was ohnehin besteht, muß in dieser Zeit täglich erneuert und befestigt werden. Schon immer war die Gestaltung der Freizeit ein wichtiges Kapitel sozialistischer Bildung?- und Erziehungsarbeit. Laßt uns daher die erwerbslosen Genossen und Genossinnen möglichst oft aus der Enge ihrer häuslichen Verhältnisse hinausführen, um in gemeinsamen Zusammenkünften zu zeigen, daß der Gedanke der Solidarität auch in der heutigen Zeit weiter- besteht. Laßt keine Stunde vorübergehen, um die erwerbslosen Genossen anzuspornen und aufzurichten, damit der Alltag besser ertragen wird. Laßt uns die sonst brachliegende Energie und die Zeit erzwungener Muße ausnutzen für vermehrte Schulung und Aufklärungsarbeit. Solche Arbeit kann, wenn sie richtig durch- geführt wird, einen wichtigen Beitrag zu der jetzt überall geforderten Aktivität bilden. Das gesamte Problem der Arbeit an unseren Erwerbslosen kann in diesen Zeilen nicht erschöpfend behandelt werden. Aus der Füll« der Aufgaben fei hier nur auf die regelmäßigen Ber- anstaltungen oerwiesen, wie sie in den einzelnen Kreisen der Berliner Sozialdemokratie in diesem Winter durchgeführt wurden und die anderen deshalb vorzuziehen sind, weil hier Gelegenheit ist, ständig auf unsere Erwerbslosen einzuwirken. Standen solche Zu- sammentünfte noch im Vorjahre im Zeichen des Experiments, so beweist ein Blick auf den Versammlungskalender, daß heute unter Förderung des Bezirksvorstandes nach und nach olle Kreise dazu übergehen. Können solche Veranstaltungen auch nicht nach einem allgemeinen Schema abgeholten werden und werden sie stets noch der Finanzkraft. nach den vorhandenen Räumlichkeiten und den sonstigen Hilfsmitteln der einzelnen Kreise eine besondere Note erhalten, so sei es doch gestattet, die Erfahrungen aus einem kleineren Kreise, und zwar aus W e i ß e n s e e, mitteilen zu dürfen. Gingen wir zunächst etwas zögernd an die Zusammenkünfte, so konnten wir bald feststellen, daß sie bei unseren e r w e r b s- losenGenossinnen und Genossen sowie bei den S o z i a l- rentnern und Invaliden, die ebenfalls zugezogen werden, großen Anklang fanden. Die ersten Teilnehmer, die unserem Rufe folgten, sind nicht nur alle ständig wieder erschienen, die B e t e i- ligung ist darüber hinaus in ständigem Steigen begriffen, so daß wir schon einen erheblichen Teil unserer Erwerbs- losen einen Nachmittag in der Woche in unserer Mitte sehen. Im Laufe des Winters haben wir in Vorträgen und Diskussionen eine Reche politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Themen behandelt mit besonderer Berück- sichtigung der Fragen, die das Schicksal der Erwerbslosen betreffen. Eine anschließende Kaffcepause gilt der behaglichen Plauderei und dem gegenseitigen Sichkennenlcrncn. Die letzte Stunde ist schließ- lich der Unterhaltung gewidmet. Es erscheinen hierzu erwerbslose K ü n st l e r. die sich der Partei zur Verfügung gestellt hoben und die Teilnehmer durch Gcsangsvorträge, Lieder zur Laute, Rezitationen, heitere Vorträge ein wenig von den Sorgen des Alltags ablenken und ein wenig von dem vermitteln, was unsere Parteigenossen sonst entbehren müssen. So haben wir im Lause des Winters gemeinsames Leid gemeinsamgetragen: wir haben den Beweis erbracht, daß trotz der Bedrängnis unserer erwerbslosen Genossen die Bande mit der Partei nicht zerreißen, und wir wissen, daß aus unserem Teilnehmerkreis sich auch die Gc- nassen in den kommenden Kämpfen zur Verfügung stellen. Gewiß mögen solche Zusammenkünfte nur eine bescheidene Hilfe für unsere Erwerbslosen sein. Sie sollen und dürfen aber auch nicht als eine Art Ersatz für sonstige mangelnde Maßnahmen oufgcsoßt werden, sondern nur als Ergänzung aller Bestrebungen für die Ueberwindung der Krise. Sic sollen auf der anderen Seite auch nicht als Revolutionierung der Erwerbslosen im Sinne der KPD. aufgefaßt werden. Vielmehr sollen sie unter unseren Erwerbslosen und darüber hinaus unter allen denen, die unter der heutigen Krise zu leiden hoben, das Bewußtsein für die Unzulänglichkeiten der heutigen Wirtschaftsordnung wecken und den Willen lebendiger werden lassen, diese Ordnung durch eine bessere zu ersetzen. Wir sind nicht der Ausfassung, daß die Entscheidung?- schlacht mit einem verelendeten Proletariat geschlagen wird, wir wollen aber die Kampffähigkeit des Proletariats einschließlich der Erwerbslosen wachhalten und sie widerstandsfähig machen, nicht nur die heutige Krise zu überwinden, sondern auch nach Ueberwindung des Faschismus zum entscheidenden Angriff vorzugehen. Arbeiisvolk in der Kunst. Eine wertvolle volkstümliche Ausstellung. Das Bezirksamt Ariedrichshain veranstaltet in der Schulaula der 3. Volksschule, Petersburger Str. 4, eine bedeutsame Kunstausstellung„ZN ensch und Arbeit". Die Besichtigung der Ausstellung steht jedem frei: ein Eintrittsgeld wird nicht genommen. Der Bund für Kunsterziehung e. V., eine Organi- fation, in der Künstler, Pädagogen und städtische und staatliche Be- Hörden vertreten sind, hat diese Ausstellung ermöglicht, er arbeitet uneigennützig. Die Künstler stellen ihre Bilder kostenlos zur Per- fiigung. Eine Kommission von Künstlern und Päöagogen suchen die für Schulen besonders geeigneten Werke heraus, und die Be- Hörden sorgen für entsprechende Ausstellungsräume. Die Ausstellungen sollen vor allen Dingen der Schuljugend zugänglich gemacht werden. Sie können einen äußerst wichtigen Faktor in der Kunsterziehung des Volkes bilden. Am Sonntag wurde die Aus- stcllung eröffnet. Stadtrat Genosse Günther vom Bezirksamt Fricdrichshain hielt die Eröffnungsansprache, in der er der Freude Ausdruck gab, daß die Schulen mit dem Bezirksamt in der Volks- bildungsarbeit gut zusammenarbeiteten. Rektor Genosse G e n s ch sprach als Vertreter des Bundes für Kunsterziehung. Bildhauer Jfenstein, der im Nomen der Künstler einige Worte über den Zu- sammenhang der Künste sprach, führte dann durch die Ausstellung. Alle Bilder zeigen arbeitende Menschen oder Arbeits- stätten. Otto Nagels ausgezeichnetes Bild„Auf dem Wege zur Arbeit" fällt besonders auf. Bilder von Otto Freytag„Am Schreib- tisch" und„Schularbeit", ein„Trauernder Bergarbeiter" des Malers Kowall, Alfred Knispel mit seinen Bildern„Schmiede" und„Ar- bciterfraucn", 5i'uhfuß mit den„Netzeflickcrn", Ludwig Dettmann mit einem Pastell„Edelstahlguß" geben der Ausstellung wertvolle Arbeiten. Ein zweiter Raum zeigt eine gute Auswohl van Graphiken. Zeichnungen von George Groß, Otto Dix, Käthe Kall- witz, Heinrich Zille, Balufchek, Karl Holtz liegen dicht beieinander uind gestatten interessante Vergleiche. Große dekorative Blätter von Karl Brust, Darstellung von Arbeitern, übersteigert im Ausdruck, lenken die Aufmerksamkeit auf ein neues Talent. Der Eintritt zur Ausstellung jst frei. Ein reger Besuch lohnt die uneigennützige Arbeit der Künstler, die hier trotz eigener Not wertvolle Volksbildungsarbeit leisten. Besondere Anerkennung aber gebührt dem Bezirksamt Friedrichshain. Eisunglück auf der Havel. Ein Mann ertrunken, eine Frau gerettet. Trotz des warmen Wetters, das das Abtauen des Eises stark fördert, liefen gestern aus der Havel noch mehrere Personen Schlitt- schuh. Der 23 Jahre alte Arbeiter Walter K i ck e l aus der Grüne- waldstr. 28 und eine 48jährige Frau Ida S. aus der Bautzener Straße, die dicht nebeneinander liefen, brachen plötzlich ein. In- folge des Schwunges geriet Kickel unter die Eisdecke und ertrank. Frau S. gelang es, sich an der Eiskante solange festzuhalten, bis Hilfe herankam. Unter großer Mühe konnte die Verunglückte ge- borgen werden. Die Leiche des ertrunkenen Arbeiters Kickel wurde trotz stundenlanger Suche bisher nicht gefunden. Gefallenengedenkfeier. Im Plenarsitzungssaale des Reichstages fand gestern eine Gedächtnisfeier an die Gefallenen des Weltkrieges, . �i�ranftalte� vom Volksbund deutscher Kriegsgräber- i u r j o r e statt. Reichspräsident von Hindcnburg, begleitet von Rekchsinnenminisker Groener und dem Vizepräsidenten des Reichstages, von Kardorff, Reichskanzler Dr. Brüning sowie eine große Zahl Vertreter von Reichs-, Staats- und Kommunal- behörden nahmen an der Feier teil. Um die Rednertribüne hatten die Chargierten der Korporationen und eine Abordnung der Reichs- wehr mit den Fahnen der alten Berliner Regimenter Aufftellung genommen. Die Gedenkrede hielt der evangelische Feidprobst D. Schlegel. Er erinnerte an die Opfer des Krieges, die uns eine Mahnung sein müßten, im festen Glauben an die sittlichen Kräfte unseres Volkes auch in dieser Notzeit auszuharren. Der Redner sprach viel von den gebrachten Opfern, deren wir uns würdig zeigen müßten, aber man vermißte in feiner Rede eine Stellungnahme gegen einen neuen Krieg, der uns noch mehr ins Unglück stürzen würde. Das Lied vom guten Kameraden und der gemeinsame Gesang der ersten Strophe des Deutschlandliedes beendeten die Feierstunde. Im Anschluß an die Feier schritt der Reichspräsident die Front der Ehrenkompagnie ab, die vor dem Reichstagsgebäude Aufstellung genommen hatte. Von der zahl- reichen Menschenmenge, die am Rande des Tiergartens und auf dem Platz der Republik wartete, wurde der Reichspräsident be- geistert begrüßt. Selbstmord eines Ehepaares. Die furchtbare Not hat wieder zwei Menschen in den Tod ge- trieben. Heute früh bemerkten Bewohner des Hauses Schaper- strahe 31 in Wilmersdorf auf dem Trcppcnslur starken Gas- g e r u ch, der aus der Wohnung des Kaujmanns Max Deutsch drang. Da auf Klopfen niemand öffnete, verschaffte sich die Polizei gewaltsam Einlaß in die Wohnung. Im Schlafziinmer fand man Deutsch und seine um einige Jahre jüngere Frau durch Gas ver- giftet auf. Die Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr waren ohne Erfolg. Wie aus hinterlassenen Briefen hervorgeht, hat sich die wirtschaftliche Lage des Ehepaares in der letzten Zeit derart verschlechtert, daß sie keinen anderen Ausweg mehr als den gemein- jamcn Freitod sahen. Alexander Meyer 60 Zahre alt. Unser Genosse Stadtrat Alexander Meyer vom Bezirks- amt Reinickendorf tritt heute in sein sechzigstes Lebensjahr. Als Kind machte er alle Leiden einer Vollwaise der Vergangenhüt durch, lernte dann das Buchdruckerhandwerk, wanderte, wurde Ver- bandsmitglied und vor mehr als 40 Iahren Partei- genösse. Von Kiel aus kam er nach Berlin an den„Vor- wärts". Im Weltkrieg in vorderster Front und schwer kriegs- dienstbeschädigt, wurde er nach der Revolution durch das Vertrauen der Arbeiterschaft in die kommunale Verwaltung berufen, wo er als Stadtrat in Reinickendorf feit 1921 wichtige Dezernate innehat. Mit besonderem Eiser ist Alexander Meyer seit langen Jahren sür die Arbeitersportbewegung tätig. Der Nachfolger Weinbergs im Stadtparlament. Für den verstorbenen Stadtverordneten Genossen Dr. Siegfried Weinberg ist noch der durch den Wahloorschlog bestimmten itleiherchlge der Bczirksoerordnctc und Jugcndsckrctär Genosse Bruno Lösche, Berlin N. 63, Togostr. 39, in die Stelle als Estadt- verordneter eingerückt. Lösche hat das Amt angenommen. Sein« Zuteilung zu einer Bezirksoerfantmlung erfolgt durch den Stadt- gemeindeaüsfchuß.__ Maskenball mit Saalschlacht. Blutiger Ausgang eines Tanzvergnügens.- Fünf Tote. Preßburg, 22. Februar. In der Ortschaft Udvarnot bei Thyrnau fand am Sonnabend ein Maskenball statt, bei dem es zu unbeschreiblichen Schreckens- szenen kam. Zu der Veranstaltung hatten sich auch zahlreiche junge Burschen aus der Umgebung des Dorfes eingefunden. Die ein- heimischen Bauern wollten die Fremden aus dem Tanzsaal hin- ausprügeln. Nach Mitternacht entstand eine S a a l s ch l a ch t, bei der Schlagringe, Bleirohre, Messer und Revolver als Waffen ge- braucht wurden. Unter den Frauen und Mädchen brach eine Panik aus, sie versuchten, aus dem Saal zu flüchten. Die Gendarmerie stellte fest, daß etwa fünfzig Rcvolverschüsse abgegeben wurden. Fünf Personen wurden getötet, vierzehn schwer und zahlreiche leichter verletzt. Zehn Burschen, bei dene» noch Revolver und andere Waffe» vorgefunden wurden, sind ver- haftet worden._ Wohnungen stehen leer— aber nicht für Arbeitslose Der Leidenskelch des langfristig Arbeitslosen, der schließlich eines Tages mit Frau und Kind auf der Straße sitzt, ist damit noch nicht bis zur Neige geleert: immer neue Widerwärtigkeiten, Schwierig- leiten und Notlagen bedrängen sein armseliges Dasein. Dem Arbeitslosen K. mit Frau und drei Kindern, wovon das Jüngste ein Jahr zählt, ward die Exmission beschert: nun begann der bekannte Dauerlauf nach einer neuen Unterkunftsstätte, das er- müdcnde, neroenzcrmürbende Anklopfen bei den Hausgestrengen mit dem dazugehörigen großinquisitorischen Verhör. Frage 1: Haben Sie Arbeit? Antwort: Nein! Frage 2: Haben Sie Kinder und wieviele? Antwort: Ja, drei: düsteres. Gewölk umzieht jetzt die Stirne des Hausgewaltigen und er lehnt den Mieter ab. Trotzdem das Wohlfahrtsamt dem Manne eine schriftliche Bescheini- gung darüber aushnädigte, daß es für die Zeit seiner großen Not- läge sür die Wohnungsmiete aufkäme, trotzdem der Mann natur- gemäß jedem Hauswirt diese Sicherheit vorwies, ist es ihm in tage- langer Rennerei, man kann sck>on beinahe sagen, Bettelei, nicht gelungen, ein Unterkommen zu finden. Es scheint das Ach- und Wehgeschrei der Hauswirte doch nicht so ganz zuzutreffen, weil sie auf der einen Seit« nur Kinderlose ausneHmea wollen, auf d«r anderen Seite die Mietezahlung durch das Wohlfahrtsamt einfach ablehnen. Wohin soll der Mann nun gehen? Die Frau ist schwer asthmaleidend, sie kann keine Treppe steigen und auch nicht in winzigen Liliputräumen ohne Luft und Licht hausen, drei Kinder haben das Bedürfnis und vor allem den Anspruch auf halbwegs gesunde Wohnräume und der Raum muß mindestens so groß sein, daß 3 Betten darin Platz finden. In drei Tagen ist Exmittierung, in drei Tagen sitzen süns Menschen mit all ihrer Habe auf der Straße... Altes Wosierfchloß niedergebrannt. Das Rittergut Milkel bei Bautzen, durch sein wundervolles Wasserschloß weit über Sachsens Grenzen hinaus bekannt, wurde von einem auf Brand- stiftung zurückzuführenden Schadenfeuer heimgesucht. Die gesamt« Ostseite des Schlosses ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Falschmünzerei blühi. Falschmünzerwerkstatt in Hamborg ausgehoben. Hermburg, 22. Februar. Donk der AufmerkfamteS eines Geschäftsmanns gelang es, eine Falschmünzergesellschaft hinter Schloß und Riegel zu bringen. Bei einem in der inneren Stadt wohnhaften Zigarren- Händler erschien heute ein Mann, der Rauchwaren kaufte und mit einem 2l)-Mark-Sch«in bezahlte. Der Geschäftsmau» erkannte die Geldnote als falsch- und veranlaßt« die Festnahme des Lerausgabcrs, eines 36jährigen Schlossers. Weiter wurde fein auf der Straße wartender Komplice,«in 39jähriger auf St. Pauli wohnender Schiffsheizer, festgenommen. Beamten der Landessalschgcldstelle der Hamburger Kriunnalpolizei gelang es dann im Verlaufe der Er- mittlungen, die Falschmünzerwerkstatt in einer in der Dithmar- Koel-Strahe belegenen Etagcnwohnung auszustöbern. In dieser Werkstatt war ein 26jähriger Mann, der.Laufmanu",„Reisende" und.Kohlentrimmer" B., mit dem Herstellen falscher 20-Morr- Noten beschäftigt. Ein« Anzahl fertiger Falschnoten wurden gc- funden. Das Falschmünzermaterial wurde beschlagnahmt. Verhaftet wurde auch unter dem Verdacht der Mittäterschaft seine Braut. Ein Berg stürzt zu Tal. Eochem an der Mosel. 22. Februar. Der nun schon fast zwei Jahre sinkende Berg bei Cochem, der die ganz« Umgebung in Angst hält, ist vom 9. Januar bis 16. Februar um weitere 66 Zentiineter, also insgesamt u m a ch t Meter gesunkeu. Täglich wird ein Fallen von 2 Zentimetern sestgestellt. Tag für Tag läsen sich schwere Gesteinsnmssen und stürzen mit donnerartigem Getöse jn die Tiefe. Nach dem starken Frost der letzten Tag« hat das plötzlich auftretende Tauwetter große Riste verursacht, so daß stündlich das Abstürzen des Berges be- fürchtet werden muß. Zum letzten Male„Kampf um Kitsch". . Das BerlinerTheaterhat gestern das mit großem Erfolg aufgeführte Stück von R. A. Stemmle„Kampf um Kitsch" zum letzten Male gegeben. Da den Kindern eine weitere M i t- wirkung nicht gestattet wird, muß das Stück vom Berliner Spielplan verschwinden. Der Bezirksverband des Bundes der Freien Schulgesellschasten Deutschlands hatte sich zwei Vorstellungen gesichert. Die für Dienstag, den 23. Februar, angesetzte Nach- mittagsvorstellung kann nun leider nicht stattfinden. Alle bereits gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit für die Vorstellung am Mittwoch, dem 24. Februar, abends 7 Uhr. Preis, wie bisher ange- geben, 63 Pfennig einschließlich Garderobe und Theaterzettel. Karten beim Obmann im Theatervorraum. Versteigerung des Karlsturms bei Geltow. Bor dem Potsdamer Amtsgericht wurde der früher dem Prinzen Friedrich Leopold von Preußen gehörende Karlsturin mit Gc- lände bei G e l t o w, allen Touristen wohlbekannt, zwangsocrsteigert. Das höchste Gebot gab Frau Anna Hesse aus Berlin-Schlachtensce mit 20 000 Mark. Der Vertreter der Erbmasse des Prinzen legte gegen die Erteilung des Zuschlages Beschwerde ein. >; 1 H R E R GÜTE WEGEN BERLINS MEISTGERAU�HTE CIGARETTE 7m.< rguC] 22.F6bn�932/abds.�� I a_ q �©wolkenlos,® heiler,® halb bcdeckr �® wolkig,•bedcck�Regsn�Graupeln KSdinef.=Mebel/e Uhr, findet im Jugend. heim Sunterftraße eine Eltcrnvcrfammlung mit dem' Referat„Sozialistische Er. ziehung" Patt. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation j 139a Abt. Die Beisetzung der Urne unseres verstorbenen Genossen Paul T o p p e r t findet am 27. Februar um 16 Uhr auf dem Neuen Tegeler Friedhof statt. Rege Beteiligung wird erwünscht. Sozialistische ArbeltermendGroß-V erlin Einsendungen siir diese Rubrik nur an das Iugcndsekrelariol Berlin SW 08, Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. heule. Dienstag. 19� Uhr. Arkonaplatz: Elifabethkirchstr. 19:„Abrüstung".— Köllnischer Park: Waisen- straße 18:„Reichspräsidentenwahl".— Zentrum: Waiseustr. 18:„Wie kam es zum Kriegs"— Rosenthalcr Vorstadt: Tieckstr. 8: Heimabend.— Gesund. brunncn I: Gotcnburgcr Str. 1:„Sexuelle Frageu".— Gesundbrunne» U: Koloniestr. 8:„Arbeiterdichtung".— Humboldthain: Putbusser Str. 3:„Alkohol und Nikotin".— Schillerpark: Schöningstrahe:„Tagespolitik".— Wedding: Willdenowstr. 5: Zusammenarbeit mit den Krnderfreunden.— Wedding. Roro: Turiner Ecke Seestraße: Bericht von der Generalversammlung.— Wedding. R. F.: Willdenowstr. 5:„Entwicklungsgeschichte".— Arminplatz: Sonnenburger Straße 20:„Gewerkschaften im Klassenkampf".— Arnswalder Platz I: Rasten- burger Str. 16:„Wir und unsere Eltern".— Balkan: Mandelftr. 2: �Tagespolitik".— FaUplatz I: Funktionärversammluug beim Genossen Müller. Greifen. Hagener-, Str. 62.— Helmholtzplatz:, Kastanien allee 81(Schule):�.,Aügu st Bebel". — Nordoste»!: Danziaer Str. 62:„Iuaendbcwegung".— Beißensl'e:'Park- 'strÄtze 36:.�Presse" ist Deutschland unÄ'Ästdeben Ändern".— Hasenheid«: Wasser- torstr. 4:„Die Gewerkschaften in der Krise".— Köpenicker Viertel: Mü-Ntenfsel- straße 7: Lichtbilderabend.— Reichenbcrger Viertel: Manteusfelstr. 7:„Soziall- stische Erziehung".— Süden: Porckstr. 11: Kultürabend. Siidwestev: Linden- straße 4: Arbeitsgemeinschaft.— Friedenau: Offenbacher Str. 5a: Spielgruppe. — Schöneberg I: Hauptstr. 15:„Iugendschutz und Iugendrecht".— Schöne- berg II: Hauptstr. 15:„Nationalsozialistischer Kulturkampf".— Charlotten bürg: Rostnenstr. 4:„Mit oder ohne Gott?"— Charlottenburg-Rord: Kaiserin- Angusta.Allee 97a:„Jugendgericht".— Steglitz I: Albrechtstr. 47a; Ebert-, Lenin-, Eisner-Abend.— Tempclhof: Götzstroße:.„Lehrverttäge".— Reu- Tempelhof: Wintgenstraße:„Freundschaft— Kameradschaft— Liebe".— Britz: Chausseestr. 48: Heimabend.— Reukölln I: Hobrecht- Ecke Canderstraße: Heim- abend.— Reukölln ll: Steinmetzstr. 94: Heimabend.— Neukölln!>': Kann er Straße:„Iapan-Ehina-Konflikt".'— Neukölln VI: Treptower Str. 95— 96: Heim- abend.— Reukölln VN: Karl-Marx-Schule: Heimabend.— Reukölln X: Berg- straße 29: Heimabend.— Reukölln XI: Flughafenstr. 68: Heimabend.— Schöne- weide I:„August Bebel".— Treptow: Elsenstr. 3: Bunter Abend.-7- Köpenick l: Grünauer Str. 5: 10.Minuten-Referate.— Karlshorst: Treskowallce 44:..Wirt- schaftsgebiete der Erde".— Lichtenberg-Nordwest: Dossestr. 22:„Internationales Arbeitsamt".— Rcinickcndorf-Ost: Lindauer Str. 1:„Unsere Ostcrwerbefeier.— Tegel: Schönoberger Str. 3:„Tagespolitik".— Wittenau: Hauptstr. 13:' Heim- abend.— Buchhölz:„Die Bedeutung der Gewerkschaften".— Karow: Frunds- bcrgftr. 9: Heimabend.— Riederschöuhausen: Lindenstr. 47: Kampstiederabend.— Pankow l und II: Görschstr. 14:„Die Eiserne Front und die Aufgaben der Jugend". Werdebezirk Reinickendorf: Wittenau. Hauptstr. 13, Sitzung des Arbeitsaus- schusses der SAI. gemeinsam mit den Kinderfreunden. Durch außergewöhnlich niedrige Preisstcllung zeichnen sich die Angebote des konsumgcnossenschastlichcn Warenhauses in Berlin S., am Oranienplatz, in Gardinen, Teppichen usw. aus. Eine sehr geschmackvoll arrangierte Ausstellung im dritten Stockwerk bietet den Genossenschaftsmitgliedern eine Ueberficht der reichhaltigen Lager- bestände. Besondere Beachtung verdient auch der große Reste- Vertauf im Lichthof des Konsum-Warcnhauses. Eiterne Front! Unsere nächsten Veranstaltungen Dienstag, den 23. Februar: Städtische Güter Falkenberg, Wartenberg, Mahlow, Hellersdorf(Rieseiwärter und Gutsarbeiter): 13 Uhr, Lokal Meier, Falkenberg bei Berlin. Redner: Georg Klaufincr, MdL Aschinger-Konzcm: 17 Uhr im Hackeschen Hof, Parterre-Saal, Rosenthaler Straße 40 41. Redner: Karl Dressel. Abt. 109. Friedrichshagen: Im großen Saal des Gesellschaftshauses, Friedrichstr. 137, öffentliche Kundgebung. Redner: Dr. Haubach, Leiter der Presseabteilung des Berliner Polizeipräsidiums. Mittwoch, den 24. Februar: Angestellte und Handelsarbeiter der Warenhäuser des Zentrums: 20 Uhr, Arminsäle, Kommandantenstraße 58/59. Redner Dr. Kurt löwenstein, MdR. Musik: Reichsbannerkapelle. Politisches Kabarett. Städtische Güter WaSmannsdorf, Kleinliethen, Boddinsfelde, Kläranlage(Rieselwärter und Guisarbeiter): 13 Uhr in Waßmannsdorf, Lokal Mette. Redner: Georg KlauSner, MdL Donnerstag, den 25. Februar: Angestellte und Handelsarbeiter der Warenhäuser KdW., Tauentzienstraße, Michels& Cie., Tauentzienstraße, Wool- worth, Tauentzienstraße, Salamander, Tauentzienstraße, Stiller, Tauentzienstraße, Leiser, Tauentzienstraße: 19T- Uhr, kleiner Saal der Spichernsäle,. Spichernstr. 3. Redner;. Clara Bohm-Schuch, MdR. Angestellte der National-Reg.-Kasse: 16K Uhr im„Thiemann- Eck", Ecke Thiemannstr. Referent: Dr. O 1 1 o F r i e d I ä n d e r. Freitag, den 26. Februar: Freigewerkschaftlich organisierte Taubstumme und deren An* geherige: 19 Uhr im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25. Redner: Stadtrat Otto Ortmann. Arbeiter und Angestellte des Polizeipräsidiums GroB-Berlin: 20 Uhr im Hackeschen Hof, Rosenthaler Straße 40/41. Redner: Bürgermeister Paul Mielitz. Angestellte und Arbeiter im Waisenhaus Rummelsburg. 19)- Uhr. Poczontik, Hauptstr. 87. Karl Dressel. Wir stoßen vor! Wir greifen an! Groß-Berlin Einsendungen für diese Rubrik sind ßt stet» an da» Bezirtssekretariut »erliuSW««. Lindenstraß« 3, 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richte» Arbcilsgemcins6)asl sozialdemokr. Lehrer und Lehrerinnen. Bezirksgruppe Verlin. Mittwoch, 24. Februar, 19 Uhr, im Berliner Theater, Sondervorstellung „Kamps um Kitsch". Preis der Karte 65 Pf. einschließlich Kleiderablage und Theaterzettel. Die Dienstagnachmittagvorstellung fällt aus. Die Karten behalten ihre Gültigkeit für Mittwoch. 4- Beginn aller Veranstaltungen Uhr. sofern keine besondere Zettangabc! 9.»reis. H-uir, Dienstsa, 28. Fsbruar, M Uhr, areisvcrtreterversammluvg. im Viktoriagartcn, Wuhclmsaue. gutritt nur mit Mapdat und Mit- gliedsbuch. 17. Kreis. Außerordentliche Funktionärkonferenz Mittwoch, 24. Februar, 19 Uhr. in der Schulaula Kronprinzenftraße. Die 115. Abt. hat zur Ein- äscherung des verstorbenen Genossen Elias das Kreisbanner zu stellen. 2g. Kreis. Sitzung des Vildungsausschusses Dienstag im Volkshaus Reinicken- darf. West. 3. Abt. Mittwoch, 24. Februar, Zahlabend in der Stallfchreiberstr. 19.„Poli- tische Lage und Reichsvräsidentcnwahl", Referent Dr. Gerhard Luckow. 4. Abt. Mittwoch, 24. Februar, Zahlabend bei Brandis, Stralauer Str. 10. „Die Geschichte des Sozialismus und der Sozialdemokratie", Referent Dr. Otto Friedländcr. 9. Abt. Höuto, Dienstag. 23. Februar, 19 Uhr, treffen sich die Mitglieder des Borstandes, Bezirksführcr und Ordner zu einer dringenden Sitzung bei Hufcnbach. 10. Abt. Mittwoch. 24. Februar, Holsteiner User 14. Zusammenkunft der er- merbslosen Parteimitglieder.„Wege aus der Wirtschaftskrise", Referent Dr. Hans Adler. 14. Abt. Mittwoch. 24. Februar, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Swine- münder Gesevschaftshaus, Swinemünder Str. 42...Kommunale Einrich- tungen und Arbeit", Referentin Stadtverordnete Weide. 2V. Abt. Mittwoch. 24. Februar, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Dabbert, Schulstr. 66.„Der Fünsjahresplan", Referent Engelbert Graf, M. d. R. 23. Abt. Mittwoch. 24. Februar, Mitgliederversammlung im großen Saal der Hochschulbranerci, See- Ecke Amrumer Straße. Referent Nikolaus Bern- hard, M. d. R.:„Die politische und wirtschaftliche Lage". 27. Abt. Mittwoch, 24. Februar, 18' 2 Uhr. vor der Mitgliederversammlung in den Schönhauser Fcstsälen, wichtige Besprechung der Funktionäre. 28. Abt. Mittwoch, 24. Februar, Zahlabende. Gruppe I bei Bogen, Schwedter Straße 23; Gruppe Ii bei Golder, Oderberger Str. 39;. Gruppe Hin bei Rcchenberg: Gruppe IV bei Länecke, Hagenauer Str. 5; Gruppe V bei Bar- teldt. Wörther Str. Gruppe VI bei Maß. Prenzlauer Allee.— Achtung! Gruppe Mb erst am Donnerstag bei Rechenberg. 31. Abt. Mittwoch, 24. Februar, Zahlabende: bei Goldschmidt, Stolpische Straße 36: bei Meißner, Schivelbeiner Str. 34; bei Hemprich, Bornholmer Ecke Malmöer Straße. 34. Abt. Mittwoch, 24. Februar, Funktionärsitzuug bei Seidlitz, Romintener Straße 7. Die Plaza am Küstriner Platz spielt bis zum 29. Februar Paul Abrahams Operette Die Blume von Hawai, wiederum�in der Origmolinszenicrung des Mctropolihcoters und wieder mit einem Bombenerfolg. Zwar ist die Handlung wirklich außerordentlich kärglich und die Schlagermclodien sind nicht mehr neu, aber das elegische Lied des hawaischen Prinzen Lilo-Taro! Ein Paradies am Meeresstrand, von Kammersänger Fasse! beherrscht und aus- drucksvoll gesungen, hat immer noch seine starke Wirkung Bezeich- nend, daß gerade die luftigen Partien des Werkes hier draußen am stärksten einschlagen. Victor C o l a n i als amerikanischer Jazz- sängcr, Heidi Eisler als quecksilbrige Gouverneursnichte und Franz H e i g l als urkomischer Sekretär versetzten das Hous mit Tänzen. Couplets und Scherzen in beste Laune und heimsten alle Ehren ein. Äammersänger Fasse! als howaischer Prinz und I e l l i c Staffel als hawaische Prinzessin vertraten wirksam das exotische Clement. Warum läßt man aber den Chor gut gewachsener Mädels so sehr beiseite stehen. Als hawaische Hula-Hula-Tanzmödchcn hätten sie die beste Eclegenbeit gehabt, wenn nicht anders, so in einer Einlage tänzerisches Können zu zeigen. Friedrich Richard Haas dirigiert hingebend und mit Temperament. T-s Motorkabincnschisf Baldur, das!n den letzten Jahren vielen Arbeitcrorgainsalionen, besonders auch der Arbeiterjugend bekannt und der- traut geworden ist, hat soeben seine Werbeschrift für 1332 heraus- gegeben. Da bereits mit der Festlegung der Fahrttermine begonnen worden ist, seien die Organisationen aufmerksam gemacht. Anfragen sind zu richten an die Grüne Heimat, W. 9, Linkstraße 21(Lützow 6363). Allgemeine Wetterlage. Schon 10 Tage lang liegt bei den Britischen Inseln ein kräftige- Hochdruckgebiet. Auf seiner Ostseite fließen teils milde Lufimafsen, die vom Ozean'-zum NsrdMcsr gelang t stnb,- teils. getegei! tlich kalte Lustmassen aus höheren Breiten über Skandinavien nach Süden. Am Dienstag lag der größte Teil des Reiches im Bereiche milder Luft. Die Temperaturen stiegen durchweg über den Gefrierpunkt, in Norddcutfchland um 5 bis 8 Grad Celsius. Zur Zeit ist nun über Skandinavien ein Ausläufer des englischen Hochs zu erkennen. Er wird südwärts wandern, und unser Wetter vorübergehend bcein- flusscn, bis ein über dem Nordmccr in Entwicklung befindliches Tief mit seinem Schlechtwettergebict folgt. -i° Wctleraussichken für Berlin. Zunächst zeitweise aufheiternd, später wieder stärkere Bewölkung mit leichten Niederschlägen, Tages- temperoturen über Null, nordwestliche Winde.— Für Deutschland. Im Nordosten kalt und anfangs aufheiternd, spater mäßige Schnee- fälle: im übrigen Reiche meist stärker bewölkt, ziemlich mild, einzelne Niederschläge. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner„Schwar;-Rok-Gold". G e l ch ä s t s st e 1 1 e: Berti» S. 14, Eebastionstr. 37—38, Hsf 2 Sr. Friedrichs Hain, Nameradschaft Büsching: Dienstag, 23. Februar, Mit. gliederversammlung im Lokal Ballschmidt, Friedcnstratze.— Reu. liilln-Beitz, 1. Sameradschast, l. Zug: Mittwoch, 24. Februar, 2V Uhr, Zugvcr. sammlung bei Schulze, Rcuterstr. 47. Palizei-Sv-rtvereia Berti», e. B.,«bt. Einheitslnrzschrist. Regelmäßige Ilcbungsabend an allen Wochentagen, außer Sonnabends, im Polizei.Schul. gebäude. Hannoversche Str. 28—30, 2. Etolk, Zimmer 10. Auch für Zivile. An. sänger., Fortbildungs. und Redeschristkurfe. Mitgliedsbeitrag monatlich 1,ö0 M. Heinrich Stemmer: Europas unarüger Schüler Was bedrückt den Bedrücker Japan? Wie erklärt sich die Gärung im japanischen Volke, die gewisse leitende: o e r leitende 5ireise in eine allerdings bereits wesentlich gedämpfte Kriegs- begeisterung umzusetzen verstanden haben? Wie ist dem schicksal- geschlagenen China gegenüber ein Vorgehen zu begreifen— billigen tut es niemand—, das sich wie ein organisierter fanatischer Raubüberfall ausnimmt? In der vorsuropäischen Aera waren in Japan Hungersnot- kotastrophen leine Seltenheit, wie davon in größerem Ausmaß das heutige China und Indien heimgesucht sind, beides Völker mit be- scheidencrcn Ambitionen. Die Flucht in okzidentale wissenschaftliche Methoden, die unter allen den volkreichen orientalischen Nationen allein das kleine Japan vorsätzlich, systematisch und erfolgreich auf der ganzen Lebsnslinie durchgeführt hat, war ursprünglich nicht ollein der Angst vor der Ueberlegenheit europäischer Waffen ent- sprungen, sondern ebensowohl dem inneren Druck durch Ueber- beoölkerung und Auflehnung gegen die empfohlenen Äindermord- Praktiken. Als wohltuendster Faktor unter den vielseitigen westlichen Einflüssen ist denn auch die außerordentlich erhöhte Nahrungs- befchaffung durch wissenschaftliche landwirtschaftliche Produktions- Methoden zu buchen. Dreiviertel der Beoölkerung waren und find nock) über die chälftc: Landarbeiter. Man hat das Kunststück fertig gebracht, auf einem schon immer intensiv kultivierten Acker- boden, nicht größer als der Bayerns, der vor 50 Jahren 36 Millionen ernährte, Brot: d. h. Reis für 63 Millionen zu produzieren — das Quantum ist pro Kopf eher um eine Wenigkeit gestiegen. Mit Uebertragung intensivster Bodenbewirtschaftungsmethoden auch auf Korea glaubt man die aus Reis und Fisch bestehende Volks- ernährung für die nächsten 36 Jahre sicherzustellen.(Die unter staatlicher Leitung stehende Fischereiindustrie ist die ergiebigste der Welt.) Es hebt sich ober der Lebensstandard bei der rasch zunehmen- den Industrialisierung, der japanische Arbeiter kann oder will heute nicht wie der Chinese leben, in steigendem Maße wird Brot ge- backen, während doch andererseits der Fleisch- und Geflügelkonsum nur 2li Pfund pro Kopf beträgt und Milch, poer sich diesen Luxus leisten kann, wird in Medizinfläschchcn verabreicht— die Wünsche steigen, es fehlt das Geld, sie zu befriedigen. Der japanische ge- lernte Arbeiter und der Bauer lebt, oerglichen mit dem Chinesen oder Inder, schon auf einem gewissen Niveau, er ist ein kultivierter Armer, der die ihm auferlegten(von uns aus gesehen) äußersten Beschränkungen mit sehr viel Würde und mehr oder weniger Geduld trägt. Und das, was für den einzelnen Mann gilt, gilt für den Staat. Japan ist arm an Bodenschätzen, sehr viel ärmer als irgendeine der großen europäischen Lehrmeisternationen und nicht weniger ehr- geizig. PZoher soll das Geld fließen für Japans soziale und Volks- erziehungsinstitute, zur Förderung der mangels an Privatkapital meist als Staatsunternehmen gegründeter Industrien... und das Geld zur Unterhaltung der großen Armee und Marine? Japan ist in hohem Maße abhängig von(teuren) ausländischen Anleihen und der Entwicklung seines Exporthandels. Die Finanzlage Japans hängt(in unwahrscheinlichem Maße) an einem seidenen Schnürchen. Die(hauptsächlich nach dem befeindeten USA.) exportierte ge- sponnenc Seide übersteigt 46 Proz. der Gesamtausfuhr(während die Zollschranken dieses und anderer Länder die Ausfuhr der schönen Seidenstoffe schwer beeinträchtigen). Und der zweite chauptexport- ortikel, die von den Chinesen boykottierte Baumwolle, ist die Ur- fach« dieses im Friedenszustand geführten chinesisch-japanischen Krieges. Japanische Baumwollspinnereien und-Webereien kon- kurrieren heute auf ollen Weltmärkten mit Erfolg, und die Export- Ziffern sind von drei Viertelmillionen Pen(vor dem Kriege) auf über 466 Millionen gestiegen. Seide und Baumwolle bilden zwei Drittel des japanischen Exports, und dieser zweite, der Wollfaden, ist in den letzten Monaten gerissen— die Ausfuhr nach China fiel von 46 Millionen Uards(1936) auf weniger als eine halbe Million (1931). Unter den Spinnern und Webern von Lancashire herrschte großer Jubel, als Kabelmeldungen aus dem Fernen Osten einliefen — und die japanischen Arbeiter wurden abgebaut Der Baumwoll- boykott aber nahm seinen Ursprung in Schanghai und verbreitete sich von dort über ganz China, dessen Spinnereien sich über 46 Proz. in japanischen Händen befinden. Japan ist auf China angewiesen: an der dauernden Feindschaft seiner Hunderte von Millionen würden seine Exportindustrien zu- gründe gehen. Will Japan eine Weltmacht bleiben, so muß ent- weder eine Berständigung mit China gesucht oder China nieder- gezwungen werden. Weitsichtigere Staatsmänner � wie Shidehara haben sich um Chinas Wohlwollen bemüht in der Einsicht, daß heute keine Nation ihr Heil für sich alleine findet und insbesondere China und Japan aufeinander angewiesen sind. Sie haben von Europa auch diese letzte Lektion gelernt, daß Kanonenrohre und nationaler Jmperalismus nicht hinreichen. Es gibt aber ein anderes Element in Japan, das gegen fried- lichen Internationalismus und für eine starke Hand ist und die nationale Sicherheit auf die altherkömmliche europäische Weise im- periolistischer Expansion sucht: bei uns nennt man das reaktionär. China hat durch die an Japan gezahlte Kriegsentschädigung die japanischen Industrien gründen helfen... warum soll China sie jetzt nicht auch erhalten helfen. Hat nicht China Sorgen genug, Platz für seine verhungerten Toten zu finden und unter den inter- nationalen Kanonenrohren zu einer Nation zu konstituieren? Wie haben die europäischen Lehrergroßmächte Bevölkcrungs- und Absatz- Problem gelöst? Indem sie die Schwächeren eroberten und koloni- sierten. Das sind die Argumente eines unartigen Schülers gegen einen Lehrmeister, der sich bereits eines besseren besonnen hat. Siuri£udrvig Itlüller: Wie ßoelhe befpi wurde Die Wiekrer Goethe-Gesellschaft hat im Bereiche der Hofburg ein eigenes staatliches Goethe-Museum eingerichtet. Dort finden wir allerlei wichtige oder nebensächliche oder merkwürdige Sachen, und man muß sich nur wundern, daß so viel zusammengetragen werden konnte, was irgendwie mit Goethe in Beziehung steht. Alle dort sich befindenden Dinge aber sollen uns in diesem Zusammenhang nicht kümmern. Wir wollen unser Augenmerk nur aus einen größeren Schaukasten richten, in welchem sich einige Schriftstücke mit großen amtlichen Siegeln befinden, wie sie nur die allerhöchsten Obrigkeiten verwendeten. Was aber soll Goethe damit zu tun ge- habt haben? Er war wiederholt in Oesterreich in Badeorten oder auf der Reise nach Italien, doch immer als Privatperson und nie in amtlicher Mission. Wir können den Zusammenhang nur finden, wenn wir uns den Geist der Zeit vor Augen stellen. Es war ein finsterer Geist. Metternich gab ihm das Gepräge, jener Mann, der sich aus Besorgnis vor der Demokratie auch nicht im geringsten � an Zeitforderungen und Zeitfortschritte anbequemen wollte. Metter- nich wirkte auch bestimmend aus die deutscheu Verhältnisse. Im Dezember 1797 vertrat er Deutschland auf dem Kongreß in Rastatt, in welchem mit über die Zurückgabe vieler durch Napoleon eroberter Landesteile beraten wurde. Viele erhofften damals die Wieder- Herstellung des Deutschen Reiches, doch eine solche Lösung war dem Lenker der österreichischen Politik nicht erwünscht. Er störte die preußischen Einheitsbcstrebungen und begünstigte die Wiederher- stellung der vielen kleinen Fürstenländchen. Metternichs Feindschaft gegen die Demokratie zeigte sich vor allem in den Maßregeln, aie er ergriff, als der Staatsrat Kotzebue erdolcht worden war. Damals hat Metternich alle gesetzlichen Freiheiten in unglaublich scharfer Form beschnitten und die innere Unabhängigkeit der Bundesstaaten beschränkt. Die bekannten Karlsbader Beschlüsse brachten die Aufhebung der Pressefreiheit, die Einführung der Zensur, die Ueberwachung Der Universitäten und der Vorträge der Lehrenden. Es ist klar, daß ein solches strenges Regiment immer bedroht ist und zu seiner Sicherung besondere Vorkehrungen treffen muß. Eine Stoatesoxm, die nicht in der Seele des Volkes ver- ankert ist, ersetzt die mangelnde Zuisttmmung durch brutale Gewalt, so wie es der Faschismus in Italien tun muß. Die Sicherungsvorkehrungen Metternichs wurden einmal auch gegen Goethe angewendet, als er durch Oesterreich reiste. Man sah den Dichter in der Haus-, Hof. und Staatskanzlci in Wien als ein höchst verdächtiges Indiviouum an, auf das besonders sorgfällig Obacht gegelen werden muß Daß Goethe der Dichter des Tassa. der Iphigenie und anderer großer Werke war, das konnte trockene Bürokratendenkweis« nicht würdigen, und man sah das auch als Nebensache an. Goethe war ja zugleich noch der erste Minister eines deutschen Bundesstaates, dessen Regent ein Herzog Karl August von Weimar war, der als der Urheber jener Bestrebungen im deutschen Fürstenbunde gall, die«ine Bevormundung der deut- schen Kleinstaaten durch Oesterreich ablehnten. War man auf den Herzog nicht gut zu sprechen, so übertrug sich das ohne weiteres auf seinen ersten Beamten. Man ließ diesen auf seinen Ver- gnügungs- und Kunstreisen unter Aufbietung aller Finessen streng- stens beobachten. Die Taffache, daß er Karlsbad verließ und dann in Italien austauchte, genügte, daraus politische Vermutungen abzuleiten. Man ließ Goethe auch in Italien nicht aus dem Auge. Der österreichische Gesandte in Rom hatte besondere Order für peinlich« Ueberwachung, die er auch ausübt«. Goethe wußte es nicht, daß jener freundliche Herr, der fast täglich mit an seinem Mittagstisch Platz nahm, der deuffche Sekretär des Gesandten Josef von Hudelift war, der nur zum Schein mit ihm Eindrücke besprach und Meinungen austauschte. Die Spitzeleien erstreckten sich zugleich mit auf Goethes Brief- Wechsel, oer abgefangen und nach Verdächtigem durchstöbert wurde. Im Hof- und Staatsarchiv' in Wen liegt heute noch, wie kürzlich Dr. Alfred Apsler in einer Wiener Zeitung berichtete, ein Original. brief, den die Frau Rat, Goethes Mutter, an ihren Sohn schrieb, der diesem aber nicht ausgehändigt worden ist. Zusammen mit diesem Briefe ging der Bericht ces Gesandten über den bisherigen Erfolg der Nachforschungen nach Wien. Darin heißt es:..... Was ich inzwischen von Herrn Goethe in Erfahrung gebracht habe, ist, daß die Briefe, die er an seinen Fürsten geschrieben, unter seiner eigenen Anschrift waren, nämlich: An Herrn Goethe, Geheim>n Rat des Herrn Herzogs von Sachsen-Weimar. Er hatte auch einen starken Briefwechsel mit verschiedenen Gelehrten und seiner Mutter in Frankfurt, von welch letzteren mein deutscher Sekreta- rius einen Brief in seine Hände bekommen und ich hier beilege. .... Sein Umgang allhier war fast einzig mtt deutschen Küirst- lern... Dieser Bericht mag in der Wiener Staatstanzlei bc- ruhigend gewirkt, aber sicher auch enttäuscht haben, denn man hatte gchofft,«inen Staatsstreich vereiteln zu müffen. Goethe hat alles das, was sich da hiittcr feinem Rücken ab- spielle, nicht gewußt und nie erfahren. Wäre ihm jedoch Kenntnis davon geworden, so hätte sein« erhabene Größe und ausgeglichene Ruhe diese Dinge sicherlich überhaupt nicht der Beachtung wert befunden, gewisse Menschen wohl aber der Verachtung. rmM MHi Wöget von Celebes In die heutig« Zeit, in der infolge der Wirffchaftslage das Menschenleben so trist ist und in der im Verlaufe der Jahreszeit die Pflanzen, und Tierwelt nahezu farblos erscheint, platzt als lusttger Farbenfleck eine Ausstellung des Museums für Natur- künde, die einzig und allein der Vogelwelt von Celebes gewidmet ist. Diese Fqrl«nfreudigkeit konnte aus eigenen Mitteln des Mu- seums hergestellt werden. Dennoch wäre das wohl kaum Ursache, sich derart ausgiebig mtt den Vögeln von Celebes zu beschäftigen. Der Hauptgrund ist, daß dort fett dem Jahre 1936 der deutsche For- scher Gerd Heinrich tätig ist, dessen wissenschafllich« Ausbeute zu uns kommt. Das Drum und Dran dieser Expedition ist sehr eigenartig. Amerika wollte nämlich gerne ein Exemplar der flugunfähigen Ralle von Celebes haben. Und darum wurde, durch die Verbindungen des Prof. Stresemann, der auch diese Sonderausstellung bewerk- stclligte, der Deutsche Gerd Heinrich beauftragt, eine Ralle zu be- schaffen. Daraus kristallisierte sich folgender Tatbestand: Die Amerikaner geben das Geld und bekommen die flugunfähige Ralle. und die Deutschen geben kein Geld und bekommen die übrige reiche wissenschaftliche Ausbeute. Gerd Heinrich, der namentlich die höheren Gebirg« durchstreift, zur Zeit weill er im Mengkoka-Gebirge. ist ein Sammler ganz großen Formats. Und in Celebes gibt es etwas zu sammeln: denn dort herrscht ersteulicherweise extremer Naturschutz. Er kann sehr streng gehandhabt werden, weil überhaupt keine Schußwaffen ins Land dürfen. Der deuffche Forscher aber hat eine Schießerlaubnis bekommen: daß er dadurch den Fort- bestand der Vögel nicht gefährdet, versteht sich von selbst. Er wird begleitet von seiner Frau und seiner Schwägerin, welche die er- legten Tier« präparieren. Von mtferem besonderen Celebes-Jnteresse abgesehen, ist die Berichterstattung durch Vogelbälge, die jetzt im Museum zu sehen ist. eine sehr bemerkenswerte. Ein Teil von Celebes und die wettere Umgebung sind bekanntlich vulkanischer Natur. Durch die Tier- welt jedoch erfahren wir genaues über die frühere Geschichte des Landes, und die Vögel weisen die einstigen Landverbindungen nach. So sind die Vögel von Celebes nicht identisch mit denen von Borneo. Sett langen, langen Zeiten sind also Celebes und Borneo durch ein Meer getrennt. Anders steht es mit den Philippinen. Celebes hat nicht nur selbst eine reiche Vogelwclt, es beherbergt auch Zugvögel. So kommen u. a. aus Asien, um dem heimallichen Winter zu ent- gehen, die auch uns wohlbekannten Pfeifenten und Krickenten, und vom Süden kommen australische Vögel nach Celebes, wenn es ihnen daheim zu ungemütlich wird. Kunterbunt ist die dorttge Vogelwclt, und sie darf sich das ohne Gefährdung erlauben, weil sie in all dem bunten Geflimmer nicht auffällt. Wobei bemerkt werden soll, daß unsere bunten Vögel eigentlich alle aus den Tropen stammen So der Eisvogel, der dort in vielen Arten vertreten ist, ohne daß er als reiner Tropenvogel jemals etwas mit dem Eis zu tun hat. Den Kuckuck(in Deutschland haben wir nur einen) findet man in Celebes in zehn Arten, von denen drei selbst Nester bauen, während die übrigen sieben Arten genau wie unsere zu den Brutschinarotzern gehören. Fabelhaft leuchtenden Federschmucks erfreuen sich die Prachtdrosseln(Bodenvögel) und die Fruchttaubcn. Letztere haben einen ganz kurzen Darm, der besonders für die Fruchtnahrung ein- gerichtet ist. Kann man nun aus der Tierwelt auf Geographie und Geologie Rückschlüsse ziehen, so studiert der Wissenschaftler u. a. an der Färb- abänderung die Wirkung des Klimas auf den Bogel. Das Klima verändert sein Aeußeres oft recht augenfällig, das kann der Laie z. B. an den Fruchllauben ohne weiteres feststellen, die, je nach ihrem Vorkommen im Norden des Landes einen grünen Rücken, un Zentrum einen grauen Oberrücken und im Süden einen ganz grauen Rücken haben. So stützt eine Beobachtung die andere, ein Wissensgebiet greift ins andere, und alles weist uns auf das eigene Verbundensein mit dem All hin._ tr. voboiiakoir: Hchttäche Herren Sowielrutfifctie Qroteske Die Gemeinschaftsküche der Kommunalwohnung glich einer Hölle. Es herrschte darin eine wahrhaft infernalische Hitze, und die Stelle der Teufel vertraten die Hausfrauen. „Ach, diese Frauen, diese Frauen!" sagte eines Tages der alte Junggeselle Michael Palytsch, wälirend er sich eine Suppe kochte.„Ihr müßt euch doch immer wieder gegenseitig beschimpfen! Es wäre besser, ihr tätet mal raufen, ihr Frauen, noch besser aber wäre es, wenn ihr untereinander Frieden schlösset." „Frieden schließen?... Hier läßt sich nicht so leicht Frieden schließen", antworteten im Chorus die Hausfrauen.„Wir haben nun mal schwache Nerven. Von dem vielen Hungern und dem 'Anstehen vor den Läden haben wir alle einen Knacks bekommen---- Und da sagen Sie noch, wir sollten uns vertragen!" „Ich weiß schon, meine Teuersten", sagte Michael Palytsä, und kostete behutsam eine Kartoffel aus der Suppe.„Wir sind alle zermürbt und verlottert. Versuchen Sie aber dennoch ein allbewährtes Mittel: Wenn sich eine erzürnt, so soll sie ein wenig beisette gehen und bis hundert zählen. Ein Rezept aus der Zeit unserer Großväter! Man beruhigt sich sofort." Und schon war gerade wieder«in Konslikt entstanden. „Machen Sie Ihre Pfanne frei", sagte die Hausfrau aus Zimmer 17.„Auch meine Koteletts müssen gebraten werden, weil mein Wann bald kommt." „Ich spucke auf Ihre Kotelett-..", widerfprock) sehr wenig gastfreundlich die Hausfrau aus Zimmer 13. „Ach, sieh mal an! Du geiferzüngiges Geschöpf, du Schlange von einem Mensch..." „Zählen! Zählen!" rief man ihnen von allen Seiten zu. Die beiden Hausfrauen, die schon nahe daran waren, ein- ander in die Haare zu fahren, verstummten und begannen zu zählen: „Eins, zwei, drei, vier, fünf..." Jetzt war es ganz still am Herd. „Vierunddreißig, fünsunddreißig, sechsunddreißig..." „Neunzig, einundneunzig, zwciundneunzig..." „Hundert!" hauchte als erste die von Zimmer 13.„Hundert! Und doch werde ich dos dieser Hündin nicht verzeihen. Ist um ihren Mann besorgt und schielt doch immer nach fremden Män- nern!" „Hundertl" holte sie jetzt die andere ein...Du ägyptische? Scheusal! Wedelst ja selber überall mit deinem Rock herum!..." „Wie— ich? Du elende Bestie! Ich werde dir..." „Weiterzählen! Weiterzählen!" mischten sich die übrigen, dem Schlachtfelde fernstehenden Hausfrauen ein.„Die haben keine so starken Nerven wie unsere Großväter, wie sollte da ein Hundert ausreichen!" „Hunderteins, hundertzwei, hundertdrei..." .�zundertzweiundachtzig...", stöhnte die von Zimmer 17.„Sie enffchuldigen schon, meine Damen, mein Blut— hundertdreiund- achtzig— siedet schon, am liebsten— hundertvierundachtzig— wollt« ich— hundertfünfundachtzig— diesem Aas in die Fresse spucken. Hundertsechsundachtzig, hundertsiebenundachtzig..." „Zweihunderteins, zweihundertzwei, zweihunderdreimal", fiel ihr die andere ins Wort,„zweihunderwiermal warst du ein Kamel und wirst auch ein Kamel bleiben! Zweihundertfünf, zweihundert- sechs..." „Bierhundertzweiunddreißig, vierhundertdreiunddreißig... Ich bin kein Kamel— vierhundertvierunddrcißig. Aber ich schmiere mir nicht— vierhundertfünfunddreißig— die Fratze und die Brauen an— oierhundertsechsunddreißig— wie du liederliches Frauenzimmer..." „Am liebsten— neunhundertsieb enundneunzig— würde— neunhundertachtundneunzig— ich dich— neunhundertneundund- neunzig— verhauen— tausend!" Und schon stürzte sie auf die andere los. Der alte Junggeselle Michael Palytsch nahm seine Kasserolle vom Herd und entfernte sich. „Die haben allerdings schwache Nerven", sagte er, in der Tür stehend.„Sehr unruhige Nerven. Solche Nerven bedürfen bc- roits der höheren Mathematik!" (3nt Deutsch« itiertragen von Ken» Sbioff.) „Berlin* war ursprünglich männlichen Geschlechts. In alten Urkunden wird es stets ,cher Berlin" genannt. Auf Kuba gibt es zwischen dem eben durch ein schweres Erd- beben heimgesuchten Santiago und Kap Cruz ein noch völlig un- bekanntes Gebiet, das aus Bergen besteht, in denen die Indianer seinerzett vor der Grausamkeit der Spanier Zuflucht suchten. Gefrorene Nahrungsmittel sind weniger wertvoll als frische. weil die für die Ernährung wichtigen Bestandteile bei dem Gefrier- prozeß leiden. 7ir. 89• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 23. Februar 4932 Eine historische Vankensanierung. Die Verluste der Großbanken.— Leistungen und Geschenke des Reichs. Der 22. Februar 1932 wird in die kapitalistische Wirtschafts- gesälichte als Datum des größten Aktes eingehen, mit dem jemals der Staat in die Wirtschaft eingegriffen hat. Acußerlich ein grandioser Akt der Verlustbereinigung, ist der 22. Februar zu- gleich ein Tag der allerstärksten Ausdehnung des Staates in der Wirtschaft. Das geschah nicht mit dem Willen des Staates— seine gegenwärtigen Vertreter im Reiche behaupten das nicht zu Unreä,t—, sondern in erster Linie durch die Unzulänglichkeit der privatkapitalisrischen Wirtschaftsführung, der gegenüber die Aus- Wirkungen der internationalen Kreditkrisis nur ein sekundäres Moment sind. In dem grandiosen Sanierungsakt fehlen von den sogenannten Großbanken nur die Berliner chandelsgesellschaft und die Rcichskredit A.-G., die eben eigentlich nicht als Großdepositen- banken anzusprechen sind, wie Danat- und Dresdener, Commerz- und DD.-Bank. DO.-Bankverluste und ihre Bereinigung. Beginnen wir mit der Deutschen Bank und Disconto-Gesell- schoft. Die DD.-Bank wird auch nach der Fusion der Danat- und Dresdner Bank die größte deutsche Bank bleiben. Von den 28S Millionen Kapital werden zwar nur Ich! Millionen übrig- bleiben, aus den Reserven von 169 Millionen nur 2S,2 Millionen. Die meue Dresdner hat ein höheres Kapital. Aber die DD.-Bank hat 2,99 Milliarden fremde Gelder, während die neue Dresdner mit 2,74 Milliarden dahinter zurückbleibt. Die Verluste der DD.-Bank sind sehr beträchtlich. Sie betragen rund 275 Millionen Mark. Zur Deckung der Verluste werden 23,2 Millionen Betriebsgewinne aus 1931 verwendet, aus den Reserven von 169 Millionen Mark nimmt man dazu 145,6 Mil- lionen, und endlich werden 198 Millionen Mark Buchgewinn aus der Zusammenlegung des Aktienkapitals dazu herangezogen. Die Kapitalzusammenlegung geschieht in folgender Weise: Die DD.-Bank hat 35 Millionen eigene Aktien schon früher gehabt und 79 Millionen eigene Aktien im Laufe der letzten Monate erworben. Von diesen 195 Millionen eigenen Aktien werden 33 Mil- lionen Mark vernichtet, 72 Millionen Mark bleiben im Besitz der Gesellschaft. Die im Besitz freier Aktionäre befindlichen 189 Mil- lionen Aktien werden im Verhältnis 5: 2, das heißt auf 72 Mil- lionen zusammengelegt. Hier ergibt sich dann der gesamte Buch- gewinn von 198 Millionen zur Verlustdeckung. Die verbleibenden 72 Millionen eigene Aktien werden zu einem Kurs von 115 Proz. verkauft, wobei sich über den Nennwert hinaus ein Kursgewinn (Agio) von 19,8 Millionen Mark ergibt, der mit dem verbliebenen Reservenrest von 14.4 Millionen die neue offene Reserve der DD.-Bank von 25,2 Millionen bildet. Die DD.-Bank hat in Zukunft also ein Kapital von 144 und eine Reserve von 25,2 Millionen Mark. Bei der Sanierung der DD.-Bank ist es„am privatwirt- schaftlichsten" zugegangen, das heißt, die Verluste werden in erster Linie von den Aktionären getragen, und dem Reiche er- wachsen am wenigsten Lasten daraus. Es scheint so zu sein, daß die Golddistontbant nur eine vorübergehende Hilfs- st e l l u n g derart leistet, daß sie 59 Millionen von den 72 Mil- lionen Kapitalerhöhungsaktien zunächst übernommen hat. wobei sich die DD.-Bank den Rücktauf dieser 59 Millionen Aktien der Gold- diskontbank vorbehält. Die restlichen 22 Kapitolerhöhungsmillionen sollen nach den Feststellungen des Direktors Wassermann bereits bei Großkunden der DD.-Bank untergebracht sein. Reichshilfe auch für die Eommerzbank. Bei der Commerz- und Privat-Bant sind die Verhältnisse durch die gleichzeitig erfolgende Fusion mit dem Barmer Bank- verein komplizierter als bei der DD.-Bank; außerdem greift das Reich bei der Sanierung der Commerz- und Privat-Bank schon sehr viel stärker ein, auch mit eigenen Opfern, ohne aber dabei irgendwelche Kontrollrechte zu erhalten! Die Commerz-Bank hatte ein Kapital von 75 Millionen, davon hatte sie 37,2 Millionen Aktien im eigenen Besitz. Das gesamte Kapital von 75 Millionen wird im Verhältnis 19: 3 auf 22,5 Mil- lionen zufammengelgt. Dieser Kapitalrest wird um 57,5 Millionen auf das neue Aktienkapital von 89 Millionen Mark er- höht. Von den 57,5 Millionen Äapitalerhöhungsaktien gehen nominal 45 Millionen zu einem Kurse von 115 Proz. an die Gold- diskontbank, die 51.75 Millionen an die Commerz- und Privat- Bank einzahlt, 12,5 Millionen Aktien werden reserviert für den Umtausch der Aktien des Barmer Bankvereins. Bei dem Verkauf der 45 Millionen Aktien zum Kurse von 115 Proz. ergibt sich ein Agio von 6,75 Millionen, das dann der Grundstock für die neuen Reserven bei der Connnen-Bank ist. Diese Reserve von 6,75 Mil- lionen wird mit einem Betrag von 23,25 Millionen vom Reich durch die Ueberlasiung von unverzinslichen Reichsschatz- anweisungen auf die endgültige Commerz-Bank-Rcserve von 39 Mil- lionen aufgefüllt.„Für alle Fälle" überläßt das Reich der Bank noch 16,75 Millionen Schatzanweisungen als Notreseroe. Das Reich ist aber auch noch in einer anderen Form an der Commerz-Bank beteiligt. Die 37,2 Millionen eigenen Aktien sind zum Kurs von 199 Proz. vom Reiche übernommen worden; das Reich hat dafür verzinsliche Reichsschatzanweisungen gegeben. Bei der Commerz- und Privat-Bank zeigt sich folgendes Er- gebnis: Gesamtoerluste 196 Millionen Mark, davon bei Wertpapieren und Beteiligungen 13,6, Bankbetelligungen 3,5 und Debitoren 89,4 Millionen. Diese werden gedeckt aus dem Betriebs- Überschuß, aus dem Buchgewinn bei der Herabsetzung des Kapitals und aus den aufgelösten Reserven. Das Reich bzw. die Gold- diskontbank tragen vorerst folgende Lasten: aus den über- nommenen 37,2 Millionen Aktien, die auch im Verhältnis 19: 3 zu- sammengelegt werden, hat das Reich eiuen Verlust von 26,1 Millionen Mark auf sich zu nehmen. Das Reich liefert ferner 23,25 Millionen unverzinsliche(!) Schatzanweisungen für die Auffüllung der offenen Reserve und außerdem 16,75 Millionen Schatzanwcisungen für die stille Notrcscrvo. Diese rund 49 Mil- lionen Schatzanwcisungen sollen vor der Verteilung einer Divi- dende jährlich mit 15 Proz. vom Reingewinn getilgt werden. Die Golddiskontbank stellt für die vorläusig übernommenen 45 Millionen Aktien zum Kurse von 115 Proz. 51,7 Millionen Mark zur Verfügung. Insgesamt übernimmt die öffentliche 5z o n d vci der Commerz-Bank Verpflichtungen von rund 129 Millionen Mark. Die Danat— Dresdner-Fusion. Aus der Verschmelzung der Danat und der Dresdner Bant wird die zweitgrößte deutsche Bank hervorgehen, soweit die fremden Gelder in Frage kommen, aber die größte hinsichllich des eigenen Kapitals. Da der Einfluß der freien Aktionäre sehr gering ist, wird man bei der neuen Dresdner— der Name Darmstädter und Nationalbank wird verschwinden— von einer großen staollichcn Industrie- und Handelsbank sprechen können. Die Danat hatte 69 Millionen Kapital, die Dresdner Bank 199 Millionen (dazu 399 Millionen Vorzugsaktien des Reichs): die neue Dresdner wird ein Aktienkapital von 229 Millionen Mark haben. Die Danat hatte 69 Millionen Mark Reserven, die Dresdner 34 Millionen, die neue Dresdner hat zunächst nur 39 Millionen Mark offene Reserven. Aktienkapital und Reserven der Danat mit zusammen 129 Mil- lionen sind vollständig verloren. Wer das Reich ist groß- mütig und will die Aktionäre der Danatbank nicht vollständig ausfallen lasten. Die freien Aktionäre der Danat, auf die von dem 69-Millionen-Kapital noch 25 Millionen entfielen(35 Millionen waren eigene Aktien der Bank), bekommen im Verhältnis 19: 3 neu« 7,5 Millionen Dresdner-Bank-Aktien als Schmerzensgeld vom Reich geschenkt. Man muß die Großzügigkeit des Reiches, dessen Bürokratie sich gar nicht genug entschuldigen kann für die Eingriffe des Staates, wahrlich bewundern. Die ausgewiesenen und abgeschriebenen Verluste bei Danat und Dresdner Bank betragen 253 Mil- lionen Mark. Die Verluste werden gedeckt aus der Zusammen- legung von 67 Millionen Mark Dresdner-Bank-Aktien im Ver- hältnis von 19: 3 mit einem Betrage von 46,7 Millionen, aus dem Buchgewinn der ebenso zusammengelegten 25 Millionen Danat- Bank-Aktien mit 17,5 Millionen, aus 4 Millionen offenen Reserven (von 34) der Dresdner Bank, aus dem Aufbrauch sämtlicher 69 Mil- lionen Reserven der Danatbank, aus der Bereitstellung von 7,5 Mil- lionen Dresdner-Bank-Aktien durch das Reich und aus einem Reichsopfer von 199 Millionen Mark durch Umwandlung der 399 Millionen Vorzugsaktien in 299 Millionen Stammaktien der Dresdner Bank. Diese 199 Millionen Mark sind das erste große und sichtbar st e Opfer, das vom Reich bei der Sanierung der Danatbank auf Kosten des Steuerzahlers gebracht wird. Die 399 Millionen Vorzugsaktien waren nämlich de� Gegenwert für 399 Millionen Mark Schatzanweisungcn, die der Danatbank zur Stärkung ihrer Mittel überwiesen worden waren. Diese 399 Mil- lionen Schatzonweisungen hat das Reich voll zu bezahlen, es erhält aber dafür nur 299 Millionen Mark Stammaktien und den Divi- dendenanspruch auf diese Aktien. Damst sind die L e i st u n g e n des Reiches für die Dresdner aber noch lange' n ich t. z u E n d e. Von seinen 299 Millionen Aktien übergibt das Reich der Golddiskontbank rund 59 Millionen, wofür der Gegenwert wiederum der Dresdner Bank zufließt. Außer- dem stärkt das Reich aus eigenen Mitteln noch die Reserven der Dresdner Bank(Notreseroen) mit einem Betrage von wahrscheinlich weit mehr als 199 Millionen Mark, für die wie bei der Commerz- und Privatbank vor der Verteilung eines Gewinnes an die Aktiv- näre eine jährliche Tilgung mit 15 Proz. des Reingewinnes vor- gesehen ist. Die Reichsgarantie für die Danat kommt bei Inlands- gläubigern jetzt in Wegfall; für Auslandsgläubigcr bleibt sie auf- rechterhalten. Freilich hat die neue Dresdner jetzt Reserven wie keine andere Bank. Das Ausmaß der Staaishilfe. Das Reich opfert für die neue Dresdner unmittelbar: 199 Dlillionen aus der Vorzugsaktien-Umwandlung 59„ Gegenwert aus eigenen Dresdner Bank-Aktien 7.5.. Dresdner Bank-Aktien für Danat-Aktionäre 15.7, Zusammenlegungsoerlust d. Reichs-Kredit-AG. 29,9„ zur Abfindung beim Personalabbau Zus. 193,2 Millionen verlorene Zuschüsse Das Reich füllt Reserven aus. woraus eine TNgungs- Verpflichtung der Banken besteht, und zwar: 39,9 Mill. Schahanweisungen Dresdner Bank 199,9„„ Rolreserve der Dresdner Bank 69.9,„als Lereilschostskredile der Dresdner Bank 26,9, Zusammenlegungsoerlust an» 37,2 Mill. Commerz- bank-Aktien 23,2„ Offene Reserve Commerzbank 16, S„ Ausgleichsreserve Commerzbank Zus. 256.9 Mill. Schahanweisungsverpflichtungcn Die Golddiskoutbank wendet auf: 57,5 Millionen für 59 Millionen DD-Bank-Aktlen 51,7„.45„ Commerzbank-Aktien 59,4.. 48. Dresdner Lank-Aktien 15,9.„13. Adca-Akticn Zus. 174,6 Millionen für Ucberuahmc von Bankakticu Nimmt man den Aktienerwerb des Reillzs bei der Dresdner Lank hlozu. so ergibt sich eine Slaatshllse des Reiches zur Sanierung des Baukwesens von rund 899 Millionen Mark, hieraus werden freilich nur zum Teil Barzahlungen geleistet; zum anderen handelt es sich großenteils um Kapitalanlagen, für die Dividenden- ansprüche entstehen. Die Personen- und personalfragen. Wa? die Leitungen und die Kontrolle der Banken anbelangt. so wird die D D.» B a n k offenbar ohne jegliche staatliche Kontrolle bleibe», obwohl zunächst van der Golddiskontbank 59 Millionen neue Aktien in der besagten Weise übernommen sind und ein Kontroll- anspruch bestehen würde. Für unmöglich halten wir es. daß bei den starken Leistungen des Reiches für die Commerz- und Privatbank auch hier selbst eine Aufsichtsratsvertretung des Reiches nicht in Frage kommen soll. 5zicr opfert dos Reich bares Geld, übernimmt die Golddiskontbank 45 Millionen Aktien unij sind aus dem Gewinn 23 bzw. 49 Millionen Rcichsvorfchüste zu tilgen. Gegen das Interesse des Steuerzahlers hier auf eine 5lo»trolle zu verzichten, ist unverantwortlich. Pcrfonenfragcn müssen für die Borstandsbesetzung bei der neuen Dresdner Bank geregelt werden. Die Leitung der Dresdner Bank wird Direktor R i t f ch e r von der Reichskredit übernehmen. Bon der Danatbank soll Boden h ei mcr herüberkommen und außer- dem ein Stab jüngerer Direktoren. Jakob Goldschmidt scheidet aus. Das Reich dürfte durch Staatssekretär Berg- mann im Vorstand vertreten bleiben. Ueber die Besetzung des Aufsichtsrates ist noch nichts bekannt, selbstverständlich, daß hier die Majorität beim Reich liegen muß. Außerordentlich bedeutsam sind die Personal- fragen. Den Bankangestellten droht, besonders bei der neuen Dresdner Bank und durch die Zusammenfassung der Zentralen und die teilweise Zusammenlegung der Filialen eine neue Abbau- welle. Die Danatbank hat im vergangenen Jahre 1599 Auge- stellte abgebaut. Von der Regierung und den Banken hört man die wohlmeinendsten Beteuerungen, daß mit äußerster Rücksichtnahme vorgegangen werden soll. Bedeutsamer ist schon die Tatsache, daß das Reich den Betrag von 29 Millionen Mark zur Verfügung gestellt hat, um Abfindungen zu zahlen. Aber auch solche Abfindungen ändern nichts an der Erzeugung neuer Arbeitslosigkeit, die jetzt eintritt und an dem schweren Los, das Tausende von Angestellte jetzt wieder zu erwarten haben. Es mutz alles daran gesetzt werden, zu ver- hindern, daß nicht jetzt Personal entlassen wird. das man durchhalten könnte, und das man später braucht. Den B anlange st eilten wird heute eine Arbeit zugemutet, die über Menschenkraft gehl. und es ist die Pflicht des Reiches, dafür zu sorgen. daß die Interessen der Aktionäre nicht den sozialen Reichspflichten vorangestellt werden. Kapitalerhöhung der Golddiskontbank. Reichsbant und Golddiskontbank spielen bei der Banken- sanierung eine große Rolle. In erster Linie übernehmen sie neue Aktien. Der Reichsbank sind Beteiligungen oerboten. Die Gold- distontbant muß deshalb ihr Kapital erhöhen. Diese Erhöhung ist um 299 auf 499 Millionen Mark vorgesehen. Von der Golddiskontbank find 45 Millionen Commerz- und Privatbank-Aktien direkt übernommen, 59 Millionen neue Dresdner- Bank-Attien indirekt über das Reich, vorläufig 59 Millionen neue DD.-Bank-Aktien bis zur Rückerwerbung durch diese, und endlich 13 Millionen Aktien der Allgemeinen� Deutschen Creditanstalt, die auch vom Reich reorganisiert werden soll. Wir wiederholen, daß eine entsprechende Vertretung der Reichsbank bzw. des Reichs in. den Auffichtsräten aller Gesellschaften, von denen die. Golddistontbank Aktien übernimmt, unbedingterfolgen muß. Hier wird auch eine andere Frage in hohem Maße aktuell, und das ist die gesetzliche Reformierung des General- rats. Die Reichsbank ist die Herrin der Golddiskontbank, in der die neuen Bankenbctciligungen verwaltet werden. Die Reichsbant selbst wird kontrolliert und zum Teil verwaltet vom Generalrat, der fast ausschließlich aus Vertretern jener Banken besteht, die die Reichsbank jetzt über die Golddiskontbank kontrollieren soll. D i e Banken Vertreter kontrollieren in der Reichsbant also sich selbst. Dieser Zu st and ist heute noch un- haltbarer als er es jemals war. Schlußbemerkungen. Die Sanierung der Banken ist ein großes Werk. Sie wird sicher, nachdem sie mit einheitlichem willen und offenbar nnler gründlicher Bereinigung der Verluste durchgeführt worden ist. in Deutschland Vertrauen erwecken. Sie wird auch im Auslände einen großen Eindruck hinterlassen und das vertrauen des Auslandes stärken. Aber diese Sanierung ist nicht nur ein wirtschaftlicher Akt, sondern auch ein politischer. Das neue Vertrauen kann wieder zerstört werden, wenn der Staatsbürger in Deutschland das Empfinden hat, daß er als Steuerzahler zu großen Opfern und zur Uebernahme unabsehbarer Risiken veranlaßt wird, der Staat aber, der nur im Auftrage des Steuerzahlers handelt, in der Wahrnehmung der Kontrolle jene Sorgfalt vermissen läßt, die er dem Staatsbürger und Steuerzahler schuldig i st. Nur mit größler Sorge kann man beobachten, wie die persönliche privatwirlschaftliche Einstellung der verankworklichen zur Vernachlässigung der Konlrollpfllchl führt, die eine Amtspflicht ist wie jede andere. Wenn der Staat zu kaufmännischen Geschäften gezwungen wird, weil dle private Wirtschaslsführnug versagt, dann hat der Staat als Saufmann zu handeln. Tut er das nicht, so macht er sich lächerlich, nicht nur vor dem Inland, sondern auch vor dem Ausland, und er gefährdet das Vertrauen, das er mit seiner wirtschaftlichen Sanierungsaklion herbeiführen will. Und er gefährdet nicht nur das vertrauen, sondern er gefährdet auch die Finanzen des Reiche», die jetzt in so gewalkigem Umfang in Anspruch genommen werden. Bierstreik ab Donnerstag? Eine Funklionärkonfereoz des verllner Gaflwlrtsgewerbes hat mil 236 gegen 81 Stimmen den vierslreik gegen die Auffassungen der Spitzenorganifatiou für den Fall befchlosien, daß bis Donners- lag nicht feststeht, daß die vlerskeuersenkung zu einem früheren Zeitpunkt als dem 1. Aprll erfolg«. Der sächsische Gastwirt everband fordert ebenfalls eure sofortige Senkung der Reichsbier- und Semeindegetränkefleuern. Andernfalls werde der Bierausschank in Sachsen eingestellt. Die Schweiz senki den Buiierzoll. Die Schweiz hat jetzt, obwohl sie selbst ein Butterland ist, mit Rücksicht auf die allgemein gefährlichen Wirkungen der Ver- teuerung der Lebenshaltung den Butterzoll um 39 Frauken je 199 Kilo ermäßigt. Die Butterteuevung in Deutschland wird immer katastrophaler. Der Landwirtschaft bringt sie so gut wie nichts. Auch in Deutschland sind die Butterzölle zu senken. Gänse n ZZ gefroren........... Pfd. Ton WiMragait n oj, t'fd. von Wolgaihner gefroieu,. ..... Pfd. von Frisches Fleisch Schweinebauch o. B...Pfd. 0,60 Schweineschinken. mir Bein..................... Pfd. 0,68 Schweinekamm u.Schuft � mm ohne Beilage............... Pfd. 0j6o Kassier mild.......... Pfd. von 0,68 Eisbein m. Spitzbein, gep., Pfd. 0,82 Schweir.eköpfem.Baoke.PM. 0,34 Rückenfett bratfertig.... Pfd. 0,38 Suppenfleisch....... Pfd. v. 0,48 Gehacktes............... Pfd. C,SO Schmorfleisch o. 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Sessel I.5U Mark. meiropoi-ineaier Täglich SV, Uhr Ein Lied der Liehe Annl Ahlerft Adol.Sandrnck kirnst Verebes Deulsdi»]m\u 8 Uhr Soßßmterpg v. Qerh.Haupimann Regia; Mai Raiodanlt. ßeidisbalienTPealer »Bnbotf platz 8 Uhr. Sonntass Z- Uhr zu kleinen Pi eisen Stettmer Sänger Nur noch kurze Zeit „No'n Reinfall!" MWMYT RestairanJ Serlins Deoisdierlietailarliß'MerliaDi} AditnnR! AdUand! Aasnesleaerle and nidil de- za&bereditlgle HUdUeder! Siea.lag, Ben 23. Jebmar, Mittwoch. Ben 24. Jebcoae, Soaaccstag. ben 23. Jebtuat, finden in her Zeit oon 10 bis 13 Ahr zwecks(Einteilung her fflahltorpet im parteteefaal Oes Decbanbshanfes. ichalter 13, hit Eintragungen statt. Vonnerstag. den 23. Aebrnar, nachm. 3 Ahr. ln Swalb. Vereins- Hans. Stallher Slrohe 12» Tersamnilanä der 6raveiire*Dnd Ziseleure Tagesordnung: I. Bortrag:..Der Stand der Siedlung»- fragen— Die Siedlung gl» Miltcl gegen di« ArdeilslosigfelT". Äeferent: Dr. Brockfchniidt. 2 Distulfion. 3. Branchenangelegendeiten. Mitgliedsbuch legitimiert! Das Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht Donnerstag, ben 23. Zebrnar. abends a>, Ahr. im Aolenlhnler Hof Aofenlhaler Slrahe 11/12 »rsudieu-VersemmiunS aller Kolleginnen and Kollegen der W.'zwcrk-, Biel-, OrBhfk.bet-, Papierrohr- n. Dlclrobr-Fabrlkatios »owle d e Plaitcnabxleher de, giapbiidicn Gewerbe» Tagesordnung 1. Die wirtschaftliche Lage In der Metall. Industrie. Referenti Kollege Fritz Köcher 2. Btanchenangeiegentzeiien. 3. Verickiiedenes. Mügiledsduch legitimiert! Es ist Pflicht aller, pilnftiich und latzh reich zu erscheinen. Vonnersfag. ben 28. Jebenat, abends 2 Ahe. im Sofenthalec 0of, Aofenlhaler Sftofcc 11/12 Allgemeine mernpner-Terssmmlond Tagesordnungi 1. Unsere Branche in der Mrischafis. ftifc 1931 2. Verdandsangelegenhelien und Der. ichiedenes. Ohne Miig iedsduch fein Fuiriit Kollegen aus den Bcirteden! stell! euch nicht adseiis in Ichwerster Zeil. Die Atbeilslosen erwarten von euch fiarfsie Anleilnadme im Kamps um die Allste. meininteresien. Zeigt eur- BereUichgit durch den Besuch unserer Berlammlung Donnerstag den 25. Aebrnar. abends 2 Ahr. in, Lafol von Holl- schlSger, Adalbertstrahe 21 Brantfien'Tersammlaad tcr Drablarbeiler Tagesordnung I. Vortrag de» Kollegen K ig atz: 89 der Notverordnung'. 2. Verbands, und Branchenangelegen. hei en Mügliedsduch legitimiert.. Dg« Erscheinen aller Kollegen wird er. wartet Die Grtaverwaünng. j irgolll 50iol? � ll-eaim Btri ancpi.- HaieniieiaB ios-14| aroees iocKbienes! I lii. Cihsanliralsrti u. Prämiienuis ikieinstsa Edsemiim Jos(Damen){ 6 Geldpreise: 50, 40, 30, 20, 10 RM b Ripgren• Barrisdie Bedienong» Beginn r Uhr 1 Am Freilag. dem 19. Fedruar. verstarb nach einem furzen schweren Krankenlager mein lieber Mann. Vaier,(Sratzvaler, Echwiegervaier, Bruder und Onkel, der dürtler Robert Obst Im Namen der trauernden Vinter- dliedenen Bertha Obst Boxhagener Strotze 119 Einäscherung 25. Fedruar. 19 Uhr. Im Krematarlum Baumlchulenweg IikZerate im Vorwärts driruksn erkolg! IlßßsRtißr«elßllßslißitßs'Wßßll Verwalfnngsrtelle Berlin Todesanzeigen Dm Mitgliedern zur Nachricht, datz unier Kallege, der SIeftromonieur Karl Kanter geb. 13. I.-'i 1881, gm 19. Februar gestorben iit Die Einäscherung findet am Miti. woch, dem 24 Fedruar, 13V, Uhr, im Krematorium Baumschuienweg, Kiesholzsiratze, slalL Am 19. Fedruar starb unser Kollege, der Gürtler Robert Obst geb. 1. Januar 1888 DleEinfischerung findet amDonner«- fag. dem 25. Fedruar, IS Udr, im Kremaiorium Baumschulenweg, Kiei- hoizstratze, statt Ehre ihrem Andenken! Reg« Beteiligung wird erwarieL Die Grtoverwalfnne. I Bequem, praktisch, sauber, billig I sind ilir Mussi n-Verpflegnng unsere fischfertigen, gebraienen PisdBfiiletfs un«i welche in jeder gewünschten in The.moskisten In die Aus- Gröüe und zu jeder Tageszeit BBtSlIS gahestelle geliefert werden LangiShrlger Lleferent Berliner Antfalfen, Kantinen, Kraokenblnter BEttLINIER BR ATFISCHVERSORCUNa HUGO KU BERGER, Berlin N 30. Wriezener Sfrafce 28 Tel. 1> 4, Humboldt 4574 Eewi'nnauszug 5. Klasse 38. Preublich-Südbeuische Staats-Lotterie. Ohne Eewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lese gleicher in den beiden Abteilungen I und U Nummer 12. Ziehungstag 22. Februar 1932 «Zn der heutigen Vonnittagsziehung wurden Gewinne über 499 SR. gezogen 2 Odvinn« ju 300000 M. 71275 8®«t>lane ju 10000u 3000 W. 87213 IO550S 1 27270 1 96260 201 370 2361 30 239170 247740 305289 352296 339241 323976 52 Gewinne zu 2000 M. 3332 15044 222S0 30524 33015 54533 59262 101235 104760 108153 125Z27 125943 131391 137851 203394 219638 224907 250031 253978 257092 253427 302747 315541 330505 341 293 375008 98 Gewinne au 1000 fflL 10018 31631 45440 47978 63339 64751 67283 73131 7401490981 93735 101681 114182 123630 133470 144358 149095 133551 153013 139397 186352 170587 187943 203253227073 223116 237135 233410 247379 243259 233443 272972 2/3/10 273S03 259121 288391 296682 303823 303700 31 7269 319445 360685 362403 373074 377263 373210 330350 383574 339209 122 Gewinne»u 500®L 1677 9805 11566 12786 19867 23006 27011 22765 30293 33945 37097 69262 69332 70421 66452 39792 100141 105657 115746 121073 124420 140723 172936 133274 210157 212484 215312 225260 223807 231041 231171 256089 261991 262737 274029 277224 277313 236049 286528 293030 293487 297389 298313 312723 312777 319388 323876 323912 335336 336788 331151 333410362776 363539 363513 368541 374444 381802 334221 338312 396342 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 2 Ge- ivinne zu je SJO-jOO, 2 zu je 200000, 2 zu je 100000, 2 zu je 75000, 8 zu je 50000, 18 zu je 25OJ0, 102 zu je 10000, 27 1 zu je 50/0, 508 zu je 3000, 1714 zu je 2ÜÜQ, 3408 zu je lOuO, 5064 zu je 500, 16874 zu je 400 Mark. 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