BERLIN Mittwoch 24. Februar 1932 10 Pf. Ar. 92 B 46 49. Jahrgang ErscheinttSglich außerSonntagS. Zugleich Abendauigade de«.Vorwärt«'� Beiugsvrets für d r i d c Slusgadcn 7- Pf. pro Woche, 3,23 M. uro Mon-l (dooon b? Pf. mouotlich für Zustellung ins HauS> im oorauS jaDlfar. Postbezug 3,97 M, einschließlich 60 Pf. Postzeilungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. 3S&3 W n j e t g r n p r r 1 1: Die einspaltige Milltmeterjetle So Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Berlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktion und Expedition: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297. Wir und Hmdenbmg Breiifcheid rechnet mitfaschistischerOemagogieab/ZweiHinauswürfe Der Reichstag setzte heute mittag 12 Uhr die politische Aussprache fort. Präsident L ö b e er- öffnete die«itzung mit der eindringlichen Mahnung an das ganze Haus, nicht wieder wie gestern Redner oder gar den Präsidenten an ihren Ausführungen durch Lärm zu behindern. Cr mühte gegen solche Störungen mit den schärfsten Mitteln vorgehen. Zu der gleichen Angelegenheit gibt dann Zteichsminister Groener folgende Erklärung ab: In der gestrigen Sitzung hat der Abg. Dr. Goebbels nach Aesk- stellung des Aelteflenrats folgendes gesagt:„Sage, wer dich lobt. und ich sage dir, wer du bist. Hindenburg gelobt von der Partei der Deserteure." Ich ergreife die Gelegenheit, wo Dr. Goebbels wieder anwesend ist, auf dieses wort noch einmal einzugehen. Die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes wird es als eine Un- geheuerlichkeit auffassen, wenn der Oberste Soldat des Kriegs, der Sieger von Tanncnberg, der Mann, der sich freiwillig zu Anfang des Krieges in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat, der Mann. der diesen Dien st auch dann nicht verlassen hat als alles zusammenbrach(Stürmischer Beifall bei der Mehrheit. lärmende Rufe bei den Razis), wenn hindenburg in irgendwelche Beziehung mit dem Wort„Deserteur" gebracht wird. Diese Beleidigung, die ein Mann auszusprechen wagt, der selber den Krieg nur vom Hörensagen kennt(lebhaftes Sehr richtig bei der Mehrheit, Lärm bei den Razi»), kann zwar der Grütze der Leistung des Gcneralfcldmarschalls ebensowenig anhaben wie der Verehrung, welche das deutsche Volk vor seiner pslichtersüllung im Krieg und Frieden erfüllt. Aber als Mitglied der Reichsregierung und als Vertreter der deutschen Wehrmacht habe ich die Pflicht und den Auftrag, diese ungeheuerliche Aeutzerung des Abg. Goebbels als eine Beleidigung nicht nur des Herrn Reichspräsidenten, sondern des deutschen Volkes zu kennzeichnen und sie auf das schärfste zurückzuweisen.(Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.) Die Erklärung des Ministers wurde von der Mehrheit mit stürmischem Beifall, von den Nationalsozialisten mit lärmenden Protestrufen aufgenommen. Don ihnen und den Deutschnationalen wurden Zurufe gegen den Regierungstisch gerichtet. Reichskanzler Dr. Brüning sprach erregt auf einzelne Deutschnationale ein. Präsident Löbe erklärte unter dem Beifall der Mehrheit, er schließe die Abgg. Dr. L e y(Nsoz. und Kleiner(Dnat.) wegen dauernder Störung und beleidigender Zurufe aus der Sitzung aus. Abg. Dr. Frick(Nsoz.) protestierte kurz gegen die Minister- «rklärung, aber der Präsident sagte, er lasse persönliche Be- merkungen jetzt nicht zu. Als nächster Redner in der Aussprache erhielt dann das Wort Abg. Or. Breiischeid(Goz.): Breitscheid beginnt mit einem Hinweis auf die herabsetzenden Urteile Hitlers in seinem Buch„Mein Kampf" über den Parla- mentarismus und die Parlamentarier. Man müsse die Selbstüber- Windung bewundern, mit der Goebbels gestern, selbst auf die Ge- fahr hin, von seinem geliebten Führer in die Kategorien der kleinen verantwortungsfernen Köpfe eingereiht zu werden, hier gesprochen hat. Wir können uns nicht vorstellen, daß die Nationalsozialisten auf der Reichstagstribüne für die Präsidcntfchaftskandidatur Hitlers Propaganda machen wollen. Denn derselbe Goebbels hat doch vor- gestern im Sportpalast Herrn Hitler sogar schon als gewählt proklamiert.(Heiterkeit.) Die Nationalsozialisten wollen ja diese Tribüne hier nur benutzen, um Beschimpfungen und Bcr- unglimpsungen gegen die Sozialdemokratische Partei zu schleudern. Daraus gehe ich nicht weiter ein. Das hat mein Freund Dr. S ch u- macher bereits gestern vollkommen besorgt. Sich noch weiter mit der Rede des Herrn Goebbels zu beschäftigen, hieße ihm eine Ehre erweisen, der er unserer Meinung nach nicht würdig ist.(Sehr gut! links und in der Mitte.) Mit besonderer Genugtuung stellen wir fest, daß die National- sozialisten in der Sozialdemokratie den hauplfeind erblicken. Alle hinweise, daß Hindenburg das Werkzeug des von ihnen gehaßten und für verbrecherisch erklärten Systems sei, sind der letzte Versuch, den Reichspräsidenten zum Bruch mit dem System zu bringen, was ihm vielleicht noch jetzt die Möglichkeit eröffnen würde, von der nationalen Front begnadigt zu werden (Zuruf recht: Wir gönnen ihn euch!) Dieser Zuruf sollte gewiß nicht ein Lob für Herrn von hindenburg sein, sondern eine Hitlers Dynamitarden. Gartenhaus des hessischen Landtagsabgeordneten Steffan in die Lust gesprengt.— Zwei Nationalsozialisten verhaftet. Mainz, 24. Februar. lCigenbericht.j Di« Nationalsozialisten verübten in der Nacht auf heut« an dem Genossen Landtagsabgeordneten Steffan- Oppenheim«inen gemeinen Racheakt, der alle bis- her von ihnen verübten Schandtaten in den Schatten stellt. Gegen 8)4 Uhr abends wurde das dicht bei dem Wohn- haus gelegene Gartenhaus mit einer gewaltigen Teto- nation, die selbst in Nierstein gehört wurde, in die Luft gesprengt. Die Sprengung ist mit einer schweren Dynamit- Packung verübt worden und richtete erheblichen Sach- schaden an. Mehrere Ueberfallwagen der Polizei waren bald zur Stelle. Nachts gegen 2 Uhr wurden bereits zwei National sozial! st en verhaftet. Klarheit über die Täterschaft ist aber bis zur Stund« noch nicht vorhanden. Oppenheim stand ganz unter dem Zeichen des unerhörten Verbrechens. Zahlreiche Zusammen- stötze kamen im Laufe des Abends noch vor. Steffan hat sich den besonderen Haft der Nazioten zu- gezogen, weil er vor einigen Tagen die Spionage- tätigkeit zugunsten Frankreichs aufgedeckt hatte, die dem heutigen Naziführer Feldmann vom Reichs- gericht fünf Jahre Festung eingebracht hat. Leidenswegeinesprätendenten. Die Jagd nach dem Aemtchen: Vom Gendarm zumprosessor, vom Minister zum- Gesandlschastsattachc. Braunschweig, 24. Februar.(Eigenberichl.) Die Deutsche Volksparlei hat die Absicht der Nazis, hiller nach Abdankung Klagge« zum Minister zu machen, mit der Erklärung durchkreuzt, daß sie für eine solche.Scheineinbürgerung nicht zu haben sei, wohl aber werde die Volkspartei ihre E i n w i l l i- g u n g dazu geben, daß Hitler seinen Dien st als Beamter der braunschweigischcn Gesandtschaft in Berlin aufnehme und somit die Staatsbürgerschaft erhallen werde. Hitler müsse allerdings einen Verpflichtungsschein unterschreiben. dah er tatsächlich sein Amt ausübe. Minister Slagges ist nach Berlin gefahren, um hillers Zustimmung zu erbitten. Unmittelbar danach will die braunschweigische Regierung endlich eine amtliche Erklärung bekanntgeben. neue Herabsetzung, die ich feststelle!(Sehr gut! links und in der Mitte.) Gewiß haben wir 1925 die Kandidatur hindenburgs bekämpft, wir sahen in ihm den Vertreter von Anschauungen, die nicht die unseren sind. Das gilt heute wie damals. Herr von hindenburg ist der Vertreter einer Weltanschauung. die mit der unseren nichts zu tun hat. Er ist der Vertreter eines konservativen Systems, das im Gegensah zu den Bestrebungen der Sozialdemokratie steht. Vor sieben Jahren bestand aber die Befürchtung, daß Herr von Hindenburg als Reichspräsident sich zu Schritten bewegen lassen werde, die den Bestand der republikanischen Verfassung gefährden konnten.(Von der äußersten Rechten ertönen wieder gellende Pfiffe, wie gestern. Die Linke fordert stürmisch, dah diese Buben hinausgeworfen werden. Präsident Löbe erhebt sich, worauf das Pfeifen eingestellt wird.) Zu unserer Auffassung hatten wir um- somehr Anlaß, als diejenigen, die Herrn von hindenburg damals auf den Schild erhoben, solche Maßnahmen von ihm er- warteten und diesen Hoffnungen offen Ausdruck gaben. Bei der damaligen Siegesfeier des Nationalverbandes deutscher Offiziere sagte Dr. Everling in einer Rede, die Wahl Hindenburgs bedeute den ersten Schritt zur Wiederher st ellung einer monarchischen Verfassung in Deutschland. Wir sind in dieser Beziehung vom Reichspräsidenten hinden- bürg angenehm enttäuscht worden. (Zustimmung links und in der Mitte.— Aharufe der Komm.) Der Reichspräsident hat nichts unternommen, um die Verfassung zu verletzen. Es mag im Wahlkampf 1925 manches scharfe Wort gc- fallen sein, aber niemals auch nur annähernd solche Beschimpfungen. wie sie die Bartelen der Rechten gegen den ersten Reichspräsidenten Friedrich Eberl gerichtet haben. Am 19. Mai 1925, unmittelbar nach der Wahl hindenburgs erklärte ich hier im Namen und Auftrag der Sozialdemokratischen Fraktion:„Die Demokratie verlangt,, daß wir uns dem verfassungsmäßigen Volksentscheid fügen. Wir werden nicht aufhören, Gegner der von Herrn von hindenburg vor der Wahl vertretenen politischen Ideen und seiner politischen Auffassung zu sein. Aber wir bringen dem Präsidenten den Re- spekt entgegen, der ihm als Person und der vor allem seinem Amt gebührt, solange er sich innerhalb der von ihm bc- schworenen Verfassung bewegt." Reichspräsiden von hindenburg hat die Hoffnungen vieler seiner damaligen Anhänger enttäuscht. Er hat seinen Eid gehalten, und das ist es, was ihm die Nationalsozialisten am meiste» vorwerfen. 1925 ist er von der Rechten in Poesie und Prosa als„der Retter" gefeiert worden, heute gilt er als schwächliches Organ des von der Rechten bekämpften Systems. Wie lange ist es her, dah die Rechte „mehr Macht für den Reichepräsidenten" gesordrt hat?I Jetzt wollen dieselben Leute diese Macht des Präsidenten auf das äußerste einschränken: sie verlangen, daß der Reichspräsident über den Reichs- tag hinweg einen Kangler, der ihnen nicht gefügig ist, durch einen Kanzler, der das Vertrauen der nationalen Opposition hat, ersetzt. Wochenlang ist der Handel und der Kuhhandel darum gegangen. Auch aus der gestrigen Rede des Herrn Goebbels klang sein Wort hindurch:„Wollt ihr unsere Ware, so gebt uns euer Geld!" Das heißt, wollt ihr unsere Stimmen, so gebt uns die Macht. Wir haben die große Besorgnis, daß der jiddische Händler- g ei st in bedenklicher Weise den Geist des Herrn Goebbels bereits umstrickt hat.(Heiterkeit und Beifall links und in der Mitte.) Man wirft Herrn Brüning feine Notverordnungen vor. Aber wir wissen, daß ein Kanzler der Rechten noch ganz andere und für die Arbeiterschaft noch viel schädlichere Not- Verordnungen machen würde. Da nun die nationale Front ihr Ziel nicht mit Hindenburg erreichen kann, soll es ohne oder gegen ihn geschehen. Der Retter von ehedem wird zum alten Eisen ge- worsen und ein neuer Befreier Deutschlands wird gesucht. Aus dem Zusammentreten der harzburger Front ist allerdings nur ihr Auseinanderfallen geworden. Man konnte sich nicht einigen. Man wird uns gewiß nachher sagen. dieses lang« hin und her sei nur Taktik gewesen, um uns zu ver- wirren und durcheinanderzubringen. Aber selbst in der Rechts- presse werden Bedenken laut gegen dies« Zerreißung der nationalen Front und gegen die Aufstellung von zwei Kandidaten. Uns bringen Sie nicht in Verwirrung!(Stürmische Zu- stimmung der Soz.) Mit dem Kandidaten der Deutschnationalen und des Stahlhelms brauche ich mich nicht mehr zu beschäftigen. der wird ja im Wahlresultat doch nur unter„Ferner liefen" er- scheinen. Heiterkeit links.) Ueber die Kandidatur Hitlers bin ich allerdings ebenso erfreut wie Goebbels, wenn auch nicht aus denselben Motiven. Wir freuen uns über die Gelegenheit, dem Herrn Hitler und nicht einem feiner Leutnants eine Niederlage bereiten zu können. Allerdings, bis zur Stunde ist Hitler noch nicht deutscher Staats- und Reichsangehöriger, wenn auch sonst seine Fähigkeiten sowohl zum Gendarm wie zum Hochschulprofessor, zum Beamten wie zum Minister reichen sollen. (Heiterkeit links und in der Mitte) Wenn Groener und General Schleicher die Handlungsweise der Nationalsozialisten auch persönlich leicht nehmen, der Staat kann sie nicht leicht nehmen.(Stürmischer Beifall in der Mitte.) Alles andere tritt heute vor dem Gedanken zurück, den Staat vor dem Faschismus zu bewahren und dem deutschen Volk die Freiheit zu erhalten. Wir werden deshalb den Kandidaten unterstützen, der die meiste Aussicht hat, die Mehrheit der Stimmen auf sich zu ver- einigen.(Stürmischer Beifall der Sozialdemokraten, Zurufe der Kommunisten.) Der Kamps der Kommunisten gegen die Sozialdemokratie und die Aufstellung einer eigenen Kandidatur ist der Kamps für Hitler. Breitscheid weist darauf hin, daß Hitler nur das hätte tun sollen, was auch alle anderen tun müssen, wenn sie die Staatsbürgerschaft erhalten wollen. Jetzt werden alle Hintertüren geöffnet, um diesem» Vater Staat u Wie wahri das Reich dl Wenn in Aktiengesellschaften ein neuer Großaktionär zum Be» sitzer der Aktienmehrheit geworden ist, so ist die selbstverständliche Folgerung, die aus dieser Veränderung der Verhältnisse gezogen wird, daß der neue Großaktionär durch die Personenbesetzung im Vorstand und Aufsichtsrat sich die nötigen Sicher- heiten für die Ausübung seines Einflusses verschafft. Durch das große Einsetzen von Mitteln des Reichs und der Reichsbank bei den vollzogenen Bankensanierungen ist das Reich nicht nur zum allein ausschlaggebenden Großaktionär bei der neuen mit der Danatbank vereinigten Dresdner Bank geworden, sondern darüber hinaus auch liegt die große Mehrheit des Aktienkapitals der mit dem L armer Bankverein verschmolzenen Commerz- und Privatbank künftig beim Reich und der Reichsbank. Während bei der Neugestaltung des Vorstandes der D r e s d» n e r Bank einige Direktoren auf Wunsch und Vorschlag des Reiches ernannt worden sind, und also als die besonderen Ver- trauensleute des neuen Großaktionärs angesprochen werden dürfen, vermißt man vorläufig jede Mitteilung über eine entsprechende Neu- gestaltung des Vorstandes der Commerz- und Privatbank. Daß zwei Herren aus dem Vorstand der Commerzbank ausscheiden und durch zwei ander« Herren des Barmer Bankvereins ersetzt werden, dessen Aktionäre bei der Fusion ganz besonders gut behandelt worden sind(mit dem Erfolg einer Hausse für Aktien des Barmer Bankoereins im freien Börsenverkehr), kann die notwendigen An- spräche, die das Reich stellen muß, wenn es als ordentlicher Kauf- mann handeln will, und die die Bürger des Reichs, mit deren Geld die Sanierung vollzogen wird, fordern müssen, in keiner Weise befriedigen. Wir vermögen auch nicht anzunehmen, daß man den in der CommerzbanPDirektion verbleibenden Herrn Reinhart »d die Banken. öffenilichen Inieressen? (der bei den Vorgängen um Schultheiß-Patzenhofer keine rühmliche Rolle gespielt hat) und dessen wenig Augenmaß verratende politische Neigungen bekannt sind, als den besonderen Sachwalter der Rcichsinteressen ansieht. wir fordern deshalb mit aller Deutlichkeit von der Reichs- regierung, daß sie aus dem Einsatz der öffentlichen Mittel für die Bankensanierung auch die notwendigen Personalfolgerungen zieht und auch bei der neuen Commerz- und Privatbank für eine Vertretung der Reichsinteressen durch geeignete Vertrauens- Personen im vorstand Sorge trägt. Desgleichen halten wir es für selbstverständlich, daß bei den in den bevorstehenden Generaloersammlungen vorzunehmenden Neuwahlen zum Aussichtsrat der neue Großaktionär Reich seine bisher nur ungenügend ausgestaltete Vertretung im Aufsichterat der Dresdner Bank entsprechend erweitert und sich die bisher genau so wie im Vorstand so auch im Ausfichtsrat vollkommen fehlende maßgebliche Vertretung bei der Commerz- und Privatbank sichert. Das Verständnis derOeffentlichkeit für das außer- ordentliche Maß, in dem öffentliche Mittel und öffentliche Kredite für die Bankensanierung eingesetzt werden, würde notwendig e r- schüttelt werden, wenn man den Eindruck gewinnen würde, daß diese Mittel der Allgemeinheit eingesetzt werden, ohne daß der neue Geldgeber sich einen entsprechenden Einfluß auf die Führung der mit Reichsmitteln sanierten Unternehmungen sichert. Wir billigen die Sanierungsakrion, soweit sie eine Hilfsstellung für die produktive Wirtschaft und ihre Arbeitsmöglichkeiten ist. Niemand könnte aber das Einsetzen von Hunderten von Millionen billigen zur Aufrecht- erhaltung der Alleinherrschaft der bisherigen Bankdirektoren, die sim als Sachwalter des gesamtwirtschaftlichen Interesies nicht gerade hervorragend bewährt haben. „verdienten Mann"' die Staatsbürgerschaft zu verschaffen. Nun frag« ich Sie. meine Herren Nationalsozialisten, was würden Sie sagen, wenn ein Soztaldemokrak auf solche Weise sich das Staatsbürgerrecht erschleichen wollte? Was bei uns aber„Korruption" genannt wird, das ist bei Ihnen der Ausfluß„nationaler Gesinnung".(Beifall.) Ich gebe zu, daß der Boden der Demokratie durch das System der Notverordnungen jetzt eingeengt ist. Aber wir vergessen nicht, daß dieser Zustand erst durch die Wahl vom 1-t. September 1930 ermöglicht worden, ist. Aber die Grundlage der demokratischen Verfassung ist noch da, kommt das Hitlertum je- doch zur Macht, dann ist das Fundament beseitigt, auf dem dt« Freiheiten des Volkes beruhen. Die Nationalsozialisten haben ja auch ein sogenanntes Staatsprogramm, aber es ist unklar, was eigentlich darunter zu oerstehen ist. Durch die vielen Kommen- tar« der Führer und Unterführer ist darin auch noch keine größere Klarheit geschossen worden. Nur das eine steht fest, daß olle Kom- mentare darauf hinauslaufen, die Rechte der Mehrheit des beut- schen Volkes zu beseitigen. Hitler selbst sagt in seinem Buch„Mein Kampf": Die Mehrheit kann„den Mann" nicht ersetzen. Wer„der Mann" ist, das spricht Hitler freilich nicht aus.(Heiterkeit.) Die Nationalsozialisten wollen die Diktatur einer winderheit über die Mehrheit errichten. Die Erlebnisse der letzten Zeit sind aber höchst charakteristisch für diese Diktatur. Ohne Hitlers Wissen und ohne seine Verantwortung soll nichts in der nationalsozialistischen Bewegung geschehen. Aber wo war der Diktator, der„Mann"? Her Hitler hat handeln und verhandeln, müssen, ehe er zu einem Beschluß kommen durfte. Wenn die Diktatur einen Sinn hat, so ist es doch der, schnell zu durch- greifenden Beschlüssen zu kommen. Hier haben Sie aber gesehen, wie die Cliquen und Gruppen miteinander ge- feilscht und gehandelt haben, daß ein Kampf der Diktatoren untereinander entbrannt ist und daß„der Führer" zu B e- schlüssen erst gezwungen werden mußte. � Dieses unverantwortlich« und verantwortungslose Cliquenwesen kennzeichnet das Wesen der Diktatur, die die National- sozialisten erstreben, und das Volk soll diesen Tliquen ausgeliefert werden.(Beifall.) Breitscheid bespricht dann die Stellung der Nationalsozialisten zur auswärtigen Politik. Glauben Sie mehr zu erreichen als bis- her erreicht worden ist, wenn Sie erst in der Regierung sind? Glauben Sie. daß Frankreich zu Verhandlungen bereit sein wird, wenn Herr Goebbels im„Angriff" Frankreich als Schurken be- zeichnet? Die Nationalsozialisten haben vor der letzten Wahl ver- kündet, daß der Poung-Plan zerrissen werden soll. Als aber«in kommunistischer Antrag auf Einstellung der Reparationszahlungen im Ausschuß oerhandelt werden sollte, haben sich die National- sozialisten der Stimme enthalten.(Hört, hört!) Jetzt'liegt ja ein neuer Antrag der Kommunisten vor, der wiederum die Einstellung der Reparationszahlungen verlangt. Wir sind gespannt daraus, ob die Nationalsozialisten jetzt dafür stimmen werden. Bei diesen Ausführungen verüben die Nationalsozialisten großen Lärm. Einer von ihnen wird aus dem Saale verwiesen. Daraufhin vrrlähk die Fraktion der hakenkreuzler unter Schimpfereien auf die Mehrheil den Saal. Breitscheid fährt fort: Ich bedauere, daß die Herren National- sozialisten den Saal verlassen haben. Ich glgubc allerdings nicht, daß sie etwas aus meinen Ausführungen lernen könnten, denn dafür fehlen bei ihnen alle Voraussetzungen.(Heiterkeit.) Der kommu- n i st i'sch e Antrag hat allerdings noch einen zweiten Teil. Es wird darin beantragt, daß auch alle Prioatschulden an das Ausland gestrichen werden sollen. Ich würde mich nicht wundern, wenn dos deutsche Großkapital der kommunistischen Fraktion für diesen Antrag ein Dankschreiben übermitteln würde. Denn er besagt ja nichts anderes, als daß er die Großkapitalisten, die vielfach in leichtfertiger Weise im Auslande Kredits ausgenommen haben, jetzt aus Ver- onlossung der Kommunisten ihre Schulden los werden sollen.(Leb- hast« Heiterkeit.) Von nationalsozialistischer Seite ist un» immer wieder der Vor» wurf gemocht worden, daß wir Verständigungspolitik getrieben hätten. Warum haben wir diese Derständigungpolitik ge- trieben? Doch nur deshalb, weil wir Schlimmeres vom deutschen Volk« abwenden wollten, weil wir nicht haben wollten, daß fremde Truppen noch weiter aus deutschem Boden weilen sollten.(Leb- hofter Beifall.) Goebbels hat im„Völkischen Beobachter" ge- schrieben, daß auch die Naiionalsozialisten sich vor dem Zwange der Tatsachen beugen wollten.(Hört, hört.) Also auch die Nationalsozialisten wollen die Verständigung mit Frankreich. Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an den Briefwechsel, den Hitler nach den Septemberwahlen mit einem der schlimmsten französischen Natio- nalisten. mit Herv« geführt hat, und in dem auch die Verständigung mit Frankreich angeboten wurde. Breitscheid schloß seine Rede.unter vielen Gegenrufen der Kom- munilten mit einer scharsen Polemik gegen die Taktik d«r K P D., die immer wieder auf eine Unterstützung der Bestrebungen de? Faschismus hinauslaufen. Dem stellte Breitscheid in«iwdrucks- vollen Worten die wachsende Erkenntnis der Arbeiterklasse von der Notwendigkeit g« s ch l o s s e n e n K a m p f e s um die Erhol- tung der demokratischen Freiheit entgegen. Das Motto der Eisernen Front, die sich überall im Lande immer mehr festigt und in immer gewaltigeren Kundgebungen in Erscheiming tritt, ist das Wort von E M. Arndt:„Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte!" Nachdem der stürmische Beifall der Sozialdemokraten verhallt war, ergriff Reichswehrminister Groener oas Wort, um seinen vielbesprochenen Erlaß zu erläutern. Er teilt« sein Antwortschreiben an Höltermann als Bundes- sührer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold mit, worin der Minister die Ablehnung aller irgendwie Illegalen Bestrebungen durch dos Reichsbonner mit Befriedigung zur Kenntnis nimmt und ein Zusammenwirken für die körperlich« und geistige Er» tüchtigung der Jugend begrüßt. Groener machte weiter einen wenig überzeugenden Versuch, seinen verunglückten Reichsmehrerlaß zu rechtfertigen. Seine Bs- rnsling auf die Legalitätsbeteuerungen Hitlers wurden von den nationalsozialistischen Abgeordneten mit verständnisvollem Grinsen begrüßt. Die Kommunisten machten höhnische, zum Teil nicht unzutreffende Zurufe. Auch die sozialdemokratische Fraktion zeigte sich über die Erklärung befremdet und enttäuscht. Milde für Fabriciu». Die Reichsdisziplinartammer l in Berlin verurteilte den nationalsozialistischen Reichstagsabgeardneten Regie- rungsrat z. L. Dr. F a b r i c i u s dieser Tage wegen Dienstvergehen zur Strafversetzung und 100 Mark Geldstrafe. j Gehilsen der Reaktion. Die Truppen des rusfifchen NeitergeneralS. Die Empörung über die Frechheiten eines Reklame» chefs der Hitlergarden hat gestern diesen Reklamechef wenigstens für eine Sitzung aus dem Reichstag hinweggefegt. Die Kriegsteilnehmer und Kriegsverletzten, ganz gleich wie sie zu der Frage der Notwendigkeit eines Krieges überhaupt stehen, wollten sich mit Recht nicht die Frechheit eines Heim- k r i e g e r s gefallen lasten, der sie als„Deserteur e" beschimpfte. Aus dieser selbstverständlichen Abwehr macht die kommu- n i st i s ch e Presse heute einen—„W ettlauf der Kriegs- b e g e i st e r u n g". Das nimmt sich besonders gut aus in den Blättern einer Partei, die von dem russischen Reiter- g e n e r a l Thälmann„geführt" wird. Die Kommunisten bestätigen durch diese Aufmachung nur auf» neue, was ihnen bereits gestern die schwerindustrielle„DAZ." be- scheinigte, daß sie„ja praktisch eine wertvolle Hilfstruppe des Bürgertums" sind. Sie werden sich in dieser Roll« auch noch weiter betättgen. Rätsel um die Ermordete. Wer ist der Mann im grünen Anzog? Unter den vielen Spuren, die die Mordkommission zur Auf- klärung des Verbrechens an der Mathilde Rolland zu ver- folgen hatte, ist auch eine, die auf einen„Mann im grünen Anzug" hinweist. Am Freitag war die Rolland mit chrer Freundin Marianne von der Pestalozzistraße— wo sie gemeinsam bei einem Artisten arbeiteten— auf dem Wege nach Neukölln. Unterwegs wurde Mathilde von einem Mann angesprochen. Marianne ging in ein Geschäft, während Mathilde mit dem Manne draußen stehen blieb. Als Marianne wieder aus dem Geschäft kam. vnob- schiedete sich der Mann und ging fort. Die Rolland erzählte, daß es„ein netter Kerl" fei und daß sie sich mal mit ihm verabreden werde. Unabhängig vor diesem Vorfall erschien am Sonntag— als Marianne mit ihrem Bruder und dessen Freund bei der Rolland m der Friedelsttaße waren— ein Mann, der angab, er käme von Kurt. Kurt ist ein R e i ch s w e h r s o l d a t aus Kolberg, der mit der Ermordeten schon längere Zeit befreundet war. Dieser neue Unbekannte und angebliche Freund von Kurt wurde fortgeschickt. Man traf ihn ober später vor dem Hause in der Friedelktraß«. Ob nun dieser Unbekannte, der einen grünen Iägeranzug trug, wirklich ein Freund des Kurt ist, weiß man noch nicht. Es ist wohl möglich, daß die Rolland einem neuen Bekannten gesagt hat. er solle sich als ein Freund des Kurt melden, dann würde ihr Besuch ,'ichts Auf- fallendes daran finden. Andererseits besteht auch die Möglichkeit, daß dieser Mann mit dem grünen Anzug im Zusammenhang mtt der Bekanntschaft vom Freitag steht. Um diese oerwickelten Fragen zu klären, ist Kommisiar Ließen- berg nach Kolberg gefahren. Schließlich bleibt die Möglichkeit, taß Mathilde Rolland einem neuen Freund die Rolle des Freundes von Kurt zudiktiert hat. Betrogene Sparer. Stürmische Gläubigerversammlung der Ladendorff-Bank. Zn der Aukohalle am Kaiserdamm sind seit heute l0 Uhr di« Gläubiger der zahlungsunfähigen Berliner Bank für Handel und Grundbesitz zum gerichllichea ver- gleichstermin unter Vorsitz von Amlsgerichtsrat Herr zu- fammengelreken. Die Zahl der anwesenden Gläubiger beträgt rund l0 000, die Versammlung nlmmi einen äußerst stürmischen verlaus. Schon bei der Verlesung des Vergleichsoorschlage-, der eine Befriedigung der Gläubiger mit 30 Proz. vorsieht, kam«s zu un- beschreiblichem Lärm. Minutenlang war kein Wort zu verstehen, stürmisch verlangten die um ihr Geld gebrachten Einleger, die sich in der Hauptsache aus Handwerkern uno Kleinbürgern zusammensetzen, das Erscheinen des bisherigen Aufstchtsratsoorsitzen. den, des wirrschaftsparteilichen Abgeordneten Ladendarff. Die Mit- teilung, daß vom Vorstand niemand erschienen fei — der einzige Vorstand der Bank war der geflohene Bankier Seiffert—, führte zu Hohngelächter und neuem Lärm. Als Ministerialamtmann Lehmann vom Reichssinanzministerium die Bürgschaftserklärung des Reiche« für die Quote von 30 Proz. oerlas. mußte die Sitzung unterbrochen werden. Die Rufe:„Wir wollen unser Geld wiederhaben!',»ahmen kein Ende. Es scheint zweifelhaft, ob die Sitzung ordnungsgemäß zu Ende gejährt werden kann. Beamte für Verständigungspolitik. Konferenz der sozialen Arbeilogemeinschafi im OBD. Eine Funktionärkonferenz der sozialen Arbettsgemeinschaft beut- scher Beamtenoerbände im Deutschen Beamtenbund beschäftigte sich mit der beamtenpolitischen Lage und dem Repa- rationsproblem. Bundesdirektor Lenz vom DBB. krttisierte die Gehalts- a b b a u- und Preissenkungspolitik der Reichsregierung. Die bisherige Preisentwicklung hat nicht annähernd einen Aus- gleich für die Gehaltskürzungen gebracht. Durch eine falsche Zoll- Politik werden die Preise für die wichtigsten Lebensmittel bereits wieder in die Höhe getrieben. Zahlreiche Familien von Beamten der unteren Besoldungsgruppen leben heute nur noch kümmerlich von der Hand in den Mund. Mit allem Nachdruck muß von der Reichsregierung das Aufgeben einer Politik oerlangt werden, die mehr und mehr das Vertrauen zum Staat und die Grundlagen der Wirtschaft erschüttert. Durch die Annahme einer Entschließung, die im wesentlichen die Leitgedanken des Referats enthält, bekundete die Funktionärkonferenz ihre Uebereinstimmung mtt den vom Red- ner vorgebrachten Forderungen. Verbandssekretär Fr ick wies in einem weiteren Referat die Notwendigkett einer.vernünftigen Regelung des Re- parationsproblems nach, wobei er, durch einige phxasen- hafte Zwischenrufs animiert, unter stürmischem Beifall der Konferenz der großen Verdienste Hermann Müllers und S t r e s e m a n n s um die Befreiung des deutschen Volke, von den drückenden Reparationslasten gedachte. Mtt besonderer Wärme setzte er sich für die internationale Verständigung ein. Die Meinung der Versammlung fand ihren Niederschlag in einer einstimmig angenommenen Entschließung, in der zum Schluß die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit der Volker auf der Grundlage von Recht, Frieden, Freiheit und Gleichberech- tigung betont wird._ Lichistreik in Hamburg? In einer Versammlung des hamburgischen Einzel- Handel, wurde beschlossen, ab Donnerstag in den Lichtstreik zu treten, da die Strompreise oer Hamburgischen Elektnzttäts-Wer'e für gewerl liches Licht untragbar seien und infolge der Tarif- stafselung der Kleinabnehmer gegenüber dem Großabnehmer steuer- lich erheblich benachteiligt werde. Der Einzelhandel in Wandsbek hat sich dem Lichtstreik ebenfalls angeschlossen, während er in Harburg-Wilhelmsburg bereits fett einiger Zeit durch- geführt wird. Mit dem Allonaer Einzelhandel sind di« VerHand- lungen wegen einer Streikbeteiligung«ingeleitet worden, da der neue Tarif des Elektrizitäts-Werkes Unterelbe für die Altonoer Einzelhändler eine Verschlechterung gegenüber dem alten Tarif be- deuten soll. Der Lichtstreik soll so durchgeführt werden, daß jede Außen- beleuchtung unterbleibt. Die Schaufenster werden am Donnerstag gar nicht, dann nur bis 19 Uhr mtt etwa einem Viertel der üblichen Stärke beleuchtet. Die Innenbeleuchtung wird nach Möglichkeit auf etwa ein Viertel der üblichen Stärke beschränkt. Erdrutsch begräbt 5 Arbeiter. Bei Wegebauarbeiten in der Rahe von Nizza. pari«. 24. Februar. Bei wegebauarbeiten in der Nähe vou Nizza erelgueke sich am Dienstag ein schweres Unglück, bei dem sünfArbeikergelätel und einer schwer verletzt wurde. Nach einer Sprengung bei den Arbellen an einer Landstraße ereignete sich ganz unerwortek ein Erdrutsch, der sechs Arbeiter verschüttete. Drei vou den ver- schütteten konnten nur als Leichen geborgen werden, von den biet anderen, die im schwerverletzten Zustand in ein Krankenhaus über- geführt werden mußten, verstarben zwei kurz nach ihrer Einliefe- rung._ Die Zugabeverbotsvorlage. Das Zugabeverbot ist im Reichsrat in einer Form angenommen worden, die den auch von gewerkschaftlicher Seite geäußerten ar- beitsmarktpolttischen Befürchtungen wenigstens bis zu einem ge- wissen Grade Rechnung trägt. Die Anträge der Zugabegegner sind zum Teil abgewehrt worden. Die letzte Entscheidung hat der Reichs- tag. Zunächst lammt die Zugabenverbotsvorlage in den Volkswirt- schastlichen Ausschuß. Bis zum Inkrafttreten de» Zugabeoerbots wird also, ganz abgesehen von der vorgesehenen Uebergangsfrist, noch einige Zett vergehen. „Die endlose Straße" Knegsstück im GchilSer-Theaier Die Sachlichkeit dieser Kriegsszenen ist das wichtigste. Sieg- m u n d Grass lebt noch, Carl E r n st H i n tz e starb durch einen Unglücksfall, als er nach langem Warten beim Elnprobieren seines Stückes mithelfen durfte. Ms sie beide noch lebten, die Kriegs- kameraden, die Bühnenkameraden, überlegten sie gemeinsam ihr Kriegsstück. Sie hüteten sich, die Phantasie allzu üppig spielen zu lassen, sie befleißigten sich, die beiden Schützengrabenkameraden, der Wahrhaftigkeit und Schlichtheit treu zu bleiben Da sie weder in Tendenz geschwollen, noch in der Theaterwirkung schwungvoll sein wollten, redeten sie die nüchterne und dezhalb um so tiefer in die Nerven hineinstechende Sprache des Krieges. Die Kompanie liegt im Unterstand. Don„der anderen Seite" wird unaufhörlich bombardiert. Von der Kompanie bleibt nur noch ein zusammengeschossener Haufen übrig. Die wenigen, die noch abgelöst werden können, die wenigen, mit dem anständigen und tapferen Hauptmann an der Spitze, die wenigen, die zunächst zwölf Kilometer hinter der Front die Baracke beziehen, dieses Resthäuflein der Müden, Verdreckten und Verwundeten, wird plötzlich verdammt enttäuscht. Die drüben haben diesmal mehr Munition und Mann- schaft als die Deutschen. Die drüben rücken in die Biwaknähe: was Ruheposten schien, wird Frontabschnitt. Ruhen darf die Kom- panie nicht, sie muß wieder aus dem Stroh heraus, wieder auf die Straße, wieder auf die endlose Straße, die zur Front zurück- führt. Diese ganz stille, gar nicht gesprochene Schlußszene, diese nur mit Hilf« des drehenden Bühnenbodens gespielte Szene, die das Abrücken der Kompanie zeigt, erzählt mehr, als jede Wortanmaßung ver- möchte. Diese Szene war der großartige Vorwurf im Künstlerischen, und sie lieferte den nicht minder großartigen Vorwurf im Mo- ralischen gegen alle, die noch vom Kriege entzückt sind. In dem Stück sind die Musketiere zusammengepfercht. Das Individuum verschwindet. Nur manchmal kommt«in Prioatschicksal auf: bei dem Gefreiten, der vor seiner Zeit vom Urlaub an die Front zurückeilt, weil er die Orientierimg in der Heimat verlor: bei dem Hauptmann, der Heimaturlaub nehmen und sich retten könnt« und der doch den ersten Schritt auf die endlos« Straße macht: bei den Verwundeten, die sich noch In der Baracke vertrödeln und nicht in die Ruhe zurückfinden können, well sie durch ihr Blut an die Kameraden gebunden sind: bei dem siebzehnjährigen Jung»», der vor Angst hysterisch wird. Sonst ist eben nur die Kompanie da, und ihr Schicksal genügt, damit in dem Zuschauer das Trommel- feuer der empörten Nerven beginnt. L i n d t b e r g inszeniert. Er hat viel zu inszenieren, zusammen mit dem Pühnenarchitekten Traugott Müller, damit keine Hurra- stimmung. sondern nur die Wahrheit entsteht. Trotzdem geriet ein Viertel der Zuschauer und merkwürdigerweise der Zuschauerinnen in vergnügliche Vampyrlaune. Und diese Damen lachten, se näher der Tod rückte! Der Irrenarzt ist zu befragen, warum sie es taten. Obgleich keiner von den Künstlern sich hervortat, obwohl sich auch keiner hervortun sollte, spielten sie alle hervorragend. Das heißt: sie spielten im Einverständnis mit dem Regisseur, indem sie ihr lllaturell streng zügellen. In dem Stück gibt es nur wenig chargierte Militärs und auch wenige dankbare Theaterchargen. Wer hier hätte glänzen wollen, der würde eins aufs Maul verdient haben. Nur der affenhaste Zahlmeister, den Paul B i l d t spielte, durste solche von dem Stück vorgeschrieben« Komödtantensprünge machen. So gab er durch seine Schmarotzerrolle den tragikomischen Kontrast zu der Tragik. F r a n ck spielt den Hauptmann. E e n s ch o w den Leutnant. F l o r a t h und Otto spielen die beiden Verwundeten, die sich nicht von den Kameraden trennen wollen. Sonst hört man noch die Stimmen von Granach und Harlan, von Menzel. Minetti u. a. Sie sind alle nur gelegentlich« Stimmführer, um eine schnell vorüber- gehende Episode zu illustrieren. Aber man stelle sich vor, weniger gute und weniger genügsame Episodisten wären herangezogen worden! Bald wird das Schiller-Theater nicht mehr Staatstheater fem. Bald werden einige von den besten dieser guten Schauspieler auf der endlosen Straß« liegen, auf der die Arbeitslosen«iicherziehen. Bald wird das Schiller-Theater für 30 000 Mark Iahresmlets v«- pachtst sein. Und die Rotters sind groß, und ihr« Nebenbuhler und Epigonen machen Versprechungen, daß ihnen die Kifer wackeln und— � und—— Es ist eine endlose Straße, auf der sich der Theaterjammer ausdehnt und auf der beglückt nur die Operetten- Hamster heranhausteren Mwc Hochdorf. Ein noileidender Agrarier. Von der pommerschen Hauptgenossenschast. Wie ein notleidender Agrarier aussieht, das konnte man am Dienstag im Rechtsausschuß des Preußischen Landtags erfahren, als der sozialdemokratische Urantrag beraten wurde, der sich mit den Betrügereien bei der Pommerschen Haupt- genossenschaft beschäftigt. Diese brave Genosienschaft hat sich fünf Jahre hindurch durch Schiebungen und im wahrsten Sinne ..doppelte" Buchführung Einfuhrscheine vom Staat er- schlichen und die Staatskasse um mindestens ein« Million Mark geschädigt. Der Berichterstatter. Genosse K u t t n« r, zeichnete von dem leitenden Direktor Hagemann folgendes Porträt: Sem Gehalt beträgt angeblich„nur" l8 000 Mark im Zahr. Dazu aber kommen: 5000 Mark Aufwandseukschädigung. zwei Gratisikalionen von je einem Mouatsgehalt im Gesamtbeträge von 3000 Mark, freie Wohnung lm Wert von etwa 3000 Mark. Extraentschädigung für die Tätigkeit bei der Schälmühle(wo die Betrügereien vorgenommen wurden). 6000 Mark und e'ne Abfchlußoergütung von 20 000 Mark. 3n Wirklichkeit hat also dieser Herr aus kosten der ländlichen Genossenschaften ein Jahreseinkommen von 55 000 Mark bezogen. Selbswerständlich hat er es nicht versteuert! Sondern im Wege der Unterwersung hat er am 20. September 1930 wegen Hinterziehung von Einkommensteuer eine Geldstrafe von 100 000 Mark zahlen müssen. Dieser selbe Direktor hat vonSK erschlichenenEtn- suhrscheinen 46 persönlich unterschrieben. An dem Ertrag der Schwindeleien war er finanziell interessiert! Den Buch- Halter, der wegen der falschen Buchungen Gewissensbedenken hatte und dem Direktor Mitteilung machen wollte, hat Direktor Hagemann nicht vorgelassen, sondern ihm immer erklärt, er habe keine Zeitl Der Staatsanwalt hat gegen Hagemann seinerzeit 4,5 Millionen Mari Geldstraf» und I«ch» Monat« Gefängnis beantragt, aber das Gericht hat nur aus 60 000 Marl Geldstrafe erkannt. Hiirzu erklärt««m D»rtrettr de, Iustizminist«' riums, daß Hagemann nur wegen„sahrlässiger" Steuerhinter« ziehung verurteilt worden ist. Die Staatsanwaltschaft hat das Urteil mit Revision angefochten. Auf eine weiter« Anfrag« de« Berichterstatter, wegen der Be- teiligung der pommerschen Genossenschaften an der zusammen- gebrochenen..Pommerschen R-ich-post" erklärte Direktor Posselt von der Preußenkass«. daß setzt im Wege der Kreditkontrolle darauf ge- achtet wird, daß solch« Genossenschaften, die sich statutcnwidrig po- litisch betätigen, keinerlei Staatsgeld mehr erhalten. Der Ausschuß erklärte auf Grund dieser Regierungeerklärungen den vorliegenden Antrag für erledigt. Neue japanische Offensive. Erbitterte Kämpfe im Gange. Schanghai. 24. Februar. Der für heule früh geplante japanische Aagriss war um e'nige Stunden verschoben worden und ist jetzt im Gange. Zunächst unter. nahmen Flugzeuge über den chinesischen Stellungen Er- kundvugsstüge und im Anschluß daran erössnelen die am Golfplatz von Slaugwan aufzestellteu japanischen Vaiierieu das Feuer. Ge- schwader japanischer Bombenflugzeuge flogen über den chinesischen Linien hin und her und bewarfen sie fystema lisch m'l Vomleu. Am 10 Ahr vormittags erfolgt« der Befehl zum allgemeinen Vorgehen und die berettgestelUe Infanterie begann, unterstützt von Tanks und Panzerwagen, den Angriff auf die chir.esifchcn Stellungen. Gegenwärtig sind erbitterte kämpfe im Gange. Aeber dem japaulfcheu Hauptquartier in kiangwan erschienen zwei chinesische Flugzeuge und warfen Bomben ab. die ihr Ziel nur um 30 vleter verfehlten. Amerikaner im Lustkampf abgeschossen. Schanghai. 24. Februar. Nach einer amtlichen chinesischen Meldung wurde ein 27jähriger Amerikaner namens Robert Short vorgestern in einem ch t n e- fischen Einsitzer von einem japanischen Flugzeug im Luftkampf abgeschossen. Box einiger Zeit war Short in Japan gelandet, um einen transpazifischen Flug zu versuchen. Er hatte aber schließ- lich seinen Plan aufgegeben. Labor Variy fordert Abbruch der Beziehungen zu Tokio. L o u d o u. 24. Februar. Der Gewerkschaftskongreß, der Bollzugsaus- schuß der Arbeiterpartei und die parlamentarisch« Frat- t i o n der Partei haben durch ihren gemeinsamen Landesausschuß die englische Regierung in einem Aufruf zu einem Vorgehen un- gewöhnlicher Art im Ostasien-Konflikt ausgesondert. Sie regen an, die englische Regierung möge den Mitgliedern des Völkerbundes und den Unterzeichnern der Friedenspakte nahelegen, eintretendenfalls ihre diplomatischen Vertreter aus Tokio zurückzu- ziehen: jedoch spricht der Aufruf die Hoffnung aus, eine solch« Aktion werde nicht notwendig s«in. da Japan die Weltmeinung, die «ine Beendigung des Krieges fordere, nicht unbeachtet lassen könne. In dem Ausruf wird serner erklärt, daß die Völker jede Hoffnung auf Herabsetzung der Rüstungen zerstörten und Kriege unvermeidlich machten, w-nn sie nicht Irgendwelche wirksamen Maßnahmen im Ostasien-Konflikt ergriffen._ Goldladung ins Wasser gestürzt. Zehn Goldbarren im Schlamm versunken. Paris. 24. Februar.(Eigenbericht) Bei der Löschung einer Goldladung. die am Dienstag an Bord des Dampfers„Berengaria" in Cherbourg eingetroffen war, riß die kette eines kraus, fo daß zehn Fässer mit Goldbarren auf den Kai stürzten. Mehrere Fässer platzten. Sechs Fäsier, leren Inhalt einen Wert von acht Millionen Franken hatte, fielen ins Wasser. Ein Taucher konnte die meisten Fäsier wieder an die Oberfläche bringen. Zehn Goldbarren von je zehn Kilogramm Gewicht, die aus de« geplatzten Fäsiern geglitten waren, versanken lm Schlamm des Untergrundes und konnten noch nicht gefunden werden. Ihren 75. Geburtstag feiert heut« Frau Marie Röhricht, Baums chulenweg, Wohlgemufftr, 4. Die Jubilarin ist bereits 55 Jahre Leserin des.Vorwärts. Das ewige Volksstück. Theater in der Kiostersiraße. Reichtum macht nicht glücklich. Diese zweifelhafte Wahrheit wird m jedem Votksstück demonstriert, das seinen Stöfs aus dem Milieu des Kleinbürgertums holt. Bleibe im Lande und unternimm keine Expeditionen in die geheiligten Gefilde des Kapitals. Ms geschlagener Mann kommst du, Borwitziger, sonst zu Muttern zurück. Die b«- stehende Wellordnung hat es weife eingerichtet, und Franz Cor- n e l i u s ist ebenfalls weife. Er benutzt in seinem Volksstück „Zwei Mädels aus dem vierten Stock" nur die erprobten Rezepte. Der brave Polier Pliddermann gewinnt bei einem Rennen eine größere Summe und ändert sich sofort. Er verläßt die Familie und führt ein weltmännisches Leben. Rur die Tochter Mizzi begleitet ihn mit ihren mondänen Sehnsüchten. Und als das Geld zu End« ist, geht Pliddermann unter die Hehler. Das Gejängnis folgt mit mathematischer Sicherheit. Am Schluß kehrt ein gebrochener Mann in den Schoß der Familie zurück, zu der Mizzi schon lange vorher den Weg fand. Ein sehr glückliches End». Uebsrall träufell Edelmut. Wollte Franz Cornelius sine Parodie schreiben? Wer ein« Parodie wäre in diesem Falle kaum angebracht, da Bai?«stücke nicht in Mode sind. Es handell sich also um ein« unbeabsichtigte Parodie- rung. Franz Sondinger, sonst ein instinktsicherer Theaterleiter hat fehlgegriffen, und auch die Regie Wolfgang Böttchers weiß mit der rührseligen Angelegenheit wenig anzufangen. Die her- gebrachten Typen erhallen keine Politur. Alle» ist dick ausgetragen und fast karikaturistisch verzerrt. Und in die Gruppen kommt keine Bewegung. Ilse T r a u t s ch o l d hat ein paar gute Momente, aber auch ihr gelingt kein« geschlossene Gestallung. kst Sch. �Mamsell Aitouche." !lfa-palast am Zoo. Durch die Versllmung der Operette werden die Melodien der Mamsell Rllouch« wohl kaum volkstümlicher werden. Doch ist sie als Film recht nett. Das kommt, weil Carl Lamac die Regie fühct und Anny Onöra die Hauptrolle spielt. Dieser kleine Racker hat es faustdick hinter den Ohren und Anny ist gleich gut als über- trieben sittsame Klosterschülerm und als quicklebendiger Springins- seid. Zum Schluß angelt sie unter ziemlicher Energieentfaltung ihren Leutnant, und alles ist zufrieden. Anny O n d r a ist anmutig uno natürlich, und sie hat, wenn auch gerade keine große, so doch recht hübsche Singstimme. Um den Star gruppieren sich Oskar K a r l w e i ß. der bei ergötzlicher töd- licher Berlegenhell seine Doppelroll« spiell, der wie üblich flirtend« Georg Alexander und Haue Iunkermann in der Rolle eines wenig intelligenten, liebeslustigen Majors. Der Regisseur Carl Lamac hat wieder sehr gute und photo- graphisch vorzüglich auszunutzende Einfälle. Darum ist es doppelt zu beklagen, daß er in den Kasernenszenen vollkommen oersagt und streckenweise sogar den allerschlimmsten Militärfilm spielen läßt. Einige Laneschaftsaufnahmen sind von ganz großer Wirkung. Sie sind so schön, daß sie in die übrige Kulisse eigentlich gar nicht hineingehören. Der Vorspann„Aufforderung zum Tanz" von Carl Maria von Weber, nach der Musik als Tanz gestallet von Heinz Hill«, ist weiter nichts als eine technische Spielerei. Di« Industrie kann bedeutungsvoll sagen, so gut ist heute tie Ton- Wirkung. Filmische Reize bietet tos Werk kaum: denn Ballett ist Leben, das man nicht in der flächigen Schwarz-Weiß-Uebertragung erschöpfen kann._*• d. Lieban gastiert als„Mime". Linden-Oper:.Rhsingold". In diesen Tagen ist Julius Lieban 75 Jahre all geworden. In der Linden-Oper. der er so lange angehörte, hat er seinen Freunden und Bewunderern zeigen wollen, daß er noch immer singen und spielen kann und seine Stimme sich noch ihrer alten Frische erfteut. Als„Mime" ist er schon von Wagner geschätzt worden, und als „Mime" trat er gestern wieder auf der Bühne auf. auf der er ihn so oft gesungen hat. Die ganze Wagnersche Tradition der guten Sprechgestaltung und des Aaren Singens erstellten aufs neue. Sein„Mime" wie sein„David" werden noch lange alz vorbildlich gelten. „Rhelngold", der am wenigsten populäre Teil des Ringes, ver- dient im Zeitalter des sterbenskranken Kapttalismus das höchste Interesse. Der Revolutionär Wagner hat hier, um mtt Shaws Worten zu reden,„die ganze Tragödie der Menschheitsgeschichte und die ganze Furchtbarkelt des Widerstreits, der die Welt heute mtt Grausen erfüllt", gegeben. Dieser Operntext, der scheinbar«ine alte Sage gestaltet, ist der modernste von der Welt. Der Fluch des Goldes, die Versklavung der schaffenden Hände, die schicksalshafte Verknüpfung von Ober- und Unterwelt, die Rolle des Geistes— alle diese Probleme sind nicht nur in dieser Oper lebendig... Als „Kunstwerk" genoß das„Rheingold" eine meisterliche Aufführung: Großmann(Wotan). Soot(Loge). Fuchs(Mberich) usw. boten alle unter Kleibers Szepter prachtvolle Leistungen, d. Schlesien ehrt Gecharl Haupkwann. Gsrhari Hauptmanns 70. Geburtstag wird in Schlesien in einer. Reih« von Feiern be- gangen werden. Breslau hat jetzt sein P«gramm festgelegt. Eine Ausstellung, in deren Mittelpuntt die vollständigste S«r- hart-Hauptmann-Bibliothek stehen wird, ist der Auftakt. Da» ehe- malige Thalia-Theater wird als Gerhart-Hauptmann- Theater in völlig neuem Gewände wiedereröffnet. Ein großer Festakt ist im Neuen Theater geplant: auch die Breslau«? Oper und das Stadttheater werden eine Reihe von Gerhart-Hauplmann- Ehrungen bringen. Am 15. November, dem Geburtstage des Dichter«, findet ein« Gerhart-Hauptmann-Erstaufführung Im Stadt- theater statt. Ein« offiziell« Ehrung b«, Dichters ist für Anfang November geplant. Auch außerhalb Breslaus sind eine Reihe von Gerhard-Haupt- mann-Felern in Schlesien geplant. Das Universum wird größer. Die uns bekannte Ausdehnung des Weltalls ist um 20 Millionen Lichtlahre erwectert worden durch die Entdeckung zweier Spiralnebel, deren Entfernung größer ist als jede vorher beobachtete. Diese Eni- deckung ist mtt dem hundertzölligen Fernrohr der Mount-Wilson- Sternwarte in Kalifornien gelungen. Es wird gemeldet, daß die Nebel sich mtt einer Schnelligkeit von 24 000 Kilometer in der Sekunde fortbewegen: das ist die größte Schnelligkeit, die bisher berechnet worden ist. Die neuen Spiralnebel sind 135 M» l l i o n e o Lichts a h r e entfernt, nähern sich also bereits stark der Reichweite von 160 Millionen Lichtjahren, die das Fernrohr überhaupt besitzt. Wenn dieses bisher größte Fernrohr durch das der Vollendung ent- gegengehende zweihundertzöllige Fernrohr übertroffen werden wird, dann darf man eine nach viel gewaltigere Ausdehnung des be- kannten Universum erwarten. Die Wiederherstellung der Mosaiken der hagia Sophia. Wie aus Konstantinopel berichtet wird, ist jetzt von dem Amerikanischen Byzantinischen Institut unter Mithilfe erfahrener italienischer Ar- beiter mit der Aufdeckung der Mosaiken in der Sophienkirchs be- gönnen worden. Die Erlaubnis zu dieser Arbeit, die in der Reini- gung. wissenschaftlichen Untersuchung und Wiederherstellung der wundervollen Mosaiken bestehen soll, wurde dem amerikanischen In- stitttt von den türkischen Behörden im Juli 1931 gewährt. Die Mosaiken, die zu den berühmtesten Arbeiten dieser Art gehören, sino seit 1453, als die Türken von dem Wunderbau des Kaisers Iustinian Besitz ergriffen, zum großen Teil mit Tünche verdeckt worden und allmählich in einen sehr schlechten Zustand geraten. Man will nun alles daran setzen, um diese Meisterwerke der Welt zu erhalten. Di« ErösfnungSvorstelluna de« Theater» am Tchissbauerdamm,„Eine ? a l l n a ch t, voll QSkar Strauß, findet unter der Direktion von Karl Beckersachs Freitag, 8 Uhr, statt. Hedwig Waugel spielt in der Aussührung von Bernhard Shaws Komodie„AndrokluS und der Löwe" in der Volksbühne die Atolle der Mcgära. „Rückblick durch ein bewegte» Jahrzehnt" lautet das Thema, über dos Professor Wilhelm Doeaen mit Borführung von Lautplatten und Licht- bildern Donnerstag, 8 Uhr, im Herrenhaus spricht. Ludwig WllllnerS 5. Goethe-Abend. Die Gesellschaft für Deutsches Schrifttum gibt Freitag, 8 Uhr. rn der Singakademie den Z. Goethe-Avcnd. Ludwig WMner sprich« Balladen und Gedichte, das Festspiel„Pandora" und die„Trilogie der Leidenschaft". Konzert im Schloß Monbijou. Die Bereinigung zur Pflege deutscher Kunst veranstaltet Freitaa. 7.4s Uhr, ein Konzert im Schloß Monbijou unter Mitwirkung der philharmonischen Kammermusikvereinigung. Bo«„Kamps um Kitsch", der abgebrochen werden mußte, werden im Berliner Theater Sonnabend und Sonntag noch zwei Vorstellungen zugunsten der Speisung bedürftiger Schullinder veranstaltet. Paul Büttner« Z. Symphonie, die 1917 bei ihrer Berliner Erstauf- führung starken Erfolg hatte, wird Sonntagabend vom Berliner Sinfonie- orchester im Bachsaal gespielt. » Allgemeinverbindlichkeii abgelehnt. Aus lohnpolitischen Gründen. Nach einer Verlautbarung aus dem Reichsarbeitsministerium sind die Löhne im Baugewerbe durch die Notverordnung zwar„in gewissem Ausmaße gesenkt"(Reicht's oder reicht's noch nicht? Die Red.), doch sind dies« Löhne bereits ge- kundigt oder auf baldigen Ablauf gestellt, so daß neue VerHand- lungen in Kürze bevorstehen. „Unter diesen Umständen hat der Reichsarbeitsminister Be- denken getragen, die Lohntarifverträge des Baugewerbes für all- gemeinverbindlich zu erklären, um so mehr, als bei dem heutigen niedrigen Beschäftigungsstand und der schwierigen Lage des Bau- gewerbes die allgemeine Durchsetzbarkeit der gegenwärtigen Löhne als zweifelhaft anzusehen ist." Die Bezirkstarifverträge im Baugewerbe sind zwischen den Organisationen der Unternehmer und der Arbeiter vereinbart. Beide Parteien hoben beantragt, die Tarifverträge für allgenieinverbind- lich zu erklären, natürlich nur für den Zeitraum, für den sie Gel- tung haben. Daß der derzeitige Beschäftigungsstand im Baugewerbe niedrig ist, das wußten Unternehmer und Arbeiter, als sie ihre Tarife ab- schloffen und die Allgemeinverbindlichkeit beantragten, chinter der gewundenen Ablehnungserklärung des Lohnabbauministeriums tritt unverhllllt die Tendenz hervor, baß die Löhne im Baugewerbe selbst gegen den Willen der Unternehmerorganisation noch weit mehr heruntergedrückt werden sollen. Schadenersatz für Maifeier? Schiefes Urteil eines Landesarbeitsgerichts. Die Arbeiter der Niederlausitzer Glashütten in W e i ß w a s s e r, chevdmüihl und anderen Orten hatten beschlossen, am 1. Mai 1939 die Arbeit ruhen zu lassen. Die Unternehmer waren auch in ein- zelnen Betrieben mit dem Beschluß der Arbeiter, daß am 1. Mai ge- feiert wird, einverstanden und hatten selbst Arbeitsruhe an- geordnet. Im März 1931, etwa zehn Monate nach der Maifeier, suchten die Unternehmer die Betriebsräte für den angeblichen Schaden, der ihnen durch die Betriebsstillegung anläßlich der Maifeier ent- standen fein soll, verantwortlich zu machen. Die Haftung für den Schaden begründeten sie mit Verletzung der sich aus dem Einzel- arbeitsvertrag ergebenden Pflichten und mit unerlaubter Handlung. Die Arbeitsniederlegung am 1. Mai verstoße gegen 8 826 BGB. und gegen die guten Sitten. Für die Schäden, die den Unternehmern entstanden seien, hätten' die Beklagten auszukommen. Das Landesarbeitsgericht hat nach Klageantrag er- kannt und die Beklagten vcrurleill, für den Schaden zu haften. Gegen dieses ungeheuerliche Urteil legten die Beklagten Revision ein und verlangen, daß das Reichsarbeitsgericht die Unternehmer mit ihrer Klage abweist. Das R e i ch s arb eitsger ich t, das sich am 23. Februar mit der Sache befaßte, verhalf der Revision zum Erfolg, hob das vor- inslanzliche Urleil aus und wies die Sache zu einer anderen Ent- icheidung an die Vorinstanz zurück.(RAG. 527/31.) Anschluß an die Eiserne Krönt. Nie Gärtner und Gärtnereiarbeiter reihen sich ein. Die am 22. Februar tagende Delegiertenoersammlung der Fach- gruppe Gärtnerei, Park und Friedhöfe, des Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs hat beschlossen, den Anschluß an die Eisern« Front zu vollziehen. Folgende Entschließung wurde gegen vier Stimmen angenommen: „Der Abwehrkampf der Gewerkschaften gegen die Reaktion ist das Gebot der Stunde. Die Delegiertenversammlung begrüßt die Schaffung der Eisernen Front und beschließt, den Anschluß der Fach- gruppe zu vollziehen. Die Funktionäre verpflichten sich, in den Be- trieben für die Bildung oonHammerschaften einzutreten." Volk und Sciiupo In der„staatsbürgerlichen Schriftenreihe"(Gilde-Verlag, Köln), die in erster Linie der dankenswerten und notwendigen Ausgabe der Popularisierung des neuen Staates und seiner Organe gewidmet ist, erscheint jetzt ein neues Heft:„Volk und Schupo". Dieses Heft will den Gedanken der„Volkspolizei" in weiten Kreisen des Volkes vertiefen, es schildert daher die Arbeit der Schutzpolizei auch be- sonders als einen Dienst am Volke. Ein Dienst, der oft schwer genug ist, der mit tagtäglichen Auseinandersetzungen gegen gewalttätige und psychologische Widerstände verbunden ist. Die psychologischen Widerstände, die Vorurteile weiter Kreise des Volkes gegen die Schupo zu beseitigen, geschieht sehr gut durch den Nachweis, daß die Schupo nicht nur als„Polizei", als Hüter der Ordnung auftritt. sondern unzählige Male als Helfer bei den kleinen und großen Unfällen, wie sie im Getriebe des Verkehrs stündlich passieren. Aus- führlich wird, am Beispiel der preußischen Schutzpolizei, die Aus- bildung und die Tätigkeit der Polizeibeamten, ihre Organisation und ihre Aufgabe geschildert. Ein zahlreiches gutes Bildmaterial ergänzt die schriftliche Darstellung, die ihrer Aufgabe vorzüglich gerecht wird, uns allen die Schupo etwas näher bringt und be- sonders dem Polizeianwärter ein gutes Bild seiner zukünftigen Tätigkeit vermittelt._ R- Junge. Rundfunk am Abend Mittwoch, 24. Februar. Berlin. 16.30 Haydn. 1. Sonate C-Dur, für Klavier und Violine(Charlotte Kaufmann und Hermann Diener). 2. Duo für zwei Violinen, op. 99(Hermann Diener und Lotte Hampe). 16.55 Brabms. 1. Intermezzo B-Moll, op. 117. 2. Capriccio Fis-Moll, op. 76. 17.25 17.45 18.50 18.55 19.00 19.10 19.35 20.00 21.00 21.10 22.15 22.30 23.20 16.00 16.30 17.30 17.55 18.20 18.30 18.55 19.00 19.30 20.00 20.45 21.15 22.10 3. Capriccio H-Moll, op. 76. 4. Intermezzo A-Moll, op. 116. 5. Intermezzo A-Dur, op. 118. 6. Intermezzo E-Moli, op. 115. 7. Rhapsodie H-Moll, op. 79(Sara Wittenberg, Flügel). Hans Jacob: Im Transsibirischen EzpreB. Unterhaltungsmusik. Mitteilungen des Arbeitsamtes. Die Funkstunde teilt mit... Stimme zum Tag. Horth und Alois Münk: Gegenwartsfragen der Oper. „Odysseus steigt zu den Schatten hinab.'* Erzählung von Felix Buttersack.(Sprecher; Gerd Fricke.) Philharmonie: Orchesterkonzert. Philharmonisches Orchester. Di'.; Oskar Fried Solist; Serge Prokofieff. 1. Mozart: Sinfonie Es-Dur (K.-V. 543). 2. Serge Prokofieff: III. Klavierkonzert C-Dur, op. 26. Tages- und Sportnachrichten. Breslau: Bunte Reihe. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Rose-Theater: II. Akt aus„Der Bettelstudenf. Jazzmusik. Königswusterhausen. Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft. Hamburg: Konzert. Hanshofer: Natürliche und politische Grenzen. Prof. Bickerich u. Mitw.; Charakter der Völker im Spiegel ihrer Musik. Rat Prof. Dr. Grützmacher: Goethe. Dr. Langheinrich-Anthos: Das Unheimliche in der Weltliteratur. Wetter für die Landwirtschaft. Maximilian Müller-Jabusch: Weltpolitische Stunde. Otto Mosbach: Der heutige Stand der Zivilversorgung. Unterhaltungsmusik. Prof. Dr. Karl Schmitt: Was ist legal? Wien: Geistliche Musik. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. weller für Berlin und Umgegend: Noch etwas kühler, zeitweilig aufheiternd, mäßige östliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden weiterhin trübe, vielfach leichte Schneefälle, in Mittel- und West- deutschland weiterer leichter Temperaturrückgang ohne wesentliche Niederschläge, im Südosten mäßiger, im Nordosten stärkerer Frost und geringe Bewölkung. Kietm 1 Beilage. TUealet Lidtisptele usw| V-i----- j-t�.______ ,�1. �____---: Sfaafs Thealer Mittwoch, den 24, Februar staatsoper unter den Linden 19"/, Uhr Carmen * v, uhr CASINO-THEATER«'/. m» Lothringer Slrafie 37. miinimiiiimnmiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiniiiiiiiiiiiuiiiiiiuiMiiiiiiiii Nur noch bis S.Mfirz Elten won heute und das baute Programm Freitag, den 4. März, zum 1. Male Der Mann milden zwei Frauen Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 PI.. Pauteuil 1.— Mark. Sessel 1.51) Mark. 8.15 Ohl Flora 3434 Saudien erlaubt Reiter-Familie„Casi*'. Hngo n. sein Weibsteufel. Willi. Bendow. 0 Allisons and weiierc Attraktionen I «am» Ffetynugung� Resfaiiraiit Berlins EisuÄBettenisÄ Kln KÄti _ StÄhJmaln, -derb., Polster, ChaiseL, an Jeden, Telia taloe freu Eisenmöbelfabrik Suhl(TbüiO Reidishallen Theater Dönhoff platz 8 Uhr.— Sonntaes 3V, Uhi zu kleinen Preisen Stettiner Sänger Die neue Groteske Dr.WeielMsheiltalles-! OtroO- De« Bichuiz Fr isla er: KottbuserTor MdMtz Dresdener Straße 7 SlädLOper Charlottenburg Öismarckstraße 34 Mittwoch, 24. Febr. Turnus III Anfang 19 4Jhr Die Walküre Ende nach 23 Uhr Berliner IJlk'TriO M• U k ö I I B W Uahnatr 74/76.1 — Kleines in.— Truppe 1931. I'ägL SV, Uhr Zum 75. 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In der chöhenküche einer Sennerin-Pförtnerii�, die uns diverse Schlüssel reichte, ließen wir uns zu Vorarbeiten ländlich-stttlich unter tropfender Frauenwäsche nieder. Der fehlende zinnoberrote Klempnerkitt wurde nach vieler Mühe beschafft, während Willy unter den staunenden Augen des Sennerknaben den Küchenausfluß reparierte und ein dritter Alm- mensch höhnisch der Landes-(will sagen) chausherrin Frage zitierte: ob„sämtliche" Klempnerreparaturen jetzt erledigt wären.., hatte sie nach Ausführung einiger allernötigsten Dinge gesagt, als ob sämtliche Klempnerarbeiten nicht Wochen in Anspruch nehmen, und wer hat heute das Geld dazu. Nun schoben wir uns im Gänse- marsch durch einen dunklen Schacht, zu einer Luke hinaus: in den von Rauchfahnen durchzogenen Azur jener über alles Stadtgetriebe erhabenen S ch i e f e r g e f i l d e, wo sich frisch, frei und fröhlich das alpine Völkchen der Klempner. Dachdecker(und Rauchfang- kchrer) bewegt, die dies«injach ihre Alm nennen— nein: die sich hier oben wirklich auf einer Alm fühlen..., juchhe! Mensch, werde Dachdecker! Mit Berufen ist es dieses: wir sehen nur immer die Plagen, die der andere(darob Beneidete) nicht hat: er braucht nicht her- umzuspringen, tausend Rücksichten zu nehmen, irgend etwas, das wir reichlich satt haben, braucht er nicht zu tun: daher möchten wir gerne mit ihm tauschen und täten es oft, nur noch schwic- riger, weil wir den anderen Plagen überhaupt nicht gewachsen find. Auf der Alm aber gibt es zur guten Ausnahme einmal wirklich zufriedene Menschen. Da kraucht keiner herum, der nicht mit Lust und Liebe beim Handwerk wäre. Ein Bauklempner und Dachdecker fühlt sich schon als ganzer Mann, wenn er sich bloß ganz seinem Beruf hingibt. Was sollte aus ihm denn Besseres werden, diesem unter freiem Himmel eine freie, abwechslungsreiche Arbeit verrichtenden Lehr- ling zum Beispiel(der den Meister jetzt begrüßen kommt), doch nicht ein Federfuchser. Wie kann man da— und wo nicht noch sonst— erst ausrutschen und von allen Himmeln herunterfallen. Und wo lernt ein Junge in einer Woche ein für allemal im Leben das Gleichgewicht holten, das für ihn auch eine innere Balance bedeutet, als auf den Dächern, den Dächern von Berlin. Und aus alle Fälle sitzt der junge Klempnerlehrling wie ein Gent gekleidet Sonnabendsabends bei Meister Willy, der käme- radschaftlich mit ihm spricht und scherzt, weil er doch, Teufel noch einmal, ein Klempner ist und keine Bange hat und nach einem Stündchen Dacharbeit die baupolizeilichen Gurte und Seile beiseite schmeißt, um sich, frei umherkrauchend, erst richtig sicher zu fühlen in jeder steilen Ecke..., juchhe! Ein rascher Tag— „Wie die Stunden der Arbeit verrinnen?" lachte Meister Willy: Im Fliegen vergeht die Zeit aus der Alm. Wir denken, weil wir unter Lebensgesahr arbeiten, dauernd, wir schafften zu wenig. 5zaum hat man ein paar Meter aufgedeckt, Rinne oder Schneesang festgemacht: schon läuten die Glocken zum Mittag. Man ver- schmiert, putzt ein, klebt ein bißchen am Pappdach: schon wird's düster und man hat noch nicht für den Regen eingedeckt..., o weh! Dächer, Dächer, Dächer... Auf diesem(Zorndorfer) Almplateau, das sich an andere, nach benachbarten Straßenschluchten abfallende Höhenzüge anschließt und so, wie ihrer viele, ein vorzügliches Jagdrevier für B o d e n e i n- b r e ch e r abgibt(die aus unverschlossenen Dachluken auf- und untertauchen, wie Gespenster auf der Bühne), auf diesem dem tüchtigen Willy überwiesenen reparaturbedürftigen Dach wird jetzt vor meinen Reporteraugen die unzeitgemäße Schiefer- bedeckung(„die sich heute nur mehr ein Ueberkandierter leistet") durch R o b o r o i d ersetzt. Roboraid ist eine teerfreie, lederartige, schwarz-grau melierte, mit unoerbrennlichem Asbest versetzte, wasser- dicht übereinander klebbare und wahrscheinlich irgend jemandem Millionen einbringende Patentmasse, die das ganze Dachdecker- gcwerbe revolutioniert. Es ist das nämlich hier— muß man ver- stehen— eine Schiefergegend, wie es den Launen früherer Ber- liner Baumeister entsprach, sowie es F a l z z i e g e l- und„B i b e r- s ch w a n z"gegenden gibt und, das ist das Lustigste(in Moabit und Schöneberg zum Beispiel), sogenannten Holzzement, eine Samen aus der Luft anziehende. Gras aufsprießen lassende Kiesel- Mischung, auf der man auch Gras säen kann und sät, damit die Wurzeln das Gefüge noch dichter machen, und aus das sich der Klempner dann in der Mittagspause— wie aus eine wirkliche Alm- wiese— hinlegen und in den 5)immel starren kann..., juchhei Und von den zwanzigerlei Dächern(er fuhr ich), die es in Berlin gibt, ist k-ins. auch vom selben Baumeister im gleichen Block erbautes, ganz gleich dem anderen. Alle diese halsbreche- rischen, irgendwo jäh in die Tiefe gehenden, wenn nicht überhaupt in einem steilen First, einen„Grat" auslaufenden Satteldächer aber, von denen hinter Kirchtürmen einige in der Ferne rot aufragten, sind, weil ein sportliches Element der Gefahr mit dem Herumkrauchen darauf verbunden, dem Meister Willy sehr viel lieber, sagte er fröhlich, als die flachen, sicheren Dächer von Buenos Aires, aus denen er in längeren Jahren mit einem Sombrero herumgestieselt ist, jawohl! Und von diesen Höhen fällt der Blick des Dachalpinisten, wenn ncht auf anzunagelndes Zinnblech oder den Himmel so vielleicht auf eine von freundlich zunickenden Senno- ritas geschmückte Loggia, wie es ähnliche, nicht zu verachtende An- blicke auch bei dem hochentwickelten Berliner Balkonleben zu gc- nießen gibt— konnte ich beim ersten warmen Sonnenstrahl selbst beobachten. Im Betrieb. Die Handwerker hatten sich, den steilen Winkel zur Dachrinne hinabgleitend, längst an die Arbeit gemacht. Oben häufte sich der abgedeckte Schiefer, seitlich entrollte sich das aufgedeckte Roboroid und ganz unten, auf schwindelndem Sims, wurde glänzendes Blech neu aufgehämmert. Auf den nach allerhand Lichten- berger Rezepten duftenden Schornsteinen drehten sich lustig schmetterlingsbllltenartige Rauchringel im Winde und allerlei in- und ausländische Tonwellen auffischende Antennen wippten sanft im Himmelsblau Der Meister, den ich tüchtig auspumpte, erzählte von Dächern in den verschiedensten Berliner Stadtvierteln und Himmelsrich- tungen, auf denen allen er herumkrackselt. Er sagte, wie ihm die schönen Häuser des W e st e n s durch Wendelhintertreppen ver- leidet würden, die hinauf das Material geschleppt werden muß, bis man den Drehwurm kriegt. Sprach von Teerstiefel beanstanden- den Meckerportiers und Aufbegehrpassanten, die ein paar Mörtel- spritzer halber gleich eine neuen Anzug aus ihm herauspressen wollen. Während in Proletarier Häusern das Volk ein rich- tiges, wohltuendes Verständnis für den arbeitenden Menichen immer besitzt. Und als da einmal ein abgesprungener, vom Pflaster zu- rllckgeprallter Hammerstiel einem Reinickendorfer die Backe blutig schlug, ließ der Mann mit sich reden und ein Taler und zwei Korn stellten das Gleichgewicht wieder her. Dann kam ich auf die in keinem Interview fehlen dürfende Finanzkrise zu sprechen und Willy auf die ihm übel zu- setzende Schmutzkonkurrenz gewisier Großbetriebe, gegen die er sich einfach durch ehrliche solide, sich selber empfehlende Arbeit wehrt. Indem er so sprach, zog der Klempnermeister, der nebenher auch ein Dachdeckermcister ist(wie der mit ihm zusammen arbeitende Dachdeckermeister nebenher auch ein Klempnermeister ist), zu meinem Erstaunen, und wie Trenker den Blick in unendliche Fernen ge- richtet, die Lederjacke, die er in jedem Lokal bei allen Temperaturen unweigerlich auf dem Leib hat, aus und fing zu arbeiten an, Zu Hilfe! Ich aber bemerkte, daß ich über meiner Bitte, einen Gurt pro- bieren zu dürfen, allen Ernstes an einem dampfenden Schornstein angeseilt worden war. Meister Willy zog mich— entweder, um mich komplettest zu instruieren oder mir das Interviewen komplett abzugewöhnen— den schrecklichen Abhang zur Dachrinne hinab... Warum ich so zittere, rief der Grausame mir zu. Es gäbe eigentlich gar keine gefährlichen Ecken, man müsse nur bei zedem Schritt das Dachholz prüfen, ob es nicht morsch und brüchig sei (verdammt!). Wenn einer von der Alm abstürze, so sei es einzig und allein seine eigene Schuld(Himmelherrgott!). Nichts Schlimmeres sei Willy noch passiert, als daß fem explodierender Klempnerofen einmal einen ollen Dachstuhl in Brand gesetzt hätte, woraus ein Meister, schuldig oder nicht, von Gesetzes wegen auf diesem Dach die Arbeit einstellen muß____ „Zu Hilfe!" schrie ich, wild gestikulierend. Das Gleichgewicht (das innere und äußere) kam mir vollständig abhanden. Ich packte eine Notleiter, kroch wie ein wahnsinnig gewordener Filmeinbrecher daran empor, umarmte den Schornstein, sprang kopfüber zur Dach- luke hinein, stürzte, die Sennerin umwerfend und ihre zartbehangene Wäscheleine mitreißend, die Treppe hinab auf die Straße: zur sicheren„Weberwicse".. juchhe, juchhe! Adje, adje! Degeneriert derEuropäer in subtropischen Ländern? von p. skawran In diesen schlechten Zeiten, in denen das Heimatland nicht genug Platz für seine Volksgenossen hat, spielt die Auswanderung eine gc- wisse Rolle, und in diesem Zusammenhang ist die Frage bedeutsam: Wie wird es mir als einzelnen möglich sein, sofern ich die Absicht habe, in ein tropisches oder subtropisches Land auszuwandern, unter so verschiedenen klimatischen Verhältnissen zu leben? Wie werden meine Kinder darauf reagieren und meine Kindeskinder? Wir brauchen keine Zeit damit verlieren, diese Frage für rein tropische Gebiete zu diskutieren. Malaria und gewisse endemische Krankheiten machen es für den Europäer unmöglich, sich längere Zeit tn diesen Gebieten aufzuhalten. Und Frauen und Kinder sind für solche Krankheiten besonders leicht empfänglich. Man darf deshalb aber nicht schließen, daß alle Länder, die am Aequator liegen, dem Europäer verschlossen sind, Die tropischen Länder Mittelamerikas z. B. und auch große Teile Süd- amerikas sind fast ganz von Malaria frei, da sie entweder sehr hoch liegen oder ständig einer frischen Seebrise ausgesetzt sind, Außerdem rückt man auch dem Rest der tropischen Länder mehr und mehr durch Trockenlegung zu Leibe. Zu den subtropischen Ländern mit einem dem Europäer z u- träglichen Klima gehört die Union von Südafrika, Das heißt, es ist eins von den Ländern, die sich— nach bisherigen Anschauungen— für dauernde Besiedlung mit Europäern eignen. Vor kurzer Zeit hat nun aber einer der bekanntesten südafrikanischen Dichter und Journalisten(Dr. C. L. L e i p o l d t) behauptet, daß nach seinen Erfahrungen als Schularzt unter der weißen Bevölke- rung Südafrikas eine rasch fortschreitende Degeneration von der dritten Generation ab auch in diesem subtropischen Land statt- findet. Diese Behauptung verdient eine nähere Untersuchung. Als ich vor fünf Jahren zum erstenmal nach Afrika kam. fiel mir als erstes an den Afrikanern auf, daß sie im Durchschnitt viel größer und stärker gebaut waren als der Durchschnitts- deutsche. Sie erinnerten mich an die Kanadier und Neuseeländer, die während der Rheinlandbesatzung ihrer riesigen Gestalten wegen allgemein bewundert wurden. In deutschen Familien, deren Kinder schon hier im Lande ge- boren waren, fand ich, daß die Kinder im Vergleich zu ihren Eltern wahre Riesen waren. Diese ersten Eindrücke erwiesen sich als richtig in Messungen, die ich kurz nach meiner Ankunft in Afrika begann und seitdem regelmäßig durchgeführt habe. Danach überragt der junge Asri- kaner(zwischen 17 bis 2l Iahren) nicht nur in allen Maßen selbst den erwachsenen Europäer, sondern wir finden auch eine unvcrhält- nismäßig hohe Anzahl rein athletisch gebauter Menschen unter ihnen. Während in Europa der Prozentsatz der kurzen, dicken (pyknischen), der langen, dünnen(leptosomen) und der athletisch gebauten Menschen verhältnismäßig gleich ist. Damit ist zweifellos erwiesen(meine Messungen sind inzwischen nachgeprüft und bestätigt worden), daß man sicherlich nicht von einer körperlichen Degeneration sprechen kann. Leipoldt behauptet aber andererseits, daß die Körpermaße allein kein verläßliches Kriterium für die Entwicklung eines Menschen sind. Er findet im Gegenteil, daß die Energie g r o b s ch l ä ch- t i g e r Menschen oft gering ist. Hier wird Leipoldt zunächst durch die sportlichen Erfolge der Südafrikaner widersprochen, die bei der Kleinheit der Bevölke- rung überraschend sind. Daß man in Deutschland wenig von diesen Erfolgen weiß, liegt wesentlich daran, daß in Südafrika Kricket und Rughby mehr im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stehen, als z. B Fußball und Leichtathletik. Immerhin mußte Cilly Aussem ihren Welimeistertstel auch gegen eine Süd» afrikanerin verteidigen. Trotzdem wird der unbefangene Ausländer bei einem Besuch in Afrika erstaunt sein, wie leicht man das Leben hier nimmt. Man hat eine Unmenge Feiertage. An Sonntagen ruht jeder Betrieb(Kino, Tanz, Post, Telegraph usw.), und selbst an den Werktagen spielt sich das Leben in einer Ruhe ab, die uns Deutschen völlig fremd ist. Nirgends Hast, überall Szöslichkeit, nirgends Schimpfen und Lärmen, überall Freundlichkeit und Zuvor- kommenheit, Sollten diese Tatbestände Leipoldts Behauptungen nicht stützen? Nach neueren psychologischen Theorien geht der athletische Körperbau mit einem Temperament zusammen, das durch Lang- samkeit der Bewegungen einer gewissen Furcht, sein Letztes her- zugeben, und einem starken Sinn für ruhige Geselligkeit und Bequemlichkeit charakterisiert wird. Dieser Tendenz kommen in Südafrika zwei Umstände noch sehr entgegen und ver- stärken sie dadurch. Der eine ist die H i tz e, die lähmend auf jede geistige und körperliche Tätigkeit wirkt: der andere ist die billige Negerarbeit, durch die es sich der Weiße hier bequem machen kann. Der Tendenz zur Ruhe und Bequemlichkeit steht aber eine starke zeitweise Reizbarkeit gegenüber, die leicht zu unmotiviertem Aerger und Wutausbrüchen führt. Solche Ausbrüche zeigen in ihrer Heftigkeit, daß es sich bei der Ruhe des Athleten keineswegs um mangelnde, sondern um verhaltene Energie handelt. Das kam auch deutlich in Energiemessungen zum Ausdruck, die ich hier in Südafrika anstellte und wonach die Athleten jeden anderen Typ in ihrer Energie überragen, daß sie sich aber trotzdem selten vollkommen verausgaben. So bekommen wir vom Südafrikaner das Bild eines körperlich sehr gut gebauten, zur Bequemlichkeit neigenden Menschen, der die gewaltigen latenten Energiemengen, über die er verfügt, nur ge- legentlich voll in Arbeit umsetzt, zum Beispiel beim Sport.(Es wäre interessant, auch den Burenkricg einmal von diesem psycho- logischen Standpunkt aus zu betrachten.) Nun hat sich außerdem in Untersuchungen über die B e- ziehung von Intelligenz und K ö r p e r b a u t y p e n, die in meinem Institut angestellt wurden, herausgestellt, daß die Intelligenz des athletischen Typs— ohne deshalb niedriger zu fein als die eines anderen Typs— weniger variiert, d. h. wenig Unterschiede innerhalb des Typs aufweist. Man kann das kaum anders erklären, als daß dem Athleten das intellektuelle Leben als solches weniger Selbstzweck ist, als z. B, dem langen, dünnen Menschen(Leptosom)— wie ihn unser Groß- stadtleben heranzüchtet, Es gibt z. B auch unter den Südafrikanern viele B e g e- tarier. Aber sie sprechen nicht davon. Sie sind es, weil es ihnen die angenehmere Lebensweise ist. Sie haben keinen vegetarischen Klub, in dem über den moralischen Wert des Vegetarismus bis- kutiert und die Unmoral des.Leichenfressers" verdammt wird. Ein weiteres Beispiel sind die Nichtraucher, die meinen Beobachtungen nach prozentual stärker vertreten sind als in Deutsch- land. Trotzdem habe ich noch nie etwas von einem Antinikotin- verein gehört. Man lebt mehr in Südafrika und philosophiert weniger. So habe ich während meines fünfjährigen Aufenthalts in einem subtropischen Land bei intensiver Forschungsarbeit keine Zeichen von Degeneration unter den hier angesiedelten Europäern als Ganzes feststellen können. Den hier gegebenen Tatsachen nach kann man weit eher von einer Regeneration als von einer Degeneration sprechen. Die Arbeiter'Fu�ballserie beendet Wie hielten sich die Vereine in den Spielen? Die Serie der Arbeiterfußballer ist beendet: der Kreis- msifter festgestellt. Eintracht-Reinickendorf, dem Meister der Ab- teilung A der Kreisklasfe, gelang es, die Kreismeisterschaft nach Bertin zu bringen. Seit dem Jahre 1928 hatten tue Luckenroalder Bereine auf diesen Titel Beschlag gelegt. Zweimal war es die zweite Abteilung der Luckenwaldsr Turner und das dritte Mal die erste Abteilung, die sich Kreismeister nennen durften. Die erst« Abteilung konnte im letzten Jahre sogar bis zur Vorrunde um die Bundssmeifterschaft kommen, mußte sich jedoch von Lorbeer-Ham- bürg knapp geschlagen bekennen. Bei Beginn der nun beendeten Serie sah es fast so aus, als sollten wieder die Luckenwaldsr die Meisterschaft gewinnen. In der Abteilung A war es der Kreis- msifter, der von Beginn an die Führung übernommen hatte; in Abteilung ö stritten sich Luckenwalde II und Hertha um die Führung. Dann'traten aber zwei Berliner Mannschaften auf den Plan � Eintracht-Reinickendorf und Adler 98. Das Endspiel um die Kreismeisterschait gewannen dann die Reinickendorfer verdient mit 5: 3. Wie die Tabelle der Abteilung A anzeigt, lag in dieser Ab- teilung die Entscheidung lediglich bei den beiden Spitzenmannschaften Luckenwalde I und Eintracht. Während Luckenwalde drei Spiele unentschieden beendete, verlor Eintracht gegen die Luckenroalder im ersten Spiel hoch mit 12: 1 und erreichte im zweiten Treffen ein Unentschieden von 1:1. Da bei Schluß der Serie beide Mann- schatten drei Verlustpunkte hatten, machte sich ein Cntscheidungs- spiel notwendig. In diesem dritten Treffen waren die Luckenwalder nicht mehr wiederzuerkennen, die Reinickendorfer gewannen im großen Stil mit 5: 3. Große Hoffnungen hatte man auch auf die Lrchtenberger gesetzt, die wohl einigemal sehr gut« Spiele zeigten, dann aber genau so wieder abfielen. Ueberraschend gut hielten sich die Pankower, die in den ersten Spielen gar nicht zur Geltung kamen. Eine unangenehm« Ueberraschung bildeten Butab und Spandau 25. Die beiden Spandau«: Mannschaften konnten nicht über den letzten Platz hinauskommen Geteilter Schmerz ist halber Schmerz— so haben sie auch beide die gleiche Minus-Punktzahl. Abstiegssorgen brauchen sie nicht zu haben, da die Kreisklasse auf Beschluß der Funktionäre aufgelöst wurde. Die Talelle der Abteilung 3 hat schon ein ganz anderes Bild Hier kämpften zu Beginn in der Hauptsache die beiden Luckenwalder und Eiche-Köpenick um die Spitze. Schließlich wurden die Köpenicker aber immer mehr in den Hintergrund gedrückt. Da kamen die Pankower zu Beginn der zweiten Runde in die Kreis- klafse. Daß es jetzt anders werden würde, bewiesen die Pankower, die die Köpenicker gleich im ersten Spiel mit 9:9 schlugen. Adler, und in zweiter Stelle auch Teltow, die ebenfalls zur Kreisklasfe aufrückten, mußte die Spiele der 1. Runde nachholen. Dadurch kamen sie an jedem Spieltag in den Kampf. Beim zweiten Treffen gegen Eiche holten sich die Pankower überraschend eine Niederlage, doch sollte das einige Zeit der erste Punktverlust sein. Da kamen die Trebbiner, sahen und siegten. Adler hatte die zweite Niederlage erlitten, der auch bald die dritte folgt«: all« weiteren Spiele wurden jedoch glatt gewonnen und damit auch di« AbteUungsmeisterschast. Hertha mußte sich mit dem zweiten Platz begnügen, während Lucken- walde ll auf den dritten Platz kam. Eiche-Köpenick konnte nur mit großer Mühe den nächsten Platz besetzen. Die Teltower, die in den ersten Spielen großes Können zeig- ten, kamen immer weiter zurück, so daß st« jetzt an der letzten Stell« liegen. Auch der noch ausstehende Kampf gegen Trebbin, der nun gestrichen wurde, hätte keine Aettderung mehr gebracht. Minerva- Neukölln, der vorjährige Abtellungsmeister des ersten Bezirks, lan- det« ebenfalls am Schluß der Tabelle. Verhältnismäßig gut hielten sich aber die Weißenfeer, die zu Beginn der ersten Runde eine schwere Krise durchzumachen hatten. Der am 14. Februar ausgetragene Kampf um die Kreismeister- schaft zwischen Eintracht-Reinickendorf und Adler 98 zeigte die Ar- beiterfußballer in auffteigender Position. Gekämpft wurde auf beiden Seiten bis zum Schluß. Daß Adler schließlich verlor, lag nicht daran, daß sie schlechter als die Reinickendorfer spielten, sondern daß di« Reinickendorfer mehr Aucdauer hatten. Die Reinicken- dorfer haben sich den Titel jedenfalls schwer erkämpft. Zu wünschen wäre ihnen, daß sie in den bevorstehenden Kämpfen um die oft- deutsche und die Bundesmeisterschaft so abschneiden würden, wie bisher. Der erste Kampf um die ostdeutsche Meisterschaft findet am 29. März in Berlin statt. Als Gegner steht den Reinickendorfern ein mehrfacher Kreiemeister gegenüber: Ponarth-Königsberg. Di« Königsberger spielten schon einmal In Berlin, im Jahre 1923. Da» mals mußten sie eine knappe 1: 9-Niederlage einstecken. Wie wer- den sie jetzt gegen Eintracht abschneiden? �bteilimtz A Uunftc 25:3 25:3 13 U0 11:17 19:13 SUS 7:21 7:21 Abteilung B Der Kampf der Eisemen Front Kommunisten laufen hinterher und bellen Die Zeitungen der Kommunisten und ihrer organisierten Opposition bemühen sich krampfhaft um den Beweis, daß sich „Maffen-Arbeitersportler gegen die Eiserne Front gewendet" hätten: Nun könne» und wollen die Arbeitersportorganisationen chre Einzelmitglieder nicht zwingen, sich der Abwehrfront gegen den Faschismus anzuschließen. Wem es gleichgültig ist, was aus den mit so unendlichen Opfern errungenen Einrichtungen der Arbeitersportlerschaft wird, ganz zu gefchweigen der übrigen drohen- den Verluste auf politischem, sozialpolitischem und wirtschaftlichem Gebiete, den müssen die Organisationen seinen eigenen Gewissens- bissen und kommender besserer— hoffentlich nicht zu später— Einsicht überlassen. Die Arbeitersportorganisationen selbst sind von den Spitzen bis in die kleinsten Organisationsteile fast einmütig mit der Eisernen Front ans Gedeih und verderben, auf Leben und Tod verbunden, ohne sich einer anderen politsschen, wirtschaftlichen oder gesellschaft- lichen Organisation unterzuordnen, das heißt ohne ihre Selbständig- keft aufzugeben. Aber gemeinsam marschieren und gemeinsam den Todfeind aller Kultur, den Faschismus, schlagen, ist di« unverrückbare Losung. Daran ändern nichts einige hier und dort zerstreute Kurzsichtige und Mißgünstige. Die überwältigende Mehrheit steht unerschütterlich zur Eisernen Front! Die kommunistischen Organe bemühen sich wie immer um denk- barste Verkleinerung der Bewegung, wobei sie wie ünmer faustdick schwindeln. Das kommt vor allen an den Tag, wenn sich djefe „Einheitsapostel" gegenseitig bekämpfen. So macht die„Arbeiter- Politik"(KPO-Organ) am 19. Februar folgendes Eingeständnis der eigenen Ohnmacht: Wir ak. Kreuzworträtsel Magisches Quadrat Die Buchstaben siind so einzuordnen, daß die senkrechten Rechen dieselben Wörter ergeben, wie die waagerechten. Die Worte bedeuten: 1. Pflanze, 2 Tonhalle, 3. Frauenname, 4. Mustkausdruck, 3. Schmelzglas. ak. Waagerecht: 1. Schwimmvogel; 3. Schriftstück: 6 Mädchenname: 8. Bündnis: 19. Fangvorrichtung: Ii Gerbmiltei: 13. Drama von Suder- mann: 13 attes Gewicht: 17. Käieforte: 18 Wafferpflan-e: 29. bekannter Ort im Salzkammergut: 23 Küchengerät: 26. Laubbaum; 28 Teil einer elektti- fchen Maschine: 29. spanisch- amerllan. Münze; 39 Fluß in der Schweiz: 31 weibliche Gestott des allen Testaments: 32 Gewürz.— Senk- recht: 1 deutscher D chter: 2 Teil des Beines: 4 Futterpflanze: 5. Nebenfluß der Elbe: 6. Zahl: 7. Staat in USA: 9 griechijcher Gott; 12 Musiklnstruinent; t4 deutscher Philosoph: 15 rumäniiche Münze: 16. esographischer Begriff. 19 Fabeldichter: 21 Hutjorm: 22. Blutgefäß: 24. Nebenfluß der Eibe: 25 Nahrungsmittel: 26. Metall; 27. Planet,(ä, ö und jch_ je 1 Buchstabe.) kk. Silbenrätsel be bis che«l er gei huhn i ja kauz ko ler sig stein ster tau teich zei.— Aus den vorstehenden Silben bilde man neun Vogel- namen und ordnet diese so, daß die Anfangsbuchstaben einen weiteren Vogelnamen ergeben(j=. i). ak. Auslösung in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 5. Watt: 6. Heck: 9. Weizen; 19 Elevin: 12. Fauna: 13. Ozean; 14. Sou: 15. Harfe: 18. Hecht: 21. Tauber: 23. Rokoko: 24. Kalb: 25. nein.— Senk- rechr: 1. Magazin; 2. Stirn; 3. Phase: 4. Schweiz: 7. Riesa: 8. Elisa: 11. Frost: 16 Alaun 17. Februar: 19. Enkelin: 29. Haken; 22. Robbe; 23. Rhone. Magisches Quadrat: 1. Basar. 2. Amati, 3. Saale. 4. Atlas: 3. Riefe. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Papageien: 2. Monarch: 3. See: 4 Lee: 3. Citroen: 6. Refraktor; 7. Tod: 8. offen: 9. Oil: 19. man; 11. Kakao? 12. Roi.— Senkrecht: 1. Poe; 2. Gabel: 3. ich: 4. Rif: 3. Terra; 6. Met; 7 Astrologe; 8. Kaffein: 9. Leu: 19. Aas; 11. Paradox: 12. Pantomime Kapselrätsel:„Ein gutes Wort findet eine gute Statt."