Morgenausgabe Nr. 95 A 45 49.Ial)rgang «»chemlich 75 PI., monatlich 3,55 M < davon 87 Pf. monatlich für Sufte!« tunq ins Sons) im voraus zahlbar. Dosrbezuz 3.87 M. etefchllehlich eo Pf, Poazeitungs- unb 7ZPf.PoilbesIel!a«. bllhren. Auslanbsabonnemenl!>,S5 M. pro Monat; für Limbcr mit ermäßig- tem®tudfochenpoao 4,65 M. Zier»Potroarts* erscheint wochenlilg' sich zweimal. Eonntags und Montan, einmal, die Abendausgabe für Berlrn und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illuitrierle Sonntaxsbeilace .Voll und Zeit". Veettuee VvWsbSatt Freiiag 26. Februar 1932 Groß-Äerlin 10 Z>f. AuSwäris 45 pf. Die etuspali. Milltmeterzeile SO VI, Reaamezsile 2.- M.„Riem» An. zeigen" das lettgedruckte Won 26 VI, (zufälno zwei lettgedruckteWorl« Jeirs meitere Wort 10 Vf. Ziabatt lt. Tarif. Woae über IS Buchstaben zählen ftlr zwei Worte Arbeitsmarlt Millimeter. zeile 2S PI. FamUienanzeigen Miiii» meterzeile 16 Ps. Anzeigenannahme im Kauptaeschiill Lindenstrah» 6, wochentaglich von 6'/, bis 17 llkr. Der Verlag behiilt sich dasRechi derAd- lehnung nicht geuehmt r Anzeigen vor! Jenttalovsan der Sozialdemokratische« Oavtei Deutschlands Redakti'on und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 gcrttfvi. Tönbofi lA T) 292—297 Telegramm. Adr.. Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlaa G. m. b. H. Voltscheckkonto: BerlinZ? SZL.— Bankkonto: Bankder Ärdelter. Angestellt«! und Beamten, Lmdcnftr. 8 Dt B.u Didr-iSel., Deposttenk..Z!erufal«m«rSti:.KSPS. Kampf gegen rechts! Die Kanzlerrede.- Sozialdemokratischer Angriff. Im Reichstag hat es gestern zwei Reden gegeben, die sich mit annähernd gleicher Schärfe gegen die extreme Rechte rich- teten: die Rede des Reichskanzlers Dr. Brüning und die Rede unseres Genossen Roßmann. Die Angriffsrichtung gegen den Nationalsozialismus war aber auch das einzige Gemeinsame dieser beiden Reden. Die Roßmanns war gut sozialdemokratisch. Die des Reichs- kanzlers war gemäßigt konservativ. Roßmann analysierte die nationalsozialistische Bewegung vom Klassenkampf-Standpunkt aus richtig als einen Angriff der vornovemberlichen Mächte und des reaktionärsten Teiles der Bourgeoisie auf die demokratischen und sozialpolitischen Positionen der Arbeiterklasse. Brüning griff den Rechtsradikalismus an als den Sabo- teur eines bürgerlichen Zusammenschlusses, der. — nach den sozialkonservatioen Auffassungen des Redners— ja nicht unmittelbar gegen die Arbeiterklasse gerichtet sein, aber doch dem Bürgertum eine vorherrschende Stellung sichern soll. Roßmann steht mit seiner ganzen Persönlichkeit auf dem Boden der Tatsachen, die im November 1918 geschaffen und durch ihn mitgeschaffen worden sind. Brüning bekennt sich als Anhänger jener Tradition, die gerade durch den 9. November den stärksten Stoß erhasten hat. Er hat sich nicht freiwillig auf den Boden der neuen Tatsachen gestellt, er hat sich erst heftig geweigert, ihn zu be. treten und erst allmähstch sich ihm angepaßt. Das alles ist für uns keine Neuigkest. Wir kennen die Distanz, die uns von Brüning trennt, ebenso gut wie wir die Verschiedenheit der Weltanschauungen zwischen uns und Hindenburg kennen. Leide, Brüning und Hinden- bürg, gehören ihrer ganzen Veranlagung nach mehr nach rechts als nach links, und das Interessanteste an der gegen- wärtigen Sstuation ist, daß trotzdem so etwas wie eine politische Notgemeinschaft zwischen ihnen und der Sozialdemokratie entstehen konnte. Sie, die gemäßigt Konser- vatioen, könnten es mst ihrem Gewissen nicht verein- baren, chre Plätze einem verantwortungslosen Rechtsradika- lismus freizumachen: sie können aber die Position gegen rechts nur hasten, wenn ihnen die Sozialdemokratie dabei hilft. Auf der anderen Seite hat aber die Arbeiterklasse das lebhafteste Interesse daran, daß dem Rechtsradikalismus der Weg zur Macht durch möglichst starke Hindernisse verlegt wird. Die erbstterte, leidenschaftliche Schärfe, mst der gestern der sonst so gelassene und kühle Brüning die äußerste Rechte attackierte, zeigt den tiefen Riß, der zwischen den bürgerlichen Parteien klafft. Könnten wir dem vielfach zerspaltenen Bürgertum einen geschlossenen proletarischen Block entgegenstellen, so würden sich die Machtverhästnisse sehr bald zu dessen Gunsten wenden. Well aber auch in diesem Fall die Beherrschten die Laster der Herrschenden angenommen haben, weil auch die Arbeiter gespalten sind, stellt sich die Situation ganz anders dar. Es ist für die Arbeiterklasse unmöglich, zwischen den beiden einander bekämpfenden Lagern des Bürgertums nicht Partei zu ergreifen. Unsere Todseindschast gegen den reaktionärsten Tell der Bourgeoisie zwingt uns taktisch an die Seite des gemäßigteren Teils, während umgekehrt die Kom- munisten sich dauernd das Vergnügen leisten, dem reaktio- närsten Teil der Bourgeoisie Hllfsstellung zu gewähren. Klarer von Tag zu Tag vollzieht sich der Aufmarsch für den 13. März. Er vollzieht sich mit solcher inneren Gesetz- Mäßigkeit, daß mehr oder weniger geschickte Reden und mehr oder weniger pikante historische Erinnerungen nichts daran zu ändern vermögen. Herr Brüning hat gestern— und das war für uns vielleicht das einzig Positive an feiner Rede— Angekündigt, daß der Reichswehrerlaß über die be- dingte Zulassung von Nationalsozialisten geändert werden solle, wenn sich die Voraussetzungen, unter denen er zustande kam, ändern sollten. Daß diese Boraussetzungen überhaupt niemals existierten, haben die Reichstagsverhandlungen deut- lich gezeigt. Die Sozialdemokratie fordert, daß daraus die Konsequenzen gezogen werden. Sie wird nicht dulden, daß die Machtmsttel des Staates in die Hände der Frick, Goebbels und Rosenberg gelangen-- und darum muß sie vor allem verhindern, daß der jüngste Parteibuchbeamte Deutschlands, Adolf Hitler, Reichspräsident wird. Nach diesen Gesichtspunkten wird die sozialdemokratische Fraktion heute im Reichstag ihre Entscheidungen treffen, und wenn diese gefallen sind, wie vorauszusehen ist, wird der Parteivorstand die Parole zur Reichspräsidentenwahl ausgeben, die keine Ueberraschung mehr ist. Feind ist, wer am weitesten rechts steht, und dieser Feind muß geschlagen werden! I�oßmann aitackieri! Das wahre Gesicht des Faschismus. I« der gestrige« Reichstagssitzung führte Abgeord- neter Genosse R o tz m a n n aus: Dr. Goebbels hat das Sozialistengesetz ein Schattenspiel genannt. Er weiß freilich nichts von den 1009 Jahren Zuchchaus und Gefängnis, von den unzähligen Existenzvernichtungen und von der Vertreibung so vieler nach Amerika, die unter den 12 Iahren dieses Schandgesetzes ohne eine einzige Amnestie verhängt worden sind und die das Matz von Erbitterung erklären, in das die Arbeiter- schaff der Vorkriegszeit hineingetrieben wurde. Preußen behandelte bis zum Zusammenbruch die Arbeiter im Wahlrecht als Bürger minderen und mindesten Rechtes. Trotz alledem ist die sozialdcmo- kratische Fraktion im kaiserlichen Deutschland niemals auf das traurige Niveau herabgestiegen, das wir in diesen Tagen erlebt Habens Von der antisemitischen Partei der Borkriegszeit galt dos Wort:* „Nicht deutsch, nicht treu, nicht ritterlich, nicht ehrlich,, nur ganz unglaublich dumm— und das macht sie gefährlich." (Lebhafte Zustimmung links.) Die Reden der Abgg. Goebbels, Slraßer und Rasenberg haben nichts anderes gebracht, als die allen Agllationsklischees, mll denen die Hillerpartei seit Jahren Arbeitsbeschaffung! Verstaatlichung der Schwerindustrie! Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat Im Reichstag einen Gesetzentwurf zur Verstaatlichung des Bergbaues und der Elsenindustrie eingebracht— Femer hat die Fraktion weitere Gesetzentwürfe eingebracht zur Arbeitsbeschaffung zur Beseitigung der sozialen Härten der Notverordnungen zur Wiederherstellung eines sozialen Mietrechts Die Reichsregierung wird endlich zur Durchführung des im Dezember 1930 eingebrachten Gesetzes zur Errichtung eines Kartellamtes aufgefordert.— Wir veröffentlichen den Inhalt der Gesetzentwürfe im Wirlschaflsteil. Die Eiserne Front ruft! Wir arcifen an! ihre hetzerische Agitation betreibt. Sie beruht aus etncr beispiel- losen Verfälschung der geschichtlichen Wahrheit über die letzten 14 Jahre. In dieser Zeit soll alle Not und Elend durch die Demo- kratie verschuldet worden sein. Für■ alle jene aber, für die die politische Geschichte nicht erst mit dem November 1918 beginnt, besteht die moralische Verpflichtung gegenüber der heranwachsenden Gencralloa, die Frage auszuwerfen, was eigentlich Im November ISIS geschehen ist. Damals und zum Teil schon vorher sind die vier großen militärisch- kapitalistisch-absolutistischon oder holbabsolutistischen Monarchien der Zaren, der Hohenzoller», der Sultane und der Habsburger weg- gefegt worden. Vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean bildete sich ein System von demofratischen Rcpublifcn. Das Volk wollte �nicht mebr Instrument größenwahnsinniger Imperatoren, der Staat sollte das Instrument des Volkes sein. Es gehört schon der ganze InsantUismus(kindische Geistesschwäche) des Nationalsozialismus dazu, diesen Umschwung der Geister als Werk der„November- Verbrecher" hinzustellen/ Der Nafionalsoziallsmus hal sich durch ungeheure Geschichfs- sälschnngeu großgezogen: sein Wahlaufruf zur Rcichstagswahl 1930 behauptet:„Unsere Wirtschaft betätigte sich während des Krieges im Kreislauf. Das Ende des Krieges sah ein Deutschland, das an innerem Reichtum nichts verloren Halle und während des Krieges nichts davon verlieren konnte. Vom November 1918 an aber versilberte und verslüjsigte man die angesammellen Reserven und Guthaben des deutschen Bolksoermögens." Hoben Sie schon vergessen, daß von 1914 bis 1918 voll« 14 Millionen Menschen als Soldaten bekleidet, ernährt, transportiert, als Verwundete gepflegt werden mußten, daß ebenso lange diese 14 Millionen Menschen das deutsche Volksucrmögeu in'Form von Patronen, Artilleriegeschosscn, 5zaiidgranaten, Tor- pedos und Bomben aller Art verpulvern mußten, und daß am Ende dieser blutigen Katastrophe Deutschland eine Schuld von ISS Milliarden hatte? Und da soll Deutschland cm innerem Reichtum nichts verloren haben! Den Verlust voo 2 Millionen junger veulfcher auf den Schlachtfeldern rechnen Stc nichl, daß lH Millionen deutscher Fraueu zu Milwcn wurden, daß 2 Millionen dculscher Linder für ihr fernere» Leben den Vater entbehren müsien, daß Millionen Ellern die Stühe ihres Alters hinsinken sahen, daß 1.8 M!l- ltoven Menschen in ihrer Gesundheit und Kraft schwer geschädigt zurückkomen, und daß wir nun jährlich über 1 Milliarde— es müßte viel mehr sein!— an Versorgung ausbringen müssen— da» nennen Sie„an innerem Reichtum nicht» verloren"! (Hört, hört! links— Lärm und Gelächter rechts.) Ein Volk, das einer solchen Lügenpropaganda nicht den Garaus macht, ist in tiefster Seele zu oebauern. Not und Elend kommen nicht von der Demokratie, sondern vom Kriege, der die Wirtschast zerstört und desorganisiert hat, und von dem Mangel an einer wirklich inter- nationalen Organisation der Arbeit und der Wirtschaft. Statt uns mit dem Köpfeeinschlagen zu drohen, sollten wir lieber nachdenken, wie an die Stelle des oersagenden Systems ein neues besseres zu setzen wäre. Niemals werden Sie den wahren Schuldigen an diesem Elend, die nationalistisch-kapitalistische Reaktion von der Aeroni- Wartung freimachen. Recht hat Goebbels damit, wenn er sagt, Deutschland schwebe in einer latenten Gefahr des Bürgerkrieges. Wir täuschen uns nicht darüber, daß eine konterrevolutionäre Situation hereingebrochen ist mit dem Ziel, die Massen der Werktätigen weit über dos Joiir 1918 zurückzuwerfen. An diesem Versuch haben alle Leute ein Inter- esse, die im alten Obrigkeitsstaat gewohnt waren, zu herrschen und zu befehle», und die de» Verlust ihrer Borherrschast nicht per- Herr Regierungsrat Adolf Hitler. Oie Giaaisbürgerfchast mit der daran bammelnden parieibuchbeamienstelle. Brauafchweig. 25. Je bruat. Der Aührer der ZlSDAP. Adolf Hitler ist von der braun- fchweigifchen Regierung mit sofortiger Wirkung zum Regie- ruugsrat au der braunfchweigifcheu Gefaudtfchaft in Berlin er- uauut worden. Adolf HMcr ist damU deutscher Staatsbürger ge- worden. Oie Urkunde über feine Ernennung wurde vom braun- fchweigifchen MniflerPräsidenten Küchen! hol und dem Mnister Slaggcs am Dounerstagnachmittag unterzeichnet. * Es ist erreicht! Adolf Hitler hat es nach mancherlei Ver- suchen zum Regierungsrat in Vraunschweig gebracht! Die Schaffung dieser Stelle für ihn war nicht ganz leicht, und die Art und Weise, wie die Braunschweiger Regierung der Oeffentlichkeit die längst erwartete Schiebung mitzuteilen hatte, war dementsprechend nicht einfach. Diese Mitteilung ist ein kostbares Dokument. Aus jeder Zeile leuchtet das schlechte Gewissen über die Schiebung und die mangelnde Ernschastigkeit dieser Anstellung hervor. Hier ist dies Dokument: „In llebereinstimnumg mit den Regierungsparteien hat die braunschweigische Staatsregierung Hitler eine freie Regierungs- ratsstells übertragen und wird ihn bei der Braunschweigischen Gesandischast in Berlin beschäftigen, wo er ausschließlich die Interessen der braunschweigisckien Wirt- schaft wahrnehmen wird Mit dieser Aufgabe Hitlers ist eine Vertretung beim Reichsrat nicht verbunden. Die Aufgabe Hitlers wird insbesondere darin bestehen, für die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen Brannschweigs in weitestem Umfange tätig zu sein. Diese Lösung schließt jeden Zweifel an dem ern st haften Willen der braunschweiglschen Regierung aus. Hiller mit einem Amt zu betrauen, das er nutzbringend für das Land ausüben kann. Es liegt die Er- klärung Hitlers vor, daß er die Stellung mit allem Nachdruck im Interesse des Landes Braunschweig wahr- nehmen wird.", Erst wollte er nicht, und dann mußte er doch! Wir sehen Herrn Adolf Hitler schon, wie er mit der Aktentasche unter dem Arm als eine Art Syndikus braunschweigischer Indu-� strieller bei den preußischen Zentral- und Prooinziälbehorden* und bei den einschlägigen Reichsbehörden antichambrieren wird, um mit allem Nachdruck die wirtschaftlichen Interessen des Landes Braunschweig wahrzunehmen! Das wird keine ganz leichte Aufgabe fein: denn wenn wir bedenken, aus wie- viel hundert Gebietssplittern sich das Land Braunschweig zu- sammensetzt, und wie die wirtschaftlichen Beziehungen der einzelnen Splitter verflochten sind mit den umgebenden preußischen Gebieten, so sehen wir keine Möglichkeit, über- Haupt festzustellen, was denn nun überhaupt die Interessen der braunschweigischen Wirtschaft sind. Ebenso gut könnte jede beliebige deutsche Stadt mit weniger als 500 000 Einwohnern eine besondere Vertretung zur Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen Interessen in Berlin errichten und das mit noch größerem Recht als das Land Vraunschweig. Die Be- gründung zu der Schaffung einer ausgesprochenen Parteibuch- stelle für Hstler ist nur für die Dummen berechnet, die von Verwaltung keine Ahnung haben- Man könnte, wenn man diese Ernennung ernschast nehmen wollte, den Gedanken, welche Funktion Adolf Hstler nun zu erfüllen hat. wester ausmalen. Man könnte sich ins» besondere vorstellen, was Adolf Hitler als braunschweigischer Regierungsrat nun unternehmen würde, wenn er erst einmal bei der Reichspräsidentenwahl durchgefallen sein wird, und wie er es dann crmögliäien wollte, seine braunschwcigi- schen Amtspflichten auch nur zeillich in Einklang zu bringen mst der Führung einer großen Partei. Die Konsequenz einer ernsthaften Ernennung Hitlers müßte dann der Verzicht auf die Führung der Nationalsozialistischen Partei sein. Aber es bedarf solcher Erörterungen nicht. Vor wenigen Tagen erst bat die braunschweigische Regierung erklärt, daß sie am 1. April die Gesandtschaft in Berlin auflösen werde. Angesichts dieser Erklärung ist jede De- klamation über den ernsthaften Willen der braunschweigischen Regierung, Hitler mit einem Amt zu betrauen, das er nutz- bringend für das Land ausüben könne, nichts als ein erbarm- licher Lertufchungsversuch, der den wahren Zweck dieser Ernennung verhüllen soll. Es geht nicht um die Beamten- eigenschast Hstlers, es geht vielmehr um das Staats- bürgertum, und Hstler ist nicht braunschweigischer Rc- gierungsrat geworden, um Amtsfunktionen zu erfüllen, sondern um damit die rechlliche Voraussetzung für seine Kandidatur zur Reichspräsidentschaft zu erhallen. Die braunschweigische Regiermflj muß sich sagen lasten, daß diese Ernennung deshalb nicht einen legalen Regiernnas- akt darstellt, sondern eine Schiebung, und daß der Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft durch Hitler— man mag aus Opportunstätsgründen darüber denken wie man will— nicht auf ordnungsmäßigem, jeder rechtlichen Untersuchung stichhaltcndem Wege zustande gekommen ist. Alles das, was jetzt über die Interessen der braunschweigischen Wirtschaft, über den ernsthaften Willen der braunschweigischen Regie- runq und die Erklärung Hillers deklamiert wird, steht nur auf dem Papier. Denn die Tätigkeit Hillers als braunfchwei- gischer Regierungsrat wird damit beginnen, daß er, gestützt auf die Reichsverfassung, zunächst einmal Urlaub nehmen wird, damit er seine Kandidatur zur Reichs- Präsidentschaft entsprechend vertreten kann. Aber dieser Putsch gegen das Recht ist zugleich ein Putsch gegen das Ansehen Hitlers. Das soll nun der Einbürgerungs-- modus fein, der eines deutschen Frontsoldaten würdig ist, würdiger als das einfache ordnungsgemäße Gesuch um Ein- bürgerung! Dieser lächerliche, sich wochenlang hinziehende Kuhhandel vor und hinter den Kulissen, bei dem das Objekt des Kuhhandels von seinen eigenen Unterführern bald in diese, bald in jene Posllion gestoßen und gezerrt wurde, so daß ein jeder in Deutschland erkannt hat, daß dieser„große Führer" in seiner eigenen Partei nichts mehr zu sagen hat» sondern nur noch der Popanz ist. der immer nur dort steht, wo ihn eine Clique hingestoßen hat, zeigt den„großen Füh- rer" in Unterhosen. Und zu allem hinzu der lächerlich feierliche Schwur, daß Hitler mit allem Nachdruck bemüht sein werde, den Syndikus der braunschweigischen Wirtschast zu spielen— aus soviel Lächerlichkell, soviel Kleinheit, soviel Subalternität ist noch kein Präsidentschaftskandidat hervorgegangen! Jetzt gibt es nun für ihn kein Zurück mehr, kein Wer- stecken hinter dem Fehlen der staatsbürgerlichen Bskleidungs- stücke! Jetzt muß er sich stellen— zur Wahl und zur Niederlage! schnvrzen können: viel«, die durch die Kriezsfolgen zu Proletarier« izemorden sind, aber auch solche, die zwar Proletarier sind, aber p.t nicht sein wollen, lassen sich gegen ihre eigenen Interessen in eine maßlose Feindschaft gegen die Demokratie hinejnhetzen, durch deren Zerstörung die frühere Rangordnung wieder hergestellt werden soll. Zu spät werden diese Leute erkennen, wie sie betrogen werden. Am Ilaliovalsozialigmus iakeressiert die herreu Skinnes und Kirdorf, die mi< Adolf hiller bankettierea. nichi der Aull- s-miklsmus und die fovstiyea Alfanzereien, sondern nur die erhoffte Wiederherstellung ihrer Wacht. i Lärmende Zuruf« der Nationalsozialisten, gegen die einige Orb- nungsrufe verhängt werden.) Wenn der Reichskanzler am 9. November 1918 bei einer Gruppe gestanden Hot. die bestimmt war. die Revolution nieder- z-twerfen, so weiß man doch, daß damals viel« nicht Herren ihres Schicksals waren. Inzwischen ober hat der Reichskanzler wohl ein- gesehen, daß er damals in der falschen Front gestanden hat.(Zu- rufe äußerst rechts und äußerst links.) Sie wissen ja sehr gut, daß der Weg zu einer Diktatur nur über eine zertrümmerte Sozial- dcmokratie führen kann und darum die Schmutzkübel der vcr- lcumdvng und Entstellung, die Tag für Tag iuuer- und außer- halb dieses Hauses über uns ergossen werden. Ist es wirklich etwas Neues, was die Heilsprediger des Dritten Reiches uns bescheren wollen? Letzthin hat Prinz Auwi seine Söhne in die Hitlersche Prioatarmee eingestellt und m einer Ansprache dabei gesogt:.„Heute habt ihr mich hergerufen, deutsche Iungcns, ich fall zu euch sprechen, das freut mich ganz besonders, denn in euch ist ein Stück preußischer Tradition: diese hat der National- I soziallswus in sich aufgenommen." Auch ohne dieses Eingeständnis wüßte alle Welt, daß im Nationalsozialismus der Geist des alten preußischen Gamaschendienstes wieder lebendig geworden ist, jenes Geistes, dessen historische Schuld darin besteht, daß er die Selbst- regierung des Volkes oerhindert hat. An dieser Schuld sind die alten Staaten zusammengebrochen, nachdem sie zuvor ihr« Völker in eine sinnlose Katastrophe hineingehetzt haben. In seiner bekannten Bs- fcheidenheit Hot Hitler sich neulich mit Gneisenau verglichen.(Heiter- keit.) Andere Leute haben ihn mit Wllbelm II. verglichen, und das scheint schon«her ins Schwarze zu treffen.(Lärmende Zurufe der Nationalsozialisten, deren einer dem Redner anbietet, ihm ärztliche Versorgung zu verschaffen.— Da ein Faschist dem Redner zuruft, er se, nicht im Kriege gewesen, antwortet ihm Abg. Roßmann: Ich schenke Ihnen meine Orden und Ehrenzeichen, wenn Sie mich in Stuttgart besuchen.) Wer noch das alte Regime und die Herr- lichkeitsn des persönlichen Regiments miterlebt hat, der erinnert sich vielleicht noch jenes Telegramms Wilhelm II. an Nikolaus II.: ..Der Admiral des Atlantischen Ozeans grüßt den Admiral des Stillen Ozeans." Wenn der große Namensvetter des letzten Kaisers, der Schuster Wilhelm Voigt,«och lebte, so würde er an Adolf Hilller ein Telegramm schicken:„Der Hauptmann von Köpenick grüßt den Gendarmerieprofessor von Hlldburghaufeu." (Große Heiterkeit.) Alle Elemente des alten Systems sind im Nationalsozialismus wieder lebendig geworden: Das Kraftmeierium, die Hurra- und Paradeftimmung, die rednerischen Exzesse, die hysterischen Drohungen gegen Andersgesinnte und vor allem die beispiellose Anmaßung, wahre nationale Gesinnung in Erbpacht genommen zu haben und jeden Andersdenkenden als Vaterlands- rerräter und Deserteur zu beschimpfen. Die Art, wie Dr. Goebbels seine Ausfälle gegen Hindenburg heute zu rechtfertigen versuchte, ist die erbärmlichst« Kneiferei, die ich jemals gehört habe.(Leb- haster Beifall links und in der Mitte.) Ein Soldat würde sich nie- mals einer derartigen Kneiferei schuldig machen. Es widerstrebt uns, mit solchen Beschimpfungen uns auseinanderzusetzen, aber eq scheint doch wieder einmal nötig zu sein, die geschichtliche Wahr- hell gegen diese ganz erbärmliche politische Schmutzerei festzustellen. Es ist eines der bemerkenswertesten Symptome, daß der deutsche Rechtsrobtkalismus jede Schurkerei mit nationalen Motiven zu rechtfertigen sucht- Millionen Sozialdemokraten haben ihre Liebe zum Baterland mit ihrem Plut besiegelt. Aber hier erlauben sich solch« Leute, das Anhenken der gefallenen und verwundeten Sozial» dsmokraten zu besudeln. Ein Sozialdemokrat war es, der das wun- derbar« Wort gesprochen hat: „Immer haben wir eine Liebe zu dir gekannt, nur haben wir sie nie beim Namen genannt. Denk es, o Deutschland." Di« uns beschimpfen, finden es gleichzeitig mit ihren nationalen Gefühlen vereinbar. nor Mussolini aus dem Bauch zu rutschen, dem Schänder Südkirols. dem Interventionisten von 1915, der im französischen Solde dazu beigetragen hat. daß mir den Krieg verloreu haben. Wer sich aus die schiefe Bahn des hetzerischen Nationalismus begibt, wie die Blechschmiede des Dritten Reiches, der darf sich nicht wundern, daß sie sich beim Wettstreit darüber, wer berechtigt sei. den wahren Ring der nationalen Gesinnung am Finger zu tragen, bei jeder Gelegenheit in die Lzaare geraten, und daß sie dabei sogar eine Persönlichkeit wie Hindenburg ausscheiden müssen. Der letzthin veröfsentlichte Briefwechsel Seldte-Hitler zeigt, daß diese »alianaleu Helden sich über die Gruhform ihrer Privalarmeen streiten in einer Zeit, wo 6 bis 7 Millionen Menschen nicht missen, wo sie das Brot für ihre Kinder hernehmen sollen. «Naziruf: Ihr habt doch 13 Jahr« regiert!— Verblüffung und Gelochter links.) Der Faschismus ist gar nicht das Neue, für das er sich ausgibt. Er ist nichts weiter, als ein ideenloser Spuk, und der wird an der politischen Kraft der Arbeiterschaft zerflattern. Adg. Rosenbcrg hat hier, wie man von ihm bereits gewohnt ist, einige vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen« Sätze eines Leitartikels des„Vorwärts" voroelesen. In der Dorbemer- kuna dieses Artikels steht ausdrücklich, oah der Verfasser nicht der Sozialdemokratischen Partei angehört, sondern ein angesehener Hochslhulprofessor ist. dem Gelegenheit gegeben wird, seine Meinung zu äußern. Und aus dein Artikel geht unzweideutig hervor, daß er iuh gegen die einseitige Abrüstungsoorschrist de» Versalller Friedens richtet. Diese Stellen Hot Rosenberg natürlich nicht zitiert.(Lär- mende Zurufe rechts.) In der Reparationsfrage hat keine Partei ein so reines Ge- wissen, wie wir. von Ansang an haben mir bev versailler Frieden als Karikatur eines wahren Friedensvertrages be- zeichnet, und mit unserer Internatlonole bereit» vor 10 Iahrc« die JJeberzengung ausgesprechea. daß die Welt am ehesten durch eine Streichung der Reparakians- und Kriegsschulden genesen würde. Ucber den Weg zu diesem Ziel geben die Meinungen weit aus- einander. Es müssen dafür die politischen Voraussetzungen ge- schaffen werden— nicht nur bei uns, sondern auch bei denen, mit denen wir uns darüber einigen müssen. Das kann aber nicht durch das Gerede von Revanche und nicht durch den törichten Gesang „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen" erreicht«erden, auch nicht durch Aufmärsche und nicht durch Drohung mit der Zerreißung internationaler Lenrägc. Die Versuche einer Altwierung der Außenpolitik im Sinne der Rechten haben ja gezeigt, wobin man damit kommt. Nicht Zerstörung, sondern Herstellung des Ver- trauens tann allein unser« wirtschaftliche Situation bessern. Ein nationalistisch faschistisch regiertes Deutschland würde kein Ver- trauen in der Welt erwerben. Wir machen unsere Dorbeball« wie gegen die Außen- so auch gegen di, Innenpolitik der Regiening. Noch wie vor sind wir über- zeugt, ddß die Politik der Lohn- und Gehollsjenkung und des Ab- baues der sozialen Versicherung keinen Ausweg aus der Krise bll- den kann, weder für die Industrie, noch für die Landwirtsclzoft, deren Produktion nur weiter einschrumpft, und deren innerer Markt gedrosselt wird. Dies« Politik verschärft die Krise und macht aus Deutschland ein Treibhaus für Kommunisten und Nationalsozialisten. Das gilt besonders für die jüngste Notverordnung mit ihrem Lohn- abbau-Diktat ohne gleichzeitige entsprechende Preissenkung. Wir fordern von der Regierung, daß sie Arbeit schafft und mit ihrem Fatalismus Schluß macht. Da die Krise nicht in einem Laube allein überwunden werden kann, muß die Regiervng zur Herstellung der internationalen Zusammenarbeit energisch beitragen. Eine Machtergreifung des Faschismus würde nur noch tiefer in den Sumpf hineinführen. Den Kommunisten sage ich, daß es uns angenehmer fein könnte, die für die Verschärfung der Krise durch Abziehung der Auslandskredite verantwortlichen Faschisten an die Macht zu lassen und in pie schärfste Opposition zu treten- Aber wir wissen, daß die Machtergreifung der Reaktion nur dem Großkapital, den Großagrariern und einer militaristischen Diktatur dienen und der Arbeiterklasse die schwerste Drangsalierung bringen würde. Wir wissen aus verschiedenen Aeutzerungen Hitlers, daß er die Mass« verachtet und als Ziel seiner Sendung die Heranbildung einer neuen Herrenschicht, eines neuen Herrentyps ansieht. Die Faschisten bedienen sich der Demokratie, um sie zu zer- stören.(Sehr wahr! reSitz.) Ich stelle diese Zustimmung fest. Wir nehmen auch das Wort des Herrn Goebbels an. daß das Jahr 1932 für Deutschland die endgültige große Entscheidung bringen werde. Es geht nicht mehr um Einzelheiten. In diesem Sinne wer- den auch wir zur Reichspräsidentenwahl Stellung nehmen. Wir sehen ganz klar die politische Linie vom September 1930 bis zu der beoorstehenden Entscheidung. Seit der Reichstagswahl versucht die Reaktion, mit wechselndem Gesicht und wechselnden Methoden im Reich und in Preußen an die Macht zu gelangen. Von dem Früh- stück Hstler-Stauß im Hotel Adlon bis zu dem Hexensabbach von Harzburg und dem Präsidentemvahlkampf—«in groß aiigelegter Plan zur Zerstörung der Republik und der Demotrat!«, zur Knech- tung der werttätigen Massen. Die Regierungskrise soll die letzte Stufe zur Diktatur sein. Diesen Weg Huben wir dem Faschismus durch unsere Taktik verlegt. Dem Generalzlel der Sicherung der Demokroiie zuliebe. aber nicht für das Kabinett Brüning, hoben wir ein Beispiel polltischer Selbstdisziplin in diesen zwei Zahren gegeben. Und draußen verfolgen wir das gleiche Ziel durch die rücksichtslose Sampfeutschlosseuheit der Arbeiterschaft. (Höhnischer Beifall und dauernd«, planmäßig störend« Hvrra-Rufe rechts, gegen die der amtierende Vizepräsident Esser nicht ein- schreitet, so daß der Redner nur mit höchstem Stimmaufwand seine Schlußausführungen machen kann.) Wir leben nicht mehr in dem Staatsstveichjahr 1831. Die deutschen Arbeiter sind politisch genug geschellt, um zu verstehen, worum es bei dieser Präsidentenwahl geht. Und daß dabei alles geschehen kann, nur daß nicht Hitler oder ein Beauftragtor Hugen- bergs sich aus den Stuhl Friedrich Cbert« setzen kann.(AndauerrH« Hohnruf« rechts.) Der Behauptung Dr. Goebbels' von der Wehrlosigkell der nationalen Opposition hält der Redner unter lebhasten Hört-Hprt- Rufen der Linken die bereits bekonnten Zahlen über die Opfer des Naziterors entgegen. Dieser Terror ist deutlich genug m dem Hitler-Buch.Mein Kampf", Seite 610'611 angekündigt, wo d'e Aburleilnna und Hinrichtung von 10 000»November- Verbrechern" vorausgesagt wird. Wir halten nach wie vor Schlagrnzg und Revolver nicht für poKtisch« Argumente. Für uns gilt unser alles Lisd:„Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren, mit Schwert und Schild nicht kämpfen wir", und auch die Verse: „Der Feind, den wir am tiefsten hassen, der uns umlagert schwarz und dicht. das ist der Unverstand der Massen, den nur des Geistes Schwert durchbricht." Bilden Sie(nach rechts) sich nicht«in. nllt ihren Drohungen und ihren Beschimpfungen und Verleumdungen irgendwelchen Ein- druck auf un» zu machen. Wir wollen keinen Bürgerkrieg.(An- dauernder planmäßiger Lärm rechts, gegen den Vizepräsident Esser nichts unternimmt.) Werden wir gezwungen, dem Gegner aus einer anderen Ebene als auf der des Gesetzes und der Verfassung zu begegnen, dann werdca Sie erleben, daß eine gewalstge Bewegung Im ganze« Lande sich zo eisernem Widerstand sammeln wird in der Eiserne» Fvonl. Wer gegen uns dos Mester erhebt, dem werden wir es aus der Hand schlage«. Allen Republikanern aber rufen wir zu: Seid einig und kampfbereit! (Stürmischer Beifall der Soz.) Brüning g Nach den bereits im„Abend" gemeldeten Ausführungen sprach Reichskanzler Or. Brüning am gestrigen Donnerstag im Reichstag über die Reparationsstage. Er sagte: Die Herren von Freytagh und Rosenberg haben so getan, al» ob in der ganzen Reparationsfrage es keinen Besuch in Chequer» und anschließend« Aktionen gegeben Hab«. Kein politischer Schritt ist in den kritischen Tagen unternommen worden, ohne engst« Fühlung mit der amerikanischen Regierung. Damit ist die Behauplung widerleat, als ob wir die Inllialive Hoovers auch nur im geringsten geschädigt oder gestört hätten. Heber die Bedeutung igen rechts. meiner Pariser Reise hat sich Herr von Freytaah gänzlich aus- geschwiegen.(Aha. von Freytagh(Dimt.): Es ist doch nichts dabei herausgekommen!) Ihnen scheinen die ganzen Maßnahmen der <5 tili h a l t e k o m m i s s i o n mit ihren für Deutschlaiids Wirtschaft außerordentlich wichtigen Konsequenzen vollständig entgangen zu sein.(Sehr gut! bei der Mehrheit.) Zurückweisen muß ich die Vorwürs« gegen Dr. Melchior, dem ich für sein« energi'ch«. vuoe und tapfer« Haltung den Dank der Regierung ausspreche. D» Reparativ nskon'erenz ist nun endgültig auf Juni festgesetzt worden. Deutschland hätte dringend gewünscht, daß durch einen früheren Zeitpunkt die wirtschastUche Depression schneller beseitigt und das allgemeine vertrauen wieder hergestellt Lampenfieber. Regisseur Goebbels,»tos, vorwärts, auf die Bühne— das Stichwort ist schon gefallen.� Heldendarsteller Hitler:--Halt, halt— ich Hab ja die staatsbürgerlichen Bekleidungsstücke noch nicht an!� mvrd-v Die Reich sregierung HSlt a» der Auffassung fest, die ich w dem Jntcrviem niedergelegt habe. Die Lösung der Reparatwns» frage bildet die Voraussetzung der Verständigung auch über andere wirtschaftliche Fragen, die notwendig ist, damit wir zur Milderung der Arbeitslosigkeit in der ganzen Welt kommen. Die Aeichsregierung wird alles tun, um einer fortschreitenden Deflation zu begegnen. Die Motznalimen des Preiskommissars sind zu einem gemissen Abschluß gekommen. Weitere Maßnahmen werden noch hinsichtlich der öffentlichen Tarife für Gas, Elektrizität und so weiter erforderlich sein. Wir werden zu verhindern wissen, daß die Preise plötzlich wieder in die höhe gehen. Den Vrolprcis wollen wir stabil hallen. Alles hängt davon ab, daß die deurfche Währung stabil gehalten wird. Dazu gehört«ine Etatspolitik. die die sichere Deckung aller Ausgaben garantiert. Die notwendige Belebung des Arbeltsmarktes zur Behebung der gegenwärtigen Not fetzt voraus, daß der lähmende Pessimismus weicht. Dieser Pessimismus wird gefördert durch die Art und Weise der politischen Agitation gegen Staat und Regie- rung. Darum habe ich den Versuch gemacht, die parlamentarische Verlängerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten herbei- zuführen.(Lärm und Gelächter rechts.) Der Reichskanzler wieder- holt dann die entscheidenden Sätze aus feiner Rundfunkred«, in denen er sagte, zu de« Legalitälsbeleuerullgeu des nationalsozialistischen Führers Hiller stünde« ia schroffem Gegensatz die Aeutzeruvge» nicht weniger prominenter Unterführer der ZtSVUV. iRufe der Nsoz.: Namen nennen!) Das Auftreten der National- lozialisten gegenüber der ausländischen Presse im Kaiserhos und ihre wilden Reden ließen es als elementarste Pflicht für den vcr- antworllichen Staatsmann erscheinen, nun auch einmal vor breitester Oeffentlichkest— durch den Rundfunk— die Ansicht der Reichsregierung bekanntzugeben.(Beifall bei der Mehrheit.— Lärm rechts.) Die Reichsregierung ist auch immer für eine strenge aber gerechte Durchführnvg des Presse- Verbots eingetreten. Ich habe von voncherein auf dem Standpunkt gestailden, daß es gegenüber einer sich noch so scharf gebärdenden nationalsozialistischen Bewegung nicht opportun ist, mit Maßnahmen und einer Politik »orjugehen, die an das Sozialistengesetz vergangener Jahre er- innern.(Minutenlang anhaltender Lärm der Nationalsozialisten und Kommunisten.) Das ist auch die Grundtendenz des Erlasses des Reichswehrministers, daß, wenn sich ein Bestreben seitens des Führers oder der Führer einer solchen Bewegung zeigt, unbedingt die Massen auf dem Wege der Legalität weiterzuführen, man solche Bemühungen nicht von vornherein zurückweisen kann.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Das bedeutet- aber nicht ein weichliches Zurückweichen vor Drohungen. Sollten Sic(zu den National- sozialisten) etwa nach dem Erlaß des Reichswehrministers zu den Methoden früherer Zeiten zurückkehren, oder sollten sich Mißbrauche nach diesem Erlaß in der Reichswehr ergeben, dann, so stehe ich nicht an zu erklären, würden wir ebenso entschlossen wieder einen anderen Weg wählen. l Beifall links, lärmende Unterbrechung der Nationalsozialisten. Rufe rechts: Reden Sie über die Bürgerhetze der Eisernen Front! und: Decken Sie Grzesinskis Hundepeitschenred«?— Präsident Löbe erteilt Ordnungsrufe.) Wenn Dr. Goebbels gesagt hat, die Reichs- regierung sei schuldig an dem sich entwickelnden Bürgerkrieg, so ist das(mit erhobener Stimm«) das stärkste Stück aus dieser ganzen Debatte.(Tumult rechts.— Präsidsnt Löbe kann dem Kanzler nur mit Mühe einigermaßen Gehör verschaffen.) Die Reichsregie- rung hat selbstverständlich die Pflicht, für Aufrechterhaltung van Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Nationalsozialisten manövrieren sich selbst in eine Sackgass« hinein, wenn Abg. Goebbels das«in Gewinscl nennt, daß ich zuerst mit Adolf Hitler in der Frage der Präsidentschaft verhandelt habe. Die Rechtsopposition redet unmer vom System und meint dabei manchmal das System Brüning, manchmal das System des g. November.(Rufe rechts: DäZ ist das Äelche!) Äffen Die mich mit dem S. November aus dem Dpiel. Wissen Sie, wo ich da war? Am 0. November ISIS war ich in der Kerntrupp«, die General von Winterfeld zur Niederwerfung der Revolutlsn gebildet hatte.(Beifall in der Mitte, Lärm rechts.) wenn der Abg. Rosenberg meine vaterländische Gesinnung verdächtigt(großer Lärm recht,), so muß ich e» ablehne«, darüber Belehrungen von einem Wann entgegenzunehmen, der in jener Zeit noch gar nicht entdeckt hatte, welches Vaterland er über- j Haupt hat. lStürnnfcher Beifall der Mehrheit.— Der Lärm rechts legt sich und der Reichskanzler kann nun in größerer Ruhe wcüerreden.) Auf die Dauer ist es nicht ja ertrapen im Interesse des Staates, daß nachträglich über loyal geführic Verhandlungen von den Opposilionspartoiea völlig falsche Nachrichten verbreitet werden. Die Behauptung, daß ich schuld sei an dem Nichtzustandetommen einer Cinheitskandidatur des Reichspräsidenten von Hindenburg, muß ich in Uebercinstimnrung mit allen dafür in Frage kommenden Stellen als eins bewußte Unwahrheit bezeichnen.(Stürmische Hört-Hört'-Rufe.) Den Führern der nationalen Opposition ist es ebenso bekannt wie mir. daß ich diese Schuld nicht trage. Ich habe mehrfach dem Reichspräsidenten meine Demission angeboten, um die Dahn freizawachen. In meiner Rede im Oktober habe ich deutlich genug gesagt, daß ich immer bereit war. für eine solch« Eventualität die Bahn freizumachen. Selbstverständlich wollte ich meinen Posten nur verlassen, um die Bahn für den Ausstieg freizumachen, aber nicht für dos Chaos. I Beifall der Mitte, Gegenrus« der Flügelparteien.) Die Forderungen einer Gruppe, die letzten Endes daraus hinausliefen, ihr den gesamten Staatsapparat auszuliefern, haben das Scheitern der 'Verhandlungen verschuldet, die nicht ich geführt habe. Zu derar- tigen Erporrmonten war der Reichspräsident, dem während seiner ganzen Präsidentschaft die Einigkeit und Konzentration aller Kräfte am Herzsn gelegen hat, in keinem Augenblick bereit. Ich muß das feststellen, damit nicht im Wahlkomps immer wieder mit solchen Lügen operiert wird. Ich habe mich den Bestrebungen, die Opposition an die Macht heran- zulassen, nicht widersetzt, well ich immer hoffte, daß es dem maß- vollen Führer gelingen würde, die Massen der Anhänger im Zaume zu halten. Ich habe srellich nie einen Hehl daraus gemacht, daß bei einer solchen Beteiligung der Opposihon an der Regierung ich mit meiner Person nicht mehr in Frage kam«.(Zuruf rechts: Sie würden wir auch nicht akzeptieren!) Di« beiden bürgerlichen Parteien und auch andere Gruppen, die sich Ihnen zuzählen, können in den Reihen der Opposition zu keiner Einigung über irgendeine politische Frage kommen. Das habe ich zwar vorausgesetzt. Aber mir daraus Vorwürfe zu machen, geht doch wohl zu weit.(Lebhafter Beifall und Heiterkeit.) Sie können auch nicht von wir verlangen, daß ich Ihnen zur Möglichkeit eine? Einigung helfe, indem Ich gcwissermaßea über meine eigene pötilische Leiche hinwegsprlnge.) (Häitsrkeit und Zustunrnung.) Ebsnfawenig bin ich schuld darin, daß Sie tüchi als erste darauf gekommen find, den Reichspräsidenten von Hindenburg aufzustellen. Sie(nach rechts) jammern immer über das System und dor- über, daß Di« nicht an die Macht kommen. Ja,«s gehört natürlich mich eür gewisses Maß von politischem Verständnis dazu.(Großer Beifall und Heiterkeit.) Es lind unxohlige Berli.'che in den letzten Jahren gemacht morden, mit den Rechtsparteien zusammen zu regieren. Wer klug ist im politischen Leben, braucht da» zwar nicht so stark herauszuschreien, erringt aber die Macht; die anderen nicht. «Hände klatschen und Heiterkeit der Mehrheit.) Der«in« Minder- heitenrcgicrung im Reichstag unterstützt, sichert sich auf all« Fälle dagegen, daß er völlig von jedem Einfluß ausgeschlossen ist. Die Deutschnationalen haben es im Sommer lSZÜ in der Hand gehabt, auf diese weise die Wacht zu erobern. Aber Sie könne« doch nicht verlangen, daß ich Ihnen auch noch die Rezepte dazu liefere. (Heiterkeit und Beifall.) Wenn man überhaupt von schuldhäster Verkettung von Umständen oder politischen Ereignissen sprechen will, dann müssen Sie(nach rechts) nicht beim S. November ISIS an- sangen, sondern bei den politischen Fehlern der Vorkriegszeit. (Beifall.) Aber dieser Teil der Kette ist vergessen. Mein System hat mit ihrer Darstellung nichts zu tun. Mein System, das ist die Beschreibung der notwendigen sachlichen Linie ohne Rücksicht daraus. was politisch mit mir oder mit meiner Partei geschieht Ich denke nur daran, das deutsche Volk in diesem furchtbar schweren Kampf so zu führen, daß es schrittweise vorwärts kommt. Und wenn ich immer wieder Hoffnungen in diesem Kampf« schöpfen konnte, dann, weil ich einem Manne dienen konnte, wie dem Reichspräsidenten von Hindenburg.(Stürmischer, langaichaltender Be-iall bei der Mitte.) Wer das Glück hat. diesem Wann dienen zu können, wird auch Verständnis dafür haben, daß ich alle« daran fetze, und mit mir wohl die Mehrheit des deutschen Volkes, daß dieser Wann weiter die Geschicke des Volke» leiten kann. Vergessen Sie. ein«« nicht. Bon der. Wlsderwahl des Rmchspräsi» deuten von Hindenburg hängt es auch ab. ob die Welt glauben soll, daß im deutschen Volke noch Ehrfurcht und Achtung vor der Geschichte und der geschichtlichen Person besteht.(Stürmischer Kglfall bei der Mehrheit.) Wg. Dr. Slemsea(Sozialistische Arbeiterpartei): Au» der fr«iest«n Republik der Welt, als die die Sozialdemokratie diesen Staat ansah, ist also die sonderbarst« geworden, in der mon nicht mehr weiß, wer regiert. Abg. Torgler«Komm.) verliest«inen angeblichen Kriegsplan mit genauen Anweisunzen zum kommunistischen Putsch in der Nacht vom 13- zum 13. März 1932 mit Entwaffnung der Polizei und Reichswehr und Ausrufung der deutschen Sowjet-Repubkik. Dieses und ähnliche Spitzeldokumente wären jetzt von den Hitlerleuten verbreitet, um eine verlogen« Hetze gegen di« Kommunisten zu ent- fachen. Reichskanzler Dr."Brüning, den die Sozialdemokraten unter- stützen, hat heute offen eingestanden, daß er nicht nur geistig, san- dern auch physisch an der lliiederschlagung der Revolution mitgewirkt hat. Durch di« Bundesgenossenschaft mit Dr. Brüning ist die arbeiterfeindliche Einstellung der Sozialdemokratie gekennzeichnet. Unter Groener» Erlaß können die Nazis einen legale» Fahnen- einmarsch in die Reichswehr vollziehen. Groener sagt, anders als Schöpflin, lieber Ist Nazis als ein Sozial- demokrat. Unter der Firma Grenzschutz werden Nazis von Reichs- wehroffizieren ausgebildet. Herrenabende. Geländeübunqen usw. dienen diesen Beziehungen.(Bravorufe rechts begleiten di« Verlesung der genauen Daten üoer diese Veranstaltungen. Nur in Sowjet- rußland gibt es kein Massenelend, sondern Ausbau. Nicht Hitler-, nicht Hindenburg-Front, sondern Arbeitarfront!(Großer Beisall der Kommunisten, die darauf die erste Strophe der„Internationale" singen.) Wieder Llnierbrechung. Vizepräsident von Sardorff(DVp.) hat die Sitzung, als da» Singen auf fein Verbot nicht eingestellt wurde, unterbrochen. während di« Rechte Schimpf- und Hahnrufs ausstößt. Nach halbstündiger Paus« eröffnet Präsident Löbe die Sitzung wieder und schließt die Abgg. Pieck(Komm.) und R e m m« l«(Komm.) au» der Sitzung aus, die sie durch Anstimme»«ine» Lied«» gestört hatten.(Protestrufe der Kommunisten.— Ein weiterer Ordnungsruf.) Abg. Goebbels(Nsoz.): Wenn Herr Groener in meiner Red« eine Beleidigung de? Herrn Reichspräsidenten sieht, so hat er wohl das Stenogramm nicht genau gelesen; sonst müßte ich vermuten. daß es ihm weniger auf«ine Berteidigung des Generalfeld- Marschalls, als auf eine zugkräftige Walilparole angekommen ist. Wanim hat der Herr Reichskanzler den Herrn Reichspräsidenten nicht schon vor 7 Iahren gegen die Angrisse des Zentrums ver- teidigt?— Der Redner vcriiest dann die Deserteurstelle seiner vor- gestrigen Rede und behauptet, sie hätte wettergehen sollen:.... gelobt von per Staatspartei und dem Zentrum, gelobt auch von den Na- ttonalsozialisten— das gibt es nicht." lAllgemeine Berbküsfung— große Heiterkeit, dann Berlegenheitsbeisall der Nationalsozialisten.) Dann versichert der Redner wiederholt den Reichspräsidenten der Verehrung des„nationalen Lagers", dem d a s„es y st«>«" d t« s e Persönlichkeit weggenommen habe(große Heiterkeit). um sich hinter ihm zu verstecken. Der Reichskanzler will die selb- ständigen Unternehmungen schützen, nachdem er sie durch seine Steuerpolitik vernichtet hat. Wlll dies« Regierung den Pessimismus beseitigen, so muß sie zurücktreten. Lom Anwinseln habe ich gesprochen, weil der Reichskanzler wer Wochen, bevor er dm Staatenlosen.«lZ Defertevr Verdächtigten, zu sich lud, ihn im Rundfunk als Hochverräter gebrandmarkt hatte. Nur erlogene Spitzerberichte können behonpten. daß Unter- sührer unserer wehr- und waffenlosen IS-Millionen-Bewegung (große Heiterkeit links) Reden gshasten hätten, die den Legasttäts- beteusrungen unseres Führers widersprechen. Unserer Behandlung gegenüber war das Sozialistengesetz ein Schattenspiel. Wir müssen ja das Ausland über unsere Auhenpolitik aufklären, da doch die Regierung nichts gegen die Lügen der Snstempresse tut. Die Rot- Verordnungen haben den Parteienhaß vergrößert, di« politischen Morde vermehrt.(Erregt« Rufe der Kommunisten, deren Abg. Möhricke zur Ordnung gerufen wird.) Nun kommen wieder die beliebten„Vorwärts"-Zitate von 1925 gegen hindenburg, wozu die Nazi» Im Chor Pfui! rufen. Die melodramatisch geäußerte sittliche Entrüstung des Redners wird einigermaßen gedämpft durch einen Kommunistenrus:„Den hat man euch getläut!" Ein anderer Kommunist bietet ihm den Posten «ins? Hofnarren bei Hindenburg an. Dann behauptet Goebbels, das System habe der Hitlerpartei„den Fchdehandschul' im über- reichlichen Maß« vor die Füße geworfen, um danach di« Sünden de»„oerehrten Siegers von Tanne�Garg" als Reichspräsident auf- zuzählen, der nicht die Politik ssiner Wähler ppn 1S?S getrieben Hab«. Daher werde ihm als großen Gegenspieler der staatenlose Frontkämpfer entgegengestellt, den einzubürgern ein« nationale Pflicht der Regierung wäre, da er doch nicht den gleichen Weg gehe» könne, wie die eingebürgerten Ostjuden. Vielleicht werden mir uns im zweiten Wahlgang mit den Kommunisten auseinandersetzen. und Sie. Herr Reichskanzler, werden gar nicht mehr dabei sein. Am 13. März, bei Philipp', sehen wir uns wieder.(Großer Beifall der Nationalsozialisten.) Abg. D?. von Freykagh-Lonaghove«(Dnat): Der Reichskanzler hat niemals ernsthaft d« nationale Frpnt zur Regierung herangezogen. sondern secn« ganz« Kraft daraus verwandt. Teu« den nationalen Front abzusplittern, um sie seinem System dienstpqr zu machen. Abg. Dr. Diaaeldeq(DBp) erhöht den zleichen Borwurf, tritt- siert pi« Nawerordnungen und klagt über zu großes Entgegen- kommen der Regierung gegen die parteipolitischen Bestrebungen der Sozialdemokratie, die er auch sonst angreift. Zum Schluß spricht er gegen di« Kandidatur Duestcrberg und für die Wiederwahl Hjinhenburgs. Nach her hier folgenden Rede des Genossen Roh mann, die wir an anderer Skelle wiedergeben, sprach Abg. Dobrich(D. Landv.) vertiest«ine Erklärung sür Regierungs- Umbildung, gegen di« unzureichende Arbeit der Regierung und für die Wiederwahl Hindenburg?. Abg. Dr. Reinhold(Staatsp.) polemisiert gegen die Recht« und hätte erwartet, daß au? dem Groener-Erlaß wenigstens die Gleich- stellung des Reichsbanners mit den Republikseinden gestrichen würde. Siach außenpolitischen Ausführungen schließt der Redner mit dem Aufruf zur Wiederwahl Hindenburg». In einer persönlichen Bemerkung kommt Abg. Litt?(S»z.) darauf zurück, daß er währeich der Rede Dr. Goebbels' diesem..Oberbandit.zugerufen hat. weswegen Frick«ine» Ordnungsruf gegen ihn verlangt hat. Litte weist die Photographie ein«? Hamburger Dersammlungeplakate? vor, wonach am 9. Oktober 1938 dort„Dr. Eoebbel?, der bekannte Oberbandit von Berlin" ols Versammlungsredner angekündigt worden ist. Auf«in« Zipischenfroge Dr. Frick», ob da? nicht'in Gänsefüßchen gestanden Höste, antwortet Abg. Litte, er habe dem Dr. Gaabbels die Gänsefüßchen nicht abgeschnitten.(Heiterkeit.) Heber die Zulässiakeit eines Mißtrauensantrages gegen den Präsidenten des Reichstags, d«n die Nationalsozialisten eingebracht baben. wird der Acltestenrat noch vor der morgigen Sitzung entscheiden, die um Mi Uhr aus Freitag, 10 Uhr, angesetzt wird. Oer Mißtrauensantrag gegen Präsident Löbe. Der Atttestemat des Reichstages beschäftigte sich am Donner?- tag spät abends noch in mehr als«instündiger Sitzung mit der Frag«, ob ein Mißtrauensontrog gegen den Reichstagspräsidenten. wi« er von den Nationalsozialisten eingebrockst worden ist, nqch der G«jchäft?ordnung überhaupt zulässig ist. Dabei wurde hie Z u- l ä s s i g k e i t eines solchen Antrages nur von den A n t r a'g- st« l l e r n selbst anerkamst. Alle anderen Parteien, auch K o m m u n i st« n und Dcutschnational«, gaben der Auf- fosiung Ausdruck, daß weder ein Mißtrauensontrog, noch eine Ab- bervfung des Reichstagsprosidiums möglich ist, da die Wahl des Präsidium jeweils für die gairze Legislaturperiode vorgesehen ist. Der Aelleslenrat faßte jedoch keine B e s 6) l ü s s«.«r überließ auf Wunsch des Reichstags Präsidenten Löbe, der ein« fchnelle Entscheidung verlangtc, die Bes6)lußfassung dem Reichstag selbst. Der raitiornilsozialistifohe Mißtrauens- antraz wird daher auf die Tagesordnung der Freitagsitzung gestellt und wird«ach Erledigung der großen politischen Aussprockze mit zur Abstimmung kommen. Diskontsentung in New York. pi« New-Vorker Sundesreseroebank hat gesiorn ihre Rediskont- rate von.VA Proz. auf 3 Proz. gesenkt. Die Pah« für eine vizkonl- ermätziguvg i» Deutschland ist damit endgültig frei. Keine Margarineteuerung. Eine Richtlinie des Reichskanzlers. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- tion hatte an den Reichskanzler ei» Sdireiben gerichtet. worin auf eine Meldung oerwiesen wurde, daß die Reichs- regierung nach Erhöhung des Butterzolls auch bei anderen Fetten, insbesondere bei Margarineroh st offen Zoll- erhöhungen durchsetzen wolle. Zllle derartigen Maßnahmen feien unerträglich, wie überhaupt jede Einschränkung der zoll- freien Einfuhr der Margarinerohstoffe Zollerhöhungcn wichtiger Massennahrungsmittel ständen im stritten Wider- spruch zu dem Grundgedanken der Vierten Notverordnung. nämlich zu der Gleichzeitigkeit der Preissenkung und der Lohnsenkung. Eine Verteuerung der Margamrerohstoffe würde die Massen der ärmsten Bevölkerung, insbesondere die Arbeitslosen treffen, weil sie keinerlei Möglichkeit hätten, der Verteuerung durch Abwanderung auf ein billigeres Nahrungsmittel auszuweichen. Auf dieses Schreiben hat der Reichskanzler am 22. Februar folgende Antwort gegeben: „Eine Verteuerung der Margarine, die bei einer Erhöhung der Zölle für Margarinerohstosfe wohl nicht vrrm eidlich wäre, würde eine Belastung der breiten Massen der Minder- bemittelten, in ihrer klaufkrasl schon sehr gcschwächicn Be- völkerung zur Folge haben, und auch uicht zu vermehrtem Butler- verbrauch, sondern nur zu einem RückgaugdesFeltkousnms als solchem führen. Sie würde auch die mit der allgemeioeu Preis- seukung verfolgten Bestrebungen stören. Schon die Tatsache, daß noch in jüngster Zeil die Margarinerohstosfe aus die Freiliste der ivaren gesetzt worden sind, die von der Ausgleichs stcuer bei der Einfuhr ausgenommen werden sollen, zeigt das Bestreben der Reichs- regierung, die Fettversorguog der Bevölkerung nicht zu beeiu- trächtigen. Bei dieser Sachlage sind die dortigen Besorg- nisse meines Erachteos uicht begründet." Das ist die Richtlinie des Reichskanzlers. Nun fragt sich noch, wie stark Herr Schiele dagegen anrennen wird. Eine Kundgebung Hindenburgs Völlig überparteiliche Kandidatur. Dar Reichspräsident empfing gestern den Arbeitsausschuß der vereinigten Hindenburg-Ausschüsse. Reichspräsident von Hindcnburg begrüßte den Entschluß des Anbettsausschusjes, den leider unvermeidlich gewordenen Wahlkampf in vornehmer Form zu führen und alles zu vermeiden, was zu einer Verschärfung der vorhandenen Gegensätze führen könnte. „Ich habe", so betonte er,„die Kandidatur nur ans der Grundlage vollster Ueberpartellichkeit ilbernom- men und es auf das bestimmteste abgelehnt, irgendwelche Bindungen den Parteien gegenüber einzugehen oder irgendeine Bedingung an- zunahmen: ich werde auch weiterhin jede Festlegung nach der einen oder anderen Seite ablehnen. Ich bin Treuhänder des ganzen beut- ich«» Volkes nicht der Beauftragte einer Partei oder Parteien- gruppe und will meinem Gewissen und dem Votcrlandc nerpflichket sein." Dr. Ley war an der Kroni. Eine Berichtigung. Das nationalsozialistische Reichstagsmitglied D. R. L s y weichet sich in einer Berichtigung an uns dagegen, daß wir seineu Namen unter den Abgeordneten der Goebbels-Fraktion erwähnt haben, die den Krieg nicht aktiv mitgemacht habew„Das ist", so schreibt uns Dr. Ley,„was meine Person anbelangt, vom Ansang bis zum Ende unwahr." Er sei vielmehr Ansang August 1314 als Kriegsfreiwilliger in die Armee eingetreten, hätte bereits bald danach als erster Kriegs- freiwilliger der Division das EK. II. erhallen, bis 1916 an der vordersten Front, teils im Westen, teils in Galizien gekämpft, sodann als Flieger bis Mitte 1917-, er sei dreimal verwundet worden, davon zweimal schwer. Er wurde im Lustkampf abge- schössen und ist schwer verwundet in Gefangenschaft geraten, sechs- mal operiert und erst Januar 1922 aus der französischen Gefangen- schaft entlassen worden. Angesichts dieser Erklärung des Dr. Ley stehen wir nicht an, anzuerkennen, daß wir ihm Unrecht getan Habens indem wir ihn in einem Atemzuge mtt Goebbels, Reoentlow und anderen Heim- triegern seiner Fraktion genannt hoben. Wir möchten lediglich dazu bemerken, daß Dr. Ley doch nicht ganz unschuldig daran ist, wenn die Oeffentlichkcit erst durch diese Berichtigung davon erfährt, daß er so lange an der Front gekämpft und mehrfach Verwundungen erlitten hat. Denn in den biographischen Angaben des amtlichen Reichstags Handbuches, die auf den Angaben der Zlbgeord- neten selbst beruhen, steht von alledem merkwürdigerweise keine einzige Silbe. Es ist vielleicht das einzige Reichstagsmitglied und jedenfalls das einzige Mitglied der nationalsozialistischen Fraktion, welches Angaben über die eigene Tätigkeit an der Front, über Kriegsauszeichnungen und Verwundungen verschwiegen Hot. Welche Gründe Herrn Dr. Ley zu dieser auffallenden Zurück- Haltung bewogen haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Durch Be- scheidcnhett hatte er bisher die Mitwell nicht verwöhnt. Graduauer in Ruhestand. Er verabschiedet sich vom Kieichsrat. Zu Beginn der gestrigen Reichsratssitzung gedachte der Bor- sitzende, Reichsminister Dr. G r o e n e r, des ausscheidenden stimm- führenden Bevollmächtigten Sachsens, Dr. Gradnauer. Ge- sandter Dr. Gradnauer erwidert« mit herzlichen Worten. Gesandter Dr. Gradnauer tritt am 1. März in den Ruhestand. Seine Stelle als Gesandter in Preußen wird nicht mehr be- setzt. Zum stimmführenden Bevollmächtigten für Sachsen wird Ministerialdirektor Graf von Holtzendorfs ernannt, der schon bisher dem Reichsrat als Bevollmächtigter Sachsens ange- hört«. Graf von Holtzendorfs ist zugleich Vertreter Sachsens beim Reich. Versöhnung der chinefischen Generale. Tschiangkaischek wird in der Mandschurei, Feng in Schanghai eingesetzt. Loudon. 2S. Februar.< Eigenbericht.) Die j a p a u i s ch e n Truppen, die am Donnerstagmorgen um 8 Uhr Ortszeit dieOsseusloewiederaufgeuommea haben. sollen gegen Miklag dle ersten chinesischen Berleidigungslinien nördlich von öiangwau eingenommen und späier eine Drehbewegung io Richtung auf den fünf Kilometer westlich voo Ktaugwan gelegeneu Ort Tüschau ausgeführt haben. Sie sollen die Absicht haben, dl« Chinesen zwischen ihren Stellungen und der internationalen Konzession von Schanghai einzuschließen. Die im Rückzug besindlichea chinesischen Truppen wurden nach den hier vorliegenden Meldungen von der japanischen Artillerie und von Flugzeugen aus beschoffen. Dl« chinesische Ralionalregiernng in Ranking beabsichtigt. General Tschiangkaischek zum Oberbefehlshaber der zur Miedereroberuug der Mandschurei bestimmten Slrett- kräsle zu ernennen, während der sogenaunle christliche General F e u g da, Sommaudo über die Truppen um Schanghai über- nehmen soll. Diese Absicht ist als Anzeichen der Einigkeit der sonst streitenden Partelen in China zu bekrachlcv. Da» dcnlschc Konsulat in Schanghai Ist heute wegen Beschteßungsgefohr geräumt worden. Ltrteil im Favag-prozeß. Außerordentlich milde Strafen- kein Ebrverlvfi. Frankfurter. M., 25. Februar. Arn Donnerstag gegen 16 Uhr wurde im Favag- Prozeß das Urtell verkündet. Es erhielten: Sauer- dreh vier Jahre Gefängnis und 2500 M. Geldstrafe, M ä d j e drei Jahre Gefängnis und 00 000 M. Geldstrafe, Dr. Kirschbaum zwei Jahre drei Monate Gefängnis und 10 000 M. Geld- strafe. Schumacher ein Jahr drei Monate Ge« f ä n g u i s und 26 000 M. Geldstrafe. Lindner ein Jahr Gefängnis und 18 000 M. Geldstrafe und Fuchs drei Monate Gefängnis und 250 M. Geld- strafe. Di« gegen Fuchs und Sanerbrey erkannten Geld- strafen sind durch die Untersuchungshaft verbüßt. Ferner wurden bei Dr. Kirschbaum sieben Monate acht Tage, bei Fuchs 10 Tage und bei Sanerbrey acht Monate elf Tage Untersuchungshaft angerechnet. Sanerbrey wurde«ach der Urteilsverkündung so- fort in Haft genommen. Auch gegen de» Angeklag» te» M ä d j e wurde Haftbefehl erlassen. Das Urteil ist außerordentlich milde. Die Angeklagten haben durch chr skrupelloses Verhalten dem gesamten Wirt- schaftsleben einen ungeheuren Schaden zugefügt. Deutsch- land leidet heute noch darunter. Gegen keinen Ange- klagten wurde auf Ehrverlust erkannt, obwohl die Beweisaufnahme die Charakter- und Ehrlosigkeit der Handlungsweise der angeklagten Direktoren klar und deutlich ergeben hat. Das Urteil bleibt, was die Freiheitsstrafen anbetrifft, hinter den Anträgen des Staatsanwalts im Gesamt- ergebnis um zwei Jahre zurück, während die Geldstrafen wesentlich höher sind als beantragt. Genosse Gzillat Oberbürgermeister. 3o Brandenburg gewählt. Brandenburg. 2ö. Februar.(Eigenbericht.) Nach d-m Verzicht des am 8. Februar gewähllen Oberbürgermeisters Klimpcl wählte die Brandenburger Stadtverordnet-'nosr- sammlung heute den Kämmerer der Stadt Rathenow, den Landtagsabgcordneten Genossen Paul S z i l l o t, mtt 22 gegen 4 Stimmen zum Oberbürgermeister. Szillat hat die Wahl bereits angenommen. Hitler-Lugend in Rayern verboten. Ein Schritt der bayerischen Ziegiet ung. München, 25. Februar.(Eigenbericht.) Das bayerische Unkcrrichlsministerium hat sämtliche Organisationen der hiller-Zugend verboten. Schon vor Jahresfrist richtete sich ein Erlaß der Regierung gogen die Beteiligung Schulpflichtiger an. der.Lunggemeiirfchaft der Hitler-Iugcnd", die Jugendliche von Ii) bis 18 Iahren umfaßte. Inzwischen gründeten die Nazis für die allerjüngsten Schüler vorn 7. Lebensjahre an das sogenannte.Lungvolk der Hitler-Iugcnd", das mtt einer eigenen Zellschrist gegen die„Terrormaßnahmcn und Schikanen von Staats und Schul wegen" gedrillt wurde. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Berautwortlich für PoliUt: Bieter Schill: Wirtschnst: S. Sli-gUinilcr: ScwertsckisfUsdrwcgura: 3. Steinet: Feuilleton: St. Sohn(ächiloasli: Lotolc, und SouMges: Fritz tlorstädt; Anzeigen: Th. Slocke; sämtlich in Berlin. Seriao: Bormärts-Vecloz S. m. l>. H., Berlin.. unh Berlogsanstalt Paul Singer u. To.. Berlin SW. KS. Hierzu? Beilagen. Druck: �Born>äri».Vuchdr>! tiaibf, Pfd. 0.56 Dan. Schweizer»vett..Pfand 0.64 SieinbuscheraBriekäseToiu 0.70 Tilsitcrkfise Tocfeit... Pfand 0.70 Schweizerkf.se bayr.rom.m*n 0.5 5 Margarine ii.Kckoslc'1 Pfand 0.32 Roh- u.Bratenschmalz Pfand 0.44 Molkcreibuücr.. Pfand 1.32 Allcrf. Markenbutter.Pfand 1.62 WERTHEIM Zusendung von 5 M on, sowoil Vorrot. Leicht verderblich« Artikel werden nicht zugesondt. (SWige JßebensmSttel Gemüse Frisches Fleisch Kalbshaxc pm. 0.34 Kamm 0.40 Ka'bsbrust u.-Rücken Pfand 0.50 Kalbskeule........ Pfand 0.62 Kalbsroulade...... Pfand 0.88 Kalbsschnitzel...... Pfund 1.12 Schweinebauch..... Pfand 0.58 Schwcincschultcr.... Pmnd 0.64 Schwcinekammu.-Schuftpid. 0.68 Schweinekotelett.. Pfund an 0.70 KaSlerkammu.-Schutt Pfand 0.65 In Berliner Braf wurst.Pdind 0.74 Herzen m 0.44 Backe Pfund 0.38 Lunge Pfand 0.32 Euter Pfand 0.24 Mast-Ochsenffieiseh Ssppenfl. pfd» 40 Pf. Feiilripp8prd.cn HHp». Schmorll. � EE pe. Roulade Kd.cn Fisn*n an v». o V Pf. Wildscfswe n Pfund von an« Pf. Pf. Rihfieistfi Ms» Pfund von on Vdm Pf. I.38 Konserven � Junge Schnittbohnen.... 0.42 Junge Erbsen 048... fem 0.98 Kaiserschoten......... 1.30 Leipziger Allerlei....... 0.78 Gem. Gemüse fem 1.25 mmeiL 0.85 Br.SpargelezfratUrkl.90 Abtdm. 0.35 Stang.-Spargelso.aol.SOniHei 1.75 Sellerie. 0.58 Apfelmus. 0.48 Pflaumen 0.58.. ohne si-w 0.72 Erdbeerenl.10 Pfirsichc/.pr. 1.15 Erdbecr-Konfitüre A GO 2-Pfund-Elmer UeS O Fflien gefroren Pfund von an GänSe gefroren Pfund von an Hühner frisch Pfund von an Wildenten Stück von an 25«. Rosenkohl 2 Pfand___.„ Rot-,Weib-fWirsingkohl pm. 0.07 Möhren xava-ch«,.... 3 Pfand 0,10 Teltowcr Rübchcn..2 Pfund 0.25 Schwarzwurzeln...2 Pfand 0.25 Rote Rüben..... 3 Pfund 0.14 Kolonialwaren Eiersrönlttnudeln p:und d&lüpr. Linsen....... Pfand 0.12 0.18 Wcifee Bohnen Pfand 0.12 0.18 Viktoria-Erbsen Pfand 0,17 0.22 Reis BrndiPld.0.12 Tat. Pfd. 0,15 0.22 Spaghetti____ Pfand 0.65 0.78 Backobst.(nnUcM. Pfand Ü.35 0.52 Birnen kaiuornudie. Pfund 0.43 0.63 Pflaumen otm« stein. p<± 0.52 8.73 Pfirsiche kaUfoniljdie,Pfund 0.55 0.70 Ringäpfel amcrlt, Pfand 0.58 0.78 Gebr. Kaffee.... Pfand«n 1.68 Königskuchen m:i 0.4S ml! d\ sja mit Schokolade Anaae« und Rosinen 48. ... 0.50 Wein ÄS'aa 1931 Edenkcbener.. 1931 Obermoseler.. 1931 Frankwciler stetnade« 0.65 1930 B:rgzaberner Letten 0.75 1929Siefersh. Marfinsberg 1.10 1930 WVhlener Juffer.... 1.20 1929 Oberemmel. Riesling 1.35 1921 Chat. La Lagune... 1/0 Wcifjwein.. ui« 0.55 s ut-r 2.Ö5 Wcrmulh.. tu« 1.00 s um 4.75 Nr. 95• 49. Iabrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 26. Februar 4932 Stadtparlament und Ortssatzung Sozialdemokraten für Vereinfachung der Verwaltung— Um das Ansehen der Selbstverwaltung— Die Verantwortung der Stadtverordneten Die Sladkverorduekeuversammluuz ist vor die vcralllworlungsvcille Aufgebe gestellt, der Reichshauptstedl eine neue Ortsfahuug zu geben, die den Kampf um die Ztbgrenzuug der Zuständigkeiten zwischen Zenlralverwalkung und Dezirksämtern ein Ende bereiten soll. Der Magistrat hat in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der vezirtsbürgermeister einen Gesetzentwurf geschaffen, in dessen Mittelpunkt die Vereinheitlichung der Verwaltung steht. Der Entwurf ist im haushallsans- schuh durchberalen worden. Nachdem er in der ersten Lesung einige wichtige Abänderungen erfahren halte, die zum Teil in der zweiten Lesung wieder umgestoßen wurden, hatte der Ausschuh gestern vormittag die Sesamtvorloge mit den Abänderungen abgelehnt. Zw Stadlparlament stand man nun. wie der volksparleiler Dr. Caspary als verichlerstaller betonte, eigentlich vor einem Vakuum. Die Debatte über die für das kommunalpolitlsche Leben verlins und für das Ansehen der Selbstverwaltung so wichtigen Vorlage wurde durch eine Erklärung des Oberbürgermeister s erösfnet. mit der er noch einmal an das Veranlwortuugs- bewuhtsein der Stadtverordneten appellierte, versagt nämlich die Sladtverorduetcnversammlung, kommt sie zu keinem Beschluß, so greift dle Zlussichksbehördc ein und verfügt von sich ans eine neue Orlssahung. Zu eluer außerordentlich geschickten Rede, dle von dem fast vollzählig erfchleueneu Magistrat und dem Hause mit aller- größter Aufmerksamkeit angehört wurde, arbeitete der Vorsitzende der sozialdemokrallscheu Fraktion. Genosse Erich Flatav, den allein von sachlichen Gesichtspunkten dikklerten Standpunkt der Sozialdemo- kraleu heraus. Der Maglstraksentwurf stelle eine sehr gesunde und akzeptable Basis für die Schaffung eines neuen Orlsstaluts dar. und die Sozialdemokraten würden ihre Zustimmuug zn dem Entwurf nur geben könneu, wenn dle hauptgesichlspunkle des Entwurfs nicht durch Abänderungsanträge verändert würden. Einen rhetorischen Genuß bildete die Auseinandersetzung des sozialdemokratischen Red- uers mit dem Sladlmedizinalrat Drygalskt. der den Ehrgeiz zu haben scheint, seinem Dezernat immer neue VerwaltungseinrichWageu anzugliedern. So wünscht er, daß das Rudolf-Virchow- Krankenhaus zentral verwallet wird, obwohl dann über SOOll Krankenbetten allein der Kontrolle der Zenlralverwaltnug unter- stehen würden. Flalau schloß seine Rede mit der Fellstellung, daß die sozialdemokratische Fraktion auf die hohe vcranl- wortung und die vstichl der Stadtverordneten, an einer so wichtigen Selbstverwaltungsarbcil entscheidend mitzuwirken, nicht erst gestoßen zu werden brauchte.— Die Versammlung hatte vorher in nament- sicher Abstimmung einen Antrag auf Beseitigung der Getränke- st euer angenommen. Der Magistrat wird diesem Beschluß sedoch nicht beitreten können, weil bei einer Nichterhebung dieser Steuer die Reichszuschüsse, die zur Zeil 4 Millionen Mark für Berlin be- tragen, gesperrt würden. .»■ Die gestern abgehaltene Stadwervrdnetenversammlung eröffnete der Vorsteher Teno sie haß mit einem ehrenden Nachruf auf den in der vergangenen Woche verstorbenen Stadtverordneten Ge- nosien Weinberg. Die Versammlung ehrte Weinbergs kommunal- politisch« Tätigkeit und das Andenken an den Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. An Stelle Weinbergs wurde Genosse Lösche als Stadtverordneter verpflichtet. Vom Magistrat waren der Versammlung fünf Dring- llchkeitsvorlogen eingereicht worden, deren wichtigste der Erlaß eines neuen Ortsgesetzes über die Straßenreinigung und die Straßenreinigungsgebühren, die Herabsetzung der Entwässerungs- beitrage und die Herabsetzung der einmal zu leistenden Gebühren für den Anschluß an Leitungswasserleitungcn sind. Die Vorlagen gingen ohne Debatte an den haushaltsausschuh. An einen Sonder- ausschuh gingen eine Anzahl von Dringlichkcitsvorlagen der Kommunisten, der Deutschnationalen und der Wirtschaftspartei, die den B i e r st r e i k der Berliner Gastwirte zum Gegenstand haben. Die Anträge fordern insbesondere die Herabsetzung der Bier- und Schankverzehrsteuer. Nach der Verabschiedung einer Reihe Grund- stücksver- und-ankaufe, wandte sich die Bersammlung der zweiten Beratung der neuen Ortssahung, die die Zuständigkeit der zentralen und der örtlichen Bezirksoer- waltungen regelt. Nach einem eingehenden Bericht von den Aus- Dr. Easchiri(Sp.) erstattet« schußoerhandlungen. den Stadw. äußerte sich zunächst Oberbürgermeister Dr. SaHm. der einige grundsätzliche Bemerkungen zu dem neuen Ortsgesetz machte. Er betonte, daß dos neue Ortsgesetz nur auf die Verwaltung und nicht auf das Mitbestimmungsrecht der gewählten städtischen Körperschaften bezöge. Die Einheitlichkeit der Verwaltung solle gewährleistet sein, Doppelarbeit vermiedeii, mit einem Minimum von Mitteln soll ein Maximum von Leistun- gen erreicht werden. Wenn das neue Ortsstatut oerabschiedet sei, wird man sich an die Reorganisierung der Verwaltung machen. Für die sozialdemokratische Fraktion stellte Genosse Erich Klatau in den Vordergrund seiner Ausführungen, daß die Sozialdemokraten jetzt wie immer für eine st arte Zentralisation der Ver- w a l t u n g eingetreten seien, ohne dabei eine Uebcrspitzung des Gedankens zu wollen. Eine gut funktionierende Zentralisation sei die beste Gewähr für eine einheitliche Verwaltung, die wiederum. eine gleichmäßige Verteilung der Ausgaben der Stadtgcmcinde er- Zuspitzung im Bier-Boykott Offene Lokale, aber kein Bier— Kündigung von Gastwirtsangestellten Im Laufe des gestrigen Tages haben viele Berliner Gastwirte die letzten Rest« des vorhandenen Biers ausgefchänkt. Trotzdem werden die Lokale weiter offen gehalten. Inzwischen hat sich im Verbandsbüro der Berliner Gastwirte eine Zentral streik- l e i t u n g ronstituiert, zu der noch rund 4» örtliche Streik- leitungen in den einzelnen Stadtteilen kommen. Besondere Trupps von Funktionären werden versuchen, auch die bisher abseits stehenden Gastwirt« zum Anschluß an die Boykottbewegung zu bewegen. Ungeklärt ist allerdings noch die zukünftige Hand- habung des Flaschenbierverkaufs. Unentwegte Bier- trinker können sich nämlich noch aus geraume Zeit hinaus bei Kolonialw arenh ändlern, Grünkramgeschäften und Milchhandlungen genügend Flaschenbier verschaffen, wodurch die Bewegung der Gast- wirt« sehr behindert würde. Die Zenkralstreikleilung ist deshalb an die Berbände der Flaschenbier verkaufenden Geschäfle herangetreten. um diese zum Anschluß an den Bierboykott zu bewegen. Allerdings stehen diese Geschäft« der Boykottbewegung sehr kühl gegenüber. heute vormittag wird der Verein der Brauereien Berlins zu der Bewegung der Gastwirte Stellung nehmen. Wie uns mitgeteilt wird, haben bereits am Mittwoch verschiedene Gast- wirte das ihnen angelieferte Bier nicht mehr abgenommen und zurückgehen lassen. Dieses Vorgehen ist im Laufe des gestrigen Donnerstag noch schärfer in Erscheinung getreten/ Die GastwZrt«. weigerten sich, von den Bierfahrern Bier abzunehmen so daß die Fahrzeuge unverrichteter Dinge zurückkehren mußten. Die von den Brauereiunternehmern zu fassenden Beschlüsse-sind insofern von außerordentlicher Bedeutung, als sie da« Schicksal von rund 6000 Berlluer Brauereiarbeilern betreffen. Wie wir von fachmännischer Seite hierzu hören, kann keine Rede davon sein, daß alle in den Berliner Brauereien beschäftigten Arbeiter zur Entlassung kommen. Der Verband der Nah» rungsmittel» und Getränkearbeiter hat jedoch vor- sorglich von seinen Betriebsvertrauensleuten Berichte eingefordert, um bei einer Zuspitzung der Lage sofort entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können. Nach Meldungen, die beim haupworstand dieses Verbandes eingelausen sind, müssen infolge des Hamburger Bierboykotts gegenwärtig 300 Hamburger Brauerei- arbeit er feiern. Bei einer Berfchärfung der Lage wird man auch in Berlin mit dem Aussetzen von schätzungsweise 700 Arbeitern zu rechnen haben. Verständlicherweise stehen deshalb die Brauerei arbeiter der Bewegung der Gastwirte sehr reserviert gegenüber, zumal viele Gastwirte bei früheren Streiks der Brouergesevcn jegliche Solidarltök vermissen llcßen und mit Hand-, ja selbst mit Kinderwagen sich Bier von den Brauereien geHoll haben. Eine ähnlich« hallung nimmt der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caföhausange st eilten ein. Wenn eine offizielle Stellungnahme dieses Verbandes auch noch nicht vorliegt, so steht man doch grundsätzlich aus dem Stand- punkt, daß die Jnteressenkämpfe der Gastwirte nicht auf dem Rücken der Angestelltenschaft ausgetragen werden dürfen. Es liegen im Berbandsbüro bereits Meldungen vor, daß größere Nestau- rationsbetriebe ihr« Zapfer gekündigt haben. Ein bekanntes Bierhaus am Zoo hat allein 3 Zapsern die Kündigung zugestellt. Unter diesen Umständen wird es der Sache der Gastwirte nicht dienlich sein, wenn sie«ine Arbeitergruppe nach der oilderen gegen sich aufbringen. Brauereien verhondtunosbereit. � � DSt' V er e'kn Bbt'' Briruereie'n Berlins- n n ö Umgegend teilte gestern abend folgendes mit: Di« Berliner Brauereien haben in einer heute(Donnerstag). nachmittag stattgefundenen Sitzung zu dem von der Lokallommission der Gastwirtsvereinigungen Groß-Berlins gestern(Mittwoch) proklamierten Bierstreik Stellung genommen. Die Brauereien haben beschlossen, mit der Lokalkommission der Gastwirtsvereinigungen i» Verbindung zu treten, mn zu prüfen, ob ein gemeinsames Vorgehen zur alsbaldigen Beilegung des Bierstreiks möglich ist. Diese Bcr- Handlungen finden voraussichtlich bereits morgen(also heute, Freitag! D. Red.) stall. tzus dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. Per Schub nach Sibirien. Wir wurden in einen engen und schmutzigen Waggon oerladen. An seinen beiden Schmalwänden hingen zwei Laternen mit Stearinkerzen und beleuchteten mit ihren trüben und schwankenden Flämmchen die menschlichen Sichouetten ihres engsten Umkreises. In der Wagenmitte war es völlig dunkel. Ein quälender Karbolgeruch mischte sich mit dem Ge- stank schmutziger Kleidung, lange getragener Fußlappen, leder- ner Stiefel und mit tausend anderen widerwärtigen Gerüchen. Alles war mir so ungewohnt, daß ich Schwindel und Uebelkeit empfand. Bis zur Ankunft in Nikolsk-Ussuriisk gab es nicht die geringste Freiheitshosfnung. Da hieß es, sich selber fest in die Hände nehmen, sich fügen und so tun, als sei man das alles gewohnt, als sei nicht die geringste Aenderung in der Lebensform eingetreten und als sei alles stets so gewesen wie jetzt. Die Luft wurde immer dicker, der Gestank unerträglich. Bon den Häftlingen im Waggon waren manche schon seil Monaten von einem Gefängnis zum andern unterwegs, hatten monatelang nicht gebadet, monatelang nicht die Wäsche ge- wechselt und strotzten von Läusen. Von diesen war jeder so- zusagen eine selbständige Quelle von Gestank. Wenn man nur hätte die Fenster öffnen können! Daß man hinter Gittern sei, daß man von einer Eskorte bewacht wurde,— ach Gott, was lag daran? Nur Luft, frische Luft! Vor der Tür stand ein Posten. Nach langen Bitten und Versprechungen erklärte er sich einverstanden, die Tür einen kleinen Vpalt breit zu öffnen. Ein Strom wundervoll frischer Lust schoß herein. Ich atmete tief und beglückt. Aber schon erhob sich Protestgeschrci: ,,Es wird ja kalt! Zumachen!" Natürlich: mag es stinken, wieviel es will, wenn es mir warm ist! Diese Furcht vor frischer Luft, diese Unempfindlichkeit gegenüber Gestank und Dumpfheit hatte ich schon früher manches Mal beobachtet, nicht nur im Gefängnis, sondern auch in der Freiheit. Ich hatte viele Wohnungen gesehen, in denen wachen- und monatelang kein Fenster aufgemacht wurde, wo die Dumpfheit der Atmosphäre, die Gerüche von hundert kleinen Dingen des Hausrats, Lunipen, Schuhwerk, Lebensmitteln und Geschirr sich im Laus der Jahre in Möbeln und Wänden eingenistet hatten, bis die Wohnungen selbst ein einziger Gestank wurden und damit die Bewohner für ihr ganzes Leben mit dem beglückenden Hochgefühl warmer und häuslicher Geborgenheit erfüllten. Man konnte sich nirgends hinlegen. Eingekeilt hockte ich in einer Ecke und versuchte einzuschlafen. Aber an Schlafen war ebensowenig zu denken. Dafür sorgten dröhnende Schnarchlaute, das plötzliche Geschrei schlaftrunken Auf- fahrender, die Stickluft. Ich grüble darüber nach, wie verquer es mir mit meinem Leben ergangen ist. Weil ich mich der Militärbehörde erst nach Ablauf der vorgeschriebenen Zeit gestellt habe, darum bin ich meiner Freiheit beraubt, darum werde ich per Schub nach Nikolsk-Ussuriisk befördert, wo ich meine Militärzeit ab- dienen soll. Mehr als zehntausend Kilometer liegen noch vor mir. Wieviel Gefängnisse und Militärarrestanstalten! Wieviel Städte! Kiew. Kursk, Pensa, Samara. Tscheliabinsk, Omsk, Krasnosarsk, Jrkutsk, Tschita, Mandschurija, Nikolsk... Diese erste Nacht verlief qualvoll. Und wieviel solcher Nächte mochten noch vor mir liegen?... An einem sonnigen Frosttag kamen wir in Kiew an. Nach dem unendlichen Nachtgestank schien mir der Tag eine einzige grenzenlose Herrlichkeit. Indessen stieß man uns sofort in einen Straßenbahnwagen und transportierte uns zum Durch- gangsgefängnis. Der Wagen hatte Holzlatten statt Fenster- scheiben. So bekamen wir unterwegs nichts zu sehen. Dann hielten wir vor dem Gefängnis. Wie alle Durchgangsgefängnisse zeichnete sich auch das Kiewer durch Schmutz, Feuchtigkeit und Gestank aus. Die be- sondere Bestimmung der Durchgangsgefängnisse, wo unent- wstft große Mengen zerlumpter, mit Läusen übersäter Haft- lmge durchpassieren, bringt dos so mit sich. Die Verhältnis- mäßig kleinen Zellen waren unbeschreiblich überfüllt. Die Belegschaft der Gefangenensammelstellen und Durch- gangsgefängnisse bestand zum größten Teil aus Paßlosen, die von allen Enden Rußlands her an ihre Heimatorte abtrans- portiert wurden. Meist niaren es obdachlose, hungrige, bettelnde Landstreicher, für die das Wort Heimat den ersten besten Ort bezeichnete, wo sie nicht gerade Hungers zu sterben brauchten, und wo sie einen Winkel fanden, in dem sie die Beine von sich strecken und schlafen konnten. Viele von ihnen namentlich im Winter, stellten irgend etwas an,»ur um ins Gefängnis zu kommen und dort in der Wärme täglich ihre Brotportion zu empfangen. Ihre Ausweispapiere pflegten sie zu vernichten, und wenn sie verhaftet worden waren, gaben sie ihren Namen nicht an: erst wenn der Frühling begann, nannten sie ihren Heimatort und wurden dann zur Jdentifi- zierung dorthin abgeschoben. Das zweite Kontingent bildeten die„richtigen" Ber- brecher oder solche, die unter dem Verdacht eines Verbrechens verhaftet worden waren und jetzt zwecks Untersuchung und Aburteilung zum Tatort transportiert wurden. Dann kamen die zu lebenslänglicher Ansiedlung in Sibirien Verurteillen und die zur Zwangsarbeit Berschickten, unter denen viele„Politische" waren. Man erkannte sie unter den übrigen Häftlingen der einzelnen Transporte auf den ersten Blick daran, daß sie Gefangenenkleidung und Fußsesseln trugen. Beim Transport vom Gefängnis zur Eisenbahn und unigekehrt wurden sie außerdem paarweise mit den Handgelenken aneinandergefesiest. Im Durchgangsgesängnis wurden sie in einer besonderen Zelle untergebracht. Aus dieser Zelle hörte man Tag und Nacht den metallischen Klang der Ketten, die der Verurteilte ja mit jeder einzelnen Bewegung zum Klirren bringen mußte. Dieser Ton hallt laut in den Zellen und Korridoren des Ge- fängnisses wider. In der Zelle herrschte, ebenso wie in der vorigen Nacht im Eisenbahnwagen, ein grauenvoller Gestank. In einer Ecke stand der berüchtigte„Kübel" aller russischen Gefängnisse. Das war ein riesiger hölzerner Behälter, der morgens von zwei Häftlingen an einer dicken, über die Schulter gelegten Stange hinausgetragen wurde. Während der Nacht füllte er sich bis zum Rande. Aus der Ecke, in welcher der Kübel stand, verbreitete sich in der ganzen Zelle ein schwerer, in Keble und Nüstern beißender, ekelerregender Ammoniakgeruch. Vierzig Menschen wärmten mit ihren dünstenden, viele Monate lang nicht gewaschenen Leibern ihre schmutzigen, stinkenden Lumpen: auf Pritschen und Bänken trockneten schmutz- und schweißdurchtränkte Fußlappen. Dabei standen vierzig Paar abgelatschter, schmutziger, zerrissener Stiefel und Schuhe. (Fortsetzung folg!.) Gerechtigkeit für die Gastwirte Wie die Krise zur Verelendung eines Berufsstandes führt Ein parleigcnössischcr Gastwirt sendet uns folgende Dar. legungen über die trostlose Lage von vielen seiner Kollegen, die wir gerne zum Abdruck bringen. Wenn der„Vorwärts" in der vorigen Woche schrieb, die Gast- wirte müßten einsehen, daß Reich und Kommune aus die Einnahmen aus den Bier- und Getränke st euer» nicht verzichten könnten, und daß die Gastwirte bei Beseitigung dieser Steuern den Einnahmeausfall durch andere Steuern wieder decken müßten, so klingt das sehr plausibel. Berücksichtigt wird aber nicht die Tat- suche, daß bei einer großen Anzahl Gastwirte die Zahlung von direkten Steuern entweder schon aufgehört hat oder demnächst aus- hören wird, weil keine Mittel mehr vorhanden sind und weil die Pfändungen fruchtlos ausfallen. Ich glaube nicht zu über- j treiben, wenn ich behaupte, daß heule 75 Proz. besonders der kleineren Gastwirte ruiniert sind oder vor dem Ruin stehen! Ihre Lage ist vielfach hoffnungsloser als die eines Erwerbslosen mit Unterstützungsberechtigung, weil sie, die meistens in höherem Lebensalter stehen, überhaupt keine Aussicht mehr haben, irgendwo in den Produktionsprozeß eingereiht zu werden. Sie sind um so verzweifelter, weil sie heute am Grabe ihrer Hoffnungen stehen, da die Ersparnisse, die sie in besieren Zelten unter Entbeh- rungen aller Art inachen konnten, heute vernichtet sink». Eine große Anzahl von Gastwirten ist seit Monaten mit der Miele im Rückstand. In manchen Fällen— von denen mir einige persönlich bekannt sind— leitet der Hauswirt nach zwei Monaten die Räumungs- klage ein. Der Gastwirt wird verurteilt, die laufende Miete pünkt- lich und von dem Rückstand monatlich 5 bis 10 Prpz. laufend zu zahlen. Ist er dazu nicht imstande, so erfolgt die Exmission. In nianchen Fällen, wenn die Brauereischuld nicht allzu hoch ist, entschließt sich auch die Brauerei, mit einem Darlehen ein- zugreifen, macht aber dann, wie mir zu Ohren gekommen ist, zur Bedingung, daß sie in den Mietvertrag eintritt. Wie konnte es zu diesen Zuständen kommen? Seil 1923 ist die Derdicnslspanne für die in den Gastwirk» schasten xehandelten Artikel tnehr und mehr gesenkt worden. Die durch die Steucr.erhöhungen bedingte Verteuerung und die Wirtschaftskrise verursachten einen katastrophalen Ab- satzrückgang, und die Sondersteuern für Gastwirte wurden immer höher. Im Jahre 1928 betrug die Verdicnstspanns bei Zigaretten, die für den Gesamtumsatz eine erhebliche Bcdeu- tung haben, 25 bis 28 Proz., heute 16 bis 20 Proz. Beim Bier betrug die Verdienstspanne 1928 43 Proz., jetzt 36 bis 40 Proz., dabei muß aber der ungeheure'Absatzrückgang berücksichtigt werden. Die Verbilligung des Hektoliterpreises um 2 Mark wird, wenn man den Gesamtumsatz in den Lokalen be° rechnet, aufgewogen durch die Erhöhung der Umsatzsteuer auf 2 Proz. Trotzdem müssen die Gastwirte das Bier um 4 Pfennig pro Liter billiger oerkaufen. Das bedeutet für viel«, die sowieso nicht inehr japsen konnten, den Tropsen, der das Faß zum Ueberlausen bringt. Daß der Spirituosenkonsum auf einen Bruchteil von ehemals zurückgegangen ist, hat sich ja schon aus den Berichten der Monopolverwaltung ergeben. Wie man die Verbilligung auf Kosten d e�r G a st w i r t e durchführen will, dafür ein kleines Beispiel: Die Flasche Bock- b i e r kostete bisher im Einkauf 30 Pf. und wurde mit 35 Pf. verkauft. Räch der Verbilligungsaktion beträgt der Einkaufspreis . 29� Pf., der Verkaufspreis soll nach Dr. Goerdeler um mehr als 2 Pf. gesenkt werden. Es bleibt also nach Abzug der Umsatzsteuer ein Verdienst von netto 2 Pf. das sind 6V4 Proz. Damit hört der Handel aus, eine lohneirde Beschäftigung zu sein. Die klugen Leule vom Finanzamt aber schätzen den Gastwirt mit 15 Proz. seines Gesanrtumsatzes zur Einkommensteuer ein, trotzdem wahrscheinlich in keinem Gewerbe die Spesen für Licht, Heizung, Miete usw. so hoch sind wie bei den Gastwirten. Und danach werden alle übrigen Steuern berechnet. Die Folge dieser Zustände ist die Vernichtung von Tausenden von kleinen Existenzen. In meiner Nach- barschost ging ein Gastwirt mit 4000 Mark Eigenkapital vor etwas über einem Jahr in ein Lokal hinein, nach einem Jahr ging er mit 400 Mark wieder heraus. Ein alter Kollege, der seit Jahren in seinem Lokal wirtschaftet, hat im Laufe der letzten beiden Jahre seine Ersparnisse im Betrage von über 3000 Mark aufgebraucht und ist jetzt am Ende seines Lateins. Mir persönlich geht es so. daß ich Micke vorigen Jahres meine Zugehörigkeit zur Krankenkasse und nach 29jähriger Mitgliedschaft meine Zugehörigkeck zur Gewerkschaft ausgeben mußte, weil ich die 15 Mark monatlich, die beides zusammen erforderte, nicht mehr aufbringen konnte. Daß das einem alten Gewerkschafter, der während seiner Berusstätigkeck fast ständig Funktionär gewesen ist, nicht leicht fällt, werden Sie begreifen. Wäre ich nicht seit 1900 ununterbrochen Abonnent des„Vorwärts— mein Bat er war es schon von 1888 bis zu seinem 1900 erfolgten Tode—, ich glaube, daß ich dann auch schon mein Leib- und Magenorgan abbestellt hätte, um. dos Geld zu sparen. Mit der Miete wäre ich auch längst weit im Rückstand, wenn nicht Verwandte, die selbst auch nichts übrig haben, immer wieder mal einspringen würden. Aber was ist dos für ein Leben, wenn man sozusagen aus Mildläligkeit angewiesen ist. während man sich noch fähig fühlt, den Kamps mit dem Leben selbständig zu führen? Es handelt sich heute nicht mehr um Einzelschicksale, die gegen- über der Gesamtheit nicht ins Gewicht fallen. Es handelt sich hier um den Existenzkampf einer ganzen Lerufsgruppe, und wenn diese paar tausend Familien nicht mehr als Steuerzahler, sondern als Wohlfahrtsunterstützungsempfänger in Betracht kommen, so er- gibt das einen erneuten Einnahmeaussall und eine höhere Belastung für Städte und Staat. Schutz der Mutter, Schutz dem Kinde! Die Entwicklung des deutschen Gesundheitswesens mögliche. Dabei sind wir allerdings der Meinung, daß es abzu- lehnen fei, wenn etwa gewisse Stadtrate mit ollen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für eine Bereinigung aller Aufgaben des Dezernats in ihrer Hand eintreten. Wir wollen nicht, daß die ein- zelncn Bezirke blutleere Körper ohne eigenes Leben werden. Die Sozialdemokraten hätten, so fuhr Genosse F l a t a u fort, die Magistratsvorlage izls eine sehr gesunde Basis für die Ber- Handlungen im Ausschuß angeschen: sie wären mit Ernst an die Verabschiedung der Vorlage durch die städtischen Körperschaften herangegangen, um dadurch ein gutes Stück Selbstverwaltungsarbeit zu leisten. Flatau ging dann auf einzelne Puiikte der Vorlage ein. So mußte z. B. dos Aufgabengebiet der H o ch b a u v« r w a l t u n g klar herausgearbeitet werden, um zu einer unanfechtbaren Einheit- lichkcit und damit zu Ersparnissen zu kommen. Di« Sozial- dcmokraten würden gerade das Gebiet der Hochbauverwaltung zum Anlaß nehmen, von der iiiiveränderten Annahm« der Vorlage die Zustimmung zum ganzen Ortsstatut abhängig zu machen. Etwaige Zusatzantröge würden die Sozialdemokraten nur annehmen, wenn dadurch keine Abschwächung der Bestimimlngen der Magistratsvor- lag« eintrete. Neben diesem Punkt sieht die sozialdemokratische Fraktion die Frage der Schulverwaltung mit als den wich- tigften Teil der Vorlage an. Die Durchführung einer einheitlichen Schulverwaltung sähen die Sozialdemokraten in dem Verlangen an den Magistrat, zu prüfen, wie, nicht nur in den Bezirken 1 bis 6, sondern auch in den anderen Bezirken, die Schulverwallung in bczug auf die Vereinfachung zchammengesaßt organisiert werden kann. Eine Entschließung, die die baldige endgültige Regelung der Schulangelaenheitcn in den Bezirken 1 bis' 6 betraf, wurde von Flatau eingebracht. Bei den Aufgaben der Gesundheitsver- w a l t u n g bemängelle der Redner, daß beispielsweise das Virchowkrankenhaus in die zentrale Verwaltung übernommen werden soll. Es scheint, als ob nicht bei allen Mitarbeitern des Stadtmedizinalrats allein praktische und organisationstechnische Gesichtspunkte ausschlaggebend waren, sondern daß man vielmehr bestimmte Interessensphären verteidigen wollte. So wie die Sozial- dcmokraten das Verbleiben des Virchowkrankcnhauses in der Ver- waltung des zuständigen Bezirksamts verlangen, so träten sie auch dafür ein. daß die Heil- u n d P f l e g c a n st a l t in Buch und das städtische Obdach in der Fröbelstrah« der Verwaltung der zuständigen Bezirke verblieben. Genosse Flatau schloß seine Aus- führungen mit dem Hinweis darauf, daß es gegnerischen Fraktionen schwer fallen werde, nachzuweffcn, daß für die Stellung der sozial- deinokratischen Fraktion zum neuen Ortsgesetz andere als streng sachliche Gesichtspunkte maßgebend waren. Die Sozialdemokraten nehmen an, daß der Oberbürgermeister mit Energie die Borlage an den übergeordneten Stellen vertreten wird. Wir haben gezeigt, daß wir als Stadtverordnete nicht erst auf unsere Pflicht zur Lei- stung von Selbstverwaltungsarbeit auffnerksam gemacht werden mußten. Nach den Ausführungen der S tadtverordneten Wisnewfki lkomm.) und von Iecklin(Onat.) wurde die Sitzung nach 21 Uhr vertagt.> Berlin im preupeneiat �932. Veranlaßt durch die neuen Spormaßnahmen der preußischen Regierung sind die Anforderungen des neuen preußischen Etats für Berlin recht mager ausgefallen und beschränken sich auf die notwendigsten Zlusgaben. Die Forderungen für Berlin stellen sich wie folgt dar: 254100 M. als einmalige Ausgaben für die U n i- versitär Berlin, 200 000 M. für den Neubau einer Augen- k l i n i k, 52 500 M. zur Erweiterung des C h a r.j t ü- K r a n k e n- haufes Berlin, 415.150 M. für die technische Hochschule Berlin, und zwar 325 0Qll. M.. für die Erweckexungsbauten an der Hardcnbergstraße, 30 000 M. zur Instandsetzung der St.-Hed- w i gs- Ka t h e d ra le in Berlin, 30 000 M. als Beihilfe zu den Kosten baulicher Unterhaltung am Berliner Dom, 400 000 M. zum Neubau eines Polizei-Dienstgebäudes und einer Polizeiunterkunft in Berlin-Köpenick, 360 000 M. zum Ausbau der übrigen Berliner Palizeiunterkünft«, 200 000 M. zum Ausbau des Staatskranke nhaujes der Polizei in Berlin, 60 000 M. zum Ausbau des ehemaligen Stadtvogtei-Gefängnijses in der Dirckfenstraße in Berlin zwecks Erweiterung des Polizeipräsidiums, 35 000 M. für den Neubau des Pathologischen Instituts der Ber- liuer Tierärztlichen Hochschule, 45 000 M. zum Neubau einer Zen- tralheizung im Schloß Nieder-Schünhausen, das bekanntlich unter Denkmalschutz steht, aber keine Heizung besitzt, so daß ein Versall des Schlosses droht. Frau im Hausflur überfallen. Vom Räuber niedergeschlagen und schwer verletzt. Das Opfer eines schweren Uebcrfalls wurde eine Frau Frieda F. aus der K r u ni m e Straße in Charlottenburg. Als sie abends gegen 10 Uhr heimkehrte, trat mll ihr zusammen ein Mann ins Haus, von dem sie annahm, daß er auch dort wohne. Auf dem Podest des ersten Stockwerks fiel der Mann die Frau plötzlich an,- schlug sie zu Boden und entriß ihr die Handtasche, die 10 M. bares Geld enthielt. Auf die Hilferufe der Ueberfallensn eilieu Haus- bcwohner herbei. Der Täter war aber bereits entkommen. Frau P. mußte ins Krankenhaus gebracht werden, wo sie mit einem schweren Nasenbein- und Kiefernbruch daniederliegt. Der Mann hatte sie anscheinend schon geraume Zeit verfolgt, ehe er sie auf der Treppe überfiel. Die Ucbersallenc ist noch nicht-oernehmungs- fähig-_ Handtaschenraub in Charlotteuburg. In der Lietzcnburger Straße in Charlottcnburg wurde gestern abend ein frecher Handtaschenraub verübt. Als die 53 Jahre alle Frau Jenny 4>. den Flur des Hauses, Lietzenburger Straße 43. betreten wollte, stellte sich ihr ein etwa 20jähriger Bursche entgegen und entriß der Frau unter Drohungen die Handtasche, die 40 M. enthielt. Mit der Beute flüchtete der Räuber und entkam..Die polizeiliche Verfolgung verlief ergebnislos. H,lt»crtaulchl! Am er. Februnr ist in der Neuen Welt beim Führcrapvell der Eisernen Front ein v r a u n c r Filzliut gegen einen g r a» c n Filzhut nertaustht worden. Eventuelle NUckfragc Mite zu richten an Genossen Gerhard G a h m c n, Johannisthal, Friedrickjstr. IS. Im Gesundheitsamt Kreuzbcrg wurde gestern der zweite Teil des von der R e i ch s r e g i e r u n g auf der I n t e r- nationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden ge- zeigten Anschauungsmaterials über die Entwicklung des deutschen Gesundheitswesens den Berlinern zugänglich gemacht. In bildhaften und statistischen Aufzeichnungen wird das so überaus wichtige, besier gesagt das wichtigste Gebiet gesundheitlicher und sozialer Fürsorge, der Schutz für Mutter und Kind, beleuchtet und erörtert. Mit dem gesetzlich festgelegten Schutz der Schwangeren und ihrer fürsorgerischen Betreuung vor und nach der Entbindung erfaßt die Fürsorge in der Folge Mutter und Kind in ärztlicher, hygienischer und sozialer Hinsicht. Ueber die groß- artigen Erfolge all dieser fürsorgerischen Maßnahmen, die heute in der Zeit schwerster wirtschaftlicher Not aufs ernstlichste bedroht sind, sprachen, von Bürgermeister Dr. Herz begrüßt. Vertreter der Ee- sundheits- und sonstiger Reichsbehörden. Präsident Dr. Hamel voni Reichsgesundhcitsomt referierte über den derzeitigen G c- sundheitszustand in Deutschland. Zeiten wirtschastlicher Not bedeuten Zeiten gesundheitlicher Gefahr und so haben all die geschaffenen vorbildlichen Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge einen schweren aber erfolgreichen Kampf bestanden. Wir können auf eine ganz stark ver minderte Säuglings st erblichkeit zurückblicken, die sich wie folgt auswirkt: Im Jahre 1901 waren es 20,7 Proz., im Jahre 1913 nur mehr 15,1 Praz., im Jahre- 1930 sank die Ziffer bis auf 8,4 Proz. und das Jahr 1931 hat eine nochmalige Senkung zu verzeichnen Mit der verminderten Säug- lingssterblichkeit geht die allgemeine Sterblichkeitsziffcr Hand in 5iand, dies alles verursacht durch die erfolgreiche Krankheits- bekämpfung von Tuberkulose, Rachitis und L u n- g e n e n t z ü n d u n g bei den Kleinen. Krebs. Darmerkran- k u n g e n und Störungen des Blutkreislaufes bei den Erwachsenen. Ministerialdirektor Dr. G r i e s e r vom Reichsarbeits- Ministerium sprach über Familienversicherung und Mutterschutz. Er bezeichnete die Sozialversicherung als gleich- bedeutend und gleich wichtig mit der Regelung der arbeitsrechllichen Frage, die Sozialpolitik als dienende Helserin des arbeitenden Menschen. Vom Standpunkt dxs Eozialhygienikers beleuchtete Prof. Dr. Rott die Gegenwartsprobleme der Kinderfürsorge. Auch er sprmb von den starken Erfolgen auf dem Gebiete der Säug- lingsstcrblichreit durch das rechtzeitige Erkennen der Ernährungs- und Pslegeschäden. ebenso von der erfolgreichen Bekämpfung der verschiedenen Erkrankungen. Gleichzeitig aber drückte er seine Be- sorgnis für die aus der Notzeit sich ergebende Gefährdung der öffentliche n Gesundheitsfürsorge aus, die bereits ihre ersten Anzeichen in einem merklichen Ansteigen der Rachitis(eng- liühe Krankheit) zum Ausdruck bringe. Eb-nio wirkt sich die Ver- Minderung der Anstaltsunterbringung für Mütter, insbesondere bei den unehelichen Kindern, recht bedenklich aus. Zum Schluß sprach Stadtmedizialrat Prof. Dr. von D r i g a l s t i über die F ü r s o r g e für Mutter und Kind im Zeichen der Sparmaßnahmen und seine Worte klangen, gemeinsam mit all seinen Borrednern, in einer ernsten Warnung vor allzu schroffen Abbaumahnahmcn in der öffentlichen'Gesundheitsfürsorge aus. Gewiß wird es möglich sein, da und dort durch eine individueller gchaudhabte Fürsorge etwas einzusparen, auch soll eine engere Zusammenarbeit des praktischen Arztes mit dem Anstaltsarzt Bcreinfachungen in der Behandlung ergeben. Ebenso sollen medizinische und andere Sachleistungen einer besonders sorgfältigen Prüsung bezüglich ihrer Notwendigkeit unter- zogen werden. Eines aber müsse immer wieder betont werden: Nur durch eine bestens ausgebaute gesundheitliche und allgemeine Fürsorge können gesundheilliche Forffchritte erzielt werden und daniit eine Entlastung der öffentlichen Finanzen. „Der Sozialismus als geistige Entscheidung-. Ueber dieses Thema sprechen die Genossen Pros. Radbruch, Heidelberg, Prof. H e i m a n n, Hamburg, Prof. v. A st e r. Gießen, in der ersten Kundgebung der Soziali st ischen Hochschulgemein- schast" am Sonnabend, dem 2 7. Februar, 191- Uhr, im Saal des Reichswirtschaftsrates. Belleouestr. 15. Eintritt 50 Pf. Karten sind in den bekannten Berkaussstellen und an der Abend- lasse erhältlich.(Ermäßigte Karten für Studierende und Erwerbs- lose ebenfalls an der Abendkasse.) .F.amps dem krebs-. Auch in der letzten Woche ist die Aus- stellung über die Bekämpfung des Krebses im E u r o p a h o u s am Anhacker Bahnhos am Mittwoch und Freitag nur für Frauen ge- öffnet. Ferner wird am nächsten Donnerstag im Interesse der werktätigen Bevölkerung die Besuchszeit ausnahmsweise wieder bis 22 Uhr ausgedehnt. Acrztliche Führungen wie bisher am Mitt- woch 181-4 Uni, Donnerstag 17 Uhr,, Freirag ITA Uhr, Sonnabend 15 und 19 Uhr. Sonntag 12 Uhr und 17 Uhr. Außerdem findet alle halbe Stunde ein fesselnder Schallplattenoortrag über wichtige Fragen der Krebsbekämpfung statt. «eiuwrm nur in derapotheke- IHR SEINES EURER GESUNDHEIT SCHULDIG! 0€U � Echulklasie im Sklarek-Prozeß. Hof�manns Dienst am Kunden. ver Sklarek-Prozeh Halle gesiern vormillog uage- wöhnlichea Vesock), uämllch eine halbe Klasse eiaer Berliner Realschule. l5 Sekundaner, die unter Führung ihres Lehrers der Verhandlung beiwohnten. Zunächst gab der Angeklagte Städtbankdirektor ij o f f tu a n n eine lange Erklärung ab, in der er mir weinerlichem Ton beteuerte, daß er nicht mit der Wahrheit zurückhalte und niemanden schone. Er kam dann auf die P c r s o n a l s r a g e zu sprechen und betonte, daß das Personaldezernat in Händen des Mitangeklagten Direktors Schmitt lag, also die Entlassung ungeeigneter Beamten nicht seine Sache war. Als Oberstaatsanwalt Freiherr v. Steinäcker diese Er- klärung Hossmanns als prozessual unzulässig bezeichnete, erklärte Hofsmann, daß er dann nicht mehr in der Lage sei, der Verhandlung zu folgen, wenn seine Verteidigung beschränkt werde. Er setzte sich auch mit den Angriffen von Leo Sklarek auseinander und schloß seine Ausführungen mit den Worten:„Ich bin ein vollkommen un- schuldiger Mensch, mein Swlz war nur das Institut, an dem ich mit ganzem Herzen gehangen habe, und ich habe den Sklareks gegenüber nur das Gesetz des Di-enstcs am Kunden erfüllt. Der Vorsitzende veranlaßte dann, daß Stadtbantdirektor Hoffmann mit seinem Verteidiger Rechtsanwalt Bahn einen Platzwechsel vornahm. Hoffmann hatte nämlich seit einigen Wochen mit seinem Verteidiger hinter Leo Sklarek gesesien und dieses nahe Zusammen- sein hatte häufige Zusammenstoße veranlaßt. Um dies zu oermeiden, mutzte nun Hoffmann auf der gegenüberliegenden Anklagebank, wo bisher Stadtbankdirektor Schmitt saß, Platz nehmen, damit durch diese räumliche Trennung ein ruhiger Gang der Verhandlung ge- währlcistet wird. In der Nachmiitagsverhandlung wurde eine Reihe von Stadt- bankbeamten über den Geschäftsverkehr mit den Sklareks ver- nommen, die die bisher bekannten Tatsachen zum größten Teile bestätigten. Es kam trotz der Trennung der Plätze zu einem erregten Zusammenstoß zwischen Stadtbankdirektor Hosfmann und Leo Sklarek. Bemerkenswert war die Aussage des Oberinspektors Bade vom Bezirksamt Spandau. Bade war mit dem Stadtöber- infpektor Fabian, einem Revisionsbeamten der Stadtbank, be- kannt, der den Verdacht hatte, daß etwas mit den Bestellscheinen' der Bezirksämter bei den Sklarekschen Lieferungen nicht in Ordnung sei. Fabian setzte sich mit Bade in Verbindung, und Bade stellte fest, daß Bestellzettel gefälscht und Geldzahlungen fingiert worden waren. Dieses Ergebnis tollte er in der Giro- kasse der Siadtdank den Revisoren Fabian und Seidel mit, die davon den Direktoren Schmitt und Hoffmann Kenntnis gaben. Wie Bade gestern bekundet«, wartete er eine Stunde lang in der Stadt- banst daß man ihn vielleicht auch noch über seine Entdeckungen hören würde. Das geschah aber nicht, sondern die beiden Revisoren teilten ihm nur im Auftrage der Direktoren mit, daß er reinen Mund halten möchte, denn man könne� ihn wegen Geschäfts- und 5tteditschädigung belangen, falls die Sache nicht stimme. Bade gab dann noch den Sladtbankbeamten den Rat, das Sklareksche Konto zu sperren, damit man sich eventuell daran schadlos halten könne. Stadtbankdirektor Hofsmann räuinte die Mög- lichkeit ein, den Austrag zur Diskretion gegeben zu haben, bis die endgültigen Feststellungen getroffen feien, und Schmitt erklärte, daß er gerade Urlaub gehabt habe. Wie sie fälschen. In Eharlottenburg wurden dieser Tage Handzettel verteilt, auf denen die K o m m u n i st e n Arbeiter, Hausfrauen und Angestellte zum Besuch-einer Versammlung aufforderten, in der sie ihre Stellung zur Reichspräsidentenwahl als Kampf gegen den Faschismus bezeichneten. Als verantwortlich für den Druck und den Jichalt des Handzettels war unser Genosse Brend- ling angegeben, der seit 20 Jahren ununterbrochen der Sozial- demokratischen Partei angehört. Man ist es von den Kommunisten gewohnt, daß sie mit Vorliebe inlmunisierte Parlamentsmitglieder als verantwortliche Redakteure angeben: daß sich aber selbst zur Unterzeichnung eines lumpigen Handzettels niemand mehr aus ihkcn Reihen findet, läßt denn doch auf einen bedenklichen Mangel an Bekcnnermut schließen. Zumal Genosse Brendling in Eharlottenburg sehr bekannt ist und schon des- halb die Fälschung von vielen erkannt wurde. Iime Notkundgebung— Für Schaffung der Reichsarbeitslosenfürsorge Die Kreisabteilung Zauch-Rehig im verband der Preußischen Landgemeinden hielt in velzig einen Laudgemeindetag ab. Der ungeheure Ernst der Lage spiegelte sich in dem starken Besuch der Tagung wider. Fast 1000 Gemeindevorsteher und Gemeinde- Vertreter waren erschienen. Die Versammlung wurde geleitet von dem Vorsitzenden der Kreisabteilung, Amts- und Gemeindevorsteher Zimmermann-Neu- langerwijch, der in seiner Eröffnungsansprache neben den Führern des Landgemeindeverbandes zahlreiche Vertreter der Behörden, an ihrer Spitze den Landrat des Kreises, Bohne, begrüßen tonnte. Neben den Vertretern der Kreisverwaltung waren auch die Direktoren der Arbeitsämter und die Führer anderer Verbände und Organisationen anwesend. Der Vorsitzende des Provinzialverbandes, Landrat a. D. von Arnim, wies auf die Notwendigkeit einer harmonischen Zusam- menarbeit zwischen Gemeinden und Kreisverwaltung hin. Den Hauptoortrag hielt Präsident Dr. G e r e 1 e. Jeder Gemeindevor- steher und Gemeindevertreter stehe heute vor der Schicksals- frage, wie er den Haushalt seiner Gemeinde ins Gleichgewicht bringen soll. Es käme jetzt für den Landgemeindeverband darauf an, nicht nur die ungeheure große Not zu schildern, in der sich die Gemeinden besinden, und verfehlte Maßnahmen des Reichs und des Staates zu kritisieren, sondern in erster Linie habe er positive und gangbare Vorschläge gemacht, wie die Gemeinden aus ihrer Not herauskommen können. Dr. Gereke legte dann in eindringlicher Weise klar, wodurch die jetzige Zwangslage der Gemeinden ent- standen ist. Dauernd sinkenden Einnahmen stehen dauernd steigende Ausgaben gegenüber. Was man den Gemeinden in den Notverord- nungen der letzten beiden Jahre an neuen Steuerquellen gegeben hat, reicht nicht aus, um den erhöhten Anforderungen besonders für die Wohlfahrtserwerbslosenlasten zu entsprechen. Immer und immer wieder müßten die Landgemeinden betonen, daß sie sich längst größter Sparsamkeit befleißigt hätten und daß dalier der Appell, den man auch heute noch lebhast an sie richte, sie möchten sparsam wirtschaften, an die falsche Adresse käme. Der Landgemeindeverband habe positive Vorschläge ausgearbeitet sowohl für den Finanzausgleich wie für die Reform der Arbeits- losenunterstützung. Eine sehr fühlbare Entlastung der Ge- meinden sei möglich, wenn man von dem jetzigen ungerechten Finanz- ausgleichsschlüssel abginge und nicht mehr vorwiegend das örtliche Steuerauskommen, sondern in erster Linie Bevölkerung?- und Kinderzahl für die Zuweisungen au die Gemeinde» zugrunde lege. In der Frage der Reform der Arbeitslosenunrer- st ü tz u n g fordern die Landgemeinden bekanntlich Beseitigung der Dreiteilung in Arbeitslosenversicherung, Krisenunterstützung und Wohlfahrtserwerbslosenunterstützung und Schaffung einer Reichsarbeitslosenfürsorge, deren Kosten gemeinsam vom Reich, den Ländern und den Gemeinden getragen werden müsien. Bei der Erörterung der Vorschläge zum Finanzausgleich und des bekannten Gutachtens des Staatssekretärs Professor Dr. P o p i tz dazu lehnte Dr. Gereke noch einmal mit aller Entschieden- heit das Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer ad, weil es gerade die leistungsschwöchsten Agrar- und Arbeiterwohnsitzgemeinden der verschiedensten Größengruppen völlig zum Zusammenbruch treiben müsse. Am Schluß seiner Ausführungen richtete der Redner einen ein- dringlichen Appell an die Gemeindevorsteher, vor allem an die ehrenamtlich tätigen, in dieser schweren Notzeit ihren Posten nicht zu verlassen, sondern treu weiter auszuharren. Gerade die Vertreter der ländlichen ehrenamtlichen Selbstverwaltung müßten den Glauben bewahren an die Zukunft des deutschen Volkes, an die Zukunft der bewährten deutschen Selbstverwaltung. Sie müßten dafür sorgen, daß unter allen Umständen der Unterbau des Staates, nämlich die Gemeinden, erhalten bleibe, denn ngr auf ihm könne wieder aufgebaut werden. Zwei Todesfälle Huben sich in Dresden bei den Trauerseierlich- keiten für den verstorbenen ehemaligen �König von Sachsen ereignet. Infolge des starken Andrangs waren Hunderte von Personen ohn- mächtig geworden. Zwei Frauen, die von Samaritern ohn- mächtig fortgeschafft worden waren, sind später einem Herzschlag erlegen. Ausbeuter der Arbeitslosen. Sie(Seuche der wilden Spielsalons. Wir entnehmen die folgenden Ausführungen dem Briefe eines Arbeitslosen: Das Monte Carlo per Erwerbslosen befindet sich in einer Straße der City Berlins. Ein findiger Unternehmer hat einen leeren Laden gemietet, hat ihm als Spielsalon eingerichtet und nimmt nun den Erwerbslosen die letzten Groschen ab. Im Friedrichshain machen das die Erwerbslosen wenigstens unter sich, indem sie 17 und 4, Pokern, Kllkbrias oder Meine Tante— Deine Tante usw. spielen, hier besorgt das ein geschäftstüchtiger Unternehmer. Man kann sein Geld auf die verschiedenste Art und Weise verlieren. Zum Beispiel mit (Schmpsouiomaten. Da ist ein bombenwersendes Flugzeug. Die Bombe ist eine kleine Kugel, die man, wenn sie vom Flugzeug abgeworfen ist, vermittels j einer Fangvorrichtung auffangen muß. Oder eine komplizierte Mühle, bei der ein Zehnpfennigstück in den Schlitz des sich i drehenden Mühlrades zu rollen hat. Weiter kann man eine beson- dere Art Billard spielen, bei dem die Bälle in ein mit Nummern bezeichnete Löcher fallen müssen. Der Clou des ganzen ist aber das Kegelspiel. Da sind sechs kleine Bahnen nebeneinander ausge- baut, die Kugeln werden durch eine katapultartige Vorrichtung ge- schleudert oder mit Pistolen abgeschossen. Gewonnen hat, wer die meisten Kegel zum Fallen bringt. Er erhält als Preis den Gesamt- einsatz— jeder Mitspieler hat pro Spiel zehn Pfennige zu zahlen— abzüglich eines Zehnpfennigstückes, das der Bank zufällt. Haben mehrere Spieler die gleiche Anzahl Kegel zum Fallen gebracht, bleiben die Einsätze für das nächste Spiel stehen, nur die Bant zieht ihr„Spielgeld" ein. „Für zehn Pfennig können Sie zwei Mark gewinnen", verkündet der Spielleiter. Dieser Fall tritt tatsächlich ein, wenn hintereinander vier Spiele unentschieden geendet haben. Mit fiebrigen Augen� und zitternden-Händen sind die Arbeitslosen beim Spiel. Nur der Spiel- leiter bleibt ruhig, er zieht bei jedem Spiel zehn Pfennig ein. Innerhalb einer knappen Stunde habe ich 172 Spiele gezählt, wss einer Einnahme an Spielgeld von 17,20!R. entspricht. Und von früh um 10 Uhr bis nachts 12 Uhr ist der„Salon" geöffnet. Warum wird so etwas geduldet? Der Einwand, der Erwerbs- lose brauche nicht zu spielen, gilt nicht. Seine Loge ist zu jammer- voll, als daß er sie nicht auf alle Art und Weise— und sei es selbst auf diesem falschen Wege— zu verbessern sucht. Und als Spieler kommen hier nur die Aermsten der Armen in Frage, denn Menschen mU etwas mehr Geld gehen nicht in eine derartige Rummelbude. Hin und wieder gewinnt der arbeitslose Spieler auch mal und be- kommt für seinen Einsatz vier oder fünf Groschen heraus, aber s�lieh- lich muß er verlieren, da die Bank für jedes Spiel einen Groschen einzieht. Wenn vier Mann spielen, von denen jeder 50 Pfennig besitzt, genügen zwanzig Spiele in etwa 6 bis 7 Minuten, und alle vier Spieler sind ihr Geld los. Das Umwerfen einer möglichst großen Anzahl von Kegeln ist mit Geschicklichkeit möglich, aber der beste Preiskegler kann niemals so viel Geschicklichkeit aufbringen wie der Spielleiter beim Geldeinziehen... Kundgebung der Eisernen Krönt in Friedrichsbagen. Am Dienstag hatte die Eiserne Front in Friedrichshagen ihren ersten Aufmarsch. Er vollzog sich im Rahmen einer glänzend besuchten und außerordentlich eindrucksvoll verlaufenen öffentlichen Kundgebung. De-' größte Saal des Ortes war überfüllt. Nach dem Fahneneinmarsch sowie Darbietungen der Arbeiterjugend, der Arbeitersportler und-sänger sprach unter größter Ausmerksamkeit und wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen der Leiter der Presseabteilung des Berliner Polizeipräsidiums, Dr. H a u b a ch. Goebbels, so führte der Redner unter anderem aus, habe das Jahre 1932 als das Jahr der Abrechnung bezeichnet. Er habe gut daran getan. Das Jahr 1932 werde das Jahr der Abrech- nung, und zwar mit der Nazipartei werden. Das ent- scheidende Wort bei der Reichspräsidentenwahl spreche nicht die Nazipartei, sondern das republikanische Deutschland. Die Eiserne Front werde nicht eher ruhen und rasten, bis Deutschland von der Schande und der Schmach des Hakenkreuzes befreit ist. Als eine weitere Aufgabe betrachtet die Eiserne Front die Umbildung der Deutschen Republik zu einem wahren V o l k s st a a t. Es gehe nicht nur um das Schicksal der Republik, es gehe um das Schicksal der ganzen deutschen Nation. Der Redner schloß mit der Ausiorde- rung an die Versammlung, ein Bekenntnis zum entschlossenen Komps in den Reihen der Eisernen Front abzulegen. Nach weiteren Dar- bietmzgen der Arbeitersportler und-sänger sprach der Slbteilungsleiter Genosse Engel das Schlußwort. Es klang in einem gleichfalls begeistert aufgenommenen 5)och auf die Deutsche Republik und auf die Eiserne Front aus. EDIGT WURSTWAREN DELIKATESSEN V Konsum-Sülze..... pfd. 0.38 Kons. Rof- u. Leberw..Pfd. 0.48 Kurmörker Leberwurst Pfd. P.58 Damptwurst....... pfd. 0.70 Fleisdiwurst....... Pfd. 0.10 Housmadv Leberwurst Pfd. 0,80 BroOnschweiger..Pfd. 0.88 Jagdwurst......... Pfd. 0.73 Wiener Würstchen.... Pfd. 0.95 Feine Leberwurst..... Pfd. 0.98 Cervelot und Salami.-Pfd. 0.98 Teewurst fein..... Pfd. 1.05 Sd'inkenmettwurst....P d. 1.10 GrobeHolsteiner.Pfd. 1.28 llchlackwurst i. Fettd...Pfd. 1.10 Speck fett......... Pfd. 0.88 Speck mager..... pfd. 0.84 Schinkenspeck....Pfd. 1.18 Nußschinken...... Pfd.-�.SO Bierwurst... Pfd. 0,65 Plockwurst.. Pfd. 0.90 Div.FIschmarinaden..2 Ds. 0.45 Bratheringe...] itr. Ds. 0,50 Pilchardsi.div.SaucenDs. 0.80 Span. Oeisarainen.*/, Ds. 0.55 Brieslinge in Oel Tom. Ds. 0.55 Eisbein o. Knoch 1 Pfd. Ds. 0.55 Würstchen... s Paar Ds. 0.85 Mixed-Pickles..... Ds. 0.75 Krabben Ds. 1.10, 0.75. 0.40 ltal.e. Heringssalat Pfd. 0.65 KOLONIALWAREN Tafelreis____ an Pfd 0.14 Weizenmehl 000 0.20 Auszugmehl an Pfd. 0.24 Vikt.-Erbsen.2 Pfd. 0.35 Linsen.. Bohnen an Pfd. 0.12 aiv 2 Pfd. 0.25 Kaffee gar. an Pfd. 1.88 Gänse russisch.gefr. an..... Pfd. 1 KÄSE Suppenhühner an Pfd. 0.70 Enten............ an Pfd. 0.53 Wolga-Hühner an Pfd. 0.55 Frische Gänse.an Pfd. 0.85 Hirschspickbraten ffd. 1.38 Kaninchen..... an Pfd. 0.85 OBST UND GEMÜSE Weiß- ed. Rotkohl Pfd. 0.07 Möhren...... 3 Pfd. 0.10 Kohl- o. Rote Rüb. 3 Pfd. 0.14 RoteTateläpf.2Pfd. 0.35 Zitronen..... an Dtz. 0.25 Orangen Blulo*.3Pfd 0.54 Apfelsinen 3 Pfd. 0.44 Camemoert...... stück 0.15 Komaaour........ stück 0.20 Harzer....ca. I Pfd.-Pak. 0.28 Tilsiter o Rind..... Pfd. 0.58 Tilsiler feine Qual...Pfd. 0.70 Steinbusdier vollfett..Pfd. 0,70 Briekäse vollfett.... Pfd. 0,70 Allg. Stangenkäse vollfett 0.68 Edamer vollfeft.... Pfd. 0.84 Bayr Schwaixar wolM an 0.95 TROCKENOBST Pflaumen...an Pfd. 0,24 Kirschen....... Pfd. 0.50 Pfirsiche...an Pfd. 0.55 Mandeln süQ an Pfd. 1.30 Korinthen., an Pfd. 0.55 Sultaninen.. an Pfd. 0.33 Mischobst an Pfd. 0.38 K O N F I T U R E N pflanzen und Sämereien FRISCHFLEI SC H FETTE UND EIER Schok. Brezeln....Pfd. 0.9J Sdiok.Waffelmischung Pfd. 1.10 Halbmondkeks m. Sch. Pfd. 0,98 Morzip.-Eier an 6 Stück 0.20 litiput Dragee Eier zeit. Pfd. 0.55 Haush.-KakaoPfd. 0.78 0,50 Honigkissen gef. Pfd. 0.85 In den Dochhallen spielen CocosDoimen..... an Topf 0.50 Araucarien....an Topf 1.25 Clivia........... an Topf 2.50 Aspedistra..... an Topf 1.15 Aralien........ an Topf 1.45 Blum.- u. Cemütesam. Tüte 0.05 Erbsen und Bohnen...Tüte 0.25 Rinder-Rouladen.Pfd. 0.98 Rinder-Spickbrat. Pfd. l.88 Rinder-Brust m.<». Pfd. 0.58 Kalbsroulade.an Pfd. 0,88 Schweine-Schulter Pfd. 0.84 Rückenfett bratfert. Pfd. 0.58 Gehacktes......... Pfd. 0.50 die Kapellen Efim Schachmeister und Ben Berlin• Im Schweineschmalz.Pid. 0.42 Bratenschmalz....Pfd. 0.44 Griebenschmalz.. Pfd. 0.48 Margar. Cocos ett 3 Pfd. 0.95 Molkereibutter....Pfd. 1.32 Tafelbutter........ Pfd. 1.40 Eier.......... an 10 Stück 0.60 Erfrischungsraum spielt die KONSERVEN Jg. Kohlrabi..... v,Ds. 0.38 Grünkohl.........>i, Ds. 0.50 Spinat............>,, Ds. 0.42 Rotkohl...........>,, Ds. 0.42 Gemüse-Erbsen•/, d». 0.52 Jg.Erbsen m tt-if.>/. Ds. 0.74 Gem. Gemüse V>/, Ds. 0.58 Sellerie...........>,, d$. 0.63 Spargelabschn.'i, Ds. 0.85 Pflaumen m. Stein'/, Ds. 0.58 Pflaumen o. Stein'/, Ds. 0.72 Preiselbeeren...>/, Ds. 0.85 Birnen Früdite..'/, Ds. 0.93 Kirschen m. Stein.'J, Ds. 0.90 Kirschen o. Stein..'/, D$. 0.98 Erdbeeren.......>/, Ds. 1.10 Vierfrucht-Marm. lose. Pfd. 0.43 Kirsch-Konfiture..lose Pfd 0.68 Aprikosen-Konfitüre I. Pfd. 0.68 Jg. Brach- u.Schnittb. Ds. 0,42 Pfirsiche gz. li1 Ds. 0.75 FISCHE, RAUCH ERW. Seelachs O.K. i.Gz. an Pfd. 0.12 Kabeliaufllet...an Pfd. 0.2 J Grüne HeringeanSPfd. 0.32 L. Karpfen, Schiele an Pfd. 0.68 Bücklinge....... an Pfd. 0.20 Sprotten ca. I Pfd. Kasten 0.24 Seelachs gerdud,... Pfd. 0.32 Kapelle Starikow-Stupel (fiBienOungcn Ha diele Sabril find Berlin DB 88. Ltndenstraße 8 parteinachrichien»W�für Groß-Verlin stet»»n da, Beztrteletrelanm i. Kol. 2 Trennen recht»,»o richten 4. thiek. Heute. Freitag. 28. Februar, 19U Uhr, Äurfu» Dr Mäucheu: „Somjetrufilani) uni die cutonäifche Arbeiterklasse" In der Schule Sanjiger (Strasse 23. A» den letzten S Abenden können noch interessierte Mitglieder te.tl nehmen. 7. Kreis. Sonntag, W. Februar, Uhr. im Tilrkischen Zelt, BerNner Str. dZ, Areisnertreternerfaminlung. Bericht, Neuwahl. Mitgliedsbuch und Mandat sind am Eingang naizll?.eiaen. 8. Kreis. Srnntog, 25. Februar, S>� Uhr, in der..Havellrzne" tlriibe.r Brauecet-Aasschank Pichelsdarf),»reisvertretertaa. Vortrag de» Senossen CO«tS«.TC aIK vTTl V CA l*C. � � I 0� a» t«*. ev K f am Dr. Rudolf Breiischeid, M d. R.. Geschäftsbericht, Neuwahlen. Iii. Kreis. Heute, Freitag. 28. Februar, 1SH8 Uhr, im Lokal Georg« itruyer RennbahnlokaN, am Bahnhof Treptow, Äreisnertretertag. Berichte, Reu. wählen, Steliunznahme zum Bezirkstag. Einladungskarte und Mitglieds- buch ist oorzuzetgen. lt. ft«U. Montag, 28. Februar, 18% Uhr. Vorstandssitzung und 20 Uhr Kreis- delegiertennerfäinmlung an bekannter Stelle. Berichte der Obleute, Neu- wähl des Kreisnorstandes. 8. Abt. Sonnabend. 27. Februar, t»% Uhr, im Soimiholct Hof, Rosenihalee Strasse 11—12, Mitglieberrcrsammlnng.„Faschismus»der Demokratie", Reserent Max Brinii-.-r. 11. und 12. Abt. Die Kansumbesichtigung für die jüngeren Varteimitglieder fällt am Sonntag. 28. Februar, aus. Dafür findet eine Besichtigung des Arbeitsschutzmufeums, ffraunhoferftr. 11—12, statt. Treffpunkt pünktlich lll Uhr Turm- Ecke Waldstrasse. 55. Abt. Jüngere Parteimitglieder: Kabaretiabend, politisch« Karneval Sonn» tag. 28. Februar, in den Andreas.Festsälen, Andreasstr. 22. Programm: Spieltruppe.,N:zr Osten", politische Bilderschau, aktuelle Ebansons, Ge. dichte und Sketsche, Demaskierung von?? Musik: Snmphonikjazzers. An. ichliessend Tanz. Eintritt inkl. Steuer 2S Vf.(nur sür Erwerbslose), sonst 40 Pf. Saalöffnunz 17 Uhr. Proarammanfang 19 Uhr. Ordner: Gendarm von Hildburghausen. Ple Mitwirkenden treffen sich Sonntag, 28. Februar, um 11 Uhr in den Andreas.Festsälen. 22. Abt. Heute, Freitag, 28. Februar, 19% Uhr, Mitgliederversammlung im „Gimbrinus", Koiser-sseiedeli�-Str. 85.„Kampf gegen den Faschismus", Refereni Kurt Heinig, M. d. R. 97. Abt. Heute, Freitag, 28. Februar, 18 Uhr, Funktionärumsammlung an bekannter Stelle. 108. Abt. Handzettelausgabe für die Kundgebung der„Eisernen Front" am 3. März in Köpenick Sonnabend. 27. Februar, zwischen 17 und 18% Uhr, im Varteiheim. Schlosssti. 27. Alle Flugblatto erbreiter werden ersucht, die Zettel abzuholen. 188». Abt. S'nnabend, 27. Februar, 18 Uhr, Ausgabe von Handzetteln bei Klose, Mahlsdorfer Str. lj bei Eisner, Kaifer-Wilhelm-Str. 3. 129. Abt. Sonntag. 28. Februar, im Lokal Tempel. Prinzenallee 45,„Bunter Abend". Programm: Hnmoristisch.satirische Vorträge, Mitwirkung der „Lintstruppe" Anfang 19% Uhr. Unkostenbeitrag 30 Pf. Gäste hetzlich willkommen. 128./129. Abt. Die jüngeren Parteimitglied« beteiligen sich Mittwoch, 2. März, teftl-e an der Kundgebung de, 19. Kreiles. Sonntag. 28. Februar, Treff. puukt 8% Uhr Kissingen. Ecke BerNner Strasse zur Fabrt nach Schünflieh. 131. Abt. Sonnabend. 27. Februar, pünktlich 19% Uhr, Funktionärveesammlung im Restaurant„Wolssschluchst, Treskowstr. 13. ArbeüsgemeZnfchaft der Sinderfreunde Groß-Serlin. «in greifen an- wir sloonn vor! Die Eiserne Front ruft! i« Aula der 10.'11. Gemetnbeschule, ffeuriqstr. 51 ite Mitgliedskarten zur Kontrolle mitzubringen. Nenkölln, Abt. Jungvolk: Meegen 20 Uhr Erzt- .. Jungvolk: der Baracke Sanghoferstrass«. »gen 29 Uhr Erziehungsaussprach« in Lichteuborg, Abt. Mablsdors: Morgen findet um 19% Uhr im Gr. nossenschaftshaus, Melanchthonstrasse, eine Elternversammlung statt. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 11. Abt. Uns« Genosse Wilhelm I o i t l> e ist am 23. Februar v«. korben. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 27. Fe. bruar, 14 Uhr, auf dem Kirchhof der Hellanosgemeinde in Plötzens« statt. 28. Abt. Beisetzung der Urne des Genossen Korthe am Sonnabend, 27. Februar, 15 Uhr, Städt. Friedhof Weissensee, Rölckestr.<8— 51. 79. Abt. Unser»erstorbener Genosse Peter Zimnol wirb nicht am Freitag, 28. Februar, eingeäschert, sondern am Sonnabend, 27. Februar, 13 Uhr, auf dem Friedhof Kaumichulenweg, Kiosholzstraße, von Oer kleinen Halle aus beerdigt. SozialistischeArbelteMendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an da» Sugends-kietariat Berlin DW 88 Lindenstrass« 2 vorn I Trepp» rechts. »Die fir Sennabend, 27. Februar, angekündigte Funktionär verfammltlNg wird verlegt. Zähor« Mitteilung wird morgen im„Vorwärt»o bekanntgegeben.. Abtoilnugoleit«, reicht umgehend die Monatsprogrammd für Marz»in, damit rechtzeitige Referentenoermittlung möglich ist. Montag. 29. Februar, 17% Uhr, findet im Saale der Hochschulbrauerei, Berlin St, Amrum« Str. 31, eine Probeaufführung des vom Genossen Dr. Otto Friedländer geschriebenen Programms für dl« Abendfetern am l. llllal„Die Eiserne Front" statt. Interessierte Abteilungsreiter haben gegen Bor. zeigung des Mitgliedsbuchs» gutritt. Der für den 28. Februar vorgesehene Kursus mit den Kinberfreunden wird verschoben. Weitere Nachricht folgt. Proletarische, Orchester der SAS., Gruppe Wedding: llebnngsabend See. Ecke Turin« Strasse. Bezirksausschnsssitzung heute um 19% Uhr im Sitzungssaal Lindenstr. 2, vorn 1 Treppe rechts. Henke. Freitag, 19X Uhr. Arkonaplatz: Elisabethlirchstr. 19:„Jugend und Partei".— Hansa: Bochumer Str. 8b:„Ziele und Aufgaben der wAJ."— Moabit I: Woldenser. strasse 20—21;„Tagespolitik".— Moabit II: Lehrter Str. 18—19:„Das Plane- tarium".— Sportpalast: Genthiner Str. 17: Rosemann erzählt.—«esnnb- brunnen U: Kolomestr. 8: Arbeitsgemeinschaft.— Arnlmvlatz: Sonnenburger Strasse 20: Bunter Abend.— Arnswalber Platz: Rostenburger Str. 18:„Gs- schichte des Sozialismus".— Balkan: Mondelstr. 2:„Sozialistische Leben»- gestaltung".— Falkplatz II: Sonnenburger Str. 20:„Tagespolitik".— Helm- holtzplatz: Kastanienallee 81: Lustiges Monatsende.— Hohenschönhausen: Freien. nald« Str. 6; lO-Minriten. Referate.— Nordosten I: Dan�tg« Str. 82: frsitag, den 26. Februar: Frelgewerluchaftlfeh organisierte Taubsturaiae und deren An* fehdrlge: 19 Uhr Im großen Saal des Gewerlcschaftshauses, ngelufet 24 25. Redner; Stadtrat Otto Ortmann. Arbeiter und Angestellte des Polizeipräsidiums GroQ-Berlin: 20 Uhr im Hackeschen Hof, Rosenthaler Straße 40/41. Redner: DUrgermeisicr Paul Mlelitx. Angeste/Ite und Arbeiter Im Waisenhaus Rummelsburg. 19H Uhr. Poczontlk, Hauptstr. 87. Karl Dressel. Ooftentiicha Kundgebung der republikanischen, proletarischen lugendverefne Köpenicks, 20 Uht, im Stadttheater Köpenick. Thema; Jugend in der„Eisernen Front". Redner: Brende- miihl, Gaujugendführer des Reichsbanners. Sprechchor— Gymnastik— Musik(Reichsbanner-Tambourkorps). Unkostenbeitrag 20 Pf. Montag, den 29. Februar: Schöneberg. 19Z4 Uhr. Büijgersaal des Rathauses Friedenau, Am Lauterplatz. Britz-Buekow. 19>» Uhr, Beckars GesellschafUhaus, Britz, Chauseestr. 97.— Lokal Lindenpark, Britz, Chauseestr. 18 (In der Nähe der Schule). Reinickendorf. 20 Uhr, Lokal Manthey, Rosenthal I. Hauptstr. 1. Dienstag, den 1. März: Mitte. 19% Uhr, Deutscher Hol, Luckauor Str. 15. Prenzlauer Berg und Friedrichshain. 19� Uhr, Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23. Fahneneinmersch, Tambourkorps und Bläserkorps des Reichsbanners. Rezitationen: Martha Dohn. Prenzlauer Berg. 19� Uhr, Schulaula, Gleimstr. 46. Steglitz. 20 Uhr, Parkrestaurant Südende, Am Bahnhof Südende. Neukölln. 89. und 90. Abteilung. 1916 Uhr, In den Hohenstaufensälen, Kottbusser Damm 76. Neukölln. 91. Abteilung. 19H Uhr, Lokal Bergschloßhöhe, Karlsgartenstr. 6-11. Wetfienseo. 20 Uhr, Schloßpavlllon, Berliner Allee 205-210. Mittwoch, den 2. März: Tiergarten. 19% Uhr, Moabltor Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Wedding. 19Vi Uhr, Pharussäle, Müllerstr. 142.— 19H Uhr, in beiden Sälen der Atlantik-Festsäle, Behmstr. am Bahnhof. Gesundbrunnen.— 19� Uhr, Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Kreuzberg. 19% Uhr. Kammersäle, Teltower Str. 1-4. Spandau. 20 Uhr, in der„Havelkrone"(früher Brauereiausschank Pichelsdorf). Zehlendorf. 20 Uhr, Lokal Lindenpark, Berliner Str. Ecke Gartenstr. Schöneborg. 19� Uhr, Aula der Hohenzollernschule, Beiziger Straße. Neukölln. 92. und 95. Abteilung. 19% Uhr, Städtischer Saal- bau, Bergstr. 147. Neukölln. 96., 97. und 98. Abteilung. 19% Uhr, Aula der Ober- realschule, Emser Str. Treptow und Baumschulenweg. 19% Uhr, Im Spreegarten in Treptow. Pankow. 19% Uhr, Llndners Konzerthaus, Breite Str. All«...______ BWWW W__________ Monatsende.— Stralau« Viertel: Gosslerstr. 81:„Tagespolitik".— Warschau« Nicrtel: Litauer Str. 18:„Kampf um den Reichspräsidenten".— Worscha»« «i-rtel. R. F.: Litauer Str. 13:„Rückblick und Ausblick".— Luisenstadt: Wassertorstr. 4: U>.Minuten.Ref«ate.— Süden: Porckstr. 11: Bericht von der Generalversammlung.— F-lebe-an: Ofrenbach« Str. 5'.: Bunt« Abend.— Echllneb-rg I: Hauptstr. 15:„Tagespolitik".— Sstjäncbeta II: Hauptstr. 15: Mädclabeud.— E�arlotteuburg: Rosinenstr. 4:„Die russische Sleo-IuKou".— Elxrrlottenburg.Nord: Siemens stadt. Schule Jungfernheioeweg:„Warum bin ich in der SA?.?"— Eharlotteubnra Süd: Grethestr. 12: Ausserordentliche Mit. gliederv«sammli'ng.— Spandau: Lindenuf« 1: Bericht van der Generalver. sammlung.— Moriendors! D-rfstr. 7:, Kapv-Putsch".— Britz: Barchim« Allee: Heimabend.— Neukölln I: S-nd«. Ecke Kobrechtstrasse: Funktionärv«samm. lung.— Neukölln ll: Stewmetzstr. 94: Lustige« Manatsenbe.— Neukölln III: fsieth-nstr. 58: Kampflieberabend.— Neukölln tV; Kanner Strasse: Bericht von der G-neralverfammlung.— Nenkölln Vi: Treptower Str. 95—98:„Tages. Politik".— Nenkölln VN: Karl.Mazx.Schule:„Tagespolitik".— Neukölln VIII: 19 Vbr am Treffounft.— Neukölln IX; Schierkestr. 44:„Technik de» Flugver. kehr»".— N-ukälln X: Bergstr. 29: Traoen.Abend.— Neukölln XI: Flughafen- siiasse 88: Lichtbilderabend.— Banmschuleuwea: Ernststr. 18:„Erziehungs, p>cth-den der Kinderfreunde".— Johannietkal: Ratbaus: lll.Miuuten.Reknate. — Echönea-eibe ll: Berliner Str. 31:„Arbeiterdichter�.— Treptow: Elfenstr. 3; „Freiheitsbewegung in Indien".— Ab'.r-Hoi: Bismarcks«, l: Funktionär. sitzuna.— Bohnsdorl! W-chtels«. l: Ernstes M-nateende.— Falkenbera: De. meinkchaitsbaus: Brettsnielabend.— Friedrlchsseld«: Gunterstr. 44:„Lohnarbeit und Aaoital".— Kar'-s-pst: Treskawallc» 44:„Die RetchsnrSNdentcnwahl".— Lichien�-rg-Mitte: Dssses«. 22:„Unsere Führer".— Nen-LIcht-nb«,:«unter. strasse 44:„Sozialistische Führer".— Lichtenberg-Rord: Gunterstr. 44:„Jungen und Mädel"— Lichtenbera-Nordreest: Dasies«. 22:„Aufgaben d«««werk. schiften".— Mablsdorf: Am s�leddorn 13: Uebungsabenb.— Reilli�-ndorf. Oft: Lindau« Str 1:„Sviritsstische Siiung".— W'�-nan: Hauptstr. 13: „si 218".— Ni-d'-t-Sönhai�a! Lindenstr. 47;„Tagesvolitik". «"""tbebe'itl Mitte: Elternabend d« SAI. und der Kinderkreunde im Heim Waitenstr. 18. Tbema:„SAn. und Kindertrsunde". Referent Karl Sarnung.— Varteroeranst�ltung in der Neinmeisterstrasse. Engelbert Graf spricht über da» Thema„K-nklikt zwischen SGina und Japan". PSerb-b'-itl P«n lo"-r B-ra: Kur Vcrstelluna„Die Mausefalle" am S-nn. obeud. 27. Februar, 45 Uhr, sind Karten zu 59 Pf. heute im Jugendheim Dan. zrger Str. 82. Baeacke 3, zu haben. W-rh'be'irk T-kkowranok: Merbebezirk,mitgNeberv«sammIung im Heim L'.chterkelbe, Albrechtstrasse. Genosse Alfred Rau spricht über das Thema„Die kommenden Wahlen". Ertrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwan-Rok-Gold" Geichäitsstelle: Berlin S 14. Sebastianstr 37—38 Ho» Z Tr AeuNlls.Britz, I. Kamerabschaft' 2. gug: Sonntag, 28. Februar, ,...."l? Uhr, gugv«samm7unp bei Jahn, Weserstr. 41.- Lichtenberg: »reitag. 28. Februar, 20 Uhr, haben Mitgliederversammlung in de» bekannten ßottllett.Krjt.rs—---- v �«.....—" �— bürg. # die Kameradschaften Gustav Tempel, Boxhagen, Traoeplatz, Rummel». Typographische« Orchester. Dirigent: Erich Sntzeit. Uebungsstunden leben Freitag. s9%—?2% Uhr, im Zbeil.Kassno, Neukölln, Weichselstr. 8, -«'pe«nt-.B»»b. Ortsgruppe Beslin. Freitag, 2« Uhr, Konditorei Dobrin..�ackescher Dtarkt. Jndlmbuolpsochologisch« Gruppe. Paul FifchlMien spricht über„Dumm. best als Leistung" am Montag,». Februar, um 20 Uhr, im Klubhaus am Knie. Berliner Str. 27. Enrrsb conee ,, I»"Ol C'uh tovnckeck 1878, Vie incs everv Tridav 8 V.M Caf« e ün'?.> aipe'pe. Z'r I>7/II8 I.e«tirer: dir, ksxmc.nl tt Qei-t..Imeriosn Consul, on;„English Poetry" Donnerstag, den 3. März: Mitte. 19% Uhr, Hackescher Hof, Rosenthaler Str. 40-41, Charlettenburg. 19�4 Uhr, Türkisches Zelt, Berliner Str. 55.— Edenpalast,"kaiser-Friedrich-Str. 24. Wilmersdorf. 20 Uhr, Viktorlagarten, Wilhelmsaue 114-115. Tempelhef. 20 Uhr, Schulaula, Mariendorf, Kurfürstenstr. Köpenick. 108. und 108a. Abteilung. 20 Uhr, Stadttheater, Priedrichstr. 6. Lichtenberg. 20 Uhr, Schulaula, Schlichteallee. Oeffentllche Frouenkundgebung. 19 V: Uhr, Im großen Saal des Lehrervereinshauses, Am Alexanderplatz. Es sprechen: Für die Sozialdemokratie; Johanna Reitze, M. d. R.; für die freien Gewerkschaften: Frieda Gladosch; für die freien Arbeitersportlerinnen: Aenne Wolter. Fahnenein- marsch der Genossinnen. Rezitationen: Martha John. Musik; Freie Sport- und Musikvereinigung. Freitag, den 4. März: Tiergarten. 8. Abteilung. 20 Uhr, Nationalhof, Bülowstr. 57 Friedrichshain. 20 Uhr, Schonerts Festsäle, Stralau, Kinaststr. Fahneneinmarsch, Tambourkorps, Bläserkorps des Reichsbanners Friedrichshain. Rezitationen; Martha John. Wannsee. 20 Uhr, Deutsche Eiche, Königstr Tempelhef. 20 Uhr, Lokal Lierse, Marienfelde, Berliner Str. Ecke Dorfstr. Neukölln. 94, und 95. Abteilung. 19% Uhr, Kindl-Brauerel, Her- mannstr. Grünau-Bohnsdorf. 19% Uhr, Gesellschaftshaus in Grünau. Reinickendorf. 20 Uhr, Lokal Eberhard, Wittenau, LUbarser Str. Sonnabend, den 5. März: Reinickendorf. 19 Uhr, Lokal Beck, Heiligenses, Straße 115 am Flugplatz. Montag, den 7. Mä'z: Tempelhof. 20 Uhr, Lokal Rohrmann, Lichtenrade, Kaiser-Frled- • rich-Str. Siedlung lindenhof. 20 Uhr, Ledigenheim Eythstr. Dienstag, dan 8. März: Tempelhof. 20 Uhr, Aula des Realgymnasiums, Kaiserin- Augusta-Str. Adlerthof und Alt-Gllönicke-Palkcnberg. 19% Uhr, Lokal Wöllstein, Adlershof, Bismarckstr. 75. Redner: Siegfried Aufhäuser, M. d. R. Clara Bohm-Schuch, M. d. R. Alwin Brandes, M. d. R. Arthur Crispien, M. d. R. Gustav Eckhardt. Dr. Otto Friedländer. Hans Gottfurcht, Gertrud Hanna, M.d. L Dr. Theodor Haubach. Kurt Heinig, M. d R. Max Heydemann. Luise Kähler, M. d. L Franz Künstler, M. d. R. Erich Kuttner, M. d. L Siegfried Leo. Carl Lltke, M. d. R. Dr. Richard Lohmann, M. d. L Dr. Kurl Löwenstein, M. d. R. Georg Maderholz, M. d. L Jockel Meier. Otto Meier, M. d. L. Dr. Richard MIschler. Dr. Julius Moses, M. d. R. Stadtrat Otto Ortmann. Anton Reißner, M. d. R. Hermann Schlimme. Fritz Tarnow, M. d. R. Max Urlch, Stadtverordneter. Hans Vogel, M. d. R., Parteivorsitzender. Mathilde Wurm, M. d. R. Männer und Frauen, bekämpft den Faschismus! direkt scHulie ab Fabrik an sie+ 75 pfennlg spesenbbitrag für die dame d i r e k f neu der• c h I a u f• n s c h uh für frotteur u.sport 9,95 11,10 die breite knepfspange chevreaux hollywoodbraun und alligator 11,10, 11,50, 17,95 sambo. die trofasandalette ° eldechse und feine kalbleder rn. feinen bissen 9,95 11,95 direkt kllr den herrn neue färben, rassige formen, neue preise nationalform potsd j m halbrund engl.,broques amerikatyp für Strasse, sport u. goif 8,20, 9,50, 10,50, 12,30 erfurter mechcn. Schuhfabrik a.-g. leipziger str.123 a, ecke wiihelmstr. aiexcnderplatz, beroltnahaus Hardenberg- Strasse 29 a•>- e wilmersdorfer str. ecke schiilerstr. Potsdamer Strasse 29 i/eraeme| Lw-lem» Szillat. Kolonie. Krasse 9. Kls'dimgsstiicKs. Wasens usw. Leihhaus Lowick! verkauft zu uu. glaublich billigeu Preisen wenig ge» tragen» sowie neue Herrengarberobe, Herren, u. Damen. ossenaiTs- verastiia jissr&'t gimm«. 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Roulöllu 1929. 7lr. 95* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freiiag. 26. Februar 1932 Verstaatlichung der Montanindustrie. Weitere sozialdemokratische Gesehentwürfe: Kür Arbeitsbeschaffung, gegen soziale Härten, für gerechte Mieten. Die Sozialdemokratie Reichstagsfraktion hat dem Reetag eine Reihe von Gesetzentwürfen vorgelegt, die zum Teil von sehr weittragender Vedeulung sind. Besonders bedeutsam ist der„E u t- wurs«lue» Gesetze» zur Berfiaatlichuug der Mo u- tanindustrie". Er hat folgenden Wortlaut: „Der Reichstag hat das folgende Gesetz beschlossen, das mit Zustimmung des Rehhsrals hiermit verkündet wird. l. Die im Privateigentum befindlichen Betriebe des Bergbaues eiuschllchlich der Rebenbetriebe sind gegen Entschuldigung in Rcichseigentum zu überführen. IL Die mit dem Sohlenbcrgbau verbundenen Betriebe der Groß- eiseoindustrie, sowie die mit dem Metallbergbau verbaadenen Hütten und Walzwerke sind gegen Entschädigung in Reichs- c I g e n k u m zu überführen. lH. Zür die Entschädigung sollen folgende Richlsmien gellen: Die Entschädigung erfolgt aus der Grundlage der gegeawärtigcu Ertragswerte der vom Reich übernommenen Gesamtanlagen einer Uuternehmuog, jedoch mit der Maßgabe, dah nur sür den Teil der übernommenen Anlagen, der im Durchschnitt der Kalenderjahre lSZS— 1931 essektiv ausgenutzt wurde. Entschädigungs- auspruch besteht. Rückständige Sleuerbelräge, Forderungen und bereit» gewährte Zuschüsse der öffeullichen Hand werden aufgerechnet. Die Abgeltung für das auf dieser Grundlage ermittelte Rekto- vcrmägen erfolgt in Form einer befristetenReuteim Rormal- sah von 5 proz. IV. Die tu Reichseigentum überführten Betriebe sind nach In- duslriezweigen in regionale Betrtebsgescllschastea und zentrale Dachgesellschaften zusammenzufassen, an deren Aufstchts- organen Vertreter des Reichstags, sowie der gewerkschafllichen Fach- verbände und Spltzeuorganisallovcu angemessen zu beteiligen sind." * Der sozialdemokratische Gesetzentwurf sieht nicht nur die Aer» staatlichung des Bergbaues, sondern auch der damit verbundenen Schwerindustrie, wie z. B. der Hütten- und Walzwerke� oor. Die Entschädigung an die bisherigen Eigentümer soll nur den tatsächlichen gegenwärtigen Wert berücksichtigen; es ist bekannt, daß gerade in der Schwerindustrie bei vielen Unternehmungen ein großer Teil des Aktienkapitals als verloren anzusehen ist. Die Cirtschädigung soll nicht in bar. sondern durch Gewährung einer fünfprvzentigen Rente erfolgen. Steuerschulden und bisher gewährte staatliche Sub- ventionen sollen angerechnet werden. Die Zlussichtcn auf Annahme des Gesetzentwurfes sind Nicht schlecht, wenn das Zentrum im Reichstag die gleiche Haltung einnimmt, die von seinen Vertretern in letzter Zell wiederholt in der Oeffentlichkeit eingenommen worden sind. Insbesondere hat der christlich« Bcrgarbeiterführer Im dusch wiederholt die Verstaut- lichung de» Bergbaues gefordert, und es muß sich jetzt zeigen, ob diese Forderung tatsächlich ernst gemeint ist. Prämienanleihe zur Arbeiisbeschaffung. Außerorden llick) wichtig ist der ebenfalls eingebrachte sozial- demokratische Gesehentwurs über die Auslegung einer Gold- Prämienanleihe. Dieser Gesehenlwurf ist ein Teil des sozialdemokratischen Arbeilsbeschaffungspro- gram ms und sieht in engem Zusammenhang mit den beiden bereits vor einigen Tagen cingebrachleo Gesetzentwürfen über Arbeitsbeschaffung und Förderung des Kleinwohnungsboues. sowie über die Umgestaltung der hauszlnssteuer. Der Zweck de» Anleihe- geschenlwnrfs ist. die in großem Umfange gehamflerlen Bank- noteu au» den Sparstrümpfen herauszulocken und der Wirtschaft im Wege der öffeullichen Arbeilsbeschasfung wieder zuzuführen. Blau rechnet damit, daß gegenwärtig mehr als 1 ZH Milliarden Banknoten in den Sparstrümpfeu flecken, und wenn es gelingt, auch nur einen Teil davon zu erfassen, so wäre damit sür die Arbeits- beschaffung schon erhebliches gewonnen. Um diesen Zweck möglichst vollständig zu erfüllen, soll die Anleihe als Volksanleihe ausgegeben werden, die in kleine Stücke zerlegt wird und neben einer Verzinsung von 414 Proz. einen besonderen Anreiz durck, die Gewährung von Prä- m i e n erhält. Di« Anleihe soll also einen Lotteriecharakter trogen. ähnlich den Los- und Prämienanleihen, die im vorigen Jahrhundert bei den meisten deutschen Staaten sehr beliebt waren. Auch nach dem Kriege hat es wicderholl solche Prämienanleihen gegeben, z. V. die deutsche Sparprämienanleihe von 1919 und die österreichischen Losanlechcn von 1929 und 1921. Der Erlös der Anleihe soll zu zwei Dritteln sür die Zwecke des Kleinwohnungsbaues und zu einem Drittel für die übrigen Zweige der Arbeits- beschaffung verwendet werden. Gegen Härien der Sozialversicherung. Zwei weitere sozialdemokratisch« Gesetzentwürfe sehen Ab» änderungeu der Notverordnung vom 8. Dezember 1931 vor. Der eil« Entwurf bezweckt die Beseitigung der sozialpolitischen Härten, die die Notverordnung vom 8. Dezember aus dem Gebiet der Sozialversicherung und der Für- sorge gebracht hall Es handelt sich hier vor allem um folgendes: 1. Bei der Krankenversicherung soll die Beschränkung aus die Regelleistungen ausgehoben werden. 2. Bei der Unfallversicherung sollen Erleichterungen zugunsten der niedrigen Renten eintreten. 3. Verbesserungen bei der Gewährung der Waisenrenten bzw. des Kinderzuschusies in der Invaliden- und in der Angestellten- Versicherung. i. Beseitigung der gegenseitigen Anrechnung beim Zusammentreffen der Renten aus der Invaliden- und Ange- stelltenversicherung. 5. Beseitigung von Härten bei den Ruhevorschristen bei Zusammentreffen von Renten aus der Invaliden- und Angestellten- Versicherung mit Kranteugeld, Unfallrente ujw. Mährend die Not- Verordnung alle Doppelbezüge aufgehoben hat, soll die frühere Freigrenze bei der Anrechnung wieder eingeführt und von 2S auf 49 Mark erhöht werden. 8. Neue Vorschläge bringt der Gesetzentwurf über die gegen- seitige Anrechnung der Wartezeiten beim Uebergang von Versicherten aus der Invalidenversicherung in die Angestellten- Versicherung und umgekehrt. Gerechte Wohnungswirtschast. Der Gesetzentwurf der sozialdemokratischen Fraktion über die Abänderung der wohnungswirtschaftlichen Be« stimmungeu der Notverordnung ficht insbesondere vor: 1. Ausdehnung der Mictsenkuno auf die Untermieter. 2. Wiederher st ellung der bisherigen Vorschriften des Mieterschutzgesetzes und des Reichsmietengejetzes. 3. Streichung der Vorschriften über das alsbaldige Außerkrafttreten des W oh n u n g s m a n g e l ge s e tz e s, des Reichsmietengesetzes und des Mieterschutzgesetzes. Im Zusammenhang damit verlangt ein besonderer sazialdemo- kratischer Antrag die Erleichterung der Tilgung von Hypotheken und Grmrdschulden durch Pfandbriefe sowie die Ausdehnung dieser Tilgungsmethodc auf Komnrunaldarlehcn. Die Durchführungsbestimmungen zur Notverordnung vom 8. De- zerreber haben diese Tilgimgsart auf Betreiben der Hypotheken- banken außerordentlich erschwert. Schließlich forderk cin sozialdcmokrakischer Antrag die Reichs- rrgierung auf, endlich die erforderlichen Schrille zum Aufbau einer dauernden Karlellaussichl cnlsprcchsud dem sozlaldemokrati- scheu Gesetzeolwurs über Kartell- und wonopolkontrollc vom Dezem- ber 1930 zu unlernehmeu. Lind wieder die Brotpreise. Berliner Bäcker verlangen von neuem Preiserhöhung. Zu seiner gestrigen Rede hat Reichskanzler Brüning die Verhinderung jeder Brokpreisoerteuernng versprochen. Es geht schon wieder mal los mit der Brotpreiserhöhung. In Berlin wollen die Inimugsmeister de» Preis von.45 auf 47 Pf- pro Brot, d. h. für 12Z9 Gramm erhöhen. In anderen Wirtschafts- bezirken soll eine Erhöhung bereits vorgenommen worden sein. Die Forderung nach einem höheren Brotpreis wird mit den g c st i e g c- nen Mehlpreisen begründet. Die gegemoäriige Regelung, die auf«in Eingreifen des Preis- kcmmisiars Dr. Goerdeler zurückgeht, besteht noch nicht ganz zwei Monate Seitdem haben sich— und darin haben die Bäckermeister schon recht— die Dinge am Getreide- und Mehlmarkt etwas geändert. Wir geben dies« Veränderung in folgender Zusammen- stellung wieder: Snde D<*. 1951 End« F-dr. 1951 lRoliernngen an der Berliner Börse in RM.� Roggen ab märkLcher Station pro t 186— 188 193—195 Roggenmehl pro Zentner.... 25,59—27,69 28,99- 29,39 Als sich der Preiskomrnisiar Dr. Goerdeler Ende des Jahres 1931 an die Regelung der Bratpreise machte, ging die sogenannte Bäcker- lpamie, also der Unterschied zwischen dem Preis für% Kilogramm Mehl frei Bäckerhaus und dem Preis für 1 Kilogramm Brot, im Berliner Wirtschastsbe.zirk von 16,7 Pf. auf 14 Pf. zurück. Die Spanne, mit der der Böcker seine Unkosten. Gewinn usw. bestreiten muß, dürste seitdem nach unserer Berechnung auf 12,7 bis 12,8 Pf. gesunken sein. Die Bäcker wollen die alle Gewinnspanne von 14 Pf. wieder herstellen und schießen dabei über das Ziel hinaus. Denn eine Verteuerung des Brotes in Berlin auf 47 Pf. würde die Spanne über 14 Pf. steigern. Daß das natürlich nicht in Frag« kommen kann, oersteht sich wohl von selbst. Wie die von uns in Zahlen wiedergegeben« Entwicklung zeigt. Zn glänzender Isolierung. Die Berliner Hanbelsgesellschast gibt 4 Prozent Dividende. Die Berliner Handelsgesellschaft, die kleinste der Berliner Groß- danken, die aber wie die Reichskreditgesellschaft keine Filialen unterhält. befindet sich mit ihrem Abschluß für das verflossene Jahr in wirklich glänzender Isolierung gegenüber den privaten Berliner Großdepositenbanken. Die Berliner Handelsgesellschaft weist keine offenen Verluste aus. verteilt eine Dividende und ist offenbar die gesündeste Berliner private Aktienbank. Natürlich hat auch sie Verluste erlitten. Im vorigen Sommer schien sie infolge des Zu- sammenbruchs der Schröderbank in Bremen sogar heftig ange- schlagen. Immerhin braucht sie keine Kapitalherabsetzung vor- nehmen. Die Gewinnrechnung zeigt gegenüber dem Vorjahr sogar erhöhte Ziffern: Zins- und Diskonteinnahmen sind von 6.45 aui 6,71, Provisionen von 3,93 aus 3,14 Millionen Mark gestiegen. Dabei hat man noch vorweg Gewinne zurückgestellt, um aus laufende Forderungen gewisse still« Abschreibungen zu machen. Die Ver- waltungskosten sind von 5,96 aus 4,59 Millionen Mark, die Steuern von i,28 auf 9,94 Millionen erheblich zurückgegangen, so daß sich ein Gefamtjahresgewinn von 4,04 Millionen Mark ergibt. Aus diesem Gewinn nimmt man für offene Abschreibungen 2.5 Millionen zur Deckung der übrigen Debitoren- und Effekten- Verluste heraus und verteilt aus dem Reingewinn von 1,54 Millionen eine Dividende von 4 Proz. Bei der Fest- sctzung der Dividend« wollte man offenbar zum minbesten nicht hinter der Reichskreditgesellschaft zurückbleiben, die wohl der schärfste Kon- kurrent der Berliner Handelsgesellschaft geworden ist. Es mutet wie ein Schcrheitsfehler an, wenn man trotz der 4prozentigen Dividende das ausgewiesene eigene Kapital doch etwas verkleinert. Man nimmt nämlich aus den Reserven, die im vorigen Jahr 15 Millionen Mark betragen haben. 5 Millionen Mark heraus, um teils weitere Verluste abzuschreiben, teils innere Verlustreseroen zu bilden. In der Bilanz zeigen sich durch die Abzüge der Aus- l a n d s g e l d e r die zu erwartenden Verschiebungen. Die gesamten fremden Gelder sind von 397 aus 293 Millionen zurückgegangen. Akzeptverpflichtungen haben sich von 25 auf 36 Millionen erhöht. Tie Aktivseite zeigt bei den flüssig gehaltenen Milleln eine über- raschend hohe Liquidität. Mit 65,4 gegen 62,1 Proz. sind unter Einrechnung der Warenvorschüsse die griffbereiten Mittel gegenüber dem Ende des Vorjahres sogar noch vermehrt. Unter Abrechnung der Warenvor-ckiüsse beträgt die Liquidität 37,39 gegen 37,35 Proz. der Kreditoren. Bei den eigenen Wertpapieren und Konsortialbeteiligungen. die auch im Nominalbetrag zurückgingen, sind starke Abwertungen von zusammen 25,8 aus 16,5 Millionen vor- genommen. Die Schulden in laufender Rechnung sind von 167,7 auf 123,8 Millionen verringert. Die Umsätze sanken von 24,8 auf 20,4 Milliarden Mark. liegen die U n r u h e f a k t o r e n durchaus bei den Roggen- und Mehlpreisen, im Grunde genommen bei der Preispolitik des Reichs- ernähnungsministers Schiele. Schiele will die Getreidepreise unter allen Umständen möglichst hoch holten, Er hat sich zwar gegcnijb/er dem Preiskonmüssar verpflichtet, die Preise nicht über 299 M pro Tonne zu treiben. Das hindert chn aber nicht, den Roggenpreis dicht unter der Grenze von 200 M. zu hallen. Was natürlich zur Folge hat, daß der Mehlprcis getrieben wird. Auf jeden Fall lehnen die breiten Massen es ab, daß die Preis- polllik des Rcichsernährungsministers zu ihren Lasten geht. Bierpreis und Bierstreik. Eine Erklärung der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter. Vom Vorstand des Verbandes der Nahrungsmittcl- und Geträntearbeiter erhalten wir folgende Zuschrift: Die vom Preiskoininissar Dr. Goerdeler verordnete Bierpreis- sentung entspricht nickst den Erwartungen weiter Bcvöllcrungs- schichten. Auch uns befriedigt sie nicht Wir haben wiederholt zum Ausdruck gebracht, dah ein« für die Zlrbeiterschast fühlbare Preis- sentung nur unter gleichzeitiger Senkung der Biersteucr möglich ist. Weder das Reich noch die Gemeinden haben Vorteil von den hohen Steuersätzen, nachdem der Bierabsatz von Monat zu Monat sinkt und die Steuererträgnisse laufend weniger werden. Die vom Preiskommissar verordnete Preissenkung, die eine Herabsetzung des Ausjchankpreises um 4 Pf. pro Liier oder 1 Pf. pro Viertelliter bringt, ist keine fühlbare Preissenkung. Die Gast» wirte wenden sich, wie der Streik in Hamburg zeigt, gegen diese diktierte Preissenkung. Sie erklären sich außerstande, den vom Preiskommisiar Dr. Goerdeler festgesetzten Anteil der Ermäßigung von 2 M. pro Hektoliter tragen zu können und sordern Ermäßigung der Vier- und Getränkesteuern. Unseres Erachtens dürfte dieser Weg der Gastwirte, durckz Streik einen schnelleren Sieuernachlaß zu erreichen, nicht den gewünschten Erfolg bringen. Besonders dann nicht, wenn politische Drahtzieher glauben, ein Parleigeschäjt daraus zu machen Die Brauereiarbeiter hoben auch hierbei, die Folgen zu tragen, Massenenllassungen setzen ein. Nachdem es bei den am Bierstreik beteiligten Gastwirten in Hamburg zu dämmern beginnt, oerlegten die Aktcure ihr Operations- feld nach Berlin Sie finden auch hier bei den Gastwirten willige Ohren und versuchen, die Gastwirte für ihre polllisckjen Ziele ein- zufangen Es sollen nunmehr auch die Berliner Brauereiarbciter, die seit mchr als einem Jahr stark gekürzt arbeiten, auf Betreiben der Nazi und der Kominunisten in Masten arbeitslos werden. Das trifft nicht nur für Berlin, sondern auch für andere Städte zu, wo derartige Aktionen inszeniert werden sollen. Hierzu werden noch tausende arbeitslos werdende Gastwirtsgelstlfen kommen; ganz abgesehen von all den kleinen Gastwirlen, die in der Hauptiach« auf Bierausschank angewiesen sind, von denen, wenn die Pläne der Drahtzieher gelingen, sich viele nicht mehr hinter den Schanktisch zu stellen brauchen. Der Verband der Nahrungsmittel- und Eetränkearbeitcr wandte sich gegen die in den letzten Jahren erfolgten B i e r st e u« r- erhöhungen, weil mll einem starken Rückgang des Bierkonsums und erheblichem Steuerausfall ge- rechnet werden mußte und zahlreiche Brauereiarbeller existcnzlos werden würden Unsere seit leher eingenommene Stellungnahme hat sich als richtig erwiesen, Ein Bierstreik zu dem den Gastwirten vorgetäuschten Zweck nützt außer dem Agitationsbediirfnis der Radika'en niemandem; es bleiben vielmehr nur zahlreiche Arbeitnehmer und Gastwirte Opfer auf her Strecke. Vor und Hinter dem Schalter. Der Arbeitslose und die Arbeitsämter. Heber 6 Millionen Arbeitslose stehen heute vor den Schaltern der Arbeitsämter, warten auf Arbeit, die nur wenigen Glücklichen vermittelt werden tarnt, warten auf Unterstützung, die kaum für die notwendigsten Lebensbedürfnisse reicht, die immer spärlicher fließt und, je länger die Arbeitslosigkeit dauert, desto mehr den Charakter eines Almosens gewinnt. Der Druck des schweren Heute und die Angst vor dem Morgen lasten auf ihnen. Die hinter den Schaltern der Arbeitsämter sitzen, wissen um diese Not. Diele von ihnen kennen sie aus eigener Erfahrung: sie waren selber arbeitslos, find nur auf Zeit, vielleicht nur auf einige Wochen eingestellt. Dann wsrden sie wieder arbeitslos fein. Die Angst um diese Zukunft, die das Heer der Arbeitslosen ihnen unablässig wachhält, macht den Dienst der Arbeitsamtsangestelltcn nicht leicht«, der ohnehin so schwer ist. Nicht nur, weil eine u n- geheure Arbeitslast auf diesen Menschen ruht, weil in endloser Reihe, di« oft sich über Alure und Treppen erstreckt. die Arbeitslosen auf Abfertigung warten: nicht nur. weil die Arbeitsämter häusig in hygienisch so unzu- reichenden Räumen untergebracht sind, daß der dauernde Aufenthalt darin für den Angestellten zur körperlichen Qual wird. Das Schwerste bleibt das ständige Mitfühlen mit den Schicksalen der Arbeitslosen, mit diesen bitteren Schick- salen, die für den Angestellten des Arbeitsamtes nicht eine statistische Zahl der Massennot. sondern eine von Million zu Million anwachsende Summe grausamer Einzel nöte dar- stellen. Trotzdem löst sich die Spannung zwischen den Menschen hinter den Schaltern und vor den Schaltern manchmal in Explosion. Der Arbeitslose, der sich in seinen kärglichen Rechten durch irgendwelche Bestimmungen bedroht steht, macht den dafür verantwortlich, der doch nur ausführendes Organ ist. Der Angcstellle. der durch die steigende Zahl der Arbeitslosen, durch die fortgesetzten Personaleinsparungen in den Arbeitsämtern weit über seine Ä röste belastet ist, kann gewünschte Beratungen nicht immer zuteil werden lassen: er gibt manchmal eine überreizte kurze Antwort. Wie die Tätigkeit auf den Arbeitsämtern die Gesundheit untergräbt, zeigte Karl Zeitz in seinem Rundfunkoortrag„Der Arbeitslose und die Arbeitsämter" an einigen Zahlen. Die Berufs- kranker, lasse der Angestellten hat im Reichsdurchschnitt 2 Proz. durch Krankheit arbeitsunfähige Mitglieder: von den an Arbeitsämtern beschäftigten Mitgliedern waren jedoch 4 Proz. arbeitsunfähig. Auffällig hoch ist auch die Zahl der H e i l v e r s a h r e n, die von der Reichsanstalt für diese An- gestelltenkategorie bewilligt werden müssen. Nervenzusa m- menbrüche sind häufig eingetreten, und in mehreren Fällen mußten Angestellte der Arbeitsämter in Nervenheilanstalten und Irrenhäuser eingeliefert werden. Nun will der Reichssparkommissar weitere Einsparun- gen durchsetzen. 27 Proz. der seht beschäftigten Angeslelllea Ml er für überflüssig; Die räumlich ohnehin unzureichenden Arbeitsämter sollen noch weiter zusammengelegt werden. 200 Auszahlungen soll ein An- gestellter in einer Stunde vornehmen. Jede Auskunft an Arbeitslose, jeder Gruß soll wegfallen. Karl Zeitz betonte, daß damit der Arbeitslose nicht nur wichtiger Rechte beraubt, sondern daß er sich vollends als Mensch zweiter Klasse, als Ausge st otzener, behandelt fühlen würde. Für die Angestellten aber ist die gefordert« Arbeitsleistung, zu der, noch den Absichten des Herrn Goerdeler. noch ein pflichtmäßiges Erlernen der Einheitskurzschrlft und des Maschineschreibens sowie das Erwerben amtlich festgelegter theoretischer Fachkenntnisse kommen soll, eine Unmöglichkeit. Nicht eine Personaloerminderung, so schloß Karl Zeitz seine Ausführungen, sondern eine Personal- Vermehrung ist im Interesse der zu betreuenden Arbeitslosen dringend notwendig. Nur wenn überflüssige, bürokratische Eingriffe in die Selbstverwaltung der Reichsanstalt unterbleiben, kann die schwierige Arbeit auf den Arbeitsämtern geleistet werden. Attentat auf die Arbeitslosen. Linter der Maske der Verbilligung der Verwaltung. Die Vorlage für eine Verordnung zur Vereinfachung und Verbilligung der Arbeitslosenversicherung, die gegenwärtig dem Reichsrat vorliegt, ist keineswegs so harmlos, wie man nach den Versicherungen der amtlichen Stellen annehmen könnte. Die Rechte der Selbstverwaltung — soweit noch solche bestehen— werden in dem Verordnungsentwurs weiter abgebaut. So wird dem Vorwaltungsaus- schütz der Arbeits- und Landesarbeitsamter das Recht zur Ernennung des Fachpersonals genommen. Die Bürokratie soll hierin künstig allein entscheiden. Wir hatten also richtig geraten. Geradezu unerhört ist auch der Versuch, die Präsidenten der Landesarbeitsämter in der Festsetzung dos Loh- n« k der R otft and sar b«i t e r a Urft ach t ig- zu machen. Sie fallen allein, also ohne ihren Ausschuß, ganz einseitig die Löhne nach irgendeinem Tarif oder vielleicht auch nach gar keinem Tarif festsetzen dürfen, und gegen ihre Anordnungen soll es kein Rechtsmittel geben. Eins weitere Verschlechterung bringt die Vorlag« auch für die Berechnung der Arbeitslosenunterstützung, und ebenso sieht sie eine völlig ungerechtfertigte Verschärfung der Bestim-mungsn für die Beitragsentrichtung vor. Die Aufrechterhaltung der Zlnwartschaft der Arbeitslosen in der Invaliden-, Angestellten- und knappschastlichen Pensionsversiche- rung soll nach dem Vsrordnungseiüwurs nicht mehr Pflichtaufgabe der Reichsanstalt sein. Man will die ganze Sorg« für die Aufrecht- erhaltung der Anwartschaft dem Arbeitslosen aufhalsen! Diese Verordnuitg mutz zurückgezogen werden! Sie ist unmöglich. Sie ist in nicht einem einzigen Punkte annehmbar oder perhefferungsfähig. Skr ist für diese Ungeheuerlichkeit verantwortlich? Das Reichs- axbeitsministerium Uetz verbreiten, datz diese Vorlage den Vor- schlagen der Reichsanstalt entspricht. Das kommt ungefähr darauf hinaus, als wenn das Reichsarbeitsministerium auf dem Verordnungswagc das Krankenkassengesotz entsprechend den Vorschlägen der Unternehmer ändert— denn die Reichsanstalt ist hier Unternehmer— und in semer Begründung sich noch ausdrücklich darauf beruft- Verantwortlich ist und bleibt der Reichsarbeitsminister und in weiterem Umfang« die Reichsregierung. Eiserne Front voran! AngefieUte marschieren mit ben Arbeitern. Vor den Handelsarbeitern und eingestellten der Waren- und Kaufhäuser de« Berliner Westens sprach gestern abend Genossin Klara Bohm-Schuch in den Spichern- sälcn über die Bedeutung der Eisernen Front. Die Reserentin schöpft« au? ihrer reichen parlamentarischen Erfahrung, und machte den Ver- sammelten die Unterschiede klar, die zwischen dem sozialpolitisch rückslärchigen Obrigtestsstaat der Vorkriegszeit und der Republik bestehen. Der soziale Fortschritt, der der vanpärtsstrebenden Arbeiter- schast längst nicht genügt, soll eine Beute des Faschismus werden. Di« Eisarne Front wird dafür sorgen, datz die Wunschträume der wirtschaftlichen Reaktion, die sich der Nazis nur als Werkzeug bedient, nicht in Erfüllung gehen. Mit Ausnahme der wenigen Kommunisten, di« die Kuudgebmig vergeblich zu stören versuchten, fand die Re- serentin den uneingeschränkten Beifall der Versanunclteit. Der kom- munistischen Sprengkolonne gelang es nicht, durch ihre albernen Zwischenrufe und Provokationen das Bild der Geschlossenheit und Kampffreudigkeit zu verschandeln, das die überwältigend« Mehrheit der Kundgebung bot. Der Ruf zur Bildung der Eisernen Front ist auch bei den Angestellten der National-Registrier-Kassen» gesell scha st nicht ungehört verhallt. An der Kundgebung fiir die Eiserne Front gestern nachmittag beteiligte sich eine stattliche Zahl von Angestellten dieses Untemehmens, in dem sich die Nazis schon seit längerer Zeit vergeblich bemühen, festen Fuß zu fassen. In an- schaulicher Weise legt« Genosse Dr. Fried lä»der den Ver- sammelten die Ziele der Eisernen Front dar. Seine Aufforderung, Aus der zweistündigen Disüuffion verdienen einige Momente hervorgehoben zu werden. Ein Diskussionsredner, der 20 Jahr« un- unterbrochen ehrenamtlicher Funktionär ist, hielt den Kommunisten vor. datz sie im Betriebe feige und nur in Versammlungen mit dem Mund mutig sind, während die„Re- formisten" in ihren Taten gegenüber den Unternehmern gewerk- schafllichen Mut zeigen. Der gleiche Funktionär fragte den Führer der„Opposition" im Verband Ukrow. warum er nicht in der Versammlung der Belegschaft seines Betriebes anwesend war. die wegen Lohndifferenzen zur Frage eines evtl. Streik» Stellung nahm. Auf diese präzise Frage blieb der RGO.-jkampfstrategc Ukrow die Anwort schuldig. Zur Reichspräsidentenwahl erklärte ein Konummist ganz offen:„Die KPD. weiß ganz genau, datz Thäl- mann nicht gewählt wird: aber darauf kommt es auch gar nicht an: denn die Hauptsache ist uns die Hochholtung unserer Idee." Der Vorsitzende Genosse Hoffmann bezeichnete diese Politik in seinem Schlußwort mit Recht als demagogisch und verantwortungslos. Die Versammlung erteill« den Maulhelden auch die verdiente Ab- fuhr, indem sie mit überwältigender Mehrheit einen Antrag ablehnte. der zur Wahl Thülmanns aufforderte. Fast einstimmig wählte die von etwa 700 Personen besuchte Versammlung Ortsvorstand, Revisoren und Lehrlingskommission in der bisherigen Zusammen- setzung wieder, womit sich die gesunde gewerkschaftliche Einstellung der Mehrheit der Mitglieder offenbarte. im Betriebe für die Verbreitung dieser Abwehrfront gegen den Faschismus mit aller Kraft zu wirken, fand begeisterte Zustimmung. In der Diskussion, die die Notwendigkeit der Bildung der Eisernen Front nur noch besonders unterstrich, wurde für die Doppel- züngigkeit der nationalsozialistischen Agitatoren ein aufschlußreiches Beispiel geliefert. Der Berliner Konsumgenossenschaft war es in der Naziprcsie schlecht angekreidet worden, daß sie von dieser„un- deutschen" Firma Registrierkassen gekauft hat. Die Verlündcr der Parole„Deutsche kauft nur deutsche Bananen", haben sich aber auch nicht gescheut, bei derselben„undeutschen" Firma Registriertassen zu kaufen. Landarbeiter marschieren. Wie alle anderen Arbeiter der städtischen Güter haben auch die Arbeiter der Rieselfeldwerke von Waßmannsdorf am Mittwoch. von Falkenberg, Wartenberg, Hellersdorf und Malchow am Menstag, vor denen die Genossen Klausner, M. d. L., und Heymuth vom Vesamt-Dsrband referierten, fast restlos ihren Anschluß an die Eiserne Front vollzogen. In Falcksn- berg produzierte sich«in Kommunist in der Diskussion. Di« Ver» sommkung schloß mit«mem stürmischen Hoch auf die Eifern« Front. Die IunktionSre der Stadieutwösseruug waren, soweit fi« dienstfrei waren, bis auf den letzten Mann in der Versammlung am Donnerstag erschienen, in der Genosse Hey- muth über die Eiserne Front referiert«. Di« Versammlung war einmütig in dem Entschluß, nicht Amboß sondern Hammer zu sein und sich einzureihen in die Hammerschaften der Eisernen Front._ Mit Messern und Schlagringen. Wie die Nazis die Äetriebe erobern wollen. Hitler hak es befohlen. Dt« Betrieb« find zu erobern. Also berief die Raztzelle der Bewag zu gestern nachmittag eine Beleg- schastsoersammluug ein. Referent war ein Stadtrat Kellcrmanu. Ein Tell der Bewagbelegschaft war erschienen, hakte aber keine Möglichkeit. zu Worte zu kommen, da die Nazis jede Diskujslvn unter- banden. Daraufhin verließen die meisten den Versammlung». räum. Zm gleichen Augenblick stürztesichcin von außerhalb dazu abkommandierter Raztsturm aus die Ab- ziehenden. Die llcbcrsallcneu setzte« sich aber zur wehr, wobei es auf beiden Seilen verletzt« gab. bis schließlich das lleberfall- kommnudo erschien und die Kämpfenden trennte. Die Raztleute waren mit ollen möglichen Waffen wie Messer«. Schlag- ringen usw. ausgerüstet. Ein Teil der Lokaleiurichtnug wurde demoliert. So wollen die Razts die Betriebe erobern: mit Messern und Schlagringe». Wcuu man bedenkt, daß die SA. Lcute. die fich bcwaffaet gegen Arbeiter vorschicke« lassen, in ihrer großen MchrheU selbst nur arme Teufel sind, dann wird man das Verbrechen, da» Hitler an der Arbeiterklasse verübt, erst richtig ermessen. Was die KpO. ganz genau weiß. Llnb wovon die Lithographen nichts wissen wollen. Die Wirtschaftskrise lastet auch auf dem Verband der Lithographen und Steindrucker mit einer Schwere. wie sie diese Organisation seit ihrem Bestehen noch nicht zu«tragen hatte. In der Jahresmitgliederversammlung der Mitgliedschaft Berlin dieser Organisation ging der Vorsitzende Genosse Hoffmann in seinem Geschäftsbericht besonders ausführlich auf die inter- nationale Währungs- und Zollpolitik ein, durch die die Produttion des Lithographie- und Steindruckgewerbes stark«ingeengt wurde, weil alle Exportmöglichkeiten fast restlos unterbunden worden sind. Bereits mehr als 40 Prozent der Verbandsmitglioder sind arbeitslos: diese bedauerlich« Tatsache zwingt die Orgam- sation sowohl im Reich wie in Verlin zu scharfen finanziellen Ein- schränkungen. Mit leeren Redensarten fit dies« Krise aber nicht zu beseitigen. Aus der Krise heraus kann nur ein« zäh«, zielbewußte Gemertschastsarbeit führen, Aufgabe eines jeden ehrlichen Gewerk- schaftlers sei es daher, allen Bestrebungen entgegenzuwirken, di« auf die Zerstörung der gewerkschaftlichen Einheit hinauslaufen. Aus diesem Grund« muß jetzt auch alles daran gesetzt werden, de» Sieg des Faschismus zu verhindern. j Die Gewerkschasten in der Krise. Zentralverbaad der Zimmerer steht fest. Die Konferenz der Zentralmstanzen und der Gauleiter des Zimmerervcrbandes, die kürzlich im Berliner Eewerkschaftshous tagte, befaßte sich insbesondere mit dem jetzt allerwichtigsten Problem der Arbeitsbeschaffung. Alle Kräfte müßten eingesetzt, olle zuständigen Stellen mobil gemacht werden, damit endlich Arbeit de- schafft und die Arbeitsloscnnot in etwas gelindert werfte. Der Schrei nach Arbeit müsse allen Verantwortlichen in den Ohren gellen. Zur Finanzlage wies der 5)auptkassierer Römer darauf hin, daß die Zahl der beitragsfähigen Mitglieder auf ein verschwindend kleines Häuflein zusammengeschmolzen ist. Bon den arbeitslosen Mitgliedern dürften etwa 7 0 Proz. die Arbeitslosenunterstützung des Verbandes vollauf erhoben und damit ausgesteuert sein. Bereits im Jahre 1930 sind 45 Proz. der Mitglieder ausgesteuert worden. Demtoch müßten noch 1 453 515 Mark an Erwerbslosen- Unterstützung gezahlt werden. Die Zahl der die Jnvalidenunierstützung beanspruchenden Mit- glieder ist von 1067 im Jahre 1929 bis auf 2100 gestiegen, was eine Ausgabe von 321 960 Mark erforderlich macht. Allein für Sterbe- fallunterstützungen muhten 52 576 Mark im Jahre 1930 gezahlt werden. Die Zahlstellenosrmögen sind infolge des Beitragsausfalls auf rund 50 Proz. seit 1926 zurückgegangen. Der Zimmercrverband mußte unter diesen Umständen alle möglichen Sparmaßnahmen sen, mn über den Berg der Krise hinwegzukommen. ergreife Oer Siaat Hai pflichien! Gold geben genügt nicht. Die Bankenfusion bedroht Tausend« von Bankan- gestellten mit dem Abbau. Wie viel tatsächlich abgebaut werden, ist im Augenblick natürlich noch eine offene Frag«. Vichtiger als ihre Beantwortung ist die P o r s o r z e, daß möglichst wen ig abgebaut werden. Jedenfalls muß. wenn überhaupt Abbau, für«ine soziale Regelung des Abbaus nach jeder Richtung hin Vorsorge ge- troffen werden. Mit der Verteilung des Sozialfonds, den die Reichsregierung in Höhe von 20 Millionen zur Milderung der Abbauhärten bereitgestellt hat, ist eine wirklich sozial« Gestaltung des Abbaus, soweit dieser unvermeidlich ist, noch nicht gewährleistet. Der Allge- meine Verband der Bankangestellten fordert deshalb. daß auch di« B a n k l e i t u n g e n zur Sicherstcllung einer sozialen Regelung beitragen. Die Banken sollen vor ollem ihre älteren An- gestellten, die vom Abbau bedroht sind, nicht abbauen, sondern pensionieren, und zwar müssen das die Bankleitungen zu ihren eigenen Lasten tun, ohne daß aus den Reichzsonds zurückgegriffen wird. Auch muß eine soziale Regelung des Abbaus für alle von der Dankensiificm betroffenen Bankangestellten gesichert werden, also nicht nur für Angestellte der Danat- und der Dresdner Bank, sondern ebenso z. B. für die Angestellten, die durch das Aufgehen des Barmcr Bankoereins in die Commerz- und Privatbant in Mit- lcidcnschaft gezogen werden. Daß bei der Durchführung des Abbaus sowie bei der Verteilung des Sozialfonds die in der Reichsverfassung festgelegte Mitwirkung der Arbeitnehmer, also vor allem auch die Mitwirkung der Betriebsvertretung, sichergestellt sein muß, versteht sich von jtlbst. Jedenfalls darf der Sozialfonds nicht dazu dienen. daß die Banken z. B. bei ihrem Direktorenabbau eventuell noch ein Geschäft machen. Krawall auf der„Friedenshütie". Ein Toser und TS bis 20 Verletzte. Sattowih. 25. Februar. Die unter Geschäftsaufsicht stehende„Friedenshütte" beschäftigt gegenwärtig nur einen Teil der Belegschast. Die gereizte Stimmung ver Arbeiierschast führt« am Mittwachnachmittag zu einem ernsten Zwischenfall. Etwa 600 Arbeiter drangen, nachoem sie die Tore erbrochen hatten, in das Werk ein. Polizei ver- sucht« vergeblich, die Menge zum Verlassen der Hütte zu veranlassen Schließlich machten die Beamten von der Schußwaffe Ge- brauch. Dabei wurde ein Arbeiter so schwer verletzt, daß er bald st a r b. Ein weiterer Arbeiter wurde schwur verletzt, 15 bis 20 Personen haben„leichte" Verletzungen bovongetrogen. t Freie Gewerkfchafts-Lugend Verlin Heut«, Frntea. 36, ffthruat. ua NHi Uhr, tage« die Sruvven: Süden: Nug«ndy«im Dassertoritr. 9..SSewerkschattui und Nlassentampf."— ahartettrnbnca: Jugendheim«prceltr. 30.„Eellnuuhrung— Potd. Währung— Slartttna: Iuaendhewl Schule Sonnenvuraer Str. 30. AideUs. gemeintchoft;„Junger Oo-rnerffchaftet".— Xttpiaa: Juaendheim Stseustr. 3(ant Hhf. Zrcptow). Musitabend.— Sieutälln: Jugendheun Treptower Str. SS. it*.— ftermannplah: "■enotgamfation der tuaendbeim Franlfurtar Mee 307," LSnr»!>nmer. -JßKSiS."— Zep-eliaplaz: Jugendheim Turin er ,»•» CTv,-.«-! V.T X.w O.ti__—---•-''■- Kurzreferate:„Erlebnisse im Beruf und auf der El Jugendheim Saaderstr. ll. Ecke Habrechtstraß-.„Sei Nazi unb Äaji.'— Osten: Sip~ „Aufbau. Zweck und Ziet de» iji_______ Scke Seestraß«.„Sie Made im Wandel dar Zeiten."—"Retuickaatari.tst: Jugendheim Lindauer Straß« l Baracken), jfartseßung de» Reihenoartraaes: fiihrnng in die Staat-palitU".— W>Ier»hnI: Jugendheim Udier-Hof, Bi». lstr. U„Dar lustig» Berliner.-' ®Ius-«dan»ppe des Zeittralverbandes der«aaefiellten Heut«, Freitag, fwden falgende Boranflaltungen statt: SLdmcst: Jugend. h-im Airckstr. U(3. H»». LuergahSud« 1 Trepp«, Ztmmar SV Unsere Madel haken da-, Wert.— Hie Phat''grupr!e lammt heut« um 30 ICHr im Limmer 24 unsere» ZZerdandthausa» zusammen.— heute tagt die„Berliner V'lruckeeat. und Berlagzaefellfchaft». Id. H."»p» 20—23 Uhr wl Suzendheltu Ehertnftr. 13.— Di« Singaftund, am Sonntag, 38. Februar, findet nicht im Zlltersheu» Danziger Straß«, fand«» im Snganbhet» Lehrtee Straß« V— IS Patt. dtaut I. Schmidt: äTh__ B®_ M MG Große Leute haben regelmäßig auch ihre Schwächen, aus allgemeinen Gründen der Gebrechlichkeit der Welt! man muß sie sich nur eingestehen und sie gegen den überwiegenden Wert ihrer sonstigen Leistung halten, da gehen sie schon so mit und geben dem Gesamt- bild Farbe und Interesse. So darf man sid) auch bei Goethe nicht verhehlen, daß sein Verhältnis zur bildenden Kunst bedenklich und er da ein arger Schulmeister gewesen ist, der kraft seiner Autorität manches Unhell angerichtet hat. Well aber die Goethe-Philologie und demzufolge die Lehrer in den Schulen davon nichts wissen wollen und uns in früher Jugend vielfach eingeredet wird, daß die Sprüche, die Lessing. Winckelmann und Goethe über die bildende Kunst ausgegeben hoben, ewig gültig«, auch für uns gültige Weis- hellen darstellen, darum muß einmal in diese.allen Rümpel- kammern menschlichen Irrtums hineingeleuchtet werden. Man darf nicht jede Zeile, die Goethe geschrieben hat, für Offenbarung des heiligen Geistes halten: es steht damll ganz so wie mit anderen hclligen Schriften. Goethe war ein Kind des 18. Jahrhunderts, dessen«poche- machende Entdeckung auf ästhetischem Gebiet die Lehre Winckel- manns war: daß die Antik« allein die große wellbedeutende Kunst geschaffen habe, die für all« Zellen vorbildlich sei: und flugs bemäch- tiaten sich phantasielose Maler, wie Mengs, Oeser, Tischbein u. a. dieser bequemen Aesthetik: man brauchte nur die„unnachahmlichen Griechen" und dazu Raffael nachzuahmen, ihre Gestalten in Bilder bändelnd einzusetzen, um so groß und bedeutend zu sein wie die Originale selbst. Das klingt uns heute unbegreiflich und wie ein schlechter Witz. Es mar aber jener Zell um 1770 bllterster Ernst damll, man kann es in allen wichtigen Schriften der Epoche nachlesen und in zahl- losen Bildern und Statuen nachsehen. Mll Recht sind diese Aus- geburten eines mißlelleten Rationalismus auf phllosophischem wie künstlerischem Gebiet vergessen. Nicht vergessen sind sie aber leider in Goethes Schriften und ihrer Nachwirkung. Goethes Kunsterkenntnis fegte sich aus zwei Erfahrungen seiner Jugend zusammen, die bekanntlich am hartnäckigsten sich erhalten und wirklich auch sein ganzes Leben durch bestimmend geblieben sind: aus der Bekanntschaft mll den schwächlichen Frankfurter Malern Schütz, Trautmann, Seekatz, Morgenstern usw.. deren äußerst mäßige Bildchen er als Knabe im Hanse seiner Eltern und Belanillen und die er selber bei der Arbell für den in Dingen der Kunst ganz ahnungslosen Königslcutnant Thoranc sah— und aus den Lehren Oesers in Leipzig(wohin er als sechzehnjähriger Stu- dent kam), der Ihm die Vollkommenheit der Antike als nachahmens- wertes Ideal hinstellte. Dieser klassizistische Einfluß wurde später, in Weimar und in Rom, noch verstärkt durch die Kenntnis von Winckelmanns Schriften und von antiken Kunstwerken und durch den Einfluß von Künstlern wie Bury. Angelica Kaufsmann, H ackert, Wilhelm Tischbein, die ihn in Rani wie eine Leibgarde umgaben und jeden frischen Hauch besserer Kunsterkenntnis von ihm fern- hielten. Di« Wirkung so«knselliger Orientierung zeigt« sich nach der Rückkehr von Rom. da Goethe, im Derein mit Schiller, vor allem aber mit dem pedantischen Zeichenmeister Meyer aus Gtäsa, seinem Kunstorakel, das er sich eigens nach Weimar holte, eine ebenso sruchtbare wie gefährliche Äunstschriststellerei begann. Nacheinander schuf er sich in den 17Sl1er Jahren die„Haren", die„Propyläen" und sväter(1817) noch„Kunst und Altertum" als ZeitsHristen. die (Kizdrucklich/ftsiiq? Kunsttheoria als Sprachrohr dienten. In ihnen kann man. Wenn man Luft hat. nachlesen, was er über alle Kunst, über Aesthetik, über die Kunst seiner Zell dachte, und nicht nur das: als Norm und Richtmaß für jedes künstlerische Schaffen ausstellt». Es ist das all» kunstwidrige Dogma von der Nachahmung der Antike, wie er(nach Winckelmanns Vorbild) sie vorstand: vor allem ..gefällig", mll„Anmut und Schönhell", und nach den damals be- kannten mäßigen Werken spätgriechischer oder gar römischer Her- kunst: denn ihm galten Laotaon. Hera Ludopisi. Apoll von Bcl- nedere und die römischen Bauten einer Verfallszell als da» Wunder- bare, wahrend wir die griechische Kunst in ihrer echten Gestall als von ganz anderer Art erkannt haben. Wo Goethe übrigens den Spuren dieser wirklichen Griechenkunst begegnete, erschienen sie ihm fatal und unheimlich und durchaus nicht nachahmenswert: so steht in der„Italienischen Reise" sein Erlebnis mit den Tempeln von Paestum. die ihm im Herzensgründe nur Grauen einflößten. Aehn- lich mar es mit Michelangelo, mit der Gotik und allem Starken und Charaktervollen in der bildenden Kunst: er lehnt« es ab. Und er begnügte sich keineswegs mll privater Ablehnung: er gedachte seine Zeitgenossen zu seiner eigenen Ansieht zu bekehren und hie Künstler in die Bahn der klassizistischen Nachahmung zu zwingen. In dieser Absicht schrieb er, in Gemeinschaft mit dem .Lginscht-Meyer" in seinen Zeitschriften zahlreiche Artikel, griff überall persönlich, wo er konnte, in die Erziehung junger Künstler ein. erließ Preisausschreiben, die darauf binavsliesen. den Malern, Themen aus dem Altertum zur Bearbeitung zu stellen, und führte eine Menge Fehden mit Kunstfreunden und Künstlern. Mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit stand er auf der Seit« des Ueherlebten und führte vor allem gegen alles„Deuffchtünüiche" und gegen die aufkommende Romantik«inen erbitterten Kleinkrieg. Sa trat er immer für die Mittelmäßigen unter den zellgenössischen Malern ein, wenn sie nur in seinem Sinne schufen, und lehnte die wahren Führer einer neuen Sinnst fast restlos ab: Carstens. Gott- frieh Schadow, Runge, Cornelius, C. D. Friedrich u. a. sind schnöd« von ihm zurückgewiesen worden, und nicht nur dann, wenn sie ver- tcauensvoll kamen, sich seinem Kunsturteil zu unterwerfen. Erreicht hat er schließlich nichts damll. die Entwicklung zur Romantik, zur deutschen Form des 19. Jahrhunderts, im Widerstrell gegen das Ällerweltsideal raffaelisch-antikischer„Schönheit", ließ sich nicht aufHollen. Was von seinen Kampfschriften übrig blieb, ist aber leider ihre stille und heimliche Einwirkung aus die Kunst- onschauung des deutschen Volkes. Kraft der hohen Achtung, die alles von seiner Celle Kommende im gebildeten Bürgertum des 19. Jahrhunderts genoß, geriet die Romantik unmerklich in Verruf. und es wurde wieder, wie in Goethes Jugendjahren, das Ideal des Klassizismus den Deutschen als Bildungsnorm aufgeredet. Noch-in so bedeutender Künstler wie Feuerbach war von diesen Ideen, zn seinem Schaden, ganz besessen; und die unvergleichlichen Maler der deutfchen Romantik waren so verschollen, daß erst 1996 die große Berliner Jahrhvndertschau sie uns aus völliger Nacht herausheben mußt«. Das gipserne Ideal der Antikennochahmung beherrscht« bis in den Anfang des 29. Jahrhunderts hinein viele, ja die meisten der Akademien, und völlig die höheren Schulen für Kinder. Jetzt, da wir längst diesem Spuk entronnen sind und uns anga- fichts seiner ungeheuren Fülle von Kunstgebilden der ganzen be- •nzohnten Erde seit fünf Jahrtausenden in einer prachwoll vitalen und phantasieersüllten Kunst unserer eigenen Zell die Augen reiben. fragen!».«>« es denn möglich gawsstn fei, daß ein so großer und überschauender Mann, ein Entdecker und Gen!« auf so vielen Geiste� gebieten wie Goethe, sich in dem einen Ifall der bildenden Kunst grfiBdBchst geirrt habe» könne: jetzt durchschauen wir auch Grund und seelische Voraussetzung eines so schmerzlichen Unheils. Die kleinen Frankfurter Maler aus der Umgebung des Vaterhauses, die Trautmann, Seetatz usw. haben noch nicht ihr Wort gesprochen. Sie sind es. deren klägliche Pinseleien dem aufgeweckten Knaben Überall als begehrte Kunstwerke begegneten und für sein Leben zum Maßstab wurden: denn selten vermag man sich von infantilen Ein- drücken stärkster sinnlicher Art zu befreien. Es kamen die gleichlautenden Erfahrungen w Leipzig. Weimar und Rom hinzu, wo das Unglück wollte, daß Goethe immer nur auf schwache und laue Charaktere traf, die seine vorgefaßte Meinung unterstützten. Ein- mal, in Straßburg, hat er einen glücklichen Augenblick gehabt, als er die Herrlichkell der Gotik im Münster und in Dürers Kunst er- kannte und dieser Einsicht ein unsterbliches Denkmal fetzte in seinem Ät?r Amerikaner Der Ball in dem vornehmen Hotel erreicht seinen Höhepunkt. Im großen Saale schmettert das Saxophon, und die Tanzenden schmelzen zu einer weichen Masse zusammen. In einem kleinen Saale steht ein aufgeregter Herr und schreit:„Zwei Mark ein Tombolalos, meine Damen und Herren! Zwei Mark! Bitte, die Gewinne zu besichtigen! Ein langer Herr mit einer Brille in Begleitung einer kleinen Blondine besichtigt die Gewinne. Er wischt sich die Stirn ab und kauft zwei Karten. Das heißt: er bezahlt vier Mark, greift in das Rad. das von dem aufgeregten Herrn bedient wird, und zieht zwei gerollte Lose heraus. Beide sind leer. Der aufgeregte Herr beginnt von neuem zu schreien. Aus dem Tanzsaal taucht plötzlich ein grauhaariger, glattrasierter vornehmer Herr hervor. Die Hände in die Taschen gesteckt, bleibt er vor dem Glücksrade stehen und betrachtet es aufmerksam. Nach fünf Minuten fragt er:„What's that?" Der ausgeregte Herr wird plötzlich ruhig und beginnt zu erklären. „Well, geben Sie mir zehn Stück! Uas zahle ich?" „Zwanzig Mark, bitte!" Der grauhaarige Herr nimmt zehn Röllchen aus dem Rade und fängt an. sie zu entfallen. Das neunte Los gewinnt. Der aufgeregt« Herr drückt ihm eine kleine Marmorstatue in die Hand. Der Grau- haarige dreht die Statue hin und her.„Sehr gut", sagt er,„geben Sie mir noch zwanzig Tickets!" Er bezahlt vierzig Mark, zieht Röllchen und entfaltet sie. Mit zweien hat er wieder gewonnen. Er bekommt ein Mokkaseroice und eine Gans. Da ruft er den Kellner und übergibt ihm die Gewinne.„Verkeilen Sie! Und bringen Sie einen Sessel!" Der Kellner rauscht fori und kommt mit einem Sessel zurück. „Sehr gut", sagt der Grauhaarige,„jetzt geben Sie fünfzig!" Er sitzt und entfallet. Er hat schon einen Pelzkragen, einen Rasierapparat,«in halbsz Dutzend Büstenhalter und einen Staub» sauaer gewonnen. Jeder Kellner bekommt etwas. Dann steht er plötzlich auf und sagt:„Excuse! Ich komm gleich. Bitte auf Sessel aufpassen!" Verschwindet, geht auf sein Zimmer, kommt zurück. „Frisches Geld", sagt er und setzt sich.„Geben Sie zweihundert!" Der Tanzsaal leert sich. Wies kommt in den kleinen Saal und beobachtet den Grauhaarigen. Die Kellner lauern. Wenn sie vorbei müssen, bleiben sie neben ihm stehen und warten. Dann bekommen sie etwas gesthenkt ünd' können tzshem' r'• Der grauhaarige Herr arbeitst kühl und gemessen. Unter den zipeihundert Zetteln waren zwölf Gewinnummern. Er verteilt alles. Da>m kaust er immer von neuem, entfaltet, gewinnt, wateill. Es vergehen Stunden. Das Glücksrad ist schon fast leer, der Gewinntisch auch. Da fährt er plötzlich auf. Es blitzt in seinen Augen und er tritt gravitätisch an das Rad heran.„Passen Sie auf!" sagt er z« dem aufgeregten Herrn...Jetzt geben Sie mir nur eins!" Er atmet tief, drückt die Augen zu und zieht ein Los heraus. Langsam und andachtsvoll öffnet er es. Der Zettel ist leer. Er schüttelt den Kopf und trägt seinen Blick verzagt umher.„Ich habe Pech", sagt er. Und geht traurig aus dem Saale. Stuüifcher Alltag Si« nochfolg- irden Schilt-rung-n find lein« Erfindungen russischer Humoristen, sondern entdalten eine wortgetreue Wirdngob» wirklichcr Porgönge. die wir dem lokalen Teil« der Moskauer Zeitung„Moskau am Abend" entnehmen. Socken und andere Ttichtigkeiien. Die Aktentasche unter dem Arm. betrat ein Bürger mittleren Alters die Annahmestelle des Moskauer Wäschereigewerbeverbairdes auf dar Großen Dlmitrowka. Gewichtig öffnete er seine Akten« laiche und zog einen Hausen schmutziger Wäsche hervor. Der Ange« stellt« hinter dem Ladentisch zählt» die Wäsche aufmerksam und schob sie dem Kunden wieder zu.„Unter zehn Stück nehmen wir nicht an." „Aber, bitte, es stich ja zwanzig Stück." „Ja, wenn Sie Socken und ander« Nichtigkeiten hinzurechnen. Als Stücke gelten nur Unterhosen und etwa Laken." Der Bürger stand eine Weile starr. Dann erkundigt« er sich trübselig:„Gilt die Satteldecke eines Zirkuselefanten als„Stück" oder nicht?" „Bisher ist uns noch keine gebracht worden. Aber ich glaube, sie wird schon als Stück geller»." Da der Bürger weder«inen dressierten Elefanten besaß noch die zu ihm gehörige Satteldecke, so verließ er. in Zigarettenrauch gehüllt, die Wäscherei. Aus dem Strasstny-Boulevard kannte er eine ändere Almahmestell« des Wäscherewerbandes. Schnurstracks eilte er dorthin und schüttete den Jnhall seiner Aktenmappe aus den Ladentisch. Doch wieder erklang es unbeugsame„Unter zehn Stück nehmen wir nichts an." Der Bürger, der das Unglück hatte, nicht gpnz so viel« Stück Wäsche schmutzig getragen zu haben, bestieg die Elektrische und fuhr nach der Annahmestelle derselben Wäscherei auf der Sustschew- straß«. Doch auch dort hieß es:„Unter zehn Stück.. Er eikt« nach der Sadowaja, Ecke Ulianowka, wo sich ebenfalls ein« Wäscherei des Gewerbeverbandes befand. Abermals wurde die Wasch« gezählt und ihm zurückgegeben.„Zu»venlg. Die Stückzahl ist nicht voll." Da ließ sich der Bürger auf ein Taburett fallen und begann, eifrig sein Zeug abzustreifeil. „Aber ich bllte Sie, was soll denn das heißen?" gab der An- gestallte entrüstet seinem Erstaunen Ausdruck. „Ra. mll der Wäsche, die ich noch anhabe, werden schon zehn Stück Herauekommen Es hat nichts iveiter auf sich. Sie können immerhin waschen: ich warte unterdessen." „Aber wir liefern die Wäsche nicht unter drei Wochen. Wollen Sie etwa drei Wochen lang nackt dasitzen und warten?" Der Bürger, der ein beruslich außerordentlich in Anspruch ge- nrnnrnener Mann war. kannte nicht umhin, die Richtigkeit dies«» Aussatz„Bon deutscher Baukunst"(1771). Aber dies geschah iin!»r dem segensreichen Einfluß der Herderschen Ideen, und es hat Goethe nicht gehindert, bald daraus alles Gotische als minderwertig zu bc< trachten. Dennoch fragt man: warum denn diese unbegabten Maler alle so unfehlbar auf Goethe wirkten und warum er fast mit Sicher- hell das Bedeutende, Männliche, Charaktervolle in der Kunst abgc- lehnt habe? Man wird kaum fehlgehen, wenn man als ticfften Grund seiner kunstirrtümer die eigene Produktion auf dem Gebiet erkennt. Von frühester Kindheit an hat er gezeichnet und während seiner Beschäftigung mit der Kunst immer wieder sich aus dem Papier in Wiedergabe der Natur versucht. Leider aber war sein Talent hier uirbedeitteich. Unterbewußt hat er es erkanitt, aber vor sich selber mußte er sich in seiner dilettantischen Tätigkcll recht- fertigen: und so nahm er mit Begierde die schivächsten seiner Zeil genossen als Muster, denen er nachstrebte und die ihm als unerreich bar Vollkommene erschienen. So urteille Goethe nicht unparteiisch uird legte letzten Endes fein eigenes �hervorbringen als Maßstab an die gesamte bildende Kuvst. Hinweises einzusehen. Also ging er fort, in der Absicht, schleunigst die letzte Garnitur Wäsche, die ihm noch verblieben war,.schmutzig zu tragen, und nahm die Aktentasche wieder mit, deren Inhal: nicht die erforderliche Stückzahl auszuweisen hatte. Drei Quittungen. Die Bürgerin Klepowa, die ans der Chlebnaja 9 wohnte, er» hielt eines Tages von der Polizei ein Strajmandct mll der strenger» Anweisung, drei Rubel Straf« für eine Fahrt ohne Fahrkarte an die Kasse der Staatsbank einzuzahlen. Am nächsten Tage«it. richtete die Klepowa das Strafgeld und erhielt eine Quittung. Ein« Woche war oergangen, als gegen 19 Uhr abends ein Polizist sich bei der Klepowa meldete: Die Bürgerin, die sich in: vergangenen Sommer auf der Linie Schaworonki— Moslau ein Eisenbahnvergehen hatte zuschulden kommen lassen, solle sich sofort der sechsten Abteilung stellen. Die Klepoiva stellte sich. An der ausgegangenen Zigarette saugend, sagte der Diensthabende:„Sie haben drei Rubel Strafe zu erlegen für eine Fahrt ohne Fah:- karte." „Die habe ich ja schon bezahlt." Und sie legte die Quittung der Staatsbank vor.' „S ch o o n?" dehnte der Diensthabende, außerordentlich enttäuscht. daß da« Vergehen, da- er seit geraumer Zell bearbellelc. von einem anderen aufgedeckt worden war.„Oho. zeigen Sie mal Ihre Quillung her! Also... Sie bekommen eine neue." Ein noch so scharfsichtiges Auge hätte an der neuen Quittung keinerlei Vorzug wahrzunehmen vermocht. Und nun wurde am 4. Dezember die Wohnung, die die Bürgerin Klepoiva bewohnte. durch Sturmgeläut in Aufruhr gebracht Man eilte zur Tür. als die Glocke zum zweiten Male schrillte. Die Tür flog auf. und im grünlichen Schimmer trat die magere, schneeverwehte GestaU des Polizeiinspektors über die Schwelle.„Die Bürgern: Klepowa!" befahl er, durch die Gewichtigkeit seines Auftretens seinen Pflichteifer dokumentierend, den weder die frühe Morgenstunde, noch das schlechte Wetter aufzuhallen vermocht hatten.„Das bin ich", sagte die Klepowa und trat einen Schritt vor. „Haben Sie die Güte, drei Rubel Strafe fiir«in« Fahrt ohne Fahrkarte zu erlegen!" „Ich habe sie bereits erlegt." Sie zog die Quittung henw, die sie fortan Tag und Stacht bei sich trug. „Oho!" runzelte der Polizei Inspektor die Stirn, während� er die Quittung musterte.„Ich stelle Ihnen sofort eine ,i#u� piiv" Er öffnet« fein» Aktentasche und füllte sorgsam eine Quittung aus. die sich von den beiden vorhergehenden durch nichts weiter unter schied als durch die Handschrift. IVolfgang'Jtariniann: Slraftenbekanntfchaften Ich mache doch ab und zu Straßenbekannffchaften. Das ergibt sich sozusagen von selbst. Wenn man täglich denselben Weg gelit. jahraus, jahrein, dann begegnet man doch immer wieder cü» und denselben Me, ischen, die im Quartier wohnen, auch den gleichen Wca gehen, zur Untergrund, in die Stadtbahn, zum Bus oder ins Cafö, zum Zellungsmann an der Eck«. Von diesen vielen täglichen Gesichtern merkt man sich im Lauf der Zell einige, sympathische und unsympathische, Frauen und Männer, junge und alle. Natürlich besonders junge, hübsche, und Damen natürlich. Ich habe jetzt schon eine ganz nette Anzahl solcher Bekannter beisammen, männliche und weiblich«. Nicht alle kenne ich persönlich. Mll einigen stehe ich bereits aus dem Grußfutz. Mll anderen wechsele ich bloß verständnisinnige Blicke. Mit der Mchrzahl bin ich mir im unklaren, was damit zu geschehen hat in Zukunft, grüßen oder weiterhin ignorieren. Einige werden allmählich reis zum per- sönlichen Bekanntwerden. Das ergibt sich dann zwanglos, in der Tram beim Aussteigen, beim Zeitungsmann, oder wenn ich meinen Hund spazieren führ«. Manchmal ist es sehr nett und reizvoll. öfters eine Enttäuschung. Man hat sich den Menschen im Laufe de»' Wochen und Monate anders vorgestellt. Ihm geht es vielleich: ebenso. Wenn es ein«„Sie" ist, wirkt so etwas besonders schmerz- lich. Man ist um eine Hoffnung ärmer. Mll den wenigsten wird man, was so„gut Freund" heißt. Die rvachsen und werden immer anderswo. Ich bin jetzt schon ein wenig skeptisch geworden. Man iü sich gegenseitig kein Geheimnis mehr. Es ist wie eine platonische Ehe auf Enffernung. Man sieht sich zu oft. Man weih und weiß nichts. In der Vermutung liegt Abgründiges. Der Zauber ist dahin. Aber es gibt doch noch Ausregungen. Di« Frage, ob ich morgen die hübsche Blondin«, die fest einigen Wochen nebenan wohnt, beim Einsteigen in den Bus grüßen soll oder noch warten, macht das Hetz für Minuten rascher schlagen. Natürlich werde ich sie grüßen! Aber was dann? Was wird sie sich dabei denken? Daß ich ihr« Bekanntschaft machen will? Bielleicht will sie längst meme Bekaratt- schuft machen und wartet nur auf meinen Gruß. Sie betrachtet müy ernsten Blickes. Einmal verzog ich dabei meinen Mund. Da schaute sie weg und verzog auch ihren Mund. Jetzt ist es höchste Zell, daß wir uns grüßen. Ich werde ihr später eine Karte ins Theater schenken. Aber damit hat es noch Zeit. Ueberhaupt Geduld haben, das ist etwas Schönes. Es imponiert den Frauen sehr. Aber man wirkt dabei leicht arrogant. Ja, die Blond« wird morgen gegrüßt! Mit den männlichen Bekannten par distanoe habe ich kein Glück. Sie sehen in mir offenbar einen Konturrenten. Ick) habe noch keinem etwas zu leid getan. Sie denken vielleicht, ich hätte Glück bei Frauen, ich nähme ihnen eine weg. Einen anderen Grund für ihr« gemessene Feindschaft gibt ee nicht. Sie sind böse auf mich, weil es mir gar nicht eilt. Sie haben es noch nie erlebt, daß ich abgeblitzt bin.(Ich auch nicht bei ihnen.) Schade. Man ist manch mal so ollem. lNöchte gern mll einem klugen Rtann ein pmi" Worte wechseln. Na schön, dann eben nicht. Bleiben wir seindkich Nachbarn bis in alle Ewigkell. Aber morgen werde ich bestimmt die Blond« grüßen! Wurstwaren Sülzwurst................ pfd 0,64 Speck wurst Tbar. Art...m 0,44 Dampfwurst............ p«. 0,70 Bauern-Leberwurst..pfd. k,7S Jagdwurst.............pro 0,78 Knoblauchwurst....... pid. 0,84 Wiener Würstchen... Pfd. 0,95 ff. Leberwurst......... pid. 0,98 Schinkenpolnische... Pfd. 0,98 Zervelat od. Salami.. pm. 0,98 Hamb.gek.MettwurstPid. 7,04 Schinkenspeck....... ptd. 1,18 Teewurst(ein........... Pfd. 1,18 Filetwurst............... Pfd. 1 ,34 Fetter Speck.. ptd. von 0,68 Magerer Speck ptd. von 0,84 Preis« nm* Freitag o* Sonnabend*— Mengenabgabe vorbehalten.- Verkauf iowelt Vorrat*- Fleisch u. lelchwerderhMthe Waren eind vom Versand outgeschlossen.- Ole Zu:endung von Lebensmitteln erkolgt bei Qestellung von 5,03 Mark an* Kose und Fette Süssrohmkäse... 2 Stack 0,25 Frühstücks käse leoIl, sst 0,45 Emmenthaler°/,-Sc>t»ciits> 0,48 Stangenkäse■siv.Pfd. voo U,38 Dän. Schweizer m,....Pid, 0,44 Tilsiter voiitett......... Pid-vou 0,10 Steinbuscher voüfett...Pid C,70 Edamer �1%.............. Pfd. 0,84 Holländer i0%.......... ptd. 0,84 Münsterkäse voiuett....Pid, 0,84 Bayr�ehwelzervoUf, Pfd.v. 0,95 Ronscnmalz............. Pid. t,44 Bratenschmalz........ Pfd. 9,44 Griebensthmalz...... Ptd 9,48 Obst und Gemüse Erdnüsse................ pid. 0,24 Blutapfelsinen....... 3 pid. 0,94 Jaffa-Orangen...... 3 pm. 0,72 Zitronen............. du. von 0,24 Bananen jsmaie........ 3 Pfd. 0,84 Ess- oder Kochäpfel 2 Pfd. 0,24 Tafeläptei mut...... 3 pfd. 0,95 Möhre.1 �awucdeD..... 3 Pfd. 9,10 Grünkohl................ ptd.C,06 Rot- oder Weisskohl ptd. 0,07 Rosenkohl........... 2 Pfd. 0,25 Zwiebeln................ pfd. 9,16 Schwarzwurzeln....s pid. 0,25 Tomaten............. pfd.0 24 Apfelsinen....spfd. 0.44 j Frisches Fleisch Kalbskeule bis» Pid. schwer.___ Eins oder geieilt......... Pid. von 9,62 Kalbsschnitzel..... Pfd. von 1,12 Kalbsrücken o. b....ptd. von 0,50 Schweinebauch o. B s. Ptd 0,t 8 Schweineschulterbl.sB.Pfd 0,64 Schweineschink. n swn. pm 0,46 Schweinekamm adv-Sehen,.__ ohne Heiis-i«................. fla 0»o8 Schweinekotelett pm, von 0,70 Kassler Rtppesp. mild. Pia 0,76 Schweineköpfe mit sack«, pm. 0,34 Hammeivorderfl. pia von 0,74 Schmorfleisch». jül, Pia v. 0,66 Gulasch eenüscht........ Pia 9,60 Roastbeef o. Knochen...Pfd. 0,98 Gehacktes............... Pia 0,50 H ammelvorderfl.gsir. pm n» 9,44 Frische Kolonialwaren Burma-Reis............ pm.0,14 Bassein-Reis........... pu 0,18 Mouimain-Rels........ Pia 0,24 Japan-Reis............ na 9,22 Eierbandnudeln...... Pfd. 0,44 Bruch-Makkaronl.... Pia 0,44 Xlktoria-Erbsen..... zpid. 0,35 Weisse Bohnen..... 2 Pia 0,24 Grüne Heringe............. s p.a 0(32 Seelachs felnnd BT. o.e.. Lg. Ptd. von 0,12 Kabeljau uiMd, gr, o. k. l g. Pia von 0,12 Ausfernfisch»bg<»ogen......... Pfd. 0,1 s Kabe!jaufi.ef.................... Pfd. 0,20 Dorsch ohne Kopf, fm ginnen..... 3 Pfd. 0,2S Bratschollen................... 3 Pia 0,25 Zander gefroren. im ginnen........ Pid. 0-35 leb. Spiegelkarpfen....... pid 0,08 in allen Häusern ausser Andreosstrasse Räucherwaren Bücklinge............................. Pfd 0,20 Scheltfisch gei»noh«t................. Pfa>.25 Seelachs geraachert............Pfd. 0,22 Stückenflundetn geriaohen........ pid, 0,33 Rotbarsch ceMncherr.................. PM 0,32 Fleckheringe geraachert.............. Pia 0,34 Seeaal abgezogen, geraachert.......... Pid. 0,38 Fiscnmarinaden........... v.-L'r.-Doee 0,40 Suppenhühner.. Pia von 0,70 Hasen Keueift nnd"sseÄ, 0,68 Wdne Freit« oh», Fluche 30di Obrrhaardt.Mallcamm.]'(. Planche SOtrDilrkh. F*u»rb*rg Koiw.l Ck*7 K Haidslbeamve.n............. f Vg« if Stach* basrwain............ J luFL 7,00 29rBruit g*r arkklo-el....\'f, Flasche 30di Alrlsrwellarerlenen.. I di AK T rrrngona, Munkof, Malvon.|", Erdbecrwain, hervor rag. yoil J luFi. 9,00 39cr Brauneberaar Riesling Vi Flasrhe USer Ule jfraum'.rch mW Djmjrr,.!<■ AS „Alunchro" Krim- Dessertwein f Ii4hw Inno) Samos vorzligi. FrahdDckrmin1 lOFi.12, jO Mol k.-Butter... Pia 1 ,32 Für Restaurateure! Wal.•\om Fass gut und billig Riieinpfdlz.Wa.ssw. Ltr 0, 8 i0Ltr.6,5O Jo:tannUbw. I. 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Februar, abends? 40 Uhr, starb nach kurzem aber schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser heizensguter Vater. Schwnoger- und Großvater Oido PVaMtf Bifies Im 60. Lebensjahre Die« zeigen tlefbetrflbt an Dia trauernden Himeibtiebenen Ww. Ida Hatthlea geb Dobbert, nebst Kindern. Neukblln, den 24 Februar 1932. pinäscherung Sonnabend. 27. Februar, abends 8 Uhr, —i Krematorium Baumschulenweg. KietbolzstraBe öentsoier Metallarüeiter-Yerbanii VerwaltoBRsslelle Berlin Todesanzeigen San TOilglifbctn sur Nachricht, baß ntllnr Zlollrgr. her Schlosser Martin Koschuk geh X August 1867, am 23. Februar gestorben in Di« Beerbigimg suchet am Sann- abend, htm-7 ffedtuar. IS>/, Uhr, von der Leichenhalle des»ernelnbe» fit chho es in Futfenfrug au« statt. Arn 24 Februar starb unser Kollege, der Schleifer August Lohmann geb. 20. Februar 1873 ®if Einäscherung sinhei am Sann- abend, htm 27 Februar, 15V, Uhr, im Krematorium Seiichllitaße statt. Ehre ihrem AnOenfeni Rege Befetligung wird erwartet. Oie Ortsvervralhuig. > Theater, Lichtspiele usw. plA�a j Nähe Sehl,,. BM. 1 |5iJit1St«s,2,5,«i5U.| J Td.: E 7 WclcfsBl 4831 1 I Jfa Bliimh»mHiwiH f— Kiemes m. Truppe 1951. FSgL 8'/, Uhr vi» mauseialie drei« 7» PI.— s M Sonnt oochra. 4 U- halbe Preiae. Theater desWestens Täglich H1/* Ubi Prinz Nemasalem Operette tos Job. Strut Waldmüller. Morgan. Jankuhn, Lilien. Ewald. Sonnabend«*4 Uhr Sonntag'bZ Uni Kai sus der Riste Sonmag s Uhr DerVogeinanfller SlätfLOper Chanotienburg Bismarckstiaße 44. Freitag. 26 Febr. Turnus Iii Anfang 19 30 Übt Manon Ende geg 2330 Uhr -TüCTtßr Id ücr- Stresenann&tr. Tä o i ich 8'« Uhr Ltopoiiliiii XomtaDtiii Thuxlor Lob in In jeder Ehe... Theater im Nallendorlplab fchsti HwnSiMir] Pallas 7051 Tigllch 8»;« übt Stgs auch 4»/, Ubi Heute zutnllLMale Gasparone meiropoi-ineaier Täglich 8>k Uhr Ein ited der Liebe Rieh. Tauber Annl Ahlers Sonntag 4lb Uhr Fledermans Charioiteflstr.90-9t. Sonn ab u S g.SUht BsEitstmlile iLfokMhd« Kampf um KUsdi Zum Bnteu r« Sutiun; bsiurttigif Sdiulküid« Staats Ä, Theafcr Freitag, den 24». Febraar staaisoper unter den Linden 20 Uhr Die Hugenotten StutLSduiupmlbius Gnibi ffliBssTit. 20 Uhr Cyrano von ßergerac Schlllef-Theater Charlottcnborg. 20 Uhr Die end'ose Straße »• /.ui" CASINO-THEATER»'/. LothrlBRer Strebe 37. >iiNi*niNuiiimni>iiiiniiuiuiiiMiN»!« Lese gleicher Nummer in den beiden Ableilungen 3 und II 15. Ziehungstag L5. Februar 1933 In der heutigen Vsrmitlagsziehung wurden Gewinne über 409 M. gezogen 2«htnint» t« 10000«L 291932 12 etBiam»u 5000 M. 39991 10S297 1 15598 216129 274619 343798 14 e«miane PI 3000 SIL 5S333 40997 114651 115020 ISS. 65 226413 331 963 49®e>lmrt m 2000-M. 20240 82160 102962 112961 15SS7S 161431 161855 138337 177638 183248 191127 205835 229052 246580 274806 230394 285904 291856 307598 349197 352366 362633 339162 368239 112 eewinn,.a 1000 9K. 15818 22852 23979 33776 42265 45368 48806 62753 61359 67872 72124 84506 87959 89260 1001 63 1 16798 138306 144488 147168 152474 152949 153833 163882 168866 171078 181673 181919 187057 193557 200171 208351 224476 231288 233058 240852 242975 243256 256139 258145 263272 276183 2943o2 296277 298732 317204 340577 341514 344790 349343 365974 370194 371199 375433 378770 382582 337935 1 84 Eewinne ja 500 M. 1 51 42 1 7855 31 965 34997 36945 401 09 44487 54058 58067 62530 64455 68278 69285 71740 74373 76479 77206 80894 84600 88447 87211 98021 100715 106042 108227 1 09762 110140 121385 125562 123182 126895 140732 142680 143092 143823 148378 161786 175681 179432 184486 191849 194181 193194 203119 205248 213157 216073 222499 223941 234737 236019 245847 264915 256394 260338 262368 263304 269581 269729 279105 280884 281201 283658 292841 293470 299156 303093 300266 316631 321263 321883 323857 324356 327363 339435 310353 344119 345162 353032 356181 361080 352235 362888 370185 370448 371843 384241 389279 395523 396422 398315 398333 In der Heuligen Nachmitlagsziehung wurden Gewinn« über 400 M, gezogen 2 Gewiane tn 26000 W. 262353 2 Vewioae zu 10000 W. 24304 2®e!mnBe ,a 6000 9H. 74833 12 S-wu-a» ,a 3000 M. 2215 5S7S? 70028 107885 144518 148851 50 Selriane ,n 2000 M. 9307 33987 43042 43593 57334 85525 89727 91731 159811 161869 187784 209959 220103 242304 253121 257S40 267261 285803 313154 335637 370035 377314 382341 387332 390516 96 aettinnt ,» 1000 Ar. 5920 8358 13369 16501 17461 31823 33332 52411 70638 99947 105730 110410 132486 148337 163766 165619 156362 157200 153190 162116 162253 175574 176911 186198187329 198779 210011 223664 225563 245910 247177 262709 263896 2751 46 293061 298364 309425 319777 320744 325858 354387 360339 360464 352525 380338 394095 394548 393303 132 a«Binr.«»n 500 M. 3001 8350 15734 20610 23907 39630 69307 72005 73010 75153 77005 89153 92493 99450 99836 103505 110533 110300 125108 125871 130427 133903 139090 143678 145336151423 157373 163178 165351 166989 177755 179836 183193 193140193376 199251 208433 219243 223637 231438 232537 249071 250416 281157 261193 234509 233937 273735 283397 295223 297305 300071 305162 308392 311455 31 8937 333033 336942 340466 357550 370390 377291 378646 378874 388134 382338 Im(Seroinnrabe verblieben: 3 Prämien je zu 500000, 2 Ee» roinn« zu je KOOOO, 2 zu je 300000, 3 zu je 100000, 2 zu je 75000, S zu je 50000, lö zu je 350)0. S? zu je 10000, 248 zu je 30 X>, 5U0 zu je 8000, 1412 zu je 30o0, 2801 zu je lOoO, 4094 zu je 500, 13714 zu je 400 Marl. Billige weine Zentrale: Müllerstr.166a/167 Fernspr.: Sammelnummer D 6 Wedding 6434 FILIALEN: MüllerstraBi 167 MUllerstraSs 128 Reinickendorf arStr. 14 SerlehtSsrafie 73 Berlin-Schöneberg, HauptsiraBe 112 BrunnanstraBe 117 Neue Schönhauser Str. 3 BeusselstraBe 64 BollermafliutraSe 10 per'/, Flasche 30er Westhofener Kelterstein 0.65 29er Hattenheimer Boxberg 0.80 28er Johannisberg. Vogelsang 0.95 26er Escberndorf.Berg.Boxbamei> 1.35 30er Ungsteiner(Rotwein)____ 0.69 3Cer DQrkhelm. Feuerberg%) 0.8 j per Flasche Wermnt-Weln........... 0.95 Tarragona.............. 0.95 Insel Samos............ 1.35 Montagne.............. 0.95 28er Chatean Fronsac..... 1.35 28er Graves(weißer Bordeaux) 1.85 OBSTWEINEzu billigen Preisen » Verlangen Sie ausführliche Preislisten