BERLIN Sonnabend 27. Zebniar 1932 10 Pf. 7lr. 98 B 49 49. Jahrgang Trscheinttäglich außerSonntag«. Zoglci» Abendau«gadc de«.'Sormirti' Bcjuz«vrci« für 1 1 i t r Slufgadr« 7ö If. pro Wockr. 3,25 M. pro Monal IPaocn»7 Pf. monatlich für Zustrllung ins Hans) im ooraus lapidar. P o st b r j u z 3.27 M. rinfchiirßlich KV Pf. Ppstirltnnzs- und 72 Pf. PostbrstcUzcduhrrn. 1lu,rl«rnprrl«! Dir rinfpaittgr Mtllimrlrrirll, 30 Pf. Rrflamririlr 2.— M. Ermäßtzungrn nach Tarif Ppstfchrcffonlo: Vorwärts-Brrlag G.m.b.H., Brrlin Rr. 37S3S.- Der Verlag bcpäll nch das Recht der Adtepnung nicht genedmcr Anjetgcn oor! R e d» k t t 0 n und Erpedttton: Berlin SW 38. titndenstr. 3 Fernsprecher! Dindost(A 7) 292—297. Das Ende von Harzburg Krach zwischen Hugenberg und Hitler/ Tributdemagogen entlarven sich gegenseitig Hitlers Mordbanden an der Arbeit Bewaffnete Massenübersälle/ Schüsse aus dem Hinterhalt Bei Hilgenberg geht der Katzenjammer um. Die Wahl-> Maschine der Nazis beginnt zu rollen— und die Deutsch- naionalen kommen dabei unter die Räder. Herr Rosen- be e r g hat gestern in einer nationalsozialistischen Bersamm- lung über den„Bildungsdünkel" bei Hugenberg gehöhnt, und auch sonst fehlt es nicht an Fußtritten vom Hause Hitler, j Man rächt sich durch eine bittere Kritik an der neuen Flucht der Nazis aus dem Reichstage, und so schreibt Herr Hussong im„Lokal-Anzeiger": „Kaum stnt» sie draußen, ist der erste Anblick, den das Haus bietet, eine Mehrheit der Schwarzroten in einer Ab- siimmung, in der die Anwesenheit der Nationalsozialisten sie in die Minderheit gebracht hätte. Eine Sache, mit der die Sezessionisten um Goebbels und Straßer sich tief ins eigene Fleisch schnitten, ist es, daß jetzt zum Beispiel über ihre Köpf« hinweg ein Antrag auf Sperrung der P o l i z e i g e l d e r für Braun- schweig glatt so durchgeht, wie er sonst abgelehnt worden wäre. Es ist zu entscheiden über einen sozialdemokratischen Antrag auf Verstaatlichung der Montanindustrie, und dabei lassen die Nationalsozialisten die d«utjche Wirtschaft glatt im Stich. liefern sie den Marxisten und Bolschewisten aus. Und da laufen sie nach vier Tagen endloser Redereien ausgerechnet in der Stunde davon, in der etwas Gutes geschehen und etwas Schlimmes verhindert werden könnte. Politik nennt man das. Geradezu zum Hohn auf sich selbst wird diese Politik, als dank der Sezession der Nationalsozialisten ein sonst mit Leichtigkeit ab- gelehnter Antrag auf Aufhebung des Groener-Er- i a s s e s über die Zulassung von Nationalsozialisten zur Reichswehr angenommen wird. So geht es infolge des Ausbruches der Nationalsozialisten in der entscheidenden Stunde weiter. Die gesamte Landwirtschaft kann sich bei ihnen zum Beispiel dafür bedanken, daß sie den Marxisten und Bolschewisten die Durchsetzung eines Antrages auf Rück- gängigmachung der Butterzollerhöhung ermög- lichten. Ist es schon Wahnsinn, hat es doch Methode. Gar nicht zu reden von der feixenden Schadensteude des fchwarzroten Heer- danns des geretetcn Brüning, der, wenn schon in sonst nichts, so doch in seiner Schadenfreude einig, einig, einig ist." Da scheint man im Hause Hugenberg sehr ernstlich böse zu sein! Aber wie ist uns denn: Herr Hussong tut ja gerade so, als ob in drei Wochen nicht das Dritte Reich ausbrechen würde, das mit allen Reichstagsbeschlüssen aufräumt, er mißt plötzlich den Abstimmungen des Reichstags die größte Bedeutung bei, er schwärmt für parlamentarische Mehrheitsbildung und parlamentarische Politik! Ziemt sich solches für einen wahrhaft Gläubigen des Dritten Reichs? Wenn sich noch die Herren Schiele oder Westarp oder Treviranus so äußern würden, so wäre das verständlich — aber ausgerechnet der Hauptschriftleiter des Herrn Hugenberg? Sein heutiger Zorn ist verständlich. Noch beim letzten Male hat er Loblieder auf die nationalsozialistische Fortlaufe- taktik gesungen, die die Deutschnationalen mitgemacht haben. Jetzt ist die Harzburger Front kaputt, die Deutschnationalen distanzieren sich von dieser Taktik und Herr Hussong ver- dämmt sie— mit dem heiligen Eifer des Neubekehrten. Entlarvte Tributdemagogen. Sie Abstimmungen im Reichstag. Nach den jetzt vorliegenden Abstimmungslisten haben in der gestrigen Reichstagssitzung gegen die Mißtrauens- anträge gegen das Kabinett 288. für diese Anträge 264 Abgeordnete gestimmt. Die Mehrheit betrug also 24 Stimmen. Gegen die Mißtrauensanträge haben geschlossen ge- stimmt: die Sozialdemokratie, das Zentrum, die Wirtschaftspartei, die Christlichsozialen, die Bayerische Volkspartei, die Staatspartei, die Volksnationalen und die Deutsche Bauern- partei.. r Für das Mißtrauensvotum stimmten die National- fozialisten, Kommunisten, Deutschnatio- nalen, Deutsche Volkspartei, Landvolk(mit (Fortsetzung auf der 2. Seite.) München, 27. Februar.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Sonnabend gegen 23 Uhr verübte ein« Kolonne von etwa 230 Hakenkrcuzlern einen planmäßigen Ueberfall auf Reichsbanner» l e u t e, die sich in einem ihrer Verkehrslokale in München-Serrdling aufhielten. Bei dem Angriff, den die Polizei bei ihrer Untätigkeit sich entwickeln ließ, wurden insgesamt 30 Personen verletzt, darunter drei schwer, die dem Reichsbanner angehören. Zwei von ihnen liegen mit schweren Kopfwunden in der chirurgi- schen Klinik. Es wurden insgesamt Ii Beteiligte verhaftet. Die Anarchie in Braunschweig. Braun schweig, 27. Februar.(Eigenbericht.) Ein Rollkominando der berüchtigten S A.- S ch u l e in Kreiensen, das im Auto herangeschafft worden war, lauerte nachts in dem Orte Harriehausen heimkehrenden Teilnehmern einer Kundgebung der Eisernen Front in Seesen auf. Die feigen Heckenschützen, die wie üblich mit Schußwaffen versehen waren, standen vor einer Nazikneipe. Der Führer des Neichsbannertrupps gab ausdrücklich Befehl, keinerlei Provokation und Beschimpfung zu beachten. Als die letzten Reichsbannerkameraden wenige Meter von der Naziwirtschaft entfernt waren, schössen die Haken- kreuzler scharf. Ein junger Reichsbannermann brach mit einem schweren Bauchschuß zusammen; er liegt hoffnungslos danieder. Eine Reihe anderer Rc- publikaner wurde verwundet. Ucber den neuen Meuchel- mord der Hitlerbanden herrscht größte Erregung. Feiger Ueberfall auf einen Kranken. Bad Wildungen, 27. Februar.(Eigenbericht.) Ein Patient des Sanatoriums.Helenenquelle in Bad Wildnngen wurde von zwei Wildunger Nationalsozia- listen namens Kramer und Rosenblath überfallen und init einer Stahlrute und eincin Spazierstock über den Kopf geschlagen, daß er besinnungslos zusammenbrach. Gegen die beiden feigen Burschen ist Strafanzeige er- stattet worden. Keine Brotpreiserhöhung! Erklärung der Reichsregierung. Die Reichsregierung läßt erklären, daß eine Erhöhung des Vrolpreises nicht eintreten wird. Die Reichsgetreidegefellschafl wird durch Vereitstellung von bil- ligen russischen Roggen den ZNehlpreis soweit senken. daß der Brotpreis nicht verteuert wird. 3)er Sid und die Sideshelfer JlUler nach dem Schnur auf die Weimarer Tcr- faffung in der Straunfchrteigifchen Ocfandtfchaft Der Parteibuch-Beamte. Kitlers Gehalt„für besondere Aufträge". Vrannschweig, 27. Februar.(Eigenbericht.) Der„Volksfreund" schreibt in seiner heutigen Augabe:„Der Regierungsral Hiller ist Ruhnieher eines Gehalts von S2ZS Mark jährlich geworden. Außerdem ist er mit ZS Pcoz. seines Gehalls sofort p e n s i o n s b e r e ch l i g l. Die Arbeilerocr- treter, die die Sozialdemokralen als llreisdirekloren gestellt hatten, wurden wegen nicht akademischer Vorbildung als Parteibuch beamte von der Raziregierung enl- lassen. Ivo ist die akademische Vefähigung von Hitler? Die ihm zu- geschobene Regierungsratsslelle war im neuen Etat beim Titel „Landesvermessungsaml" gestrichen. Am Millwoch verlangte die braunschweigische Regierung im Ausschuß, daß diese Stelle deshalb wieder hergestellt werden müsse, weil die Beamten des Landesvermessungsamts unter der Last der Arbelt zusammenbrächen! Die Stelle des Regierungsrats sei unbedingt nöttg. Vergeblich verlangte der sozialdemokratische Redner, daß statt eines höheren Beamten zwei erwerbslose Angestellte ins Brot kämen. Die Razi-bürgeriiche Koalition bewilligte den Regierungsrat für das Landesvermesiungsamt. Schon zwei Tage später, am Freitag, wurde dieselbe Stelle der Berliner Gesandtschaft zugeteilt. Hitler ist Doppelverdiener. Er erhält unkontrollierbare Einnahmen als Schriftsteller. Für diesen Mann wirft die braunschweigische Regierung„für besondere Aus- träge" S2ZS Mark hinaus. Was sagen die erwerbslosen An- gestellten und abgebauten Beamten hierzu?" Eine Drohung der Reichsregierung. Schluß mit dem Bierstreik, fönst keine Steuersenkimg! von zuständiger Seite wird erklärt, daß die Reichsregierung entschlossen ist, den beabsichtigten Gesehentwurs. der eine herabsehnng der Blerfleuer vorsieht, nicht weiter zu be- handeln, wenn der Bierstreik nicht elogestellt wird. Diese Ankündigung ist den Gastwirtsorganisatiooen bereits gewacht worden, allerdings nicht in der Form eines befristeten lllliwatnm». Lügenfabrik arbeitet weiter Oer kommunistische Schwindel vom Hungeriode— Oas Ende der Morphinistin Die Kommunisten und ihr« Presse könne» das Gchwin- deln nicht lassen! So wird auch die gemeine Lüge von dem Hungertod der Morphinistin Else Kuorr aus der Swinemünder Straße 7 weiter verbreitet, obwohl der „Vorwärts" und nach uns das Städtische Nachrichtenamt auf Grund gewissenhafter Nachprüfung festgestellt haben. daß die Angaben der kommunistischen Presse den Dat» fachen völlig widerspreche«. Bisher haben wir bei unseren Feststellungen den Schmied Knorr in jeder Weise geschont, die neuerlichen Lügen in der„Roten Fahne', die Knorr jetzt mit seinem Namen deckt, zwingen uns, aus der Rs- serve herauszutreten. Aus den weiteren Ermittlungen, die wir an- gestellt haben, kommt jetzt immer klarer zum Ausdruck, daß Knorr es gut verstand, sich aus der Krankheit seiner Frau wirtschaftliche Vorteile zu verschossen. Wie wir am Mittwoch früh berichteten, er- hielt Knorr für seine Frau und seine beiden Kinder noch vor einem Jahre eine monatliche Unterstützung von rund 100 Mark. Dieser Betrag hatte sich im Lause des vergangenen Jahres auf 87 Mark ermäßigt. Außer diesen gesetzlichen Unterstützungen erhielt K. all- monatlich für seine schwerkranke Frau, wie wir bereits mitteUten, Lebensmittelzuwendungen in Höhe von rund 24 Mark. Damit waren die Leistungen des Wohlfahrtsamtes aber noch keineswegs erschöpft — denn Herr Knarr erschien häusig auf dem Wohlfahrtsamt und holte sich„feine' Sonde runterstützungen ab. Die von uns kürzlich veröfsentlichte Liste der Sonderzuwendungen wollen wir heute der Vollständigkeit halber fortsetzen. Danach bezog Herr Knorr vom 12. November 192g bis zum 5. Dezember 1931 so ganz nebenbei 147,23 Mark. Dazu kommen in derselben Zeit weitere 185 Mark, die sich folgendermaßen verteilen: 27. Januar 1939. 7. April 1939.. 5. Juli 1939.. 16. Mai 1939.. 5. Mai 1939.. 24. September 1939 18. April 1931.. 1. April 1931.. 29 Mark Mietsbeihilse 29„ Sonderunterstützung Ernährungsgeld Sonderunterstützung 59 3 5 25 12 59 Das sind in rund 24 Monaten 332,25 Mark Sonderzuwendungen oder auf den Monat umgerechnet 14 Mark. Wenn alle Kosten der Wohlfahrt für den Arzt der kranken Frau usw. unberücksichtigt bleiben, hat die Famisie Knorr alles in allem monatlich 138 Mark oder noch dem Abbau durch die Notoerordnung zulehl monatlich 125 Mark zu über 80 Prozenl in barem(Selbe ..bezogeu". In diese Summe war allerdings der Unterstützungssatz für zwei Kinder enthalten. Und jetzt kommt die tollste Lüge der„Fahne", die behauptete, daß ein„verzweifeller Vater und seine beiden Kinder in der„Wohnhöhle' Swinemünder Straße um die totkrante Mutter weinen". Die Kinder sind nämlich seit Jahr und Tag nicht bei den Cllern gewesen. Das eine Kind, jetzt etwa 19 Jahre all, ist seit Iahren bei den Großellern in der Wählertstraße, wo das Kind auch erzogen wird. Von dem zwecken Kinde ist überhaupt nichts zu er- fahren. Wo es ausgezogen, von wem es ernährt wird, weiß nie- mand. Das also sind die beiden Kinder, die mck dem erwerbslosen Vater weinen. Knorr bewohnte mck seiner Frau im zwecken Stockwerk des Hauses Swinemünder Straße 7 eine Wohnung, die aus Stube und Küche besteht und die man nicht als Wohnhöhle bezeichnen kann. Fast ununterbrochen wohnte noch ein Schlafbursche bei den Knorrs, daß er nicht umsonst gewohnt hat, ist selbstverständlich. Wie w r zuverlässig hören, hat Knorr an die Großellern, wo sich sein Kind befand, nie einen Pfennig bezahlt. Im Gegenteil, er hat von ver- schiedenen Verwandten noch Geld bezogen, nur um Morphium kaufen zu können. Auch die B e e r d i g u n g der Frau Knorr erscheint nach unseren letzten Feststellungen in einem ganz besonderen Licht. Nach der „Roten Fahne" hatte Herr K. darauf verzichtet, seine Frau„für arm" beerdigen zu lasten. Nun, er hatte es ja auch dazu. Von einer Versicherungsgesellschaft erhiell er, wie uns mckgeteill wird, 399 Mark und außerdem von einem Zeitungsverlag 69 Mark bei dem Tode der Frau. Das Begräbnis wurde mit großem Auf- wand begangen, alles zusammen lostet« annähernd 499 Mark. Das erregte sogar den Unwillen einiger Kommunistinnen, die zum Be- gräbnis mitgegangen und äußerst empört waren. Eine kommu- nistische Rednerin durfte nicht sprechen, denn der Herr Pfarrer, den Herr Knorr bestellt hatte, hiell seine Rede nur unter der Be- dingung, daß er allein sprechen würde. Um aber noch auf die Photos zurückzukommen. Das eine Bild zeigt die Verstorbene als junge 24- bzw 25jährig« Frau, als noch keine Spur der schlummernden Symptoms des wahrscheinlich schon damals kranken Körpers zu erkennen waren. Di«„Rote Fahne" behauptet aber, so habe Frau K 1929. zwei Jahre vor der Notverordnung ausgesehen. Zu der Zeck aber war die Unglückliche schon nur noch«in Skelett. Im übrigen hatte der bekannte Sanitäter die Photos vom Sterbelager der Frau angeblich gemacht, um anderen Morphinisten die furchtbaren Folgen des weißen Giftes vor Augen zu führen. Oer Abrüstungswille fiegt Henderson Letter aller Vorarbeiten Genf» 27. Februar. lEige«bericht.> Die größte Genugtuung für die Millionen aller La»- der, die eine wirkliche Abrüstungsarbeit in Genf er» warten, bildet i« bisherigen Verlauf der Abrüstungs» konferenz das Scheiter« des Versnchs, Artur Henderson aus der Entscheidung über die politischen Fragen aus- zuschalten. Mußte auch dem Dräugen Frankreichs auf Bildung einer besonderen Kommission für die frauzöji- scheu Sicherheitsvorschläge und die sogenannte Orgaui- sierung des Friedens nachgegeben werden, so wurde durch Sir John Simons Auslegung gleich der rein technische Charakter dieser wichtigen Kommission festgelegt und die Einfiigung des deutschen Antrages auf Gleichheit der Abrüstung sichergestellt. Heute vormittag ist Henderson zum Präsidenten auch des polckifchen Ausschusses bestellt worden. Damit ist sein b e h e r r- schender Einfluß auf sämtliche Arbeiten anerkannt. Er leitet die Bolltonferenz, die Generalkommission und die politische Kom- Mission, also sämlliche ausschlaggebenden Körperschaften. Die Be- deutung des politischen Ausschusses ist stark zurückgedrängt, da mit der weiteren Personalunion in dem Vizepräsidenten P o l i t l s- Griechenland und dem Berichterstatter B e n e s ch- Tschechoslowakei diese Kommission nur mehr eine Variante der Generaltommission darstellt. Der Sieg Hendersons wird allgemein als ein S i e g d e s Abrüstungswillens gewertel Die Wahl der Präsidenten für die vier anderen Kommissionen brachte das unerwartete freiwlMge Zurücktreten der Großmächte. die den Vorsitz im Ausschuß für Landrüstungen B u e r o- Uruguay, für Seerüstungen C o l b a n- Norwegen, für Luftrüstungen M a- d ari a g a- Spanien und für Budgetfragen Vasconcelos- Portugal überließen. Jede Delegation entsendet in jede der fünf Kommissionen ihr« Delegierten und Sachberater. Durch die gestrigen Beschlüsse des Büros wird die Arbeck so vor sich gehen, daß der Konventionsentwurf in feine einzelnen Teil« zerlegt wird. In dieses Skelett können an die entsprechenden Stellen jewecks die entsprechenden Vorschlagsteile der anderen Projekte eingefügt werden. Alles wird dann zusammen und zur gleichen Zeck beraten. Änttarvte Tributdemagogen. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Ausnahme der Abgeordneten Dorsch und Schlange- Schöningen). die Sozialistische Arbeiter- partei und Hannoveraner. Für die Auflösung des Reichstags stimmten 226, dagegen 319 Abgeordnete. Die Mehrheit betrug in diesem Falle also 93 Stimmen. Für die Auflösung stimmten die Nationalsozialisten, Kommunisten, Deutschnationale, So- zialistische Arbeiterparten: dagegen: Sozialdemokraten, Zentrum, Volkspartei, Wirtschaftspartei, Christlichsoziale, Bayerische Volkspartei, Landvolt, Staatspartei, Volksnatio- nale und Bauernpartei. Die bemerkenswerteste Abstimmung ergab sich bei der Entscheidung über den von den Kommunisten eingebrachten Antrag auf Einstellung aller„Tr i b u t z a h l u n g e n". Dieser Antrag hatte folgenden Wortlaut: 1. Alle Tributzahlungen auf Grund des Vcrfailler Friedens- Vertrags, insbesondere diejenigen, welche nicht unter das Hoover- Moratorium fallen(Zinsen der Dawes-Anleihe, der Doung-Anleihe, unnauffchiebbare Annuität) werden sofort eingestellt. 2. Alle privaten Schuldverpflichtungen an das kapitalistische Ausland werden annulliert, die weitere Zinszahlung für solche Per- pflichtungen wird verboten und im Uebertretungsfall als Kapital- Verschiebung bestraft. Es ist gewiß richtig, daß dieser Antrag nur zu Agitationszwecken gestellt worden ist und nicht die geringste politische Bedeutung hat. Aber jahrelang hauen Nationalsozialisten und Deutschnationale aus genau denselben Agitationsgründen die Einstellung aller „Tributzahlungen" verlangt, tausendmal haben sie in ihren Versammlungen und in ihrer Presse sich über die„I o u n g° Sklaverei" entrüstet. Als sie aber in der Freitagsitzung Farbe bekennen sollten, da erklärten hintereinander der Nationalsozialist Dr. F r i ck, der Landbund führer D ö b r i ch und der Deutschnationale Dr.' H e r g t. daß sie wohl für den ersten, aber nicht für den zweiten Antrag stimmen würden. Schon das war eine Unehrlichkeit: denn wenn den Herren der kommunistische Antrag unbequem war. dann hätten sie selbst ja die günstige Gelegenheit wahrnehmen können, um sich eindeutig für die Einstellung der„T r i b u t z a h l u n» gen" zu erklären. Sie brauchten doch nur den ersten Teil des kommunistischen Antrages als ihren eigenen Antrag ein- zubringen. Kein Mensch hätte die Herren von der Rechten daran gehindert, einen solchen Antrag sofort zur Abstimmung zu bringen. Was aber weiter den zweiten Teil des kommunistischen Antrages betrifft: Haben die Nationalsozialisten nicht un- ansgesetzt die„Brechung der Zinsknechtschaft" verlangt? Hätten sie am Freitag nicht zu ihrer Parole stehen und die Beseitigung der Kapital- und Zinszahlungen an das Ausland fordern sollen? Rein, das haben sie nicht getan. Herr Dr. Frick hat ausdrücklich noch erklärt, daß sie gegen den zweiten Teil des kommunistischen Antrags seien. Daraus ist also zu schließen, daß die Nationalsozialisten zwar die „Zinsknechtschaft" in Deutschland selbst brechen wollen, daß sie aber nicht daran denken, der„Zinsknechtschaft" Deutsch- lands an das ausländische Kapital zu Leibe zu gehen. Die Sozialdemokratie hat selbstverständlich gegen den Antrag gestimmt, weil er, wie schon betont, nur eine poli- tische Komödie bedeutet. Wir haben kürzlich erst darauf hin- gewiesen, daß die Kommunisten den deutschen Kapitalisten mehr als 20 Milliarden Mark an Kapital, IX bis 2 Millionen Mark an Zinsen schenken wollen. Das ganze ist ein Wettlauf der Demagogie, ein wirklich lehrhaftes Beispiel von der politischen Verlumpung der sogenannten radikalen Par- teien in Deutschland! Oer Bierboykott. Gastwirte und Brauereien gegen Steuerbehörden. Seit heute vormittag ist der Steuerstrelk der Berliner Gast- wirte so gut wie allgemein. Es fällt nicht mehr ins Gewicht, wenn in verschiedenen Stadtteilen Gastwirte noch Bier feilhalten. Ebenso spielen die Bier ausschänkenden Hotels und die Bahnhofswirtschaften im Moffentonsum keine nennenswerte Bolle. Die L o ka lk o m- Mission der Gastwirlvereinigungen Groß-Berlins hat heute früh au den Anschlagsäulen große Plakate anbringen lasten, aus denen sie nochmals um die Sympathien de» großen Verbraucherpublikums wirbt. Die Gastwirte erklären, daß sie neben der Erhaltung ihrer Existenz um eine Senkung der Vierpreise kämpfen. lieber die gestrigen Verhandlungen zwischen den Gastwirten und den Brauereien wird von beiden Gruppen«ine gemeinsam gefaßte Erklärung abgegeben, in der es heißt:„In der gestrigen gemeinsamen Besprechung von Vertretern des Vereins Berliner Brauereien mck der Lokalkonnnission der Gastwirtsvereinigungen Groß-Berlins in der Berliner Handelskammer wurde festgestellt, daß die Forderung auf Senkung der Biersteuern In einem Aus- maß. das zu einer für den Verbraucher fühlbaren Ermäßigung der Ausjchankpreife führt, für beide Gewerbe eine Existenzfrage be- deutet und daher auf das Entschiedenste auch weiterhin vertreten iverden muß. Beide Gewerbe werden in den jetzt schwebenden Fragen ständig in Fühlung bleiben." Damit ist die gemeinsame Frontstellung der Gastwirte und der Brauereien gegen die Steuerbehörden vollzogen. Im übrigen war heut« vormittag von einer Einstellung des Flafchenbierverkaufs nur wenig zu bemerken. Im Gegenteil war überall zu beobachten, daß die Brauereien zahl- reiche Flafchenbierwagen auf Tour geschickt haben, die Bierkästen bei Kleirchändlern abliesern. Die Nachfrage nach Flaschenbier ist erheblich gestiegen. Ebenso ist den Obstweinhändlern überraschend eine gute Konjunktur in den Schoß gefallen. Heute mittag haben sich Vertreter der Brauereien und der Gast- wirte beim Oberbürgermeister Dr. Sahm angemeldet, um mck ihm die Möglichkeit einer Senkung der Gemcindebiersteuer zu besprechen. Die �rauenerklärung im Reichstag. In der Erklärung der Genossin Iuchacz vor dem Reichstag, die wir gestern veröffentlichten, muß es heißen:„Die Frauen, denen durch die geschichtliche Tat der Sozial- demokratischen Partei das gleiche Bürgerrecht verliehen worden ist, haben die Pflicht, sich in einer Schicksalsstunde Deutsch- lands dieses Rechtes würdig zu zeigen." Durch VerHebung einer Korrekturzeile mar die Einleitung dieser Erklärung unverständlich geworden. Wendung in der Mordsache Aorkns. Vereinbarung zwischen Kommunisten und Stennes-Leuten. Die polizeiliche Untersuchung über die polltische Bluttat, der am 24. Januar der 16jährige Nationalsozialist Herbert Nortus zum Opfer fiel, bringt jetzt eine überraschende Wendung. Bisher hatte die Polizei nur die Namen der mutmaßlichen Täter ermckteck und hinter drei Kommunisten, den Arbeitern Willy Simon. Bernhard K l i n g b« i l und Harry Tack, wurden Steckbriefe er- lassen, ohne daß die Täter bisher gefaßt werden konnten. Nun wird von zuständiger Stelle als neues Ermittlungsergebnis mitgetellt, daß die Tal auf eine Vereinbarung zwischen Kommunisten und früheren SA.-Lenten, die sich auf Grund der Sleunes- Revolte von Hilter getrennt haben, zurückzuführen ist. MU Rücksicht auf die wettere Untersuchung werden nähere Einzelheiten noch geheimgehalten. Nazi-Tumuli in Oarmstadi. Oer Best schimpft und flüchtet. Darmstadl, 27. Februar.(Eigenbericht.) Di« Freitagsitzung des Hessischen Landtags endete mck einem wüsten Tumult. Al» der Nazipräsident Werner die letzten Mittellungen des Aeltestenrats bekanntgegeben hatte, ertellte er feinem Parteifreund Dr. Best überraschenderweise noch einmal das Wort zu einer for- musterten Erklärung der Nazifraktion, in der den Weimarer Parteien der Vorwurf des Landesverrats gemacht wird.' Die republikanischen Parteien seien nicht in der Lage, eine neu« Be- setzung des Rheinland«» abzuwehren. Mck einem dreifachen Hell auf den„Reichspräsidenten" Adolf Hlller stürmte die Nazifraktion aus dem Saal, und zwar gerade in dem Augenblick, als Zentrum und Sozialdemokraten in höchster Empörung aufgesprungen waren und auf Best eindringen wollten. Der sozialdemokratische Abgeordnete Zinn kann protestierte gegen die feigen Verleumdungen des Hochverräters Best, der nach vollbrachter Tat wie ein Gassenjunge davongelaufen fei. Zinnkann erhielt dafür einen Ordnungsruf, der wieder Tumulte und Pfuirufe auslöste. Der Zeittrumsabgeordnete Heinstadt drang auf den Präsidenten Werner ein und rief ihm zu:„Was ist das für eine Geschäftsführung! Das ist ein Skandal." Werner ignorierte aber jede Aufforderung, wenigstens nachttäglich Dr. Best zur Ordnung zu rufen und hob die Sitzung auf, indem er den Präsidentenstuhl verließ. Sie iürmen überall. Auszug der Rechtsopposition ausderbremischenBürgerfchast Bremen. 27. Februar. Der gestrigen Bürgerschaftsitzung wurde mck großer Spannung entgegengesehen, da man erwartet«, daß die Nationalsozia- listen die bereits längere Zeit auf der Tagesordnung stehende Mißtrauenserklärung gegen den Senat und den Auslösungsantrag der Bürgerschaft zur Debatte zu stellen oersuchen würden. Der zu Beginn der Sitzung von den Deutsch- nationalen gestellte Gefchäftsordnungsanttag, sogleich in die Debatte über die beiden Anträge einzutreten, wurde mit 52 gegen 49 Stimmen abgelehnt. Namens der deutschnationalen und der natlonalsozialistifchen Fraktion brachte daraufhin der Deutschnatio- nale Vagts ein« Erklärung zur Verlesung, in der den Regierungs- Parteien Verschleppungstaktik vorgeworfen wird. Die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten verließen danach geschlossen die Sitzung, die von der verbleibenden Mehr- heit fortgesetzt wurde. Ohne jede Aussprache verfiel dann eine ganze Reihe auf der Tagesordnung stehender nationalsozialistischer An- träge der Ablehnung. Der Bericht der Versassungs- und der Finanz- dcputation und die darin enchallenen Anträge wurden angenommen. Auch in Oiamanten keine Konjunktur. Aus W i n d h u k wttd gemeldet, daß die Consolidated Diamond Mines in Lüderitz, wie die de Beers Eonfolidated Mines am 31. März ihre Arbeck einstellen. Wie Er wurde— Sabe des Ofaf: In allen Nazi-Versamnilungen vorzutragen! Da steht er nun, der all« Kämpe, Des Weltenkrieges Frontsoldat, Im lraunen Wams und ohne Plempe Als Präsidentschaftskandidat Ein Herz voll Nibelungentreue Schlägt in der rauhen Zollelbrust'. Das Auge strahlt in Himmelsbläue Scharf wie ein Flamberg, selbstbewußt, Da wo der Inn zu Tale schäumet, Auf Bergesmatten grün und weich, Hat er als Kind den Tag verträumet. Und lang: O du, mein Oesterreich! Bis mählig der Verstand ihm dämmert: Da schaffte ihm die größte Pein— Er fand es ganz und gar belammert. Des Kaisers Franz Soldat zu sein. Es krochen ihm zu viele Juden Als Offizier« da herum. Bestimmt zum Schleifen der Rekruten: Das war ein Sacrilegium! So ward schon frühe ihm zuwider Di« Donau-Doppelmonarchie. Es ging, und niemals kehrte wieder Das langgeschädelle Genie. Er rückte aus! Doch nicht zum Heere: Den Burschen zog's nach Bayern hin, In Deutschland, stark vom Fels zum Meere, Liegt seiner Laufbahn Anbeginn. Bis plötzlich schrill die Kriegsdrommet« Europa zu den Waffen blies; Wie»dick« Luft" ihn da umwehte. Ward ihm zum zureiten Mol« mies. Franz Joseph schlug sich mit den Serben Und rief auch ihn in seiner Not. Wie? Soll er mit Semiten sterben Zusammen dort de» Heldentod?! So tat er denn, was recht und billig. Ein and'res Mittel blieb nicht mehr: Er flüchtete sich.kriegsfreiwillig" Und.staatenlos" w deutsche Heer. So modelle das eisenharte Geschick im Weltenkrieg den Mann. So wuchs der deutsche Bonoparte, Im Pulverdampf geschwärzt, heran. A»« dem Etappen-Meldegänger Schuf Gott den starken Mann der Tat. Den echten deutschen Freiheitssänger. Den großen Feldherr» von Format. Er ward Gendarm, ihn schmückt der Titel Regierungsrat von Braunschweig gar. So heiligt noch der Zweck tie Mittel, So wird die Schande offenbar. So schob man ihn als deutschen Bürger In unser armes Volk hinein, So soll der Staatenlos« Würger Der jungen deutschen Freihell fein. So kroch den steilen Pfad der Ehre Auf Hühnerleitern er hinan. Er schimpft die andern De'erteur«. Und ist dazu der recht« Mann. Und daß man den als den Erlöser— Zw« Tage Deutscher durch Betrug!— Uns anpreist und als Reichsverweser. Pfui Teufel! Das ist Schmach genug. Otto dteier. Am Hörer vorbei. Forderungen für den Gemein schaff sempfang. Die für Gemeinschastsempfang bestimmte Sendefolge �der Deutschen Welle..Weltanschauung und Eigentum" ist von einer Hörergemeinschaft regelmäßig im Parteihaus, Lindenstraße, empfangen und unter der sachverständigen Führung von Genossen Dr. Ernst Frankel in Kursusform bearbeitet worden. Eine abschließende Aussprache nahm zu den Ergebnissen der Veranstaltung Stellung. Im ersten Test der Diskussion wurden Fragen erörtert, die noch offengeblieben waren. Die Fragen komplexe, deren Behand» lung von den Hörern hier gefordert wurde, verstärkten das Bild, das sich berells aus den voraufgegangenen Abhörabenden ergeben hatte: daß der wesentliche Gehall dieser Abhörstunden für die Gemeinschaft in der anregenden, belehrenden und klärenden gemein- samen Aussprache gelegen hatte Diese war jedoch nur möglich ge- wesen. indem man die Sendung als ein« Art Volkshochschul- kursus auswertete, der durch den persönlich anwesenden Refe- renten Dr. Frankel so erweitert wurde, daß er sich den Bedürfnissen der anwesenden Hörer einigermaßen anpaßte. Sämtliche Hörer erkannten, daß der Sinn einer Rund- funkgemetnschaftssendung von dieser Darbietungsreih« nicht ersaßt worden sei und brachten das sehr deullich in dem zweiten Teil der Aussprache zum Ausdruck. Hochschulkurse, zu deren Weiterleitung an den Durchschnittshörer Fachreferenten nötig sind, dürften, wenn nicht, wie in diesem Fall, besonders günfttg« Abhörverhältnisse vorliegen, den Zielen der Gemeinschaftssendung in keiner Weise entsprechen. Von Genossen F l a t a u. dem Vertreter des Arbeller-Radiobundes. wurde denn auch mitgeteilt, daß von zahlreichen Hörgemeinichaften. die sich für diese Sendungsreihe zu- fammengefunden hatten, ablehnend« Urteile eingegangen sind. Teil- weise konnte nicht einmal eine Diskussion eröffnet werden, weil man mit dem in wienschaftliche Begriffe und Formeln zu- sammengeschnürten Material der Vorträge nichts anzufangen wußte. Der Eindruck der Unübersichtlichkeit über die Sendungen wurde für die meisten Hörer noch dadurch verstärkt, daß durch Korreferate zum Vortrag, in denen die Nüancie-'ungen der einzelnen Weltanschauun- gen zum Ausdruck kommen sollten. Diese Absicht mußte jedem Hörer, der nicht bereits sehr gründlich mit der Ideenwell der be- handelten Weltanschauung vertraut war. dunkel bleiben Was in «:ner Hochschulvorlesung, die sich über«in oder zwei Semester er- streckt, möglich ist, geht eben nicht m einem Rundfunkreierat von vierzig Minuten. Es wurde auch allaemein die Auffassung ver- treten, daß so weit gesvannt« Themen, wie da« dieser Reih«, selbst bei der zweckmäßigsten Behandlung im Rahmen eines fokchen Rundfuntoortrages nicht so erfaßt werden können, daß sich Opernplanwirtschast Preisherabsetzung—(Siaats- und Gtadtoper Das brennendste Problem heutiger Opernführung ist sicherlich: Anpassung der Eintrittspreise an das stark reduzierte Einkommen der brellen Beoölkerungsschichten: denn nur das Jnter- esse dieser Schichten, aus deren Taschen schließlich jene Opernzuschüsje bezahll werden, rechtfertigt sie, rechtfertigt die Fortführung der Betriebe überhaupt. Als reine Luxus- und Repräsentationsopern wären die Institute, was sie waren, heute aber unter keinen U.m- ständen mehr sein dürfen: Monopol eines immer kleiner werdenden Kreises von Besitzenden, und damll— im Hinblick aus jene Sub- ventionen— fast ein Hohn auf das unbeschreibliche Elend unserer Tage. Solange der erforderliche Preisabbau nicht erfolgt ist, kann auch die Frage des Bedarss unmöglich entschieden werden: wie will man ernstlich wissen, wie groß das Interesse für die Oper ist, wenn brelle Schichten nicht entfernt daran denken können, es praktisch zu betätigen? Im Zusammenhang mit solchen Erwägungen ist es nur außer- ordentlich zu begrüßen, wenn in der städtischen Oper Preisherabsetzungen bis vierzig Prozent beschlossen wur- den, wenn in der kommenden Spielzell— abgesehen von einer zehn- prozentigen Preisreduktion in der laufenden— die billigste Karte eine Mark, die teuerste(im Abonnement) sechs Mark tosten wird! Es mag als gewagtes Experiment erscheinen, die Einnahmen frei- willig zu beschränken, ohne daß sich die Ausgaben bei noch so großer Sparsamkeit beliebig vermindern ließen: es ist aber eine Lebens- notwendigkell für die Stadtoper, sich ihren erfreulicherweise über- durchschnittlich großen Abonnentenkreis zu erhallen. Es ist sicherlich besser, bei niedrigen Preisen ausverkaufte Häuser zu erzielen als halbleere bei höheren: jenseits rein geschäftlicher Erwägungen endlich oermag erst eine solche Preispolitik die hohen Zuschüsse zu recht- fertigen. >- Staats- und Stadtoper sind Institute, die sich zwar in vielen Aeußsrlich kellen, durchaus aber nicht prinzipiell unterscheiden: typische Repertoireopern, die, von den Neueinstudierungen abgesehen, jährlich ungefähr fünfzig bis sechzig„stehende" Werke mll all der üblichen Unachtsamkell. Unsauberkell und Schlamperei aufzuführen pflegen. Die Kroll-Oper, man weiß es, war ein ganz anderer Operntyp: Ersatz täte dringend not, und es wäre kein kleiner Triumph für Ebert, wenn es ihm gelänge, diesen Ersatz zu schaffen. Jedenfalls scheint unter dem Druck der immer drohender, immer grauenhafter anwachsenden Krise, die den Raum für Kultur, für Kunst immer mehr verengt, eine Entscheidung notwendig zu werden. Zwei Repertoireopern, die lediglich dasselbe wallen und leisten, werden sich auf die Dauer kaum halten, kaum verteidigen lassen: entweder müssen sie sich voneinander vollkommen bisse- renzieren, sich verschiedener künsllerischer Aufgaben bewußt werden, sich an verschiedene Kreise wenden, sich gegensellig ergänzen, statt mll- und gegeneinander zu konkurrieren— oder müssen, falls dies nicht möglich fein sollte, zu einem einzigen Opernbettieb zusammen- geschlossen werde». Da die Lindenoper durch Tradllion, durch ver- meinlliche und wirkliche Repräsentationsoerpflichtungen— festgelegt erscheint, wird das Problem wohl in Charlottenburg gelöst werden müssen, wird Ebert die Berechtigung der Sonderexistenz der städti- schen Oper zu beweisen, wird er die schwierige Aufgabe zu be- wälligen haben, künstlerisches Gewissen, fortschrittliche Gesinnung und Streben nach Volkstümlichkell aus einen Nenner zu bringen. Jeder der Intendanten ist in der Durchführung seiner Pläne durch(meist auf Jahre abgeschlossene, oft Jahre zurückliegende) Ver- träge gehmdert, die den prominenten Sängern und Dirigenten viel- zuviel Bewegungsfreiheit auf Kosten des Instituts geben, für das sie eigentlich verpflichtet wurden. Für manche Dirigenten z. B. sind bis sechs Monate Urlaub vorgesehen: wenn davon durch Not- Verordnungsbestimmungen auch nur höchstens vier Wochen bezahtt werden dürfen, ist die Reisewut der Generalmusik- direktoren für jede Oper unendlich schädlich. Gewiß, zu den Premieren kommen sie zurecht: der Opernalltag aber, der gar nicht ernst genug genommen werden kann, wird unweigerlich vernach- lässtgt und öder Routine ausgeliefert. Konnte man vielleicht seiner- zeit keine für das Institut günstigeren Bedingungen erlangen, sa ist heute, da sich die Verhältnisse gründlich geändert haben, unnachsicht- lich zu fordern, daß die Verträge, die jetzt erst abgeschlossen werden, diesen veränderten Verhältnissen Rechnung tragen. Wenn offiziell bekanntgegeben wird, der Vertrag Erich Kleibers wäre um drei Jahre verlängert worden, wäre'es in diesem Zusammenhang inter- essant zu erfahren, ab die Verlängerung ohne jede Aenderung er- folgte: was im Interesse der Lindenoper zu bedauern wäre. Auch der künftige musikalische Führer der städtischen Oper wird, soll seine Berufung überhaupt Sinn haben, ein Mann sein müssen, dem die Arbeit in der Bismarckstraße wichtiger ist als Erfolge in San Francisco. Seit dem Ende ihrer Arbeitsgemeinschaft(die sich nicht sehr bewährte), gestallet jede der beiden Opern ihren Spielplan ohne Rücksicht auf das andere Institut. Sind diese Spielpläne schon an sich vielfach unsinnig, wahllose Folgen der üblichen Werke ohne jeden Willen geistiger Ordnung, so sind sie es erst recht in bezug aufeinander: die Fühlungnahme zwischen Staats- und Stadtoper vermochte nicht einmal zu verhindern, daß mehr als einmal in beiden Häusern am gleichen Abend das gleiche Werk gegeben wurde: ganz zu schweigen von bewußter Differenzierung, von beiderseitiger Disposition auf lange Sicht. Es gibt keine Instanz, die hier Anord- nungen zu treffen und überflüssige Duplizität zu oerhindern ver- möchte: Jedes der Institute ist vorläufig vollkommen selbständig und zu keiner Rücksicht verpflichtet. In ihrem eigenen Interesse aber wäre es zu begrüßen, wenn eine Art Arbeitsteilung stattfände, wenn jede der Opern zielbewußte Programmpolitik triebe (und zwar jede ihre eigene), wenn sie beide einander in künsllerischer wie soziologischer Hinsicht ergänzten, mit einem Wort: wenn dieses wichttge Teilproblem einer Musikplanwirtschaft in Angriff ge- nommeu würde, ehe es zu spät ist, ehe zwei Opern für Berlin(das seinerzest vier besaß) tatsächlich zuviel wären. �rnolck Walter. Reue japanische Bilder. Im Ostafiatischeu Museum. Di« Ostasiatische Kunstsammlung hat einen Zuwachs von einem Dutzend japanischer Gemälde au» der Degenwart zu oerbuchen die von der japanischen Regierung dem Museum geschenkt worden sind. Am Freitag wurden sie der Sammlung mit einer kleinen Feier über- geben, bei der der japanische Botschafter(englisch) und Kultusminister Grimme Ansprachen hielten. Wir kennen die Bilder von der Ausstellung in der Akademie vor einem Jahr her. Die Kenner altjapanischer Kunst, der sie mll feinen und liebenswürdigen Modulationen sich anschließen, werden be- merkenswerte Qualitäten in ihnen finden, die Laien werden ent- zückt sein über die Delikatesse und Stimmungsschönheit ihrer Natur- beobachtung. Es ist dies aber nicht nur als eine Bereicherung des Ostasiatischen Museums, sondern als eine Gest« politischer Höflichkeit zu werten, worauf mll Minister Grimme nachdrücklich hinzuweisen ist. Jenseits der abscheulichen Politik des japanischen Militarismus erkennen wir hier, daß es ein wahrhaft tullioiertes Japan gibt, das uns an seiner Kunst teilnehmen, läßt. Das Merkwürdige an der Angelegenhell ist, daß die Preußische Akademie der Künste, die die erwähnte schöne Ausstellung japanischer Kunst vor einem Jahr veranstaltet hatte, sich kürzlich mit Majoritäts» beschluß geweigert hat, die entsprechende Geste der Höflichkeit zu vollziehen und zwei jener japanischen Maler zu korrespondierenden Mitgliedern zu ernennen. Man greift wohl kaum daneben, wenn man in dieser Brüskierung unserer auswärtigen Kulturpolitik denselben Geist gedankenloser Opposition entdeckt, der die Akademie vor zwei Wochen zu ihrem„Protest" gegen die deutsche Ausstellung in Oslo gettieben hat.__ p.{. seh. „Goethe und die Buchkunst der Welt." Der Verein Deutscher Buchkünsller veranstallet anläßlich des 100. Todestages von Goethe gemeinsam mit dem Börsenverein der Deutschen Buchhändler und dm Deutschen Buchgewerbeoerin im Museum der bildenden Künste in Leipzig eine Ausstellung„Goethe in der Buchkunst der Welt", in der die künsllerisch und technisch einwandfrei gestalteten Ausgaben Goethescher Werke gezeigt werden sollen. Zwei S o n- derveranstaltungen, von denen die eine sich an die Künstler aller Länder, die andere an über hundert Buchdrucker der Well wendet, werden die Ausstellung ergänzen. Besonders ausgewählle Künstler der Well werden ein besonderes Blatt zum„Faust" in beliebiger Technik herstellen, und SO deutsche und 80 ausländische Drucker werden sich an der Goethe-Ehrung des Vereins Deutscher Buchkünstler betestigen. Goekhe-Postkarten. Die Deutsche Reichspost gibt zur Goethe- Feier zwei Postkarten zu 6 und IS Pf. mit einem Bildnis Goethes und mit besonderen Freimarlenstempeln aus. Die Postanstallen perkaufen die Kotten vom t März an. Eine neue Serhark.haupkman». Biographie. Anläßlich des 70. Ge- buttstages von Gerhart Hauptman bereitet der Verlag S. Fischer- Berlin eine neue Biographie des Dichters von Hans von Hülsen vor. Gerhart Hauptmann hat selbst olle tatsächlichen Angaben eingehend überprüft. Die größte Kartoffelsammlung der Well. In dem von der Gesell- schaft zur Forderung des Wissenschast errichteten Institut für Züch- tungsforschung in Dahmsdorf-Müncheberg befindet sich gegenwärtig die größte Sammlung von Kartoffelarten aus der ganzen Welt. Unter Leitung von Professor Vaur, dem bekannten Forscher der Vererbungslehre, werden alle züchterischen Arbeiten zur Festlegung neuer Methoden durchgeführt, so arbestet man mll Willgenstrahlen, Chemikalien, Hitze, Kalle und verschiedene» anderen Sachen, um die verschiedenen Pflanzensorten zur Steigerung ihrer Wirtschaftlichkell zu bringen. Die Schallplatte im Dienst der Aufklärung. Einen neuen Ver- such auf dem Gebiet der Ausstellungstechnik hat das Deutsche Hygienemuseum in seiner Ausstellung„K a m p f d e m K r e b s" im Europahaus gemacht. Professor Blmnenthal, der Direktor des Krebsforschungsinstituts in Berlin, hat ein Gespräch mit einem Laien aus der Schallplatte festgehallen. Diese Schallplatte wird nun in der Ausstellung alle halb« Stunde gespiell. Ew berufener Fachmann gibt so auf die Dutzende von Fragen, die der Laie über das Krebsproblem stellt, leicht faßlich und erschöpfend Auskunft. Emil IanirillgS ist von fem« Krankheit wiederhergestellt und spielt ob Sonnabend wieder allabendlich in der Bolksbübne den„Fuhrmann Heuschel". Die Kamera zeigt Sonntag, 11.30 Uhr, in einmaliger Borführung den russischen Film„Die Affen von Suchu m". MusellmSführnngen. Sonntag, g Uhr, Dr. von Massow:„Die B au- technik der Griechen und Römer" im Bergamonmuleum: 10 Ubr, Brofessor Post:„Die Geschützsammlung" im Zeughaus: ll Uhr, Tr. Bramm:„Die volkstümliche Bildschnitzerei Süddeutschlands". Im Museum für Meereskunde spricht Dienstaa, 8 Uhr, Dr. H. Ro- sinfli über„Die lapanische Seefischerei'. Da« Vl. Konzert der Volksbühne, das Sonntag, k. März. 12 Uhr, im Theater am Bülowplatz stattfindet, ist Gustav Ma hier gewidmet. Das Programm bringt: Lieder für Bariton lSolist yso Golland), Kindertoten- lieder lJda Harth zur Rieden), serner die VII. Svmphoni-. Leitung: Dr. Hermann Scherchen. für Hörer und Hörergemeinschaften daraus im allgemeinen frucht- bare Anregungen zur eigenen Durchdenkung und Verarbeitung er- geben können. Sehr wertvoll und richtig dürfte die Feststellung sein, daß ja überhaupt die beste„Gemeinschaft-sendung" die ist, die auch dem einzelnen Hörer gerecht wird.„Gemeinschastsempfang" braucht ja nicht unbedingt räumliche Gemeinschaft der Hörer zu bedeuten: die geistige Hörergemeinschaft kann zu von der Sendezeit unab- hängigen Aussprachen führen. Umgekehrt wurde hervorgehoben, daß jede wertvolle, für den Einzelhörer bestimmte Darbietung erst recht für Gemeinschofteempfaiig geeignet sei. Die Forderungen, die von den versammelten Hörern für Ge- meinschaftssendungen aufgestellt wurden, waren eine einzige Ver- urteilung der bisher gebotenen Sendungen dieser Art. Rundfunkdarbietungen müssen, so wurde erklärt, m erster Linie so beschaffen sein, daß der Hörer ihnen folgen kann. Dazu ist nicht nötig, daß Fremdwörter, vor allem Fachfremdwörter, l von den Rednern vermieden werden, sondern auch der bewußte Verzicht aus die Anwendung aller F a ch b e g r i f f e, die sich im Rahmen des Vorttages nicht erklären lassen. Die Themenstellung der Vorträge muß möglichst scharf umrissen sein, ihre Behandlung das wesentliche, nicht Grenzabweichungen, die nur den Wissen- schaftler interessieren, herausstellen. Am besten dürfte sich die Ein- fühlung in den Stoff für den oder die Hörer dadurch ergeben, daß, je nach der Art des Themas, an einen kurzen oder längeren Vor- trag eine gut vorbereitete, auf wesentliche Fragenkomplexe hin- lenkende Aussprache vor dem Mikrophon zwischen dem Redner und einem oder mehreren„Laven" sich anschließt Durch solche Themenbehandlung wäre auch dem Cinzelhörer am besten gedient. Als günstigste Zeit für Berliner Hörer wurde für Gemeinschaftssendungen allgemein 19.30 Uhr bezeichnet. Der Wunsch. daß aktuelle, wolitische und unpolitische Probleme in der Form solcher tstemeinschastssendungen behandelt werden, fand Beifall. Tos. Oer Buchdruckerkonflikt Er besteht in voller Schärfe— Erste Betriebsstillegung Durch den gestern im„Abend" veröffentlichten Vergleichsvorschlag des Reichsschiedsamtes der Buchdrucker für die Firmen E l s n e r und „B er l i n e r Börsenzeitung" hat sich die Lage im Berliner Buchdruckerkonflikt noch nicht wesent- lich geändert. Ter für heute morgen erwartete Grosikampf in den namhaftesten Berliner Buch- druckereien ist allerdings noch nicht ausgebrochen. Zum offenen Konflikt ist es jsdoch bereits bei der Firma Langenscheidt gekommen. In diesem Betriebe war ein Teil der Belegschaft zum 26. Februar gekündigt worden, weil er es ab- lehnte, in die von der Firmenleitung geforderte Kürzung der übertariflichen Zulagen einzuwilligen. Der andere Teil der Be- legschaft hatte sich mit den Gekündigten solidarisch erklärt und mit Gegenkllndigungen geantwortet. Die Firma Hot ihr« Kündi- gungen aufrechterhalten und dem von ihr gekündigten Per- sonal gestern abend die Papiere ausgehändigt. Daraufhin hat auch der übrige Teil der Belegschaft die Papiere gefordert, so daß seit heute früh der Betrieb stilliegt. Mit Ausnahme der Betriebsräte sind sämtliche S3 Mann der Belegschaft entlassen. Die Firma Scherl hat mit der Belegschaft vereinbart, daß sämtliche zum 26. Februar ausgesprochenen Kündigungen um eine Woche hinausgeschoben werden. Es handelt sich also hier nur um eine Vertagung des Konflikts, der so oder so u n- v e r m e i d l i ch ist, wenn die Unternehmer ihren Generalangriff durchführen. Bei der„D e u t s ch e n T a g e s z e i t u n g" sind noch Verhandlungen im Gange über eine Herabsetzung der von der Firma geforderten Kürzungen der übertariflichen Verdienste. Eine Eni- scheidung dürfte hier erst im Laufe des Tages fallen. Bei der Arbeitsmangel oder Maßregelung. Werden Tarifverträge durch Privatverträge unwirksam? Die freigewerkschaftlich organisierten Kläger waren im Ver- lag der„Germania" in Berlin seit Iahren teils als Setzer teils als Drucker oder Buchbinder tätig. Am 9. Januar 1931 wurde ihnen das Arbeitsverhältnis wegen angeblichen Arbeits mangel gekündigt und am 16. Januar wurden sie entlassen. Der in seiner Mehrheit ch r i st l i ch organisierte Arbeiterrat der Be- klagten verwarf den Einspruch der Kläger gegen ihre Kündigung mit der Begründung, daß es der Beklagten nicht zugemutet werden könne, christlich organisierte Arbeitnehmer zu entlassen, und daß Verträge der Beklagten mit Auftraggebern eine B e st i m- mung enthielten, nach welcher die Arbeilen durch christlich organisierte Arbeiter hergestellt werden müßten. Das von den Klägern angerufene Schiedsamt der Buchdrucker fällte da- gegen einen Schiedsspruch, in welchem es die Entlassung der Kläger als Maßregelung bezeichnete. Mit der Behauptung, daß ihre Entlassung nicht wegen Arbeits- mangels, sondern lediglich wegen ihrer Zugehörigkeit zu den sreien Gewerkschaften erfolgt, und daher wegen Verstoßes gegen die in Artikel 159 der Neichsverfassung gewährleistete Vereinigungsfreiheit nichtig sei, aber auch dem Paragraph 1 Abs. 2 des B u ch d r u ck e r- tarifs widerspreche, nach welchem die Aufrechlerhallung des gewerkschaftlichen Friedens unter Ausschluß parteipolitischer und reli- giöser Gesichlspunkte Zweck des Tarisvcrtrages sei, erhoben die Kläger darauf die Klage. Sie begehren die Feststellung der Rechtsunwirksamkeit ihrer Kündigung und die Verurteilung der Beklagten zur Fortzahlung des Lohnes. Das Arbeitsgericht hat die Klage ab- gewiesen. Gegen dieses Urteil haften die Kläger Berufung eingelegt. Das Landesarbeitsgericht in Berlin hob das vorinstanzliche Urteil aus und verurteilte die Beklagte nach Antrag der Kläger. Diese Entscheidung focht die Beklagte mit der Revision an, so daß sich das Reichsarbeitsgericht nochmals mit dieser Sache beschäftigen mußte. Das Reichsarbeitsgcrlchl hob das vorinstanzliche Urieil auf und wies die Sache zur weiteren Prüfung an das Landes- arbeitsgericht zurück. Werbeaktion der Gastwirtsgehilfen. Die Delegierten des Zweigvereins Berlin im Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestelltcn waren zu der General- Versammlung am Donnerstag nachmittag im Gewerkschaftshaus zahlreich erschienen. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde ein kommunistischer Störungsversuch kurz und schmerzlos, aber in durchaus parlamentarischer Form erledigt, und es tonnte Firma Greve(„Deutsche Allgemein« Zeitung") schweben ebenfalls Einigungsverhandlungen, die noch nicht abgeschlossen sind. Bei den Firmen Büxen st ein, Masse und H. S. H e r r m a n n be- stehen Differenzen nicht, da in diesen Betrieben von den Firmen- leitungen eine Herabsetzung der Leistungszulagen nicht vorgenommen wurde. Bei Selle-Eysler, wo gleichfalls keine Kündigungen in- folge von Lohndifferenzen erfolgt sind, ist die Lage noch insofern unklar, als die Firma Entlassungen von Arbeitern zur Ver- ringerung des Lohnkostenkontos vornehmen will. Die Betriebs- räte der Firmen Elsner und„Berliner Börsenzeitung", für die der Vergleichsvorschlag des Gewerberats Körner— nicht des Reichs- schiedsamtes— ergangen ist, nehmen heute nachmittag zusammen mit den Betriebsräten der übrigen Großdruckereien und den Or- ganifationsvertretern des graphischen Kartells zu dem Vergleichs- Vorschlag Stellung. Die endgültige Entscheidung über den Der- gleichsvorschlag wind jedoch in den Belegschaftsversammlungen der beiden Betriebe getroffen, die heute und morgen stattfinden. Der Konflikt bestehtolso nach wie vor in voller Schärfe. Die Unternehmer hoffen, mit Hilfe des Gewerberats Körner einen K o l l e k t i v a n g r i f f auf die durch Einzel- vertrag festgelegten Leistungszulagen durchführen und gleichzeitg den Arbeitern verbieten zu können, sich gegen diesen Kollektiv- angriff auch kollektiv zu wehren. Sie sind weiter der Meinung, 181b Proz. Lohnabbau und Kurzarbeit innerhalb eine- Jahres hat die Kaufkraft der Arbeiter noch nicht genügend ge- schwächt. Wir sind mit den Buchdruckern anderer Auffassung. Und wir werden dies mit aller Klarheit sagen, auch wenn— was wir übrigens nicht annehmen— Herr Körner im Sinne der Unter- nehmer entscheiden würde. sachliche Arbeit geleistet werden. Der Berliner Bevollmächtigte, Genosse Schneider, hielt das einleitende Referat über die Aufgaben des Zweigvereins im Jahre 1932. Seine Darlegungen führten zu einer lebhaften Aussprache. In derselben konnte noch- mals zu allen brennenden Tagesfragen Stellung genommen werden, von der Beschaffung einer Arbeitsgelegenheit für ältere Kollege» bis zur Wahl des Reichspräsidenten. Die Delegierten stimmten ein- mütig dem Vorschlage zu, in den nächsten Wochen 18 öffentliche Versammlungen abzuhalten. Es gilt nun, nicht nur für den Besuch dieser Versammlungen zu sorgen, sondern auch dafür, daß für den Verband neue Mitglieder, neue Kämpfer geworben werden. Achtung, Angestellte und Arbeiter des Speditonsgewerbes! Morgen Versammlung aller Mitglieder des Gesamtverbandes und Zen- tralverbandes der Angestellten im Speditionsgewerb«. Vormittags 16 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer. In dieser Versammlung wird zu der Entstehung und Auswirkung des Schenkeroertrages Stellung gcnormnen. Eduard Meimanm Sostiuliflifcfie lllrifchafls- imd Jlrbeilsordmiug Der Vexlag Alfred Protte, Potsdam, beginnt soeben mit der Veröffentlichung einer neuen sozialistischen Schriftenreihe, die unter dem Tftel„Die sozialistische Aktion" von Walter Pähl und August Rathmann herausgegeben wird. Als erstes Heft der Reih« erscheint in wefterer Fassung«in von uns seinerzeit im„Vorwärts" schon ausführlich gewürdigter Vortrag von Eduard Heimann über„S o z i a l i st i s ch e W i r t- f ch a f t s- und Arbeitsordnung"(64 Seiten. Preis 1,26 M.). Es ist zu begrüßen, daß diese Gedanken, wie wir damals wohl auch gefordert haben, jetzt einer brefteren Oeffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind. Gerade heute muß die Totalität oer so- zialisftschen Zielvorstellung mit besonderer Entschiedenheit ausge- arbeitet werden. Eduard Heimonn beschreibt di« sozialistische Wirtschafts- und Arbeitsordnung im engsten Anschluß an die heutige kapitalistische Wirtschaftsordnung. So bestimmt es im Wesen des marxistischen Sozialismus beschlossen liegt, der geschichtlich-gesellschaftlichen Gegenwart kein künftiges Idealbild eines möglichen Ge- sellschaftszustanoes entgegenzuhalten, so ist es gleichwohl notwendig, „uns über die grundsätzlichen Möglichkeiten einer zugleich rationellen und auf sozialistische Ziele gerichteten Wirffchaftsordnung' Klarheit zu verschaffen, da die Gegner... die grundsätzlich« Unmöglichkeit einer rationellen sozialistischen Wirtschaft behaupten". Der Ent- wurf einer sozialistischen Wirtschasts- und Arbeitsordnung muß von cer heutigen Wirklichkeit ausgehen. Er kann und darf nicht mit einem„idealen" Menschentum rechnen. Eduard Heimann skizziert zunächst die Grundstrukturen einer Wirtschaft, die den Privatbesitz an den Produktionsmifteln in Ge- meineigentum„aufgehoben" hat: Preisbildung. Buchführung, Gelo- rechnung, Einkommensdifferenzen, Kapital- und Zinsrechnung müssen beibehalten werden. Ein« Gemeinwirtschoft dieser Art wäre jedoch prinzipiell nicht krisenfrei. Erst eine zentrale Wirt- schaftsplanung, vor allem ein gezügelter technischer Forffchritt in Verbindung mit einer zentralen Kapitalbildung kann aus der Wirtschaftsanarchie der Gegenwart herausführen. Nicht Austeilung uno öde Gleichmacherei, wie uns immer wieder von der kenntnis- losen, gegnerischen Agitation vorgeworfen wird, sind die Ziele des Sozialismus, sondern die eigentlich« Wiederherstellung des indivi- duellen Eigentums, die Verwurzelung des Menschen in seinem Arbeitsbereich.„Freiheit in der Gemeinschaft, Gemeinschaft aus der Grundlag« der Freiheit, das ist der menschliche Sinn der sozialisti- schen Ordnung, die Erfüllung dessen, was Marx als die„wahre sittliche Menschlichkeit" bezeichnet." Mit vollem Recht berust sich Eduard Heimann in dieser Schrift auf Marx: auch Marx hat in seinem Gothaer Programmbrief einige Grundstrukturen der sozialisttschen Gesellschaft angedeutet— einer sozialistischen Gesellschaft,„wie si« eben aus der kapitalistischen Gesellschaft hervorgeht". Vielleicht hätte sich Eduard Heimann weniger dem unberechtigten Vorwurf ausgesetzt, einen„ethischen Sozialismus" zu vertreten, wenn«r sich ausdrücklich auf dies« Schrift von Marx bezogen hätte. Der Sozialismus kann nur dann Wirklichkeit werden, wenn die planende Idee den Mut zum Ent- wurf der sozialisttschen Ordnung aufbringt— wohlverstanden: aus der heutigen Wirklichkeit heraus. Wir müssen Eduard Heimann dankbar sein, daß er diesen Entwurf gewagt hat. /. P. Mayer. Theater der Woche. Vom 25. Februar, bis 2. März 1932. Volksbühne: Theater am Bülowplah: Fuhrmann Hcnschcl. i. 12 Uhr. Berliner Funk- orchester. Staalsthealer. Oper Unter den Linden- 28. La Traviata. 29. Boheme. 1. Huzenotten. 2. Eaisha. 3. Tos- san tutte. 4. Hochzeit de- Figaro. S. Das Herz. S. Aaida. 7. Ein Maskenball. Städtische Oper, Eharlottenburg: 28. Macbeth. 29. Die nerlauft« Braut. 1. Manon. 2. Die lustigen Weiber von Windsor. 8. Friedemann Bach. 4. Der Freischütz. 5>. Das Spitzcntuch der Königin. 6. Di- Afrikanerin. 7. Rigoletto. Staatliches Schiller-Theatcr- 2«., 29., 2., 4., S., 7. Di- endlose Etra&c. 1. Dr. Klaus. 3. Die Mitschuldigen. Staatliches Schauspielhaus: 28., 29., 2., 4., 5., 3., 7. Cgrano oon Bergcrac. 1. Florian Geyer. 3. Friedrich von Homburg. Theater mik festem Spielplan: Deutsche, Theater: Bor Sonnenuntergang.— Die Komödie: Iuwelenraub am Kurfurstendamm.— Deutsches Künftlertheater: Roulette.— Theater in der Strescmannstratze: In iedcr Ehe...— Komödienhaus: Hasenklein kann nichts dafür...— Metropol-Theater: Ein Lied der Liebe.— Theater das Westens: Prinz Methusalem.— Lustspielhaus: Runxendorf.— Theater vi Admiralspalast: Licselott.— Komische Oper: Bis 2. Ein entzückender Mensch. 3.. 4. geschlossen. Ab S. Für eine schöne Frau...— Großes Schauspiel- Haus: Hofsmanns Erzählungen.— Lessing-Theater: Morgen geht's uns gut! — Theater am Rollendorsplatz: Easparone. Ab 4. Traum einer Nacht.— Zentral. Theater: Der sidele Bauer.— Theater am Schissbanerdamm: 9lb 29. Ballnacht.— Die Tribüne: Spiel im Schloß.— Kleines Theater: Truppe 1931.— Die Mausefalle.— Rose-Theater: Bis 1. Der Bette! student. Ab 2. Leitchen Gebart, li. 21 Uhr. Götter unter sich.— Easino-Theatcr: Bis 3. Ehen von heute. Ab 4. Der Mann mit den zwei Frauen.— Theater in der Kloster- firaße: 28., 2!»., 4., k>.. 6. Faust. I., 2., 8. Götz von Brrlichingen.!>. Rachtvor.•- ileüung(23 Uhr). Bühne frei.— Theater in der Behrenstraße: Der Mann mit oen grauen Schläfen.— Plaza: Bis 29. Die Blume von Hawai. Ab 1." triederike.— Skala. Wintergarten: Internationales Variete.— Reichshallrn- heatcr: Stcttiner Sänger. Itachmillagsvorstellungen: Bolk-bübne. Theat-r am Bülowplatz: 28. Fuhrmann Henfchel.— Deutsches Künftlertheater: 28. Der Reoisvor— Metropol-Theater: 28. Die Flcder- maus.— Theater des Westens: 28. 1454 Uhr. Kai aus der Kiste. 17 Uhr. D-r Bogelhändler.— Komische Oper: 28. Ein entzückender Mensch. 8. Für eine schöne Frau...— Großes Schauspielhaus: 28., 8. Hofsmanns Erzählungen. — Theater am Rollendorsplatz: 28., 8. Easparone.— Kleine» Theater: 28., 8. Die Mausefalle.— Rase-Theater: 2., l>. 18 Uhr. Iettchen Gebert. 8. 15. und 18 Uhr. Iettchen Gebert.— Theater in der Klostcrstraß«: 28., 8. 1354 Uhr. Erdgeist. 1754 Uhr. Büchs« der Pandora.— Plaza: Bis 29. Die Blume von Hawai. Ab l. Friederike.— Skala: Internationale« Variete.— Wintergarten: 28., S., 8. Internationales Variet«.— Rcichshallcn-Thcatcr: 28., 8. Stettincr Sänger. Erstaufführungen der Woche: Montag. Theater am Schiffbauerdamm: Eine Ballnacht.— Mittwoch. Rose- Theater: Iettchen Gebert.— Freitag. Theater am Ztollendorfplatz: Traum einer Nacht.— Sonnabend. Komische Oper: Für eine schdne Frau... Wetter für verlin und Umgegend: Weitere Verschärfung des Frostes mit rnuhen Ostwinden, anfangs heiter, später Bewölkungs- zunähme und Neigung zu leichten Schneefällen.— Für Deutschland: Im Westen trocken und vielfach heiter, mäßiger Frost: im übrigen Deutschland im Lause des Tages Bewölkungszunahme und besonders im Südosten leichte Schneefälle, weitere Verschärfung des Frostes. Bcrantworti. für die Redaktion: Rich. Bcrasteia, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Berlag: Vorwärts Perlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Porwärts Buch- druckerei und Perlagsanstalt Paul Singer(s. Co., Berlin SB 88, Lindenstr. i. Hierzu 1 Beilage. »last» ineaicr Sonnabend, den 27, Februar Staatsoper unter cen Linden 20 Uhr Eine Nacbtin Venedig StaalLSdiausgiielliaus Gendarraenmarkt. 20 Uhr Cyrano von Beroerac Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die endlose Straße Nähe Schtes. Bhf, |5öJU,St|S.2,5,l>iU. | ld.: E 7 Weichsel 4031 ,Al5 Blume«n Hawul" Rose- lüeater inB« Fnnklurtn ItnSe 13! 18. Weichsel E 7 3422 6 u. 9 Uhr Oer Bettelstoilent wawwdmww VolHsDGtine Thsater am BSIowplatl 8 Uhr Fuhrmann Henschel Regie: K. H. Martin Slaall. Sdiillsr- Theater 8 Uhr Die endlose Straße Berliner IVSkTriO N C II h 5 I I B. Lahnstr 74/76J §f am. Oper Charloitenburg Bismarckstraße 84 Sonnabd, 27. Febr. Turnus III Anfang 20 Uhr Das Spitzentuch der Königin Ende gegen 23 Uhr p» Kleines m.— Trappe 1931. TägL 8V« Uhr vis mausefaiie Preise 75 Pf.— 5 M. Sonnt naebrn. 4 U. baibe Preise. Met Theater 8 Uhr Vor v. Gerh.Hauptmann Re;ie; Max Reintiardt. Theater am Nollendorfplatt liezle: Hciii liltmcburj Pallas 7051 Täglich SVi Uhr Stgs. auch 4>,» Uhr Heute zum 113. Male Gasparone Sonntag, den 28. Februar mittags 1 Uhr Halber Preis 135 1 Damen 1= Herren N: Kopenhagener Sir. 28 Chorincr Sir. 49 Fennslr. 51 NW: Qnilrowslr. 117 O: Schlllingiir. 25 Mainzer Str. 4 S: Annenstr. 23/24 Loisenafer 3 r r SW: Alcxandrlnenstr. 1 H Neukölln: Emser Str. 138 Wi�mannstr. 12 Schön eberg: Kolonnenstr. 47 Wariburgslr. 3 Am 26. Februar verstarb im Alter von 39 Jahren nach schwerem Leiden, der Zeitungsfahrer, Genosse Frits Nauiokat Berlin S. 14, Sebastianstraße 39. Der Verstorbene hat sieh in den Jahren seiner Tätigkeit für den„Vorwärts'- durch sein sympathisches Wesen und stete Pflichterfüllung hohe Achtung erworben. Wir bedauern aufrichtig den plötzlichen Tod dieses treuen Mitarbeiters. Ehre sefnem Andenken! Torwarts'Verlag G.m.b.H. GesdiailsleUung. PROGRAMM UND WEITERE AUSKUNFT DURCH DEUTSCH ERIREK LAMETAG BERLIN 1932 am 19. und 20. März DAS BORO BERLIN NW 7 UNTER DEN LINDEN 59a FERNRUF JÄGER AI 6291 Beilage Sonnabend, 27. Februar 1932 DprjUipn StuUau&jaAi x&i l/oruräsk J)ie Setcfticftte der Woche: tfethati HetttnaHH-WloAiar Heimkehr im Ein großstädtischer Fabrikbesitzer setzte sür ein Gut. das er sast nie besuchte, einen treuen Angestellten als Verwalter ein Dieser jedoch ließ das Gut vollkommen verwahrlosen. Als der Besitzer ihn jetzt seines Postens entheben wollte, setzte sich der Mann mit der Wasse zur Wehr... Der Fabrikbesitzer Halle das Gut neben einigen anderen in der Inflationszeit gekouft. Es lag zwei Autostunden von der'Stadt ent- fernt. Es umfaßte etwa zehntaufeno Morgen mit schönem Herren» Haus, kleinem Park, Äcker, Wiese, Wald und Wasser. Da- Dorf, zu dem es zählte, lag etwa eine halbe Fußstunde entfernt. Der neu« Gutsherr, unfähig und unlustig, sich selbst um die Bewirtschaftung zu kümmern, nur von dem einen Interesse bewegt. sein Geld in einem sicheren Objekt anzulegen und vielleicht gelegent- lich einmal zu jagen, hielt Umschau nach einem Vertreter. Ein JnspZktor, der tüchtig schien, war bald gesunden. Indes war es an- gefichts der Unmöglichkeit einer regelmäßigen Kontrolle unbedingt nötig, außerdem einen verläßlichen, dem Besitzer genauestens be- kannten und treu ergebenen Verwalter einzusetzen. Landwirtschaft- liche Kenntnisse schienen sür diesen Posten leichter zu entbehren als Ordnungsliebe, Pflichtbewußtsein und Verwaltung-talent. So kam der Fabrikherr auf den Gedanken, sich unter denjenigen An- gestellten seines Betriebes umzusehen, die sich dort schon jahrelang bewährt hatten. Seine Wahl fiel auf einen etwa fünfzigjährigen Buchhaller. der schon unter dem Vater des Besitzers die Jahlenkolonnen in vor- bildlicher Sauberkell und Exaktheit niedergeschrieben hatte. Dieser Mann war so verwachsen mit seinem Berus, daß ihn die sonst sür jeden Büromenschen lockend« Aussicht, aufs Land zu kommen. anfänglich nicksi einmal erfreute: und dies, obwohl er außer seinem Hauptbuch nicht- Liebgewordenes in der Stadt zurückließ: er besaß weder Frau noch Kinder. Indes hatte er es immer ver standen, seine Wünsche nach den ihm gewordenen Befehlen zu richten, und so ging er, wenn auch ohne stark« innere Anteilnahme, so doch auch ohne Unlust aufs Gut hinaus. Im Anfang hatte er es nicht leicht. Die Interesien der Knechte. Mägde und Hosgängerfamilien waren ihm fremd. Mit dem tüch- tigen, aber etwas lauten Inspektor stand sich der ans stille Rascheln de- Papiers Gewöhnte von Ansang an nicht sonderlich gut, ohne daß es jedoch zu Reibereien kam. Soweit seine Tätigkeit sich nicht im Rechnerischen erschöpft«, beschränkt« er sich daraus, die Verlegung der häusig recht krummen und eigenwilligen Feldgrenzen und ihre Verwandlung in schnurgerade Linien anzuordnen, so daß bald die Ackerbreiten nebeneinander lagen wie die Spalten eines Haupt- buches. Die Landleute lachten darüber, doch leisteten sie keinen Widerstand: nützte es nichts, so schadete es doch auch nichts. Das war auch der Standpunkt des Inspektor-. Immerhin glaubte..der Buchhalter zu bemerken, daß sein Stadt- Menschentum bei den Gutsarbeitern aus ein« gewisse lächelnde Ver- achtung stieß. Er wußte Spaten und Hack« nicht zu sichren, Kühe und Pferde nicht zu behandeln. Dieser Verachtung glaubte er durch eine Tat begegnen zu müssen. Als Kind war er hin und wieder auf Ponnys geritten. So schwang er sich eines Tages Vertrauens- voll auf einen breitrückigen Ackergaul und dirigierte ihn durchs Tor ins Freie. In diesem Augenblick kam unglücklicherweise das Auto eines Lieferanten vor dem Gutshof an. Das Pferd scheute und ging durch. Der kleine, etwas krumme Buchhalter hielt sich an der Mähne fest. Er machte eine höchst unglückliche Figur: das Gelächter der Knechte und Mägde scholl hinter ihm her, er hörte es durch das Stampfen der schweren Hufe. Er hätte sich fallen lassen kömren. ohne Gefahr, denn unter ihm war weicher Sandboden. Er tat es nicht. Er glaubte sich beweisen zu müssen. Er blieb auf dem Gaul, der weit in den Wald hineingeräst war und brachte ihn mit einer für sein« Verhältnisse übermenschlichen Willenskraft zur Raison. Als das geschehen war und das Pferd langsam ging, sah er von weitem Knechte herbeilaufen, die Hilfe bringen wollten. Da ritt«r nicht auf sie zu, sondern wich ihnen aus und leitet« dos Pferd quer durch den unterholzlosen Wald. Erst langsam wurde er sich darüber klar, daß nicht Scham ihn dazu trieb, sondern ein ihm seltsam dünkendes Wohlgefallen am Geschaukeltwerden auf dem breiten Pserdeleib, an der scharfen und doch guten Ausdünstung des schweißnafsen Pferde- fells: und ein Wohlgefallen auch am Rauschen des Winde- in den .Kiefern, am Knorren der Stämme, am dunklen Schimmer des Mooses. Er ritt lange, immer querwaldein, immer ohne Sattel. Er sah die Nacht sinken— eigentlich zum erstenmal. Er lauschte mit einem dunklen Entzücken den gespenstischen Geräuschen der Nacht. Erst um Mitternacht kehrte er zum Hof zurück, brachte das Pferd selbst in den Stall, striegelt«, tränkte und fütterte es. In dieser Nacht glaubte er selbst, daß er nun ein begeisterter Landwirt werden würde. Aber in den Tagen, die folgten, sah er ein, daß er die von ihm selbst geordneten Aecker nicht liebte: seine Lieb« gehörte weiter dem Wald, und auch hier nicht den sorgfältig aufgesorsteten Beständen, sondern der regellosen, verwahrlosten Heide. Er vernachlässigte sein Aeußeres. vernachlässigt« seine Aufsichtspflicht. schrieb unmutig seine Rapport« und Abrechnungen für den Herrn in der Stadt, ritt und ritt und ritt. Dann begann er zu jagen. Er schoß nur, sortgesetzt, sinnlos und blutdürstig: er hegte nicht. Als die Schonzeit begann, oermochte er nicht innezuhalten. Er wilderte im eigenen Revier. Mit dem Inspektor geriet er in Streit. Er setzte es bei dem fast nie erscheinenden und ihm ganz oertrauenden Besitzer durch, daß der Inspektor entlassen wurde und kein anderer an dessen Stelle trat. Wo der Boden des Gutes sandig war, wurde Spargel gebaut. Eines Tages, als er aus dem Walde geritten kam, während der Kampagne, sah er die leeren, glatten, mathematisch genauen, lang- gestreckten Sandsärge mißmutig an— warf den Kopf hoch, auf dem das Haar jetzt wirr wuchert«, und schrie den Arbeitern zu: „Laßt ihn schießen!" Und als sie nicht begriffen:„Schießen lassen den Spargel! Packt euch!" Und er enlließ die Saisonarbeiter noch am selben Abend. Nach der Stadt schrieb er, daß der Spargel in diesem Jahr« zu schwach sei. um«ine Kampagne auszuhallen, und daß er ihn habe durchschießen lassen müssen. Man protestierte nicht: man oer- stand ja nichts davon: das Gut war ja nichts als ein Objekt, eins von vielen: der Fabrikbesitzer war sehr leidend geworden und meist im Ausland. Der Spargel aber schoß auf. gedieh, wie es seinem Befreier von der Hand des Menschen düntte, zu nie gesehener Pracht. Mannshoch wuchs er. ein grünes, wogendes Meer zsrteft« Blatt» tropfen— der Buchhalter stapfte hindurch, taumelnd sast, sein Kopf war rot vor Erregung, fein Hirn schrie: mein Werk, mein Werk! Sein flachbrüstiger Körper hatte sich gedehnt und gestreckt, er war ein beinahe massiger Mann geworden. Die wenigen Arbeiter, die er behalten hatte, behandelte er nicht schlecht, nicht gut: er war ihnen nur fremd. Einmal, im Stall, griff er tierhaft derb nach einer Magd: als sie sich nicht wehrte, warf er sie achtlos in eine Ecke. Er entließ sie bald und nach ihr alle Frauen. Eines Tages, als er im Dorf zu tun hatte, sielen ihm die Grabsteine auf, die ringsum an der Kirchenmauer lehnten. Er studiert« sie: sie wiesen immer dieselben Namen auf, immer die- selben Namen die Reihe der Jahrhunderte hinab, und immer stand dahinter: Bauerngutsbesitzer... Bauerngutsbesitzer... Da wandte er sich an Standesämter und Kirchenbehörden in Briefen, deren Schrift ungelenk und klotzig geworden war und nicht- mehr von der kalligraphischen Schönheit seiner Zahlenkolonnen aufwies, und ver- folgte die Reihe seiner Ahnen zurück. Er erkannte, daß diese Ahnen Buchhalter, Kaufleute, Beamte, kurz: Schreib- und Ordnungsmen- schen gewesen waren alle Generationen hindurch— erkannte es und begriff sich jäh. Aus ihm brach heraus, was zurückgekämmt worden war seit Jahrhunderten: Natur, Freiheit, Unabhängigkeit, Verwilderung. Darum war auch ihm das Bauerntum keine Er- lösung: Bauer oder Schreiber, das kam auf eins heraus, beides hieß Vergewaltigung des Ichs und der Dinge, beides hieß Systeme schaf- fen, herrschen wollen, also beherrscht werden. Allzeit hat es zwei Arten Mensch gegeben: Bauer und Jäger, Zahmer und Wilder. In ihm erstand wieder, mit unzähmbarer Wucht, die Kreatur, der Nomade, der Urjäger. Das Herrenhaus verfiel. Er schlief und wohnte im Stall bei dem einzigen Pferd, das er von allem Viehbestand behalten hatte. Mit einem wirren Hohnlächeln fälschte er die Berichte und Ab- rechnungen. Daß er sie überhaupt abschickte, war die letzte Kon- Zession an den Zwang, sie erkaufte ihm die Freiheit: das bedrückte ihn nicht, in ihm war die Tücke und die Rachelust des Nomaden. Aus den Feldern schoß das Unkraut hervor, die Wege verwuchsen, die zehntausend Morgen waren eine Wildnis, in der er hauste, hetzte und herrschte. Eines Tages kam ein Herr, das Gut zu besichtigen. Er wolle es kaufen und habe bereits mit dem Besitzer verhandelt sagte«r, Der Buchhalter nahm schweigsam die Flinte über den Rücken und ging mit dem Käufer durch den Wald bis an einen Bach. Dort lachte er gell auf und schrie, auf das Wasser deutend:„Das ist die Grenze. Hinüber— oder—" und er nahm das Gewehr in beide Hände. Der Fremde floh durch den ziemlich tiefen Bach. Ein wiloes Gelächter folgte ihm und kreischt« noch lange durch den Wald. In der Folgezeit kamen mehrere Briese aus der Stadt. Er las sie gar nicht. Er lehnte die Annahme eingeschriebener Sen- düngen ab. In seinen Phantasien identifizierte er sich mit seinen Vorfahren, wurde eine Person mit ihnen, wurde ihr« Erfüllung, die Fleischwer- düng ihrer Sehnsüchte, ihre Rache an all«n, die sie unterdrückt hatten, abgedrängt hatten vom Ursprung. Em nebelhafter Gedanke, der nach Blutrache schmeckte, erfüllt« ihn auf seinen einsamen Streifen durch die Wildnis, durch sein« Wildnis. Und als eines Tages ein Auto sich durch die Sandwege wühlte, als vor dem Hof der Fabrik- und Gutsbesitzer, der Käufer und zwei Gendarmen ihm entstiegen, trat der verwilderte Buchhalter in die Stalltür und schoß zweimal aus der doppelläufigen Flinte. Er er- legte den Fabrikbesitzer und einen Gendarmen, wie man Wölf« erlegt. Ehe er wieder laden konnte, traf ihn die Kugel des zweiten Gendarmen mitten in den tterhaft brüllenden Mund. IHotgett§tüh war... oder:'Vexicinung der �agesgelten/ Won WiCheCm Itieigenh Es ist erstaunlich, wie sehr unser modernes technisches Können die Erde verkleinert hat. Sie ist so klein geworden, daß der Mensch sich schon an den Grenzen ihrer Enge stößt. Doch das will erzählt sein. Ich saß dieser Tage bei einem Freund, einem begeisterten Radiohörer. Wir wollten gern unmittelbar Funkberichte aus China auffangen und liehen uns das geduldige Warten nicht verdrießen. Dafür wurden wir auch auf eigene Art entschädigt. Spät in der Nacht griff unser Apparat eine Meldung auf: Schanghai ist Donnerstag früh von japanischen Flugzeugen angegrifftzzf worden, das Bombardement dauerte vier Stunden____ Donnerstag früh? Das ist doch erst morgen! Nein, inzwischen war Mitternacht vorbei— aber wenn das Bombardement vier Stunden gedauert hat. konnte es doch nicht Donnerstag früh ge- wesen sein? Vor vier Stunden hatten wir uns doch erst, Mittwoch abend, getroffen! Sollte der Ansager sich versprochen haben und Mittwoch früh meinen? Warum käme aber dann die Nachricht so spät? Bei solch wichtigem Ereignis—?! Aber der Ansager hatte sich nicht versprochen, das Bombarde- ment war wirklich am Donnerstag in aller Frühe er- folgt, und bereits am Mittwoch spätabends hatten wir internationale Vereinbarung. Die aus verkehrstechnischen Gründen sehr wichtige Festsetzung der Eisenbahnzeit besagt also, daß bei- spielsweise die Sonne in Königsberg etwa 20 Minuten„zu früh", in K ö l n etwa 30 Minuten„zu spät" aufgeht, d. h. also, daß die Ortszeit von der M. C. Z. um diese Minuten vereinfacht, zenttalisiert ist. Und ebenso vereinfachen die anderen Zeitgruppen, die o st e u r o p ä i s ch e(S. E. Z.), die we st europäische (W. E. Z.), die amerikanischen und die asiatischen Zeit- gruppen die jeweiligen Zeitdifferenzen ihres Gebietes. Das Vorhandensein so vieler Zeitgruppen deutet aber schon an, daß die Vereinfachung der Ortszeiten in Verkehrszett eine Grenze hat. Und tatsächlich kann man nur, auf die ganze Erde gesehen, ganz kleine Gebiete zu einer Zeitgruppe zusammenfassen. Das kleine Europa hat schon drei Zeiten, die untereinander um je eine Stunde differieren. Noch größer wird die Zahl und die Differenz, wenn wir Europa und Asien oder gar Asien und Amerika zusammen- nehmen. Sie müssen ja auch größer werden, denn sie sollen doch eine Erdumdrehung, also 24 Stunden füllen. Wenn wir„Tag" haben, ist es auf der anderen Seite der Erde„Nacht", denn wir liegen im Sonnenschein und die andere Seite liegt im Schatten. Dieser natürliche Wechsel bestimmt auch den Ablauf des Wochentags. Schanghai(Chinesische Küste) M. E. Z.................... New gorf(Eastern Time____ San Franziska(Pazifik Time) in Europa die funkentelegraphische Meldung! Wie das möglich ist? Nun, die Funkentelegraphie hat die Erde so klein werden lassen, daß die Zeit scheinbar rückwärts geht. Die Erklärung liegt im System unserer Zeitrechnung. Bekannt- lich bestimmt die Sonnenhöhe, also die Beziehung zwischen Erd- Umdrehung und Sonnenstand die Tageszeit. Wenn in einem Ort die Sonnenstrahlen senkrecht einfallen, die Sonne also am höchsten steht(kulminiert), ist für den Astronomen an diesem Ort Mittag, d. h. 12 Uhr„Sonnenzeft". Gleiche Sonnenzeit haben aber nur alle Orte, die auf dem gleichen Längengrad, also genau nördlich oder genau südlich liegen und für die die Sonne gleichzeitig kulminiert. Dagegen haben alle Orte, die östlich oder westlich von dieser Nord- Süd-Linie liegen, eine andere Sonnenzeft. Die Sonnenstrahlen fallen hier früher oder später senkrecht ein. Dieses„früher" oder „später" ist durch die Erdumdrehung bestimmt. Die Erde dreht sich von Westen nach Osten um ihre Achse, die Sonne geht also für uns Erdenbewohner im Osten auf und im Westen unter. weil wir die Umdrehung der Erde ja nur an der Sonnenverschie- bung oerspüren. Die Sonne läßt aber den Tag anbrechen. Infolge- dessen haben alle Orte östlich von uns eher Tag und eher Mittag als wir, alle Orte westlich von uns später. Die Differenz beträgt 4 Minuten für jeden Grad, das sird 4 Minuten für rund 110 Kilometer. Diese Verschiedenheit der Sonnenzeit an allen Orten, die nicht auf gleicher Erdlänge liegen, hat im Zeitalter der Eisenbahnen zu großen Schwierigkeiten gesührt. Ein Zug, der z. B. um 12 Uhr mittags au- Berlin abfährt und genau 8 Stunden Fahrzeit bis Köln hat, wäre nach Berliner Ortszeit genau um 20 Uhr in Köln, nach Kölner Ortszeit aber schon um 19.35 Uhr! In Köln (7 Grad östlich Greenwich) beginnt der Tag etwa 25 Minuten später als in Perlin(13,5 Grad östlich Greenwich), weil Köln 6'/- Grad westlicher liegt, die Sonne also hier 25 Minuten später kulminiert. Ein pünktlicher Eisenbahnverkehr muß aber überall gleiche Zeit antreffen. Man wählte daher für ein größeres Ver- kehrsgebiet die Sonnenzeit eines ziemlich zentral gelegenen Längen- grades und bestimmte, daß alle Orte dieses Verkehrsgebietes diese Verkehrs- oder Eisenbahnzeit annehmen sollten, un- abhängig von ihrer jeweiligen Ortszeit. Die Mitteleuropäisch« Zeit(M. C. Z.) richtet sich noch der Sonnenhöhe für den 15. Längengrad ö. Gr.(Stargard) und gilt für Deutschland, Skandinavien, Litauen, Polen, Oesterreich, Tscheche!, Schweiz. Italien, Albanien, Südslawien und Ungarn. Sie würde natürlich auch Gülligkeft haben für alle afrikanischen Länder, die sich um den lö. Längengrad gruppieren, nur fehlt bisher die Man hat vereinbart, daß der Tag des Datums, also der Wochentag, 12 Stunden vor„Mittag", also 12 Stunden vor dem höchsten Sonnenstand am 180. Längengrad beginnt. Dieser Längen- grab ist die D a t u m s l i n i e. Alle Schiffe, die von Osten nach Westen fahren, müssen einen Wochentag überschlagen, weil der Westen um einen Tag hinter dem Osten zurück ist. Alle Schiffe, die von Westen nach Osten fahren, müssen einen Wochentag zweimal durchmachen, weil der Osten noch nicht so weit ist. Die Datumslinie ist also eine sehr einschneidende Linie. Daß man sie in den Pazifischen Ozean gelegt hat, zeigt, wie wenig er damals befahren war. Bei dem steigenden Verkehr wird die Datumslinie wohl noch manchen Aerger erregen. Vom 180. Längengrad begannt nun der Wochentag mit der Sonne nach Westen zu wandern, und zwar rückt er alle Stunde um 15 Grad vor. Schanghai liegt etwa auf dem 120. Längengrad östlich, d. h. über 105 Grad östlicher als M. E. Z. Die Zeit Ost- ch i n a s hat mithin rund 7 Stunden früher Sonnen- aufgang als Mitteleuropa. Wenn wir Mittag haben, ist es dort schon Abend. Und wenn unser Tag zu Ende geht, hat dort schon ein neuer Tag begonnen. New Pork liegt dagegen rund 90 Grad west- lich der M. C. Z. Die Tageszeit ist dort also 6 Stunden hinter uns zurück, 13 Stunden hinter Schanghai. Diese eigentümliche Ver- schiebung der Zeiten für alle Stunden des Tages ist aus der zwei- spaltigen Zahlenreihe ersichtlich. Wir haben die Verschiedenheit des Datums und der Tageszeit praktisch kaum gemerkt, weil kein Verkehrsmittel so schnell ist wie die Erdumdrehung, also niemals große Räume in kürzester Zeit zurückgelegt werden. Nun aber haben wir das technische Wunder des R a d i o b e r i ch t e s. Die erdbeherrschende Geschwindigkeit dieses Nachrichtenmittels ist schneller als die Zeit und jetzt wird plötzlich die Verschiedenheit der Tagesstunoen bemerk- bar. Der Funkbericht, der in Schanghai um 7 Uhr früh beispiels- weise an die großen Tageszeitungen aller Welt gegeben wird, eilt westwärts nach Europa dem schon verflossenen Tag hinterher und holt ihn noch ein: er kommt bei uns bereits um Mitternacht an! Und gegen Osten, nach Amerika, funkt der Bericht schon in die Mittagszeit des verflossenen Tages! San Franziska differiert mit S ch a n g h a i um 16 Stunden. Der Bericht, der in Schanghai am Donnerstag um 8 Uhr dem Aether übergeben wird und die Ereignisse von Donnerstag früh schildert, tritt in San Franziska schon am Mittwochnachmittag ein. Die dortigen Abendzeitungen können also, dank der Verkleinerung der Welt durch die Technik, das bisher unlogische Wort schreiben- JRacgen früh war...* Der Tod im Boxring Völkner starb gestern an den Folgen eines Niederschlages Im„Ständigen Ring" ereignete sich gestern abend ein sehr ernster Zwischenfall, wie er hier glücklicherweise zu den Seltenheiten gehört. Der Kampf der Halbschwergewichte Sa- b o t t k e— V ö l t n« r endete in der dritten Runde zugunsten des erstgenannten. Sabottke führt« den Kampf von Anfang an, er tras Völkner kurz vor dem Ende mit einem vollen Rechten aus das ungedeckte Kinn. Völkner schlug lang hintenüber und fiel hart aus den Hintertopf. Er erhob sich mit Mühe und Rot erst im letzten Moment, erhielt von Sabottke noch mehrere Treffer an den Kopf und sackte darauf in einer Ecke zusammen wo er bewußtlos liegenblieb. Er kam nicht wieder zu sich und mußte, als auch Sauerstoffbehandlung nichts nutzte, in ein Krankenhaus geschafft werden, wo nur noch sein Tod festgestellt werden tonnte. Dem Ringrichter Koch kann man den Vorwurf nicht ersparen, zu spät eingegriffen zu haben. Auch ein Laie sah, daß Völkner nach dem ersten Niederschlag vollkommen fertig war, die folgenden waren schon zuviel, der Abbruch hätte schon nach dem ersten schweren Niederschlag erfolgen müssen ,* Federgewichtsmeister N o a ck kam zu einem schnellen Siege über den Tschechen S t o y. der in der ersten Runde einiges an- bringen konnte, aber schon in der nächsten kam das Ende. Ein kurzer Rechter riß ihn zum erstenmal herunter, zwei Magentreffer kurz danach besiegelten sein Schicksal. Der aus Muhlhaufen i. Th. hergeholte Mittelgewichtler Beyer war kein Gegner für Trollmann, das stand schon nach der ersten Runde fest. Trotzdem, und trotz einer Augenoerletzung des Thüringers ging der Kampf, der meist keiner war. bis zur siebenten Runde. Trollmann schonte den Gegner so offensichllich, daß es nicht unbemerkt bleiben tonnte. Sieger: Trollmann durch Kampf- obbruch. Der Einleitungstampf der Halbschwergewichte Hülsebus— Kreims war so ziemlich das Schauderhaftest«, was es in diesem Ring zu sehen gab. Eine regelrechte Drescherei, in der es vor lauter Halten, Klemmen, und trotz der reichlichen„Kopf- arbeit" von Hülsebus zu nichts Entscheidendem kam. Der Sieg wurde nach acht Runden Wühlen und Würgen Hülsebus zuge- sprachen. Ist Boxen gefährlich? Unter dem besiehenden System: Ja! Der Tod des erst zweiundzwanzigjährigen V ö l t n« r stellt die Frage: Ist Boxen ein roher Sport? mit besonderer Eindringlichkeit. Zunächst nochmals die im„Vorwärts" schon oft gemachte Fest- stellung: Berufsboxer sind keine Sportler, sondern Artisten. Nicht wenige unter den Artisten betreiben chren Beruf allabendlich unter Einsatz ihrer Gesundheit, ihres Lebens: das darf man auch bei der Beurtellung des Todesfalles im Boxring nicht außer acht lassen. Die Nebenum stände beim Boxen sind es, die den Be- ruf des Boxartisten und den Todesfall besonders tragisch erscheinen lassen. Während der Artist im Zirkus oder im Variete mit einem sehr hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, der bestimmt ist von seinem Selbstvertrauen, seinem Können, semer persönlichen Sicherheit und, bei besonders gefährlichen Nummern, von der Güte der angebrachten Sicherhsitsvorrichtungen, das glückliche Beenden seines Tricks vor- aussieht, muß der Boxer damit rechnen, bei jedem Auftreten zu- sammengeschlagen zu werden. Ja. die Boxkampfregeln erkennen dieses Zusammengeschlagenwerden, den K. o„ als Kampffolge direkt an. Der Niederschlag, auf den jeder Boxer mehr oder weniger be- stimmt von Anfang an ausgeht, der chn also davor rettet, selbst niedergeschlagen zu werden, dieser Niederschlag, meist durch das Treffen auf die Kinnspitze hervorgerufen, ist sehr gefährlich. Er führt fast immer zu einer, wenn auch vorübergehenden Bewußtseins- trübung, setzt mindestens gewisie Gehirnpartien außer Betrieb, so daß die davon abhängigen Körpertelle außer Funktion gesetzt werden. Wer will aber voraussagen, ob ein Boxer im Eifer des Kampfes den Gegner nicht so heftig trifft, daß das Gehirn seinen Dienst gänzlich«instellt? Ein Zufall läßt es vielleicht so kommen: daß dieser unberechenbar« Zufall aber nicht eintritt, davon ist Gesundheit und Leben des Boxers abhängig. Der Berufsboxkampf ist nicht nur unästhetisch, er ist auch im höchsten Grade gefährlich, lebensgefährlich! Völkner war zwar«in willensstarker, tapferer, junger Mann, aber auch weich, fast zart. Die Paarung mit dem harten Schläger S a b o t t k a war zu schwer für ihn. Doch er mußte antreten, weil er dazu vom Unternehmer kontraktlich verpflichtet war. Er mußie diesen Kampf austragen, well sich der Unternehmer von dem Revanchekampf ein volles Haus und gute Kasie oersprach(und dar- um ist das kein Sport!). Werden so nicht alle Berufsboxkämpfe fast möchte man sagen angezettelt? Da ist irgendein altgewordener, abgekämpfter Boxer, der nimmt eine Anzahl junger Boxer in sein Training, er-macht einen„Stall" auf. Mit diesen Jungen will er Geld verdienen. Er vermietet sie als Trainingspartner, bietet sie Boxkampfunternehmern, von denen es jetzt allein in Berlin drei an der Zahl gibt, an. Die bauen ein Programm zusammen, holen sich«in Boxerpaar mit zugkräftigem Namen und das„Rahmenprogramm" füllen die jungen Stallange- hörigen aus, die für SO bis 100 Mark in den Ring steigen müssen. Gelingt es einem nach oben und an die Spitz« zu kommen, so winkt ihm vielleicht Amerika und damit größer« Verdienste. Di« anderen bleiben unten, bleiben Proletarier, müsien sich zusammen» schlagen lasten. Franz Diener, Hellmuth Schulz haben fast ihr Augenlicht eingebüßt, viele nahmen dauernden gesundheitlichen Schaden, Völkner ließ sein Leben. Völkner war von Angehörigen und Fachleuten vor seinem Be- ruf gewarnt, das System, dem er sich als Berufsboxer oer- schreiben mußte, brachte ihm den frühen Tod. dl. J. Sport am Sonntag. Der Berliner Arbeitersport hat sich völlig auf das morgen um 16 Uhr in der Autohalle am Kaiserdamm stattfindende Hallensports« st eingestellt. Am Vormittag finden, wie bereits gestern angekündet, einige Fuß- und Handballspiel« statt, am Nach- mittag nimmt alles an dem großen Fest teil. Der Verllaer Fußballverela Hansa 31 sucht für seine spielstarke zweite sowie für die dritte Mannschaft zu morgen Spiele auf eigenem Platz. Anrufe heute, Sonnabend, ab 20 Uhr D 9 Reinickendorf 1397. Letzter Renntag in Ruhleben. Di« mit bestem Erfolg durch- geführte Winterkampagn« der Traber«rriicht morgen ihr Ende. Der Schauplatz des Berliner Trabrennsports wird dann wieder nach Mariendorf verlegt, wo Sonntag, 6. März, die Frühjahrssaison beginnt. Die Rennen beginnen in Ruhleben um 1 Uhr. Die neue Ringermeister- schaftsriege Der neue Kreismeister. Von links nach rechts: Schwergew. Rosenkranz, Schwcrmiltelgcw. Michael, Leichtmiitcllcw. Bennin, Leichtgew. Putzke, Fcdcrgew. Schlichtenberg, Bantamge w. Lorenz, Fliegengew. Schiitheisen Die Kämpfe um die Kreiemeisterschaft im Ringen der Arbeiterachleten wurden gestern im Tegeler Strandschloß be- endet. Di« erst« Ringerstaffel des Achletenoereins A l t- W e d d i n g 1883 konnte zwar durch chren Vorsprung den Titel gegen Tegel 1899 gewinnen, obwohl sie in diesem letzten Mannschaftskampf knapp nach Punkten unterlag. In dem großen Saal gab es längst keinen freien Platz mehr, als der Kampfletter Fischer das erste Paar in den Kampf schickte. Die erste der recht wechselooll verlaufenen Runden dieses letzt«» Serienkampfes endete für Tegel mit 8: 6 Punkten, die Rückrunde wurde dagegen von den Weddingern mit 7H; 6 Mi Punkten gewonnen. Das Gesamtergebnis des Kampfes lautete f ü r Tegel 14H: 13% Punkte. Da sich die erfolgreichen Tegler den Sieg in der letzten Runde nicht erkämpfen konnten, blieb die Weddmgstaffel mit 17 Punkten aus der Gesamtwertungstabell« an erster Stell« und errang somit den Titel in der Serie 1931/32. Der routinierte Schlickeisen(W.) mußte von dem stark kämpfen- den Tegler Kraske in bechen Runden unerwartete Niederlagen hin- nehmen Aus der Verteidigung heraus konnte K. seinen Gegner erstmalig in der 7. Minute auf die Schultern zwingen, in der zweiten Runde glückte es chm, nach«wer längeren Ringzeit da» erste Ergebnis zu wiederholen. Der Bantamgewichtler Lorenz(W.) konnte vrandenburgische Cisschnellaufmeisterschafi. Am Sonnabend und Sonntag findet aus dem Plötzensee in Berlin die Branden- burgische Meisterschaft im Eisschnelläufen statt. Am ersten Tage werden die Läufe über S00 und 5000 Meter erledigt, der Sonntag bringt die Läuse über 1S00 und 10 000 Meter. Favorit ist der deutsche Meister Barwa. Arbeiter-Wasterball-Serie. Wegen anderweitiger Besetzung des Wellenbades im Lunpark werden die Serienspiel« der �.-Klasse b,s zum 19. März ausgesetzt. Die deutscheu Eishockeyspieler, die an der so kläglich verlaufenen bürgerlichen Wintersportolympiade in Lake Placid teilnahmen, sind mit ihrer Bronzemedaille, von ihren Sportkollegen fast unbeachtet, gestert in Berlin wieder«ingetrofsen. Jiacncialsfeft im Eewertschaftehaus. 28. ffetoat SttelfjO« burf) 6tn Süfcm- Endziel Mariendorf. Start; 13 Uhr bei Roh de,©teffenbaajftt. 86.—• 3. W llhr The-U»(Elite-Eäng-r).- 6. Abt.: 3UI am Statt. Start: 12 14 Uhr Seit Äopenhagener Str. 17.— Abt.©tbMna: Besichtizang b« ffeiictroai�c IäSS KS!: (cc- Ziel am Statt. Statt: 13 Übt Antonplatz.— Abt. Retnickendorf, gul am Statt. Statt; 13 UJt bei Sachse, Hollünbitstt. 23.— Abt. NeukSlln: Zeel 3Ö00 Ameiierspomer marschieren auf am Sonnlag, dem 28> Februar 1932, um 16 Uhr, bei dem großen Hallensportfest in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm. An den sportlichen Wettkämpfen sind beteiligt: Leipzig, Dresden, Stettin, Kottbus, Guben. Brandenburg, Rathenow, Luckenwalde und Berlin. Konzert/ Großes Schauprogramm! 10000 Sitzplätze von 50 Pfennig bis I Mark. Berlins Eiserne Front ist herzlich eingeladen! am Statt; Statt: 18 Ucht Hoh-nMernpIatz.— Die Abteilung ReukSlln g-vt botannt, daß am S. Marz die Anfahrtstont der Abteilung slattnudet. otatl; 13 Übt Sobenzollernplatz. Ab 17 Übt Hob-nstaufen.FestsSl«, Äottbufset Damm-6 «Neinet Saal). San*.— 27. und 28. Februar findet im Gewetlschaftshauo bei Sportlehrtursus liit alle Berliner Abteilungen statt. Jede Abteilung mug ueitteten sein. Beginn: Sonnabend, 18 Uhr. Zeichenutensilien sind mit- «teils rpcrlnltntb-zitt. Gruppe M. Osten. Sonntag, 23. Februat. 1014 Übt, Besichtigung der Feuerwache Sichtenborg, Rathausstraß». Treffpunkt an der Zfiache.— SaunbeziLl. Sonntag, 28. ffebtuot, Hallen iparrfest in der Autoballe am Satierdawm. Reg« Betsillaung Pflicht. Rcichsbannee-Wassetspott- Abteilung, Zug«Speuiik. Sonntag, 28. F-brua-. 1« Iwr, Borsanunlung im Bootsbau, Köpenick. Tagesordnung: SeschänliKs Mitteilungen Festsetzung de» Jahtosptogtamm,, Einrichtung eines Steuet. mannsfurw», Eigenbau oon Booten. Die Mannfchaftsrud«« treten 0 Übt ��ASäst' fflebbi n g. Treffpunkt»um Hallenfpottfeft Sonntag, 0 Uhr, Rettelbeck. platz. Für die Hock-yspiel-r 10 Uhr Bahnhof Witzleben. Milbredt(T.) in beiden Gängen durch einen Hüftschwung auf die Schultern zwingen, und zwar in 2,12 bzw 1,18 Minuten. Auch im Federgewicht tonnte Hartmann(T.) einem der besten Wedding- Techniker, Schlichtenberg, unerwartet in der 8. Minute eine Schulter- Niederlage aufzwingen, in der Mckrunde konnte dann Sch. diese Scharte durch einen Punktsieg auswetzen. Das oon Rosinske gelang kein Erfolg. Achtbares Können zeigten die B o x e r aus den Vereinen Rosen- chal, Lichtenberg, Tegel und Wedding. Behrendt(L.) schlug Zink (W.) nach Punkten, ebenso unterlag Munter(W.) gegen Hübner(L.)| und Tommay(W.) gegen Sobke(L.). Falckenberg(R.) und Lusin fg.) erzielten nur ein Unentschieden. Einige der erprobtesten G e- w i ch t h e b« r aus Lichtenberg. Rosenthal. Sparta und Tegel zeigten noch in später Stunde gute Leistungen im Reißen und Stoßen. j Rundfunk am Abend Sonnabend, 27. Februar. Berlla 18.05 Erich Schnitze: Sportelossen- 10.20 Unlerbaltunctkonzeri. 18.00 Karl Fürdor: Crzihluiig der Woche. 18.30 Der Hörer und sein Appsret. 13.45 Die Funk-Stunde teilt mit.., 18.50 Stimme zum Tat. 10.45 Wiener Lied und Wiener Operette. 20.50 Teges- und Sportuacbrlchten. 21.00.La sehen Sie ausl Sehen Sie so aas?" Heitere* Ftnkstttck von Karl Schnog. Musik: Walter Qronostay. 22.05 Scala. Berlin; Edith Lorand spielt. 22.35 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik- König» u- asterhausen. 18.00 Felix Stlemer: Der Unterhaltungsromaa. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Dr. Hans Sachs: Seelische Störungen und Zahnlockeruug 17.50 Ob.-lug. Nairz: Viertelstunde Funktechnik. 18.05 Günther: Deutsch 16.25 Maria Menonl: Goethe: Der ehrliche Liebhaber.' Anschließend: Wetter iflr die LandwirtschaiL 13.45 Englisch für Anlinger. 19.00 Wien: Besuch im Museum der„Qesellschslt der Musikfreunde" 19.45 Prof. D. Staehlln: Vom Sinn des Leibes. 20.15—23.00 Frankfurt: Bunter Abend. Sonntag, den 28. Februar 19S2. Berlin. 6.45 Funkgymnastik. 8.00— 8.55 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 12.00 Mittagskonzert. 14.00 Helene Harle! erzählt Märchen 14.30 Volkslledeer. 14.45 Mexikanische Schallpiatten. 13.20 Hermann Kesser liest eigene Dichtungen. 15.45 S. C C.-Sportplatz Eichkamp: Rugby-Spiel S. C. Charlottenburg gegen Berlin Bats. 16.15 Großes Schauspielhaus:.JHoffmanns Erzählungen" von J. Oflenbach. II. und Ul. Akt 18.15 Dr. W. v Weist. Wien: Als Spion in Kurdestan gelangen. 18.40 Cello und Klavier. 1. Beethoven: Variationen über ein Thema von Q. F. Händel. 2. Qrieg: Sonate A-Moll, op. 36. fAdoif Steiner. Cello und Prof. Mayer-Mahr. Flügel.) 19.30 Kerr: Tagesgiossen. 19.55 Sportnachrichten. 20.00 Funk-Potpourri;„Wandern und Marschleren". 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 7.00 Hamburg: Hafenkotzert IIJO Dipl-leg. Fritz Riedel: Der Lehrvertrag. 13.00 Hamburg: Weitliches Konzert anläßlich des 3. Heinrieh-Schfltz-Festes. 13.30 Hamburg' Kieler Erwerbslosenkonzert 14.30 Hans von Hülsen: Wertung des Mannesalters 15.00 Fritz Laukiseh liest eigene Prosa. 15.30 Dr. Alice Salomen- Vom Wandel der Nächstenliebe. 18.15 Sollen wir iungeu Menschen uns mit Politik beschäftigen?(Mehrgespräch-) 19.00 Vom vierstimmigen Liedgesang.