BERLIN Mittwoch 2. März 1932 10 Pf. Nr. 104 B 52 49. Zahrgans Erscheinttäglich aoßerEonntags. Zoglcich Abcndaliigabc de«.Vorwärt«� Bciugtvrei« für deide Auigadcn 7i Vf. uro Woche, 3,2ö M, pro Moni» (tooon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Hau«) im oorau« »adlbar. P o st d c i n g s,97 M, einschließlich vo Pf. Postjeitungi- nnd 72 Pf. Postbestellgcbüvrcn. Mn i e f genp ref« s Die einspaltige MMmetericile SU Pf, Reklameieile 2.— M, Ermäßigungen nach Tarif, Postscheckkonto: VorwärtS-Vcrlag G, m. b. H., Berlin
rd im Lande selbst zur Ernährung, aber auch zur Gewinnung von Fischöl und Dünger verbraucht, der Rest geht ins Ausland. Unter diesen Um- ständen bildet die Fischerei in Japan nicht nur einen der wichtigsten Erwerbszweige, sondern spielt darüber hinaus im Leben des ganzen Volkes, in seinen Festen und Sitten eine hervorragende Rolle. Zwettes Heinrich-Schüh-Fest in Klensburg. Bei der Frag« nach Sinn und Ziel von Musikfesten, deren unsere Zeit so überreich ist, dürfte den von der Neuen-Schütz-Gesell- schaft veranstalteten Schütz-Festen ein hoher Grad innerer Berech- tigung zuzumessen sein in Hinsicht auf die traurig» Tatsache, daß die große musikalische Hinterlassenschaft des Barock bisher doch fast als verschollen gelten dürft«. In diesem Sinne darf man auch die Ueberladenheit des Festprogramms(in Flensburg 7 Veranstaltungen in 2 Tagen) rechtfertigen: denn es geht nun zunächst darum, diese Werke des 17. Jahrhunderts für die Gegenwart zurückzugewinnen. bereitzustellen durch praktische Erprobung, d. h. durch eine unserer stilgeschichllich ftinsühligen Zett entjprechende Ausführung, lind was gerade hierin von den Flensburgern unter der Gesamtleitung I. Röders geleistet wurde, spricht für eine erstaunliche Musik- kultur dieser Stadt und darf als vorbildlich gelten, sowohl in der Bewältigung des umfangreichen, alle musikalischen Erscheinungs- formen des Barock umfassenden Programms mit verhältnismäßig geringen Mitteln, wie in der llaren Erkenntnis und Aufhellung der Probleme, die das Klangideal der Schütz-Zeit der heutigen Auf- führungspraxis entgegenstellt. Hoffentlich wirken sich die hier ge- gebenen wertvollen Anregungen fruchtbar auf die Ausgestaltung gerade der Haus- und Gemeinschaftsmusik aus. Wolksang Steinecke. Goelhe-Feiern für die Schüler Berlins. Die zentrale Schnlver- wÄtung in Berlin veranstaltet im Niärz und April eine Anzahl be- sonderer Gotthe-Feiern. Zunächst finden in einigen Schulen Faust- Puppenspiele des Münchener Marionettentheaters unter Paul Bronn statt Es folgt eine Goethe-Feier in der Philharmonie unter Mit- Wirkung des Philha'-monischen Orchesters sowie von Miette Muthe- sius. Jon Koetsier-Muller und Theodor Loos. Schielßlich worden in der Krolloper das Prometheus-Fragmsnt und Pandora mit der Beethovenfeben Musik unte- der Lettung von Generalmusikdirektor Orthmann-Mannbeim und Dr. Wilhelm Leybausen aufgeführt: de- teiliat sird u. a. Fricka Brod, Ursula Höflich, Günther Hadank, Theo? dor Loos und der Sprechchor an der Universität. Die Stockholmer Goethe-Feier. Im großen Saale der Musi- kalischen Akademie fand am Dienetagabend eine deutsche Auffuhrung des„Torquato Tasso" statt. Als Einleitung las der schwedische Schauspieler Andersde Wahl Goethes„Zueignung" in deutscher Sprache vor. Heute finden eine Nachmittags- und eine Abend- Vorstellung statt. Der Kamps um„Rasputiu". Die Affäre um den Film„Raspu- tin" ist in ein neues Stcüdium gerückt. Fürst Jussupoff, der als russischer Emigrant in Paris einen gutgehenden Modesalon unter- hält, hat gegen die Herstellerfirma unter Androhung einer Geldstrafe für jeden'Fall der Zuwiderhandlung«ine einstweilige Verfügung auf Einstellimg der Porführungen beantragt Wie aus dem Antrage hervorgeht, bezweifelt Jussupoff die historisch« Abwicklung der Ge- schehnisse im Rahmen des Film». Jussupoff ist überhaupt— so wird betont— kein russischer Offizier gewesen, sondern hat nur als naher Verwandter am Zarenhofe verkehrt. Er habe Rasputin er- mordet, weil dieser versucht habe, sein« Gattin in seinen zweifelhaften K.eis zu ziehen. Im übrigen will er die 50 000 M. Cntschäidigung nicht für sich, sondern für die russischen Emigranten beanspruchen. Roberl-Koch-Ehrungen. Auf die Anregung des Ministers für Volkswohlfahrt hin hat der Deutsche Städtetag die größeren Städte ersucht, eine Straße oder einen Platz nach �„Robert Koch" zu be» nennen. Bis zum 18. Februar haben elf Städte berichtet, daß sie beretts Robert-Koch-Straßen haben oder jetzt einführen.' Rom. die größle Stadt Italiens. Nach dem soeben erschienenen amtlichen Ausweis des italienischen statistischen Amtes über die Bevölkerung des Königreichs gab es am 31. Dezember 10Z1 zehn Städte, die eine Bevölkerung über 200 000 Köpfen auswiesen. An der Spitze steht Rom mtt 1019 248 Einwohnern. Es folgen Mailand mit 995 489, Neapel mit 846 005, Genua mtt 610169, Turin mit 600 000, Palermo mit 391 937, Florenz mtt 317 907, Venedig mit 262 441, Trieft mtt 250 072 und Bologna mit 248 953, während Messina nur noch 182 478 Einwohner zähst. Noch vor vier Iahren waren Neapel mtt 920 000 und Mailand mit 816 000 Einwohnern die beiden größten italienischen Städte, und Rom stand mtt seinen 653 000 Köpsen erst an dritter Stelle. Das Schauspielerparlament. Die diessährige ordentliche Ver- treterversammlung der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger findet am 5.. 6. und 7. April statt. Ort der Tagung ist Düsseldorf. Die nächite �rentiere der Volksbühne ist unier her Regie von Karl fcinz Martin Vernarb Shaws Komödie„Androklus und der ö w e". Die Musik dazu schreibt Theo Mackcben. Buhnenbilder und Kostüme sind von Nina Tokumbet entworfen. „Vom Geiste Alt-Chinas" spricht Donnerstag, 8H Uhr, Paul Wege- n« r im Beethoven-Saal(mit Rezitationen). Der Biberpelz im Berliner Theater. Das Ensemble des Deutschen Künstler-Theat-rs siedelt vom Freitag ab mit der„Biberpelz-Jnszemcruug zu einem kurzen Gastspiel ins Berliner Theater über. Deutsche Washington-Feler im Reichstag. Die Vereinigung Carl Schur, veranstaltet Sonntaa, llH int Plenarsaal des Reichstages, eine Washington.Feier. Den Festvortrag hält Prof. Windelband. Ter Eintritt erfolgt nur gegen Einlaßkarten, die kostenlos von der Vereinigung, Berlin C. 2, Schloß, Portal III(Tel.: E 1 B-rolina 0013) abgegeben werden. Ter verein Berliner Künstler eröffnet Freitag in der Bellevuestraße seine diesjährige Frühjahrs- Ausstellung.� Dieser Ausstellung ist ein Preiswettbewerb vorangegangen, dessen Ergebnisse ausgestellt werden. Paul vraeuer dirigiert„Ir'edemann Bach" bei der nächsten Aus- sührung am Donnerßtag, dem 3. März, in der Städtischen Oper. Im Schiller-Theater gcht als nächste Premiere StrindbergS Passions, spiel*£> st e r»" in Szene.
c Buch Oda Olberg: llalioiialfosialismus In einer soeben erschienenen Schrift„Nationalsozialis- m u s"(Verlag Heß u. Co., Wien) kritisiert Oda Olberg sehr wirksam da- Parteiprogramm der Nationalsozialistischen Partei. Die Schrift wendet sich hauptsächlich an die studierende Jugend, wie es gelegentlich heißt. Jeder, der sich Oda Olbergs Ausführungen zu eigen macht, weiß, was er der nationalsozialistischen Agitation entgegenzuhalten hat. Aber die geistesgeschichtliche Bedeutung der faschistischen Bewegung wird in der Schrift kaum gestreift. Hier zeigt sich m. E. ein entscheidender Unterschied zwischen dem italieni- schen und dem deutschen Faschismus! beide Bewegungen werden von der Verfasserin zu sehr identifiziert. Der Faschismus Mussolinis hat es verstanden, sich eine Tradition zu schaffen, und er bezieht sich ausdrücklich auf Machiavelli, Nietzsche, Corel, Pareto, um nur einige bedeutende Namen der europäischen Geistesgeschichte zu nennen. Machiavellis Mochtstaatslehre, Nietzsches Führerideologie, Sorels Lehre von der Gewalt, Paretos Lehre von der Elite sind in den italienischen Faschismus eingegangen. Die antidemokratischen Traditionen der europäischen Geschichte haben sich im Faschismus Italiens gleichsam um einen festen Kern kristallisiert. Ich glaube, daß man sich mit diesen antidemokratischen Traditionen ernster und etwas weniger ironisch auseinandersetzen sollte, als es bei Oda Ol- berg der Fall ist.(Ich erinnere nur an die Untersuchungen von B e ck e r a t h und H. Heller über diese Probleme.) Auch in der deutschen faschistischen Bewegung— mindestens jedoch in der stu- dierenden Jugend— ist m. E. mehr das scheinbare Versagen der demokratischen Idee und der demokratischen Wirklichkeit als die dürre und unfruchtbare Programmatik des Hitler-Programms wirksam. Das Parteiprogramm der Nazis und ihr sonstiges allzu lautes Geschrei oerdeckt diese tieferen Strömungen. Man kann diesen Sachverhalt vielleicht auch so ausdrücken: auch die demo- kratische Idee muß sich in der gegenwärtigen Situation erst durch ihr inneres Recht ausweisen. Der demokratische Sozialismus muß heute konkrete, sichtbare Zielsetzungen aufstellen. Wenn Oda Olberg in ihren Schlußsätzen schreibt:„Die Jugend muß sich durch Lernen und Nachdenke» durcharbeiten, die großen Aufgaben unserer Zeit durch die nüchterne Sachlichkeit hindurch zu sehen und sich für diese zu begeistern", so kann ihr hier gewiß nicht widersprochen werden: aber man kann auf diese Jugend nur dann wirken, wenn ihr alle Schwierigkeiten der„großen Ausgaben unserer Zeit" dargelegt und in einer im Hier und Jetzt verwirklichbaren Durch- dringung zur Bewältigung freigegeben werden. J. P. Mayer. Mittwoch, den 2. März 1932. Berlin. 16.05 Aktuelle Abteiluns. 16.30 Unterhaltuncsmusik. 17.45 Paul Bosold: Erwerbstätige Jugend und ihre Freizeit. 18.05 Dr. Otto Everling: Internationale Zusammenarbeit der Geistesarbeiter. 18.25 Das Leben Haydns. Manuskript und Vortrag; Dr. Erich Fortner(mit Schallpl.)(Margarete Roll, Mezzosopran: Erna Klein, Flügel). 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag 19.10 Dr. Lutz Weltmann: Bildende Kunst. 19.25 OrchesterkonzerL 20.10 Mathias Claudius(Manuskript: Dr. Bruno Adler. Ltg.: Edlef Koppen). 21.10 Tages- und Sportnachrichten. 21.20 Konzert des„Podium". 1. Mozart: Fuge C-Moll, für zwei Klaviere (K.-V. 426). 2. Busonl: Duettino concertante nach Mozart(Franz Osborn und Heinrich Steiner. Flügel). 21.35 Bruch; Schottische Fantasie Diez Weismann, Violine: Berl. Sinl.-Orch. Dir.: Dr. Frieder Weißmann. 22.10 Räuscher; Zeilungsscbau. 22.30 Welter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterbansen. 16.00 Lehrer Karl Malbranc: Schule und Heimatkunde. 16.30 Königsberg: Reichswehrkonzert. 17.30 Prof. Dr. Herre; Universalreich, Großmacht, Kleinstaat In der Geschichte. IS. 00 Völker in ihrer Musik. 18.30 Dr. Schloltmann: Das Staatsoberhaupt in der Demokratie. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft 19.00 Prof. Dr. A. Müller: Wirtschaftlicher Wunderglaube. 19.30 Dr. A. Ricbbardt; Neuerscheinungen auf dem Gebiete des Beamtenrechts. ,20.00 Hamburg:„Drei Wiener Walzer." Kurzoperette von Joh. Strauß. 21.10 W. C. Gomoll: Novelle.__ 28. Abteilung. Unser langjähriger Genosse Karl Titte l ist nach längerer Krankheit im Alter von 68 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 3. März, 17.36 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße. Wetter für Berlin: Heiter oder leicht bewölkt, sonst keine wesent- liche Aenderung.— Für Deutschland: Allgemein im Reiche ohne nennenswerte Aenderung. Die weltliche Schule 245(Pank- Ecke Wiesenstrahe) veranstaltet am Donnerstag unb Freitag dieser Woche einen Internationalen Tanz- undLiederabcnd in der Schulaula. Interessierte Genossen und Genossinnen sind herzlich eingeladen. Beginn 1R4 Uhr, Eintritt 20 Pfennig._ Sicrunttnottl. für die Stcbattion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke Berlin Berl ta: Vorwärts Verlag®. in. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstaft Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. Sfaali Thcafer Mittwoch, den 2. März siaatsoper unter een Linden 19�/2 Uhr Die Geisha StaatLSdiaaspieKiaus jendaranmirL- 20 Uhr Cyrano von Bergerac Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die endlose Straße PLAZA Nähe Schles. Bhf. 58.815, StBS.2, 5, B15Ü. Tel.: E 7 Weichsel 4031 „Friederike' Sfädl.Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Mittwoch, 2. März Turnus IV Anfang 19.30 Uhr Die Insiloen Weiber von Wlnüsor Ende gegen 23 Uhr Voiusbllhne Theater an BQlawplatz 8 Uht Fährmann Qenschel mit Emil Jannings u. Margarete Melier Regie: K. H. Martin Staatl. Sdiiller- Theater 8 Uhr Die endlose Straße Kleines in.— Truppe 1931. Tägl. 8V4 Uhr Die itiausetalie Preise 75 Pf.— 5 M Sonnab. und Sonntag nachmittags 4 Uhr halbe Preise. i Rose- 1 heater ünlt Frankfurter StnBe 13? Tel. Weichsel E 7 342? 6 und 9 Uhr Premlere Jcllcben Geberl Restaurant Berlins KEMPIHSKI I Reidishallen Itiealer Dönhoff platz 8 Uhr.— Sonntaes 3V« Uhr zu kleinen Preisen. s Stettiner Sänger 1�51 Die neue Groteske � �Dr.Weielikäslieiltaües-! Adolf Bosse Uhrmacher und Juwelier NW4a. Alt-Moablt III, Tel. Moabit 9272 Reidihaliiges Lager in Uhren, Juwelen, Gold-, Silberwaren und Bestecke. Preiswerte Geschenkarfikel für lede Ge- legenheit. Reparalurwerkstatt für Uhren und Goldwaren, erstklassig und billig. Tanchen-lJlireii.... 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£?ellage Mifiwoch, 2. März 1932 SsvMmiS SfiaJauigaße de* IbwarA ßcfiA firieteti J}t& ßudm bind Der deutsche Faschismus ist eine Bewegung, die in einer wirt- schaftlichen und klassenmäßigen Umschichtung ihre letzten Wurzeln hat. Die Nachwirkungen des Weltkrieges haben den deutschen Mittelstand entwurzelt, aber auch die Großbourgeoisie und der Großgrundbesitz fühlen sich in ihren.natürlichen" Rechten ein- geschränkt und von der politischen Demokratie, die verfassungsmäßig festgelegt ist, bedroht. Diese Situation ist in der deu:schen Geschichte keineswegs einmalig: die Geschichte nach dem Deutsch-fran- zösischcn Kriege von 187<)'71 zeigt Umschichtungen durchaus ver- wandter Art, die der gegenwärtigen Generation wieder ins Bewußt- scui gerufen werden müsse». Unter der Führung Preußens war das„Reich" gegründet worden. Nack) dem Waffensieg über Frankreich strömte der be- rühmte französische Goldmilliarden-Strom nach Deutschland: die Gründerperiode begann. In den Jahren 18702 wurden 780 Aktiengesellschaften im deutschen Reichsgebiet gegründet: aber im Zusammenhang mit der großen Weltwirtschaftskrise, die 1 8 73 einsetzte, wurde auch der aufgeblähte deutsche Wirt- schaftskörper schwer erschüttert. Schon damals zeigte sich die unauf- lösliche Verflochtenheit eines nationalen Wirtschaftsraumes in das Getriebe der Weltwirtschaft. Eine ungeheure Wirtschaftsdepression setzte ein: ein Drittel bis zur Hälfte der gegründeten Aktiengesell- schaften gingen 1873 und in den folgenden Jahren in den Konkurs. Die betrogenen Aktienzeichner suchten nach den Schuldigen. Die Schuldigen, so hieß es bald, sind die Juden, weil eine ganze Reihe unter ihnen, wie selbstoerständlich auch andere vorsichtige n i ch t j ü d i s ch e Kapitalisten, dem Gründungsschwindel nicht»r- leg�ii waren. Schuld sollte auch das„System" sein, was aber eigentlich nichts anderes als wiederum den Juden die Schuld auf- laden hieß: denn das System war nach den Hetzreden der politischen Drahtzieher von den Juden„zersetz t" worden. In den berüchtigten Aera-Artikeln in der konservativ- reaktionären„Kr e u z z e i t d n g" konnte man es lesen:„Es er- scheint uns die höchste Zeit, die bei uns eingezogene Korruption mit allen Mitteln wieder zu bekämpfen, den Geist des Schwindels wieder zu bannen und den ruhigen arbeitsamen Fortschritt ohne Schwindel und ohne Krach wieder zu sichern. O Herr, befrei uns von der Korruption: das ist nur möglich, wenn Deutschland ein deutsches und ch r i st l i ch e s Reich bleibt, nicht ein Reich, dessen Geldmacht und Presse:n jüdischen 5) ä n d e n ist, in dessen Gesetzgebung Juden das erste Wort sprechen und in dessen Verwaltung Juden Einfluß ausüben." Bismarck nahm im Reichstagsplenum gegen diese schamlosen Artikel energisch Stellung. Aber es half nichts. Eine zeitgenössische Broschüre greift Bismarck unmittelbar mit diesen Sätzen an:„So- lange Bismarck das allein mächtige Idol bleibt, wird die deutsche Nation dem Reich, das Reich dem Kanzler geopfert werden, und der Kanzler gehört den Juden und Gründern. Daher gibt es für unsere Politik nur eine gebundene Marschroute: Beseitigung des jetzigen Systems und seines Trägers!" Man steht, Ben Akiba hat recht: Es ist alles schon dagewesen! Wie stand denn in Wahrheit Bismarck zur Judenfrage? Gew-.ß ging B l e i ch r.ö d e r bei ihm ein und aus und schon in seiner Frank- furtcr Zeit hatte er als preußischer Bundestags-Gesandter Gelegen- heit, die Finanzpolitik der Rothschilds aus nächster Nähe?u bmrteilen. Bismarck ist nie ein fanatischer Judenfeind gewesen, selbst wenn er 1847 im Preußischen Landtag gegen die Emanzipation der Juden gesprochen hat. Turmhoch steht seine da- malige Rede über dem, was ihm später die Judenhetze der siebziger Jahre entgegenhielt: Bismarck erklärte damals,„Ich bin kern Feind der Juden, und wenn sie meine Feinde sein sollten, so vergebe ich ihnen. Ich liebe sie sogar unter Umständen. Ich gönne ihnen auch alle Rechte, nur nicht das, in einem christlichen Staate ein obrigkeitliches Amt zu bekleiden... Ich gestehe ein, daß ich voller Vor- urteile stecke. Ich habe sie mit der Muttermilch e:ngesi)gen, und es ist mir nicht gelungen, sie wegzudisputieren... Ich ccstehe zu, daß in Berlin und überhaupt in größeren Städten die Judenschaft fast durchweg aus achtungswerten Leuten besteht. Ich gebe zu, daß solche auch auf dem Lande nicht bloß zu den Aus- nahmen gehören, obgleich ich sagen muß, daß der entgegengesetzte Fall vorkommt...." In einer 1877 erschienenen Broschüre finden wir dann noch einmal alle antisemitischen Borwürfe gegen Bismarck vereinigt:„Dem Fürsten Bismarck gebührt das Verdienst, die Juden und ihre Ge- nassen zur herrschenden Clique in Deutschland erhoben zu haben... Die Protektion der Juden ist eines der schwärzesten Merkmale des gloriosen Reiches Bismarck und seine Folge die Ver- a r m u n g des arbeitenden Volkes, die Demoralisierung aller Kreise der Gesellschaft, die widerliche Verschmelzung von Geld- und Geburtsadel... der Fürst Bismarck ist d e m E i n f l u ß d e s Judentums unterlegen. Juden und Judengenossen vilden seine Gesellschaft, sie sind sein täglicher Umgang und seine politischen Ratgeber, seine Hauptkulturkämpscr..." Die antisemitischen Tendenzen ergreifen jedoch erst durch die „christlich-soziale" Agitation des Hofpredigers Stöcker die mittel- ständischen und reaktionären Massen. Adolf Stöcker hat mit seinem Nachfolger Adolf Hitler nicht nur den Vornamen gemein: auch in Stöcker revoltiert der Kleinbürger und er sucht und findet den Anschluß an die durch die fortschreitende kapitalistische und soziale Entwicklung bedrohten ehedem ausschließlich herrschenden Klassen. Ngchdem das Sozialistengesetz in Kraft getreten ist, streift die Stöckersche Agitation die leisen Ansätze zu einer Kritik des Kapita- lismus ab: der planmäßig geschürte Judenhaß muß alle mittel« ständischen und kleinbürgerlichen Ressentiment-Stimmungen gegen den Kapitalismus auffangen. Die antisemitische Agitation in Westpreußen und Pommern verursacht Ausschreitungen: Läden werden geplündert, jüdische Bürger verprügelt, Fensterscheiben ein- geworfen: in Ncustettin wurde eine Synagoge niedergebrannt. Bismarck verhält sich passiv: dem Regierungsantritt Wilhelm II. steht Stöcker mit großen Hoffnungen gegenüber, denn der Kaiser hat ehedem stark unter Einfluß Stöckers gestanden. Doch es gelingt Bismarck, den jungen Kaiser von der Gefährlichkeit des politi- sierenden Priesters zu überzeugen. Im Jahre 1889 erhält Stöcker den Abschied. Bin SegeCfjCieget Kartellsitzung. Stiedcrpereia Eallegla. Freitag, i. Mär», 20 Uhr,_ lung. Sonnabend. Z. März. 20 Uhr, Kasienrudern, Tiergartenanlage. Sonn. tag"------' «r! bekanntgegeben. tag,' 8. März, Ärbeitsscnntag.— Die I. Mannschaft spielt um 10 Uhr auf dem Platz in Spandau, Wilhelmstrass«. Gegner wird am Freitag In der Sitzung Rätsel-Ecke des„Abend" ................................................................................................................................................................ Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Flugzeugmarks: 8. Erdöl: 10. englisch« Zahl: 11. Nährmittelelnheit: 12. Mathematischer Begriff: 14. Test des Baumes: 16. Ausruf des Staunens: 18. Fwß in der Schweiz: 20. Provinz in Afrika: 21. Oual: 23. Gartenpflanze: 25. Wärme- bezeichming: 26. Lotteriegewinn: 27. männlicher amerikanischer Vor- nam«: 29. Ansehen: 30. Ort im Ruhrgebiet: 33. englischer männlicher Borname: 34. griechischer Sänger: 35. Fürwort: 36. Gazellenart: 38. Ordensbezeichnung: 39. Fluß in Thüringen: 41. Berliner Over: 43. lest: Werk: 46. Wild: 47. Gebäck: 48. Ansiedlung: 49. West- europäer: 50. menschliche Heberreste: 51. lat.: ich; 52. Weiblicher Vorname.— Sentrecht: Deutsch« Universität; 2. Göttin der ll isterwelt; 3. Abkürzung sür Nummer; 4. Stadt in der Türkei; 5. spanischer Artskel; 6. Nordlandtier: 7. Himmelsrichtung: 8. Fluß in Italien: 9. Abkürzung für ein Längenmaß: 12. deutscher Arbeiterführer f; 13. geistesgestört: 14. Fisch: 15. Strick: 16. Luft: 17. deutscher Staatsmann: 18. abgekürzt« Firmenbezeichnung: 19. Luftschiff« konstrukteur: 21. Psirsichlitör: 22. englische Verneinung: 24. Boot: 26. Lebewesen: 28. Artikel: 29. indische Münze: 31 italienisch« Musiknote: 32. wie Nr. 31: 26. Crdloch: 37. Bischof der Goten; 39. männlicher Vorname: 40. Lebensgemeinschaft: 41. Meerrettich: 42. weiblicher Vorname: 44. amerikanischer Schriftsteller: 45 beut- scher Dichter..mn. Fütträtsel. Die Buchstaben cleeekliiilell. mmnnnnoovrrrsstttt sind so in die freien Felder nebenstehender Figur rinzusetzen, daß die waagerechten Reihen Wörter folgender Bedeutung er- geben: 1. Morgenland; 2. Einzelspieler; 3. Gewinn: 4. Kürbisgewächs; 5. Geschästs- büro; 6. Spiel. sie. Verwandlungsrätsel. Bach, Else, Onkel, Balz, Leim, Ober. Amme, Rose, Angel, Egel, Sonne, Oeol, Baum, Wurm, Bank, Adria, Kul«, Od«, Loge, Elias, Wipfel, Achse, Talon, Anfall, Weste, Sichel, Lot, Tarf, Lamm, Lid, Tat, Put«, Ocker. Keller, Alm, Base, Base. Alfter, Form.—. Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind durch neue zu ersetzen. Die neugefundenen Buchstaben ergeben, richtig aneinandergereiht, einen Ausspruch von Foy. sie. Sprjchworträtsel. Den nachfolgenden Sprichwörtern Ist je ein Wort zu entnehmen, so daß die gefundenen Wörter ein anderes Sprichwort ergeben: Er wirft den Stiel der Art nach. Er ist jedermanns Freund. Jeder nach seinem Geschmack. Wer viel kann, muß viel tun. Don nichts kommt nichts. Aus Regen folgt Sonnenschein. Er hat den Himmel auf Erden. Sein oder Nichtsein, das ist die Frage. elc. Auflösungen der letzten Rätselecke Silbenkreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Hydrant: 2. Hansa: 6. Mythe: 6. Satin: 8 Helene; 11. Anger; 13. Schubert: 14 Berta: 17. Meile: 18. Pelargonie: 19. Gerte; 20. Reigen: 22 Kaste: 25. Regal: 27. Bukarest: 29 Chopin; 31. Kanon: 32 Reger; 33. Kleie.— Senkrecht: 1. Hyazinthe: 3. Saragossa; 4 Mirabelle: 7. Zyan: 8. Hebe; 9. Neon: 10. Albert: 12. Gerber: 13. Schule: 15. Tapete; 16. Mongolei: 17. Meierei; 19. Herste; 21. Genre; 22. Karat; 23. Tabu: 24. Arrest: 26. Galle: 28. Karo- wane: 30. Pinguine; 31. Kastanie. Magisches Quadrat: 1. Doste, 2. Odeum, 3. Senta, 4. Tutti, 5. Email. Kreuzworträtsel. Waogerecht: 1. Möwe: 3. Akte; 6. Nora: 8. Liga: 10. Dohne: 11. Lohe; 13.. Ehre: 15. Lat: 17. Brie; 18. Alge: 20. Ischl: 23. Sieb: 26. Ulm«: 28. Rotor: 29. Peso; 30. Aare; 31. Ruth. 32. Anis.— Senkrecht: 1. Molo: 2. Wade: 4. Klee: 5. Eger: 6. Null: 7. Ohio: 9. Ares; 12. Harte: 14. He«!: 15. Lei: 16. Tal: 19. Aesop; 21. Schute; 22. Ben«: 24. Jser; 25 Brot: 26. Uran: 27 Mars. Silbenrätsel: Steinkauz, Taube, Zbis, Elster. Geier, Lerche, Zako, Teichhuhn, Zeisig.— Stieglitz