BERLIN Soiwetttag 3. März 1932 10 Pf. Nr. 106 B 53 49. Jahrgang ErscheinttSglich außerEonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts� Bezugspreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3,25 M. pro Monat (davon 67 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. PostzeitongS' und 72 Pf. Postbestellgebühreu. SfiaJao�gaße xlß6>■ !,lse»»r-t«! Di, rirfDaltigt TOiaimettriril« SO DI. OJtflamcitfle 2.— Ol. Ermäßigungen nodj Tarif. DoiKdirtftonto; BorwärlS-Brriag m. b. H., Berlin Rr. Z7 Sl».- Der Verla« behäil üch bat Reckt der Ablehnung nickt genehmer Anicige» vor! daktton»nb.Srpedltt on: Berlin SWSS, Ltnbeniir. Z Servsprechrrt Dönhoff(AD 292—297 Die Würfel sollen fallen! Die Hitler-propaganda sagt: Wahlsieg oder putsch Am 8. November 1923 deklamierte Adolf Hitler:„Der morgige Tag findet entweder in Deutschland eine nationale Regierung oder uns tot. Es gibt nur eins von beiden." Der 9. November 1923 fand weder eine nationalistische Putschregierung, noch Hitler tot, der Held des Bürgerbräu- kellerputsches befand sich vielmehr am 9. November auf der Flucht. Dafür werden jetzt die großsprecherischen Deklamationen wiederholt. Die nationalsozialistische Parteileitung sieht in der Reichspräsidentenwahl nichts anderes als einen neuen Wählt Thälmann? Oder: Parole„Kopf in den Sand!" Putsch, bei dem es für Hitler um„Sieg oder Untergang" geht. Die Herrschaften wollen aufs ganze gehen, so oder so! Das zeigt ein interessantes Dokument: In seiner Eigenschaft als Reichspropagandaleiter der Nazis hat Deserteur-Goebbels für die Reichspräsidentenwahl einen vertraulichen Erlaß an die Gauämter der ZtSDAP. herausgegeben. Er bestimmt in diesem Dokument, daß die Ent- scheidung schon am 13. März zu fallen habe. Man müsse sich darüber im klaren sein, und er, Goebbels, ersuche die nachgeordneten Stellen, sich diese Tatsache stets vor Augen zu halten, daß die NSDAP. den Kampf auf der legalen Plattform schon dann verloren habe, wenn Hitler nicht spontan bereits im ersten Wahlgang unbestrittener Sieger sei. Bei der ersten Attacke müßten die Gegner überrannt werden; schon aus psychologischen Gründen wären die Chancen für einen zweiten Wahlgang erheblich ungünstiger für Hitler, ganz abgesehen davon, daß für den 13. März die letzten und nicht unerheblichen finanziellen Reserven der NSDAP, eingesetzt würden. Und würde der Propagandasturm verpuffen, ohne die Mehrheit für Hiller zu bringen, bann blieben als einzige Waffe nur noch die SA. und die SS., die für alle Eventualfälle bereit ständen. Wenn jedoch die politischen Formationen der Partei ihre volle Pflicht tun, was Goebbels erwarte, dann bedürfe es d e s A u s- spielen? dieses letzten Trumpfes(SA. und SS.) nicht, dann sei der endgültig« Sieg des Nationalsozialismus gesichert. JU g i h t— so schließt der Erlaß de» Herrn Goebbels— it« Schanghaischlacht eingestellt Die neue Front wird befestigt Schanghai, 3. März. Der Oberbefehlshaber der japanischen Teekräfte vor Schanghai, Admiral Romura, erklärte, daß das Ziel der Japaner erreicht worden sei und befahl infolgedessen die Einstellung der Feindseligkeiten um 2 Uhr nachmittags (7 Uhr früh MEZ.). Der Oberbefehlshaber der japa- nrschen Landtruppen ordnete ebenfalls die Einstellung der Operationen um 2.3V Uhr nachmitags an. Die Japaner haben nun haltgemacht und die Front Liuho— Taitsang— Rasiang— Tschefu befestigt. * Infolge des chinesischen Rückzuges haben die Japaner auch die Wusung-Forts besetzen können, deren Er- oberung ihnen versagt geblieben ist. Die chinesische Besatzung hielt bis zuletzt im Bombardement aus, fügte der Angriffs- truppe noch einige Verluste zu und zog dann westwärts ab. Die Befestigung der neuen Front zeigt, daß die Japaner vielleicht japanische Gegenangriffe befürchten, sicher aber nicht daran denken, Schanghai so bald wieder dem Reich zu über- lassen, dessen größte und wichtigste Hafenstadt es ist. Selbstverständlich hat Japan die Einstellung seines Schanghai- Krieges sofort in Genf bekanntgegeben, um jede vielleicht vorhandene Absicht, Japan zur Achtung vor dem Recht zu zwingen, von vornherein zu entkräften. Vielleicht wird es aar nicht lange dauern, und Japan wird„durch chinesische Banditenangriffe gezwungen sein", wieder vorzurücken! Explosionen auf japanischen Kriegsschiffen Schanghai. 3. März. Wie das japanische Oberkommando mitteilt, haben sich auf zwei japanischen Kriegsschissen geheimnisvolle Explosionen ereignet. Auf dem Panzerkreuzer.Jdzumo" wurden dabei zwei Geschütz« und Sichert das Wahlrecht! Die Stimmlisten liegen aus. An ben Anschlagsäulen sind die Wahl- lokale bekanntgegeben, wo am 13. März die Stimmen für die Hindenburg-Wahl abzugeben sind. An den Anschlagsäulen ist auch festzustellen, wo die Stimmlisten eingesehen werden können. Tie Listen liegen nur von heute bis einschließlich Sonntag aus von mittags 1 Uhr bis 8 Uhr abends, am Sonntag von v bis 4 Uhr. Wer nicht eingetragen ist, hat kein Wahlrecht. Wähler, die am 13. März nicht w Berlin sein können, erhalten auf schriftlichen Antrag bei ihren Bezirksämtern Wahlscheine, durch die sie berechtigt werden, dort ihre Stimme abzugeben, wo ste sich gerade aufhalten. Den Anträgen ist ein« Begründung beizulegen. Die Anträge für die Ausstellung von Wahlscheinen müssen biszumll. Märznachmittags4 Uhr, gestellt sein. auf einem Zerstörer ein Geschütz vernichtet, zwei Ma- trosen wurden getötet und neun verletzt. Vom Ober- kommando wenden die Explosionen auf die Tätigkeit chinesischer Geheimverbände zurückgeführt. Neun angeblich beteiligte Chine- s e n wurden verhaftet. Zttesenbi-ände in Schanghai. London. 3. März.(Eigenbericht.) Das internationale Konzessionsgebiet ist durch den Rückzug der Cinefen in eine gefährlich« Lage geraten. Die Chinesen haben, als sie ihre Stellungen verließen, an verschiedenen Punkten F«uer gelegt. Infolge des starken Windes entstanden gewaltige Brände. Die Japaner haben nichts getan, um dem Feuer Ein- halt zu gebieten. Sie hoffen, daß der Brand verborgene Minen zur Explosion bringen und chinesische Frantti- reurs zwingen werde, sich zurückzuziehen. Das Feuer ist schon dicht an die internationale Konzession herangekommen, über der eine schwere Rauchwolke liegt. Die von den Bränden verursachten Schäden sind unübersehbar. Lappo-Putsch erledigt. Die Führer flüchtig. Helsingfors, 3. März.(Eigenbericht.) Der Lappo-Putsch kann nunmehr als vollständig erledigt betrachtet werden. Die meisten Lappoleute haben bereits die Aussichtslosigkeit ihres Bemühens ein- gesehen und sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Ihre Führer Wallenius und K o s s o l a, gegen die Haftbefehl erlassen worden ist, sind flüchtig. Das gestern beschlagnahmte sozialdemokratische Hauptorgan ist heute wieder erschienen, dagegen ist das Lappoorgan weiter verboten. Die zurückgetretenen konservativen Minister sind durch den Abg. Baawolainen und den General Voesch erseht, die sich in die innere Verwaltung teilen. Beide sind Lappogegner. Für die gesamte Lage ist kennzeichnend, daß der schärfste Gegner der LaPPobewegung, Freiherrn v. B o r n, in der Regierung bleibt. Bier fließt wieder. Ansturm auf die Berliner Brauereien. Die Rachrichl von dem Beschloß der Lokalkommission, den Bier- streik abzubrechen, um heule Verhandlungen mit der Regierung zu ermöglichen, verbreileie sich unter den Berliner Gastwirten noch in der Rächt wie ein Lauffeuer und die Brauereien halten einen A n- stnrl von telephonischen Aufträgen für sofortige Faß- dierliefernng zu verzeichnen, praktisch war der Lierstreik schon am gestrigen Blillwochabend erledigt, weil von den großen Lokalen eins nach dem anderen, ohne die Beschlüsse der Organi- satioa abzuwarten, den Vierausschank wieder aufnahm und außerdem bekannt wurde, daß auch die Aschinger A.-G. für heute aus alle Fälle den Ausschank von Bier wieder angeordnet hat. Die Brauereien trafen infolgendessen schon gestern und im Laufe der Nacht alle Vorbereitungen für die Fahbierlieferung, und heute morgen ist der größte Teil des Fuhrparks der Brauereien wieder alles, um Sein oder Nichtsein, um Sieg oder Untergang der Sache Adolf hillers. Die letzte Entscheidung läßt sich nicht mehr vertagen, und sie wird nicht mehr verlagt. Die würfet sollen sollen!" Der Faschismus will nach der ll�acht greifen— unsere Antwort darauf lautet: schlagt Hitler, darum wählt Hinden- bürg! Der Dille zum Staatsstreich geht aus dieser offiziellen Anweisung an die nationalsozialistischen Gaue klar hervor, ebenso das Wesen der SA. als Bürgerkriegstruppe. Die Würfel sollen fallen— so wollen es die Faschisten! Sie werden fallen, aber gegen sie! An uns ist es, Hitler d�s entsprechende Niederlage beizubringen. wer nicht für Hiudenburg stimmt, hilft Hitler! Oer Nazimord von Äankau Wie Hitlers Mordbestien wüteten ausgefahren, überall sah man die hochbeladenen Biers wagen, die die Bestellungen ausführten, ohne im Augenblick allen Ansprüchen gerecht werden zu können. Allerdings ist der Abbruch des Bierstreiks noch nicht einheitlich, zumal der Kampsausschuß der Gastwirte erklärt, daß er den Kampf oerschärft weiter führen und eine große Gastwirtsoersammlung einberufen wolle, die gegen die Machenschaften der Führer der Gastwirtsorganisationen protestieren solle. An dem Ende des Bicrstreiks dürfte jedenfalls die Haltung einzelner Gastwirtsgruppen nichts mehr ändern, denn nachdem die Mehrheit der großen und mittleren Gastwirtsbetnebe in Berlin den Bierausschank wieder aufgenommen hat, wird den kleineren Gastwirtschaften aus die Dauer nichts anderes übng bleiben als tzas gleiche zu tun, um sich vor schweren wirtschaftlichen Schäden zu bewahren. Alles westere hängt natürlich von dem Ergebnis der heute mittag in Angriff.genommenen Verhandlungen mit der Regierung ab. zumal die Reichsorganisation der Gastwirte, der Deutsche Gastwirteverband, ausdrücklich betont hat, daß ein Scheitern dieser Verhandlungen auch für ihn eine neue Situation bedeuten würde. Die Lokalkommission der Gastwirtsvereinigungen Berlins trat heute vormittag noch zu einer Sitzung zusammen, um über ihre Stellungnahme bei den anschließenden Verhandlungen zu beraten. Bierdebatte im Landtag. Die Erwerbslosen müßten die Zeche zahlen! In der heutigen Vormittagssitzung des Landtages verzichtete beim vierten Teil des Berichtes des Untersuchungsausschusses über die Vorgänge bei der Preußenkasse, und zwar im Falle Landbank, Abg. Kuttner(Soz.) als Berichterstatter auf eingehende Darlegungen, da die Materie viel zu umfangreich und kompliziert sei, und verweist auf den ge- druckt vorliegenden Bericht. Ganz allgemein möchte er nur soviel sagen, daß bei der Uebernahme der Landbant durch den Staat sich Herr hugenberg als außerordentlich geschickler Vorkämpfer des Vrivalkapilals im allgemeinen und für sein Konsortium im besonderen erwiesen habe. Abg. Dr. von Krieg(Dnet.) beantragt zur Geschäftsordnung Ab- fetzung dieses Punktes, da der deutschnationale Redner erkrankt sei. — Das Haus beschließt dem AMrage entsprechend. Die am Mittwoch dem Hauptausschuß überwiesenen Anträge der Wirtschaftspartei und der Kommunisten zum Bierstreik liegen dem Plenum heute in folgender Fassung vor: Die Staatsregierung soll auf die Reichsregierung einwirken, die vorgesehene Herabsetzung der Bicrsteuer so schnell wie möglich durchzuführen. Abg. Dr. Lohmann(Goz.): Ganz zweifellos ist die Notlage im Gastwirtsgewerbe sehr groß, namenllich aber bei den kleineren Gastwirten, von denen viele schon zusammengebrochen sind. Das ist das Wesen der Wirtschaftskrise, daß sie Betriebe vernichtet, die sich in normalen Zeiten gut gehalten haben. Aber es ist ein Unding, die Schuld an diesen Zusammenbrüchen den Steuern zuzuschreiben. Es ist selbstverständlich, daß die weitere Ausbreitung der Krise um so mehr Lasten aus die Erwerbstätigen legt, je mehr Erwerbslose zu erholten sind. Nur Demagogen können an dieser Zwangsläufigkeit vorübergehen und die ungeheure Belastung des Etats mit Wohl- fahrtslasten oerschweigen. Es ist unwahr, wenn behauptet wird, daß die Steuern in dieser angespannten Wirtschaftslage nichts mehr einbrächten. Ich stelle fest, daß die Stadt Berlin im Januar 1S32 aus der Biersteuer allein 2,4 Millionen erhalten hat. Die Beseitigung der Viersteuer würde also für BerNn einen jährlichen Ausfall von rund 25 Millionen bedeuten, und es ist leicht zu errechnen, daß dann Zehntausende von Erwerbslosen nicht mehr erhalten werden könnten. Gleichwohl scheint auch uns die jetzige Höhe der Biersteuer nicht tragbar. Aber es ist notwendig, mit aller Deutlichkeit darauf hinzuweisen: wenn die Senkung gefährdet wurde, so durch die Boykottbewegung, für die mir der Ausdruck Streik zu schade ist. Denn Streik, das ist das letzte gewerkschaftlich« Mittel der um ihre Existenz ringenden Arbeiter im Kampfe gegen das Kapital. Eine solche Boykottbewegung hat mehr Aebnlichkeit mit Anarchie, denn dieser sogenannte Bierstreik ist ja letzten Endes nichts anderes als eine parleipolilische Aktion, die in Hamburg aus- gegangen ist von den Nazis und in Berlin von den Kommunisten. (Sehr wahr! bei den Soz.) Die Berufsorganisation der Gastwirte ist von einer gewissen Schuld nicht freizusprechen, daß sie eine so wilde Bewegung frei laufen ließ. Und schließlich gibt es andere Steuern, die schärfer drücken, wie zum Beispiel die Bür- g e r st e u e r. Wenn wir für die Beibehaltung der Biersteuer sind, so lediglich aus dem Grunde, die Wohlfahrtsleistungen der Städte zu erhalten. Zahlungsunfähigkeit der Städte würde die Einstellung der Zah- lungen aus Woblsahrtsleistuugen bedeuten, würde schließlich Mord und Totschlag bringen. Der kommunistische Antrag, die Biersteuer überhaupt zu streichen und den Städten den Einnahmeausfall aus Staatsmitteln zu er- setzen, ist schließlich nichts anderes als ein demagogischer Wahlirick. (Sehr wahr! bei den Soz.) Wir werden für den Hauptausschuß- antrag stimmen und erwarten dabei, daß die beabsichtigte Senkung der Biersteuer den Gemeinden keinen Einnahmeaussall bringt. Unser Kampf gilt nicht den Symptomen, sondern wir wollen a n die Wurzel des Uebels, das im Zusamemnbruch des ganzen tapitalistifchen Systems sich so verhängnisvoll auswirkt. Wir wollen keine Experimente. Wir haben die Pflicht der Allgemeinheit gegen- über, vor allen Dingen für diejenigen zu sorgen, die als Opfer einer zusammenbrechenden Wirtschaft nicht für sich selbst zu sorgen in der Lage sind.(Lebhafter Beifall.) Abg. Schwenk(Komm.) polemisiert gegen den Vorredner. Er setzt sich nochmals für den Antrag seiner Fraktion ein, die Steuer überhaupt zu streichen und den Gemeinden den Einnahmeausfall aus Staatsmitteln zu ersetzen. Es bestehe gar nicht oie Absicht, den Gastwirten zu helfen. Abg. Perschke(Wp.) weist nochmals auf die Belastung der Gast- wirte durch die vielen Steuern hin. Bisher seien die Anträge seiner Partei zur Rettung des Mittelstandes nicht angenommen worden. Nach einem Schlußwort des Abg. Hofsmann(Komm.), der sei st Gastwirt ist, uns mit dem Zuruf:„Streikbrecher!" begrüßt wird, wind der Hauptausschußantrag unter Ablehnung der Anträge der Wirtschaftspartei und der Kommunisten angenommen Nach Erledigung einer ganzen Reihe kleinerer Vorla''en wird das Haus bei der Abstimmung über die AMräge des Geschäfts- ordnungsausschusses auf Aufhebung der Immunität von verschiede- nen Abgeordneten beschlußunfähig. Bei der namentlichen Abstimmung über den Äusfchuhantrag, die Genehmigung zur Durch- führung eines Vorführungsbefehls gegen den Abgeordneten Haake (Nsoz.) für die Staatsanwaltschaft Kottbus zu erteilen, geben nur die Regierungsparteien Karten ab, während alle übrigen Fraktionen obstruieren. Das Haus wird dadurch beschlußunfähig. In der sofort einberufenen neuen Sitzung soll die Aenderung der Geschäftsordnung zur Verhandlung kommen. Unter Hinweis auf die Obstruktion der Ovpositionsparteien beantragt nunmehr Abg. Zürgensen(Soz.) die Aussetzung der hierzu notwendigen Abstimmungen Das Haus beschließt dementsprechend. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Die nächste Sitzung findet am 15. März, 13 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung steht die erfte Lesung des Haushalts für 1932. SJm Kreise Kreuzburg in Schlesien haben die Nationalsozialisten dieser Tage bekanntlich zwei viehische Taten begangen. Die eine besteht in einem schweren Ueberfall auf Teilnehmer einer Reichs- bannerverfammlung, die andere in der regelrechten Ermordung eines Landarbeiters und Mitgliedes des Deutschen Landarbeiter- Verbandes in der Wohnung seiner Ellern. Ueber die Einzelheiten des letztgenannten Geschehens ist dem Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes inzwischen ä)er Ermordete: Jtugujt tßaify weiteres Material zugegangen. Es befindet sich unter anderem auch folgende Darstellung der Angehörigen des ermordeten Landarbellers darunter: 3m Laufe des Dienskagnachmikkag(den 16. Februar) häkle der Bruder des ermordeten Verbandskollegen, Ernst B a s s y. der der kommunistischen Partei zuneigt, im Gasthaus in Bankau mit dem Nationalsozialisten Smyerek eine Auseinandersetzung, die ohne Tätlichkeiten verlies. Ernst Bassy. der ledig ist, begab sich später zu semem Bruder August, der eine Gulswohpung innehat. Ernst Bassy erzählte dem Bruder den Vorfall und riet ihm, die kommende Nacht die Wohnung zu verlassen, weil die Nationalsozialisten schon wiederholt mit Ueber- fall und Totschlag gedroht hatten. Ernst Basiy verließ rechtzeitig die Wohnung, während sein Bruder August, der in die Auseinandersetzung gar nicht verwickelt war. erst gegen 7.30 Uhr auf Drängen seiner Frau die Wohnung verließ. Einige Minuten später bemerkte August Bassy auf der Dorsstraße einen ihm entgegenkommenden Trupp.Menschen. Nichts Gutes ahnend, lief er mit seiner Frau in die nahegelegene Gutswohnung seines Vaters, der gleichfalls Mitglied des Deutschen Land- Nazi„besuchen" den„Vorwärts". Schnelläufer geben eine Gastrolle. In den heutigen Morgenstunden hatte der„Vorwärts" seltene Gäste. Kurz nach 8 Uhr erschienen auf dem 1. Hof des umfang- reichen Gebäudes etwa 25 bis 30 Nazis und riefen:„Heil Hitler— Inda verrecke" Kaum war dieser Schlachtruf ver- klungen, als die Nazis das Hasenpanier ergriffen So plötzlich wie sie gekommen waren, verschwanden sie auch wieder. Es war leider nicht mehr möglich, den Gästen für ihren Besuch Dank auszusprechen Es muß sich um eine ausgesprochene Schnelläuferkolonne gehandelt haben. Wie wir erfahren, gehören die Nazi-Vorwärtsbesucher zu den SA.-Stürmen 24 und 26. Beim nächstenmal— wer kann? wissen— wird man sich der Herren Nazis„liebevoll" annehmen! Hugenberg Hai Kummer. Die Nazis werden ihm zu frech. Ueber die nationalsozialistischen Kampfmethoden bricht Hugen- bergs„Tag" in lautes Wehklagen aus. Er zitiert einen Aufruf, m dem Hugenbergs Kandidat, der Oberstleutnant Duesterberg, als „Schleppenträger des liberalen Kapitalismus" bezeichnet wird. Duesterberg, heißt es weiter, wolle„ein monarchistisches Deutschland, in dem dieKnechtung der Arbeitermassen unter das Joch der Unternehmer wieder ermöglicht werden soll". Schließlich wird aufgefordert, Hitler zu wählen und n'cht Duesterberg. weil Hiller Gefreiter gewesen sei, Duesterberg aber O b e r st l e u t- n a n t. Hugenbergs„Tag" jammert händerringsnd:„So geht das nicht!" Als ob das nicht schon die ganzen Jahre so gegangen wäre! Immer schon ist mit solchen Methoden gearbeitet worden— nur daß sie nicht gegen Hugenberg angewandt wurden. An der V e r l u m p u n g und Berluderung des deutschen öffentlichen Lebens trägt d l e Hugenberg-Presse die größte Schuld. Jede Schändlichkeit hat sie gedeckt, wenn sie von Nationalsozialisten gegen sogenannte „Träger des Systems" begangen wurde. Es kann darum keines- wegs imponieren, wenn sie jetzt weil sie sich selber auf den Fuß ge- treten fühlt, laut zu we'nen anfängt. Das Nazi-Flugblatt beweist noch einmal die skrupellose Verlogen- hell dieser Gesellschaft. Auf einmal entrüsttet sie sich über„Arbeiter- knechtung im monarchistischen Staat". Wer hat denn die Knechtschaft gebrochen? Doch nur die Sozialdemokratie durch das sogenannte „Nooemberverbrechsn", das Adolf Hitler„mll allen seinen Folge- erscheirmngen" wieder beseitigen will! arbeiter-verbaudes ist. Vater und Mutter schliefen bereits, während eiue ältere Schwester sich ia der Suche aushicll. Die Schwester schloß ihren Bruder, um ihn vor den Nazihordeu zu schützen, iu eiue Kammer, die hinter der Küche gelegen ist. wenige Minuten später erschienen unter Führung des Gutsiuspektors Baumert eine Anzahl Nationalsozialisten, unter denen sich auch einige Melkergehilfen des Gules befanden, und suchten die Wohnung ab. Der Vater, ia besten Zimmer der Schlüstel zur Kammer auf- bewahrt wurde, mußte aus dem Bett heraus und die Kammer auf- schließen. Hinter der Tür befand sich August Bassy, der sie zu seinem Schuh an sich zog, während der Nationalsozialist Smyerek mit einer Axt noch August Bassy schlug und die Tür zu zertrümmern suchte. Das Gesiudehaus war von außen von etwa zwölf Nationalsozialisten umstellt. Plötzlich krachten Schüsse durch die kleinen Kam- merseuster, uud der Vater Bassy, der sich in der Küche aufhielt pnd der Ermordung seines Sohnes zusehen mußte, brach durch einpn Genickschuß zusammen, während sich sein Sohn noch mit einem langen Brotmesser, das er in der Sammer vorgesunden hatte, zu verteidigen suchte. Nun krachte Schuß aus Schuß, und durch etwa S Schüsse getroffen, sank August Bassy zusammen. Die Nazis glaubten, er sei tot, und entfernteu sich unter Zurücklastung einiger Horchposten. Die Ehefrau des August Bassy raffte den Schwerverletzten auf und wollte ihn gemeinsam mit den Angehörigen verbinden. Nach etwa 16 Minuten erschien der Gutsinspektor noch einmal mit seinen Leuten. weil er erfahren hatte, daß August Bassy noch am Leben sei. Die Ehefrau bat den Inspektor händeringend, ihreu Ehemann, der doch schon Halblot sei. zu schonen. Baumert schrie:„Ach was, Sie müssen auch darunter leiden." Zwei der Banditen, die mit schweren Holzscheiten bewassoet waren, schienen anfänglich zu- rückzuschrecken. Baumert aber feuerte sie au.„was, 3 h r wollt schwach werden", uud nun schlugen die Strolche mit H o l z- scheiten auf den halbtoteu so lange ein, bis er zur llnkennllichkeit zerschlagen war. August Bassy ist Vater vou 2 Kinderu. 3n aller Seelenruhe entfernteu sich danu die Bouditeu. wenige Mknuteu von dem Gesindehaus entfernt wohnt der Amtsvor- st e h e r. Er will von dem Vorfall nichts gehört haben. Am anderen Tage fuhr Baumert mit Smyerek nach Kreuzburg und kauften Scheinpistolen, um bei einer eventuellen Untersuchung nach- zuweisen, daß sie nicht scharf, sondern nur mit Scheinpistoleu be- wasfnet geschossen hätten. Der Laadrat vou Bäreuspruug, der von dieser bestialischen Mordtat sofort unterrichtet wurde, hat die Mörder noch den uachfolgeudeu Tag frei um- herlausen lassen. Erst iu der Nacht von Mittwoch zu Don- nerstag wurden sie von der Kriminalpolizei verhaftet. Der Führer der Nallonatsozialisten, Gutsiuspektor Baumert. ist unter der Arbeilerfchast uud auch ia der übrigen Bevölkerung des Ortes als ein roher Patron bekannt. Bereits am 17. September ISZo hatte Baumert eine Arbeiterin derart mißhandelt, daß sie besinnungslos aus der Arbeitsstelle liegenblieb und 14 Tage arbeitsunfähig war. Der Anzeige bei der Staatsanwalt- jchast wurde nicht stattgegeben, weil angeblich össentliches Interesse nicht vorliegt, trotz ärztlicher Bescheinigung, daß schwere Körper- Verletzung und Mißhandlung festgestellt ist. Schon vorher hatte Baumert aus dem Felde nach Ar- beileru geschossen. Er wurde deswegeu zu 166 Mark Geld- strafe verurteilt. Die Vorgänge im Kreise Kreuzburg sind ein Schandmal für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die Partei des Reichspräsiöentenkandidaten Adolf Hitler. Sie zeigen, daß den An- gehörigen dieser Partei nicht einmal das Leben eines friedlich gesinnten Landarbeiters und Familienvaters heilig ist; sie sind. wenn es sein muß, zur Vernichtung eines solchen Lebens unter den Augen der Angehörigen berell! Völkerbund! Zusammentritt nach dem Ende der Schlacht. Genf. 3. März.(Eigenbericht.) Die außerordenlliche Vollversammlung des Völkerbundes er- öffnete Ratspräsident Paul Boncour- Frankreich mn eurer ausführlichen Darstellung der bisherigen Bemühungen des Rates zur Bellegung des Chinakrieges, dieses schwersten Konflikts zwischen zwei Mitgliedern, den der Völkerbund je zu lösen gehabt hatte. Er wolle keine Niederlage verbergen, aber wenn der Völkerbund seine Grundsätze behalleo wolle, müsse er sie variieren und jeweils den gegebeueo geographischen, soziolo- gischeu und politischen Verhältnissen anpasseu. Sowohl in der ersten Prozedur, nach Artikel 11, wie in der zweiten nach Artikel 15, seien Resultate erzielt worden. Der Rat werde nicht nachgeben. Der Völkerbund könne ebenfalls nicht nach- geben, denn sein Schicksal hänge von seiner Entscheidung ab. Die Tagung werde unter günstigeren Umständen eröffnet, weil beide Parteien den Ratsvorschlag angenommen hätten, der sich nur nach Einstellung der Feindseligkeiten entwickeln könne. Die ganze Rede war eine Mischung von juristischer Rechfterti- gung für das bisherige Ratsverfahren und der diplomatischen Vermeidung jeder Stellungnahme zum Konflikt selbst. Mit 4Z von 47 abgegebenen Stimmen w�rd« der belgische Außenminister Hymans zum Präsioenten gewählt, der schon Präsident der ersten Vollversammlung 1926 gewesen ist Er e. klärte, unparteiisch helfen zu wollen, damit jedes Mittel zur Bei- lsgung und endgültigen Regelung bereit sei im Interesse des Friedens der Welt. Innere Abrüstung herbeizuführen, bestrebt sich der neue deutsch- österreichische Sicherheitcminister Vackinger. Cr verhandelt mit den Parte armeen. Der Heimwehrabg. H e! n z l, der im Nationalrat einen Revolver gezogen hat, rief dem Minister Bachinger in einer Versammlung zu:„Wir haben unsere Waffen in der Steiermark und ich rate Ihnen, nicht danach zu suchen!" Friedrich L-lla-nder, der zur Zeit mit einigen Nummern aus dem Tingel-Tcngel in der Scala gastiert, spielt big IS. März die Rerue trotzdem allabendlich um äib Uhr. Im Ukraiu'schcn w'sieuschaftlicheu Institut. Französische Str. 28. sprich» Freitag, 8 Uhr, in deutscher Sprache Prof. Wilsred Simpson. Die Kamera bringt Freitag die Uraufführung zweier imereflanter Filme von Moholv-NagN:„Älter Hafen in Marseille" und„Lichtspiel". Außerdem spricht Pros. Moholy-Nagh zu« neubearbeirere» Film„Galgenvögel. Entscheidung über Ortsgesetz. Wichtiger Tag im Rathaus/ Versagt das Stadtparlament? In der heutigen Sitzung des Sladkparlamenkes wird die zweite Aeratung des neuen Ortsgesetzes für Berlin zu Ende geführt werden. Die Abstimmuugen müssen heute vorgenommen werden. Bei dem Ortsgesctz, dos der Magistrat in gemeinsamer Beratung mit den Vszirksbürgermeistern geschaffen hat, handelt es sich um die Schaffung eines neuen Ortsstatutes, das in die komplizierte Ver- waltung der Reichshauptstadt Vereinheitlichung bringen und die voraussehung schassen soll für die so notwendige Verein- sachung der Verwaltungsmaschinerie. Die Sozialdemo- k raten haben im Rathaus verantwortungsbewußt an der Ge- sialtuug der neuen Ortssatzung mitgearbeitet und erklärt, daß sie den Entwurf des Magistrats für eine sehr brauchbare Basis für eine Neugestaltung der Zlrbeltsabgrenzung zwischen Zeutralverwallung und Bezirksämlern ansehen. Zn der letzten Sitzung des Stadtparla- mentes hat der sozialdemokratische Redner Erich Z tat au erklärt. daß die Sozialdemokraten der Magistratsvorlage nur dann zu- stimmen können, wenn durch die Behandlung in der Stadtverord- aetenvcrfammlung an den hauptgesichtspunkten des Entwurfes keine Veränderungen vorgenommen werden. Es ist zn hoffen, daß sich in der heutigen Sitzung eine Mehrheit für die Vorlage finden wird. Versagt nämlich die Stadtverordnetenversammlung, kommt sie zu keiner Einigung, dann greift die Aufsichtsbehörde ein, und das neue Orlsgesetz wird zwangsmäßig verkündet werden. Die Ausbürgerung Trohkis. Ein niedliches Fälsch erst ück. Zugleich mit den vielen bekannten russischen Sozialdemokraten und Sozialrevolutionären im Ausland ist auch Leo Trotzky die sowjetrussische Staatsbürgerschaft diktatorisch aberkannt worden. Vorbereitet wurde diese Gemeinheit durch eine Behauptung der „Jswestja"' der Führer der österreichischen Sozial» demokraten, Adler, habe Trotzky in der Türkei besucht, was offenbar ein besonders schweres Derbrechen des Mannes wäre, der den Verteidigungskrieg der Sowjetrepublik gegen alle ihre Feinde mm siegreichen Ende geführt hat. Nun aber hat Friedrich Adler den Leo Trotzky seit dem Au»- bruch des Weltkrieges nicht mehr gesehen und ist noch nie in der Türkei gewesen. Die Nachforschung nach der Quelle der„Sswestija� führte zunächst auf eine Meldung ihres Berliner Spezialbericht- erstatters vom 16. Januar 1932. Da hieß es, daß Kautsky Trotzky mit Briefen bombardiert und ihm als De- lohnung die Bereitwilligkeit der deutschen Sozialdemokratie, ihm in Deutschland Asylrecht zu verschaffen, ver- sprochen hat. Da Trotzky sich die Sache noch überlegte, unternahm Adler persönlich eine Reise nach der Türkei, um mit ihm zu verhandeln. Wohl versuchen die Sozialdemokraten den Anschein zu erwecken, als ab alle diele Manöver nichts weiter als„persönliche Fühlungnahme" von Kautsky und Adler mit Trotzky bedeuten, ohne daß irgendwelche Beschlüsie der Sozialdemo- kratischen Partei dabei mitspielen. Aber es unterliegt keinem Zweifel, daß all das unter Beteiligung höchster In- st a n z e n der Sozialdemokratischen Partei vor sich geht. Das Reisegeld hat Adler nicht aus eigener Tasche bezahlt. Als Quelle für diesen Reisebericht stützt sich die„Iswestija" auf eine Wochenschrift„D o r st o ß" die im Verlag der Zeitung der groß- industriellen reaktionären„Deutschen Allgemeinen Zei- tung" erscheint. Im Heft 2 des Jahrgangs ll vom 19. Januar 1932 steht ein Artikel:„Trotzky im Schlepptau der SPD.", von Heinrich Hell gezeichnet Cr beweist feine Kenntnis der Arbeiter- bewegung u. a. damit, daß er schreibt:„Der Retchstagsabge- ordnete Kautsky war e». der Leo Trotzky mit Vriefen bombar» vierte und für die etwas vorschnell angekündigte Einheitsfront zu gewinnen suchte." Er weiß nicht einmal, daß Karl Kautsky niemals in seinem Leben einem Parlament angehört hat, geschweige denn, daß er etwas von den scharfen Broschüren wüßte, die Kautsky und Trotzky gegeneinander im letzten Jahrzehnt geschrieben. Die Redaktion der„Internationalen Information" hat überdies von Karl Kautsky die ausdrückliche Bestätigung, daß er seit Kriegsanfang mit Trotzky auch nicht einen einzigenBriefgewechselthat. Der„Vorstob"-Artikel sagt weiter: Aber so einfach war Trotzky nicht herumzukriegen. Dazu be- durlte es noch einer Reife des österreichischen Genossen Alfred Adler nach der Türlei und dessen persönlicher Jnter- vention. Die.,Isw«stisa"-Korrespondentin, L i l i K a j t, ließ nun einfach den Dornamen Alfred weg. Dank dieser kleinen Weglasiung mußten die Leser nicht an den berühmten Jndividualpsychologen Alfred Adler, der aber nie als politischer Führer hervorgetreten ist, sondern an den Sekretär der SAI., Friedrich Adler, denken. So wird's gemacht. Das heißt doch nicht betrügen— corriger la fortune— das Glück oerbessern—, nicht wahr? Im Hausflur ermordet Verbrechen an einem Kouragehändler/ 4000 Mar? Belohnung 3m Flur des Hauses Rlilastraße 2e, einer Seikenstraße der Schönhauser Allee im Norden Berlins, wurde gestern abend ein gemeines verbrechen verült. Der 37 3ahre alle Fouragehändler Julius Rieyerhardl, der kurz nach 21 Uhr aus seinem Geschäsl am Nordufer heimkehrte, wurde hinterrücks niedergeschossen. Der Täler erbeutete eine braune Aktentasche, in der sich etwa 930 AI. bares Geld, einige Geschäflspapiere und eine geladene Pistole befanden. Obgleich die Tat schon nach wenigen VI muten entdeckt wurde, fehlt von dem Täter biehür jede Spur. Julius Meyerhardt war Mitinhaber der Fouragehcmdlung Ge- b rüder Meysrhardt am Nordufer. Zusammen mit seiner Mutter wohnte der Erschossen« im 2. Stockwerk des Vorderhauses Milastr. 2. Gewöhnlich gegen 9 Uhr abends kam Julius M. nach Hause. Regel- mäßig führt« er die Tageseinnahmen in der braunen Aktentasche bei sich Von dieser Tatsache muß der Mörder irgendwie Kenntnis gehabt haben. Nachdem M. ahnungslos die Tür aufgeschlossen hatte, inut der tödliche Schuß abgegeben worden sein. Hauslewohner hörten kurz noch 21 Uhr zwar einen Schuß fallen, maßen dem aber keine besondere Bedeutung bei. Erst als um 21.15 Uhr ein Mieter keimkehrte und die Haustür offen fand, sah er M. in einer Blutlache tot im Hausflur liegen. Da das Gesicht des Kaufmanns stark mit Blut besudell war, nahm man zunächst an, daß er in der Dunkelheit gestürzt sei und sich da- bei die Verletzungen zugezogen habe. Beamte des zuständigen Polizeireviers erkannten jedoch sofort, daß ein Derbrechen vorlag. Auf den Mordalarm erschien alsbald die Mordkommisston des Polizeipräsidiums am Tatort. Gerichtsarzt Professor Fränkel stellte fest, daß die Kugel in das linke Auge eingedrungen und an der rechten Schädelbasis wieder ausgetreten ist. Der Schuß- kanal verläuft durch das Gehirn, so daß der Tod auf der Stelle eingetreten sein muß. Noch in den späten Abendstunden wurde alles versucht, um durch Vernehmungen einiger Hausbewohner Licht in das Dunkel des Mordes zu bringen. Die Nachforschungen der Mord- kommission lasten bisher aber nur als einzig feststehende Tatsache die Zeit der Tat genau bestimmen. Dom Berliner Polizeipräsidenten sirtd 1000 TO. Belohnung ausgesetzt worden. Dieser Betrag ist lediglich für Personen aus dem Publikum bestimmt, die zweckdienliche Angaben zur Aufklärung des Mordes machen können. Der Täter— vielleicht hatte er auch einen oder zwei Helfer— muß sich offenbar längere Zeit vor dem Hause aufgehalten oder im Hausflur verborgen gehalten haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Passanten aus der Gegend verdächtige Personen gesehen haben. Alle Wahrnehmungen nehmen die Mord- kommission Bunge-Lissigkeit im Polizeipräsidium und sämtliche Polizeireviere in Berlin entgegen. Wie der Mord geschah. Die Mörder müssen Mcyerhardt im Hausflur aufge- lauert haben. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß kein Kampf stattgefunden hat und daß auf M. geschossen wurde, als er das Haus betrat. Alsdann haben sie ihn beraubt und sind geflüchtet unter Mitnahme der Pistole des Kaufmanns, die ein belgisches F. N.- Fabrikat, 7,65, ist. Meyerhardt trug diese Pistole in der gelben Lederhülle in seiner Manteltasche bei sich. Später wurde die Pa- tronenhülse gefunden, aus der die Todcskugel stammt«. Die benutzte Pistole ist eine Selbstladepistole mit 7,65- schiedete sich der andere an der Ecke d«r Gleimstraße. M. setzte dann seinen Weg allein fort. Vom Nordbahnhof bis zur Milastraße brauchte der Kaufmann gewöhnlich 10 bis 15 Minuten. Wie sich nun herausstellt«, haben seine beiden Begleiter unter- wegs nicht« Verdächtiges bemerkt und auch keine Ver- folger gesehen. Meyerhardt wird als ein gutmütiger Mensch ge- schildert. Es soll häufig vorgekommen sein, daß sich bei ihm am Nordbahnhof Arbeitslose meldeten, die er, sofern es chm möglich war, beschäftigte. Dieser Personenkreis um chn war recht groß. Alle wußten aber auch, daß er m seinem Schutze eine Pistole hatte. Di« Mörder müssen auch davon gewußt haben und haben auch ent- sprechend gehandelt. Sie haben M. gar nicht erst dazu kommen lassen, nach seiner Pistole zu greifen, sondern haben sofort auf chn geschossen. Oer abgeschnittene Philisterzopf. Dich'erschicksal als HöibilS. „Das erste Gesetz der Freundschaft soll sein: das einer des anderen Freund ist. Hat dein Freund an sich, das nichts taugt, so sollst du ihm das nicht verhalten und es nicht entschuldigen gegen chn: aber gegen den dritten Mann mußt du es verhalten und ent- schuldigen. Mach« nicht schnell jemand zu deinem Freund, ist«r's aber einmal, so muß er's gegen den dritten Mann mit allen seinen Fehlern sein." Wie viele junge Menschen kennen diese schönen Sätze aus einer schönen Betrachtung, die Claudius über die Freundschaft schrieb?„'s ist leider Krieg, und ich begehre, nicht schulo daran zu sein"— nein, auch dieses Gedicht gegen den Krieg ist nicht populär geworden. Matthias Claudius. Vater von ackt Kindern. Abkömmling einer Landpfarrerdynastie, war Zeit seines Lebens ein kleiner Philister: aber er war auch zertlebens ein großer Dichter und ein aufrechter Mann. Daß die Funkstund« diesen Claudius in einer Hörfolge zeigte, war schön, wenn sie auch um der Wahrheit willen ihm seinen etwas tomischen Phllisterzopf nicht ganz hätte abzuschneiden brauchen. Das Manuskript von Dr. Bruno Adler ver- mittelte sehr geschickt einen biographischen Ueberblick und gab dabei einen Eindruck von dem Dichter Claudius, dessen Lyrik zum Schönsten gehört, was wir auf diesem Gebiet besitzen. Leider hatte das Manuskript einen wesentlichen Mangel: um der chronologischen Treue willen fing es mit einem frommen Aufakt an, der für manche Hörer Ursache geworden sein mag, die Sendung abzuschalten. Sehr schade, da auch die Form, in der sie dargeboten wurde, oortreff» lich war.— k. Devkfche Urfaust-Aufführvng In Oxford. In Oxford gab gestern im Rahmen der Goethe-Festlichkeiten d'e zum Besuch nach England gekommene Schauspielertruppe vom Aachener Stadttheater �um erstenmal den Urfaust in deutscher Sprache. Die Londoner Blätter loben die einfach« Szenerie und die ausgezeichneten Leistungen der Mitwirkenden. Di« Vorstellung wird am 7. März in London wiederholt werden. Gelbstzeugnisse Verdis. Aus neuen Vriefen des Meisters. Die Verdi-Renalssance, in deren Zeichen die Bühnen aller Länder stehen, wirkt sich nicht bloß in dem Ansteigen der Aus» führungsziffern feiner Werke aus, sondern auch in dem gesteigerten Interesse, das die Forschung dem Leben und den schriftlichen Auf- Zeichnungen des Meisters entgegenbringt. Bereits im vorigen Herbst ist der wichtige Briefwechsel zwischen Verdi' und seinem nahen Freunde aus der Turiner Abgeordnetenzeit, dem Grafen Opprandini Arrivabene, erschienen, der unter anderem bedeut- same Bekenntnisstellen enthält, die des Komponisten ablehnende Haltung gegen das Eindringen des Symphonischen in die Oper dartun und-sich mehr als gegen Wagner selbst gegen seine Jünger und die Erfülle? der„Zukunftsmusik" wenden. Bezeichnend dafür ist eine auf Pucoim» Oper„Villi" bezüglich« Briesstelle:„Oper bleibt Oper und Symphonie Symphonie, und ich halte es für falsch, einer Oper einen symphonischen Lappen aufzuflicken nur um des Vergnügens willen, das Orchester tanzen zu lassen." Nunmehr hat es die Academia d'Italia unternommen, die noch in Verdis Haus zu S. Agata di Basseto bewahrten unveröffent- lichten Auszeichnungen und Briefwechsel des Meisters wissenschaftlich zu ordnen, zu katalogisieren und zu ver- öffentlichen: dadurch wird manches bisher Unbekannte aus Wesen und Werk des Meisters erschlossen werden. Carlo Totti, der in seiner großangelegten zweibändigen Lerdi-Biographie bereits aus dieser Quell« schöpfen durfte, hat aus ihr besonders interessante Auf- tlärungen für die Frühzeit gewonnen. Einen sehr bedeutsamen Teil der jetzt erschlossenen Dokumente bildet der Briefwechsel Verdis und seiner Frau Giuseppina Strepponi mit ihrem neapolitanischen Freunde Cesare de Sanctis und seinem Sohn Peppino; er wurde von der Akademie, wie bereits berichtet, dem Museum der Mailänder Scala überwiesen. Die frühesten dieser Briefe knüpfen an den„Troubadour", die letzten an den„Falstafs' an. Als de Sanctis einmal die Vermutung aus- spricht, Verdi sei mit einer Vertonung de»„Faust" beschästigt, erwidert ihm dieser:„Ich bewundere den„Faust", aber ich möchte chn nicht vertonen: denn ich habe ihn zwar tausendmal durchstudiert, aber die Gestalt des Faust nicht als geeignet für die Vertonung gefunden." Im Mittelpunkt des Briefwechsels stehen jedoch die auf Wunsch der Zensur vorgenommenen Aenderungen am Textbuch de«„Maskenballes" Das Libretto dieser Oper, die 1358 in Neapel aufgeführt werden sollte, war von Somma nach tlcnbes „Gustav III." verfaßt worden, fand aber nicht die Billigung der ! Zensur. Als Berdi das neue Textbuch sah, raste er vor Wut:>n den > Randbemerkungen des Textbuche» entlud sich all sein Zorn, und sein Widerhall tönt aus den interessanten Erörterungen, die der Meister � darüber in dem Briekwechsel mit de Sanctis gepflogen hat. So l schreibt er einmal:.Diese Aenderung der Periode und Wortfolge ' raubt der Dichtung und der Musik ihren Charakter. Die Farbe, die j letzte Abtönung sozusagen, des musikalischen Gemäldes wird dadurch i falsch." Der Page ist in einen Krieger umgewandelt worden; was i für einen Sinn hat dann noch Oskar« Ballade? Das Wort !„Sterben" ist durch„Schlafen" ersetzt. Verdi schäumt:„Ich habe olle erdenkliche Harmonie und allen Nachdruck auf das Wort „Sterben" gelegt: wle konnten Sie nur diese Zeile ändern?" Und er schließt:„Ein Meister, der seine Kunst und sich selber in Ehren hält, kann und darf sich niemals so weit herabwürdigen, solche fremden Eingriffe hinzunehmen, die den sichtbarsten dramatischen Grundsätzen ins Gesicht schlagen und sein künstlerisches Gewissen verletzen."_ „Zetichen Gebert." Rose-Theater. Der tragischen Verwicklung gehen Willi Wolfs und Martin Zickel, die Bearbeiter de» bekannten Georg Herrmann'schen Romans, aus dem Weg« Iettchen heiratet am Schluß ihren christ- lich�.. Doktor Kößling, oder wenigstens besteht di« Aussicht. Die Liebe zu dem alternden Jason ist kaum gestreift. Die ausgewählten Szenen geben charakteristische Momente des Roman» charakteristisch vor allem für«ine etwas demütige Stimmung. Der betulich« Humor Georg Herrmanns wird mit Rücksicht auf di« Vühnenwirukng ver- dickt und manchmal possenhaft aufgetrieben. Das jüdisch« Milieu, das Berlin der ZOer Jahre, mag die Bearbeiter gelockt haben, aber in die ziselierte Zeichnung des Romans sind dicke Striche hinein- gesetzt worden. Ein breit angelegtes episches Werk ist nicht be- friedigend zu dramatisieren, besonders wenn es sich um die Stllisie- rung aus ein Singspiel handelt. Walter Kollo schreibt eine hübsche melodiöse Musik, die weich dahinfließt und den sentimentalen Stoff stellenweise noch sentlmen- taler macht. Ein Walzer zeigt Beschwingtheit und Einfälle. Im ganzen eine liebenswürdige und kultivierte Komposition, die der Dirigent Max Schmidt mit aller Delikatesse betreut. Man führt das Singspiel aus und denkt wemger an den Roman. Es fehlt im Grunde die Atmosphäre der Dichtung. Lustspieltyp«» erscheinen, Typen und nicht Jndividuatitäten in saftiger Breite und Behaglichkeit. Die Regie Paul Roses entgeht nicht immer der Gefahr des Ueberbetonens. Erich Wilde stellt einen feinen Eli Gebert hin und Beatrice Haag er fingt das Jettchen mit schöner Weicher Stimme.?. Leb. „Mann über Bord." llfa-palast am Zoo. Unwillkürlich drängt sich ein Vergleich zwischen Bancroft und Iannings auf. Beide sind große, rvoirllungefähige Darsteller, beide können herzerfrischend urwüchsig fein, und beide können ganz elemen- tar zum Miterleben zwingen. In„Mann über Bord" stellen die Amerikaner Bancroft bei- nahe als Naturereignis heraus. Ihm liegt seine Rolle sehr gut, und darum ist es schade, daß er sein Können an ein unübertrefflich kitschige» Manuskript verschwenden muß. Zwei erste Ossizier« derselben Schifahrtslinie, die auf verfchie- denen Dampfern fahren, leben in beständigem Streit. Ihr Zu- sammentreffen, ganz gleich, in welchem Hafen es stattfindet, endet mit einer solennen Keilerei. Das ist nicht gerade bei Schiffsoffizieren üblicher Brauch, aber es ist ganz glaubhaft geschildert. Schlimm wird es erst, als ein Mädchen zwischen die beiden Händelsüchtigen tritt. Sie ist Sängerin in einer Animierkneipe, trotzdem natürlich eine«cht amerikanische Filmlllie. Sie will nach Rio. Rafserty will sie an Bord schmuggeln, bricht aber sein Versprechen, als er über Nacht Kapitän geworden ist. Jed Graves, sein Rivale, wird sein erster Offizier unid der schmuggelt sie an Bord. Als Rafferty davon erfährt, oe.läßt er bei Nebel die Brücke und prompt erfolgt ein Zusammenstoß. Er verliert sein Schiff heuert auf einem elenden Kasten an. Mit diesem Seelenverkäufer rettet er sein ehemaliges Schiff aus Seenot, als Jed Graves dessen Kapitän ist. Nir gut, daß nach Art der Backfischliteratur von ehedem der Film mit einer in Aussicht stehenden Heirot schließt, sonst wäre den Zuschauern nämlich vor lauter Heldentaten noch ganz schlimm geworden. Rowland V. Lee ist der Regisseur des Grauens und der großen Sturmkatast. ophen. Fabelhaft ist es gemacht, wie die Schiff« im Nelel zu Gespenstern werden und wie sie beim Orkan ein Spiel- ball der Wellen sind. George Bancroft und William B oy d sind zwei Kerl«, wie das Publikum sie liebt und der amerikanische Film sie haben will. Jesste Royce L a n d i» ist noch schlimmer als ihre Rolle.«. b. Vruao Tauls Arbeiten für Moskau. Prof. Bruno Taut, der Berliner Architekt, der eine Dozentenstelle an der Technischen Hoch- schule in Berlin-Charlottenburg verwaltet und nun einen Ruf nach Rußland erhallen hat, soll dort im Auftrage der Mostauer Sowjets einen Teil der Gemeindebauten entwerfen und einen anderen Teil in der Durchführung beaufsichtigen. Taut hat sich diesen neuen Ausgabenkreis selbst gewählt und hat auch die Auswahl seiner Mit- arbeiter selbst zu bestimmen. Tonfilmseminar der Schule Reimann. Am 1. März hat das neuerricbtete Tonfilm-Seminar der Schule Reimann in Berlin leine Arbeit begonnen. Die Leitung hat Constantin 1. David. In einem „Technikum" wird das Technische systematisch gelehrt und im„Prak- tikum" die Lehrzeit zum Abschluß gebracht.— Trick- und Werbefilm werden besonders berücksichtigt. Di«»iichste Premler« der StaatSoper ist die Oper in zwei Akten „A n d r o m a ch e", Text und Musik von Herbert W i n d t. Andre Eermai» spricht au« Anlaß de» Goethe-Jahre» über„Bot- t i n a v. Arnim" cdie Freundin Goeibe-) Donnerstag, S Uhr. im Hotel Esplanade, zugunsten der erwerbslosen Studenten. Im Theater im Palmenhan« beginnt Sonnabend, Ri Uhr. ei» kurzes Sastspiel des Deutsch-Jübischen Theater,:.Si«ch«< Für die Metallarbeiterjugend. Lugendleiterkonferenz im Bezirk Brandenburg. Im Gewerklchaftshaus wurde kürzlich die alljährliche Konferenz der Iugendleiter des Bezirks Brandenburg des DMB. unter Teil- nähme von 39 Vertretern aus 25 Verwaltungsstellen, sowie der Organisationsleitung abgehalten. Nach dem Jahresbericht des Be- zirkssekretärs Weiß haben 18 Verwaltungsstellen eigene Iugendgruppen. Die Jugendarbeit ist sehr rege. Im Berichtsjahr wurden 96 k Veranstaltungen geboten mit 11834 Teilnehmern. Darunter waren S8 Lichtbild- und Film- vortrage mit 123S Teilnehmern.' Das Jugendtreffen 1931 in Eberswalde/Finow war trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage von über 499 Teilnehmern besucht und wurde zum ersten Male vom Regierungspräsidenten in Frank- furt a. d. O. durch eine finanzielle Beihilfe unterstützt. Eine wachsende Zahl von Lehrlings st reitigkeiten wurden vor den Arbeitsgerichten erledigt. Der Organisationsleitung gelang es. in den chaupttarifgebicten des Bezirks Brandenburg des DMB. die Lehrlinge teilweise vor dem Lohnabbau zu bewehren. In reger Aussprache berichtete eine ganze Reihe der Delegierten über die örtlichen Verhältnisse in der Jugendarbeit. Der Jugendsekretär des ADGB., M a s ch k e- Berlin, referierte über die Stellung der Gewerkschaften zur Arbeitsdienst- Pflicht der Jugendlichen. Der Referent erörterte die Stellung der einzelnen Gesellschaftsklassen zu dieser Frage und die bisherigen Maßnahmen des Reiches, der Länder und Gemeinden zum frei- willigen Arbeitsdienst. Die Gewerkschaften lehnen die Mitwirkung bei der Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes nicht prin- zipiell ab. Es muß in jedem Falle eine eingehende Prüfung der Verhältnisse erfolgen, von deren Ergebnis das Verhalten der Ge- werkschaften abhängt. Der Bortrag fand die Zustimmung der Konferenzteilnehmer. Anregend äußerten sich dabei besonders die Genossen S ch l i e st e d t und Brauckmüller vom Vorstand des DMB., sowie H e l l w i g von der Verwaltungsstelle Berlin des DMB. Das Jugendtreffen 1932 soll am 2. und 3. Juli 1932 in Landsberg a. W.(Küstrin) abgehalten werden. Um künftigen Klagen über ein schlechtes Zusammenarbeiten zwischen Iugendleitung und Ortsverwaltung vorzubeugen, wird die Bezirks- leitung das Notwendige veranlassen. Die Konferenzteilnehmer besichtigten dann eine Ausstellung der Cxperimentiergeräte der Firma Leppin u. Masche, Berlin, wobei der Besitzer der Ausstellungsgeräte einen erklärenden Vortrag hielt, der das Interesse aller Konferenzteilnehmer fand. Die Ausstellung wird auch den Teilnehmern anderer Iugendkonferenzen des DMB. zu- gänglich gemacht werden._ Vetler für Berlin. Abgesehen von etwas Bewölkungszunahme keine Aenderung des herrschenden Witterungscharakters, südliche Winde.— Zur Deutschland: Im Westen zunehmende Bewölkung, im Osten weiterhin heiter. Im äußersten Osten heiteres Frostwettsr. Donnerstag, den 3. März 1932. Berlin. 16.05 Dr. Ludwi? Wagner: Handschriften und Menschen. 16.30 1. T. Harsanyi: Duo für Violine und Cello. 2. Reger: Chaconne aus der Sonate G-Moll für Violine allein. 3. J. S. Bach. Sarabande und Menuett aus der Suite D-Moll, für Cello. 4. Beethoven: Duo für Violine und Cello, C-Dur(Therese Petzko-Schubert. Violine, und Harry Son, Cello). 17.10 Heitere Lieder von Brahms, Hirschberg, Noren und Reger.(Käthe Wegner-Peiser, Sopran; Flügel: Wilhelm Rettich.) 17.30 Ministerialdirektor Dr. Schopohl: Robert Koch. 17.55 Schüler unterhalten sich mit Walter von Molo über den List-Roman. 18.30 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.35 1. Bach: Capriccio über die Abreise des vielgeliebten Bruders. 2. Chopin: Fantasie F-Moll, op 49(Litt Krauss, Flügel). 19.05 Die Funkstunde teilt mit. 19.10 Stimme zum Tag. 19.20 Tanzabend. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Uraufführung:„Giganten der Landstraße." Hörspiel von Ottoheinz Jahn. Regie: Gerd Fricke. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Stunde für die soziale Radiohilfe. Konzert. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Wilhelm Leyhausen: Poesie und Schule. 17.30 Dr. Werner Wirths: Eupcn-Malmedy. 18.00 Dr. Hans Traub, Karl Rauch: Zeitschrift und Gegenwart. 16.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Niggl: Verbilligung der Viehhaltung, 20.45 Langenberg: Sinfoniekonzert> 22.15 Räuscher: Zeitungsschau. Verantroortl. für die Redaktion: Nich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. 5laslZ TUeafer Donnerstag, den 3. März staaisoger Unter den Linden 20 Uhr Cosi ffan tutte SiaatLSdiauspleltiaus uentarraenmarki. 20 Uhr Prinz Friedridi von Kombnrg Sthiller-Theater Charlottenburg. du un» Die Mitsduliiiigeo Hierauf: Der zerbrochene King plAza Nähe Schles. Bhf. 5 1.815, Stis.?. 5,8150. Tel.: E 7 Weicbsel 4031 „Friederike'* StädtOper Charlottenburg Bismarckstraße 14. Donnerstag, 3. März Turnus IV Anfang 20 uhr Friedemann Bach Ende geeen 23 Uhr Vomsolihne Tlieater am Bülowplan 8 Uhr Fährmann henschei mit Emil Janoings u. Margarete IHelzer Regie: K. H. Martin Staatl. Miller-ltieater 8 Uhr MiMiDldisen Hierauf: Der zerbrochene Krug Rose- 1 neater irel« Fraokfarter Strate 13? Isl. Wsidiiel£ 7 342? «-/< Uhr Jcllcbcn Qebcvl Theater a.noügndor-lpialz Kegie: Heinz Saitenburj Pallas 7051 Wegen Vorbereitunggeschlossen Freitag, 4. Mär* 7Vj Ubr Premiere: fraiiiö einer Mt — Kleines m. Truppe 1931. Tägl. SV* Uhr Die mauseiaüe Preise"5 PI.— 5 M. Sonnab. and Sonata« aaebmittags 4 Lhi halbe Preise. BiumensiHinQen jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Meyer Marlsnnenstr. 3 FL. Oberbau« 1303 Hisnit mflnugung* Restaurani Berlins »V.Uhr CAS1N0-TH£A IER»V. Uhr Lothringer Strafe 37. iiiiiMMMMiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiftiiiiiiiNimniiiiiiiimiiNinmia Zum letzten Male: Ehen wen heute und das bunte Progsramm Freitag, den 4. März, zum I.Male Der Mann mit den zwei Frauen Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pt., Fauteuii 1— Mark. Sessel 1.50 Mark. ileidishallen Theater Dönhoff platz 8 Uhr.— Sonntaps 3V« Uhr zu kleinen Preisen. Stettiner Sänger Die neue Groteske Dr.Welelikäsheiltalles-! � ßefdiift#'Jbtsäger �=> fäezivfc Jlordcn" Cften Berlngsrüiiciierel en gros— en detail Berlin 017, Langestraße 51 Verglasungen Kunkel& Klöpfer G m.b.H. S 14, Sebastianstr. 16 Toi:(F 7) Jannowltz 3322/23 ARB EITER I Deckt euren Bedarf In Eisenwaren, Werkzeugen, Haus- u. Küchengeräten bei ERNST WIESE,„ Märhisdier EiefsdtKensum Hermann Pohle Palisadenstr. 29 Strausberger Str. 34 Saalbau und Ausschank der Hochschulbrauerei N 66, Amrumer Straße 31 Heinrich Schräder Am Virchow-Krankenhaus Säle für Festlichkelten, Hochzeiten, Kongresse, Versammlungen usw bis 1200 Personen fassend, zu den kulantesten Bedingungen _ BUrgerllcho Küche Hochschulblere Solide Preis e QERMANIA-PRACHTSXLE CARL RICHTER Berlin na, cnausseesir.iio-- Waiüendamm 61 u 3 u. 6080 Säle für Festlichkeiten, Kongresse usw. bis 1200 Personen fassend zu den günstigsten Bedingungen IR. 126 Gute Küche:: aepfiegte Blere» Solide Preise Bln.-Tempelhof Germania« lr.143 Tel.: SQdrSng 39öl Spczial-Bauaustührungen: Drahtputz-, Zug- und Bildhauerarbeifen August Krauss! [R. 202 „Hawag" Heizung, Liifluns, Be- und Enlwässernng NO 15, Landsberger Str.9Z, Tel.; Alex. 9 130/1 MS Wolfram I EUenwarenhandlang Berlin- Oweißensee Berliner Allee 20 Bufler-Hemze Hermann Lorenz WW 'Uiiet.Tee, Kakao. Eig. Rösterei seit 1879 ö. m. v. H. SO. 16. HOpenKtter Str. 40/41 Helen Drucksachen aller Art Dachpappen-Verkauf etc zu billigsten Fabrikpr isen Theodor Seibel Dachdeckermeister, LeiterrDstungen U.-rlln-Marlcndorf PrühOstrafce 26 s Tel. SOdrlng 1312 Rollin-Mosiridi{ Roiiin-Bsig NSS.Eberswalder Sir. 20 [233 Tapeten Linoleum Tapelenhaus HussacH NO,WörllierStr.30 mmoda (Rarloupadtano) für WSsdie, Rädie und Boushalt das ßiiDsste! ,/f,£äckemäcker Optisches OnslHul n 58, Schönhauser Allee 136 Xieferant für»Bmll. Xrankenhatsen ürn�crdnich MOiierstraee 146 iAV ■ Vereinszimmer> Karl Zacher hMLausU� DirdtsensfraDe 48/49 Eulerslrafte 1 Teleptton: weiaeBSamn p a 0285 Bnmboiai b 4 2334 Fenster- und ßebäude Reinigungs Beseiischatt m. v. H. Berlin S036,SchlesischeStr.42 Fernruf: F8, Oberbaum 3553-54 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten ✓ Bohner- und Oelmaschinen/ Staubsauger/ Vertreterbesuch jederzeit unverbindlich Bevor Sie 1�8(§BBC9 kaufen besichtigen Sie meine Ausstellung Zahlungserieichterung ohne Aufschlag, bei Kassa 50/o Ti schBe rm eister Berlin N, Chausseestr. 60 JULIUS KIWI HUZI GROS SOEST I LL ATI O N Prinzessinnenstrasse 17 Ritter- Ecke Brandenburgstr. Fleisch Wurst Willy Miething Friedrichshagen, Fricdrichstr. 97 billig gut Vorwärts"-Leser, kauft bei unseren Inserenten! tßeitage Donnerstag, 3. März 1932 ferJüntf Sfin/nuif/nA-Je* IbtnuÄ VaSÄKSttt— Ist das öie Zugcnö tiufmr 2tiV. das Studentenproblem in einem Nomon Soll die Jugend das Museum ihrer Väter darstellen? Zum Teufel, sie soll es nicht, Bordeeke! Wenn ein Staatsmann einen frischen Gott mitbrächte, er hätte die Köpfe des Volkes in seiner£>tmd, meinen Sie nicht? Günter Weisenborn:„Barbaren". Günter Weisenborns Roman„Barbaren"(Sieben- Stäbe-Verlag, Berlin), der an dieser Stelle schon gewürdigt wurde, stellt die Frage nach Sein, Sinn und Ziel unserer Jugend, Jugend, das ist jene Generation, die während des Krieges die Schulbank drückte, unter der lastenden Misere des oater- und substanzlosen Kriegshaushaltes heranwuchs und auf der Hochschule dann in den nicht minder zermürbenden Hexenkessel von Werkstudententum, Inflation, Putsch und politischem Abenteurertum geriet. Man merkt es dem Roman an: Sein Autor gehört selbst zu der von ihm geschilderten Jugend. Hier tobt der gärende Wein noch reichlich in den Fässern(was durchaus kein absprechendes Urteil bedeuten soll). Sprache und Gestaltung— sie verraten in allem ein starkes, urwüchsiges Talent— sind erfüllt von der Rauh- beinigkeit rüder Jugend und bevorzugen das Krasse. Mit der Gesinnung ist es nicht anders. Sie ist radikal und kom- promißlos, und wenn der Autor am Schluß ruft: ,Lum Teufel mit dieser Welt! W i r werden es sein, die diese Welt zer- trümmern!" so weiß man, wohin er zielt. Er ist Leninist, er ist Kommunist. Di« Planlosigkeit des Kapitalismus, die scheinbar rm Chaos versinkende Privatwirtschaft läßt die nie überwundene Barbarei des Menschtums evident werden, als Rettungsstern am düsteren Horizont erscheint dem Autor Moskau. Es erhebt sich die Frage: Hat der Autor recht mit seiner Diagnose? Liegt im Radikalismus der Jugend wirklich die Lösung, die Zukunft? Ist er nicht vielmehr ein Krampf, ein krank- h a f t e r Zustand, geboren aus der Verzweiflung äußerster Rot? Der Autor selbst ist sich sehr klar bewußt, daß die Jugend, die er schildert, w i e er sie schildert, von dem gesunden Typ der Jugend weit entfernt ist. Nur, sagt er, das ist die Folge der Zeit, die Folge des Kapitalismus, der Privatwirtschaft, des Systems, der— Geldsackrepublik. Und mit dieser Verallgemeinerung, scheint es uns, setzt sich der Autor ins Unrecht, wie er sich ins Unrecht setzt, wenn er ein abstraktes Theorem(das Leninistische) bereits als tatsächliche Lösung eines eminent wichtigen und undurchsichtigen Problems(Weltwirtschaftskrise) vorweg nimmt, ohne auch nur das. was in Sowjetrußland auf diesem Wege unter Umständen, die von der Situation Europas in ihren Grundzügen verschieden sind, ver- sucht und bereits erreicht wurde, zum distanzierenden Vergleich heranzuziehen. Zunächst wollen wir uns damit begnügen, aufzuzeigen, wie Günter Weisenborn die Jugend und ihre Situation sieht. Dann mag harüher gesprochen werden, ob sein Umriß schlechthin All- gemeinbedeutung hat, ob man, obwchl seine Menschenschicksale für den Durchschnitt des heutigen Studenten nicht bindend sind, dem Roman doch eine gewisse Mgemeinbsdeutung zusprechen kann oder ob man Günter Weisenborn als Außenseiter, betrachten soll, den dichterische Uebersteigerung zu einer Vision hingerissen hat, die— außergewöhnlich stark als solche— ihr soziales Ethos in ein„J'accuse" ousklingen läßt, das trotz Verzerrung ins Ueber- lebensgroße aus einer höheren Ebene die allgemeine Bedeutung in sich trägt. Wir lassen den Autor selbst zu Worte kommen. Sein Roman spielt in der Zeit der Inflation und Ruhrbesetzung. iücpere. So ist die Schule und so das Leben: Diese Jugend ist nicht gut anzusehen. Diese Jugend war mit strahlenden Idealen aufgezogen worden, sie hatte in den Schulen Gebrauchsanweisungen für das Leben erhalten, ethische, moralische, vaterländische, religiöse. Aber als die Jugend sie anwenden wollte, diese strahlenden Ideale, diese heroischen Postulat«, siehe, da paßten sie nicht aus die Welt. Sie hätten für eine Welt der Lese- bücher und freundlicher ällerer Herren gepaßt, aber die vorliegende Welt war leider ganz anders. In dieser Welt raste der Hunger, der Haß, die Heimtücke, der Profit, die Anarchie. In dieser Welt kam es leider nicht auf die edlen Stimmen der Jünglinge an, sondern auf die eisernen Kiefer. Weiß der Teufel, mit ienen Idealen war da nicht viel anzufangen. Sie nützten nichts, jene Gebrauchsanweisungen für die sittlich ge- reisten, gebildeten jungen Männer aus gutem Haufe. Hat man je in der Schule davon gehört, daß politischer Kurs und Börsenkurs so viel miteinander zu tun haben? Hat man etwa gelernt, daß Politik und Wirtschaft so eng zusammengehören, wurde einem beigebracht, daß nicht nur Minister Politik machen, sondern auch Industrielle, Konzerne, Gewerkschaften und wer weiß wer? Wer hat einem das gesagt? Universität. Das ehrwürdig« Alter war durch die wenig ehrwürdigen Jahre demoralisiert worden. Die Jugend kannte keine Autoritäten mehr, die Jugend hatte keine oerehrungswllrdigen alten Leute mehr zur V«rfüg>ung, denn alle älteren Leute waren in der Not aus den Fugen geraten und traurig anzusehen. Di« Studenten waren ganz auf sich selbst gestellt. Sie waren auch etwas verroht, ach ja. es stand schlecht mit der Romantik. Oder will man etwa behaupten, daß die möblierten Zimmer mit dem Bismarck an der Wand und dem Plüschsofa romantisch mären? Oder der Wechsel, den man am Ersten bezog und der am Zweiten schon die Hälfte weniger wert umr. oder das Menfa-Essen? Zu einer Mondscheinfahrt langte es schon gar nicht mehr. Man mußte ständig an seiner Romantik arbeiten, wenn man sie bewahren wollte. Dies« Stadt, diese lautlose, zerfließende Stadt, die unter einer Kuppe von Dunst mühsam dahindämmerte, diese Stadt besaß keine Romantik mehr, diese Stadt besaß nur noch den Verfall. Diese Menschen waren Ruinen, diese Gedanken waren Ruinen, diese Universität war ein« Ruine, diese Romantik war eine Ruine. Es waren bestensalls Ruinen mit Vorgärten... Studenten« Bei den Studenten gab es zwei scharf voneinander getrennte Lager: Die Träger der Vorkopfscheitel und der Handschuhe kulti- vierten eine messerscharfe Bügelfalte und waren in jeder Hinsicht topfit, es liandelte sich um gesund«, meist aus dem Reich hierher verschlagene Jungens mit blondem, vollem Nacken und mit dem BUduugsideal des preußischen Offiziers verscheu. Die Gegner waren meist durch lange, unordentlich« Haartollen gekennzeichnet. Auf eine saubere Rasur wurde ebensowenig Wert gelegt. Man bevorzugte Rippelsamt für die Anzüge und Knie- hosen. Es handelte sich um versprengte Rest« der Jugendbewegung und der alten Wandervogelbünde. Ferner waren Reformisten und alle möglichen Bewegungen vertreten. Während die ersten, die vorher geschilderten Studenten in irgend einer Verbindung inkor- pariert waren, lchnten die Herren mit Tolle und Rippelsamt jede Verbindung ab und nannten sich Freistudenten oder Finken oder Wilde oder Volksstudenten. Dann gab es noch die Armee der Brotstudenten, ärmlich, �ber sauber gekleidet mit biederen Familiengesichtern, emsig und rohen Scherzen abgeneigt, ernsthafte aber joviale Greife von zwanzig Jahren. Jeder eingeschriebene Student gehörte automatisch der Studentenschast an, die verschiedene soziale und politische Funk- tionen hatte. Sie organisierte die Mensa, den Mittagstisch, wo jeder für 50 Pf. essen konnte, wo arbeitslose Kommilitoninnen die Suppe servierten, an der Kasse saßen und in der Küche kochten. Das Wohnungsamt vermittelte Buden. Hier stauten sich morgens von ig bis 12 Uhr die Zimmerwirtinnen und die grünen Semester. Ein Kohlenamt vermittelte in dieser Zeit Wärme. Kohle war teuer, das Kohlenamt sammelte die Bestellungen, erhielt Waggons angewiesen und oerteilte sie. Eine Druckerei, die von der Speisekarte bis zur Dissertation alles druckte, brachte Geld ein und bot Arbeitsgelegenheit für Werkstudenten. Ein Vergünstigungsamt, ein Amt für Leibesübungen, das den Sportbetrieb organisierte, eine Darlehenskasse, die Geld an stille Herren verpumpte, wenn sie Empfehlungen vorlegten, in denen etwa stand:„... überaus fleißiger Mitarbeiter... absolut zu- verlässig... in sehr bedrängten Umständen... in der Erwartung, daß..." Das Wichtigste war das Erwerbsvermittlungsamt, das EVA. Hier wurde der akademische Arbeitsmarkt geregelt. Hier gab es Angebote jeder Art:... Gelernte Bauarbeiter gesucht... Er- zieher mit humanistischer Bildung für zwei Knaben in Guthoch- kirchen... Sportstudentin als Ruderlehrerin... Studenten als Jnseratenwerber... als Setzer... für Bäckerei gesucht... für den Umgang mit Pferden... für eine Saxophonkapelle... als Zementmischer für Neubau... mit hellen Augen für Pupillen- Untersuchung... als perfekte Stenotypistin... als Fremden- führer für amerikanische Familie vom Rhein bis Bayern... als Statistin für Klassikeroorstellungen des Stadttheaters... als Hilfs- arbeüer bei Kartoffelernte... als Arbeiter... als Erzieher... Nachhllfeuntetxrcht... als Arbeiter... Ja, viele Studenten wußten zu jener Zeit nie genau, ob sie eigentlich Gelegenheitsarbeiter oder Studenten waren. Sie ver- dienten ihr Brot, sie hatten darum kaum Zeit für Kollegs. Wie sie leben. Es gab sehr viele Witze, schreckliche Witze, blutend bose Glossen. Manchmal ahlle man sich geradezu in zynischer Lyrik, manchmal arteten diese Witze aus und es gab die großartigsten Lästerungen, die in dieser Stadt je gestiegen sind. Borbeeke begriff bald, daß jede Lästerung ein verhinderter Auf- schrei war. Der eiserne Mund eines Mannes wie Bulle versteckte vielleicht irgendwo ein blindes Weinen. Man zerfleischte sich und die Welt. Man sah nichts wie Elend, man hatte auch nie etwas anderes erlebt als Elend, man wußte nicht, wohin es ging, man hatte jeden Grund zur Verzweiflung, aber man oerzweifelle nicht, man lebte, man hielt die Stellung. Warum, wußte man nicht. Man kannte keinen Grund, es war alles undeutlich. Man liebte es nicht nachzudenken, um nicht zu erlahmen. Hier saß die Tafelrunde und arbeitete. Wofür arbeitete sie? Akademische Berufe waren überfüllt. Kriegsteilnehmer erhielten den Borzug. Alle Stellen waren besetzt. Zu den Examina drängten sich Kompagnien feierlich gekleideter Kandidaten. Sie sahen alle kein Ziel, sie sahen nur den Weg: zuerst mal das Examen, was dann kommt...? Sie vergaßen nicht ihr Lachen, aber diese Studenten haben kein lustiges Lachen. Wenn sie über die Straße kommen, drei Männer hoch: Bulle, Schratt und Borbeeke meinetwegen, dann lachen sie laut und lästerlich. Sie gehen im gleichen Schritt nebeneinander über das Pflaster, sie sind stark und sehen abenteuerlich aus, sie nehmen es mit jedem auf, sie haben vor nichts Angst, denn sie haben nichts zu verlieren. Gefährliche Kunden und ihr Lachen... verdammt, es ist nicht luftig, es ist«ine ziemliche Wildheit darin. Drei Männer im gleichen Schritt, das Pflaster knallt, drei Männer ohne Jugend, die Bäume rauschen über ihren Köpfen. Sie kommen groß und mit wehendem Haar die Straße herunter. Sie haben Revolver in der Tasche, sie sind gester» Arbeiter gewesen, morgen sind sie es viel- leicht wider. Ihre Röcke sind verwahrlost, aber sie sind zu allem bereit, Landsknechte der Universität, lachende Barbaren... Haha. Systematisch im Jahre 1923 vorgenommene Feststellungen er- gaben unter den Studierenden 75 Proz. übernormal großer Menschen niit mehr oder minder starker Disposition zu Lungentuberkulose, öS Proz. waren untergewichtig, 65 Proz. hatten unterwertige Ge- samtkonstitution. Das Gesamtbild der Unterernährung war er- schreckend. Wie sie schuften. Borbeeke gab Nachhiksestunden bei verdrossenen Tertianern, er warb Inserate für Bäckerzeitungen, er tippte fremdartige Ablzand- lungen eines Professors von der Sternwarte, er versetzt« seinen zweiten Anzug, seinen Koffer, er pumpte herum, er aß bei den Schwestern, er blieb am Leben auf«ine geheimnisvolle Weise. Er diskutierte in Kammersitzungen, er arbeitete als Studenten- Vertreter in der Einzelfürsorgekommission:... beantragte Kur- aufenthalt in Davos... im Schwarzwald... beantragte Zusatz- nahrung: amerikanischer Kakao und ein halbes Liter Milch täg- lich... Bin einverstanden mit langfristigen Darlehen... mit «inmsliger Unterstützung... befürworte Gebührenerlaß... Frei- tisch? Ja.... Freitisch? Ja... Freitisch? Ja Drittel aller Studenten erhielt Freitisch. Ein Bulle hatte Arbeit in einer Metallgießerei angenommen. Er hatte seinen Platz an einer Bandreifenmaschine, acht Stunden lang mußte er herausschnellende Faßreifen mit seinen Schutzhandschuhen auffangen und ablegen. Die Reifen waren für Heringsfässer be- stimmt und gingen nach Oslo. Er erschien zuweilen bei den Schwestern in der Bleibe, erkundigte sich nach der Asta-Tätigkeit, spuckte auf den Boden und zeigte seine Hände vor... Wie durch den Wolf gedreht, nicht wahr?... Und dann erzählte er vom Borarbeiter, von der Lohntüte und vom Kalkulationsbüro. „Dort sitzen reine Teufel im Stehkragen herum, die sagen der Direktion zum Beispiel: Nach unserem Kalkulationsplan 3 müßte die Bandreifenmaschine pro acht Stunden Laufzeit zwölf Sätze mehr herstellen können... Die Direktion sagt es dem Betriebsleiter der dem Vorarbeiter. Und der schreit aus wie ein getretener Hund und flucht euch mit roten Augen an wie ein Wahnsinniger. Und dann geht es los. Mann! Schwirr!... Schwirr!... Tempo!... Tempo!... Du hast nicht genug Hände. Die Ebsenreifen flitzen dir auf die Nase, immer mehr, immer mehr! Du stehst wie ein Weihnachtsmann, wie ein Vutt im Netz, bist aus dem Takt und alles muß stoppen, und deine Kollegen brüllen dich an in dem Höllenlärm und bieten dir schwielige Ohrfeigen an. Dann geht es weiter, tätig, tätig! Und wenn ihr euch gehalten habt wie bei Thermopilae, wie ein Dutzend Siegfriede, dann sind es vielleicht sechs Sätze mehr geworden, und vielleicht glückt es auch euch einmal, zwölf Sätze mehr zu schaffen. Dann habt ihr euch unmenschlich geschlagen, wie das die prominentesten Heroen nur einmal im Leben zu tun brauchen, um berühmt zu werden. Aber ihr müht morgen früh wieder dasselbe schaffen, damit der Akkord erreicht wird. Ich habe schon eine Menge in meinem Leben erlebt, aber Akkord in dieser Fabrik: Pfui Teufel! Du bist nichts als Ofen, auf dem andere ihren Kapaun braten." Dos Boß fragt ihn, wie die Arbeiter politisch ständen. Bulle:„Politisch? Kann ich dir haargenau sagen: ich stell mich fröhlich an die Maschine in dieser verfluchten Fabrikhalle und nach acht Stunden bin ich der wildeste Revolutionär, der mir je über den Weg gelaufen ist. Basta." Der Boß macht ein verdutztes Gesicht:„Warum?" Bulle:„Weil es ganz einfach eine menschliche Schweinerei ist, andere Menschen so gemein auszunutzen. Bloß weil sie kein Geld haben! Die ganzen acht Stunden habe ich eine Sauwut. Wie ist das möglich, daß einer großartig Cardignac fährt, feenhafte Bügel- falten vor den gebadeten Knien, und der andere so gemein ausge- bietet wird, daß er Schrippen klauen muß? Dirjftt nebeneinander! Das hat doch nichts mit Kultur zu tun, das ist ganz einfach Dar- barel!"■' Wie sie denken. An was in Europa soll man sich denn hallen? Was gibt es, das einen anruft, emporzieht, vorwärts stößt? Ist denn nirgends eine große Idee, die stichhält? Die nicht zerschäumt, wenn man sie anpackt? An was in Europa kann sich ein junger Mensch halten? Die alten Ideale liegen in der Asche der Verachtung, Gott versagt. Wenn man ihn scharf ins Auge faßt, zieht er sich vorsichtig in seine Mystik zurück, wie in ein Bett. Gott wird gehandhabt, um Morde, Berrat und Verbrechen zu rechtfertigen. Früher starb man für Gott, heute muh man anscheinend gegen ihn sterben. Die Gesetzes- tafeln, die so edle Gesetze verkünden, haben Kehrseiten, auf denen das Gegenteil steht. Das Volk? Ach. das Volk schlägt sich in Putschen mit Knüppeln aus den Kopf und pflanzt sich Patronen in die Brust. Die Jugend sucht«ine Idee, einen Halt und irrt durch die europäische Literatur, stößt überall zu, stößt überall ins Leer« und begeistert sich für die Meißner-Formel, für materialistische Ge- schichtsauffassunz, für Rimbaud, für grohdeutsche Zukunft, für Pan- europa, für katholische Lithurgen aus Maria Lach, für atonale Musik, für Jugendbewegung, für das Dritte Reich, für religiösen Sozialismus, für Gandhis Heilslehre, Pazifismus, für USA., für Schelers Phänomenologie, für Fußball!— Hier stehen Zehntaufende von jungen Menschen, von Studenten, die kämpfen wollen für eine lebendige Idee. Wo ist sie? Wenn diese Idee die Realität beherrscht, so ist sie stark und sie wollen ihr folgen. Aber die republikanische Idee, für die sie einzutreten bereit gewesen waren, duldet Todesurteile, den Paragraphen 213, Klassenjustiz, Aus- beutung der Massen, Luxus der Begüterten, diese Idee wird vom Profit beherrscht. Es ist keine starke Idee. Die Studenten wenden sich von ihr ab und suchen eine andere. Sie sind ratlos. Borbeeke und Bulle denken an ihre Arbellerzeit. Die gefähr- lichste Wut ist die der Gefesselten, und sie waren gefesselt gewesen. Die Fesseln von heute liegen um den Magen, aber sie sind da bei allen Ausgebeuteten, auch bei den noch Ahnungslosen. Wohin sie gehen. Der Mann aus Oldesloe schläft, aber der Mann aus Oldesloe nähert sich täglich den großen Städten, den brüllenden Urwäldern der Konkurrenz. Wer ist dieser Mann? Ist er ein Bevorzugter, ein Benachteiligter unter den Studenten? Wo kommt er her. wo geht er hin? Es ist gleichgültig. Es gibt Tausende von diesen jungen Männern auf den Universitäten, der eine erlebt viel, der andere wenig, aber sie schlagen sich alle wie die Teufel um Brot und Vil- dung kämpfen erbittert und schweigsam gegen eine Front von falschen Systemen, von Geld, Geschäft und beamtetem Alter und Hunger. Sie hungern heute und werden morgen hungern! Eine Well, die uns nichts als Hunger und Luxus liefert, dieses europäische Getümmel von Konkurren, zschlachten, von Arbeitslosen- Heeren, von Kapitalanhäufung, von Bestialität, von Ausbeutung, eine Well, in der alles Ware ist und jede Ware blutbefleckt... Zum Teufel mit dieser Welt! Wir werden es sein, die dies« Well zertrümmern! ic Einige Jahre später wurde bei einer Straßendemonstration der erwerbslose AkadZmiker Borbeeke verhastet. Er trat mit kaller Stimme für eine Revolution der Arbeiter ein, der erwerbslose Akademiker. Damit begann seine Zeit! Neues von„Soli" Auf' und Ausbau trotz Wirtschaftskrise! Die„Roten Radler" sind zur Stelle! Sie werden den Schlag, den eine faschistische Meute gegen die Errungenschaften der modernen Arbeiterbewegung führen möchte, mitabzuwehren wissen. Ueberall im Reiche, auf den Gau- und Bezirkstagungen der mächtigen Organisation„Solidarität" werden Be- schlüsie herbeigeführt, die die Unterstützung der„Eisernen Front" in, besten Sinne des Wortes verlangen. Die„Roten Radier" wissen, worum es geht. Sie wissen nicht nur, wie abge- wehrt wird, sie wissen auch, wie angegriffen wird. Das inöge sich der faschistische Mob gesagt sein lassen. Auch sonst gibt es von„Solidarität" nur Erfreuliches zu be- richten. Verfolgt man die einzelnen Gau- und Bezirksberichte, so inuß man immer wieder die rastlose Tätigkeit der Mitglieder und Funktionäre lobend anerkennen, die es als eine Ehrenpflicht be- trachten, so für die Organisation wirken ZU können. Und da kann man einen gewissen Ekel nicht unterdrücken, wenn man immer wieder lesen muß, wie unfair die sogenannte Opposition(ließ: KPD.) arbeitst und versucht, Ausbauarbeit herunterzureißen in einem Augenblick, da es heißt, die Kräfte auf den Hauptfeind, den Fafchis- mus, zu konzentrieren. Es ist ein Trost, daß das Vorgehen der „Oppo" nur in den allerwenigsten Fällen von Erfolg begleitet ist. Und wie dieser Erfolg aussieht, dafür«in Beispiel: Irgendeine Ortsgruppe des Gaues 17(Anhakt und Provinz Sachsen) erklärt e>. n st i m m i g ihren Austritt aus dem Bund, um zur„Roten Einheitsfront" zu gehen. Die Ortsgruppe zählt 87 Mit- glieder; eingeladen zu dieser Los-vom-Bunde- Sitzung wurden nur 26 Mitglieder, die zurKPD. gehören. Diese fassen dann„e i n st i m m i g" den Austritts- beschluß..! Man könnte lachen, wenn man sich nicht vor Augen halten müßte, daß durch derartigen Blödsinn viele Sporller abge- stoßen werden und nur schwer den Weg wieder zurück zur Orga- nisation finden. Das nennt man dann„Einheitsfront". Wir be- Ardeiterathleten im Kampf Skädiekampf Berlin— Dessau Schon die nächsten Wochen und Monate bringen den Ar- beiter-Athleten aller Disziplinen eine Reihe großer Beran- staltungen. Bereits am kommenden Sonnabend findet in Rosen- thal'bei Berlin im Lokal von Dittmann, Hauptstraße, eine große Werbeveranstaltung statt. Das größte Interesse beansprucht der Städtemannschaftskampf im Ringen der beiden Iugendstaffeln der Städte Berlin-Dessau. Ferner finden Kämpfe im Jiu-Jitsu und im Boxen statt. Beginn 19.30 Uhr.— Am Sonntag darauf veranstaltet die Sportoereinigung„Tegel" in Schulzendors einen Waldlaus für alle Schwerachleren. Für die Männer ist ein 3300-Meter-Laus und für die Jugendlichen ein 2000-Meter-Lauf vorgesehen. Start und Ziel ist das Lokal Klaat in Schulzendorf. Beginn des Waldlaufes IS Uhr, Treffpunkt 14.30 Uhr in Tegel, Haupt-, Ecke Berliner Straße.— Im ersten Kampf um die oft- deutsche Gruppenmeisterschaft im Mannschafts- boxen trifft nächsten Freitag der neue Kreismeister Lichtenberg- Friedrichsfelde 04 aus den Sportklub Elche 04 in L> e g n i tz. Die Berliner werden alles daran setzen, um gegen diese starke Mann- schaft erfolgreich zu sein.— Die Berliner Gewichtheber tragen am ersten Osterseiertag gegen Magdeburger Heber in Berlin den End- kämpf um die deutsche Bundesmeisterschaft im Gewicht- heben aus. Favorit ist der mehrmalige Kreis- und Bundesmeister L'chtenberg-Friedrichsfelde 04. Oesterreich» Arbeiterringer in Deutschland Neben den besten Gewichthebern verfügt der österreichische Arbeiter-Kraftsportverband über kampfttärkste Ringer, die sich auch auf der II. Arbeitersport-Olympiade in Wien erfolgreich behaupteten. Ein recht großes Wagnis unternahm der süddeutsche Meister im Arbeiter-Achleten-Bund, der K S C. Fürth, als er ein öfter- reichisches Länderteam zu einem Kampf verpflichtete. Der ehemalige deutsche Bundesmeister hatte sich aber für diesen schweren Kampf glänzend vorbereitet und bestand die Kraftprobe mit gutem Erfolg. Die Gäste hatten ihre stärksten Kämpfer in den unteren Klassen. Die erste Runde wurde von dem österreichischen Team mit 8: 6 Punkten gewon-.-». in der Rückrurtde holten aber die Fürths l mächtig auf und siegten mit 10: 4 Punkten. Damit stand im Klasse- ment der Sieg des süddeutschen Gruppenmeisters mit 16: 12 Punkten sest. Fritz Naujokats letzter Weg Gestern mittag wurde unter reger Teilnahme seiner Berufs- kollegen der bekannte ehemalige Rennfahrer Fritz N a u j o- k a t zu Grabe getragen. Viele Aktive des Berufsradsports wie Oskar Tietz, Karl Saldow. Fritz Bauer und der Altmeister Erich Aberger, ferner Vertreter der Deutschen Rennfahrer-Bereinigung ließen es sich nicht nehmen,„Rauke" das letzte Geleit zu geben. Naujokat, der in früheren Jahren als Flieger auf dem Zement seinen Wann zu stellen wußte, oersuchte es später mit der Schritt- machermaschine. Daneben sah man ihn in einzelnen Sechstagerennen diese oder jene Mannschaft betreuen. Kaum 39jährig, erlag der immer bescheidene und stets hilfsbereite Mann den Folgen einer Erkältung. Wir werden das Andenken dieses sympathischen Menschen, der uns als Zeitungsfahrer des..Vorwärts"- Verlages ein treuer Mitarbeiter und Genosse war. in Ehren holten! Die Reisezeit beginnt bei den bürgerlichen Fußballern Während es in den Vorjahren üblich war, daß die Kanonen aus den bürgerlichen Fußballvereinen erst im Sommer ihre Koffer packten und den Verein wechselten, scheint es in diesem Jahre jetzt bereits zur Reisezeit gekommen zu sein. Da war z. B. bei dem Berliner Fußballklub Preußen, dem einzig wahren Amateurverein des bürgerlichen Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine, ein Spieler namens B r i n ck. Acht Jahre war er Mitglied dieses Ver- eins und war stets zufrieden-, jetzt gefällt es ihm nicht mehr. Der Ruhm der Spieler aus den anderen Vereinen, sowie die nicht unbe- trächtlichen Nebeneinnahmen dieser Amateure ließ chm keine Ruhe. Er ging zu Tennis-Borussia. Aber auch hier waren wohl die Ver- dienstmöglichkeiten nicht so hoch, da er schon nach wenigen Tagen sein altes Amateurherz zu Hertha-BSC. trug. Dort wurde er freudig aufgenommen. Viel Staub wirbelte im vergangenen Jahr der Uebertritt der beiden Spieler A p p e l und H a h n von Hertha-BSC. zum Berliner Spo»tverein 92 auf, Nicht nur, daß der Hercha-Vorstand keinen ! danken uns dafür und können jenen 30 Bunbesgenosien, die nach diesem hinterhältigen Akt sich erneut zusammenfanden und eine neue Ortsgruppe gründeten, nur zurufen: Haltet aus und verstärkt eure Aufbauarbeit! Der Bund wird euch zu danken wissen. Es ist selbstverständlich, daß auch die Wirtschaftskrise in den Reihen der Mitglieder Breschen schlägt. Aber auch hier wurden in den meisten Fällen die Abgänge durch Neuaufnahmen wieder wettgemacht. Einen breiten Raum im Organisa- tionsleben nimmt die Arbeit der I u g e n d s p a r te ein. Die Jugend- und Kinderarbeit geht rüstig vorwärts, und es ist eine Freude feststellen zu können, wie„Solidarität" darauf bedacht ist, durch mannigfache Vergünstigungen immer mehr Jugendliche zu gewinnen. Man hat nur allzu gut erkannt, wie wichtig die Nach- wuchsfrage ist. Der sportliche Betrieb fft gut.„Alter Radlergeist läßt sich nicht unterkriegen", so berichtet stolz ein Gau und weist auf den Fortschritt in der sportlichen Tätigkeit hin. Immer wieder klingt es aus den Berichten heraus, daß sich trotz der katastrophalen Wirtschaftslage die Zahl der sporttreibenden Mit- g l i e d e r o e r m e h r t. Ja, die Veranstaltungen weisen stärkeren BeslAh als in den Vorjahren auf; die Beteiligung an den Aus- fahrten und Sternfahrten wächst. Der Saalsport, hier ausgeübt wie nirgends, findet immer mehr Anhänger, die Zahl der Mannschaften für Schul- und Kunstreigen, für Radball und Radpolo und wie die Arten alle heißen, sie geht in die vielen Tausende. Daneben entwickelt sich die Sparte der Rennfahrer und der Motorradfahrer sehr kräftig. „Solidarität" baut auf.„Solidarität" baut aus! Dank einer umsichtigen Leitung sind die Kassenverhältnisie des Bundes trotz der Wirtschastskrif« stabil, so daß die sozialen Einrichtungen der Orga- nisation, die in dieser ungeheuren Notzeit inehr demi je von den Mitgliedern in Anspruch genommen werden mußten, allen Ansor- derungen gerecht werden konnte.. Einspruch gegen diesen Wechsel einlegte, nein, er entschuldigte sich fast bei den beiden Spielern. Warum er das getan hat. erfährt man jetzt. Einer von den beiden, Hahn, hat jetzt wieder seinen Austritt aus dem Berliner Sportverein vollzogen und ist wieder zu Hertha zurückgekehrt. Sein Reisegenosse Appel befindet sich zur Zeit immer noch beim BSV. Er hat auch seine Gründe dafür. Bei einem Blitzturnier konnte er seine Nerven nicht mehr zügeln und brach seinem gegnerischen Spieler Schulz-Viktoria das Bein. Erst wurde er zu einer Disqualifikation von fünf Monaten verurtellt, bei der Einspruchsoerhandlung aber freigesprochen. Lediglich ein Verweis blieb übrig. Dieser Verweis kommt aber einer Belobigung sehr nahe. Wenn über diese Geschichte erst ein wenig Gras gewachsen sein wird, dann werden wir wohl auch wieder Appel bei Hercha sehen können. Der Hertha-Vorswnd hat ihm ja die Tore offen gelösten. Wien— Berlin Der infernaiionale Siädiekampf der Schwimmer Wien und Berlin sind Mittelpunkte des internationalen Arbeiter- sthwimmsports uns man kann-daran schon allein di« Bedeutung der Veranstaltung ermessen, die am 12. März im S t a d t b a d Med- ding und am 13. März im L u n a b a d zum Auetrag gelangt. Mit welchen Aussichten gehen die Mannschaften an den Stört? Ein Blick auf die früheren Begegnungen: Am 30. März 1930 ge- wannen die Berliner den Kampf im Berliner Lunabad mit 39: 33 Punkten. Der Rückkampf, der im gleichen Jahre am 29. und 30. November in Wien stattfand, sah ein umgekehrtes Resultat für Wien. Der Städtekampf besteht aus 9 Wettbewerben, dessen Siege mit Z unld Niederlagen mit 3 Punkten bewertet werden. Die Frauen treffen sich in einer 3X100-Meter-Lagenstaffel und einer 3X100-M«ter-Bruststaffel, während bei den Männern im Kraulen eine 10x66)�-Meter- und eine 4 X 200-Meter-, ferner eine 4X100- Meter-Bruststassel und eine 3X 100-Meter-Lagen zum Auetrag ge- langt. Weiterhin zählen Kunstspringen, Turmspringen und ein Wasterballspiel zu den Städtekämpfen. Der kommende Kampf ist sicher noch oftener als die voraufgegangenen. Berlin hat sich zwar im Kraulen urtd im Wasserball verbessert, aber auch Wien ist stark gerüstet. Ein« eingehende Beurteilung der Chancen der Berliner ist noch verfrüht, da die genauen Mannschaftsaufstellungen noch aus- stehen. Lediglich die Aufstellung der Wasserballmann- schaft steht jetzt wie folgt fest: Tor: Kinzel, Hellas; Verteidigung: Ehrlich. Hellas, F. Grühn-Charlottenburg; Verbind.: E. Grühn-Charlottenburg; Sturm: Pirwitz-Charlottenburg, Flöther und Polle, Hellas. Ohne die Spielstärke dieser Mannschaft zu bezweifeln, fragen wir doch, warum man es bei den Trainingsspielen nicht mit der Mannschaft des Bundesmeisters Charlottenburg oersucht hat, di« noch ein An- recht daraus hat, für die bei der Wiener Olympia als Nationalmann- schaft zu Unrecht erlittene Niederlag« Revanche zu nehmen? Man sollte Vi« Stärke einer eingespielten Vereinsmamischoft nicht unter- schätzen. Am kommenden Sonnabend wird die Mannschaft in ge- nannter Austtellung gegen eine gleichfalls spielstarke Auswahlsieben um 191b Uhr im Lunabad ihr letztes Uebungsspiel austragen. Hitlers Ritter der Faust Wieder Nazifiberfall auf Arbeiter sporller Die UeberföHe von Nazis auf Arbeitersportler haben sich in letzter Zell erschreckend gemehrt. Am 26. Februar leisteten Arbeller- sportter und Mitglieder des Reichsbanners in einem Bremer Vorort Saalschutz bei einer Kundgebung der Eisernen Front, die ruhig verlies. Als sie sich in Gruppen von 2 und 3 Mann in ihre Wohnbezirke begaben, wurde ein größerer Trupp Nazis beobachtet. Um von diesen nicht auf di« bekannte Art getrennt und einzeln ab- geschlachtet zu werden, versuchten die Arbeitersportler sich wieder zu sammeln. Dabei sielen die sich in der Uebermacht befindlichen Nazis über sie her mik dem Rufe.Llrbeilermörder" und verlehlen zwei sehr schwer. Die übrigen konnten sich nur durch die Flucht retten. Die Polizei verhastete fünf Nationalsozialisten. Arbeitersportler, wehrt euch gegen die Vertreter der faschistischen Brutalherrschaft durch aktive Einrechung in die Eiserne Front! Rot-Sporiiührer bei den Nazis gelandet Die Gebrüder Richter in Oberwiesenthal im Erzgebirge, bekannt al» Skllehrer und große„Revolutionäre" sind, nachdem sie den Arbeitersport in Oberwiesenthal zerschlagen haben, dort gelandet, wo sie hingehörten, bei den Nationalsozialisten. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund war ihnen zu wenig revolutionär, sie zogen den Oberwiesenthaler Bundesverein zum kommunistischen Sportoerband, worüber die KPD.-Preste ein Sieges- geschrei anstimmte. Jetzt ist sie still. Nun wieder Gcrätewettkämpfc Nach einer kurzen Pause, bedingt durch das Hallensportfest, an dem auch die Turner mitwirkten, werden jetzt die Serienwett« kämpfe der Geräteturner fortgesetzt. Die ersten Kämpfe finden morgen, Freitag, statt. Es stehen sich in der Turnhalle in K a r l s h o r st, Treskowallee, Moabit 2 und FTGB.-Äarlshorst gegenüber. FTGB.-Osten und ASV. Neukölln messen ihre Kräfte in der Turnhalle S t r a ß m a n n st r. 6, während in der Schön- fließer Str. 7 FTGB.-Norden und Mahlsdorf kämpfen. Am Montag treffen sich in der Turnhalle in der B ö ck h- straße die dritte Frauenmannschaft von Süden und die zwelle von Lichtenberg.— Ebenfalls in der B ö ck h st r a h e stehen sich am Dienstag die Männer von Süden und Schöneberg gegenüber.— In der Lesfingstraße in Neukölln hat am Mittwoch der Volkssport die Frauen Südens zu Gast.— Alle Kämpfe beginnen pünktlich um 20 Uhr. III. Kannsportausstellung Verlin. Der Deutsche Kanuverband veranstaltet auch in diesem Jahre seine Kanusportausstellung in der„Nenen Welt", Hasenheibe 108/114. Der bisher übliche Termin hat sich für den Wassersport als der allein richtig liegende erwiesen und wurde für dieses Jahr auf den 12. bis 17. März festgesetzt. Die Ausstellung umfaßt wieder den ganzen Bedarf des Wasser- sportlers, angefangen von Boot und Zelt bis zu allen Kleinigkeiten und Bequemlichkeiten des Wochenendes und wird durch eine groß- zügige Berkehrswerbung und Fahrtenauskunft ergänzt werden. BFL. Borwärts-Weddiug. Freitag, 4. März, Monaisversammlang bei Wob- sei, Oiawistr. 21, Ecke Airiianischc Straße. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Arbeiter. Sportlcgcltlub Porwärto. Trainingsabend jeden Freitag 20 Uhr in der Sporthalle Alerandrinenstr. 107. Arbeiter-Schach. Die Abt. Sarlshorst spielt jeden Donnerstag im Lolal Wenzel, Gundelfingerer Straße Ecke Hönower Weg. Donnerstag spielen folgend« Abteilungen: Kreuzberg bei Krepp, Planuser 7z— 7K: Treptow bei Döhlina, Elsenstr. 100: Faltenberz bei Griiuau: Demeinschastshaus Guts- haf�a llenberg; Prenzlauer Berg: Pohst, Stargarder«tr. IS. Anfang Freie Studerpereinigung ISIS. Nächste Sitzung 4. März, 20 Uhr, Torkrug. stöpenicker Straße(Haltestelle Schlestsches Tor). Troiulngsabend Dienstag IS Uhr Ruderanlage Realgnmnastum Treptow. Die Wassersportausstellung am K. März im«nffh dufte, Ried-rschöneweid-, ist auch von unserem Berein beschickt worden. Frei« stanu-Uaiou«roß. Berlin e. Abt. Havel. Sonnabend, S. März. 20 Uhr, Abteilungsversammlung, Lolal Höpsner, Spandau, Pichelsdorler Str. be. 19 Uhr Funktionärsttzung. Anschrift der Abt. Havel: Karl Stenzel, Berlin- Schönebera, Hohenfriedberastr. 2. Tauristcaverrin..Die Natnrsreunb«-'. Freitag, 1. März. Photogemeinschaft, Arbeitsgruppe Neukölln: Bergftr. 29; Osten: Frankfurter Allee 307:„Retusche".— Fastbootabteilung: gohannisstr. 15; Geschästliches, Osterfahrten.— Abt. Bincta. platz-Schönhauser Borstadt: Jugendheim Lortzing. Ecke Graunstraßc:„Die �age im Fernen Osten".— Abt. Südost: Leim Manteuffelstr. 7:„Naturkundliches aller Art"(P. Schulz).— Abt. Charlottenburg: Jugendheim Spreestr. 30: Ge- schäftliches.— Abt. Britz: Jugendheim Chausseestr. 18(Rathaus):.Lehn- Minuten-Referatc vom Beruf".— Abt. Treptow: Heim Elsenstr. 3, am Bahnhof: Geschäftliche».— Montag. 7. März. Photogemeinschaft: Jvhannisstr. 15: Ge. schäsUiche», anschließend Bortrag de» Gauobmann» W. Bulan.— Malgemein- schaft: Manteuffelstr. 7. Technische Leitung: Rolf Weiß.— Ausstellung der Malgemeinschaft Johannisstr. 15 bts 18. März. Seäffnet von 9—20 Uhr. Wasserfportverei»„Fraternitas" Berlia-Erkner. Nächste Sitzung Freitag. 1. März(Falkcnstein). Sonntag Arbeitsdienst im Boothous. Da noch einige Bootsstände frei stnd, werden noch neue Mitglieder mit Boot aufgenommen. ALE.(Verein für Leichtathletik. Handball, Hockep). Di« Trainingsabcnde finden jetzt wieder regelmäßig statt für Männer und Jugend: Dienstag- 20 Uhr Neukölln, Weiseste. 20, Feeitags 20 Uhr Treptow. Realgpmnasium am Rathaus, Neue strugallce 10: Frauen: Donnerstags 20 Uhr Neukölln, Weisestr. 20. Neu- anmeldungen an den Uebungsabenden. Auskünfte durch 5l. Rakoins, Trift- straße 52. Srdöl! Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen. uyA es ist Ehrensache, daß moderne Weltenbummler und Reisende ihre Tagebücher oder Reisebriefe oerössentlichen. Nicht immer ist das Ergebnis erreulich, aber Laj os Steiner hat einen sehr inter- essanten und aufichlußreichen Reisebericht vorgelegt mtt dem viel- seitig klingenden Titel„Unter Palmen. Bohrtürmen. Wolkenkratzern--, Eindrücke aus Nord- und Latein- amerika"(mit 61 Abbildungen; Verlag Strecker und Schröder. Stuttgart: in Leinsn 8 Mark, leider ein horrender Preis für das kleine Buch!). Erstes Ziel der Reife sind die Oelregionen Bene- zuelas, nachdem zuvor die Insel Trinidad mtt ihrem merkwürdigen Asphaltse«, Ursprung aller Asphaltstraßen, besucht war. Die Beob- achtungen sind scharf und lebendig wiedergegeben. Bohrtürme stchen vor uns auf, Bohrtürme unter Palmen und an Seen, im und auf dem Wasser. Ein gigantisches Durch-, Auf- und Neben- einander von Maschinen, Pumpen. Rohrleitungen, Tanks und Dampfern wird Strich für Strich, klar und übersichtlich gezeichnet. Alle Einzelbllder sind wie am Fllmband hineingesetzt in die großen Zusammenhänge. Der Urwald weicht zurück, die letzten, wild leben- den Indianer kämpfen einen hoffnungslosen Kampf um ihre Jagd- gründe, die Tropenkrankheiten verschwinden mit den Sümpfen und den Moskitos, saubere Wohnhäuser mtt Schwimmbad und Sport- platz, mtt Eissabriken und Klubs und Krankenhäusern und Kinder-- gärten entstehen,„denn man erhält dadurch die Arbettskraft und und Arbeitsfreudigkeit der Arbeiter und Angestellten auf einer Höhe, die in keiner Weise derjenigen im gemäßigten Klima nachsteht". Die Ausgaben lohnen sich, denn das Erdöl ist der geheimnisvolle Saft, der jetzt die Herrschaft über die Erde gewährleistet. Weiter geht die Studienfahrt. Der Panamakanal. Schöpfung und Stolz der Amerikaner, zeigt sich als wichtiges Bollwerk in Wirtschaft urch Krieg. Man erkennt seine Bedeutung besonders nach der langen Bahnfahrt quer durch den ufamerikanischen Kontinent. Dann stnd wir wieder bei Erdöl und Bohrtürmen, diesmal im Westen bei Los Angeles, bald wieder im Osten bei Ptttsburg. Die vielen Eindrücke der wechselnden Fahrten, immer um das Studium der Erdölindustrie gruppiert, runden sich zu einer kraftvollen Sym- phonie des Erdöls und des modernen Lebens, die uns ein gutes Bild von Amerika vermittelt. * Daß es aber zeitweise auch ohne Erdöl geht, zeigt uns G ü n- ther Groenhoff in seiner Biographie„Ich fliege mit und ohne Motor"(Societäts-Verlag, Frankfurt a. M.. 1932, kart. 1,20 Mark). Die mit 88 ausgezeichneten Bldern ausgestattete Schrift ist mehr als eine Biographie Groenhofjs, sie ist der Bericht über die Leistungen der deutschen Segelfliegerei. Weil durch den Bersiuller Vertrag der Motorflugsport stark eingeschränkt ist. ist die Segelfliegerei trotz aller wirtschaftlichen und finanziellen Hemmnisse sschnell zu einer Sportart geworden, die zu vielfachen Hoffnungen berechtigt. Vor allem wird die Meteorologie, aber auch die Motor- sliegerci wertvolle Hilfe durch die vielfachen Beobachtungen, Ersah- rungen und planmäßigen Forschungen der Segelflieger erhalten. Was Groenhoff von dieser und seiner eigenen Entwicklung erzählt, möchte man sehr vielen unternehmungs'ustigen jungen Menschen zu lesen geben, damit sie teilhaben an diesen Erfolgen und selber vielleicht zu eigenen Leistungen angeregt werden. IVilbelm Tietzeiiz. >