Morgenausgabe Tit. 109 A 55 4y.Iahrgang Wschenillch 76 M., monatlich 3,18 Dl < davon 87 Pf. monatlich für guftel. Inno ins Sans» im voraus(Mlllbor, Postbezug 3.97 äJL einschließlich eO Pf. Po zeitungs- und 72 Pf. Postbestella e- büI>r-n.Auslandsobonnem-ntk>.sz M. rco Monat: für Länder mit ermätzia» tcm Drncksachenporto».SZ M. «, »er..Borwärts' erscheint Wochentag- lich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, dt- Abendausgabe fiir Perlon und im Sandel mit dem Titel.Der Abend". Zlluftrierte SonntagsbeUage „Lall und Seif � f Berliner VoUsblatt Sonnabend 6. März 1931 Groß-Äerliu 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die etnspalt. MilZimelerzetle Äl Pt Mellameze Ir Z.- M„»teiue A»> zcioeu" das fettgedruckte Wort W Pf. lzuläflig zwei fettgedruckteWorte.sedee weitere Äort ll> Pf. Rabatt lt. Tarii. Worte über IS Buchitaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Millimeter- zcile W Pf. namilienanzeigen Milli- meterzeile 16 Pf. Anzeigenannabm« im K a u p I a e f ch ä I.t Lindenftraße S. Ivochentäglich von 8>/, bis 17 lllir Der Verlag behalt sich dasRcchi der Ab- lehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentvawvgan de« GozialdemokeaMGen Partei DeutkÄtands Redaktion und B e r l a g: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 ktcrnjpr.. Töndoit iÄ 71SS2— Zg? Telegramm-Adi. Sozialdemokrat Berlin Borwäris-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? 536.— Bankkonto: Bankder Ärbeiier. Ängellellicn und Beamten. Lindenstr. 3 Dt B.u Dtsc.-Ges.. Tcpositenk.. Aerulalemer Sir. Lö�Lu 12 bis 1 Uhr alles in den Lustgarten I Punkt 1 Uhr spricht Die Eiserne Front hat den K a m p s w i l l e n der Re- pttblikaner gegen die faschistischen Drohungen w a ch g e- rüttelt. Die Versammlnngslawine der Eisernen Front, die unaufhörlich durch Deutschland hinrollt, hat große ideelle und maralische Erfolge gezeitigt. Die republikanische Bevöl- i-erung in Deutschland ist nicht eine willenlose träge Masse, die für Lobpreisungen der Freiheit nur Gähnen übrig hat und deshalb eine leichte Beute für faschistische Eroberer werden könnte? Sie ist bis in die tiefsten Tiefen aufgerüttelt. sie steht auf der Wacht gegen alle, die ihre Freiheit anzu- tasten wagen. Dieser Wille, alles einzusetzen für Freiheit und Denwkratie, tritt täglich in den Versammlungen der Eisernen Front hervor. Hier ist der feste hört der Freiheit in Deutschland, der Fels, an dem die woge des Faschismus sich brechen wird! Es ist der große ideelle und moralische Erfolg der Eiser- nen Front, daß sie dem Freiheitswillen der Republikaner Form und Gestalt gegeben hat. Die Bewegung, die sie aus- gelöst hat, ist ein Aufbruch zum endgültigen Kampf gegen die Bedroher der demokratischen Errungenschaften der Re- volution. Es wird nicht geschehen, wie die Faschisten, wie die Bürgerkriegstruppen Adolf Hitlers glauben, daß die deutschen Republikaner eines Abends als freie Staatsbürger schlafen gehen, um am andern Morgen als Knechte einer faschistischen Diktatur zu erwachen! Ueber die Schlammflut der faschistischen Lügenpropa- ganda, über alle Hetze und Geikieinheit hinweg wird der un- bändige Freiheitswille der deutschen. Republikaner sich sieg' reich durchsetzen! Die(Eiserne Front aber ist nicht nur geistige, sie ist auch organisatorische Macht! Sie ist festgefügte Einheit, die auf den festesten Organisationen Deutschlands wohlgegrün- det steht! Diese geistige und organisatorische Macht wird sich nna einsehen im Präsidenlschastswahlkampf, ihre Parole heißt: Schlagt hiller. wählt hindenburg! Das heiße Wollen und die glühende Liebe zur Freihest werden mst kühlem Verstand auf den Punkt gelenkt, wo es gilt, die Grundlagen der Freiheit zu verteidigen. Wir wollen ein freies Volk fein keine Knechte des Faschismus, deshalb wählen wir gegen den Führer der faschistischen Bürgerkriegs- kräfte den Hüter der Verfassung! Die Rüstwochen der Eisernen Front waren ein glänzen- der Erfolg! Sie haben die organisatorische und finanzielle Rüstung der Freiheitsfront gegen den Faschismus verstärkt, sie haben den tiefsten moralischen Eindruck in der Bevölke- rung hervorgerufen. Auf dieser Grundlage, unter weitaus günstigeren Voraussetzungen als noch vor wenig Wochen werden nun die Aktionen der Eisernen Front fortgesetzt. Die Front der Schützer der Verfassung wird dabei nun endlich die Freiheit haben. in vollster Oeffenlllchkeit auch auf der Straße hervor- zutreten! Die Anordnung des preußischen Innenministers, die Aus- nahmen vom Verbot öffentlicher politischer Kundgebungen unter freiem Himmel zuläßt, gibt dazu die Möglichkeit. Am Sonntag, dem K. März, dem Tag, an dem sich alle Republikaner im Lustgarten treffe», wird die Eiserne Front in etwa 406 Städten Deutschlands große öffent- liche Kundgebungen veranstalten. In der kommenden Woche wird die Aktivität zur Durchführung der Wahlpropaganda verstärkt werden, bis sie am Freitag, dem 11. März, und Sonnabend, dem 12. März, ihren Höhepunkt erreichen wird. An diesen beiden Tagen werden in ganz Preußen von der Eisernen Front- große öffentliche Aufmärsche mit Musik und Fahnen und Fackelzügen veranstaltet werden! Für Berlin heißt die Parole: am Sonntag, dem 6. März, 12 Uhr mittags. Sammeln im Lustgarten! Gegen 1 Uhr wird der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Ge- nasse Wels, eine Ansprache halten. Am Sonnabend, dem 12. März abends, am Tage vor der wohl, großer Fackelzug der Eiserneu Front. .Die Eiserne Front— d a S sind mir alle! W« zeigen in diesen Kundgebungen, daß wir entschlossen sind, die Freiheit zu verteidigen und uns für sie einzusetzen! Wir bekräftigen in diesen Kundgebungen, daß wir. am 13. März, dem Tage der Rcichspräsidentenwahl, Mann für Mann an die Wahlurne gehen werden, um unseren Stimmzettel gegen Hitler, für Hindenburg ab- zugeben! ' Wir wollen nicht Untertanen elftes faschistischen Dikia- toxs. nicht Knechte sein, wir wallen frei sein und bleiben! Morgen. Sonntag, zeigen wir im Lustgarten unseren eiser- nen Willen und unsere Kraft, zeigen wir, daß wir cnt- schlössen sind, in diesem Mahlgang Hitler zu schlagen- wir marschieren für die Freiheit in Deutschland! Sammelplätze des Reichsbanners. Sonntag,-10 Llhr: Antreten zum Appell! Für die Kundgebung der Eisernen Front im Lust- garte« trete« alle Kameraden des Reichsbanners Tchwarz-Rot-Gold, Gau Berlin-Brandenbnrg. einschlieft- lich der«Pielleute und Musiker mit allen Fahnen a m Sonntag um 10 Uhr zum Appell an den folgen- den Plätzen an. Der Abmarsch zum Lustgarten erfolgt dann in geschlosteueu Formationen- KretS Osten. Die Orlsoereine Friedrichshain, Lichtenberg und Köpenick: Gudrunstrahe am Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsselde. Kreis Süden. Die Ortsvereine Kreuzberg und Tempelhos: Tempel- hoser Feld am Bahnhof Tempelhos.— Die Orlsoereine Neukölln und Treptow: Sonnenallee am Bahnhof Kaiser-Friedrich- Straße. Kreis Weste«. Sämtliche Orlsoereine: Bahnhof Charloltenburg. Stullgarler Plah. Kreis Norden. Die Orlsoereine Wedding und Reinickendorf: 'Außenspielplatz Reiaickendors-Wcsl an der Seidelslrahe.— Die Orlsoereine Prenzlauer Berg. Pankow und Weißensee in Pankow, Kaiserin-Augusta-Slraße am Schloßpark Riederschönhausen. 11 Uhr Abmarsch zum Lustgarten. MotorkorPS der Eisernen Front: l0 Uhr Rathaus Schöueberg. * Das Unlformverbot ist noch tn Kraft ovd muß beachtet werden.— Die Rlarfchslraßen werden noch bekanntgegeben. Geverings Erlaß. Ausnahmen von dem Verbot von Versammlungen und Umzügen unter freiem Himmel. Wie der Amtliche Preußisch« Pressedienst mitteilt, hat der preu- ßische Minister des Innern unter dem 4. März nachstehende, in der Preußischen Gesetzsammlung veröffentlichte Anordnung betreffend Ausnahmen von dem Verbot von Versammlungen und Umzügen unter freiem Himmel erlassen. Der Minister ersucht alle Polizeibehörden, Anträge auf Zulassung von Ausnahmen auf das sorgfältigste zu prüfen. Di« Anordnung hat folgenden Wortlaut: ,Im Hinblick aus die bevorstehende Wahl des Reichspräsi- deuten ermächtige ich die Regierungspräsidenten, in Berlin den Polizeipräsidenten, tn Abweichung von meiner Anordnung vom St. Oktober lSZt— Preuß. Gesetzsammlung Seite 223— auch für politische Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel auf spätestens 24 Stunden vorher gestellte schriftliche Anträge b i s zum 12. März 1932 einschließlich Ausnahmen zuzulassen. sofern der friedliche und ungestörte Ablauf der Deranstal- tung gewährleistet erscheint und sonstige Bedenken gegen die Ab- Haltung der Beranftaltung nicht bestehen. Mehrere gleichzeitige Veranstaltungen verschiedener Organisationen am gleichen Ort sind nur zu gestatten, wenn die Sicherheit gegeben ist, daß die Seron« staltungen sich räumlich in keiner Weise berühren Die Anordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Der Minister des Innern, gez. Severing." Köpferollen und Putschdrohungen. Aus der Nazi-Wahlapitation. halle, 4. März.(Eigenbericht.) Der Gauleiter der NSDAP. Jordan erklärte in einer öffent- lichen Versammlung in Bockwitz, ohne von den anwesenden Land- sägern behindert worden zu sein: Ueber Nacht werden wir uns d'e Macht holen und wenn wir sie haben, dann werden die Bonzen morgen, wenn sie vor ihrem Frisierspiegel stehen, sich fragen: Köpfchen, Köpfchen, wie lange wirst du noch da oben thronen? In einer Polemik gegen die Deutschnationale Partei und den Äahlhelm wegen der Ausstellung der Sonderkandidatur Duester- berg schreibt das Hallesche Naziblatt„Der Kam pf": Einen zweiten Wahlgang darf und wird es nicht gebe«, selbst wenn es die Stimmeuvechältnisie fordern. Zur Geschichte einer Kandidatur Hitlers Kandidalur ermöglicht— durch einen sozialdemo« tratischen Antrag! Im„Freien Wort" führt H o r st- Magdeburg den doku- mentarischen Nachweis, daß Adolf Hitler die Moglichteit, >ur Neichspräsidentfchaft zu kandidieren, einem Beschluß der Nationaloersammlung oerdankt, der auf sozialdemo» tratischen Antrag gefaßt worden ist. In der Borlage von Hugo Preuß hatte es nämlich ge- heißen:„Wählbar ist jeder, der das 25. Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens zehn Jahren Deutscher ist".„Deutscher" war dabei in staatsrechtlichem Sinne als „R e i ch s deutscher" gemeint. Die gesamte Rechte und der demokratische Referent Dr. Ablaß vertraten sogar die Meinung, daß überhaupt nur ein„geborener Deutscher", d. h. Reichsdeutscher, Reichspräsident werden dürfe. Der deutschnationale Dr. Philipp wandte sich heftig gegen die Zulassung geborener Ausländer. Er tat es u. a. auch rpit dem Argument, daß nach dem Vorschlag Preuß auch ein Zulukafser deutscher Reichspräsident werden könnte. Demgegenüber setzte sich Genosse Simon K a tz e n st e i n mit dem ihm eigentümlichen starken Rechtsempfinden dafür ein, daß jeder Deutsche, ohne Rücksicht darauf, ob er als Reichs deutscher geboren sei oder nicht, zur Reichspräsident- ichaft kandidieren dürfe. „Es wird kaum", so führte Katzenstein aus,„jemals vor- kommen, daß jemand für die Reichspräsidentschaft kandidiert, der nicht als Deutscher gehören ist, wenn es aber einmal vorkommen sollte, so werden gewichtige Gründe dafür vorliegen, die die. Wahl einer solchen Persönlichkeit recht- fertigen könnten." Mit den Stimmen der Sozialdemokraten und eines Teils der Demokraten wurde dann der Artikel 41 der Reichsver- fassung in der Fassung des Antrags Simon Katzenstein an» genommen, daß jeder Deutsche zum Reichspräsidenten wählbar ist, ohne Rücksicht darauf, wie lange er Reichs- deutscher ist und ob er als Reichsdeutscher geboren ist. Damit hatte die großdeutsche Auffassung der Sozialdemo- tratie über die kleindeutsche Engherzigkeit der Patentnatio- nalen gesiegt. Das ist der historische Hergang. Ob nun wohl die Nationalsozialisten ibren Anhängern mitteilen werden, daß ihr Adolf Hitler die Möglichkeit, zur Reichspräsidentschaft zu kandidieren, einem„jüdischen Marxisten" verdankt? Heuchelei der Japaner in Genf. Leere Versprechungen— der Krieg gehi weiter. preußen-Gtahlhelm gegen Nom-Hiiler. Kundgebung im Sportpalast. Die Duesterberg-Kundgebung, die Stahlhelm und Deutschnatio- nale gestern im Sportpalast veranstalteten, stand ganz im Zeichen dos Wortes„Harzburg ist gewesen" Vor dem Cxkron- Prinzen und dem früheren Chef der Heeresleitung, General Heye, als Ehrengästen, predigte Hugepberg„gegen die Krank- heit Sozialismus"(nicht„Marxismus"). Duesterberg selbst lierficherte, daß Privatbesitz den Fortschritt fördere, Kollektivbesitz dagegen die Unternehmungslust töte. Sodann kam aber erst die Hauptsache: der Berliner Stahlhelmführer von Stephan! leg� gegen die Nazis los, und zwar folgenderweise: Der Nationalsozialismus sei trotz aller seiner großartigen Erfolge etwas dem nordisch-preußischen Empfinden Wesensfremdes. Hitlers Glaube sei römisch, sein Cäsarentum sei römisch, fem Unfehlbarkeitsdogma sei römisch, seine Staatsidee fei r o m i s ch, Tracht und Feldzeichen der NSDAP. solen römisch. Er sei auch nicht der entschlußstarke Mann, als d« sr hingestellt werde, er sei abhängig von sein« oberen Führerschicht, w'e sich oft ae?eigt habe.„Wir in unserer sch w e- ren nordisch-preußischen Art lehren nicht Worte machen, sondern Wort halten. Der Stahlhelm ist keine SA., nicht die Sturmtruppe einer Partei, er ist das marschierende preußische Gewissen der deutschen Nation." Somit wäre der dunkelhaarige Adolf trotz seiner blonden Achselhöhlenhaare endgültig als ein falscher welscher Hund entlarvt. Ob andererseits den Herren Stephani, Morosowicz u. Cie. der Beweis gelingen wird, daß sie wirklich gegenüber dem südlichen Nazi-Mischmasch den echten nordischen Edelt?p darstellen? Jeden- falls verspricht der Streit zwischen den feindlichen Harzburger Brü- dern, wer von ihnen das echte Germanentum darstelle, iwch viel zur Belehrung und Erheiterung der Mitwelt beizutragen. Or. Kaas gegen die„Zitier". Strafantrag wegen Verleumdung. Die Pressestelle der deutschen Zentrum-partei teilt mit: Der Bo. sitzende der deutschen Zentrumspartei, Prälat Dr. Kaas, hat bei der Staatsanwaltschaft in Trier gegen die Gau. leitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Koblenz- Trier Strafantrag gestellt wegen der Verbreitung einer Postkarte mit dem Faksimile eines von Prälat Kaas mllunterzeichneten Telegramms an den seinerzsitigen Vorsitzenden der rheinischen Zen- rrumspartei, Gelzeimrai Trimborn. Die Gauleitung hatte das Tele- gramm mit dem Aufdruck versehen:.Das Kaas-Telogramm ent- hüllt das verräterische Treiben des separatisti» schen Zentrumssührers und seiner Partei!" Nazis stören Zentrumsversammluug. Reichsbanner stellt die Ordnung her. Dieser Tage fand in Halber st adt eine öffentliche Hindenburg- Versammlung der Zentrumspartei statt, in der der frühere Reichskanzler Marx sprach. In der Versammlung waren Nazi- sprengkolonnen anwesend, die die Versammlung so störten, daß sie unterbrochen werden mußte. Daraufhin wurde das H a l b e r- städter Reichsbanner alarmiert, das innerhalb kurzer Zeit erschien und im Saale die Ordnung wiederherstellte, so daß die Ver- sammlung ruhig zu Ende geführt werden tonnte. Die Gerüchte um Rosenberg. Reichsverkehrsminister T r e o i- ranus sprach am Freitag in'Lüneburg. Er wandte sich gegen die Aaitationsmethoden der Nationalsozialisten und erklärte: Es stehe »ktenmäßlg fest, daß der Bruder des nationalsozialistischen Ab- ««ordneten Rosenberg französischer Spion gewesen sei. Die Aeußerungen eines Nationalsozialisten in Warnemunde, die Reichs- rcgierung beabsichtige Z urütf Verlegung der Relchsgrenze an die Oder, bezeichnete er als Worte eines armen Irren. Erhaltung, der pädagogischen Akademie In Siel. Das preu- ßische Staatsministermm hat beschlossen, daß die Pädagogische Akademie in Kiel ihre Arbeit nicht einstellt, sondern in ihrem bisherigen Umfange erhalten bleibt. Damit erhöht sich die Zahl der erhaltenen Akademien auf 7, nämlich 4 evangelische, 1 simultane und 2 katholisch«.> (Senf, 4. März.(Eigenbericht.) Die Japaner wende» seht vor der Volloersammlung für den Schanghai- Sonslikt die gleiche Taktik an wie seinerzeit vor dem Rat in der Maudschuroi-Assäre. Sie oerlangen wiederum ver- Handlungen an Ort und Stelle, um den Völkerbund von einem Urteil abzuhalten. Dabei geben sie eine Versicherung nach der anderen ab: Die Feindseligkeiten seien eingestellt, wogegen die Ehinefen erdrückendes Material für die Vorberetlung neuer Angriffe und das weitere vorrücken der Japaner fieserten. Selbst in Sie konziliante Entschließung de» Büros wollte Japan noch feine Wlnkelzüge mlt Drohungen eingefügt wissen. Lange schwiegen die Vertreter der Regierungen, bis endlich Malta- Schweiz am Freitag den Baun brach und jede Aenderuug rund heraus ablehnte. Da auch veaesch. Tschechoslowakei für Mottos Antrag sprach und Simon-England die Streichung des Wortes„Modaliläteu" des Rückzugs vorschlug, gab Salo seinen Widerstand auf. Die Vollversammlung hat sich durch die Entschließung zunächst ans die Herstellung derRuhe vor Schanghai beschränkt, während Japan die Möglichkeit von Aus- legungen in seinem Sinne offen geblieben ist. Die Generaltommission der Volloersammlung aus allen Staaten hat am Freitag in öffentlicher Sitzung den Präsidenten und das Büro der Vollversammlung einstimmig auch für sich gewählt. Prä- sident Hymans bedauert« die widersprechenden Meldungen über die Lage vor Schanghai. China behaupte, die Japaner grifsen weiter an. während Japan ein Dementi ve. lesen li.ß, nach dem nur geringe Schießereien zwischen Posten zu verzeichnen seien, sonst aber Ruhe herrsche. N e n- China wünschte vor allein, daß die Versammlung sich nicht vertage, ohne zu den vier Forderungen Chinas Stellung ge- nommen zu haben. Um Sicherheit über die Lage vor Schanghai zu bekommen solle die Versammlung die vier Admiräle der Großmächte vor Schanghai direkt befragen. Sato- Japan versicherte, daß die Iapaner den Kampf niemals wieder aufnehmen würden über das von vornherein gesteckte Ziel hinaus. Die Versammlung könne überzeugt sein, daß iatsä�I'ch keine.Kampshandlungen möglich seien. Cr hoffe, daß die Ver- Handlungen zur Feststellung der Bedingungen des Wafser.stiustan.es fortgesetzt würden unter Teilnahme von Vertretern auch der ande- ren interessierten Mächt«. Dagegen warnte Pen-China die Versammlung, den japanischen Versicherungen zu viel Glauben zu schenken. Er verlas ein gerade eingetroffenes Telegramm, nach dem japanische Truppensendunxcn von 35 000 Mann mit Tanks und Kavallerie am Freilag. 40 Meilen westlich von Schanghai, ge- landei worden seien, also in dreifacher Entfernung der von den Japanern ursprünglich verlang'en Rückzugslinie. Achl andere japanische Truppenlransporie seien am Freilixg iu die Mün- dung des Längste eingelaufen und heftige Kämpfe wüteten dort augenblicklich. Japanische Truppen seien auch am Freitag aus dem Ostufer des waogpoo, gegenüber Schanghai, gelandet worden. Die Besatzung vou wcosung sei bis auf den letz'en Mann niedergestochen worden. Ehinesische Bauern seien mit Bajonetten gezwungen worden, die Leichen in den Fluß zu werfen. Wieder plädierte Sato für alleinige Verhandlungen an Ort und Stelle. Was Fen erwähnt habe, seien Truppenoerstärkungen, wie in jedem Kriege, dl« früher bereits angefordert feien und erst jetzt einträfen. Durch das ungläubige Lächeln der ganzen Versammlung mußte Sato einige Minuten aussetzen, ehe er mit der noch- maligen Forderung von Verhandlungen in Schanghai schließen tonnt«. In einer Sitzungspause wurde dann vom Büro eine Ent- schließung ausgearbeitet, in der Japan und China zu sofortigen Maßnahmen zur Einstellung der Kämpie ausgesordert werden. In namentlicher Abstimmung, an der sich 45 Staaten beteiligten, wurde die Entschließung von der Vollversammlung einstimmig an- genommen. Auch Japan und China stimmten dafür. Ihr ent- scheidender Passus lautet: „Die Volloersammtuiig empfiehlt die Ausnahme von Per- Handtungen zwischen den chinesischen und japanischen Vertretern unter Beihilfe der militärischen, zivilen und Seebchärden der inler- cssierten Mächte zum Abschluß von Vereinbarungen für die end- gültige Elnsteilung der Feindseligkeiten und die Regelung dos Rückzugs der japanischen Truppen." Präsident Hymans erklärte diese erste Abstimmung als günstiges Zeichen für die weiteren Arbeiten der Vollversammlung. Kein Verhandeln! Wälzrend der japanische Außenminister die Erwartung aus- spricht, daß lokale Besprechungen in Schanghai beginnen werden, falls eine internationale Konferenz nicht zustande komme, hat sich der chinesische Außenminister dahin geäußert, die Schanghaier Rund- trschkonferenz werde höchst wahrscheinlich nicht abgehalten werdey, solange die japanischen Truppen das besetzte Gebiet nicht geräumt haben werden. Der chinesisch« Außenminister hat seinem Vertreter in Schangijai Anweisung gegeben, dem britischen Admiral Kelly mitzuteilen, daß China die neuen japanischen Forderungen nicht annehmen könne. Angeblich wieder Kämpfe. Schanghai, 4. März. Nach Meldunzen aus zuverlässiger chinesischer Quelle soll west» lich Nanysiang ein heftiger Kamps im Gange sein. Das japanische Hauptquartier stellt dies in Abrede. Japanische Bestätigung. Tokio, 4. März. Einer Meldung der offiziösen japanischen Tele- graphenagentur Rengo zufolge befürchtet �man ein Wiederaufleben der Feindseligkeiten bei Huantu(südwestlich Nanhsiang). Dort sollen nämlich die Chinesen neue Schützengräben ausgehoben haben und auf japanischer Seite betrachte man das Vorgehen der Chinesen als Erneuerung der Kampfhandlungen! Außerdem habe der Führer der chinesischen Truppen einen Armeebefehl erlassen, in dem er die Bevölkerung auffordere, Tschapei und Kiangwan nicht zu vergessen. Vorstoß der Lappo-Faschisten. Einige Städte in Mittelfinnland beseht. helsingfors,4. März.(Eigenbericht.) Die Lappofaschisten haben am Freitag eine ganze Reihe größerer Orlschaften und Städte in Miltelfiunland besetzt. So Ist die Stadl Zyveskyle seil Freilag tu ihren Händen. Die staatliche Gewehrfabrik iu Zyveskyle. eiue bürgerliche Zeitung und eine Kaserne wurden von den Zaschlstcu tu Besitz genomm u. Zu der beschlagnahmten Druckerei werden dle für ganz Fiaulaud de- slimmien faschistischen Ausrufe und Bekanntmachungen gedruckt. Zu dem ersten Aufruf au die„Bevölkerung des weißen Finnland" heißt es, daß man ungeachtet der Ermahnung des Reichspräsidenten den beschrilleneu weg fortsetzen werde. Extrablätter melden, daß es in Eyoäskylä, das für die Lappo-Fafchisten besonders günstig liegt, zu neuen Z u- fammenrottungen gekommen ist. In Südsinnland ist alles ruhig. Sozialdemokratisches Blatt wieder erschienen. Helsingfor». 4. März.(Eigenbericht.) Das Zentralorgan der finnischen Sozialdemokratie, das am Donnerstag beschlagnahmt worden war, konnte am Freitag wieder «rscheinen Die Druckerei und das sozialdemokratische Volkshaus werden seit Freitag von einem freiwilligen Wachdien st geschützt. Dieser Dienst wurde eingesetzt, weil ein Bombenattentat aus die Gebäude befürchtet wird. Noch immer Lappo-T-rror. helstugfors. 4. März.(Eigenbericht.) Der Telephon-undPo st oerkehr der sinnlichen 5zaupt- stadt mit der Außenwall ist durch die Lappo-Faschisten stark b e- hindert. Mit zahlreichen Ortschaften und Städten ist überhaupt kein Telephon- oder Telegrammverkehr mehr möglich. Die Umgebung der finnischen Hauptstadt steht zum größten Teil unter dem Terror der Lappo-Faschisten. Im Umkreis von 80 Kilometer ist kein Soldat und keine Polizei zu finden. Das Mllitär ist nur auf der Stadtgrenze von Helsingfors konzentriert. Selbstmord eines Lappo-Zührers Helsingfors, 4. März. Einer der Führer der Lappo-Vewegung. der Lehrer ll a t v a l a hat heute Selbstmord begangen. Fememord an der eigenen Frau. Ein scheußliches politisches Verbreche«. Hannover. 4. März.(Eigenbericht.) In ihrer Mahnung wurde dl« 22 Jahre alle Frau Gerstenberg erdrosselt aufgefunden. Als Täter wird der Ehemann Gerstenberg von der Polizei gesucht. Offenbar handelt es sich um Mord aus politischen Gründen. Vor einigen Tagen ist der Bruder des Gerstenberg von der Politischen Polizei wegen Herstellung illegaler Schriften des Roten Frontkämpferbundes verhastet worden. Als Gerstenberg das er- fuhr, hat er wahrscheinlich seine Frau bedroht, den Mund zu halten, weil die Herstellung in seiner Wohnung erfolgt war. Da die Frau aber niemals damit einverstanden war, kam es.zwischen den Eheleuten zu einem Konflikt, dir mit der Mordtot endete. Nach dem Mord hat Gerstenberg bei einem Hausbewohner einen Einbruch verübt und 250 M. gestohlen. Seitdem ist er flüchtig. Wieder ein Adolfsriiier. Ovrch Auwi besonders zum Ritter geschlaaen. In einem Aufruf des hessischen Gauleiters der NSDAP, gegen die Mordhetze des„marxistischen UntermenscheMums" wurde umer anderem auch auf einen angeblich ingemordeten" SA.-Mann Mohr aus Benzheim hingewiesen. Mohr wurde als heroisches B o r b i l d gefeiert- Der ärztliche Befund der Leiche Mahrs hat inzwischen ergab«», daß das„heroische Aorb lld" einen Gehirnschlag erlegen ist. nachdem es in betrunkenem Zustande vom Rad gestürzt war. Mohr war sechsmal wegen Körperverletzung, Tierquälerei und Hausfriedens- bruchs vorbestraft. Im Jahre 1906 hat er in Darmstadt während seiner Militärzeit seinen Vorgesetzten niedergestochen und 6% Monate Gefängnis erhalten. Später wurde er für geisteskrank erklärt. Während des Krieges saß Mohr zu Hause. Später trat er in den „Roten Frontkämpfer Bund" ein und schließlich in die SA. Obwohl äf aus dem Heere ausgestoßen war. gab ihm der kaiserliche Prinz Auwi bei der Beerdigung das Ehrengeleit. Worte und Taten. Was verküildete Hitler am 8. November 1923? Dcr nächste Tag findet mich als Sieger oder tot! Wo war Hitler am 9. November 1923? Geschlagen und geflohen iu der Villa einer Freuudiu seiner parlel. Was verkünden die Nationalsozialisten heute? Am 13. März wird hiller Reichspräsident und übernimmt die Macht! Was wird Hitler am 13 März 1932 fein? ?cnsionsher«chligtar brauuschn-eigischcr Rcgleruuzsrak mit dcr Spezialaufgabc: Förderung der braunfchweigischen Wurst- fabrik-n! Sozialrevolutionär Goebbels. Konkurrent der Kommunisten vor und hinter den Kulissen. Aus nationalsozialistischen Flugblättern des Reichsprvpaganda« leiters der NSDAP. Joseph Goebbels: „Sechs Millionen ohne Arbeit und Brot. Millionen ohne Nah- rung und Kleidung, weiters Millionen stehen vor einem Nichts/' „Die deutschen Frontsoldaten haben nicht im Trommelfeuer gestanden sür den Aufbau eines monarchistischen Deutsch- l a n d s, in dem die Knechtung der Arbeitermassen unter das Joch der Unternehmer wieder ermöglicht werden soll... Gebt den Schleppenträgern des monarchistischen Imperialismus die gebührende Antwort" IL Gesellschaftsbericht der„Neuen Freien Presse" Wien— des Blattes des jüdisch-liberalen Bürgertums— aus Berlin: „... Um neue Mittel aufzubringen— für die von der Krön- Prinzessin schon vor dem Kriege gegründete Cäcilienhilse—, fand unter dem Protektorat und in Anwesenheit der Frau 'Kronprinzessin im Hotel Esplanade eine große Abend- Veranstaltung statt, die im Zeichen des Goethe-Iahres stand... Der Kronprinz und die Kronprinzessin nahmen mit der Großherzogin von Sachsen-Wcimar und ihrer Prinzessin-Tochter, Prinzessin Friedrich-Sigismund von Preußen, ihrem Bruder Prinzen Schaumburg- Lippe und der Herzogin Adolf Friedrich zu M eckten- bürg in der ersten Reihe Platz. Auf der anderen Seite Ihrer Kaiserlichen Hoheit, die den Darbietungen mit sichtlicher Freude und Anteilnahme folgte und das Zeichen zum lebhaft ein- setzenden Beifall gab, saß Frau Staudt, erste Vorsitzende der Cä- cilienhilfe, in deren umsichtigen Händen Vorbereitung und Leitung des Abends lagen. Der Kronprinz unterhielt sich lebhaft mit dem Präsidenten der italienischen Handelskammer, Majore Rcnzetti, Vertrauter und naher Freund Musso- linis. und Frau Renzetti, während seine hohe Gemahlin sich in den anstoßenden Saal begab, um dort mit der ihr eigenen bezau- berndcn Liebenswürdigkeit Cercle zu halten... Im Laufe des Abends ließ die hohe Frau noch verschiedene andere Persönlichkeiten an ihren Tisch bitten. So die junge Frau Dr. Goebbels, deren erstes Erscheinen in der Gesellschaft lebhaftes Interesse erregte. Frau von Dierksen, die von den führenden Damen der Gesellschaft als erste ihr Haus den National- fozialisten gastfreundlich geöffnet, stellte sie der Kronprinzessin vor. Eine wunderschöne Frau in einer Wolke von hauchzartem weißem Chiffon mit goldblondem Haar. strahlenden großen grauen Augen, von dunklen Wimpern umrahäit, und von bezaubernder Anmut. Ein ganz großer Abend— Tröger von Namen, die mit der Geschichte des alten Preußens und des Kaiser- reichs identisch sind... Freifrau von Rheinbaben, deren Gatte, der Staatssekretär a. D-, sich zur Zeit bei der Abrüstungskonferenz in Genf befindet..." III. Die„Kaiserliche Hoheit" und ihre„hohe Gemahlin" werden sich ausschütten vor Lachen, wenn sie die Produkte Goebbelsscher Flug» blatt'roduktion lesen. Was werden die Empfänger der Flugblätter, für die sie bestimmt sind, tun, wenn sie den Bericht der„Neuen Freien Presse" lesen? Das neueste Nazi-Mäfcheu. patschifieoseelen verraten sich. Nationalsozialistische Blätter in der Provinz verbreiten die — angeblich auf eigenen Drahtnachrichten in Berlin beruhende— Nachricht, daß aus dem preußischen Innenministerium an alle Land- röte umfangreiche oersiegelte Schreiben herausgegangen seien, die erst auf besondere Anweisung zu veröffentlichen wären. Trotzdem diese Briefe angeblich versiegelt sein sollen, ist diese natio- »alsozialistische Seite aber auch schon in der Lage, mitzuteilen, was darin stehen soll. Es sei nämlich darin eine Anweisung an die Landräte und Polizeipräsidenten enchalten, durch die diese Behörden angewiesen werden, im Falle eines Hitler-Sieges mit schärfster Gewaltanwendung gegen die Nationalsozialistische Partei vorzu- gehen. Hierzu bemerkt der Amtliche Preußische Pressedienst: Derartige Briefe, wie sie hier erwähnt werden, können schon deshalb nicht aus dem preußischen Innenministerium herausgegangen sein, well man weder dort noch an irgendeiner verantwortlichen preußischen Stelle auch nur einen Augenblick ernschaft die Möglichkeit eines nationalsozialistischen Sieges in Erwägung Zieht. Im übrigen wissen die Polizeibehörden auf Grund ihrer Anweisung ohnehin, daß sie gegenüber nationalsozialistischen Ausschreitungen mit aller Energie vorzugehen haben. Miuderheitenrechi. Sozialdemokratie erkennt es an. Der-tschechoflowakische Schulminister Dr. Derer, ein Sozialdemokrat, hat in einer Rede zu Brünn ausgesührt: Der Student ist heute mit dem Arbeiterleben enger verknüpft als früher. Nach Er- ringung der staallichen Selbständigkeit ist es Aufgabe der Schule, daß auch die Arbeiters ohne und Arbeitertöchter, welche studieren, für die Klasse arbeiten, aus der sie hervorgegangen sind. Di« Schule darf niemals ihrer hehrsten Aufgabe, den Menschen �n dienen, unter denen sie wirkt, entfremdet werden. Jedes eutnationalisisrende Regime scheikerl früher oder später. Der Arbeiterstudent nmß jede Entnationalisierungsbestrebung und jede Entfremdung, nationale oder soziale, b e k ä m p s e n. Das be- deutet, daß man aus tschechischen Kindern niemals Deutsche erziehen darf und umgekehrt, und daß das Arbeiterkind nicht der Umwelt entfremdet werden darf, aus der es hervorgegangen ist. Schließlich lehnte der Minister auch die vormilitärische Jugenderziehung ab. Unsere Demokisatie, sagte er, muß eine kulturelle Demokratie werden. (Sitte Verhaftung nach zehn Jahren. Bor zehn Jahren sind im tschechischen Turnverein der wüst- böhmischen Bergwerkstadt Laun Waisen entwendet worden. Die Ge:idarmerie hat jetzt in Laun und Kladno verschiedene chemallge lommunistische Funktionäre verhört, darunter auch Leute, die heute ichon längst bei der staatserhallenden Nati.onaldemokrati« gelandet sind. Der Gründer der KPC., gewesener Abgeordneter Münsa, ist ans gleicher Ursache verhaftet worden. Das vierpsenuigftück läßt noch auf sich warten. Es sind erst für :)0ü00 M. dieser neuen Münzen geprägt. Das sind zwar schon 750 000 Stück, aber nach der Meinung der Sachverständigen doch zu ivenig. um sie schon in de» Berkehr zu gebe». Ein braver Ochse. i>- �*"■ Hitler:„Zieh nur hübsch brav, mein Tierchen! Solange der Weg so schlecht ist, kann ich dich brauchen. Dafür wirst du am Ziel von mir geschlachtet und verspeist." Zollbündnis derDonauföderation? Paris und die Debatte um den Vorschlag Tardieus in Genf. Paris, 4. ZRärz.(Eigenbericht.) Die Mitglieder des Zinanzkomitees des Völkerbundes, die zur Zeil in Parts weilen, sind am Freilogaachmiltag zu- sammengelreten. um die sinauzielle Lage verschiedener mittel. europäischer Länder zu prüfen. Die Erregung, die der Vorschlag Tardieus über ein Zoll- chündnis der Donauländer in Deutschland hervorgerufen hat, machte in Paris einiges Aufsehen, zumal die französische Presse über diesen Plan bisher so gut wie gar nichts mitgetellt hat. Die erste Andeutung mochte am Dienstag der Genier Berichterstallsr des„Petit P a r i s i e n", der meldete, daß Tardieu Unter- redungen mit den Vertretern der Kleinen Entente. Oesterreich und Ungarn gehabt habe, und der daraus den Schluß zog, daß sich der Ministerpräsident„für die Frage einer engeren wirtschaftlichen Zu- sammenarbeit m Mitteleuropa interessiert" Am Mittwoch meldete das gleiche Blatt, daß Tardieu vor dem Finanzausschuß der Kammer, der über den Gesetzentwurf über die 600-Millionen-An- leihe für die Tschechoslowakei beriet, erklärt hat, er habe bei den Vertretern der Donauländer in Gens dringend aus dem Abschluß eines Zollabkommens auf der Basis von Vorzugszöllen bestanden und ihnen für ein solches Abkommen die Unterstützung von Frank- reich, England. Italien usw. versprochen. Diese Information hat der„iemp?" am Mittwoch aufgegriffen. Er bemerkt dazu, es müßten ernsthafte Anstrengungen in kürzester Zell unternommen werden, um die Länder Mitteleuropas vor den unheilvollen Folgen der Lage zu bewahren, die durch dte Weltwirtschaftskrise sür sie geschaffen worden sei. Die Zellung hatte weller erklärt, daß die Idee einer wirtschaftlichen Verständigung zwischen den Donaustaaten nicht neu sei, daß ihre Durchführung bisher aber an polllischeii Erwägungen gescheitert sei. Verschiedene Länder hätten jedes Wirtschaftsabkommen von einer politischen Regelung ab- hängig machen wollen, die direkt oder indirekt die bestehenden Ver- träge in Frage gestellt hätten Andere hätten die Not dei Donau- Länper dazu ausnutzen wollen, um zum alleinigen Nutzen der poli- tischen Macht Deutschlands jenes Mitteleuropa zu schaffen, durch das das pangermanistische Deutschland seine Hegemoni« über diese Länder sichern und einen neuen Drang nach dem Osten einleiten wollte. Der Ernst der Weltwirtschaftskrise habe aber schließlich alle Regierungen zum Nachdenken und zur Berücksichtigung der Wirklich- kell veranlaßi- Man habe sich darüber Rechenschast abgelegt, daß, wenn man das Schlimmste verhindern wollte, man aufrichtig die wirtschaftliche Tätigkeit der Länder reorganisieren müßte, ohne dabei ihrer polllischen Unabhängigkeit Abbruch zu tun. Diesen Ausführungen ist in der übrigen französischen Presse und in parlamentarischen Kreisen keinerlei Beachtung geschenkt worden, da abgesehen von den Genfer Beratungen die Aufmerk- samkeit der öffentlikhen Meinung durch die Budgetdebatte und die bevorstehenden Wahlen in Anspruch genommen ist. Infolgedessen haben die Kommentare der Berliner Zeitungen hier sehr über- rascht. Erst in den lzeutigen Sitzungen der auswärtigen Ausschüsse des Senats und der Kammer ist der Plan Tardieus erwähl, t worden, ohne daß es zu eingehenden Debatten darüber täm. Wie wir heuie abend erfcchren, hat die französische Regienrng inzwischen die Reichs regt er ung von der den Vertretern der Donauländcr in Genf gemachten Anregung o s s i z i e l l unterrichtet. In politischen Kreisen wird betont, daß der französische Vorschlag, der übrigens auf eine Anregung B r i a n d s in der Europa-Kom- Mission zurückgeh«, teinen exklusiven Eharatter haben solle. Die Verständigung zwischen den Donauländern solle gewisser- maßen nur den Kern eines Organisationsplanes für die z-r- rilltete Wirtschaft bilden, dem sich dann nach Belieben jedes ändere Land anschließen könne. Deutschland will Vorzugszölle zugestehen. Wir haben schon mllgeteilt, daß die Reichsregierung als erste die Aufforderung des deutschösterreichischen Bundeskanzlers Dr. Buresch an alle Länder vom IS. Februar beantwortet hat, Oester- reich in seiner steigenden Not durch Erleichterung seiner Ausfuhr zu helfen. Nun hat der deutsche Gesandte Dr. Rieth in Wien die Bereit- schaftserklärung des Reiches Überbrocht, Oesterreich Zugeständnisse für seine Aussuhr, unabhängig von den Folgen per Meistbegünstigung zu machen, wenn die Möglichkeit dazu durch Finanzkomitcc und Bölkerbundsrat und die Mllwirkunz anderer Mächte eröffnet wird. Die Aktion Tardieus zur Errichtung einer zollpolllischen Donausöderation soll noch nicht über gesprächsweise Anregung in Genf hinaus gediehen fem. Selbstoerständlich kann die verbürgte Gleichberechtigung' aller meistbegünstigten Staaten nicht außer acht gelassen werden. Di: Vorzugszölle könnten nur in Kraft treten, wenn keiner dieser Staaten widerspricht. puischregierung in Memel. Tteue Aufforderung an die JLandtagsnuhrheit..' Memel. 1 März- Der vom Gouverneur ernannte Präsident des Memeldirekto- riums S i m m a t hat die bisherigen MUglieder des gesclzäftsführen- den Direktoriums Tolischus, Taleiki» und Vongehr mit der einstweiligen Führung der Geschäfts des Direktoriums betraut und die Führer der Mehrheitsparteien beauftragt, in wettere Verhandlungen über die Bildung eines Direktoriums einzutreten. Em Kontrolleur aus Genf. Memel. 4. März. Der Sachverständige des Völkerbundes, C h a p m a n, ist hier eingetroffen, um auf Grund bestimmter Richtlinien festzustellen, welcher Teil der Z o ll e i n n a h m e n aus das Memelgebiet und welcher aus das übrige Litauen«ntfälli. Chapman ist seil 192S Be- amter' in der Finanz- und Wirtschajtsabteilung des Völkerbundes. Vor seiner Ankunft in Memel war Chapman eimge Tage in K o w n o. Die Krise in Kraukreich. Ltnterstühung unzureichend. Paris. 4. März.(Eigenbericht.) Die Sozialkonnnissun der Kammer hat am Donnerstag den Arbellsminister Laoal auf die Notwendigkell aufmerksam gemacht, die Arbeitslosenunterstützung für Ledig« und für die Kinder arbells- loser Ettern zu erhöhen. Sie hat ferner von der Regierung gewisse Bestimmungen für die Zahlung von Unterstützung an Kurzarbeller und die schnelle Annahme eines Gesetzentwurfes verlangt, der staat- liche Hilfe für solche Gemeinden vorsieht, die NotstandsarbeiDn durch Arbeitslose ausführen lassen. Laoal hat versprochen, diese Forde- nmgeu wohlwollend zu prüfen. Die Lerwaltungskommission der Kammer hat zwei ihrer Mll- glieder ermächtigt, ihren Bericht über den Vorschlag aus Einrichtung einer staallichen Lotterie vorzulegen, mit deren Ertrag den Arbeits- losen eine sofortige Hilfe geschaffen werden soll. Die Äonunissloit will alles tun, um schnelle Genehmigung dieses Vorschlages durch das Parlament zu erreichen. „Es lebe der Schah..." Zu der Zioliz in Str. 83 des.Vorwärts" vom 19. Februar wird uns von zuständiger Seite mllgeteilt, daß der Strafantrag gegen den persischen Studenten Alawi von der persischen Regierung durch ihren hiesigen Gesandten gestellt worden ist, entsprechend dem§ 103 des Reichs-Strasgesetz.nches. Dieser Paragraph setzt allerdings die unbedingte Gegeiiselligkeit voraus und es ist zumindest zweifelhaft, ob diese Voraussetzung gegeben ist. Das Schöffengericht hatte dies verneint. Die Staatsanwalt- schaft hätte sich ruhig mit diesem Beschluß abfinden können, anstatt Beschwerde einzulegen und sich damit etwas übereifrig zugunsten der Belange des derzeitigen persischen Machthabers«inzusetzen. Abschiedsseicr sür Graduauer. Der Reichsrat veranstaltete gestern«ine Abschiedsseier sür den ausscheidenden sächsischen Ge- sandten und Reichsratsbeoollmächtigten Reichsminister a. D. Dr. G r a d n a u e r. An ihr nahm der gesamte Reichsrat teil und auch die R e i ch s r e g i e r u n g uxir vertreten. Ge- sandter Boden würdigt« in herzlichen Worten die Arbeit Dr. Grad- nauers als sächsischer Ministerpräsident, Reichsminister des Innern und zuletzt als Mitglied des Reichsrats. in welchem er länger als ein Jahrzehnt Sachsen vertrat. In allen diesen Stellungen habe Gradnauer erfolgreich für Reich, Staat und Volk gewirkt. Die„Preußische Zeitung" für 3 Wochen verboten. Der Ober- Präsident der Provinz Ostpreußen hat die„Preußische Zellung" für 3 Wochen, und zwar vom b. März bis zum 2.5. März einschließlich verboten. Das Verbot erfolgte wegen eines Artikels„Ohne Hiller die Heimat in Gefahr."„Auhenpolitsches Versagen in Memel ge- fähidet Ostpreußen." In Nr. 47 der Zeitung vom 1 März. Gibt es noch Gelbe? Ein possierlicher Konkurrenzkampf. Die Gelben waren von vornherein wenig erfreut darüber, daß sie nach ihrer Farbe benannt wurden. Als nach dem. Kriege die alten reaktionären Parteien ihre stark ramponierten Firmen- schilder durch neue ersetzten, ahmten die Gelben dieses Verfahren nach. Doch ob sie sich nun..wirtschastsfriedlich" oder sonstwie nennen und nun als„Neichsverband vaterländischer Arbeiter" sir- Mieren, sie sind gelb und bleiben gelb. Sie können die gelbe Farbe verleugnen, sie übertünchen, gelb bleibt gelb, sie werden diese Farbe nicht mehr los, solange sie sich als Gelbe zu betätigen versuchen Die„Wirtschafisfriedlichen" oder„Vaterländischen", d. h. die GeIien, haben heute auch ihre schweren Sorgen Früher, ja, das waren für sie noch herrliche Zeiten als sie ohne Kon- kurrenz waren llnd ihnen die Unternehmergelder allein zii- flössen. Dos ist heute vorbei. Die NEDA P. hat sich die Gunst der Unternehmer im höheren Grade errungen und damit auch die Gelder der Unternehmer. Die Leutchen wußten, daß mit de?„Gelb- sucht" kein Geschäft mehr zu machen war und verbrämten ihr natio- nales Mäntclchen. sozialistisch". Sie haben die Gelben aus dem Feld geschlagen. Und obwohl diele in ihrem Wochen- blatt mit„jz a m m e r und Schwert" die Coue-Methode um so eifriger befolgen, je schlechter es ihnen geht geht es ihnen doch sehr schlecht. Niemand nimmt sie mehr ernst, und vergeblich suchen sie sich selber ernst zu nehmen. Nachdem die HiÜericms'r den Kommunisten die Parole ge- stöhlen haben...E r o b e r u n n der B« t r i'e b c!", rufen jefct auch die WirtschaftssriedUchen Ihre Mannen züm Streit:„Gründet überall Die Gchildbürgerei in Südost. Wo ist das schützende Oach? Lei der Errichtung des Arbeitsamts Südost ist offenbar kein Arbeitsloser gehört worden. Er hätte sonst die Erbauer darauf aulinerksam gemacht, daß hier viele schlecht genährte und dürftig bekleidete Menschen nach weiten Wegen zusammenkormnen, und die dann stets einige Zeit warten müssen, da sie ja unmöglich alle zu- gleich abgefertigt werden können; daß es aber notwendig sei, für Warteunterkunst zu sorgen.'' Einfacher, sachlicher und billiger war ja die Lösimg, die Ar- be i t s l o f e n draußen st e h e n zu lassen, bis sie an der Neihe sind. Das Vorbild war mit den früheren Kasernenhöfen ge- geben. Arbeitslose sind aber keine Rekruten. Es sind Menschen, die aus dem Arbeitzgleis herausgeworfen wurden, psychisch verletzt und physisch aus Hungerrationen gesetzt sind. Das mindeste, was sie verlange» können, ist eine möglichst anständige Behandlung. Dazu gehört in erster Linie ein überdachter und heizbarer Raum. Er fehlt. Wer hat den Mut, das Ansinnen zu rechtfertigen, die Arbeits- losen sollen im Freien stehen und«arten, ohne jeglichen Schutz vor Regen, Schnee Sturin, Kälte oder im Sonnenbrand? Nicht etwa einige Minuten— siundenlang. Die Erregung unter den Arbeits- loseü ist ohnehin nicht gering. Sie wird von den Anhängern der extremen Parteien kräftig geschürt, so daß es mehr als überflüsstz ssi, sie durch derart rückfichtslcfe. menschenunwürdige Behandlung noch zu verschärfen. Em Mitarbeiter, der sich am Freitag in der Sonnenallee umgesehen hat, berichtet uns. Obwohl das Arbeitsamt Südost nun schon vier Tage umgezogen ist, nimmt das S ch l a n g e st e he n bei der Auszahlung der Ar- b ei l e lo senu n te rstüßu ng nicht ich. Auch gestern dauerte die Ab- fertizung bi» zu zwei Slunden, die die Unterstützungsempfänger zum größten Teil im Freien zubringen mußten. Noch ist einiger- maßen erträgliches Wetter, aber was dann, wenn die Witterung umschlägt? Es mutz unbedingt, und zwar auf dem schnellsten Wege, dafür gesorgt werden, daß der vorhos überdacht wird. Zögert die Verwaltung damit, dann darf ste sich nicht wundern, wenn bei schlechtem Wetter die Erwerbslosen die Geduld verlieren. Der Schaden, der jetzt schon angerichtet worden ist und noch angerichtet werden kann, wenn nicht unverzüglich« Abhilfe geschaffen wird, dürfte die Kosten für eine Ueberdachunz überwiegen. Wir warnen in letzter Stunde, die Erwerbelosen zu Verzwesslungsausbrüchen zu treiben' Zuspitzung ,m Konflikt bei Scherl. Antwort aus neue Kündigungen. Nachdem am legten Sonntag die Belegschaft der Firma August Scherl G.m.b.H. sich einstimmig gegen den rigorosen Wbau der übertariflichen Zulagen ausgesprochen hatte und die Zurücknahme der ZK Kündigungen verlangte, wurd» am Dienstag, nachdem die Firma die Kündigungen zurückgenommen hatte, dem Personal ein neuer Vorschlag unterbreitet, der einen Betrag von 5 Mark über Xarft freiließ und von 1t> Mark an einen iopro�entigen Abbau vorsah Dieser Vorschlag kam am Mittwoch und Donnerstag auf Antrag der Firma zur Urab st immun g. Mit übergroßer Mehrheit lehnte das Personal auch diesen neuen Vorschlag in der Urabstimmung ab. Nur 262 Mitarbeiter stimmten für den Larscblag der Firma. 16 18 stimmten dagegen. An- statt aus diesem Ergebnis die Lehre zu ziehen, daß es nicht an- gängig ist, das Lebensniveau einer solchen qualilizierten Belegschaft noch weiter hcruiüerzudrücken, sprach die Firma gestern erneut Kündigungen aus. Darauf hin reichten die maßgebenden Ab- teiliingen geschlossen ihre Kündigungen ein. �S-Stunden-Woche im Rundfunk. Zu unserer Kritik des Zwiegesprächs zwischen Dr Erdmann Und Dr. Röhr im Rundfunk über die Frage, ob durch Arbeitszeitoer- kukzung der Arbeitslosigkeit gesteuert werden kann, erholten wir von Herrn Dr. Röhr pie folgende Zuschrift: '„In Sir. 103 des„Vorwärts" vom 2. März wurde über mein Gespräch, welches ich init Herrn Dr. Erdmann über Arbeits- 'eitverkümung als M'ltel zur Linderung der Arbeüslosiakeit ge- halten b�be. in Ausdrücken berichtet, die zum Teil für mich ehren- rsshria sind Ich erhebe dnoegen Eindruck. Leider sind meine 'lusführunoen nach der fachlichen Seite m'cht wiedergegeben. Ich bebe deutlich»um Zluedruck gebracht, daß dK-Iv-Stunden- W o ch e als Mittel zur Änderung der ArbeitsGsi'ikeit überall da' durchgeführt werden muß. wo dies ahne S ch ädiqung der Rentabilität erfolgen kann. Diese Rentabilität lieg'r wie kein Vernünftiger bestreiten wird, nicht nur im Interesse der noch beschäftigten Arbeitnehmer, sondern wich im Interesse des Volks- ganzen. Als Weg zur 46-Stunden-Woche sehe ich nicht(übrigens über- einstimmend mit meinem Gssprääisaegner) eine allgemeine sche- malische gesegliche Regelung an, sondern, nach ailkewährten ge- werkschaffticbeil Grundsätzen, die t a r i s l i ö' c Vereinbarung Auch Abmachungen für den einzelnen Betrieb müssen im Rahmen solcher tariflichen Vereinbarungen gcscheben. Dies kam meinerseits für jeden Hörer deutlich zum Ausdruck." Dazu fei bemerkt, daß die Arbeiter in solchen Dingen recht hell- hörig sind. Dr. Röhr hat wohl nicht deutlich genug den gewcrk- schemlichen Standpunkt betont, sonst konnte er nicht so sehr miß- verstanden werden. Märchen aus Aeukö ln. Sie KPO macht Wahlpn>paganda. In der üblichen großen Ausmachung erzählt die„Rote Fahne". daß die Neuköllner Gemeindearbeiter„Sir e i k r üst u n g" be- schlössen hätte». Unter„Streikrüstung" kann sich � jeder vorstellen, was er will. Der Zweck der Uebung ist die Reklame für den roten Reitergencral. Wir stellen fest: Von den 1306 Arbeitern, die vom Be- zirksanft Neukölln beschäftigt werden, waxen in der Versammlung der Belegschaft der Industrie- und Hasenbahn Neukölln 13 an- w e s e n d. Wegen völliger Unwirtschaftlichreit werden drei Arbeiter dcls Betriebes abgebaut, davon zwei anderweitig unterge- bracht.■' Die Schuhreparaturwerkstatt erforderte im Vorjahr unter„revolutionärer" Leitung einen Zuschuß von 66.6 6 Mark und muß auf Anordnung der Zentrale wegen Unwlrtschaft- lichkeit geschlossen werden. Ein Abbau des Personals der Z e n- t r a l k ü ch e ist nicht beabsichtigt. Bei'der Straßenreini- g u n g müssen zehn Prozent der Belegschaft abgebaut werden, weil die Zentrale nicht die nötigen Mittel bewilligt hat. Was das Pflegepersonal betrifft, so haben die Neuköllner Kommu- nisten ihre Zeit verschlafen. Dank dem Gesamtverband und der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion bleibt es bei der 48- Stunden-Aoche für das gesamte Personal. Auf den Schwindel mit der Thälmann-Kandidotur einzugehen, erübrigt sich Hat die RGO. Schimpssreiheit? Unwahre Behauptungen dürfen nicht erhoben werden. Am 14. April 1631 war bei der Firma Faber Eisen, und Stahlwerk G. m. b. H. in Berlin Betriebsratsneuwahl angesetzt. Die R G O. hatte eine eigene Liste aufgestellt und mehrere Kandidaten, darunter die Kläger, nominiert. Vor der Wahl hatte die RGO. Flugblätter herausgegeben, die von den Klägern im Betriebe werbreitet wurden und die schwere Beschimpsun- gen der freien Gewerkschaften und der Firma ent- hielten.. Die- Firma hat daraufhin am 11. April 1631 die beiden RGO.» Kandiidaten entlassen, die deshalb auch nicht vom Wahloor- stand als wählbar und gewählt betrachtet wurden. Die RGO.-Leute sind der Meinung, daß die Verhinderung ihrer Wahl der Zweck ihrer Kündigung gewesen sei. Sie haben gegen die Firma Klage auf Fortzahlung des Lohnes angestrengt, wurden aber vom Arbeitsgericht abgewiesen. Auf die Berufung der Kläger hat das Landesarbeits» ge r i ch t Berlin dos vorinstanzlich« llrteil aufgehoben und gegen die beklagte Firma«nischieden. Es sei erwiesen, daß oie Beklagte das Arbeitsverhältnis der Kläger lediglich zu dem Zweck aufgelöst hat, um die Kläger in der Ausübung ihrer aus dem Betriebsrätegesetz sich ergebenden Rechte, nämlich sich zum Betriebs- rat wählen zujassen, zu behindern, und daß die Beklagte die Kläger lediglich entlassen hat, um sie wegen ihrer Kandidatur zu benach- teiligen. f Die Revision der Firma ging dahin, dos Reichrarleitsgericht habe zu prüfen, ob es einem Unisrnehmer und der vele'schast des Betriebes zugemutet werden könne, sich ohne jeden Grund von der RGO. besch'mpseo zn lassen. Denn alle Behauptungen in den Flug- blättern, die die Kläger, verbreiteten, seien unwahr und erlogen. Das Reichsgericht hob dos vorinstanzliche Urteil auf und wies, die Sachs zu einer anderen Entscheidung an das Landes- arbeit sgerichl zurück. Eine Drohung und die Antwort. Der große Erfolg der Versammlung der„Eisernen Front" der beim Bezirksamt Wedding beschäftigten Arbeiter, An- gestellten und Beamten hatte es den Nationalsozialisten angetan. Sie glaubten durch Aufstellung ihrer R oll k.o in mandas vor dem ODienstgebäude und persönlicher B e- drohung der Leiter der„izammerschaft" des Dszirks- amts Wedding unsere Front erschüttern zu können. Das RoA.-Betriebszellen und baut sie zu RvA.-Werkvereinen aus!" So etwas läßt sich drucken, aber nicht mehr machen. Der 2. Bundesoorsitzende. der erzählt, sein RoA. erblicke in den G e- w e r k s ch a f t e n und i in Sozialismus die größten Schädlinge. hat zu dieser Auffassung ollen Grund. Die Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei haben noch nie ein Hehl daraus gemacht, daß sie sich für die Gelben oder Wirtschofissncdlichen nicht erwärmen köimen. Wer im Irrtum befindet sich Herr Fritz Heß, wenn er behauptet, die Gewerkschaften haßten seinen Verein. Das lohnte sich wirklich nicht. Unserer Verachtung sind diese Herr- schaften nach wie vor sicher, auch wenn wir sie aus Mangel an Masse auf jener Seite nicht besonders betonen. In seiner Not richtet der Bundesführer Schmidt einen offenen Brief an Hitler, worin er der Konkurrenz die Leviten liest. Der RvA. habe vor der NSDAP, die Betriebe erobert.„Jetzt kommt auf einmal die NSDAP.-Bctriebszellen- Propaganda, anstatt sich gegen den wirtschaftlichen und gewerkschast- lichen Marxismus zu wenden, versucht man mit Zuckerbrot oder mit den sonst üblichen Mitteln unsere Kameraden zu, ersasscn." Es liegt uns durchaus fern, uns in diesen brüderlichen Kon-! kurrenzstreit einzumischen, in dem der„Bundesführer" den Trumpf' ausspielt gegen die NSDAP.:„Wir lassen uns nicht mehr vor den Baucki treten." Wenn die Unternehmer die Gelder, die sie-früher den Gelben gaben, heute in weit reicherem Maße den Nazis geben, so können wir dagegen nichts tzm. Den Trost aber könnten wir den..Vaterländischen" mit auf den Weg geben: Ebensowenig wie die Gelben die Betriebe„eroberten", cbensow-nia werden sie die Nazis„erobern". Dafür werden die Eewerlschaften sorgen. Auftreten der Nazis m der bei. ihnen Üblichen Art Hat ober gerade dazu beigetragen, die wenigen Lauen und Zaghaften noch aufzu» rütteln. Der beste Beweis und die beste Antwort erhielten die Nazis auf ihre Drohungen und Verleumdungen durch die V e r- sammlung der.Lammerschast W e d d i n g" am Freilag im großen Saal der Hochschulbrauerei. War die erste Versamm- lung gut bciucht, so zeigte der Besuch, der zweiten Versammlung. daß die Zahl der Anhänger der„Eisernen Front" inzwischen so gewachsen ist, daß der Saal nicht olle Besucher ausnehmen konnte. Nach einem stimmungsvollen Auftakt durch das Tambourkorps des Reichsbanners, Rczttaiionen von Martha John und dem Einzug der Zlrbeitersporiler vom Schwimmverein Wedding sprach Genosse Bürgermeister M i e l i tz. Nach Kenn zeichnung der Führer der Freunde vom Dritten Reich zeigte cr an Hand von Beispielen und Zitaten, wie demagogisch und verlogen diese Knechte des Kapitals sind. Die Versilche des Herrn Hitler, der als ehemaliger Anstreicher dick auszutragen weih, nach der Macht, müsse zerschellen an der„Eiser- nsn Front". Nicht nur am 13. März bei der Reichspräsidentenwahl. sondern auch nachher noch, bei dem angedrohten Versuch, die Macht gewaltsam an sicki zu bringen, werden wir Herrn Hiller und seinem verbrecherischen Anhang aus den Weg bringen. Zunächst gilt es, am 13. Mär z der Republik zu einem machtvollen«ieg zu verhelfen, dann aber muß auch endgültig Schluß gemacht werde» mit dem ganzen faschistischen Spuk. Jeder an seiner Stelle und alle geineiusam werden wir die deutsche Republik säubern. Wieder- holt wurden die Ausführungen des Genossen Mielitz von Minuten- langem Beifall unterbrochen. Die wundervolle Kampfesstimmung, die die Besucher der Ver» sammlung zeigten, ist uns Beweis, daß an dem Sieg der Rcpubük nicht mehr zu zweifeln ist. Wer Hindcnburg nicht aus Liebe wählt, wählt ihn aus Verachtung und Haß gegen Hitler und seine Tra- bauten. Ltm die Gehaliskürzuug. Ein Streit bei der Eonimerz- und Privatbank. Die Gehälter der Angestellten der Commerz- und Privatbank wurden ab 1. Januar auf Grund der Notoerordnung um 12 Pro- zent gekürzt. Da schon vor etwa einem Jahre eine Gehalts- kürz u ii g von 6 Prozent erfolgt war, so gestaltete sich die wirtschaftliche Lage der Angestellten, besonders der am niedrigsten» entlohnten, zu einer äußerst drückenden. Die Unzufriedenheit in den Reihen der Angestellten war allgemein. In dieser Situation hielt es der Betriebsrat natürlich für seine Pflicht, für die Angestellten zu tun, was möglich war. Er fetzte sich, den Wünschen der Angestellten entsprechend, mit der Direktion in Verbindung, erlangte jedoch keine chn befriedigenden Ergebnisse. Das teilte der Betriebsrat den Angestellten durch eine Bekannt- m a ch u n g mit, in der er sagte, er werde versuchen, die auf Grund der Notoerordnung gemachten Wzüge an den Tarifgehältern durch Bewilligung übertariflicher Zulagen auszugleichen. Diese Bekanntmachung sollte, wie es bisher mit ollen Kund- gebungen des Betriebsrats geschehen war, an den schwarzen Brettern der verschiedenen Abteilunzen der Bank angeschlagen werden. Die Direktion aber untersagte den An schlag und ließ ihn, soweit er schon erfolgt war. wieder entfernen. Die Dirck- tion behauptet, der Betriebsrat Hab« durch den Inhalt der Be- tanntmachungen seine Befugnisse überschritte n und die Gefahr einer Erschütterung des Betriebes herbeigeführt, dei»! übertarisliche Leistungszulagen känuken nur Gegenstand der einzelnen Arbeitsverträge sein, sie könnten also nicht ganz allgemein gewährt werden, wie es der Betriebsrat in seiner Bekanntmachung gefordert habe.• Der Betriebsrat beantragte beim Arheitsgericht, dich ihm das Recht, feine Bekanntmachung anzuschlagen, zugesprochen werde. Nicht erschütternd, sondern beruhigend werde die Bekanntmachung auf die Angestellten wirken, denn es werde ihn«» ja versichert, daß sich der Betriebsrat d!« Wahrung ihrer Interessen angelegen fem lasse. Das Gericht unter Lorsitz des Amtsgerichtsrats Dr. Aschner gab dem Antraae des Betriebsrats statt. Eine Erschütkernna d?z Betriebes durch die Bekanntmachung sei nicht zu erwarten, ihr Inhalt sei nicht zu beanstanden. Wenn sich die Direktion auf den Tarifvertrag beruf«, der besondere Zulagen für die Allgemeinheit nicht begründe, so sei zu bedenken, daß Tarife für normale Verhältnisse geschaffen seien. Jetzt befänden mir uns aber wirtschaftlich nicht in normalen Verhältnissen. Deshalb sei es nichl zu beanstanden, wenn versucht werde, die durch die Notverordnung bedingten erheblichen Gehaltskürzungen durch übertarisliche Zulagen auszugleichen. � Die Razis auf dem Lande. Theorie und Praxis. Der Deutsche Landarbetter-Verband hat jetzt als Nummer 33 feiner Schriftenreihe unter dem Titel„Die Nazis auf dem Lande" wertvolles„Material über die zwiespältige Tätigkett der National- sozialisten aus dem Lande" herausgebracht. In der Nationalsozialisti- scheu„Arbeite r"-Partei spielen bekanntlich die Rittergutsbesitzer und sonstige„Arbeiter" eine aktivere Rolle als die Schwer- industriellen. Dem Gerede der Nazis werden Tatsachen aus dem Landarbeiterleben gegenübergestellt und damit wird das ganze Treiben der Nazis als„Arbeiterpartei" entlarvt. Das Material dient in erster Linie denen, die sich nitt der Land- agitation befassen, sit aber darüber hinaus für jeden beachtenswert, der sich über die Lage der Landarbeiter und über die Praxis der Nazis informieren will. Die 86 Seiten umfassende Schrift ist zum Preise von 1,25 M.. oder in der Form von Refereniemnaterial lein» seilig bedruckt mit Umschlag zum Preise von NM.) durch die En.cks- haus G. in. b. H., Berlin SW. 48, Enckestr. 6, zu beziehen. Zn Oesterdeich wurden Ende Januar insgesamt 361 948 un- ter stützte Arbeitslose ge-ähtt. Im Vergleich zur letzten Zählung ergibt sich eine Zunahme um rund 7666 Personen. Mitropa-»»i» ZSS.-Anaestcllt». Dienstag. S. Mär». 20 Uhe. Bcrtamml'.ma im Rasentbaler Srf, Ji-fentWee Str. 11—12. Wir greifen an! Wir ttejjen et! Neferent: Dr. yriedliinder. Führer der sozialistisit-n Studenten. Alle gcn-erd. lichen und kaufmännischen Ardeitnehmer sind eingeladen fSSsftrne Gewerkstbaits hupend Rerlin 1 Heute finde: folgende Leransialtuttg siatl: Flughafenstr. 68. Uebungsabend. Flughafen: Jugendheim F».�vckendcnivpe te6?entt'asvei'bd schützte eine Grenzburg die Stelle, an der die alte Salzstrasze von challe nach den Wendenländern die Havel überschritt, weil sich hier von Oronien- Die Zitadelle mit dem Juliusturm. bürg bis Potsdam die einzige Stelle befand, an der feste User und ein schmales Flußbett ein leichtes Hinüberkommen ermöglichten. Im Schutze dieser Burg, die zur Zeit der askanischen Markgrafen häufig Wohnsitz der Landesherren war, entstand die M a r k t s i e d- lung, die am 7. März 1232 das Stadtrecht erhielt. Einige kümmerliche Reste zeugen noch heute von der Festigkeit der Mauer», die die von Havel und Mühienqraben umflossene Stadt schützten. aus deren Mitte der hochragende Turin von« t. Nikolai weit ins Land hinaussah. Llbcr nur langsoin füllte sich der weitgezogene Mauerkranz mit Häufern, und noch um 1600 gab es umfaiigreichc Gärten innerhalb der Stadtniauer. Wie Spandau Festung wurde. Die geschützte Lage am wichtigen Haoelübergang. durch dessen Sperrung die Residenz Berlin gegen Angriffe vom Westen her ge- deckt war, bewog im 16. Jahrhundert die Äursllrsten, die Burg zu einer zeitgemäßen Festung umzugestalten. Italienische Bau- meister, wie der Gras Rochus zu LYNirr�führten-diese-Bauten aus, bei denen die Spaitdauer Bürger drückende Arbeitsdienste leisten mußten. Die geräumige Feste war dann im Dreißigjährigen Kriege ein Hauptstützpunkt der schwedischen Macht in Deutsch- land. Bon 1631 bis 1634 war sie von schwedischen Truppen besetzt, die mit der zunehmenden BerwiGerung des Krieges übel in der Stadt hausten. Als einmal ihren Forderungen nicht gleich ent- sprachen werden konnte, erbrach ein Haufe zu nächllicher Stunde sogar das Haus des Bürgerineisters, drang in dessen Schlafzimmer und raubte Stleidung, Degen und Pistolen des Stadtoberhauptes. Dazu ward die Bürgerschaft von der Pest und anderen Seuchen schwer heimgesucht. Allein am 1!). Juli 1631 raffte der schwarze Tod 31 Personen hin. Am Ende des großen Krieges mar die Stadt nach den Worten des Chronisten,„da sie zuvor ein Paradies g«- Wesen, nun zu einer Räuberhöhle geworden". Im Siebenjährigen Krieg« siedelte die Regierung nach Spandau über, als die Oesterreicher und Rüssen Berlin besetzten Trotz des militaristischen Systems des danraligen preußischen Staates gerieten die Befestigungen in Verfall, und ohne den Versuch einer Gegenwehr übergab der.Konimandant. Major von Ben- neckendorf, Stadt und Festung den nach der Schlacht bei Jena heranrückenden Franzosen. Diese beherrschten nun bis 1813 die Havelfestung. Erst nach heftiger Beschießung, bei der ein großer Teil der Stadt in Flammen aufging, ergab sich die französische Besahung. Die Munitionsfabrik. Im 19. Jahrhundert wurde Spandau dann immer mehr ein Hauptort der Rüstungsindustrie, Pulver- und Gewehr- fabriken, Artilleriewerkstätten, Munitionsfabriken und ein umfang- reiches Zeugamt drückten neben einer zahlreichen Garnison dcr Stadt ihr mllitärisch-kriegerisches Gepräge auf. Das alte Schloß der Grafen zu Lynar war zu einem Zuchthaus umgewandelt, und da auch die Zitadelle als Straffesnmg benutzt wurde, so erlangte Spandau, besonders in der Zeit der finstersten Reaktion vor und nach 1848, eine wenig angenehm« Berühmtheit. Hier saß Gottsried Kinkel gesangen, bis er durch die.Kühnheit Karl Schurz' befreit wurde, und hierher trieb man am 18. Marz 1848 unter den wüstesten Roheiten die in den Berliner Straßenkämpfen gefangenen Revolutionäre. Am Airfang dieses Jahrhunderts wurden die Wälle abgetragen. Nur die Zitadelle ist heute noch in ihrer alten Form erhalten. Und über ihre Bastionen ragt der uralte Iuliusturm, das Wahr- zeichen Spandaus. In seinen Gewölben lagerte bis zum Ausbruch des Weltkrieges der„deutsche Re i ch s k r i e g s s ch a tz", der aus 120 Millionen Mark in Goldbarren bestand. Heute moderne Industriestadt. Neben der Rüstungsindustrie haben sich andere Fabrikorions- zwejge angesiedelt, von denen die gewaltige Anlage der Siemens- Werke im neuen Stadtteil Sienieiisftadt heute das größte Unter- nehmen Spandaus ist, nachdem die ehemaligen Staatswerkstätten zum größten Teil stillgelegt sind. Seitdem Spandau ini Jahre 1920 sein« Selbständigkeit aufgab, ist es immer enger mit Groß- Berlin verflochten worden. Die weiten Wasserflächen an der Hovel sind heute der Tuminel- platz der Wassersportler des westlichen Berlins, die überall an den Usern ihre Heime und Bootshäuser errichtet haben. Tau- sende von Berlinern weilen ollsonntäglich an den Spandauer Ge- wässern, um sich von den Werktagsmühen zu erhole». Wenige aber kennen die alte Stadt, die mancherlei Erimxrungen an ihre reiche Geschichte aufzuweisen hat,' die aber auch prächtige Parks und An- lagen und in ihren Außenvier-.cln moderne Wohnsiedlungen besitzt, und die wert ist, daß man gelegentlich einmal einen Streifzug durch sie unternehmen sollte. Festspiel zur Gpandauer 700-Iahrfeier. Zur Spandauer Siebenhundertjahrfeier hat der Spandauer Theaterdirektor Otto de N o l t e ein Festspiel verfaßt, daß sich „Spandau im Wandel der Zeiten" betitelt und am Sonntag, dem Potsdamer Straße in Spandau mit Nikolaikirchc. 6. März, um 20 Uhr, in den Bismarcksälen zuni ersten Male oifi- geführt wird. Am Sonntag findet um 11.30 Uhr auf dein Spandauer Rathausvorplatz eine Festaufstellung unter Tech nähme der Reichswehrgarnison, der Vereine und Innungen statt. Schweres Autounglück. Zwei Tote, zwei Schwerverletzte in Qharlottenburg. An der Kreuzung R e u e r und Alker Zürstenbrunner Weg in Charlottenburg ereignete sich gestern gegen 17 Ahr ein folgenschweres Autounglück. Ein p r i v a t a u t o, das mit vier Personen beseht war, raste gegen einen Laterneumall und überschlug sich. Zwei Znsassen wurden aus der Stelle getötet. Der Führer und ein weiterer Begleiter wurden schwer verletzt. Das Auto, ein Dienstwagen des Pumpwerkes K befand sich auf der Fahrt»ach Berlin. Vermutlich infoige zu großer Geschwindigkeit verlor der Führer des Wagens in einer scharfen Biegung die Herrschaft über seinen Wagen und fuhr über den Bürgersteig. Das Auto stieß dabei mit großer Wucht gegen einen La t e r n e n m a st. Die Folgen waren schrecklich. Der Wagen überschlug sich mehrmals und ging völlig in Trümmer. Zwei Angestellte des Pumpwerks, Wilhelm Leithold und Ludwig Biclicke, wurden von Passanten tot unter den Trümmern hervorgezogen. Der Führer des. Uirglücksumgens, Johannes Kutzn e r aus der Sprengelstraße, und der Maschinenmeister Albert E ck e n h o ff an- der Stettiner Straße erlitten Kopfverletzungen und Quetschungen. vii mußt es jedem Wühler sagen Für tiindenhurg, heißt Hitler sdilagen!" 99 Aus dem Russischen übertragen von Werner Bergengrueru Plötzlich ein Stoß. Ick) fahre zusammen, sehe mich um und erblicke den Mann ohne Gedächtnis, der gerade aufwacht. Gleich darauf schläft er von neuein ein und schnarcht wie alle übrigen. Aus dem Abteil der Begleitmannschaften kommt ebenfalls ein kräftiges Unisono-Schnarchen. In der Dunkelheit vor dem Fenster glimmen Lichter auf. Der Zug fährt langsamer. Die Wagen rollen über Weichen. kreischen und hoppeln über Laschen. Eine Station. Unser Wagen ist offenbar einer der letzten, denn von der Station ist nichts zu sehen. Bor unserem Wagen werden Stimmen laut. Eine Lokomotive schnauft in der Nähe. Andere Loko- motiven scheinen ihr zu antworten, pfeifen bald langgezogen. bald kurz, mit niedrigem heiserem Baß oder hohem Tenor. Geräusche und Stimmen aus dem Leben jenseits der Gitterfenster, dem fernen und fremdgewordenen. Dann gleitet eine große, hell beleuchtete Station an uns vorüber. Biel Publikum auf dem Bahnsteig. Noch eine Minute, und dcr Wogen ist wieder in die itächtliche Dunkelheit zurück- getaucht, schuionkt und torkelt weiter. Der Morgen beleuchtete graue, erdsarbeoe, staub- und schweißbedeckte Gesichter. Gesichter von jener typcschen Ge- sangnisfarbc, an der ich den unlängst Entlassenen sofort er- kennen würde, wo ich ihn auch begegnete. Mitgenommen von Luftmangel, Hunger, Gestank, von dcr in unbeguemen Stellungen schlaflos verbrachten Nacht, sahen die Gefangenen aus, als hätten sie eine schwere 5t rank- beit hinter sich. Viele von ihnen waren in der Tat krank. Infolge des Mangels an frischen Lebensmitteln und des ileberwiegens trockener Brotnahrung sind bei den Gefan- gcnen chronische Magenkatarrhe sehr häufig. Dazu tragt auch der Umstand bei, daß die Häftlinge oft� längere Zeit hungern, um sich dann, wenn sie endlich ihr Essen bekommen haben, zu überfressen. Lungentuberkulose und Rheumatismus sind ebenfalls häufige Begleiter der Gefängnisinsassen. Das Hungern unterwegs ist nicht zu vermeiden, denn wenn ein Verschickter Geld hat, so wird es ihm vorschrifts- gemäß bei Transportbeginn abgenommen, und erst bei der Ankunft an Ort und Stelle wieder eingehändigt. Nur in seltenen Fällen wird das Geld bei der Eskorte belassen, die den Gefangenen dafür auf den Bahnhöfen Lebensmittel be- sargen kann. Für den Gefangenen werden sieben Kopeken täglich ausgeworfen. Fiir diese«umme kaufen ihm die Be- gleitntannschoften unterwegs alles,„was das Herz begehrt". Kaust man sich für das ganze Geld Brot, so langt es weder für Tee noch für Zucker mehr, ganz abgesehen davon, daß auch diese Brotmenge nicht für vierundzwanzig Stunden aus- reicht. Zucker und Tee kaufen, das heißt also: auf Brot ver- zichten. Ich hatte mehrere Dutzend Rubel, die inir für die ganze Reise gereicht hätten, und konnte doch von ihnen keinen Gebrauch machen, da sie bereits nach Nikolsk-Ussuriisk überwiesen worden waren. Alles, was ich bei mir gehabt hatte, das hatte ich bereits verzehrt und verteilt. Jetzt begannen schwere Tage. Der Hunger quälte mich unbeschreiblich. Die Milchweißbrote von gestern waren aufgegessen. Das heiße Wasser, das uns in den Waggon gebracht wurde, war ohne Tee und Zucker, es ekelte einen an, und so bekam man nichts Warmes in den Leib. Das Begleitkommando hatte kategorisch jede Unterhal- tung verboten. Es war eine Folter, den ganzen Tag in derselben Stellung im Waggon zu sitzen, fast ohne sich zu rühren, ohne irgend etwas zu tun, zu lesen oder sich zu unter- halten. Die Unmöglichkeit. Gedanken, Beobachtungen, Ein- drücke auszutauschen, ist härter als Hunger, Strafzclle oder andere Entbehrungen. Nur dem Zigeuner war es mit Hilfe seiner Krankheit gelungen, seine häufige Lauferei zum Ab- trstt— freilich stets in Begleitung eines Mannes vom Transportkommando— zu legalrsieren. Das brachte für ihn ein Element der Abwechslung in den Tag. Für alle übrigen waren diese vergnüglichen Ausflüge auf ein Minimum reduziert. Der Mann ohne Gedächtnis übermittelte mir mit seiner Mimik und dem Ausdruck seiner klugen und zugleich verschlagenen Augen seine Beobachtungen und seine Empfin- düngen gegenüber der Eskorte. Im Gegensatz zu ihm versank der arme Burftein in eine solche Niedergeschlagenheit, daß ihn eine förmliche Panik er- griff, sobald ich mich zu ihm beugte und ihm irgend etwas t ins Ohr flüsterte. Er legte zwei Finger auf den Mund und bat mich mit allerlei Gebärden und einem flehentlichen Aus- druck in den Augen, doch um Gottes willen still zu sein. Er war gelb und blaß geworden. Sein unrasiertes Gesicht sah verfallen und welk aus. Die ermüdeten Augen blickten trübe und verschwommen. Er war in einer Nacht alt geworden. Er machte den erbarmungswürdigsten und kläglichsten Eindruck von ollen. Er tonnte einem mehr leid tun als sämi liche andere. Dcr Mann ohne Gedächtnis betrachtete ihn, dann sah er mich an. deutete mit eineni Blick auf Burstein und machte eine hoffnungslose Handbewegung, als wolle er sagen:„Mit dem wird es nichts mehr, so was hält der nicht lange aus." Auch Gnatenko sah übel aus. Unter den Augen hatte er große dunkelrote Flecke. Das eitle Auge war von oben her verschwollen und zur Hälfte geschlossen. Er saß finster du. sah niemanden an, ließ den Kopf hängen und starrte regungs- los unter die Bank. Der Tag schleppte sich in ekelhafter Endlosigkeit. Der Schnee hatte die Wagenfenster verklebt. So fuhren wir da hin, abgeschnitten von der ganzen Welt, blind, taub, stumm. willenlos, hungrig und unbeweglich. Und so sollten wir noch viele Wochen fahren, viele tausend Werst, immer weiter und weiter fort von den Menschen, die uns nahestanden, in ein fernes, unbekanntes, trübseliges Reich... Wir kamen in Kursk an. In der undurchdringlichen Finsternis sahen wir weder Straßen noch Häuser noch Menschen: offenbar schlief alles. Vielleicht war das die Peripherie dcr Scadt und die Leute hatten sich, müde von dcr Tagesarbeit, frühzeitig schlasen gelegt. Nur das Geräusch unserer Schritte, das Geklirr der Ketten und das ferne Hunde gebell durchbrachen die Stille. Die paar Fackeln, die unsere Gesichter beleuchteten, schufen eine winzige, trübe erhell!' Insel inmitten des kompakten Dunkels und machten dmusi die Finsternis um uns her nur noch undurchdringlicher. Endlich erschienen in der Ferne ein paar verschwommen kleine Lichtflecken, die allmählich größer und heller wurden Wir kamen zu einem hohen Gebäude, das von einer Bock steinmauer umgeben war und von einigen Laternen beleuchtet wurde. Am Gefängniseingang ließ man uns nicht lange warten Wir wurden namentlich aufgerufen und. passierten einer nach dem andern die Schwelle. Dann wurden wir in den Korridor, vor das Geschäftszimmer geführt, um»on der Gefängnis Verwaltung übernommen zu werden.(Fortjelzung folgt.) Mord um die wanderausrostung, Die Toter aus der Milastrase festgenommen. Der Mordkommission ist es schnell gelungen, den Raubmord an dem Z7jährigen Aouragehändler Julius Meyerhardt aus der Milastrahe Z auszuklären. Gestern mittag wurden die beiden Täter, ein IS Jahre aller Irih Zepernick und ein 22 Zahre alter Hermann R ü h l o w, in der Rrunuenstrahe, wo fle Unter- schlupf gesucht halten, festgenommen, während Zepernick g e- ständig ist und eine genaue Schilderung des Uebcrfalls gegeben hat, stritt Rühlow zunächst jede Beteiligung ab. Die gestern gemeldeten Verhaftungen erwiesen sich als ein Fehl- griff. Bei den weiteren Nachforschungen kam den Beamten der Mordkommission aber zu Ohren, daß sich zwei junae Leute, Z e p e r- n i ck und Rühlow, schon feit langem mit dem Gedanken getragen hatten, einen Raubüberfall zu verüben, um sich Mittel für eine Wanderausrüstung zu verschaffen. Zepernick und Rühlow wurden mit einem Manne bekannt, der sich ihnen unter dem Spignamen S e p p l vorstellte. Dieser Seppl, nach dem die Kriminalpolizei noch fahirdet, war angeblich bei Meyerhardt als Kutscher beschäftigt. Er erzählte den beiden, daß Julius Meyerhardt ständig eine große Summe Geldes bei sich trage und daß es ein leichtes wäre, ihn im Hausflur überfallen. Die beiden jugendlichen Banditen bereiteten den Ucberfall genau vor. Sie machten sich zunächst mit den Ge- wohnheiten des Fouragehändlers genau vertraut. Dann verschafften sie sich Gesichtsmasken und eine Pistole. Um auch in den späten Abendstunden in das Haus ungehindert Zutritt zu finden, besorgten sie sich Nachschlüsiel. An dem Abend des Mordes lunaerten Zepernick und Rühlow in der Milastraße umher. Als sie M e y e r h a r d t kurz nach 21 Uhr über den Exerzierplatz kommen sahen, begaben sich beide in den Hausflur, schlössen wieder hinter sich zu und hielten sich hinter einem Mauervorsprung versteckt. Nach dem Geständnis des Zepernick hatte Meyerhardt das Haus betreten und die Tür hinter sich bereits wieder zugeschlosien, als sie mit erhobenen Pistolen auf ihn zugingen und den Fouragehändler auf- forderten die Hände hochzunehmen. Meyerhardt ließ sich aber nicht einschüchtern, griff in seine rechte Manteltasche, um sein« Waffe zu ziehen, die er ständig bei sich trug. Zepernick kam ihm zuvor und durch einen tödlichen Kopfschuß streckte er den Händler nieder. Die Täter nahmen dann die Tasche an sich und flüchteten. Auf dem Exerzierplatz t e i l t e n s i e sich die Beute. Am nächsten Vor- mittag kauften sie sich für einen Teil des geraubten Geldes eine Wanderausrüstung. Zepernick, der seine Tat bereut, warf in Weißensee in der Goechestraße einen Teil der Deute fürt. Das Geld, 273 Mark, wurde auch von Passanten in einem grauen Geldbeutel gefunden und der Polizei übergeben. An dem Behälter war ein Zettel befestigt, auf dem stand: „Ich bereue, es sollte nicht so schlimm kommen.' Bisher ist es der Polizei noch nicht gelungen, von dem geheimnis- vollen AngebettS e p p l eine Spur zu entdecken. Man hofft aber, daß seine Festnahm« mir noch eine Frage yon Stunde» sein wird. Oos zweite Geständnis. Zepernicks Mittäter, Hermann Rühlow, blieb anfangs bei seiner ersten Angabe imd legte erst dann ein Geständnis ab, als er erfuhr, daß die Mordkommission die„Beichte" seines Komplicen schon in Händen hatte. E r gab jetzt das Verbrechen zu und erklärte, daß sich alles mit den Angaben Zepernicks decke. Nach dem Verbleib des Geldes befragt, erklärte R-, daß er sich davon einige Sachen getauft habe. Den Rest der Summe will er b e i heiligcnsee vergraben haben. Gesesselt und beraubt. Beispielloser Lleberfall auf Zimmervermieteria. Ein Ueberfall von unerhörter Dreistigkeit spielte sich in den gestrigen Rachmitlagsstunden im Hanse Warn» brunner Straße 42/44 in Schmargendorf ab. Die SS Jahre alle Frau Ei l l y de? Kaufmanns E a r st e u s wurde von ihrem Unlermieler überfallen, an dcn Stuhl gefesselt und gezwungen, ihm die Schlüssel zu allen Behältern der Wohnung auszu- händigen. Nachdem der Täler, der als der 43 Jahre alle Hermann Rogge aus Hamburg sestgeslelll wurde, die Wohnung auegeplün- dert hatte, ergriff er die Flucht. Aus die Hilferufe der lleberfall Oicn eilten Hausbewohner herbei, die den flüchtigen Räuber noch auf der Straße fassen konnten. Am 19. Felruar zog zu der Familie Carstens ein Mann, der sich als der 43 Jahr« alte Dr. für. August Sievert aus Winsen auegab. Die Eheleute hatten von ihrem Untermieter den besten Eindruck. Gestern nachmittag war Frau C. allein in der Wohnung. Plötzlich erschien in ihrem Zimmer der Untermieter und siel über die völlig überraschte Frau her. Er warf sie auf einen Stuhl und fesselte sie mit einer Schnur an den Händen an dem Stuhl fest. Dann stülpte er ihr ein Handtuch über den Kopf, um sie am Schreien zu verhindern. Der Bursche versetzte der Frau nunmehr«inen Schlag ins Gesicht, so daß st« hintenüber fiel.„Wo ist Ihr Geld?" fragte er, und erzwang die Herausgabe der Schlüsicl. Nachdem er nun alles durchwütsit hatte uni) einige hundert Mark bares Geld eingesteckt hotte, ergriff er die Flucht. Die Uebcr- fallene konnte sich glücklicherweis« befreien und alarmierte die hau-- bewohner, die die Verfolgung des flüchtigen Räubers aufnahmen und ihn auch noch in der Warmbrunner Straß« erwischten. Auf dem Polizeirevier stellte es sich heraus, daß man es mit einem Hermann Rogge aus Hamburg zu tun hatte, der bereits wegen verschiedener Straftaten von den dortigen Behörden gesucht wird. Beide wurden durch Wagen des Städtischen Rettungsamtcs in das Krantenhaus Westend gebracht. Das Autowrack wurde einige Zeit später von der Feuerwehr abgeschleppt. Die Leichen der beiden todlich Verunglückten sind be- schlagnahmt und in das Schauhaus gebracht worden, lieber die Ursachen konnte bisher noch nichts Genaues ermittelt werden, da die Schwerverletzten bisher nicht vernehmungsfähig waren. Auch das verunglückte Auto ist von der Polizei sichergestellt worden. Neue Bauordnung. Endlich Aereinfachunq der baupolizeilichen Vorschriften. Wünsche aus Interessentenkreisen und eine Denkschrift des Städtebauausschusses haben den Anlaß zu einer Neufassung der baupolizeilichen Vorschriften gegeben, die jetzt in einem vom Amt für Stadtplanung aufgestellten E n t w u r f zu einer neuen Bauordnung enthalten ist. Stadtbaurat Dr. Wagner erläuterte gestern in einer im Rat- Haus abgehaltenen Konferenz diesen Entwurf, wobei er betonte, daß es selbst für den Sachverständigen schwer sei. sich durch die augenblicklich vorhandenen annähernd 89 Bauverordnungen und durch die vielen Instanzenwege hindurchzufinden. Vereinfachung auf diesem Gebicie tue dringend not. Erstrebenswert bleibe noch die Forderung, daß auch der private Bauherr selbst die Verantwortung für die Standsicherheit seines Bauprojektes über- nehme und daß durch die Androhung hoher Strafen von vorn- herein eine sorgfältige Bearbeitung der Pläne und damit die Sicher- hcit der Bauten gewährleistet werde. Aus dem Entwurf der neuen Bauordnung ist hervorzuheben, daß die Dispensbefugnis für Bau- Projekte in Zukunft nicht mehr beim Polizeipräsidenten, sondern bei der Zentrale der Baupolizei liegen soll. Beschwerde- instanz bleibt vorläufig der Oberpräsident, doch soll versucht werden, Beschwerden über Bescheide der Baupolizei durch eine Be- rufungskammer beim Magistrat zu erledigen. Die Borschriften über Räume zum dauernden Aufenthalt von Menschen sind insofern geändert, als jetzt aus se 23 Kubikmeter Rauminhalt eines Zlufenthalisraumes 1 Quadratmeter Fenstersläche entfallen, der Abstand der gegenüberliegenden Frontwand in den Aitbaugcbieten gleich der höhe der gegenüberliegenden Wand, bzw. in den Stadterweiterungsgebieten gleich der 1h- fachen höhe der gegenüberliegenden Wand fein muß und für jede Wohnung bis zu drei Aufenthalrsräumcn mindestens ein Raum, bei Wohnungen von mehr als drei Zimmern zwei Räume verlangt werden, die mindestens zwei Stunden täglich während 139 Tagen, bzw. zwei Stunden tag- iich während 249 Tagen von der Sonne beschienen werden. Der Entwurf wird jetzt mit den Jnteressentenoertretungen und den zu- ständigen Behörden besprochen und dann den Aufsichtsbehörden zur Genehmigung vorgelegt werden. Befchränki vernehmungsfähig. Gutachten Prof. Mnglebö über Max Eklarek. Am Schluß der gestrigen Verhandlung im S k l a r e k- Prozeß brachte der Vorsitzende das Gutachten zur Verlesung, das der medizinische Sachverständige Profesior Dr. Ringleb über seine Untersuchung von Max S k la r e k gelegentlich der Haus- suchung am vorigen Sonnabend schriftlich erstattet hat. Professor Ringleb erwähnt darin, daß Max Sklarek, als die Haussuchung statt- fand, gerade am Kaffeetisch saß und ein Käsebrot oß. Max Sklarek habe die ersten an ihn gerichteten Fragen ziemlich fliehend und lugifch beantwortet, sei dann aber in ein Stammeln und Lallen ver- fallen. Ob diese Sprachstörungen alif Veränderungen der Gefäße im Gehirn zurückzuführen oder vorgetäuscht worden seien, könne nicht ohne weiteres gesagt werden, sondern müßte durch eine längere psychiatrische Beobachtung in der Charit� geklärt werden. Der Sach- verständige geht dann aus das Krankheitsbild ein und stellt fest, daß krankhafte Veränderungen am Herzmuskel, an der Leber und eine fehlerhafte Funktion der Nieren vorliegen. Die Frage, ob Max Sklarek h a s t f ä h i g sei, müsse unbedingt ver- neint werden. Ebenso sei ein Erscheinen vor Gericht unmöglich. Einer Vernehmung in der Wobnung würden gleichfalls große Schwierigkeiten gegenüberstehen, sicherlich sei aber Max Sklarek in der Lage, bestimmte, ihm vorgelegte Fragen in Gegenwart seines Hausarztes zu beantworten, doch dürfe eine derartige Vernehmung nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Rechtsanwalt Dr. Pindar stellte zunächst seinen Antrag auf Vernehmung Max Sklareks zurück und diese Frage wird in der Montagsverhandlung noch eingehend erörtert werden.— Der Vorsitzende gab vorher noch die Eni- scheidung über den vor einiger Zeit von den Sklarek-Verteidigern gestellten Antrag bekannt, ihr den geheimnisvollen Brief auszuhändigen, den Dr. K e ß n e r in einer Verhandlung erhielt und der eine lebhafte Debatte auslöste. Amtsgerichlsrat Keßner lehnte den Antrag mit der Begründung ab, daß der Brief nicht in den Besitz des Gerichtes gelangt fei, wobei er das Wort„Gericht" be- sonders betonte und zu verstehen gab, daß er selbst den Brief in der Tasche habe und daß die Herausgabe nur auf dem Disziplinarwege zu erreichen sei. Im übrigen wurde gestern die Vernehmung des Stadtbcmk- direktors Dr. Lehmann zu Ende geführt. Das Versagen der Revisionen beim Sklarek-Kredit führte Dr. Lehmann darauf zurück, daß Schmitt Kredit- und Revisionsdezernent, also Kläger und Richter in einer Person gewesen sei.„Die SpHtzen pfeifen doch von den Dächern, daß Schmitt die Revisoren angeschnauzt und bedroht hat." Die Verhandlung wurde dann auf Montag, 9 Uhr, vertagt. Das große Los gezogen. Gestern war großer Tag bei der P r e u ß i s ch- S ü d de u t- fchen Klassenlotterie: Im neuen Zilehungssaat. in der Viktoriastraß« 29, wurde da? große Los aezogen, da" mit 399 9 99 Mark herauskommt. Die zahlreich erlchienenen Berliner Spieler wunden auch dieses Mal enttäuscht. Wiederum siel der hohe Ge« winn in die Provinz. In der ersten Abteilung wird das Los in Sachsen ans Viert? llose gespielt, in der zweiten Abteilung laufen Achtelabschnitt« in O b e r s ch l e s I e n. Die ganze Million verteilt sich also auf 12 Personen. Die Glücksnumwer war 291 783. Die letzte haupthoftnung der©piel-'r gilt jetzt der Prämie von einer balben Million, die am letzten Tage der Ziehung, also in zehn Tagen, ausgespielt wird._ Die Juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres Berlin, Bells-Alliance-Platz 7/8, 1 Treppe, statt. i i naamssammmmmm Asphalt oder Teerbeion? Berlin und sein Straßenbau. Im Rath aus befchästigt man sich augenblicklich in- lensiv mit der Prüfung der Frage, welches Rlaterlal für den Berliner Straßenbau am besten geeignet erscheint. Auf der einen Seite handelt es sich um die U n t e r h a l t u n g bereits ausgebauter Straßen, auf der anderen um die N e u a n- läge. Neben der Tiefbaudeputation. die sich ständig mit diesen Dingen beschäftigt, wird der M a g i st r a t in absehbarer Zeit eben- falls hierzu Stellung nehmen, und zwar werden ihm die Denk- schriften der verschiedenen am Berliner Straßenbau interessierten Industrien, ehenso wie die Denkschrift der Tiefbauverwaltung vor Beschlußfassung vorgelegt werden. Für Berlin kommen in der Hauptsache die Asphalt- pflastcrarten(Rauhasphalt, hartgußasphalt und Walzasphalt), ferner G r o ß st e i n p f l a st e r mit Zement- oder Bitumenverguß, Kieinstelnpflaster mit Zementverguß, Teerbetonpflaster, Beton- Pflaster und Holzpflaster in Frage. Letzteres scheidet zwar für Neuherstellung im allgemeinen aus und kann nur auf ganz be- sondere Ausnahmefälle beschränkt werden. Das gleiche trifft auch auf Großsteinpflaster mit Fugenverguß zu. Von den sonst ge- nannten Pflasterarten werden auch in Zukunft, wie bisher, die gewählt werden müssen, die die größte Wirtschaftlichkeit bieten. In welchem Umfange die für Verlin in Frage kommenden Pflasterarten wie Teerbeton, Zementbeton, Kleinstelnpflaster und die verschiedenen Asphaltpflastcrarten In Frage kommen, hängt in erster Linie von den angebotenen herstellungs- und Unterhaltungs- kosten ab und kann nur von Fall zu Fall entschieden werden. Die neu abzuschließenden Unterhaltungsverträge für Asphalt werden zur Zeit lehr eingehend in der Tiefbauverwaltung geprüft. Mit Ihnen wird sich auch die Tiefbaudeputation und ihr Pflaster- ausschuß beschästigen und schließlich wird sich der Magistrat, dem. wie bereits gesagt, sämtliche Denkschriften vorgelegt werden, mit dieser Frage ausführlich befasien, ehe eine Entscheidung getroffen wird. Svvv Aussteller in Leipzig. Billige Sonderzüge zur Leipziger Messe. Zum Besuch der Leipziger Frühjahrsmesse(6. bis 1Z. März) läßt die Reichsbahndirektion Bersin zwei Verwal- tungssonderzüge mit 59 Proz. Fahrpreisermößi- gung am 9 und 13. März verkehren. Die hinfahrt erfolgt ab Berlin Anhalter Bahnhof 7.98, an Leipzig 9.43 Uhr: Rückfahrt am gleichen Tage ab Leipzig 29.29, an Berlin Anhalter Bahnhof 22.97 bzw. 22.53 am 13. März. Di« Züge führen nur die 3. Klasse: der Fahrpreis für die hin- und Rückfahrt beirägt ab Anhalter Bahn- Hof 6,99 M. Die Fahrkarten sind erhältlich bei der Fahrkartenausgabe des Anhalter Bahnhofs und bei den bekannten Airsgabe- stellen des MER.-Reisebüros. Di« Leipziger Frühjahrsmesse 1932, die am 6. März beginnt, umfaßt wieder mehrere Tellmessen. Die Allgemein» Muster- messe dauert bis 12. März. dieTextilmess« schileßt bereits am 9. März, die Möbelmesse und die Sportartikelmesso werden am 19. März geschlossen und die Groß« Technische Messe und Daumesse auf dem Ausstellungsgelände dauern bis zum 13. März. Das wesentlichste Merkmal der diesjährigen, Leipziger Frühjahrsmesse, die von 8999 Aus st ellern beschickt sein wird, ist das erhöhte Interesse des Auslandes, das sich vor allem in der Anmeldung von Kollektivausstellungen aus- drückt. Für den hinverkehr nach Leipzig sind 134 Sonderzüge, darunter 13 Sonderzüge für den Verkehr aus dem Ausland, und für den Rückverkehr von Leipzig 124 Sonverzüg« vorgesehen. Gegen Auswüchse derWahlpropaganda Sine Warnung des Polizeipräsidenten. Der Polizeipräsident teilt mit: „Die Wahlpropaganda der links- und rechtsradikalen Parteien hat Auswüchse gezeitigt, die im Interesse der öffenllichen Sicherheit und Ordnung wie zum Schutze des Eigentums und öffentlicher Ein- richtungen nicht mehr geduldet werden können. Häuser, Straßen, Brücken, Zäune und dergl. werden allnächtlich mit In- schriften beschmiert. In den frühen Morgenstunden schon dringen Flugzettelverteiter, Sprechchör«, Sammler und dergl. un- lefugt in Häuser ein und belästigen die Bewohner. Allnächllich kommt es zu Kämpfen und Zusammenstößen, die meist zu körperlichen Schädigungen für die eine oder die andere Seite oder auch für alle Beteiligten führen. Mit dem Recht der freien Meinungsäußerung haben solche Auswüchse nichts mehr zu tun. Die Polizeiboamten sind angewiesen, dagegen hinfort mit aller Energie und auch mit der im Interesse des Schutzes der friedlichen Bevölkerung notwendigen Rücksichtslosigkeit einzuschreiten. Schank- lokale und sonstige Räumlichkeiten, die Sammelstälten für die Ver- anstalter derartiger Wahlpropaganda sind, werde ich hinfort für die Wahlzeit polizeilich schließen. Von dem Recht, solche Personen, die unbefugt Waffen führen, bis zu drei Monaten in Haft zu nehmen, werde ich in allen Fällen Gebrauch machen. Auch sonst wird jedes polizeiliche Machtmittel angewendet werden, um der friedlichen Bevölkerung Berlins die Ruhe und die ungefährdete Aus- Übung des freien Wahlrechts zu sichern." Emil Ryneck gestorben. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag ist der Korrektor am„Vorwärts", Genosse Emil Ryneck, einem Schlaganfall erlegen. Ms er am Nachmittag sich ausmachte, um an seine Arbeitsstelle im„Vorwärts" zu gehen, brach er zusammen. Er starb, ohne das Bewußts-in wiedererlangt zu haben. Seit 24 Jahren ist Genosse Ryneck für den„Vorwärts" tätig gewesen. Körperlich« Leiden ließ er sich nicht anmerken, un- ermüdlich ging er seiner Arbeit nach. Schon als junger Buch- dicker ist Ryneck in die Sozialdemokratisch« Partei eingetreten und hat ihr bis zu seinem Tode unverbrüchlich« Treue gehalten. Zu- sammen mit seiner Gattin, die als Landtagsabgeordnete im preußi- schen Parlament wi.kt, diente«r der Arbeiterbewegung. Er hat ein Alter von nicht ganz 61 Jahren erreicht. Verlag und Redaktion werden sein Andenken in Ehren hallen. Revision gegen das doppelte Todesurteil. Gegen das vom Schwurozricht III am Montagabend gefällte doppefte Todesurteil haben die Rechtsanwälle Dr. Diamant und honcamp für die zum Tod« verurteillen Angeklagten Rohrbach und Witt stock Revision beim Reichsgericht angemeldet. Alle Genossinnen».Genossen, Arbeifenporfler, Beidis&anner- j Kameraden nnd Milglleder der SS|. befeillsien sM sonna&end iiijPiilPilil ab IS V&r und soutfai von den beKannlen Steden ans an der 1 lllift f Isl Sil Wir grellen an- wir sloBen von Die Eiserne Front ruft! Sonnabend, den 5. März: Heinersdorf. 20 Uhr, lokal Heinersdorfer Krug, An der Heiners- dorfer Kirche. Reinickendorf. 19 Uhr, Lokal Beck, Heiligensee, Straße 113 am Flugplatz. Mo tag, den 7. März: Tempelhof. 20 Uhr, Lokal Rohrmann, Lichtenrade, Hilberfstr. 19. Schöneberg, Siedlung Lindenhof. 20 Uhr, Ledigenheim Eythstr. Dienstag, den 8. März: Wedding. 195-� Uhr, Hochschulbrauerei, See- Ecke Amrumer Straße. Staaken. 20 Uhr, Lokal Reschke, Lehrter Straße. Suchholz. 19K Uhr, Lokal Kaehne, Berliner Str. 39. Tempelhof. 20 Uhr, Aula des Realgymnasiums, Kaiserin- Augusta-Str. Mahlsdorf. 20 Uhr, Lokal Anders, Bahnhofstr. 37. Adlershof und Alt-Glienicke-Falkenberg. 19)6 Uhr, Lokal Wöllstein, Adlershof, Bismarckstr. 75. Hermann Gereon, Werderscher Markt 1956 Uhr In den Arminsälen, Kommandantenstraße 58 59. Redner: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Biesdorf. 1956 Uhr In den Schillersälen, Königstraße 120. Redner: Oberleutnant Bathke. Mittwoch, den 9. Mä z; Wedding. 195s Uhr, Atlantik-Festsäle, Behmstraße, oberer Saal. Löwenbrauerei, Hochstr. 2. Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Niederschönhausen. 20 Uhr, Schloß Schönhausen, Lindenstr. 31. Telefunken. 1756 Uhr, Blüchersäle, Blücheiretr. 61. Redner: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Botinnen dar A. O. K., Berlin. 16.30 Uhr, Im Speiseraum der A. O. K., Köpenicker Straße 80— 82. Redner: Luise Kähler, M. d. L Aron-Werke Charlottenburg. Nach Arbeitsschluß im Edenpalast Kalscr-Friedrich-Straße 24. Redner: Karl DresseL Fahnenaufmarsch, Musik. Bergmann, RosonthaL 165- Uhr in Paulinenhof(Manthey), Rosenthal, Hauptstraße 1. Redner: Siegfried Leo. Donnerstag, den 10. März: Wedding. 1956 Uhr, Pharussäle, Mülleretr. 142. Karow. 20 Uhr, Lokal Zagemann, Pankgrafenstr. 3. Natienal-Regittrierkasse. 1656 Uhr,„Gambrinus", Kaiser- Friedrich-Straße Ecke Treptower Straße in Neukölln. Redner: Emil Barth. Wittenauer Heilstätten. 16 Uhr, Lokal Marx, Reinickendorf- West, Berliner Straße 70. Redner: Siegfried Leo. Redner: Oberleutnant Bathke. Clara Bohm-Schuch, M. d. R. Arthur Crispien, M. d. R. Karl Dressel. Gustav Eckhardt. Albert Falkenberg, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes. Dr. Otto Friedländer. Bernhard Göring. Dr. Ludwig Greil. Hermann Harnisch, M. d. L Dr. Theodor Haubach. Kurt Heinig, M. d. R. Max Heydemann. Georg Klaußner, M. d. L Franz Künstler, M. d. R. Erich Kuttner, M. d. L Siegfried Leo. Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Georg Maderholz, M. d. L Dr. Richard Mischler. Stadtrat Otto Ortmann. Max Urich, Stadtverordneter. und Frauen, bekämpft den Lilipufstadi an der GchMngsbrücke. Im Vergnügungspark an der Schillingsbrücke haben t> r e i h i g Liliputaner ihre Miniaturzelte aufgeschlagen; sie zeigen aber hier nicht blaß, dasi kleine Menschen auch große Künstler sein können, das wäre nicht neu. Diesmal lassen uns die kleinen lNenschcn einmal hinter die Kulissen— in ihr privates Leben— gucken. Man hat ihnen eine Miniaturstadt mit allem, was dazu gehört, aufgebaut. In: Rathaus residiert der Oberbürgermeister Henri, der mit seinen ganzen 86 Zentimeter noch nicht die Größe eines vierjährigen Kindes erreicht. Im Postamt waltet der Post- meister mit Genehmigung der Reichspost seines Amtes und drückt jedem Brief den Stempel„Postamt Ljüputstadt" auf. Feuerwehr, Schupo, Kaufhaus, sogar eine insolvente Bank ist vorhanden. In Wohnwagen schläft die kleine Gesellschaft, nach Geschlechtern ge> trennt, in je drei zweischläfrigen übereinandergestellten Betten im Ausmaße von 130 zu 90 Zentimeter. Di« Ehepaare wohnen privat. Die Maße der zusammenklappbaren Häuser sir.d winzig, eine Normalstube ist 156 Meter breit und 2 Meter lang, die Tische stehen etwa-15 Zentimeter über dem Fußboden; durch die Tür« kann kaum ein zwölfjähriges Kind, geschweige denn ein Erwachsener hindurch. Puppenmöbel und Puppengeschirr oervollständigen die häusliche Szenerie, und die Portionen bei den Mahlzeiten sollen rbenialls dem Appetit eines Puppenmagens entsprechen: ein Stück Fleisch von der Größe einer kleinen Wurstjcheibe, dazu eine kleine Salzkartoffel,«in Eierbecher voll Suppe und eine Scheibe eines Apfels, damit ist der Hunger gestillt. Der kleinst« der Truppe ist der achtzehnjährige Werner. Er mißt 54 Zentimeter, ist Berliner und das Kind normaler Eltern; sein Antipode ist der 120 Zenti- meter große Thüringer von 22 Lenzen. Die Gesellschaft ist inter- national. Es sind Engländer, Holländer, Oesterreicher, Franzosen, Italiener und Ungarn darunter, die Deutschen überwiegen jedoch Ab kommenden Sonntag werden Berlins kleinste Einwohner den „Groß-Berlincrn- ihre Künste zum besten geben. Ecala im März. Bunt und abwechslungsreich geht's diesmal in der Scala zu. Da ist zuerst Vera Schwarz, die zum ersten Male ihr« Herr- liche Stimme auf der Varlet6bühn« erklingen läßt. Dann zeigt Friedrich Holländer seine Tingel-Tangel?Parodien, di« sehr schön, aber in intimeren Räumen auch mehr zur Geltung kommen. Besonlkers über�di« Gedankenlese-Parodie wurde sehr gelacht. Er selbst spielt am Flügel seine bekanntesten Schlagcr und erntet reichen Beifall. Auch Marianne W i n k e l st e r n ist«ine der Promin:»- ten, die von der Revue- auf die Varietebühne herübergewechftlt hat und auch hier ertanzt si« sich großen Beifall. Dann sind«in paar ganz groß« artistische Nummem: 4 Kitchen Pirates, drei Männer und«ine Frau. Das Mädchen ist d«r Fangball, der von den Männern ausgesanoen wirb. Das Fanqballspiel mit diesem lebenden Gummiball geschieht allerdings auf eine W«ise, daß einem Hören und Selsen vergeht. Fünf sehr nette Iungens, die M a x e l- los, zwei Untermänner, dr«i Obermänner, vollführen mit ihren Beinen ganz einzigartige Kraftleistungen: z. B. läßt ein Unt«rinonn scheinbar mühelos zwei Obermänner, aus jedem Bein«Inen, lustig Saltos schießen. Auch alle anderen Tricks, die sie bringen, sind gleich großartig. Und da die fünf Mann an sich selbst noch nicht genug Halen, laden si« auch noch den Conferencier Paul Nikolaus ein, mitzumachen, der aber nur mit Mühe von allen Fünfen in der Balance gehalten wird. Sogar der Kapellmeister muß sein Heil versuchen. Rich. Hayes als Robinson Cruso« ist der komischste aller Jongleure; ein Zylinderhut unh ein paar Gummibälle sind sein« ganzen Requisiten.__ Der Kleiitqrtvcrb krafttarif der Bewa.,. Wir brachten im„Vorwärts" vom 1. März 1932 unter„Jetzt auch noch Licht streik" eine Meldung, daß die Bewag an die Gewerbetreibenden den Strom nach einem kleinen Gewerbe- k r a f t t a r i f abgebe, der für die Kilowattstunde 10 Pf. in Ansatz bringt Wie uns die Bewag hierzu mitteilt, wird der Klein- gewerbekra'ttarif nur für solche Anlagen angewandt, bei denen die der Beleuchtung dienenden Anlagen nicht mehr als 30 Proz. des Gesamtanschlußwertes ausmachen. Der Arbeitsvreis für die Kilo- waUstunde ist hierbei von 18 bis 10 Pf. gestaffelt. Für die Fest- stqllung. ob ein Abnehmer nach diesem Tarif beliefert werden darf, milb michin der Ansch'ußweet der Anlage bekannt sein. Di« Bewag ist bereit, auf Wunsch des Abnahmers diese Feststellungen, sclbstoer- ständlich kostenlos, zu treffen. I-» Jl-ltit-t für S-Slmlwisse-scki-ft sind« der nächst« sexualwissen'chaW Lide Frageaiend am Mrntaa. dem 7. Mär,. SO Uhr. im Trnslova-ckel.Saal fön �©arlwrortaT) statt. Ilrchestmdeitrag 20 Ps.. Velteroussichfen für Berlin: Zunehmende Bewölkung, keine wesentlich« Temperaturänderung, schwach? nördliche Winde.— Für Deutschland: Im Osten weiterhin heiter, im übrigen Reiche Bewölkungszunahme. keine Niederschläge von Bedeutung; im Nord- westeu Milderung. Groß-Berliner Parteinachrichten. Beginn aller Beranstaltungem ISZb Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 5.»Mi«. Heule, Sonnabend, 5. März, beteiligt sich die Arbeiterwohlfahrt de» »reise» an der Filmveranstaltung in der Aula der Aufbauschule, Franl- surter Allee 37.„Leben und Treiben in der Waldschule." Referent: istadt» rat SUntber. Alle in der Wohlfahrt tätigen Genossinnen und Genossen sind freundlichst eingeladen. 7. und 8.»rei«. Juristische Sprechstunde heute, Sonnabend, JS. März, von 17 bis 16 Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4. Gelegenheit zum Kirchen» austritt! 7.»Mi«. Sonntag, 6. März, szh Uhr, im Tilrlischen gelt. Berliner Str. 58, Berichte der Kommissionen, Antrage zum Bezirisparteltag. Mitgliedsbuch und Mandat sind am Eingang vorzulegen. lt.«rei» Schöneberg. Der für Sonntag, 11 Uhr, angesetzte Führerappell der Eisernen Front fällt wegen der Luftgartenlundgebung au». Neuer Termin wird noch bekanntgegeben. tll. Itrei». Heute abend Kreisvorstandssitzung an bekannter Stelle. 18. See!«. Heute, 20 Uhr, bei Gallas, cihunq des BIldungsausfchusse«. II.»reis. Sonntag, vormittags 10 Uhr, im bekannten Lokal: FIlhrerbe. fvrechung der Eisernen Front. Kreisvorstand und Abteilungsleiter. t. Abt. Heute von 17 Uhr ab Flugblattverbreitung von Witte, Poststr. 21, au». 10. Abt. Heute von IL bis 20 Uhr Flugblattverbreitung bei Sandvm, Flens» burger Str. S. 20. Abt. Achtung, neues Lokal! Die Ausgabe der Flugblätter erfolgt bei Buchholz, Prenzlauer Allee 182. 31. Abt. Heute ab 18 Uhr Abrechnen der Bezirksfllhrer per Monat Februar im Parteilokal.„Unier Weg" kann mitgenommen werden. bei Reisch, Cadiner Str. 10. 34. Abt. Alle Genossen treffen sich heute, 17 Uhr, zur Flugblattverbreitung bei Peitsch. Cadiner Str. 10. 4t. Abt. Alle Parteigenossen beteiligen sich heute und Sonntag an der Flug. blattverbreitung von den bekannten Lokalen au». Die Funktionäre holen heute ab 17 Uhr die Flugblätter von Schulz ab. 43. Abt. Sämtliche Genossen stellen sich heute m ihren Zahlabendlokalen ab 17 Ubr zur Flugblattverbreitung zur Verfügung. Bezirksfllhrer um 16 Uhr bei flrepp. 47. Abt. Heute Flugblattverbreitung ab 17 Uhr von den bekannten Lokalen au». Die Bezirksführer haben dafür Sorge zu tragen, daß die Flugblätter rechtzeitig vom Verteilungslokal abgeholt werden. »2». Abt. nnb 62. Abt. Stemenestadt-Halelhorst. Alle Genossen treffen sich heute, Ibtb Uhr, bei Maifand zur Flugblattverbreitung. 37. Abt. Die Flugblätter werden ausgegeben Sonnabend. 17 bis 19 Uhr, und Sonntag, 9 bis II Uhr, bei Arndt Kantstr. 51. bei Thunack. Wieland. stratze 4, und bei Michaelis. Mommsenstr. 51. Die ftreisdelegierten sind Sonntag, 9 Uhr, im Türkischen sielt. 78. Abt. Sonnabend, ab 18 Uhr. und Sonntag, ab 9 Uhr, von den bekannten Lokalen aus Flugblattverbreitung. 83. Abt. Sannlag. v. Marz, 10 Uhr, Vorstandssitzunq bei Pammerening. Der- liner Str. 100. Die Bezirksfiihrer sind ebenfalls eingeladen. 13. Bezirk: Flugblattverbreitung heute bei Lust. Gräveweg 2, I. Der Zahlabend findet nicht Dienstag, fandern Donnerstag statt. K. Abt. Sanntag, b. März, 8'i Uhr. Flugblattverbreitung für die B«. zirke 14? und 148 beim Bezirksführer. 152 bis 153 Bersammlungsraum Hannemannstraste, 155 bis 139 bei Triftam. Bürgerstr. 48— 49. 108a. Abt. Flugblattausgabe heute. Srnnahend, 18 Uhr, bei ftlofe, Mahlsdorf er Stenge 1. und bei Eisner, siaiser-Wilhelm-Str. 3. It8. Abt. Heute Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen au». 128. Abt. Wir treffen uns zur Kundgebung in fieinersdark beute um 19'; Uhr KIssingenstrahe Säe Prenzlauer Allee lRestaurant Kägler). 129. Abt. Die Parteimitglieder beteiligen sich heute, 29 Ubr gelchloilen an der öffentlichen Kundgebung in Keiuersbork im„tdeinersdorfer Krug". 138. Abt. Die Flugblätter stehen den Vezirksführern heute von 16 bis 18 Uhr bei Kiehne, Residenzstr. 9, zur Verfügung. Arauenv-ranstalwagen. 42. Abt. Karten für die Frauenkundgebung des Kreises am 7. Marz sind bei üöhlke. Vergmannftr. 99, zu haben. 9t. Abt. Heute, Sonnabend, 5. März, Besuch der Ausstellung„Kampf dem Krebs" im Europahaus, Stresemannstraße. Eintritt 39 Pf. Treffpunkt 14»; Uhr vor dem Eingang. Arbeilsgemelnschafl der kindcrsreunde Groh-Lerlin. Mitte. Abt. Fritz Wilke. Heute Elternversammlung im Heim K»p, nieter Str. 92. Thema: SAZ. und Kinderfreunde. Treptow. Abt. Lauro de Boss». Heute Fahrt nach Strausberg. Treffpunkt 15»! Uhr Bahnhof Treptow. Verpflegung, Trinkbecher und Seblafbecken mitbringen. Keeuzberg. Berichtigung. Die südwestlichen Gruppen kommen am Mittwoch, dem 9. März, nicht wie gestern angegeben, um 19 Uhr, sondern bereits um 17 Uhr, zum Film. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei«Organisation »SU imo* 98. Abt. Genosse Powojeski ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Beerbt. gung Sonnabend, llsh Uhr, Städtischer Friedhof, Martendorfer Weg. Wir bitten um rege BeteUiguim. 125. Abt. Am Mittwoch, dem 2. März, verstarb unser Genosse, der frühere Gastwirt Rodert Reumann, Charlottenburger Str. 112. Er war feit 1877 UN. unterbrochen Mitglied der Partei. In den schweren Iahren des Sozialisten. aesetzes war er einer von denen, die da» Banner der Freiheit den unterdrückten Volksgenossen vorantrug und dafür von dem Btsmarckschen Svstem alle Unbill der Verfolgung ohne Rücksicht auf feine Familie auf sich nahm. Nach dem Fallen des Sozialistengesetzes war er ein treuer Kämpfer für Bolksrechte und ein fleltziger Werber iür die Partei. Ehre feinem Andenken. Einäscherung Montag, 7. Mär,. 18� Uhr. Krematorium Serichtstratze. Rege Beteiligung er. wartet die Abteilvngsleitung. il 8 Sozialistische ArbetterjugendGroß-Verlin Einieirdungen für diese Rubrik nur an oa» Iugends-kreturiat Berlin SV 68 Lindenstraß» z vorn 1 Trepp» rechts Schnlung-knr'u» für leitende Sruppenfunktionare am Sonntat, dem! 6. Mär». 9M, Uhr, im Fraktionssaal 5 de» Preutzeschen Landtag», Prinz.. Albrechtstr. 11. Thema:„Aufbau der Organisation und di» Aufgaben der Funktionäre". Referent: Erich Schmidt. II.„Die Einrichtungen i» Staat und � Kommune zur Fdrderung der Jugendpflege." Referent: Gert Boibur. Für 1 alle gemeldeten Teilnehmer gilt da» Mitgliedsbuch als Auwweio. Dke Fort., fetzung des Kursus am 13. März fällt wegen der Reichspräftbentenwahl aus.! Unter Jahresbericht 1631 ist im Sekretariat zum Preise van 10 Pf. zu haben, j heule. Sonnabend. 5. März: Settbaffcr Sor: Urbanftr. 167. Mitgliederversammlung— Sallesche« Tor:; Der Kursus fallt au».— Sportpalast: Scnthiner Str. 17. Firnttionärver. j fammlung.— Spandau: Fahrt nach Rauen. Treffpunkt 18 Uhr Bahnhof Best.• — SUaiöSa Oi glughastaftt. 68. Kamen«! mit Drtrtrdogiupprn um Ist Usti. I dg*"**** Kü-l-I U 4* — Südwest«»: Flugblattverbreitung um 18 Itbr km..S'nnvät!?.". Sonntag Fabrt. Treffpunlt 8V, Uhr Görlitzer Bahnhof. Unkosten KV Pf.— Reuköll» VLII: S-cffpunÜ zum Wachenendkursus 19V, Uhr Aaiser-Friedrich. liefe Weichselstraßc. Wcrbedezirk Witte: Wir beteiligen uns au der Flugblatlvertcilung der Partei. Heimabend mit Kinderfreunden und Eltern im Heim Köpcnickcr Straße 92. Thema: EAI. und Ätnderfreunde. Referent: Äarl Hornung. Wcrbebezirk Wedding: 18 Uhr Sprechstunde im Ledigenheim. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Sitzung der SMIdungsoblcute findet heute nicht statt. Berbcbezirk Teltawkanal: Wachenendkursus in der schwimmenden Lugend. Kerberae i» Werder. Thema: Geschichte, Aufgaben und Ziele der SAL. Referent: Tyeo Thiele." «erbebezirk Reinickendorf: Morgen, Sonntag, Arbeitsfahrt der Funktionäre nach Brieselang. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. werbcbezirt ReuköNn: Äelterenkursus mit dem Genossen Pähl in Rbders- darf. Treffpunkt IL und 20 Uhr Bahnhof Neukölln. Prolet arische« Orchester»er«PS. PvnkMch 181 k Uhr Graues ÄI oster, Aul», Alosterftr. 74(U-Bahn Klosterstraße). Vorträge, Bereine und Versammlungen »A* Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". JsSk�> Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Scbastlanftr. 37— ZS. Hof 2 Tr. WjnV Mitte(Sungbanner). Sonnabend, 3. März, Wcrbcfcier im großen wi* Saal des Scwerkschaftshauses, Engeluscr. Konzert. Tan,, Auf. treten der Spiclfchar des Kreises Osten. Deginn 2v Uhr. Eintritt llv Pfennig. Karten bei allen Funktionären.___ Freireligiöse Gemeinde. Sonnlog, 11 Uhr, Pappclallec 15, Vortrag des Herrn Prof.«r. A. Rosenberg: Ger alt« Goethe und die neu« Zev, Gäste willkommen. Rcichsdnnd jüdischer Frantsaldate», Ortsgruppe Berlin, veranstaltet eine öffentliche Kundgebung am Mittwoch, dem 9. März, 2v Uhr. in de» Sophien fälen, Sophien str. 18. Es werden sprechen: Paul la SamcheV Gr. Friedrich Brodnitz, Dr. Ludwig Freund, Rabbiner Dr. Salomonjli, Kammergerichlsrat Leo Wolff. Vom richtigen und falschen Sparen. Bon den Erfahrungen des falschen Spörens weiß manche Hausfrau ein Lied zu singen. Um wenige Pfennige zu sparen, hat sie irgendeine beticbige Seife genommen. Run ist die Wüsche früz. zeitig fadenscheinig geworden und abgenutzt und von einem grauen Untertan, der sie niemals rein erscheinen läßt. Richtig spart, wer von Ansang an«ine Seife benutzt, die, wie Sunlicht.Seife, Wäsche so zart-schoneud, rcinweiß und dustig wäscht. > Ttisatsi', s Lichtspiele usw. Sfaals fe Idealer Sonnabend, den 5. Mörz staatsoper unter den Linden 20 t'lir Das Nerz Slaitlidiauspielhaus Oendarmeoinarkt. 20 Uhr Cyrano von Bergerac Schiller-Theater Charlottcnburg. 20 Uhr Die endlose Straße Winter - Carlen■ 8.15 Ubr Flora 3434 Raudiu riagbt l»i«z dcV alenco, M»Ilrn da- Tnippc. Hakon von Elcb- wald m. seinen 1! Solioten und weitere Slar-Nnrnmern SnnBabenfl o. Sonnlag I« 2 Vursiclln. 4 u. n.i ö utir. 4 Uhr kleine Preise �ubrCASINO-TBEATER�uh, Lothringer Straße 37. iiiiiimimiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiuiiiiuiiniiiiiiiiiiiiiNnnHiiitiMn Operette, Varletd, Posse! u. a. a Loros Hnsikal-Akt Die Operette: Gestrandet Der Berlin. Komiker Herrn. Krause Zum Schluß der neue Schlager Der Mann mit den zwei Frauen Jutschein!-4 Personen: Parkett 50 Pt. Fautcuil i.— Mark. Sessel!.5ü Mark. Tägl.5 u. 8!i Uhr VERA SCHWARZ KUCHEN PIRATES FÄIEOR. HOllJMDtflS „TINGEU-TANGEL' MARIANNE IWINKELSTERNnw. Nähe Schles. Bhf. 5l.8'i,S1j». 2,5,81» II. Tel.: E 7Welcbscl4ll31 .Friederike*1 Deottdiet Toeater 8 Uhr Vor Sonnonunlfifgang v. Gerh.Hauptmann Regie; Max Rcioliartlt. --- Kleines tu,— j Truppe 1931. TägL SV* Uhr via mausefaile Preise 75 PI.— 5 M. Soanab. aod Sonntag nachmitiags 4 Uhr halbe Preise. ReiMstiallen Thealer Dönlioffplatx 8 Fltr.— Sonntaes 3V: Uhr jjfjl zu kleinen Preisen. ts Stettiner SSvger Die neue Groteske ��Dr.ffeielikäslieiltalles-! Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien. Einladung zu der am Mittwoch, dem 23. Harz 1932, vormittags 10 Uhr, in unserem Gebäude Berlin, Behrenstraße 68—70, stattüudendcn außerordentlichen Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der persönlich haftenden Gesellschafter �emaß S 4 der Verordnung des Ke.ichsprüsi deuten vom 6. 10. 31., 5. Teil, Kap. IJ über Kapüalherab- setzung in erleichterter Form, Genehmigung des Vertrages mit dem Deutschen Pieich über Zurverfügungstellung von Mitteln sowie Beschlußfassung über die Auflösung der Reserven und über die Herabsetzung des Grundkapitals in erleichterter Form von RM 60 000 000.— auf RM 2i 000 000.— durch Einziehung von«ucntgcltlich der Gesellschaft zur Verfügung zu stellenden RM.'i.') 000 000.— Aktien zum Zwecke der Detkung von'Verlusten und zum Ausgleich von Wertminderungen im Vermögen der Gesellschaft. '1, Genehmigung eines Vertrages mit der Dresdner Bank, durch welchen ihr das gesamte Vermögen der Gesellschaft unter Ausschluß der Licjuidation mit der Maßgabe übertragen wird, daß dagegen auf RM 25 000 000.— Aktien des herabgesetzten Grundkapitals der Darmstädter und Nationalbank RM. 7 500 000.— Stammaktien der Dresdner Bank nach Durchführung der Herabsetzung ihres Grundkapitals, also im Um tausch Verhältnis von 10:3, gewährt werden, sowie Ermächtigung des Vorstands und Aufsichtsrafs der Dresdner Bank, alle zur Durchführung der Beschlüsse erforderlichen Einzelheiten festzusetzen, insbesondere bei dem Umtausch der Aktien gemäß $$ 290, 305, 306, 320 tHGB zu verfahren. 3. Kcnntnisuahrae von der Fusionsbilanz der Dresdner Bank per 81. 12. 1931. 1. Entlastung der.persönlich haftenden Gesellschafter und des Anfskhtsrats. Zur Stimmenabgabe sind diejenigen Kommanditisten berechtigt, welche ihre Aktien oder den von einem Notar oder von einer Effcktcn-Giro-Bank über die Aktien ausgestellten Hinterlegungssdhcin spätestens am 15. Marz d. J. bei einer der nachbezeichneten Stellen deponieren, und zwar 1. bei unseren Hauptniederlassungen in Berlin(Behrenstraße 68— 70), Bremen, Darmstadt; 2. bei unseren sämtlichen Filialen und Zwcigniederlassoiigen: 3. in Wuppertal-Barmen bei dem Rarnicr Bank-Vereiu Hiusberg, Fischer & Comp., Kommanditgesellschaft auf Aktien, ,, Breslau bei dem Bankhanse Eicbborn& Co., ,, Danzig bei der Danziger Bank für Handel nud Gewerbe Aktiengesellschaft, „ Essen a-.z Uhr Die Fledermaus Biumenspsniien jeder Art liefert preiswert Paul GolletZ' rormalt Robert Meyer Martannenstr. 3 FS. Oberbaum 1303 Religiöser Vortrag Sonntag. 6. Härz, vm. 1 1.301. Itr Synagoge Prinzregentenstraße 69-70 Prof.fr. Maroareie Goldstein-Dmnstoiii; HEIMAT UND GLAUBE[bor u. Orgel Technisch verb. Lautsprecher-Anlagc Eintritt freil Gäste willlcommcn. iVorstand der lödisdieo Gemeinde. rTheaierin der- Siresemannstr. Täglich 8'.'4 Uhr Leopoidioe Konstantia Ttieiidor Loos in InjederEhe... l.essing-Thealer Täglich 8-/» Uhi Morgen gehts uns gut! Grete Blo�hcini na�' Uanscti Orcücstcr Dajos Belt Theater 3.noiiendortpiatz Pallas 7051 Täglich 8Ve Uhr Traum eiaer llaeiit Operette in 3 Akten T. Lad. Wolff a.KarlBebr Musik von Hans May Regie: Heinz Salteoburg Röse-Theäfer Sreh FnaMnte ShsSe 13! 18. V, eiteü E 7 3422 6 u. 9 Uhr JellcbetM Qebttcl Th. iE Adrairalspalast Täglich S'.'i Uhr Der neue pBe Erfolg I Käthe Dorsch Gustal Gründgens in; Lfselott* SiogiiielviiharilKMe MUMv ignugung� Restaiant Berlins BETRIEB» K KEMPINSKI1 Die 5. Abänderung zur Kassensatzung ist vom Obciversicherungsamt Berlin ge- nehmigt worden. Geändert sind die§§ 17 und 48 Absatz II. Die Aenderungcn sind am Mlltwoch, dem ■1 März 1932, In Kraft getreten. Der Vorstand der Ortskrankenkasse für dasMaurergewerbe xu Drrll». H. Kruger, Borsitzcndcr. R. Freund, Schriftführer. im �Betten Kind erb-, Polster, ChaiseL, an jeden. Teilt Katalog frei-£i«eiimöb«lfabrUc Suhl(ThOa) Sfempeifabrih Werner& Schade Berlin p>, Kastanicnallee 43 FcrnsprechanschiuB: Humbold 1011-101. Haler' tatatak- nd lataliäüpsi pmut Danksag: im�. Für die rege Teilnahme und für die zahlreiche» Kranzsoenden beim Hinscheiden meines lieben Mannes Eusen Junghans Wrechrn mir out diesem Wege ollen Freunden und Bekannten, dem Ber» band tec Nahrungsmittel- und(Sc- tränkearoeitcr, dem ADGB., der 37. Abteilung, den Sprechern und dem Gesangverein unseren herz- Itchsten Dank aus. 3m Namen der Hinterdiiabenen Kmma V RMSMederil jetzt noch billiger! Muster und Preisliste gratis «»,-1 IlanteiiiTet mt 3e1siiil«w»ru:t Xen.Treddtn 2»(Oilcrbrueb) Berk, in Gr-Berlin Montags: TurmNrS? Dienst.: Fr-nkfnit.All-r s« Bahnb.Franti AU-r1.Mtt>woch:BIn.'-S4iöncbkraHauv1s:r 127-28. Donners!.. 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Inmitten der heillos verworrenen handelspolitischen Situation— Zollauirüstung, Einfuhrverbote, Kontingentierungen, Devisenkon- trolle, Währungsverfall— hat die Rcichsregierung außerordentliche zoll- und handelspolitische Abwehr- maßnahmen ergriffen. Nach unbeschränkten allgemeinen Zoll- crmächtigungen vom Dezember ließ sich die Regierung Mitte Januar zur Erhebung von Valuta-Ausgleichszöllen und Einführung von Kampfzöllen ermächtigen. Zollerhöhungen für Butter. Holz und Holzwaren sind erfolgt. Balutazufchläge und Pro- hibitivtampfzölle zusätzlich eingeführt. Die Regierung hat jetzt grundsätzlich einen allgemeinen Obertarif beschlossen, der gegenüber Ländern, die mit Deutschland in keinem Handelsvertrog- lichen Verhältnis stehen oder die die deutschen Waren ungünstiger behandeln als die Waren anderer Länder, Anwendung finden soll Die Sätze des Obertarifs sollen so hoch festgesetzt werden, daß die Anwendung praktisch auf eine Ausschließung vom deutschen Markt hinausläuft. Unter normalen Verhältnissen wäre die Einführung eines Öbertarifs unter keinen Umständen zu billigen. Sie läßt sich nur durch die außergewöhnliche Situation als vor- übergehende Abwehrmaßnahme rechtfertige». Die Er- fahrung hat gelehrt, daß die Länder mit Doppeltarifen an einem ichr hohen Aollniveau feschalten. Die deutschen Zollsätze haben ohnedies durch die Veränderung des Preisniveaus«ine innere Erhöhung erfahren, wären also an sich bei einer anderen Konstellation abbau- reif. Keinesfalls darf etwa der neue Obertarif in Zukunft zur Grundlage des Zolltarifs werden, und von vornherein sollte man den Obertarif nur als eine Waffe für den äußersten Fall betrachten, im eigenen Interesse aber alles daran setzen, die Anwendung dieser Waffe zu vermeiden. Deutschland hat keine Handelsverträg« mit Polen. Kanada und Australien. Der Handelsverkehr zwischen Deutschland und Polen ist durch den verewigten Zollkrieg außerordentlich stark zusammen- gesä rümpft. Es ist bekannt geworden, daß mit Polen Ver- Handlungen aufgenommen wurden, um den völligen Abbruch der Handelsbeziehungen zu vermeiden. Wir würden es auch hier für einen unverantwortlichen Fehler halten, wenn nicht bis ins Letzte eine Verständigung angestrebt würde, wobei vielleicht der deut- «che Obertarif das Einlenken der Gegenseite erleichtern kann. Die Regierung würde eine schwere Verantwortung auf sich laden, wenn sie vorschnell durch Kampfhandlungen die deutsche Aussuhr noch weiter beeinträchtigen und die handelspolitische Lage noch mehr verwirren würde. Für Deutschland ist in der Handelspolitik griisjle ZNäßi- aung und Zurückhaltung gebotest? Dies muh mit aller Klarheit ausgesprochen werden. zumal in Deutschland auch in bisher verständigungsbreitcn Kreisen eine gewisse handelspolitische Panikstimmung oder zum mindesten ein starker Fatalismus aurgekommen ist, die von In- tcresscnten und von Autartieanhängern geschickt ausgenutzt werden. Es liegt uns fern, den schweren Rückschlag, den die internationalen Handelsbeziehungen im letzten Krisenstadium erlitten haben, zu verkleinern. Die deutsche Industrie ist besonders stark und channig- faltig aus die Außenmärkte angewiesen und zur Abtragung der Zins- und TUaungsvetpflichiungen an das Ausland in Höhe von iV; Milliarden Mark muß im laufenden Jahr ein entsprechender Ausfuhrüberschuß erzielt werde n. Bis Ende t!)31 tonnte die deutsche Ausfuhr auf relativ hohem Niveau behauptet werden-, sie lag inengenmäßig— allerdings unter einem außer- ordentlichen Ausfuhrdruck— noch über dem Stande von 1928, während die industrielle Produktion im gleichen Zeitraum um fast 30 Proz. gesunken ist. Die Aus f Uhrabhängigkeit der deutschen Wirtschait hat sich also in der Krise noch erheblich erhöht. Aus dem ungünstigeren Ianuar-Ergebnis lassen sich noch keine Schlüsse auf die Gesamtentwicklung ziehen; unoerkennbar ist aber, daß die Ausfuhr infolge einer Reihe von Faktoren beträchtliche Ein- büßen erleiden wird. Aber gerade angesichts dieser Situation soll von Deutschland nichts geschehen, wodurch die all- gemeine Absperrungspolitik neuc Nahrung er- halten könnte. Wir können uns in diesem Zusammenhang nicht mit all den Irrtümern und Torheiten der Aularkisten auseinandersetzen. Es erscheint uns aber doch notwendig, wenig- stens.zahlenmäßig anzudeuten, was für die deutsche Wirt- schast und für die deutsche Arbeiterschaft aus dem Spiel steht, wenn man systematisch die Absperrung der noch vorhandenen Einfuhren und eine.�crauslösung Deutsch- lands aus der Weltwirtschaft" herbeiführen würde. Der deutsche Außenhandel ist mit fast allen europäischen Län- dern hoch aktiv geworden. Die Elnsuhr aus den europäischen Ländern betrug im Jahre 1931 3,8 Milliarden Mark, die Ausfuhr 7.6 Milliarden Mark. d. h. wir lieferten insgesamt nach europäischen Märkten mehr als doppell soviel an Maren, als wir von den euro- päifcken Ländern bezogen hoben. Im europäischen Handelsverkehr war der deutsche Außenhandel im Iahre 1931 mit 4 Milliarden Mark aktiv.(Im außereuropäischen Handelsverkehr ist die Einsuhr naturoemäß größer als die Ausfuhr, doch handelt es sich lüer zum größten Teil um den Bezug unentbehrlicher industrieller Rohstoffe,"Kolonialwaren usw.) Die indusiricllc Ferligwarenaus- suhr Deutschlands erreichte 1931 noch 7.1 Milliarden Mark, die Einfuhr 12 Milliarden Mark. Die Fertigwarenaus, nhr war sechsmal so groß wie die Ferliowareneinsuhr, eine Relation, die zeigt, welch riesiger gesamtwirtschaftlicher Schaden bei einer weiteren Erschme- runa der Einsuhr der noch verbliebenen industriellen Importe sich ergeben müßte. Nun ist ja das Hauptziel die E r n ä h r u n g s a u t a r k i e. die meitmöglichste Verhinderung der Einfuhr von Agror erzeug- nissen. Die Agrorcinsuhr ist bereits im Verlaus der letzten Jahre sehr stark zurückgegangen. Der agrarische Einsuhrüberschuß ist von 4 Milliarden Mark-4m Jahre 1927 aus rund 1.6 Milliarden Mark gesunken.(Agrareinsuhrüberschuß 1913 1.7 Milliarden Mark.) Gegenwärtig dürste bereits wieder trotz der großen aarariichen Ge- dietsvarluste der Gesamt verbrauch an Agrarerzeugnisien in einem gleich hal?en Verhältn-s wie in der Vorkriegszeit von der inländüchcn Produktion gedeckt werde». Trotzdem wird unentwegt weitere agrarische Zollousrüstung betrieben, die sich jetzt in erster Reihe auf die Veredlungsprodukte konzentriert. Die beiden größten Heber- schußgebicte für tierische Erzeugnisse, die'Niederlande und Dänemark, lieferten uns im vergangenen Jahre für rd. 400 Mil- lionen Mark Agrarerzeugnisse, nahmen ihrerseits ober für 1,3 Mil- liarden, also für mehr als das dreifache deutsche industrielle Aus- fuhrwaren auf. Wir können vielleicht die Agrareinfuhr mit rigo- rofen Maßnahmen um 200 oder 300 Millionen herab- drücken, das kann uns freilich unter Umständen Ausfuhrver- luste von einer Milliarde Mark und mehr kosten und damit noch eine Viertclmillion Arbeiter oder noch mehr brotlos machen. Leider wird diesen so wirtschaftsschädlichen Strömungen vom Zvirtschastsministerium nicht nur ungenügenden Widerstand entgegengeseht. Man gewinnt sogar aus einer Reihe von Borgängen den Eindruck, daß neuerdings auf die Ermöglichung deutscher Zollcrhöhungen größeres Gewicht als auf Zollerleichterungen für die deutsche Aus- fuhr gelegt wird. So hat man in den Zolloer Handlungen mit Italien zwar keinerlei Zollerleichterungen für die Industrie- ausfuhr erreicht, aber kann dafür als„Erfolg" buchen, daß die deut- scheu Zollbindungen für Eier und Zwiebeln ausgehoben wurden und man so die Bahn für eine Eicrzollerhöhung frei gemacht hat. Wenn der verantwortliche Lester der deutschen Handelspolitik, Posse, jüngst vor dem Reichsverband der Deutschen Industrie äußerte, er hoffe, daß der Protektionismus sich überschlagen und da- mit sich selbst aufheben werde, so ist das eine allzu passive und be- queme Einstellung, die den deutschen wirtschaftlichen Interessen ab- träglich werden kann. Wir verkennen gewiß nicht dje ungeheuren Schwierigkeiten, unter denen jetzt die Handels- und Handelsvertragspolitik steht, aber es erscheint uns doch nicht angängig, aus diese nur mitAbwehr- maßnahmen zu reagieren, und die Verwirrung zur eigenen Zollaufrüstung zu benutzen. Es ist bedauerlich, daß die Handels- politische Aktivität sich vornehm! ick) auf wirtschaftlich so problematische Ziele, wie die P r ä f e r e n z p l ä n e- für die Südoststaaten konzen- triert, die nach wie vor von der amtlichen Handelspolitik sehr stark begünstigt werden Die deutschen Mitteleuropaplänc sind auf stärk- sten Widerstand gestoßen. Der deutsch-österreichischc Zollunionsver- trag mußte ausgegeben werden, die Präferen.z-Verträge mit Ru- mänien und Ungarn konnten wegen vielfachen Widerspruchs nicht in Kraft gesetzt werden. Oesterreichs schwere Lage hat nun wiederum einen neuen Vor- stoß Frankreichs hervorgerufen. Frankreich hält offenbar den jetzigen Zeitpunkt größter wirtschaftlicher und sinanziellcr Bedräng- nis der Donaustaaten für eine Aktion zum wirtschaftlichen Zusammenschluß der Donauländer für geeignet. Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß Deutschland die Donausöderalion oder eine andere Konstruktion ohne Deutschland, die wirtschaftlich für die Rachfolgestaaten gar kein Ausweg ist, die zugleich unsere wirtschaftlichen Interessen im Südosten beeinträchtigen und eine engere deutsch-österreichische wirlschastlichc Zusammenarbeit in der Zukunft verbauen würde, bekämpfen und ver- hindern muh, uod daß auch die von Deutschland eingeleiteten Gegen- maßnahmen unbedingt erforderlich wurden. Aber der ganze verlaus der Dinge zeigt doch, wie stark heute uoch alle diese Reuregelungen politisch bedingt sind und daß sie sich wohl nur im Rahmen einer gesamleuropäischeu Verständigung verwirklichen kann. So schwierig die Steuerung der deutschen Handelspolitik auch im gegenwärtigen Stadium des Handelskrieges ist, so dürfen doch keine neuen gefährlichen Wege eingeschlagen werden, sondern die deutsche Handelspolitik nmß aus stärkstem eigenem Interesse darauf abgestellt sein, von sich aus, soweit es in ihrer Kraft liegt,«ine weitere Zerreißung der Marktbeziehungen zu vermeiden. 11 Millionen Krupp-Verlust. Die Werksparkasse wird kommunalisiert. Als letzter der großen Montankonzerne, die ihr Geschäftsjahr Ende September beenden, veröffentlicht jetzt die Friedrich-Krupp- 2l.-G. in Essen Jahresabschluß und Geschäftsbericht für 1930/31. Für das letzte Jahr wird ein V e r l u st von 10,88 Millionen ausgewiesen gegenüber einem Verlust von 4,S Milk, im vorhergehenden Jahr und einem Reingewinn von rund 7 Mill. im Geschäftsjahr 1928/29. Zu dem Verlustausweis ist aber zu bemerken, daß sich die Bilan.zpolitik bei Krupp erheblich von derjenige» der übrigen Montan- konzerne unterscheidet, da Krupp eine reiue Familiengejellschaft ist, während bei der Bilanz- und Dividendenpolitik der anderen Stahlkonzerne die Machtkämpfe und Interessengegensätze der einzelnen Großaktionäre vielsach eine entscheidende Rolle spielen. So hat es i sich Krupp auch in den Iahren der Glanzkonjunktur leisten können, t leine Dividenden auszuschütten, und ist bereits im vergangenen Iahre infolge seiner scharfen Abschreibungspolitik mit einem Verlust an die Oesfentlichkcil getreten, als der Slahllrust und der Konzern Gute- hoffmannshülte noch ausgesprochene Prestige- Dividenden zahlten. Selbstverständlich sind auch die Betriebe von Krupp von der Krise schwer betroffen worden, was schon allein darin zum Ausdruck kommt, daß dje B e l e g s ch a s t von mehr als 57 500 aus rund 44 100 Mann gesunken ist. Gegenüber 1929 mit rund 68 000 Beschäftigten ist also bei Krupp etwa ein Drittel der Belegschaft abgebaut worden. Der Umsatz ist ziffernmäßig nicht angegeben, jedoch läßt sich aus dem Hinweis über die Höhe der Umsatzbelastung durch die Steuern errech- nen, daß er im Berichtsjahr aus etwa 270 gegen 390 Mill. im vorher- gehenden Jahr zusammengeschrumpft ist. Interessant ist, daß sich die Stahlproduktion weit besser gehalten hat als beim Stohltrust, dessen Rohstahlerzeugung um 33 Proz. gegen nur 21,5 Proz. bei Krupp zurückging. Dies dürste mit der Spezialfabrikation sowie den langfristigen Lieferverträgen zusammenhängen. Obwohl die Zugänge auf die Anlagen von 17,5 aus 7 Mil- lionen zurückgegangen sind, habt», sich die Abschreibungen mit 14,8 gegen 16 Millionen kaum vermindert. Besonders in diesem Punkte unterscheidet sich die vorliegende Krupp-Bilanz grundsätzlich von den Bilanzen der übrigen Montanunternehmen, die zumeist nur durch starke Drosselung ihrer Wschreibungen auf die Anlagen um größere Berlustausweise herumgekommen sind. Die Finanz- läge hat sich durch Zuwachs bei den flüssige» Mitteln und ein Sinken der laufenden Schulden wesentlich verbessert. Den kurzfristigen Schulden von insgesamt 132 Millionen stehen rund 125 Millionen Forderungen gegenüber, so daß sich im Vergleich mit dem vorigen Jahr die Liquidität um fast 19 Millionen gebessert hat. Die wcrksparkasse von Krupp wird vom I.April ab von der städtischen Sparkasie Esten übernommen und als eine Fl- liale dieses kommunalen Institutes weiter betrieben. Die Guthaben von Werksangehörigen bei der Firma und Sparkasse werden mit l0,b Millionen ausgewiesen, von denen 6,5 Millionen eigentliche Spargelder sind. Ein Betrag in höhe von 6,2 Millionen erscheint in der vorliegenden Bilanz bereits als Guthaben bei einer öffenl- lichen Sparkasse, so daß bei dem Unternehmen offenbar nicht, wie bei den meisten anderen Betrieben, die Spargelder im Betrieb ver- wendet wurden. Um so bemerkenswerter ist ober der Entschluß der Gesellschaft im Hinblick auf die Vorgänge bei Borsig und der Rord- wolle, jchi offen mit dem System der Werksparkassen zu brechen. Kredit auch für Kleinbetriebe. „Äie Banken lehnen rundweg ab.. Aus t tui fmännische ii Kreisen wird uns geschrieben: „Die Frage der Kreditversorgiing der kleineren und mittleren Betriebe durch die Banken wird viel besprochen, aber sie ist jetzt so brennend geworden, daß wirtlich keine Zeit mehr mit theoretiichen Erörterungen zu oeilieren ist. Der Kaufmann, den sein Beruf gerade mit dieser Mittelschicht in ständige Berührung bringt, von deren Ergehen auch sein und feiner Angestellten Wghl und Wehe al hängt, kann ein Lied oavon singen, wi« oft die Anschaffung wichtiger Maschinen und Geräte und damit ein« Hereinnahme nutz- bringender Aufträge unterbleiben muß. nur weil die Bonken es rundweg ablehnen, den gewünich- ten Kredit ohne genügende..reale" Sicherheit an Sachwert«» oder Effekten zu gewähren. Dabei spielt es keine Roll«, daß der Betrieb.des Antragstellers schon seit Gene- raiionen an demselben Platz ansässig ist und in normalen Zeiten dem Staat und der Stadt«in guter Steuerzahler war. Sein Vermögen hat die Inflation und die Wirtschaftskrise der letzten Jahre aufge- zehrt; die Banken dagegen haben bekanntlich Grundstücke aus Grundstücke an sich gebracht, teilweise zur Errichtung eigener Pa- löste, teilweise zur Festigung ihrer Macht. Der Gewerbetreibende ist enteignet, aber die Banken können diese Werte auch nicht zu Geld machen. In solchen Fällen kann nur der Personalkredit nutz- bringend wirken. Mißbrauch treibt nur der damit, der ein Zug- vogel ist und keine.Heimat zu verlieren hat, aber nicht der an- sässige Gewerbetreibend«, der im Interesse seines Unternehmens. seiner Familie, Angestellten und Arbeiter auf Erhaltung seiner Existenz bedacht ist." Oer Währungskredii der Reichsbank. Nach 10 Prozent Abzahlung bis 4. Juni verlängert. Die„B. I. Z." veröffentlicht folgendes Kommunique: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich als Führerin des Syndikats des der Reichsbank ursprünglich am 26. Juni 1931 ge- währten Zentralbankenkredits von 100 Millionen Dollar gibt bekannt. daß sie für Rechnung des Syndikats bei der Federal Reserve Bank of New-'Zork eine Zahlung von 10 Proz. des Kredits, d. h. 10 Millionen Dollar erhalten hat. Der verbleibende Restbetragvon90Mil- lionen Dollar ist der Reichsbank als neuer Kredit für drei Monate vom 4 März ab gewährt worden. Damit ist der 100-Millionen-Dollar-Kredit der Reichsbank, nach- dem auf Anregung und Verlangen Frankreichs 10 Millionen Dollar getilgt worden sind, auf ein weiteres Aierteljahr verlängert. Den Gegenwert hat Deutschland mit Gold bezahlt, was im nächsten Reichsbankausweis erkennbar sein wird. Von einer eigentlichen Schwächung des Rcichsbankvermögens kann man deshalb dabei nicht sprechen, weil ja der ganze Kredit einmal zurückgezahlt werden muß. Gedrosselier Spielwarenexpori. In zwei Jahren von 121 auf 81,5 Mill. Mark gesunken. Die Ausfuhr der deutschen Spielwarenindustrie, eines typischen Exportgewerbes, hat durch die Entwicklung der letzten zwei Jahre schwer gelitten. Nicht nur wertmäßig, sondern auch mengen« mähig ist eine scharfe Schrumpfung eingetreten. So betrug der Export von Spielwaren und Christbaumschmuck 1929.. 463 000 Doppelzentner Im Werl« von 120,9 Mill. M. 1930... 431 000....... 105,9 V 1931... 366 000....„.. 81,5. Seit 1929 ist also der Wert des Spielwarenexports um 32.6 Proz. und die Aussuhrmenge um fast 21 Proz. gesunken. Die Durchschnittswerte des Exports je Doppelzentner verringerten sich in der gleichen Zeit von 259 aus 223 Mark. Mehr als die Hälfte des letztjährigeu Cxportverlustcs geht zu Lasten der Ausfuhr nach England, während im übrigen der euro- päische Markt noch sehr widerstandsfähig blieb. Kennzeichnungszwang für Eier. Dem Reichsrat ist ein Berordnungseittwurf zugegangen, der einen Zwang zur Kennzeichnung der Eier nach ihrer Herkunft einführen will. Durch Aufdruck sollen die Eier nach dem Lande, aus dem sie stammen, oder aber als Kühlhaus-, 5tonserven-Eier usw. ge- keimzeichnet werden. Zur 1276,-1 Millionen Mark Silbermünzen. Ende Februar waren in Deutschland für 686 8 Mill. M. Fünsmarkstücke. sür 209,1 Mill. M Dreimarkstücke. 213.7 Mill. M. Zweimarkstücke und 256,5 Mill. M. Einmarkstücke im Umlauf; der Silbermünzenumlauf betrug insgesamt 1276,1 Mill. M. oder je Kopf der Bevölkerung rund 20 M. Außerdem liefen um: 73,2 Mill. Mark 50-Pfennigstücke, 64.8 Mill. M. l0-Psennig-, 28,0 Mill. M. 5-Psennig-. 3085 M. 4,Psennig-. 5.0 Mill. M. 2-Pscnnig- und 5.4 Mill M. l-Pfennigstücke. Im Februar wurden für 58.9 Mill. M. Fünsmarkstücke und für 9.Z Mill. M. Dreimarkstücks und die 3083 M. 4>Pscn»igstückc neu- geprägt, die oben genannt wurden. Jlrnold Walter: M memoriam B Vie Zeit ist ein sonderbar Ding-, wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts— aber aus einmal- da spürt man nichts als sig. Dann ober ist man ihr meist schon versallen, dann ist es zu spät, noch wirken zu können aus das fluktuierende Da und cheut«. aus die immer rascher sich verändernd«, immer fremder werdende Begenwart: der ohnmächtige Kamps gegen eine neue Zeit, eine neue Jugend, der bittere und aussichtslose Kamps gegen das Ver- gesignwerden beginnt— die Tragödie des alternden Menschen über- Haupt, um wieviel mehr die des alternden Künstlers ZVten hat sie einer qualvoller durchlebt und tiefer durchlitten als d' A l b e r t. den keine Reiie erlöste, dem keine innere Ruhe das Unabänderliche tragen half, der— unstet, zwiespältig, gehetzt— ohne Wirkung, ohne Erfolg nicht zu leben oermochte, der um die Gegenwart warb wie um eine Geliebte, an deren Besitz das Leben hängt: ohne Besinnung, ohne Wahl und ohne Würde Ex wollte olles und wollte zuviel: und hat darum das Einzige vernachlässigt, das er ganz konnte— und dies kaum einer wie er sein Klayierspiel. Schüler Ernst P o u e r s in London, dann L i s z t s in Weimar, muß er als sunger Mann ein herrlicher In- terpret gewesen sein: chons von Bülow mag ihn nicht umsonst als Phänomen gepriesen hoben. Dann— etwa dreißigjährig— ver- fällt er der Oper. Partitur um Partitur entsteht. Werk um Werk geht in die Welt, nur wenige erfolgreich wie„Tiefland", wie „Die toten Augen"— alle aber um Erfolg buhlend, aus Wir- kung aus. Theater im guten und im bösen Sinn, und ohne alle Skrupel von Bedenken. Vom Verismus des„Tiefland" bis zur Ionny-Nachfolge der„Schwarzen Orchidee" war ein weiter Weg; ein Weg in die Tiefe, ein Abstieg, fast ein Absturz. Die Gegenwort aber, der all diese charakterlose Liebe galt, verwehrte den Ersolg, oergalt das Bemühen mit Verachtung und Hohn: dies ist der Lauf der Welt. Bon seinen Werken wird wenig nur lebendig bleiben: der i Komponist Eugen d'Albert wird bald vergesien werden, noch mehr: er ist schon fast vergesien. so sehr er auch gegen dieses Schick- sal kämpfte bis zum legten Atemzuge. Bleiben aber wird die Er- innerung an den großen, an den wundervollen Pianisten d'Albert ldem wir auch eine ausgezeichnete Ausgabe der Beerhoosn-Sonaten oerdanken). Er spielte nur selten nach dem Kriege, und auch da konnte es sein, daß man ihn einen Abend lang hörte und ihn. das heißt: das Einmalige Besondere. Geniale an ihm doch nicht hörte. Interesselos bis zur Gleichgültigkeit saß er dann am Flügel, müde, ohne Formkraft, ohne Willen zur Ge- staltung alt. verbraucht.(Er hat unzählige Male so gespielt.) Manchmal aber smitten im Stück vielleicht) war es. als erwachte er aus einem Traum: da fügten sich die Linien ineinander, da zuckten die Rhythmen, da dröhnten die Bäsie unter seiner wahrhast ehernen linken Hand, da überraschte jedes Detail, da entzückten die großen Formen— da hämmerte er Herrlichkeiten aus den Tasten. wie Liszt und Bülow sie an ihm bewundert hatten, wie wir sie kaum noch erleben Unvergeßlich, wie er die chromatische Phantasie und Fuge zu spielen oermochte: mit einer titanischen Gewalt, voll Energie geladen bi» in den letsesten. leichtesten Ton. mit einem himmelslürmenden Elan und einem Formbewuhtsein sonder- gleichen... Gewiß, er war— für unser sachliches Zeitalter zumal— nicht diszipliniert genug: zwiespältig, zernssen. uninteressiert an dem. was er konnte, sehnsüchtig nach allem ihm Versagten, bei aller in- nerer Glut an dem hängend, was wir als.äußerlich" abzutun pflegen: immer auf der Suche nach Neuem, nach neuen Ländern. neuen Frauen— der zutiefst romantische, der heimatlose Musikant. Sein Lebe» ist zu Ende. Vergessen wir den Komponisten d'Albert und lassen wir in der Erinnerung den großen Pianisten d'Albert auferstehen— zum Dank für all die herrliche Auferstehung, die Bach und Beethoven so oft erlebten unter seinen gesegneten Händen. 3>as Wnglücksboot ffirafilianifche Wovelle/ Ton fflans Friedrich SMunck Die Leute in Sao Isabelle sind gute Fischer, aber sie haben nicht viel Glück mit dem Schiffbau. Als der reiche Cantadomo. der den Tabak hinter Sao Isabelle pflanzt, sich ein« Schaluppe bauen ließ, um seine Ernte nach der Hafenstadt Bahiaoerte zu verfrachten, zimmerten sie ihm ein Unglücksboyt: so eins, das ein böser Geist nicht aus seiner Hynd läßt, obschon der Pfarrer wie auch her alte schwarze Emanuelo, der Heide, und viele andere ihre guten und bösen Sprüche daran verschwendet haben. Dreimal hatte Cantadomo Unglück damit, einmal ging ihm der Tabak in die Luft— böse Zungen sagten, er hätte zuviel Staub dazwischen gemischt— einmal kippte es mit den beiden Schiffern. die man nie wieder gesehen hat, einmal kam es Hein? und brachte die Pocken nach Sao Jsabelle. Niemand ging mehr an Bord des Bootes: schließlich kauft«, der Neger Felicio es für einige Milreis' — ein wahrer Jammer um das schöne Fahrzeug! Ich sage, Felicio wagt« es, er schleppte die Schaluppe mit viel, veü Vorsicht, neu angemalt nach Bahiaoerte, der großen Hasen- staht jenseits der Bucht, um sie da anzubieten— ein schlechter Kerl, der Felicio. Man soll solche Boote verbrennen und nicht in guter Leute Hände geben. Aber seit er die ganze Schaluppe für 20 Milreis erworben hatte, lacht« Felicio über den Aberglauben der Fischer in Sao Isabelle. Gerüchte gehen jedoch rascher als ein Felicio das Boot über di« Bucht bringen konnte. Als er es in Bahiaoerte dem ersten Freund anbot, für 100 Milreis wohlverstanden, nickte der und spuckt« aus, ärgerlich, daß man ihn für solchen Grünen hielt. Ja, bi? zum Mittag wußte es schon der ganze Hafen, daß Felicio das Unglücksboot in den Hafen eingeschleppt' hatte: die Leute wurden einsilbig, wo der alte schwarze Schiffer sich zu ihnen an den Kai setzte, sie redeten über andere Dinge, über Fischfang, über di« Polizei und über den fremden Dampser. den man erwartete. Aber keiner wollte ein Boot kaufen, lieber Gott, für einen ehrlichen Fischer war die Schaluppe ja auch zu groß und für einen Händler — nun ja. man hatte seine Ohren offen, es war gut. daß man über die Betrüger in Sao Isabelle Bescheid wußte, über di« dummen abseitigen Bergputzer, die den Leuten m Bahiaoerte ihr besesienes Schiff anHandeln wollten. Wäre nicht gerade der alte Tepake, der abgeheuert in die Heimat zurückkam und sich für sein Erspartes etwas kaufen wollte. ahnungslos bei Felicio entlang gekommen, just bereit, eine Ba- nanenschaluppe zu kaufen, der ander« wäre sein Boot niemals los- geworden. Aber der alte Tepake wußte ja noch nicht, um was für ein Boot es sich handelte. Er kaufte es für 200 Milreis und sah sich schon nach Bananen und Papageien um Tepake wollte in seiner Heimat zur Ruhe gehen und nur noch, wenn die großen Schisse einmal einliefen, den Gringos seine Tiere und Früchte anbieten. Er hoffte daran für den Rest seines Lebens genug zu haben. Ändern Tags weiß ja auch Tepake über das besessene Boot Bescheid, er läuft spornstreichs zum Polizeihauptmann. Aber sin Polizeihauptmann darf nicht zugeben, daß er abergläubisch ist. Te- pake läuft deshalb gleich einem Besessenen von einem Schiffer zum anderen, er bietet die Schaluppe für 100 Milreis an, für SO, für 40, aber die Schiffer zucken mit den Achseln, niemand nimmt sie ihm ab. Wäre da nicht gerade der Zöllner gswesen. den aus Bosheit niemand warnt und der für seinen Kaffee nach einer guten Scha- luppe sucht, der alte Tepake wäre mit dem Geisterboot sitzen ge- blieben, er hätte von neuem auf See gehen müssen, um einen Mil- reis zum andern zu legen, er hätte, kurz gesagt, sein Sparen fürs Alter noch einmal von vorn beginnen müssen. Ein Glück, daß der Zöllner gerade ein Boot brauchte! Felicio hätte vor Neid platzen können: Tepake verkaufte dem Zöllner das Boot für 300 Milreis. Der Zöllner hat nicht zu viel und nicht zu wenig gegeben. Er braucht die Schaluppe, um für einen Gringo Kafseesäcke aus ein Schmuggelschifs zu fahren, das küstenlängs Ladung einhandelte — eigentlich ehrliche Ladung, oersteht chr? Denn was ist das für eine gewinnsüchtige Regierung, die den Pflanzern den Kaffee zu billigem Geld auskauft und einen hohen Gewinn herausschlagen will, wo der arme Kafseebauer nur den halben Preis bekommt. Manuela, der Zöllner billigte die Haltung der Regierung nicht. 'und weil die Regierung chre Zöllner nicht bezahlte und ihnen drum auch nicht so Ichars auf die Finger sah. nahm er es auf sich. statt im kleinen einmal einen Sack nach draußen zu bringen, wie die dummen schwarzen Schmuggler tun. für einen Freund eine ganze Schaluppe voll Bohnen zu fahren. Erst als er das Boot vorsichtig beladen hatte und schon aussegeln wollte, hörte er von einem Neider, was er da für einen Boden unter den Füßen hatte. Sei es nun, daß Manuela wirklich von allem Aberglauben frei war oder aber daß der Schmuggeldampfer nicht lange wartet und zur Umladung keine Zell mehr war, der Zöllner Manuela mußte losfahren. Er mußte allein losfahren, well kein Mensch bei ihm an Bord bleiben wollte, nicht der dümmste Junge, nicht ein Knabe, der den Mastro kratzen, geschweige denn das Segel hissen wird. Nun, was ganz Bahiaoerte vorausgesagt hatte: die Sache ging schief Da war nämlich ein Regierungsdampfer dem Schmuggler mit abgeblendeten Laternen auf der Fährte. Als Manuela schon draußen vor der Lagune kreuzte und er fern die zwei roten Lichter übereinander zu sehen meinte, mit denen di« Kaffeeschmuggler winken, wurde er aus dem Dunkel gerammt, fürchterlich gerammt. Hätte er nicht just noch die schlampige Anker- kette des Regiirungsdampfers zu packen bekommen, er hätte wahr- haftig sein Leben verloren, wie ganz Bahiaoerte in dieser Nacht erwartete. Manuela hätte aber noch Ehre und Kragen verlieren können, hätte er nicht geistesgegenwärtig sofort vor den erschreckt zusammen- laufenden Leuten noch einer Erklärung gesucht Heilig« Jungfrau, just hätte er. der Zöllner Manuela, ein Schmuggelboot am Kragen gehabt, was hätten sie ihn zum Teufel zu überrennen? Ein Schmuggelboot? Ja, eine ganze Schaluppe voll Kaffee, auf di« er, der Zöllner Manuela, feine 1000 Milreis Prämie gekriegt hätte. Di« 1000 Milreis bekamen einen leuchtenden Glanz, sie erleichterten blitzschnell das Ausspinnen Ja, mitten im Glück hat ihn der Re- gierungsdampfer angerannt, nichts ist mehr zu sehen in der Dunkel- heit. nicht die Schaluppe, nicht s»in Boot, nicht der arme oeentert« Schmuggler, der wohl längst bei den Haifischen treibt. Mit hun- dert beteuernden Gebärden erfaßt Manuela, einmal im Fluß, die Lage. Er fordert ein Protokoll, ein ganz langes Protokoll, er ver- langt Schutz gegen die Regierung, die ihr« eigenen Zöllner nachts umkommen läßt, er besteht auf der Prämie von 1000 Milreis— sind nicht Zeugen qenuq da, die die Schaluppe haben wegsacken sehen? Reiner Kaffee, beste entschälte Bohne, fünfzig Sack waren an Bord, das sind 1000 Milreis Prämie! Zählt nach! Nicht daß der Kapitän des Regierungsdampfers nun ein schlechtes Gewisien gehabt hätte, er fuhr abgeblendet nach seinen Instruktionen. Aber er hatte Mitleid mit dem armen Zöllner, der um seine Prämie gekommen war Er wußte, wie bitter dergleichen brennen kann. Und er teilt« die Prämie von 1000 Milreis mit dem Zöllner, er setzte das Protokoll so auf. daß kein Mensch wagen konnte, dem Beamten aus Bahiaoerte die Prämie vorzuenchalten. Sehr zufrieden ist nunmehr der Neger Felicio, der das Boot für 200 Milreis an Tepake verhaizdelt hat. sehr zufrieden ist Te- pake, der es dem Manuela für R>0 Milreis verkaufte, sehr zu- irieden sind der Zöllner Manuela und der Kapitän des Regie- rungsdampfers. die auch zu chrem Recht gekommen sind. Wer sagt noch, daß es ein Unglücksboot sei, die Schaluppe aus Sao Jsabelle? Aber wie der Regierungsdampfer andern Tags in Bahiaoerte einläuft, treibt kieloben eine neugeteerte Schaluppe und rundum, mit entsetzten Gebärden und wildem Armschlagen sammeln sich die Dananenhändler, die gerade draußen aus di» Reede fahren wollen. weil ein großes Schiff mit dummen Gringos an Bord zu Mittag ankern wird. Mit viel Beschwörungen und vielen bedauernden Worten um den armen Manuela, fahren sie schließlich weiter, um die Stunde nicht zu verpasien. Einsam treibt das Boot kieloben, niemand wagt Hand daran zu legen. Selbst d«r Regierungsdampfer hat keine Zeit, der Kapitän hat es eilig, das Protokoll vorzulegen. auf dem die 1000 Milreis Prämie stehen Endlich erbarmt sich der Neger Felicio des alten Wracks. Bis zum Abend hat er es an der Küste weit draußen vor der Stadt an Land gebracht, andern Tags hat er es aufgerichtet und am dritten Tag schleift er es küstenlängs. Denn es ist doch ein Glücksschifs, nicht wahr? Wenn die Geister auch Böses wollen, es kann doch kommen, daß viele gerechte Leute daran verdienen. „Lloyd" nennen sich Gesellschaften, die Schiffe für Seeoersicherung und Seetransport klafsifizeren. Die Bezeichnung wurde ge- wählt nach Edward Lloyd, der im 17 Jahrhundert Besitzer eines Kaffeehauses in London war. wo sich Schiffsmakler trafen, um Schiffahrtsongelegenheiten zu bereinigen, besonders, um Versiche- rungen abzuschließen. 5- 3>- Itlnyer: Weber SEinsknechtfchafi Die Brechung der Ztnsknechtlchaft gilt m der nationalsozialistischen Agitation als die Lösung der lozialen Frage. Gottsried Feder äußerst sich über dieses Kernstück der nationalsozialistischen„Theorie" m feiner Schrift„Das Pro- gramm der NSDAP" m folgenden Sätzen:„Brechung der Z i n s k n« ch 1 1 ch a f t ist die stählerne Achse, um die sich alles dreht, sie ist weit mehr als nur eine finanzpolitische Forderung, sie greift mit ihren Voraussetzungen und Auswirkungen ebenso tief ins politische Leben wie ins wirtschaftliche ein. nicht minder ist sie eine Hauptfrage der Wirtschaftsgesinnung und greift so auch zutiefst ms persönliche Leben jedes einzelnen ein: sie forden von sedem die Ent- scheidung: Dienst am Volke oder schrankenlose pnvate Bereicherung— sie bedeutet somit die.Lösung der sozialen Frage""— Herr Gottfried Feder setzt den Begriff.Lösung der sozialen Frage" selbst in Anführungsstriche: in der Tat zeigt jede tiefer dringende Ueberlegung. daß die„Brechung der Zinsknechtschaft" nicht allein von sachlich falschen ökonomischen Voraussetzungen ausgeht. sondern auch ein Ablenkungsmanöver von einer radikalen Kritik am Kapitalismus darstellt Der„Brechung der Zinsknechtschaft" liegt die Unterscheidung von raffendem und schaffendem Kapital zugrunde. Raffendes und schaffendes Kapital sind aber keine ökonomi» s ch e n. sondern lediglich agitatorische Unterscheidungen. In der Wirtschafts Wirklichkeit der Gegenwart ist das Finanz- kapital vorherrschend, das H I l f c r d> n g bereit» 1910 in feinem Buche„Das Finanzkapital" folgendcrmaßer charakterisiert hat:„Das Finanzkapital bedeutet die Vereinheitlichung des Kapitals. Die früher getrennten Sphären des industriellen, kommerziellen und Bankkapitals sind jetzt unter die gemeinsame Kontrolle der hohen Finanz gestellt, zu der die Herren der Industrie und der Banken in inniger Personalunion vereinigt sind." Auch eine sozial! st ische Wirtschaftsordnung könnte den Zins nicht abschaffen. Die.Brechung der Zinsknechtschaft" ist fedoch keineswegs von Herrn Gottfried Feder erfunden worden. Schon der französische kleinbürgerliche Sozialist Proudhon hat eine ähnliche„Theorie" oertreten, und kei i Geringerer als Karl Marx schreibt in einem wenig bekannten Aufsatz, der nach dem Tode Proudhons in den Nummern 16. 17 und 18(Jahrgang l86S) des„Sozialdemo- k r a t" erschienen ist:„Daß das Kreditwesen, ganz wie es z. B. im Anfang des 18. und später wieder des 19. Jahrhunderts in England dazu diente, das Vermögen von einer Klasie auf die andere zu übertragen, unter bestimmren politischen und ökonomischen ilm- ständen zur Beschleunigung der Emanzipation der arbeitenden Klasie dienen kann, ist selbstverständlich. Aber das zinstragende Kapital als die Hauptform des Kapitals betrachten, aber eine besondere Anwendung des Kreditwesens, angebliche A b- schaffung des Zinses, zur Basis der Gesellschaft?- Umgestaltung machen wollen ist eine durchaus spieß- bürgerliche Phantasie Man findet diese Phantasie daher in der Tat auch des weiteren ausgepatscht bereits in den ökonomischen Wortführern der englischen Kleinbürgerschaft des sieb- zehnten Jahrhundert s." Nur durch die Ueberführung der P r o d u k t i o n s m I t t e l aus der privaten Verfügungsgewalt der Kapitalisten in das Gemeineigentum der Gesellschaft ist eine sozialistische Wirtschafts oZ:dnung möglich. Der National sozialismus als Wortführer des proletarisierten Kleinbürgertums will keine Revolution der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern ihre Restauration. Die falchlstische Bewegung, die von der S ch w e r». i n d u st r i e und dem reaktionären Großgrundbesitz ausge�' halten wird, vcrnebelt ihren irregeführten Massen ihr eigentliches Wesen. Ihr Mittel, die soziale Frage zu lösen, ist nicht die Aufhebung der kapitalistischen Aus- beutung. sondern die brutale Unterdrückung der in schweren sozialen Kämpfen errungenen Rechte der Arbeitnehmer- schost-_ 3>ie Wunderbrille oder: äfer völMJche Sßeobachler in der ItrUenlatrhc Immer ran meine Herrschaften, so etwas muß man gesehen, so etwas muh man gekauft haben. Die regulierba« Wunderbrille. mit neunmal verschieden geschliffenen Gläsern— passend für jedes Auge— Deutsches Drittes-Reich-Patent mit eingraviertem Hakenkreuz als Schutzmarke— der neueste Schlager der Saison. Einsach aus die Nase gesetzt und nach oben geschaut sehen Sie Hitlers Einzug durch das Brandenburger Tor. Blickrichtung nach unten ge- wahren Sie die Standarten unserer herrlichen SA. mit den auf- gespießten Köpfen der Novemberlinge. Schieben Sie di« Gläser übereinander, so wirkt die Brille als Fernglas. Sie erblicken des Dritten Reiches Macht und Herrlichkeit in der Totalansicht Das kleine Wunderwerk umgedreht und in den Mond geguckt, sieht jeder Erwerbslose Brot, Arbeit und Wohlergehen. Sollten aber uitter den geehrten Herrschaften Kapitalisten sein, so können Sie Glas s durch einen Handgriff aus der Fasiung lösen und verkehrtseitig als Monokel einklemmen. Blickrichtung links sehen Sie die abgebaute soziale Gesetzgebung und die zertrümmerten Gewerkschaften, schielen Sie aber etwas nach rechts, so zeigt sich Ihrem entzückten Auge der nächste Zukunftskrieg. Als letztes Wunder haben wir nun noch Glas b. Für pensionierte Prinzen, Generäle usw. gleichermaßen zu handhaben wie Glas o. Ist vielleicht mal einer von diesen Herren unter dem werten Publikum, so bitte ich'hn. sich ungeniert von der Wahrheit meiner Worte zu überzeugen- Blickrichtung links sehen Sie ungeahnte Perspektiven für die Aktivierung Ihrer gelchi'-ten Kräfte, rechts wird das Schaubild überschnitten von einer Schäfer- szene aus Etappe Gent. Nun aber, meine verehrten Herrschaften. als Neuntes und Allerletztes: Gucken Sie überhaupt nicht durch die Brille, so sehen Sie die verfluchte Wirklichkeit, wie sie ist und das kann man von keinem echten Patrioten verlangen. Im Auftrage meiner Firma Hitler und Genosien. asioziiert' mit Thyssen und Konsorten, verschleudere ich dieses Pbänomen, auch genannt„Der völkische Beobachter in der Westen- tafche". also verschleudere ich dieses optische Neunwunderwerk mit genauer Gebrauchsanweisung und sechsmonatigem Garantieschein zu dem Reklamepreis von nur 50 P'e"nia, eine halbe Systemmark! Einmal durchgeschaut, hat sich die Brille bezahlt gemacht. Immer ran an die Theke, da muß in dieser Zeit ein jeder Käufer sein! Und wem ich sie nochmals mitgeben darf...? _ H. Schmidt, Düsseldorf. Die Rervonzentren der höheren Tiere sind im Kopf konzentriert, das Leben muß also aufhören, wenn der Kops vom Körner aetrennt ist. Bei e'nem Wurm sind diele Nerven aber gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt, so daß der Wurm noch weiterlebt, wenn man ihn m zwei Telle schneidet. Das Blut im menschlichen Körper legt im Laufe eines Jahres fünfmal die Strecke zwischen New Park und Manila zurück. Die großen Gesch'r'einlgung-masch'nen können in einer Stunde 2000 Gläser und 2500 Teller reinigen, sterilisieren und trocknen.