BERLIN Sonnabend 5. März 1932 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des« Borwärts" Bezugspreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat ( davon 87 Vf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Bost bezug 3,97 m. einschließlich 60 Pf. Postzeitungsund 72 Vf. Postbestellgebühren. Spälausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Nr. 110 B 55 49. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einfpaltige Millimeterzelle 30 Pf., Reklamezeile 2.-M. Ermäßigungen nach Tarif. Vostscheckkonto: Borwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktion und Erpeditton: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Gernsprecher: Dönhoff( A 7) 292–297. Achtung! Berlin marfchiert! Riefenaufmarich der Eifernen Front im Luftgarten! Harzburger Religionsfrieg. " Preußische" und" Römische" im Handgemenge. Einem preußischen Major mit einem italienischen Namen, dem Herrn v. Stephani, ist es geglückt, in die berſtende Front von Harzburg auch noch die Fackel des Religionsfriegs hineinzuwerfen und den Gegensatz zwischen dem deutschen Norden und dem deutschen Süden breit aufzureißen. Herr von Stephani findet an Hitler und der Hitler- Partei alles ,, römisch" und gegen dieses südliche Römlingtum will er den protestantischen, den preußischen, den edelgermanischen den protestantischen, den preußischen, den edelgermanischen Norden mobilisieren. Selbstverständlich fand auch dieser Auf zur Kundgebung! An die Mitglieder der freien Gewerkschaften! Die Aufhebung des Demonstrationsverbots in Preußen gibt der Eifernen Front die Möglichkeit, in öffentlichen Aufmärschen und Kundgebungen unter freiem Himmel ihren Willen, Hitler am 13. März unter allen Umständen zu schlagen, eindrucksvoll und eindeutig zu befunden. Wir rufen daher unsere Mitglieder auf, sich an allen von den bezirklichen und örtlichen Kampfleitungen der Eisernen Front angefehten Demonftrationen und kundgebungen zu beteiligen. Andere Beranstaltungen, soweit sie mit denen der Eisernen Front zusammenfallen, müssen mit Rücksicht auf die große gemeinsame Aufgabe, den Faschisten durch die Wahl Hindenburgs eine entscheidende Niederlage zu bereiten, zurückgestellt werden. Die Borstände des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Allgemeinen Freien Angestelltenbundes. Unsinn bei dem stockbürgerlichen Publikum des Stahlhelms genau denselben Beifall wie jeder andere, der mit der richtigen Kommandostimme in den Saal geschleudert wird. Bald jedoch regten sich Bedenken, ein Telegraphenbüro wurde veranlaßt, seinen bereits ausgegebenen Bericht zu wider rufen trotzdem blieb auch in der Hugenberg Presse von den ,, martigen" Schlußworten des Stahlhelmmajors noch genug übrig, daß man den Inhalt des Ganzen erraten kann. Möglich sogar, daß die ungewöhnlich glückliche Idee des Herrn v. Stephani überhaupt einer Anregung der Hugenberg- Breffe entsprungen ist, die am Tage zuvor Adolf Hitler als römisch- katholisch" bezeichnet hatte. Man kann verstehen, daß der Ausspruch Stephanis im Nazilager eine Gemütsbewegung hervorgerufen hat, die man in der Sprache des Alltags als eine Stintwut" zu bezeichnen pflegt. Merkwürdigerweise hatte sogar schon gestern abend ganz kurz nachdem Stephani gesprochen hatte der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Hinkel im Kriegervereinshaus Gelegenheit, auf die Stephani- Rede einzugehen. Hinkel äußerte sich über seinen Bruder von Harzburg, den Stahlhelmmajor Stephani, wörtlich in folgender Weise: Ich erkläre hier in aller Deffentlichkeit und mit aller Deutlichkeit, daß ich einen Menschen, der bewußt solche Lügen ausspricht, einen ganz gemeinen Lügner und Lumpen nenne. So ein Schuft wagt es, Adolf Hitler Romhörigkeit vorzuwerfen. Morgen früh werden Sie den Namen dieses Lumpen wissen... Sollten wir am 13. März nicht Sieger sein, dann aber bestimmt am 10. April. Dann bedeutet der 13. März für uns nur den Tag der Mobilmachung. Wir werden auf jeden Fall siegen, denn wir haben feine führenden Köpfe, sondern nur einen Kopf und das ist unser Führer Adolf Hitler. Wenn man fieht, auf welchem geistigen und moralischen Niveau die Harzburger jezt den Kampf gegeneinander führen, dann fann man sich über die Methoden, die sie gegenüber dem„ Marrismus" anwenden, nicht mehr wundern. Da wirft der eine dem anderen Minderwertigkeit in Rasse und Glauben vor und der andere antwortet darauf mit einer Häufung von Schimpfereien und Drohungen, wobei Die Anmarichitraßen Kreis Norden: Die Ortsvereine Wedding und Reinickendorf, Seidelstr., Scharnweberstr., Müllerstr., Afrikanische Straße, Seestr., Chausseestr., Elsasser Str., Artillerieſtr., Am Kupfergraben, Museumstr., Lustgarten. Unter der Parole Schlagt Hitler, wählt| straße, Kauerstr., Dovestr., Helmholtstr., Alt Moabit, Hindenburg" ruft die Eiserne Front das repu Invalidenstr., Hessische Str., Hannoversche Str., Elsasser blikanische Berlin zu einer Massenkundgebung auf, Straße., Artilleriestr., Am Kupfergraben, Museumstr., die morgen, Sonntagmitag, im 2 ustgarten stattfindet. Lustgarten. Nach den Vorbereitungen, die von den einzelnen Organifationen getroffen worden sind, ist zu erwarten, daß diefe Rundgebung eine der gewaltigsten wird, die Berlin je gesehen hat. Während sich der Aufmarsch der Massen vollzieht, findet im Lustgarten ab 12 Uhr ein Plakkonzert der bereinigten Reichsbanner tapellen statt. Gegen 1 Uhr wird der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Reichstagsabgeordnete Otto Wel 3, sprechen, seine Rede wird durch Lautsprecher auf dem ganzen Platz übertragen. Der Aufmarsch des Reichsbanners. Alle Mitglieder des Reichsbanners einschließlich der Spielleute und Musiker treten am Sonntag um 10 Uhr auf den Sammelpläken an, die wir heute früh veröffentlicht haben. Der Abmarsch erfolgt um 11 Uhr durch folgende Straßen: Antreten 10 Uhr, Abmarsch 11 Uhr. Kreis Osten: Gudrunstr.- Spike Frankfurter Allee, Gr. Frankfurter Str., Landberger Str., Alexanderplatz, Königstr.. Hoher Steinweg, Neuer Markt, Kaiser Wilhelm- Str., Lustgarten. Kreis Süden: Die Ortsvereine Kreuzberg und Tempelhof, Bahnhof Tempelhof, Berliner Str., BelleAlliance- Str., Belle- Alliance- Platz, Lindenstr., Beuthstr., Spittelmarkt, Gertraudenstr., Breitestr., Schloßplatz, Lustgarten. Die Ortsvereine Neukölln und Treptow: Sonnenallee, Kaiser- Friedrich- Str., Kottbusser Damm, Kottbusser Str., Dresdener Str., Roßstr., Breitestr., Schloßplak, Lustgarten. Kreis Westen: Bahnhof Charlottenburg, Stutt garter Platz, Wilhelmsdorfer Str. Bismarckstr., Leibnik er noch mit erfrischender Offenherzigkeit zugibt, daß er selber teinen Kopf sondern nur ein Maul hat denn den Kopf hat ja allein der große Adolf! So treiben es jetzt die Leute untereinander, die gestern noch gemeinsam auszogen, um den Drachen Margismus zu erlegen. Und das das will Deutschland regieren?! Na, wenn ihm das gelingt, dann gute Nacht! Morgen letzter Tag! Zur Einsichtnahme in die Wählerlisten! Berfäume niemand, fich davon zu überzeugen, daß sein Name in der Liste steht Ohne Eintragung kein Wahlrecht! Antwort an den Ritter". Offener Brief Groeners an Hitler. Am vergangenen Sonntag hat, wie man sich erinnert, Hitler einen Brief an den Reichspräsidenten mehrere Stunden, bevor der Adressat ihn erhalten fonnte, Vertretern ausländischer Blätter und wiederum einige Stunden später der deutschen Bresse übermittelt. In diesem Brief waren auch die Worte von der ritterlichen Kampfes weife" enthalten, die Herr Hitler Die Ortsvereine Prenzlauer Berg, Pankow und Weißensee in Pankow, Kaiserin- Augusta- Str.- Spike Lindenstr., durch Lindenstr., Schönholzer Str., Breitestr., Berliner Str., Schönhauser Allee, Dragonerstr., Rochstr., Neue Friedrichstr., Museumstr., Lustgarten. Auffahrt der Motorkorps der Eifernen Front. Die Teilnehmer versammeln sich am Sonntagvormit tag 10 Uhr am Schöneberger Rathaus. Die Auffahrt wird sich in folgender Ordnung vollziehen: Die Spite bilden Fanfarenbläser und eine Abteilung des Reichsbanners mit Fahnen; ihr schließt sich an die Kolonne der Motorradfahrer und der Autos. Der Zug berührt zunächst den Westen und zwar die Schloßstraße, Kaiserallee, Joachimsthaler Straße, Hardenbergstraße bis zum Deutschen Reichs- Auto- Club. Dort sind 60 Vertreter des Clubs versammelt, der an diesem Tage seine Jahresversammlung abhält. Von der Hardenbergstraße berührt der Zug weiter die Bismarckstraße, den Kurfürstendamm, die Tauentzienstraße, Potsdamer Straße, Belle- Alliance- Platz und endet am Hausvogteiplak. Am Hausvogteiplak löst sich der Zug auf, damit sich die Teilnehmer an der Demonstration im Lustgarten beteiligen können. Alle Autos werden Hindenburg- Plakate und große Plakate, die auf die Veranstaltung im Lustgarten hinweisen, mitführen. Nachdem es monatelang nicht möglich war, unter den Fahnen der Republik zu marschieren. darf nunmehr bei | dem ersten großen Aufmarsch kein Republikaner fehlen. von seinen Gegnern erwartet von den Gegnern, denen so oft und foeben wieder durch den Hitler- Mann Jordan die Enthauptung in Aussicht gestellt worden ist. Der Reichspräsident hat den Brief ,, zur Prüfung" an den Reichsinnenminister weitergegeben. Im Laufe des heutigen Tages wird nun eine Antwort des Reichsinnenminifters Groener an Hitler veröffentlicht werden, und zwar in der Form eines ,, offenen Briefes", das heißt, das eine direkte briefliche Antwort nicht in Frage fommt. Rosenberg gegen Nichtsoldaten. Goebbels gehört ins Zuchthaus. Der bayerische Bauernführer Dr. Seim hat in eine Rede Hitler als einen Mann bezeichnet, der sich in Gefahr noch nicht bewährt hat". Der„ Völkische Beobachter"- Hauptschriftleiter Afred Rosenberg nennt das die Entgleisung eines Nichtsoldaten" und schreibt dazu: Herr Dr. Heim sollte in Zukunft bedenken, daß im Dritten Reich die Verunglimpfung von Landesverteidigern mit Zuchthaus bestraft wird. Oder ist es etwa feine Beschimpfung, wenn ein Mann wie Heim, der in Sicherheit alt geworden ist und deshalb fein Urteil haben kann über den titanischen Opfergang des deutschen Frontsoldaten, es wagt, von einem Mann wie Hitler zu behaupten, er hätte sich in der Gefahr noch nicht bewährt?" Was weiß denn der Geheimrat Heim überhaupt von Gefahr, von wirklicher Gefahr? Danach werden wohl im Dritten Reich auch die„ Nichtsoldaten" Goebbels, Frid- Pirmasens, Rosenberg usw. wegen Verunglimpfung der sozialdemokratischen Fronttämpfer ins Zuchthaus müssen? Oder heißt es da:" Bauer, das ist was anderes!"? Httlerbanden verurteilt. Die„ausgleichende" Justiz in Mecklenburg. Doberoo, S. Mörz. dem dreitägigen Strafprozeß wegen einer politischen Schlägerei, die am 2g. Oktober v. 3. in Hastors zwischen Aationalsozialislen und Reichsbannerangehörigen slaltsaad, ist seht das Urteil gefällt worden. Der nationalsozialistische Sturm- sührer Ernst Lange- Salow wurde wegen IlStigung, Körper- Verletzung und waffenmitzbrouchs zu elf Monaten Gefäng- n i s verurteilt. Fünf S A.- L e o t e erhielten je fünf Monate Gefängnis wegen Körperverlehnag und waffeamitzbrauchs, drei SA.-Leute wurden zn je vier Monaten Gesängnis und ein weiterer Ttationalsozialifl wegen Wasfenmitzbrauchs zu drei Monaten Gesängnis verurteilt. Ein Hitler-Mann wurde freige- sprachen. 3n der Urteilsbegründung wurde daraus hingewiesen, dah bei den Nationalsozialisten Notwehr nicht vorgelegen und deshalb eine Verurteilung wegen Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung habe erfolgen müssen. Gewissermatzen zum Uns- gleich wurden auch 15 Reichsbannerleute, die nach dem Urteil an- gegriffen waren, wegen waffenmitzbrauchs zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt. SA. stürmt Bottshaus. Dresden. S. März.(Eigenbericht.) Am Freüagnachmittag um S Uhr wurden vier Reichsbanner- leute, die in der Nähe des Volkshauses standen, durch einen Trupp von S0 Nazis, die mit Zettelverteilen beschäftigt waren, belästigt und bedroht Als die vier Reichsbanner- leute sich in das Volkehaus zurückzogen, wurden sie von den Nazis verfolgt. Diese brachen eine zweimal verschlossene ijaustür aus, zerschlugen innerhalb des Volkshauses Fenster- scheiden und rissen Zaunlatten afr Leute, die in dos Volkshaus kamen, wurden von den Rüpeln verprügelt. Bis ins Dach- geschah stürzten sie den Reichsbannerleuten nach, ohne sie zu finden. Sie zogen erst ab, als ein Ueberfallkommando eintraf. Im ganzen wurden etwa 42 Personen festgenommen. Scherbengericht über Japan Die kleinen Staaken schlagen los.— Oie Großmachte schweigen... Hitlers Programm gegen Hitler. Parteibuchbeamte und Nichtstaatsbürger. Unter den Papierfetzen, die des Ritter Adolfs Knappen jetzt in Massen verbreiten, befindet sich auch ein Flugblatt, das das angeblich endgiltige„Programm" der NSDAP, wieder- gibt. Darin finden wir einige Punkte, die gerade jetzt, ange- sichts der Kandidatur Hitlers, besonders reizend wirken: Wir bekämpfen die korrumpierende Parlamentswirb- schaft einer Stellenbesehung nur nach parleigcsichtspuukteu ohne Rücksicht auf Charakter und Fähigkeiten. Wir fordern, daß sich der Staat verpflichtet, in erster Linie für die Erwerbs- und Lebensmöglichkeit der Staatsbürger zu sorgen. Wenn es nicht möglich ist, die Gesamtbeoölterung des Staates zu ernähren, so sind die Angehörigen fremder Nationen (Mchlstaalsbürger) aus dem Reiche auszuwciseu. Jede weitere Einwanderung Nichtdeutscher ist zu verhindern. Wir fordern, daß alle Nichtdeutschen sofort zum Der- lassen des Reiches gezwungen werden. Wie froh kann Adolf der Große fein, daß er noch unter dem bekämpften republikanischen„System" leben darf. Die Republik hat ihn, der„Nicht st aatsbürger und außer- dem wegenfjochuerrats verurteilt war, nicht nur nicht ausgewiesen, sondern ihm sogar in großzügiger Weise ge- stattet, seine Bürgerkriegsarmee aufzuziehen. Darüber hinaus hat sie geduldet, daß er nur auf Grund seines Parteibuchs sogar zum nichtamtierenden Re- gierungsrat in einem deutschen Kleinstaat gemacht wurde. Wie dankbar müßte er doch dem„System" sein! Verhetzung der Lugend. Eigenartige Hauszensur im„Völkischen Beobachter". Hitlers„Völkischer Beobachter" veröffentlicht einen Aufruf von „Baldur von Schirach" an die Jugend, dessen entscheidende Stellen so aussehen: Dieses System verbietet uns. von R a ch e zu reden. Es unter- sagt uns, das auszuführen, was eigentlich Aufgabe des wäre: die schuldigen kommunistischen Mordbanditeu 3a dem heute uoch regierenden Reichspräsidenten von Hinden- bürg sehen wir die Verkörperung de» er ist der Verantwortliche, dessen überragende Leistungen als General- feldmarfchall nicht als Enkschnldignng dienen dürfen für die Tätig- keil des Reichspräsidealen. Die geschwärzten oder weißgelasienen Stellen können je nach der Phantasie des jugendlichen Lesers ausgefüllt werden. Der von der Hauszensur des Braunen Hauses mit raffiniertem Vorbedacht ver- stümmelte Text wirkt aufreizender, als es der vollständige jemals vermocht hätte. In einem nationalsozialistischen Flugblatt liest man: Schluß jetzt mit Hindenburg! Fand er jemals Worte des -uostes für seine Kämpfer von ehedem? An den Stempelstellen stehen sie... bettelnd um ein kärgliches Brot, vergessen von ihm, vergessen von Hindenburg, dem Präsiden- ten der Soldaten. Das Flugblatt trägt den Vermerk: Verantwortlich: K. Kamp- mann, Berlin SW. 48, Hedemannstr. 10. pikolvitfch freigesprochen. Wiener Schwurgericht verneint Mordanklage. Wien. 4. März. Der Prozeß gegen den Kommunisten Andreas Pikol- o i t s ch, der am 2S. Juli vorigen Jahres den G e o r-g Semmelmann aus Köln, einen kommunistischen Agenten in Wien, er- m o r d e t hat. ist am Freitag vor den Wiener Geschworenen in ein- tägiger Dauer zu Ende geführt worden. Der Wahrspruch der Ge- schworenen lautete auf die Hauptfrage bestellter Mord mit sieben Ja- und fünf Neinstimmen, die Nebenfragen auf Paß- fälschung, Falschmeldung. Uebertretung des Waffenpatentes wurden mit zwölf Stimmen bejaht. Da zu einer Verurteilung mindestens acht Jastimmen gehören, mußte das Gericht in der Frage des Mordes den F r e i s p r u ch verkünden. In den Nebenfragen wurde ein« Strafe von einem Monat Arrest verhängt, die durch die Unter- suchungshaft als verbüßt erscheint. Genf, 5. März.(Eigenbericht.) Der Bann des Schweigens, der die Verhandlungen des Völker- bundes bis zum Eingreifen Mottas gestern lähmte, scheint ge- krochen zu sein. Die erwartet« Intervention der Neutralen und der Südamerikaner erfolgte heut« in unzweideutiger und außerordent- I l i ch e r Form in der Generalkommission der Volloerhandlung. Ein Redner nach dem anderen wurde von immer stärkerem Beifall überschüttet, ein Zeichen des TTCules der kleinen und eine böse Lektion für die Grotzen, die diesen Wut völlig vermissen ließen und wiederum schwiegen. Der wichiigste Ankrag wurde von Mexiko gestellt, da» eindeutig das verbot jener berüchtigten„friedlichen Besetzung" verlangte, die unglaublicherweise trotz Völkerbundspakt und Kellogg-Pakt noch als„erlaubtes Mittel" gilt zum Schutze angeblich bedrohter In- teressen. In allen Reden dieser konzentrierten Intervention kehrte dieser gleiche Gedanke immer wieder, stets von neuem mit Beifall begrüßt. Die Sitzung begann mit einer Kontroverse zwischen China und Japan über den Stand der Kampshandlungen, bis Sir John Simon- England ein Telegramm des Admirals Kelly bekannt gab, daß Japan tatsächlich die gestern von China genannten großen Truppensendungen gelandet habe und daß bereits Schießereien im Gang« seien. LroaNand-Normegen stellte die Versammlung vor die prinzipielle Frage, die entschieden werden müßte. Man solle sich nicht bei Einzelheiten aufhalten. Maßnahmen zur Beendi- gung und endgültigen Regelung des Konflikts müßten beschlossen werden. Gegen die Parteien, die sie nicht annehmen, müfle mit allen im völkerbnndspakt vorgesehenen Zwang»- Mitteln oorgegangen werden. (Starker Beifall der Versammlung.) Der Vertreter Kolumbiens erklärte, der Völkerbund dürfe nicht den Eindruck erwecken bei den Dölken, als habe er Angst, klar auszusprechen, was>st. Der Augenblick für Urtelle sei noch nicht gekommen, da die völlige Ein- stellung der Feindseligkeiten abgewartet werden müsie. Die Ver- sammlung habe aber die Pflicht des moralischen Urteils, daß kein Mitglied des Völkerbundes das Recht habe, Gebiet etnes anderen Landes zu besetzen. Ortega-Mexiko verlangte die Anerkennung des internationalen Rechts, daß kein Staat das Recht der militärischen Besetzung von Gebiet eines anderen Staates habe, einerlei, welche Gründe für den Schutz von Interessen angegeben würden. Der Völkerbund sei dazu oerpflichtet, als Ergebnis dieser Volloersammlung diesen Grundsatz im Interesse der Souveränität aller Staaten und des Rechtes der Menschheit aus Frieden als für alle verbindlich anzunehmen. Stürmischer Beifall. Lofgreen-Schweden bezeichnete die Ereignisie im Fernen Osten als Krieg ohne diesen Namen. Die militärischen Maß- nahmen Japans seien in keiner Weise mit dem Völker- bundspakt vereinbar. Schweden habe immer den Stand» punkt aufrechterhalten, daß kein Staat das Recht zur militärischen Intervention habe. Wolle man die„legitime Verteidigung" so weit auslegen, wie im vorliegenden Falle, dann sei die Aufrechterhaltung jedes internationalen Rechtszustandes unmöglich. Nach Einstellung der Feindseligkeiten habe der Völkerbund unter Ausschaltung jedes militärischen Drucks die gerechte Regelung' durchzuführen. Dafür sei der Brouckere-Bericht von 1927 über die Mög- lichkeiten, nach Artikel ll de« Paktes den Parteien Lösungen auf- zuzwingen, die maßgebende Richtlinie. Der Einfluß der Kleinen sei zwar kleiner als der der Großen, doch fei ihr Interesie an der Gerechtigkeit om so größer. Führe der Völkerbund nicht unparteiisch seinen eigenen Pakt durch, in dieser Sache, so müßten seine Mauern verfallen und die Gerechtigkeit werde durch die Gewalt ersetzt. In ähnlichem Sinne sprach dann noch Eric- Finnland. China verlangi Räumung. Als Voraussetzung für eine Konferenz. London, S. März(Eigenbericht.) Der chinesische Außenminister hat sich dahin geäußert, die Schanghaier Rundtischkonferenz werde höchstwahrscheinlich nicht abgehalten werden, solange die japanischen Truppen das besetzte Gebiet nicht geräumt haben. Der Minister hat seinen Vertreter in Schanghai angewiesen, dem britischen Admiral Kelly mitzuteilen, daß China die neuen japanischen Forderungen nicht an- nehmen könne. Kommunistischer Müll. Llnsinn im Rathaus.- Entwässerung und Mullbeseitigung In der letzten Stadtveroridnetenversammlung waren Vorlagen zu behandeln, die eine Herabsetzung der Entwässerungsge» b ü h r bezweckten. Unter dem gleichen Tagesordnungepunkt war die Genehmigung des Wirtschaftsplans der städtischen M ü l l b e- s e i t i g u n g für 1932 vorgelegt worden. Pride Angelegenheiten sind entsprechend der Magistrat-oorl-ge erledigt worden. Zu beiden Tagesordnungspunkten hatten die Kommunisten Zufatzanträge ge- stellt, wonach Eigeicheimbesitzer, die«ine bebaute Parzelle besitzen, die nicht mehr als 1000 Quadratmeter groß ist, und die über ein Eigenheim verfügen, desien bebaute Wohnfläche nicht über hundert Quadratmeter beträgt, sowohl von der Entwäsierungsgebühr wie von der Gebühr für die Müllbeseitigung vollkommen frei ileiben sollten, wenn das Jahreseinkommen des Besitzers 3000 M. nicht übersteigt. Bei der Abstimmung blieben die Kommunisten mit den Nationalsozialisten in der Minderheit. Hierzu ist zu bemerken, daß der Ausdruck„bebaute Wohnfläche" einen fachlichen Unsinn darstellt, da bebaute Grundstücks- fläche urtd Wohnfläche zwei vollkommen verschiedene Dinge sind. Wenn die bebaut« Fläch« eines Grundstücks 100 Quadratmeter beträgt, kann die Wohnfläche das Mehrfach« der bebauten Fläche betragen, je nach der Zahl der Geschosse. Der Ausdruck, den die Kommunisten in beiden Anträgen gewählt haben, weist darauf hin. dah chnen alle sachlichen Voraussetzungen für die Beurteilung der Dinge fehlen. Nehmen wir aber an, daß die Kommunisten vor» genannte Eigenhcimbesitzer nur dann gebührenfrei lassen wollen, wenn die Wohnfläche chres Eigenheims 100 Quadratmeter nicht übersteigt, dann ergibt sich folgendes: Ein Eigenheimbesitzer, der über«in Haus oerfügt, dessen Nutzfläche gleich zu setzen sst mit einer 4X-Zimmer-Wohnung und der, um ein solches Haus als Eigen- tum zu erwerben, über ein nicht unerhebliches Kapital verfügen muß, soll nach den kommunistischen Anträgen weder Entwässerungs- gebühr zahlen noch soll«r genötigt sein, für die städtisch Müll- beseitigung auch nur«inen Pfennig auszugeben. Der P r o l e- tarier al«r, der in Stube und Küche wohnt, deren Miet- und Sachwert nur einen Bruchteil der von den Kommunisten in ihrem Antrage genannten Eigenheim« darstellt, darf diese Gebühren mit seiner Miete entrichten. Llm das Gchilleriheaier. Der Unterausschuß, der sich am Freitag mit einem Dringlich- k e i t s a n t r a g zur Weiterführung des Schiller-Theoters beschäf- tigte, empfiehlt dem Stadtgemeindeausschuß, den Oberbürgermeister zu ersuchen, bei der preußischen Regierung für die Aufrecht- erhaltung des Schiller-Theaters einzutreten und die Schiller-Theater-A.-G. zu veranlassen, die Unterpacht für dos Theatergebäud« entsprechend der Senkung des Pachtzinses, den sie an die Stadt Berlin zahlen will, herabzusetzen. Autodroschken-Reuregelung. Halbierung der Krafiverlehrssteuer bei llmfchichtigfahren Am heutigen Sonnabend ist für das verNner Kraftdroschken- gewerbe die Tarifneuregelvng in Kraft getreten, bei der der Zv- schlag auf 15 Pf- ermäßigt worden ist. Die Taxe I gilt für die Beförderung von einer Person zu jeder Zeit, die Taxe II für die Beförderung von zwei Personen zu jeder Zeit oder von drei Personen von S bis 21 Uhr. Unter Taxe III werden drei Personen in der Zeit von 21 Uhr bis 6 Uhr oder mehr als drei Personen zu jeder Tageszeit befördert. Die Ein- schränkung zur Verminderung der im Verkehr befindlichen Kraft- droschten in der Art, daß die Wagen mit geraden Nummern an den geraden Tagen und die mit ungeraden Nummern an den ungeraden Daten verkehren, tritt erst am morgigen Sonntag in Erscheinung. und zwar fahren morgen am 6. März die geraden Nummern. Durch die Regelung wird erreicht, daß täglich nur etwa 4000 Wagen im Berliner Verkehr sind, da es 4230 Wagen mit geraden und 4193 mit ungeraden Zulassungsnummern gibt. Um denjenigen Besitzern, die nur einen Wagen im Verkehr haben und durch diese Regelung besonders hart betroffen werden, entgegenzukommen, hat die Innung vereinigter Kraftdrofchkenbesitzer die Prämien für die Hast- Pflichtversicherung von 83 auf 33 M. ermäßigt, und das Reichs- finanzministerium hat sich bereit erklärt, daß in denjenigen Städten, in denen eine Einschränkung erfolgt ist, eine Halbierung der Kraft- fahrzeugsteuer gewährt wird. Falls eine Verknappung der Droschken" durch die in Berlin getroffene Regelung«intreten sollte, hat sich der Polizeipräsident eine«lastischere Auslegung der Bestimmung vorbehalten._ Kampf im Bärenzwinger. Ein Ehinese schwer verUtzt. In einem Vergnügungspark in der Köpenicker Straße 27 gastiert zur Zeit ein t l e i n e r Zirkus, der u. a. auch im Besitz eines Bären ist. Der Bär ist für gewöhnlich in einem sicheren Zwinger untergebracht und gilt als z a h m. Für alle Fälle ist er stets ange- kettet und trägt während der Schaustellungen einen Maulkorb. Als nun gestern abend der Bär von seinem Dompteur vorgeführt werden sollte, hielt sich«in Angestellter des Zirkus, der 31 Jahre alte Chinese P s ch i n g, ganz in der Nähe des Zwingers auf. ohne auf die Ermahnungen des Dompteurs zu achten. Der Bär. der durch die ungewohnte Anwesenheit eines Zweiten im Zwinger,-ruhig geworden war, wandte sich unverhofft dem Chinesen zu und be> drängte ihn. Der versuchte sich zur Wehr zu setzen und reizte das Tier noch mehr. Es schlug und biß um sich und brachte dem Unglücklichen schwere Verletzungen bei. Nur mit großer Mühe war es möglich, Psching den Klauen des wütenden Tieres zu entreißen. Die Feuerwehr brachte den Schwerverletzten in das Bethanien-Krankenhaus. O-Zug-Lokomoiive gegen Güterzug. Personen nicht verletzt. Görlitz, 8. März. Die Lokomotive des D-Zugs 124 ist heute gegen 9 Uhr zwischen den Stationen Deutsch-Lissa und Neukirch gegen eineu Güterzugwagen. der eiaen Achsenbruch erlitten und sich quergestellt hatte, gefahren und infolgedessen entgleist. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Die Reisenden wurden mit Hilfszügen weiter befördert. Gestürzte Gtahlhelmgröße. Selbsterkenntnis eines verhasteten Stahlhelmbonzen. Vraunschweig. 8. März.(Eigenbericht.) Der Gemeindevorsteher von Neu-Oelsburg, der in der Stahlhelmbewegung des Landes Bnrunschweig eine f ü h- rende Rolle spielt, ist am Freitag wegen Veruntreuung von Gemeindegeldern in Höhe von über 10 000 Mark ver- hastet worden. Der Gemeindevorsteher ist von der Jlseder Hütte in sein Amt eingesetzt worden. Als er festgenommen wurde, sagte er zu dem ihn verhaftenden Beamten, daß die marxistischen Blätter ja nun wieder über eine gestürzte Stahlhelmgröße schreiben könnten!_ Da« Thalia-Theater wird Sonntag unter der Direktion der Herren Serkomer und Lichtenstein mit dem Singspiel„Da« Lorle aus dem chwarzwald" wieder eröffnet. Spielplanänderuna. In der S t ä d t i s ch e n Oper kann infolge Er- krankung von Fritz Schulz heute„Da« Spitzentuch der Königin" nicht stattfinden. Es wird stattdessen„Sie verlaust« Braut"«it Hans Bollmann a. G. wieberholt. Kriegsopfer und Präsidentenwahl. Die Stellung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen. Zu keiner Zeit ist mit den Begriffen„F r o n t e r l e b n i und„F r o n t s o l d a t e n t u m" in der parteipolitischen Agitation so viel Unfug, ja geradezu Schindluder getrieben worden, wie gegenwärtig. Es lag daher nahe, daß die größte Organi- sation der Kriegsteilnehmer und Kriegsopfer, in der wahres Frontfoldatentum und das furchtbare Leid, das der Krieg über unser Volk bracht«, verkörpert ist, auf ihrer am 5. und 6. März 1932 in Nürnberg stattfindenden 2 9. Reichskonfe- renz ihre Auffassung über den Anteil darlegte, der den Kriegs- teilnehmern und Kriegsopfern im öffentlichen Leben unseres Volkes zukommt. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegsrhinterbliebenen steht seit seiner im Jahre 1917 erfolgten Gründung auf dem Standpunkt, daß die auf die wirtschaftliche Sicherstellung der Kriegsopfer in der Versorgung und Fürsorge ge- richteten Ziele des Bundes nur auf dem Boden der demokratisch- republikanischen Verfassung erfüllt werden können. Den Sinn des Krieges und ihrer im Kriege für Volt und Vaterland dargebrachten Opfer erblicken die im Reichsbund organisierten fast eine halbe Million zählenden Kriegsopfer und Kriegsteilnehmer im Neu- bau eines auf der Gleichberechtigung aller Staat sb ärger beruhenden freien Volks st aates. Mit aller Schärfe wenden ssch die im Reichsbund vereinigten Kriegs- opfer und Kriegsteilnehmer gegen die Verwilderung der politischen Sitten und dagegen, daß gemeine Beschimpfung. Mord und Tot- schlag zu politischen Kampfmitteln gemacht worden sind. Mehr denn je ist es notwendig, klarzustellen, daß nicht die Weimarer Ver- fassung, nicht die demokratische Republik sondern die Folgen des Krieges schuld an dem Elend sind, das heute auf der großen Mehrzahl des deutschen Volkes und nicht zuletzt auf den Kriegsteilnehmern und Kriegsopfern so furchtbar schwer lastet. Daraus müssen wir die Lehre ziehen, gegen den Geist des Mili- tarismus und des Obrigkeitsstaates Front zu machen, ober an dem Ausbau des demokratifch-republikanifchen Staates tatkräftig mitzuwirken und für die Erhal- tung und Sicherung des Weltfriedens einzutreten Den republi- konischen Kriegsteilnehmern und Kriegsopfern ist aber innerhalb der Republik der Platz einzuräumen, auf den sie auf Grund ihrer für Volk und Vaterland dargebrachten Opfer Anspruch haben. Sie verlangen, daß die Behörden der Republik einen bewußt re- publikanischen Kurs steuern und daß all« Feinde der Re- publik von der Verwaltung der Schule, vom Heer und von der Justiz ferngehalten werden. Von der Reichsregierung, dem Reiche- tag, von allen Behörden und von allen Volksgenossen wird er- wartet, daß sie die auf eine würdige und ausreichende Versorgung der Kriegsopfer hinzielenden Bestrebungen des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen unterstützen. In Erkenntnis der hohen geschichtlichen Mission, die die ehe- maltgen Kriegsteilnehmer und die Hinterbliebenen der Kriegsge- follenen um die Begründung, Erhaltung und um den Ausbau der demokratisch-republikanifchen Verfassung von Weimar zu erfüllen haben, richtet der Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Kriegsteil- nshmer und Kriegerhinterbliebenen an alle Kriegsopfer den dringen- den Appell, den Mann wieder zum Reichspräsidenten zu wählen, der seit 7 Jahren an der Spitze der demokratischen Republik Deutsch- lands gestanden hat. Der bisherige Reichspräsident von Hinden- bürg, der sein Amt so gewissenhaft und loyal geführt hat, wie es der auf die Verfassung von Weimar abgelegte Eid von ihm verlangte, wird von den Kriegsopfern im Interesse einer geord- nsten und gesunden Fortentwicklung des deutsche» Volksstaates am 13. März 1932 neugewählt werden. Bluttat restlos aufgeklärt. Auch Seppl festgestellt.- Das Biutgeld gefunden. Der Mörder R ü h l o w bequemte sich, nachdem er gehört hatte. daß fein Komplice Zepernick die Bluttat zugegeben hatte, eben- falls zu einem Geständnis und schilderte die grauenhaften Vorgänge in allen Einzelheiten. Nach seinem Geständnis wurde Rühlow wieder in Zfoliergewahrfam gebracht. Der Tip zu dem Verbrechen war den beiden Burschen von einem gewissen.Seppl" gegeben worden, der als ein 23 Zahre aller Gelegenheitsarbeiter Zosef Edmund Rein- Hardt ans Lauterbach in Bayern ermittelt und auch bereits fest- genommen worden ist. Als die Beamten ihn packten, war er so über- rascht, daß er nur noch stottern konnte. Der Festgenommeue ist sofort zur Vernehmung aufs Präsidium gebracht worden. Von der geraubten Gelde hat Rühlow bisher nichts ausgegeben. Din Anschaffungen, die er gemacht hatte, waren von seinen Erspar- nissen bezahlt. Sein Hauptwunsch war, eine gr.oße Wander- fahrt durch Deutschland zu unternehmen. Der Mord sollte ihnen die Gelder dazu einbringen. Als er am Donnerstag noch der Mord- nacht in den Zeitungen von dem Verbrechen las, wurde ihm unheim- lich zumute und er besürchtet«. daß die Polizei chn aufspüren würde; sie sollte ihn dann nicht mehr im B-'sitze größerer Geldmittel finden. Er besorgte sich ein E i n m a ch e g l a s, tat das Geld hinein und ging damit nach I ö r s f e l d e bei Tegelort hinaus. Die Gegend war ihm genau bekannt, weil er hier im Sommer sein Ruderboot zu liegen hatte. Der Mörder führte die Beamten der Mordkommission in den gestrigen späten Abendstunden an die Stelle, wo er seinen Schatz ver- graben hatte. An einen Baum hatte er eine Schnur gebunden, um den Platz wiederzufinden. Zwischen diesem bezeichneten Baum und einem Hochspannungsmast hatte er das Gefäß in einem Stubben. l o ch versteckt. Die Scheinwerfer des Mordwagens wurden angestellt und' schließlich die bezeichnete Stelle gesunden. Rühlow halle sich «inen Feldspaten, einen Kochkessel und ein Einmache- glas gekauft In der Grube wurde alles gefunden. Das Glas hatte er m t Isolierband abgedichtet und dann in den Kochkessel hineingetan. Dazu hatte er das Hartgeld, das in einen allen Strumpf ein- gewickelt war gelegt Den Kellel hatte er etwa drei Viertel Meter tief vergraben. Spaten und Maske, die er im Wald fortgeworfen hatte, wurden in einem dichten Brombeerbusch gefunden. Em Erfluder der Kunstseide qestorben. In Baden-Baden starb Dr Mar Fremery der M.tbeoründer der Elberse.der Vereinigten Glanzstosf-Firma� Im Jahre 1899 unternahm Fremery, als einer der ersten in Deutschland, bei Aachen die ersten Versuch« zur Herstelli.ng von Kunstseide. Seine Arbeiten lieferten die Grurchlage zur Her- stellung der Viscose-Seide, die heute den Markt beherrscht. Die pädagogische Akademie in Siel wird, wie das preußische Staatsministerium am Freitag beschlossen hat, in ihrem bisherigen Umfang erhalten. Damit erhöht sich die Zahl der weiterzuführenden Akademien auf sieben, vier evangelische, zwei katholische und eine simultane. MaseumSsührungeu. 10 Uhr. Prost vchuiart:„Aus ori«chisch-n »riefen und Urkunden AegnptenS" im Neuen Museumi Dr. Erdmann: , Jslamiscke Keramik" im Kaiser-Friedrich-Museum: 11 Uhr. Dr. Cobn: „ Chinesisch« Kunst der Handzett" im Museum für vor» und Frühgeschichte. Robert Ein Wohltäter Sonnabend um 12 Uhr fand im Plenarsitzungssaal des alten Herrenhauses in Berlin aus Anlaß der vor S9 Jahren erfolgten Entdeckung des Tuberkelbazillus durch Robert Koch eine große Ehrung dieses hervorragenden deutschen Gelehrten statt. Eine große Versammlung ehemaliger Schüler, Freunde und Ver- ehrer Robert Kochs füllte den schönen Sitzungssaal, unter ihnen die Witwe des Gefeierten und feine Tochter. Eröffnet wurde die Feier mit der Ouvertüre zu„Rodelinde" von Händel. Der Leiter des preußischen Medizinalwesens, Ministerialdirektor Dr. S ch o p o h l, sprach einleitende Worte. Er schilderte das un- geheure Aufsehen, das vor fünfzig Jahren die Entdeckung des Tuberkelbazillus durch Robert Koch machte. Das Andenken an diese Großtat im großen Rahmen zu ehren und auch das Ausland hierzu einzuladen, hat aufgegeben werden müssen Die heutige Weihestunde soll sich nur im schlichten Rahmen abspielen. Sodann begrüßte der preußische Minister für Volkswohlfahrt, H I r t f i e f e r, die Anwesenden. Cr wies darauf hin, daß Robert Koch aus den Reihen der preußischen Medizinalbeamten hervor- gegangen sei und als Kreisphysikus in Wollstein in der Provinz Posen seine ersten grundlegenden Entdeckungen gemacht habe, aus denen sich eine neue Wissenschaft, die Bakteriologie, entwickelt habe. Als Koch dann als Regierungsrat in das Reichsgefundheits berufen war. gelang ihm vor nunmehr fünfzig Jahren die Entdeckung des Tuberkelbazillus und anschliessend die Klarlegung der Wege, auf denen die Tuberkulose den Menschen befällt. Schlag auf Schlag folgten nun weitere Entdeckungen, wie die der Erreger der Cholera. des Typhus, der Diphtherie und vieler anderer Krankheiten durch Koch und feine Schüler sowie die Ausarbeitung der Lehre von der Desinfektion, der Hygiene der Wasserversorgung und Abwasser- beselligung sowie der Immunität. Durch die erfolgreiche Bekämp- fung der Cholera während der Epidemie von 1892 bis 1894. ferner des Typhus, der Malaria, des Rückfallfiebers, der Pest und ver- fchiedener Tierseuchen erbrachte Koch den Deweis für die Richtig- kell seiner Anschauungen. Eine Neuordnung der Seuchengesetzgebung baute sich auf seiner neuen Lehre auf und gab Zeugnis davon, daß Robert Koch einer der größten Wohlläter für die ganze Mensch- hell war. Hierauf ergriff der Präsident des Reichsgesundheitsamts, Dr. H a m e l, das Wort. Er schilderte die Vorgeschichte der De- rufung von Robert Koch in das erst wenige Jahre vorher errichtete Kaiserliche Gesundheitsamt und seiner wissenschaftlichen Arbeiten bis zu dem denkwürdigen Vortrage am 24. März 1892. in dem er die Entdeckung des Tuberkuloseerregers bekannt gab. In dem unqlaub- lich kurzen Zeitraum von kaum einem halben Jahre war es Robert Koch gelungen, in dem Tuberkulosebazillus den lange vergeblich Eine Kavareit-Oper. Kabarett der Komiker. Kurt R o b i t f ch e k, Marcellus Schiffer und Mifcha S p o l i a n s k y zogen aus, um— für das Kabarett, versteht sich— neue Gebiet« zu erobern. Variete. Sprechstück. Miniaturoperette sind ihm schon eingegliedert— was bleibt noch übrig? Der General- angriff auf die Oper! Nichts einfacher als das:„Kabarettkunft ist Meisterschaft der Pointierung. Die Pointen als Dominante hat bis- her der Oper gefehlt." Es gilt also„den Witz des Textes mit dem Witz der Musik zu paaren und den Staub wegzublasen, den Tradition auf Abfassung und Darstellung der Opernliteratur gelegt hat". So- well Kurt Robitschek, soweit die Theorie des neuen Genres, der Kabrettoper:„Rufen Sie Herrn Plim." In der Praxis wird es die sehr nette, sehr zestgemäße Geschichte von Herrn Plim, der von den Direktoren eines Warenhauses an- gestellt wird, um in jedem Beschwerdefalle zur tiefen Befriedigung des p. t. Publikums und vor den Augen der Unzufriedenen entlassen zu werden. Auch dies ist ein schwerer Beruf. S. M. der Kunde ist letzten Endes doch nicht zufrieden und Herr Plim fliegt wirklich; d. h. er oereitell dies durch Wiederholung der Rührszene, was (unorganisch genug) das notwendige Hoppz? eiid ergibt. S p o l i a nf ky spielt auf. Jazz ist das tragende Clement des Ganzen: alles andere ist— Opernparodi«,(o sehr sich auch die Autoren dagegen verwahren, nichts als Opernparodie geschaffen zu haben. Travestierte Arien und Rezitative, Koloraturen und Triller, das Feierliche ins Alltägliche versetzt, zum Zweck« komischer Wirkung: alles ander« aber ist und bleibt doch wieder nur— Jazz. So leicht ist der Olymp nicht zu erstürmen, so rasch ist die Oper dem Kabarett wohl auch im Miniatursormat nicht einzugliedern. Sieht man aber von der etwas großsprecherischen Theorie ab— dann bleibt und haftet der Eindruck einer textlich und musikalisch höchst sorgfältig gearbeiteten, höchst amüsanten Groteske, die dem Publikum größtes Vergnügen bereitet. Das Stück kam in einer blitzsauberen, von Robitschek ge> schmackvoll inszenierten Aufführung heraus. Herr Plim war Harald P a u l f e n, der Vielgeliebte; Moria Ney und Irene E i f i n g e r waren die beschwerdeführenden Damen, Alfred Karen und Otto Fassel. die unzufriedenen Käufer, Max Ehrlich und Franz F o r r o w ganz famose Direktoren. A. W. „Traum einer Aachi." Theater am Rolleodorfplah. Wenn sich die russische Spionin in den österreichischen Offizier verliebt, dem sie die militärischen Pläne entwenden soll, wittert der Zuschauer von vornherein eine Menge schlimmer Komplikationen, und Ludwig Wolfs führt in einem seiner Romane die Handlung nicht bis zur Katastrophe. Allerdings geschieht dann die glückliche Vereinigung. Die Agentin rettet die Dokumente und den Oester- reicher. Die Amerikaner entschlossen sich vor Iahren zu der Verfilmung des Sujets für ahnungsschwere düstere Tragik, die Greta Garbo sehr gut stand. Run hat der Stoff eine neue Form gewonnen. Wolfs bearbeitete ihn mit Carl B e h r zu einem Operetten- libretto, biegt alle sentimentalen Gefahren ab und macht eine witzige, fast parodistische Geschichte auf Spione und Militär daraus, eine Geschichte, deren zweiter Akt vor allem gut und spannend auf- gebaut ist mit tänzerischen Buffoduetten und einem pompösen Finale, in dem russische Tänze verwoben sind. Der Komponist 5)ans May beglückt die Vorkriegszeit mit Rumba und Fox, aber diese Anachronismen sind wenigstens gut erfunden. Am Ansang steht ein Terzett, geistreich instrumentiert, das wie ein groteskes Stück aus einer Spieloper wirkt. Ueberhaupt gibt May sein Bestes im Parodistische» und im Tanz. Daneben halten auch die lyrischen Partien Niveau. Heinz Saltenburg stellt ein erwählte» Ensemble zusammen. ch-Ehrung der Menschheit gesuchten Erreger der gesürchteten Volksseuche zu finden und durch ganz neuartige Färbemethoden dem menschlichen Auge sichtbar zu machen. Cr vermochte auch aus dem tuberkulösen Gewebe Rein- kulturen zu züchten und durch Verimpfung bei gesunden Versuchs- tieren eine tuberkulöse Erkrankung künstlich hervorzurufen. Die Auf- deckung des Erregers der Tuberkulose schuf die sichere Grundlage für die wissenschaftliche Erforschung dieser Seuche bei Menschen und Tieren; sie führte weiterhin zur Entdeckung des für die Diagnostik der Tuberkulose so wichtigen Tuberkulins und zur Klar- stellung der Uebertragungsweife der Erkrankung. Sie wurde aber auch zum Wegbereiter für die wirksamsten Methoden zur Bekämp- fung der Tuberkulose, denen e» zu danken ist, wenn heute die ehe- mals so verheerende Seuche weniger als ein Drittel der damaligen Todesfälle an Opfern erheischt. Den Hauptoorttag hielt sodann der jetzige Leiter der alten Arbettsstätte Kochs, der Präsident des Instituts für Infekttonskrank- heilen„Robert Koch", Professor R e u f e l d: Kochs Arbeiten über Tuberkulose haben von Anfang an vor allem praktische Ziele verfolgt. Dazu gehörte zunächst die Fest- stellung der Art und Weise der Uebertragung; hier entschied sich Koch dahin, daß die weitaus häufigste und wichtigste Tuberkulose- form, nämlich die Lungenschwindsucht, durch Einatmung von Tuberkelbazillen entsteht, und zwar meist in Form von trockenem Staub, viel seltener durch unmittelbare Einatmung von bazillen- haltigen Hustentröpfchen. Nach mancherlei Umwegen ist die Forschung in dieser wichtigen Frage wieder zu Kochs Standvunkt zurückgekehrt Ende 1899 erregte Kochs Mitteilung über die E n t- deckung des Tuberkulins das größte Aufsehen. Wie be- könnt, wurden die übertriebensten Hoffnungen auf die Heilwirkung des Mittels gesetzt, und über der tiefen Enttäuschung, die daraus folgte, ist die wissenschaftliche Tragweite dieser Entdeckung vielfach nicht anerkannt worden. Nicht nur. daß das Tuberkulin als ein wunderbar feines diagnostisches Mittel die Feststellung des Tuber- kulin als ein wunderbar feines diagnostisches Mittel die Feststellung verborgener tuberkulöser Herde ermöglicht: die Entdeckung des Tuberkulins enthält im Keime auch die Entdeckung der fvezififchen Ueberemvfindlichkeit lAllergie) überhaupt und auch die Entdeckung des merkwürdigen Zusammenhanges zwischen Ueberempsindlichkett und Immunität. Gleichfalls von größter praktischer Bedeutung war Kochs Feststellung(1991), daß der Erreger der P e r l s u ch t des Rindes von dem menschlichen Tuberkelbazillus verschieden Ist. Da- durch wurde es möglich, die Bedeutung der Ansteckung mit Tuberku- lose durch Milch perlsüchtiger Kühe auf das richtige Maß zurückzu- führen Als letzter sprach einer der ältesten Schüler Robert Kochs, Pro- fessor Richard Pfeiffer, Breslau. Emmi Sturm und Gerd N i e m a r besitzen schöne, große und ausgeglichene Stimmen. Lizzy W a l d m ü l l e r und Oskar Carl- weiß sind blendende, vielseitige Spieltalente. Hörbigers jüdischer Kabarettdirektor und Iunkermanns General entwickeln unaufdringliche, aber mitreißende Komik. Wundervoll Hansi Niese. Der Komponist dirigiert die Aufführung.?. Lab. „Die Wasserieufel von Hieftau." Faltbootfilm im Mozartsaal. Die edle Kunst, mit einem Faltboot oder auch Kajak Flüsse und Seen zu befahren, sich der Schönhett der Landschaft zu erfreuen, ein gesundes und frisches Naturleben zu führen, die Abenteuer des Sports zu erfahren und nicht zuletzt in Kameradschaft ein Gemein- schaftsleben zu führen, ist gewiß jedes Preises wert. Warum soll nicht der Film, dieses Mädchen für alles, für diesen prächtigen Sport Propaganda machen! So hat denn Erich Kober, in Verbindung mit deutschen und österreichischen Kajakfahrern, einen Fllm ge- schaffen, in dem dieser Sport mit all seinen Begleiterscheinungen gebührend in Szene gesetzt wird. Wie Männlein und Weiblein in ihren kleinen schnittigen Fahrzeugen die Flüsse hinabsausen, über Untiefen und durch Stromschnellen, durch Engpässe und weißen Gischt der Kataralle, das ist mit meisterlicher photographischer Kunst aufgenommen. Die Wasserlandschaft, das Spiel der Wolken am Himmel kommen zur vollen Geltung, Eine harmlose Liebesgeschichte und eine aufregende Sensation sind hineingearbeitet. Das Treiben im Lager und die Freuden der Einkehr im Wirtshaus nebst anderen harmlosen und manchmal auch spießigen Sachen werden in aller Fülle ausgebreitet. Die musikalische Untermalung steigert sich ein paar Male zu Liedern. Unter den mitwirkenden Schauspielern sind Hilde Gebühr, Willi Clever, Walter Edhoser und Hugo Fischer- Köppe zu nennen. Durch einige Streichungen würde der Film durch- aus noch gewinnen. Die Handlung ist ja sowieso mehr oder minder Betwerk,— Boran ging ein lustiger farbiger Film von fahrenden Leuten und ihren Kunststücken. r. „Eine Nacht im Paradies." Atrium. Die armen Leute sind komisch und wirken stets lächerlich, und der reiche Mann hat ein sooo gutes Herz, daß er einem Mädel, das er liebt, alles verzeiht, selbst die ärgsten Schwindeleien. Da ferner die armen Leute sich bei Tisch nicht benehmen können, finden zwei Manuskriptschreiber sich gemüßigt, aus diesem Stoff eine Tonsilm- komödie zu mixen. Nicht nur ihnen, sondern auch Carl Lamac ist daraus ein schwerer Vorwurf zu machen; denn als Regisseur ist er nicht aus Gnade oder Ungnade einem Manuskript verfallen. Lamac hat doch Einfälle und er hätte diesen Manuskriptentwurf entweder als Märchen oder als Parodie oerfilmen müssen. Die letztere wäre ihm bestimmt gelungen, ist er doch Spaßmacher teils aus Begabung und teils aus Neigung. Aber gerade der Spaßmacher hat heutzutage seinen Beruf ernst zu nehmen, und er hat keine Aufgabe gelöst, wenn ein harmloses, lebensfremdes Publikum, das seine Weisheit aus Kitschfilmen bezieht, dann und wann mal vor Vergnügen quiekt. Hermann T h i m i g und Ralph Arthur Robert bleiben matt. weil die drollige tänzerisch begabte Anny O n d r a gar zu resolut ihre Stellung im Vordergrund behauptet. Gesungen wird auch, aber diese Schlager sind ziemlich unbeholfen hineingeflickt worden. Im Vorprogramm läuft ein Zeichentrickfilm, der die Tätigkeit eines Kampffliegers zum Gegenstand des Vergnügens macht, Jeder, der unter den Folgen des Weltkrieges leidet, wird diese Ge- schmacklostgkett auf das schärfste verurteilen. e. b. Das Seminar für Volks, und Zugendmusikpflege veranstaltet Sonntag, 11,39 Uhr, in der Hochschule für Musik eine Haydn.Feier Unter Leitung von Fritz Jode. Aristokratische Arbeiterpartei. Der Führer wird bestimmt. In den Anweisungen der Reichsleitung der Nationalsozialistichen Deutschen Arbeiterpartei" zur Organisation der Nationalsozialistischen Betriebszellen, verfaßt von Reinhold Muchow, ist unter 3. Aufbau und Führung zu lesen: „ Die Führung der NSBO. wird nicht demokratisch, sondern aristokratisch ausgeübt. Charakter und Leistung sind die Hauptmomente, die zur Führerschaft qualifizieren. Der Führer wird nicht gewählt, sondern bestimmt." Wenn der aristokratische Standpunkt dieser Arbeiter"-Partei schon jetzt allgemeine Geltung hätte, dann würde sich Hitler als Reichspräsident selber bestimmen. Die Arbeitnehmerschaft hat es in der Hand, bei der Reichspräsidentenwahl dafür zu sorgen, daß nicht aristokratisch- faschistisch, sondern demokratischrepublikanisch in Deutschland regiert wird. Der Regierungsrat Hitler mag sich als Aristokrat fühlen, Reichspräsident darf er nicht werden. Wegen 20 Pfennig entlassen. Ein„ Angriff"-Mann fühlte sich benachteiligt. Ein Kellner, der drei Jahre lang im Mokka- Efti tätig war, wurde auf die Beschwerde eines Gastes hin fristlos entlassen. Er flagte beim Arbeitsgericht, wurde jedoch mit seiner Klage abgewiesen, da ein Herr Baesse vom Angriff" unter Eid auszusagen bereit war, daß ihn der Kellner um 20 Pf. übervorteilt habe. Dem Vorhalt gegenüber, ob nicht etwa ein Versehen oder ein Irrtum des Kellners vorliegen könne, beharrte der Herr vom Angriff" auf seiner Behauptung. Damit war der Kellner erledigt". Mißerfolg fommunistischer Denunzianten. Wie wir am 17. Januar berichteten, hatten in Bärwalde Nm. Kommunisten verschiedene Vertrauensleute des Gesamtverbandes bei der Polizeibehörde angezeigt, weil sie während des Weihnachtsburgfriedens Werbeflugblätter für den Gesamtverband verbreitet hatten. Erfolg: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage, Verhandlung am Amtsgericht Bärwalde und Freispruch. Rechtsanwalt Dr. Meyer II, Landsberg a. W., als Verteidiger, fonnte an Hand der Werbeschriften den zahlreich anwesenden Arbeitern und dem Gericht 3 weck und Ziele des Gesamtverbandes vor Augen führen. Wie horchten die Arbeiter auf: 10 Millionen Unterstügung in einem Jahre, in den letzten Jahren 12 Milliarden Mark Lohnerhöhungen. Das war eine ganz besondere Werbeveranstaltung für den Gesamtverband an Gerichtsstelle, die den Denunzianten von der KPD. zu verdanken ist. Das Arbeitstier. Ueberstundenschinder schuftet sich frank. Wie gering das Verständnis mancher Arbeiter für die einfachsten Forderungen der Solidarität ist, zeigte eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht. Ein Vorarbeiter, der als Lackierer in einer Karosseriefabrit arbeitete, verlangte Ueber= stundenbezahlung. Er hatte es fertig gebracht, innerhalb der letzten zwei Jahre nicht weniger als 750 Ueberstunden zu machen. Er ist dann entlassen worden, als er wegen Leberarbeitung frant wurde. Da er für die Ueberstunden nur immer den gewöhnlichen Stundenlohn von 1,60 Mark erhalten hatte, forderte er einen Zuschlag von 40 Pfennig für die Stunde und flagte einen Betrag von 300 Mark ein. Der Vorsitzende fragte den Arbeitgeber, wieso er bei der tatastrophalen Arbeitslosigkeit soviele Ueberstunden habe machen lassen und warum er denn feine Arbeiter einge stellt habe. Der Arbeitgeber sagte darauf, daß ihn der Borarbeiter, der Arbeitskräfte einstellen und entlassen durfte und auch sonst ziemlich selbständig war, stets daran gehindert habe und lieber die Arbeit selbst machte. Er habe sogar die anderen Arbeiter schon mittags weggeschickt, um dann selbst bis zum späten Abend die Arbeit allein zu machen. Auf diese Weise habe er manchmal bis 11 Uhr abends, einmal sogar bis zum andern Morgen um 5 Uhr durchgearbeitet. Wenn er ihm deswegen Borhaltungen machte, fagte er immer, er sei ein Arbeitstier und die acht Stunden Arbeit genügten ihm nicht. Da habe er ihn eben gewähren laffen. Trotzdem die Forderung auf nachträgliche Bezahlung des Ueberstundenzuschlages sehr zweifelhaft war, weil er vorher eine folche Forderung nie gestellt hatte, erklärte sich der Arbeitgeber bereit, vergleichsweise 100 Mart zu zahlen. Man ist versucht, zu fagen, daß ein auf so raffgierige Weise erworbener Anspruch eigentlich nicht belohnt werden dürfte und eine Abweisung der Klage besser am Blaze gewesen wäre. Bon jedem noch in Arbeit Stehenden müßte man soviel Einsicht verlangen können, daß er nicht seinen Arbeitskollegen das Brot wegnimmt. Ueberstundenschieberei bei einer Arbeitslosenziffer von über 6 Millionen zu leisten ist verwerflich. Im umgekehrten Falle, wenn der Vorarbeiter nur fürzere Zeit arbeiten wollte, hätte ihn der Unternehmer sicher nicht gewähren lassen. Der Abbau des Ruhrbergbaues. Dortmund, 5. März. Die Grubenverwaltung der Zeche Hannover-- Hannibal in Bochum- Hordel zeigt die Betriebseinschränkung der Zeche Ver= einigte Hannibal" in Bochum an. Zur Entlassung tommen 550 Arbeiter und 20 Angestellte. Die Vereinigte Stahlwerte AG., Gruppe Bergbau, zeigt die Stillegung von Friedlicher Nachbar" in Bochum zum 31. d. M. an. Zur Entlassung kommen hier 450 Arbeiter und 35 Angestellte. In beiden Fällen wird als Grund Absazmangel angegeben. Die Gesamtbelegschaft des Ruhrbergbaues beläuft sich nach den für diesen Monat angekündigten Abbaumaßnahmen Ende Die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich ist in der vergangenen Woche erneut um rund 10 000 auf 293 198 gestiegen. 3ur gleichen Zeit des Vorjahres wurden offiziell nur 40 766 Arbeitslose gezählt. Außerdem fonnte 332 414 Stellungsuchenden feine Beschäftigung vermittelt werden gegenüber 324 376 in der Vorwoche und 39 624 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Wetter für Berlin: Zunehmende Bewölkung ohne wesentliche Niederschläge, Temperaturen wenig verändert. Für Deutschland: Westostwärts fortschreitende Eintrübung mit Milderung der Nachtfröste. In Ostdeutschland noch meisten heiteres Frostwetter. Theater der Woche. Bom 6. bis 14. März 1932. Bolksbühne: Auch die ruffif- ferbtfchen Beziehungen waren nicht ganz einheitlich. Mit besonderem Interesse wird man zu den Geheimberichten des berüchtigten russischen Gesandten in Belgrad, Hartwig, greifen. Aber sie sind gar nicht so sensationell und triegerisch, wie man erwartet hätte. Am 2. Februar 1914 schreibt den russischen der serbische Ministerpräsident Paschitsch an Außenminister einen Brief, in dem er dringend bittet, Serbien bis zum nächsten Frühjahr" aus den russischen Beständen 120 000 Gewehre, 24 Haubigen, 36 Gebirgsgeschüße usw. zu schicken. Der russische Außenminister Sajanow gab den serbischen Brief empfehlend an den Kriegsminister weiter. Aber am 7. Februar 1914 verlangt in einem sehr merkwürdigen Schreiben der russische Ministerpräsident Kotowzow die Rückzahlung von 4 Millionen Franken, die der„ Serbische Offiziersbund" sich 1910 von Rußland geliehen hatte. Kotowzow wollte also das serbische militärische Berschwörertum, das wenige Monate später den Erzherzog Franz Theater am Bülowplag: 6., 7., 8. Fuhrmann Henschel. Ab 14. täglich An- Ferdinand ermordete, finanziell lahmlegen. Am 11. Februar wurde droklus und der Löwe. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 6. Aida. 7. Maskenball. 8. Hochzeit des Figaro. 9. Traviata. 10. Butterfly. 11. Andromache. 12. Hugenotten. 13. Margarete. 14. Nacht in Venedig. Gener. Staatliches Schauspielhaus: 6. bis 14. Cyrano von Bergerac. 10. Florian Städtische Oper Charlottenburg: 6. Die Afritanerin. 7. Rigoletto. 8., 13. Friedemann Bach. 9. Don Giovanni. 10., 12. Die Bürgschaft. 11. Das Spizentuch der Königin. 14. Boheme. Staatliches Schiller- Theater: 6. bis 14. Die endlose Straße. 10. Dottor Klaus. Theater mit festem Spielplan: 1 1 1 Deutsches Theater: Vor Sonnenuntergang. Die Komödie: Juwelenraub Theater in der am Kurfürstendamm. Deutsches Künstler- Theater: Roulette. Stresemannstraße: In jeder Ehe. Romödienhaus: Wegen Vorbereitung gefchloffen. Metropol- Theater: Ein Lied der Liebe. Theater des Westens: Die Dubarry. Luftspielhaus: Rungendorf. Theater im Admiralspalast: Lifelott. Komische Oper: Für eine schöne Frau. Großes Schauspielhaus: Theater am Hoffmanns Erzählungen. Berliner Theater: Der Biberpelz. einer Nacht. Nollendorfplay: Traum Bentral- Theater Der fidele Bauer. Theater am Schiffbauerdamm: Eine Ballnacht. LeffingDie Tribüne: Spiel im Schloß. Theater: Morgen geht's uns gut! Kleines Theater: Die Mausefalle. Renaissance- Theater: Der Fall Grootmann. CasinoRose- Theater: Jettchen Gebert. 12., 21 Uhr: Götter unter sich. Scala, Plaza: Friederike. Theater: Der Mann mit den zwei Frauen. Wintergarten: Internationales Barieté. Reichshallen Theater: Stettiner Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan: Theater in der Klosterstraße: 6., 7. Faust. Ab 8. Liebe. Nachmittagsvorstellungen: Bollsbühne: Theater am Bülowplag: 6., 12 Uhr: Berliner Funtorchefter: Komödienhaus: 6. Iphigenie auf Tauris. Werke von Gustav Mahler. Metropol- Theater: 6. Die Fledermaus. Theater des Westens: 6., 13., 1412 Uhr und 12., 15% Uhr: Rai aus der Riste. 6., 13., 17 Uhr: Der Bogelhändler. Rose- Theater: 8., 11., 18 Uhr, und 12., 15 und 18 Uhr: Jettchen Gebert. Theater am RollenGroßes Schauspielhaus: 6., 13. Hoffmanns Erzählungen. borfplag: Mag und Morig. Kleines Theater: 6., 12., 13. Die Mauſefalle. Theater in der Klosterstraße: 6., 13., 15% Uhr: Cedgeist, und 17% Uhr: Büchse der Pandora. 8., 15% Uhr: Göz von Berlichingen. Plaza: Friederike. Scala: Internationales Varieté. Wintergarten: 6., 12., 13. Internationales Varieté. Reichshallen- Theater: 6., 12. Stettiner Gänger. Erstaufführungen der Woche: Mittwoch. Voltsbühne: Androklus und der Löwe. Donnerstag. Städtische Oper: Die Bürgschaft. Freitag. Lindenoper: Andromache. Das neile Buch Russische Geheimaklen vom Jahre 1914. Die Sowjetregierung hat sofort nach ihrer Machtübernahme 1917 mit der Deffnung der zaristischen Geheimarchive begonnen. Seitdem ist aus Rußland eine Fülle von interessanten Dokumenten der imperialistischen Herenküche zum Vorschein gekommen. Ein großer Teil dieser Urkunden ist auch in deutscher Sprache erschienen. Aber bisher lag doch nur eine Reihe unübersichtlicher Einzelpublifationen vor, die mit allen möglichen Lücken und Mängeln behaftet waren. Eine wissenschaftlich einwandfreie, lückenlose Veröffentlichung der russischen Atten zur Vorgeschichte des Weltkrieges wurde ein dringendes Bedürfnis. Nun liegt der erste Band eines solchen Gesamtwertes vor. Es führt den Titel: Die internationalen Beziehungen im 3eitalter des Imperialismus. Dokumente aus den Archipen der zarischen und der provisorischen Regierung." Herausgeber ist eine von der Sowjetregierung eingesetzte Kommission unter dem Vorsitz des bekannten Historifers Potrowiti. Parallel mit der russischen Originalausgabe erscheint eine deutsche Ausgabe unter Leitung von Profeffor Soetsch, dem Rußlandforscher der Berliner Universität. Der stattliche erste Band des Werkes umfaßt die Zeit vom Januar bis März 1914.( Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1931.) Ein Teil der hier bereits veröffentlichten Akten ist bereits befannt, aber hier zum ersten Male übersichtlich und in einwandfreien Terten vorgelegt. Dazu kommt eine Anzahl wichtiger neuer Stücke. Erst jetzt wird völlig flar, wie stark damals die inneren wenige Spannungen zwischen den Ententemächten selbst, noch Monate vor Ausbruch des Weltkrieges, waren. Der englische russische Streit um Persien drohte direkt die Ententefront zu sprengen. Eine flügere deutsche Politik als die BethmannHollwegs hätte manche Möglichkeiten gehabt. Staats MA Theater Sonnabend, den 5. März Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Das Herz Staatl.Schauspielhaus Gendarmenmarkt. 20 Uhr Cyrano von Bergerac März noch auf 204000 mann. 20 Bechen sind zur Drel PLAZA schichten wo che übergegangen, so daß die Arbeiter in den Genuß der Kurzarbeiterunter st ütung gelangen. Proteststreif in Polen. Gegen Sozialgesetzesvorlagen. Nähe Schles. Bhf, 5.815, Stgs.2,5,815 U. Tel.: E7 Weichsel 4031 Friederike" Schiller- Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die endlose Straße Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Fuhrmann Henschel Städt. Oper Margarete Melzer Charlottenburg mit Emil Jannings u. Regie: K. H. Martin HAUS VATERLAND KURFURST 7460 Day Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Rose- Theater| Theater freilich Kotowzow vom Zaren entlassen! Man sieht hier, wie eine friegerisch- abenteuerliche und eine vorsichtig- friedliche Tendenz unter den maßgebenden Männern Rußlands miteinander kämpften. Die tapitalistische Geheimpolitik ist, wie die gegenwärtigen Ereignisse in Ostasien zeigen, immer noch in voller Kraft. Wer ihre Methoden studieren will, wird in dem russischen Aktenwert reiches Arthur Rosenberg. Material finden. FUNK UNDAM ABEND Sonnabend, den 5. März 1932. 16.05 Unterhaltungsmusik. 18.15 Lesser: Für den Siedler. Berlin. 18.30 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Violinmusik, 19.35 Die Erzählung der Woche( Sprecher: Max Hochdorf). 20.00 Langenberg: Lustiger Abend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Felix Stiemer: Unterhaltungsroman. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Prof. Dr. Taute: Entdeckung des Tuberkulosebazillus. 17.50 Nairz: Viertelstunde Funktechnik. 18.05 Günther: Deutsch. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.30 Stille Stunde. ,, Dem dunklen Gott." 20.00 Dr. Karl Würzburger: Neues vom Rundfunk. 20.15 Wien: Aus Wiener Operetten. 6.45 Funkgymnastik. Sonntag, 6. März. 7.00 Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.00-8.55 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. Berlin. Anschließend: Glockengeläut des Doms. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Feierstunde. Veranstaltet vom Arbeiter- Kultur- Kartell Groß- Berlin. 11.30 Großes Schauspielhaus: Matinee. 12.40 Volksbühne: Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 7( Berliner Funkorchester; Dirigent Hermann Scherchen). 14.30 Hede Geber erzählt Märchen. 15.00 Unterhaltungsmusik. 16.45,, Mops." Erzählung von Hans Jenkner. 17.00 Gastspiel engagementsloser Schauspieler: Prima frische Salzstangen." Hörspiel aus dem Leben eines Werkstudenten von Geno Ohlischlaeger. 18.20 700- Jahrfeier der Stadt Spandau( Schallpl.). 18.50 Beethoven: Sonate C- Moll, op. 111( Konrad Hansen, Flügel). 19.15 Sechs Lebensretter geben einen Bericht. 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Leipzig: ,, Ali Pascha von Janina." 22.00 Wetter, Nachrichten und Sport. Tanzmusik. Königswust 7.00 Hamburg: Hafenkonzert. 8.00-10.05 Uebetragung von Berlin. hausen. 11.10 München: Gedächtnisfeier für Georg Kerschensteiner. 11.50 Krolloper: Schlusnus- Matinee. 12.50 Großes Schauspielhaus: Matinee. 14.00 Kinder, die in der Schule Schwierigkeiten machen.( Dr. Alfred Adler, Wien, und Oberschulrat Dr. Carl Fischer.) 14.25 Gedichte von Johanna Wolff. 14.35 Prof. Dr. C. Kaßner: Wetter und Humor. 16.00 Leipzig: Fußball- Länderkampf( Deutschland- Schweiz). 16.45 Käte Miethe: Wir wollen helfen. 17.00 Unterhaltungsmusik. 18.15 Sollen wir jungen Menschen uns mit Politik beschäftigen?( Mehrgespräch). 18.55 Prof. Dr. Walther: Goethe und die Naturwissenschaften. 19.30 F. P. Reck- Malleczewen: Aus eigenen Werken. 20.00 Breslau: Volkstümliches Konzert. 22.10 Mühlacker: Das Zeppelinluftschiff in seiner Entwicklung zum Weltverkehrsmittel. Berantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag 6. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin GW 68, Lindenstr. 3. Sierzu 1 Beilage. GR. SCHAUSPIELHAUS Tägl. 8 U. Hoffmanns Erzählungen REINHARDT INSZENIERUNG Sonntag nachm. 3 Uhr billige Preise der Plätze 81, Uhr CASINO- THEATER 8%, Uhi Lothringer Straße 37. Operette, Varieté, Posse! u. a. 2 Loros Musikal- Akt Große Frankfurter Straße 132 a. Nollendorfplatz Die Operette: Gestrandet Tel. Weichsel E 7 3422 6 u. 9 Uhr Pallas 7051 Täglich 84 Uhr Der Berlin. Komiker Herm. Krause Zum Schluß der neue Schlager Reichshallen Theater S Uhr. Dönhoff platz Sonntags 3 Uhr zu kleinen Preisen Stettiner Sänger Die neue Groteske Dr.Weichkäs heilt alles-! Trabrennen Mariendorf Sonntag, den 6. März, nachmittags 2 Uhr Homöopathie Jettchen Traum einer Nacht Der Mann mit den zwei Frauen Nieren-, Blas.. Leb., Gall.-, Magen-, Darm-, Operette in 3 Akten Jutschein 1-4 Personen: Parkett 50 P1. Behandl. nur 2 M. Löser Gebert Kleines Th. Truppe 1931. Tägl. 8% Uhr Die Mausefalle Preise 75 Pl.-5.M. Sonnab. und Sonntag v. Lud.Wolff u. Karl Behr Musik von Hans May Regie: Heinz Saltenburg Blumenspenden Jeder Art llefert preiswert Paul Golletz Mariannenstr. 3 F8, Oberbaum 1303 Bismarckstraße 34 Warschau, 5. März. Der Zentralausschuß der gewerkschaftlichen Verbände Polens Sonnabend, 5. März Staatl. Schiller- Theater nachmittags 4 Uhr vormals Robert Meyer hat für den 16. März einen eintägigen Protest streit gegen die von der Regierung eingebrachten Sozialgesetze beschlossen. Eisenbahn- und Postbeamte sowie andere öffentliche Angestellte bleiben von dem Proteststreit frei. Turnus IV Anfang 20 Die verkaufte Braut Ende gegen 23 Uhr 8 Uhr halbe Preise. hi Die enclose Straße Berliner lk- Trio Neukölln. Lahnstr. 74/ 75.J Fauteuil 1. Mark. Sessel 1.50 Mark., Innere u.Nerven!.) Schuhbeschlung Halber Preis 135 Herren 155 Damen Münzstr.9 Von der Reise zurück N: Kopenhagener Str. 28 Choriner Str. 49 Fennstr. 51 NW: Quitzowstr. 117 0: Schillingstr. 25 Mainzer Str. 4 S: Annenstr. 23/24 Luisenafer 3 SW: Alexandrinenstr. 1 Neukölln: Emser Str. 138 Wißmannstr. 12 Schöneberg: Kolonnenstr. 47 War burgstr. 3 Beilage Sonnabend, 5. März 1932 Der Abend Spalausgabe des Vorwärts Geschichte der Woche: Gerhart Herrmann Mostar Um eines Grabes willen Ein Bostbeamter, der vierzig Jahre lang tren gedient hatte, mußte verhaftet werden, weil er sich in letzter Zeit an fremdem Geld vergriff. Er hatte die Unterschlagungen um eines Toten willen verübt Manchmal sprechen sie im Postamt von der Inflation. Oh, sie entsinnen sich alle noch der Zeit, da man einige Billionen Gehalt in Empfang nahm; und wenn man damit zu Hause angelangt war, dann waren es noch immer einige Billionen, und es war trotzdem nur noch die Hälfte wert... Irgendwo lag ein Land, da gab es nicht Mark, da gab es Dollar, und der Dollar blieb immer Dollar, und weil er das blieb, darum blieb die Mark nicht Mart; warum es so war, warum Amerika so fern und sein Dollar so nahe und doch nie zu erreichen war, das war schwer einzusehen, aber es war eben so... sie entsinnen sich alle noch. Was den betagten Oberpostschaffner Sörensen betrifft, so schweigt er allerdings bei solchen Gesprächen. Das macht: er fühlt sich ein bißchen schuldig, weil es ihm damals nicht im entferntesten so schlecht gegangen ist wie seinen Kollegen. Und das hatte er Henri zu danken. Henri, das war der Sohn; er hieß eigentlich Heinrich, aber seit er bei der Bank war, nannte er sich Henri; man konnte nichts dagegen sagen, denn die Bant war etwas vornehmes, und sie war es ja ausschließlich, die das Los des Vaters Sörensen crleichterte. Nämlich Henri saß sozusagen an der Quelle. Er hatte die Stellung in seinem halb ausgewachsenen Konfirmandenanzug angetreten, und jetzt trug er längst Maßanzüge nach modernstem Schnitt. Er spekulierte mit Talent und Glück. Und wenn er auch das so er worbene Geld mit Grandezza auszugeben wußte für Speisen und Getränke und Kleider und Frauen: deshalb ließ er doch den Vater nicht darben oh nein. Er gab ihm genug von seinem Ueberfluß, mehr als genug. Er war ein guter Junge. Es war aber so, daß Sörensen auch immer ein guter Vater gewesen war, und daß er also das Recht hatte, des Sohnes Geschenke anzunehmen. ,, Junge," sagte er zwar manchmal ,,, wie soll ich das alles bloß wieder gutmachen!" Aber der Junge lachte: ,, Was willst du denn gutmachen? Mir geht's doch gut!" So war das bei Sörensens, als noch Inflation war. * Dann tam ein Tag, da war keine Inflation mehr. Mit einemmal. Es war verblüffend, wie das so von heute auf morgen aufgehört hatte. Im Postamt fanden sie alle, es sei gut so. Bater Sörensen fand das auch. Man wußte doch endlich wieder, was man am Ersten bekam. Henri hielt mit seinem Urteil zurück. Er meinte nur lafonisch, man werde auch so wissen, wo man bleibe. Man müsse eben andersrum spekulieren. Man habe ja in ja in der Inflation genug ge= lernt. Tatsächlich brauchte sich denn auch Henri teine Einschränkungen aufzuerlegen zumal der Vater jetzt immer öfter und bald ständig in der Lage war, die Unterſtüßungen des Sohnes abzulehnen. Einige Monate später allerdings gab es ein fleines Mißgeschick für Henri. Seine Stellung war ihm gefündigt worden; die Bank hatte sich einschränken müssen. Aber in Banffreisen war man der Auffassung, daß diese Einschränkungen nur vorübergehend sein wür den. Auch Henri glaubte das, auch sein Vater. Der junge Bantangestellte bemühte sich nur obenhin um eine neue Stellung. Es würde sich ja alles von selbst wieder machen. Aufs Stempelngehen verzichtete er zunächst. Der Betrieb auf den Stempelstellen hatte ihm nicht gepaẞt. Jedoch die stille Zeit hielt an. Die Stille auf dem Geldmarkt wurde sogar beängstigend. Die Banken schränkten immer weiter ein. Es gab schon fast mehr stellungslose Bantbeamte als Angestellte. Einmal mußte Henri seinen Vater bitten, eine Schneiderrechnung zu bezahlen. Der Alte tat es gern. Aber Henri zog es nun doch vor, stempeln zu gehen. Man mußte die Kleinigkeit mitnehmen. Als Henri seine Stempelfarte zum erstenmal in Händen hielt und darauf las:„, Sörensen, Heinrich" da faßte ihn ein Ahnen an, als könnte diese Rückkehr von Henri zu Heinrich symbolisch sein, symbolisch und endgültig Aber er drängte die fruchtlosen Gedanken zurück und traf sich mit einer ihm bekannten Dame aus vornehmem Hause in einer teuren Konditorei, als wäre nichts geschehen. Es war ja eigentlich noch nichts geschehen. * Wieder ein Tag da sagte Heinrich so obenhin: ,, Hör mal, Väterchen du hast früher manchmal so nett gefragt, wie du alles wiedergutmachen könntest weißt du noch? Es war ja nicht der Rede wert, was ich damals tun konnte, natürlich nicht aber jetzt hättest du eine bildschöne Gelegenheit..." Wieviel ist es denn?" fragte der Vater gut gelaunt. " Der Sohn antwortete nicht direkt. Ich mache keine großen Sprünge, Väterchen, das weißt du ja. Bloß, verstehst du, wenn man sich mal an das bessere Leben gewöhnt hat, an gute Anzüge und dann kann man gute Lokale und nett angezogene Mädels und so sich natürlich nicht so von heute auf morgen umstellen. Es muß ja auch wieder anders werden, ich habe da eine glänzende Stellung in Aussicht. Also-"- und nun nannte Heinrich eine Summe, die den Alten blaß werden ließ. • Junge," sagte er ohne Vorwurf, fast demütig ,,, das kann ich nicht. Denk doch mal, das sind doch eine ganze Reihe von Monatsgehältern... Wo soll ich's denn hernehmen..." ,, Kannst du dir nicht die paar Kröten leihen? Du als Beamter friegst doch ohne weiteres Kredit. Ist doch klar. Für mich als Stellungslosen wäre das schwer, wäre das wohl überhaupt unmöglich." Bater Sörensen sah das ein. Er nahm Geld auf- zu einem ziemlich hohen Binsfuß. Er zahlte gewissenhaft ab. Der Tabat, den er rauchte, wurde schlechter, die Molle Bier, die er sich bisher hier und da geleistet hatte, unterblieb ganz. Sonst aber war ihm nichts anzumerken. Nicht einmal, als er nach kurzer Zeit wieder Geld leihen mußte. Er aß schlecht, fleidete sich schlecht, sein Gesicht, das rund und rotbäckig gewesen war, bekam einen grauen Schein und viele Falten Ziemlich oft bat er um Vorschuß auf sein Gehalt, der ihm immer bewilligt wurde. Sörensen war bald vierzig Jahre im Dienst. Er hatte keinen Außendienst mehr, hatte nur im Amt Einein Vertrauensschreibesendungen und Wertbriefe zu fortieren posten also. Manchmal las er die Zahlen, mit denen der Wert der Briefe beziffert war, und seufzte. Eine folche Summe Junge war aus dem Schlimmsten heraus. Er überlegte, wie man und der sich soviel Geld beschaffen könnte. Auf den Gedanken einer Unterschlagung tam er gar nicht. Die Zeit blies mit bösem Atem auch in Sörensens friedliches Haus hinein. Es gab Mahnbriefe, es gab bald auch Gerichtsvoll zieher, die seinen Jungen mit Pfändungen verfolgten, die sich nicht, wie der Vater, vertrösten ließen. Sörensen ertrug es, ließ es bei sanften Vorhaltungen für den Jungen bewenden. Aber nachts kam es manchmal vor, daß er, der Mann, weinte. * Dann jener Tag, der ihn, den sonst so ruhigen Beamten, zittern Dummmachte, der den noch kaum Grauharigen weiß machte. heiten hatte der Junge gemacht. Zum Revolver müsse er greifen, hatte er dem Vater erklärt, wenn die riesige Summe nicht gedeckt, nicht wenigstens abbezahlt wurde. Es war seltsam, daß an diesem Tage, an dessen Morgen Heinrich gebeichtet hatte, ganz besonders viel hoch bewertete Sendungen durch des Alten Hände gingen. Fast jede konnte eine erste Anzahlung ermöglichen, die die Katastrophe verhinderte. Man tonnte es so machen, daß nichts herauskam. Er war vollkommen unbeobachtet. Er genoß das unbedingte Vertrauen seiner Vorgesetzten, feiner Kollegen. Auf ihn würde man zuallerlegt tommen. Hier waren irgendwelche toten, gleichgültigen Papierhülsen. Sie enthielten tote Scheine für Menschen, die man nicht kannte. Man konnte es so machen, daß man nur Briefe wählte, die an reiche Leute oder an große Firmen gingen, oder von solchen kamen. Was tat es denn, wenn einmal eine derartige Sendung verlorenging? Nicht einmal pleite würden sie machen. Aber sein Junge, sein einziger Junge, der nicht böse war, nicht dumm, nicht einmal schwach, der nur Opfer der Beit war der rang mit dem Freitod. Ein Handgriff seines Vaters tonnte ihn zum Sieger machen. Aber was standen da alles für Wände zwischen der zitternden Greisenhand und dem Stück Papier! Alles, was man gelernt hatte, alles, was man verehrt hatte, alles, wonach man sich gerichtet hatte vierzig treue Beamtenjahre hindurch: Ehrlichkeit, Pflichterfüllung, Diensttreue, anständiges Menschentum es war gar nicht aufzuzählen. Dies Postamt hier, dies müchtern- geschäftige, summende Gebäude aus Stein und Holz, Tischen und Schaltern, viel Dunkel und wenig Licht durch die hofwärts gerichteten Fenster das war ihm zur Heimat, das war ihm gewissermaßen zur Mutter geworden. Das hatte ihn vierzig Jahre lang betreut, ihn genährt, ihn gekleidet, ihn scherzen und brummen sehen, mit immer gleicher, farger, aber verläßlicher Güte. Man durfte es nicht schänden. Man durfte nicht. Sörensen schändete es nicht. Seinen Jungen fischte man zwei Tage später aus dem Fluß. * Das Amt hatte einen sehr schönen Kranz gestiftet. Sonst gab es nicht viel Teilnahme. Man hatte nicht viel Umgang gehabt. Auch Heinrich hatte den seinen längst verloren, im gleichen Schritt mit seiner Wohlhabenheit. Sörensen tat gleich nach dem Begräbnis wieder Dienst. Gewissenhaft, ausdauernd. Aber der Griff, mit dem er die Wertbriefe anfaßte, war so hart geworden, daß manchmal eine Ecke riß. Der Blic, mit dem er die Amtsräume streifte, glomm vom Haß. Diese Briefe, diese Räume waren die Mörder seines Jungen diese Briefe, diese Räume und er selbst Die Abende verbrachte er am Grab seines Sohnes. Alles, was er vom Gehalt erübrigen konnte, verwendete er für den Schmuck des Hügels. Er erübrigte fast alles, denn er darbte, er verkam faſt. Das Geld gehörte nicht ihm, gehörte dem Jungen, dem toten Jungen. Er hatte gutzumachen, das Amt hatte gutzumachen. Das Grab sah fast prunkvoll aus. Aber dem Alten genügte es nicht. Es gab Gräber, die waren noch tausendmal schöner. Jeden Abend, bevor der Alte das Amt verließ und zum Friedhof ging, bestahl er einen Brief, sorgsam, vorsichtig, mit einer bösartigen Geschicklichkeit. Am Wege vom Amt zum Grab lag eine Gärtnerei. Dorthin trug er das gestohlene Geld und faufte Blumen dafür, Blumen und Kränze in verschwenderischer Fülle. Er ordnete sie sorgsam auf dem Hügel. Dann saß er bis in die Mitternacht hinein. Langsam, schwankend ging er in seine leere Wohnung. Sein Magen schmerzte wie unter tausend Stichen Er bemerkte es faum und aß nichts. Er machte gut an seinem Jungen, er nahm Rache an sich und an seinem Amt. Sie schrieben einen Brief mit fingierter Adresse, taten einen vorsichtig gekennzeichneten Schein hinein. Eines Abends, als er eben das Amt verlassen wollte, griffen sie Der Schein fand sich in seiner Geldtasche. Sie nahmen ihn fest. zu. Seinen Posten versieht ein anderer, der an feinem Toten etwas gutzumachen hat. Die Blumen auf Henri Sörensens Grab welten. Vom Günstling zum Diktator Das Leben Manuel Godoys/ Von Georg Schwarg Das Zeitalter der großen Französischen Revolution Als Staatsmann und Wirtschaftspolitiker ist Godoy völlig un zog in der großen Politit sichtbar die Summe aus den veränderten Produktionsverhältnissen Europas, wo neben der Bedarfswirtschaft immer mehr die Warenwirtschaft sich herausgebildet hatte. Alle Umwälzungen jener Zeit waren nur das durch längst bestehende gesellschaftliche Zustände erzwungene Fazit. Die blutigen Rämpfe, die so schmerzlich die Länder erschütterten und zerrissen, entfesselte nicht das emporgekommene Neue, sondern das Alte, das oben bleiben wollte. Entsprechend den verschiedenen Graben ihrer tapitalistischen Entwicklung fallen die historischen Epochen der einzelnen Länder zeitlich nicht ganz zufammen. Dennoch ist mit dem Kapitalismus die Geschichte zur Weltgeschichte geworden, da die Bewegung jedes Landes die Bewegung aller anderen Länder mit beeinflußt. Kapitalismus und Weltmarkt sind unlösbar verknüpft. Das Spanien um die Wende des 18. Jahrhunderts ist in der Populär- Historie merkwürdig wenig behandelt worden. Hans Roger Madol gebührt mit seiner Biographie Godoys*), des ersten Diktators unserer Zeit", Anerkennung dafür, daß er das höfische Spanien jener Zeit zeigt. 3war gehört leider Madol nicht zu jenen Geschichtsschreibern, die ganz klar die Zusammenhänge der realen Daseinsbedingungen mit ihrem ideologischen Ueberbau durchschauen, und darum kann er das, was er zeigt, und das, was er nicht zeigt, nicht genau voneinander abgrenzen. Dafür aber ist er ein so ausgezeichneter Schilderer von Persönlichkeiten und menschlichen Beziehungen, daß die von ihm so lebensvoll dargestellten Gestalten doch die eigentlichen Kräfte der Geschichte durchleuchten laffen. Während in Frankreich die bürgerliche Klasse ihren großen staatlichen Sieg erkämpfte, wurde Spanien absolut regiert. Wer regierte es? Der plumpe, fast schwachsinnige Nimrod Karl IV. von Bourbon? Seine Gattin, die verwüstete, macht- und glanzhungrige, lüsterne Marie Louise, Prinzessin aus dem Hause Parma? Nein, Manuel Godoy, der Sohn eines armen Landedelmannes, der seine Karriere als einfacher Gardebuforps begonnen hatte, war, ausgerüstet mit allen Machtmitteln persönlicher Diktatur, der absolute Herr Spaniens. Der Schon mit 25 Jahren hatte Godon über das Bett der Königin es zum Premierminister und unbeschränkten Herrscher Spaniens als Herzog von Alcudia gebracht. Seine zwei mächtigen Widersacher, immerhin Politiker von Format und Berdienst, Floridablanca und Aranda, waren dabei auf der Strecke geblieben. Schlamm, aus dem er aufstieg, verhinderte nicht, daß Godon von dem ganzen tiefverschuldeten Land als der wundertätige, starte Mann gefeiert wurde. Die Kirche fah in ihm den Sieger über die freimaurerischen Ideen Arandas, und die Kirche, das war in Spanien die Popularität. Unnötig zu erwähnen, daß alle Titel und Auszeichnungen Godons er erhielt sogar den Orden vom goldenen Vließ, der eigentlich nur Mitgliedern souveräner Familien vorbehalten war nicht ohne reichlichste Dotation an Schlössern, Palästen, Leibrenten gewährt wurden. Godoys erste Regierungshandlungen galten der Rettung Ludwigs XVI., den der Nationalkonvent gefangengesetzt hatte. Diese, wie alle seine späteren Unternehmungen, die außenpolitische Stellung Spaniens zu behaupten, mißlang. Godoy gelingt nur, und immer wieder über seinen Einfluß auf das Königs| paar, die Macht im Lande zu behalten. Eine Macht, die darin ihren vorzüglichsten Ausdruck findet, daß er aus mißglückten. aus mißglückten. schwächlichen, diplomatischen und Kriegshandlungen persönlichen Gewinn an Geld und Macht preßt. | Das bedeutend, auch die Art, wie er einen leinen Teil seiner Einkünfte als Förderer von Wissenschaft und Künsten für seinen Ruhm und Nachruhm anlegt, zeugt dafür, daß Godoy unfähig ist, über die zerfallende Macht, von der er als Parasit lebt, hinauszudenken. einzige, was er meisterhaft versteht, ist das Spiel auf dem Instrument der Fürsten gunst. Alle seine Macht und sein Glanz stammen einzig und allein von Gnaden des Fürstenpaares. Dessen Schwäche und Schwächen werden Godoys Größe. Dieser König und diese Königin sind an innerer Fäulnis des Charakters und des Geistes faum zu überbieten. Nur eine Despotie, die selbst nicht mehr an sich glaubt, der nichts anderes als der Haß gegen die Volfsherrschaft Antrieb gibt, die einem strupellosen Günſtling alle Macht ausliefert, kann fo direktionslos zwischen Bündnissen, Kriegserklärungen, Gebietserweiterungen und Eheschließungen aus Staatsraison hin und her pendeln. Für solchen Hof der mit den grellen Farben üppiger Festlichfeiten übertuschten Weltuntergangsstimmung, für Menschen von solch aufgebläht- hohlem, bombastisch unsicherem Eigendünkel ist Godoy der richtige Mann. Aeußerlich biegsam, dabei tückisch eigensinnig und schamlos feige. Ein Wollüstling von jener Brutalität, die für übersättigte Frauen unwiderstehlich ist. Ein Staatsoberhaupt, das von der ganzen Regierungsmaschinerie nur den pruntvollen Pomp und die persönliche Intrigue begriffen hat. So sieht die Feudalherrschaft auf ihrem Abstieg aus: Gaben und Fähigkeiten, wie dieser Höfling sie aufzuweisen hatte, genügten, um sechzehn Jahre lang das Schicksal eines Boltes zu lenten, um als Premierminister und Generaliffimus eine Prinzessin zu heiraten und sich mit der Hoffnung zu schmeicheln, auch auf das eigene Haupt eine Krone setzen zu dürfen, um alle Neider und Gegner in den Staub zu treten. Das Legalitätsprinzip, auf dem Godoy fußt, wird von ihm so völlig in sein Gegenteil verkehrt, daß nicht nur alle Dekrete des Königs Godoys Gegenzeichnung tragen müffen, um gültig zu sein, sondern, daß die Bastarde Godoys und Marie Louises, Franscisco und Isabella, obgleich jedermann von Godoys Baterschaft unterrichtet ist, als königlicher Prinz und königliche Prinzessin anerkannt werden. Immer noch höher stieg Godon auf der Leiter der Ehre, deren höchste Sprosse schon längst von ihm erreicht schien. Für ihn wußte das Königspaar immer wieder neue Aemter und neue Auszeich nungen zu schaffen. Noch 1807 darf der Prinz de la Paz, wie Godon seit einem wenig glorreichen Friedensschluß mit der franzöfischen Republik genannt wurde, auf die Königsfrone Portugals rechnen. Die für ihn neufreierte Stellung eines Chefs, der Artillerie und der Genietruppen allein begriff einen Gehalt von fünfzigtausend Talern. Es ist typisch für die politische Unreife Spaniens, daß der große Ruck, der 1808 mit dem König, der Königin, Godoy, das goldbehängte Götzenbild eines kraftlosen Despotismus zerschmetterte, nicht die Republik herbeiführte, sondern nur den angestammten Thronfolger, Ferdinand VII., Godons erbittertsten Feind, auf den Thron sette. So steil wie sein Aufstieg, ist nun auch Godoys Sturz. Napoleon läßt ihn, troz aller listigen Hof- und Familiendiplomatie, über die kalte Schulter gleiten und zermalmt damit die tönernen Füße dieser pompösen Diktatur zu Staub Als Vierzigjähriger beginnt Godoy die lange zweite Hälfte seines Lebens, die im untätigen, verschrullten Exil unter armseligen Umständen abläuft. ,, Die Demokratie muß die Grundlagen aller Diktatur untersuchen", sagt Madol in seiner Einleitung zur Biographie des *) Godoy, Das Ende des alten Spanien. Der erste Diktator Usurpators. Er hat recht; wir müssen nur hinzufügen: Die Demo. unserer Zeit. Universitas- Verlag, Berlin. tratie darf nicht bei der Untersuchung stehenbleiben. Arbeitersportler, schlagt Hitler! Am 13. März wird das deutsche Volf dem Faschismus eine vernichtende Niederlage bereiten. Der eitle Demagoge Hitler streckt seine Hand nach dem höchsten Amt der Deutschen Republik aus. Die schlimmsten und bösartigften Feinde der Demokratie und des Sozialismus wollen die Not des Volkes benuhen, um es seiner Grundrechte zu berauben. Das muß verhütet werden! Am 13. März darf keine Stimme abgegeben werden, die dem Faschismus direkt oder indirekt zugutekommt. laft abgestoßen wurden oder gegen steuerlich billigere umgetauscht wurden. Wenn man dann diese Wagen zu hohen Preisen anbietet, so wird der Verkauf einige Schwierigkeiten haben. Einen 13/ 40- PSSechsfiger ausländischen Fabrikats für 5600 M. zu erwerben, wird sich mancher überlegen und für einer 16/ 80- PS- Bierfiger neueren Datums 7500 M. zu bekommen, dürfte für den Händler auch nicht ganz einfach sein. Und moderne, aber doch gebrauchte Kleinwagen mit Zweitaftmotoren für 1600 und 1750 M anzubieten, dünft dem fühlen Rechner doch übertrieben. Wenn dann auch einmals ein offener 6/ 30- PS- 3weisiger mit 1100 oder in einem anderen Fall mit 750 M. angeboten werden, so ändert das nicht den Eindruck, daß im allgemeinen nicht gerade billige Preise gefordert werden. Die Tarbriefe mögen, falls fie treuhändig ausgestellt sind, den Wert der Wagen treffen, der Marktlage tragen sie jedoch bestimmt nicht Rechnung. Das kann auch von den Motorradgespannen gesagt werden. 875 M. für eine 600- Rubitzentimeter- Maschine zu Vorteil für den Motor machte, hintereinander angeordnet sind, ist zu viel, selbst wenn der Beiwagen in Anrechnung gebracht wird. Sehr billig werden fabrikneue, uneingebaute Motorradmotore angeboten. Ein 600- Rubitzentimeter- Motor ist für 185 M., ein 750er für 350 m. zu haben. Radrahmen bietet die gleiche Firma für 60 M. an. In Summa Summarum: Gut erhaltene Wagen haben nicht gerade billig zu nennende Preise: wer wirklich billig kaufen will, muß sich mit älteren Modellen zufrieden geben oder sehr viel Sachfenntnis mitbringen. In Erkenntnis dieser elementaren Notwendigkeit hat die Sozialdemokratische Partei darauf verzichtet, einen eigenen Kandidaten auf- fordern, beren zwei 3ylinder noch, wie man es früher nicht zum zustellen und ihren Anhängern empfohlen, schon im ersten Wahlgang für den jetzigen Reichspräsidenten von Hindenburg zu stimmen. Die freien Gewerkschaften, das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold und alle, die mit uns in der Eisernen Front stehen, haben das gleiche getan. Auch wir fordern euch auf, am 13. März für Hindenburg zu stimmen, da nur dadurch die Wahl des Faschisten verhütet werden kann. Diese Abstimmung bedeutet kein Bekenntnis zur Politik und zur Person des jetzigen Reichspräsidenten, sie ist ein Akt der politischen Vernunft. Erleichtert wird uns die Wahl des Herrn v. Hindenburg dadurch, daß er seinen Eid auf die Verfaffung treu gehalten hat. Wer aber bisher noch schwanfte, ob er seine Stimme Hindenburg geben könne, der höre, wie der Faschismus diesen Mann, den er einst als Retter gepriesen hat, heute mit Schmutz bewirft. Das allein wird ihm zeigen, was er zu tun hat. Am 13. März muß der Faschistenhäuptling Hitler so entscheidend geschlagen werden, daß seine Bewegung zerbricht! Darum alle an die Wahlurne, teiner darf fehlen! Rüttelt die Unentschlossenen und Zweifelnden auf, reißt sie mit fort, begeistert die Jugend und helft den Alten, damit feine Stimme verloren geht. Am 13. März wollen wir mit unseren Sturmfahnen durch die Straßen marschieren und um die lehte Arbeiterftimme werben! Die selbstlose Arbeit der Rettungsgesellschaft der Wassersportvereine In der Jahreshauptversammlung der Rettungsgesell= schaft der Wassersportvereine Berlins wurden über den im vergangenen Geschäftsjahr ausgeübten Dienst folgende Angaben gemacht: Nieder mit dem Faschismus! Hoch die Arbeitersportbewegung! Ertrinkens gerettet 219 Personen. Hilfeleistungen: Unfälle 287 BerZentralfommiffion für Arbeiter sport und Körperpflege e. V. Geschäftsführender Ausschuß. Sport am Sonntag Der Dienst wurde an 283 Tagen ausgeübt. Bom Tode des sonen, Erkrankungen 136 Personen, Behandlungen durch den Gesellschaftsarzt 22 Personen. Ferner tonnte 72 Motorbooten, 40 Segelbooten, 24 Ruberbooten und 27 Paddelbooten, die sich in Seenot befanden, Hilfe gebracht werden. Im Laufe des Winters find in einem neuen Sanitätslehrgang etwa 100 Samariter und Samariterinnen ausgebildet, durch eine Abschlußprüfung für den Dienst qualifiziert und durch besondere Verpflichtungen für die Arbeit der Gesellschaft gewonnen worden. Dank der Bereitwilligkeit der Mitglieder, persönlich die Reparaturboote, die Motore, die Materialien und das Stationsinventar sorgfältig geprüft und überholt werden, so daß die Gesellschaft ihre nächste Saison in tadelloser Vorbereitung antreten fann. Sie wird auch in diesem Jahr alles tun, zu Nutz und Frommen des Wasserfportes Der regelmäßige Stationsdienst beginnt voraussichtlich am 20. März. An die wassersporttreibende Bevölkerung richtet die GeKreiswetturnen der Arbeitersportler. In der Turnhalle des| straße 140. Die letzte Runde in der A- Gruppe wird wegen der arbeiten ohne Entschädigung vorzunehmen, fonnten die RettungsKleist- Lyzeums in der Levezomstraße geben sich morgen, Sonntag, Reichspräsidentenwahl auf Sontag, 20 März, verlegt. um 15 Uhr die besten Turnerinnen und Turner des 1. Kreises ein Stelldichein. Die Kämpfe haben den Zweck, den diesjährigen Kreismeister in allen Klassen festzustellen. Jeder Turner bzw. Turnerin hat an jedem Gerät, Reck, Barren und Pferd, je drei Pflicht und drei Kürübungen zu machen. Der Wettkampf der Oberstufe für Männer gilt gleichzeitig als Ausscheidung für den am 19. März in Magdeburg, wo es um die Bundesmeisterschaft im Geräteturnen geht. Eintritt 20 Pf. Zehn Jahre Sportverein Moabit. Der SV. Moabit bringt im Rahmen seiner Werbeveranstaltungen aus Anlaß des 10jährigen Bestehens am Sonntag, 10.30 Uhr, eine Bühnenschau im Filmpalast Hanja, Alt- Moabit. Die Moabiter werden mit einem ausgezeichneten Programm aufwarten. Neben modernen Gymnastik- und Tanzoorführungen aller Altersgruppen wird die durch die Kreisriege perstärkte Oberstufenmannschaft der Moabiter Turner an verschie benen Geräten Kunstturnen zeigen. Der Junge Chor wird mit seinen Gesängen die Veranstaltung würdig umrahmen. Die Eintrittspreise betragen 75 Pf., für Jugendliche und Ermerbslose 40 Pf. Die Bundestreuen in Schöneberg. Heute, Sonnabend, 20 Uhr. feiert der Arbeitersportverein Schöneberg- Friedenau 07 im Schubert faal, Bülowstr. 104, sein 25jähriges Bestehen. Es wird ein reichhaltiger Ausschnitt aus dem lebungsbetrieb gezeigt. Umrahmt wird bie Veranstaltung von den Darbietungen einer guten Kapelle, die auch später zum Tanz aufspielen wird. Solidarität in der neuen Welt. Bei dem heute abend 20 Uhr stattfindenden Gausaalsportfest dürfte den Höhepunkt des Abends der Einmarsch der Sturmfahnen und Banner sowie die Auffahrt der Saalmannschaften sein. Hierbei werden die Arbeiterrad- und Kraftfahrer der Provinz Brandenburg ihr Bekenntnis zur Eisernen Front ablegen. Die Gausportleitung hat für diesen Abend ein Programm zufamemngestellt, was allen Anhängern von Solidarität einen genußreichen Abend bringen wird. Eintritt 1 M., Erwerbslose 50 Pf. Die Ortsgruppe Berlin des Arbeiterschühenbundes hält am Sonntag um 10 Uhr in Briz, Bürgerstr. 48/49, einen Fernfampf mit Harburg- Wilhelmsburg ab, an dem sich je zwei A, B und C- Mann schaften beteiligen. Alle Berliner Abteilungen werden vertreten sein. Borher Training. Der Arbeitersportverein Neukölln hatte im Februar seinen Werbemonat. Der Sportabteilung ist es gelungen, den Mitgliederbestand auf 50 Sportler zu bringen. Aus diesem Grunde findet am Sonntag ab 18 Uhr im Paradiesgarten Treptow am Rathaus ein Abschlußfest statt, betitelt:„ Das gibt's nur einmal". Alle Sportler des Bezirks sind zur Feier des 50. Sportlers" freundlichst eingeladen. Eintritt auf ASV.- Neukölln- Karten nur 20 Pf. Garderobe auf diese Karten 10 Pf. Ferner begründet der ASV.- Neukölln eine Sportlerinnenabteilung. Erster Trainingstag Mittwoch, 9. März, 20 Uhr, Turnhalle Weisestr. 20 in Neukölln. Auskunft erteilt Frig Leutloff, SO. 36, Manteuffelstr. 46. Arbeiterschach. Am Sonntag veranstaltet ab 14 Uhr die Abteilung Pankow der Freien Arbeiterschach vereinigung Groß- Berlin bei Fulde, Berliner Straße Ede Lindenpromenade, einen Werbetag mit reichhaltigem Programm. Um 5 Uhr Simultanvorstellung des Meisters der Abt. Wedding an 25 Brettern. Gäste fönnen an den Spielen teilnehmen. Ferner wird um 10 Uhr in der B- Gruppe die 10. Runde unter Teilnahme folgender Abteilungsmannschaften ge spielt: Alt. Neukölln gegen Lichtenberg 2 bei Grimm, Boddinstr. 10, Der Kanubezirk der FTGB. wird seinen Film, der unter Mitwirkung und der Regie der Mitglieder gedreht wurde, am Dienstag, 8. März, und Donnerstag, 17. März, im Städtischen Lichtspielhaus in Neukölln, Bergstr. 147, zeigen. Der Film wird das Leben und Treiben am Wochenende bei Vereins- und Bundesregatten zur Darsellschaft zwei Bitten: stellung bringen. Es fann nur jedem Partei- und Gewerkschaftsgenossen empfohlen werden, sich den Film anzusehen. Außerdem wird der Wintersportolympiadefilm gezeigt; eine Jungmädchengruppe der FTGB. Süden und das Typographische Orchester, Kapellmeister Erich Gutzeit, haben ihre Mitwirkung zugesagt. Eintritt 50 Pf. Beachtet die Warnungszeichen: bei gefeßter roter Flagge ist das Befahren des Müggelfees mit Lebensgefahr verbunden. Die Warnungen werden gegeben von den Stationen am Ein- und Ausgang der Spree am Müggelsee, ferner in Köpenid( jetzt hinter der Spreebrüde beim Wasserbauamt), am Dämerigsee beim Ruderclub Ertner. Wenn die Rettungsboote unter Alarm ausfahren, führen Eröffnungstrabrennen zu Mariendorf. Die Winterfampagne Mariendorf ihren Anfang. Das abwechslungsreiche Eröffnungspro- wendig. Fangt die unvermeidlich hohe Welle der Boote recht der Traber ist leendet, morgen nimmt die Frühjahrssaison in ie Feuerwehrfanfare und rote Scheinwerfer. Gs sind dann Menschenleben in Gefahr und höchste Eile ist notgramm verbürgt ausgezeichneten Sport. Die Rennen beginnen um 14 Uhr. Die All Stars- Boston treten bei den Eishodenfämpfen im Ber liner Sportpalast am Sonnabend und Sonntag 20.15 Uhr mit der Mannschaft Cosin( Tor), Elliott, Longmaid, Hilliard, Mahoney, Forbes, Thurstan, Holland, Blaney an. Der Schlittschutlub stellt am Sonnabend dagegen: G. Ball, Römer, Bigelow, R. Ball, Brück, Jänede, H. Ball, Dawndom, Korff. Die Auswahlmannschaft am Sonntag spielt mit G. Ball, Römer, Heinrich, R. Ball, Jänece, Schröttle, Strobl, v. Bethmann- Hollweg, Lange. Der zweite Teil der Berliner Eishockeysaison stellt noch einmal ein hochinteressantes Programm in Aussicht, denn nach dem Gastspiel der All Stars aus Boston finden vom 14. bis 20. März im Sportpalast die Kämpfe um die Europameisterschaft statt. Die Alt- Auto- Messe am Kaiserdamm In der Autohalle am Kaiserdamm hat der Reichsverband des Kraftfahrzeughandels und gewerbes wieder eine Messe gebrauchter Wagen eröffnet, die bis zum 8. März täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet ist. zeitig ab( Fahrt unterbrechen, Blatt aufs Waffer). Bei Fahrten nicht im Alarm werden die Rettungsboote in jeder Weise auf die. Sportboote Rüdsicht nehmen. Erwischte ,, Amateure" Daß viele der bürgerlichen Refordsportler für ihre Starts fich gern bezahlen lassen, ist eine feit langem feststehende Tatsache. Leider haben sich die internationalen Sportverbände bisher aber nicht dazu entschließen fönnen, diesen Dauerzustand der Heuchelet durch die schon lange notwendige Abänderung der Amateurbestimmungen zu beseitigen. Den zahlreichen Fällen, in denen hervorragende Vertreter aus allen Sportlagern gröbster Verstöße gegen die Amateurgesetze beschuldigt werden, reiht sich ein neuer an. Er betrifft den amerikanischen Olympiadoppelfieger Irving Jaffee, der in Lafe Placid die Eisschnellauffonkurrenzen über 5000 und 10 000 Meter gemann. Jaffee wurde bei seinem Verband als Berufsläufer ange zeigt, weil er für ein Schaulaufen in St. Louis 600 Dollar perlangt hat, das sind 2400 m. Auch ganz schön! Frankreichs befannter Weltrekordmann über die Mittelstrecken, Jules Laboumègue, ist aus dem französischen Leichtathletik. verbande ausgeschlossen worden. Schon vor einiger Zeit hatte sich der Verband mit Ladoumègue zu beschäftigen, da dessen Amateureigenschaft angezweifelt wurde. Jezt hat sich das gegen ihn zusammengetragene Material so verdichtet, daß dem Verband nichts anderes übrigblieb, als Ladoumègue auf Lebenszeit zu disqualifizieren. Unzweifelhaft ist der Handel mit gebrauchten Autos übersetzt, weil heutzutage in vielen Fällen der Antauf eines neuen Wagens von der Inzahlungnahme eines gebrauchten abhängig gemacht wird. Der Handel muß diese gebrauchten Fahrzeuge natürlich wieder abdoch, als ob dabei oft des guten zuviel getan wird. Gewiß sind die stoßen und er will seinen Gewinn dabei haben. Es scheint aber meisten ausgestellten Wagen in einem guten Zustande, soweit der flüch- 18 Uhr, beide Rhode, Dieffenbachstr. 36. tige Augenschein dies feststellen läßt. Sie sind fauber ladiert und überholt und man wünscht nur, daß Motor und Getriebe in der gleichen Berfassung sind. Die Preise jedoch stehen auf einer Höhe, die angesichts der Zeitläufte vom Preisabbaufommissar übersehen zu sein scheint. Es fällt zunächst auf, daß die meisten Wagen hohe Steuer- PS haben, also von den Vorbefizern offenbar wegen der großen SteuerMorgen Sonntag beteiligen sich alle Arbeitersportler am Abt. Mitte gegen Wedding 2 bei Blasinsti, Kastanienallee 54, Appell der Eisernen Front Abt. Moabit gegen Friedrichshain 2 bei Streng, Alt- Moabit 13, Abt. Friedrichsfelde gegen Treptow 2 bei Tempel, Gudrunstr. 7, Abt. Grünau gegen Pankow im Gemeinschaftshaus Falkenberg, Abt. Humboldhain 2 gegen Charlottenburg 2 bei Musch, Brunnenim Lustgarten. Beginn 12 Uhr. Um 1 Uhr spricht der Parteivorsitzende Wels. Sportler! Beachtet den Sonntag ,, Vorwärts". Radfahrer, Solidarität. Touren für Sonntag, 6. März. 2. Abt. Kraft. fahrer: Neu- Zittau( Spreebord), Start 10 Uhr; Radfahrer: Müggelheim, Start -6. Abt.: 8iel am Start 12 Uhr Belt, Kopenhagener Str. 17. Weißenfee: Biel am Start 13 Uhr Antonplay. Neukölln: Anfahrt der Abteilung 18 Uhr Hohenzollernplag. Ab 17 Uhr Sohenftaufen- Feftfäle, Rottbusser Damm 76. Reinidendorf: 8tel am Start 13 Uhr Sachse, Holländer Str. 23. Start für alle Abteilungen: Sonnabend, 5. März. 19 Uhr, Gaufaalfest in der Neuen Welt, Hasenheide. ASV. Neukölln. Sportabteilung. Montag, 7. März, 20 Uhr, Sportausschuß. fizung, Turnhalle Walther- Nathenau- Schule, Boddinstraße. FEGB., Kanubezirk. Sonntag, 6. März, Arbeitsdienst der Mannschaftsfahrer im Bootshaus Rahnsdorf. Teilnehmer am Hallensportfest. Eine Herren- embanduhr ist versehentlich einer Genoffin in den Roffer gelegt worden. Die betreffende Genoffin wird um Angabe ihrer Adresse an die Geschäftsstelle der FTGB., Berlin NO. 18, Lichtenberger Str. 3, Tel.: E 3 Rönigstadt 3656, gebeten. Bezirk Mitte. Montag, 7. März, Handballersizung bei Arndt, Schröderstr. 2. Zur Aufstellung der 1. und 2. Mannschaft tönnen sich noch Interessenten melden. Schwimmer 1. Kreis, 4. Vezirt. Alle Vereins- und Bezirksfunktionäre Sonntag, 6. März, 9 Uhr, bei Krüger, Grimmstr. 1, wichtige Spartensißung. Freie Sport- und Musik- Bereinigung Berlin, Abt. Spiellente. Bum Bezirksspielleutetreffen in Ertner Sonntag, 6. März, 9. Uhr, Treffen auf dem Bahnfteig E Stralau- Rummelsburg. Die Fahrkarten werden bis Rahnsdorf gelöst. Straßenanzug. Von Rahnsdorf, Wanderung bis Ertner. Die Uebungsstunde findet im Lotal 2ödnigterassen in Ertner ab 12 Uhr statt. Anschließend Beisammensein. Kartellbezirk Neukölln. Sigung Montag, 7. März, bei Schabeiko, Weichselftraße 5. Obleute der Sundertschaften auch erscheinen. Die Freie Sport- und Schützenvereinigung hält thre nächste Monatsver fammlung Dienstag, 8. März, 19% Uhr, bei Brasser, Michaeltirchstr. 29a, ab. Vorher, um 19 Uhr, Rassenrevifion. Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die Kranken- und Sterbekasse für das Deutsche Reich Jahre 1884 gegründet ( Lichterfelder Ersatzkasse) im Jahre 1884 gegründet die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet Hauptverwaltung: Berlin N 24, Oranienburger Str. 6% und 300 Verwaltungsstellen im Reich