BERLIN Mittag 2. März 1932 B 56 4S.Zahrgang Erscheinttäglich außer Sonntag«. Zugleich Adcudausgadk dei.Borwäeti' Beiugevret« für beide Ausgaben 7ö Pf. uro Woche. 3,23 M. uro Munal (daton 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus> im ooraus lahldar. Postbezug 3.97 M. einschließlich«st Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postdestellgedüdre». «n,elge»»rel»! Die einspaltige Mtllimcteri-IIe 30 Pf, Reklamcjcile 2.— M Ermäßigungen nach Tarif Postscheckkonto: VorwärlS-Verlag G.m.b.H.. Berlin Rr. 37 33«.- Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht gcnebmer Anietgcn oori Redaktion und Erpedttton� Berlin SW«8, tiindenstr. 3 Sern speecher! Döndost(A 7) 292—297 Wels spricht zu 100 000 Massenaufmarsch der Eisernen Front im Lustgarten ■,»;' Ungezählte Menschenmassen demonstrierten gestern im Lustgarten für die Kampfparole gegen den Faschismus. Tchon anderthalb Stunden bor den» offiziellen Beginn der Kundgebung füllte sich der weite Platz. Die Alten» die schon seit Jahrzehnten für Frei- heit und Sozialismus kämpfen» ebenso wie die Jungen, wenn es um die Bezwingung des Faschismus geht. Die Formationen des Reichsbanners mit Spielleuten und Musikern» denen sich Tausende von Republikanern anschlössen, marschierten von 11 Uhr ab in sieben Marsch» faulen zur Lustgartenversammlung. Ueberall wurden die Züge» die mit wehenden Fahnen bei klingendem Spiel einherrllckten» von der republikanischen Bevölkerung freudig begrüßt. Bald war der Plah vor dem Schloß der Hohenzollern bis hin zum Alten Museum dicht gedrängt vost Menschen. Als dann mit klingendem Spiel die Marsch- kolonnen heranrückten, ward es schwer, überhaupt noch Platz zu finden. Die Kapelle des Reichsbanners Wcißensee unter Leitung des Kameraden Mewes spielte unermüdlich die Sturm- und Kampstveisen der Arbeiter- schaft» und besonderer Beifall ertönte, als das Jung- ä)ie Zahnen der Partei auf der SchlojUterraffe. Dann trat, stürmisch begrüßt, an das Rednerpult der Do» sitzende der deutschen Sozialdemokratie Otto Wels: heil, daß aus deutscher Erden Ein Retter uns erstand. Nun soll es Frühling werden, Frühling im deutschen Land. So haben sie ihn vor sieben Jahren angesungen. De« besten Mann nannten sie ihn, den würdigsten Mann» de« lautersten Charakter» den unbestechlichsten Hüter von Recht und Sitte, den getreuen Ekkehard des deutsche« Volkes. S i e haben ihn so genannt, nicht wir! Und jetzt, und jetzt? Jetzt heißt derselbe Hindenburg bei ihnen der Kandidat der Kriegsdienstverweigerer, der Nooembe» Verbrecher, der Leute, die kein Vaterland kennen, das Deutschland heißt, der Kandidat der Afterpatrioten, der Landesverräter, Juden, Schieber und Kriegsgewinnerl(Stürmisches Pfui!) Sie Arbeilerlugend in ttlartcbholonne. bannerMlttealsstrammeFahnenkompagnie mit schwarzrotgoldenen Bannern aufmarschierte. Auf der Terrasse wogte ein Fahnenmeer im Schwarz- rotgold der Republik und im leuchtenden Rot der sozial- demokratischen Organisationen. Ueber den Menschenmassen kreisten die Flugzeuge des„Sturmvogel", die in großen schwarzen Letter» die Parole Hindenburg verkündeten und durch kühne Bogen und Spiralen immer wieder die Bewunderung der Tausende erregten. Nicht im Zeichen einer marktschreierischen Exaltation stand diese große Kundgebung der Eisernen Front. Wohl aber legte sie deutlichsten und eindrucksvollsten Beweis ab für die unerschütterliche Entschlossenheit, den Faschismus mit allen Mitteln zu schlagen und für die hohe politische Einsicht der Berliner Arbeiter- schaft. Der Vorsitzende des Ortsausschusses Berlin des Allgemeinen Deutschen Eewerkschastsbundes, Genosse Bredow, erösfnete die Kundgebung mit einer kurzen Ansprache. Er wies darauf hin, daß es den Bemühungen der in der Eisernen Front vereinigten Ver- bände gelungen sei, die Einschränkung des Demonstrationsverbotes bei der preußischen Staatsregierung durchzusetzen. Einig und stark steht die Eiserne Front und kämpft in fester Entschlossenheit unter der Paraleu Schlagt den Fcsschismus, schlagt Hitler!(Lebhafter. Beifall.) Es sind fast auf den Tag sieben Jahre, daß in Berlin die Massen auch so auf den Straßen und Plätzen standen wie heute. Es war ober nicht hier im Lustgarten, es war drüben auf dem Pariser Platz und auf dem Platz der Republik. Die Massen standen dort, um einem Toten die letzte Ehre zu erweisen: dem ersten Reichs- Präsidenten, unserem unvergeßlichen Friedrich Ebert. Wir standen mit dem Hut in der Hand an dem Sarg dieses Mannes, der Fleisch von unserem Fleisch gewesen, Blut von un- serem Blut. Wir suhlten Trauer, wir fühlten aber auch einen ungeheuren Haß im Htrzen, einen Haß gegen die. die ihn mit Schmähungen und Lügen bis über die Schwelle des Todes gehetzt hatten. Sieben Jahre lang haben wir seitdem ununterbrochen gegen sie im Kampfe gestanden. Nun soll zwischen ihnen und uns am nächsten Sonntag die Entscheidung fallen. Friedrich Ebert hat viel getragen. Eines aber blieb ihm er- spart: das Bitterste. Seine alten Freunde und Kampfgefährten, sie haben ihn nicht verlassen, sie sind nicht von ihm abgefallen, sie haben ihm die Treue gehalten. Sie halten sie ihm über das Grab hinaus. Man preist die Treue als eine deutsche Tugend, singt im Liede von der deutschen Treue. Wir müssen heute feststellen, daß diese deutsche Treue in Deutschland nur noch eine Stätte hat bei uns, die wir im Munde der anderen vaterlandslose Gesellen heißen. Deutsche Treue— wir haben uns nie mit ihr gebrüstet, die anderen haben es getan. Sie, die jetzt ihrem Führer, ihrem an- gebeteten Retter, ihrem Hipdenburg davongelaufen sind, die sich vor ihm aus dem Staube gemacht haben, die ausgerissen sind wie Schafleder, sie, die von der deutschen Treue singen und den schlimm st en Akt der Treulosigkeit begange» habe«, de« die Geschichte kennt. Stle Waffen vor dem Alien Vlufeum. So steht es wörtlich m einem Flugblatt, herausgegeben vom Berliner Nationalsozialistischen Hauptquartier, Hedemannstraße 10. Da» ist die deutsche Treue, deren sie sich rühmen! Das ist die Ritterlichkeit des Kampfes, die sie versprochen haben! Verlassen und verraten haben sie den alten Mann, den sie den Ekkehard des deutschen Volkes nannten Damals haben sie ihm die Stiesel geleckt, heute bespeien sie ihn. Warum? Welches Derbrechens hat er sich schuldig gemacht? Er hat seinen Eid gehalten, den Eid, den er auf die Republik geschworen hat. Cr hat als Staatsoberhaupt unparteilich sein wollen. Er, der drei Kriege mitgemacht hat und der den Krieg kennt, hat sich geweigert, die Bahn außenpolitischer Aben- teurer zu beschreiten, die uns in neue Kriege geführt hätte, Darum wollen sie heute den allen Mann, ihren auserwählten Führer von dem Platz herunterreißen, auf den sie ihn vor sieben Jahren gestellt haben. Wer aber soll ihn ersetzen? Wer an seiner Stelle Reichspräsi- dent werden? Ja, wer ihn ersetzen soll, das wissen sie selber nicht! Mit der dcutsehrn Einigkeit steht es bei diesen Pntent- deutschen genau s« wie mit der deutschen Treue. Einig können sie höchstens sein beim Herunterreißen und beim Zerstören, Wenn es ans Wiederaufbauen geht, geraten sie selber einander in die Haare. Da werden alle feierlichen Eid« gebrochen, die man einander in Harzburg geschworen hat. Da heißt es: Hie Duesterberg, hie Hitler, hie preußisch, hie römisch, hie evangelisch, hie katholisch! Und bald heißt es auch Schuft und Lump und Volksbetrüger. Bolksbetrüger schimpfen sie ein» ander und haben damit beide recht.(Stürmische Heiterkeit.) Wir aber, die wir das alles gesehen und erlebt, wir sind hierher ge- kommen mit brennender Empörung im Herzen: wir sind hierher gekommen mit dem, eisernen Entschluß, endlich einmal Abrechnung zu halten mit dieser Gesellschaft und sie so heimzu- schicken, das, sie das Wiederkommen vergißt. Es geht jetzt hart auf hart, und es geht um Leben und Tod. Und weil die Ding« wieder einmal auf des Messers Schneid« stehen, und weil wieder einmal die Not aufs höchste gestiegen ist, hat man wieder einmal die sozialdemokratischen Arbeiter gerufen, und sie trotz alledem, sie sind auch wieder gekommen! Die sozialdemokratischen Arbeiter rücke» an. Die Eiserne Front marschiert auf: Angehörige der republikanischen Parteien. Gewerkschaftskollege«. llieichsbannerkameraden, Sportgenossen. Schulter an Schulter. Sie find entschlossen, den Faschismus zu 'chlagen und seine» Anschlag auf das Reichspräsi» dentenpalais zunichte zu machen. Der Faschismus sagt, daß Hindenburg gehen soll Das ist für uns Grund genug, zu sagen, daß er bleibt!(Stürmische Zustimmung, Bravo und Händeklatschen.) W i r haben Hindenburg niemals deutsche Mannestreue ge- schworen. Wir tun es auch jetzt nicht. Wir haben in ihm nie unseren Führer gesehen und tun es auch jetzt nicht. Aber wir sagen: Daß dieser Mann mit seinen 84 Iahren seine ganze Person für die Sache einsetzt und sich denen entgegen st ellt, die Deutschland verderben wollen, das gefällt uns. Will er u n s helfen, den Faschismus zu schlagen, das Land vor dem Bürgerkrieg zu bewahren, die Republik zu sichern, dann helfen wir auch ihm...-- Wir haben auf eine eigene Kandidatur verzichlel, weil wir die Zersplitterung nicht ans die Spitze kreiden wollen. Und wir werden für hindeabnrg stimmen, weil wir das Laad vor dem Bürgerkrieg bewahren wollen. Wir wollen keinen Bürgerkrieg, Bürgerkrieg ist Wahnsinn. Er kann keinen dauernden Sieg des Bürgertums bringen, weil dos kapitalistisch« System zu morsch und weil das Proletariat zu stark ist. Ein Bürgerkrieg kann aber heute auch keinen dauernden Sieg des Proletariats bringen, weil das Prole- tariat durch das Derbrechen des Kommunismus gespalten ist. Bürgerkrieg in Deutschland wäre ein würgen ohne Sieger und Besiegte, ein qualvolles Sterben ohne Ziel, ein Versinke» in Barbarei. Aus dem Trümmerhansen, der dabei entstünde, könnte auch der Sozia- tisnius keine Frucht mehr ziehen. Rem, keinen Bürgerkrieg— aber wir rufen Herrn von Hinden- bürg, der Reichsregierung, den Parteien der Mitte zu: Wenn ihr den Bürgerkrieg nicht wollt, dann denkt an die ungeheure Not im Lande, denkt an die Millionen Arbeitslofer, denkt an die hofsnungs- lose Jugend, die keinen Platz im Erwerbsleben findet, jchafft Brot, schafft Arbeit! Oder, wenn ihr das nicht wollt oder könnt, macht Platz für die aufbauende Arbeit des Sozia- lismns! Die sozialdemokratischen Arbeiter sind in diesen Kamps um die Reichspräsidentschaft gegangen mit ihrem ganzen Eifer, ihrer ganzen Leidenschaft. Aber sie wollen auch hier nicht für eine fremde Sache kämpfen, sondern für ihre eigene. Sie kämpfen, weil sie wissen, daß man er st den Faschismus vernichten muß, wenn man den Sozialismus gewinnen will. Darum werden die sozialdemokratischen Arbeiter, die politisch aufgeklärten Republikaner auch nicht hereinfallen auf die Tölpelei der Thälmann-Kandidatur. Es ist nicht wahr, daß dieser Kamps ousgefochten wird: Bourgeoisie gegen Proletariat! Wahr ist, daß das Bürgertum selb st in sich gespalten ist. Der reaktionär st e Teil der Bourgeoisie steht mit Hitler und Duesterberg gegen die gemäßigten Element« des Bürgertums, die zu Hindenburg halten. Die Kommunistische Partei kommt mit ihrer Zählkandidawr Hitler z u Hilfe. Sie hält es wie stets mit dem reaktionärsten Teil der Bourgeoisie. Erinnert ihr euch noch, wie e» am v. August des vorigen Jahres war? Da marschierten Kommunisten mit Hitler und Duesterberg zum Bolksentscheib gegen Preußen. Genau so ist es auch heute. Di« Frage steht aber heute ganz einfach Soll es dem Faschis- nius gelingen, den alten Hindenburg von seinem Präsidentenstuhl heruinterzuwersen, um sich selber darauf zu setzen? Oder soll ihm das nicht gelingen? Die Kommunisten kümmert das nicht. Sie sagen: Hindenburg und Hitler— das ist dasselbe/,.Sozialdemokratie und Faschismus — das ist dasselbe/ Sie sagen nicht.Hauptfeind ist der Faschis- mus", sie sagen„Hauptfeind ist die Sozialdemokratie!" Wir aber sagen: es gibt für uns nur einen Feind, und der steht r e ch t s I Das ist die soziale Reaktion. Das ist der Fa- fchismus. Wir kämpfen nicht für diesen oder jenen Mann. Wir Mit dem Gturmvogel-Geschwader Lustgarten aus der Vogelperspektive Vor den Hangars des„Sturmvogel" auf der Ostseite des Tempelhofer Flughafens stehen im Frühnebel sechs Flugzeuge. Drei Iunkers-Mafchinen und drei Flamingos. Statt mit der üblichen stahlgrauen Farbe sind die Tragflächen dies» mal gelb gestrichen, und darauf steht in dicken schwarzen Lettern geschrieben: Hindenburg. Inzwischen rücken die Uhrzeiger auf 11 Uhr, in der Stadt setzen sich überall die Marschkolonnen in Be- wegung, es wird Zett zum Aufftieg. Noch ein paar Kommando» rufe, dann saufen die sechs eisernen Böget über das Rollfeld, und einige Sekunden später können die Tempelhofer bereits losen: sechsmal Hindenburg. Die Flugzeugstaffel hat sich zu zwei Gechwadern formiert: vor- üSUoK auf die mähen vor dem äktm. weg als erste die Flamingos, hinterher die Iunkers-Mafchinen. Immer ein Pilot an der Spitze, rechts und links hinter ihm in geringem Abstand die beiden anderen. Von Weihensee nach Britz zu fahren, das dauert eine Tagesreife, die sechs Flugzeuge schaffen es in drei Minuten. Eben waren sie noch über dem Zentralviehhof— die Schweine, die für den morgigen Schlachttag in den Buchten stehen, sehen aus wie kleine Würmer— jetzt sind die Maschinen bereits über den Britzer Siedlungsbauten in tosender Fahrt zum Reichskanzlerplatz. Ungefähr sechsmal sind die Geschwader, vom Lustgarten kommend, die Linden entlang zum Regierungsviertel gefahren, aber nie ließ sich diese Fahrt nach Minuten berechnen, ein paar Sekunden, und vorbei waren die Linden, die Spree, der Reichstag. Ueber dem Belle-Alliance-Platz erwischen die Geschwader den ersten Demonstratwnszug des Reichsbanners. Links rechts— links, rechts stampfen die Marschkolonnen am Halleschen Tor vorbei: lustig blinken die Instrumente der Musik im März- sonnenschein. Die Flamingos haben gerade noch Zeit, in der Luft ein paar Kunststücke aufzuführen, aber in der Luft geht alles zu schnell, ein Augenaufschlag, und unten liegt der Kottbusser Damm. Die zweite Reichsbannerkolonne marschiert dort entlang, eine lange schwarze Schlage. Dann geht es noch einmal außen herum, vom Rummelsburger See geschwind ein wenig zum Grunewald, nur schade, daß die Staffel so hoch fahren muh Es ist nicht mehr zu erkennen, was dort unten die Männer und Frauen machen; jedes Menschenkind ist nur ein winziges Pünkllein. Der schönste Wegweiser in der Innenstadt ist der hohe rote Rathauswrm, obendrein sagt er noch von allen Seiten, wie spät es j ist. Es ist Zwölf vorbei. Hei, ist das lustig, wie Tausende und aber Tausende kleiner schwarzer Punkte einem großen Viereck zuströmen: dem Lustgarten, zwischen dem Dom mit seiner grünen Kuppel, dem Schloß mtt seinem düsteren Hof, der Museumsinsel und den Linden. An der Rednertribüne sammeln sich die ersten. Immer dicker wird der Ring um die Tri- bünen, immer schwärzer wird der Lustgarten, bis kurz vor ein Uhr von oben nur noch ein in eins verschwimmender Menschen- schwärm zu sehen ist. Fünf Minuten vor 1 Uhr klopfen wir an die Scheibe des Piloten, und zurück geht's nach Tempelhof. kämpfen für die Freiheit der Arbeiterklasse. Wir kämpfen für den sizialen Volksstaat. Wir kämpfen für die Organisationen der Arbeiter- klaffe gegen eine terroristische Gewaltherrschaft, die sie zerschlagen will. Und wir führen diesen Kampf, solange die Verhältnisse uns das gestatten mit dem Stimmzettel, weil die Waffe des Stimmzettels uns lieber ist als der rauchende Revolver und die krachende Handgranate. Mit dem Skimmzettcl in der Hand wollen wir am nächsten Sonntag den Faschismus O'ifs Haupt schlagen. Dazu rufe ich euch schaffendes Volk von Berlin, Kämpferinnen und Kämpfer, in Rot gehärtet, in ungezählten Gesechten erprobt und geschult: es geht nicht um diesen oder jenen Mann, es geht um das ganze Volk. Wollt ihr Knechte des Dritte« Reiches werde»? lNein! Nein! rufe« die Massen wie ans einem Munde.) Wollt ihr Hitler. Goebbels und Frick als Despoten über euch regieren lassen? sRochmals: Nein! Nein!) Wollt ihr die Freiheit oder die Sklaverei? Wollt ihr den Aufstieg oder den Untergang? Entscheidet euch. Gs ist keine Minute mehr zu verliere». Nur eiiRu Gedanken, nur ein Ziel kann es geben: der Faschismus muß vernichtend geschlagen werden! In den Kampf, an den Feind, vorwärts und durch! Immer wieder war die Red« Otto Wel»' von stürmischem Beifall unterbrochen worden. Besonders als er die Gründe für die Entscheidung der Sozialdemokratie in der Reichspräsidentenfrage darlegte und die falsch« und arbeiterschädlich« Taktik der Kam- munisten beleuchtete, fand er bei den Zehntausenden lebhast« Zu- stimmung. Nach einer kurzen Schlußansprache des Genossen Bredow wurde die Kundgebung mit dem gemeinsamen Gesang: Brüder, zur Sonne, zur Freiheit! geschlossen. Der Abmarsch vollzog sich in mustergAtiger Ordnung. Die eiserne Motorstaffel Auch die Eiserne Motorstaffel trat gestern das erstemal in Aktion. Wenn auch bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zell nicht alle Wagen und Motorräder mobilisiert werden tonnten, da viele auf Agitationstouren in der Provinz sind, so hatten sich am Sonntagoormittag amRathausSchöneberg doch an 40 Autos und 150 Motorräder und Gespanne eingefunden. Mit großen Werbe- plokaten, mit schwarzrotgoldenen Fahnen geschmückt, setzte sich gegen IlUhr der Troß in Bewegung, um in Kiellinie die westlichen Vororte und im Anschluß daran die westlichen Bezirke der Stadt zu durchfahren. Unnötig zu sagen, daß die National- sozialisten es sich nicht versagen konnten, die Autofahrer und ihre Pro- paganda zur Reichspräsidentenwahl in unflätigster Weise anzu- pöbeln. Verhindern konnten sie es aber nicht, daß doch so mancher Republikaner einen begeisterten Gruß den schwarzrotgoldenen Farben zollte und daß mancher Lau« und Zagende aufgerüttelt wurde. Das war der Sinn der Propagandafahrt der Eisernen Motorstaffel durch 50 Kilometer Berliner Straßen. Breitscheid in Breslau. ?iiesenwndgebung der Eisernen Front. Breslau, 7. März.(Eigenbericht.) In einer Riesenkundgebung der Eisernen Front, die noch stärker besucht war als alle voraufgegangenen, sprach am Sonntagnachmittag der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagssraktion Dr. B r e i t s ch e id. Er richtete an Hnler, der wenige Tage vorher an derselben Stelle gesprochen hatte, die klare Frage, wie sich die verantwortlichen Führer der Nationatsozta- listlschen Partei den oerfassungs- und wirtschofts- politischen Ausbau eines Nazistaates sowie die Regelung der internationalen Beziehungen eines faschistischen Deutschland zur übrigen Staatenwelt eigentlich denken. Die Sozialdemokratie»er- lange heute von jedem klassenbewußten Arbeiter das Opjer der Stimmabgab« für einen Wahlbewerber, der nicht ihr Mann sei. Wenn die Arbeiterschaft das Opfer bringe, werde sie der Welt damit ihre politisch« Reise beweisen. Nach Breiffcheid ergriff der Oberpräsident der Provinz Nieder- schlesien, Lüdemann, das Wort. Er beschäftigte sich unter anderem mit der beschämenden Tatsach«, daß in Breslau Hunderte von Beamten den Nationalsozialisten nachlaufen, ohne sich überhaupt Rechenschaft darüber abzu- legen, daß im Dritten Reich von Beamtenrecht und K o a l i<- tionsfreiheit der Beamtenschaft keine Rede mehr sein werde. Es gäbe nichts Würdeloseres als einen Beamten, der sich freiwillig einer Dittatur unterwerfe. Aufmarsch im Osten. Frankfurt a. d. Oder. 7. März.(Eigenbericht.) Die über Nacht alarmiert« Eiserne Front veran- staltete am Sonntagnachmittag in Frankfurt a. d. Oder einen Auf- m a rsch, der einen glänzenden Verlauf nahm. Ueber 2000 Menschen marschierten in dem von vielen Hunderten begleiteten Demon- strationszug: über 3000 Menschen sammelten sich nach dem Marsch durch die Stadt auf dem Leipziger Platz, wo der Kampfappell abgehalten wurde. Am selben Tag« fanden in der Ostmark an rnelen Orten öffentliche Versammlungen der Eisernen Front ff'it. in denen mtt sichtbarem Erfolg geworben wurde. Siephani, der Magus des Aordens. Gegen Nom, Adel und Exzellenzen. Bei einer Wahltundgebung des Kampfblockes Schwarz-Weiß- Rot am Sonntagabend sprach der Landesführer des Stahlhelms von Groß-Berlin, Major von Stephani, der zunächst die Gründe erläuterte, die es dem Stahlhelm unmöglich gemacht hätten, sich für die Wiederwahl Hindenburgs einzusetzen. Die nationale Front sei zusammengetreten, um zu prüfen, ob es nicht möglich wäre, mit einem gemeinsamen Kandidaten herauszukommen. Adolf Hitler habe jedoch unerfüllbare Forderungen gestellt. Er habe den Posten des Reichspräsidenten, des Reichs- kanzlers. des Relchswehrministers und des Reichs- Innenministers verlangt. Außerdem sollte später über das Weiterbestehen des Stahlhelms oerhandelt werden. Diese Forde- rungen seien gegen die Selbstachtung und gegen das Verantwor- wngsgefühl des Stahlhelms gewesen. Alan müsse sich wundern, daß in einer Arbeiterpartei Exzellenzen und der alle Adel sich befinden, die hofften, wieder eine Führer st ellung zu erringen. Legten Endes würde wieder alles aus den Schultern der Arbeiter aus- getragen werden. Es entspreche nicht unjerem nordisch- preußischen Wesen, Menschen zu Göttern zu machen, wenn sie noch lebten. Diese Staatsidee des Zentralismus sei nicht nor- disch. Wir in Preußen— der staatsbildenden Gewalt und Macht—, wir wollen mitsprechen, wenn dieses nordische Reich, dieses Deutsche Reich als Drittes Reich aufgebaut werde. Wir brauchten keine An- leihen im Auslande aufzunehmen, auch nicht in Rom. Zur Vorgeschichte der Berliner Stephani-Predigt wider Rom meldet das in Angelegenheiten der Rechtsparteien meist wohlunter- richtete Montagsblatt des Kapitäns E r h a r d t: „Die Rede Stephanis ist in der ursprünglich gemeldeten Form bei einem P r e s j e t e e am Freitagnachmittag im Nationalen Klub bekanntgegeben worden. Sie ist dann auch im Sportpalast an die anwesenden Pressevertreter verteilt worden. Tatsächlich hat dann aber Major v. Stephani während der Rede selbst die Ausführungen, die sich aus die römische Wesensart Httlers und der NSDAP, beziehen, weggelassen. Der ausdrückliche Widerruf durch die Telegraphenarn-rn läßt daraus schließen, daß es sich nicht um eine zufällige Weglassung, sondern um eine ausdrück- liche Aenderuvg der ursprünglichen Dispositionen, vermutlich auf einen Druck der Stephan: übergeordneten Stellen, handelt/ Das Ziohmische System Enihü lungen über den Obersö dner Hitlers Die„Welt am Montag" veröffentlicht einen Brief des O b e r st- l e u t n a n t a D. R ö h m, des militärischen Führers von Hitlers SA., an einen Freund. In diesem Brief gesteht R ö h m, daß er gleichgeschle chtlich veranlagt sei, daß er Verkehr mit Frauen für widernatürlichen Verkehr Halle, erschildert drastisch mll leicht schweinigelnder Tonart seine Jagd auf Liebesvbjekte, und daß er sich bemühe, in Bolivien„einige Kullur zu verbellen"— nämlich Kultur der Päderastie„Traurig denke ich an das schöne Berlin zurück, wo man so glücklich sein kann." Herr Röhm, der jetzt wieder im schönen München und schönen Berlin ist, wo man so glücklich sein kann, ist kein Privatmann, der Anspruch darauf erheben könnte, daß seine unglückliche Veranlagung der Oeffentlichkell nichts angehe. Herr R ö h m ist S t a b s ch e f der braunen Armee des Herrn Hitler. Er ist der Vorgesetzte von taufenden jungen Leuten—„hübschen Vengels"— wie er sich ausdrückt. Er hat Macht über junge Leute und kann sie mißbrauchen, und es gibt Stellen in seinem Briefwechsel, die beweisen, daß er frührer seine Vorgesetztenmacht über ähnlich illegale Rekruten mißbraucht hat, wie es die SA.-Leute Hitlers sind. Dieser Mann ist Hitlers militärischer Oberführer. Seine Neigungen sind Herrn Hitler bekannt. Trotzdem hält Hitler den Herrn Röhm für geeignet, Deutschland mit Hilfe der SA. und SS die echte Kultur beizubringen— obwohl ihm bekannt ist, was Röhm unter Kultur oersteht Aber Hirler kann sich von Röhm nicht trennen, weilRöhm mit derH'tlerschen Legalität viel zu genau Bescheid weiß und auch sonst Herrn Hitler viel zu genau kennt! Dieser Fall Röhm ist im übrigen die endgültige Entlarvung der Blut- und Rassetheorie der Nationalsozialisten und der Zuchtämter des Herrn Darre im Braunen Hause. Gut« Nacht, germanische Raste, wenn der Verkehr mll Frauen als unvereinbar mit der röhmischen Kullur und als widernatürliche Unzucht angesehen wird! Wenn Herr Röhm still seinen Neigungen gelebt hätte, so würde kein Hahn nach ihm gekräht haben. Da er aber Chef einer Bürger- kriegsarmee ist, die das„Köpserollen" und Aufhängen besorgen soll. da er der Stabschef des Reichsprästdentenkandidaten Hitler ist, da er uns mll Gewalt seine„Kultur" diktieren wird, muß aufgedeckt werden, wie es mll ihm steht. Der Major Stephan! vom Stahlhelm hat kürzlich gegen das „römische System" Hitlers kräftige Worte gebraucht. Es scheint uns viel mehr notwendig, das r L h m i f ch e System im Braunen Hause zu kennzeichnen! IVO-Iohf-Feier in Spandau. Ganz Spandau auf den Beinen. Unter außerordentlich starker Anteilnahme der Bevölkerung hielt gestern vormittag der Bezirk Spandau die offiziell« Feier an» Anlaß seines 700jShrigen Bestehens ab. Bor dem Reuen Rathaus unweit des Bahnhofs Spandau-west hatten schon am Vormittag über l00 vereine und Organisationen Ausstellung genommen. Auch eine starke Abordnung der Spandauer Volizeischule sür Leibesübungen hatte Ansstellnng genommen. Der welle Platz vor dem Rathaus, von dessen Turm zur Feier des Tages die Reichs- und Landesflaggen sowie die Span- dauer Stadtfahne wehten, war von einer riesigen Menschenmenge dicht besetzt. Die Polizei Halle lediglich die schmal- Fahrstrahe für den Parademarsch der Reichswehr freigehalten. Kurz nach 11 Uhr erschien dann die Spandauer Garnison, das III. Ba- taillon des 9.(Preuß.) Inf.-Reg. unter Führung von Major Frei» Herrn v. G a b l e n z. Nachdem die Truppen Paradeaufstellung ge- nommen hatten, nahm der Regimentskommandeuer Oberstleutnant Busch die Front ab. Unter den Ehrengästen sah man zahlreiche Vertreter der verschiedenen Berliner Bezirk« und des Magistrate. Bürgermeister Stritt« hielt die Festansprache. 700 Jahr«, so betonte er eingangs, seien kein Alter, das der Welt Beachtung abringen könne, aber so weit gehe ja auch der Ehrgeiz der Span- dauer nicht, jedoch habe die Feste Spandau in der brandenburgi- schen Geschichte ein« ganz beachtliche Bedeutung. Der Redner streist« kurz die historische Bedeutung der einzelnen alten Bauten, wieder Schloßkaserne, der Nicolaikirche und dem Juliusturm, der noaf bis zu Deginn des Krieges hinter seinen starken Mauern den Reichs- kriegsschatz in Höhe von 49 Millionen Taler sicher verwahrte. Mit einem Hoch aus die jubilierende Stadt und den Reichspräsidenten schloß der Bürgermeicher seine mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Nach dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- liedes und Darbietungen der Reichswehrkopelle erfolgt« der Vorbei- marsch der Reichswehr. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde abends in den Bismarck-Sälen ein Festspiel„Spandau im Wandel der Zeiten" aufgeführt. Am Montag findet in der Aula des Lyzeums«ine zweite Feier statt. Die 7l>(>-Iahr-Feier wird abge- fchlosten am Montagabend mll einem Bürgerschaftskommers von den Vereinigten Bezirksvereinen Spandaus. Ein Gympiom. Stimmenrückgang der Nazis bei Stadwerardnetenwahlea. Schwerin svlecklbg.),?. März.(Elgeuberichl.) Z» de« Städtchen Crivitz mußten am Sonntag Stadlver- ordnelenwahlen stattfinden. Dabei holten sich die Helden des Dritten Reichs die seit Wochen aller Welt weismachen, daß sie sich in stürmischem Vormarsch befinden und bereits die Mehrheit des Volkes hinter sich hätten, eine nene Niederlage. Sie erhielte» am Sonntag nur 741 gegen 897 Stimmen bei der Amtsvertrelerwahl im November: die Stimmen der Sozialdemokrat ie erfuhren dagegen einen Zuwachs. Sie steigerten sich von 406 auf 488. während die Nallonalsozialistea im neuen Stadlparlamenl ein Mandat weniger erhallen als bisher, stieg die Mandatsziffer der Sozialdemokratie von 4 auf S. KPO.-Kundgebung verboten. Wegen der späten Stunde. Die von der Kommunistischen Partei für Dienstag, nachmittag 6 llhr, im Lustgarten geplant« große öfsenttich« Versammlung wurde vom Polizeipräsidenten wegen der späten Stund«, auf die sie angesetzt war, verboten. Entgegen anderslautenden Meldungen liegt ein Antrag der Kommunisten, die Versammlung an einem früheren Termin ab- hallen zu dürfen, dem Polizeipräsidenten bis jetzt nicht vor. Grundsätzlich sollen selbstverständlich von jeder Partei ösfent- liche Demonstrationen unter fteiem Himmel abgehalten werden dürfen. Der Polizeipräsident steht jedoch aus dem Standpunkt, daß im Interesse der Aufrechterhaltung der öfferllichen Sicherheit poli- tische Kundgebungen unter freiem Himmel bereits mit Eintritt der Dunkelheit beendet sein müssen und daß daher Demonstratwnen, die'erst um 6 Uhr nachmittags beginnen sollen, nicht genehmigt werden können. Attentai in der Kirche. Oer Präsident von Peru verletzt. Lima. 7. März. Auf den peruanischen Staatspräsidenten Sanchez Cerro wurde am Sonntag während eines Kirchenbesuchs geschossen. Der Präsident wurde leicht verletzt, sein Adjutant und zwei Frauen wurden schwer verwundet. Der Attentäter, ein Mitglied der revolutionären Oppositionspartei, ist verhaftet. Das Moskauer Attentat. Botschaftsrat Twardowski noch im Krankenhaus. Die komplizierte Operation an dem zerschossenen Handgelenk des Botschaftsrats v.i Twardowski in Moskau hat 1�4 Stunden gedauert. Der Patient wird mit größter Sorgfalt betreut, Lebens- gefahr scheint nicht zu bestehen. Der Attentäter Stern wird von der polittschen Polizei (GPU.) von dem Untersuchungsrichter für besonder« Angelegen- hellen. Rosenfeld. vernommen. Der oberste Polizeichef Menschinski wohnte dem Verhör bei. Stern hat bisher seine Beweggründe nicht angegeben. Die GPU. hat zwei Verwandte des Attentäters Stern festgenommen, um Auskünfte über den Attentäter und seine polllischen Ansichten zu erhallen. Washington-Feier im Otoichsiag. Kanzlerrede auf den Führer des jungen Amerika. Die deutsche Zweihundertjahrfeier für George W a s h i n g- ton wurde am gestrigen Sonntagmittag von der deutsch-amerikani- schen Vereinigung„Karl Schurz" und anderen Körperschaften im Saal des Reichstage» abgehalten. Der Präfidententifch trug die Büste des nordamerikanischen Nationalheros das Sternen- und Streifenbanner deckte das Rednerpult. Nach musikalischer Ein- leitung sprach Reichskanzler Dr Brüning im Namen des Reiches Worte der Bewunderung und Huldigung für den Begründer Und Verfechter der Einheit der Unionsstaaten. Dozent Dr. Windel» stand würdigte«ingehend Persönlichkett, Motive und Werk des großen Mannes. Darauf erklang die Nationalhymne der USA., worauf Botschafter S a ck e t t in seiner Schlußrede besonders auch den Anteil der Deutschen an der großartigen Entwicklung der Union hervorhob und die Freundschaft zwischen den Bereinigten Staaten und Deutschland feiert«. <5am6lmai gestorben. Einer von der ältesten Garde. pari«, 7. März.(Eigenbericht.) Der Gründer der ersten französischen Gewerkschaften(der Nronze-Arbeiter) und Mttbegründer der ersten Arbeller»Jnter- nationale, C a m 4 l i n a t, ist im Alter von 92 Iahren gestorben und mll ihm auch einer der letzten Tellnehmer der Pariser Kom- mune von 1871. In der Kommune war er Delegierter bei der Finanzabteilung und Direktor der Münze. Nach der Amnestie wurde Camelinat 1885 in Paris zum sozialistischen A b g e o r d- n e t e n gewählt. Er ist in der Kammer durch die Einbringung eines Gesetzesvorschlages über die internationale Arbeitergesetz- gebung besonders hervorgetreten. Später war Camelinat lange Jahre Schatzmeister der sozialistischen Partei, bis er bei der Spol- tung im Jahre 1929 zur Kommunistischen Partei übertrat. Die Lappoführer in Hast. Sie kommen vors Gericht. Helsingfors. 7. März. Am Sonntagabend wurde« die Lappofiihrer Wal» lenins, Kosola, koivisto, Sario. Somersalo und Susita ival gefangen genommen und im Auto nach HelsingforS ge- bracht. Der Staatspräsident hat das militärische Ober» kommando wieder niedergelegt. Zensur und Beschrau» kung des Telephonverkehrs sind aufgehoben. Man er» wartet die Aufhebung des Belagerungszustandes. Die Aburteilung der gefangeneu Führer wird dem Zivilgericht überlassen. Die Anklage wirb ans Aufruhr oder Hochverrat laute». Gs sollen noch weitere Führer des Aufruhrs festge- nommen werde«. Die Aufständischen begannen gestern, nachdem sie in Mäntfälä einem Gottesdienst beigewohnt hatte», mit der Uebergade der Waffen; es wurde ihnen dann gestattet, die Postenkette zu durchschreiten. „Für eine schöne Krau". Komische Oper. Als die Prinzessin dann im letzten Akt von dem Geliebten schluchzend Abschied nahm— da es nicht hätte sollen sein, und da sie einen ganz gewöhnlichen Rittmeister doch unmöglich heiraten konnte, wenn er sie auch mit Lebensgefahr aus den Händen eines napoleonischen Generals errettet hatte—, da brach das Publikum, gepriesen sei sein ewig unterschätzter Geschmack, in helles Gelächter aus. Und rechtfertigte den, der gegen die üblichen Operettenlibretti immer wieder zu Felde zieht, der eine mit falschem Pathos oer- brämte geistlose Kombination von Liebes- und Standeskonslikten mit oder ohne b-ppx-enä nicht für eine naturgegebene Voraussetzung der Gattung zu halten vermag: der dazu auch vor der heiteren und leicht geschürzten Muse noch zu viel Achtung hat. Die Musik Walter G ö tz« s war weder von Gottes noch von seinen eigenen Gnaden: er hat diesmal sein— ofsenbar vorhan- denes— Defizit(dem Zug der Zeit folgend) durch Anleihen decken müssen: man darf aber auch die Unoriginalität nicht übertreiben. Von der färb- und phantasielosen Instrumentation abgesehen, ist die Musik(im Harmonischen und insbesondere im Formalen) von hohem handwerklichem Niveau: das hier allerdings kraftvolle Substanz und melodische Einfälle persönlicher Prägung noch viel weniger zu ersetzen vermag, als bei jeder anderen Art von Musik. Die Aufführung war von Richard W e i ch e r t sehr hübsch inszeniert, von Benno von A r« n t reizvoll bebildert: Ernst Römer dirigierte. Die Freude des Abends war die Soubrette Edith Schollwer, die einem mit ihren Partnern Willi Stettner und Charlie Brock(einem ganz ausgezeichneten Komiker) die Langeweile vertrieb deren man nicht Herr wurde, solange Elisabeth B a l z e r und der Tauber-Jmitator Walter I a n k u h n sangen und agierten. Hugo Flink spielte seine kleine Rolle(als braunschweigischer Hausminister) mit großem Können und viel Geschmack. Der amerikanische Marschkomponist Sousa gestorben. Der bekannte amerikanische Marschkomvonist John Philip Sousa ist ge- starben. Er wurde im Jahre 1856 in Washington geboren und war von 1889 bis 1892 Musikmeister des Marinekorps der Vereinigten Staaten. Später leitete er ein eigenes Orchester. Er hat zahlreiche Märsche und Tänze sowie Operetten komponiert. Der Ltrgöh als Gendespiel. Llebertragung au« Breslau. Breslau unternahm den Versuch, den bunten Bilderbogen des Goetheschen„Urgötz". der sich so schwer einem Bühnenrahmen ein- fügt, vor dem Mikrophon abrollen zu lassen, oder wenigstens einen charakteristischen TeU davon. Weshalb eigentlich die erste Fassung des Götz gewählt wurde, war nicht ganz einzusehen. Die dämonisch- phantastischen Adelheid-Szenen. die der 2Zjährige Goethe hier stellen- weise das Götz-Drama überwuchern läßt, mutzten selbstverständlich ohnehin gestrichen werden. Die letzte Entscheidung im Schicksal des Götz, die durch seine Führerschaft im Bauernaufstand ausgelöst wird, ist aber in der zweiten Fassung des Dramas viel anschaulicher dar- gestellt. Besonders für den Hörer dieser Sendeaufführung entstand hier ein Bruch im Charakter des Götz, der nicht Bauernführer wird, um für das Recht und gegen sinnlose Mordgier einzutreten, sondern weil die Aufständischen ihn durch Drohungen dazu zwingen. Dr. Franz Joseph Engel hat mit technischer Geschicklichkeit das Werk für das Mikrophon zurechtgeschliffen. Das holzschnittartige Bild des edlen Ritters Götz mtt der eisernen Hand ist ihm dabei ganz gut gelungen: die Bewegungsgesetze, die Leben und Sterben des Menschen Götz bestimmen, vermochte er jedoch nicht anschaulich zu machen. Das wäre vielleicht gelungen, wenn die Entwicklung der Handlung in kurzen, zwischengeschalteten Sätzen erzählt und nur die für Götz typischen Punkte dramatisch herausgestellt wären. Weiß- singen als höfischer Gegenspieler des Götz blieb viel zu matt, und nicht viele Hörer werden die Gegensätzlichkeit des braven Knappen Georg und des weichlichen Sohnes Karl als tragisches Schicksal des Retters empfunden haben. Rudolf R i t t n e r schuf als Sprecher eine so eindringliche Gestatt des Götz, wie sie dies« Bearbettung irgend zuließ.—\z. Variete im Kino. Als man vor dem Kriege mtt dem Bau großer monumentaler Filmtheater begann, da wußte man genau, was man tat, als man regelrechte Bühnen einbaute, trotzdem man sie noch nicht brauchte. Heut« hat sich die Voraussicht als richtig erwiesen. Der Film, auch der Tonfilm allein, zieht nicht mehr. Man nimmt seit einiger Zeit zur Belebung des Programms auch einen V a r i e t 4 t e i l hinzu. Das Ufathea ter am Weinbergsweg hat diese Umstellung soeben vollzogen und, wie der Augenschein lehrt, mtt gutem Erfolg. Vier erstklassige Variet4nummern eröffnen das neue Programm. Dos vorzügliche Wiener Tanzpaar Swenson und Bredow könnte man ankündigen mit„Fräulein Schneeflocke" oder„Das Spielzeug eines Tänzers". Der Kraftmensch Achilles ist gleichfalls beste Klasse, R« w m a n ist die ulkige Nudel, die ihm die notwendigen Atempausen verschafft. Die brillanten Handstandvirtuosen Alen« und Evans und die zwei S e w a l d als Akkordeonisten reihen sich würdig an. Außerdem läuft der Lustspielschlager:„M a n braucht kein Geld". r,-. Das Goethe-programm des SiaaistheaterS. Die von der Generalintendanz seinerzeit angekündigten Goethe- Aufführungen anläßlich der Festwoche werden— so weit sie nicht bereits im Spielplan stehen(Götz 36 mal, Mitschuldigen Z4mal, Natürliche Tochter 17mal, Clavigo 13mal)— voll aufrecht erhalten, nur daß am Ostersonnabend„Eainont" statt„Faust" neu einstudiert in Szene geht. Egmont(Rudolf Forster). Klärchen(Hertha Thiele), Regentin(Maria Koppenhöser), Alba(Aribert Wäscher): Regie: Jürgen Fehling. Außerdem bringt das Staatstheater innerhalb der Festwoche am 29. Mär� in Weimar als Gastspiel„Gottfried von Berlichingen" und in Berlin im Schauspielhaus Konzert„Hausmusik zur Goethe- Zeit", im Schiller-Theater„Clavigo".— Am Todestag. 22. März. im Schauspielhaus„Die natürliche Tochter", im Schiller-Theater neu einstudiert„Geschwister", zusammen mit den im Spielplan stehenden„Mitschuldigen" Insgesamt werden in der Woche vom 29. bis 28. März in beiden Häusern neun Goethe-Vorstellungen stattfinden. Innerhalb des Goethe-Iahres gehen im Staatschcater noch „F a u st" und„T a s s o" in Szene, von Nebenwerken„Triumph der Empfindsamkeit" mit der Musik von Krenek Kurt Wcills Oper„Die Bürgschaft" erlebt in der Städtischen Oper ihre Uraufführung Donnerstag, den 16. Mär?. Die„Rote Fahne" verboten. Der Berliner Polizeipräsident hat das kommunistische Zentralorgan bis einschließlich Dienstag per- boten Das Verbot erfolgte wegen einer Karikatur, die eine grobe Verunglimpfung des Reichspräsidenten darstellt. » Vartcinachrichtea für heute abend. 24. Abt. Die für heute an- gesetzte Funktionärsitzung fällt au- und findet morgen Dienstag, den ». März, im gleichen Lokal statt.— 25. Ab«. Heute Montag, den 7. März, 29 Uhr, an bekannter Stelle, Funktionärversammlung.— 27. Abt. Morgen Dienstag, den 8. März, 19 ü Uhr, Funktionärsitzung im Sportrestaurant.— 45. Abt. Heute, 1914 Uhr, bei Förster, Glogauer Straße 25, Zusammenkunft der Bezirksführer und Gruppenleiter Wetter für Bertin: Vorwiegend trübe mtt Niederschlägen, Temperaturen meist etwas über Null.— Für Deutschland: Im Westen keine wesenllich« Aenderung. im Osten verbreitete Schnee- fälle. Giillegung eines Braunkohlenwerkes. Wieder werden 300 Arbeiter überflüssig. Borna(Bez. Leipzig), 7. März. Der gesamten Belegschaft— 300 Arbeitern und 20 Angestellten — der Ramsdorfer Braunkohlenwerke ist vorsorglich gekündigt war» den. Der Stillegungsantrag wird damit begründet, daß der Absatz durch die Umgründung des Mitteldeutschen Braun- kohlensyndikats neue geregelt wurde, ferner, daß eine er- hebliche Verschlechterung der Eisenbahntarifgrundlagen für die mittel- deutsche Braunkohle gegenüber den übrigen Konkurrenzgebicten ein- getreten ist. Man rechnet damit, daß die angekündigte Stillegung noch zu vermeiden sein wird. Oer Leidensweg der Bergarbeiter. Im Ostraurr Eteinkohl-nrevier. Mährisch-Ostrau, 7. März. Im Ostrauer Volkshaus tagte eine von S40 Abgeordneten beschickte Revierkonferenz aller Bergarbeiterverbände des Ostrauer Steinkohlenreviers. Es wurde eine Entschließung gefaßt, in der es heißt:„Mit Erbitterung stellt die Bergarbeiterschaft fest, daß die Bestrebungen der Gcwerkschaftsverbände auf Durchführung von Maßnohmen zur Ueberwindung der Krise, also Kürzung der Ar- beitszeit und Einführung abwechselnder Urlaube, durch die Un- Nachgiebigkeit der großen Unternehmer geschei- t e r t i st. Zu den bOVO bereits entlassenen Arbeitern sollen weitere 12 000 Arbeiter, also ein Drittel der noch Beschäftigten, gekündigt werden. Mit aller Entschiedenheit wird dieser Angriff der Unter- nehmer abgelehnt und erklärt, daß die Arbeiter gegen seine Durch- führung alle, auch die äußersten Mittel anwenden werden." Die Kohle ist lebenswichtig, doch nur wenn sie gebraucht wird. 30 ovo Vergarbeiter streiten noch im Oombrowaer und Krakauer Kohlenrevier. Das polnische Ministerium für Arbeit und soziale Fürsorge hält den Streikenden vor, daß sie bisher 6 Proz. ihres Jahreseinkommens eingebüßt hätten, und die Streikparole bisher nur für die Unter- nehmer von Nutzen gewesen sei, die, ohne Lohnzahlungen vor- normen zu müssen, ihre Haldenbestände abstoßen. Nückwärisdrehung. Geseheniwurf über Verlängerung der Arbeitszeit in polen Warschau, 7. März. Die Regierung hat im Sejm einen Gesetzentwurf eingebracht,' durch den die in I n d u st r i e u md Verkehr im Dezember 1919 abgeschaffte 48-Stunden-Woche wieder eingeführt werden soll. In jenen Betrieben, in denen nur fünf Tage in der Woche gearbeitet wird, soll die tägliche Arbeitszeit auf neun Stunden ausgedehnt werden können. In den Kranken- Häusern darf nach den Bestimmungen des Gesetzentwurfes die wöchentliche Arbeitszeit bis zu 60 Stunden betragen. Jlrihur �Burkhard: Man« SSurgkmair d. Ae.*) Amerikanische Großzügigkeit(in Gestalt einer Subvention der Harvard-Universität) hat die Herausgabe dieses schönen und reich ausgestatteten Bandes XV der„M e i st e r der Graphik" ermöglicht, den das Verlagswesen in unserer krisengeschüttelten Heimat schwerlich sonst hätte übernehmen können. Arthur Burk- hard, Deutschamerikaner von Cambridge in Massachusetts, hat die wissenschaftliche Einführung und den kritischen Katalog der Holz- schnitte verfaßt, von denen eine vorzügliche Auswahl in 96 original- getreuen Abbildungen auf starkem kartonähnlichem Papier bei- gegeben ist. Für den täglichen Gebrauch tst dieser illustrative Teil unzweifelhaft das Wesentliche. Man erhält ein völlig zureichendes Bild von der ausgedehnten graphischen Tätigkeit des großen Augsburger Meisters, dessen Ruhm auf diesem Gebiet vor allem in den Holzschniten zu Kaiser Maximilians Prachtwerken und in den mehrfarbigen Tonschnitten liegt. Bekanntlich lassen sich gerade Holzschnitte so gut reproduzieren, daß man in ihrer Wiedergabe die wesentlichen Qualitäten der Originale wiederfindet: und dies bildet den großen Wert der Serie graphischer Meister, die der Verlag Klinckhardt u. Biermann seit 20 Jahren herausgegeben hat. iPaul F. Schmidt. ♦) Berlin, Klinckhardt u. Biermann, 1932. Rundfunk Zum Rundfunk— Goethe-Jahr. Sind die Rundfunkprogramme„aktuell", soweit sie sich äugen- blicklich ausgiebig mit Goethe beschäftigen? Die Frage mag an- gesichts der Tatsache, daß man sich nicht nur national, sondern auch international die Feier dieses Goethe-Jahres 1932 sehr an- gelegen sein läßt, höchst ketzerisch klingen. Sie ist gleichwohl durch- aus ernst gemeint. Inwieweit es sinnvoll ist, Todestage zu„feiern". kann natürlich im Rahmen dieser Betrachtungen nicht diskutiert werden. Es gibt in unserer Welt manche Unsinnigkeiten, die bis auf weiteres zu unanfechtbaren Moralgesetzen erhoben sind, und das festliche Begehen der Tage, an denen große Geister die Augen für immer schlössen, ist schließlich noch eine harmlose Torheit. Vielleicht sogar eine, deren man sich freuen kann, da es doch immer besser ist, die Welt erinnert sich ihrer Großen an deren Todestagen als überhaupt nicht. Wir sind ja nun schon heftig im Goethe-Iahr drin, und der wohloorbereitete Wasserfall Goetheschen Geistes wird, wie man bs- reits aus Erfahrung feststellen kann, auch den Rundfunkhörern nicht vorenthalten. Die Themen„Goethe und.." und„Wie(wo, was, wann, warum) hat Goethe..." find Formeln für unendliche Reihen, und der Umfang von Goethes Werken ist immerhin so, daß der Rotstift des Rundfunkbearbeiters noch viele Sendestunden von ihnen übrig läßt, die durch fleißige Kombinationen außerdem beliebig vermehrt werden können. Alle Darbietungen dieser Art sind sicher sehr ehrlich kultur- und bildungsbeflissen gemeint: aber trotzdem scheint es, als solle aus dem Ganzen ein Vexierbild werden:„W o i st Goethe?" Sehr viele Hörer haben schon die Konsequenz daraus für sich gezogen: sie lehnen die Rundfunkveranstaltungen zum Goeche-Iahr allerdings aus einem etwas mystischen Glauben an kulturnotwendige Uebel so lange nicht ab, wie ihnen persönlich die Möglichkeit bleibt, an Stelle dieser Darbietungen Unterhaltungsmusik zu hören. Man kann den Geist nicht suchen, dessen Umriß man nicht kennt. Natür- lich ist gar nicht zu bezweifeln, daß ein beträchtlicher Teil der Hörer- schaft auch die bisherigen Goethe-Veranstaltungen abhörte. Unter den Vorträgen, die im Programm der Deutschen Welle von dem Stichwort„Goethe" ausgelöst wurden, war mancher von hohem geistigem Gehalt, mancher, für den man, wie es gewöhnlich aus- gedrückt wird, den„besten" Kopf gefunden hatte. Aber auch Super- latioe sind relative Wertmahstäbe, und der beste Kops vor einem Auditorium von einigen hundert akademisch gebildeten Hörern zeigt sich nicht immer als solcher vor einer Millionenhörerschar. Der „H o ch s ch u l f u n k" der Deutschen Welle stößt ja bei vielen Hörern auf grundsätzliche Ablehnung. Ich selber kann mich diesem Urteil nicht anschließen: mir scheint, daß bei richtiger Handhabung und vor allem bei Beschränkung auf den ihnen gemäßen Raum auch solche Vorträge Berechtigung haben, die sickz bewußt an einen be- grenzten Hörerkreis richten. Dagegen bedeutet es eine vollkommene Verkennung der Aufgaben des Rundfunks, wenn dieses Hochschul- Niveau über seine festgesetzten Grenzen hinaus erweitert wird Die Vollkommenheit einer Aussicht und die Weite des Ueberblicks sind durchaus nicht immer von der Höhe des Standpunktes, sondern vielmehr von der gesamten Wahl seiner Lage abhängig. Auf die Goethe-Vorträge bezog?,, heißt das: es ist von völlig nebensächlicher Bedeutung, ob man die bedeutendsten Goethe-Forscher vor das Mikrophon bringt: weitergehend läßt sogar sagen: es ist im allgemeinen nicht sinnvoll, die bedeutendsten Fachgelehrten über ein Thema sprechen zu lassen, das einem Laienpubli�üm charakte- ristischs Umrisse aufzeigen soll. Tut man es doch, so erlebt man fast immer, daß der Redner d i e Dinge für so selbstverständlich und deshalb gar nicht erwähnenswert hält, auf die es den Zuhörern überhaupt ankommt, und die Perspektive seiner Betrachtung nur auf bestimmte Einzelheiten einstellt. Gewiß gibt es Gelehrte, deren Tiefblick niemals den Weitblick ausschließt, die im Goetheschen Sinne die Welt im Mikrokosmus und im Makrokosmus, im Atom wie im Universum, sehen und sehen machen können: aber sie sind seltene Ausnahmen. Die meisten der bisherigen Goethe-Vorträge sagten dem geistig wachen, doch durch keinerlei höhere Bildung dafür präparierten Hörer nichts. Ihre willigen Hörer dürften der überdurchschnittlich Gebildete gewesen seiil und der nach Bildungspolitur strebende Spieß- bürger, der hier tausend Worte Goethe für den Tagesgebrauch zu erraffen trachtete. Was aber hätte an Stelle dieser Darbietungen stehen müssen? Oder waren sie als Kulturrepräsentation uner- läßlich? Es wäre um geistige Werte schlecht bestellt, wenn ihr charak- teristischstes Merkmal für die Volksmasse eine unzerstörbare Atmo- sphäre von Unklarheit und Langeweile wäre. Genau das Gegen- teil ist der Fall: Geist ist Klarheit, ist erregendes Wunder, ist s die Brücke vom Alltäglichen zum Allgemeinen, vom Allgemeinen der Woche zum Alltäglichen. Goethe stirbt für den sorgenbelasteten Menschen von heute endgültig, wenn er ihm als zwanzigbändiger Klassiker oder als Universalgenie zur Museumsfigur gemacht wird. Es gibt übrigens noch etwas, das schlimmer ist als dieser Tod: die Auferstehung als Singspielfigur, die den Rundfunkhörern hoffentlich erspart bleibt. Aber Goethe ist lebendig. Nicht als Dichter, nicht als Genie, nicht als Mensch. In der Vielheit, in die er sich spalten läßt. ist viel Befremdendes, sind viele Irrungen, ist vieles, zu dem der Mensch von heute nicht die Beziehung findet. Goethe, der Einheit war, weil er nach Einheit strebte, ist der lebendige Geist, der dem Volke gehört, der dem Volke nahegebracht werden muß, vom Rund- funk nahegebracht werden muß. In braven Schulaufsätzen und in Doktordissertationen läßt sich das nicht machen. Das gründliche Wissen um Goethes Sein und Schaffen genügt für solche Dar- bietungen nicht: es genügt nicht die ästhetische Freude des Vor- tragenden an seinem Stoff, auch nicht seine Liebe zu Goethe. Das alles bleibt trockene Gelehrsamkeit oder doch lebensfremde Geistig- keit, wenn nicht als bewegende Kraft die Liebe zum Menschen, der Glauben an die Welt der Menschen dahinter steht Goethe ist lebendig, weil er sich selbst in der Welt fand und damit ein Stück von ihr wurde. Nicht an seine Werke ist seine Unsterblichkeit gekettet, sondern an das Weltbekenntnis, das der Mensch Goethe in ihnen ausspricht. Von diesem Weltbekenntnis her, das je nach der Epoche Menschenbekenntnis oder Bekenntnis zum Universum ist, findet der Mensch von heute, der ohne literarische Voreingenommenheit an sie herantritt. Eingang in die Dichtungen. Nur von diesem Weltbekenntnis her. Diese Tatsache gibt die Nicht- linie für alle Rundfunkbearbeitungen, auf die nicht verzichtet werden kann, wenn man dramatische Dichtungen von Goethe überhaupt vor das Mikrophon bringen will. Der Respekt vor der Dichtung kann nicht zur Wahrung ihrer äußeren Umrisse, wohl aber muß er zur Wahrung ihrer geistigen Substanz führen. Deshalb war die Bearbeitung des„Ur-Gö tz". die Breslau vor einigen Tagen sandte, ein zwar stellenweise nicht unwirksames Sendcspiel, aber keine Darbietung, die an den lebendigen Goethe rührte. Was gezeigt wurde, war das etwas naiv-dcrbe Spiel eines gewisien Wolfgang Goethe, dessen Genie, wie sein Zeitgenosse Herder nach der Lektüre des„Götz" äußerte, Shakespeare ganz verdorben habe. Die lebendige Welt, die hinter der Gestalt des Götz bereits sichtbar wird und ihr den Bewegungsimpuls erteilt, war zugunsten einer einheit- lichen Spielwirkung viel zu sehr vernachlässigt worden. Man sollte in Zukunft getrost die„Handlung" des Stücks in ergänzenden Sätzen erzählen lassen, wenn man nur die Wahl hat. entweder sie oder ihre geistige Mechanik, ihre aus Mensch und Volk strömende Triebkraft. vor dem Mikrophon anschaulich zu machen. Tes. �lontvA, 7. März. Berlin. 16.15 Ingenieur Joachim Boehmer: Eine Viertelstunde Technik. 16.36 1. Haydn: Andante con variazipm» F-MplI. 2. Schumann: Papillons op. � (Frieda Jflrges, Flügel). 17.00 l. Justus Hermann Wetze!: Fünf Goethe-Liedir. II. Mark Lothar: Fünf Morgenstern-Lieder(Corry Nera, Sopran; Flügel: Mark Lothar). 17.30 Weibliche Jugend beim Handball(Franziska Henne). 17.50 Dr. Max Osborn und Maler Ernst Fritsch: Werke lebender Künstler unter dem Hammer.---- 18.15 Unterhaltungsmusik. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag 19.10 Die Werkschule in der Bewag(Ministerialrat Prof. Woldt, Sozialreferent Schäfer und Schlosser Otto Elchner). 19.35 Tanzabend.------- 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Theater im Admiralspalast; 4. und 5. Bild aus..Liselott", Singspiel von Eduard Künnckc., Anschließend bis 00.30 Abendunterhaltung. Königswusterbansea. 16.00 Stud.-Dir. Dr. L. Müller; Studienfahrt nach Kanada. 17.30 Dr. Hans Schimang: Die Entdeckung der elektromagnetischen Induktion. 18.00 Prof. Viktor Bickerich: Der Charakter der Völker in Musik. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Bürgermeister Paul HirsCu, M. d. L.: Kann das gemeinnützige Theater noch gerettet werden?- 19.30 Prof. Dr. Götue: Die Dassellarvenkrankheit der Rinder. Berantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenstr. iL Hierzu 1 Beilage. Sfaafs Theafer Montag, den 7. März Staatsoper unter äen Linden 20 Uhr Ein Maskenball StutLStepielhaus äiadarmenmarkL 20 Uhr bin Kartanverkaul Cyrano von Bergerac Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die endlose Straße Rose- ineater Orot« Fmktartir StnEi 13) Id. Wddisil E 7 342) 8,15 Uhr Jßllcben Gebert Iii. im Admiralspalast Täglich 8'/. Uhr Der neue große Erfolg I Käthe Dorsch Gustaf Oründgens in: Liselott* Singspiel v.EduardKOnneke Reidishailen lAcafer l>i>n h off platz H Uhr.— Sonntacs 3V* Uhr zu kleinen Preisen Stettiner Sänger Die neue Groteske Dr.Weieiikäslieiltalles-! ÄS 6.15 flirr Flora 3434 fiaudieo erlaubt l>laz dcValcsco, Wallenda- Truppc. Hakon von£lch Wald in. seinen Solisten und weitere Star-Nummern 18.15 Uhr l>Iaz< Trup Tvald j . uhr c AS1NÜ- i HEA 1 EH a*/. Uh. Lothringer Strafte 37. iiiiiiitiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiitiiiiiifiiiiiiiintiiiiiitiiiiiitiiiiiiiiii hihi Operette. Variete. I'osse! u. a. 2 lioroa.TIusikal'Akt Die Operette: Gestrandet Der Berlin. Komiker Herrn. Krause Zum Schluß der neue Schlager Der Mann mit den zwei Frauen üuischein I-4 Personen: Parkett 50 PL Pautenil l— Mark. Sessel 1.50 Mark. original- Belema Patentmalratzen/ Ruhebetten Couchs mit Betema-Federung Palent-Drchbcll(D.R.P.) ein Grift- ein Bell, sowie das neue Holzbett mh Bcfema-Federnng sind vollkommen geräuschlos!— Kein Elnliegcn. Füi schwerste Belastung. Ueberau erhält!. 20 Jahre Garantie. i.Federmatratz.-Fibriii, Koppengir.*1 DEUTSCHER REKLAMETAG BERLIN 1932 am 19. und 20. März Programm und Auskunft» Berlin NW 7 Fernruf Unter den Linden 59a Jäger AI 6291 Charlottenburg BismarckstraBe 34 Montag, 7. März Volksvorstellung Kein Kartenverkau Rigoletto Beginn 20 Uhr Ende geg. 22,45 Uhr Volksbühne Tlnatir am BOlowolati 8 Uhr Fährmann Henschel mit Emil Jannings u. Margarete Melzer Regie; K. H. Martin Staatseper Unter den Linden x Uhr Slaatl. Sdiiller-Ilieatir 8 Uhr Die endlose Straße — weine* Th.— Trappe 1931. Fägl. SV. Uhr Die mausetalie Preise 75 Fi.— 5 W. Sonoab. and Sonntag aachmittags 4 Uhr halbe Preise. HAffllAND MMMNyf Resfawfoit Berlins BETRIEB ZA KEMPlHSkiiTf ueritauie moDsi Möbel- Zatalaueseclai ju spotlbilli Preisen. mc Ausgabe der schäsisräume, i beihaus Suifenfh flöpeniderstt. 77 Ecke_ Brilckenstri Möbel- Schräge ftaftanicnalice 45—4#. Roch ist es geil! Sie lausen! jetzl! Schlafzimmer, Ei nur 263,— I Sch zimmer, Nuhba, 348,— ISdjIafzimi Birke, 468,— j Sch Zimmer, Mahag> 525.-! 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Znsgesamt wurden 2 35 Personen wegen verschiedener Delikte se st genommen und der Politischen Polizei übergeben. 140 Festgenommene befinden sich zur Zeit noch im Polizeigewahrsam, aber nur ein kleiner Teil dürste noch im Lause des heutigen Tages entlassen werden, da noch zahl- reiche Verhöre vorgenommen werden müssen und viel Material zu sichten ist. Zn mehreren Fällen wurden Reichsbannerleute von hakenkreuzlern überfallen. Die Angrisse konnten zum größten Teil erfolgreich abgewehrt werden, nur in Moabit, am Bahnhos Bellevue, wurden zwei Reichsbannerkame- r a d e n von einer nationalsozialistischen Horde um- z ingelt und durch Schläge am Kopf so schwer verleht, daß beide ins Moabiler Krankenhaus gebracht werden muhten. Kurz nach 7 Uhr früh wurden Nationalsozialisten, die in der C h o r i n e r Straße Flugzettel verteilten, von Kam- m u n i st e n beschossen. Dabei wurde der 46 Jahre alte Tele- graphensekretär Otto Ludwig aus der Ueckermünder Straße 6 durch einen Kopfschuß getötet. Als die Polizei eingriff, eröff- Wählt Thälmann... Oster: Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus! neten die flüchtenden Kommunisten auch auf die Polizeibeamten Pistolenfeuer. Mehrere Kommunisten wurden festgenommen, von dem Täter fehlt bisher aber jede Spur. Eine weitere blutige Schießerei spielte sich in der S j e m e n s st r a ß e in Moabit ab. Dort gerieten Hakenkreuzler mit Kommunisten in Streit. Im Per- laufe der Auseinandersetzung wurde der 23 Jahre alte Karl S ch m i e g e l aus der Wilhelmshavener Straße 57 durch einen B r u st f ch u ß niedergestreckt. Als mutmaßlicher Täter wurde der 23 Jahre alte Kommunist Franz Schenk festgenommen. Eine andere Schießerei gab es am K o t t b u s e r Tor. Eine Gruppe Nazis wurde dort angeblich aus dem Hinterhalt beschossen. Als die Poli- zei eintraf, war von den Schützen keine Spur mehr zu entdecken. Einige Zeit später gerieten Rechts- und Linksradikale an derselben Stelle abermals in ein Handgemenge. Dabei erlitt der 30jährigc Gerhard Blank, Kottbuser Damm 33, mehrere Stichverletzungen. Schließlich wurde noch in Köpenick, in der Müggelheimer Straße der 26 Jahre alte Otto Schramm aus der Müggelheimer Straße SO bei einer Schlägerei tnit Kommunisten durch mehrer« Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Sch. fand im Köpenicker Krankenhaus Ausnahme. Der Täter ist bekannt, aber noch flüchtig. An einigen Stellen muhte die Polizei gleichfalls zur Schuß- waffe greifen, da Kommunisten auf oie Beamten feuerten, um dadurch ihrer Festnahme zu entgehen. So weit bekannt ge- worden ist, wurde ein K o m m u n i st in der Kastanienallee im Norden Berlins durch einen Schuß verletzt. Der Mann wurde zur nächsten Rettungsstelle gebracht und verbunden. Bon dort entfernte er sich jedoch ohne seine Personalien anzugeben. Nazis als Siraßenräuber. Beim Abmarschieren zum Lustgarten überfielen Ratio- nalsozialisten eine Arbeiteriugendgruppe am Bahn- hos ivilmersdorf- Friedenau. Zn einer sünfsachen lieber- macht schlugen sie aus unsere jungen Genossen ein und st a h l e n ihnen zwei große rote Fahnen. Hinzueilende Passanten und Bahnbeamte befreiten die bedrängten Zugendgenossen. Da« Ueberfallkommando konnte einige Täter ermitteln, die Fahnen waren jedoch spurlos verschwunden. Es handelt sich auch hier wieder um einen geplanten lleberfall. der seinen Ausgang von der berüchtigten SA.-Kaserne am Ringbahnhof Mtmersdors- Friedenau aus fand. * Don Reichsbannerkameraden aus dem Bezirk Kreuzberg wird uns zu einem Naziüberfall auf Iungbannerkame- r a d e n in der H a g e l b c r g e r Straße mitgeteilt: Die oer- schiedenen Ueberfälle auf kleinere Trupps von Reichsbannerkame- raden waren ohne Zweifel systematisch angelegt. Wenn ein kleinerer Trupp Reichsbannerkameraden beim Anmarsch zur Sammelstelle ein Nazilokal passierte, alarmierte ein nationalsozialistischer Wacht- posten seine Spießgesellen, die dann in Uebermacht herausstürzten und auf die Kameraden einschlugen. Kam Polizei, dann stoben die Raufbolde nach allen Richtungen auseinander und standen bald wieder mit dem unschuldigsten Gesicht der Welt an der Theke, um auf die Möglichkeit eines neuen Ueberfalles zu warten. Bor allem hatten es die Nazis aus die Musikinstrumente der Reichsbanner- kameraden abgesehen, von denen mehrere durch die Uebermacht ge- stöhlen wurden. Als das Reichsbanner Kreuzberg am Bahnhof in Tempelhof aufmarschierte, kamen mehrere Kameraden von der Rettungsstelle, wo sie verbunden worden waren. Sie ließen es sich trotz ihrer schmerzenden Wunden— der eine hatte große Pflaster an der Nase, am Kopf und im Nacken— nicht nehmen, in Reih und Glied zu treten und mitzumarschieren. Hitlers Ehrengarde. Fememörder- Zuchthäusler- SA-Mann- neuer Mord! Breslau, 7. März.(Eigenbericht.) In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag kam es in einer Gaststätte in der Breslauer Südoorstadt zu schweren Ausschreitun- gen. Im Verlaus eines Wortwechsels zwischen Nationalsozia- l i st e n und Andersgesinnten feuerte plötzlich ein S A.- M a n n Sp ehrer einen Schuß in die Decke. Als man daraufhin den Schützen vor die Tür setzen wollte, erhob der SA.-Mann die Pistole zum zweiten Male und traf den G a st w i r t, der den Streit hatte schlichten wollen, in den Bauch. Spehrer wurde in das Ge- richtsgefängnis eingeliefert. Er ist in Breslau aus früheren Iahren als hemmungsloser Mensch und politischer Verbrecher bekannt. Er verübte 1923 auf einen Zigarrenhändler Hermann, der mit Spehrer Mitglied des ehemaligen Selbstschutzes war, einen Fememord und erhielt deshalb 6 Jahre Zuchthausl Jetzt ist er Nazi- sturmführer in Breslau. Mit welcher Frechheit die Nazis ihre Gegner provozieren, be- weist ein Zusammenstoß, der sich am Sonntag nachmittag um 3 Uhr unmittelbar am Hauptportal des Messehofes, in den Tausende von Menschen zu einer Kundgebung der Eisernen Front strömten, ab- gespielt hat. Mitten im dichten Gedränge fielen mehrere National- sozialisten über einige Reichsbannerleute her. Einen Reichsbanner- mann streckten sie durch Schlag gegen den Magen zu Boden, während zwei andere von ihnen blutig geschlagen wurden. Die Rohlinge wurden von der Polizei verhastet. Wo Hitler �egierungsrat ist. Messerstecher als Wahlpropagandisten. Vraunschweig, 7. Rlärz.(Eigenbericht.) Aus dem ganzen Lande werden systematische Störung s- versuche und Ueberfälle bewaffneter Razis auf kund- gedungen der Eisernen Front gemeldet: in den meisten Fällen werden jedoch die Störenfriede heimgeschickt. In Leiferde bei Vraunschweig überfiel eine mit einem Lastwagen gekommene Klebekolonne der Razis Arbeiter, die von einer Kundgebung der Eisernen Front heim- kehrten. Zwei von ihnen wurde» durch Messer st ich e in den Bauch und in den Kops schwer verleht. so daß sie in das Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Die Razis halten die Rummer des La st wagens durch Sackleinen verdeckt. Kampfgegen die Geisteskrankheiten Zum 25. Geburtstag Prof. Wagner-Laureggs Am 7. März wind Prof. Wagner-Jauregg, Wien, ein Dahn- brccher der modernen Medizin, 75 Jahre alt. Weit über die Grenzen des Aerztestapdes hinaus erweckt« er allgemeines Interesie durch seine neue"B«handlungsweise der progressiven Paralyse durch Imp- fung, für die er im Jahre 1928 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Das Aufhorchen und der allgemein zustimmende Widerhall für dies« Auszeichnung war besonders stark, weil es Wagner-Jau- regg gelungen ist, die erste Bresche in ein Gebiet menschlichen Elends zu schlagen, demgegenüber bisher alle therapeutischen Be- mühungen vergeblich waren. Denn bisher erschöpfte sich die ärzt- liche Behandlung der eigentlichen Geisteskrankheiten im wesentlichen in geeigneter Pflege, in Abdämpfung der Erregung-- zustände und Ueberwachung in den Anstalten, ohne daß eine direkte Beeinflussung des Krankheitsprozesses selbst möglich gewesen wäre. Dabei sind die sekundären Auswirkungen gerade der Geisteskrank- heiten für die Umgebung größer und schwerer als bei irgendeiner arideren Krankheitsgruppe. Oft bricht die ganze sozial« Existenz einer Familie damit zusammen, vor allem, wenn diese gerade auf der Arbeit des Erkrankten beruhte. t Alls diese Momente spielen nun g�ade bei der Paralyse eine besonders groß« Rolle, diese Krankheit, die meist den Berufs- tätigen im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt befällt, den Menschen, der mitten im Erwerbsleben steht. Bis»vor zehn Iahren galt es als Dogma, daß die progressive Paralyse eine fortschreitende, un- heilbare Krankheit ist, daß der an ihr Erkrankte in wenigen Iahren stirbt. Die Hoffnungen, die man nach Ehrlich« Entdeckung des Sal- varsans auch für die Behandlung der Paralyse hatte, haben sich nicht erfüllt. Di« Erfolge der Behandlung mit Soloarsan ergaben keine befriedigenden Ergebnisse. Da begann nun Wagner-Jauregg 1917 erstmals in systematischer Weise und mit ausgesprochen thera- peutischer Absicht Paralytiker mit Malaria zu impfen und be- gründete damit die sogenannte Fiebertherapie, die sich heute rück- haltslose internationale Anerkennung erworben hat. Die einzelnen Etappen, die der Umsetzung dieser Idee in die Praxis vorausgingen, sind nicht uninteressant. Den empirischen Aus- gangspunkt der Fiebertherapie bilden alte Beobachtungen, die bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen, wonach gelegenllich nach Er- krankungen, die mit hohem Fieber einhergehen, überraschende und ungewöhnliche Besserungen, ja, Heilungen einzelner schwerer Geistes- störungen«intraten. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts mehrten sich derartig« Beobachtungen, und 1887 erschien von Wagner-Jau- regg eine Arbeit„Ueber die Einwirkung fieberhafter Erkrankungen auf Psychosen", in der der konkret« Vorschlag gemacht wurde, zu Heilzwecken künstlich Infektionskrankheiten zu setzen. Er schlug da- bei Versuche mit Malaria, Rückfallfieber(Recurrens) und Erysipel (Wundrose) vor. Die Vorschläge wunden ob der Kühnheit des Ge- dankens kaum diskutiert. Wagner-Jauregg selbst wandte sich nach einigen mißlungenen Versuchen von der Impfung mit aktiven Krank- heitserregern ab und oersuchte nun mittels Tuberkulin-Injektion bei Paralysen Fieber zu erzeugen. Später wurden noch andere Bat- terienstosse hierzu verwandt. Die Erfolge waren beachtenswert, aber wechselnd: allgemeine Anerkennung errang sich diese Methode nicht. 30 volle Jahre aber nach seiner ersten Arbeit, in der er vor allem Versuch« mit der Uebertragung von Malaria empsahl, setzte Wagner-Jauregg dann seine eigenen Ideen in die Praxis um, und zwei Jahre später, 1919, wurde dann von Plaut und Steiner die Infektion mit dem Erreger des Rllckfallfiebers bei Paralytikern vor- genommen, allerdings von anderen theoretischen Vorstellungen aus, als sie ursprünglich Wagner-Jauregg hatte. Es zeigte sich, und hat sich im Laufe der Jahre immer mehr gezeigt, daß mit beiden Mecho- den Heilerfolge erziett werden können, die vordem nicht im cnt- ferntesten erreichbar waren. Die Gefahren dieser auf einfache Weise übertragbaren Infek- tionskrantheiten sind gering, vor allem, wenn man nicht die schon durch die Paralyse als solche körperlich hinfällig und widerstandslos gewordenen fortgeschrittenen Paralysen impft. Die Malaria ist jederzeit prompt durch Chiningaben abzustoppen, falls gesahr- drohende Zustände eintreten sollten. Die Erfolge, was Zahl, Dauer ! und: Grad der Hellung anbelangt, sind. um. so besser, in je früherem Stadium die Behandlung einsetzt. Der Beginn der Besserung fällt meist in die Zeit nach Abschluß der Kur, die selbst durchschnittlich zwei Monate dauert, ja. es ist nicht so selten zu beobachten, daß zu- nächst die Impfung mit Malaria oder Recurrens nicht den gering- sten Wert zu haben scheint, daß aber dann nach einem Jahr oder noch später eine überraschend« Besserung eintritt. Eine prozentuale Berechnung der Erfolge dieser Therapie zu geben ist nicht ganz einfach. Die Zahlen sind unterschiedlich, je nachdem man nur beginnende, also für die Behandlung besonders günstige Fälle als Beobachtungsmaterial hat oder aber alte, weit fortgeschrittene Paralytiker. Berechnet man die Erfolge nach der Bcrufsfähigkeit, wie dies meist geschieht, so wird man wiederum unterscheiden müssen zwischen der Berufefähigkeit für einfache Be- rufearten und solche für hochwertige, die eine erhebliche geistige Leistungsfähigkeit voraussetzen. Wenn also hier Zahlen gegeben werden, so handelt es sich um Durchschnittszahlen Diese aber er- geben nach den bisherigen Beobachtungen verschiedenster Untersucher an einem, mehrere 1099 Fälle betragenden Material von verschieden- ster Dauer und Schwere an wieder berussfähig gewordenen Paraly- tikern, die also als praktisch geheilt angesehen werden dürfen, et»a 39 bis 35 Proz. Di« Zahl der unvollkommen Gebesserten, die nur zu einfachsten Arbeiten zu gebrauchen sind, aber ohne Schwierig- ketten zu Hause behalten werden können, beträgt etwa 29 Proz., während der Rest weiterhin anstaltsbedürftig bleibt. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, kommt ,war Rückfall in die Krankheit vor, im allcffemeinen halten aber eingetreten« Heilungen an. In letzter Zeit hat man begonnen, Malaria und Recurrens miteinander zu kom- binieren, so daß also bei mangelndem Erfolg nach der Malariakur noch das Rückfallfieber gesetzt wurde und umgekehrt. Natürlich sind die zur Zeit erreichten Erfolge noch nicht ideal. Dies wären sie erst, wenn in jedem Falle eine Heilung einträte. Aber es ist ein Weg beschritten, der praktische Erfolge aufweist, weil sie vor 15 Jahren noch für unmöglich gehalten wurden. E»r. K. Beringer. Mahler-Maiinee in der Volksbühne. M a h l e r s„Siebente" ist ein ungeheurer sinfonischer Kom- plex, der(bei aller konstruktiven Logik des Meisters) infolge der räumlichen Dimensionen, der Fülle der verschiedensten Details, der Häufung entgegengesetzter Stimmen die Tendenz hat, auseinander- zufallen— richter: nicht sinfonisch, nicht zusammen gehört zu werden. Diese Gefahr vermag nur ein Dirigent zu bannen, der Mahler innerlich nahesteht, der all dies Glühende, Ekstatische, Be- kenntnishafte, all dies Persönliche, Allzupersönliche nicht nur zu gestalten, der es auch gleichsam zu improvisieren vermag, der im- stände ist, Objektivität und Subjektivität in ein fruchtbares Gleich- gewicht zu bringen. Schcrchen ist nicht der Mann dazu; er hat — so scheint es wenigstens— nur ein sehr kühles Verständnis zu Mahler, den nur ein von ihm Besessener ganz erfaßt: er steht ihm innerlich fern und rückt damit damit auch das Werk in eine unfaß- bare Ferne, die es unzeitgemäßer erscheinen läßt, als es wirklich ist... Der Dirigent ist hier— viel mehr als sonst, im anderen Sinn als sonst— der entscheidende Faktor: eine Aufführung, bei der er versagt, im Sinne Mahlers versagt, vermag nur der Legende vom überwundenen Mahler neue Nahrung zu geben, statt die Gewalt der Ecksätze, das flimmernde, flirrende Scherzo, die traumhaste Schön- heit der beiden Nachtmusiken Erlebnis werden zu lassen. Vor der Sinfonie sang Ida Hart-zur-Nieden mit schöner Stimm« und warmer Empfindung des Meisters Kindertotsnlieder. A.W. Arbeitcr-Rascnspiele Fußball in Berlin Kaum hat die neue Fußballseri« begonnen, da kommen auch schon die ersten Ueterraschungen. Die größte von allen ist wohl die hohe Niederlage, die Britz 8 8 von Baumschulen- weg einstecken mußte Mit nicht weniger als 7:1 Toren blieben die Baumschulenweger siegreich. Ueberraschend ist aber auch das gute Abschneiden von Vorwärts- Wodding gegen Pankow. Während die Pankower in der ersten Halbzeit noch mst 2: 0 im Nachteil lagen, holten sie im Endspurt mächtig auf Allerdings vcr» half ein Selbsttor des Borwärts-Mittelläuser-s den Pankowern zum Sieg.— Einen harten, aber nicht unfairen Kamps lieferten sich Adler 08 und Hansa 31 in Reinickendorf. Die Hanseaten konnten bereits in der 18. Minute mit 1: 0 in Führung gehen. Die Freude sollt« aber nicht lange dauern; in der 24 Minute stellte Adler den Ausgleich her. Ein Durchbruch des Reinickendorfer Mittel- stürmers brachte den zweiten Treffer. Was du kannst, kann ich auch, dachte sich Adlers Mittelstürmer, auch er nahm den Ball, lief durch, und der Ausgleich war wieder einmal hergestellt. So blieb es dann bis zur Paus«. Nach dem Wiederanpfiff ließen die Hansea- ten etwas nach, sie waren dem Tempo doch nicht ganz gewachsen. Einzig und allein die Hintermannschaft, in der der Torwart wieder hervorragt«, hielt allen Angriffen der Pankower stand. Da passierte einem Verteidiger das Unglück, daß er den Ball an die Hand bekam. Elfmeter! Vom Mittelstürmer Adlers glatt verwandelt, führt« dieser Treffer zum siegbringenden Tor. Mit 3: 2 blieb Adler wohl- verdienter, aber auch glücklicher Sieger. Als Ueberraschungsmannfchaft entpuppte sich Blankenburg. Ge- � lang es doch den Blankenburgern, den Weihenfeern eine 2: 1-Nied«r- läge zu bereiten. Oberspree hatte gegen Storkow einen schweren Stand. Mit nur 2: 1 konnten sie das Spiel knapp gewinnen. Weitere ZIesuUat«! Lichtenberg 2 gegen Hoppcgarten 1:8.— Frohe Stunde gegen ASB. Neukölln 3:0.— Saxonia gegen Eintracht.Spanoau 4:4.— Wilmersdorf gegen Berlin 12 S:S.— Eiche-Bohnsdorf gegen gdA. 5:4.— Frohe Stunde 2 gegen ASB Neukölln 2:4.— Lichtenberg 2 gegen Lichtenberg 1 0:10.— Saxonia gegen Charlottenburg 4:3.— Britz 88 gegen Baum» fchulenweg 8:1.— Oberlprce gegen Storkow 2:4.— Hansa 31 gegen Adler 08 0:3.— Hansa 3 gegen Adler 3 3:2.— Iugendmannschaften: Normannia gegen Eintracht. Reinickendorf 0:0.— Hansa gegen Minerva 3:2.— Adler Schiller gegen Pankow 1:0.— Hansa gegen Minerva 0:3. Um die Vcrbandsmcistcrschaftcn Im ganzen Reich sind die Spiele um die Verbandsmeister- schasten im vollen Gange. In Stettin spielten der Berliner Meister Eintracht-Reinickendorf und Podejuch in der Vorrunde um die ostdeutsche Meisterschaft. Die Berliner konnten zwar nur knapp, aber verdient, mit 1: l) gewinnen. Das Resultat stand bereits zur Halbzeit fest, als der Linksaußen eine gute Vorlage zum Halbrechten gab, die dieser aus der Luft, zwar nicht unhaltbar, aber trotzdem zum einzigen Treffer einsenden konnte. Wohl versuchte der Pommernmeister das Resultat günstiger zu gestalten, an der schlag- sicheren Verteidigung Eintrachtz scheiterten aber alle Angriffe.— Da auch Kottbus 93 das Spiel gegen Ponarth-Königsberg mit 5:2 gewann, findet das Entscheidungsspiel am 29. März in Kottbus statt. Berlin kommt also wieder einmal um ein Meisterschafts- treffen.— Im Mitteldeutschen Verband blieb der Verein für Körperkultur Leipzig-Südwest über den Schlesienmeister Eiche- Hindenburg mit 4:2 stegreich. Die Leipziger konnten erst in der zweiten Spielhälste den Sieg sicherstellen. Stand das Resultat doch bis dahin unentschieden 2: 2. ttocke� Im Serienspiel gelang es dem Spandauer Freien Hockeyklub, den Versin für Leibesübungen Ostring 2 mit 2: 1 zu schlagen. Ost- ring versäumte im ersten Spieldrittel allzu viel, um es wieder gut machen zu können. Die Spandauer gaben nicht das sonst gewohnte Zusammenspiel und siegten etwas glücklich.— Ostring 1 hatte in einem von Beginn an überlegenen Spiel Rot-Weiß 2 mit 8: 9 Toren das Nachsehen.— Volkssport Neukölln und der Arbeitersportverein Rot-Weiß spielten unentschieden mit 2:2- In dem äußerst schnellen Spiel hatte die Rot-Weiß-Mannschaft stets eine bessere Chance. Sie verdarben sich diese durch eigene Schuld und mutzten den Ver- lust zweier Spieler hinnehmen, nach deren Ausscheiden die Neu- köllner zum Ausgleich kamen. Der Gruppenmeister A Neukölln war dem Stürmerspiel voll gleichwertig, nur die Läuferreihe ver- sagte im Aufbau. Dadurch blieben sie im Nachtell— Tennis-Rot sicherte sich gegen den Arbeitersportverein Wedding einen guten 8: 9- Sieg.— Der Athletiksportklub setzte sich mit einem verdienten 2: 1- Sieg gegen die Freie Sportoereinigung Pankow durch. Die Sport- lcrinnen vom VfL. Ostring gewannen gegen Volkssport Neukölln 2: 9 und Rot-Weiß gegen Tennis-Rot mit S: 9 Toren. Weite« Resvltat«: Ostrina 3 gegen Tennis-Rol 4 5:2.— Athlctik.Sport. Club 2 gegen Tennis-Rot 2 0:0.— Tennis-Rot 3 gegen Rot-Weiß 3 3:1. \M)jyuUooJJü FT.-Franldurl-Oder als Gast Wie alljährlich, so hatte auch in diesem Jahr die Freie Turner- schast Groß-Verlin-Süden die Freie Turnerschaft Frankfurt an der Oder zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Ganz wie er- wartet, gab es einen gleichwertigen, sehr interessanten Kampf. Es war ein Spiel, wie wir es jeden Sonntag und von allen Mann- schaften sehen möchten. Frankfurt vollführte einen unglücklichen An- wurf, so daß Südens Stürmer sofort losziehen konnten. Einmal hin und einmal her und er stand 1:9 für Süden. Nachmal hatte Frankfurt Anwurf und ging damit so geschickt durch, daß die Süden- Verteidigung verblüfft wurde und der Ausgleich hergestellt war. Das geschah in zwei Minuten und die anderen achtunfünfzig schlössen sich diesen würdig an. Ungeheures Tempo, ständiger Kamps um den Ballbesitz, wertvolle Leistungen der Verteidigungen, und hinreißende Schüsse waren für beide Mannschaften nötig, um den Pausenstand von S: 4 und das Schlußergebnis von 6: 6 herzustellen. Trotzdem Frankfurt ganz energisch spielte, verlief das Spiel schr fair und hinterließ bei den zahlreichen Zuschauern einen sehr guten Eindruck. Spiele der ersten Klasse In der Abteilung A hatte Eiche-Köpenick die FTGB.-Osten zum Rückspiel als Gast. Der Eichesieg kam unerwartet und war daraus zurückzuführen, daß Osten mit einer unsinnigen Härte spielte und den Schiedsrichter zum schärferen Eingreifen zwang. Nachdem sich Eiche bis zur Pause einen 4:2-Vorsprung gesichert hatte, kämpfte er dann nicht mehr so flott wefter. Daher kam es, daß die Ostenspieler direkt überlegen spiellen und zu wunderbaren Toren kamen. Erst gegen Schluß wurde Eiche wieder energischer und sicherte sich endgültig den 7: ö-Sieg. Bei Osten hielt der Torwart allerlei Bälle, die bei anderer Besetzung nicht gehalten worden wären. Bezirlsklasse Oft«»: Athletik-Sport-CIub gegen TSV. Kaulsdorf 3:4(1:4).— Eiche-Köpenick 2 gegen ASB. Werlsee 5:2.— Eintrachi.Mahlsdorf 2 gegen TEB. Kaulsöorf 2 3:6(2:4).— Athletik. Eport-Club 2 gegen Tennis-Wedding 6:4(4:1).— VfL. Ostring gegen Schwimmer Weißenfe« 6:5(4.-2).— VfL. Ostring 2 gegen Berliner Schwimm-Union 4:3(3:1).— Frauen: Athletit- Svort-Tlnk gegen Berliner Schwimm-Union 7ck><2:0).— Normannia gegen Cintracht-Mahlsdorf 2:2(1:2).— eich« Bohnsdorf gegen Frohe Stund» 4:2 (2:1).— Jugend: Eintrachi.Mahlsdorf gegen FTEB. Stralau 3:11(0:8). Bezirlsilasse R-rd«»: Frauen. FSB. Tegel gegen FT Wilmersdorf 11:0(4:0). BezirlsNafle«Sden: Berlin 12 gegen MTB. Sperenberg 3:1(Ick».— FSB. Teltow gegen FS. Fichte 5:3(8:2).— Jugend: Berlin 12 gegen FTSB. Sstd- -st SB(1:2). Solidarität- Gaufest Zum erstenmal Schüler- und Jugendmannschaften am Start Gaufest de- Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes„Soli- darität-l Das verspricht immer eine sportlich genußreich« An- gelegenheit. Kein Wunder, daß am Sonnabendabend der große Saal der„Neuen Well" überfüllt war. Pünktlich um 29 Uhr begannen die Hauptwettbewerbe, die mit einem 24«r Begrüßungsreigen der Berliner Ortsgruppe eingeleitet wurden. Eine exakte Darbietung. Und immer geht es Schlag auf Schlag vorwärts in der Programmabwlcklung. Zum erstenmal trat der Gau Provinz Brandenburg mll seinen Schüler- und Jugendmannschaften im Kunst- und Reigenfahren an die Oeffentlichkeit. Das war ohne zu übertreiben ein besonderes Er- eigms. Es war eine Freude, zu sehen, wie die kleinen Burschen und Mädchen sich durch saubere Arbeitsleistung bemühten, die höchste Punktzahl zu erreichen. So wurden die Jungen aus Schmerzke im ker Schulreigen von den Niederlehme rn geschlagen. Die einen waren betrübt— die anderen erfreut, ob des Sieges. In irgendeiner Ecke aber saß einer der„Geschlagenen", schluchzte gar bitterlich, um etwa- später sein seelisches Gleichgewicht wieder zu gewinnen. Er wartet schon jetzt auf das nächste Gaufest. Dann wird es den Gegnern schlecht ergehen____ Was das Programm sonst noch bot? Fast durchweg gute Sachen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand unzweifelhaft die Konkurrenz im Einer-Kun st fahren. Zuerst produzierte sich der Gaumeister Bccker-Iüterbog, der im letzten Jahr günstige Fort- schritte machen konnte. Sein Rivale, der Olympiade-Meister Ahl- berg-Caputh mußte sich ordentlich ins Zeug legen, um über den Gaumsister triumphieren zu können. Auch die Schüler fehlten in dieser Sparte nicht. Lobitz-Rauno erntete für flotte Leistungen freudestrahlend reichen und verdienten Beifall. Das 2er-Kunstfahren der Jugend brachte zwei fast gleichwertige Mannschaften. Die Luckempalder W'llke-Zickuhr gewannen, wenn auch knapp, gegen Co- puth, das Bunte-Turley geschickt hatte. Es würde zu weit führen, wollten wir hier alle Konkurrenzen schlldern. Er wähnt sei jedoch noch der packende Fahneneinmarsch und die anfeuernde Rede des Gauleiters Seeger, der nun auch für die Provinz Brandenburg den Schwur zur Eisernen Front ablegte! Der sportliche Teil wurde abgeschlosien mll Radball- und Rad- polospielen, sowie mit mehreren Hometrainer-Rennen der Renn- fahrersparte. Die Ergebnisse: 6er Schulreiaen(Schüler): 1. Ortsgruppe Niederlehme 50 Punkte; 2. Orts. gruppe Schmerzte 50,50 Punkte.— 4er Schulreigen(Schüler): l. Ortsgruppe Schönfließ