BERLIN Mttwoch 9. März 1932 10 Pf. Nr. 116 B 55 49. Lahrgang erscheinttäglich außerEoontag«. Zugleich UbendauSgabr deS �Vorwärts' BeiugSvretSfür beide Auegaben 75 Pf. pro Woche. 3.2ö M. pro Monat (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus mdldar. P o st b e j o g 3,ST M. einschließlich 60 Pf. Postjeitungt- und 7? Pf. Postbestellgebübren. SfixUaaLgaße xlßi>„i/bwasfa Jlitldt'Bvrctl! Eft.Ins»altlzr 5lllfflmrttri«flc 10 Vf. WrtUmififUf 2.— M Ermäßig» ng.n nach Tarif Hoilschntionto: Vorwättt-Vkriag S. m. d. H., Bcrlin Rr 37 530.- Dcr vcrlag brhäit ilch da« Recht der Adiclinung nicht gracdmer Anietge» vor! Redaktion und Erneditio»! Bcrlin DW 38, Lwdrnfir. 3 Kernsprecher! DönHofF(AT) 292—297 Kein Kampf gegen Hitler! Kommunistenparole:„Hauptstoß gegen Wels!" Als am 13. März 1920 Kapp-Lüttwitz aus Dö- beritz nach Berlin einrückten, gab die KPD die Parole aus: .Fein Kampf gegen Kapp! Kapp und Ebert find dasselbe! Wir bleiben neutral." Am 13. März 1932 versuchen Hitler-Goebbels- Frick„legal" zur Macht zu kommen. Was sagt dazu das Zentralorgan der KPD.? Wörtlich folgendes: Der Faschismus kann nur geschlagen werden, wenn man ihn an seiner Wurzel trifft. Ohne Ebert-Wels war kein chindenburK- Groener möglich. Ohne Wels-Groener-chindenburg wird kein Hitler möglich sein. Daher muß die Arbeiterklasse ihren Hauptstoß gegen die heute stärkste Stütze der faschistischen Diktatur, gegen die Wels- Drüning-hindenburg-Front richten. Dazu ist nur zu bemerken, daß in dem Text der„Roten Fahne" Brüning und Hindenburg nur zu Dekorations» zwecken an Wels angehängt sind. H a u p t f e i n d ist die Sozialdemokratie! Der Hauptstoß geht also logischerweise nicht gegen Hitler, sondern gegen Welsl Die„Rote Fahne", die, wie es scheint, vor ihrer eigenen Logik doch wieder etwas Angst kriegt, bringt es freilich fertig, dann weiter zu deklamieren: Machlfragen zwischen den Klassen sind noch nie mit dem ! Skimmzetlel entschieden worden... Das kämpfende Proletariat und nicht der Stimmzettel entscheidet. Daraus ergibt sich, daß die Kommunisten am 13. März konsequenterweise zu Hause bleiben müßten. Aber nein! Damit würden sie sich eine Gelegenheit entgehen lassen, die Sozialdemokratie zu schädigen. Darum alle Mann an die Urne: Hauptstoß gegen Wels! Ltnternehmerlob für die KpO. Kein Wunder, daß nach solchen Leistungen das Unter- nehmerorgan, die„Deutsche Allgemeine Zeitung", mit den Kommmunisten mehr als zufrieden ist. In ihrer heutigen Morgenausgabe schreibt sie: Der publizistischen Pflicht gehorchend, nicht dem eigenen Trieb, erwähnen wir noch einmal Herrn Thälmann, den Präsident- schaftskandidaten der KPD. Zu seiner Person ist natürlich nichts Neues mehr zu sagen, ebensowenig darüber, daß seine Kandidatur völlig aussichtslos ist. Es bleibt vielmehr nur zu untersuchen, welche Rolle diesem angeblichen Transportarbeiter im Nahmen des ge» samten Aufmarsches zur Präsidentenwahl zufällt. Diese Rolle besteht ausschließlich darin, zu verhindern, daß ein „Marxist" Reichspräsident wird. Zahlenmäßig und theoretisch läge das nämlich— wie viele bllrger- liche Kreise leicht übersehen— nicht ganz außerhalb des Bereichs der Möglichkeit. Nach den Wahlziffern vom 14. September 1930 erhielten die Konsinunisten 4,6 Millionen und die Sozialdemokraten 8,5 Millionen Stimmen, das sind zusammen 13,1 Millionen. Wenn das auch nicht sür den ersten Wahlgang ausreicht, so würde doch im zweiten Wahlgang eine solche Zahl, die durch Wahlbeteiligung noch gesteigert werden könnte, genügen, um eine bedrohliche Kon- kurrenz für einen bürgerlichen Kandidaten darzustellen.(1925 er- hielt Hindenburg 14,6, Marx 13,7 Millionen Stimmen.) Zum Glück aber ist es gelungen, bis zu den entscheidenden Wahlen dieses Frühjahrs die Spaltung des„marxistischen" proletarials in zwei Parteien zu konservieren. und die Feindschaft zwischen den beiden Gruppen ist so groß, daß die Gefahr einer roten Sammelkandidatur in Wirklichkeit weder jetzt noch im zweiten Wahlgqng besteht. Ebenso wird sie bei den Preußenwahlen dazu beitragen, daß die schwache Mehrheit der Regierung Braun zerschlagen wird. Kann so die Sozialdemokratie durch die Schuld der Kommunisten ihre gewaltige Macht nicht für einen eigenen Kandidaten ausmünzen, so hat sie diesmal auch nicht einmal mehr wie 1925 die Aussicht, einen Kandidaten des Reichsbanners, d. h. gemeinsam mit dem Zentrum und der Staats- partei, durchzubringen und muß daher, wenn sie Hitler bekämpfen will, für Hindenburg eintrete». Massen heraus! Freitag 17% Uhr: Lustgarten AUFHARSCHPLAN Stadtbuzlrka Wadding, Mitte, Relnlckenderl und die in diesen Bezirken liegenden Betriebe; Antreten: 16,30 Uhr Grenzstraße(Humboldthain), Spitze des Zuges Brunnenstraße. Marsch durch; Brunnen-, Elsasser-, Artilleriestreße, Am Kuptergraben, Museumstraße, Lustgarten. Stadtbezirke Prenzlauer Berg, Pankow, WeiBentee und alle In diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr Danziger Straße(Mittelpromenade), Spitze des Zuges Welßenburger Straße. Marsch durch: Weißenburger Straße, Schönhauser Allee, Dragoner-, Roch-, Neue Friedrich-, Museumstraße, Lustgarten. Stadtbezirke Friedrlchzhaln, Lichtenberg, Treptow, Köpenick und alle In diesen Bezirken liegenden Betriebe; Antreten: 16,30 Uhr Küstriner Platz, Spitze Paul-Singer-Straße. Marsch durch; Paul-Singer-, Blumen-, Schickler- Kloster-, Kaiser-Wilhelm-Straße, Lustgarten. Stadtbezirke Kreuzberg, Neukölln und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr Fontane-Promenade, Spitze Urbanstraße. Marsch durch: Urban-, Baerwald-, Prinzen-, Dresdner-, Neue Roß-, Roß-, Breite Straße, Schloßplatz, Lustgarten. Stadtbezirke Tempelhef, Schöneberg, Zehlendorf, Wilmersdorf, Steglitz und alle In diesen Bezirken liegenden Betriebe; Antreten: 16,30 Uhr Hornsfraße, Spitze des Zuges Yorck- straße. Marsch durch: Yorck-, Gnelsenau-, Mittenwalder-, Brachvogel-, Alexandrinen-, Dresdner Straße und weiter wie Zug Fontane-Promenade. Stadtbezirke Charlottenburg, Tiergarten, Spandau und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr Kleiner Tiergarten, Spitze des Zuges Stromstraße. Marsch durch: Alt-Moabit, Invalidonstraße, Hessische Straße, Hannoversche, Elsasser Straße und weiter wie Zug Grenzstraße. KampHeitung Berlin der Eisernen Front Die nützliche Funktion der Kandidatur Thälmann besteht dem- nach darin, sede Möglichkeit der Wahl eines Präsidenten der Linken zu verhindern. Aber damit ist ihre Aufgabe noch nicht erschöpft: je mehr Stimmen für Thälmann abgegeben werden, um so größer wird die Zahl der Hindenburg-Gegner sein, um so größer daher die Aussicht, daß der erste Wahlgang ergebnislos verläuft, um so größer daher auch die Wahrscheinlichkeit, daß totsächlich für den zweiten Wahlgang die Entscheidung bei Hugenberg oder Hitler liegt. Die K o m m u- nisten spielen also in jedem Fall das Spiet ihrer Gegner,— genau wie 192 5. Ja, genau wie 1925, aber auch genau wie 1920 beim Kapp-Putsch, genau wie am 9. August 1931 beim Hitler- Düsterberg-Thälmann-Volksentscheid gegen Braun und Severing. Und immer sind es die Klassengegner des Proletariats, die sich vergnügt die Hände reiben. Denn die NSDAP, müssen sie schwer bezahlen, aber die KPD. macht das alles umsonst!_ Eiserne Krönt in Mecklenburg. Lobe in Rostock. Rostock, 9. März. Auf einer Kundgebung der Eisernen Front in Rostock sprach Dienstagabend Reichstagspräsident Paul L ö b e. Er beschäftigt« sich in seinen Ausführungen mit der bevorstehenden Reichspräsidenten- wähl und ihrer Bedeutung für die deutsche Republik. Das deutsch« Volt, so sagte er, stehe vor einer weittragenden, vielleicht historischen Entscheidung. Der kommende Sonntag solle entscheiden, ob Deutsch» land weiter seinen Platz unter den europäischen De- m o k r a t i« n behaupten, oder ob es zum Experimentierfeld blutiger Dilettanten werden solle. Die eepublikanische Front werde dafür sorgen müssen, daß Hitler nicht zur Macht kommt. Neben den Reichsbannerleuten würden die Arbeitersportler und die Gewerkschaften die Errichtung des Dritten Reichs auch im Jahre 193? verhindern. Die heutige Krise sei eine Krise der bestehenden Wirtschaftsform und werde größer mit jedem Ersolg der Nationalsozialisten. Hindenburg habe den Cid, den er vor sieben Jahren geleistet hat, keinen Augenblick verletzt. Um uns alle vor blutigen Auseinandersetzungen zu bewahren und zur Aufrechter- Haltung der Verfassung von Weimar habe sich Hindenburg trotz seines Alters noch einmal zur Verfügung gestellt. Er sei ein ausrechter Mann, dem die Sozialdemokraten die Treue mit Treue vergelten würden. Cin Schnaps zuviel! Nationalsozialisten als Lügner oder Phantasten. Nach einem Bericht, den der„Anzeiger für Aschersleben" (Nr. 56 vom 7. März) veröffentlicht, hat am Sonntag ein Nazi- redner, Diplom-Landwirt Haack, in einer Wahlkundgebung neben vielen anderen Schiefheiten auch diesen Unsinn von sich gegeben: In seiner Nummer vom 28. Februar 1932 gibt der sbzi.il- demokratische„Vorwärts" folgende Parole zur Reichspräsi- dentemvahl aus:„Gehet hin und werbt für Hindenburg! Und tut ihr es nicht aus Liebe, so tut es aus Haß! Wenn Ihr zur Wahl gehl, trinkt vorher einen Schnaps!" Wenn der Bericht des„Anzeigers" so richtig wie ausführlich ist, so hätte der Naziredner eine faustdicke Lüge oerbreitet. Unsere Leser wisien, daß der Satz voni Schnaps nie im„Vorwärts" gestanden hat. Man muß also annehmen, daß der Naziredner einen Schnaps zuviel hatte, den er bei dieser Gelegenheit los werden wollte. Adolfs Banden. Bewaffnete Kolonne in Braunschweig festgenommen. Lraunschwelg. 9. März.(Eigenbericht.) Die Lraunschwciger Razls haben Ihre In den Kasernen untergebrachten Soldknechte auf„höchste Alarmstufe" gebracht, welche Erwartungen die Hitlerleute aus den 13. Mörz sehen, geht aus der Tatsache hervor, daß an die SA. und SS. Verbandpäckchen ausgegeben worden sind. Die Umtriebe der bewassneten Hakenkreuzler sind selbst der braunschweigischen Polizei zu toll geworden. so daß sie in der letzten Rächt ZSRazisfestnehmenmußkc. die als Ktebekotonne getarnt waren. Bei der Durchsuchung der Festgenommenen sand man Dolche, se st stehende Messer. Schußwaffen und Munition. Man darf gespannt sein, ob diese Razis, die nach der Rotverordnung mindestens drei Monate Gefängnis zu erwarten haben, wirklich abgeurteilt werden. Ein„Trommelfeuer" der Razipartei auf die braunschweigischen Betriebe endete mit einer einmütigen Abwehr der Belegschaften. So war eine Razibetriebsversammlung für die beiden größten Werke Miag und Büssing, die insgesamt 2000 Mann Belegschaft umfassen, von sage und schreibe KS Mann besucht. Davon war der größte Teil SA.-Saalschuh. dcr Rest sehte sich aus Ingenieuren. kaufmännischen und technischen Angestellten zusammen. Ganze zwei Betriebsarbeiter waren erschienen— als horch- posten der freien Gewerkschaften. Aehntich war die Razipleite in den übrigen Betriebsversammlungen. Fünf bewaffnete Nazis überfallen Abgeordneten. Osterode(Ostpreußen), 9. März.(Eigenbericht.) Auf dem Bahnhof in Osterode wurde in der vergangenen Nacht auf einen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten ein Heber» fall verübt, der die ebenso feige wie brutale Kampfes- weise der Nazis aufs neue kennzeichnet. In Osterode hatte an diesem Abend eine stark besuchte Kundgebung der Eisernen Front stattgefunden, in der Reichstagsabgeordneter S e e g e r- Dessau sprach. Der Vorsitzende hatte bereits während der Rede national- sozialistische Störenfriede durch die Polizei entfernen lasten müsten. Als Seeg er dann allein auf dem Bahnsteig stand, drangen fünf mit Stöcken bewaffnete Nazis unter wüsten Beschimpfungen aus ihn ein und griffen ihn tätlich an. In diesem Augenblick fuhr der Schnellzug nach Berlin ein, so daß dem feigen Uebersall ein Ende bereitet wurde Fünf bewaffnete SA.-Leute gegen einen unbewafs- neten Kriegsbeschädigten, das ist die Ritterlichkeit der Heimkrieger» und Prinzenpartei I_ Wahldienst des Rundfunk. Am Sonntagabend um 7.15 Uhr beginnt für alle deutschen Sender der Wahldienst, und zwar zunächst mit einem allgemeinen Bericht über den Verlauf des Wahltages. Anschließend Orchesterkonzert und Bekanntgabe der Wahlrejultate. � Flugblattverbreitung: Donnerstag 18 Uhr von den bekannten Lokalen aus/ Die Eiserne Front beteiligt sich an der Verbreitung Aus der Jugendbewegung. Tagung der Sozialistischen Lugend-Lnternatioaale. In Berlin tagte das Büro der Soziali st ifchen Jugend- internationale. Die Beratungen des Büros galten vor allem der Vorbereitung der diesjährigen internationalen Tagungen. Der internationale Kongreß, der ursprünglich bereits im Juni d. I. stattfinden sollte, wird nunmehr für die Tage vom 9. bis 11. Oktober einberufen werden. Die Eröffnungssitzung des Kon- grefses wird zu einer großen Kundgebung aus Anlaß des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Soziali- ft ifchen Iugendinternationole ausgestaltet werden. Dem Kongreß vorangehen soll eine internationale Jugendwoche, die mit dem internationalen Iugendtag am 2. Oktober beginnt und deren Beranstaltungen ebenfalls der Erinnerung an das fünfund- zwanzigjährige Bestehen gewidmet sein werden. Die Tagesordnung des Kongresses stellt zur Diskussion die Fragen:„Der Kampf um den Frieden und die Jugend",„Arbeiterjugend und Demokratie" und„Arbeiterjugend und Wirtschaftskrise". Die Sozialistische Iugendinternationole wird sich außerdem beteiligen an der in Aus- ficht genommenen gemeinsamen Abrüstungskonferenz des Inter- nationalen Gewerkfchaftsbundes und der Sozialistischen Arbeiter- internationale. Das Büro beschloß einstimmig, folgendes Telegramm an die Völkerbundsversammlung in Genf zu richten: „Das Büro der Sozialistischen Jugend-Jnternationale, in der mehr als eine Viertelmillion junger Sozialisten aller Länder oer- einigt sind, protestiert leidenschaftlichst gegen die schamlose im- perialistische Eroberungspolitik, die die Herrschen- den I a p a n s mit kriegerischen Mitteln gegenüber China verfolgt. Mit tiefer Betrübnis muß festgestellt werden, daß sich eine Re- gierung, die sich zu den Grundsätzen des Kellogg-Paktes bekannt hat, ungestraft dieses Verbrechen erlauben durfte. Der Völlerbund, dessen moralische und satzungsgemäße Verpflichtung es ist, ange- fichts der unzweideutigen Sachlage Japan als Angreifer und Friedensbrecher zu erklären, fetzt, wenn er sich nicht zu einem energischen Vorgehen gegen Japan entschließt, sein Ansehen auf das Spiel. Die Sozialistische Jugend-Jnternationale fordert daher im Interesse des Weltfriedens ein unverzügliches und energisches Eingreifen des Völkerbundes gegen Japan." Aus dem Bericht des Sekretariats über die Tätigkeit der Inter- nationale im zweiten Halbjahr 1931 ist festzuhalten, daß die Sozia- listische Jugend-Jnternationale trotz der schweren Wirtschaftskrise ihre Mitgliederzahl hat behaupten können und daß es ihr auch ge- langen ist, die finanziellen Voraussetzungen für die Fortführung ihrer Arbeit im bisherigen Umfange sicherzustellen. Das Büro stimmte dem Antrag auf Aufnahme der Jugend- gruppen der englischen Arbeiterpartei zu, so daß jetzt auch die große Organisation der englischen Arbeiterschaft in der Sozialistischen Jugend-Jnternationale vertreten ist. Die Einstweilige. Hitler ruft die Lvstiz des„Systems" zu Hilfe. Hamburg, 9. März.(Eigenbericht.) Adolf Hitler hatte gegen das„Echo der Woche" eine einst- weilige Verfügung erwirkt wegen der Veröffentlichung des Artikels „Kamerad Hitler", der sich mit Hitlers„Fronterlebnis" be- fchäftigt. Gegen die einstweilige Verfügung wurde Einspruch er- hoben. Heute ist die Entscheidung darüber gefällt worden. Das Hamburger Landgericht hat die e i n st w e i l i g e V e r» fügung aufgehoben. Den Beklagten ist lediglich untersagt, über den Kläger zu verbreiten, er habe sich in Oesterreich seiner Wehrpflicht entzogen und sei, um einer Bestrafung als Deserteur zu entgehen, der deutschen Armee als Freiwilliger bei- getreten. Weiter ist untersagt, die Dienstleistung des Klägers im Kriege fo darzustellen, als ob der Kläger sich seiner Pflicht als Soldat zu entziehen oersucht hätte. Die Behauptung, Hitler habe sich der österreichischen Wehr- Pflicht entzogen, ist monatelang unwidersprochen durch die Presie und Parlamente gegangen. Nachdem Adolf Hitler kürzlich eine amtliche Bescheinigung darüber beigebracht hat, daß er wegen Körperschwäche militärunfähig gewesen sei, konnte die Behauptung als erledigt betrachtet werden. Die weiter« Auslage des Urteils, mit der untersagt wird, die D i e n st l e i st u n g Hitlers als Soldat- so darzustellen, als ob er sich seiner Dienstpflicht als Soldat zu entziehen versucht hatte, trifft das«Echo der Woche" nicht. Daß ist nie behauptet worden, daß Hitler sich seiner Pflicht als Soldat entzogen habe. Sinn und Absicht der Veröffentlichung war, nachzuweisen, daß Hitler sich nicht durch besonderes Heldentum in der Weis« vor den Millionen Frontsoldaten aus- gezeichnet habe, wie es von seinen Anhängern mit Ueber- treibungen dargestellt wird. Die Legende, die bewußt um Adolf Hitler gebildet wird, sollt« zerstört werden. Das Urteil des Hamburger Landgerichts trifft also in diesem Punkt ins Leere. In einem merkwürdigen Mißverhältnis zu diesem Urtell steht aber die im Urteil ausgesprochene Kostenvertellung, nach der der Kläger Hitler ein Viertel und die Beklagten drei Viertel der Kosten zu tragen haben. Die Beklagten haben gegen dies« Kostenoerteilung Beschwerde beim Oberlandesgericht erhoben. Razi wollen Arbeitsamt stürmen. Schwere Schlägerei vor dem Arbeitsamt Nordost. vor dem Arbeitsamt Nordost in der Gleim st raße kam es heute vormittag gegen 10.30 Uhr zwischen Angehörigen derNSDAp. und Erwerbslosen, anscheinend Kommunisten, zu einer schweren Schlägerei. Die Nationalsozialisten erhielten plötzlich Verstärkung durch einen Trupp von ungefähr 100 ZNaon. der aktiv in die Schlägerei eingriff und dann versuchte, in das Arbeitsamt einzudringen. Der sofort benachrichtigten Polizei gelang es schließlich unter Anwendung des Gummiknüppels. die Menge auseinanderzutreiben und in die Seitenstraßen abzudrängen. Dabei wurden in der Milastraße 01 Personen zwangsgestellt und der Abteilung le eingeliefert. Nach Aussagen von Zeugen wurden im Laufe der Schlägerei mehrere Leute verletzt, die sich aber rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Zur Zeit herrscht vor dem Arbeitsamt völlige Ruhe. Das stand neulich an einem Zaun: Dieser ist ein Haken friedrich. Seine Stirn ist ziemlich niedrig. Srähenfüße. Augenglas: Rundherum, jetzt ist er dast Magistrai stimmt Ortsfiatut zu. Nach einer nochmaligen Dnrchberatnngdervoudea Stadtverordneten vorgenommenen Aenderung an dem Entwurf der uenen Ortssatzuug stimmte der Magistrat heute der vou den Stadl- verordneten angenommenen Vorlage zu. Die neue Ortssatzuug wird in ihrer jetzigen Fassung mit den Beschlüssen des Magistrats uud der Stadtverordneten beschleunigt dem Oberpräsldealen zugeleitet werden, der seinerseits die gesetzlich vorgeschriebene Zustimmung des preußischen Zunenminlsters einholen wird, damit die neue Ortssatzung mit dem 1. April d. 3. in Kraft treten kann. Die Trauer um Vriand. Gedenkfeiern in allen Schulen. Pari«. 9. März.(Eigenbericht.) Die Leiche Briands ist am Dienstag abend im Beisein der Familienangehörigen und einiger Fremide des Verstorbenen ein- gesargt worden. In den Sarg wurden drei Vellchensträuße, darunter der des deutschen Botschafters, und ein Orchideenstrauß gelegt. Der Sarg wurde auf einen niedrigen Katafalk gestellt und mit einem schwarzen silberbestickten Tuch bedeckt. Die Angehörigen hatten es abgelehnt, ihn mit der Trikolore bedecken zu lassen. Im Laufe des Dienstag find etwa löOOO Personen an der Bahre Briands vorübergezogen. Unter den Beileidstelegrammen an die französische Regierung ist weiter das des Reichsbankpräsi- denten L u t h e r zu erwähnen, der während seiner Reichskanzler- schaft oft mit Briand verhandelt hat. Der Unterrichtsminister hat angeordnet, daß in allen französischen Schulen, auch den Universi- täten, am Sonnabend Gedächtnisfeiern abgehalten werden, um den Schülern die Bemühungen Briands um die Befestigung des Friedens und um die Ersetzung der Macht durch das Recht in den internationalen Beziehungen klarzumachen. Leichenschändunq. Das Blatt„Der Angriff" hat in seiner gestrigen Nummer noch den toten Briand begöbbelt. Der„Nachruf" beginnt mit den Worten, Briand sei in einer anrüchigen(unterstrichen im„An- griff") Fischerkneipe geboren... Woldemaras verhaftet. Der ehemalige Diktator Litauens, Woldemaras, ist oerhaftet worden. Man bringt die Verhaftung in Verbindung mit seinen Bemühungen, wieder eine politische Rolle zu spielen und ein« Zeüjchrift herauszugeben. Mukden brennt. Don Chinesen angezündet. Mukden, S. März. Als Protest gegen die heulige Gründungsfeier des mandschurischen Staates legten die Anhänger Tschaogfueliaugs zahlreiche Brände in der ganzen Stadt an. Milde Straßeujagden der Polizei und der Soldaten nach den Lraadstiflern folgten. hunderte Personen wurden v e r h a s t e t. Massenflucht auf Angriffsgerücht. Schanghai. S. Mär,. Obwohl die allgemeine Lage besser ist, herrscht unter der chinesischen Bevölkerung eine derartige Unruhe und Aufregung, daß die unbegründete Nachricht vou dem Vor- rücken japanischer Truppen gegen Nanking ausreichte, um eine Massenslucht aus dieser Stadt zu veranlassen. Alle ausfahrenden Dampfer sind mit Flüchtlingen über» füllt. London. 9. März.(Eigenbericht.) Der Befehlshaber der japanischen Truppen in der Umgebung von Schanghai hat den chinesischen Streitkräften ein neues Ulli- matum übersandt, in dem weiterer Rückzug um sieben Kilo- meter gefordert wird. Der oberste chinesische Vollzugsausschuß hat Tschiangkai» s ch e k zum Oberbefehlshaber der chinesischen Streitkräfte ernannt. Märzenschnee int dem Siadisäckel weh. 2400 Mark Kosten für die Straßenreiniguug. Der Märzenschnee tut nicht nur den Saaten weh, wie es in einem alten Vauernjpruch heißt, sondern auch dem Staotsäckei Berlins. Da sich die Hoffnung, daß die Schneemassen durch Regen von selbst wieder beseitigt würden, nicht erfüllt hat, mußt« die Straßenreinigung heute früh öOSchneepflügeundZOSand- st r e u e r einsetzen und ihr Stammpersonal von 3009 Mann durch 750 H i l fs k r ä s t« verstärken, um wenigstens die Hauptverkehr»- strotzen einigermaßen zu säubern. Die Kosten für oieje Arbeiten betragen 7400 Mark. Nazi-Zeitungen im Rheinland verboten. Der Oberpräsident der Rheinprovinz�chal die nationalsozialistischen Zeitungen«Westdeutscher Beobachter" in Köln und„Koblenzer Nationalblatt" in Koblenz bis zum 10. März oerboten. Das Verbot erfolgt wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und böswilliger Verächtlichmachung der preu- ßifchen Regierung, da die Zeitungen die wahrheitswidrige Behauptung aufgestellt hätten, die preußisch« Regierung sei! willens, im Falle eines Wahlsieges Hitlers mit Tewaltmaß- I nahmen gegen die NSDAP, vorzugehen. Falsche Vierpsenniger. Wenige Stunden nach Herausgabe gefälscht. Am Dieastagoormittag wurden die ersten 4-Psennig-Slücke in den verkehr gebracht. Die bronzenen Stücke sind etwas größer als da? 1-vlark-Stück. Die Rückseite ähnelt ebenfalls ausfallend der Mark. Schon weu'ge Stunden nach der Aus- gäbe sind diese Stücke gefälscht worden. Di« Aehnlichkeit mst der Mark und der Umstand, daß die Geld- stücke dem Publikum noch nicht so bekannt sind, haben die Fälscher sofort veranlaßt, die 4-Pfennig-Stücke buchställich zu versil» b e r n. So ist es ihnen gelungen, in verschiedenen Geschäften die Vierer als l-Mark- Stücke in Zahlung zu geben. Erst bei der Abrechnung der Abendkasie wurde der Betrug gemerkt und eine größer« Anzahl Geschäftsleute haben sich schon bei der Polizei gemeldet. Man vermutet, daß die- Aehnlichkeit der beiden Stücke unabhängig voneinander verschiedene Personen oeranlaßt hat, Stücke— die ihnen zufällig gleich in die Hände gerieten— zu oer» fälschen. Oer Schah im Walde. Ueber tausend falsche 2-Mark-Stücke hat«in Maler» lehrling vor einigen Tagen auf dem Wege zwischen Köpenick und W u h l h e i d e gefunden In der Nähe eines Busches sah er Stroh aus der Erde hervorragen. Er scharrte die Erde beiseite und fand in etwa 25 Zentimeter Tief« eine große Blechbüchse ohne besondere Kennzeichen. In der Büchse waren fein säui erlich in Rollen oerpackt und in Seidenpapier«ingeschlagen falsch« 2-Mark-Stücke. Er erkannte die Fälschungen und bracht« sie zur Polizei. Schneesturm in Amerika. 36 Menschen gelötet- 20 Automobilisten eingeschneit. New Jork.S. März. Der heftige Sturm, der seit zwei Tagen an der nordatlantischen Küste herrscht, hat bisher 30 Menschenleben gefordert. A ch k Küstenfahrzeuge, deren Besatzung insgesamt 150 Köpfe zählt, besindea sich in Seenot oder werden vermißt.— 3m Norden des Staates New Pirk wunden durch einen Schneesturm, wie er seit zehn Jahren nicht mehr erlebt worden ist. der gesamte v e r- kehr lahmgklegl. Zahlreiche Autos blieben im Schnee stecken und mehrere Orischaften sind vollkommen von der Umwelt abgeschnitten. Flugzeuge wurden ausgesandt, um die eingeschneiteu Orte mit Lebensmitteln zu versorgen. 70 Automobilisten, die aus der Landstrahe bei Batavia(New Pirk) festliegen, muhten ebenfalls auf dem Luftwege mit Lebensmitteln versorgt werden. 7�1 jähriger General durch Gas vergiftet. In seiner Wohnung in der Burggrasen st roß« 23 in Zehlendorf wurde geftern abend der 71 Jahre alle Freiherr Karl von Lukas, ehemals General der österreichischen Armee, vou seiner Tochter durch Gas vergiftet tot aufgefunden. Der alte Herr wollte sich am Abend Tee berellen: er halle vergessen, den Gashahn zu schließen und war so ein Opfer seiner Unvor- sichtigkell geworden. Gefährlicher Kellerbrand! Zwei Feuerwehrbeamte durch Gas betäubt. Zu dem Keller einer Schlächterei in der Niemetzstraße 15 in Neukölln entstand heule früh Feuer, das schnell um sich griff. Die Flammen fanden an Brennmaterialien, Sägespänen uud Holzverschlägen reiche Nahrung. Trotz der starken Verqualmung gelang es der Feuerwehr, den Brandherd durch starkes Wasiergeben schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit zu lokalisieren Nachdem das Feuer ziemlich nieder- gekämpft war, begab sich der Brandleitende, Baurat Anders von 0er Wache Neukölln, und Brandmeister Kaczmarek nochmals in den Keller, um notwendige Ermitllungen anzustellen. Die beiden Beamten tonnten nur mit großer Mühe den Ausgang erreichen, wo sie bewußtlos zusammenbrachen. Durch Sauerstoff- inhalationen konnten Anders und Kaczmarek wieder ins Bewußtsein zurückgerufen werden. Wie die sofortige Untersuchung ergab, hatte sich im Kellergang infolge der starken Hitze an der H a u s g a s- l e i t u n g eine Muffe gelockert, und die ausströmenden Gase, die bei dem Qualm nicht wahrgenommen wurden, führten zu dem Unglücksfall. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch nicht einwandfrei ermillell worden. Drama auf dem Torpedoboot. An Bord des französischen Torpedoboots„Vasco", gegenwärtig im Hasen von Toulon, hat sich ein ernsterer Zwischenfall ereignet. Ein Oberbootsmannsmaat, der einem Matrosen scharfe dienslliche Vorhallungen gemacht hatte und daraufhin von diesem und anderen Matrosen angegriffen worden war, ist plötzlich v e r s ch w u n» den. Di« vorgesetzte Behörde nimmt an, daß der Oberboots- mannsmat das Opfer eines Racheaktes geworden sei. Mehrere Mann der Besatzung wurden in Hast genommen. Die Frau im Wahttampf. Hitlers Programm: Die Frau sei Magd und Dienerin. Der nationalsozialistische Abgeordnete Feder schreibt in Nr 26 der„Flamme" vom 26. Juni 1336:„Der Jude hat uns die Frau gestohlen durch die Form der Geschlechtsdemokratie. Wir Jungen müssen ausziehen, den Lindwurm zu töten, damit wir wieder zum Heiligsten kommen, das es auf dieser Welt gibt, zu der Frau als ZNagd und Dienerin. Weg, Will« und Ziel dahin aber heißt Nationalsozialismus." Die Frau als Magd und Dienerin hat zu reinigen, was oer- schmutzt ist, hat zu flicken, was die Familie zerreißt, hat alles, was in Unordnung geraten ist, wieder sauber herzurichten. Nun ist heute nichts so verschmutzt wie das öffentliche Leben, nichts so zer- rissen wie das deutsche Volk. Die politischen Umgangsformen müssen als menschenunwürdig bezeichnet werden. Ein weiteres Symptom der Verwahrlosung ist die Politik der Straße. Oijn« seine Phantasie erheblich anzustrengen, kann man sich in den Straßen Berlins nach Wild-West verschlagen glauben. An jeder Straßen- ecke muß man fürchten, in Prügeleien und Schießereien zu geraten. Von Ordnung und Sauberkeit kann im öffenllichen Leben kaum noch die Rede sein. Zu dieser liederlichen Wirtschaft haben die Na- twnalsozialisten ihr gerüttelt und geschüttell Maß beigetragen. Groß-Reinemacheo lst unbestritten eine weibliche Aufgabe. Und zum Groß-Reine» machen in der Oeffentlichkeit gebraucht man unbedingt das Wahl» recht! Es ist die unerläßliche Voraussetzung für die Mttarbeit an den Fragen des öffenllichen Lebens. Die Frau, die nicht mehr wählen kann, hat nur sehr geringe Adolf, der Ritterliche. Möglichketten der Mitwirkung an der so notwendigen Säuberung«- attion. Jede Wahl stellt die Frau vor die Aufgabe, die richtigen Männer und Frauen in die Parlamente zu schicken; solche, denen sie zutraut, daß sie eine gerechte und menschenwürdige Ordnung schaffen. Wird der Frau das Wahlrecht genommen— und es besteht Gefahr, daß die Nazis sie als nicht wahlberechtigt beiseite schieben!—, dann wird sie wieder zum Zusehen oerurteilt sein und ohne Widerspruch leisten müsien, was der„nationale" Mann ihr auferlegt Sie wird Kinder als Kanonenfutter zur Welt bringen müssen, und wenn die Gebärtätigkeit einmal abflaut, well die Männer im Kriege sind, dann darf sie Granaten drehen und Giftgase fabrizieren. Im Uebermaß gebären und dann beim Abschlachten helfen— das ist dann wieder ihre heroisch-sinnlose Aufgabe! Es wird nur ein geringer Trost für die Mütter sein, daß nur„aufgenordete", rasse- reine junge Menschen hingemordet werden, well unter nattonal- sozialistischem Regime nur noch mit Genehmigung des Rasieamtes Kinder gezeugt und aufgezogen werden dürfen. Der nationalsozialistische Abgeordnete B u t t m a n n sagt: „Die Frau ist von unserm Herrgott zur Liebe und zum Haushalt geschaffen"(„Bayerischer Kurier" vom 28. November 1336). Und Goebbels schreibt in seinem Roman„Michael":„Die Frau hat die Ausgabe, schön zu sein und Kinder znr Welt zu bringen." Hinter diesen unmodern klingenden Worten verbirgt sich ein brutaler Machtwille und militaristische Ausbeutungsabsicht. Die Nazis brauchen für ihre Zwecke engstirnige Frauen, deren Horizont nicht weit über ihre Kochtöpfe hinausgeht, die höchstens für Klatsch und Kino Interesse haben. Dann können sie ungestört ihre Kriegspolitit treiben. Die auf chre vier Wände beschränkte Frau merkt ja nicht, daß sie als Zuchtvieh mißbraucht wird, daß ihre Kinder als Opfer der Nazipolitik auf den Schlachtfeldern fallen sollen. Frauen, wehrt euch! Laßt euch das schwer errungene Wahl- recht nicht nehmen! Die Flut der Reaktion steigt, wenn die, die wissen, um was es geht, ihr nicht Einhalt gebieten! Die Frau würde am meisten verlieren, wenn Hitler das Steuer ergreifen könnte. Das wird aber nie geschehen, wenn die Frauen ihre Pflicht tun! Ltevsrfall auf polizeibeamien. Niedergeschlagen und ins Wasser geworfen. Salzwedel. 3. März. Der Postschaffner Vrothage in Salzwedel hört« auf dem Wege zum Postamt in Salzwedel in der Nähe eines Birkenwald- chens plötzlich klägliches Wimmern. Als der Beamte den Rufen nachging, fand er in dem Jeetzebach den Polizeiwachtmeister Erich in bewußtlosem Zustand auf. Der Poli.zeibeamte wies f ch w e r e Verletzungen am Kopf auf. Er muß von hinten über- fallen, auf den Kopf geschlagen und dann über das Brückengeländer hinweg in die Zeetze geworfen worden sein. Dem Ueberfallenen ist der Revolver und der Gummiknüppel gestohlen worden. Der Be- wußtlose wurde in das Salzwedler Kreiskrankenhaus eingeliefert Wirtschastslage i Von A In den letzten Wochen ist mehrfach von Selbstmordepidemien in'der einen oder anderen Stadt gesprochen worden; wenn es auch wahrscheinlich ist, daß die gegenwärtige Wirtschaftsnot, die Millionen von Menschen in Deutschland um ihre Existenz gebracht hat, in größerem Maße als früher vielen den Selbstmord als Ausweg er- scheinen läßt, so zeigt doch die Statistik, daß auch jetzt von einer Selbstmordepidemie noch keineswegs gesprochen werden kann. Aller- dings sind die Selb st mordziffern heute erheblich größer als in den Iahren 1327 bis 1323, doch beträgt die Gesamt- zunähme der Selbstmorde in der Zeit von 1328 bis 1331 noch nicht ganz 26 Proz. Ohne die Existenz der Wohlfahrtsämter und anderer sozialer F ü rs o r g e e i n r i ch t u n g e n würde allerdings«in« wefenllich größere Zahl von Selbstmorden zu verzeichnen sein. Nach den Mitteilungen des Statistischen Reichsamts hatten im Jahr« 1323 16 663 Menschen ihrem Leben ein Ende gemacht Um diese Ziffer mit den Selbstmordzahlen anderer Jahre vergleichen zu können, müßte man nicht nur wissen, wie groß in den einzelnen Jahren die deutsche Bevölkerung insgesamt gewesen ist, sondern auch ihr Altersaufbau wäre dabei zu berücksichtigen. In der Nachkriegs- zeit ist nämlich die Altersgliederung der deutschen Bevölkerung wesentlich anders als in den Vorfriegsjahren: in den Vorkriegsjahren, als die Geburtenzahl noch verhältnismäßig groß war, hatten die Kinder einen viel größeren Antell an der Gesamtzahl der Em- wohner als etwa heute. Infolge des veränderten Altersaufbaus müssen daher die Nachkriegsizffern, von allen Ursachen der Selbstmorde ganz abgesehen, etwas über denen der Vorkrieqs?eit liegen. In den Inflationsjahren war jedoch die Selbstmordhäufigkeit noch geringer als vor dem Kriege. Das erklärt sich daraus, daß in diesen Iahren, als die Massen der Bevölkerung durch die fort- schreitende Entwertung der Mark um all ihre Ersparnisse von Jahr- zehnten gebracht wurde, die Verdienstmöglichkeiten im allgemeinen verhältnismäßig gut waren. Als nach der Stabllisierung der Mark die künstlich aufgeblähte Produktion wieder zurückgeschraubt wurde, als zahlreiche Betrieb« geschlossen und Tausende von Arbeitern und Angestellten erwerbslos gemacht wurden, stieg auch die Selbstmord- ziffer sofort wieder an. Im letzten Vorkriegsjahr 1313 betrug die Zahl der Selbstmorde auf je 16666 Lebende 4,7, im Jahre 1323 war die Ziffer auf 4,3 gesunken, sie stieg auf 4,7 im Jahre 1324 und auf 4,3 im Jahre 1325. Die Jahre 1326 und 1327, in denen die deutsche Wirtschaft von einer größeren Wirtschaftskrise heim- gesucht wurde stiegen diese Selbstmordzahlen auf 5,3 und 5,1. Im „Zwei in einem Auto". Gloria-palast. „Da« Märchen ist des Filmes liebstes Kirch". Joe May jedoch gelingt es nicht, ein Märchen zu oerfllmen. Sein Mißlingen verschuldet in allererster Linie das Manuskript Das erzählt sehr plump von einem kleinen Mädchen, das mtt einem einfachen Buchhatter eine Ferienreise machen wollte, sie aber mit einem englischen Lord unter- nimmt, der sich ihm in der Maske des einfachen Mannes nähert Natürlich führt er das Mädel als seine Gattin aufs Schloß, während der arme Mann mtt seinem gewonnenen Automabll nur die Tücken des Objekts kennenlernt Joe May möchte unwirklich sein, aber er ist es nicht Er protzt herausfordernd mtt dem Reichtum und feiert ihn als die einzige Gabe, die dem Leben Wert oerlecht. Einem sorgenschweren Men- schen kann diese Fahrt ins Glück nicht einen Augenblick Entspannung bringen. Im Gegentell, sie wirkt, obwohl sie Heller sein soll, erbitternd. Anfangs ist der FUm lastend langwellig. Später frellich hat er manche sehr gute Szene, doch fühll sich Joe May, trotz der zauber- Haft schönen Landschaftsaufnahmen viel zu sehr dem Ton und dem Schlager verpflichtet Daher wird mehr als einmal höchst unan- gebracht gesungen. Ludwig Diehl spielt kultiviert; neben ihm verdient der komische Richard Romanowsky ein Extralob. Magda Schneider sieht wieder sehr nett aus, aber sie gefiel in anderen Filmen besser. Ernst Verebes— großartig als Step- tänzer— bringt Leben in die Bude. In der Wochenschau sehen wir u. a., wie die Japaner Tschapai zerschießen. Die Fahne der ausgehenden Sonne an den Tanks und anderen Mordmaschinen schafft den Japanern bestimmt keine Freunde unter kullioierten Menschen. e. K. „Goethe als Sprachforscher." Der Deutsche Sprachverein veranstallete am Dienstagabend eine Goethe-Feier im großen Saal des Oberverwaltungsgerichts Char- lottenburg. Nach musikalischen Vorträgen sprach Unioersitäteprosessor Dr. Hübner über„Goethe als Sprachforscher". Er führte u. a. aus, Goethe ist der größte Sprachgestalter der Erde gewesen. Aber nur wenige seiner Wortbildungen sind Gemeingut der Alltagssprache geworden Als Spreichreiniger kann man Goethe nur bedingt in Anspruch nehmen, denn seine Briefe und wissenschafllichen Schriften sind voller Fremdwörter. Nur seine Dichtung kenm Fremdwörter fast gar nicht Goeche ist Schöpser der Geniesprache des Sturmes und Dranges, der Sprache der Klassik und der seines Altersstlls. Die Geniesprache hat am tiefsten auf das deutsche Leben eingewirkt, denn hier sucht Goeche die sprachlichen Urquellen auf. So wird seine Sprache reine Persönlichkeitsentfaltung. Die sprachschöpferische Gewalt des jungen Goeche muß verstanden werden aus der selbstsicheren Haltung der Genielehre. Das wird erst mtt zunehmendem Alter gebändigt und gemildert. Diese Wandlung wird durch die italienische Reise voll- endet. Die Sprache wird natürlicher und fließender. Nie hat Goethe so viel umgearbeitet wie in diesen Jahren. Seine Sprache bekommt ein fast griechisches Ebenmaß. Goethe hat in dieser Zeit oft zu hohe Anforderungen an die deutsche Sprache als Werkstoss gestellt. Das hat er erst mtt seinem Altersstil überwunden. Diesen reifsten Sprach- stil beginnt man erst heute in seiner ganzen Tiefe zu verstehen. Im „Faust" gewinnt der Sprachschöpser Goeche seine letzte Gestalt Oskar Schlemmer über feine Bühnenideen. Ueber„Formale Bühnen-Elemente" sprach im Hör- saal der Staatlichen Kunstbibliothek Oskar Schlemmer, dessen „Triadisches Ballett" und andere Versuche eines plastischen Bühnen- Sehspiels wir auch in Berlin schon erlebt haben. Eine Anzahl seiner Bühnenentwürfe, Kostümsiguren, Tänzerma-ken usw. ist gleichzettig in Photos und Originalzeichnungen im Lesesaal der Kunstbibliothek ausgestellt. Der Vortrag brachte alles Wesentliche in Lichtbildern, die einen starken Eindruck von diesen neuen Bestrebungen oermilletten, begleitet von klugen und biswellen »nd Selbstmorde Kranke Jahre 1328 blieb die Ziffer mit 5,1 noch stabil. Schon das Jahr 1323, in dem sich die ersten Anzeichen der jetzigen schweren Krise bemerkbar machten, stieg die Selbstmordziffer bereits auf 5,3 je 16 666 Einwohner. Für die nachfolgenden Jahre liegen zwar die Ergebnisse der Reichsstatistik noch nicht vor, doch führt das Statistische Reichsamt eine Sonderstatistik für die Bevölkerungsbewegung in den Groß- städten. Aus diesen Ziffern ergibt sich die starke Zunahme, die die Selbstmorde infolge der gesteigerten Wirtschaftsnot erfahren haben. Selb st morde in deutschen Großstädten: I-h- Eelbtimorde 1925........... 4856 28,9 1926.......»... 5246 36,8 1927.......»--• 5223 23,7 1328........... 5132 28,2 1929........... 5617 23,3 1936.......... 6354 32,4 1931........... 6515 33.2 Die Zeitschrift„Wirtschaft und Statistik", die die Zahlen oer- öffentlicht, ergänzt diese Angaben durch eine graphische Darstellung, in der auch der jeweilige Beschäftigungsgrad angegeben wird. Man kann daraus ziemlich einwandfrei ablesen, daß im all- gemeinen dann, wenn der Beschäftigungsgrad sinkt, gleichzettig die Kurve der Selbstmorde«in« Erhöhung zeigt. So brachten z. B. die Jahre 1362 bis 1964, in denen die Arbeitslosigkeit Verhältnis- mäßig groß war, gleichzettig ein deulliches Ansteigen der Selbst- mordziffern. Das gleiche ist im Jahre 1969 zu beobachten. Allerdings sind die Arbettslofenzahlen der Vorkriegszeit mtt den Auswirkungen der gegenwärtigen Krise kaum zu vergleichen. Wie aus den mit- geteilten Ziffern hervorgeht, war im Jahre 1931 allein in den deutschen Großstädten die Selbstmordziffer um fast 1666 größer als im Jahre 1923. Man kann schätzen, daß im gesamten Reichsgebiet im Jahre 1331 etwa 3666 Selbstmorde mehr verübt worden sind als zwei Jahre zuvor. Dies« 3666 Menschenleben sind unmittelbare Opfer der Krise. Der weitere Verlauf der Selbstmordkurve wird sich nicht nur nach der wetteren Entwicklung des Veschäftigungs- grades richten, sondern auch vor allem danach, ob die Wohlfahrts- ämter auch weiterhin in der Lage sein werden, Hllfsbedürftige in bisherigem Umfang zu unterstützen; auch die Kürzung der sozialen und anderer Renten wird sich zweifellos in den Selbstmordziffern des Jahres 1332 widerspiegeln. humorvollen Worten des ausgezeichneten Künstlers. Zuerst am Bauhaus, jetzt an der Breslauer Akademie, hat er seine Ideen von neuen Bühnensormen erprobt und soll nun bei der unglückseligen Aufhebung der Breslauer Hochschule wenigstens in beschränktem Ausmaß seiner Tätigkett erhalten bleiben. Es handett sich bei den Versuchen Schlemmers, die bis in die Vorkriegszett zurückgehen, nicht um Theater oder gar nur Ballett im üblichen Sinn, sonCern um eine grundlegend neue Auffassung des Bühnenspiels überhaupt Das russische Theater, vor allem Meyerhold und Tairoff, ist praktisch zue.st damit herausgekommen; bei uns sind es leider nur innere Anläufe und Experimente ge- blieben, oft nicht ohne Mißverständnisse, wie bei Piscator und übrigens auch manchmal bei den Künstlern, die Schlemmers Ge- danken ausführten. Schlemmer erfaßt die Bühne als dreidimensio- nalen Raum und sein« stnnbildlich-sinnliche Ausfüllung durch den sich bewegenden Menschen; die wettere Folge ist das echte, abstrakte Bühnenkostüm mtt Tänzermaske, die den Eindruck gesetzmäßiger Bewegung im Raum unterstützen, illuminieren, ins Phantastische erheben. Nicht Mechanismen, sondern Körperfunktionen des leben- digen Menschen stehen hinter Schlemmers Triadsschem Ballett, Stäbetanz, Figuralem Kabinett, Musikalischen Clowns und den anderen geistreichen Erfindungen eines Malers, der die Möglich- ketten des Bühnenraums und des„tänzerischen" Theatermenschen von innen heraus begriffen und gestaltet hat. Schlemmers Ideen sind von so aussichtsreicher Fruchtbarkeit, daß sie wohl erst später, in einer besser organisierten Gesellschaft, zur wahren Auswirkung gelangen werden. p. f.»ch. Die älteste semitische Stadt. Wie der englische Assyriologe Prof. Stephen Langdon mittellt, hat er von der Expedition des Oxford-Field-Museums, die zu Kisch im Irak gräbt, die Mittellung erhalten, daß die Archäologen etwa 25 Kilometer östlich von Kisch in den Ruinen von Barguthiat die Ueberreste der Hauptstadt des aktadischen Reiches, die Residenz des sagenhaften Königs S a r g o n, entdeckt haben. Der Ort liegt in der Wüste, etwa 26 Kilometer von der nächsten Wasser- stelle entfernt, und die Freilegung dürfte sich daher sehr schwierig gestalten. Auch ist es unmöglich, die Räubereien von Eingeborenen zu verhindern, wenn erst einmal mtt der Aufdeckung begonnen worden ist. Die Arbeiten müssen daher sehr rasch vorgenommen werden. Ueber das berühmte Reich von Akkad, das in der Zett von 2732 bis 2543 o. Chr. blühte, sind wir bisher wenig unterrichtet. Es war die erste Herrschaft, die die Semiten in Mesopotamien er- richteten, nachdem sie die vor ihnen hier angesiedelten Sumerer be- siegt hatten. Der erste semttische Herrscher war Sargon, der in späteren Inschriften bezeichnet wird als„König der vier Enden der Welt" und über ganz Westasien herrschte. Er war in vieler Hin- sicht die bedeutendste Gestalt der mesopotamischen Geschichte. Man hat ihn mit Nimrod und sogar mtt dem Kain der Bibel identi- fizieren wollen. Da sich an der neuen Ausgrabungsstätte viele Jn- schriftentäfelchen gefunden haben, so erwartet man, daß neues Licht auf die Gestalt Sargons und auf die Kultur der Akkader fallen wird. Gerharl Hauptmann in Washington. Gerhart Hauptmann wurde Dienstag vom deutschen Botschafter dem Präsidenten Hoover vorgestellt, der sich mit ihm längere Zett angeregt unterhiett. Abends wiederhotte Hauptmann im Rahmen einer von der George- Wafhington-Unioersttät oeranstalleten Goethe-Feier seinen in New Bork gehattenen deutschen Vortrag über Goeche. Ja der Liudenoper muh wegen mehrfacher Erkrankungen im Personal trotz Doppelbesetzung sämtlicher Rollen die Urausfichrung der„Andre- mache" aus Mittwoch, 16. März, verlegt werden. Die UraussuHrung der„Bürgschaft" beginnt Tonnerstag mit Rück- ficht auf die Rundfunkansprache des Reichspräsidenten in der Städtischen Oper um s Uhr. Goethe-Feier der Volksbühne. Die Volksbühne wird die Wiederkehr des 160. Todeslagcs Goethes am Karfreitag durch einen Gedenkakt in ihrem Theater am Bülowplatz begehen. Im Mittelpunkt wird eine Aussprache Julius Babs stehen. Gertrud Bindernagel singt Goethische Lieder, Irene Driesch rezitiert. Außerdem wurde der Gesangpereut Fichte- Georgmia zur Mitwirkung gewonnen. Arbeitsbeschaffung. OaS Rezept des Unternehmertums. Das Sprachrohr der Schwerindustrie, die„Deutsche Allgemeine Zeitung", äußert sich zu der Erörterung neuer Programme der Ardeitsbeschafsung in amtlichen Kreisen und bemerkt dazu unter anderem: Der Schlüsselpunkt der Arbeitsbeschaffung liegt nach wie vor natürlich nicht in der künstlichen Beschaffung von Krediten und Aufträgen, sondern bei den Selbstkosten der industriellen Erzeugung, zu deren Senkung die öffentliche Wirtschaftspolitik auch heute noch viel zu wenig beiträgt im Verhältnis zu der historischen Verant- Wartung, die sie für die Erhöhung dieser Kosten auf sich geladen hat." Unter der Senkung der Selbstkosten der industriellen Erzeugung versteht das Unternehmertum bekanntlich die noch weitergehende cherunterdrückung der Löhne und Gehälter, nicht etwa die Reinigung der Betriebe von überflüssigen Generaldirektoren und Direktoren, nicht einmal die gehörige Senkung deren Bezüge oder gar den Verzicht aus zweiselhaste Spekulationen. Doch nach dem ganzen Verhalten des Unternehmertums in den letzten Jahren, seinen Nordwolle- und anderen Skandalen, ist die Meinung des Unternehmertums nicht mehr maßgebend. Es hätte allen Anlaß, einmal nachzuprüfen, wie es mit seiner eigenen „historischen Verantwortung" steht, was sreilich unbequemer ist als der durchsichtige Versuch, andere Stellen mit dieser„historischen Verantwortung" zu belasten. Zum mindesten muß an die Sprechapparate des Unternehmer- tums die Anforderung gestellt werden, daß sie klipp und klar zum Ausdruck bringen, wie tief nach der Meinung ihrer Bearbeiter die Löhne der deutschen Arbeiterschaft noch her- untergedrückt werden sollen, um eine ausreichende „Senkung der Selbstkosten der industriellen Erzeugung" herbeizu- führen. Die arbeitslosen, verkürzt oder noch voll arbeitenden Ar- beiter haben das größte Interesse daran, statt der sortgesetzten A n- deutungen einmal zu erfahren, was das stillegende und bankrottmachende Unternehmertum mit ihnen vor hat. Das einfachste wäre ja, sämtlichen Arbeitern Arbeitslosenunter- stützung zu zahlen und sie dafür acht oder zehn Stunden täglich, je nachdem„der Betrieb" es erfordert, arbeiten zu lassen. Jedenfalls müssen uns die Herren einmal reinen Wein einschenken, wie sie sich die weitere Senkung der Selbstkosten denken, unter Berück- sichtigung ihrer bescheidenen Ansprüche auf Neubildung von Kapital. Sind die S e l b st k o st e n tatsächlich immer noch zu hoch, dann wäre unter Mitwirkung von Vertretern der Arbeiter- und An- gestelltenschaft zunächst einmal gründlich nachzuprüfen, an welchen Stellen sich nennenswerte Senkungen herbeiführen lassen, bevor an eine etwaige weitere Senkung der Löhne und Gehälter gedacht werden kann. Bei der Arbeitnehmerschaft geht es um den Lebens- standard, und wenn die Kaufkrast der Arbeitnehmerschaft für das Unternehmertum belanglos ist, so nicht für die Arbeiterschaft selber. Da die Politik des Unternehmertums sich immer mehr zu einer Gefahr für die öffentliche Wirtschaft und Sicherheit auswächst, liegt es im Interesse eines öffentlichen Wohls, seine De- triebsführung und sein ganzes Geschäftsgebaren gründlich zu überprüfen und zu sanieren. Zum Abbau und zu Still- legungen braucht man keine Unternehmer Wir gebrauchen Arbeilsbeschassung. Geht das nicht mit den heutigen Führern des Unternehmertums, dann muß es ohne sie gehen. Die Arbeitslosigkeit in der Tschechoslowakei hat Ende Februar einen neuen Höchststand erreicht. Nach den vorläufigen Erhebungen wurde» am 29. Februar rund 630 9 90 Arbeitslose gezählt. Ende Februar 1931 waren 344 999, Ende Februar 1929 86 999 Arbeits- lose vorhanden. In Großbritannien wurden am 22. Februar 2 7 91 17 3 Ar- beitslose gezählt, 27 238 weniger als am 2S. Januar, aber 83 51S mehr als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. 139. Abt.. Bezirk Tegelort. Der heutige Zahlabend fällt aus und findet erst am Dienstag, dem 15. März, statt. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Die Uebungsstunde fällt in dieser Woche aus. Wetter für Berlin: Noch überwiegend bewölkt mit einzelnen Schneefällen. Leichter Frost, nördliche Winde.— Für Deutschland: Im größten Teile des Reiches Frostwetter mit weiteren Schneefällen. e Ruch Joh. 5er ch: ZPursl*) In dem heiteren Roman Purzl erweist sich Ferch als ein Tierschriststeller überlebter Geschmäcksrichtung. Er stellt nicht wie etwa Bengt Berg oder Svend Fleuron mit hervorragendem zoolo- gischen Wissen das Tier in seine natürliche Umgebung, um dadurch für das Tier um Verständnis und Geltung zu werben, sondern er philosophiert etwas in das Tier hinein. Aber er offenbart ein sehr gutes Wollen. Und Purzl, der von Schriftstellers Gnaden ver- menschlichte Hund, versteht sich auf überzeugende Anklagen gegen das bittere Unrecht, das man heute Weltordnung nennt. Ferch ist, was uns besonders angenehm berührt, überzeugter Pazifist, über- dies verficht er sozialistische Gedankengänge. Dabei bleibt er in jeder Zeile ein temperamentvoller Freund des bewährten Tierkame- raden Hund. Da er weiß, daß die Menschen verworrene Wege lieben, mutmaßt er, daß noch einmal über den Tierschutz der Weg zum Menschenschutz geht. Durch das Buch wird man auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt, das ist gewiß das schönste Lob, das man ihm zollen kann. Brno Businx. *) Verlag Dr. Rudolf Engel, Wien. Pcrantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin: Anzeigen: Th. Glocke Berlin Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerci und Verlagsanstall Paul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenstr. 8 Hierzu 1 Beilage. Sfädl.Oper CbarlotlenbuCK rtismarckstraße t4. Mittwoch, 9, März Turnus i Antan? 19.30 Uhi Don Pasquale lyogiin, Pedmer, Guttinann, Feher Ende nach 21.30 Uhr VolhsbUhne Diester ara BOlownlat! - Uhi Androklus und der Löwe Komödie von Bernh. Shaw mit Felix Bressart und Otto Wallburg Kegie: K. H. Martin StaatL Miller-Theater 8 Uhi Die endlose Straße PLAZA Nahe Schtes. Bhf. SiJia,Ste>.2,S.aiaO. Tel.; E7Welct»l 4031 .Friederike" — Kleines in.— Truppe 1931. Tägl. SV« Uhr Die mauseraiie Preise 78 PL— 5 M Sonntag nachmittags 4 Uhr halbe Preise. Rose- Theater 'inle fraaktirtit Sink lZ! Iii.»tidnil E l 3421 6 und 9 Uhr Jellcben Geberl Inserate im A vorwärts Mern Erfolg! IN«.1«, a.noi!endoripiat2 Pallas 703) Täglich S'k Uhi WUWMUM Operette in 3 Akter v. Lnd.Wolff u. Karl Bchr Musik von Hans May Regie- Heinz Saltcnbur? (GR. SCHAUSP!EL!iAU3Tägl.80. j Nar noch 4 Wochen Adolf Bosse Uhrmacher und Juwelier NW 40, Alt-Moablt III. Tel. Noabit 9272 Reichhaltiges Lager in Uhren, Juwelen. Gold-, Silberwaren und Bestecke. Preiswerfe Geschenkartlkel für lede Gelegenheit, Reparaturwerkstatt(ür Uhren und Goldwaren, erstklassig und billig. Taschen-Uhren... Mk-**®® Arniband-Ühren••• ,,«J«*® Wecker........ �-3» Salon-Uhren..., rar alle Waren vird Oarantle geleistet. Probenummern an Radiohörer kostenlos durch die Botenfrau des„Vorwärts" GeMFM-Jlnjäger föezirß tfUdcn-Wefien Kauft Porzellan Im Konsum-Warenhaus fjullus Ehl 1 Bln.'Wilmersdort, TQbinäe Autobereifung* Wilhelm Grabs Vertrieb in- und ausl&ndisdier Reifen Autoreifen- und Scfalaucfa-Reparatur- WerksfBtte/ Autozubehör Berlin SW 48, Friedrichslr. 249 Nahe Belle-Alliance-Plaiz— Tel. F s Bergmann 4736 Kartoffel-Kontor fi.m.li.fl., NW 40. Heidestr.30.— Hansa 4848. liefen Speisekarteffeln für droB-Verbraiicher, Kantinen u. Behörden Fensler- und RingfreieTapetenfabrikGebäUde-RelniSUnSS' HermannMelftier Gesellschaft m. n. h. S 14, Hauptgeschäft u.Zentrale; Alte Jakobstr. 81/82 iVeclinec Filialen: W», Potsdamer Str. 32 a(ffide Llisowstraße) O 17, Biumemtr l((Ecke Alexanderltraßel S SO, Stottbuffec Damm 29/3U(am Hermannplatz) NW Ii, Turmstratze 31 N s«, Schiluliau ei Allee 122 la. Stadtd. u. Hochb. Rordring) N 10, Vaollr ,7(am Vahnhot Deiundbrunnen» Ehartotteudurg 3, Sch otzllr 39 3l(am Sophie-Tharlolte-Platz) kech.enderg, Frantlurler Allee 231 Potsoam. iVrandendur». Ecke Waiienilratzel Fabrik in Rödersdorf, Kreis Niederbarnim. Heander-Bad Neanderstraße 12 Aufzüge Reparaturen l2M Neuiieferungen .Tübinger Sir. 2/ Tel.; Pf alz Dar dl 433 Gagründe» 1899 Büro- und Kartothek-Möbelfabrik- Kompletter Innenausbau «Johannisthal, Waldstp.14-15 Talaphem Obanirsa F 3 0/32/33 Grofj- Destillation August Schulz- Dresdener 5 trabe 135- Kottbusser Tor Llchtpaus-Anstalt.Elektra1 Plandrackerci F Dninnlin Pin. C2, Molkenmarkt 12/13 L. HKiymiU, Tel Kupfergraben 3701 Mod. Maschinenbetrieb Vergrfifcenmgcn n. Vcrklcinerangen rechnisdie Papiere/ Zeichnerische Arbeiten(214 Grell Camembcrl die führende ffarke ErhXltlich in allen Lebensmittel- und FeinkostgesdbAften fte�nnder« wirksam smtKJts UCSUllUCl d Kleinen Anzeiße« in der Qesamt« Auflage W2| 12*«.! otzdem DllllgJ des Vorwärts und trotzdem 1 A.Janiszewski Buchdruckerei und Verlag G.m.b.H. Elisabeth-Ufer 28 bis 29 T»l: Sammelnr Moritzplatx 5471 •mpflehlt sich den Gewerkschaften zur Herstellung aller Arten Drucksachen in vornehmster Ausstat ung bei billigster f reisbe rech n ung Berlin S036,Schlesi8CheStr.42 Fernruf: F8, Oberbaum 3553-54 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Remigungsarbeiten/ Bohner- una Oeimaschinen/ Staubsauger/ Vertreter- == besuch jederzeit unverbindlich TACO- KralilaariBDOwerksUiien 8. in. D.H. Charlottog ,SchloBsir.69, Wilh. 9223/24 Reparatnrea sämtlicher Systeme Filiale TACO-AUTO-DIENST Carl Tauftcnbacfa Bln. NW 6, Luisenstr. 31a, Weidm 3933 Derelhmd/ Autozubehör Groü-Dampt-Vulkanisieranslalt Inhaber: Gustav Sauer Haus- u. Küchengeräte— Werkzeuge SW68, Lindenstraße 197:: Tel: Dönhoft 3979 CarlPlelsdi Genossen. Dntersiaizl Bure eigenen Beiriebei Deckt Euren Bedarf a Urnen U.Grabdenkmälern nur in d. toinmntlhriHn OamainnDtziga 0. Md.», Baumtchulanweg, Iclillllcllll illc, Kiafnalzstr., gaganDbar dem kramatorium. Tel.: F3, Oberspree 1685. Lieferung nach allen Friedhöfen in Groß-Berlin. Bitte nf die Finna«tha. Soantijs qiJtfnit. Infit stlirh- Oarichlstr. 46, gegenüber Kramat. Jclll dUUl. Seeslr. 59, geganüb. Urnenfriedhof Franz Schönherz Hin.NeilWrilln Katser-Friedrids-Str. 141 Dm.-i�CUKOUn Xäbe Hermannplatz Bandagen— Gummistrümpfe Spezialist für Senklußeinlagen Lieferant für Krankenkassen und Behörden Frisier-Salon für Damen und Herren Gute Bedlenuno Soilde Preise Stadtbad Kreazberg, Baerwaldstr. 64-65 Neu I Neul Chamotte-Kachelöfen in farbiger Glasur, 35 cm breit, 35 cm tief, 135 cm hoch, mit Rostfeuerung nur 62,40 RM. sind zu haben bei der Berliner Töpferhütte G. m. b. H. Berlin SO. 36, Schlesischestr. 42 Farnsprecher Amt F. S, Oberbaum 0319 Fifesenarbeit— Baukeramik c,V6rwärts"-Leserf kauft bei unseren Inserenten! (Beilage Mittwoch, 9. März 1932 SsrÄbniö SfuUaaxgaäe tlai iorvnuü 2 Porträts zur Reichspräsidentenwahl 9} Zwischenspiel Hitler U Die nachfolgenden Beiträge zur Charakteristik Adolf Hitlers sind dem ausgezeichneten Quellen» Material entnommen, das unter dem Titel „Zwischenspiel Hitler" im Neinhold-Verlag Wien-Leipzig in Buchform gesammelt worden ist, Die meisten Aeuherungen stammen von Menschen, die Hitler nahestehen oder nahestanden. Tie bemühen sich um Objektivität. Um so erschütternder ist es, zu sehen, daß man selbst in diesem Lager Hitler lediglich für einen Phraseur und Posenmacher hält, dem jedes politische Verständnis wie über- Haupt die tieferen geistigen Fähigkeiten abgehen. UnddieserMenschsollReichspräsident werden? Weich— sprunahaft— entscheidungsscheu. In dem Oesterreicher Hitler lebt noch das Grazile der alten Habsdurger Untertanen. Scharmant, lebhast, das gute Kind mit Trotz. Schmollen, Lächeln und Weichheit. Der Süddeutsche b e st e n S t i l s: es ist bezeichnend, daß er trotz schwerster politischer Einwände, trotzdem die Schwerkraft seiner Partei längst im Norden liegt, niemals bewogen werden konnte, München zu verlassen... Die süddeutsche Atmosphäre trägt ihn, in Berlin wäre er nach längerem Aufenthalt arbeitsunfähig. Damit liegt über seinem Wesen und Charakter ein dem harten Politiker entsetzlich anmutendes Weichsein, alle sormidablen Gesten, alles Forsche sind nichts als er- zwungener Krampf. All seine Maßnahmen sind von einer wilhelminischen Sprunghastigkeit. Wenn er nämlich überhaupt Maßnahmen trifft. Denn Momente der Entscheidung sind bei ihm zu zählen. Er läßt nicht nur alle Dinge aus sich zukommen, sondern verschleppt jede Klärung zumeist aus Jahre hinaus. Seltsam, ober bezeichnend für unsere Zeit, daß er mit diesem Palliativ zumeist recht be» hält. Oer Volksredner. Die Urteile über den Redner Hitler durchlaufen die ganze Skala von„blödsinnig" bis„herrlich-überwältigend". Wessen Ge- fühlsmembrane aber, sei es noch so leise, schwingt, weiß, daß Hitler der beste Redner Deutschlands ist. Er begründet nichts, er heißt einen daran glauben. Daher ist er am stärksten, wenn er von den unsichtbaren Realitäten spricht, nicht von den sichtbaren. Ehre— Volk— Vaterland— Familie— Sippe— Treue— Opfer— all dies verlebendigt er. So, daß man es in die Hände nehmen kann. Hier liegt sein Zauber. Er hat recht eigentlich n i e politische, nur„philosophische" Reden gehalten. Geht er an eine politische Teilfrage heran, wird er flach bis zur Blamage. Er beginnt mit leiser, langsamer Tenorstimme. Und etwa nach IS Minuten tritt ein, was man allein bei ihm am deutlichsten beobachten kann: der Geist fährt in i hn. Dann spricht Schick- sal aus ihm. Seele einer neuen Zeit. Farblos, einen Redner zu beschreiben. Man höre ihn. Mut zur Banalität. Hitlers Demagogie ist nicht bewußt oder berechnet, sondern intuitiu voller Gefühl und Fanatismus. Und sie ist somit weniger Verführung als Berauschung, eine Art frommen Wahns... All diese bagatcllenhaften Wahrheiten, die jeder schon einmal gedacht oder gesagt hat, ohne sie weiter zu beachten, er mmmt sie, er spricht sie, er schreibt sie in seine Bücher, seine Artikel, und wer das oh n e Skepsis liest, sagt:„Wie recht hat dieser Mann!" Der durchschnittliche, von Geist und Bildung und Zivili- sation belastete Mensch von heute wagt es gar nicht, alle diese simplen Sachen als seine Gedanken niederzuschreiben. Die strengen Kritiker und alle klugen Leute sagen zwar:„Unerträgliche Phrasen" — aber sie wissen nicht, daß hier eine natürliche intuitive natürliche Begabung spricht. Psychologische Folge: die breite Masie, die ihm diese einfachen Dinge glauben muß. und deswegen erst einmal angefangen hat, ihm zu glauben, glaubt ihm auch gleich a'les andere. Dieses intuitive Prinzip Hitlers ist zum Dogma des NS.-Parteiredners geworden. Keiner der Unterführer jedoch verfügt über den Elan und die Kraft der Rede wie Hitler. poseur. Der Redner Hitler steht auf einer vorstehenden Plattform, von Fahnen umstellt... Wenn man ihm eine Weile zusieht, dann weih man: nicht nur ein Fanatiker, sondern auch ein Poseur. Wie er den Kops hebt, die Arme vor der Brust verschränkt und den Fuß vorsetzt, wie der rechte Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger vorfliegt, wie er dann wieder die Arme anwinkelt und vor dem Gesicht die Fäuste schüttelt, wie er das Taschentuch nimmt und mit verlorener Geste die Stirn abwischt, während die Linke aus dem Tisch ein Blatt der Notizen zur Seite schiebt— von der Zehe bis zum Wirbel ein Poseur. * Seine Gebärden sind unschön, unfrei, keine ist fertig, abgerundet. Es spricht aus ihnen die A e n g st l i ch k e i t des kleinen, ge- hobenen Mannes, der befürchten muß, wieder etwas falsch gemacht zu haben, aber noch nicht genau weiß, aus welche Art es aufkommen wird. So ist er entweder linkisch oder forsch, immer aber ohne die verschlossene Gehaltenheit des sicheren Führers. Es kann vorkommen, daß er einen Bor- beimaisch abnimmt und dabei die Hände aus dem Bauch gefaltet hält wie eine Berliner Zimmervermieterin. Anhänger und ge- schäftstüchtige Photographen pflegen seine einzelnen Posen liebevoll zu knipsen. Es wird jedesmal ein ästhetisches Malheur Wenn Mussolini die Zähne flcscht oder die Lippen auswirft, so wirkt das immer irgendwie antik. Bei Hitler sind dieselben Gebärden KrampfeinesaufgeregtenSteuerzahlers. Schlimm wird es, wenn er ganz unvermutet vor eine Situation gestellt wird Dann entpuppt sich der P a r v e n ü— er wird beängstigend linkisch. I Ich s-ch ihn einmal in einem Hotel über einen Teppichläuser stolpern. Man kn.u' sich Ti'siofini hierbei gar nicht vorstellen. Hitler ober 1 bot tatsächlich einen Moment lang das Objekt Auseinanderfallenden. Er sah bösen Läufer um. Bild eines über kleinstem sich mehrmals nach dem Außer diesem(allen großen Rhetoren eigenen) Mut zur Banalität bringt Hitler auch das rednerische Pathos mit, das einem unbewußten Wunsch der bisher von allzu strenger Sachlichkeit und Schmucklosigkeit angewiderten Zuhörer entspricht. Hitler vermeidet in der Rede, praktische Lösungen zu geben und Wege zu weisen. Er beschränkt sich bewußt auf grobe Umrisie, ohne daß die Zuhörer es bemerken. Der Skeptische ist fasziniert von der eigenen Begeiste- rungsfähigkeit des Redners, der im Hinblick auf die Sätze, die sich ihm mit ungewöhnlicher Leichtigkeit formen, ohne Zweifel nicht die geringsten intellektuellen Hemmungen besitzt. Dieser Einklang zwischen einer hochentwickelten oratorischen Technik und dem inneren Glauben an seine Ideen(der sich auf seine Zuhörer über- trägt) Ist ohne Zweifel das Geheimnis seines Erfolges.(Dieses Urteil stammt von F. Klein, dem Chefredakteur der schwer- industriellen„DAZ.".) Oer Legalitätskurs und die SA. Anläßlich des Prozesies der nationalsozialistischen Kursürsten- dammkrawalle(Berprügelung und Verletzung von Pasianten durch die Nationalsozialisten anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes) wurde Hitler als Zeuge darüber vernommen, ob das Wafsenverbot in der Nationalsozialistischen Partei ernst gemeint sei. Hitler: Er gehe den legalen Weg aus rein idealer, nüchterner Erkenntnis. Er lasse sich dafür sogar in Parteikreisen als verspießert und v e r- bo n z t bezeichnen(das geht auf Stennes). Es würde alles getan, um die Legalität zu vertiefen. Wo Bewaffnung der SA. festgestellt würde, sei durchgegriffen und nötigenfalls seien Führer und SA.- Leute entlassen worden(I!) Die Umorganisation der SA. sei infolge ihres ständigen An- Wachsens ein Dauerzustand.„SA." habe in der Entwicklung zuerst Schutzabteilung, dann Sportabteilung und zuletzt Sturmabteilung geheißen. Heute sei der Begriff nicht mehr definierbar geworden: es sei kein Sturm, weil nicht gestürmt werde, kein Schutz, weil die SA. längst über eine Schutzabteilung hinaus gewachsen sei, und es se> auch keine Sportabteilung, weil ihr Tätigkeitsgebiet ein viel größeres als nur Sport sei. Dem SA.-Mann werde immer wieder klargemacht, daß er nicht dem Freikorpsgeist zu folgen hat, der glaubt, durch.. einfaches Zurverfügungstellen der physischen Kräfte eine Aendervng des Schicksals der Nation herbeiführen zu können. Der SA.-Maim soki politischer Soldat sein, der sich als Parteimitglied fühlt und weiß, daß das Schicksal der Nation von einer vollständigen innergeistigen Umwandlung des deutschen Volkes abhängt. Durch das Uniformverbot sei allerdings die straffe Führung und Kontrolle der SA. erschwert und die Gefahr von Aus- schreitungen einzelner Männer gesteigert worden(!). Goebbels und der Legalitäiskurs In einer öffentlichen Versammlung in Braunschweig betonte Goebbels, hier, im Machtbereich des Nationalsozialismus, brauche man sich mit seinen Aeußerungen nicht so Zwang auserlegen. Die Hitlerbewegung sei legal, weil sie putschistische Brachialgewalt ab- lehne. Der Nationalsozialismus strebe legal zur Macht, was er aber, zu diesem Ziel gelangt, dann mache, sei eine andere Sache. Das heutige System müsse zertrümmert werden. Oie Kosten für das Braune Haus. Die Kosten für Hitlers Braunes Haus in München haben sich, unwidersprochenen Mitteilungen zufolge, auf 120 0 000 Mark belaufen(Ankauf, kostspielige Um-, Ein- und Aufbauten). In fast neun Spalten des„Völkischen Beobachters" macht Hitler mit diesem „Palazzo"(er sagt„das" Palazzo) Reklame. Vom Plakat zum Palais. Endlich daheim und angelangt, auf französisch: Parvenü! Das Haus wurde mit Wappen und den Namen von gefallenen Parteigenossen nur so gepflastert, das Hakenkreuz erscheint immer wieder als Ornament. Es gibt außer den gewöhnlichen Büros eine stolze Fahnen- und eine Standartenhalle und endlich einen Sena- torensaal(das ist doch eine welsche Angelegenheit, eine, man muß das harte Wort gebrauchen, ultramontane Institution?!). Wegen der Kosten beruhigte Hitler sein Gewissen:„Endlich wurden ja auch am Bau in erster Linie fast ausschließlich national- sozialistische Arbeiter... berücksichtigt!" Das ganze Leben war Hitler ein Traum von Reklame. Nun träumt er in dem Retlamehaus und ist glücklich— sooo glücklich! Wer zahlt? Ueber die finanziellen Beihilfen der Industrie sind zahlreiche Angaben in die Oeffentlichkeit gedrungen. Sie sind selten nachprüfbar. Die vorwiegend politisch tätige rheinisch» w e st f ä l i s ch e Montanindustrie hat es mit wenigen Aus- nahmen immer vermieden, öffentlich ihre Meinung über den Nationalismus zu sagen. Nur kleinere Fabrikanten sind so unge- schickt, sich direkt zu kompromittieren: die anderen benutzen als finanztechnisches Institut in heiklen Dingen die Verbände, die alle einen Dispositionsfonds zur besonderen Verwendung haben.(Ebenso wie es in der Landwirtschaft weniger die Guts- besitzer als die Genossenschaften sind, die Hitler unkündbar« Darlehen geben.) Und auch diese zahlen noch nicht direkt, sondern bedienen sich mehrerer Mittelsmänner, und diese wieder bedienen sich mehrerer Vereinigungen mit unver- fänglichen Namen. So landen Summen, die beispielsweise f üb einen Verein zur Unterstützung von Hinter» b l i e b e n e n sogenannter nationaler Kämpfer gespendet wurden, trotzdem im Braunen Haus in München. Darum kann im nach- hinein sowohl die Behauptung, der oder jener habe Hitler finanziell unterstützt, wie auch die Antwort, der Betreffende habe nie etwas an Hitler gegeben, zutreffend sein. G. W., der fünfte Kandidat Gleichsam„über Nacht" ist außer Hindenburg. Hitler, Duesterberg, Thälmann ein fünfter Kan- didat aufgetaucht: Herr Winter. Wer ist Herr Winter? Ein Besuch bei der Familie des im Ge- fängnis sitzenden Winter mag Aufklärung geben. „G." und„W." sind die Initialen der beiden schmiedeeisernen Torflügel, die das Gut des Herrn Winter von der Außenwelt ab- schließen.„G." und„W." sind die sorgsam gestickten silbernen Buch- staben auf der blauen Bluse eines rundlichen Knaben, der die randalierenden Kettenhunde beruhigt und uns mißtrauisch einläßt. Steil führt der Weg vom Tor hinaus zur Villa Gustav Winters, die auf einem der vielen Hügel um G r o ß< I e n a bei Naumburg liegt. In der guten Stube, die von irgendeinem internen Bockbierfest her noch mit bunten Girlanden dekoriert ist, macht der rundliche Knabe mit uns Konversation, bis sein älterer Bruder— sie sind beide Söhne des Herrn Winter— vom Feld hereinkommt. Mit diesem„Feld" hat es eine merkwürdige Bewandtnis. Es ist zufolge den Flugblättern, die uns den Weg nach Großjena gewiesen haben, die erste erdmagnetische Versuchs» anlag«. Aus Grund ihrer Einrichtung hat sich Herr Winter den etwas unklaren Titel„Betriebsanwalt" verliehen. Gespannt auf Näheres erwarten wir den schon erwachsenen Stammeshalter der Familie Winter. Er kommt militärischen Schrittes, mit Leder- gamaschen und einer Narbe auf der Stirn. Geheimnisvoll und wortkarg sind seine Andeutungen über den Vater und dessen ver- schieden« Arbeiten. Herr Gustav Winter sitzt im Gefängnis in Bautzen. Seit dem vergangenen Juni: im April erst wird er, falls die Strafvollzugsbehörden kein Einsehen haben und Ihn nicht vorher auf freien Fuß setzen, nach Großjena zurückkehren, auf sein Gut, das ihm nun seit einem Jahr gehört. Gustav Winter lebte früher in Hamburg, und hier verstand er es, den Grundstein zu semer heutigen Popularität zu legen. Er sammelte— das erfahren wir beim Kaffee, zu dem uns die Brüder eingeladen haben— alle jene Mißvergnügten um sich, denen es nicht in den Kopf gehen wollte, daß die schönen braunen Tausendmarkscheine mit dem roten Vorkriegs- st e m p e l nun für alle Zeiten wertlos sein sollten. Der Verein „Deutscher Volksbund für Wahrheit und Recht" wurde unter Winters Führung gegründet, und seiner Propagandatätigkeit ist es vor allem zu danken, daß kurz nach der Inflation im ganzen Reich ein schwungvoller Handel mit braunen Tausendern einsetzte Es gibt Leute, die aus dem unverwüstlichen Optimismus ihrer Mitbürger ein ganz hübsches Kapital zu schlagen wußten. Auch Herr Winter dürfte unter diesen Glücklichen gewesen sein, für die jene Tausendmarkscheine plötzlich einen realen Wert erhielten, der zwar nicht staatlich anerkannt war. sich aber trotzdem in klingende Münze umsetzte Der„Volksbund" versprach, bei den Reichs- behörden die hundertprozentige Aufwertung der alten Scheine durch- zusetzen. Als sich alle diese Hoffnungen nicht erfüllten und das Tausendergeschäft zu erlahmen drohte, machte sich Herr Winter an ein neues Werk. Er stellte die Theorie auf, daß die im Erdboden schlummernde Induktionskraft, der Erdmagnetismus, nur erweckt zu werden brauche, um dem Boden eine oerviel- fachte, ungeahnte Fruchtbarkeit zu verleihen. Die ersten Experimente fanden bei Hamburg statt, ein Stück Land wurde mit einem geheimnisvollen Gewirr von Drähten, Spulen und Kontakten versehen, Herr Winter verlieh sich den Titel Betriebsanwalt, der „Volksbund sür Wahrheit und Recht" übernahm die Propaganda— und bald fanden sich auch„Fachleute", die der neuen Entdeckung ihre offizielle Anerkennung zollten. Flugblätter wurden versandt, in denen Herr Winter von seinen Freunden als Deutschlands end- gültiger Retter proklamiert wurde. Bald kamen auch die Finanziers. Aber nun fing die Sache an weniger gut zu klappen: Man hängte dem Herrn Betriebsanwalt einen Prozeß wegen Kreditschwindels und anderer Kleinigkeiten an den Hals und das Resultat war ein dreiviertel Jahr Gefängnis in der Bautzencr Landesstrafanstalt. Heute dient, wie uns bei der zweiten Tasse Kaffee versichert wurde, das Versuchsgut in Großjena lediglich der Befriedigung des eigenen Haushaltsbedarfs der Villa Winter, und man scheint sich auch über die Zukunft des Erdmagnetismus keinerlei Illusionen hinzugeben. Aber es geschehen immer noch Dinge zwischen Himmel und Erde in Deutschland, von denen sich die Schulweisheit der Politiker nichts träumen läßt. Der„Deutsche Volksbund für Wahrheit und Recht", vor allem seine Filialen in Hamburg und München, stellt seinen Führer Gustav Winter als Kandidaten für die Reichspräsidentenwahl auf. Und es geling! wirklich, die erforderlichen fünfunddreihiglausend Unterschriften sür diesen Wahlvorschlag zu sammeln. Deutschland steckt voller Merkwürdigkeiten. Die Partei dieser 3S 000 ist die Partei derer, die nie alle werden: die des felsenfesten Glaubens sind, der künftige Reichs» Präsident Winter werde mit einem Federzug die braunen, rot- gestempelten Tausendmarkscheine in neue Gültigkeit versetzen und den Erdmagnetismus für die deutsche Landwirtschaft obligatorisch einführen. Was schert diese 35 000 der Kleinkram der Weltpolitik, in der ein deutscher Reichspräsident immerhin eine gewisie Rolle zu spielen hätte? G. W. wird es schon schaffen Erst die braunen Tausender, dann wird sich alles übrige finden: man könnte mit ihrer Wiedereinsetzung in die Wirtschast das Volksoermögen mühelos er- höhen, Deutschlands Auslandsschulden wären mit Leichtigkeit abzu- zahlen— und was den Erdmagnetismus betrifft, so ist er natürlich das einzige Mittel, um zur wirtschaftlichen Autarkie zu gelangen. Könnte der Glaube wirklich Berge versetzen— der Hügel vyn Großjena stände längst in der Berliner Wilhelmstrahe... Egon Lirsen. I x- Die Front der anderen Die Deutsche Turnerschaft gegen Hindenburg, für Hitler! Die Deutsche Turnerschaft besitzt in Oberwiesenthal im Erzgebirge em K r e i s h e i m, zu dessen Bau sie vom sächsischen Staat 175 000 Mark Unterstützung erhalten hat. Das Kreisheim ist im Reichspräsidentenwahlkampf in einer Art für die Wahl- Propaganda für chitler und gegen chindenburg benutzt wor- den, durch die alle Hinweise aus die„unpolitische" Einstellung der Deutschen Turnerschaft widerlegt werden. An der in den Wirt- schastsraum des Kreisheimes führenden Tür war eines der offi- ziellen großen UZahlpropagandaplakaie der Tlationaljozialisten für Hitler sorgfältig angebracht. Jeder, der an dieser Stelle am Haus vorbei oder in dasselbe hinein wollte, sah es. In Melsungen(Kassel-Land) hat sich die Turngemeinde 7S61 von der angeblich„unpolitischen" Deutschen Turnerschaft mit an vorderster Stelle an einer politischen Aktion gegen die freien Gewerkschasten betelligt. Sie hat gemeinsam mit dem Stahlhelm, der Naziortsgruppe, dem Kreistriegerverband, dem Vaterländischen Frauenverein und anderen ähnlichen Organisationen in einem Schreiben an den Besitzer der Melsunger Lichtspiele das Ansinnen gestellt, die im Auftrage der freien Gewerkschasten vorgesehene ösfent- liche Aufführung des Filmes„3m Westen nichts Neues" zu unterlassen, widrigenfalls die unterzeichneten Organisationen die Lichtspiele in Zukunft ein für allemal meiden würden. Um dem Schreiben Nach- druck zu oerschaffen, hat es das bürgerliche„Melsunger Tageblatt" veröffentlicht. Das Ganze ist ein praktisches Musterbeispiel für die Einstellung in der Deutschen Turnerschaft gegenüber den gewerk- schaftlichen Arbeiterorganisationen, und für die angebliche politische „NeutralUät" in der Deutschen Turnerschaft. Jeizt noch �unpolitisch"? Wo es um den Staat geht Das Organ der bürgerlichen Sportverbände Süddeutschlands, „Der Kicker" in Nürnberg, veröffentlicht auf der ersten Text- feite folgende Feststellungen seines Hauptschriftleiters W. Bensemann: „In diesem Blatte(Anmerkung:„Der Kicker") wurde oft genug gegen das Arbeüersportkartell polemisiert, weil diese Or- ganisation den Sport zur politischen Propaganda benutzt: erst in jüngster Zeit tonnten wir lesen, daß das Sportkartell sich offiziell den politischen Parteien zur Gründung der Eisernen Front beigesellt habe. Wir überlassen es unseren Mügliedern, nach ihrer ,?asson politisch selig zu werden und halten nach wie vor jede politische Aktion innerhalb des Verbandes für ein Unding. Wir sind sogar davon überzeugt, daß unsere Mitglieder eine Politisierung des Sports nicht wünschen, weil sie darin, zumal bei den gegenwärtigen gesvannten Ber- Hältnissen, eine Spallungsmöglichkeit unserer Verbände erblicken würden." Vorausgesetzt, die politische Neutralität wäre bei den bürger- lichen Vereinen und Verbänden wirtlich vorhanden, so wäre sie im Augenblick, wo es um den Bestand der Republik geht, fast ein Verbrechen. Der Geschäfteführer der Zentralkommission für Ar- beitersport und Körperpflege, Fritz W i l d u n g- Berlin, hat diesen Leuten schon am 13. Februar in der Nr. 2 der„Sportpolitischen Rundschau" eine ganz eindeutige Antwort erteilt, in der es heißt: „Ebenso gegenstandslos ist der Vorwurf der politischen Bindung von bürgerlicher Seite. Wo gibt es denn heute noch unpolitische Bereinigungen? kann im Augenblick der höchsten Gefahr für unser Land über- Haupt noch eine Vereinigung, die sich anmaßt, öffentliche Je- deutung zu haben, unpolitisch, das heißt gleichgültig gegenüber dem Staatsweseu sein? Man soll doch den Kopf nicht dauernd in den Sand stecken und der hohen Obrigkeit die Sorge um den Staat überlassen. Solche Nacht- wächteranschauungen haben letzt keine Geltung. Die Eiserne Front hat keine andere Aufgabe, als Republik und Demokratie und die in ihrer Verfassung verankerten Volksrechte gegen den Faschismus zu schützen. Sie will die Massen aufrütteln und aktivieren, will chren Kampsesmut stählen, und ihnen den Glauben an die Gewißheit des Ersolges geben. Sie will die Massen heraus- reißen aus der Verzweiflung, in die sie durch Arbeitslosigkeit und durch die Ueberhandnahme der politischen Verwirrung gekommen sind. Sie will dem Gegner zeigen, daß er aus Eisen beißt, wenn es ihm gelüsten sollte, die volksrechte ernstlich anzutasten. Wo der Wille zum Widerstand gegen Gefahren, die Volk und Staat bedrohen, gestählt wird, wo der Mut zum Kampf gegen die Feinde des Staates entstammt wird, da dürfen die freiheitlich gesinnten Arbeilersportler nicht fehlen: sie verdienten sonst nicht ihren Namen." So sind sie. die bürgerlichen Sportverbände. Nutznießer am demokratischen Staat, aber wo es im Falle höchster Gefahr für die Republik, der Plattform des demokratischen Systems, heißt offen für oder gegen ihre Erhaltung Farbe zu bekennen, da wird g e- kniffen, um es bei einem etwaigen politischen Machtwechsel leicht zu haben, sich auf den Boden der neuen„gegebenen Tatsachen" zu stellen. Nach außen wird das so schön als„unpolitisch" und„poli- tisch neutral" firmiert. Wie stark das bürgerliche Sportlager von Republikgegnern durchsetzt ist, dafür spricht die im„.Kicker" angeführt« Befürchtung einer Spaltungsmöglichkeit. Die Eiserne Front steht 1 Auf dem Bezirkstag des Leipziger Bezirks, dem größten im Arbeiter. Turn, und Sportbund, wurde von 22l Dele- gierten gegen nur 11 Stimmen folgende Entschließung an- genommen: »vle Vertreter von 35 000 Angehörigen der Leipziger Arbeiter- Turn- und Sportvereine sind sich einig in dem unerschütterlichen Willen, alles einzusehen, um die Gewaltherrschast der Nalional- sozialistifcheu veulschen Arbeiterpartei zu verhindern. Sie rufen deshalb ihre Mitglieder zur größten Wachsamkeit aus und erblicken in den Marschkolouneu der Eisernen Front die beste Garantie für die Erhaltung der Demokratie und der sozialen Errungenschaften." Daß die Leipziger Arbeitersportler aktiv zur Eisernen Front stehen, haben sie bei deren Aufmärschen bewiesen. kreitag: Lustgarten. Alles tritt an! Am Freilag, 11. März, marschiert die Eiserne Front, Sozialdemokratie, Gewerkschaften, Reichsbanner und die Sportorganisationen der Arbeiterschaft gegen die faschistische Pest im Lust- garten auf. Kein Arbeitersportler darf fehlen! Sofort noch Betriebsschluß treffen sich alle Arbeitersportler und -sportlerlnnen am nächstgelegeuen Stellplatz. Ist das aus irgendwelchen Gründen nicht möglich, begeben sie sich direkt und ohne Verzug zum Lustgarten. Alle an die Kartelle und Vereine ausgeliehenen Sturmfahucn müssen in den Zügen mitgeführt werden. Eine nach Organisationen gesonderte Aufstellung im Lustgarten ist ulcht vor- gesehen. Die Züge stehen mit den Jahnen wie sie eintreffen. Ein Abmarsch findet nicht statt. Die Fahnen sind auf dem Heimwege eingerollt zu tragen Jeder beachte die Bekanntmachung der Stellplätze und die Abmarschzeit. Die Demoustraliou ist fo zeitig beendet, daß jeder noch seinen sportlichen Uebungsabend besuchen kann. Darum darf kein Arbeilersportler dieser Demonstration fernbleiben. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Berlin. Der Geschäftsführende Ausschuß. Zu Wien-Berlin dem größten Fest der Arbcitcrschwimmcr In ber letzten Woche brachten wir unseren Lesern eine ällge- meine Uebersicht über die am kommenden Sonnabend und Sonntag stattfindende internationale Begegnung der Arbeiterschwimmer aus Wien und Berlin. Nunmehr sind wir in der Lage, die Mannschaftsaufstellungen der Städte zu veröffentlichen. an die wir jeweils unsere Vorschau anschließen. In der Frauenstaffel über 3x100 Meter kommen die Wiener mit Obenaus, Schweiger und Eßmann, eine starke Vertretung, die sich jedoch gegen die Berlinerinnen Braun, Frohn und Ehringhausen kaum behaupten dürfte Wesentlich anders ist es in der 4x100 Meter Bruststaffel, in der Wien mit der Mannschaft Eßmann. Marchhart. Obenaus und Schweiger seinen Berliner Gegnerinnen Braun, Ehringhausen, Frohn und Gerhardt klar überlegen sein wird. Bei den Männern haben die Berliner Springer, Nachtigall und Köhn nur wenig Aussichten gegen die ausgezeichneten Wiener Dirmhirn und Stadlmeyer. Gute Chancen Hot Berlin jedoch in der 4x200- Kraulstaffel, in der so gute Könner wie Frohn. Flöther, Ernst Grühn, Polte und die Wiener Vertretung Futschek, Zrzawecky. Eapek und Hawlik schlagen müßten. Auch in der 10x6k�»-Meter-Kraul- staffel rechnen wir aus einen Berliner Erfolg Berlins Mannschaft besteht aus: Frohn. Lisiakowfki, Engel, Flöther, Richter. Polte, Ehr- lich, Dunkel, Kienemann und E. Grühn: Wien kommt mit Sedl- mayer, Hawlik, Hummel, Zrzawecky, Kreisl, Lampe. Eapek, Dorn- stauder. Mosel und Rosenberger. Mft einem knappen Sieg Wiens ist in der 4X100-Meter-Brust- stasett« zu rechnen. Bayer, Hölzl, Sztrakaty und Rab sind hervor- ragende Könner, gegen die die Berliner Bäcker, Krienke, Tiedke und F. Grühn nur in bester Verfassung heranreichen werden. Völlig offen erscheint der Ausgang der Lagenstaffel 3x100 Meter, in der die Berliner Krienke. Poh'e und E. Grühn aus die Wiener Bayer. Hosbök und Hawlik treffen. Den Höhepunkt der Veranstaltung und wahrscheinlich auch die Entscheidung für den Ausgang des Städte- kampfes wird das Wasserballspiel bringen. Wien erscheint in der bekannten Aufstellung: Sedlmayer, Beran, Hawlik, Eapek, Hummel. Rosenberger, Dornstauder, eine Mannschaft, die den Berlinern in beiden vergangenen Kämpfen mit 9: 4 bzw. 11: 5 das Nachsehen gab. Die Aufstellung der Berliner Mannschaft, die wir bereits mitteilten, hat sich auf Grund des am vergangenen Sonn- abend ausgetragenen letzten Trainingspiels m der Torbesstzung ge- ändert. Es spielen nunmehr: Tor: Poerschke(Eharl.), Verteidigung: Ehrlich(Hellas) und F Grühn(Eharl.), Verbindung: E. Grühn (Eharl.), Sturm:(Pirwitz(Eharl.), Flöcher und Polte(Hellas). Die Mannschaft gewann zwar chr Uebungsspiel gegen ein« zweite Berliner Sieben mit 10: 7, zeigte aber noch einige Mängel im Zu- sammenspiel, Mängel, die jedoch unvermeidbar sind, da die Mann- schaff m dieser Aufftellung erst zwei Spiele ailsgetragen hat. In dieser Hinsicht haben die Wiener Vorteile, weil sie ihre Vereins- Mannschaft bringen, die durch jahrelanges Zusammenspielen gut harmoniert. Die Kämpfe finden am Sonnabend im Stadtbad W e d d i n g um 20 Uhr und amSonntag um 19 Uhr ffn Wellen- bad Lunapark statt. Eintrittspreise 0,73 und 1L0 M. Die Wiener Mannschaft trifft am Sonnabend. 12. März. 8.56 Uhr, auf dem Anhalter Bahnhos ein. Zum Empfang treffen sich alle Bundesgenossen um 8.30 Uhr vor dem Bahnsteig. Freie Fattdootsahrer Berlin«. V. Donnerstag, 10. Märh, 20 ffijn Truppe Nordosten: Christburger Str. 14. Bortrag Otto Mohrmann.— Kruppe Norden: Willdenomltr. S. Zimmer 8. Lichtbildervortrag: Dom«auiasuo zum Gelben Meer.— Gruppe Südosten: Graste Frankfurter Str. 16, Zimmer 3. Grostlilm: Aus dem Alllag empor tund Musik).— Sonntag, 13. Marz. Spiel und Sport auf dem Sportplast gellestraste. 14� Uhr. Gaste zu olle» Ber- anstaltungen willkommen. und Kulturpolitik.— Ruderbczirk. Donnerstag.>0. März, 20 Uhr. Sistung Torkrug, Hochbahn Schlefllche» Tor. Vorbereitung zur Steuermounsprütung em 24. März. Zeltscheine bestellen. Freitag, l« bis 21 u Uhr Uebungsabend in der Ruderanlage des Realgomnasiums Treptow, Rothaus. Zenuis.Ziot Grast- Berti» 6. Abt. Reulöll» Donnerstag. 10. März, 20 Uhr, Monatsoersammlnng im Gas» Reinhardt, Hasenheide 37, Lichtbilder- Vortrag: Heinrich Zille. Freie Zotoi»er«i»ig»ag. Donnerstag, 10. März, 20 Uhr, Pankstr. 22. Refe- rat über Bildlerien-Wettbewerb: Aus unserer Zeit.— Vorankündigung. Am Sonnabend, dem lg. März, 20 Uhr, spielt Professor G. Stenger im großen Hörsaal des Film, und Lichtbildamtcs der Stadt Berlin, Moabit. Levestow- stiaste l— 2, über:„Frühe Urteile über die Photographie". Alle Gruppen de» ALB. und die örtlichen Photogilden beteiligen sich, ASS.. H«kei>abt«il»»g. Heute, 20 Uhr Monot-fistung bei Suschkat. Hohen- lohestraße. Rnderoerei» Gollegia. Freitag, lt. März, findet keine Mitgliederoersamm» lnng statt. Di- Genossen beteiltzen sich an der Sundgebuno der Elserneil front Sonnabend, l2. März, 20 Uhr.«ostenrudern in der TlergaMen-nlage. onntaa, 13. März, erscheint jeder Genosse, nachdem er seiner Bahlvslicht genügt hat, in Gatow zum Arbeitsdienst. Mittwoch, 9. Märe. Berlin. 16.05 Aktuelle Abteilung. 16.30 Von Frühlingsblumen and Gartenbeeten(Cryk Peplnsld). 16.50 Lieder v Carnillo Hildebrand.(Henny Uokenbach. Sopran; nagelt Dt. Komponist.) 17.10 Sonate für Baßklartnette ond Klavier von Othmar Schoeefc. op.<1. (Willi Luther und Weither Kaemnler, Flügel.) 17.30 Hermann Heyn: Der Feaerwehrmann. 17.55 Ludwig von Wohl liest eigene CiiäUlungen. 18.15 Studenten diskutieren; Für und wider die Crtallangapolltik(Ug.: Prof. Dr. Ludwig Bernhardt). 18.55 Die Funkstunde teilt mit... Iü.00 Stimme rum Tag 19 10 Interview der Woche. 19.30 Schallplatten: Rückblick eol PabTuar(Mikrophon: Dr. Prltg KnSpffce). 70.00 Rudolf Nelson-Abend. 21.20 Tages- ond Sportnachriehten. 21.30 Philharmonie...Harold in Italien", von Heclor Borlioe(Berliner Phflh. Orchester. Dir.: Dr. Helmuth Thierfclaer). 22.30 Franklurt Zeithericht 23.10 Wetter. Nachrichten und Sport. Tanzmusik. KOnigswneterhaoaen 16.00 Dr von Seefeldt: Da* Berufs- und Fachschulwesen. 16.30 Hamburg; Konzert. 17.30 Piot Dt Herre: Utriversalreleh 18.00 Brahms Liebeswalzer(Hans Oppenhelm ond Mltw.1. 18.30 Reg.-Rat Dr Schloitmann. Das Staatsoberhaupt In der Demokratie. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Reg.-Rat Dr. J. Fischer: Oesierreichisjjhe und deutsche Sorlalpolitfk. 19.30 Bürgermeister Dr Carl Herz: Polizei und Selbstverwaltung 20.00 Leipzig' Messe-Qewandhaus-Soaderkonzert 21.45 Leipzig: Alte deutsche Bauernschwänke. Rätsel-Ecke des„Abend" iiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniuua.'iu]i!iiiii;inniiiiiiniiiuiiuiiiiiuiiiuiiiniiiiiuiimuiiiuintiiuuiuiiifiiiuuuiii�uiuniiHiiiiiiiiiiimiiiiininiiiUHmimnimmuiuiiiui niBff KreuzwortkMel. Waaperecht: 1. Wochentag: 2. Marinegeschoß: 3 Iapai: ische Münze: 4. Vorderer Teil des Schiffes: 5. Norddeutsche Siadl: 6. Berliner Volks- blatt: 7. Rot, englisch: 8. Signalisierung; 9. Wasser unter 0°: 10. Griechilcher Buch- siabe: 11. Musikalliches Tempo: 12. Südamerik. Namensbezeichnung— Senkr.: 1 Nein, franz.: 2. Frucht: 3. Name im Lerbrecherjargon; 4.ZahlungswciIe'.5.P(o- delanz:(i. Geistig um- nachlel: 7. Himmel: 8. Trauerleilnahme: 9. Galtung: 10. Erfrischung im Waffer: 11. Märchenbezeichnung des Wolfes: 12. Denker. pw. Silbenrätsel. an ba bar dein ben ber blei bruch bürg char chi da der do do e e el el em en en es fen gra ge gie in innz kunst lack laut lei li l! lo lot m« me mi mi na na na na na ne ne n« ner no pe pow rat re reich rha rich ring rist sa fal schel sei fen senk ff te te te ten ten ter ter ter tern tor un ve wi zi zie. Aus vor- stehenden 82 Silben sind 27 Wörter zu bilden, deren Anfangs, und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Zitat und den Autor desselben ergeben.— Bedeutung der einzelnen Wöner 1. Tatkraft; 2 Meßwerkzeug: 3 Alpenpflanze: 4. weiblicher Bor. name: 5 Südfrucht; 6. russische Klavierkünstlerin: 7 Negerschmuck: 8. Oper von Richard Strauß; 9 Stadl in Tirol. 10. Düngefatz: 11. Stadt in Spanien: 12 Tierprodukt; 13. Malermaterial; 14. Stadt am Niederrhcin: 15. Ämeisenart; 16. Gewerbebetrieb: 17 Obdach. 18 Flußteil: 19 Spiel: 20. Gemüsepflanze: 21 Errungenschafi im Schulwesen: 22 Teil von Berlin; 23 Wirbelsturm: 24 wei'o'icher Vorname; 25 Stelle am Pferdehals; 26. geographischer Begriff: 27. Staatenbund.'" hw, Be uchskartenrätsel. HEINZ SCHWIRREND RIESA Die Auflösung ergibt durch Umstellung der Buckstaben etwas. wogegen Groener nichts einzuwenden ha.«. Gilbenkreuz 1— 2 berühmte Schauspielerin 3— 2 nordische Gottheit 1— 3— 5 Ort in Kamerun 3— 4 Bluibahn 1—7 englischer Titel 3—5 Stadl in Nordital. 1—6 ehem rusi.Volksvertretg. 5— 6 Huf ier 2—3 engl. Meer 5—7 Salzwaffer 2—5 Musikzeichen i. Psalmen 7—8 mathemaL Figur 2— 8 Teil des Schiffes 8—6 Siadl in Algerien _ F s Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel Waagerecht. 1. Junker«:& Petroleum; 10 one. 11 Nemi 12. Pi; 14 Ast. 16 Ah: 18. Aare; 20 Natal; 21 Pein: 23 Gurke; 25. Lau; 26. Terno. 27 Kid. 29 Air. 30 Esieu- Altcnesien: 33 Jones. 34. Arion; 35 er; 36 Gnu; 38 EK.. 39 Eger; 41. Kroll: 43 Opus: 46. Reh: 47 Krapfen: 48. Ort. 49 Ire. 50 Ge- deine: 51. ego: 52 Relli.— Senkrecht: 1 Jena: 2 Ute; 3 Nr.: 4 Konstannnopel, 5. et: ö Reu. 7 Süd. 8 Po. 9 mm: 12 Paul Singer: 13 irr;>4 Aal: 15 Tau. 16 Aer, 17 Hindenburg: 18 AG.; 19 Ekkener; 21 Perstko; 22 ao: 24. Einer; 26. Tiere: 28 das: 29 Ana; 31 so: 32. so: 36 Graben: 37 Ulfila: 39. Erich: 40. Eh«: 41 Kren: 42 Leni: 44. Poe: 45. Swrm F ü l 1 r ä t f e l: 1. Orient; 2. Solist: 3. Prostt; 4. Melone: 5. Kontor: 6 Domino. Perwandtungsrätfel: Dach. Ilf«. Enkel Falz. Reim. Eber Imme Hole. Engel Igel. Tonne. Idol Saum Turm Dank. Idria. Eule Ed«. Woge. Ilias. Kipfel Echse. Ialon Unfall Gelte. Eichel Not Dorf. Damm Eid, Rat. Nute Acker Teller Ilm. Oase. Nase Elster Norm.—„Die Freiheit ist die ewige Jugend der Notionen. S p r i ch w o r l r ätsel: Nach jedermanu» Geschmack kaan nichts aus Erden jein.