Moraenausgabe Nr lü A 59 -ty.Zahrgang WSchiNlU« 75■©!, lnonaivch 3,25 M (davon 87 PI monatlich für guftel» luna ins örni ü im onraus zahlbar. ' i"» ui'iuub ftui)ioau Postbezug 3.97 PI einschließlich eo Pf Po zeitungs- und 72 Pf. Postbeltellge. biihren. Auslandsabonnement s.ss M, vro Monat; für Länder mit ermäßig. tem Dnicksachenvorto ä.sz M. Ler.Borwärts" erscheint wochentZz- lich zweimal. Sonnlag» und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlm und im Kandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsdeilagi »Bolk und 3eit" Neriinev Vottsbßatt Oonnersiag 1.0 Marz 1.9)2 Groß- Berlin 10 Vf. Auswärts i s pt Die etiil v a l l. Mlllimerrrzcil» 30 Pf Siellameze le 2.- M„»leine Au- zeigen" da» fettgedruckte Wort 2» Pf szulässigzwei IcllgedruckteWorie.ledc» weitere Wort I» PI Padati lt. Taris Worts über 15 Puchstaben zähle» für zwei Wort- ArdeitsmarlI Millimeter- zeile W PI Familienanzeigen Mills» meterzeile 16 PI Anzeigenannahm« im Sauplaeschäfl Lindenstraße 3 wochentäglich von 8-,, bis>7 Uhr Der Periag behält sich dasNechi der Ab» leknuna nicht acnehmerAnzeigen vor' Jentralsrgan der SozialdemoSratifrven Vartei Deutschlands Revaktion und Verlag; Berlin SW K8. Lindenstr 3 lrernspr. Tdndoli i� 71292—297 Telegromm-Adi Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Posllcheckkonio' BerlinSrSZö- Sankkonto; Sankder Ärdeiter. Ä ngeneUien und Seamten.Lindensir.S Dt S. n Dtdi-Gil. Depolitenk. Zeruialemer Sn tiü liö Braun für Hindenburg Aufruf an alle sozialdemokratischen Wähler. Ich wähle Hindenburg! Von Otto Braun. warum hindenburg? Diese Frage bewegt heule noch zahlreiche Wähler, die mit Freuden für einen sozialdemokratischen Kandidaten stimmen, mit Begeisterung für ihn werben würden. Ja. wenn es bei der Wahl des Reichspräsidenten darauf ankäme, ein Bekenntnis zum sozialdemokratischen Programm abzulegen, die Stärke der Sozialdemokratischen Partei aufzuzeigen, dann könnten olle sozialdemokratischen Wähler ihrer inneren Ueberzeugung folgend mit dem Stimmzettel Zeugnis ablegen für die Sozialdemokratie uud ihre Politik. Dazu werden sie übrigens bei den kommenden Landlagswahlen hinreichend Gelegenheil haben. Am 1Z. war; aber werden die Wähler nicht aufgerufen. um. wie bei den parlamentswahleu, sich für die Politik einer Partei auszusprechen, sondern sie sollen einen Mann zum Reichspräsidenten wählen, der durch seine Person und sein Wirken die Gewähr bietet, daß er das höchste A m t. das das deutsche Volk zu vergeben hat. treu der republikanischen Verfassung und seinem Eide zum w o h l e d e s ganzen Volkes verwalten uud die ihm verliehene Macht nie mißbrauchen wird. Gewiß. Eberl, der erste deutsche Reichspräsident, hat darch seine Amtsführung bewiesen, daß ein Sozialdemokrat dem dculschen Volke diese Gewähr bietet. Und wenn dle geringste Aussicht bestände, daß ein sozialdemokratischer Kandidat am nächsten Sonntag die Mehrheit der Wählerstimmeu oder in einem eventuellen zweiten Wahlgang auch nur die relative Mehrheit erlangen könnte, dann hätte man ihu aufstellen und für ihn stimmen wüsten. Diese Aussicht besteht leider nicht. Infolge der unsinuigen Politik der Kommunisten, die erhebliche durch die wirtschaftliche Rot zermürbte Arbeitermassen verwirrt hat und einem Phantom nachjagen läßt, ist die Wahl eines Sozialdemokraten ausgefchlosten. Roch viel weniger hat der Kommunist T h ä l m a n n Aussicht, gewählt zu werden, von dem Hugenberg-Kandidaten D u e st e r- berg oder dem Kandidaten der rotgestempellen Tausend- marlscheine ganz zu schweigen. Den Wählern bleibt daher nur eine Alternative: Hindenburg oder Hitler? Zwischen beiden haben dle Wähler zu entscheiden. Kann da die Wahl schwerfallen? Man sehe sich die Männer an. Hitler, dieser Prototyp de» politischen Abenteurers. der durch eine aus dunklen Geldquellen gespeiste demagogische Agitation alle Desperados, Masten Verzweifelter und hoffnungsloser, wie alle jene Kreise, dle aus kapitalistischer Profitgier und reaktionärer Gesinnung oder politischem Unverstand dem heutigen volksstaat todfeindlich gezenüberftehen, um sich geschart und für sein nebelhaftes Drittes Reich gewonnen hat. das allen volks- lcilen alle» was sie wünschen, und zwar immer auf Kosten des anderen Teiles, verspricht. Demgegenüber Hindenburg. Die Verkörperung von Ruhe und Stetigkeit, von Mannestreue und hingebender Pflichterfüllung für das Volkstänze, besten Leben ktar vor aller Augen liegt, der nicht zutchl auch durch seine siebenjährige Am'ssührung als Reichspräsident bewiesen hat. daß sich alle die auf ihn verlassen können, die D e u t s ch l a n d vor dem Ehaos bewahren und in friedlicher schicksalverbundener Zusammenarbeit aller Vo'kskreife aus dem jchiLea Wiris�aftseleud wieder auswärt» säuren wollen. Die Wahl Hiller» würde das wirtfchastliche Elend bis zur Uuerträglichkeit steigern. Staatsstreich, politische Unterdrückung und Bürgerkrieg zur Folge haben und schließlich die Gefahr des Zerfalls des Reiches heraufbeschwören. 'Oeshalb muß Hitler eine Niederlage bereitet, Hindenburg gewählt werden Mich trennt in Weltanschauung uud politischer Einstellung eiue tiefe Kluft von Herrn von Hindenburg. Doch hat das Menschliche, das heute in unserm öffent- lichen Leben leider kaum noch Geltung hat. eine Brücke über diese Kluft geschlagen, die uns zusammenführt uud eint in dem Streben, jeder nach seiner Ueberzeugung, das Wohl des Volkes zu fördern. Ich habe den Reichspräsidenten kenuengelerut als einen Mann, auf dessen wort man bauen kann, als ciuen Menschen reinen Wollens und abgeklärten Urteils, erfüllt von kautischem Pflichtgefühl, das ihn auch oeranlaßt hat, troh feines hohen Alters und seiner begreiflichen Sehnsncht nach Ruhe erneut sich dem deutschen Volke zur Verfügung zu stellen und die schwere Bürde seines verantwortlichen Amtes auf sich zu nehmen. Ein Mann dieser Wesensart mußte die enttäusche», die von ihm Verletzung seines Eides und Verfassungsbruch erwarteten. weil er als Schützer der Verfassung, treu seinem Eide, zum deutschen Volke stand, deshalb verfolgen sie ihn jetzt mit giftigem haß und überschütten ihn mit Schmähungen und niedrigen Verleumdungen. weil dem so ist, trete ich für ihn ein. Ich wähle hindenburgundappelliereandieMillionen Wähler, die vor sieben Jahren für mich gestimmt und an alle, die darüber hinaus mir und meiner Politik Vertrauen entgegenbringen: » Tut desgleichen, schlagt Hitler, wählt Hindenburg! Herauszum Aufmarsch derEisernen Front! Am Freitag, 17'/- Uhr: Lustgarten» Genosse Aufhäuser spricht. AUFHARSCHPLAN Stadtbezirke Wedding, Mitte, Reinickendorf und die in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr Grenzstraße(Humboldthain), Spitze des Zuges Brunnensfraße. Marsch durch; Brunnen-, Elsasser-, Artilleriestraße, Am Kupfergraben, Museumstraße, Lustgarten. Stadtbezirke Prenzlauer Berg, Pankow, Weißensee und alle In diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr Danziger Straße(Mittelpromenade), Spitze des Zuges Weißenburger Straße Marsch durch: Weißenburger Straße, Schönhauser Allee, Dragoner-, Roch-, Neue Friedrich-, Museumstraße, Lustgarten. Stadtbezirke Friedrichshain, Lichtenberg, Treptow, Köpenick und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe; Antreten: 16,30 Uhr Küstrlner Platz, Spitze Paul-Singer-Straße. Marsch durch; Paul-Singer-, Blumen-, Schickler- Kloster-, Kaiser-Wilhelm-Straße, Lustgarten. Stadtbezirke Kreuzberg, Neukölln und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe; Antreten: 16,30 Uhr Fontane-Promenade, Spitze Urbanstraße. Marsch durch: Urban-, Baerwald-, Prinzen-, Dresdener-, Neue Roß-, Roß-, Breite Straße, Schloßplatz, Lustgarten. Stadtbezirke Tempelhof, Schöneberg, Zehlendort, Wilmersdorf, Steglitz und alle In diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr Hornstraße, Spitze des Zuges Yorck- straße. Marsch durch: Yorck-, Gneisenau-, Mittenwalder-, Brachvogel-, Alexandrlnen-, Dresdener Straße und weiter wie Zug Fontane-Promenade. Stadtbezirke Charlottenburg, Tiergarten, Spandau und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe; Antreten: 16,30 Uhr Kleiner Tiergarten, Spitze des Zuges Stromstraße. Marsch durch: Alt-Moabit, Invalidenstraße, Hessische Straße, Hannoversche, Elsasser Straße und weiter wie Zug Grenzstraße. Kampfleitung Berlin der Eisernen Front GA.-VorbereitungzumBürgerkneg SA.-Kührer fabriziert Bomben!— Wegen Gprengstoffdiebstahl verhaftet. Oer Legalitätsschwindel enthüllt. Ludwigshafen. S. März. tEigenbericht.) In Ludwigshafcn wurde der Führer der Pfäl- zischen SA. und SS., Theodor Eicke» in seiner Wohnung verhaftet. Die Verhaftung erfolgte unter dem Verdacht, daß Eicte aus einem Werk der JG.-Farbcn. wo er beschäftigt war. Sprengstoff gestohlen hat. Der Sprengstoff sollte zur Herstellung von Vomben dienen. Vicke war zu diesem Zweck mit nationalsozialistische» Partei- freunden in Pirmasens, wo die Bomben hergestellt werden sollten, in Verbindung getreten. Bisher sind über 3 0 Bomben und eine große Anzahl Pakete mit Sprengstoff beschlagnahmt worden. Auster dem nationalsozialistisch?« Stnrmführer wurden dessen Adjutant, ein ehemaliger Maschinenmeister der JG.- Farben, sowie drei Nationalsozialisten aus Pirmasens festaenommen. Sie wollten die Bomben, wie sie bereits gestanden haben, zu einem Angriff be- nutzen, und zwar, wie sie sich herausreden zu einem Angriff für den Fall eines Angriffes von kommunistischer Seite. Die hiesige Bevölkerung ist über die unverhohlenen Bllrgerkriegsabsichten der Nationalsozialisten anster- ordentlich erregt. Aus einer Mitteilung der Pressestelle des Qberstaats- anwalts in Zweibrücken, der die Untersuchung wegen des Vergehens gegen das Sprengstoffgcsetz leitet, geht hervor, dast außer dem beschlagnahmten Sprengmaterial und außer den beschlagnahmten Bomben noch weiteres Sprengmaterial und weitere Bomben versteckt worden sind. Ein Teil des beschlagnahmten Spreng- Materials ist inzwischen nach Ludwigshasen zurück- transportiert worden. «' Die Nationalsozialistische Partei versucht sich aus dieser Affäre herauszureden. Sie läßt folgendes mitteilen: „Zu der Aomdenangelenenheif in der P�alz wird rmtgeteilt, daß die NSDAP, der ganzen Angelegenheit jernslehe. Sänilli.he Röhm bestätigt. Echiheii der Briefe gerichtsnotorisch/ Trohdem häitHiter an dem„Mhmling" fest Beteiligten, die der NSDAP, angehörten, seien, als de? Verdacht bekanntgeworden sei, sofort aus der Partei ausgeschlossen morden.� Der Ausschluß ist also erfolgt, well die Nationalsozialisten erwischt worden sind. An den Legalitätsschwindel glaubt kein Mensch mehr! Jeder weiß, daß chitlers S A. b e- maffnet ist— fast bis auf den letzten Mann! Die vielen Bluttaten, die auf das Schuldkonto der Nazis fallen, sind Bs- weis genug dafür. Aazibluttat in Breslau. Im eigenen Haufe von Nazi- Nordbuben niedergeschossen Breslau, v. März.(Eigenbericht.) Tie national sozialistische Morbpest hat in Zchlesieu schon wieder ein Cpfer gefordert. In» Hause Uferstraße 32 in Breslau schössen Flugzettel verteilende Nationalsozialisten am Mittwoch einen Sozialdemokraten namens Hermann Gunther» der die Annahme ihrer Flugblätter verweigerte» iiber den Haufen. Günther» der feit dem Jahre 1906 der SPD. angehört, erhielt sieben Schüsse, davon drei in die Brust. Er wurde in die Universitätsklinik geschafft, wo er sich sofort einer Operation unterziehen mußte. Der amtliche Bericht des Brcölauer Polizeipräsi- diums bestätigt eindeutig, daß die Schuld an der Bluttat, die sich Mittwochvormittag gegen 11 Uhr im Hause Uferstr. 32 in Breslau abgespielt hat. auf feiten der Nationalsozialisten liegt. Der angeschossene Hermann Günther hatte die nationalsozialistischen Flugblattver- tciler in durchaus höflichem Ton zum B erlassen seines Hauses aufgefordert.' Als er fich darauf- hin, weil die Nationalsozialisten seineu» Wunsche zu eni- sprechen schienen, in seine Wohnung zurückbegeben wollte, sielen plötzlich mehrere Schüsse aus dem nächsthöheren Stockwerk» durch die Günther in Arm, Brust und Knie getroffen wurde. Die Ver- lctzungen sind erfreulicherweise nicht lebensgefährlich» doch mußte Günther sich sofort einem operative« Eingriff in der chirurgischen Universitätsklinik unterziehen. Der feige Schütze konnte bisher nicht festgestellt werden. Sechs der nationalsozialistischen Flugblattverteiler wurde» verhaftet. Fer- ner wurde das Lokal» von dem aus die Berbreitung der Wahlzettel erfolgt«, polizeilich geschlossen. Breitscheid in Hamburg. Das Verbrechen der Thälmann-Kandidatnr. Hamburg, 9. März.(Eigenbericht.) Bor den Zehntausenden sprach in Hamburg Dr. Rudolf Breitscheid. Brcitscheid, mit Ovationen empfangen, ging von der furchtbaren wirtschaftlichen Not aus, in die Millionen Menschen oer- strickt sind. Um so größer sei das Heldentum der politischen Einsicht und Vernunft, das die Arbeitslosen beweisen, die in den vordersten Rechen der Eisernen Front kämpfen. Die Nationalisten haben so- lange gebrüllt..Deutschland erwache", bis das bessere Deutschland erwacht ist. Diese Republik ist gewiß nicht unsere Republik, aber sie ist die einzige Voraussetzung für die Sicherung politischer Frei- heit und sozialen Aufstiegs. Frecheit und Aufstieg sind in Gefahr durch den Faschismus, aber auch dadurch, daß die Kommu» nisten den Faschisten durch eine aussichtslose Kandidatur bewußt Hilfsstellung leisten! Sieg des Faschismus wäre schärfste Sozialreaktion und Sklaverei. Um so größer ist der verrat der üpD� die der gegen den Faschismus kämpfenden Arbeikerschafl in den Rücken fällt. Herr Thälmann kandidiert, obgleich keine Aussuht für seine Wahl besteht, aber auf die Gefahr hin, daß dadurch Hitler gewählt wird. Eine solch« Zählkandidatur ist ein Verbrechen. Darum wählen w i r H i n d e n b u r g. Er ist nicht unser Mann, aber er»st der einzige Kandidat, mit dem wir Hitler schlagen können! Hindenburg hat auch seinen Eid auf die Verfassung gehalten, deswegen sind ja seine früheren Freunde ihm untreu geworden. Zaaen- und außenpolitisch sieht viel aus dem Spiel. Wir möchten unseren Weg ohne Gewalt gehen, aber wir lassen uns nicht wehrlas abschlachten! Wenn unsere Gegner es so wollen, dann werden wir zu kämpfen und zu siegen wissen. Außenpolitisch ist uns der Weg einer Politik der Ver- flandigung vorgeschrieben. Wohl sagen wir: Deutschland kann nicht zahlen, ober wir hüten uns, zu sagen, Deutschland will nicht zahlen. Breitscheid gedachte»n diesem Zusammenhang Axistide Briands: Es gibt keinen Mann, der mehr für den Frieden getan hat und der mehr Verständnis für die Nöte Deutschlands gehabt hat als Briand. Wir wollen den Frieden. Wir wollen kämpfen für den Sozia- lismus, für den wahren Volksstaat. Die Reichspräsidentenwahl ist eure wichtige Schlacht In unserem Befreiungskampf. Wir sichren diese Schlacht unter der Parole: Wer Hitler schlagen will. muß Hindenburg wählen. Breitscheid wurde immer wieder von Beifallsstürmen unter- brachen, die sich am Schluß zu gewaltigen Kundgebungen der lieber- cinstimmung steigerten. Liebe und Gegenliebe. Schust? Lump'- Schlimmer als Türken und Tscherkessen Der Nazireichstagsabgeordnete H i n k e l hat den Stahchslm- sichrer Major Stephan!„den berüchtigten Major Siephäm" und „einen Schuft und Lumpen" genannt. In Dresden, sprach dafür Herr Du est er der g gegen die Nazis und stöhnte dabei: „Ich habe in meinein militärischen Leben mit Türken und Tscherkessen verhandelt, so etwas aber wie mit den National- fozialisten habe ich nirgends erlebt! Man mutete uns einfach Kapi- tulation und Unterwerfung zu." Der norwegische Maisterpräsideul Solstad ist nach längerem Nierenleiden gestorben. Er war seit etwa zwei Monaten an einem Nierenleiden erkrankt. Nach norwegischem Brauch hat das Kabinett das Rücktrittsgesuch eingereicht. Eagltsche Bombenabwürfe au der indischen Grenze trafen ein jenseits der Grenze gelegenes Dorf, dessen Bewohner mit den auf- ständischen Stämmen, die die Grenze bedrohen, zusammenarbeiten. Borher abgeworfene Flugschristen, in denen die Ausständischen auf- gefordert wurden, sich zu zerstreuen, da sonst Bombenabwurfe, folgen «ürdeu, waren vergeblich geblieben. Wie der Staatssekretär des Dritten Reiches, so besitzt jetzt auch die Släzipresse die Stirn, die Berösfentlichungen über Hitlers Stabschef, die von R ö h m persönlich stammen, als „Derleumdungshetze" ab zutun. Wir waren daraus gefaßt: denn schließlich bestreiten die Sittenrichter des Dritten Reiches alles, was ihnen nicht paßt, und wenn es hundertmal wahr ist. Aber diesmal haben sie sich geschnitten. Di« Brief« des Herrn Whm über sein Liebesleben, die dieser Tage veröffentlicht wurden, bildeten vor einigen Monaten den Gegenstand eines Berfahrens, in dessen Verlauf auch Herr Röhn» persönlich vernommen wurde. Er hat dabei am 28. Juli 1931 nach dem amtlichen Protokoll des Amts- gerichts München, Abteilung Strafgericht, vor Amtsgerichtsrat Kemme r folgendes ausgesagt und unterschrieben: „Den mir vorgezeigten, in blauem Umschlag befindlichen» von mirhandschriftlich geschriebenen Brief aus Utzuni habe ich an Dr. H. geschickt. ebenso auch den zweiten mit Schreibmaschine in roten Lettern geschriebenen Brief» La Paz» 2». Fe- bruar 1929. Ich gebe hierzu keine weiteren Ertlärun- gen ab. Der weiter mit vorgezeigte Brief d. d. Mch.» Herzogstraße 4/111 vom 3. Dezember 1928 au Dr. H. ist durch ein Buch veranlaßt, das Dr. H. selbst herausgegeben und mir z»»geschickt hat." Rühm gibt in dem amtlichen Protokoll also zu, was er selbst und die Nazipresse jetzt öffentlich bestreiten. Er bestätigt, daß Im Versprechen sind die Nazis groß. Sie oersprechen jedem alles mögliche. Schadet nichts, wenn sich manche Versprechungen miteinander nicht reimen. Man ist doch nicht verpflichtet, auf dem Lande zu erzählen, was man in den Städten den Arbeitslosen sagt, und der Arbeiterschaft mitzuteilen, wofür man sich bei den Unter- nehmern verpflichtet. Diele Nazi-Aichänger würden aber stutzig werden, könnten sie Einblick in die für die Parteireferonten be- stimmten Richtlinien bekommen, aus denen sonst nur je nach Bedarf eirizelne Rosinen zur Propaganda bekanntgegeben werden. Hier einig« Kostproben aus den„Richtlinien der nationalsozialistischen Wirtschaftsorganisation": Der nationalsozialistische Staat wird eine„organisch auf» gebaute" Wirtschaftsorganisation haben: die Ständekam- n» e r n, über denen„der Wirtschaftssührcr-oder- Wirtschastspessi. dent steht, welcher von Staats wegen unter Garantie der national. sozialistischen Bewegung eingesetzt wird". An der Sp'tze: der Reichs- wirtschaftsrat, bestehend aus dem Präsidenten, Wirtschaftsführer und der Vertretung der Stöndekammerm „Gewerkschafien sind dabei nicht vertrete»», we'l solche kerne Existeuzberechligu!»g«nehr haben. da durch die Fachgruppen(in den Stände tammern) die drei Erwerbs- gruppen, nämlich Unternehmer, Angestellte und Arbeiter, schon erfaßt worden sind." Streitigkeüen werden aus die einfachste Weise be- glichen:„Durchführung der Schlichtungsverfahren bei Differe»»zen. Hierbei gibt es nur Entscheidung auf ja oder nein, sowie Uebcrweisung zur Entscheidung an den Präsidenten. Aussperrung und Streik sind durch das Gesetz verböte»»." Das Schicksal der Sozialoersicherung ist für Arbeiter und An- gestellte eine brennende Frage. Die Richtlinie»» sagen darüber: „Es ist ohne weiteres zu behaupten und nachzuweisen, daß die Sozialversicherung, wie sie sich uns in der gegenwärtigen Form Zwischenakt. Haaswurstkomödie im deutschen Trauerspiel. „Ludendorffs Bolkswarte" veröffentlicht den folgenden Telegrammwechfel zwischen Ludendorff und Hindenburg: General Ludeudorss an den Reichspräsideuleu am 25. Februar 1932: „Verfassungswidrige Polizeigewalt gegen die politisch« und geistige Freiheit der von mir geleiteten Volksbewe- gung nimmt seit August vorlgen Jahres immer grotesker« For- men an. Das Volk erkennt, daß ein Teil derRotoerord- nungen, die Geistesknebelung betrefscn, allein gegen mich und meine Bewegung gerichtet ist. Beschlagnahmen und Verbote häufen sich. I ch»»erde verhindert, zum Volke zu sprechen, das ein Recht hat, meine Meinung zu hören, da es weiß, wie ich ihm in ernstester Notlag« des Weltkrieges geholfen habe. Jetzt ist sogar meine Zeitung.Hudendarffs Bolkswarte" wnh- reird der Wahlzeii völlig willkürlich auf sechs Woche» verboten. Ich bin mit dem Bundesführer des Tanneribergbundcs, Generat von Bronsart, auf sofortige Drahtanwort bereit, Ihnen als Reichspräsi- dentsn, der dem Volke für die Notverordnungen verantwortlich ist, unverzüglich Aufschluß über die. verfassungswidrigen Zustände zu geben, da die Empörung im Biüke steigt. Die Geschichte soll wissen, daß ich trotz vieler Erfahrungen auch diesen Schritt noch versucht habe. Ludendorff." Der Reichspräsideut au General Ludeudorss am 2b. Februar 1932: „Bestätige Ihnen Empfang heutigen Telegramms, das ich nach Kenntnisnahme dem R e i ch s i n n c n in i n I st c r zur Prüfung• weiterleitete. Ersuche näheren Aufschluß unmittelbar an Reichs- innenmimsterium zu richten. v. Hindenburg, Reichspräsident." Auf diese Antwort hin hat Ludendorff dem Reichspräsi- deuten mit einem Wutschrci geantwortet, der mit den folgen- den Worten schließt: „Das Wort Ihres Reichskanzlers am Schlüsse seiner Rede:„Ob die Welt glaube» soll», daß im deutschen Volke noch Ehrfurcht und i er die in diesen Tagen mit genauem Datum veröffentlichten Briese ' geschrieben hat und bestätigt damit ihren Inhalt, durch den er sich neuerdings.verleumdet" fühll. Er fühlt sich„verleumdet", und die Nazipresse folgt ihm in ihrer abgrundtiefen Verlogenheit darin, obwohl er vor dem Amtsgericht in München zugegeben hat. daß er in Bolioien„für junge Neger etwas übrig" gehabt hat, daß chm in Berlin„die Art und Weise des homosexuellen Verkehrs ganz besonders gefallen" hat, daß cr von seiner Berliner mann- lichen Gemahlin Bilder über de», Verkehr zwischen Homosexuellen gewünscht hat und er den Adjutanten Hitlers, 5iem» Rosenberg. in einem Briefe als„t ö l p e l h a f t e n M o r a l a t h l c t e n" bc.zeich- net hat. Das alles steht einwandfrei fest, ebenso die Tatsache, daß das Verfahren gegen Herrn Röhn» nach Z 175 weiterläuft und nicht eingestellt ist, wenn auch der„Völkische Beobachter" diese Tatsache zu bestreiten sucht. Trotzdem spricht die Nazipresse von„Berleumdungshetze", und trotzdem hat der Präsidentschaftskaichidat der NSDAP, bisher nichts urüernommeu, um die SA.-Jugend aus den Klauen des Herrn Röhm zu befreien. Das beweist einmal, wie abgrundtief die Ver- logenheit der Nazipresse ist, und daß diese Presse vor keiner Gc- meinheit, keiner Lüge und Verleumdung zurückschreckt, zugleich aber auch, wie versippt das Nazibonzentum ist. Ihr System ist wieder einmal entlarvt. Es ist das röhmifche System, das vor nichts zurück- schreckt und sich vor nichts ekelt! zeigt,»ine Geburt des Marxismus ist, welche Nassen- fördernd und oolksschädigend wirkt." Daher im Dritten Reiche:„Aushebung des gesamleu Dersichc- rungsweseus außer der Haftpflichtversicherung sso soll die Unfall- vcrsicherullg umgelaufl werden), welche aach uattovalsozialistischeu Grundsätzen umgeformt werden muß." Die Arbeitslosigkeit wird befestigt— durch die„planmäßige Rückführung der Arbeitslosen»n die Landwirtschaft." Es wird„der Weg über die Arbeitsdienstpflicht beschritten. Vorher ist �jähriger Drill in Saserueu mit Schulung für die zukünftige Arbeil durchzusühreu." .. til! mild auch für hie Beamten gesorgt:„Das Beamtenrecht tritt erst nach 12jährig«r erfolgreicher Tätigkeit und erwiesener Geeignetheit ein Eine geistige und körperliche Aus. lese der Beamtenschast ist drmgendes Erfordernis. Hier ist ein Abbau von mindestens 300000 Beamten ins Auge gefaßt." Erzählen das die Nazt-Redner. wenn sie zu den Beamten sprechen? Und nun zur Frage:„Reparations- und Tributoer» pflichtung". Zunächst klingt es energisch:„Ablehnung der Tribut- und Zinsknechtschaft ist Bedingung unter Aufrollung der Kriegsschuldlüge, wodurch der Versailler Friedensvertrag fallen muß." Aber:„es herrscht kein Zweifel darüber, daß dieser wichtigste Fragen-. komplex nicht am ersten Tage der legalen Istachtergreisuug Gegen. stand der Bcratu»»g sein kann, sondern vielmehr muß auch hier ausschließlich nur nach Zweckmäßigkeilsprinzipieu verfahren werden... Auf alle Fälle ist danach zu trachten, immer wieder Zeil zu ge» wiuncn, bis Deutschland besser und besser wehrfähig ist". Da anzunehmen ist, daß die Besserung der Wehrfähigkeit im Dritten Reiche immer fortschreiten würde, so wird wohl von den Versprechungen, Deutschland von allen äußeren Lasten zu befreien, nur dies bleiben:„immer wieder Zeil zu gewinnen" I Achtung vor der Geschichte und der geschichtlichen Person besteht", haben sämtliche amtliche Stellen durch ihr Verhalten gegen mich bereits verneinend beantwortet. Ludendorff." Im übrigen dekretiert Herr Ludendorff:„Heute muß dieFeststellung genügen, daß durch dicNot» Verordnung jode Wahl als rechtsungültig erscheint." Herr Ludendorff ist der Meinung, daß es ganz gleichgültig ist, wer gewählt werde: denn sowohl Hindenburg als auch Hitler, Duesterberg wie Thälmann würden das Volk vor dem Sinai, dem„Berg jüdischen Hasses", festhalten. Zierlichkeit bei Ouesterberg. Wegen Unterzeichnung eines Hiadenburg-Avfrnfs aus dem Stahlhelm ausgeschlossen. Die Hauptgeschäftsstelle des Hindenburg-Ausschusses teilt mit: Aus Krefeld wird uns berichtet, daß eine Ortsgruppe des Stahlhelm einem Mitglied folgendes Schreiben hat zugehen lassen: „Laut Befehl des ersten Gmeführers sind Sie aus dem Stahl- helln ousgcfchiosssn. da Sie durch Ihre Unterschriftsleistung unter den Hindenburg-Aufruf am 3. d. M. eine das Ansehen des Bundes der Frontsoldaten schädigende Haltung eingenommen haben." Das Mitglied des Stahlhelms, an das dieses Schreiben gerichtet wurde, hat mit folgendem Brief geantwortet: '„Ich halle diese Ausschließung unter der Begründung, eine das Ansehen des Bundes der Frontsoldaten schädigende Haltuirg ein- genommen zu haben, für ganz unmöglich. Ich habe bisher nicht gewußt, daß der Stahlhelm eine einjeitige polltische Bindung vor- schreibt. Es ist unglaublich, daß der Stahlhelm ein Mitglied aus- schließen will, weil es seinem Chreiworsitzenden seine Stimm« gibt." In dem Schluß des Briefes wird betont, daß der Ausschluß eines Mitgliedes unter der erfolgten Begründung einem Ausschluß des Feldmarschalls von Hindenburg selbst gleichkäme und deshalb nicht anerkannt werden könne. Sozialreaktionär Hitler. Sein wahres Programm.— Gewerkschafien: verboten!- Sozialversicherung: Schluß!— 300000 Beamte werden abgebaut! Oer Aaziaufmarsch im Lustgarten. Das �deutsche Berlin- war nicht zur Stelle. Im..Angriff- von gestern steht die vierspaltige Balkenüberschrift: „Der Massenaufmarsch im Lustgarten.-„Das deutsche Berlin ist zur Stelle." Weiter hieß es: Parole für heut« nachmittag S Uhr:„Lust- garten! Machtvoll demonstrieren wir für unsere Idee! Für den kommenden Führer des neuen Deutschland: Für Adolf 5)itler! Zum erstenmal soll die deutsche Bevölkerung in einer überwältigenden Manifestation(welch unschönes Fremdwort! Auf deutsch sogt man Kundgebung, Herr Goebbels. 2. Red.) ihren Willen zeigen, daß sie sich nicht länger von Leuten ins Elend führen lassen will, die dreizehn Jahre lang gezeigt haben. daß sie unfähig sind, ihre dauernden Versprechungen von Freiheit, Schönheit und Würde wahrzumachen.- Weiter schreibt das Blatt des Herrn Goebbels: „Die Nachricht von dieser Kundgebung hat eingeschlagen wie eine Bombe(es muß ein Blindgänger gewesen sein. D. Red.), nicht uur in Verlia selbst, sondern auch im Auslaud horcht mau gespannt aus und schätzt nach dem Gelingen der Kundgebung die Kraft unserer Bewegnng ein.- Dann folgt ganz fett gedruckt:.Xim Flugzeug sind von allen Seiten ausländische Sonderberichter st atter herbei- geeilt, selb st vomfernen Balkan, um sich von dem neucrstandcnen Freiheitswillen zu überzeugen. Das Ansehen des neuen Deutschland steht auf dem Spiel!- Den Nationalsozialisten ist es vorbehalten geblieben, die aus- ländische Presse in dieser Weise anzuhündcln! Wir kennen dies« Methode unwürdiger und knechtischer Anbiederung a» das Ausland ja genügsam aus den Empfängen, die Herr Hitler im„Kaiserhof- ahhält. Nationalsozialistisch ist es eben, die deutsche Würde, die man dauernd im Maule führt, in einer rein innerdeutschen Frag« Tag für Tag mit Füßen zu treten. Im Aufruf des Herrn Goebbels hieß es weiter:„Wer also der unbequemen Zeit wegen an der Kundgebung fernbleibt(es steht so da!), schädigt nicht nur die Bewegung, sondern er treibt Vaterland»- verrat... handelt wie jener Judas, der um einiger Silberlinge willen seinen Herrn verriet.- Wenn die Zahl der Nazis so groß wäre, wie es immer wieder Herr Goebbels behauptet, wieviel Vaterlandsverräter, wieviel Judasse muh es dann unter ihnen gehen? Auch der wohlwollendste Beurteiler wird sagen müssen, daß gemessen an diesen Prophezeiungen der Besuch kläg» llch war! Pg. Goebbels sprach vom deutschen Heldenoolk. Meint er die Helden Frick, Revcntlow. Kube und sich selbst, die iin Kriege keine Kugel pfeifen hörten? Das wahrhaft deutsche Berlin war gestern im Lustgarten nicht zur Stell«. Es- hat Herrn Goebbels eine kräftige Ohrfeige erteilt. Wünsche wohl ceruht zu haben... Wilhelm III. auf Weisen. Das Blatt des Iungdeutschen Ordens zitiert aus der o o l k s p a r t e i l i ch e n(I) Frankfurter„O d e r z e i t v n g"(Nr. 53) aus dem Lager Adolfs des Großen einen„Hofbericht-, der in seiner byzantinischen Zuspitzung wirklich geeignet ist, einem gesunden Menschen die Grippe beizubringen. Da wird in aller Breite erzählt,, wie Hitler sich vor den .-.Huldigungen" der Städte für einige Stunden in das S cht oß des nationalsozialistischen„Arbeiters" von Treichel in Ltebenow flüchtete. Wie diese Flucht vor den„Huldigungen- vor sich ging, dys und da» Uebrige muß man im Wortlaut genießen: Di« Einquartierung selbst erfolgte für die Landsberger Partei» genossen überraschend. Di« Schutzstaffel dar Ostmark und der Ve- zirksführer Dr. Benz waren wenige Stunden vorher benachrichtigt worden und hatten in ihrer bekannten Zuverlässigkeit Vorsorge getroffen, daß Hitler von jeder Neugier oder Ve- aeisterung ferngehalten, nur wenige Stunden der Ent- spannung in äußerster Zurllckgezogenheit verbringen tonnte... Gegen 3 Uhr nachts traf Hitler in Liebenow ein. Die Schutz- flaffel hatte Posten aufgestellt, die durch Leuchtkugeln die Ankunft des Führers nach Liebenow meldet«. Kurz vor der Ankunft nahm die Schuhstoffel mit brenne udea Kerzen zu beiden Seiten der Schlohauffahrt Aufstellung. Bei der An- kunft des Führers begrüßte ihn«in brausendes„Sieg-Heil-. Nachdem Hitler das Auto verlassen hatte, begrüßte er die Schutz- staffel und begab sich sofort ins Schloß, um sich schon nach kurzer Zeit zur Ruh« zu begeben. Am nächsten Morgen machte Hitler im Park Spaziergänge und hielt sich dann meistens in seinem Zimmer auf. Empfänge fanden nicht statt. Gegen 4 Uhr nachmittags erfolgte die Weiterfahrt nqch Breslau.- Wir wünschen Serenissirno wohl geruht zu haben zu geruhen! Daß die Nachäfferei des übelsten Despotenkults aus der wilhelminischen Aera bei dem Malergehilfen aus Braunau und feinem Anhang nachgerade schon zu einer geistigen Verwirrung ge- führt hat, ist bekannt. Daß aber nicht in„röhmifchen- Diensten stehende Zeiwngen ernsthaft den Schwatz über die kerzenschwingen» den SS.-Lcute und über die„Spaziergänge im Park- bringen. zeugt von einer so bedenklichen Ausbreitung der psychischen Erkrankung, daß man an den Symptomen nicht mehr achttos vorübergehen kann. Keine Senkung der Veamiengehälier. Amtliche Aeußerung de« preußischen Ministerpräsidenten. Die Presieabteilung de? Deutschen Beamtenbundes hat von der Presiestell« des Preußischen Staatsministeriums folgenden Brief bekommen: Sehr geehrte Herten! Aus Bcamtenkreifen ist an uns die Nach- richt herangetragen worden, daß im Lande von den radikalen Par- tsien mit dem Argument agitiert werde, die Preußische Regierung werde, sobald die Wahl des Reichspräsidenten vorbei fei, eine Senkung de r Beamtengehälter von sich aus vor- nehmen. Sie werde sich aber schwer hüten, das vor der Wahl zu tun. Ich bin von dem Herrn Ministerpräsidenten Dr. Braun«mäch- tigt, Ihnen mitzuteilen, daß es sich dabei um eine Agi- täti ans lüge handelt. Bei keiner verantwortlichen Stelle der Preußischen Staatsregierung besteht die Absicht einer Gehalts- fenkung für die Beamtenschaft. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie in unmißverständlicher Weise Ihren Lesern davon Mit- teilung machen würden, damit im Lande dieser Agitation entgegen- getreten werden kann. Französische Nazis sprengten ein« Friedenskundgebung in Arles bei Marseille, in der Frl. Perlen aus Stuttgart sprechen sollte. Es kam zu einer heftigen Schlägerei. Auf beiden Seiten gab es zahl- reiche Verwundete. Einer der Krawallmacher wurde oer- Haft«.'.. Die Ltneniwegien. „Zbren Hauptstoß muh die KpO. gegen die Wels-Brüning« Hlndeirburg-Ziront rich.en."(./Note Sahne" vom 9. März 1932) „Wir Kommunisten wissen zwar, daß wir hineinfallen, aber das Prinzip und Moskau verlangen es so." Neue Notverordnung. Gegen Auswüchse im Wirtschastsleben. Zu Ergänzung der Nolvetordurnig vom 8. Dezember 193!, die Zwangsbestimmungen für dag gesamte wirtschasfliche Gebiek mlk sich brachia, hak die Retchsregierung jetzt eine we'kere Nokverorduuüg „zum Schuhe der Wirtschaft- erlassen. Die neue verord- uuug richtet sich gegen bestimmte Auswüchse auf dem Gebiete des Zugabewefens, der Ausverkäufe und der Eiuheitsprel-geschZfte. Ferner haben die lehleu Fälle von Werkspionage Anlaß gegeben. empflndl'che Lücken im Gesetz aus dem Verorduungeweg? zu schließen. Außerdem wird die Z oller mSchllguug der Regierung, die bei Zufammealrlll beg Reichstags ihre Gülligkell verloren Halle, er- neu«!. Der verschärfte Ärmkurrenztompf hat bei der Gewährung von Zugaben Auswüchse heroorgelracht, die nach der offiziösen Begrün- düng mit gesundem Wettbewerb nichts mehr zu tun haben. Zu- gaben, die als Geschenke bezeichnet werden oder von einer Per- losung usw. abhängig sind, werden verboten. Rabatte bleiben weiterhin gestattet. Um den betreffenden Wirtschaftszweigen die Umstellung zu ermöglichen, treten diese Bestimmungen erst am 1. Juli in Kraft. Bei dem Ausvertaufswesen steht die Verordnung vor, daß Ausverkäufe nur unter bestimmten Voraussetzungen— Auf. gäbe des Geschäfts, Ausschaltung bestimmter Waren aus dem De- trieb— gestattet sind. Die Auffichtsi«Hörden erhalten verstärkte Möglichkeiten, gegen unzulässig« Aktionen einzuschreiten. Teil drei der Notverordnung bestimmt im Hinblick auf die Vernichtung zahlreicher Einzelhandelsbetriebe, besonders in mitll«en und kleinen Städten, daß tu Städten unter 100 000 Einwohnern auf die Dauer von zwei Zahreu die Errichtung weilerer E'nheilsprelsgefchäfle gesperrt wird. Ausnahmen in Einzelfällen werden zugelasien. Dies« Bestimmung ist infofern bedenklich, als sich gerade in mittleren und kleinen Städten zahlreiche Kaufieute dieser Betriebsform bedienen, so daß durch die Berordnung in vielen Fällen>ntttelständlerise Existenzen getrofsep wexden, deren Schutz die Berordnung«str�!. In den. Fällen von Werkspionage werden die Str-i- besttmmungen bis zu Z Jahren Gefängnis— bisher mit 1 Jahr— verschärft. Wenn eine Gefährdung von wichtigen Geschäfts- und Betriebs- gehÄmulffeu zu befürchten ist, kann das Gericht für die ganze oder teilweise Per- Handlung die Oeffentlichkeit aufschließen. Dies« Maßnahm« kann auch bei der Urteilsiegründung getroffen werden. Bericht« über Verhandlungen, bei denen die Oeffentlichkeit ausgeschlossen ist, dürfen in dar Presse nicht veröffenllicht werden. Der Gerichtszensur ist also in diesen Fällen ein Spielraum gegeben, der nur allzu leicht mtt dem öffentlichen Interesse in Widerspruch stehen kann. Zolianderungen- Kuriosum Ausfuhrzölle. Im vierten Abschnitt der Verordnung wird bis Ermächtigung der Regierung erneuert,„in Fällen eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnissen- die Einfuhrzölle neu zu regeln. Auch kann die Regierung die vorläufige Anwendung von Handelsverträgen ver- ordnen, d. h. ohne Befragen des Reichstags in Kraft fetzen. Ferner werden die Zollfwndungen für ausländisches Bau- und Nutzholz, das noch in Zollagern ruht, aufgehoben, Die damit verbundenen Zinsverlufte wirken«influßerfchwerend. Die Ausfuhrzölle, die auf den ersten Blick verbluffen, verfolgen das Ziel, die Abwanderung deutsch« Industrieanlagen(Tcxtil- und Werkzeugmaschinen) nach dem Ausland zu unterbinden. Diese Ab- Wanderung hatte in letzter Zett unter dem Einfluß der ausländischen Schutzzölle und Währungeentwertung— besonders nach Großbritannien— überhand genommen. Die neuen Oonaupläne. Frankreich wünscht deutsche Mitarbeit. Amtlich wird mitgeteilt: Der französisch« Botschafter gab dem Staats» fekretär des Auswärtigen Amtes am Sonnabend Erklär un- gen über die französischen Absichten betreffend Hllfs- maßnahmen für die Donau-Länder ab und überreicht« ihm ein Memorandum, in dem die Erwägungen der fran- zösischen Regierung über die Möglichkeiten einer Ueberwindung der im Südosten Europas bestehenden wirtschaftlichen Notlage niedergelegt sind. Dieselbe Niederschrift, die ebenso wie die deutschen Erwägungen von den Borarbeiten des Finanzausschusses des Völkerbundes ausgeht, ist auch den anderen interessierten Groß- mächten in diesen Tagen überreicht worden., Sie will nicht als ein fertiger Dorschlag angesehen werden, sondern als Betrach- dingen über die einzuschlagenden Wege und über die gegebenen Volksbühne. Shaw:..Androklus und der Löwe.� Das heitere und geistreiche Stück setzte die Serie der Erfolge fort, die trotz aller Schwierigkeiten der Volksbühne zum Plus gs- rechnet werden können. M. H. Möglichkeiten. Der französische Botschafter bracht« den Wunsch seiner Regierung zum Ausdruck, daß Deutschland sich an den Arbeiten zur Herbeiführung einer besseren wirtschaftlichen Orga- nisation für den Südosten Europas beteiligen möge. Französischer Schritt auch in Wien. Der französische Gesandte. Graf Clyuzel, erschien heule beim Bundeskanzler Dr. Buresch und teilte ihm im Auftrage seiner Regierung mtt, daß der französisch« Botschafter in Berlin, einem Auftrage seiner Regierung nachkommend, einen Schritt bei der deutschen Reichsregierung unternommen habe, mn diese von den Besprechungen in Kenntnis zu setzen, die in Genf zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Tardieu und den Außen- ministem Großbritannien» und Italiens über einen k o n st r u k° tiven wirtschaftlichen und finanziellen Plan für Mitteleuropa stattgefunden haben. Bezüglich der Handels- politischen Frage würde dieser Plan aus Börzugszöllen beruhen, Der Au ndes tanz l.er hat dem französischen Gesandte» für dies« Mitteilung gedankt und die E r w ort u n g ausgesprochen, daß die jetzt im Zuge befindliche Aktion bald zu positiven Ergebnissen für Oesterreich führen werde. Die Waffenwegnahme im Arbellncheim Meu-Otlakr« g Hai zur Anklageerhebung gegen sechs Personen geführt. Reichsanstalt verurteilt. Einstimmiger Beschluß des Arbeitsamis Südost. Der ö?eschaft?sühreade Ausschuh des Arbeil-amls Südost nahm lu seiner lchlen Sihung einstimmig mit den Stimmen der Der- lreler der össentlichen Körper schafteu sowie der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmervertreter Lei Stimmenthaltung des Direktors folgende Entschließung an: .Der Geschäflsführende Ausschuh des Arbeilsamts Derlio-Süd. ost nimmt Kenntnis von dem Bericht des Herrn Direktor Zabel über die Vorgänge, die sich in den ersten Tagen der Inbetriebnahme des neuen Verwaltungsgebäudes in der Sonnenallee ZZ/Sö ereigneten und in der gesamten Oesfmtlichkeit ungeheures Aussehen erregten. Die Hauptursache liegt nach der einmütigen Auffassung des Gefchäf'sführenden Ausschusses in dem Umstände. das; troh bestimmter Zusage der Bauleitung die Räume in unfertigem Zustande übergeben werden muhten. Noch heute fehlen neben der vorher zugesagten ecso derlich o technischen Büroeinrichlung die betriebe fertige Beleuchtung, Aahrradstände. die ordnungsmähige Aurrüstung zum S a n I- t S t s r a u m. ausreichende worteräume für Arbeilrloie. fchl'ehsich jeder Schuh für Beamte und Augestellte bei der Abfertigung der Arbeitslosen iu den Kassen. Schon seht müssen täglich durchschnltlllch 14 000 Arbeitslose das neue Verwallungrgebäude pflichtgemäß aussuchen. Nach Anweisung des Landesar. eitsamts sollen noch weitere Arbeitsämter mit neuen zehnlaujenden Arbeitslosen in das Gebäude gelegt werden. Ortschiften zur Bildung von Hammerschaften und Nnter» stützung der Eisernen Front aus. Er mies aus die Bedeutung der kommenden Präsidentenwahl hin und fand mit seiner Au:- forderung, der Parole der SPD. zu folgen und durch die Wahl von Hindenburg den Faschismus zu schlagen, großen Beifall. Line solche Zusammeubai-ung vou zchntausenden Arbeits- iossn ia einem einzigen Harfe bedculei eine auhergewöhn- tiche politisch: Gefahr; auch die Gesundheit der beschästig. ten Beamten und Angcsiellieu wird bei den unüberwindlichen Schwierigkeiten in kurzer Zeit zermürbt und aufgerieben. Es besteht zweisollos keine sachliche Notwendigkeit für solche Konzenlralion der A'beilelos n arherhalb der Stadl Berlin. Das neue Amtsgebäude war nach der damaligen wesentlich geringeren Arleit losenzisser setwa 25 C0C) nur s ü r den Bezirk Südost berechnet. Die ve: legung des Arbelleamls Süd, d'e für den lö. März lSZ? geplant ist, müßte bei dem gegen- wärligen Stande aus jeden Fall für unabsehbare Zeil vertagt werden. Der Geschäsl: führende Ausschuh lehn» die Verantwortung entschieden ob." Dieser einstimmige Beschluß bestätigt die Kritik, die wir hier geübt haben. Er bestätigt, daß die ganze Maßnahme ?egen den Willen der Selbstoerwaltungs»� ö r p e r s ch a f t aus Anordnung der Bürokratie der Reichs- anstatt getroffen wurde. Das ist ein Zustand, der nicht er- tragen werden kann! Das Arbcilsamt Südost wird zu einer öffentlichen Gefahr. Oberpräsident und Polizei- � Präsident können unmöglich dulden, wie die Reichsanstalt\ hier mit den Arbeitslosen und der öffentlichen Ordnung und Ruhe Schindluder treibt. Streiks in der Krise. Was die Siatistik des Jahres-1930 lehrt. Di« im Reichsarbeitsblatt Nr. 0 veröffentlichte Statistik über „Die Arbeitskämpfe im Deutschen Reich während des Jahres 1S3(r ist in zweierlei Hinsicht sehr aufschlußreich. Sie bringt einmal den zahlenmäßigen Beweis für die jedem Gewerkschaftspraktiker be- kannte Tatsache, daß mit dem Rückgang der Konjunktur zwangsläufig eine Abnahme der Arbeitskämpfe ver- bunden ist. Zum andern aber widerlegt sie eindeutig die immer wiederkehrende Behauptung der Gewerkschastsfeinde aller Schattie- rungen, daß die Gewerkschaften nur noch„U n t e r st ü tz u n g s- v« r e i n seien. Gegenüber dem Jahr 1929 ist 19M die Zahl der Arbeit»- kämpfe— Streiks und Aussperrungen zusammengenommen— von 441 auf 368 zurückgegangen, die Zahl der von Arbeitskämpfen betroffenen Betriebe von 8606 auf 3507. die Höchstzahl der an den Arbeitstämpfen Beteiligten aber nur von 223878 aus 213931 und die Zahl der verlorenen Arbeits tage von 4 372 907 auf 3 816 971. Seit 1920 waren nur noch im Jahre 1926, dem ersten schweren Ärisenjahr nach der Stabilisierung, weniger Arbeitskämpfe. An Arbsitskämpfen waren damals nur 99 227 Per- sonen beteiligt und nur 1 271 884 Arbeitstage gingen verloren. Der Rückgang der Arbeitskämpfe im Jahre 1930 gegenüber 1929 ist jedoch ausschließlich auf eine Verminderung der Aussperrungen zurückzuführen. Durch Streiks gingen im Jahre 1930 insgesamt 3 602 022 Arbeitstage verloren, gegenüber 18S2 370 Tagen im Jahre 1929. Die durch Aussperrungen verlorenen Arbeitstage gingen jedoch auf 333 955 Tage gegenüber 2 637 500 Tagen im Jahre 1929 zurück. Von den insgesamt 3L Millionen verlorenen Arbeitstagen im Jahre 1930 entfielen allein fast 3 Millionen Tage auf Streiks im Bergbau, sowie der Eisen», Maschi» nen- und elektrotechnischen Industrie. Allein durch den bekannten Streik in der Berliner Metallindu- st r i e im Herbst 1930 gingen 1,6 Millionen Arbeitstage verloren und durch den Kampf im Mansfelder Bergbau 569 000 Tage. Im Jahre 1929 dagegen war mehr als die Hälfte der durch Arbeitskämpfe verlorenen Arbeitstage und zwar 2,4 Millionen Arbeitstage auf Aussperrungen in der T e x t i l- und B e k l e i- dungsindustrie entfallen. Der Schwerpunkt der Arbeits- kämpfe lag 1930 genau wie in den Borjahren bei der I n d u st r i«- a r b e I t e r f ch a f t. Im Berichtsjahr waren nur 322 landwirt- schaftliche Arbeiter an Streiks beteiligt mit einem Verlust von 1484 Arbeitstagen. Viel stärker als in den Vorjahren wurden die Arbeitskämpfe 1930 wegen Lohnstreitigkeiten geführt. Von je 100 durch Streiks und Aussperrungen verloren gegangenen Arbeitstagen ent- fielen 88 auf reine Lohnkämpfe gegenüber 80 Prozent 1929 nnd 60 Prozent 1928. Bei den Aussperrungen sind sowohl 1930 als auch 1929 rund 95 Proz. aller verlorenen Arbeitstage auf das Konto Lohnstreitigkeiten zu buchen, bei den Streiks jedoch 1930 rund 87 Proz. und 1929 genau 59 Proz. Beigelegt wurden die Zlrbeitskämpfe auch 1930 in der Hauptsache durch die Schlichtungsinstanzen, nämlich für rund 75 Proz. der an den Kämpfen Beteiligten. In den Er- folgen der Kämpfe kommt deutlich zum Ausdruck, daß durch die anhaltend« Krise die Erfolgsaussichten für die Arbeiter stark ver» r i n g e r t worden sind. Die von den blindwütigen„revolutio- nären" Draufgängern so heftig kritisierte vorsichtig abwägende Taktik der Gewerkschaften war durchaus angebracht. Während in den früheren Jahren den Teilerfolgen die größte Bedeutung zufiel, rückte im Jahre 1930 die Zahl der für die Arbeiterschast ohne Erfolg beendeten Kämpfe an die erste Stelle. Die Zahl der Streikenden, die einen teilweisen Erfolg erzielten, sank von 264 828 oder 80,8 Proz. der Gesamtstreikenden im Jahre 1928 auf 102 298 oder 68 Proz. im Jahre 1929 und auf 54 267 oder 26,1 Proz. im Jahre 1930. Die Zahl der Arbeiter, die ohne Erfolg streikten, stieg in den gleichen Jahren von 23 196 oder 7,1 Proz. auf 29 413 ober 19,6 Proz. und auf 147 696 oder 71 Prozent im Jahr« 1930. Einen vollen Streikerfolg erziellen 1930 nur 2,9 Proz. der Streikenden, 1929 dagegen 12,4 Proz. und 1928 rund 12 Prozent. Di« Statistik zeigt, daß die Gewerkschaften in richtiger Ein- schätzung der wirtschaftlichen Machtverhältnisie nicht sinnlos Streiks inszeniere», aber auch trotz der Ungunst der Ver- Hältnisse, wenn es sein muß, einen Kamps nicht scheuen, selbst wenn die Erfolgsaussichten nur sehr gering sind. Die Statistik zeigt weiter, daß es keinen Sinn hat. Streiks in der jetzigen Zeit vom Zaun zu brechen, wenn man von der augenblicklichen Ueber- legenheit des Gegners von vornherein überzeugt ist. Wie wird es nach dem 50. April? Die Pläne der Reichsregierung. Das Reichskabinett hat. wie der Reichsarbeitsminister Stegerwald dem BorstandsmUglied des Gesamtoerbandes, Scherff, bei einem Zusammentreffen auf einer Reise im Wal)l- kämpf mitteilte, in Aussicht genommen, die Kündigungs- fristen der Tarisverträge für bestimmte Gewerbe bzw. Arbeitnehmcrgruppen über den 30. April hinaus zu verlängern. Gegenüber den Gerüchten, wonach in Kürze ein weiterer B e- omtengehaltsabbau eintrete, erklärte der Minister mit größter Entschiedenheit, daß die Reichsregierung Gehaltskürzungen nicht beabsichtige. Diese Erklärung des Reichsarbeitsministers in der Gehaltsfroge deckt sich mit der des Reichsfinanzministers Dietrich und der Haltung des preußischen Ministerpräsidenten Braun. Oer Abbau der Landarbeiterlöhne. Oen Gutsbesitzern ist er noch nicht ausreichend. Der Deutsche Landarbeiterverband veranstaltete dieser Tage in Mitteldeutschland eine Reihe grcßer Land- arbeiterkundgebungen gegen neue Bedrohung der Löhne. Die Kundgebungen, die in Magdeburg. Hall«. Erfurt. Kastel und Dresden stattfanden, erfreuten sich eines außerordent- lich guten Besuches. In Magdeburg wurden allein über 1200 Teil- nehmsr gezählt. Aus den entlegensten Dörfern waren die Land- arbeiter zu den Kundgebungen herbeigeeilt, die auch bei den Be- Hörden und bei der Presse starke Beachtung fanden. Für die mittetdeuffche Landwirischaft waren im Zusammenhang mit der letzten Notoerordnung die Löhne durch den Schiedsspruch eines außerordentlichen Schlichters neu geregelt worden. Der Spruch brachte eine Kürzung der Spitzenbarlöhne in allen Arbeiiergruppen! — mit Ausnahme des Freistaates Sachfen— um 15 Proz., jedoch! nicht unter den Lohnstand vom 10 Januar 1927. In den Fällen. wo nach dem verbindlich erNärten Schiedsspruch vom 12. März 1931 die Erntezulagen fortfallen sowie im Freistaat Sachsen, ermäßigte sich di« Senkung aus 10 Proz. Di« Geschirrsichrtrzulag«» gellen, soweit sie nicht auf Stundenlöhne abgestellt sind, nach der Cntschei- dung des Schlichters nicht als kürzungsfähig. Mit dieser Regelung sind die landwirtschaftlichen Unternehmer Mitteldeutschlands höchst unzufrieden. Sie haben bei dem Reichskanzler und den: Reichsernährungsminister dagegen Protest erhoben und dem Reichsarbeitsniinifter ihr Mißtrauen ausgesprochen. Sie verlangen u.a. auch beim Deputat und bei allen Zulagen mindestens ein« Kürzung im Umfang der Barlohnkürzung. Ebenso fordern sie, Männer mit Rübenarbeiten zum Frouenlohn beschästigen zu dürfen. In den Kundgebungen der Landarbeiter wurde, wie aus ihrer einstimmig angenommenen Entschließung hervorgeht, gegen jede weitere Verschlechterung der Löhne und der Arbeitsbedingungen energisch Front gemacht. Diese Abwehrstellung wird damit begründet, daß durch den Niedergang der Preise für landwirtschaftliche Pro- dukte Kreits eine bedeutende Entwertung der Deputate erfolgt fei und di« Löhne>n Mitteldeutschland durch den 1931 zwei- mal vorgenommenen Lohnabbau einen Tiefstand erreicht hätten, der unmöglich noch mehr unterschritten werden könne. Für die Eiserne Froni. Vezirksfätestrfmnz der E.sendalmer. Am 6. März tagte in Berlin eine Konserenz der Betriebs» und Beamtenräte des Einheitsoerbandes der Eisenbahner Deutschlands für den Gesamtbezirk Berlin. Rund ivv Dele- gierte aus allen Ortsgruppen des Bezirks waren oertreten. Dr. B r o e k e r vom ADGB. sprach über Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge. Nach Schluß des Vortrags setzte eine lebhafte Aussprache und Fragestellung ein. Auch für die Eisenbahner hat die Arbeitslojenoersicherung und Krisenfürsorge eine größere Vcdeu- tung erlangt, seitdem die Eisenbahnoerwaltung ebenfalls mit Ent- lassungen vorgeht. Hierauf behandelte der Bezirksleiter Kollege Dresse! eine Reihe Rechtsfragen, die in der täglichen Arbeit der Betriebs- und Deamtenräte auftauchen. f Am Schluß der Tagung forderte Kollege Dreisel unter der lebhasten Zustimmung der gesamten Konserenz die Kollegen in allen« Was sagt dte Siemens-Belegschast? Sie lehnt Tbäimann-Parole ob Gestern stieg die große Kundgebung der Siemens-Belegschast für den roten Reitergeneral. Seit acht Tagen hatte man energisch die Reklametrommel gerührt: Verteilung von Handzetteln vor den Betnebcn, Sprcchchöre usw. Heinz Neumann m eigener Person hatte sich entschlossen, den 40 000 Siemens-Arbeitern das Evangelium in der von Stalin durchgesehenen und approbierten Ausgabe zu oerkünden. Als die Versammlung eröfsnei wurde, waren genau gezählt 187 Personen da, 30 Betriebsfremde embe- griffen. Es waren also nicht ganz 0,3 Proz. der Sicmens-Beleg- fchaft gekommen. Die KPD. hatte— zur Verstärkung der Zugkraft— den Bor- sitzenden des Gesamtbetriebsrats. Genosten Lübbe, eingeladen. Genosse Lübbe hatte natürlich abgelehnt. Er wird heute abend m einer Kundgebung sagen, warum die Siemens-Belegschaft die Thäl- mann-Parole ablehnt. Daß sie abgelehnt wird, das hat der Besuch der V«rsammlung von gestern gezeigt und das wird erst recht der Besuch der Versammlung von heute abend zeigen. In der Bezirksoersammlung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes haben selbst die Redner der kommunistijchen Opposition erklärt, daß sie am Sonntag nicht für Thälmann, sondern gegen Hitler für Hindenburg stimmen werden. Oie Kinderarbeit in der Landwirtschast. Ein Erlaß des preußischen Kultusministers Der preußische Kultusminister hat die Oberpräsi- denten und Regierungspräsidenten angewiesen, dafür zu sorgen, daß nicht Schulkinder zum Zweck der Unterdrückung von L o h n k ä m p f e n in der Landwirtschaft beschäftigt werden. Mit der für die Behörden gebotenen Neutralität in Arbeitskonflikten sei es unvereinbar, z. B. durch Verlegung von Schulserien und Aussall von Unterrichtsstunden in den Verlaus van Lohnkämpfen einzu- greifen. Nichts gelernt und nichts vergessen. In der badischen Textilindustrie haben die Unter- nehmer den durch den Schiedsspruch vom 18. Januar sestgelcglen L o h n t a r i s zum 31. März gekündigt. Sie fordern eine weitere Lohnsenkung um 8 Proz. Bon der Kündigung werden etwa 40000 Textilarbeiter betroffen. ltnterflützung sür die polnischen Veraarbeiter. Der Vollzugsausschuß der südwaliser Bergarbciterföderatlon be- schloß in Cardiff, 1000 Pfund Sterling zur Unterstützung des Lohnkampfes der polnischen Bergarbeiter zu spenden. Konflikt im dänischen Versicherungsgewerbe. Zwischen der Geschäftslettung der Bersicherungsakliengesellschast ,.S k a n d i n a v i a* in Kopenhagen und dem steigcwerk- schaftlichen Verband des Handels- und Kontorpersonala, Kopenhagen, ist ein Streit über die Regelung der Arbeitsbedingungen aus» gebrochen. Im Verfolg dessen hat nunmehr die Gesellschaft ihre gesamten Angestellten ausgesperrt. Da auch«ine Anzahl von deutschen Versicherungsgesellschaften mit der„Sknndinavio' tu geschäftlichen Beziehungen stehen, können, wenn die Aussperrung anhält, für die deutschen Gesellschaften Komplikationen entliehen. die den Interessen der deutschen Versicherten abträglich sind. Es erscheint deshalb notwendig, daß der Streit baldigst beigelegt wird. Der Schlichter für Westfalen hat die A n g e ft e l l t e n- organisationen der Gruppe N o r d w e st zu Verhandlungen über ein Kurzarbettsabkommen zum 15. März noch Essen eingeladen. Der Nationalsozlalismvs eine Gefahr für das Berussbeamten- lvm. Berlin 1932. Verlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes m. b. H., Berlin SO. 16, Michaetkirchplatz 1. Preis 50 Pf.(Porto 8 Pf.) Die nationalsozialistische Aaitalion unter der Beamtenschaft wird mit einer Gewissenlosigkeit sondergleichen ge- führt. Sie baut auf Not und Erbitterung, die Wirtschaftskrise, G» haltskürzungen und viele andere rechlliche Verschlechterungen durch eine ungerechte Notverordnungspolitik in der Beamtenschaft aus- gelöst haben. Sie arbeitet mit Versprechungen, von denen die nationalsozialistischen Führer nicht nur wissen, daß sie unerfüllbar Sind, sondern die sie auch, wenn sie die politische Macht in Händen jätten, gar nicht zu erfüllen gedenken. Es ist deshalb zu begrüßen, daß der Allgemeine Deutsche Beamtenbund diese 88 Seiten starke Schrift herausgegeben hat, die sich die Aukgabs stellt, durch Gegen- Überstellungen von nationalsozialistischen Versprechungen mit Aus- sprüchen und Anweisungen ihrer prominenten Führer die National- sozialisten sich selbst Lüqen strafen zu lassen. Um den Eindruck der Widersprüche zwischen Versvrechungen und Praxis nach den eigenen Worten des Nationalsozialisten nicht abzuschwächen, verzichtet die Schrift soweit als möglich aus eigenes Urteil. »l�reie Gewerkschafts-�uaeno Berlin Heute, Donnerstoa, 1«. März, um Igl-j Uhr, tagen die Gruppen: SÜSoften: Zuoendhelm Reichcnberger Str. es.„Wie läm e»»UI Zllär�. ~ revclutl-n 1813."— Tempelhof: Jugendheim Lyzeum Eermamaftr. 1— 6. Der Zugang erfclgt durch den Eingang GZtzstrahe, auf der llnlen Seite der ~')ule. Wir haben alle das Wart.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— lll. Allee: Jugendheim Tilsitcr Str. 1. LreismLdchenabend. Landsberger Platz: Jugendheim Diestelmeyerslr. 8. Bunter Abend.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22.„Jugend und Arbeitsirs, gleit."— Ren-Lichleubcrg: Jugendheim Guntcrstr. 14. Kreismiidchenabend Die Jungen» gehen baden.— Gelund- drunncn: Jugendheim R te Schule, Solenburger Str. 2.„Die Wirtschaftsform der Gegenwart."— SchZueweibe: Jugendheim Laufcner Str.>2 lR tes Zimmer). Baden.— ZlZp-nid: Jugendheim Grünauer Str. 5(Röhe Bhf. Snindlersleld). Lichtbil�ervartrag:„Aus dem Leben eines Kumpels".— Gewerksäinlt-baus: Gewerkschaftshau». Engel-'fer 21—28. S-cl 11. pari. Die Mädels lind tiil�tig.— Am Freitag, ll. März, findet ein Aufmarsch der„Eisernen Front" statt. Die Gri'vpcnabende fallen aus. Die Sprechstunde wird auf Montag, ll. März, verlegt. .�ui'enSc'ruppe Ves'�entraiverbandes 0er Anaestelllen r4 Heute, Donnerstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Paulow» siledortchändanlen: Jugendheim Gdrfchstr. 11(grobes Zimmer),"us- spräche über unsere diesjährige Werbealti n— Barb-n: Jugendheim Lortzing- strahe 19. Diskulstcnsabend:.„Tageepclitii'che Rundschau".— Osten: Jugend- heim der Schule Litauer Str. 18. Unsere Mittel h-ben das Wart.— Tr ptow: Jugendheim Ellenstr. s(Gartenbaus). Märzqedentteier.—""i'atbrlef 'nlammeu'unft»m 20 Uhr im kleinen Sitznua-saal uul-rc« B-rbanb»' au�e«. Thama:. Wie erzieban wir dl« Jugend»um D-uk-n?"— Di» Freie Ang-stevlen- dank e. G. m. u. ft. tagt heute von 20—22 Uhr im Berbandshaus.— Fußball» trainlng um W% Uhr auf dem Sportvlatz Lichtenberg Normannen» Ecke Rusche» strotze. Verantwortlich für Politik: Victor Sch'ff! Kirtschuit: G. Klingolhös-r! Gewerkschaft Bewegung: Z. Steiner; Fenillet n: Dr. John Stbilawekit L:koles und S'.nstigeZ! Fritz Karstäbt; Anzeigen: Th. Glock«! sämtlich in Berlin. Berlaa: Bcrwärts.Berlog G m b. H. Berlin Druck: Borwärts.Puckidruckeret und PcrlagsanstcU Paul Singer u Eo.. Berlin SW. 88 Lindenstrntze 3. Hierzu t Beilagen. 7lr.ii7* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 40. März 493� Hohe Miefen— leere Läden. Die Ladcnmieten sind dos größte Unkostenkonto für den Ge- schäftsmann und es ist verständlich, wenn er diese Geschäftsspesen auf die Ware umzulegen sucht; mit anderen Worten, die hohen Ladenmieten erschweren die Senkung der Lebensmittelpreise. Der Verband Groß- Berliner Geschäfts- nnd Industrie-Hausbesiger vertritt nun in einer Zuschrift an uns die Meinung, daß von einem hohen Stand der Mieten für Geschäfts- und Jndustrieräume in Berlin nicht mehr gesprochen werden könnte. Bereits seit End 1S3l1 wären die Mieten ständig gesunken. Bürorüume und Läden würden heute schon vielfach unter Friedensmiete, also unter dem Stand vom 1. Juli 1914 angeboten. Für Fabrik- und Lagerräume wären die Preise noch erheblich weiter heruntergegangen. Wir haben uns darauf veranlaßt gesehen, die tatsächlichen Ver- Hältnisse einmal nachzuprüfen. Dabei stellte sich, wie erwartet, heraus, daß von einer einheitlichen Senkung der Mieten keine Red« sein kann. Die heutige Wohnungs-Bewirtschastung zeigt deutlich die Tendenz, die Ladcnmieten mit allen Mitteln hochzuhalten. Im nachfolgenden seien drei Fälle aus Vt riesigen Zahl der Mietstreitsachen herausgegrisscn, die als Beispiel für den heutigen Preisstand der Geschäftsläden gelten können. In Steglitz(Albrechtstraße) beträgt die Monatsmiete für einen kleinen Äolonialwarenladen ohne Woh- nung in einem Neubaublock der Wilmersdorfer Hochbau-A.-G. noch ISO Mark, wäbrcnd die ursprüngliche Forderung für diesen Laden 2409 bis 2709 Mark jährlich betrug. Der kleine 5)ändler kann aber auch die ISO Mark im Monat nicht herauswirtschasten. Noch krasser zeigt der Fall bei einer Gastwirtschaft in der Augsburger Straße, die von der Wohnhaus Nürnberger Straße 49 Grundstücksverwal- tungs-A.-G. vermietet wird, die Ucberteuerung der Mieten. Diese Gastwirtschaft besteht aus drei Räumen, einem Gastzimmer von 30 Quadratmeter Größe, einem Vereinszimmer von 40 Quadrat- meter und einer Mche von 9 Quadratmeter. Für dies« Geschäfts- räume wird ein Mietspreis von 12800 Mark jährlich verlangt. Die Friedensmiete betrug 4330 Mark. Der jetzige Inhaber, der sich bereit erklärt hat, die Räume für den Preis von 6430 Mark Iahresmiete weiter zu behalten, tindet bei dem Vermieter kein Ver- ständnis. Der Kurfürstendamm, der ja immer als Muster- beispiel für eine günstige Geschäftslage herangezogen wird und der seltsamerweise die meisten leerstehenden Läden aufzuweisen hat, zeigt die höchsten Mietforderungen: Für ein Geschäftslokal zwischen dec Gedächtniskirche und der Joachimsthaler Straße wird die unerhört hohe Miete von 30000 Mark pro Jahr verlangt Die tat- sächliche Friedensmiete betrug für den Lade» nur 5S00 Mark. Noch im Jahre 1926 bestand für diesen Laden eine Staffelmiete von 10000 bis 13 000 Mark. Der letzte Mieter wollte im Vergleichswege den Laden für 13 000 Mark jährlich weiter behalten, was aber abgelehnt wurde; der Laden steht leer. In einem westlichen Vorort steht ein Laden seit einem halben Jahr leer. Der einstige Inhaber war etwa 30 Jahre am Ort und beschäftigt« drei Gehilsen. Zuletzt, als das Geschäft die hohe Laden- niiete nicht mehr tragen konnte, wurde der halbe Laden aufgegeben. Eines Tages aber waren die Rolläden auch vor dem halbierten Geschäft heruntergelassen und der Polizeibericht meldete, daß der Inhaber und seine Frau einen Selbstinordversuch unternommen hätten.— Nur wenige Straßennummer» weiter in der Nähe des Rathauses befindet sich ein Lampengcschctft. Es zeigt in seinem Schaufenster ein großes Plakat mit dem Tert:„Wegen nicht mehr tragbarer Miete bin ich gezwungen, mein seit 26 Jahren bestehendes Geschäft ab 1. April nach der... straße zu verlegen." Die Friedens- miete betrug für diesen Laden mit anschließender kleiner Wohnung v: m}' W- K � 7' Wach 20 Jahren gefchloffen. 3000 Mark. Nun darf der Inhaber nicht mehr für 12000 Mark Jahresmiete in seinem Geschäft bleiben. Und wieder sind es nur wenige Schritte bis in die belebte Bahnhofsstraße. 1)ier steht ein vierfenstriger Laden und die darüber liegende Etage leer. In dem Laden befand sich eines der ältesten cherrenartikelgeschäste am Orte. Nach zwanzig Jahren griffen seine Inhaber zum Gasschlauch. Die Frau blieb tot, der Mann tonnte gerettet werden. Diese schrecklichen Vorfälle, die sich auf einen verhältnismäßig kleinen Bezirk zusammendrängen, beleuchten blitzartig die Situation. wsiltthiniigMi mii Raiischglnen. Griechischer Bankier im„Rheinsoldexpreß" verhaftet. Zu einer überraschenden Verhaftung aus dem Rhelngold- expreß heraus kam es aus dgm haupttohnhos in via nahe im. Die Krimiaalpolizei hatte erfahren, daß sich in dem Zug der grie- gische Bankier Eliopolous befand, der in dem Verdacht stand. mit der Bande des im Dezember vorigen Jahres in Berlin ver- lmstelen Rauschgisthändlers del Gracio, genannt„Little Angq". in Verbindung zu stehen. Eliopolous kam von Rotterdam und wollte nach Bafel. Die Polizei hatte davon erfahren und den Rhein- goldexpreß uuter Beobachtung gestellt. Als der V-Zug in ZNann- heim eintraf, wurde der Grieche in seinem Abteil erster Klasse fest- genommen. Er wird den Hamburger Sriminalbehörden zugeführt werden. Inzwischen ist van der Berliner Rauschgiftstelle im Ausammen- hang damit ein neuer Schmuggelsoll aufgedeckt worden. Es konnte ermittelt werden, daß Ende v. I. ein Schiffstransport nach Ticntsin abging, wobei sich auch riesige Mengen Heroin befanden. In Tientsin wurde die Ladung aufgehallen und durch- sucht. Dabes stieß man auf drei Schrankkoffer, die doppel- ten Boden auswiesen. Zwischen diesen befand sich in zahlreichen Kilogrammpäckchen Heroin. Kriminalkommissar Thomas, der die Untersuchung leitete und auch im Dezember 1931 den Schlupfwinkel des Afghanen in der Pfalzburger Straße in Wilmersdorf aufstöberte, hatte von dem Abgang des Transports nach Tientsin erfahren und dafür gesorgt, daß die Ladung aufgehalten wurde. Mit der Festnahme des Finanziers der internationalen Schmuggler- bände, Eliopolous. ist der Kriminalpolizei ein guter Fang ge- glückt. 2)ie Schmuggler sind dadurch sozusagen ihres Kopfes beraubt. Taxi-Lleberfall bei Staaken ausgeklärt. Vierköpfige Friedrichsfelder Kolonne gesprengt. Der Ueberfall, der sich in der Nacht zum Dienstag auf der Chaussee nach Staaken auf den Berliner Taxichauffeur Bchr aus der Pannierstraße in Neukölln abspielle, ist jetzt aufge- klärt worden. Die Töter, vier junge Burschen aus der Gegend von Zriedrichsfelde, konnten ermittelt und festgenommen werden. Sie haben ein G e st ä n d n i s abgelegt. Daraus geht hervor, daß sie den Wagen des Chauffeurs dazu benutzen wollten, um mit diesem noch Perleberg hinaus zu fahren. Hier wollten sie ein Bauerngehöft überfallen. Einer der Verhafteten, der 27 Jahre alte Herbert Elz, war' übrigens an dem geplanten Ueberfall auf das Postauto dct Lankwitzcr Post beteiligt. 20 Opfer einer Gasexplosion. Gasläuterungstank in die Last geflogen. Ca m den sNew Jersey). 9. Marz. Bei der Explosion eines Gasläuternngs» t a n t s der hiesigen Gasanstalt sind 2 0 Arbeiter, die mit der Reinigung des Tanks beschäftigt waren, ums Leben gekommen. 10 Leichen sind bereits geborgen. Man vermutet, daß es sich um einen Betriebsunfall handelt, der dadurch entstanden ist, daß ein Funke von einem Werkzeug auf daS mit Schwefelsäure getränkte Reinigungsmittel übersprang. Familie in Erstickungsgefahr. Durch Funkenflug aus einem schadhaften Schornstein geriet gestern nachmittag die Treppe einer zweistöckigen Villa in der Plantanenstraße 27 in Niederschönhausen in Brand. Das Gebäude war in kurzer Zeit derartig verqualmt, daß der Frau des Hausbesitzers und ihren beiden Kindern im Alter von acht und zwei Jahren, die sich in den oberen Räumen aufhicllcn, der Rückweg ins Freie abgeschnitten war. Der freiwilligen Feuerwehr von Niederschönhausen gelang es, die in höchster Gefahr Befindlichen rechtzellig aus ihrer verzweifelten Lage zu retten. Bäume und Llserwege. Sozialdemokratie für praktischen Naturschuh. Der Preußische Staatsrat beschäftigte sich in einer seiner letzten Sitzungen, in der er eine Reihe kleinerer Vorlagen behandelte, auch mit dem Gesetzentwurf, der die im G c s e tz zur Erhaltung des Baumbestandes und zur Erhaltung und Freigabe von Uferwegen im Interesse der Volks- gefundheit vorgesehene zehnjährige Schutzfrist auf 15 Jahre verlängern will. Es war außerordentlich bemerkenswert, daß diesem Gesetzentwurf gerade von den Vertretern der Deutschnationalen und der Dolkspartei, die sich zu einer Arbeitsgeineinfchast zusammen» gefunden haben, widersprochen wurde. Das Gesetz, so behaupteten die Vertreter der Arbeitsgemcin- schaft, sei überholt. Eine Verlängerung empfehle sich auch insbesondere deswegen nicht, weil es zu scharfe Eingriffe in die Eigentumsrechte enthalte. Mit Händen und Füßen wehre sich der Bauer gegen diese Bestimmungen. Es fei ein großer Unfug mit dem Gesetz getrieben worden. Häufig sei völlig zu unrecht in das Privateigentum eingegriffen worden. Die Stellungnahme der Deutschnationalen und der Volkspartei ist deswegen so be- achtenswert, weil heute in Deutschland und auch in Berlin gerade die Personen, die am stärksten nach Heimat- und Naturschutz rufen, fast ausschließlich den Rechtsparteien angehören, also denselben Parteien, die den von ihren eigenen Anhängern geforderten Natur- und Heimatschutz in den gesetzgebenden Körperschaften unmöglich machen. Von sozialdemokratischer Seite wurde dann auch den Einwendungen der Arbeitsgemeinschaft widersprochen. Gerade jetzt sei eine Verlängerung der Schutzfrist notwendig, da die wirt- schaftlichen Verhältnisse der Waldbesitzer so ungünstig läge», daß zum Schaden der Volksgesundheit durch Grundstücksspekulanten die Parzellierung der Wal'dbestände betrieben werde. Solange das Städtebaugesetz noch nicht ergangen sei, könne auf die bestehenden Schutzbestimmungen nicht verzichtet werden. Also war es wieder einmal die Sozialdemokratie, die wirklichen praktischen Heimatschutz trieb. Der Antrag der Ar- bellsgemeinschaft wurde gegen die Rechtsparteien und einen Teil des Zentrums abgelehnt und der Verlängerung der Schutzfrist nach dem Vorschlag des Ausschusses zugestimmt. Die Verfehlungen des Aoiars. 4�/2 Jahre Gefängnis wegen Llnterschlagung und Llntreue. Das Schöffengericht verlin-INitke verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den volar und Rechtsanwalt Dr. Hans Kelck wegen schwere resp. einfacher Unterschlagung im Amte in vier Fällen, wegen Untreue in drei Fällen und wegen Betruges in drei Fällen zu 1 Jahr 6 Monolen Gefängnis unter Anrechnung von 84 Tage» Untersuchungshaft. In der Urteilsbegründung hob der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Rosemann. ganz besonder» den schweren Vertrauensbruch de» Angeklagten als preußischen Notar hervor. Der Staatsanwalt hatte gegen' Dr. Kelck d r e i. J,g h„£ e S.e f ä n.g n i s und drei Jahre Ehrverlust beantragt. A�cMerit pikant war es, aus seinem Plädoyer zu erfahren, in welcher Weise Dr. Kelck es oerstanden hat, das preußische Justizministerium dazu zu kriegen, daß es seine Bedenken zurückstellte �und ihn zum Notar ernannt«. In unzähligen Gesuchen, die teils in pathetischer Weise abgefaßt waren, beschwerte er sich bitter darüber, daß ein Straf- verfahren, das einmal gegen ihn geschwebt habe, ihn ein für olle Mal zu einem Verbrecher stempeln solle. Er bedauere es, erklärte er. daß das Strafverfahren wegen der von ihm angeblich ver- untreuten 20 000 Mark Mündelgelder nicht durchgeführt ryorden sei. Er hätte zweifelsfrei feine Unschuld bewiesen. Nun, da durch einen königlichen Gnadenerlaß das Verfahren niedergeschlagen worden sei, soll er bis an sein Lebensende büßen. Ist das die Kriminalpolllik der Republik? Selbst«in Verbrecher, dem eine Bewährungsfrist zugebilligt werde, befinde sich in besserer Lage als er. So ging es seitenlang. Bis das preußische Justizministerium ihm Gehör schenkte und ihn zum Notar ernannte. Dr. Kelck hat übrigens zum Schluß der Verhandlung seine Sprache wiedergefunden und sich in bewegten Worten noch einmal auf seine Krankheit berufen; von all den ihm zur Last gelegten Verfehlungen wisse er nichts. Die Zeugen ließen aber auch nicht den geringsten Zweifel darüber, daß der Verdacht, den er gegen seinen Bürovorsteher ausgesprochen hatte, vollkommen ungerecht- fertigt war; in mehr als einem Falle hatte dieser mit den ein- gegangenen Gcldexn überhaupt nichts zu schaffen gehabt, sie waren unmittelbar in die Tafchen des Dr» Kelck geflossen. Die Bauernheide für die Borsig-Sparer. Wie wir schon mitgeteilt haben, sollen die Borsig-Sparer, die insgesamt 2V bis 2,9 Millionen zp fordern haben, bei der Abwick- lung ihrer Forderungen voll befriedigt werden. Kleinforderungen bis zu 500 M. werden vorweg voll ausgezahlt. Aus der Masse sollen die übrigen Sparkasscngläubiger zunächst mit 20 Proz. und später noch 30 Proz. in bar erhalten. Die restlichen 50 Proz. sollen durch die Verwertung von Grundstücken später zur Auszahlung ge- langen, die die Borsig G. m. b. H. zur Verfügung stellt. Wie mitgeteilt wird, handelt es sich um die sogenannt« Bauernheide, ein zwischen dem Tegeler Gaswerk und dem Tegeler See gelegenes parzellierungsreifes Gelände von 680 000 Quadratmeter, dessen Wert von Sachverständigen mit brutto 3 M. je Quadratmeter geschätzt sein soll. Den Sparkassengläubi- gern wird von der Firma empfohlen, den bisher schon HHkeN GUTE WEGEN< BERLINS MEISTGERAUCHTE CIGARETTE 6�203 zwischen der Familie Vorsig und einer Spezialfinna bestehenden Parzellierung�vertrag zu übernehmen,»in sich aus dem Erlös bezahlt zu machen. Der Ueberschuh aus der Abwicklung soll an die Borsig G. m. b. ch. zurückfließen. % Mill. Wohlfahrisuniersiiitzte. Immer noch steigende Not in?erlin. Die Zahl der wohlfahrlserwerbslosen in Berlin— das sind arbeitsfähige, arbeitslose Personen, die keinen Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung und Srisensürsorze oder aus der Sonderfürsorge bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit haben, eine Bescheinigung des Arbeitsamtes über ihre Eintragung in die Liste der Arbeitsuchenden besihen und aus städtischen Für- sorgemilleln laufend unterstüht werden— ist im Februar lSZ2 wiederum gestlegen. Zkach der Stichtagzählung am 29. Februar lSZ2 betrug sie(ohne Botstandsarbeiter) 251 256 gegenüber 237 605 am Ende des Bormonats. Sie hat demnach um 5,7 Proz. zugenommen. Anter den am 29. Februar 1932 gezählten Wohlfahrtserwerbslosen befanden sich 7860 Fürsorgearbeiler, am Ende des Vormonats waren cs 8082. Gefängnis für Zugenderzieher. Uttels im Gütergoh-prozeß. Das Potsdamer Schöffengericht verur'cilte im Gütergoher Prozeß den Zugenderzieher Franz Stein wegen Sitllichkeitsver- brechen aus 88 176 Absah 3 und 174 Absah 1 zu 1 Zahr 2 Monaten Gefängnis. Der Haftbefehl gegen den Angeklagten wird mit der Maßgabe aufgehoben, daß er sich verpflichtet, nicht wieder Ins Aus- lond zu gehen. Drei Monate der Strafe muß der Angeklagte ver- büßen, für den Rest erhält er Bewährungsfrist. Bei seiner Vernehmung hatte der Angeklagt« erklärt, er habe keinerlei abnorme Neigungen. Seine Personalangaben ergänzt er dahin, daß er als Sechzehnjähriger freiwillig ins Feld gegangen und verschüttet worden sei. Obermagistratsrat K n a u t h, der einmal inGütergotz zu einer Besichtigung war. betonte, er habe von Stein den Eindruck eines energischen Mannes gehabt, der es verstehe, die Zungen zur Selbstdisziplin zu bringen. Der Nachfolger des Stein, Erzieher A r l t, der die A n z e i g« erstattet hatte, schildert als Zeuge, daß ihm sechs Jungen erzählt hätten, daß der frühere Erzieher sich an ihnen oergangen hätte, nachdem sie ihn, den Zeugen, erst gefragt hätten, ob Stein ihnen noch schaden könne. Da die Jungen trotz wiederholter eindringlicher Fragen bei ihrer Aussage blieben, habe er die Anzeige erstattet. Dann wurden die fünf Jungen vernommen, an denen der Angeklagte Stein stch vergangen haben soll. Alle fünf Jungen machen Aussagen, die den Angeklagten erheblich belasten, verwirren sich aber teilweise in W i d e r s p r ü ch e. Der junge Raddatz gibt auf Fragen des Sachverständigen in drolliger Weise zu, daß er sehr oft geschwindelt habe, worauf der Vorsitzende und andere Prozeß- beteiligte ihn immer wieder eindringlich fragen, ob er denn jetzt auch wirklich die Wahrheit sage. Es tue ihm kein Mensch etwas, wenn er früher gelogen habe, wenn er nur jetzt die reine Wahrheit sage. Der Junge blieb aber wie die übrigen Knaben bei seiner belastenden Aussage. Fsugblativerbrelker ist veraniworiltch. Ein grundsätzliches, aber wie wir glauben, sehr ansecht- öares Urteil über die Frage, ob die Verteiler von Flugblättern jemand glauben dürfen, daß die zur Verteilung ihnen übergebenen Flugblätter von der Polizei genehmigt worden sind, fällte das Schnellgericht. Am Sonntag nahm die Polizei einen Mann fest, der Flug- blätUr verteilt hatte, die der Polizei nicht zur Genehmigung vorge- legt worden waren. Aus diesem Grunde wurde er unter Anklage gestellt. Er behauptete, die Flugblätter von einem Wohl- fahrtsvorsteher erhalten zu haben, der ihm ausdrücklich erklärt habe, daß die Flugblätter bisher nicht verboten und Scherereien mit der Polizei nicht zu erwarten seien. Mit dem Staats- Um Äs« Arbeitsdiensto Diskussionsthema bei dar ArbaitarwoltlMkrt. 3n einer Fpnklionärverfammlung der A r.b e i k e r w o h l- fahrt im Rathaus Reukölln sprach Genosse S e g a w e vom Landesarbeitsamt Brandenburg über den freiwilligen Arbeitsdienst. Nach Ende des Krieges entstand der Gedanke der Arbeits- d i e n st p f l i ch t besonders in wehrfreundlichen Kreisen, die damit einen Ersatz für die Militärdienstpflicht schaffen wollten. Der Ge- danke erhielt im Jahre 1930, als die Arbeitslosigkeit in ungeheurem Maße anschwoll, neuen Antrieb. Phantastische Pläne entstanden, die das Unmöglichste von der Arbeitsdienstpflicht erhofften, man glaubte nicht weniger als die Arbeitslosigkeit damit beheben zu können. Aber aus den Verhandlungen, die zwischen Vertretern der Unternehmer und dem Reichsarbeitsministertum geführt wurden, er- gab sich allerdings ein anderes Bild. Ueber die Kostenfrage ließ sich überhaupt keine Einigung erzielen, da die Berechnungen sehr weit auseinandergingen. Die Gutachtertommission stellte fest, daß Kapital für die Arbeitsdien st Pflicht nicht vor- Händen sei und empfahl die Einführung eines freiwilligen Ar- beitsdienstes. Von der Reichsregierung wurde dieser Entwurf In die zweite Norwerordnung eingebaut und die notwendigen Durch- führungsbestimmungen erlasien. Danach soll auf dem Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes nur gemeinnützige und zusätzliche Ar- bxiten ausgeführt werden. Es fei allerdings zu bendenken, daß zum Beispiel die Kommunen heute überhaupt kein Geld mehr haben und daher fast alle Arbeiten zusätzliche sind. Träger der Arbeit sind gemeinnützige Körperschaften und verbände. Kommunen. Sportvereine usw.:. Träger des Dienstes können alle Organisationen sein, die für eine ordnungsgemäße Durchführung der übernommenen Arbeilen Gewähr leisten. Dom Landesarbeitsamt Brandenburg sind bis jetzt 50 Genehmigungen für freiwilligen Arbeitsdienst er- teilt worden. Die Arbeiten wurden durchgeführt bei Kommune». Sportvereinen, Siedlungsgesellschaften, Bodenverbesserungsgenossen- schaften, kirchlichen Vereinen usw. Die Arbeitsdienstwilligen erhalten freie Kost und ein Taschengeld, eine besondere Bezahlung für die Arbeit erfolgt nicht. Vom Träger der Arbeit sind auch Hin- und Rückfahrt zum Arbeitslager zu zahlen? dafür, wie für andere Schutzbestimmungen für den Arbeitsdienstwilligen habe» besonders die Gewerkschaften gesorgt. Der Redner vertrat zum Schluß die Ansicht, daß die freiwillige Arbeitsdienstpflicht, wenn man sie unter dem Gesichtspunkt der Ankurbelung der Wirtschaft betrachtet, eine Spielerei sei, ein Antrieb der Wirtschaft ist von diese Seite nicht zu erwarten. Allerdings sollte man bei geeigneten Gelegenheiten, da die Einrichtung nun einmal besteht, auch davon Gebrauch machen. In der Diskussion, geleitet von der Genossin K u r g a ß. beschäftigte man sich sehr lebhaft mit dem Für und Wider des frei- willigen Arbeitsdienstes. Einmütigkeit bestand darin daß man die Gefahren der Lohndrückerei, die natürlich bestehen, abwenden müsse. Aber auf der anderen Seite dürfe um auch nicht übersehen, daß heute viele junge Menschen einfach aus dem Drange heraus, endlich einmal wieder arbeiten zu dürfen, zum frelwwigen Arbeitsdienst kommen. Eine große Zahl der Jungen ist auch froh, auf diese Weise aus mißlichen Familienverhältnissen einmal auf eine Zeit herauszukommen. Sollen wir d'e jungen Menschen in die Hände unserer Gegner laufen lasten? Denn wir dürfen nicht über- sehen, daß in den Arbeitslagern«ine starke politische Beeinflussung erfolgt. Stark betont wurde rber auch, daß zum Beispiel die Werkkurse der Stadt Berlin viel mehr für die arbeits- lose Jugend getan haben als der ganze Arbeitsdienst zusammen. Diese Wertkurse sind, da sie arbeitserziehender Natur sind, von viel größerer Bedeutung für den Jugendlichen, da sie ihn in die Lage setzen, bei ansteigender Wirtschaftsentwicklung wieder in seinem Berufe Tüchtiges zu leisten. anwalt war das Gericht der Meinung, daß Flugblottverteiler nie- wanden Angaben über die Genehmigung glauben dürfen, und daß sie selbst auch bei der Polizei nachprüfen müssen, ob das Propa- gandamaterial tatsächlich genehmigt sei. Der Angeklagte wurde daher zu zwei Wochen Gefängnis verurtellt. Wie uns dünkt ein recht zweischneidiges Urteil. Man kann unmöglich den vielen tausend Flugblattverteilern zumuten, sich jeweils bei der Polizei zu erkundigen, ob ihr Flugblatt genehmigt ist: der Polizei würden die vielen Anfragen bestimmt bald über werden. Dieb des Hawai-Maniels ve: hastei. Ein Student aus Söttingen. Dresden, 9. März. Unker dem verdacht, der Dieb des aus dem Ethnologischen Justllul in Göiiiugen gestohlenen hawaischea Königsmantels zu fein, ist der feit der Entdeckung des Diebstahls aus Göltingen flüchtige Student Pfleg har von der Dresdener Kriminalpolizei in einem Dresdener Hotel ermittelt und verhaftet worden. Der Königs- mantel konnte jedoch noch nicht lermittelt werden. 1. Vorsitzenden des Vereins wurde Geheimrat Dr. Demut h, zum 2. Vorsitzenden O. ermogistratsrat Marquardt, Leiter der Volks- Hochschule Groß-Berlln, gewählt. Arveiisgemeinfchast Geistige Noihilfe. Auf Anregung aus Kreisen der Wohlfahrt und des Bildungs- wesens ist als Zusammenfassung der Bestrebungen für geistige Ver- sorgung der Erwerbslosen in Berlin der Derein„Arbeitsgemeinschaft Geistige Nothilfe Berlins" gegründet worden. Der Perein will in Form einer Auskunsts- und Vermitt- lungsstelle alle Veranstaltungen und Ankündigungen der in Rede stehenden Art erfassen und— soweit nötig— miteinander in Ein- klang bringen, Auskunft erteilen, geeignete Räum« vermitteln, frei- willig« Mitarbeiter für Erteilung von Unterricht, Vorträgen usw. nachweisen und etwaige Sonderveranstaltungen durchführen. Zum Abschied von Emil Ryneck. Im KrematoriumBaum schulen weg wurde Mittwoch- nachmittag die sterblich« hülle des Genossen E m i l R y n c ck. des langjährigen Mitarbeiter» der Vorwärts-Druckerei, den Flanunen übergeben. Zahlreiche Parteigenossen, darunter Vertreter des Partei- Vorstandes und Abgeordnete des Preußischen Landtages, hatten stch eingefunden, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Ein Freund der Familie schilderte in schlichten Worten den Verstorbenen als Mensch und Kämpfer, der Jahrzehnte hindurch in treuer Kampf- gemeinschaft an der Seite seiner Gottin, der Landtagsabgeordneten Elfriede Ryneck, in der Arbeiterbewegung gewirkt hat. Der Betriebs- ratsoorsitzende der Vorwärts-Druckerei entbot dem Dahingeschiedenen im Namen der Geschäftsleitung und des Personals der Vorwärts- Druckerei sowie im Auftrage des Gauvorstandes der Berliner Buchdrucker letzte Grüße. Das Andenken des Verstorbenen ehrten ferner Vertreter der Volksbühne, der 99. Abteilung der Sozialdemokratischen Partei und des Reichsbanners SchwarZ-Rot-Gold. Quartett- gesang umrahmte die Gedächtnisfeier. Unter den klängen der Trauermusik versank der reich mit Kränzen mit roten und schwarz- rotgoldenen Schleifen geschmückte Sarg.» Eine Markthalle feiert Jnbiläum. Die Markthalle XI am Marheineke- Platz feiert in einigen Tagen ihrlOjähriges B e st e h« n. Denn am 15. März 1892 wurde sie der Oeffentlichkeit übergeben. Die Seßhaftigkeit der Standinhaber legt das beste Zeugnis für ihre Inanspruchnahme ab: können doch einige Standinhaber mit der Markthalle zusammen ihr svjährlges Jubiläum feiern. Das Interesse der Bevölkerung zeigt gerade jetzt, welche wirtschaftliche Bedeutung die Markthallen ! noch immer besitzen. /ius dvm Russischen übertragen von Werner Bergengruen. „Sie machen sich ja keine Vorstellung �davon", sagte er, „wie viele alleinstehende Mädchen es gibt. So jung, so schütz- los. Niemand denkt daran, für sie einzutreten. Ja, was glauben Sie wohl, wer nimmt sich denn eines Mädchens an, wenn irgend jemand hinter ihr her ist und ihr zu nahe tritt? Kein Mensch!" Dieses Gerede von den armen schutzlosen Mädchen kam mir etwas sonderbar vor, und ich wollte schon an eine fixe Idee glauben. Aber weil sonst jede seiner Aeußerungen von Logik, Folgerichtigkeit des Denkens und gesundem Menschen- verstand zeugte, so ließ ich diese Annahme wieder fallen, be- sonders nachdem wir uns längere Zeit über allerlei ganz andere Themen unterhalten hatten. Aber dann kehrte mein neuer Bekannter doch plötzlich zu seinem Steckenpferde zurück. „Besonders schwer haben es die jungen Jüdinnen. Wie die Leute hinter denen her sind! Entsetzlich! Wenn sie in Petersburg oder Moskau studieren wollen, dann müssen sie sich bei der«sttenpolszei als Prostituierte einschreiben lassen. Denken Sie doch, ein ganz junges Mädchen, noch fast ein Kind! Sie möchte gern studieren, sie kommt in die Residenz. und plötzlich heißt es: Bitte schön, lasten Sie sich den„gelben nahan ini>rh»n Ki» ein« Brostituiertel Sonst: Ausweis- Vorliebe für schutzlose Frauen hervorgerufen haben? War vielleicht jemand seiner Schwester zu nahe getreten, seiner Tochter oder einer seiner Verwandten, und hatte das für sein ganzes Leben eine Spur in ihm hinterlassen? Es fiel mir ein, daß es in unserer Zelle ja noch einige Leute gab, die mit Sikorski aus derselben Stadt nach Kursk gekommen waren. Ich knüpfte mit ihnen ein Gespräch an und erfuhr, daß Sikorski wegen Schändung seiner eigenen dreizehnjährigen Tochter verurteilt worden war. Als die Sache herauskam und Sikorski verhaftet wurde, da regnete es dutzendweise ähnliche Beschwerden. Vor Gericht kamen finstere Geschichten zutage und alle glichen sie einander aufs Haar. Mit allerhand Freundlichkeiten, gütlichem Zureden, freigebiger Bewirtung lockte er halbwüchsige Mädchen aus dem riesigen Gutsgebiet, dessen unumschränkter Herr er in Abwesenheit des Besitzers war, zu sich ins Haus und beging dann seine Schändlichkeiten. Dabei begnügte er sich nicht mit der Bevölkerung des ihm unterstellten Gutes: er pflegte Kinder und junge Mädchen aus den Nachbardörfern und -gütern in seiner Equipage spazieren zu fahren und sie schließ- lich„zur Erholung" in sein Haus zu locken. So einfach enthüllte sich das Geheimnis dieses Mannes, der sich so viele sorgenvolle Gedanken um alleinstehende. schutzlose Mädchen machte! Noch nie war ich in Person einer lebendigen und noch dazu so illustrativen Figur aus Krafft- Ebings Werk begegnet. Die Stimmung in der Zelle wurde immer trübseliger. Unendlich langsam schleppte sich die Zeit, fest uns der Piiff und die Visite des Inspektors vom Dienst um drei Uhr früh wachgeristen hatte, bis zum Mittag hin. Besonders schwer erträglich war es insofern, als wir in dieser Nacht ins Ge» fängnis eingeliefert woxden waren und doch auch in der Nacht zuvor nicht hatten schlafen können. Hier durfte man sich nicht einmal hinlegen oder hinsetzen, geschweige denn schlafen. Wir begannen richtigen Hunger zu leiden. Die einfache und zu- wieviel solcher Mädchen ich gerettet habe! General Dumbadse sie innerhalb vierundzwanzig Stunden ausweisen. Da habe ich viele junge Damen bei mir versteckt. Sie wußten schon, daß man bei mir immer ein Obdach findet, ich halte das schon oft gean." Er überließ sich einer träumerischen Nachdenklichtest und entfernte sich. Mir wurde es wieder ganz verdutzt zumut. Was sollte das heißen? Was für ein Drama hatte sich hier ab. gespielt? Was jüt ein Erlebnis mochte in ihm diese zärtliche Sleich so hochwohlweise Gepflogenheit, nach der am Tage der Anlieferung ins Gefängnis noch keine Brotpottion ausge- geben wurde, brachte uns in eine böse Lage. Die sieben Ko- peken pro Mann, die der Estorte in Berwahrung gegeben waren, waren aus irgendeinem Grunde von der Gefängnis- verwastung noch nicht übernommen worden, und wir alle be- kamen an diesem Tage nichts zu essen. Viele machten sich an die„wohlhabenden" Gefangenen heran, liefen von einem zum andern und bettelten um Brot, aber meistens verge�ich. Wenn man sehr großen Hunger, aber nichts zu essen hat. dann tut man am besten, sich hinzulegen. Abgesehen davon, daß der Organismus in der Ruhelage ein Minimum an Energie verbraucht, vermindert sich dabei ohne Zweifel auch das Hungergefühl an sich. Aber nicht einmal diese gering- fügige Annehmlichkeit konnten wir uns zunutze machen. Hin- legen durfte man sich nicht, und so drückten wir uns bald in dieser, bald in jener Ecke herum, blaß und geschwächt von Schlaflosigkeit und Hunger. Plötzlich wurde die Zellentür überlaut aufgerissen. Der Aufseher kam, ein Kerl von riesenhaftem Wuchs, plump und grobschlächtig, mit bösartigem, verbissenem Gesicht, gewaltiger Nase, breiten Backenknochen und brutal vorstoßendem Kinn. Beim Gehen knickte er mit den Knien ein, als könnten die Beine die Last- dieses mächtigen Körpers nicht recht tragen. Seine Arme, die in ihrer Länge an Äorillaarme erinnerten, endeten in behaarten Tatzen von phantastischer Größe. Er blieb in der Tür stehen und schrie: „Wer kann hier gut lesen und schreiben?" Zunächst meldete sich niemand. Es waren genutz Leute da, die lesen und schreiben gelernt hatten, aber wenige, die diese Künste wirklich vollkommen beherrschten. „Warum gibt denn keiner einen Ton von sich? Vor- ifcten, wer gut lesen und schreiben kann! Drei, vier Mann! Sollen eine Schreibarbest machen!" Zwei traten vor, die übrigen machten Miene, mich vor- zuschieben. „Geh doch, geh doch, du kannst es doch gut. Sicher sollst du von der Eskorte Brot übernehmen, sollst quittieren. Geh doch, geh doch!" Der Aufseher begann zu drängen: „Na. wenn du es einmal kannst, dann komm doch raus, wozu stehst du noch da?" Bon den anderen geschubst, trat ich vor. Nun ging es den ausgedehnten Korridor entlang. Am Korridorend« angekommen, wurden wir tn die mächtige Gefängnislatrine geführt. Der Gestank in diesem ekelhast schmutzigen Raum war nicht zu ertragen. Die Klosetts im Gefängnis, die von vielen Gefangenen aus Unkenntnis oder Ungeschicklichkest nicht gerade m der üblichen Weise benutzt wurden,- waren unvorstellbar i ersaut. Auf den Sitzbrettern und auf dem Boden lagen haufenweise Exkremente herum. Ich rannte in den Korridor zurück. Hinter mir die anderen. Ich wandte mich an den Aufseher: „Warum haben Sie uns hierhergehost?" (Fortsetzung folgt.) Flugblaltverbreitung: Donnerstag 18 Uhr von den bekannten Lokalen aus/ Die Eiserne Front beteiligt sich an der Verbreitung Keiner*€ier*f fehlen! casmaamsamaammmammmmmammmmmm Berliner Konsumbericht für Kebruar. Zum erstemal wieder eine Neine Llmsahsteigerung. Die sür den Monat Februar in der Konsumgenosscirschaft Berlin und Umgegend festgestellten Umsätze berechtigen zu der Annahme, daß im Wirtschaftsnicdergang ein Ruhepunkt erreicht ist. Wohl bleibt der Februarumsatz hinter dem Umsatz des Monats Januar um l48W4 M. oder 3,7 Proz noch zurück-, doch ist hierbei zu berücksichtigen, datz der Februar einen Derkausstag, und zwar einen Sonnabend, weniger zählte als der Januar. Da die Sonn- abenduinsätze stets mehr als 300 000 M. betragen, ist unter Berück- pchtigung des termtninäßigen Ausfalls sogar eine leichte Umsatz- steigerung zu verzeichnen. Der Februaruinsatz betrug Z 872 b74,23 M.: für die zurückliegenden 8 Monate des laufenden Geschäftsjahres(Juli 1931 bis Februar 1932) ergibt sich ein Umsatz von 41679 121,91 M. Der Genossenschast schlössen sich im Lause des Berichtsmonats 361 Haushaltungen an, der Mitglieder- bestand belief sich am Monatsschluß auf 201 793. In der konsum- genosienschastlichm Sparkasse wurden 1837 Sparbücher neu ausgestellt, der Zugang an Spareinlagen b e t r u g 3 4 9 9 2 9 M. Die Gesamtsumme der von den Mitgliedern der Genossenschast anvertrauten Spareinlagen belief sich auf 33 698 011 M._ Frauen für die Eiserne Froni. Der Kreis Ä r c u z b e r g bemühte sich mit großem Geschick und großen, Erfolg besonders auch d«n Frauen den Sinn der »Eisernen Front" begreiflich zu machen. Den Auftakt zu der Ver- anstaltung, die von den Frauen zahlreich besucht war, bildeten Resitationen von Martha John. Die Reichelageal geordnete G«- nossin Lore Agnes richtete einen flammenden Appell an die Frauen und zeichnete ihnen ihr schwere« Los unter einer faschisti- schen Diktatur auf. Würde Adolf Hitler Reichspräsident, so würde das Joch der Arbeiterklasse unerträglich werden. Es geht um Sein oder Nichtsein der organisierten Arbeiterschaft. Machtergreifung durch die Nazis wü.de neue kriegerische Verwicklungen bedeuten. Dies zu verhindern find wir unseren Gefallenen und unserem Volk schuldig. So müssen wir den Kampf aufnehmen. Die erst« Etappe in diesem Kamps heißt: Kamps dem Faschismus. Das Proletariat muß am 13.� März mit der Waffe des Wahlrecht« den Sieg erringen. Für uns lautet noch immer die Parole: Durch Kampf zum Sieg! Begeisterter Beifall dankte der Rednerin für die anfeuernden Worte. Sprechchöre der Freidenkerjugend und satirische Darbietungen der„Roten Rebellen", beide mit großer Spielfreudigkeit und echt jugendlichem Elan vorgetragen, beschlossen dies« Frauenkundgebung... i.r- Die juriffisuv Sprechstunde findet wegen der Demonstration am Freitag, dem 11. März, nur von IS bis 1ö Ahr statt. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Die Uebungsstunde fällt in dieser Woche aus. wetteraussichlen für Berlin: Wechselnd wolkig, einzelne Schnee- schauer, abflauende nördliche Winde, leichter Frost.— Für Deutsch- land: Allgemeine Windabnahme, im Nordwesten wolkig bis heiter, ohne nennenswerte Schneefälle, in Mittel- und Ostdeutschland stark bewölkt mit Schneefällen, im Süden trübe, besonders im Alpen- vorland Schneefälle, Temperaturen nur im Westen und Südwesten zeitweis« über Null._ Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". K e I ch s l t s st k! l e: Berlin<5. 14. Eedastionltr 37—58. Hol 2 St Jugendweihen der Sozialisten, Freidenker und Oewerkschaften Berlins Sonntag, den 1 3. März Cbarloiienfcar�, Aula der Fürs tfn-Blsmar dt- Schule. Sybelstr. 2-4. Beginn tl Uhr. Weiheredner: S'adtverordneier Karl Hetisdiold. Pankow, Tivoli-Lldil spiele, Berliner Sir. 27 Beginn tl Uhr Teropelbof, KurlOrst-Liditsp, Dort- Ecke Berliner Str Beginn 11 Uhr. PROCRAMMi In Cbarlottcnborg: Charlottenburger Volkschor Harmonie, Mitglied des DAS.. Cbormeisier Ii ax Schaarschmidt Orgelsplel. Sprech, und Bc wesungschor der Charlottenburger Kinder rcunae und der SAJ. In Paokowt Aufführung des Jugendweihespiels von Walter May:.Zum Lande er Gerechten" In Teirpclbot! Auhuhrung des Jugendwcihespicls von Bruno Schönlank: .Seid g.weihti* Eintrittspreis: Gastkarten 70 Pf, Kinderkarten SO Pf. Eintrittskarten find am Sonniaa an den Kassen erhältlich. Alle Räume werden V, Stunde vor Beginn geöffnet. partemachrichten für Groß-Verlin « Cbajlettenburg(OitsD.): Donnerstag, 10. März. 19 Uhr, müssen alle Kameraden im Edenaalast zur Stelle sein. Wichtige Je- lprechuna.— Bernau: Freitag. II. März, 19 Uhr, Antreten im Berelnslalal zur Kundgebung der Eisernen Front. Unifarmverdaf beachten. Neichsvcrcintaung ehem. Kriegegeiaageaer, vrtegr-ghe«eulill». Freitag. U. Mär,. 19 Vj Uhr, im Lokal von Lichienstein, B-rgstr. 144, Unferhalfnngs. abend mit Musik. eiBlcnDangcn für viele ZiabrU sind Berlin SW 08.. Lindcnstratze Z. stet»»n da» Beztrisietretartat i. Hof, Z Treppen recht», zu richte» 1. Krci». Freitag, 11. März, bleibt da» Erwerbslosetchcim weg»» der Kund- Z. S*!«!0 S?ite�Donn»staq?İMärz, lOV. Uhr, an bekannter Stelle, Zu- iammcnkunit ver erwerbslosen Parteimitglieder.„Technik und Arbeiter» Ichast", Referent Genosse Woldt.— Die Parteimitglieder unterstützen die Veranstaltung der bundcsireucn Sportler zum Städtcwcttkampf Wien gegen Berlin am irannabend, 12. Märt, im Siadibad Wldding. Gelichtstraße. Beginn 20 Uhr. Gintritt 75 Pf., Erwerbslose 80 Pf. 18. Krci». Heute, Donnerstag, 10. März, IS Uhr. im Wcißenseer Lyzeum, Eingang Parkstraße, Sufdmmtntuiift der erwerbslosen Parteimitglieder. Bortrag de» Genossen Otto Bach. 20. 5ire!s. Heute. Donnerstag. 10. März, tü Uhr, Fufammenlünft» der erwerbs- berger Str. 8.„Werdegang der russischen Reoolution", Referent Genosse berger Str. 5.„Werdegang der russischen lkevolution", Referent Genosse Abramowitsch. Rrtnidcndorl.West: Außenspielplatz. Rezitationen der Sc. nossin Elfricde Wollmann. Darbietungen de» Müller. Quartetts. Wittenau im Jugendheim Reue Schule, Haimstraße. Bortrag de» Genosse» Kurt Biglna. Reinickendorf. Ost in der Schule Hoppestraße. Rezitationen der Genossin Mortha John. 4. Abt. Die Ausgab« der Flugblätter erfolgt heute ab 17 Uhr bei Brandts, Stralauer Str. 10. 8. Abt. Die Veranstaltung der längeren Parteimitglieder fällt In dieser Woche au». 13. Abt. Die erwerbslosen und jüngeren Parteimitglieder treffen sich heut» um 17 Uhr bei Besscl. Bremer Str. 48. 80. Abt. Heute Funltionärsttznng bei Pohft, Lychener Sir. 108. 84. Abt. Heute ab 18 Uhr Flugblattverdreltung vom Lokal Netsch, ckaditter Straße 10, au». 47. Abt. Heute ab 18 Uhr Flugblattverbreitung von den Zahlabend- lokalen au». 85. Abt. Heute l. Bezirk klahlabend bei Pinger, Dorfsir. 50.„Wen wählen wir?", Referent 3. P. Maver. 4. uud 18. Bezirk heute I7L1 Uhr Flugblatt. Verbreitung, 19-e Ilde Zahlabend Lokal Pommerening, Berliner Str. 100. Wegen Rundfunkvortrag ist pünktliche» Erscheinen erwünscht. 95. Abt. Freitag. U. Mär», nach der Kundaebung, treffen sich die Borstands. Mitglieder mit den Dierteltührern bestimmt bei Keil, Prinz.Handiery. Straße 88, IN. Abt. /Zrriiog. Ö. Miirz, 14 Uhr. im Gentclnfchiftsh'eu». Zusammenkunft der erwerbslosen PartelmitgNeder. Referent Genosse Gurland. Arbeiisgemeinschast der kinderfreunde Groh-Derlin. Heute Groß. Berliner Hclserverfammlung im Sesundheitehan» am s Urban. Beginn pünktlich 49>4 Ubr. Hclferausweife vor, eigen. Kreuzberg: Kreiseliernversammlung Dienstag. 15. März, 20 Uhr, in der weltlichen Schule Diesfenbachstraße. Eltern, Freunde und .yJk Genossen sind herzlich dazu eingeladen. jSi Neukölln: Boranzeige! Mittwoch, 10. März, Kreiseltern versamm- >-«01 luiti"""........~ kreis: Treffpuni luna in der Knabenmittelschule Donaustr. 120, 20 Uhr.— Helfer. punlt 1894 Uhr Hermannplatz lNormaluhr). Lichtenberg: Achtung! Lelferausweise werden heute vor Beginn der Ber, liner Helferversammluna PHJ Uhr im Eesundheitsbau» am Urban ausgegeben. Voranzeige i Voraussichtlich Montag, 14. März, 20 Uhr, Kreishelfcrsitzting in der Bibliothek, Weichselstraße. Erscheinen aller Helfer notwendig. Nähere, durch die Abteilungsleiter. Sterbetafel der Groß-berliner Partei-Organisation II. Abt. Genosse Wilhelm Leidholdt Ist infolge eine» Autounfall» verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, 9. März, 15 Uhr, von der Kapell« des Neuen Johannis. Friedhofes, Plätzensee, au» statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 42. Abt. Unser Genosse FranzLoewendorff ist plätzlich verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Trauerseier findet am Freitag, 11. März, 1494 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. 192. Abt. Unser alter Kämpfer Karl F e ch n e r ist im 79. Lebensjahr, verstorben. Einäscherung Freitag, 11. März, 18 Uhr, Baumschulenweg. Reg« Beteiligung erwartet der Borstand. Freversdirs. Die Beerdigung der Genossin K r e U« r findet am Sonn. abend, 17 Uhr, auf dem Fredrrsdorfcr Friedhof statt. Zahlreiche» Erscheinen erwartet der Ortsverclnsvorstand. iilSozialistischeArbetterlugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an da« Bugendsetrrtariot Berit» EW 08 Lindcnstraße 2. vorn l Treppe rechts. Freitag, 11. März, 17 Uhr. beteiligen wir uns geschlossen an der«und- gebung der Partei im Lustgarten und der vorhergehenden Demonstration. Zum gemeinsamen Abmarsch treffen wir uns mit der Partei rn den einzelnen 1>c- jirlen. Das Setrctariat ist ab 10 Uhr geschlossen.,, ,,,,™, Proletarisches Orchester der SA?.: 19% Uhr Gefamtorchesterprobe in Ren. källn. Karl-Marx-Schule. Kaiscr-Friedrich-Str. 208—210. Unser Jahresbericht 1«Zi ist im E-treiariat zum Preise von 10 Ps. zu haben. heule. Donnerstag. 10. ZNärz. i9'A Uhr. Norden: Lorßlngsiraße:„Die Konsumgenossenschaft".— Arnimplatz: Sonnen. burgcr Sir. 20: Aunktionärversammiuna.— Arnswalder Platz N: Rastenburger Straße 16:„Soziales Wandern".— FaUplatz I: Sonnenbutger Str. 20:„Tages. Politik".— Samonnplatz: Gleimstr. 88—85:„Eowsetrußland und wir".-«arv. asten N: Danziger Str. 02: Wir mache» csne Zeitung.— Schönhauser«orstadt: Sonnendurger Str. 20:„Freidenlerdeweguug".— Hascahcidc: Wassertorstr. 4: Liederabend.— Köpenicker Viertel: Manicuffclstr. 7:„Grundlagen der Gemein- schait".— Kottbusscr Tor: Urbanslr. 107:„Meine erste» Eindriirtr in der vA!'. — Südwest«»! Lindensir. 4:..Ges-Nschnfilidie Entwicklungsgeschichte".— Schöne. berg II: Hauptstr. 15:„Materialistische Geichichtsaufsassuitg".— gcblrnvori- Dahlem:„Tagespolitik".— Schöneweidc 1:„Sozidiistischc Erziehung".-- Bshns- dorf: Badeabeiid.— Tegel: Schänebcrger Str. 8: lledungoabeiid.— Friedrtch«. seid«: Treffpunkt l» Ubr zur FlugblaUverbreituug Prinzen Ecke Eaprim-llek.— Lichtenberg.Rord: Tresfpunki zur Flugblativerbrcitung Ilse Uhr Tempel. Werbebezirk Mitte: Elisabethkirchstr. 19:„EA3. und Kinderfreunde". «erbebe, irk Aeukölln: Funttianärv-rlammlüng im Boriragss-ol Kanner Straße. Referent Genosse Gurland. 3n!crcssicrte Genosse» habe».Zutritt.— Srwerbslpsenzusammenlnnst ll Uhr Bergsir. 29: Belnch des Planetorinms.— Spieltruppe: 19 Vj Uhr Probe im Heim Steinmetzstr. 114._ Gewinnauszug 5. Klaffe 38. Preußisch. Süddeuifche Slaako-Lollerle. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lese gleicher Nummer in den beiden Adlcllungen I und II 26. Ziehungstag 8. März 1932 In der heutigen Vvrniitlagsziehung wurden Gewinne über 499 M. gezogen 2 Gewinn« zn 10000 M. 305034 . 14 Gewinne»u 5000 W. 110319 133936 207866 227897 251645 366811 384443 24 Gewinn, ,u 3000 M. 6407 18226 44760 51233 142508 220400 248501 270086 317838 368040 301818 304108 46 Gewinn, ,u 2000 Gl. 3684 7003 22003 73383 128070 130327 161103 170210 1 03703 232500 234313 231201 273093 236030 200282 304210 320635 326000 330760 346331 360426 331232 300764 114 Gewinn«, n ,000 M. 1338 13003 22333 30703 37330 33407 48036 38602 63643 71103 33113 83038 83522 104323 106828 107734 117017 134727 135016 146287 149636 166733 168442 169134172933 181090 182927 183159 185327 193425 216666 228386 244381 266489 269430 273317 279533 284598 286235 288373 289171 294362 299106 300033 317771 319277 332497 333403 334358 338746 341518 347161 361473 378733 382004 386508 387058 194 G-winn. ,u 300 911. 784 2059 5087 8574 8840 9500 9516 11384 41236 51040 51070 54233 60473 SI750 6I8S2 62034 64265 67SI3 72081 73031 76523 85031 8731? 91936 98241 100092 110793 114113 117229 119892 122701 132008 133233 147213 150274 IS4933 157453 163009 163003 I7I914 133320 190143 196489 199012 201191 203615 207263 207910 208240 214097 214322 21S439 222933 22S1S0 22S001 234471 242391 249743 252434 233265 256702 259384 260703 262326 265390 272324 275297 273364 260341 285788 294419 206231 311456 31CO6O 319298 326913 327071 327224 333357 339188.344786 345148 348871 357539 363393 364230 366613 368243 370549 373868 377304 377691 388133 393221 393437 394166 398390 In der heutigen Nachmitlagsziehung wurden Gewinne über 400. M. gezogen 2»-Winne!» 25000 M. 397043 6«»Win»- tu 10000 AI. 5505 21634 322741 12 Gewinn»|tt 5000'R. 218 104235 184214 248960 271880 323871 14 Gewinne ,u 3000 931. 134934 144603 187699 197725 206461 258332 384869 43 Gewinn««>i 2090 M. 6163 34906 84713 146457 137126 163762 170730 171427 174421 1 99863 203071 213970 224510 227668 250710 250984 263132 282053 295533 296746 301 160 235163 262627 266876 84 Gewinne>» 1006 M. 9166 19Z2S 40732 50013 53891 56422 SS139 80122 91342 943SI 105640 112932 118569 133728 136141 142636 143303 148306 149858 149390 I5S407 183343 192882 212517230618 233475 253171 259964 272403 276805 291565 313108 225572 22931 S 332829 339455 342813 347874 332866 35326 5 361005 382204 146 Gewinne zu 500 M. 1972 13960 16685 26435 30576 34224 34548 37758 58671 60148 64994 72503 78126 78692 84715 94986 97422 113241 117182 119099 128445 131040 137427 143123 151497 157158 168219 170391 181860 192527 193977 195945 201943 211411 214344 218048 220492 224049 231139 243346 248469 249031 252663 253682 274476 289833 290877 292294 292755 303383 304129 306024 307391 303529 312039 318020 321776 328196 330308 332798 342343343833 344379 351730 370608 371477 374690 376117 378986 379559388369 398633 399036 Im Gewinnrabe verblieben: 2 Prämien fe zu KOOOO, 4 Gewinne zu se 50000, 6 zu je 250 0. 14 zu je lUXX), 46 zu je 5000, 108 zu je 3000, 312 zu je 2000, 582 ju je 1000, 914 zu je 500, 2846 zu je 400 Mark. Durch alle deutschen Sender klingt die Kunde: Besser und billiger wirtschaften— „Sanne und Ella", die vorbildlicHen Hansfrauen, geben Ihnen folgenden Wink zum Sparen: __„B ereiten Sie aus den oft vom Mittag übrigbleibenden kleinen Fleiscbresten, die Sie mit kleingeschnittenen Kartoffeln vermengt inSanella abhacken, ein schmackhaftes Abendbrot I" „Sanne und Ella" zeigen hier den doppelten Wert von Sanella; sie ist preiswert und spar« s am—• und gibt auch den billigsten Gerichten Nährwert und erhöht ihren Geschmack 1 Und wie gesund uud bekömmlich ist sie für die Kinder aufs Brotl—„Sanne und Ella" haben noch viele solcher Winke und auch sonst „Überraschungen" für Siel Also folgen Sie den Winken in diesem Blatte und im Radio! ijl SN Pi-tB Millionen ISausfraucn bevorzugt! IVilli Sielneri: &eier ffieimer fliriil smr ZProbe Peter Neimer ist ein Original und dainit basta.— Früher tipp- tcn sich die Leute an die Stirn und murmelten: hosfnungsloz, jetzt haben sie sich mit seinen kuriosen Angewohnheiten abgesunden Peter Reimer lebt als Kapitän a. D. in einem idyllischen Städtchen der Insel Fehmarn und hat Geld. Zu seiner Zerstreuung betreut er den Posten als Hafenkapitän und hat seinen Spatz daran. Peter Reimer ist um die 60 herum, trägt mit Würde einen wohlgepslegten Kinnbart und eine Riesenglatze. Die Kinder sagen, dah er sich mit dem Rasiermesser kämmt. Wie er mit Lodenmantel und Baskenmütze herumgeht, sieht er wie ein Gelehrter aus. Im Hofen ist nicht viel los, dos Getreide der Insel ist bald verfrachtet Nur Fischerboote und Jachten suchen die Insel als Nothase» auf Die Fischer, schwar; von Oel und Ruß, reparieren iimner anr Motor herum. Peter Reimer spricht sie in einer Negersprache an und entschuldigt sich dann. weil er sie für Neger hielt. Wo er kann, macht er Seglern Angst und Bange. Datz zum Beispiel eine gefährliche weiße Sturmböe im Anzug wäre, weil dos Baroineter mit einem Plumps gefallen ist und den Boden ausgeschlagen hat. Wenn Peter auf dies« Welle die Scgleratmosphäre genügend beunruhigt hat. setzt er sich zufrieden im„Bleichen Mond" auf seinen Stammplatz, um„Großbrasse" zu spleißen. Fräulein Mathilde besorgt Peters Wirtschaft. Sie ist etwa SO Jahr« alt und hat die Gewohnheit, mit sich selbst zu sprechen. lind zwar, weil sie schwerhörig ist. Sie will sich sprechen hören. Wenn Fräulein Mathilde in der Küche hantiert, hört es sich wie in einer politischen Versammlung an. Um sich bemerkbar zu machen, hat Peter«ine Signalanlage in die Küche gelegt. Starte Drähte, über sinnreiche J)eb«l geführt, lassen in der Küche einen großen Hammer lärmend aufschlagen. Aus eigenem Zlntrieb legt Fräulein Mathilde noch«in Zürrdplättchen darunter. Das funktioniert aus- gezeichnet, die Nachbarn brauchen keine Uhr.„Es hat jetzt 4 Uhr geschossen," sagen die Leute. Dan bestellt- nänllich Kapitän Reimer seinen Nachmittagskaffee. Punkt 9 Uhr abends bringt Fräulein Mathilde kochendes Wasser für den Grogkessel. Ein schöner alter Brauch! An der Wand hängt der Kupserkessel,«in Hähnchen ist daran und darunter die Petroleumlampe, damit das Wasser heiß bleibt. Je nach Stimmung kann Peter den Grog mixen. Wenn Fräulein Mathilde das Bett unter Selbstgesprächen abgedeckt ha!, nimmt sie an der Tür Haltung und meldet, daß zum Schlafengehen alles in Ordnung ist.„Weggetreten" brüllt Peter und Mathilde ver. schwindet blitzschnell, denn es gibt Dinge auf der Erde, die durch die Luft fliegen können. Die Einstellung Peters zu den Frauen ist denkbar einfach: der Teufel soll sie holen. Den Rest des Abends verbringt Peter, um über fein Begräbnis nachzudenken. Jawohl, das ist es. Sein eigenes Begräbnis. Das ist Peters Steckenpferd. Eine„schöne Leiche" muß es sein. Di« ganze Stadt soll große Augen niochen. Ein Begräbnis muß mit Sorgfalt und Lieb« vorbereitet werden. Peter hat Geld und keine Angehörigen. Das macht nichts, echte Tränen sind ja selten, aber mit Geld läßt sich Rührung kausen— und wenn es bloß künstliche Zwiebeltränen sind. Eins der wekentlichsten Stimulantien ist dabei die Musik. Musik muß hervorragend schön und ergreifend sein. Ein Begräbnis mit Musik— lächerlich— ein Konzert mit Begräbnis soll es sein. Die Neugierigen lungern sensationslüstern ums Trauerhaus. Was kann schon kommen, denken sie— eine Leiche erster Klasse— na ja. Die Totengräber mit Dreispitz und wallenden Mänteln, eine Zitrone imder Hand, lragen den Sarg heraus... Der Leichenwagen, silber- beschlagen, gedrechselt« Säulen mit Baldachin, wind von �echs unruhigen Rossen gezogen. Unruhig deshalb, weil die Röster, bis zum Zeh in Talare gehüllt, schwitzen müssen. Straußenfedern wippen auf nervösen Pferdeköpfcn, schwarzlackierte Hufe stampfen und tänzeln aus dem Pslaster, der Zug setzt sich in Bewegung. Bis jetzt standen sie innerlich gelangweilt herum, aber mit einem Schlage schwitzen sie vor Aufregung. Die Klänge des Trauermarsches:„Run trinkt er kcenen Rotspon mehr" elektrisieren. Da sitzt Ruck-Zug drin, das läßt erschauern, das prickelt, da wollen die Haar« zu Berg« stehen. So was müßte man als Toten sehen können! Für alle Fälle wird Perers Sarg zwei Gucklöcher haben. Und dann, ad römisch II, die Sache mit dem Pastor. So was darf nicht vorkommen wie letzthin, datz der Pastor den Namen des Verstorbenen vergessen hat.„Wir stehen hier am Grabe unseres Lieben-- ," und dann beugt er sich über das Grab und fragt bis- kret:„Wie war doch gleich der Name?" Nein, so was darf nicht vorkommen. Der Pastor muß— außer der Bezahlung— auch per- fönlich interessiert sein. Leider ist Peter ein seltener Kirchenbesucher. Wer in die Kirche geht, mutz Kirchenlieder singen, und wer singt, be- kommt Durst und damit hoperts in der Kirche. Diel lieber besucht Peter den herrlichen Fiedhof hinter der Kirche— das Wasser läuft ilxin im Munde zusammen— und bespricht mit dem Totengräber das Technische seiner Beerdigung. Nur keine nassen Füße! Wenn tas Grundwasser steigt, inuß unbedingt drainiert werdeir. Unter den worhandenen Grabsteinen fällt einer mit eingraviertem Anker nebst Kette angenehm auf und bei einem stattlichen Grabstein fehlt der Todestag in der Inschrift. Kapitän Hunter hat sich den Stein vorweg setzen lassen, um Peter zu ärgern. Aber warte! Peter wird sich einen Grabstein mit Musik und gedämpftem Trommelklang konstruieren lassen. Die Neidischen sollen sich im Grabe herum- drehen. Polle Jversen ist der best« und treueste Freund Peters. Früher liattcn sie sich gelzaßt wie Feuer und Wasser, aber das lag in ihren Berufen. Palle Jversen war Hafenzöllner und Peter schmuggelt« nur aus Vergnügen, um Palle ein Schnippchen zu schlagen. Peter fruchtete Getreide nach dem Ausland und da blieben immer Abfälle im Schiff zurück. Das war billiges Winterfutter für seine Hühner zu Hanse. Obgleich Palle viele Jahr« aufpaßte, gelang es Peter jedesmal, das Hühnerfutter an Land zu schmuggeln.„Den will ich doch erwischen," schwor Palle,„und wenn ich tot umfalle." Tag und Nacht lag er auf der Lauer. Grau und grün wurde Palle von den freiwilligen Nachtwachen, Peter verhöhnte ihn, wenn er an seinem Beobochtungspostan vorbeiging. Eines Tages brachte Peter einen großen Sock auf sein Schiff. Das waren feine Hühner, er sperrt« sie in den Lageraum..Hier tonn' je sich unvertollt satt freien, Herr Zollrat, dat is nich oerboten! Nirgendwo stecht dat, in keen een Gesetzbook!" Dann machte er einen Freudentanz auf dem Lukendeckel seines Schiffes und brüllt«:„Anschoeten, anscheeten!" zum Zöllner hinüber. Später wurden die beiden die besten Freunde. Palle Jversen wohnte nach seiner Pensionierung drüben auf dem Festland. Jedes Jahr begruben sie dos Kriegsbeil viele Male und Peter setzt« seinen Freund zum Testamentsvollstrecker ein. Poll« beschwor damals feierlich, dah bei Peters Beerdigung kein Auge trocken bleiben würbe. „Herr Peter ist über den Blutdruckmester gestolpert." Fräu- lein Mathilde stand mit verweinten Augen und in Trauerkleidung am Bahnhof. Palle Jversen war telegraphisch ans Sterbebett Peters gcrinen worden.„Jawohl, der Blutdruckmesser hat ihn umgebracht." erzählt, Mathilde auf dein Nachhausewege.„Der Doktor hat ihn ausgegeben. Herr Peter yar immer gesund und fidel. Da hat ihm jemand den Blutdruckmesser mit einer Bescheinigung der Krankheiten gegeben und damit war es aus. Da fing er an zu kränkeln. Früher stano er immer zeitig auf, fütterte die Hühner und frühstückte gut und reichlich. Seitdem er diesen Dreck hat, ist er bettlägerig. Wenn er morgens Unlustgefühle und Appetitlosigkeit am Blutdruckmesser ablas, stand er gor nicht auf. lind so wurde es schlimmer und schlimmer. Der Sargtischler hat alle seine Särge ans Bett ge- schleppt und Herr Peter hat den bequenisten ausgesucht. Er siegt schon drin. Der Doktor hat gesagt: Agonie. Heut abend kommt er vorbei, um den Totenschein auszustellen." Peter Reimer ging den dunklen Weg des Todes. Jetzt stand er wohl schon vor dem Tor ins Ungewisse. Palle stand erschüttert am Sarge und weinte. So weh war es ihm ums Herze.„Lieber Peter, lieber Peter--- ," mehr konnte er nicht sagen und streichelte die mageren Hände. Die Augen waren geschlossen, wie aus einer an- deren Welt kam es. kaum hörbar:„Denke an deinen Schwur, Palle, erste Klasse mit Musik--.*„Ja, ja." stöhnte Palle,„vielleichl stirbt sich's ruhiger, wenn du zusehen kannst, daß ich's in deinem Sinne in Ordnung bringe." Polle setzte sich an den Schreibtisch und schrieb Di« Todesnachrichten. Nach einer Weile hob sich der Zeigesinger Peters mit Anstrengung.„Was hast du. Peter?"„Hast du— Todesanzeige— für die Zeitung, Palle? Ganze Seite— und— dick schwarz! Platzen— soll'n se!" Palle hatte es vergessen. Er schrieb und ärgerte sich über sich selbst. Auf dem Tisch stand der Blutdruckmesscr, Palle warf ihn durchs Fenster— anderen sollte das kein Unheil bringen. Der Kopf des Sterbenden log unbeweglich abgewandt, die schnelle Bewegung Pallc war ihm trotz- dem nicht entgangen. Zum ersten Male hob er die Augenlider. Er fragte mit den Augen.„Der Blulidruckniesser taugt nichts— der flog zum Fenster raus. Eben habe ich's probiert, das Ding zeigt falsch an," log Palle.„Falsch," echote der Sterbende, unruhig legte er sich auf bis andere Seite, ein Murmeln folgte, das grit „Donnerwetter" und„Himmelhund" klang. Palle war beim Aufbahren. Er schloß die Fenster, zog die Bor- hänge dicht, räumte auf. trug silberne Leuchter. Palmenkübel und Blattpflanzen aus den, Hausflur herein und kam dabei in gelinden Schweiß. Apathisch hatte Peter anfangs zugesehen. Jetzt gleiten seine Hände unruhig über die Decke, die Züge seines Gesichts be- ginnen mitzugehen. Seine Stimme klingt resigniert, fast ärgerlich: „Aber Poll«, so sieht's— doch nicht— bei'ner— Leiche— erster — Klasse— aus! Wie Stube— und Küche— sieht das aus, Pallei Stell' doch— die kleinen— Topspflanzeu— auf Stühle, damit man's besser sieht— das kostet doch— mein schweres Geld!" Palle ist in Fahrt. Er lzat den Gehrock au-gezogen und zerrt am Kübel der großen Palme.„Wer ist hier Testamentsvollstrecker— he! Ich mach« wie ich will. Du hast als Leiche stille zu sein. Basta!" Und Palle krempelt die Hemdsärmel aus.„Wer stirbt den hier, du oder ich?" Peter sagt es gereizt und setzt sich im Sarge auf.„Du hast meinen Anordnungen im Testament zu folgen. Da steht es schwarz auf weiß und die Schrift lügt nicht." „Na ja." begütigt Palle.„Das wird jchon pampig genug aus- sehen. Was ist in dieser Kiste?" „Alter Portwein für die Trauergäste. Die sollen nicht sagen. daß ich knietschig war." „Ist der Wein vom Kaufmann hier gekauft? Dann kann es«in eklatanter Reinfall fein. Laß mal sehen---" Flink halte Palle die Flasche entkorkt, trank schnalzend, kritisch murmelnd:„Möchte mir noch kein abschließendes Urteil erlauben— probiere erst mal, Peter!" Peter hatte Palles Gesicht gespannt beobachtet und saß bereits auf der Sarglante. „Hmmm— tjö— tjö— nnmnme" Peter trank das Glas. „Recht hast du, Palle, wegen dem abschließenden Urteil— noch einen—" Als der Arzt wegen des Totenscheins kam, saßen die beiden in dichten Rauchwolken auf der Sargkante. Sie waren zum Grog übergegangen, unr„Großbrasse zu spleißen" und wider den Stachel des Todes zu löken, wie es in der Bibel heißt. staroM spHser: Scittmrsze»/htdiensi liach einem abeffinifchen Tagebuch Obwohl die Sonn« wie irrsinnig vom tiefblauen Himmel nieder- brannte, spürte ich sie die-mal weniger, weil mein ganzes Denken und Fühlen auf dos bevorstehende Ereignis gerichtet war: mein« erste Audienz bei einem Fürsten, einem schwarzen Fürsten! Tagelang waren wir geritten, als endlich dos„Schloß" des Fürsten Ailu, eines kleinen Regenten im Staate Amhara, dem ich einen Besuch abstatten wollte, auf einem größeren Hügel oufge- taucht war. Bon weitem nahm es sich wie ein riesiger Heustadel aus: ein schmuckloser, quadratischer Steinbau mit einem mächtigen Strohdach und vielen kleinen Fenstern. Bon unserem Lagerplatz sahen wir jetzt nur noch einen hohen Palisadentzaun, der sich in halber Höhe um den ganzen Hügel herumzog. Gleich nachdem das Zelt aufgestellt war, hatte ich Ephraim, meinen lieben schwarzen Diener, hinauf ins„Schloß" gesandt, um anzufragen, ob Ras(Fürst) Ailu mir Audienz gewähren wolle. Es blieb also etwas Zeit, meine Vorbereitungen zu treffen. Der Tropenhelm und die Segeltuchschuhe lagen geputzt'-«or mir. Ich hatte-nnch nur mehr umzuziehe«. Plötzlich.. dröhnte-vom Hügel her ein dumpfes Getrampel. Erschreckt sprang ich ins Freie: Durch ein riesenhaftes Tor im Palifodenzaun marschierte eine Kom- pagnie schwarzer Soldaten, an ihrer Spitze Ephraim, herunter. Schleunigst beendete ich mein« Toilette und trat gleich darauf in Haltung dem Milttär entgegen. Es waren vielleicht hundert Mann in Khakiuniform mit langen Hofen und barfuß. Am Kopfe trugen sie hohe Schlldkoppen. Jeder hotte ein Gewehr geschultert. Auch der Offizier. Bor meinem Zelt machten sie halt und Ephraim teilte mir, stolz grinsend, auf italienisch mit. Ras Ailu freue sich, mein? Bekanntschaft zu niachen und habe mir seine Leibgarde zum Emp- fang entgegengeschickt. Das schwarz« Militär nahm mich in die Mitte, und wir stiegen zu dem„Schloß" hinauf. Dort führten zwei Soldaten mich und Ephraim, der als Dolmetsch fungieren sollte, durch einen langen. weißgetünchten, türlosen Gang, an desiem fernen Ende«in bunt- farbiger Strohoorhang leuchtete. Plötzlich wurde«r hochgezogen und wir betraten den„Audienzsaal" des Ras. Hier sah es wie in einem riesigen Trödlerladen aus: ein europäisch-ofrlkanisches Tohu- wabohu strotzte uns an: Auf einen: oltmodiichen Zahnarztstuhl — wörtlich zu nehmen— thronte Ras Ailu und streckte mir eine Hand entgegen: ein Mann in den besten Jahren. Cr trug ein weißes Hemd, über das ein wuirderichöner, schwarzseidener lieber- wurf lässig gezogen war, weiße, lange Hosen und an den Füßen sandalenähnlich«, dunk«lrote Schuhe. Die schwarzen, gckräusetten Haare spielten einen munteren Reigen. Sein ausgesprochen schönes, längliches, schwarzes Gesicht drückte Würde und Wohlwollen aus, leise von wilder Grausamkeit durchzogen. Und die Augen: ver- schlosiene, stolze, rätselhafte Augen. In der einen Ecke d«z Saales befand sich eine weißlackierte Gartengarnitur. Ueberall verstreut hingen oder standen mächtige Uhren ältesten Kalibers,«inen irr- siimigen Spektakel von sich gebend. Irgendwo schlummert« unter Staub eine Nähmaschine. Am Boden lagen herrliche, bunt« Teppiche abessinischer'Abkunft. Bon der ziemlich niederen Decke duftete«in« große Petroleumgaslmnp« anheimelnd herunter. Die Wände waren prächtig bemalt, meist abessinische Fürsten in>. Ornat darstellend. Ich saß dem Ras in unmittelbarer Nähe gegenüber, hinter mir stand Ephraim. Im Laufe des Gesprächs wurde ich gekrogt, ob ich ein« der fürstlichen Uhren, die schönst«, reparieren könne. Die alte Kiste stand ganz schieß Nachdem ich ihr zu richtiger Haltung ver- halfen hatte, began sie lustig und dankbar zu ticken. Ras Ailu war gerührt; irgendwo in seinem Gesicht ging die Sonne auf und wuchs zu mächtigen Strahlen. Plötzlich polterte durch den Borhang in weldein Tempo ein Wirbelfturm herein, stutzte bei meinem Anblick, guckte mich aus riesigen Augen neugierig an und verkroch sich dann schleunigst hinter seines Vaters Thron: der kleine Ras, dos Räslcin. Gleich darauf knallte eine"tüchtige Maulschelle, die der strenge Papa jeincm Sprößling für das umnanierliche Benehmen kunstgerecht und treffsicher nach rückwärts verabreicht hatte. Das Fürstlein, genau so ge- kleidet wie sein Erzeuger, wurde, fürchterlich brüllend, hinaus- befördert. Nun nahmen wir an dem Gartentisch Platz, ex war mittler- weile gedeckt worden mit Tellern, Besteck und einer mächtigen Holz- schüsiel, in der ein ganzer Hühnerstall in dunkelbrauner Tunke schwamm. Die Hühner schmeckten ausgezeichnet. Wenn nur dieser braune Saft nicht gewesen wäre. Paprika ist ja Milch dagegen! Fortwährend mutzte ich„Tetsch", ein starkes, bierartiges Getränk.' hinuntergießen, um meinen Schlund nicht für immer zu zerstören. So wurde ick) langsam heiter. Nach der Mahlzeit bot ich meinem Gästgeber italienische Ziga- retten an. Leider aber hatten sie Mundstücke, die dem Ras iremd zu sein schienen: er steckte sein« Zigarette verkehrt in den Mund und begann, gleich nachdem ihm sein Diener Feuer gegeben hatt«, dunkel zu grollen und spuckt« dann nach allen Richtungen hin aus. Im Nu bewölkte sich sein Antlitz. Auf einmal warf er entschlosien und mit Schwung die Zigarette von sich. Noch blieb ich ernst. Dem folgenden wäre aber meine Beherrschung auch nicht gewachsen gewesen, selbst wenn ich Himbeersast statt„Tetsch" getrunken hätte. Der Ras ließ mir mitteilen, daß fein Diener Champagner holen gegangen sei. Eine Ueberraschung. die mich unbeschreiblich freute.... Was ober war das, was der Diener da heranschleppte? Eine riesige, mindestens fünf Liter fassend« Flasche mit der Etikette: Kognak. Mein Jubel wurde zahmer. Der Diener schenkte mir«in Wasserglas voll und ich trank— Rum. Schlechten, hundeschlechten Rum! Trotz dieser abermaligen Attacke auf meinen armen Schlund muhte Ich loslachen. Zum Glück legte dies der Aas als Beifalls» kundgebüng aus und lächelte stolz-diskret. Plötzlich tauchte ein Diener mit einem kleinen bunten Stroh- körbchen in der Hand und einem jung«n Löwen ack der anderen auf. Eine stark« Eisenkelt« machte das Raubtier, welches die Größe einer riesenhaften Katze hatte, unschädlich. Leise, ohne rechts oder links zu blicken, pfotet« das Löwenbaby gerode aus den Ras zu. Als ob es von ihm hypnotisiert wäre. Wenig« Schritte vom Thron entfernt, ouckt« es sich plötzlich und sprang, wild auffauchend, gegen seinen Gebieter. Der scheinbar darauf abgerichtete Diener ritz die Katze zurück, so daß sie in aufbäumender Stellung knurrt«. Dies machte dem Ras unendliche Freude. Dann klatschte er in die 5iänbs und das Baby mußte sich empfehlen. Nun brachte mir der Diener das Strohkörbchcn. Ich hob den Deckel ob und nahm eine gelbe, vielleicht 10 Zentimeter lange und bleistiftdicke Stange heraus, die sich wie Wachs biegen lieh: reines Gold, ein Geschenk für mich. Dann erhob sich der Ras Und bat mich, noch lange sein Gast zu bleiben:«in Herrscher vmn Kmuselhoar bis zu den Sandalen, würdevoll, stolz und gütig. Hinter dem Vorhang warteten wieder zwei Soldaten, die mich hinunter begleiteten. Wie groß aber war mein Erstaunen, al» ich neben einem kleuren Zelt«inen großen, zirkusähnlichcn Aufbau erblickte. Doneben briet«in ganzes Kalb am Spieß. In dem Riesenzelt stand ein europäisches Eisenbett mit einer herrlichen Matratze. Ich legre mich sofort hinein.... Ras Ailu ist ciii�Fürst, ein wirklicher Fürst. Merolde, tfiecher und Wofferpacker In keiner Stadt der Welt gibt es soviel ausgefallene Berufe wie In London. In den Straßen der Hauptstadt kann man gelegem- lich Herolde beobachten, die mit lauter Stimme Nachrichten ver- künden, die für die Allgemeinheit oft gar kein Interesse haben. Man kann sich nämlich in London durch Vermittlung der Polizei einen Herold mieten, der in den Straßen eines bestimmten Bezirks aus- rufen wird, eine goldene Uhr oder eine Briestaschx seien verlorengegangen. Zeremonienmeister für Privatgesellschaften ist gleichfalls ein in London stark vertretener Beruf. Vor kurzem ist der ätteste Zercmoniemneister dieser Art, ein gewisser Wllliam Knightsmith. im Alter von 74 Jahren gestorben. Kuightsmith war ein Meister seines Fachs. Er beiaß eine Stentorstimme und war besonders dazu geeignet, bei feierlichen Banketten in vornehmen Häusern nach dem Rechten zu sehn und die Gäste zu ihren Plätzen zu geleiten. Kein einziges großes Bankett fand in London ohne die Teilnahme dieses „Prominenten" statt. Das Honorar Knightsmiths betrug gewöhnlich 20 Psund, und es war erst in der letzten Zeit im Zusammenhang mit der wirtjchaitlichen Lage aus 1Z Pfund gesunken. So konnte der Senior der Zeremonienmeister ein ganz anständiges Vermögen hinterlassen. Viel« junge Domen verdienen sich in Lerndtm das Geld dadurch, daß sie spazieren gehen. Sie sind von einer Gummisirma verpflichtet, täglich 20 Kilometer auf Gummisohlen zu lausen, um ihre Festigkeit zu prüfen. Erst nach dieser Prüfung werden die Sohlen oerkauft. Die jungen Damen sind mit Schrittmessern ver- sehen und bekommen für ihre Bemühungen ein anständiges Honorar. Leute, die einen besonders entwickelten Geschmackssinn besitzen, werden in London engagier�, damit sie vor einem großen Diner das Esten kosten. Sie schmecken ab und geben den Rat, das Fehlende noch hinzuzutun. Es gibt auch Fachleute im Packen von Reiso- koffern. Sie werden hauptsächlich von unbchslsenen Junggesellen in Anspruch genommen. 3Ir. 117• 49 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstage 10 Mörz 19Z2 Der Staat als Unternehmer. Ote volkswirtfchafiltche Bedeutung der öffentlichen Wirtschast.- Ein Buch von Or. Staudinger „Seit der zunehmenden Verschärfung der politischen und wirtschaftlichen Besamtloge ist die öffentliche Unternehmung zum Spielball oberflächlicher Schlagworte in einem erbitterten Interessenkampf geworben. Der Wunsch, durch den Versuch einer leidenschaftslosen Darstellung der staatlichen Unter- nehmertätigkeit In Vergangenheit und Gegenwart, den Boden für eine sachliche Erörterung bereiten zu helfen, hat den Verfasser veranlaßt, der Aufforderung der Herausgeber zur Mitarbeit an dieser Schriftenreihe nachzukommen."(Aus dem Vorwort.) Mit diesen Worten begründet Genosse Dr. Staudinger, Staats» sekretär im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe, das Erscheinen seiner Schrift„Der Staat als Unternehmer"(6. Band in der von den Genossen Ministerialrat Goslar und Ministerialrat Dr. Hirschfeld herausgegebenen Schriftreihe..Du und der Staat". Verlag Gereboch u. Sohn, Berlin, 99 Selten, Preis 1,25 M). Aber die Schrift ist eine Ueberrafchung! ihr Wert geht weit über die angekündtgt» bescheidene Ab» ficht hinaus, eine belehrende und meinungsschlichtende Aufgabe zu erfüllen. Für den. der im wirtschaftepolttischen Kampf steht und der lesen kann, ist sie»in» st a a t« m ä» n> s ch e Schrift, die ohne ausdrückliche Formulierung— das ist durch die Beamten» stellung de» Verfasier» erschwert— aber mit um so wuchtigerer Wirkung die These mit historischem und Tatsachenmaterial belegt. dah der Staat den Primat der Wirtschaftsführung immer halte und heute erst recht für sich iu Anspruch nehmen muh. Staudinger ist kein Professor. Ein Professor hätte drei, vier, schließ» lich von wenigen gelesene Bände aus dem von Staudinger be» arbeiteten Daten gemacht. Staudinger ist«in Frontoffizier der Staats- und öffentlichen Wirtschast, neben seinem Minister der ent- scheidende Disponent aller preußischen Staatsunternehmungen und ein Hauptverantwortlicher der staatlichen Wirtschaftspolitik im Reich überhaupt. So konnte Staudinger stisches pulsendes Leben mst der Sonde eigener umfassender Erfahrungen gestalten, und die knapp hundert Seiten seiner absolut tendenziös entworfenen Schrift sind durch Staudinger» doppelten Crfahrungsreichtum für den interessierten Leser zu einem ungeheuer aktuellen Plädoyer für dt« führend« Funktion de» Staat» in der Volkswirtschaft geworden. Daß Staudinger als Wissenschaftler und Staatsfunktionär«» für eine Ehrenfrag» hält, volkswirtfchastliche Stotwendigkeiten nie durch privatwirtschaftliche Zugeständnisse oerkümmern zu lassen, tonnte die Aktualität und Bedeutsamkeit der Schrift nur erhöhen. Die Schrift hat einen historischen,»inen darstellenden und einen wegweisenden Teil. D'« größte Arbeit steckt sicher im darstellenden Teil: doch konnte hier— außer der bisher selten gegebenen Zu» samntenfassung von staatlicher und kommunaler Unternehmer- tätigtest— nicht» wesentlich Neue» geboten«erden; denn Tatsachen sind in Deutschland schon immer sehr sorgfältig registriert und ge» ordnet worden. Aber schon der h i st o r l s ch e Teil— übrigens wohl der erste Abriß spezifisch preußischer Staatswirtschaft»» und Unternehmungsgeschichte— ordnet die Tatsachen zu der über- zeugenden Erkenntnis, daß e» einen Primat der Privat» Wirtschaft, wie er heut« verlangt wird, vor der staatlichen Wirtfchastslenkung nie gegeben hat. Der erste und größte Unternehmer war über» Haupt der Staat, und gerade unter„Fridericus Rex" erfolgte die stärkste Entwicklung der Wirtschost durch den Staat. Der Erzbergbau, der Steinkohlenbergbau an der Ruhr und in Schlesien, die ersten größeren Hüttenwerke, sie sind staatliche Grün- düngen. Für chie Kletneisen- und die Textilindustrie gilt dasselbe. In der Zeit, in der der L i b e r a l i s m u s dem Staat die Rolle de»„Nachtwächters" zuteilen wollte, finanzierte die staatlich- preußische Seehandlung(die heutige Staatsbank) den ersten beut- schen Industrieexport und den Import der ausländischen Rohstoff«. Ein Bericht de» Seehandlungspräsidenten Rother von 1841 nennt Kammgarnspinnereien. Woll- und Baumwoll» Webereien. Zinkwalzwerk«, Maschinenbauanstalten. Eisen- und Stahlguhwarenfabriken, Flachssptnnereien. Papierfabriken und chemische Fabriken, die die staatlich-preußische Seehandlung mst mittel, und langfristigen Krediten finanziert, teilweise allein ge- gründet hat und an denen sie hoch beteiligt war Die Dampfschiff» fahrt auf der Spree. Havel und Elbe ist ebenfalls eine Gründung der Seehandlung. Das geschah noch in der Zeit des Liberalismus, als der Staat, wie es die Geschichte heute lehrt, der Wirtschaft alle Freiheit gegeben hatte Der Drivatkapitalismus ist es also nie gewesen, der die heutige Volkswirtschaft„»»'wickelt" hat. Die wichtigsten Volkswirt- schaftlichen Interessen muhten ober auch dann vom Staat wahr- genommen werden, als der Kapitalismus feine hächste Blüte erreicht hatte, denn die„Freiheit der Wirtschaft" führte sofort zu monopolistischem Mißbrauch und zur Vernachlässigung wirt-[ schaftlichcr und sozialer Notwendigkeiten, die keinen Vrofit ab- warfen oder bei denen das Risiko zu groß war. Der Staat mußte seit den neunziger Jahren Kohlen- und Kaliunter- nehmer in größerem Maßstab« sein, um den M o n o p o l m i ß» b r a u ch zu begegnen, er muhte der Kapitalverschleuderung im Kalibergbau durch sein Machtwort ein Ende sehen, er mußte die Elektrizitätswirtschaft westgehend in die Hand nehmen, den land- wirtschaftlichen Kredit, die öffentliche Wohnunqsbauförderung organisieren und allein die Milliardensxartraft der Volksmassen für � „die Wirtschaft" fruchtbar machen Ueberall versagte hier das Prinzip der freien Wirtschaft, versagten auch die Hebel der Unter- nehmerinitiative und de» Profits. Mitten in die unerhörten Staatseingriffe der allerjüngsten Zest führt die Darstellung der heutigen Aufgaben und Funktionen der öffentlichen Unternehmung, tm dritten, dem wegweisenden Teil des Staudingerfchen Buche». Daß es purer Mangel an historischem Wissen und Verständnis, schlechter Wille und offener Profit» n« i d sind, die heute die staatliche Unternehmertätigkeit als wirt- schaftsschädlich denunzieren, ergibt sich bei Staudinger als sichere Erkenntnis. Die Existenzberechtigung der öffentlichen Unternehmung liegt aber nicht allein in ihrer Leistungsfähigkeit, so heißt es bei der Darlegung der volkswirtschaftlichen Funktion der staatlichen Unter- nehmertätigkeit, sondern auch„in der Ausrichtung ihrer Wirtschaftstätigkeit auf die Allgemeinheit, in chrer Gegenwirkung gegen die nun einmal naturnotwendig ein- festigen Interessen des Privatunternehmens". Daß der Grundsatz der Rentabilität streng zu beachten ist, ohne daß da« Renteninteresse j Selbstzweck sein darf, daß«ine dauernde Prüfung der Kostenge» staltung und weiteste Publizität nötig sind, sind für Staudinger Selbstverständlichkeiten. Der w i ch t i g st e A b s ch n i t t ist aber der letzte de« drstten Teil», der die Aufgaben der öffentlichen Unternehmungen in der nächsten Zukunft behandelt. An den Beispielen des Verkehrswesens, der Energieversorgung und der Kreditwirtschaft wird die Notwendig- keit entwickelt, daß die Unternehmsrtätigkeit des Staats sich nach gesamtwirtschaftlichen Planun» gen auf allen einzelnen Gebieten zu orientieren hat und daß öffentliche Wirtschaft und staatliche Wirtschaftsplanung als Einheit begriffen wer- den müssen. Das historisch zufällige Nebeneinander von staatlicher, pro- vinzieller und kommunaler Unternehmertätigkeit aus gleichen Ge- bieten muß einer auf Wirtschaftlichkeit abgestimmten gemeinsamen Planung weichen, die der gegenseitigen öffentlichen Konkurrenz ein Ende zu machen hat. Mit einem gewissen Zorn stellt Staudin» ger fest, daß aus dem zur gesamtwirtschaftlichen Planung längst reifen Gebiet der Kraftversorgung auch der mangelnde gute Wille„verantwortlicher Leiter großer Unternehmungen" größte Schwierigkeiten bereite lDeispiel der Oskar-v.-Miller-Plan und A.-K. für Deutsche Elektrizitätswirtschast). Dann zeigt Staudinger Wege zum vollkommenen Ineinandergreifen der öffentlichen Unter» nehmungen„im Dienste rationellster Produktionspolstik und spar» samster Kapitaloerwendung": einheitliche Aussicht und Zu» sam m« n fa sfu n g de» Geld» und Kreditverkehrs sämtlicher Unternehmungen der öffentlichen Hand, fortlaufende Mitteilungspflicht der öffentlichen Unternehmungen«in» schließlich der Versicherungsträger an eine zentrale Reichsstelle. Ausgleich der Kredit- und Anlagebedürfnisse in einer Gelamtdisposttion, Zusammenfassung der öffentlichen Geld- und Kreditanstalten zu bestimmter einheitlicher Wirkung. organisatorische Verbindung der den Mittel- und Kleinkredit pflegen- den Anstalten mit den verwandten genossenschaftlichen Kreditan- stalten. Ein« Konjunkturpolitik der öffentlichen Unternehmungen, bisher immer gefordert und nie durch- geführt, fei nur möglich, wenn die öffentliche Wirtschaft ein« rich- tunggebende einheitliche Anlage- und Reservepolltik durchführt. Staudingers Schrift wird in Fachkreisen ohne weiteres groß« Beachtung finden, schon allein durch die aktive Stellung de» Per» fassers im öffentlichen Wirtschafts- und im Staatsleben. Für die organisierte Arbesterschaft und d«» deutschen Staatsbürger, der mst Verständnis feine Rechte und Pflichten in Wirtschastsdingen wahr- nehmen will, ist Staudingers Schrift ein um so zuverlässigerer Ge- Hilfe uich Wegweiser, als der preußische Handelsminister Dr. Schreiber dem Tuch«ine zustimmende Einlestung vorangestellt hat. so daß Staudingers Auffasfungen auch als Richtlinien der preußischen Unternehmungs- und Wirtschaftspolitik angesehen werden dürfen K—r. Erhöhter Baumwollverbrauch! Die günstige Konjunktur der Textitindustrie. Au» einer Mitteilung der Inlernakionalea Baumwollverarbeiter- organisalionea erhält man jetzt hie Bestätigung dafür, daß e» der Baumwollindnstrie trotz der Weltkrise relativ sehr gut gegauge» Ist und auch eine Erklärung für dle hohen Dividenden, von denen, wir für Deutschland berichten konnten. Ganz im Gegenteil zur allgemeinen Wirtschaftsentwlcklvng hat sich In dem Ende 1932 geschlossenen Halbjahr der Weltbaumwoll- verbrauch gegenüber der gleiche« Ze't de, Vorjahre» nicht gefeukt, sondern erhöht. Er ist von ll.lS auf 11,47 Millionen oder um 306 000 Ballen gestlege«. Auch der verbrauch Deutschland» hat sich von 364 000 auf 437 000 Bollen erhöht, wobei von der Zunahme nur 42 000 Ballen aus die Vermehrung der Vorräte entfallen. Angesicht, dieser Entwicklung fällt dle Ungerechtigkeit doppelt in» Auge, daß man gerade in der deutschen TexM- Industrie die Löhne auf ein solche» Elendsulveau gebracht hat. wie wir es heute haben. Die Reichsban? am 7. März. Die Rückzahlung des Notenkredits.- Sonst ausgeglichene Devifenbilanz. Der Reichsbankausweis vom 7. März zeigt die nach jedem Monatsende zu erwartend« Entlastung. Die Wechselbestände nahmen um 55.4 aus 3268,8, die Schotzwechsel um 9.6 auf 34,2, die Lombard- darlehen um 84,6 auf 218,4 Millionen ab. Die fremden Gelder auf Girokonto verringerten sich um 163.9 auf Z18,9 Millionen Mark. Der Notenumlauf ging um 89,4 auf 4178,9, der an Rentenbunk- scheinen um 8.6 auf 411.1 Millionen zurück. In den Gold- und Devisenbeständen zeigt sich dl« nach der lllprozentigen Abzahlung des ausländischen l66-Milllonen-Dollor.Kr«dits er- wartete Verringerung der Goldbestände: die Gold- und Deoifen- bilanz ist sonst aber ausgeglichen. Die Goldbestände«rringerte» sich um 48.5 auf 880,6 Millionen, die Bestände an deckungsfähigm Devisen nahmen um 7.6 auf 156,4 Millionen zu, so daß sich an- gestchts der Goldruckzahlung für den Notonbankkredit im Betrage von 42,5 Millionen Mark noch ein kleiner Deoifenüber» schuh ergibt. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungs- fähige Devisen hat sich auf 24,8 gegen ZZ,2 Proz. In der Vorwoche verringert. Reichsbank und Russenwechsel. Diskontübernahme für 120 Millionen. In den Verhandlungen der Eisenindustrie mit der Reichs- regierung hat das Reich eine Erhöhung seiner Garantie für die Rusienlieferung, die insgesamt 1 Milliarde Mark beträgt, a b g«» lehnt. Dagegen hat die R e> ch s b a n k sich bereit erklärt, Russen- Wechsel in Höhe von 126 Millionen, die bei der Eisenindustrie lagern. zum Rediskont zu übernehmen, falls eine Bankengruppe sich mst einer Zwesten Unterschrift daran beteiligt. Durch diese Trans- altion wird die Möglichkeit gegeben, weitere Ruffenaufttäg« zu finanzieren. Im übrigen werden im Laufe dieses Jahres russische Zahlungen in Höhe von insgesamt 375 Millionen Mark fällig, wodurch entsprechende Garantiebeträge des Reiches frei werden. Bis zum 1. April haben die Russen aus den durchgeführten Lieferungen 5CHIIHE ffleaCedfiS Prlediichstr 0t» PeUdMier Str. SS »•glitt, SchloBstr. 100 50 Millionen und bis zum l. Juli 78 Millionen zu zahlen. Im vergangenen Jahr hat die deutsche Industrie Rußlattdaustrage für insgesamt 800 Millionen Mark erhalten und infolge der Zinan- zieruitgsschwierigleiten ist im laufenden Jahr mit einem erheblichen Rückgang zu rechnen. Eine weiter« Voraussetzung für neue Be- stellungen der Sowjetunion bei der deutschen Industrie ist, daß d i e russische Einfuhr besonders an Oel, Holz und Agrarprodukten nach Deutschland hereingelassen wird. Aber gerade auf diesen Ge- bieten haben die neuen deutschen Zölle den Import st a r k g c- drosselt. Die Senkung der Biersteuer. Die Stellungnahme des?ieichsrats. Die Ausschüsse des Reichsrats beschäftigten sich auf Wunsch der Reichsrcgierung am Mittwoch mit der geplanten Senkung der Biersteuern und der Branntweinabgabe. Schon in den nächsten Tagen soll durch eine Notverordnung diese Steuersenkung vorgenommen werden, die dann mit einer Preissenkung oerknüpft wird. Im Reichsrat würde auf Antrag des Landes Bayern der Reichs- r e g i e r u n g empfohlen, die R e i ch s b i e r st e u e r, so wie es die Regierung vorgesehen hatte, um Z M. für den Hektoliter zu senken. Die Gemcindebiersteuer dagegen soll gestaffelt ermäßigt werden. In Gemeinden, die bisher nur bis zu"2,50 M. Steuer auf den Hektoliter Bier erheben, soll die Steuer unverändert bleiben. Bei einem Steuersatz von bisher bis zu 5 M. soll die Senkung 20 Proz., bis zu 7,50 W. 30 Proz. und bis zu 10 M. 40 Proz. betragen. Die Branntweinabgabe soll von 6 auf 4 M., also um«in Drittel ermäßigt werden. Soll der Preis der Berliner Molle, wie von Dietrich versprochen, um 5 Pfennig verbilligt, so müssen die Brauereien über diese Steuersenkungen hinaus noch selbst einen Teil der Verbilligung übernehmen. Jugoslawien zahlungsunfähig. Nationalbank verhängt Oevisensperre. Die Verschlechterung der Wirtschafkslage in Jugoslawien wird durch die neueste TRaßnahinc der Velgroder Nationalbank scharf be- leuchtet. Die Nationalbank hat den übrigen Banken mitgeteilt, daß sie von Beginn dieser Woche an d'e Zuteilung von Devisen gänzlich sperrt. Diese Erklärung der Nationalbank hat um so größere» Aussehen erregt, als der Außenhandel des Landes in den lchten Monaten bereits derart zusammengeschrumpft war. daß das Handelsministerium die Verössentlichung der monatlichen Handels- bilanz eingestellt hat. Die Schweiz überspannt den Bogen. Einfuhrmonopole zum Exportausgleich geplant. Die Schweizer Regierung will ssch mit der durchgeführten Einfuhrdrosselung durch Kontingente noch nicht begnügen. Wie der Leiter des Handelsamtes, Direktor Stucki, jetzt vor"dem Zoll- tarisausjchuß erllärte, sei als weitere Verschärfungsmaßnahme d i e Errichtung von Einfuhrmonopolen beabsichtigt. In erster Linie wird an Einfuhrmonopole für Artikel des Massen- k o n s u m s gedacht. Der Zweck dieser Maßnahmen ist. die Einfuhr Mit der Aussuhr zu kompensieren, d. h. zwischen dem Absatz der einzelnen Länder in der Schweiz und dem Umfang ihrer eigenen Importe aus der Schweiz einen Ausgleich zu schaffen. Sollte die Schweizer Regierung sich wirtlich zu derartigen Maß- nahmen entschließen, so würde sie den Bogen auf handelspolitischem Gebiet reichlich überspannen. Derartige Methoden sind nur allzusehr geeignet, jede Entwicklungsmöglichkeit im auswärtigen Handel durch den starren Mechanismus eines Warenclearings znm Ersticken zu bringen. Auch würden, wenn«in derartiges Beispiel Nachahmung fände, die Grundlagen für jeden natürlichen Einfuhrbedarf und damit für die internationale Arbeitsteilung er- schüttert werden. Kursbesserung des englischen Pfundes. Die englische Oeffentlichkeit ist seit zwei Tagen freudig erregt, weil ssch der Kurs des englischen Pwndes gegenüber dem Ausland sprunghaft erhöht hat. In der Tat ist das englische Pfund— in Mark ausgedrückt— um etwa 1 Mark seit zwei Tagen im Werte gestiegen. Das hängt damit zusammen, daß die Bank von England bis vor zwei Tagen ständig noch angebotene fremde Devisen gekauft, den Ankauf aber seit zwei Tagen eingestellt hat, weil sie zur Rückzahlung von Verpflichtungen neue Devisen ankäufe nicht mehr nötig hat. Dadurch blieb das Angebot fremder Devisen drättgend. und das Pfund konMe im Kurse gewinnen. Für die englische Ftnanz- und Kreditversassung ist die Pfundkurssteigerung natürlich ein gutes Zeichen. Da- Himer steht nämlich die Tatsache, daß das Ausland wieder große Geldbeträge in England anlegt, was als Zeichen der Wieder- Herstellung des Vertrauens in die englische Finattzstärkc anzusehen ist. Pfund Sterlinge werden mit attderen Worten von ausländischen Geldanlegern gesucht. Der englisch« Handels- m i n i st e r R u n c i m a n hat ober recht mit seiner auf einem Industriellenbankett gemachten Aeußcrung, daß in diesem Geld Zustrom nach England auch eine Gefahr liege insofern, als der Abruf dieser Gelder das Pfund auch sofort wieder nach unten werfen könne. Deshalb müsse die Bank von England dafür sorgen, daß die Kurssteigerung des Pfundes nicht zu weit gehe. uerHauie Tavetex 3.;inat. Kolonie ilrcBt 9. KiBiflungsstucHe. Uiascne usw. Von Ztovaliercn wenig getrogene und neue Herren. anzlige, Ulster, Paletots, jede Fl out passend, Ott. ! lauft enorm billig Leihhaus Friedrich itrahe 2. Keine Lombardware. Weitere Verbote von Bausparkassen. In der Senatssitzung des Reichsaufsichtsamts für Prwatver- sicherung vom 7. März 1332 ist gemäß§ 87 des Versicherungs- aussichtsgesetzes nachstehend aufgeführten Bausparkassen der Ge- schäftsbctrieb uMersagt worden:„Deutsche Wirtschafts- Hilfe" Bausparkasse G. m. b. H. in Bielefeld-,„B a u s p a r" Allgemeine Bauspar-Gesellschaft für Haus- und Grundbesitz m.b.H. in Dortmund:„Deutsche Erde" Gesellschaft m. b. H. in Wüstenrot.> Bei der B a u s p a r A.- G. in Bremen hat der Senat entschieden, daß gemäß§ 88 des Versicherungsaufsichtsgesetzes der Antrag auf Eröffnung des Konkurses gestellt wird. Bei der neuen Bausparkasse G. m. b. H. in W ü st e n- rot ist unter Anerkennung der rechtzeitigen Stellung des Antrags des Versicherungsaufsichtsgesetzes eine Uebcrwochungsperson auf Grund von 5j 81 eingesetzt. Berschlechlerler Status bei Industriebau Held u. Franke A.-G. Noch dem Bericht des Konkursverwalters hat sich der Status bei diesem UMernehmen zum 1. Januar 1332 weiter verschlech- tert. An verfügbaren Aktiven werden nur 1,16 Millionen aus- gewiesen, denen an Forderungen ohne Vorrecht 19,5 Millionen gegenüberstehen, von denen noch 3,47 Millionen gesicherte Forde- rungen abzuziehen sind. Demnach verbleiben vorrechtslose ungc- sicherte Forderungen mit 16 Millionen Mark. Durch das Abkommen mit den Konsortialgläubigern verbessert sich die Quote für die nicht bevorrechtigten Glaubiger auf 13 Proz., vorausgesetzt, daß nicht neue Forderungen aus den laufenden Klagen erwachsen. Sin Srlebnie in*tx KSche ist te für ia manche Hausfrau, wenn sie-arm Herd steht, und Sanne und Sil- ihr durch den Lautsprecher sagen, was und wie sie lochen soll...Bequemer", meint sie,„kann man es schon nicht mehr haben. Ztochgehilsinncn. die einem nicht einmal im Wege stehen". Um so dank. barer ist st- den Ratschlägen der beiden llugen Hausfrauen. Auch sie spart, ohne sich einzuschränke»: dos heisit, auch sie verwendet immer und zu allem die nahrhafte, so leicht verdaulich- und so überaus schmackhafte Sanella. Margarine. TUealcc Lidtlspiele usw ■—-ttct Sf&als Idealer Oomiiersiag, den 10. Mftrz Staatsoper Unter den Linden 30 Uhr Madame Butterfly StaatLSdHusnielbaiis ünilanKssarliL 20 Uhr Florian Geyer Schiller-Theater Cbarlottenburg. 20 Uhr Doktor Klaus SCAt4 Tig'-S u. 8ü Ubr VERA SCHWARZ SUCHEN Fl MIES FIIEM. yOLLlNDERS „TINGEL-TANGEL" MARIANNE WINKELSTERNnw. Slam. Oper Charlottenburg SismarckstiaBe 34 Donnerst, 10. März Turnus! Anfang 20 Uhr Uraufführung: Die BürgseDaft Ende geg. 23J30 Uht PLAZA Näh. Sehl«. Bhf. SlJU.Stp�S.IUt. Tel.: E 7 Weiclitel 4031 .Friederike" Theater aiiDüendortpiatz Pallas 7051 Täglich Pk Uhr Trauineioer Hiebt Operette in 3 Akten e. Lo l.Wol fl o. Karl Bebt Musik von Hans May Regie: Heinz Saltenbnrg — Kleines Th.— Trappe 1931. TägLSV« Uhr Die mausetaiie Preise 75 PL— 5 M. Sonntag aachmittags 4 Uhr halbe Preise. Itnlnq"Tlutir räglicn SV« Uhi Morgen gehte uns gut) Crete Kuahelm Sias Hannen 0t ehester Dchea Bele Ib. Iis Adrairalspalast Täglich 8"» Uht Stt Da» grolt Erfolg I Käthe Dorsch Gustal Gröndgens in Uselotf Singspiel viduardRiliioeiiE Rose. Theater jnSa Fruktirtii Stnli 13/ U. Viidn« t 7 3427 8,15 Uhr Jcllcbcn Gebert Wint«är -Carlen. 8.15 Hir Flora 3431 Samieo erlaubt IMandeValenco, IVallenda- Trappe. Hakan von Eichwald m.»einen 1£ Molisten and weitere Star-, Nummern fnetropol-Töeaier Täglich 80. Uhr Ein Lied der Liehe Anni Ahlert« Adel.t»androck Urn*t Verebe« Franz Felix rTheaterlD der� Stresemannsir. TäBl'ch S'lt Uhr UopoMini Koostootio Theodor Loos in; In jeder Ehe... Deottdin Theater 8 Uhr Vor v. Gerh. Hauptmann Rogie; Mai Reinhanlt. VolKsbUhne Theoler am BDImrplatz 8 Uhr Androkius und der Löwe Komödie von Beruh. Shaw mit Felix Bressart und Otto Wallburg Kegie: K. H. Martin Stutl Sdiiller- Theater 8 Uhr Doktor Klaus Theater des Westens Täglich 8V. Uht Die Dubarry io derllotter-loueoieniDg mit Mary Losseff efflnugung* Restaurant Berlins BETRIEB K KEMPsHSKll' »v.uhr CASINO-THEATER«'/. m» Lothringer»trage 37. Operette, Varietd. Poaae! u. a. 2 Loroa Hnalkai-Akt Die Operette: Gestrandet Der Berlin. Komiker Herne. Kranec Zum SchluB der neue Schlager Der Mann mit den zwei Frauen Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pt. Fauteuil 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark. Bekanntmachung. 6 M. T/31. E t r a l sa ch e gegen den Schriftleiter Hubert Rohrmann m Hannaocr, Martlstr. S. geboren am 5 September 1880 ju Riefensbeck, Kreis Slauslhal-Zellerfeld. wegen öffentlicher Beleidigung. Das Schöffengericht in Hannover hat am 18. Juni 1981 für Recht erkannt: Der Angellagie wird wegen öffentlicher Bcleidianng zu einer Geldslrafe von 200— zweihundert— RM. hilfsweise zu IV Tagen Scsangnis, und in die Lallen des Ber- sahr-n» verurteilt. Dem Beleidigten. Po- lizeipräsident Grzesinekl in Berlin, wird die Be ugnis zugefpiochen, den erkennenden Teil des Urteils innerHaid sechs Sachen nach tzustellung de» rechtskräftigen Urteils an ihn ie einmal aur Rosten des An. geklagien in den Rettungen»Freie Mei nung"..Bölkischer Beobachter' und»Bov warls" bekannt zu machen. All- Stücke der„Freien Meinung", Nr 48 vom 29. November 1980 sind zu vernichten. soweit sie sich im Besitze des Leriaffers des Druckers. Berleger» und Herausgebers befinden Ebenso ist derjenige Teil der Pia ten und Formen, aus welchem sich der Artikel.Bon Marz bis Lenin" defindet, unbrauchbar zu machen. Das Urteil ist rechtskräftig. yanooorr. den 4. März 1932. Der Obetfloaisaaroalt. Am 7. März verstarb plötzlich nach kurzem Krankenlager unser lang- jährige» Mitglied, der Druckcrinvalide Samuel Plsk im 67. Lebensjahre Sein Andenken halten wir in Ehren Verein Herüner Drucker. Die Beerdicung erfolgt am Freitag. ll März, vormittags 10 Uhr, auf dem Friedhot der jüdischen Gemeinde Weißensee. alte Halle Am 7. März verfiarb nach kurzem Leiden mein inniggclicbter Mann. unser guter Bater Paul Babkuhl im 65 Lebensjahr. Emilie BaMrahl und Rinder z>t« Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 12 März, nachmittags 4 Uhr. im Ärematorwm Baumschulen- weg statt «!lliel>!eti>ll!illie!t«l-Miiil Venvalfnn&militUeder I Freitag, den II. März 1933, keine Sitzung der Mittleren Ortsverwaltung via Ortsomoaltnag. Deuftdier MstallarbeiMM Vcrwalhuigssiclle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Karl Wörenhof geb. 16. November 1872, am 7. März gestorben iit. Die Einäscherung findet am Frei» tag. dem ll. März, vorm. hblv Uhr, im Rremalorium Berlin, Serichl- straße. statt._ Am 8 März starb unser Kolleze, der Mechaniker Pickard'Prüde geb 5. September 1864 Die Einäscherung findet am Sonn. abend, dem 12 März, nachm 4 Uhr. im Krematorium Berlin, Eericht» straße, statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Sie Orisverwallong. IMDSI Rächen 95,— bis 450,—. .Ramerling, Aasta nienallee 56, Ecke Fchrbellinerjtraße. Rächen Rüchen direkt an Private ab Werkstatt zur Neucrösjnung erhalten die ersten 5« Sunden Gonderrabatt. Küchen.Mafferer, Warschauerstt. 881.89, Fabrikgebäude, ge genüber Hochbahn ünd Stadtbahn.- Touches, Thaiselongues, Pa. tentmatratzen. Auf legematragen, Me. tallbetten. Balter. Stargarderftraße achtzehn. Kein La den.' Speisezimmer. gebraucht, Nußbaum, komplett 180,— Mark. Moritz Hirschawitz, An drcasstraße 80._' Polierte Schlafzimmer, Speisezimmer 875,—. Schräger, Äastanien allee 45. fflasik- instrumsniB Prachtpiano,, zehnjährige Eatan. tir, 700,—, ge. brauchte 250,—, Mo. natsraten 15,—. St. paraturcn. Stirn. mungen. Anger. häfers Piauoforte- tabrik. Er. Frank. surtcrstr. 48»(Kirch. durchgangl. IitöiiMiiciiiil oabageblffe. Platinabiälle Quecksilber Rinn- metall«. Silber. schmelze«oldschmel- zerei. Ebrifiionat iköpenickerstraße 89 Haltestelle Adalbert- itrafie. vei'- sctiledenes Neparotur. schneid« rei, Aufbügeln. Schmidt, Zteinicken. dors, Aamekestr. 19. »81'- IIl!8llIIIg8ll womumgen| Ohne Einschreibegelb vermittelt Woh. nungsheld. Neue ikönigstraße acht. unddreißig, direkt Aleranderplatz. ftmmsi' Möblicrtce Fimmer für Senos. senstn). Lauten. lchläger, klöpenicker. straße 184-185, lin ker Seitenflügel, .steller. E tz.Zimmcr-t�ohnung gegen kleinere. «ärsch. O. 112. Oderstr. 12,». II. Am 8 März 1932 verstarb nach langem schwerem Leiden unser Kollege HcinrldilVlcnedfc im 64. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm einen guten Mitarbeiter und hilfsbereiten Kollegen, dessen Tod uns aufs äußerste erschüttert hat. Die Angestellten im aesamiver band der Arbeitnehmer der dtientiichen Betriebe und des Personen- und Ufarenverkehrs, Bezirks- und OrUuerwaitung Bertin. Die Einäscherung erfolgt am Sonnabend, dem 12 März 1932, 15)4 Uhr, im Krematorium Bin-Wilmersdorf, Berliner Straße. Commerz- und Privat-Bank AkHengesellschoft Wir laden hiermit unsere Aktionäre zu unserer zweiundsechzigsten oidentliciien Generalversanitnlung om Sonnabend, dem 2. April 1932, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaal der Bank in Hamburg, Neß Nr. 9, ein. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes gemäß§ 4 der\er- Ordnung des Heidisprasidentcn vom 6. Oktober 1931, 3. Teil Kapitel II, sowie Beschlußfassung über die Auflösung der Reservefonds und über die Herabsetzung des Grundkapitals in erleichterter Form um RM 32 500 000,— im Verhältnis 10: 3 durch Herabsetzung, des Nennbetrages oder, soweit zulässig, durch Zusammenlegung der nom. RM 75 000 000,— Stammaktien zum Ausgleich von Wertminderungen im Vermögen der Gesellschaft. Ermächtigung des Vorstandes und Aufsichtsrates zur Durchführung der Kapital- herahsetzung.. 2. Beschluflfassuug über die Genehmigung des Versdimelzungsvertrages mit dem Barmer Bank-Verein Hinsberg, Fisdier& Comp, Kommanditgesellschaft auf Aktien. Barmen, wonach dessen Vermögen im Wege der Fusion als Ganzes ohne Liquidation gemäß §§ 305. 306. 320. 330 HGB. auf die Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft, Hamburg, übergeht und für je RM 100.— Nennbetrag Aktien der aufzunehmenden Gesellschaft einschließlich Dividendenscheine für das Geschäftsjahr 1931 neue Stammaktien unserer Gesellschaft im Nennbeträge von je RM 100,— mit Dividc.ndenbe.rechtigung ab 1. Januar 1932 gewährt werden. 3. Beschlußfassung über die Wiedererhöhung des herabgesetzten Grundkapitals uro RM 57 500 000,— auf RM 80 000 000.— durch Ausgabe von auf den Inhaber lautende Stück 54 000 Aktien über je nominal Rejchs- mark 1000,— und Stück 35 000 Aktien über je nominal RM 100.— mit DiTidendenbercch- vom 1. Januar 1932 ah unter Aus- Schluß des gesetzlichen Bezugsrechts der Aktionäre, und zwar: a) nominal RM 45 000 000.— zum Kurse von 115% gegen Barzahlung. b) nominal RM i 2 500 000.— zwecks Durch. Führung der Fusion gemäß Ziffer 2 der Tagesordnung. Ermächtigung an den Aufsichtsrat, weitere Einzelheiten der Aktienausgabe, soweit sie nicht durch die Generalversammlung bereits festgesetzt werden, zu bestimmen. 4. Geschäftsbericht des Vorstandes. Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrech- nung für das Geschäftsjahr 1931 unter Be- rüdvsiÄtigun? der Beschlüsse gemäß Ziner 1 bis 3 der Tagesordnung. Bericht des Aufsichtsrates über die Prüfung de.r Bilanz nebst Gewinn- und\erlnst- rechnune.., Beschlussfassung über die Genehmigung de? Bilanz und der Gewinn- und 1 erlnstrech- nung sowie über die tntlastung des> or- standes und des Aufsichtsrates. 7. Satzungsänderungen: a) Soweit sie durch die Besdilußfassnng zu Ziffer 1 bis 3 erforderlich werden sff 5— Grundkapital betreffend). b) Neufassung der Satzungen über die Zusammensetzung und Bestellung des Aufsichtsrats und über die Vergütung der Mitglieder des Aufsiditsrats(55 16, 19, 26 der Satzungen), c) Ergänzung des I 22 der Satzungen dahin. daß der Beschluß über die Licjui- dation der Gesellschaft einer Mehrheit von vier Fünfteln der abgegebenen Stimmen, mindestens aber einer Mehrheit, die dreiviertel des Grundkapitals entspricht, bedarf. Wahl der Bilanzprüfer für das Geschäftsjahr 1932. Aufsichtsratswahlen. Diejenigen Aktionäre, die in der General- Versammlung ihr Stimmrecht ausüben wollen, haben ihre Aktien oder einen ordnungsmäßigen Hintcrlegungsschcin eines deutschen Notars spätestens am 29. März 1932 während der üblichen Geschäftsstunden bei unseren Niederlassungen in Hamburg. Berlin, Frankfurt a. M. und Magdeburg. bei unseren sämtlichen Filialen und Zweigstellen,_ bei dem Barmer Bank-Verein Fischer& Comp., KommanditgesellscnaU auf Aktien in Bannen und Düsseldorf, sowie bei deren sämtlichen Filialen und Zweigstellen, außerdem_ in Frankfurt a.M. bei dem Bankhaus J-Drey« in Köln a.°Rh. bei dem Bankhaus LH. Stein, in Amsterdam bei der N.V.Hugo Kaufmann ferner<"nir d�Mitglieder des Giro-Effekten- Depots auch bei der betreffenden Effekten- Giro-Bank zu hinterlegen und bis zum Schluß der Generalversammlung daselbst zu belassen. Hinterlegungsscheine gelten nur dann als ordnungsmäßig. wenn dann die hinterlegten Aktien nach Betrag und tv Ummern genau bezeichnet sind und wenn überdies in den Hinterlegungsscheinen selbst bescheinigt ist, daß die Aktien bis zum Schluß der Generalversammlung bei der Hinterlegungsstelle in Verwahrnnfr bleiben. Die Hinterlegung ist auch dann ordnungsmäßig erfolgt wenn die Aktien mit Zu Stimmung einer Hinterlegungsstelle für sie bei einer anderen Bankfirma bis zur Beendigung der Generalversammlung im Sperrdepot gehalten werden. Gegen Hinterlegung der Aktien ode� Einreichung der notariellen Hinterlegungs«aieine werden Eintrittskarten ausgehändigt. Die zn hinterlegenden Aktien können ohne Gewinnanteilscheine und Erneuerungsscheine eingereicht werden. Hamburg, den«. März 1932. Der Vorstand, 9.