BERLIN Donnerstag 10. Marz 1932 10 Pf. Nr. IIS B 59 49. Lahrganfl ErscheiattäglichaußerEonatag«. Zugleich Abendausgabe des»Vorwärts� Bezugspreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3,25 M. pro Mona! (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich KV Pf. PostzettuugS- und 72 Pf. Postbestellgebührea. itictgtnvrelt; de euiftultlge aKiUlnieterietle SO Ut., ReklameieNe 2.— M SemiKigungen nott Tarif'Doftfdiciftonto: Vorwärts- Verlag 0. m. b. 4., Berlin Rr 37 5%.- Trr Verlag behält Nch das Rectit der Ablehnung nicht genehmer Anirlgen vor! e h a l t t o n und Srpedttton' Berlin-SW 08, Lindeustr, 3 Serusprecher! Dauhost 7) A2— 297, Mzi-Hochverrat bei der Polizei Polizeileutnant verleitet Beamte zu schweren Verbrechen- Gchupobeamte entlarven den„Vorgesetzten"— Nazi-Hauptquartier der Anstifter Der Polizeipräsident teilt mit: Wegen des dringenden Verdachtes, sich des V e r- brechensdesHoch Verrats(8 81 Abs. 2 StGB. u. f.) schuldig gemacht zu haben, wurden am gestrigen Tage der Polizeileutnant Kurt Lange, der Polizciwachtmeister Hans Schulz-Briesen und die Buchhalterin Gertrud Müller fe st genommen. Die Angeschuldigten sind überführt, sich Pläne der Polizeiuntcrkünfte, der Polizei- lichcn Waffen- und Munitionslager be- schafft und an maßgebende Stellen in der National- sozialistischen Partei weitcrgclcitct zu haben. Eine noch nicht ermittelte Persönlichkeit» die der Gaulcitung Berlin der NSDAP, angehört, hat die Beschuldigten zu ihrem Vorgehen veran- laßt. Tie polizeilichen Ermittlungen werden fort- c-sctzt. Die Umtriebe der drei hochverräterischen Persön- lichkeite« wurden dadurch entdeckt, daß sie sich zur Erlangung der einzelnen Pläne an Schupo» beamte herangemacht haben mit dem Er- suche«, ihnen bestimmte Pläne auszuhändi- gen. Die betreffenden Beamten haben aber Verdacht geschöpft und ihrer vorgesetzten Dienstbehörde Mel» d u n g erstattet. Verlangt wurde unter anderem die Aushändigung von Plänen, welche die Lage der Torwachen sowie die Lage der Fcrnsprcchanlagcn und Alarmapparate enthielten. Eine bei dem Polizeileutnant Lange durchge- führte Haussuchung war erfolgreich. Es wurden mehrere Pläne der genannten Art im Bett versteckt aufgefunden. Bei dem Verhör erklärte Polizeileutnant Lange, daß Informationen vorgelegen hätten, wo- nach das Reichsbanner einen Sturm auf die Polizeiwachen(!) geplant habe, und daß die Beschaffung der Pläne nur als eine Ab- Wehrmaßnahme der Nationalsozialisten anzu- sehen wäre. Lange hat zugegeben, daß er zu seinem Vorgehen durch eine führende Persönlich- k e i t aus der Hedemannstraße— des Hauptquartier der Berliner NSDAP,—veranlaßt gewesen sei. je- doch habe er den Namen vergessen!! Die an- geschuldigte Gertrud Müller ist die Braut des gleichfalls beschuldigten Schupowachtmeistcrs Schulz- Briefen und war bisher im Schrader-Verband als Buchhalterin tätig. Sie hat die Weiter- l c i t u n g der Pläne übernommen. Es steht fest, daß bisher dreibisvierPläne von Polizeiunterkünstcn bzw. Waffenlagcrn schon in die Hände der Verschwörer gelangt sind und auch von Gertrud Müller an die bewußte nationalsozia- listische Persönlichkeit in der Hedemannstraße abgc- liefert wurden. Einige weitere Pläne sind außerdem, Llnd Freitag Lustgarten! Die Eiserne Front marschiert wie schon erwähnt bei der Haussuchung im Bett des Polizeileutnants Lange entdeckt worden. Gegen die Beschuldigten wird ein Strafver- fahren wegen Hochverrats eingeleitet. Nach der nationalsozialistischen Persönlichkeit aus der Hcdemannstraße wird noch gefahndet. Weiiere Einzelheiten. Von anderer Seit« erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der Polizeileutnant Lange trat an mehrer« Polizeiwachtmeister heran, um sie zu bewegen, ihm Pläne der Munitions- unö Waffen- lager der Polizeiunterkünft« von Berlin herzustellen und auszu- händigen. Ein Wachtmeister meldete diese Hochoer- räterischen Pläne des Polizeileutnants seiner zuständigen Dienststell«, die sofort die Ermittlungen ausnahm. Dabei stellt« sich heraus, daß der Polizeiwachtmeister Schulz-Briesen von der 1. Bereitschastsinspektion Neukölln schon mehrer« Pläne an seine Braut Gertrud Müller, die Buchhalterin im Schrader-Berband ist, übergeben hatte, die dann daraufhin anonym die Pläne an Leutnant Lange weiterleitete. Der Polizeileutnant wurde gestern, wie bereits kurz gemeldet. verhaftet und einem längeren Berhör unterzogen, wo- rauf er schließlich sein« hochverräterischen Pläne und Absichten zu- gab. Er gab weiter dabei an, daß eine maßgebend« Per- � sö nli ch t e it der NSDAP, an ihn herangetreten sei, um ihn zu seinem Vorhaben zu veranlassen. Außerdem habe der national- sozialistisch« Hintermann angegeben, daß das Reichsbanner am kommenden Sonntag die Absicht habe, die Polizeikasernen zu stürmen, so daß sich die Nationalsozialisten veranlaßt gesehen hätten, Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen. Polizeileutnam Lange weigerte sich, unter dem Vorgeben, seinen Auftraggeber nicht zu kennen, diesen anzugeben. Im Anschluß an die Vernehmung fand im nationalsozialistischen Parteibüro durch Beamte der Abteilung I eine Haussuchung st a t t, und zwar in Gegenwart des verhafteten Poli- zeileutnants Lang«, um ihn Gelegenheit zu geben, die Person zu bezeichnen, die Lange zu der Tat angestiftet haben sollte. Ob- wohl alle im Parteibüro anwesenden Personen ihm vorgeführt wurden, will Lange jedoch keinen erkannt haben. Die Ermittlungen werden weiter sortgesetzt. Severins ist die Hauptgefahr! So lautet die Wahlparole der Kommunisten. Die„Rote Fahne" veröffentlicht an der Spitze ihrer Donnerstag-Ausgabe eine„Antwort an den.Vorwärts'". Ihr von uns bereits zitiertes Bekenntnis, daß der Haupt» stoß nicht gegen Hitler, sondern gegen die Sozialdemokratie zu richten ist, wird in dieser Ant- wort noch einige Male wiederholt. Es genügt, aus der Ant- wort die Stelle zu zitieren, die der„Roten Fahne" wohl selber als die wichtigste erscheint, da sie diese Sätze in Riesen- lettern druckt, wie sie sonst nur für Ueberschriften verwandt werden. Die Stelle lautet: Zur euch ist hindenburg und Brüning das kleinere llebel. Zur uns sind hindenburg. Brüning und Severing die Haupt- gefahr und das größte llebel der Gegenwart, das es rücksichtslos zu bekämpfen gilt, um die hitler-Gesohr in Gegenwart und Zukunft zu zerschmettern. Folgerung: Um die Hitler-Gefahr für Gegenwart und Zukunft zu zerschmettern, muh Severing als preu- bischer Innenminister beseitigt und irgend- ein Frick oder Franzen an seine Stelle ge- setzt werdenl Sobald die preußische Polizei nicht mehr einem Sozialdemokraten, sondern einem N a z i h ä u p t- ling untersteht, dann ist die faschistische Gefahr„zer- s ch m e t t e r t". Das klingt zwar wie ein Stück aus dem Tollhaus, aber es ist v ö l l i g e r E r n st der„Roten Fahne", die an anderer Stelle schreibt: Die Hitler-Bewegung wäre auch heute nicht ein Tausend- st e l der Gefahr, die sie für das Proletariat bedeutet, wenn nicht solche lllachtsaktoren, wie die sozialdemokratische Preußenregierung, wie die sozialdemokratische Polizei, wie der sozialdemokratische Partei- und Gewerkschafteapparat bereit stünden, um die Kampskrast des Proletariats zu lähmen, um seine Zäuste zu sefieln. Folgerung: Wird die„sozialdemokratisch« Preußen- regierung", wird die„sozialdemokratische Polizei" beseitigt, tritt an ihre Stelle eine faschistische Regierung !Goebbels-Frick, so sinkt— nach Ansicht der„Roten I Fahne"— die Gefahr der Hitler-Bewegung auf e t n Rdsiei zum massenauimarschi Morgen, Freitag, 17,30 Uhr, im Lustgarten Taufend st el. Aus dieser Perspektive ist es durchaus be» greiflich, wenn die„Rote Fahne" den„rücksichtslosesten Kampf gegen Hindenburg und Brüning, gegen Wels und Severing" als das Ziel des Wahlkampfes bezeichnet. Selbstmörder aus Passion kann man an ihrem Vor- haben nicht hindern. Aber das deutsche Proletariat möge sich hüten, sich von diesen Selb st mordpredigern mit in den Abgrund reißen zu lassen. Die„Rote Fahne" hat mit ihrer Parole gegen Severing ein ausgesprochenes Künstlerpech: an dem gleichen Tage, an dem sie der Arbeiterschaft weismachen will, daß Severing die Hauptgefahr fei, decken Severing und Grzesinski mit Hilfe treu-republikanischer Schutzpollzelbeamten ein nationalsozialistisches Komplott in der Schuhpolizei auf und lassen die Schuldigen verhaften.— Man sieht handgreiflich, welche(Be- fahr Severing ist und wie notwendig es ist, daß er durch Frick oder Goebbels ersetzt werde. Der Skandal von Potsdam Die Bestechungsaffäre im(Stadtbauamt vor Gericht Nazibeamten drohen. Die Hammerschasten werden ihnen unbequem. von der Erbitterung, mit der der Kampf NM die Reichsprösi- dentenwahl unter der Beamtenschaft ausgesochten wird, kann man sich kaum eine Vorstellung machen. Die republikanischen Beamten reihen sich in täglich wachsender Zahl in die Eiserne Front ein und sind daher heftigsten Angriffen der Beamten aus- geseht, die sich zur natioualen Front bekennen. In Charlottenburg hat eine große Zahl von P o st- beamten eine Hammerschaft gebildet, um die Treue zur Verfassung und zum republikanischen Staat zu bekunden und das Berufsbeamtentum gegenüber dem ausgesprochenen Partei» buchbeamtentum des Herrn Regierungsrats Adolf Hitler zu verteidigen, der für Beamte in keiner Hinsicht ein Vorbild sein kann. Diese Hammerschast der Charlottenburger Postbeamten hat den flammenden Zorn der sogenannten„nationalen Beamten" erregt und sie haben in der„Nationalen Beamtenzeitung" einen Sturm gegen diese Hammerschaft und ganz besonders gegen den Oberpostdirektor Pleger in Charlottenburg entfacht/ der es gewagt hat, einen von der Hammerschaft veröffentlichten Aufruf zu unter- schreiben. Aus dem Umstand, daß die Beamten, wie sie das ge- wöhnt sind, den ronghöchsten Beamten, also den Oberpostdirektor, auf dem Aufruf zuerst aufgeführt haben, folgert der Artikelschreiber in der„Nationalen Beamtenzeitung", ein Herr Me., in dem man wohl auch einen bekannten politisch auf der äußersten Rechten stehenden Berliner Oberpostdirektor vermuten darf, daß Herr Pleger einen unzulässigen politischen Druck auf ihm unterstellte Beamte auszuüben versuche.' Tatsächlich hat Herr Pleger mit der Grün- dung der Hammerschaft überhaupt nichts zu tun; die Gründung ist ohne ihn erfolgt, und erst nach der Gründung haben ihn die Gründer gebeten, den bereits vorliegenden Aufruf mit zu unter- zeichnen, was Herr Pleger in Ausübung seiner Staatsbllrgcrrechte getan hat. Nicht Herr Pleger hat einen Druck ausgeübt, sondern umgekehrt— einige ihm unterstellte Beamte, die volles V e r- trauen zu dem Leiter des Postamts haben, sind an diesen heran- getreten und haben chn um seine Unterschrift gebeten. Welche Formen die Ausbrüche des Hasses bei fanatisterten Menschen annehmen können, das mag nachfolgendes Schreiben be- weifen:■—.- ~ Berlin, den 3. März 1932. Herrn Oberpostdirektor Pleger Charlottenburg 2 Wie wir aus der„Nationalen Beamten, zeitung" vom 1. März «sfehen, sind Sie in Ihrer Eigenschaft als Direktor des Postamts 2 Charlottenburg und ehemaliger königl. Major a. D. be- müht, die Ihnen unterstellte Postbeamtenschaft in einer Kund- Kebung Ihrer Hammerschast der Eisernen Front gegen die NSDAP, aufzuhetzen. Wir nehmen hiervon Kenntnis und wer- den uns nach der Uebernahwe der Regierungsgeschäste durch die nationalen Parteien mit Ihrer Person etwas näher beschäftigen. Inzwischen wollen Sie damit beginnen, Ihre Koffer zu packen. Im Auftrage der im Nationalen Beamtenbund zusammengeschlossenen Beamten des Landes- Verbandes Berlin. gez.: Werner. Gleichviel, ob dieses unerhörte Schreiben einen tatsächlichen Hintergrund hat oder ob es eine Mystifikation ist— die Gesinnung und die Geistesverfassung, die aus ihm spricht, zeigen Verhältnisse ini Lager der Beamtenschaft, die Schlimmstes befürchten lasten und die ehestens zu klären und zu bereinigen Aufgabe aller Beamten ohne Unterschied der Partei sein sollte, die entschlossen sind. Hinden- bürg am 13. März ihre Stimme zu geben. Ein Wih des Neichsanwalts. polizeiliche Verbotsmitteilunq- Hochverrat. Leipzig. 19. März.(Eigenbericht.) Der verantwortliche Redakteur der„Roten Fahne", Berlin, Richard Kraus«, hatte sich wegen Vorbereitung zum .Hochoerrat vor dem vierten Stmstenat des Reichsgerichts zu verantworten. Der Angeklagte hatte in der Zeit vom März bis Juni 1931 insgesamt 12 Artikel erscheinen lassen, die nach Ansicht der Reichs- anwaltschaft hochverräterischen Inhalts waren. Bei dem zwölften Artikel jedoch ist der Reichsanwaltschaft ein Witz unterlaufen, der schöner nicht erfunden werden könnte. Unter den zwölf inkriminierten Artikeln befindet sich«in solcher, der von dem Berliner Polizeipräsidium verfaßt worden ist. Es handelt sich da uämllch um die Bekanntmachung e'aes Verbots der„Roten Fahne", die am 7. Mai 1931 erschieueu ist. Diese VerbolLanzeige wurde wortgetreu den Lesern der„Roten Fahne" zur Kenntnis gegeben, und der Angeklagte behauptet sogar, daß die hervorgehobenen Stellen des Drucke? auch im Original als besonders wichtig unterstrichen worden feien. Selbst während der Verhandlung vor dem vierten Senat blieb der Vertreter der Reichsanwaltfchaft auf seinem Standpunkt stehen und meinte, daß der Angeklagte gerade mit diesem Verbot und mit dem Hervorheben der bestimmten Stellen eine hochverräterische Ab- ficht gehabt habe. Somit habe sich der Angeklagte in allen zwölf Artikeln strafbar gemacht und müsse zwei Jahre auf Festung brummen. Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts verurteilte Krause wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einenfJahr neun Monaten Festungshaft. Sämtliche Artikel, bis puf einen, verfolgten de» Zweck, dt» Masten ideologisch zu beein- Vor dem Potsdamer Schöffengericht ist heute der Stadtbau» inspektor Architekt Alfred Rauh vom Magistrat Potsdam wegen schwerer Bestechung angeklagt. Zu der Verhandlung sind eine groß« Anzahl Zeugen und Sachverständige geladen. Rauh war seit 1995 beim Potsdamer Magistrat beschäftigt, er arbeitete seit Iahren im Städtischen Hochbauamt, wo ihm die Anfertigung von Zeichnungen und Kostenanschlägen für städtisch« Bauvorhaben oblag. Bei dieser Tätigkeit kam Rauh mit der Bau- firma Lilie aus Potsdam zusammen, die ebenfalls wegen B e- l st e ch u n g angeklagt ist. Die Firma Lilie hatte auf dem Wege der Submission vor einiger Zeit für die Errichtung des Potsdamer Städtischen Wasserwerkes in Eiche den Zuschlag erhalten, da sie in ihrem Angebot die billigste blieb. Bei der späteren Abrechnung ver- schob sich aber die Endsumme gewaltig, so daß zwischen Angebot und Abrechnung eine bedenkliche Zahlenspanne entstand. Es stellte sich heraus, daß ein Additionsfehler vorlag, und Mar im Kosten- anschlag. Diesen Additionsfehler soll Rauh absichtlich übersehen haben, ja die Anklage behauptet sogar, im Einvernehmen mit der Mitangeklagten Baufirma Lilje. Dafür soll Rauh etwa 8999 Mark Schmiergelder erhalten haben. Die Angeklagten bestreiten bisher jede Vereinbarung zwecks Uebersehung des Schönheitsfehlers bei der Addition und die hergegebenen Gelder an Rauh, die er tat- sächlich von der Firma erhalten, sollten Darlehen darstellen, da Rauh, der Stahlhelmmann ist, viel für seine Vereinigung getan haben soll. Er geriet auch in wirtschaflliche Bedrängnis und ein Teil seines Mobiliars ist von Potsdamer Geschäftsfirmen für Schulden gepfändet. Das Interesse des Publikums für den Prozeß ist sehr groß. Gegen Rauh ist noch eine Rachtragsanilage wegen einfacher Bestechung erhoben. Er soll von dem inzwischen tödlich verunglückten früheren deutschnationalen Stadtverordneten und Bauunternehmer Hartmann in Potsdam etwa 899 Mark Be- stechungsgelder erhalten haben. Der Prozeß wird mehrere Tage dauern. E n deutfchnationaler Sumpf. Eine tolle Korruptionswirtschaft kommt durch den Prozeß ans Tageslicht. Rauh gibt an, daß er für die Stahl- h e l m e r, deren Ortsgruppenführer er war, eine Menge Geld aus- gegeben habe. So will er auch für den Frontsoldotentag geldliche Unterstützungen hergegeben hoben. Rauh gibt zu, von ver- schiedenen Potsdamer Bauunternehmern, die städtische Arbeiten, wie Turnhallen und Schulen, ausgeführt haben, Darlehen in Höhe von �599 und mehr Mark erhalten zu hoben. Der verstorbene deutschnationale Stadtverordnete Stahlhelmmann Hartmann in Potsdam hat Geschäftsbücher hinterlassen in denen er jedesmal, wenn er von der Stadt für Arbeiten Abschlagszahlungen erhalten hat, die Worte hinschrieb: 399 Mark Schmiergelder an Rauh, 299 Mark Schmiergelder an Rauh usw. U. a. steht sin den Büchern auch: Rau-Spesen 299 Mark. Ein deutfchnationaler Malermeister in Potsdam hat für den Angeklagten Pnoatarbeiten ausgeführt. Dafür hat er Arbeiten in einer städtischen Turnhall« bekommen. Eiserne Front wirbt Das proletarische Wedding für die Sozialdemokratie Die Verfammlungswelle der Eisernen Frank rollt welker. Gestern! stand im Mtlelpuokl ihrer Agilatiou der prolekarischc wedding, wo in drei außerordeutlich gut besuchten Versammlungen der ent- schlossene Wille zum Kamps gegen den Faschismus bekundet wurde. In den Atlontikfestfälen, In der Löwenbranerel und im Swinemünder Gesellschastshaus— überall das gleiche Bild: Stärkster Besuch, kampsesmutige Stimmung, klare Er-! «rsls- und Abteilungsleiter! Die Urnhängeplakate weiden Teilweise in einer Vorwärts- Spedit on, die cen Abteilungsieitrrn durch Rundschreiben noc. bekanntgegeben wird, für den ranzen Kreis zugestellt sassung der politischen Rotwendigkellen durch die la der Sozial- dcmokratie organisierte Arbeiterschaft. Clara Bohm-Schuch, Dr. Friedländer und Erich Kuttner sprachen unter lebhaftestem Beifall, Während Kuttner vor allem das Ban- ditentum der Nationalsozialisten kennzeichnete und den Wahnwitz der kommunistischen Zählkandidatur Thälmann beleuchtete, während Friedländer die Demagogie der Kommunisten unter stärkster Zu- stimmung der Versammlung abfertigte, wandte sich Clara Böhm- Schuch mit ernsten Worten namentlich an die Frauen, die im Dritten Reich ein Sklavinnendafein führen würden. Auch aus Niederschön- Hausen, wo Genosse Dressel reichen Beifall fand, liegt uns ein Be- richt vor, der vom Kampfeswillen der Genossen das schönste Zeugnis ablegt. Gesang und künstlerische Darbietungen umrahmten die Kundgebungen. Massenkundgebungen in Schlesien. Löbe spricht in drei überfüll' en Dersammlunaen. Llegulh. 19. März.(Eigenbericht.) Am Mittwochabend fanden hier drei Massenoersamm- lungen der Eisernen Front statt, die von vielen Tausen- den besucht waren. Schon lange vor Beginn mußten die drei größten Säle der Stadt wegen Ueberfüllung polizeilich geschlossen werden, so daß eine große Menge wieder umkehren mußte, ohne Einlaß zu finden. In allen drei Versammlungen sprachen abwechselnd unter be- geistertem Beifall Reichstagspräsident Genosse Paul Löb«, Land- tagsäb geordneter Major a. D. H a u f f aus Berlin und Oberbürger- meister Schubert aus Waldenburg. Reichstagsprästdent L ö b e wurde in seiner Heimatstadt überall mit minutenlangem stürmischem Beifall begrüßt. Cr betonte, daß das deutsche Volk vor einer großen historischen Entscheidung stehe, auf welche die Augen der ganzen Welt gerichtet sind. Es geht darum, ob wir weiter unseren Platz -behaupten unter den Nationen Europas oder das Feld blutigen Dilettanten überlassen müssen, die schon das Mißtrauen der Welt hervorgerufen, die Kredite unterbunden und die Krise verschärft haben. Würde es ihnen gelingen, einen Erfolg zu erzielen, so müßten die Katastrophe und der Absturz in den Abgrund folgen. Nach einer Kritik des Naziprogramms, das nur Einreißen, aber keinen Aufbau kenne, wandte er sich gegen die Vorwürfe, daß das „System" an der Krise Deutschlands schuld sei. Man sagt, die So- zialdemokratie ist schuld an der Krise. Woher kommt die Arbeits- losigkeit in Amerika, das keinen Sozialismu? kennt? Man gibt Parlamentarismus und Demokratie die Schuld. In Italien, wo der Wille der Faschisten durchgeführt ist, sind Arbeitslosig- keit. Konkurse usw. riesenhaft ge st legen. In der Er- füllungs- und Reparationspolitik, der man auch die Schuld beimißt, tonnte bisher niemand, der die Verantwortung in Deutschland über- nahm, einen anderen Weg als den der Verständigung finden. Auch die Deutschnationalen und das„Kabinett der Frontsoldaten" nicht, Selbst die Nazis stimmten im Auswärtigen Ausschuß seinerzeit einem kommunistischen Antrag, die Zahlungen aus dem Poung- plan einzustellen, nicht zu und entzogen sich der Ab st im- mung hierüber im Reichstag durch den Auszug! Die wirkliche Ursache dieser Krise ist das wilhelminische Erbe in menschlicher, materieller und finanzieller Hinsicht Im kapitalistischen System ist ein Entwicklungsgrad erreicht worden, der die Ablösung durch eine neue Wirtschaftsordnung fordert. An Hand von Beispielen rechnete Löbe dann mit der Heuchelei der Nazis und dem klaffenden Gegensatz zkvischen chren Worten und Taten ab. Zum Schluß forderte er unter stürmischem Beifall auf. Hindenburg bei der Wahl die Stimme zu geben, dem Manne, der seinen Eid auf die Verfassung zu jeder Stunde hielt und gewillt, ist die deutsche Republik und die Weimarer Verfassung vor dem Chaos zu schützen und der in Zukunft so wenig enttäuschen wird wie in der Vergangenheit Blutige Wahlvorkämpfe. Schwere Schlägereien in Düsseldorf. Düsseldorf. 19. März.(Eigenbericht) Am Mittwoch kam es hier wieder mehrfach zu Zusammen- stoßen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Nach jedem Zusammenstoß schafften die beiden Parteien chre Verletzten fort Soweit bisher festgestellt werden konnte, wurde ein Stahlhelm» mann schwer verletzt: er schwebt in Lebensgefahr. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurde ein Kommunist verhaftet Ein Polizeibeamter wurde niedergeschlagen und gleich- falls schwer verletzt An einer anderen Stelle wurde ein Kom- munist von einem Beamten angeschossen und schwer verwundet. In einer dritten Schlägerei erhielt ein Nationalsozialist einen schweren Beinschuh. flussen. Die Berbotsanzeige sei jedoch vom Gericht von der An- klage ausgeschieden worden. Der Angeklagte habe das Recht gehabt, diese Verbotsanzeige zu veröffentlichen und nach der ganzen Sach- läge sei es zweifelhaft, ob der Tatbestand des Hochoerrats erfüllt fei. Der Angeklagte habe das Verbot seiner Zeitung seinen Lesern zur Kenntnis bringen müssen; deswegen sei in der Veröffentlichung dieses Artikels keine Vorbereitung zum Hochverrat erblickt worden. Schüsse aus de« Polizeipräsidenten. Nationalsozialistische Landplage. Oberhausen, 19. März.(Eigenbericht.) Am Mittwoch abend fand im Ruhrgebiet eine lebhaste Schießerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten statt. Der Polizeipräsident von Oberhausen, Weyer, geriet mit seinem Auto in diese Schießerei. Der Chauffeur des Polizeipräsidenten wurde durch einen Schuß in den Hals getroffen. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Ferner wurde ein Kommunist schwer oerletzt. Auch in diesem Falle besteht Lebensgesahr. Die Schießereien gehen von den Nazis aus, die in ihrem Schlageter-Heim in Homberg einen Stütz- punkt haben. Jede Nacht ziehen starke Nazipatrouiflen durch die umliegenden Ortschaften(Bergmannssiedlungen) und bilden eine außerordentliche Gefahr für die Oeffentlich- keit. Bei der Regierung ist die Schließung des Schlageter-Heims beschlossen worden. Nach den Vorkommnissen in Homberg hat der Polizeipräsident sämtliche Kundgebungen nach Eintritt der Dunkelhett»erboten. Lebendig verbrannt. Die Gasexplosionskatastrophe von Eamden. Aus deu Trümmeru des durch eine furchtbare Explosion zer- störten Gaswerks in Camdoa(New Zerfey) wurden bisher 1ö Tote und 6 Schwerverletzte geborgen. 10 Arbeiter werden außer- dem vermißt, und man hat keine Hoffnung mehr, sie lebend auf- zufinden. Die meisten Toten find Arbeitslose gewesen, die von der Stadt für Relnigungsarbeilen eingestellt worden waren. 14 d e r Opfer sind in einem Tauk. mit dessen Reluiguug sie beschäftigt waren und von dem die Erplosion ausging, bei lebendigem Leibe verbrannt. Die Feuerwehr Halle fünf Stunden lang alle Hände voll zu wu. um den durch die Explosiou verursachten Brand zu bekämpfen. 12 Feuerwehrleute mußten mit schweren Rauchvergiftungeu in die kraukeuhäuser gebracht werden. Hapag-Oampfer in Seenot. Mit gebrochenem Ruder auf dem Atlantik. Der starke Slurm, der feit Tagen über dem Atlautik herrscht, hat zahlreiche Schiffe In Seenot gebracht. So hat der Dampfer „Harburg" der hapag bereits am Rlittwoch den Ruderfchaft gebrochen und war deshalb zu Notsignalen gezwungen. Die Signale wurden von einem amerikanischen Kriegsschiff aufgefangen und nach Halifax und Boston weilergegeben, von wo sofort Seebergungsdampfer abgingen. DI« Schiffe können jedoch frühesten» Freitag oder Sonnabend an der Anfallslelle sein._ Pfarrer segnet Nazi-Fahne. Scharfes Eingreifen kommunaler Polizeibeamten gegen Nazi-Strolche. Vor einiger Zeit hatte die Eiserne Front in Pritz- walk zu einer Kundgebung ausgerufen, die im Gewerkschostshaus stattfinden sollte. Schon lange vor Beginn der Veranstaltung waren zirka 2M Nationalsozialisten, die auf Motor- und Fahr- rädern aus der Umgebung herbeigekommen waren, erschienen, in der Absicht, den Saal zu besetzen und die Kundgebung zu sprengen. Zu ihnen gesellten sich eine Anzahl nationalsozialistischer An- Hänger, die aus dem benachbarten Städtchen Meyenburg ge- kommen waren, wo am Bormittag der dortige evangelische Pfarrer in der evangelischen Kirche trotz der Empörung zahl- reicher Einwohnerkreise eine N a z i f a h n e geweiht und gesegnet hatte. Der Versammlungsleiter Genosse Henkel- Pritzwalk forderte die Nazis auf, den Saal zu verlasien. Die Nazis kamen dieser Aufforderung nach, um sich dann aber vor dem Lokal wieder zu- sammsnzufinden und die zum Versammlungslokal führenden Straßen in der Absicht zu besetzen, alle zur Versammlung eilenden Männer und Frauen zurückzuhalten� Als chnen dies nicht gelang. versuchten die Erneuerer Deutschlands nach ihrer bekannten Mechode vorzugeben und schlugen hierbei wahllos auf Männer und Frauen ein. Als hierbei auch ein ganz harmlos des Weges kommender Lgjähriger Arbeiter und feine Frau in roher Weise niedergeschlagen wurden, war die Situation sehr bedrohlich, da die inzwischen ein- getroffenen Reichsbannerkameraden gegen die Stören- friede vorgehen wollten. Hierzu kam es dank der erfreulichen Energie der Polizeibeamten von Pritzwalk, die im Gegensatz zur Landjägerei sich eindeutig und unzweifelhaft zur Republik de- kennen, nicht. Als nämlich den Polizeibeamten beim Räumen der Straßen Widerstand entgegengebracht wurde, machten sie rücksichts- los vom Gummiknüppel Gebrauch, und so gelang es ihnen, die Straßen zu räumen und die Haupträdelsführer festzunehmen. Da- nach konnte die Kundgebung, in der die Genosien Heidemann- Berlin und Hildebrandt- Berlin(Polizei) sprachen, und die einen glänzenden Verlauf nahm, zu Ende geführt werden. Schon am selben Abend zeichneten sich in die ausgelegten Eisernen Bücher über 4M Männer und Frauen ein. Die zuerst bei den Nationalsozialisten bestandene Absicht, auch die am Abend stattfindende Kundgebung der Eisernen Front in Meyenburg, in der Genosie Hildebrandt- Berlin lPolizeii sprach, zu stören, war chnen nach dem Empfang, der chnen in Pritz- walk zuteil wurde, vergangen. Die Kundgebung in Meyenburg verlief ungestört und war ebenfalls ein glänzender Erfolg. Ueber die skandalösen Vorgänge des evangelischen Pfarrers wird von feiten der Ortsleitung in Meyenburg alles weitere ver- anlaßt werden. Hakenkreuz im Wartesaal. Nächtliche pöbeleien gegen Reisende. Genosse Artur Crispien schreibt uns: Auf einer Versammlungstour im Wcchlkampf um den Reichs- Präsidenten mußte ich nachts ein paar Stunden im Wartesaal des Bahnhofs in H a n n o o e r auf den Anfchlußzug warten. Zwischen ein und zwei Uhr erschien eine Gruppe Hakenkreuzler. Man er-. könnte sie sofort. Sie fetzten sich in meiner Nähe um einen Tisch i und führten eine sogenannte„Unterhaltung". Das heißt, sie er- gingen sich in antisemitischen und verleumderischen Beschimpfungen der Sozialdemokratie. Da, geschah absichtlich so laut, daß die Umgebung es hören mußte. Nach einer Weile wurde es mir zu dumm. Ich stand auf, in der Absicht, die Bahnhofspolizei zur Feststellung der Schimpfenden herbeizuholen. Da riefen die Hakenkreuzler so laut hinter mir her:„Achtung! Da geht der Sozialdemokrat Crispien" usw., daß alle Gaste des Wartesaals zusammenliefen. Auch ein Beamter der Bahnhofspolizei erschien jetzt auf der Bildfläche. Ich ersuchte ihn um die Aufnahme der Personalien der schimpfenden Haken- kreuzler. Die waren aus einmal recht klemlaut geworden und logen, daß sie sich nur unter sich unterhalten hätten. Ein Kellner, de» bei seinem Nachtkaffee dicht neben mir sah, erklärte auf meine Frage ob ich mich darauf berufen könnte, daß er die Beschimpstm- gen der Sozialdemokratie gehört habe, e r habe nicht, gehört! Eine Frau dagegen gab chre Empörung über„das lümmelhafte Betragen der Hakenkreuzler" offen zu erkennen. Aus den Per- sonalien ergibt sich, daß es sill) nicht um Fahrgäste gehandelt hat, sondern um in Hannaver wohnhaft« Hakenkreuzler, die den Wartesaal wohl nach der Polizei stunde aufsuchten, um zu zechen und die Gelegenheit zu benutzen, Reisende zu beschimpfen. Es ist ein Skandal, daß das fast eine Stunde lang geschehen tonnte, ohne daß ein für die Ordnung im Wartesaal Verantwort- licher einschritt, so daß man auf seine Selbsthilf« angewiesen war. Schließlich ist doch ein Wartesaal keine Kaschemme, aus der Fahrgäste vor Radaubrüdern weichen müssen. Shaw in der Volksbühne �Androklus und der Löwe" Alles hat sein lächerliches Gegenspiel, sogar die Märtyrerbereit- schaft des Schneid erleins Androklus. Er fürchtet sich nicht vor den Löwen der Wüste, sondern nur vor dem Keifen seines allzu dick ge- wordenen Weibes. So ist der erste Akt der Gedankenposse, die Bernhard Shaw um das Problem des Religiösen schrieb, der Wüstenakt, ein kostbares Stück Ironie. Man meint, auf dem Theater wäre die Persiflage des Religiösen nicht möglich. Aber es wird trotzdem versucht. Alles hat seinen Gegensatz, aber nicht so. daß der Gegensatz von Tapferkeit die banale Feigheit ist. nein, dieser Gegen- satz ist die Naivität, die gar nicht auf die Idee des Feigseins kommt, es ist die Sicherheit im Glauben an die gute Natur— nicht der Menschen, sondern der Bestien. Alle Kontraste, besonders die des religiösen Glaubens und Unglaubens, lösen sich hernach aus, indem die verzwickte Natur kontrastiert wird gegen die große unzweideutige Schlichtheit. Der Glauben, dieses wichtige Seelenfundament, hat seinen wirklichen Gegensatz nicht in dem Spießerunglauben und im philiströsen Zynismus, sondern allein in solcher Lauterkeit. Es ergibt sich die Erfahrung, daß hinter den großen Motiven des Welt- gefchehens als Hauptmotive die kleinen Lumpereien und Lappalien wirken. Daran sind aber nicht schuld die aufrichtig Gläubigen, son- dern die Glaubensbonzen und Generalpächter der Frömmigkeit. Daß Shaw mit dem religiösen Problem so spielt, ist sehr kühn. Es sehnt sich die ganze Horde der Urchristen danach, vom römischen Heidenkaiser den Gladiatoren und wilden Tieren vorgeworfen zu werden. Diese Hysterie des Religiösen soll den tragikomischen Stoff liefern, und man spürt, wie delikat die Sache ist. Die Märtyrer dürfen nicht pathetisch sein, ihre Feinde dürfen nicht allzu ekelhaft werden. Auf beiden Seiten muß etwas sympathische Menschlichkeit bleiben.• Dieser geistreiche Groteskstil gelingt im allgemeinen. Erster Akt: die Rüpelszenen zwischen dem Schneiderlein Androklus, seinem Ehetoloß und dem Löwen. Das ist«in lustiger Austakt, bei dem sich schon zeigt, daß ein Wüstentier vor der Menschengüte wie ein Lämmchen werden kann. Im zweiten und drttten Akt steigert sich die GrottZke bis zur welthistorischen Symbolik. Der römische Heidenkaiser würde mit den religiösen Schwärmern leicht fertig werden. Aber da tritt chm ein merkwürdiges Monstrum entgegen, ein Muskelriese mit Engelsgemüt und Engelssehnsucht. Wo dieses Ungeheuer hingreist, gibt es zerknackte Knochen. Dieser Kontrast zwischen Körper und Geist wird persifliert. Der Kaiser, der den merkwürdigen Mann in seinen Dienst nehmen möchte, weiß nicht, ob er sich halten soll an den Totschläger oder an den Missions- Prediger. Wenn schließlich Löwe und Schneiderlein einen sanften Reigen wie ein beglücktes Paar tanzen, dann erweist sich endgültig die Ueberlegenheit des Dogmas: Das Heldentum ist immer eine Berrückthett, das friedliche Phllistertum ist immer eine Vernünftig- keit. Dann geht das Rechenexempel wieder nicht so eindeutig auf. Irgendwo bleibt bei Shaw ein Schlsupfwinkel für die Skeptiker in beiden Lagern. Shaw grinst: Bildet euch doch nicht ein. daß ihr so geradlinig aus dem labyrinthischen Problem herausfinden werdet. Das Paradox zwischen dem Besten und den Bestien kann nicht durch einen schäbigen Kompromiß entschieden werden. Irgendein Krieg wird nötig sein, es sei denn, eine der Parteien ist gerissen genug. um die andere vollständig übers Ohr zu hauen. Die Schauspieler müssen es dick hinter den Ohren haben, um die zwiespältige Gedankenposse richtig zu spielen. Sie dürfen nicht bloß ulken, sie müssen auch orakeln. B r e s f a r t läßt nicht nur. weil er so still und pfiffig die unbewußte Courage spielt, eine so behagliche Laune aufkommen. Es scheint immer, daß in der Rolle und dem Darsteller mehr drin steckt, als sie beide hergeben. Bressart spielt ein etwas Dämmeriges, etwas Unfaßbares. Der kleine Verstand könnte es nicht fassen, daß nur der Trottel glückli6> fein soll. Das wäre zuviel Lohn für ein Nichts. Also versteckt sich Bressart sehr hübsch hinter einer tiefsinnigen Geheimnistuerei. 5?ed- wig Mangel ist als Ehekreuz des Schneiderleins das geschwollene und gequollene Laster von körperlichster Vollkommenheit. Das ist gut so, denn sie braucht wirklich für ihre Rolle nur den Bauch und die Hllftengebirge. Ferdinand Hart spiest den Körperkoloß, der zugleich Träger der chrisllichen Demut sein soll. Er ist prachwoll in beidem. W a l l b u r g als Imperator, M e i x n e r als Märtyrer, der nicht selber leiden, sondern nur das Banditentum betteihen möchte, wirken als sehr willkommene Episodisten mtt. Das Stück hat verflucht schwierige Nebenrollen, die einen Hauptrollentokt forder», damit die Lächerlichkeit nicht ins Läppische umschlägt. Karcha w und Fräulein Drews wirken da hervorragend als Sinngeber eines dem Sinns nach noch gar nicht geklärten Geist- reichseins mit. Der Regisseur Martin hilft auch, und viel Hilfe ist notwendig, damit die Wortgefechte als lebendiges Theater und nicht nur als Tertbuchraketen zünden. Auch Tokumbetfches Dekoration hilft mit, damit diese Theaterlebendigkeit nicht einschläft. dkax Hocbdorl. Brian d im Pantheon. Ein Gesetzesentwurf eingebracht. Paris, 10. März.(Eigenbericht.) Der Sarg mtt den sterblichen Ueberresten Briands ist heute vormittag von der Wohnung in der Avenue Kleber nach dem Außenminlsterium überführt worden. Der Uhrensaal des Ministeriums ist zu einer Totcnkapelle umgestastet, der Kalo- falk ist gegenüber dem Kamin mit der berühmten Uhr errichtet und wird von zwei Kandelabern flankiert. Nach der Aufbahrung er- schienen sämtliche Mttglieder der Regierung und verbrachten einige Mimiken der Andacht vor dem Sarge. Der radikale Abgeordnete Grasten hat in der Kammer einen Entschließungsantrag eingebracht, der die Ueberführung der Leiche Briands in das Pantheon verlangt. De Valera Ministerpräsident. Als Führer einer Minderheitsregierung. London. 10. März.(Eigenbericht.) Zn Irland hol am Mittwoch de valera die Regierung und smlt die Staatspräsidentschaf« übernommen. Seine Zahl erfolgte in dem neugewähllen Parlament mit LI gegen S Klimmen. De valeras Kabinelt ist ein rein nationalistisches Ministerium, das aus die Unterstühung anderer Parteien an- «wiesen ist. Soweit sich die neue Regierung die Behebung so- ialer Hebel und die Milderung der Arbeitslosigkeit zur Aufgabe ellt. wird sie auch bei der Arbeiterpartei� Unterstützung »den. Renovierung oder Aeubau. Die Zukunft des Stuttgarter Schlosses. Als da» Alle Schloß in Stuttgart niedergebrannt war. hat Reichspräsident von Hindenburg eine einmalige Spende von 100 000 Mark aus seinem Verfügungsbettage bewilligt, um zum Wieder- aufbau dieses geschichllich bedeutungsvollen, künstlerisch stark sprechenden Baudenkmals beizusteuern. Seit dem Brande aber geht auch der Streit der Meinungen hin und her, ob man in der Tat das Alt« Schloß so. wie es war, wieder aufrichten soll. Ein paar hervorragende Baukünstler sind einhellig dafür. Theodor Fischer w München schreibt:„Daß das Schloß«in Ganzes wieder werde, wie es ein Ganzes war. darauf kommt es wohl an. Die Wiederergänzung also scheint mtt gefühlsmäßig selbstverständlich. Allenfalsige Bedenken, gegründet auf die Erfahrungen bei älteren Denkmalserneuerungen, können im Hinblick auf die heutige Denk- malpflege, die jede Fälschung ängstlich vermeidet, vernachlässigt werden." Aehnlich wie Fischer urteill Prof. Paul Bonatz in Stuttgart. Prof. Paul Schmillhenner in Stuttgart schreibt:„Das Wesent- liche des Bauwerks kann erhallen bleiben, ohne Zugeständnisse auf Kosten der Zweckmäßigkell zu machen. Dar Brand hat alle späteren untüchtigen Dachaufbauten und Kamin« mit dem Dach zerstört, und e» wttd«in gereinigte» Dach von gewaltiger Eindringlichkeit ent» stehen."— Regierungsbaumeister Dr.-Ing. Döcker in Stuttgart möchte hier eine Ruhmes- und Ehrenhalle der bedeutendsten Geister Schwabens sehen:„Der abgebrannte Teil wird nicht wieder be-- gestellt. Man braucht keine Wohnungen, keine Diensttäume für Behörden, und Museumsräume baut man zweckvoller und bill'gei — neu! Die ruinenhafte Front des Ostflügels gegen d'en Karlsplotz kann mit vielleicht wenigen Abänderungen zur geschichtliche:, Cr- innerung bestehen bleiben. Der die Ehren- und Ruhmeshalle bildende Raum entsteht durch die ragende äußere und innere, etwa 18 bis 20 Meter hohe Mauer des ausgebrannten Ostflügels." Die Weltgettunfl deutscher Wissenschast. Der Botaniker de Candolle hat die geistigen Hochleistungen nach ihrer Verbreitung einmal dadurch zu bestimmen gesucht, daß er die Anzahl der auswärtigen Mitglieder zählte, die die bedeutendsten Akademien der Wissenschaften hatten. Ein ähnliches Verfahren hat Alfred Schwoner für die Gegenwart angewendet, indem er die aus- wärtigen Mttglieder-der Akademien von Berlin, London und Paris im Jahre 1909 zählte und durch die Zahlen der Nobelpreisträger für Physik, Chemie und Medizin aus der Zeit von 1901 bis 1930 ergänzte. In den von ihm gewonnenen Ergebnissen steht beide Male Deutschland an der Spitze. Von den auswärtigen Mitgliedern entfielen 22 Proz. auf Deutschland, und erst an zweiter Stelle kommt England mit IS Proz. Bei der Verteilung der 90 Nobel- preise gebührt Deutschland bei weitem der Vorrang mit 29 Proz., während erst in größerem Abstand England mtt 18 Proz. und Frankreich mit 14 Proz. folgen. Die hohe Wettgeltung der deutschen Wissenschaft wird durch diese Ziffern eindringlich erwiesen, aber es bleibt frelllch fraglich, ob wir diese Spitzenstellung behaupten können, da die Lebensbedingungen der deutschen Wissenschaft durch die krttischen Verhällnisse so stark eingeschränkt und verschlechtert werden. Die neue Kamera. Die Gesellschaft für den guten Film hat ihre planmäßige Arbeit für die Fortexistenz guter älterer Filme und für die Pionier- arbeiten des ringenden Films in der Kamera aufgeben müssen. Die Spesen scheinen zu groß gewesen zu sein. Inzwischen fährt das Experimentierkino Unter den Linden Irgendwie fort, den Traditio- nen treu zu bleiben. Man sieht dort setzt„Impressionen aus Marseille" von dem bekannten Photographen M o h o l y- Nagy Es sind nicht die üblichen Postkartenbilder berühmter Ge- käude und abgegriffener Sehenswürdigkeiten, sondern mtt den Augen des Künstlers geschaute Wesenszüge der großen Hafenstadt. Nichts Offizielle» und Dekoratives, aber höchst intime Einblicke in die engen, malerischen und schmutzig«, Straßen, photographische Köstlichkeiten vom Hafen und aus den Winkeln. Dann folgten im Wiederaufnahmeverfahren ein paar stumme Filme aus seiner besten Zeit, die Harald Lloyd und Bebe Daniels(„Das Mädchen für alles"), Buster K e a t o n(„Wasser hat Balken") und Charlie Chaplin in seinem P i l g e r f i l m Gelegenheit gaben, ihre zwerchfellerschütternde groteske Kunst in vollster Wirkung zu er- neuern. Chaplin hat neulich erklärt, daß«r überhaupt nicht mehr im Film auftreten will, da ihm der Tonfilm nicht paßt. Ewig ' schade darum! Um so notwendiger wird es sein, diese prachtvollen stummen Filme am Leben zu erhallen. r. Wohin mtt dem Wein? Die internationale Weinkonferenz, die „ in Paris getagt hat. stand unter dem Eindruck einer lieber- ..lutung mtt diese.» köstlichen Naß, die dem Geschäftsgang außer- ordentlich hinderlich ist. Nach einem Bericht der Konferenz ist die Weinerzeugung innerhalb von ZG Iahren um 34 Millionen Hekto- liier gestiegen, während der Weinverbrauch in den letzten fünf Iahren um SS Liter auf den Kopf der Bevölkerung gesunken ist. Trotzdem werden immer noch neue Weinpflanzungen angelegt. Das internationale Wcinbüro lenkt daher die Aufmerksamkeit der fran- zösischen Regierung aus die schweren Gefahren dieser Lage, die zu einem völligen Ruin der Weinbauer führen können. Man erwartet, daß nach der Aushebung des Alkoholverbots in Finnland auch die Vereinigten Staaten bald wieder die„Trockenheit" ausheben und dadurch den Weinbauern zu Hilfe kommen werden. llraufführungeu aus Schnitzlers Räch laß. Ende März findet in Wien eine Gedächtnisfeier für Arthur Schnitzier statt, bei oer eine Reihe unbekannter Arbetten aus seinem Nachlaß in der Inszenierung seines Sohnes Heinrich zur Aufführung kommen sollen. In einem Einakter„Anatols Größenwahn" soll Leopold Kramer der erste Vertreter der Tttelrolle im Anatolzyklus, den gealterten Anatol spielen. Ferner will man ein« tragische Posse„Die Modernen", einen Einakter„Die Gleitenden" und zwei dramatische Dialoge „Eine überspannte Person" und„Halb zwei" ausführen. Preußens Hundertjährige. Bis zum Ende des Jahres 1931 haben, nach- einer Veröffentlichung des Preußischen Statistischen Landes- amtes, 141 Personen in Preußen bei Vollendung des 100. Lebens- jahres von der Staatlichen Porzellan-Manufaktur die vorgesehene kunstvolle Porzellantass«, sowie in Fällen von Bedürftigkett ein Geldgeschenk erhalten. Darunter befinden sich 13 Personen, die bei der Einführung(192S) bereits 101— 104 Jahre all waren. Rechne- risch ergibt sich in dem siebenjährigen Zeitraum ein Iahresdurch- schnitt von 18 Fällen. Das Jahr 1926 überschreitet diesen Durch- schnitt mit 21 Fällen um ein Geringes. Den Rekord der Hundert- jährigen hält Ostpreußen mit weitem Vorsprunge vor allen anderen preußischen Provinzen. Zilmstreik In Agram. Wie aus Agram berichtet wird, hat ein« außerordentliche Generalversammlung der Filmverleiher und Kino- besitzer fiir den 13. März den Kinostreik als Protest gegen das neue Filingefetz beschlossen. Auch die Einfuhr der ausländischen Ton- filme ist durch das Gesetz auf das schärfste gefährdet. Das Gesetz be- sagt nämlich, daß Filme,„die auf Geiühl und Seele ungünstig ein- wirken", oder„eine starke Wirkung auf die Phantasie ausüben", oder „ohne ethischen und äschetischen Inhalt sind", der Beschlagnahme ver- fallen. Diese Bestimmungen seien so allgemein, daß durch die Be- rufung aus sie die meisten Filme verboten werden können. Der Vorstand des Verbandes Berliner Blionenleiter bat Direktor Eugen Robert einstimmig zum ersten Vorsitzenden des Verbandes für die laufende Aimtspmode gewählt. Zweiter Vorsitzender bleibt Direktor Heinrich Nest. Zu den Borstandsmitgliedern wurde Generaldirektor Alsred R a t t e r zugewählt. Der Dibliotheksbau des Deutschen Museums serlig. Wie in einer Vorstandssttzung des Deutschen Museums in München mitgeteilt wurde, ist geplant, die neue Bibliothek am 7. Mai zu eröffnen. Im Zentroliustlint sSr Eriiehnng und Unterricht, Potsdamer Str. 120, wird Donnerstag eine Ausstellung eröffnet, die eine fast originalgrvste Kopie des Mailänder Abendmahles von Lionardo da Binci zeigt. i Sie ist von Robert Richter 1030/1331 in Mailand ausgeführt. Die Aus- ! stcllung ist bis zum 3. April alltags von 10 bis 18 Uhr, Sonntags von II bis 14 Uhr geöffnet. Die.Liesouan," /Vereinigung für produktive Künstlerselbsthilfe) bat ihre K. Veranstaltung Freitag, 8 Uhr, im„Haus der deutschen Presse'. Die Bibliothek Dr. Kasta» wird am IS. März bei Max Perl zur Ver- steiaerung kommen. Dr. Kastan, der Senor der Berliner Journalisten. 1 der im Oktober starb, hatte bestimmt, daß seine Bibliothek zugunsten der Wohlsahrtskassen des Vereins Berliner Presse versteigert werde. Die Bibliothek, die bei Perl ausgestellt ist, umfaßt die verschiedenartigsten Gebiet«. Klage gegen Gehaltsavvau. ilsoo Mark Monatsgehalt sind angemessen. In der heutigen Zeit, wo Löhne und Gehälter soweit herab- gesetzt sind, daß Arbeiter, Angestellte und kleine Beamte ein junger- leben führen müssen, mutet es sonderbar an, wenn jemand für die Fortzahlung eines Bombengehalts kämpft, obgleick) ihm nach der Kürzung noch zehnmal soviel übrigbleibt, als ein Ar- beiter verdienen kann, wenn er überhaupt Arbeit hat. Ein Fall dieser Art, der sich in der F i l m b r a n ch e abgespielt hat, wurde vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Die Emelka-Theater-A.-G. engagierte im September o. I. jzerrn Brodnitz als Geschäftsführer auf ein Jahr mit einem Monatsgehalt von 1500 Mark, 500 Mark ga- kontiertem Gewinnanteil und 300 Mark Autospesen. Die Cmelka erwartete von Herrn Brodnitz, der als Fachmann einen guten Ruf hat, daß unter seiner Leitung das Geschäft einen erheb- lichen Aufschwung nehmen würde. Herr Brodnitz ist der Meinung, daß ein in dieser Richtung liegender Erfolg tatsächlich eingetreten ist, während die Emelka das Gegenteil behauptet und deshalb die monatlichen Bezüge ihres Geschäftsführer ab 1. April aus 1250 Mark herabsetzen will. Die Emelka beruft sich für ihr Vorgehen auf die 3. Notoerordnung, die Gehaltskürzungen zuläßt, wenn dem Arbeitgeber nicht zugemutet werden kann, Gehälter, die im Hin- blick auf seine wirtschaftliche Lage übermäßig hoch sind, zu zahlen. B r o d n i tz klagte beim Arbeitsgericht Cr verlangt die Fort- Zahlung von monatlich 2350 Mark bis zum Ablauf des Vertrages Ende September d. I. Das Gericht kam zu der Entscheidung, daß die Notverordnung vom 0. Oktober 1931 hier anzuwenden sei, denn die wirtschaftliche Lage der Kinos habe sich von Monat zu Monat verschlechtert und werde sich voraussichtlich noch weiter verschlechtern. Unter diesen Umständen erscheine ein Monatseinkommen von 2350 Mark über- mäßig hoch. Aber die Herabsetzung auf 1250 Mark geht zu weit. Das Gericht halte eine herabsehung auf 1600 Mark für angemessen. Auf dieser Grundlage kam auf Vorschlag des Gerichts ein Vergleich zustande. Lohnkonfliki im ostoberschsesischen Erzbergbau. kattowih. 10. März. Zwischen den Arbeitgeberoerbänden und der Arbeitsgemeinschaft der Bergarbeiter wurde über oie Lohnstreitigkeiten im Erzbergbau verhandelt. Die Löhne sind bereits um 4 Proz. gekürzt worden. Die Unternehmer fordern jetzt einen weiteren Lohnabbau um 21 Proz., wie er in den Zinkhütten bereits durchgeführt wurde. Die Arbeiteroertreter lehnten jede weitere Lohnkürzung ab. Der Lohnstreit wird am Freitag durch eine Abordnung der Berg- arbeiterverbände der Warschauer Regierung unterbreitet werden. Wetter für Verlin: Verschärfung des Frostes, keine oder nur unbedeutende Schneefälle. Zeitweise aufheiternd, nördliche Winde. — Für Deutschland: Ueberall Frostwetter, im Nordosten strenge Kälte, im Gebirge, namentlich am Nordrande der Alpen, noch Schneefälle. Im Flachland keine wesentlichen Niederschläge. e Buch Waller Q. OjehUeirshi: Sllil'X in die JlcvIiCT Es ist verständlich, wenn die Lyrik in der Nachkriegszeit immer mehr zurücktrat. Fundament der Lyrik ist das ichbetonte Gefühl. Man kann nicht sagen, daß dieses Gefühl heute ausgestorben ist. Aber die radikale Umwälzung der gesellschafllichen und Wirtschaft- lichen Ordnung, in der wir stehen, läßt das Bewußtsein als Einzel- wesen hinter das Bewußtsein des Menschen als politisches Wesen zurücktreten. Was an Leidenschaftlichkeit an die Oberfläche drängt, ist politischer Art. So kommt es zwangsläufig, daß sich in der jungen Generation das Bedürfnis nach Gefühlsentladungen im politischen Erleben zu Gefühlsextasen übersteigert. In der jungen Literatur ist dieser Umschwung sehr klar zu erkennen. Die Politisierung des Romans ist hervorstechendstes Merkmal gerade der letzten Zeit. Sie bedeutet— einzelne Werke zeigen das deutlich— Bereicherung und neuen Aufschwung. Der Einbruch des Politischen in die Lyrik ist nicht so glücklich. Bert Brecht, Kaestner und wie sie heißen, sie mögen Auspeitschendes gesagt haben. Zwingendes ist ihnen nicht gelungen. In dieser Situation erscheint ein Gedichtband von Walter G. Oschilewski: Sturz in die Aecker(Verlag: Die Rabenpress«, Berlin, Preis 1 M.). Es gibt viele, die die echte, die ichbetonte Lyrik in unserer Jetztzeit für tot erklären. Was in den letzten Jahren auf dem Büchermarkt erschien, widersprach dem als Gesamterscheinung nicht. Gottfried Benn, Oskar Loerke, kurz die alte Generation, die auch heute noch etwas zu sagen hat, sind aus- zunehmen. Unter den Arbeiten der jüngeren Talente war nichts, was man als Gipfelpunkt und Wegweiser in neues Land hätte bezeichnen können. Wie steht es nun mit Walter G. Oschilewski? Einige kleine Prosasachen von ihm, meist Landschaftsbilder, die bekannt wurden, ließen für die Zukunft etwas erwarten. Sein Gedichtband ist Er- füllung, mag er auch, vom Heute aus gesehen, ganz abseitig wirken: nur vom Ich ausgehend tau6)en diese Gedichte, Kinder echter Romantik, unter in den Träumen einer großen und reinen Seele, das extatifche Erleben von Natur und Liebe erfüllt sie ganz. Und sie erfüllen in ihrer klingenden von Gedanken und Weltanschauung getragenen Geschlossenheit auch uns, berühren uns ungrittelbar. Das große schwingende Gefühl des echten Lyrikers spricht aus ihnen, sie werden getragen von jener visionären Leuchtkraft der Bilder, die die Einmaligkeit des Künstlerischen in der Lyrik be- deutet. Walter G. Oschilewski empfindet diesen Band, der als Manuskript bereits im Jahre 1927 vorlag, selbst als etwas Ab- geschlossenes, Zurückliegendes. Es ist zu hofsen, daß dieses Talent auch die Kraft finden wird, sich zu Größerem, unsere brennende Gegenwart unmittelbar Berührendem durchzuringen. l-epere. Staats Preußischer Zentrumsabgeordneter gestorben. Das Mitglied der preußischen Zentrumsfraktion, Abg. Vauerngutsbesitzer Henkel- Gläsendorf, ist gestern an einem Gehirnschlag verschieden. Verantwortl. sür die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Slocke Berlin. Lerlaa: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei»nd Bcrlagsanstalt Paul Einger& Co.. Berlin EW KÜ. Lindenstr. S Hierzu 1 Beilage. fäk Theater Donnerstag, den 10. M£rz staatsoper Unter cen Linden 20 Uhr Madame Bulterfty Slaatl.SdiaiispietlUDs üendanceonaiit. 20 Uhr Florian Geyer Sctiiller-Theater Charloftenburg. 20 Uhr Doktor Klaus Wint«r * Garten* 8.15 Uhr Flora 3434 ffoutea erlaubt Itiar. deValesco, Wallentla- Truppe. Hakon von Kich- \vald m. Reinen Solisten and weitere Slar-Nammern IGR. SCHAUSPIEL« AÜS Tägl. 8 ü"l Nur noch 4 Wochci. städt.Oper Charlottcnburg Uismarckstraße 34 Donnerst, 10. Märr Turnus I Anfang 20 Chi Uraufführung; Die BDrisebait Ende geg. 23.30 Uhi Voiüsuiibne Tlteater am SDlowplatz 8 Uhr Androklus und der Löwe Komödie von Bernh. Öhaw mit Felix Bressart und Otto WaJiburg Hegte: K. H. Martin Staatl. Sdiilier- Theater 8 Uhr Doktor Klaus Theater oonendortpiatz Pallas 7051 Täglich 8V. Uhr TraiimeiiierDaelit Operette in 3 Akten r. Lod.Wolff u. Karl Behr Musik von Hans May Regie: Heinz Saltenbnrg Rose- Theater iraSt Fnakhirtir Stnli 13! Tel. Veidiul E 1 342! 8,15 Uhr Jclicbcn Gebert plAza Mühe Schiet. Bhf. 5iil4,Stts.Z,i.|UB. Tel.; E 7 Weichsel 1031 „Frletleplke" — Kleinas tu. Truppe 1931. TägL 8V. Uhr Die mausefaiie Preise 75 PI.— 5 U. Sonntag nachmittags 4 Uhrj halbe Preise. Biumenspenoen jeder Art Uefort preiswert Paul Golletz vormalt Robert Meyer Marlannenstr. 3 F8. Oberbaum 1303 Alexandopplatz Neue Königelr.43 »V.Uhr CASINO-ltlliAl ER«P/.Uhr Lothringer ilrahe 37. iniiiiiiiiiiniiHnniiiinimimiiiHiMiiiiniiiuiiiiniiiiimiwiiiiMe Operette. Variete, Fossc! u. a.£ Loros Hlnaikal'Akt Die Operette: Gestrandet Der Berlin. Komiker Herrn. Krsnae Zum Schluß der neue Schlager Der Mann mit den zwei Frauen üutschein I-4 Personen; Parkett 50 PL, Fauteuii I.— Mark. Sessel 1.50 Mark. original- aelema Patentmairatzen/ Ruhebenen Couchs mit Betema- Federung Patent-Drehbett(D. R. P.) ein Grift— ein Bett, sowie das neue Holzbett mit Befema-Federnng sind Tollkommen geräasefalot!- Kein Einliegen. FOr schwerste Belashmg. Ueberall erhältL 20 Jahre Garantie. Ben. Feaermairau.-FiBriK. Koppeutr. Ii Großdestillation zum weißen Hirsch Ai(ier« Kilometern war nicht nur das chüusermeer Berlins, sondern auch Potsdam längst vergessen. Bergauf und bergab führt die gute Straße durchs schöne Thüringer Land über die Hohe Reuth. Wie am Schnürchen arbeitete sich unsere saubere V-Rad- Maschine vorwärts und dabei war der Seitenwagen mit reichlichem Proviant. Kochgeräten. Decken, dem Zelt. Photomaterial, Werk- zeugen gehörig belastet. Bei Anbruch der Dunkelheit waren rund 300 Kilometer bewältigt und Dobareuch, unweit Hof. zum Quartier auserwählt. Wundervolles Wetter und gute Chausseen verschönten den Be- ginn der zweiten Etappe über Hof. Schwarzbach, an der Saale entlang nach Marktleuthen. Das Fichtelgebirge r-üt dem noch schnee- bedeckten Ochfenkopf und der Schneeberg kommen in Sicht und bald ist auch Weiden mit seinen typisch bayrischen Torbogen durchfahren. Den interessantesten Teil von Regensburg erreicht man über die lange, aber viel zu schmale Brücke, die die schöne graue, nicht„blaue Donau* überspannt. Neben den aus Reiseführern bekannten Sehens- Würdigkeiten fällt, abseits der belebten Straße, ein uraltes Schuld- türmchen auf, das jetzt vielleicht deshalb schon von harmlosen Men- schen bewohnt ist, weil es für heutige Zeiten auch viel zu klein wäre. Daß auch die alten Mmerbefestigungen mit der Porta Prä- toria besichtigt werden müssen, ist selbstverständlich. •Av der sdhdcen„gelben" Donau Der mondhelle Abend gab der schönen Donaulandschast einen besonderen Reiz und dem Ende des.zweiten Reisetages in Schalding, unweit Passau, einen würdigen, unvergeßlichen Abschluß. In der Gaststube waren Donauflößer und Schiffer versammelt und gaben bei einem mordsmäßigen Lärm ihre Heldentaten aus der Kriegszeit zum besten. Der Wortführer war ein kleiner stämmiger Kerl, der in bis zum Gesäß reichenden Stiefeln steckte, einen hochaufgestellten Schnauzer hatte und mit seinen funkelnden stechenden Singen die ganze Runde iy Schach hielt. Unter allgemeinem Gelächter ent- larvte er einen angeblichen Berittführer einer Maschinengewehr- abteilung, der immerfort nur geschossen haben wollte, aber erst so spät geboren war, daß er nicht mehr so viel vom Krieg gesehen haben konnte. Die dritte Etappe sollte wieder, wie die beiden ersten, 300 Kilo- meter betragen und bis Wien führen. Die Zollabfertigung deutscher- sests geht, da alle nötigen Papiere in Ordnung, schnell und im dienstlichen Ton vor sich, während uns am anderen Ende der langen Innbrücke der österreichische Zollbeamte wie ein freundlicher Gast- wirt in Empfang nimmt. Zu verzollen gab es nichts, denn es wurde nur Reisegepäck mitgeführt. Trotzdem muß man sich beim nächsten Zollamt wegen des Begleitscheines melden, wofür neben Schreib- gebühren etwa 4 Mark zu zahlen sind. Ratsam ist es jedenfalls, sich auch für Oesterreich ein Triptyk zu besorgen, das nur eine Mark kostet und besonders bei mehrmaligem Ein- und Austritt die höheren Ausgaben erspart. Das Gefühl, in Oesterreich zu sein, beginnt zu- erst bei dem ungewohnten Linksfahren. Auffällige Warnungstafeln weifen oft darauf hin und bis Beuerbach ist wohl auch jeder Fahrer dann im Bilde Außerdem beginnt auch die leidige Umrechnung nach Schilling, der zur Zeit 67 Pfennig Wert hat. Von Eferding folgt man der Donau bis Linz auf einer prachtvollen Uferstraße. Sie geht kurz vor der Stadt sogar durch das Tor einer alten römischen Mauer, die noch gut erhalten ist. Aach auf dem nörd- lichen Ufer ist sie weitergeführt uird diente den damaligen BeHerr- schern dieser schönen Landschaft nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Sperrung der Schiffahrt. Der Verkehr am„Platz des 12. November* in Linz wird großstädtisch geregelt, dennoch wurde ein kleiner Schwupper gemacht. Das Knäuel wird vom Hüter der Ordnung entwirrt: die einen Augenblick drohende Hand geht jedoch zum Gruß über, als er die Ausländer erkennt. Hinter Amstätten wird die Traun und Enns passiert und von der schönen glatten Chaussee, die sich hier schon in 200 bis 300 Meter Höhe hält, be- kommt man in etwa 20 Kilometer Entfernung südlich der Reise- route schon die ersten hohen Berge zu sehen. Erwachsene— vielleicht auch ortsunkundig— kannten die Namen der Berge nicht und ein Anruf von allzu schüchternen Kindern hatte zur Folge, daß sie einen Hasen machten. Melk, mit dem« hoch oben auf dem Felsen stehenden Kloster, ist der Eingang zur Wachau. Dieser sagenumwobene und schönste Teil des Donau- laufes darf in keinem Reiseplan fehlen, zumal dort m Mautern der nicht nur in Oesterreich bekannte Radtourist Heinz Kurz Gastfreund- schaft gewährt und mit seinen Reiseschilderungen viel zum Gelingen der Fahrt beitrug Bei eintretender Dunkelheit und noch 90 Kilo- meter Fahrt zum Ziel vertraut man sich jedoch lieber der sicheren und guten Straße über St. Pölten nach Wien an, das dann auch nach drei Etappen und insgesamt 930 Kilometern programmäßig erreicht wurde. �Vien, die Stadl der Träume Was einem als Berliner in Wien besonders imponiert, ist, daß am Ring, der unendlichen Straße mit den vielen Benennungen, alles zur Hauptstadt Gehörende zu finden ist. Neben schönen Grün- flächen am Opernring der schöne Theaterbau, der Meßpalast, das Parlament, das Rachaus, die Hofburg und anderes. Natürlich wurde auch die Feuerwache„Am Hof* aufgesucht. Nach äußerst liebenswürdigem Empfang und Grußaustausch fand eine Besichti- gung des Wachgrundstücks statt. Der Stolz der österreichischen Kol- legen ist die wahrhaft vorbildliche Telegraphenzentrale, die Biblis- thek und die gemeinsame Küche, aus der jeder Kampf- und Leidens- genösse für wenig Geld ein prachtvolles Essen bekommt. Das besorgt nämlich der als Koch eingestellte Feuerwehrmann zum Selbstkosten- preis. Am appetitlichen und reichlich beladenen Frühstückstisch ging es an die gemeinsamen Berufs- und Wirtschaftsfragen. Nach einem kurzen Abstecher zum Prater geht es wieder weiter. Man genießt die herrliche Heimat Peter Roseggers— das Mürztal und Mürz- Zuschlag. Von Bruck aus gehts südlich ins Tal der Mur. Die Straßen sind wirklich über alles Lob erhaben. Leider verlor diese schöne Landschaft etwas an Reiz durch die diesige, unangenehme Witterung und die zu früh anbrechende Dunkelheit. Bei strömendem Regen wurde nach nur 200 Kilometer Tagesleistung in Peggau Quartier bezogen. Man freut sich auf dies Stündchen im Gasthaus nicht nur wegen der leiblichen Genüsse, sondern auch wegen der Fühlungnahme mit den Einheimischen. Noch um Mitternacht er- zählte uns die nette Wirtin von der Felswand hinter ihrem Gast- hos und den Gemsen darinnen, die bei großer Futternot sogar bis auf ihren Hof kämen. Beim Eintreffen in Graz, der Hauptstadt Steiermarks, war die Hälfte der Reise, also 112S Kilometer, be- wältigt. Außer den bekannten Sehenswürdigkeiten fanden wir das Wohnhaus des großen Astronomen Keppler, dessen Hof mit den Säulen und Kaskaden an die Pracht italienischer Höse erinnert. Von hier bis zur jugoslawischen Grenze steuert man durch meist ebenes Gelände. Der Uebertritt ins Serbische macht keine Schwierig- keiten, denn die Papiere waren in Ordnung und die wenigen Fragen wurden auch von den serbischen Beamten freundlicherweise in Deutsch gestellt. Die Bauern, meist arme, verarbeitete Menschen, werden an ihrem Stückchen Land, das so herrlich gelegen und vom Klima so begünstigt ist, nicht die Freude haben, wie Touristen, die hier alles malerisch schön finden. Von dem gefährlichen Beruf der Wald- arbeite? bekommt man. einen Begriff, wenn einen immer wieder verkrüppelte, mit Bein- und Fußleiden behaftete Menschen begegnen. In einer Fortsetzung wird der weitere Teil der Reise und die Heimkehr der Motorradtouriften erzählt. Haast,.a-amo* Arbeitersportler I Morgen« 17.30 Uhr, Lustgarten Alles tritt an! Beachtet die Stellplatz-Bekanntgabe„im Vorwärts" und die Vcreinsaufru.e. Die Eiserne Fron! merscniern Die Geräieserie wird forägcsefzt Nach einer kurzen Pause begannen die Arbeiter-Turner wieder mit ihren Gerätewettkämpfen. So waren in den letzten Tagen nicht weniger als fünf Kämpfe angesetzt, von denen aller- d'mgs nur einer zum Austrag kam. Die anderen mußten wegen Erkrankung einiger Turner verlegt werden. Aber bei diesem einen Kamps gab es dafür um so schönere Kämpfe um die Pstnkte. In der Straßmannstraße standen sich der Bezirk Osten der Freien Turnerschaft Groß-Berlin und der ASV.-N e u k ö ll n gegenüber. Die Neuköllner wollten mit aller Gewalt gewinnen und ließen daher statt fünf sogar sechs Turner antreten. Wer der Irrtum wurde bald entdeckt, da die Neuköllner plötzlich mit über 100 Punkten im Vorteil waren. Trotzdem langte es, wenn auch nur zu einem knappen Sieg, mit 491 gegen 481 Punkte. Während die Neuköllner am Barren und Reck die weitaus besseren waren, mußten sie den Ostleuten am Pferd emen klaren Sieg überlassen. Sehr gut waren dann aber wieder die Gymnastikübungen der Neu- köllner, die ihnen auch mit 37 Punkten bewertet wurden, während Osten es nur auf 33 brachte. Osten erzielt« am Barren 1S2, am Reck 150 und am Pferd 146, also zusammen 481 Punkte. Die Neu- köllner brachten es am Barren auf 164, am Reck auf 1S3 und am Pferd auf 137, zusammen also 491 Punkte. Vergebens wartete der Bezirk Süden der FTGB. auf die Schöneberger. Wohl waren drei Turner erschienen, mit denen man aber schlecht eine Riege zusammenstellen kann. Der Verlust dieses Kampfes wird die Folge sein. Heute, Mittwoch, um 20 Uhr, kämpfen in der Turnhalle in Neukölln, Lesstngstraße, der Volkssport Neukölln und FTGB.- Süden mit den Frauenmannschaften. Am Freitag stehen sich in der Straßmannstraße die Männer von Osten und Schöneberg gegen- über. Hoffentlich erscheinen die Schöneberger diesmal vollzählig. Bei der Berichterstattung vom Kreis-Geräte-Wetturnen vom Sonn- tag ist ein kleiner Fehler durch die Berechnung entstanden. Baron- FTGB.-Osten wurde nicht Vierter, wie w>r berichteten, fondern er endete aus dem neunten Platz. Das ist bitter für Baron, weil er wirklich turnen kann._ Arbeiter- W asserrettungsdienst Der Bundesrettungsausschuß des Arbeiter-Wasjerrettungdienstes im Arbeiter-Turn- und Sportbund hatte sich am 5. und 6. März zu einer arbeitsreichen Sitzung in der Bundesjchule zu Leipzig zu- I fammengefuichen. Neben den Berichten aus den einzelnen Organi- fationskreifen beschäftigte sich die Tagung u. o. mit der Versicherung der Lebensretter, den neuesten Mechoden und Forschungen auf dem Gebiete der Wiederbelebung, dem Meldewesen, dem Prüfungssystem für Rettungsschwimmer und mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft. Die Aerzte Dr. Sehrt-Freiburg und Dr. Biele-Leipzig standen der Tagung mit ihrem Rat zur Seite. In theoretischen und prakti- schen Versuchen im Interesse der Erhaltung menschlichen Lebens und des organisatorischen Ausbaues des AWRD. hat die Tagung sehr gute Arbeit geleistet, deren Auswirkunzen sich bald bemerkbar machen werden. Kleiner Sport von überall Ei» Arbeiler-Boxabend. Der Sportklub Alt-Wedding 83 ver- anstaltet am Freitag, 11. März, in der Turnhalle lltrechter Straße 30/31, um 19.30 Uhr, einen Großkampfabend im Boxen. Es kämpfen Fliegengewicht: Zink-All-Wedding gegen Gloger- Llchtenberg: Bantamgewicht: Koritzki-Alt-Wedding gegen Pieper- Rosenthal: Weltergewicht: Gnosa-AU-Wedding gegen Lostien- Lichtenberg: Mittelgewicht: Faber-Alt-Wedding gegen Peter- Lichtenberg: Halbschwergewicht Reimers-Alt-Wedding gegen John- Lichtenberg. Als Hauptkämpje Federgewicht: Ziellow-Alt-Wedding gegen Krönig-Lichtenberg: Leichtgewicht: Thomae-Alt-Wedding gegen Preller-Lichtenberg. Der bisher sehr erfolgreiche Preller dürfte gegen den aufsteigenden Thoma««inen schweren Stand haben, zumal, wenn es Thomae gelingen sollte, seinen schweren Rechten anzubringen. Zietlow-Krönig ist«in ganz offener Kampf: beide Kämpfer sind in guter Verfassung. Seifried-Trollmann im Splchernring. Infolge mehrerer Wsagen war der Unternehmer des Ständigen Boxringes in den Berliner Spichernsälen gezwungen, das für den nächsten Kampftag am Sonnabend, 12. Mörz, vorgesehen« Programm zu ändern Die ursprünglich erst für den 18. März geplante Endauescheivung im Mittelgewicht zwischen Hans S e i f r i e d- Bochum und Troll- mann- Hannover, deren Sieger das Recht zu einem Titelkamps mit Meister Scelig erwirbt, findet nun doch bereits am Sonn- abend statt. Neben dem Hauptkamps stehen noch folgende Paarun- gen auf dem Programm: Sei�ler-Berlin gegen Dalchow-Berlin, Eybel-Hannooer gegen Boguhn-Bertiu und Meegrün-Berlin gegen Ehlebusch-Dortmuno.____ 700 olympische Häuser errichtet man für die ausländischen Teil- nehmer der bürgerlichen Olymprade Los Angeles Die Olympiastadt soll nur 10 Minuten vom großen Stadion entfernt fein und soll mrt allem Komfort eingerichtet werden. Für jedes Land werden de- sondere Küchen errichtet, damit die Teilnehmer chr« Lebensgewahn- hellen nicht vermissen. Man schüttelt den Kopf und fragt sich ob die Olympiade überhaupt einen derartigen Auswand wert ist. Es ist aber anzunehmen, daß die Amerikaner schon sehen werden, wie sie ihre Unkosten wieder hereinbekommen. Los Angeies soll für die amerikanischen Sportunternehmer das beste Geschäft werden,— falls sich die Pleite der Wintersportolympiade in Lake Placid nicht wiederholt. wer unter fachmännischer Leitung schwimmen lernen will, hat Gelegenheit dazu in den Uebungsstunden des Arbeiterschwimmvereins Hellas, der Abteilungen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder vnterhäll Uebungsstunden im Stadtbad Wedding. Gerichtstraße: Männer, Frauen, Jugend Dienstags von 20?L bis 22 Uhr; Frauen, weibliche Jugend und Mädchen Donnerstags von 19ZL bis 20� Uhr; Männer, männliche Jugend und Knaben Freitags von 1914 bis 20 H Uhr. Rot-Sport schnorrt. „Alle Bereine der Kampfgemeinschaft für rote Sporternheit ver- pflichten sich, 50 Prozent ihres Kassenbestandes und 50 Prozent der Sammlungen an den Wahlfonds der Kommunistischen Partei ab- zuführen!* So tonnt« man in Fettdruck in der Nr. 8 des„Rot- Sport* lesen. Der größte Teil der kommunistischen Vereine hat sich jedoch für diese Schröpfung zugunsten der Parteikasse bestens bedankt. So kann man immer wieder lesen, daß dieser und jener Verein noch mit den Geldern im Rückstand ist: Spiel- und Start- verbot gegen die betreffenden Vereine sind angedroht. Wie versucht man nun, sich aus dieser Patsche zu retten? Von mehreren Ver- einen werden Kinder im Alter von 10— 13 Jahren mitSammel- Listen zu den Geschäftsleuten geschickt, auf denen ver- merkt ist, daß die eingegangenen Gelder zu„Osterreisen* der Kinder verwendet werden Bei den Geschäftsleuten erklären die Kinder stets, daß die Arbeiterschaft doch zur Kundschaft des betreffenden Geschäfts zählt und man getrost zeichnen könne. Die Listen tragen meist den Stempel eines Vereins mit dem Hinweis, daß es sich um Mitglieder des Arbeiter-Turn- und Sportbundes handelt. Ein Stempel der Kampfgemeinschaft fehlt vollkommen. Es handelt sich hierbei um grobe Irreführung der Geschäftsleute. Man sollte den Schnorrern die Tür weisen, denn die Kinder sind Mittel zu dem Zweck, die leeren Kassen der Kommunistischen Partei zu füllen. Line Hilfsaktion für Thälmann Der Geschäftsführer der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege, Genosse W i l d u n g, blltet uns um Veröffent- lichung dieser Zeilen: Das putzige Völkchen von„Rot-Sport* leistet sich den Reklame- trick, mich für«ine Versammlung öffentlich einzuladen. Es genügt wohl, zu sagen, daß ich Besseres zu tun habe, als mich mit diesen Leuten über ihre Kandidatur Thälmann zu unterhatten. Bei mir: Eiserne Front! Nazipöbelcien ge�en Arbeitersportler Es vergeht keine Woche ohne Meldungen über Angriff« von Nazis auf Arbeitersportler. Wahrend eines Fußballspiels der Arbeitersußballvereine Weiß und Rondorf tn Weiß bei Köln erschienen 150 Nazis unter Führung des Freiherrn Eitz von Wahn und verteillen das Naziblatt„Westdeutscher Beobachter* und Hetzflugblätter, wobei sie die Zuschauer anpöbelten, östn« Schlägers- tr-r d-e Folge. Es bedurft« erst mehrfacher MÄ'- dung'n bei i''-samten Kraus, ehe er sich bequemte, zu erscheinen. Ja�oycheo waren die Nazis abgerückt. Die Kundgebung im Lustgarten »eich»baZwer-Wassuspert.Tbteil-«g, Zug ÄäpcnicL Äaftennibctn Freitag, 11. März, fallt aus. Alles beteiligt sich an der Kundgebung im Lustgarten. Kartellbozirk SchSueberg-Frlebevau. Freitoa, 11. März beteiligt fia> alles au der Kundgebung der Eisernen Front. Treffpunkt 16 Uhr Vorck- Eue �«sÄ�ZUt-Wei». H-ll-ntrowiilg fäll Freitag au«. B-teilizung-m ba Kundgebung im Lustgarten. Treffpunkt 16� Uhr Normaluhr S�onhaus« Allee Ecke Paypelallee. Nachzügler direkt im Lustgarten bewi Rot-Weiß* Transparent. Rudcrvereiu Vorwärts. Alles trifft sich morgen. 16� Uhr, am«afttiner Platz zur Kundgebung der Eisernen Front. Wir marschieren durch dre Paul» Swoer.Etr-he. HlumenstraSe usn>. Nack-zügl-r schlUßca sich unter--«»» an. T-nrist-nncrriu„Di« Ratnrsrcunde. vrt,grup»e Berlin. Alle Mitglieder beteiligen sich an der Kundgebung der Eisernen Front am Freitag um IV/, Uhr im Lustgarten. Tresfpunlt an den StellpkStzen oder direkt rm Lustgarten. Freie Spartvereinlgung Tegel US» e«. Freitag. 11. Mäu,»och de» Uebungsabenden erw«lt-rte Vorstandssttzung bei Tornow, Tegel, Schlieper- strafte 64; Sonnabend. 12. März, BereiNK-ersammlung ebenda Beginn Ä> Ufte. Sartcllbezirl Treptow. Montag, 14. März, 20 Uhr, Sartellsttzuna bei Pamp, Riederschöneweid«, Hasselwerderstr. 12. Hierzu sind auch die Korsitzenden aller Abteilungen geladen.. AS«. Rot-Weiß, Hockey. Versammlung Freitag, 21 Uhr, bei Ufert, Gleim- strafte 56. S. Handballmannschaft. Treffpunkt Sonntag, 8?L Uhr, Bahnhof Schönhauser Allee. Sportlegclllub„Frei weg 1925". Trainingsabend jeden Donnerstag um 20 M,r im Keglerheim Marftr. 18. Gäste willkommen. Tonristenverei»„Die«atnrsrennde*. Molgemcinfchaft: Johannisstr. 15. Ausstellung vom 28. Februar bis 13. März. Eeäfinet von 9 bis 20 Uhr.— Freitag, 11. März. Abt Eharlollenburg: Spreestr. 86. Kampf gegen den Faschismus. Kampf gegen wen?— Aalt«o»tabt«ilo»g: Johannisstr. 1a. Drs- kufstonsabend: Probleme des Alltags.— Abt Britz: Ehausseestr. 48 lRathausf. Singsabenb.— Abt. Treptow: Elfenstr. 3. Fahrten und Lieder. Abt. Vinetaplotz. Schönhauser Vorstadt: Lortzing- Eck» Srounstrafte. Satirischer Abend fDaumier).— Abt. Südost. Manteuffelstr. 7. Sied-rabend— Photo- gcmeinschaft Osten: Franlfurter Allee 397. Borrrog über Rachtautnahmen.— Photogemeinschaft Neukölln: Bergstr. 29.- Sonnabend. 12. äüor». Ortsgruppe Berlin: Filmabend Levetzowstr. 1—2.- Montag. 14.«am. Photvaemein. Ichaft, Stammgruppe: Jobannisstr. 15. Bildbefprechung.—«talgonmnftfmft: Manteuffelstr 7. Von 19� bis 22 Übe. Leitung: Maler Rolf Beift.— Abt. Humboldthain: Gotenburger Strafte(Rote Schule). Spielgemeinschaft. Rundfunk am Abend Donnerstag. 10. März. B e r II B. 16.03 Clementl-Kohlaa(Gisela Springet and Dr. Oswald Jonas: Niige». 16.30 Johannes V. Jensen spricht dbci Goethe. 17.00 Dr Otto Grautoff: Die Kuost der Empire. 17 25 Orchesterkoniert. 18.55 Die Funkstuode teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 J S. Bach: Passacagiia C-Moli(Günther Ramin, Weigie-Orgel). 19,30..Faust" von Goethe. 22 30 Wetter, Machrkhien nnd Sport Tanzmusik. KSnlgswusterhausep. 16.00 Ländliche Wohlfahrtsarbell(Dr. Helmuth iohnrey und Kurt Herbst). 16.30 Königsberg Konzert. 17.30 Dipl-Ing Robert Kisch- Wie werden wir bauen? 18.00 Prof. Dr. Nadier: Deutsche Stamme und deutsche Landschaften In der Dichtung dei Gegenwart. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Wetter 16 1 die Landwirtschaft 19.00 Herstellung-es Saalgute»(Domänenpichter Neuhaus und Saatzucht- Inspektor HusieldJ.