Morgenausgabe Nr 121..„, A 61 49.Iahrgang WSchenilich 75 Pf. monatlich 3.78 M. /davon 87 Pf monatlich für Zultel- lunq ins va»»> im voraus zadldar. Postbezug Z.g? M. einschließlich«0Pf. Po- zeitungs- und 72Pf.Poftbestellg«- bilhren. Auslandsabonnement �.s» Ä. pro Monat I für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenporro«.85 M. Der.Bvrmärts' erfchetnt mochentäg- lich zweimal. Tonntags und Moniaas «innial. die Abendausgabe für Kerl« und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte SonntagsbeUaai .Voll und Zelt" Vevttner Vvttsbßatt Sonnabend 12 März 1932 Groß- Verlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Sie et iii na iL Mtlltmeterzetle 30 Pf. Reklamezeü» 2.- M..»leine An- »eigen" da» fettgedruckte Wort 20 Pf. tzuläfligzwei fettgedruckleWort».ledes weitere Won>0 Pf. Kadalt lt. Tarif. Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Worte Ardeilsmarkt Millimeter- zeil» 2S Pf Zamilienanzeigen Milli- meterzeil»>« Pf. Anzeigenannahm« Im Hauptgeschäft Lindcnstraße 3. wochentäglich von So« bis 17 Uhr. Der Benag behält sich das-Reäu der Ablehnung mcht genehmer Anzeigen vor! Jenteawvsan der Sozialdemokrattstven Vartei Deutschlands Redaktion und Verlogl Berlin SW.68. Lindenstr 3 �crnspr. Tönboit— 297 Telegramm-Adr Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postschelkkonlo: Zserlln37!)SS.— VanNonlo- Stauf der Ärbeiier. Ängeiiellien und Beamten. Lindensir. 3 Dt B.o DiSt-Get.. Devositenl.. Ieruialemer Ltr W-LS. kiokriisuienlie mAlenieniiii Machtvolle Kundgebung der Eisernen Front.— Berlins gewaltigster Aufmarsch. Ein Meer von Menschen und Fahnen im Lustgarten. Die Zugangsstraßen oerstopft mit Zügen, die sich kaum vorwärts- arbeiten können. Noch während Genosse Aufhäuser endet, er- gießt sich unübersehbar der Strom der Menschen in den Lust- garten. Die Massen singen entblößten Hauptes ihr Kampf- lied, aber immernoch strömen die Züge herein! Das Hoch auf die Sozialdemokratie und die Eiserne Front sind ausgebracht, der Abmarsch beginnt,— und immer noch füllen Zehntausende von Heronmarschierenden die Zugangsstraßen. Hätte der Lustgarten alle diese Menschen- massen auf einmal fassen müssen, er wäre zu klein ge- wesen für diese Demonstration! Doch obwohl beim Schlüsse der Kundgebung ein großer Teil der Demonstranten noch kilometerweit vom Ziel chrer Wanderung entfernt war, konnte über Raumüberfluß wahr» lich nicht geklagt werden! Vor der Schloßterrasse standen die Menschen wie Mauern, wie Wälle. Kopf an Kopf, Schulter an Schulter. Unmöglich, durch diese Massen hin- durchzukommen, unmöglich für den Späterkommenden, sich der Rednertribüne, zu nähern. Die Bannerträger der später einrückenden Züge, die auf der Terrasse Aufstellung nehmen sollten, müssen drunten bleiben,— es ist einfach nicht durchzukommen. Wie ganz enders sah es bei der Nazikundgebung am Mittwoch aus. Da war das„Parkett" vor dem Schlosse durch eine g e- künstelte, breit auseinandergezogene Auf- ftellung geordneter Trupps mit illot und Mühe belegt. Aber, wer wollte, tonnte bei der Nazitundgebung durch die breiten Zwischenräume der Formationen völlig ungehindert hindurch passieren, ja man konnte zu zweien und dreien spazieren gehen, ohne aiul, nur einen Menschen bei- seite schieben, ohne auch nur„Bitte sehr" sagen zu müssen. Man kann ohne jede Uebertreibung sagen: während bei den Nazis hübsch jeder einzelne Mann einen Luftraum von einem Meter Radius um sich herum bean- spruchte, stand am Freitag auf demselben Fleck zu- sammengepfercht ein Dutzend Menschen und mehr. Und in dieses unabsehbare Menschenmeer ergießen sich unablässig Ströme, die ihrerseits wieder aus Flüsien zu- fammenwachsen. Betrieb über Betrieb hat seine Belegschaft geschlosien auf die Straße entsandt. Diese Trupps von Hun- derten aber sind nur die Quellflüffe des Massenaufmarsches. Ueberall stoßen sie aufeinander, und im Nu sind aus den Hunderten Tausende geworden. Immer wieder müssen die Züge warten, sich unterbrechen, um einmündenden Neben- slüssen Raum zu schaffen. Bald sind sie nicht mehr zu über- sehen. Wo ist die Spitze? Auch wer einen erhöhten Stand- punkt erklimmt, sieht sie nicht mehr. Und wo ist das Ende? Wohl dehnt sich die Straße kilometerweit, aber noch um die letzte Ecke biegend sieht man die roten Banner herannahen. Im Lustgarten, auf allen Zugangsstraßen demonstriert die Eiserne Front— und auch in der Luft, wo unermüd- lich Propagandaflugzeuge, von Kameraden des„Sturmvogels" gelenkt. Stöße von Flugblättern abwerfen, die wie Tauben- schwärme durch die klare Abendluft segeln. Ein so imposantes Bild hat Berlin seit den Tagen der großen Nachkriegsdemonstrationen nicht mehr gesehen. So sieht es aus. wenn die Eiserne Front mar- schiert. Die Eiserne Front gibt Anschauungsunterricht. „Wir sind da— wir halten Wacht", so tönt es eindringlich den Spießern und Philistern in die Ohren. Berlin erobern? — Ach. Herr Goebbels, wie weilen fern sind Sic�davon! >— Hinein in die Betriebe?— Herr Goebbels, sehen Sie ein- mal an. wie Betrieb auf Betrieb sich den Zügen der Eisernen Front anschließt! Aber auch für die k o m m u n i st i s ch e n Spalter und Fanatiker, die der Welt weismachen wollen, daß hinter ihnen die Arbeitermassen ständen, ist dieser Aufmarsch eine herbe Lehre: es war das organisierte, das klassen- bewußte, aber nicht phrasenberauschte Pro- l�tariat, es waren die sozialistisch erzogene» Arbeiter, die klar und zielbewußt wisien, was sie wollen. Nicht jene unaufgeklärten Wirrköpfe, die heute dem Trans- portarbeiter Thälmann Hosianna zurufen, um sich morgen an die SA. des Herrn Goebbels zu verkaufen. Es war eine eiserne Front des Willens, eine eiserne Front der Zuversicht, eine eiserne Front des Sieges, die am Freitag demonstrierte. 36 Stunden vor Beginn der Präsidentenwahl zeigte die Republik ihre Kraft. Die Massen des organisierten Proletariats stehen hinter der Republik, sie lehnen es ab, den Tollhäuslern der radikalen Phrase Gefolgschaft zu leisten. Sie lehnen ab, unter Hitlers Führung in das Dritte Reich der Knechtschaft und der Unterdrückung zu segeln, sie lehnen es auch ab. auf dem Umwege über Teddy Thälmann dieses Dritte Reich des Wahnsinns herbeizu- führen. Die Massen wollen ein Reich der Freiheit und derVernunft. Sie werden am Sonntag den Weg gehen, der den Bestand der Republik sichert Dafür war diese De- monstration Beweis und Unterpfand. Die Republik marschiert und nichts wird sie aufhalten! Schlagt Hitler- wählt Hindenburg Siegfried Aufhäusers Gfcde Lang« bevor die Züge der Demonstrierenden im Lustgarten eintreffen tonnten, eröffnete unter dem Zwange der gewiß not- wendigen und wohl überlegten polizeilichen Bestimmungen. Franz Künstler im Namen der Eisernen Front die Kundgebung.„Wir sind wahr- lich nicht hierhergekommen, um zu paradieren. Wir sind hier, um unseren entschlossenen Äampswillen gegen den Faschismus zu be- künden/ Künstler gab dann dem Aorsitzenden des Allgemeinen freien Angestelltenbundes, Siegfried Aufhäuser das Wort.„Hier demonstrieren zu Zehntausenden die Arbeiter und Angestellten, die BeanUen und die Werktätigen aller Art, um als Vertretung des schaffenden Volkes sich, zu vielen taufenden vereint, zur Fahne der Republik, zu Schwarzrotgold und zur roten Fahne der Sozialdemokratie zu bekennen. Die nicht zu zählenden Menschen, die hier. Männer und Frauen, aufmarschiert sind, bekunden, daß die Eiserne Front steht und lebt. lStürmische Zurufe: Niemals, niemals!) Für uns ist der Stelle vor zwei Tagen eine Kundgebung veranstaltet. Sie appelliert an die Verzweiflung der Massen, sie will Nutznießer der Not. Ausbeuter der Leidenden sein. Noch immer war die Ver- zweiflung ein schlechter Berater. Auch hier, unter uns, sind leider unendlich viele, die ohne Brot und ohne Arbeit dastehen. Aber sie haben den Glauben an die Fahne des freien Volksstaates und an Pie rote Fahne der Arbeit behalten. Sie stehen seit 1918 in den Reihen derer, die den Volksstaat gegen jede faschistische Gewall ver- leidigen. Seit deu verhängnisvollen Wahle» vom SePtember 1930 hat die Arbeiterschaft unter schweren Opfern dem Faschismus den Weg zur Macht versperrt, um daS Fundament des Aufbaues zu erhalten, das durch eigene Kraft das schaffende Volk sich errichtet hat. Wir lasien uns dieses kostbare Gut nicht entreißen. (Stürmische Zurufe: N i e m a l, niemals!) Für uns ist der Augenblick gekommen, von der Abwehr zum Angriff über- zugehen. Die Nationalsozialisten haben gebrüllt: Deutschland 17. April Preußenwahlen! Eine Vorlage des preußischen Staatsmimstenums. Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtags wird am kommenden Montag zusammentreten, um über den Zeitpunkt der Neuwahl des Preußischen Landtages zu beraten- Pom preußischen Staats- Ministerium wird dem Ausschuß eine Verordnung vor» gelegt, wonach die Wahl zum Landtag am >7. April stattfinden soll. In Bayern und Württemberg wird für den Fall, daß die preußischen Landtagswahlen am 17. April statt- finden, ebenfalls an diesem Termin zu deu Laub tagen gewählt werde». erwache! Deutschland ist erwacht! Die Eiserne Front ver- körpert die wehrbereiten Kämpfer der Republik aus dem Reichs- banner und der Sportbewegung, die wirtschaftlichen Kräfte der Gcwerklchaften, die tatbcrellen politischen Kräfte der Sozialdemo- kratie und den Teil des Bürgertums, der zum Volksstaat steht. Sie kämpft für ein.besieres Deutschland. Die Aktivität der Eisernen Front ist wie eine Lawine, die alle Säumigen mitreißen muß. Wir wollen eine Neugestaltung der Wirtschaft. eine Beseitigung der Not, eine neue nationale Wohlfahrt. Wir wollen innerwirtschaftliche und außenpolitische Bereinigung. Zuvor aber wissen wir, daß als erstes die innerpolltlfche Bereinigung geschaffen werden muß. Aus dieser Erkenntnis heraus wird am 13. März das Volk souverän zwischen den zwei Fronten entscheiden: Hier Hindenburg, dort Hitler. Vom Reichspräsidenten Hindenburg trennt uns die Verschiedenhell der Weltanschauung. Trotzdem treten wir ohne jede Einschränkung für ihn ein. Er hat 1925 seinen Eid aus die Verfasiung geleistet. und er hat diesen Eid redlich gehalten. Die Menschen, die 1925 für ihn eintraten, sind heute seine Feinde, weil er nicht bereit war, seinen Eid zu brechen. Sie erwarteten von ihm den Staatsstreich gegen die Republik, und die Nationalsozialisten hätten ihm wieder ihre Stimme gegeben, wenn er bereit gewesen wäre, die Republik an sie zu verkaufen. Hindenburg hat sich rein und sauber gehalten. Deshalb wird er heute von seinen früheren Anhängern mll Schmutz beworfen. Es handelt sich am Sonntag nicht nm eine Person. Es handelt sich um die Frage: Demokratie oder . Faschismus. Für Hitler ist es die letzte Gelegenheit, an die Staatstrippe zu kommen. Deshalb handelt es sich hier nicht um irgendein« Partei- wähl. Wer Duesterberg wählt, stimmt für Hitler. Wer Thälmann wählt, stimmt für Hitler. Wer nicht wählt, stimmt für Hitler. Der Arbeiter, der nicht mit hilft, die Machtergreifung durch Hitler zu oerhindern, gibt dem Manne, der ihn peitschen will, selb st die Peitsche in die Hand. Hitler hat nie ein Wort darüber gesagt, wie er die Wirtschaftskrise beseitigen will Das einzige Mittel, das die Nationalsozialisten hierfür bekanntgaben, ist die Todesstrafe. Käme Hitler an die Macht, so würde weiterhin die Wehrmacht politischen Spekulanten überliefert sein. Die Legalität, die Hitler beteuert, wird durch die Mobilmachung der Faschisten zum Bürgerkrieg Lügen gestast. Er, der nicht wissen will, daß Frick ihn zum Gendarmen in Hild- burghausen und zum deutschen Staatsbürger machen wollte, würde vielleicht als Reichspräsident einmal vergessen, daß er einmal über- Haupt einen Beamtenerd geleistet hat.(Stürmische Zustimmung.) Herr Goebbels sagt:„Soge wer dich lobt, und ich sage dir, wer du bist." Wir erklären Herrn Hitler und seinen Landsknechten gegenüber: Sage uns, wer dich bezahlt und wir sagen dir, wer du bist. (Stürmische Zustimmung.) Wir wissen es: Die Schwerindustrie, die kein Geld für Löhn« und sozial« Verpflichtungen hat. gibt Millionen für di« Truppe« des Terror« nom Dritten Reich- Faschismus bedeutet Masieumord. Chaos und Panik. Faschismus bedeutet Untergang seder Freiheil und Kultur und Herabwürdigung des Schassenden zum Kuli. Well wir dies wisse» und weil wir deshalb Hitler schlagen wolle», wähle» wir Hi»de»b»rg, Unser Appell gilt auch vor allem der Jugend. Sie soll kämpferisch, sie soll radikal sein. Aber sie soll sich nichk durch einen Schein» radikalismus täuschen lassen, der nur stürzen will, aber nicht aufzubauen vermag. Der Faschismus will die Waffen des Bürger» krieges. Wir bekämpfen, solange es geht, den Faschismus mit geistigen Waffen. Aber greift er zur Gewalt, dann werde» wir i« aktivem Widerstand ihm die gleiche Gewalt entgegen» setze».(Minutenlanger Beifall.) Die Eiserne Front steht bereit und ruft dem Staate zu: Republik wehre dich. knapp vierzig Stunden trennen uns noch von der Entscheidung. Und ich möchte meine Hände in die Hände von euch hunderttausend legen, um so die unverbrüchliche Kampfverbundenheit des Volkes gegen die Dolksverderber zu bekunden Wir ziehen in die Wahl- ichlacht mit dem Kampfruf: Nieder mit Hitler! Nieder mit dem Faschismus! Es lebe unsere Kamvfgemeinschost, es lebe die wahre und echte Einheitsfront des republikanischen Deutschland-, die Eiserne Front.(Begeisterter Jubel.) Das Dritte Reich kommt nicht, wenn wir nicht wollen! wir aber wollen nicht! Die kur« Ansprache Auihäusers, die alles, was zu saaen war, zusammenfaßte, löste einen Beifall aus, der Minuten währte. Zum Abschluß der Kundgebung nahm noch einmal Genosse K ü n st l« r das Wort: „In wenig mehr als 24 Stunden muß der Faschismus seine große Niederlage erlitten haben. Das Wahlresultat muß für Hitler die Marneschlacht sein. Nach diesem Sonntag sollen Adolf Hitler, der Gendarm von Hildburghausen, und Thälmann, der russische Reitergeneral, zusammen einen Kriegerverein bilden können. Und auch Herr Joseph Goebbels möge seine politische Laufbahn be- schließen. Weil wir es wollen, deshalb schaffen wir es. Die Züge des republikanischen Berlins stehen heute bis zur Klosterstraße und bis zur Roßstraße. Ihre Stärke beweist, daß der Sieg unser ist! (Stürmische Zustimmung.) Der gemeinsame Gesang von„Brüder, zur Sonne, zur Frei» heit" bildete den Abschluß dieser gewaltigen Kampfkundgebung der Berliner Eisernen Front. Auf Veste Koburg. Vas„Dritte Neich" braucht zwölf Zimmer.- Bayern übernimmt die Polizeigewalt von Coburg. München, lt. März. In der Bevölkerung von Stadt und Land macht sich eine gewisse Beunruhigung über den Verlauf des Wahlsountags bemerk- bar. Verschiedentlich verbreitete Gerüchte über Alarm- b c r e l l s ch a s t und örtliche Verschiebungen in der nakionalsoziallstlschen SA. haben zu diesen Besorgnissen beigetragen, von polizeilicher Seite wird dazu aus Anfrage mitgeteilt, daß positive Anhalspunkle für derartige Vorgänge in der SA. nicht vorhanden sind, daß sich aber die Polizei, wie immer in Wahlzeilen, in erhöhter Alarmbereltschaft befindet und zur Anfrechlerhaltnug der öffentlichen Ruhe und Ordnung ge- rüstet ist. „Die Münchener Telegramm- Zeitung" meldet, daß für den nächsten Sonntag lm Bahnhosohotel in Sobnrg 12 Zimmer für Hitler, Dr. Frick, Dr. Goebbels und andere nationalsozialistische Führer bestellt worden seien. Das Ministerium des Innern hat auf Grund der Bestimmungen der Gemeindeordnnag mit Rücksicht aus die Ssfentliche Sicherheit die Ausübung der polizeilichen Gewalt in der Stadt Sobnrg vorübergehend dem dortigen Stadt- kommisiar übertragen. Die Soburger Sladtverwollpng und damit auch die Leitung der städtischen Polizei befindet sich bekannt- lich in nationalsozialistischen Händen. Brünings große Kampfrede. „Hindenburg muß siegen, weil Deutschland leben muß!"/ Furchtbare Abrechnung mit Hitler und Hugeuberg. Aus Auwis Heldenzeit« Eine Erinnerung aus dem Oktober TSlS. August Wilhelm Prinz von Preußen. Propagandaredner für Hitler, beschimpft die„Noveinderoerbrecher�. Wir wollen sein Ge» dächtnis etwas auffrischen. Bevor im Oktober 1318 die zweite Note Wilsons in Berlin bekannt wurde, ging in Berlin das Gerücht, daß die Abdankung Wilhelms verlangt werden würde. Zwei Tage vor dem Eintresfen der Note erschien Auwi mit dem Prinzen Adalbert bei dem Reichskanzler Max von Baden und sagte ihm: »Soll ich zu Papa gehen und ihm die Rolwendlgkeil vorstellen?" Er war also der erst«, der Wilhelm raten wollte, sich zu drücken. Er war, um im Jargon seiner jetzigen Parteifreunde zu reden. bereit, seinem kaiserlichen Dater den Dolch der Abdankung -N den Rücken zu bohren! Und das redet heute von„Novemberverbrechern"! Ohrfeige für Goebbels. Groener lehnt Auseinandersetzung mit Goebbels ab. Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. hört, hat ein« Verein!» gung nationalsozialistischer Rundfunkhörer unter Bezugnahme auf den jüngsten offenen Brief des Reichsinnenmirnsters Groener an Adolf Hitler dem Minister Groener schriftlich mitgeteilt, die NSDAP, sei bereit, seiner Ausforderung auf öffentliche Darlegung ihre; Programmes nachzukommen. Der Reichspropagandalciter i Dr. Goebbels wolle im Rundfunk über das Programm sprechen und � man erwarte eine entsprechende Anweisung Groeners an die Sende- i gesellschaft. Wie dem Nachrichtenbüro des VDZ. hierzu an zu- ständiger Stelle gesagt wird, war der öffentliche Brief des Ministers Groener an Adolf Hitler und nicht an Herrn Dr. Goebbels gerichtet. Goebbels selber habe inzwischen wieder in einem öffentlichen Brief sich über eine angebliche Zurücksetzung der NSDAP, beim Reichs- innenminister beschwert. Reichsinnenminister Groener denke anläßlich der Entartung der national- sozialistischen Wahlpropaganda nicht daran. Herrn Dr. Goebbels eine Antwort zu erteilen. Der Reichsinnenminister lehne es ab, sich mit Herrn Goebbels aus dem von diesem bisher bewiesenen Niveau zu unterhalten. Schon die Rednerliste der gestrigen Kundgebung im Sportpalast— Gereke, Brüning, Westarp, General Streccius— zeigte deutlich, welch eigentlicher Zweck vom Hindenburg-Ausschuß mit dieser Veranstaltung erstrebt wurde: sie war als ein eindringlicher Appell an jene Rechtskreise bürgerlich-konservativer Gesinnung und Tradition gedacht, die 1925 Hindenburg gewählt haben, sich von den Parolen ihrer Parteien und Verbände loszulösen und dem Reichspräsidenten die Treue zu halten. Aber diese Kundgebung wuchs weit über ihren Ursprung- lichen Rahmen und Zweck hinaus. Dafür hatte die Hitler- Propaganda selber gesorgt, und es darf ihr von republikam- scher und sozialistischer Seite für diesen unfreiwilligen Dienst nachträglich der wärmste Dank ausgesprochen werden. Durch die Flut der Lügen. Verleumdungen und Beschimpfungen niedrigster Art, die die Nazis über den 84jährigen Reichs- Präsidenten ergossen haben, haben sie die Redner des Abends, vor allem den Reichskanzler Dr. B r ü n i n g, in eine Kampfstimmung gegen rechts versetzt, die an Klarheit und Leidenschaftlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Daß es an patriotischen Tönen nicht fehlte, war angesichts des Zwecks der Veranstaltung und der Zusammensetzung der Hörerschaft selbstverständlich. Aber es darf fest- gestellt werden, daß— mit Ausnahme der gänzlich über- flüssigen und völlig verunglückten Ansprache eines total un- bekannten Generals a. D. Streccius— sich die gehaltenen Reden freihielten von irgendwelchem Radaupatriotismus. Dies gilt namentlich für die einleitende Rede des Landvolk- führers Dr. Gereke, die würdia und sauber war und die bevorstehende Abrechnung des Reichskanzlers mit rechts ahnen ließ. Dr. Brünings Rede war nicht nur eine große orato- rifche, sondern auch eine erstklassige politische Leistung. Eine furchtbare Abrechnung mit den Rechts- Parteien, eine schonungslose Bloßstellung ihrer Unzuver- lässigkeit, ihrer Demagogie, ihrer agitatorischen Gemein- heit in diesem Wahlkampfe:„Ein Paktieren mit solcher Gesinnung kann es niemals geben!" Dieses Wort, aus tiefster empörter Seele herausgeschrien. hat die Menge im Sportpalast in Begeisterung versetzt. Aber auch Millionen draußen haben es am Radio gehört. Sie danken dem Kanzler für dieses Gelübde und erwarten von ihm und seiner Regierung, daß es über den Wahlkampf hinaus der sittliche und politische Leitfaden der Reichspolitik werde und bleibe: der nationalsoziali st ische Fa- s ch i s m u s, dessen Unehrlichkeit und Dilettantismus, dessen Gemeinheit und Brutalität der Kanzler rücksichtslos gekenn- zeichnet hat, muß niedergerungen werden, bis er aufgehört haben wird, ein zahlenmäßig wichtiger Faktor und eine latente Bürgerkriegsgefahr im Leben Deutschlands zu sein. Die Brüning-Nede. In der Hindenburg-Kundgebung im Sportpalast erklärte Reichs- tanzler Brüning am Freitagabend: Meine Damen und Herren! Alles, was es an Dernunftgründen überhaupt gibt, hätte dazu führen müssen, daß sich Parteien, die überhaupt Sinn für Verantwortung besitzen, im Reichstage zu einer Zweidrittelmehrheit für die parlamentarisch« Verlängerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten zusammengefunden hätten. Denn, meine Damen und Herren, es ist nicht zu verantworten, in diesem Augenblick das deutsche Volk in einen Kamps ohne- gleichen, in eine Zerreißung von alledem, mos zusammengehört, in der Rot des Vaterlandes hinein- zutreiben.(Stürmischer Beifall.) Alles ist aus der Erkenntnis des gefahrvollen Augenblicks ver» sucht worden, zu diesem Ergebnis zu kommen. Und es ist unerhört. wenn man wagt, die Dinge so darzustellen, als ob der Herr Reichs- Präsident ein Parteikandidat geworden sei, als ob irgendetwas un- versucht gelassen worden wäre, um für den Herrn Reichspräsidenten «ine Einheitsfront auf breitester Basis zu schaffen. Es ist wichtig, in diesem Augenblick einige Worte darüber zu sagen. Wenn im Januar dieses Jahres von dem Herrn Reichsinnenminister und mir Verhandlungen zuerst und ausschließlich mit den Parteien der Rechten geführt wurden, um zu einer parlamentarischen Verlange- rung der Amtszeit de» Herrn Reichspräsidenten zu kommen, so sind diese Verhandlungen, meine Damen und Herren, nicht etwa ins Blinde hinaus geführt worden, sondern lange vorher hoben Fühlungnahmen bestanden, die uns den Glauben und die Zuversicht geben konnten, daß die Parteien der Rechten in ihren Führern zu solchen Entschlüssen bereit gewesen wären.(Hört! Hört!) Aber, meine sehr oerehrten Anwesenden, vom ersten Augenblick, als die offiziellen Verhandlungen begannen, war klar zu erkennen, daß ein taktisches Spiel gegeneinander der beiden Rechtsparteien begann, das an sich mit der Reichspräsidentenwahl nichts zu tun hatte, sondern da» aus einseitig parteiagitatorischen Momenten geboren war.(Hört! Hört!) Und so ist es soweit gekommen, daß eine Eint- gung nicht zu erzielen war. Run sagt man. das System, die jetzige Reichsregierung, ist schuld daran, daß die Parteien der Rechten sich nicht erneut für den Feldmarschall bekennen konnten. Wie ist es damit gewesen? Heute spreche ich sa nichts Neues aus, mach« keine Cnchüllun- gen, wenn ich sage, daß es in diesen vierzehn Tagen der Ber- Handlungen sich herausgestellt hat, daß nicht einmal diese Parteien sich über irgendeinen Punkt eines Regierunasprogramms bzw. die Besetzung eines Minister- stuhle» einigen konnten,(hört! hört!) Meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist von großer Be- deutung, dos immer und immer wieder auszusprechen, weil im Lande mit einer Flut von Lügen und Derleumdun» gen gegen die oerehrungswürdige Gestalt des Herrn Reichs- Präsidenten gerade in bezug aus diese Dinge gearbeitet wird. Dabei brauche ich doch nur daran zu erinnern, daß die beiden Parteien der Harzburger Front nichts wichtigeres in diesem Augen- blick zu tun haben, als selbst alle dies« Vorgänge zu enthüllen. Und wenn ihre Anhänger ruhig sich das einmal überlegen und sich davon überzeugen würden, daß es eine einheitliche Front auf der Rechten nicht gibt, und daß das System der Parteidokkrlne und der Partetherrschaft noch nie so stark gewesen ist. wie auf dieser Seite in diesen Tagen.(Lebhafter Beifall.) Man gehl jetzt dazu über, in diesen Tagen im Lande mit anderen Argumenten gegen die Wiederwahl des Herrn Reichspräsidenten zu arbeiten. Da ist ein Argument, daß der Herr Reichspräsident all die Notoerordnungen in den vergangenen zwei Jahren er» lassen hat. Lassen Sie mich dazu wenige Worte sagen: Meine Damen und Herren! Wer wie ich es miterlebt hat, wie der Herr Reichspräsident diese Verordnungen unterschrieben hat. der ist in der Lage zu sagen, wie schwer, menschlich, es für den Herrn Reichs» Präsidenten gewesen ist, allen diesen Opfern, die im Jnteresie des Staates gefordert werden mußten, seine Zustimmung zu geben. Aber wenn der Herr Reichspräsident nicht den Weg mirgegangen wäre, dann würde ei nicht das deutsche Volk in diesen kritischsten zwei Jahren nach dem Ende des Krieges geführt haben, aus einem Weg. der zwei Jahre lang fast jeden Tag hart am Abgrunde vor- beigegangen ist. der hart und steinig ist. wie jeder Weg, der in der Geschichte zu einem Erfolge geführt hat, der hart und steinig sein mutzte, um dahin zu kommen, wohin er kommen wollte, wo» hin wir alle kommen wollen, zu einer außenpolitischen Silnasion, die uns die Bahn freimacht zur Befrelung von den Lasten und zur endgültigen Gleich- berechtigung des deutschen Voltes mit anderen Völkern. (Stürmischer Beifall.) Wenn geglaubt wird, daß es möglich ist, Freiheit und Gleichberechtigung eines Volkes nur auf angenehmen Wegen und mit Hilfe großer Proklamationen und tönender Phrasen zu erringen, meine Dame und Herren, dann allerdings hätten diesenigen, die unseren Weg und unser Handeln angreifen, es in den vergangenen Jahren sehr leicht, sich billige Lorbeeren zu erwerben Aber darin besteht der Unterschied, und wenn man setzt dazu übergeht, immer und Immer wieder in tausendfacher Wiederholung dem Volke dos Wort vom Kampfe gegen das System einzuhämmern, dann muß ich gegenüber diesen Dingen das eine aussprechen: 3e länger der Wahlkampf dauert, desto widerwärtiger wird er von anderen Seilen geführt, aber desto gedankenärmer wird auch die Form der Agitalion.(Slürmlscher Beifall.) Und da mutz ich wieder fragen, wie man sich von derjenigen Seite aus, die den Herrn Reichspräsidenten jetzt bekämpft, das Durch- kommen durch diese vergangenen zwei Jahre und durch die kommen- den Monate denken könnte oder gedacht hätte, mit anderen Maß- nahmen, als wie sie in den Notverordnungen niedergelegt worden sind. will man da uns endlich einmal klare Antwort auf die Fragen gebsu— wenn Ihr von der Opposition den Herrn Reichs- Präsidenten wegen der Rotverordnungen angreist mit dem Schlagwort: Kampf gegen das System, wollt ihr endlich einmal sagen: wie steht Ihr denn zu dem anderen nur möglichen Wege, wie fleht Ihr denn endgültig einmal zu der Frage: Stabile Währung oder Inflation?(Lebhaftes Bravo!) So, dos Wort System! We'ches System soll nun an die Stelle gesetzt werden?'(Zuruf: Boxheim.) Das System.' meine sehr oer- ehrten Anwesenden, über da» wir bislang nichts anderes gehört haben, als nur das eine Wort. Man erklärte, man will kein Programm haben! Man will nur die Macht haben. Aber«nter der Hand geht man hin»nd da, wo mau in Arbeiterversammlungen steht, verspricht man den Arbeiter» schönere und bessere Zukunft, um nachher in ganz geschlossenen Räumen ausschließlich vor den Führern der Industrie zu spreche«.(Stürmischer langanhaltender Beifall.) Man spricht von der Notwendigkeit einer umfasienden und stärksten Siedlung im deutschen Osten. Ober wenn man in gewissen Kreisen ist. dann sagt man ebenso verschämt wie bescheiden, daß man ein solches Programm nicht im Handumdrehen durchführen könne! Das System, meine Damen und Herren, das jetzt immer deut- licher von nationalsozialistischer Seite hervortritt in der Agitation, besteht letzten Endes nur in einem einzigen, die Macht für dies« Partei ausschließlich und allein zu beanspruchen und zu erobern (Beifall) und dagegen richten wir uns und müssen uns richten, denn der Versuch, auch nur ein solches System durchzuführen, würde in Deutschland zu den schwersten Erschütlernngen führen müssen, würde in Deutschland nn» in eine Sltnalloo hinein- bringen, aus der es viellelchl nachher endgültig keinen Ausweg mehr geben könnte. Dieses System, wenn es heißen soll der parlamentarischen Regie- rungen, die wir in den vergangenen Jahren gehabt haben, ist doch zumindest«»» auch von Teilen der Rechten in einzelnen Jahren gebilligt worden und wenn man alle» als«ine Kette von Fehlern in der Polttik seit dem Jahre 1918 darstellt, so bin ich allerdings der Ansicht, daß es notwendig ist, immer und immer wieder daraus hinzuweisen, daß, wenn man mit Fehlern beginnen will, ja eine Verantwortung mit schwerwiegendsten Folgen für das deutsche Volk gehabt hat. dann muß man nicht erst da anfangen, sondern dann muß man weit früher anfangen(Hört, hört!— Starter Beifall.! Denken wir uns einmal, der Herr Feldmarschall wäre lm Kriege nicht erst berufen worden, Ostpreußen zu retten, als die Gefahr zum äußersten bereits gestiegen war. Denken wir uns ein- mal. der Herr Feldmarschall wäre Führer der ganzen deutschen Armee nicht erst im Jahre l9l6 gewesen, dann, meine Damen und Herren, hätte voraussichtlich die Geschichte des deutschen Volkes ganz anders ausgesehen, dann voraussichtlich, meine Damen und Herren, brauchten viele Dinge, die in den vergangenen Jahren ge- schehen sind, nicht geschehen sein.(Starker Beifall. Bravorufe). Und ein weiteres, über das ich auch einige Worte sagen möchte: Die Angriffe gegen den Herrn Reichspräsidenten, namentlich in der Agitation von Mund zu Mund, die gegen ihn erhoben werden wegen seines hohen Alters. Ich. meine sehr verehrten Anwesenden, kann alle Argumente vertragen, wenn aber dieses Argument gerade der Jugend vorgesetzt wird, dann muß ich sagen, das ist ein Ver- brechen an der heranwachsenden Jugend(starker Beifall), dann ist das eine Erschütterung der Autorität, die nicht nur ihre Folgewirkungen haben wird in diesen'wenigen entscheiden- den Tagen, sondern lange Zeit später noch: dann ist da, etwas, was zeugt von einer Gesinnung, mit der es kein Paktieren für immer geben wird.(Lebhafle Bravorufe.) Brüning feierte dann die Persönlichkeit des Reichspräsidenten, der ein Führer aus Gnade sei. Er schloß mit den Worten: Ein Volk, das einen Mann zum Staatsoberhaupt hat, der in der Geschichte fein« Bedeutung immer haben wird, an dessen histo» rischer Bedeutung überhaupt gar nicht zu rütteln ist, der das Symbol j deutscher Straft und Einheit in der ganzen Welt ist, meine Damen und Herren, wenn ein Volk es überhaupt duldet, daß gegen einen Mann in dieser Form geredet wird, dann entehrt sich ein solches Volk vor der Welt und vor sich selbst.(Starker Beifall.) Ich appelliere in dieser Stunde an die deutschen Frauen und Mütter. Ich kann mir nicht denken, daß die deutschen Frauen, die gestern die Rundfunkrede des Herrn Reichspräsidenten gehört haben, nicht dafür sind, daß der 18. März ein voller Sieg für den Herrn Reichspräsidenten werden wird(Lebhafter und Stürmischer Beifall.) Ich richte au Sie alle, die Sic zuhören, die iustandigste Litte. die lehtc Kraft und Energie einzusetzen, daß der 18. Llärz für den Herrn Reichspräsidenten zu einem Steg werden wird, der ein Enkschadungssieg für veulfchlaud werden wird. Ich schließe damit. meine sehr verehrten Anwesenden, daß ich sage: htndenbnrg muß siegen, weil venkschland leben muß! Die ganze Versammlung erhebt sich zu stürmischem. Minuten- langem Beifall. Hindenburg über Friedrich Ebert. Worte dankbarer Anerkennung. Den folgenden Ausspruch Hindenburgs brachte die Zeitschrist der „Reichszentrale für Heimatdienst" in der Nummer, die zum 80. Ge- burtstag Hindenburgs erschien: „Unbestritten ist Eberts Verdienst um Ruhe und Ordnung des Deutschen Reiches nach dem Zusammenbruch unseres Voltes, das wird jederzeit dankbar im deutschen Volte und auch von seinen politischen Gegnern anerkannt werden. Sein Streben war immer darauf gerichtet, dem deutschen Volke treu zu dienen. Auf seine Veranlassung wurden die Wahlen zur Nationalversammlung aus- geschrieben Sein Mut, sein staatsmännischer Weitblick, sein Ver- antwortungsgefühl, gepaart mit Kenntnis der Psyche der großen Masie, seine lautere Vaterlandsliebe haben uns gerettet." Achiung, Wahlschwindel! Die Hauptgeschäftsstelle der Hindenburg-Ausschüsse teilt mit: „Don vertrauenswürdiger Seit« wird uns mitgeteilt, daß Gegner der Kandidatur Hindenburg beabsichtigen, in letzter Stunde durch Flugblätter und Handzettel die Nachricht zu verbreiten, daß der Reichspräsident von Hindenburg seine Kandidatur zurück- gezogen habe. Um solchen etwaigen Wahlmanövern von vornherein entgegenzutreten, stellen wir fest, daß der Herr Reichspräsident selbstverständlich seine Kandidatur im ersten Wahlgang und. falls sich ein solcher als nötig erweisen sollte, auch im zweiten Wahlgang aufrechterhalten wird." Eine„Angriff"- Berichtigung. Oer Talmud des Oritten Meiches. Der Angriff-Redakteur Zietlow schickt uns— natürlich unter Berufung auf das Pressegesetz— die folgende„Berichtigung": Es ist unwahr, daß ich in der Verhandlung gegen mich vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte„aus der Anklagebank saß" und erklärt habe, nicht ich, sondern mein„Kollege Dörr trage die Ver- antwortung": unwahr ist weiter, es sei mir gelungen, das Gericht von der Richtigkeit meiner Behauptung zu überzeugen. Wahr ist vielmehr, daß ich in der Verhandlung überhaupt nicht zugegen war und daß ich infolgedessen weder aus der An- klagebank saß.«och die Verantwortung aus meinen Kollegen Dörr abgeschoben oder das Gericht von der Richtigkeit meiner Behoup- tung überzeuat habe. Ein Kolleg« Dörr existiert in der Schrift- leitunq des„Angriff" überhaupt nicht. Wahr ist, daß Zietlow nicht persönlich anwesend war, sondern als Angeklagter von seinem Anwalt vertreten wurde. Wahr ist. daß der Anwalt im Auftrag Zietlows die Verant- wortung aus einen anderen Angriff-Redakteur abwälzte. Wahr ist. daß er Im Auftrag Zietlows das Gericht von der Verantwortlichkeit des anderen Manne» vom„Angriff" über- zeugte Dieser andere Mann heißt allerdings nicht Dörr, sondern Dürr. Woraus man sieht, daß Zietlow sich auf den Talmud versteht. Einstimmigkeit in Genf. Japan wagt nicht, offen ver Resolution zu widersprechen Genf. 11. Mörz.(Eigenbericht.) Die Volloersammlung des Völkerbundes hat am Freilagnachmittag den ersten Teil ihrer Arbeiten mit der ein- st i m m i g e u Annahme der am Donnerstag von dem Rcdaktions- komitee vorgelegten Entschließung beendet und sich bis auf weiteres vertagt. In der Generalkommisiion gab S a l o- Japan die Erklärung ab. daß seine Regierung sich der Stimme enthalte, damit die Eu'Ichließung einstimmig angenommen werden könne. Die Enlhal- tung betrifft die Anwendung de» Versahren» nach Artikel IS auch auf die Mandschurei, wogegen Japan schon im Rat Bedenken erhoben hat. Jen- China motivierte seine Stimmenthaltung mit dcw Fehlen von Instruktionen seiner Regierung, doch bedeute das keinen Einwand gegen die Entschließung. Mit diesen beiden Enthaltungen kam die Einstimmigkeil im Ausschuß zustande, desgleichen in der sofort einberufenen v o l l v e r s a m m l un g. die das in der Eolschliehung vorgesehen« Komitee aus lg Mitgliedern eins hte Es besteht au» dem Drösidenleu der Vollversammlung, den 12 Ratsmi'gliederu außer den Parteiev und den sechs geheim gewählten Vertretern der Schweiz. Ischechoslowakei. Eo- lumbten. Dortngal. Schweden und Ungarn. Da am Sonnabend wegen der französischen vationallraner keine Sitzung aboehalten wird, wird Präsident hymans das Komitee Mitte nächster Woche einbervfeu.__ Ehrenmal für Brianö. Seutsche Kran'« am Sarge. pari», 11. März.(Eigenbericht.) Zwei prachtvolle Kränze aus weißen Nelken und Tulpen sind im Nomen der Reichsregierung und des Botschafters von Hoesch am Freitagnachmittag am Sarg Briands im Außenministerium niedergelegt worden Beide Kränze sind mit schwarzrotgoldenen Schleifen geschmückt. Ein dritter Kranz wurde im Mimen von Frau Käte Stresemann niedergelegt. Auch Präsident Hoooer, der König von Rumänien, die ungarische und die polnische Regierung, das Diplomatische Korps usw. haben Kränze übcrsandt. Das vom Allgemeinen Gewerkschaftsbund gegründete Aktions- komitee für den Frieden hat einen Ausruf an das Volk von Paris gerichtet, in dem alle Arbeiter und Friedensfreunde aufgefordert werden, an dem Begräbnis teilzunehmen,„um zum letzten Male denjenigen zu grüßen, der die Bemühungen um den Frieden ver- törperte".*___ „Die Hauptgefahr ist Severins!" „Note Kahne" vom-10. März 1082 als„Antwort an de» Äorwäois" „Jetzt greift er gar ins Wespennest der Naziverschwörung. Da sieht man doch, wie gefährlich dieser Severins ist!" Das System Hitler für Röhm. Klagges will unter Amismißbrauch die Wahrheit über Böhm verdunkeln. Die Affäre Röhm hat die innere Fäulnis der Clique um Hitler enthüllt, sie hat zugleich Herrn Klagges in Braun- schweig zu einer Selbstentlaroung veranlaßt. Unser Braun- schweizer Parteiblatt,„Der Volksfreund", hat von Klagges eine Auflagcnachricht erhalten, die folgendermaßen be- ginnt: „Gegen den Stabschef der NSDAP, und im Zusammen- honq damit auch gegen Adolf Hitler ist seit geraum-r?eit eine erbärmliche Hetze inszeniert worden. So bringt der„Volksfreund" einen Artikel, der dringend der Richtigstellung bedarf Im Austrage des Stabschefs hat Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune eine einstweilige Verfügung gegen die Verbreiter dieser Verleumdungen beantragt." Es folgt dann in der amtlichen Entgegnung die wörtliche Wiedergabe des Schriftsatzes des Anwalst Dr. Luetgebrune, in dem die gegen Röhm erhobenen Vorwürfe als ein„Hetzfeldzug schlimmster Art" bezeichnet werden, der zu dem Zweck unternommen würde,„Führer und Stabschef zu trennen". Herr Klagges fühlt sich also als Mann des Dritten Reiches, nicht mehr als verfasiungsmäßiger Minister, wenn er mit Hilfe von Auflagenachrichten intime Parteidinge der NSDAP, zu decken sucht! Diese Verfügung des Dietrich Klagges, augenblicklich noch Minister in Braunschweig, ist der t o l l st e A m t s m i ß- brauch zum Schutze schwer belasteter Privatpersonen, der jemals vorgekommen ist. Es ist der Streich eines Mannes, der annimmt, daß es nach dem 13. März aus ist Die Hitler-Armee ist eine Zusammenfassung von Bürger- kriegsbanden. über deren Illegalität kein Zweifel ist und keine amtliche Einrichtung— verstanden. Klagges! Röhm ist k ei n e Amts perfon. oder ist er schon Klosett- Putzer in Braunschweig geworden? Röhm ist eine Privat- Person, und seine Perversitäten haben mit den Interessen des Landes Braunschweig nicht das mindeste zu tun. Ber- standen, Klagges? Die Mitteilung, die der Braunschweiger„Volkssreund" als angeblich amtliche Mitteilung erhalten hat. ist eine U n- Wahrheit: denn Röhm hat laut Gerichtsprotokoll selbst die Echtheit seiner Briefe bestätigt! Die Auflage- nachricht ist der parteiische und innerlich unwahrhaftigc Schriftsatz eines Rechtsanwalts, der Röhm heraus- reden will, und nicht eine amtliche Feststellung! Seit wann ist das Interesse des braunschweigischen Staatsminisleriums identisch mit dem Interesse eines Mannes, der schweinische Briefe schreibt und seine perversen Neigungen ganz öffentlich macht? Das ist eine saubere Auffassung von sauberer Regierungsführung, und mit dieser Auffassung wird Klagges rechtlich nicht durchkommen! Immerhin: der Amtsmißbrauch des Herrn Klagges gibt allen bisher Unbelehrbaren noch zur rechten Zeit einen Vor- g e s ch m a ck davon, wie erst im Dritten Reich regiert werden würde! Amtlicher Schutz eines perversen Mannes, dem Der- füg"ngsgewalt über Jugendliche gegeben ist und der sie ge- fährdet, durch einen Schritt der braunschweigischen Regierung — das ist eine seine Ouvertüre für das Dritte Reich! Ein kläglicher Ablenkungsversuch. Wegen der Veröffentlichung der Röhm-Briefe haben die Nazis eine Strafanzeige erstattet, gegen wen? Gegen S e v e r i n g inifl Grzesinski, weil sie diese Briefe beiseite peschafst haben sollen. Das ist nicht nur ein dreister, sondern ein ganz kläglicher Ablenkungs» versuch. Preußen schützt die Republik! Bücksichislose polizeiliche Ltnierdrückung jedes Störungsversuchs.- Erhöhte Alarmbereitschaft der gesamten preußischen Polizei. Wi« der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Btinister des Juneru an all« Polizeibehörden den folgenden Runderlaß gerichtet: Seit Tagen werden in der Bevölkerung Mitteilungen, Nachrichten und Gerüchte verbreitet, wonach radikale Gruppen, insbesondere die Nationalsoziali st en, angeblich unmittelbar nach der Wahl des Reichsprastdeu- ten am 13. März und ohne Rücksicht auf den Ausfall beabsichtigen solle», gewaltsam einen Umsturz herbeizuführen. Gs ist Aufgabe der Polizei. diesen nervösen Gerüchten entgegenzutreten. Ich mache es ihr aber zur besonderen Pflicht, jeden Versuch einer Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung möglichst schon vor» beugend im Keime zu ersticken. Jede Gewalt- tätigkeit ist unter Verwendung aller, auch der schärf- stcn Kampfmittel, von vornherein rücksichtslos zu unterdrücken. Für die Gewährleistung des restlosen Einsahes aller polizeiliche« Kräfte. Beamten und Kampsmittel, mache ich die Polizetverwalter persöu- lich verantwortlich. Erhöhte Alarmberei�fchaff. Durch Pollzeifunkspruch hat der preußische Mnister des Innern am 10. d. M. ferner an alle Oberprästdenten und Regierung»- Präsidenten und an den Polizeipräsidenten von Berlin die folgende Anordnung gerichtet: Ich erwarte zur Sicherung der Wahlfreiheit und Ordnung bei der Reichspräsidentenwahl von allen Polizei- und Landjägereibeam- ten vollen Einsatz ihrer Person. Für, die Polizei wird weiter pom 12. März 1932 ab 12 Uhr durch diesen Funkspruch erhöht« Alarmbereitschaft angeordnet. Erleichterungen, Benrlau- düngen usw. sind verboten. Für die Landjägerei wird Urlaubs- sperre vom 12. bis IS. März verhängt. Für die Polizei- und Landjägcreischulen gilt gleichfalls ab 12. März 1932 ab 12 Uhr erhöhte Alarmbereitschaft. Beschlagnahme von Lastkrostwagen. Schließlich hat der preußische Minister des Innern an alle Polizeibehörden den folgenden Funkspruch gerichtet: Im Anschluß an meinen Runderlaß vom 4. März 1932 ersuche ich, von der Möglichkeit, die polizeiliche Zulassung eines zu einer nicht angemeldeten oder verbotenen polltischen Fahrt benutzten Lastkraftwagens bis zur Dauer eines Jahres zu widerrufen, ausnahmslos und im allgemeine» unter Anwendung der höchstzulässigcn Widerrufszeit Gebrauch zu machen. Die bei einer solchen Fahrt betroffenen Lastkraftwagen sind gemäß ßsj 98, 94 StPO. zu beschlagnahmen und mindestens so lange polizeilich sicherzustellen, bis der Widerruf gemäß§ K Abf. 5 der 250. über Kraftfahrzeugoertehr vom 15. Juli 1930 durch- geführt ist. Gehören die Lastkraftwagen dem Täter oder Teilnehmer eines Vergehens gemäß Z 4 Abf. 2 und 3 der 250 vom 28. März 1931, so greift§ 40 StGB. Platz.(§ 40 des StGB, lautet:„Gegen- stände, welche durch ein vorsätzliches Verbrechen oder Vergehen hervorgebracht. oder welche zur Begehung eines vorsätzlichen Ber- brechens oder Vergehens gebraucht oder bestimmt sind, können, sofern sie dem Täter oder einem Teilnehmer gehören, eingezogen werden.") AOGB. zur Arbeitsbeschaffung. In Erwartung des Krisenkongresses. Der Vorstoß der Gewerkschaften in der Frage der Ar- b e i t s b c s ch a f f u n g ist nicht ohne Wirkung geblieben. Weit über die Ärcise der Gewerkschaften hinaus ist man heute bei den maßgebenden Stellen der Wirtschaft und Politik der Auffassung, daß nun endlich einmal etwas für systematische Arbeitsbeschaffung unternommen werden muß. Auch das Reichsarbeitsministcrium teilt diese Auffassung. Der entscheidende Punkt im Arbeitsbeschasfungs- Problem ist jedoch, wie wir bereits berichteten, nach wie vor die Finonzfrage. Daher dient die Arbeitsbeschaffungsoorlage, die das Neichsarbcitsminislerium dem Kabinett unterbreitet lM. in erster Linie der Klärung der Finanzierung größerer öffentlicher Arbeiten. Die„Gcwerkschafts-Zeitung", das Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, bemerkt zu den Plänen des Reichs- ärbeitsministeriums in ihrer heute erscheinenden Nummer: Der Plan des Reichsarbeitsministers stellt die erste ofjizielle Aeußerung zur Frage der Arbeitsbeschaffung dar. Der Entwurf zeige, heißt es in den Randbemerkungen, mit denen die Presse die Meldung versieht, daß die Regierung an die Aufgab« der Arbeits- befchoffung unmittelbar noch der Reichspräsidentenwahl herangehen will. Wir glauben hinzufügen zu dürfen, die Bekanntgabe des Ent- wurfs zeigt, daß die Reichsregierung dem Außerordentlichen Kon- greß des ADGB. nicht mit völlig leeren Händen gegen- überstehen möchte. Zu einer sachlichen Beurteilung des Planes bilden die dürftigen Angaben über seinen Inhalt keine ausreichende Grundlaxe. Z u st i m m e n können wir der Idee die Entlastung des Arbcitsmarktes von verschiedenen Punkten her gleichzeitig zu versuchen, aber die einzelnen Teile des Planes haben unsere Sympathie nicht alle in gleichem Maße. Dem freiwilligen Ar- beitsdienst begegnen die Gewerkschaften nnt großer Skepsis— und seiner Auedehnung erst recht: von den Bestimmungen über das K r ü m p e r f y st e m, das für den Bergbau vorgesehen ist, hoffen wir, daß sie nicht von der gleichen Wirkungslosigkeit sein mögen, wie einst die Bestirmnungen über die Vierzigstundenwoche in der Notverordnung vom S. Juni: die Schaffung von zusätz- licher Arbeitsgelegenheit liegt in der Richtung der Forderung des ADGB.. ohne daß der für sie in Aussicht ge- nommene Umfang die Gewerkschaften zu befriedigen vermag. Der ganze Plan kann die Gewerkschaften in ihrem Entschluß, mit der größten Entschiedenheit einzutreten für eine großzügige Aktion zur Beschaffung von Arbeit, nur bestärken. Der bevorstehende außer- ordentliche Gewerkschaftskongreß wird einen weiteren. bedeutsamen Schritt in der Richtung des vom Bundesausschuß in seiner Tagung vom lö. und 16. Februar gesetzten Zieles darstellen... Für d'e Gewerkschaften ist die Erönerung dieses brennenden Problems des Tages nicht erschöpft. Die Notwendigkeit der Arbeitsbeschaffung steht für sie unoerrüchdar fest. Aber eine Prüfung aller Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung soll den Weg zur Erfüllung unserer Forde- rung bereiten. Bauunternehmer fordern: Sofortige Aushebung jedes Lohnschuhes. Uns wird geschrieben: „Es ist selbstverständlich, daß die baugewerblichen Unternehmer- blätter nach wie vor jammern, die Löhne im Baugewerbe seien immer noch„viel zu hoch". Die Bauunternehmer haben aber nun- mehr offiziell einen Vorstoß gegen die Notoerordnung unternommen. Die Spitzen der drei baugewerblichen Unternehmer- verbände haben an das Reichsarbeitsministerium eine Eingabe gerichtet, in der sie fordern, das Reichsarbeitsministerium soll .chie der Bauwirtschast durch den geschlichen Zwang der Notver- ordnung auserlcgten Löhne möglichst sosort außer Kraft scheu". Durch Notverordnung wurden die Löhne aller Arbeiter um 1l> bis 15 Prozent gesenkt, nachdem sie vorher schon wiederholt gesenkt worden sind. Sämtliche Löhne haben nach der Notverordnung G ü l- tigkeit bis zum 3 0. April. Dieselben Bauunternehmer, die vorgeben, gegen den staatlichen Eingriff bei der Lohnsestsetzung zu sein, verlangen nunmehr einen neuen Zwangseingriff, und zwar„möglichst sofort". Eine solche Zumutung kann nur als Frechheit bezeichnet werden. Oder hat man in den maßgebenden Bauunternehmerkreisen bereits beim Reichsarbeitsministcrium die Fühler ausgestreckt? Der Gedanke, die im Baugewerbe durch Notver- ordnung festgesetzten Löhne möglichst bereits am 1. April außer Kraft zu setzen, ist tatsächlich vor einigen Wochen im Reichsarbeitsministeriom von namhaften Vertretern des Ministeriums geäußert worden. Der Durchführung dieses Gedankens ist zwar von einem anderen Der- treter des Ministeriums entgegengetreten worden, jedoch scheint nunmehr die Erfüllung des Wunsches der baugewerblichen Scharfmacher gar nicht mehr außerhalb des Bereichs der Möglich- keit zu liegen. Kaltschnäuzig erklärt man in der„Bauwett":„Da- her ist dringend zu wünschen, daß das Reichsarbeitsministerium eine Durchbrechung der Notverordnung in dieser Richtung zustande bringt." Die„Begründung" für diesen Rechtsbruch ist die- selbe, die durch die katastrophale Arbeitslosigkeit längst all aäsunlum geführt ist:„mit einer Herabsetzung der Laufdauer der gellenden Löhne könne eine unmittelbare Entlastung des Arbeitsmarktes im Baugewerbe eintreten". Das hört sich so an, als ob die Bauunter- nehmer auf dem Monde lebten. Jedermann weiß, daß die Ingang- setzung des Baumarktes von ganz anderen Umständen abhängig ist als von einer weiteren Senkung der Bau- arbeitcrlöhne. Die Bauarbeiter sind es gewohnt, vom Reichsarbeilsministerium als Stiefkinder behandelt zu werden. So hat man sie in der Sozialoersicherung als„Saisonarbeiter" deklariert und zu diesem Zwecke die„berufsllbliche Arbeitslosigkeit" erfunden. Man will jetzt aber gleichzeitig Löhne zahlen, die in anderen Gewerben üblich sind. Der vorher in der Sozialoersicherung so scharf betonte Charakter des Saisonarbeiters geht dabei frellich völlig in die Brüche. In diesem Zusammenhange sei auch erwähnt, daß die Bauarbeiter durch die B ü r g e r st e u e r und die Aushebung der Rückerstattung der Lohnsteuer weit schwerer betroffen werden als andere Arbeiter. In Wirklichkeit ist der Bauarbeiter heute nicht mehr Saisonarbeiter, sondern nur noch Gelegenheits- arbeiter. Rund 90 Prozent der deutschen Bauarbeiter liegen heute aus der Straße. Nicht wegen der hohen Löhne, sondern well durch den Lohn- abbau die Kaufkraft ausgehöhlt, die Wirtschaftskrise katastrophal oer- schärft worden ist. In diesem Augenblick fordern die Bauunter- nehmer Aufhebung des Lohnschutzes. Wird dem statt- gegeben, dann gibt es im Baugewerbe nicht Frieden, sondern Kampf auf Leben und Tod." Zst es schon ein starkes Stück, wenn eine Unternehmer- gruppe von der Reichsregierung fordert, die Notverordnung nach der einen Seite außer Kraft zu setzen, ohne daß bisher die feierlich versprochene Erhaltung der Kaufkraft des Lohnes eingelöst worden ist. so ist es unvorstellbar, daß die Reichsregierung einem derartigen Verlangen statt- geben könnte Wir erwarten daher, daß die Reichsregierung sofort klar und un, zweideutig zu dem unerhörten Verlangen der Baununternehmer sich äußert. Nazis auf der Flucht. Don der NGO gewählter Nazikandidat. In dem EFHA-Werk in Britz, das die Berliner Be- oölkerung zu einem Teil mit Wurstwaren versorgt, ist von den Nazis mit Unterstützung des Betriebsralsoorsitzenden C. Güntheroth eine Nazizelle geblldet worden. Von der über 400 Beschäftigten zählenden Belegschast haben sich etwa 15 Mann in der Nazizelle zusammengefunden. Der „rote" Betriebsratsvorsitzeude Güntheroth ist vor kurzem durch die freigewerkschaftlichen Funkttonäre als Nazi entlarvt wor- den. Bor Jahresfrist kam dieser Held aus die rote Liste der NGO. und wurde gewählt. Durch den Rücktritt der Mitglieder des Ar- beiterrates mußte es zur Neuwahl kommen Neben der freigswerk- schaftlichen Liste hat der Renegat Güntheroth eine Liste der „Nationalen S o z i a l i st e n" eingereicht Eine überfüllte Versammlung der Efha-Werke am 10. Mörz beschäftigte sich mit den beiden Listen. Der Betriebsratsoorsizende Güntheroth erzählte den Versammelten, daß die freien Ge- werkschasten nicht in der genügenden Form die Interesien der Be- schäftigten oertreten. In der Diskussion wurde ihm von den freigewerkschaftlichen Funktionären gerade das Gegenteil bewiesen. Das Verräterische seiner erbärmlichen Handlungsweise wurde ihm mit schärfsten Worten zum Vorwurf gemacht. Güntheroth hat Ver- Handlungen über 5)erabsetzung der Frühstückswurstpreise und des Wäschegeldes verschleppt und so die gesamte Belegschaft um 3000 M. geschädigt. Als Vorsitzender wollte Güntheroth freigewerkschaftlichen Dis- kusfionsrednern nicht das Wort erteilen da ereilte ihn sein Schicksal. In stürmischen Prolcstäußerunzen erzwang die Versammlung durch Abstunmunz gegen zwei Stimmen, daß Güntheroth den Vorsitz abtreten mußte. Der tapfere Nazi forderte nun seine Pg/s und Sympathisierende auf mit ihm den Saal zu verlassen. Der Nazi Lothes krähte ein:„Deutschland erwache" in den Saal. Nur der besonnenen Haltung der steige- werkschaftlichen Funktionäre ist es zu verdanken, daß dieser Maul- Held vor einer Abreibung bewahrt blieb. Die drohende Haltung der Versammelten veranlaßt« die Nazis, fluchtartig den Saal zu ver- lasten. In mustergültiger Ordnung wurde die Versammlung beendet mit dem Gelöbnis, zur Betriebsratswahl nur für die Liste I der freien Gcwerlschasien zu stimmen. Die Beschäftigten der Efha-Werke haben es verstanden, mit dem Spuk der REO. sehr schnell aufzuräumen. Es wird ihnen ebenso schnell gelingen, die Nazipestzelle auszuräuchern. So wie dis Efha-Beschäftigten am Donnerstag die Nazis in die Flucht geschlagen haben, muß es am Sonntag gelingen, ihrem obersten„Osaf" Adolf Hitler die verdiente Niederlage zu bereiten. Schlagt Hitler— wählt Hladeuburg! Alberi Thomas in Verlin. Der Direktor des Interncttionalen Arbeitsamts. Albert T h o- m a s, trifft am Sonnabendoormittag in Berlin ein. Er wird sich oorsu-sichtlich einige Tag« hier aufhatten und bei dieser Ge- legcuheit auch mit dem Reichskanzler und dem Reichsarbeitsminister zusammentrefs.n. Angesichts der starken Bemühungen des Inter- nationalen Arbeitsamts um die Aufstellung und Durchführung«in«s internationalen Programms öffentlicher At«, bellen ist anzunehmen, daß auch diese Frage in den Besprechungen 1 eine Rolle spielen wird. Das ttnrechö an den Arbeiisinvaliden. Es muß wieder gutgemacht werden. Der Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands wird seit Wochen in leiden- schastlichen Zuschriften aus allen Teilen des Reichs bestürmt, bei der Reichsregierung alles aufzubieten, um das durch die Vierte Notverordnung gesteigerte Elend der Sozialrentner zu: mildern. Der Verband hat dieser Forderung soeben mit einer an die Regierung gerichteten Denkschrift Rechnung getragen. Er macht darin mit allem Nachdruck und vn Hand von Beispielen der Rentenkürzung auf die großen Gefahren aufmerksam, die durch den Versuch, die Sozialversicherung nur von der Ausgaben- leite zu sanieren, entstehen müssen. Die Zahl der ilnfollrentner. die durch die Verordnung auf das schlimmste geschädigt wurden, ist. wie die Denkschrift betont, außer- ordentlich groß Neben den etwa 400 000 Kleinrenten, die gänzlich sortgejallen sind, beläust sich auch die Anzahl der Schwerunfakkverletzte«, die durch die Rotoerordnung in Mitteidenschast gezogen wurden, in die Hunderttaufend«. Sie werden besonders betraffen, well ihnen ihr« Bezüge aus der Invalidenversicherung oder der Knappschaftsversicherung ganz oder zum großen Teil genommen werden. Di« Begründung für diese scharfe Maßnahme, nämlich die Schassung einer Sicherung von überhöhten Rentcnbczügen, verliert aber schon dadurch chren Wert, daß in den meisten Fällen auch bei Doppelbezügen das gesamie Renteneinkommen als bescheiden bezeichnet werden muß. Der Verband legt besonderen Wert auf die Feststellung, daß auch bei den Arbeitsinoaliden der Rentenbezug einen Rechts- ansprach darstellt. Die Arbeitnehmer seien durch Gesetz ver- pflichtet. Mitglied der für sie zuständigen Zweige der Sozial- Versicherung zu sein. Damit sei gleichzeitig die gesetzliche Verpflich- tung zur Beitragsleistung verbunden. Kein anderer Rechtsanspruch könne daher in stärkerem Maße als„wohlerworben" be- zeichnet werden, als der aus einem Versicherungsoerhältnis her- gelettete R e n t e n b e z u g. Der Grundsatz von den„wohl- erworbenen Rechten" der anderen, bessergestellten Volksschichten gegenüber, bis heute noch immer von der Reichsregierung vertreten werde, habe bei den Sozialrentnern nicht die geringste Beachtung gefunden. Don der Reichsregierung müsie unbedingt erwartet werden, daß sie nicht nur die Härten der Vierten Notverordnung wieder ausgleicht, sondern auch die Sanierung der Invaliden- und Knappschaftsversicherung ausschließlich von der Einnahme» seit« her vornimmt._ Krisenmaßnahmen der Nuchdrucker. Neuregelung der Beiträge und llnterstühungen. Am Donnerstag nahm eine außerordentliche Generalversamm- lung der Berliner Buchdrucker im Gewerkschaft- haus zu dem Antrag desuGmioorstandes auf Aushebung des Beschlusies der Generalversammlung vom 17. Dezember 1931 über Gauzuschüsse und Gauextrabeiträg« und deren Neuregelung Stellung. Deran- lasiung dazu gaben zahlreiche Beschwerden, die wegen der letzten Erhöhung des Beitrags für den Berliner Gau nnt d«r Begrün- dung wirtschaftlicher Untragbarkeit an den Verbandsoorstand gerichtet wurden. Der Verbands vorstand sah sich deshalb im Interesse der Gesamtorganisation zum Einschreiten veranlaßt. Der Gaukassierer S ch l e f s l e r berichtete in der Versammlung über die Beweggründe des Antrags des Gauoorstandes. Er hob besonders hervor, daß die Buchdrucker bisher eine Opferwillig- keit gezeigt hätten, die ebenso beispiellos dastehe wie die lisherigen Leistungen der Organisation. Die große Zahl der Mttglieder, die bei der Urabstimmung gegen die Einführung der Cxtrakxiträge ge- stimmt habe, zeige aber mit aller Deutlichkeit, daß viele Mitglieder mit der damaligen Regelung nicht einverstanden waren. Die S o l i- d a r i t ä t mit den Arbeitslosen, die bei den Buchdruckern immer hochgehallen würde, habe freilich auch«ine Grenz«. Di« bis- herigen Unterstützungssätze seien schon aus dem Grund« nicht ausrech-- zuerhalten, weil sich bisher ein Defizit ergeben habe. I» Zu» kunft dürfen nur noch zwei Staffeln für den Gauextrabeitrag bei- lehatten werden. Der Gauvorstand schlägt vor, bei einem Lohn ab 10 M. über Tarif 1 M. und ab 20 M. über Tarif 1,50 M. Gäu- extrabeitrag pro Woche zu erheben. Demzufolge muh leider ein Abbau der Unterstützungssätze eintreten. Die Mehrzahl der Bezirksversammlungen hat dazu A b ä n d c- rungsoorschläg« gemacht, di« durch höhere Beiträge den no:- wendigen Abbau gemildert wisien wollten. Der Gauvorstand sieht nach nochmaliger Prüfung kein« Möglichkeit, seine Dorschläge zu ändern. Di« Generalversammlung stimmte nach längerer von Derantwortungcbewußtseiu getragenen Aussprach« mit großer Mehr- hell den Vorschlägen des Gauoorstandes zu. Hausgewerbe bleibt versicherungspflichtig. DefÄluß der?ieichsanstalt. Auf Antrag der Gewerkschaslea ist die Verlängerung d°r versicherungspslicht der Heimarbeiter und Hausgewerde- trelbeuden in der Arbeilslosenversicheruug sichergestellt worden, ver zuständige Unterausschuh des Verwaltung-- rates der Reichsanstalt beschloß, die Versicherungspflicht im bis- herigen Rohmen zunächst noch bis zum 30. Zuai fortbc- stehen zu lasten. Der Reichsarbeitsmluister hat diesem Beschluß seine Zustimmung erleilt. Welche Regelung uach dem 30. Zuni in Kraft treten soll, wird im verwaltongsral noch eingehend gc- prüft werden._ Osielbiertum. Ver qepfandete Frackbesiher und die Kranken�affe. Die„F r i e d l ä n d e r Zeitung" vom 4. Februar veröffent- lichte folgendes Inserat: „Am 30. Januar wurde mir nach langem, qualvollem, mit über- menschlicher Geduld getragenen Ringen von der Krankenkaste mein Frack entrissen. Der Verblichene hat meinem Dater und mir 45 Jahre treu gedient und war Inhaber der einzigen heute möglichen Auszeichnung Seine Ueberführung nach Bartenstein Hot in aller Stille stattgefunden. Im Namen von zwei Frackhemden und einer weißen Schleife: Moldzio, Dietrichswalde." Mit diesem Inserat sollten die Krankenkassen verächtlich gemacht und verulkt werden, weil sic auf dem Standpunkt stehen, daß die Nichtabführung ihnen zusteyender Beträge nötigenfalls mit der V fändung beantwortet werden muß. Daß die„Friedländcr Zeitung" das Inserat unentgeltlich gebracht, ist kaum anzunehmen. Das berechtigt zu der Behauptung, daß es allzu ungünstig mit den Finanzoerhältnissen des Frackbesitzers nicht bestellt sein kann. Die„Georgine", das Amtsblatt der Landwirt- s ch a f t s k a in m e r für die Provinz Ostpreußen, zitiert das Inserat unter der Rubrik:.Lustige Geschichten aus unserer Provinz" Nichts charakterisiert diese Landwirtschaftskammer bester als diess Ueberschrift und nichts kennzeichnet bester den stur-reaktionären Geist der Ostelbier als dieses Inserat. Daß der Inserent sich einer gemeinen Unterschlagung schuldig gemacht hat. scheint in den ostelbischen Agrarierkreisen als ein gelungener Streich bewertet zu werden._ Gt'werkschafis-Fnatnb Berlin >-ute finden f-Igende Veranstiitungen statt: Jiiacndhkiw flugh.fenstr. e*. Uebungsabend.— Die nächst» Enrechstunäe findet am iiontag o.n IS— IS Uhr. Zimmer 26, statt. Beranlworilich filr__ Palitik: Victor Schiff-, Sirtschaft:«. ttliagelhZscr, ~' n Schik-w-li: Lotale» sämtlich in Berlin. ------- BorwSrto.BnchZrnckeret . Co.. Berlin SD. SS. Liadenstrah» 8. S-e-i- i«eUnge». Berta a: Vorwärts. Verlag D m. b. H und Berlagsanstall Paul Singer u Jtr. 121. 49, Zabrgang*�4 e»ntiai)cn6, 12. März 1932 Flammenzeichen über Berlin. Gestern nachmittag stand Berlin im Zeichen der Eisernen Front. Die Massen der vielen Zehntausende marschierten zum Lustgarten, um gegen den Faschismus zu demonstrieren. In den Abendstunden lauschten Millionen auf die Worte, die der Reichs- konzlcr für die Kandidatur chindenburgs an das deutsche Volk richtete. Das Strastenbild Verlins aber spiegelt von Tag zu Tag mehr den großen entscheidenden Wahlkainpf deutlich wieder, lieber die Parteiparolen der Hitler, Thälmann und Duesterberg hat die Bclksparole, Deutschland vor dem Chaos zu bewahren und deshalb Hindenburg wiederzuwählen, unendlich stärkeres Gewicht, lieber die L./.S. ,.. i'•■'tOT rl Oer Verrai des Schupoleutnanis. Die Llnterfuchung in Verlin noch nicht abgeschloffen. Der Berliner Schapolenlnanl Lange, der zusammen mit dein Wachlmeisler Schulz-vriesen und dessen Braut Gertrud Müller wegen Hochverrats festgenommen wurde, ist gestern im Polizeipräsidiom nochmals verhört worden. Die Vernehmung hat jedoch nichts wesentlich Neues ergeben. Lange behauptet nach wie vor, daß er den Hakenkreuzler. mit dein er im Gaubüro in der Hedemannstroße verhandelt habe, nicht näherkenne. Während Lange ganz offen seine Sympathien zur NSDAP. zugibt, stellt der beschuldigte Wachtmeister Schulz-Briesen jede Ver birrdung mit den Nationalsozialisten in Abrede. Dem gegenüb ersteht aber das bisherige Ilntersuchungsergebnis der Polizei, wonaih der Wachtmeister mit verschiedenen Kameraden Fühlung gesucht hat, um sie zu pflidstwidrigen Handlungen zugunsten der Nazis zu verleiten. Die Festgenommenen befinden sich sämtlich im Gewahr- sam des Polizeipräsidiums. Die Angelegenheit ist dem Reichs- anmalt, entgegen anderslautenden Nachrichten, noch nicht übergeben worden, da die Untersuchung in Berlin noch weiter geht. Besonderer Dank gebührt noch den Schupobeamten, die durch ihre Aufmerksamkell hinter das Komplott des Trios gekommen waren und der vorgesetzten Dienststelle von ihren Wahrnehmungen Mitteilung machten. Ein Rentner macht Bilanz. Geht es ihm gut oder schlech} mit 100 M. im Monat. Dieser Tage hat ein 71Iähr>ger Altersrentner dem .Vorwärts� seine Haushaltsrechnung eingeschickt. Die Soll- und Habenseiten sind ebenso ehrlich wie peinlich zusammengestellt. USWI M. betrugen seine Ausgaben im vergangenen Jahr«. Oben- an unter A stehen die Anschaffungen für den Haushalt mit K3,Sö M. Zum Schluß unter Z steht der verbrauchte Zucker mit 3,4S M. Jeden einzelnen Pfennig hat unser Gewähremann aufgezeichnet und so stehen aus der langen Liste für Zeltungen tö.Sv M., für Partei 10, L6 M., für Unterhaltung und Theater 18.20 M.. für Grabpfleg« 27,33 M. mrö für Geschenke, die der alte Herr im vorigen Jahre ge- macht hat: 21,73 M. Die einzige dreistellige Ziffer auf der Auegabenseite des Vud- gcts ist die Wohnungsmiete mit 438,24 M. Für Brot hat er 38,39 M., für Semmeln 12,33 M. und für Kuchen 14,70 M. ausgegeben. Wenn die Butterhändler nicht fo engstirnig wären und gut« Lehren annehmen würden, etwa die, daß jeder Pfennig Preis- erhöhung einen Konsumrückgang zur Folge hat. dann könnten die!« Butterhändler aus der kleinen Haushaltsrechnung viel lernen. Neben dem hohen Verbrauch an Brot und Semmeln müßte doch eigentlich«in klotziger Betrag für Butter stehen. Weit gefehlt Für Butter hat Freund I. nur 13,09 M. ausgegeben, dagegen für Mar- melade und Pflaumenmus 33,62 M. Da haben wir schwarz auf weiß die Abwanderung von der Butter. Die Gewü.z- und Vor- kastrechnung mit 19.66 M. ist immer noch höher als die Butter- rechnung. Aber die Butterintereffenten haben eben halt ihre eigenen Gedanken über Möglichkeiten der Absatzsteigerung. Sie lieben den Krebsgang. Wen das Jahreseinkommen interessiert, der alte Herr hat es ebenso genau ausgeschrieben: Altersrente monatl. 32 40 M........... 628.80 M. Rente von der Reichsschuldenverwaltung jährt... 10.—. Zinsen aus aufgewerteten Hypotheken...... 62.20. Miete vom Untermieter«Faiiulie) monatl 40 M. 480.—, Von der Konsumsparkassc abgehoben....... 30.—» Einnahme..... 1�21.— M. Ausgabe..... 1196.�1, Borirag für 1932. 24.49 M. Nun würben sich Hunderttausende Berliner glücklich preisen. wenn sie soviel Geld zum Verzehr hätten. Hundert Mark sind an sich eine geringe Summe. Aber die Tausende und aber Tausend« von erwerbslosen Familienvätern, die haben ja nicht einmal diese 100 Mark; Zehntausende von Kurzarbeitern, die durch eine Post- karte für einige Arbeitsstunden gerufen werden, wenn etwas zu tun ist, haben sie auch nicht und die im Gehalt abgebauten kleinen Ver- täuferinnen, die Näherinnen. Stepperinnen, sie hoben sie gleich- falls nicht. Diesen Menschen würde ein Stein vom Herzen fallen, wenn sie 100 Mark netto im Monat hätten. Denn nicht nur gedrückte Erwerbslose schreiben uns Briefe, auch die, die noch Arbeit haben. Da heißt es in dem Brief e ner Frau, deren Mann A n g e ft e l l t e r Ist und Arbeit hat:„... es gibt wirklich Arbeitslose, die nicht wissen, wo sie in ihrer Verzweiflung hinsollen, aber hat schon jemand sich Gedanken gemacht über die verzweifelten Arbeitenden?" Die Frau, die selbst krank ist und der Pflege bedarf, zählt alles auf, was für die Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse notwendig ist. 270 Mark beträgt das Bruttogehalt des Mannes, der eine dreiköpfige Familie hat. 28 M. gehen ab für Sozialversicherung, 13 M. Fahrgeld für Mann und Tochter. 11,73 M. für Verband, Zeitung und Partei, 71,50 M. für die Miete(Neubau), 10 M. Abzahlung für rückständige Miete. 13,50 M. für Gas, Elektrizität und Feuerung, 8 M. für Stiefel- fohlen, das sind bereits 137,75 M. Von den übrigen 112,23 M. muß die Familie leben, sich kleiden. Schulhefte taufen, der Mann soll sein Taschengeld haben und schließlich die Pflege der tranken Frau." „Wer hilf uns?" fragt die Frau zum Schluß. Letzt werden die Berliner Erwerbslosen ganze Stöße von Briefen schreiben und sagen: gebt uns die 270 Mark brutto und wir sind wieder Menschen. So hat die in der Ueberschrift gestellte Frage, ob es einem Mann mit 100 Mark im Monat gut oder schlecht geht, nur allzu deutlich die düstere Wirklichkeit zum Hinter- grund. Aunahri des Eisernen MoierKorns Heute um 15 Uhr versammeln sich In der Lehrter Straße die Kraftwagcu und Motorräder des republi» kanischeu Berlins. Es gilt mit modernen technischen Mittel« eine letzte großzügige Wahlpropaganda für die Kandidatur Hindanburgs durchzuführen. Die AutoS werden Gedenkmünzen an diese Wahl mit sich führen und an Zuschauer verteilen. Die Hakenkreuzfahne in der Ltniversitai. Nazisiudeut wegen groben Unfugs zu 50 Mark verurteilt. Der Nazistudent Fritz H 1 p l e r hatte wieder mal Glück vor einem republikanischen Gericht. Cr war es. der am 19. Januar in der Universität anläßlich der Afta-Wahlen, einer Unternehmung der Hochschulhakenkrcuzler, durch das Fenster auf den mitilersn Balkon, der zum Vorhof führt, kletterte, eine große Hakenkreuzfahne entrollte und den versammelten Nazi- siudeittcn eine Rede hielt, um der Naziliste zum Siege Zu verhelfen: Er schloß mit einem„Hell Hitler!", die Kommilitonen echoten Heil Hitler! Dann santz man ein Lied und begeisterte sich im dreimaligen „Deurschland erwache!" Der Studiosus Hipler, 22 Jahre alt, hatte sich gestern vor dem Schnellschöffengericht wegen Leitung einer nicht angemeldeten Versammlung, wegen Tragens eines verbotenen Ab- Zeichens und wegen groben Unfuges zu verantworten. Zlls Student des achten Semesters kam er zur Verhandlung wohl präpariert. Er hatte sämtliche Reichsgerichtsentscheidungen im Kopfe und wußte, worauf es ankommt. Also brachte er das Mätzchen vor. die Versammlung sei in keiner Weise verabredet und vor- bereitet gewesen, es sei das Ganze überhaupt nicht als V e r s a m m- lung von Menschen zu betrachten, die sich zu einem gemeinsamen Zwecke zusammengefunden haben, sondern bloß um«ine zufällige Ansammlung, wie sie während der Clf-Uhr-Pause im Vorhof der Universität stets üblich ist. Cr könne also nicht wegen Redens auf einer verbotenen Versammlung bestraft werden. Allerdings straften die Aussagen der Polizeibeamten den Nazihelden Lügsn. Es feien etwa 1000 Studenten anwesend gewesen, sagten sie, e ne ähnliche Zahl sei sonst m der Elf-Uhr-Pause nie zu beobachten. Es konnte auch fönst keinem Zweife? unterliegen, daß der Student Hipler sich nicht die Mühe genommen hätte, die Fahne mit sich zu schleppen und vom Balkon aus. eine Rede zu halten, ohne vorher entsprechende Vorbereitungen getroffen zu haben. Der Staatsanwalt erachtete deshalb auch den Tatbestand einer verbotenen Versammlung für gegeben und beantragte sowohl wegen der Rede als auch wegen groben Unfuges die Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis. Das Gericht hatte sich aber von den Ausflüchten des Herrn Studiosus überzeugen lassen. Es verurteitt« ihn bloß wegen groben Unfuges, d�n es im Entrollen der Hakenkreuzfahne erblickte, zu 30 Mark Geldstrafe. Diese Handlung des Herrn Swdiofu». hieß es in der Urteilsbegründung, fei geeignet gewesen, die Ruhe und Ordnung zu stören, die Fahne sei auch außerhalb der Universität sichtbar gewesen, es sei ein grober Unfug, eine Parteifahne an der Universität zu hisien, an der Studenten verschiedener Rich- tungen studieren. Von einer verbotenen Versammlung im Sinne des Gesetzes hätte man nur dann fprecha« können, wenn sie vom Angeklagten vorher vorbereitet gewesen wäre. Das sei aber nicht der Fall, es handle sich nur um eine Ansammlung von Menschen. Der Studiosus Hipler fand eben gutgläubige Richter. Zugend Witt schaffen. Ausste-Wng von Diumenarbsiten Erwerbsloser. Unsäglich Iraung ist heute das Los der Jugendlichen: sie wollen und können schaffen und dürfen es nicht. Der Eintritt ins Leben der Arbeit ist ihnen verschlossen, sie wissen nicht, was beginnen! Nach Maßgabe der vorhandenen Mittel wurden von Arbeits- ä m t e r n Lehrgänge in den verschiedenen Berusskategorien ein- gerickztet, die den jugendlichen Erwerbslosen eine praktische fachliche Betätigung bieten. Im Jugendheim des Gesamtverbandes. Engel- u f e r. wurde am gestrigen Tage eine Ausstellung von Arbeiten erwerbsloser Blumenbinderinnen gezeigt, die das Arbeitsamt Mitte auf Lsranlasiung des Gesamtverbandes m der Berufsschule für Gartenbau durchgeführt hat. Der Ausstellungs- räum gleicht einem Blumenhain: da gibt es prächtige Arrangements aller möglichen Topf- und Schnittblumen, riesenhafte Lorbeer- kränze, Billschmuck, Grabdekorationen und Fasiadenschmuck. Sehr hübsch wirken die Tischdekorationen, die zwar nicht mit kost- barem Porzellan auf schwerem Damast auswarten können, dakür aber zeigen, wie man mit allcreinfachsten Mitteln, Geschick und Ge- schmack arbeiten kann. Da ist ein. Ostertisch, in besten Mitte ein Riesenstrauß Osterglocken steht, kleine buntbemalte Ostereier und Weidenkätzchen ergänzen die Dekoration: daneben ein kleiner Kaffee- tisch mit frühlingshaftem Blumenschmuck, aus einem Körbchen stecken Schneeglöckchen und Veilchen die Köpfchen hoch. Der Tisch für ein Kapitänjubiläum zeigt ebenfalls hübschen Blumenschmuck, das Schiffsbild an der Wand ist reich mit exotischem Blattwerk geziert, als Erinneruna an ferne Länder. In seiner Begrüßungsansprache betonte Genoste R o ch o w s k t. Vorstandsm'tglied des Gesamtoerbandcs, daß alles daran gesetzt werden müste, den Jugendlichen durch Arbeitsbeschaffung Arbeits- freude zu vermitteln, sie mit allen Mitteln herauszureißen aus dem Chaos unserer Zeit und seinen asozialen Auswirkungen. Es war erfreulich zu hören, daß feit dem Oktober vorigen Jahres etwa 12000 jugendlichen Erwerbslosen durch solche Werk- kurse Beschäftiguiagsmöglichkett geboten werden konnte. Trostbr'eke an Tirrfkor von Der Direktor der Deutschen Bank und Discontogesellschast. von S t a u ß, erhiett in letzter Zeit mehrfach Erpresser- b r i e f e, in denen er und seine Familie mit dem To de be- droht wurden. Als Schreiber der BnVe wu'de nach wochenlangen Beo achtungen der 38jährige Arbett'lofe Weiß mann verhaftet. Weißmann hat u. a. auch den Chauffeur des Bant- direktors über die Gepflogenheiten feines Arbeitgebers au'gefragt. Cr hat sich ferner an Leute herangemacht, die aus ihren Woknun- gen herausgesetzt werden sollten und hat diese ausgeford rt. sich zu einem R a u b ü b e r f a l l aus den Bankdire'tor zi�mmnenzu- schließen. Di« Poli'ei steht vorläufig noch auf d:m Standpunkt. daß Weißmann, besten Forderungen überaus phantastisch waren. geisteskrank ist. In der?l?exan�erstraße koMefahren. Vor dem Hause Alexanderstr. 32 ereignete sich gestern mittag ein tödlicher Verkehrsunfall. Der Fahrer eines Wäscheverleih- institutss der?9 Jahre alte Alses Conrad, wurde von einem Lastauto erfaßt upd überfahren. Mit schweren Verletzungen wurde der Verunglückte zur Rettung-sielle 13 gebracht, wo der Arzt jedoch nur noch den Tod feststellen konnte. Verlängerte Gültigteiksdauer der Arbeikerrückfabrkarken zu Osieru. Um den Ofterreistverkehr zu fördern, hat die Deutsche Reichsbahn auch die Güttigkeitsdauer der Arbeiterrückfahr- karten verlängert. Diese Karten gelten ebenfalls vom 23. März ab. Arbeiterrückfahrkarten, die in der Zeit vom 23. bis 28. März einschließlich gelöst werden, können zur Rückfahrt bis zum 4. April einlchiiehlich benutzt werden. Die Entfernungsgrenze von 230 Kilometer wird für die in der Zeit vom 23. bis 28. März gelösten Arbeiterrückfahrkarten ausgehoben. Aus dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. In der Zelle war es finster, kalt und feucht. Es hieß also eine Stelle ausfindig zu machen, wo man sich etwas er- wärmen, sich vor der Nässe schützen und sich leidlich bequem ausstrecken tonnte. Das war nur möglich, indem man tastend in der Zelle herumkroch und die ausgestreckte Hand vor sich hielt, um nicht plötzlich mit dem Kopfe gegen die Wand zu stoßen. Ich erkundete also die Topographie der Zelle, und es blieb mir dann doch nichts anderes übrig, als in die Mitte zurückzuführen, denn es war immer noch das Beste, sich von den Wänden, den seuchten Ecken und dem Kübel möglichst fem zu halten Hinter allen Schmerzen und körperlichen Leiden meldete sich jetzt mit Macht der Hunger. Essen, Essen! Jndesien gab es keine Hoffnung aus Brot. Es war offen- bar Nacht. Wer sollte mir da Brot geben? Ich entschloß mich, an die Tür zu klopfen und nach dem Sanitätsunter- offizier zu oerlangen, um ins Lazarett gebracht zu werden. Oder wenigstens sollten sie mir einen Mantel zum Zudecken geben. Ich wollte auch um Brot und Wasser bitten. Ich pochte anfangs leise, dann lauter. Niemand kam. Endlich schlug ich aus Leibeskräften gegen die Tür. Keine Antwort. So verflosien wohl viele Stunden, während deren ich ab- wechselnd der Länge und Breite nach meine Zelle durchmaß. dann wieder kraftlos auf dem Boden lag. um nach einigen Minuten wieder verzweifelt aufzuspringen. Plötzlich hörte ich ein Geklapper an der Tür. und dann wurde sie endlich geöffnet. Im Vergleich zu meiner Zelle war der Korridor taghell. In der Tür stand der Aufseher. hinter ihm der Korridorposten, dann kam ein Gefangener mit einem Stück Brot und einem Kruge Wasser. Ich ver- langte, es solle der Sanitätsunteroffizier geholt und außer- dem mir ein Mantel-gebracht werden. „Schön, wird besorgt", wurde mir geantwortet. Weg war er. Nach vierundzwanzig Stunden war er wieder da, brachte Wasser und Brot, wechselte den Kübel und sagte: „Schön, wird besorgt." So oerbrachte ich viele marteroolle Stunden voller Trost- losigkeit und Hunger und konnte dabei weder schlafen noch sitzen noch liegen. Die lastende, fast physisch empfundene Oeds und Ver- lasienheit drang in ununterbrochenem Ansturm auf inich ein. Ich bereute es tief, aus dem Auslande heimgekehrt zu sein, um meiner Dienstpflicht zu genügen und daraufhin un-'nqefochten in Rußland leben zu können. Nach Paris, Köln, Berlin, noch dem Louvre, dem Lurembourg— plötzlich Rekrutensammelstelle. militärische Borgesetzte, betrunkene Retruten, Arrestan» tentransport. Eskorte,„in die Presse". Hunger, Sieben- Kopeken-Rationen, Strafzelle. Und vor mir der Militärdienst. Wie hatte ich das nur tun können? Wenn meine Eltern gewußt hätten, was für Herrlich- keiten mich in Rußland erwarteten, dann härten sie nicht bei meiner Abreise ins Ausland so bitterlich geweint und sich so sehr vor einer Trennung für immer gefürchtet. Ach ja, die Eltern!... Wieviel Zärtlichkeit. Liebe, Eürsorge, schlaflose Nächte hält dieses Wort umfchlosien! efundheit, Ernährung. Erziehung, Schule. Zukunft, wieviel sorgende Gedanken, wieviel Mühe, wieviel Aufregung be- deutet das alles! Welche Opfer an Leben. Gesundheit, Ruhe und versönlichem Glück... für die Kinder! Unwillkürlich trugen mich meine Träumereien in die Vergangenheit zurück, in die weit hinter mir liegende Kind- heit, die beste, die einzig wirklich schöne Zeit meines Lebens. Wundervolle Sommertoge fielen mir ein, Sommertage im glühenden und gleißenden Sande in Mariupol am Strande des Asowfchen Meeres. Flimmernde Sonne, heißer Sand und irische grüne Wellen, aus denen wir Jungen uns für lange Stunden nicht lösen konnten! Und das Kahnfahren auf den Flüssen Kaltschik und Kol- mius! Wir trieben unfern Kahn quer über den Fluß und dann mit einem Schwunoe mitten hinein in das Schilfdtckicht am anderen Ufer, gegenüber der Stadt! Hier fing schon das Gebiet der Donkosaken an. Die Erwachsenen hatten uns erzählt, daß es hier an der Kalka, wie der Fluß in alten Zeiten hieß, eine ruhmvolle Schlacht mit d-n Tartaren gegeben ß-ttte. D!» Kinderie"!? erbebe t'ei dem Gedanken an die Größe der Lergangenheft und die Historische Bedeutsamkeit der Gegend: es war davon die Rede, daß man hier auch jetzt noch altertümliche Waffen an- treffen konnte. Piken, krumme Säbel. Helme und Ring- panzer, und solche Erzählungen mußten alle Romantik, die ln jungen Herzen schläft, erregend wachrufen. Und dann die Fahrten mit dem Vater auf der Segeljacht, die Dampferfahrten durch das Asowsche und das Schwarze Meer! Und der Jahrmarkt von Pokrowfk mit seinen Zirkussen, Panoramas. Karussellen, seinem bunten Flatter- schmuck und seinen Eisoerkäufern! Und wenn erst in der Hafenstadt, wo der Voter als Leiter einer Dachziegelnieder- läge tätig war, einer der französischen Dampfer seine Mar- seiller Dachziegelladung löschte! Wie viele herrlichen Erinnerungen aus glücklicher, ferner Kinderzeit, wie viele nie wiederkehrende LUndersreude, nie wiederkehrende Jahre... Und dann die Iünglingsjahre mit ihren Träumen vom Schönen, vom Kampfe gegen Grausamkeit und Gewalt, für Freiheit und Glück! Ich hatte fünf Tage in der Strafzelle verbracht. Meine Augen, vom Licht verwöhnt, blinzelten unwillkürlich und füllten sich mit Tränen. Burstein, iinmer noch gelb und stoppelbärtig, brach in Tränen aus. als er mich_ sah. Der Mann ohne Gedächtnis klopfte mir freundlich, brüderlich auf die Schulter und sagte: „Bist schon ein Mordskerl, bei Gott! Wirklich sin Mordskerl! Warte nur. Bruder, wir werden uns schon gut miteinander einleben." Und dabei klopfte er mir noch einmal auf Schulter und Rücken. Burstein sagte zu mir: „Glauben Sie mir, so wie der Mensch wul leben, so habe ich gewollt, Sie gesund und lebendig wiederzusehen. Soll ich so leben!" Dann besah er mich genauer und schilderte entsetzt, wie hohlwangig ich geworden war, und wie viele braune und grüne Flecke mein käss'ges und schmutziges Gesicht a'�wles. Als ich mich auszog, stellte er an meinem ganzen Körper große blaue Fleckn und blutunterlaufene Siellen fest, besonders auf dem Rücken und den Armen. Sogar Sikorski schien sich aufrichtig zu freuen und trak- tierte mich mit Weißbrot und einer ausgezeichneten Wurst. Ich hatte ein quälendes Verlangen nach Schlaf oder wenigstens nach r'�igem Lieaen ain de,- Rrits�-. Die andern aber warnten Mick: ich riskierte die Rückverfetzung in die Strafzelle, wenn ich mich hinlegte.(Fortsetzung solgt.) Betrüger auf der Krankenbahre. Heiratslustigen Frauen 5000t) Mark entlockt. Dieser Heiratsschwindler, der sich vor i!«n Schöffengericht Charlottenburg pi verantworten hatte, gab sich mit Kleinig- leiten nicht ab: Schröder betrieb die Sache im großen. Den heiratslustigen Frauen, die ihm über den Weg liefen, kam er St) 000 Mark zu stehen. Jetzt scheint er ein erledigter Mann. Er liegt vor dem Gkrichtstisch a u s der Krankenbahre, kann weder sprechen noch schreiben, er leidet an Rückenmarkschwind- sucht. Dem Gericht macht er sich durch Kopfnicken verständlich oder führt mit zitternder Hand einen Stab, mit dessen Hilfe er aus einer Buchstabentabelle Worte zusammensetzt, die auf Fragen. die an ihn gerichtet werden. Antwort geben sollen. Die ihm zur Last gelegten Handlungen bestreikt er: er habe mit den Frauen stets ernste Absichten gehabt. Schröder ist aber verheiratet, seine Scheidungsklage wurde im Jahre 1925 abgewiesen. Er ist vielfach für Betrug, auch für Heiratsschwindel vorbestraft. Schröder hatte ziemlich jung geheiratet. Mit seiner Frau lebte er nur 70 Tage zusammen: kehrte aber immer wieder zu ihr zurück. Schon während des Krieges unterhielt er Beziehungen zu einem jungen Mädchen, dem er die Heirat versprach, ohne ihr zu sogen, bah er lereitz verheiratet ist. Die ersten 11000 M. lockte er einer Frau K. heraus, de? er gleichfalls die Ehe oersprach. Das zweite Opfer war die Ehefrau I. Ihr erzählte er, vaß er g�ohe Summen vom ReichsentschSdigungsamt zu bekommen habe, versprach sie zu heiraten und für sie zu sorgen, und erhielt von ihr 4000 M. zur Bezahlung seiner Schulden. Er trat dann mit zahlreichen Frauen in einen Briefwechsel und verlobte sich im Jahre 19?8 mit einer Oberschwester die ihm zum Kauf eines Gutes 22 000 M. übergab. ?u gleicher A.'it verlobte er sich in Nürnberg mit einer anderen Frau: diese büßte 10 000 M. ein Mitte 1929 wurde Schröder in Berlin verhaftet. Er versprach, seine Opier zu befriedigen, gab ihnen als Sicherheit Hypotheken, die in Wirklichkeit wertlos waren, vertröstete sie auf die HunderUausonde, die er aus dem Reichs- entschädigungeamt zu bekommen habe. In Wirklichkeit betrug lein Anspruch beim Reichsentschädigunosamt nicht nwhr als 10000 M. wovon er 0500 M. bereits erhalten hatte. Bau all den Geldern. die er«rl eutet hatte, besah er bei seiner Verhaftung noch 8000 M. Die Sachverständigen. Obermedizinalrat Dr Wocker und Medizinalrat Dr. Schlegel, entrollten kein ganz günstige« Bild vom Angeklagten. Es fei richtig, daß er an Rückenmarkschwindsucht leide Di« Krankheit sei aber durchaus nicht soweit vorgeschritten, ' boh er nicht imstande wäre, auch in Zukunft mit Erfolg Heirats- lustigen Fraisen da» Geld zu enstocken. Sein augenblicklicher Krank- heiiszustand, sein» Unfähigkeit, sich zu bewegen und zu svrechen. sind nichts mehr als eine hysterische Flucht in die Krankheit. Die heiratelustigen Opfer entrollten ein anschauliches Bild wie der Herr Ritterguts besitz»' ihnen durch Eheversprechungen das Geld aus der Tasche gelockt hatte. Das Gericht konnte sich aber nicht in allen Fällen davon überzeugen, daß die heiratslustigen Damen ihr« Ersparnisse allein wegen des Heiratsoersprechens in die Taschen des Angeklagten wandern liehen Es verurteilt« ihn deshalb bloß wegen zweier Fälle zu l Jahr 3 Monaten Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust. Auch schien dam Gericht der Angeklagte wegen seines leidenden Zustardez nicht fluchtver- dächtig. e? entlieh ihn aus der Hast. Mit welchem Erfolg, dürste sich bald zeigen._ Ein JladHani auf der Anklageban?. Einen wüsten Auftritt vollführte auf der Anklagebank des Schöffengericht» Berlin-Mitte die 4ljährige geschiedene Anna M., die wegen Ladendiebstahls im Ruckfalle angeklagt war. Die Angesagte ist eine alte Ladendiebin, die fchon vielfach im Zuchthaus gesessen hat. Al» der Vorsitzende. Amtsgerichtsrat Dr. Unger. ihr das Straf- register vorhielt, begann sie zu toben und riß sich plötzlich den Mantel und das Hemd vom Leibe und führte laut schreiend auf einem Stuhl im halbentblöhten Zustande Tänze aus, bi» sie Wachtmeister sich ihrer bemächtiaten und sie nach Ueberwerfen des Mantels abführten. Nachdem die Angeklagte gezwungen worden war, sich wieder zu bekleiden, wurde sie dem Gericht von neuem vorgeführt und zu 2 Jahren«Monaten Zuchthaus und ö Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Angeklagte hatte eines Tages In einem Pelzwaren- geschäst ein Bündel Breitschwanzfelle im Werte von 1500 M. oer- schwinden lasten. Vroseisor Dr. hilzheimer. Der städtische Kommissar für Natur- denkmalspfleg«, Dr. Hilzheimer, ist in Anerkennung seiner Verdienste vom Preußischen Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zum auherordentlichen Profestor an der Tierärztlichen Hochschule ernannt worden. Svooo walzen durch Deutschland. Ausentener züchten Uachwuchs-„Tippel-EsKorteir'der LandsMsn. Sechzig- bis achtzigtausend Deutsche überschwemmen heute die Landstraßen Europas. Das bedeutet das Ende der„Kunden" und der„Tippelschicksen". Das bedeutet das Ende der Nomadenromantik der Landstraße. Die„Latschenzigeuner", die vom Fechten, Schnorren und allenfalls von kleinen Gelegenheitsmaufereien lebten, die, er- füllt von Wandertrieb und Abenteuersucht, die„Schalwur walzten", sie haben ausgespielt. Die Not, die Verzweiflung, die abgründigste Hoffnungslosigkeit sind es. die«ine dergestalt große Zahl von Ar- b e i t s l o s e n über die Landstraßen Europas peitschen. Viele lassen sich nicht unterkriegen, machen dem deutschen Namen und dem Ruf ihrer Baterstadt Ehre, ernten sogar Anerkennung, wenn sie Arbeit finden. Die Außenseiter der Gesellschaft, ausgelebte, abgelebte Talmi- Elegants weisen in-Berlin und Hainburg, in Dortmund und in Breslau, kurz überall da, wo sich Not und Elend hinter grauen Steinfronten zusammenpfercht, wo es unter der Decke bürgerlicher Ordnung von Derbrechen, Leidenschaften und Rachsucht brodelt und gärt, den Halbwüchsigen den Weg über eine Landstraße, an deren Dörfern und Städten das„Baldowern" wuchert. Es ist eine Land- straße, die für die meisten dieser jungen Irregeführten ein jähes Ende nimmt, denn an diesem Ende stehen Arbeitshaus und Fürsorge, Gefängnis, ja, Zuchthaus! In Berlin sind es nach wie vor die Rummelplätze, auf denen Begierden angestachelt werden. D>e Mädchen sind es hier, die die Freunde„schärfen", zu Raub und„scharfer Schaltour" an- stiften, die Mädchen sind es auch, die den Halbwüchsigen„Man- scheiten beibringen", d. h. ihnen Angst einflößen, um sie zum „Stiftengehen", zum Fliehen zu zwingen und hinterher dann „Lampen machen", die Freunde verpfeifen Warum? Well ein Mächtigerer, vielleicht ein ungekrönter König der„Zunftkommerfe" Jugendlicher sich um sie bemüht. Aber auch hier wird gelehrt, auch hier unterrichten die Er- fahrenen die„Jungfchci," in„flinken Sachen", weihen sie in die Sitten und die Gebräuche der Landstraße ein, malen ihnen d«« Leben der raubenden Baichen in den herrlichsten Farben aus. Vielleicht nur darum, um die Dilettanten loszuwerden, denn auch hier, bei den Outsiders entfaltet sich der Konkurrenznech, hervor- gerufen durch den dauernden Zustrom aus dem Heer der erwerbs- losen, beschäftigungslosen Jugend. Aus diesen Rummelplätzen. in Männerheimen und in einem als„Die halbseidene Schale" bekannten Schnapsladen an der Warschauer Brücke werden die be- rüchtigtcn Zunftkommerse abgehalten, bei denen Grenzüberschreitun- gen, Flebbenherstellung usw. gelehrt werden, bei denen die„Jung- schen" für die„scharfe Walze"„ausgereist" werden. Und hier werden„M ondaine Brigaden" und„T> p p e l e s k o r t e n" gegründet, die gemeinsam durch die Lande ziehen, die zwar nur einen geringen Prozentsatz unter den eingangs erwäbnten achtzig- tausend bilden, aber den arbeitsuchenden Wanderburschen den schwersten Schaden zufügen. Rekrutieren sich die sogenannten Mondainen Brigaden, die in der Halbseidenen Schale ausgereift werden, vornehmlich aus Ein- tänzertypen, aus Talmielegants, Rauschgiftsüchtigen und Erpressern, so sind die Angehörigen der Tippeleskorten meist auf„zerlumpt" zurechtgedeichselt. Ist das Feld der einen die schummerigen Dielen in spießigen Kleinstädten, so beackern die anderen die Gutshöfe und brandschatzen— nicht etwa den Bauer, nein, die Knecht« und Mägde... Ein Erlebnis sei hier noch mitgeteilt, das einem in einer der großen Budiken der Münzstraße begegnete: An der Theke ein sofort zu erkennendes, künstliches Gedränge!, denn das Lokal ist nur halbvoll I Eingekreist: ein Mann mit Bauch und Glatze. Dicht neben ihm ein Junae m-t Knüvntuch un'' Sckmalz- tolle. Der Dicke schwankt bereits, gröhlt die Musik des Orchestrions mit. Der Junge immer noch dicht neben ihm. Dann, plötziich: einige ganz unauffällige Morseta kte, die ein abseits stehender, Trunkenheit heuchelnder Mtganove mit seinem Kognalglas aus dos Blech der Theke klopst, etwa so: kurz-kurz-kurz-lang-kurz-kurz! Ein Griff des Jungen in die Tasche des Dicken, der sich sofort einen Weg durch das Gedränge! bahnt, verschwindet. Der Altganove des- gleichen! Mehr und mehr lichtet sich der Kreis um de» Dicken. Man will nach. Eine Schupostreise geht gerade am Lokal vor- bei. Man meldet natürlich das GeieHene. Aber es ist zu spät. Der Lehrer und der Jünger, der wohl sein Meisterstück geliefert hat, sind verschwunden. Und der Dicke— wird sich hüten, Anzeige zu erstatten, denn er kennt den Satz„Wer sich in Geiahr begibt, kommt darin um!" Und außerdem will er noch«in bißchen leben und kennt die Gefährlichkeit der organisierten Unterwelt und der„Zunft- kommerse der Jungschen"! Verkäufer statt Vertreter. Zu wilden Radauszenen kam es kürzlich am Alexanderplatz. Dort hatte sich ein Büro ausgetan, dessen Inhaber Reisevertreter suchte. 40 junge Leute meldeten sich. Durch ein Versehen in dem aufgegebenen Inserat meldeten sich aber stall der Vertreter Verkäufer, die. als sie von dem Irrtum hörten, sämtlich. ihr Fahrgeld zurückverlangten. Der Kaufmann weigert« sich und die 40 Leute erhoben Protest, der schließlich zu einem Tumult ausartet«. Das war am Mittwoch. In seiner Angst sagte der Kaufmann den Männern, daß sie am Donnerstag vielleicht Geld kriegen würden. Also erschienen in den frühen Morgenstunden die 40 Verkäufer und beanspruchten jetzt statt 50 Pf. 70 Pf. Fahrgeld. Der Kaufmann Halle aber nicht genügend Bargeld bei sich und wollte ihnen einen Scheck ausschreiben. Er tat das auch, wurde aber nun von den Männern in die Mitte genommen und mußte selbst zum Scheckami gehen. Der Kaufmann wußte aber, daß keine Deckung für den Scheck vorhanden war, es gab abermals heftigen Protest. Die 40 Männer drohen jetzt, den Mann strafrechtlich zu oerfolgen. „Tre-ne �rcund?" vor Gericht. Vor dem Schöffengericht Charlottenburg hatten sich 14 Mitglieder des Vereins„Treue Freunde", der dem„Freien Bund Groß-Berlin", einem der Unterweltsvereinsringe, angehört, wegen Ausschreitungen, die sie am 30. Dezember in der Gastwirtschast von Klose am Stuttgarter Platz unternommen hatten, zu verantworten. In diesem Lokal tagte eine Swmmtijchrunde, die In Feindschaft mit den„Treuen Freunden" lebt« und einen Zu- sammenschluß abgelehnt hatte. Abends gegen 10 Uhr drangen die Mitglieder des Vereins„Treue Freunde" in großer Zahl in das Hinterzimmer, in dem die Stammtischrunde oersammelt war. ein und verübten wüste Ausschreitungen. Es wurden die Leute von der Stammtischrunde schwer mißhandelt und das Lokal wurde zum Teil demoliert. Nach mehrtägiger Verhandlung oerurteilte das Gericht unter Vorsitz von Oandzerichtsdirektor Burczek den Vorsitzenden des Vereins, Kellner Bruno Grabowski, wegen gefährlicher ge- meinschafilicher Körperverletzung in Tateinheit mit gemeinschafti.chem Landfriedensbruch zu sechs Monaten Gefängnis. Fünf Angeklagte wurden zu Strafen von zwei bis fünf Monaten verurteilt. Verlegung des Ferulprechanschlustes recht zeiil.z beantragen. Zum Anfang April werden sich die Anträge auf Verlegung von Fern- fprechanschlüssen häufen. Damit die Dienststellen der Deutschen Reichspost die Wünsche der Fernsprechteilnehmer rechtzeitig ertüllen können, ist frühzeitiger Antrag bei der zuständigen Fernsprechver- mittlungsstelle erforderlich. Die Anträge werden in der Reihenfolge des Eingangs ausgeführt. Den Teilnehmern wird daher gerate». die Anträge auch dann schon setzt zü�evem wenn der genaue Zeit- Punkt der Verlegung noch nicht feststeht Dieser kann später mit- geteilt werden, mindestens aber eine Woche vor dem Umzug. „Friederike" In der„Plaza". Auch die Plaza will mit dabei sein, wenn es heißt, das Gocthe-Iahr festlich zu begehen. Sie bringt Lehars„Friederike" in der Originai-Jnfzenierung des Met>-opoI-Theaters. Das Publikum verfolgt willig und beifalls- freudig die einzelnen Phasen dieser Jugendliebe Goethes. Heidi E i s l e r als Salomea weiß schnell das volle Haus für sich zu gewinnen. Ihre Mitspieler Hedi K r a m e r(Friederike). Stübber Waller(Goethe), Wolfgang R e u s ch(Weyiand) und Armin Münch(Lenz) können sich nur schwer neben diesem Kobold behaupten. Am Pult stand Hans Heinrich P e y s e r, der um eine gute Stabführung stark bemüht war. Seinen KZ, Geburlslag feiert heute ein alter.Vorwärts"-Les«r> der frühere Silberschmiedemeister Gustav Rodewaldt, Ritter- straße 42/43. Herr Heinrich Michaelis. Waidmannslust. Waidmannstr, 19, begeht heule sein 25jähriaes Jubiläum als Verwalter der Nebenstelle der Kreissparkasse Niederbarnim. rtJK DAMENSCHUHE KNABEN UND BACKFISCH SCHUHE VOR ALLEM QUALITÄT! Wieder Sklarck-Prozclj. Stadtrat Jursdi über Finanzmi�wirtschaft. Nach dreitägiger Pause, die durch die Erkrankung Villi Sklareks .. jrursachl war. wurde gestern der Sklarek-Prozeh wieder sortgcfeij». Willi Sklarek war zur Stelle, hatte aber vor der Verhandlung dem Vorsitzenden mitgeteilt, dag der Arzt ihm noch Schonung angeraten habe. Aus diesem Grunde soll heute vormittag nur mehrere Slun- den verhandelt werden. Als Zeuge wurde dann Stadtrat I u r s ch gehört, der Direktor der Deutschen Girozentrale ist und Vorsitzender des Kreditausschulses und Mitglied des Verwaltungsrats der Stadtdank zur Zeit der öklarek- Kredite war und auch jetzt noch diese Posten bekleidet. Der Vorsitzende wie? darauf hin, daß die Vernehmung des Zeugen sich hauprsächlich um zwei Fragen drehe, nämlich in welcher Weise die angeklagten Stadtbankdircktoren den Kreditausschuß über die Einzel- hcitcn des Sklarek-Kredits informiert hätten und ob die Behauptung der Angeklagten zutreffend sei, daß die Sicherungen nur formaler Natur gewesen seien. Stadtrat Iursch erklärte zunächst allgemein, der Sklarek- Kredit sei im Kreditausschuß so dargestellt worden, als ob es sich uin nichts weiter als die Bevorschussung der Forderungen der Sklareks an die Bezirksämter für Lieferungen handele. Er habe den Kredit bekämpft, als er eine gewisse Höhe angenommen habe, weil die Stadtbank Kreditinstrument des Mittelstandes sei und nicht eine Firma bevorzugt werden sollte. Als der Sklarek- Kredit eine Höhe von 2 bis 3 Millionen Mark erreicht habe, habe er sich ständig gegen weitere Erhöhungen gewandt, sei aber nicht durchgedrungen. Auch im Houshaltsausschuß des Stadt- Parlaments habe er im Jahre 1927 den Kredit zur Sprache ge- bracht und es als eine F i n a n z m i h w i r t f ch o f t bezeichnet, daß die Bezirke auf diese Weise Gelder vorgestreckt erhielten. Es sei ober nichts daraufhin geschehen. Der Zeuge erklärte dann weiter, daß dem Kreditausschuß nichts über die Tatsache der hohen Wechsel- und Scheckgeschäfte und der stillen Zessionen vorgetrogen worden sei. Im weiteren Verlauf der Verhandlung des Sklarek-Prozesses äußerte sich dann noch Stadtrat Iursch zu der Frage des Vor- sitzenden, ob er den angeklagten Stadtbankdircktoren zutraue, daß sie von den Machenschaften der Sklareks gewußt und sich hätten bestechen lassen. Der Zeuge verneinte das und erklärte, er Halle die Sradtbankdirektoren auch jetzt noch für anständige und ehrenwerte Leute, die wohl nur den Sklareks blind v c r- traut hätten. Dann wurde die Vernehmung des Stadtbankdirektors Dr. Lehmann zum Abschluß gebracht. Er schilderte hauptsächlich die Borgänge am 26. September 1929, wo die Sklarek-Affäre durch die Revision des Obermagistratsrates Brandes aufgedeckt wurde. Dr. Lehmann belastete die Stadtbankdircktoren recht erheblich und meinte, er könne sich mit Bestimmtheit daran erinnern, daß Ober- magistratsrat Dr. Brandes den Direktoren gesagt habe, daß die Sklareks die Stadtbant betrogen hätten. Diese Aeußerung von Brandes hatten die Direktoren bisher bestritten. Der Zeuge fügte noch hinzu, daß nach seiner Ansicht die Unterhaltung mit Ober- magistratsrat Dr. Brandes zeitlich vor der noch erfolgten Aus- Zahlung von Geld an die Sklarekschcn Boten stattgesunden habe. Am Nachmittag sei er dann von Kämmerer Dr. Lange angerufen und zu ihm gebeten worden. Der Kämmerer habe dabei ausdrücklich abgelehnt, die Direktoren Schmitt und Hoffmann zu sprechen und geäußert,„ich habe nur eine Sorge, daß die Sklareks mit unserem Geld über die Grenze gehen werden." Dr. Lehmann erklärte dann weiter, er habe vorgeschlagen, sich an den Vizepolizeipräsidenten Dr. Weiß persönlich zu wenden, der an dem Abend gerade auf einem Fest im Opernrestaurant anwesend war. Der Kämmerer habe sich dann umgezogen und habe dort mit Lizepoltzeiprästdent Dr. Weih Rücksprache genommen und die A n- zeige erstattet. Nach der Vereidigung des Zeugen Dr. Lehmann wurde die Verhandlung dann mit Rücksicht aus den Zustand von Willi Sklarek vorzeitig abgebrochen und auf Montag früh vertagt. Zu diesem Tag ist eine Reihe von Mitgliedern des Kreditausschusses als Zeugen geladen. GinträgZiches Geschäft. Gewerbsmäßiger Abtreiber zu Zuchthaus verurteilt. Dos Potsdamer Schwurgericht verurteilte den ZLsähri- gea Paul Schulz aus Brandenburg a. d. h. wegen fort- gesetzter gewerbsmäßiger Abtreibung zu 4 Zahren Zuchthaus und 4 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte betrieb seit Jahren in der B a u h o f st r a ß e in Brandenburg eine umfangreiche Praxis. Hunderte von Frauen und Mädchen suchten ihn auf. Einer Patientin wurde z. B. die Nummer 1928 zugewiesen, denn der weise Mann führte über jede Patientin Buch! die Taxe betrug 76 Mark, manchmal erhielt er auch 159 Mgrk und in kurzer Zeit brachte Schulz seine Tätigkeit 19999 Ins 1 2 999 Mark jährlichen Reingewinn ein. Seinen lftgä'�unden jlt Brandenburg war es schon seit längerer Zeit aufgefallen, daß Schulz mit Geldscheinen nur so um sich warf Während der gefährlichen Tätigkeit dieses Abtreibers konnte man in Brandenburg zahlreiche ungewöhnliche Todesfälle von Frauen und Mädäzen feststellen, die aufhärten, als der Ange- klagte verhaftet wurde. In feiner Küche, wo die Abtreibungen vor- 'genommen wurden, fand man eines Tages ein 18 jähriges Lehrmädchen tot auf. Unbegrciflichcrweise versäumte es der hinzugezogene Arzt, bei Ausstellung des Totenscheines die Leiche näher zu untersuchen. Er schrieb einfach Herzschlag auf. Als die Leiche später ausgegraben wurde, war die Todesursache nicht mehr festzustellen._ Das Nordlicht. In der Treptow-Stern warte entwickelte vor den über- aus zahl.«ich erschienenen Freunden dieses verdienstlichen Volks- bildungsinstitutes Dr. Th. Meyer an der Hand zahlreicher Licht- bilier in verständlicher Weise die moderne Auffassung von der Natur des Nordlichtes, jener schönen Erfcheiramg, die in unseren Breiten so überaus selten zu erblicken ist, in den weiter nördlich gelegenen Gegenden aber«inen einzigartigen Schmuck des Himmels bildet. Noch im Ansang des Jahrhunderts gehörte das Polarlicht zu den geheimnisvollsten und unerklärtesten Natur- erscheinungen, durch die anhaltenden Untersuchungen namentlich nordischer Forscher ist dargctan worden, dag es seinen Ursprung in der Sonne hat, von der beständig Scharen von Elektro- n e n, förmliche Elettronenstrahlen, ausgesandt und im Bereich der magnetischen Kräfte der Erde zu ihren magnetischen Polen hin- gelenkt werden. Im Forschungsinstitut der AEG. konnten die wechselvollcn schönen Lichterschcinungen künstlich nachgeblldet und so die Thedrie glänzend bestätigt werden. Dieses Forschungsinstitut hat auch in eifriger Zusammenarbeit mit den nordischen Forschern einen Film hergestellt, der die prachtvollen bewegten Erscheinungen in ihrem wechselvollen Verlaus zeigt, die der nordischen Landschaft einen so eigentümlichen Reiz verleihen. Das zahlreiche Publikum folgt« den Ausführungen init großer Aufmerksamkeit und erwies sich für die Darbietung des schönen Films recht dankbor._ parieierfolge im Kreis Tiergarten. Iii der K x e i s.v-e r t r e t e r v.e r f a m m l u n g des 2. Kreises Tiergarten konnte der Kreisleiter, Genosse H c n n i g, bei seinem Tätigkeitsbericht eine erfreuliche Steigerung der Mitglieder- zahl als Resultat des abgelaufenen Geschäftsjahres buchen. Wie andere Berliner Kreise auch, stellte Tiergarten ebenfalls das Gerede von der mangelnden Werbekraft unserer Partei als gegenstandslos fest. Der vom Bezirksvcrband ermittelte Mitgliederzuwachs umfaßt rund 6 99 Genossen und Genossinnen.— Nachdem anschließend die Berichterstattungen des Äreiskassierers, des Obmannes der Pressekonunission und weiter der Bezirksverordneten-Fraktion entgegengenommen waren, erfolgte Neuwahl des Kreisvorstandes. Sämtliche bisherigen Kreisvorstandsmitglicder wurden wicdcrge- wählt. Gen. Otto Meier schloß die Tagesordnung mit einem kurzen Referat über die bevorstehende Rcichspräsidentenwahl. Der wiedergewählte Gen. H e n n i g knüpfte an die Ausführungen des Gen. Meier an und richtete vor dem Auseinandergehen einen ein- dringlichen Appell an alle Mitglieder, bei allen kommenden Ereig- nisten in altbewährten unverbrüchlicher Treue zur Partei zu stehen. Erdbeben auf Kephalonia. Ein Erdbeben hat auf der Insel Kephalonia, westlich von Griechenland, schweren Schaden angerichtet. Nach den bis jetzt vor- liegenden Berichten find durch das Beben zahlreiche Personen ver- letzt worden und eine Reihe von Ortschaften wurde verwüstet. Die Sachschäden erreichen eine beträchtliche Ijöhe. Freie Sozialistische Hochschule. Der letzte Vortrag in diesem Winter-Semester iindct am Sonnabend, dem 19. März, 19� Uhr, im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, statt. Es spricht der Genosse Hermann Wendel- Frank- f u r t/ M a i n über das Thema:„Goethe und die Gegenwart". Karten zum Preise von 59 Pfennig sind an folgenden Stellen zu haben: ini Büro des Vezirksbildungsausschuffes, Lindenftr. 3, 2. Hof, II Trp. Zimmer 8.— Buchhandlung I. H. W. Dietz, Lindenftr. 2. Zigarrengefchäft Harsch, Engelufer 24-26, Gewerkschaftshaus.— ZdA., Hedemannftr. 12.— Verlag des Bildungsverbandes der Deift- schen Buckdrucker, Dreibundstraße 5.— Arbeiterjugend Groß-Berlin, Lindensträhe 3, 2. Hos links, II Trp.— Deustcher Holzarbeiter-Ver- band, Rungeftrahe 39.— Bcrlagsgefellfchaft des ADGB., Abt. Sor- Lindenstraßs 3. 2. Hof links, II Trv.— Gsfchäftsstelle des Touristen- verein-„Die Naturfreunde", Johannisstroße 15.— Karten für Erwerbslose und Studierende zu ermäßigten Preisen an der Abend- lasse.__ Allgemeine Wetterlage. iW.März'lSS�abds. M as «"<8)1 c.'\Wsridi I ��*�65 wo&enlo&G hetv.Ohalbtedackr awolkio.Äbedeckr.'RegaiviOalifeln !,? Gafflttec(§Wm(b!iiie In Deutschland herrschte am Freitag ziemlich gutes Wetter, Vielfach war es Heller, neimenswerte e-chneefälle traten nicht mehr auf. Der Barometeranstieg, der in der letzten Zeit über Deutich- land herrschte, hat zur Ausbildung eines Gebietes hohen Luft- drucke? geführt, das über der Nordfee mit dem stationären ostatlantischen Hoch in Verbindung steht. Di« Temperaturen waren weiterhin abnorm niedrig. Das Theimmneter überschritt nur im Westen und Südwesten den Gefrierpunkt. Die Depressionen über dem Nordmeer dehnen ihren Einfluß ziemlich rasch nach Stau- dinavicn aus. Am Sonnaben wird unser Wetter noch von dem Anfangs erwähnten Hochdruckaustäufer bestimmt werden. Am Sonntag dürsten die nördlichen Depressionen aus das Weiter in unserem Gebiet Einfluß gewinnen. a Vetteraussichten für Berlin. Zeitweise heiter mit wenig ver- änderten Temperaturen, schwache Winde.— Für Deutschland. Allgemein ruhiges und melsach heileres Wener, Tagestem- peraturen nur im Westen und Südwesten etwas über Null. Daun also nur ein Opel/ weil allein schon der niedrige Anschaffungspreis(Opel senkte bekanntlich die Preise für 1932) ein bedeutender wirtschaftlicher Vorteil ist; das umso mehr, als Opel dank der Größe und finanziellen Stärke des Werks zu so niedrigen Preisen Qualitätswagen liefert, weil Opel-Konstruktionen erprobt sind, und die Wagen sich im Dienste täglicher Ge- brauchskilometer praktisch bewährt haben, weil die laufenden Kosten— wie Steuer, Versicherung und Betrieb— für einen Opelwagen ausgesprochen niedrig sind. Die Wagen wurden bewußt für eine Zeit gebaut, in der der Unterhalt eines Automobils kein Luxus sein darf, weil überall ein vorbildlich geschulter Opel-Kundendienst für Opelwagen sorgt. Was das für die Wirtschaftlichkeit eines Wagens bedeutet, weiß derjenige am besten zu beurteilen, der einen Wagen ohne Kundendienst-Schutz fährt. OPEL Die harabgesetsten Preis«: l(2L»r. 4Zyl. vonRMl890 an. 1,8 Lfr. 6Zy!. von RM 2695 an. Preise ab Werk. Bequeme Zahlungsbedingungen durch die Allgemeine Finanzierungs-Gesellschoft. Machen Sie unverbindlich sine Probetahrt. QfuMjdJkdiiiguMg,: wirtschaftlich muß er sein I Tit. 121* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 12. März 1932 Kleischverbilligung wird fortgesetzt. Ein Erfolg der(Sozialdemokratie. Die Demiihtmgen der sozialdemokratische« ReichsIagsfrakNo«. wenigstens eine Zorlsetztmg der an sich unzureichenden bisherigen verbilligungsaktioaen zoguustea der Erwerbslosen zu erreichen, hallen Erfolg. Amtlich wird milgeleill: Zur Fortführung der Zleischverbilllgung für Arbeitslose und andere hilfsbedürftige und zugleich als Weilersührung der Hilfsaktion für die Landwirtschaft hat die Reichsregieruug weitere Mittel zur Verfüguug gestellt. Es wird ein weiterer Bezugsschein mit drei Mochen-Abschnitten ausgegeben und damit die Durchführung der Mahnahme zunächst bis Ende April dieses Jahres gesichert. Der Bezug von frischem Rind- oder Schweinefleisch zu einem preis, der 30 Pfennig unter dem Tagespreis liegt, ist damit weilerhia gesichert für den Kreis der bisherigen Bezieher. Die Geltungsdauer der noch zur Ausgabe gelangenden Abschnitte ist so bemessen, dah in der Ost er- woche zwei Abschnitte des Bezugsscheiues verwendet werden können. Die Ausgabestellen der Zleischbezugsscheine sowie die Zleischverkaufsstellen bleiben die gleichen wie bisher. Die Mittel für die Fortführung der Verbilligungsaktion stammen aus Ein- nahmen des Maismonopols. Verbilligte Steinkohlen bis Ende März. Das Rheinisch-Westfölische Kohlensyndikat teilt mit: Bis Ende Februar hat der Ruhrbergbau für die Kohlenwinter- Hilfe 473 000 Tonnen verbilligte Kohle und Briketts von den Lager- beständen der Zechen zur Verfügung gestellt. Wenn man den laufenden Monat einbezieht, wird sich die in diesem Winter abge- gebene Menge voraussichtlich auf etwa 600 000 Tonnen bis Ende März stellen. Zu diesem Termin findet die Maßnahme wie vor- gesehen chr Ende. Im April findet eine Abgabe auf Bezugsscheine nicht mehr statt. Die Bierpreissenkung. Die Brauereien treiben wieder quer. Der Brauerbuud hat in einer Erkläruog es für uulrag- bar erklärt, dah die Brauereien 2 Mark zur vierpreis- senkuug beitragen: Durch den R e i ch s r a t ist die Herabsetzung der B i e r st« u e r um 7 Mark je Hektoliter(nach Berliner Verhältnissen) empfohlen worden. Damit sind die ursprünglichen Forderungen der Brauereien weitgehend erfüllt worden, so weitgehend, daß andere Interessenten. gruppen mit Neid aus diesen Erfolg sehen werden. Was hatten die Brauereien gefordert? Die Herabsetzung des Bierpreises um 13 Mark je Hektoliter sollte ermöglicht werden. Dazu sollten die Steuern um neun Mark herabgesetzt werden, den Rest wollten Brauereien und Gastwirte beisteuern. Damals im Januar rechneten die Brauereien selbst damit, dah sie chre Preise — die für viele Bezirke Deutschlands gebunden sind— um 10 Proz., also um 2,73 Mark je Hektoliter laut Notverordnung herabzusetzen hätten. Merkwürdigerweise verfügte der Preiskommisiar nur eine Herabsetzung um 2 Mark. Die Frage der Ausschankpreis« schwebt noch infolg« des Gastwirte-Boykotts und der Bierfteuerermähigung. Jetzt, nachdem den Brauereien also eine Biersteuerermähigung um sieben(statt der geforderten neun) Mark zugebilligt, eine Preis- Herabsetzung um nur 2 statt 2,73 Mark auserlegt worden ist, treten die Brauereien an die Oefsentlichkeit. um darzulegen, dah die Preisermäßigung für sie das größte Opfer bedeute. Das verdient die schärfste Zurückweisung— Opfer bringt zunächst allein die Allgemeinheit, die auf Steuern in höhe von mehr als 200 Millionen Mark verzichtet: diese Steuern müssen selbstverständlich aus andere Weise wieder hereingebracht werden. Und wie sucht die Brauindustrie zu beweisen, daß sie„O p f e r" bringt? Durch die Feststellung, daß von 228 Aktienbrauereien nur 187 mit Gewinn gearbeitet hätten! Wo in Deutschland gäbe es noch einen Industriezweig, der ein so günstiges Ergebnis aufzuweisen hätte, zumal doch das Jahr 1931 ein schweres Ärifenjahr war und einen bis zu 40 Proz. geringeren Absatz brachte. Im Durchschnitt ergab sich je Hektoliter ein Reingewinn von 1,48 Mark: würde man die mit Verlust arbeitenden Betriebe ausscheiden, wäre der Rein- gewinn bedeutend höher. Außerdem sind die hohen AbschreSningen bei dieser Ziffer überhaupt nicht berücksichtigt. Dann behauptet die Brauindustrie, die Entlastung durch die Notverordnung sei sehr gering: sie redet von einer „nicht-stichhaltigen Theorie". Uns ist nicht bekannt, daß bei der Herabsetzung anderer gebundener Preise darauf Rücksicht genommen sei, daß ein voller Ausgleich durch die Kostenminderung erzielt werde. Aber abgesehen davon, ist die Entlastung bei den Brauereien keineswegs gering. Das die Brauinduftrie in diesem Punkte nur allgemeine Redensarten veröffentlicht, zitieren wir fach- männische Feststellungen im„Deutschen Volkswirt". Danach brachte allein die Herabsetzung der Lohn-, Kohlen- und sonstigen Betriebskosten eine Entlastung um 1.20 Mark je Hektoliter(so wichtige Kostenpunkte wie di« Zins- Herabsetzung sind dabei noch gar nicht berücksichtigt). Außerdem sind die Braustoffe seit dem Jahre 1926 so stark gefallen, daß daraus eine Herabsetzung der Kosten um 4,90 Mark je Hektoliter errechnet wurde. Die Brauindustrie hat aber den Bar- preis 1927 um 2 Mark erhöht! Der Preis der Braugerste ist vom Oktober 1926 bis Oktober 1931 von 238 auf 170 Mark je Tonn« gefallen: ein Zentner Nürnberger Hopfen aber, der im Oktober 1926 noch 330 Mark kostete, stllte sich im Oktober 1931 nur noch auf 60 Mark(für einen Hektoliter Bier braucht man 27 Kilogramm Gerste und 0,25 Kilogramm hovten). Die Verbilligung der Braustoffe und die Entlastung bei den wichtigsten Kosten aus der Notverordnung— das macht gegenüber 1926(die Löhne waren inzwischen gestiegen) eine Verbilligung der Herstellung um mindestens 3,30 M. je Hektoliter. Dazwischen liegt die durch nichts gerechtfertigte Preiserhöhung von 1927, die jetzt durch die Verfügung des Preiskommisiars rückgängig gemacht wurde. Wir glauben, die Brauindustrie könnte zur Verbilligung des Bieres erheblich mehr beitragen als 2 M. Das wird auch noch geschehen müssen. Es ist aber wirklich ein starkes Stück, jett auch noch um die bereits verordneten 2 M. feilschen zu wollen. Will man auch jetzt wieder den Gastwirten, die größere Last zumuten? Die Krise des Klaviers. Leipziger pianoforte-Fabriten AG. verliert fast dps gesamte Kapital. Die deutsche Slavierlodustrie leidet unter einer doppelten Krise. Einmal hat der Absah von Flügeln und Klavieren infolge der all- gemeinen Weltwirtschaftskrise schwer gelitten. Derschärsend kommt aber noch hinzu, dah der Siegeszug des Radio und der Schallplalteu eine schwere zusätzliche Absahdrosselung aus die Dauer bedeutet. In den Verlusten, die das führende Klaoierunternehmen Deutsch- lands, die Leipziger Pianoforte-Fabriken hup- feldt-Zimmermann A.-G. jetzt veröffentlicht, tritt die ruinöse Lage in diesem Industriezweig deutlich zutage. Bei eirfem Kapital von 4,5 Millionen Mark wird für das Jahr 1930/31 infolge notwendig gewordenen Sonderabschreibungen von 3,3 Millionen e i n Verlust von 3,83 Millionen Mark ausgewiesen, so dah die Verwaltung zur Sanierung der Gesellschaft eine Zusammen- lcgung des Aktienkapitals im Verhältnis 2 0:1(eine IM-Mark-Aktie— 5 M.) vorschlägt. Bei der Durchführung der Sanierung werden die Bankengläubiger 600 000 Mark von ihren Forderungen nachlassen und für weitere 775 000 Mark neue Aktien zum Kurse von 100 Proz. übernehmen. Das neue Kapital der hup- feldt-Zimmermann A.-G- wird dann 1 Million Mark betragen. Nach Deckung der Verluste wird aus der Sanierung ein Buchqcwinn von 1,03 Millionen Mark verbleiben, von dem fast 940 000 Mark für weitere Verluste im lausenden Geschäftsjahr zurückgestellt werden. Für die Lage der Klavierindustrie ist bezeichnend, daß bereits in dem Konjuntturjahr 1928 die Klavierproduktion in Deutschland auf 85 488 gegen 160 000 Stück im Jahre 1913 zu- sammengeschrumpst war. Auch die Fabrikation von Flügeln hatte sich in der gleichen Zeit um mehr als ein Viertel verringert. Im Aahre 1929'30 hat sich der Schrumpfungsprozeß um weitere 20 Proz. fortgesetzt und dürfte infolge des allgemeinen Kaufkraft. fchwundes sich im vergangenen Jahr noch verschärft haben. Von den rund 30 000 F a ch a r b e i t e r n, die in der Industrie der 'Großmusikinstrumente tätig sind, beschäftigt die Klavierindustrie 83 Proz. Auf das Leipziger Unternehmen Hupfeldt-Zimmermann entfällt mehr als 15 Proz. der gesamten deutschen Klavier- und Flügelproduktion. Guie-Hoffnungs-Hütte in Ehina. Borvertrag über den Bau eines Stahl- und Walzwerkes ab eschloslen. Zwischen der ch i n e s i I ch e n Nationalregierung und der G u t e- hoffnungs-hütte A.-G.(Haniel-Konzern) ist jetzt ein Vor- vertrag über die Errichtung eines Hochofen-, Stahl- und Walzwerkes abgeschlossen worden. Der Wert der Gesamtanlagc wird mit 20 Millionen Dollar, das sind rund 84 Millionen Mark, angegeben. Wie jetzt bekannt wird, find an der Finanzierung dieses großen Projektes, die bei den wirren Verhältnissen in China naturgemäß sehr schwierig ist, deutsche und ausländische Banken beteiligt. Die Gute-hofsnungs-hütte. die eine besondere Abteilung für den Bau industrieller Großanlogen hat, wird bei der Bearbeitung dieses Auftrages auch die von chr beherrschte Maschinenfabrik Augsburg- Nürnberg(MAN.) heranziehen. Vor etwa einem Jahr hatte die Gute-Hoffnungs-Hütte zusammen mit der Demog(Deutsche Maschinenbau-Unternehmungen A.-G., Duisburg) bereits ein ähnliches Projekt in Südafrika in An.- griff genommen. 3,90 Milliarden Handwerkseinkünfte. Nach den Erhebungen des Statistischen Reichsamtes, die in 25er« biickmng mit den Organisationen des Handwerks vorgenommen wur- den. beträgt das Betriebsvermögen im deutschen Handwerk, soweit es zur 25ermögenssteuer veranlagt wurde, rund 3,8 Milliarden Mark. Es verteilt sich auf annähernd 426 000 Handwerksbetriebe. Das durchschnittliche Betriebsvermögen erreicht demnach rund 13 646 Mark. Diesen Berechnungen liegt die Bewertung der Vermögens- steuer von 1928 zugrunde, deren Einheitswerte bis Ende 1930 gültig waren. Nach der Statistik der Einkommensteuer von 1928 beziffern sich die gewerblichen Einkünfte des selbständigen Handwerks auf 3,90 Mit- liarden Mark, so daß sich bei sämtlichen vorhandenen Handwerks- betrieben, also auch bei denen, die nicht zur Vermögenssteuer heran- gezogen wurden, in höhe von 1,17 Millionen, ein Durchschnittsbetrag von 3314 Mark errechnet. Der Umsatzwert des Handwerks er- reichte im Jahre 1927 22,28 Milliarden Mark. Europäische Wirtschafiseinheit. Ein Ziel der Internationalen Handelskammer. Der Verwaltungsrat der Internationalen Handelskammer hat in seiner gestrigen Pariser Sitzung dem Deutschen Franz von Mendelsohn zum Ehrenpräsidenten und den Deutschen Frowein vom Reichsverband der Deutschen Industrie zum Präsidenten der Kammer ernannt. Präsident Frowein wies in seinem Bericht die Angriffe zurück, die die Krists der letzten Jahre einzig und allein dem k a p i t a- listischen System zuschreiben. In den vier Kriegsjahren hätten die beteiligten Staaten rund 1130 Milliarden Goldmark Kriegskosten ausgewandt. Es sei ein Versagen der Regie- r u n g e n, wenn nach dem Krieg« das richtige Funktionieren der so schwer erschütterten Weltwirtschaft nicht wiederhergestellt worden sei. An Stelle des liberalen Austausches sei steigende Absperrung getreten. In einem Atem versuche man Schulden einzutreiben und weigere sich, sie anzunehmen, vergesiend, daß in dem System der Gütererzeugung und Verteilung die Schulden eine ebenso unent- behrliche Rolle spielen wie die Guthaben. Die Folgen seien heute die Anhäufung des Goldes an einzelnen Stellen, die Unterbrechung des Zahlungsverkehrs zahlreicher Staaten nach dem Ausland und der Versuch des Warenaustausches in mittelalterliche Form. Zum Problem der politisch.» Schulden warf Frowein die Frage auf, ob in einer so gestörten Welt die Begleichung der Schulden noch möglich sei, denen ökonomische Gegenwerts nicht mehr gegenüberstehen. Dabei sei zwischen Reparationen und interalliierten Schulden kein Unterschied. Trans- ferierungen von Kriegsschulden und Reparationen seien nicht nur deshalb unmöglich, weil der Schuldner nicht zahlen, sondern auch deshalb, well der Gläubiger ir der einzigen Form, in der dies möglich wäre, nämlich durch die Annahme von Waren, nicht an- nehmen könne. Die Erledigung dieser Fragen laste sich nicht mehr aufschieben. Gleichzeitig damit müßten die Völker die Wirtschaft?- bedingungen wieder schaffen, die die Welt vor dem Kriege reich gemacht haben. Die Wirtschaft Europas werde nicht genesen, ohne daß in Europa ein einheitliche» großes Wirtschaftsgebiet geschaffen sei. Faschistischer Lohnabbau. .Bationolisierungserfolg" desTurinerKunstseide-Konzerns. Einen bezeichnenden Ausschnitt aus der L o hn p o l i t i k im faschistischen Italien liefert der Jahresbericht, den der größte italienische Kunstseidekonzern, die S n i a V i s c o s a in Turin, jetzt veröffentlicht hat. Der Geschäftsbericht der Verwaltung hebt stolz hervor, daß es im letzten Jahre gelungen fei, die Lohn- und Gehalts kosten um 30Proz. abzubauen. Wenn man hier- bei berücksichtigt, daß sich Facharbeiter in der italienischen Tertil- industrie schon glücklich schätzen, wenn sie in der Woche 2 0!!>!. verdienen, so läßt sich leicht ausrechnen, wie hoch der Lohn- standard der Turiner Kunstseidearbeiter nach dem Lohnabbau von 30 Proz. jetzt noch ist. Dafür kann der Konzern aber auch mit Befriedigung die Wiederaufnahme derDividendenzahlungin höhe von 6 Proz. oerkünden. Im übrigen weist der Geschäftsbericht noch darauf hin, daß bei einer Senkung der Gestehungskosten um insgesamt 43 Proz. die Fabrikation im Jahre 1931 um 30 Proz. und der Absatz um 25 Proz. erhöht werden konnte. Den Aktionären wird im Geschäftsbericht ver- sprachen, daß der Druck aus die Unkosten im laufenden Jahre ver- schärft fortgesetzt wird. Sogar„außerordentliche Maßnahmen" werden zu diesem Zweck angesagt. Bei der völligen Recht- und Macht- losigkeit der Arbeiterschaft unter der faschistischen Knute kann man sich leicht ausmalen, zu welchen Verschlechterungen der Arbeitszeit und der Löhne diese angekündigten außerordentlichen Maßnahmen führen werden. Metallgesellschast reinigt die Bilanz. Wirkungen der Metattbaisse.- Gesunde Fi aozen. Der Verfall der Metallpreise, die im letzten Quartal 1931 durch den Pfundsturz noch verschärft wurde, hat den führenden Metall- konzern in Deutschland, die Frankfurter Metallgesell- schaft A.-G:, zu außerordentlichen Bilanzmahnahmen veranlaßt. Normalerweise hätte das Geschäftsjahr 1931 noch einen Gewinn von 0,87 Will. M. ergeben, jedoch werden auch die Anlagen, Be- teiligungen, Forderungen und Vorräte hohe Sonderabfchrcibungen vorgenommen, so daß ein Verlust von 24,5 Millionen ausgewiesen wird, hiervon werden 15 Millionen durch offene Reserven gedeckt. Zugleich wird der kommenden Generalversammlung die Errichtung eines Wertberichtungskontos von 12 Mill. M. vorgeschlagen. Zur Durchführung dieser zusätzlichen Sanierungsmaßnahmen soll das Kapital auf 38,4 Mill. im Verhällnis 5: 3 zusammengelegt werden. — Die Verhältniste auf dem Metallmarkt haben sich im neuen Jahr etwas gebessert, jedoch erwartet die Bermaluing eine Gefundung erst nach wesentlicher Erhöhung der Preise. Die Flüssigkeit der Finanzen hat sich insolge erhöhter Bankguthaben und erheblicher Kreditabdeckungen oerbessert. Die scharfe Bilanzbereinigung, die das Unternehmen gegen alle Ueberrafchungen in der Zukunft sichern soll, könnten sich verschiedene Großkonzerne der Montanindustrie zum Vorbildnehmen. Die Gemeinden als Unternehmer Oos Statistische Z�eichsamt stellt fest:(rtt Millionen Reinüberschuß. vom Skaiistischen Reichsamt wurde» kürzlich Angaben über die Einkünfte gemacht, die die deutschen Gemeinden und Gemeindeverbände aus ihre» vermögen im Zahre 1929/30 erzielt haben. Die Ergebnisse sind außerordentlich interessant. Das Vermögen, über das die Gemeinden verfügen, ist ver- schicdener Art: es handelt sich teitwetse um Versorgungsbetrieb«, d. h. Elektrizitäts., Gas- und Wasserwerk«, ferner um Verkehrsuntemeh- mungen(Strahenbahnen, Schnellbahnen usw.), um Schlacht- und Viehhöfe. Güter und ähnliche Betriebe, teilweise um bebaute und unbebaute Grundstücke und Kapitalanlogen verschiedener Art. Die Gemeinden erzielten aus diesem Vermögen einen R« i n ü b e r- schuh von 611 Millionen Mark. Bekanntlich wird seit Jahren von bestimmten Unternehmerkreisen ein hartnäckiger Kampf gegen die wirtschaftliche Tätigkeit der Gemeinden geführt. Wo aber die Gemeinden diese 611 Millionen Mark Reinüberschüsse, die sie aus diesem Vermögen erzielten und die dem Haushalt zugute kamen, hätten hernehmen sollen, hat man nie gehört. Es ist klar, daß ein Ersah nur aus dem Wege neuer steuerlicher Belastung hätte er- reicht werden können. Im übrigen erzielen di« Gemeinden keineswegs durchweg Ueber- schüsse aus ihrem Vermögen. So ist z.B. die Wasserversor- g u n g in den kleineren Städten und besonders in den Landgemeinden ein sehr unrentables Geschäft. Aber auch die Elektrizitätsversorgung und die Verwaltung des allgemeinen Grundvermögens verlangt besonders von kleineren Gemeinden viel- fach Zuschüsse. Privatunternehmungen würden sich wahrscheinlich aus einer Betätigung, die keinen Gewinn abwirft, zurückziehen, während die Gemeinden gegenüber der Bevölkerung auch dann ihre Pflichten erfüllen, wenn sie mit Verlust arbeiten. Den weitaus größten Teil der lleberschüsse, den die Betriebe der Gemeinden abwerfen, bringen die Elektrizitätswerke ein. Zm Tahre 1929/30 waren es mehr als 287 Millionen Mark. Weitere 119 Millionen brachten die Gaswerke ein, 54 Millionen Mark die Wasserwerke. Eine Enttäuschung bereiteten die Verkehrsunterneh- mungen, deren Benutzung infolge der beginnenden Ksise bereits stark nachlieh. Hatten noch im Jahre 1928/29 die kommunalen Ver- kchrsunternehmungen einen Reinüberschuß von 44 Millionen Mark abgeworfen, so schrumpfte er im Jahre 1929/36 auf etwas über 9 Millionen Mark zusammen. Schulden der kommunalen Unternehmungen. Von 535 kommunalen Unternehmungen, die in der Form vtrn Altiengesellschasten oder®. m. b. H. geführt werden, waren am 31. März 1936 etwa ein Viertel, 139 Betriebe, schuldenfrei. Die übrigen 396 hatten eine Gesamtverschuldung von 2,68 Milliarden Gegenüber dem Vorjahre war die Gesamtverschuldung(1,7 MU- liarden Mark) um 876 Millionen Mark oder 56 Proz. gestiegen, aber in der Hauptsach« durch Anwachsen der Verschuldung gegen- über den Kommunen. Da die Anleihemärkte damals schon nicht mehr aufnahmefähig waren, entfiel der Hauptteil der Zunahme auf kurzfristige Verbindlichkeiten. Von dieser kurzfristigen Schuld stellen 156 Millionen Mark Vorgriffe auf bereits be- willigte Ausländsanleihen dar. die nicht mehr begeben werden konnten. Die Versorgungsbetriebe(in erster Linie Elektrizitäts- werke) waren mit 879 Millionen Mark verschuldet, denen die Ver- kehrsbetriebe mtt 826 Millionen Mark folgten. Die hohe Derfchul- dung der Verkehrsbetriebe erklärt sich aus der Ausdehnung der Berliner UnlergrmGbahnbauten: im allgemeinen ist die Ver- sorgungswirtschaft viel kapitalintensiver als die Verkehrs- Wirtschaft. Die Wohnung«» und Siedlungsgesell- s ch a f t e n verzeichneten eine Verschuldung von 688 Millionen Mark. Je mehr die Unternehmungen in die Produktionswirtschast hineinreichen, desto stärker decken sie chren Kreditbedarf auf dem Kreditmarkt. So sind die Elektrizitätsunternehmungen zu 83 Proz. privat verschuldet, während z. B die Wohnungsgesellschaften ihre Kredite zu 56 Proz. von den Kommunen erhiellen. Der Vor- teil der rechtlichen Verselbständigung zeigt sich auch darin, daß di« Anleihezinssätzc der Unternehmungen im Verhältnis zu den An- leihen der Gemeinden recht günstig waren(überwiegend 6 und 6,5 Proz.) Da die Schuldverschreibungen der kommunalen Unter- nehmungen(414 Millionen Mark) sämtlich im Ausland untergebracht sind, kann für sie eine Zinsseniung nicht eintreten. kwlenduagen für diele Rudrtt find Berit» SW 68. Lwdenstrab« 3 partemachrichten Groß-Berlin stet» an da» B»zirt,I«tretaNal i. Kos.: Trespen recht», zu richte» 7. und 8.»reis. Die Juristische Sprechstunde findet heute, Sonnabend, 12. März, von 17—18 Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4 statt. Gelegenheit zum Äirchenanstritt! 3. Abt. Heute, Sonnabend, 12. Miirz, im großen Saal des Gewerkschaits. Kaufes, großes Nostilmfest. Beginn 18 Uhr. Siniritt 80 Pf., Erwerbslose so Pf. örarkcn Besuch trotz des Ungünstigen Tages erwartet der Ab. teilungsvorstand. 15. Abt. Alle nicht zur Wahl cingetellten Genossin trefsen sich Sonntag um 8Üo Uhr bei Ztopprasch, Vinctaplatz 8. 57. Abt. Am Wahlsonntag stillen sich alle für die Wahlarbeit zur Verfügung. Meldung 81ß Uhr an den bekannten Stillen. 85. Abt. 1. und>2. Bezirk: Alle Genossen treffen llch Sonntag zur Wahlarbeit bei Pinger. Dorsftr. Z0. 2., II. und IZ. Bezirk: Treffpunkt zut Wahl bei Pommerening, Berliner Str. W. Dort genkralwohNokal. 88. Abt. Lichtenrade. Alle Bezirksführer und nicht für Wahlarbeit eingeteilte» Genossen kommen am Sonntag 8 Uhr zum Abteilungsleiter zur Material. abholung. 1d4. Abt. Am Wahlsanntag treffen sich alle Genossen zur W-HIHllf» um 8-4 Uhr bei Pomp. Hasselwerderstr. 12. Pamp gentralmahllokal, lg Uhr dort Per- kllndung der Resultate. 168».«dt. Da» F-ntralwahNol-l befindet stch bei Sisner,«olser-Wilhelm. Straß« 3. 116. Abt. Heute, Sonnabend, Funttionktrbesprechuug wegen der Wahl bei Bartz. Arbclksgemeinschafk der Kindersrcunde Groß-Derlin. » Glternodleutekouserea» Sroh-Verli»»w Mittmoch, ZZ. Marz, 1 19 u Uhr, im Borteagssaal der Partei, Liudevstr. 3. Eriche,»«» aller < Elternobleute dringend erwiiuscht. 13. ftreis T mpelhof. Alle Falken treffen stch zur Jugendweihe ii Sonntag 1014 Uhr am„Jiutfürft", Dorfstraße Te mpelhof. ' 38.«reis Rrinickendors. Montag, 14. März, Bastellursu», neue Schul, Wittenau. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation l. Abt. Unser lieber Genosse T s ch a r i», Linienslr. 88». ist plStzlich verstorben. Ehre seinem Andeulen! Die Einäscherung hat bereit» stattgefunden. V Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlill Einlcndunoen für Meie Rubrik nur an da» Jugends-kretartat Berlin SW 88 Lindenstraße 3. vorn l Trepp» recht». Heute, Sonnabend, 12. ZNSrz. «ottbusser T»r: Urbanstr. 187:«ampfliederabend.— Mahlsdorf: Die Werbe» veronstaliuna fällt heut« aus und findet am 18. März statt. Wcrbebezirke Wcddivg und Prenzlauer Berg: Sprechchorprod« pünktlich um lgZ. Uhr f nickt 20 Uhr!) in der stavelle de» Huseland.Hofpital«, ZlO. bö, Frolelstr. 17. All« Genossen mUfsen erscheinen. Wcrhibezirl Wcddivg: Treffpunkt zur Sprechchorprab« l&A Uhr Bad. Eck» Pankftraße. Bcrdebezlrl Prenzlauer Berg: 18% Uhr wichtige WBB.-Sitzung bei Se» nassen Erler. Werbebezirt RenkZIn: Der Arbeitskursus des Bildungsausschusses wird verschoben.____ Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schnjarz-Rol-GoliT. G e> ch ä f t s st» I l e: Berlin©• 14, Scdaftionstr. 87-33. Hol! Tr. Wilmcrsdors sOrisverein): Kamerad Heinrich Dienecke ist verstorben. Einäscherung Sonnabend, 12. März, ISy. Uhr, UN Krematorium Wilmcrsdors, Derlincr Straß«. Erscheinen aller dienstfreien Äameraden Pflicht. Freireligiöse»emeiudc. Sonnlog, ll Uhr. Papv'lalle« lb, musikalische Mittagstundc:„Goethe und die Slusilr. Gäste willkommen. Jnflitut säe S-zualmissenschast. Montag, 14. März, 30 Uhr, im Ernst» Hoeckel-Saal sIn den Zelten ite, Eingang Gartenportal), Vortrag de« Reckst»- anmalt» und Rotars Dr. W. Äiemann über„Eheschließung und(Jhelofung* an Stelle de» Bortrag» von Dr. Abraham. Unkostenbcitraz 40 Pf., Erwerb». lose die Hälft«. Ziepublilenisch« Redneroereinlaung. Montag. 20 Uhr, Bortrogsadend mit Diskusston im„Alten lllstanitr", Anhalistr. U. Ei spricht Lionel Stützer über „Glaube und Bissenkckaft". Gäste wlllkomwen. gudlvidualpsichologische Gruppe, vr. med. Gurt Bcenhiim spricht am Montag. 14. März, um 20 Uhr. im Älubhau» am linie, Berliner Str. 27:„Au» der Praxi» einer psychotherapeutischen ÄinderpoliNinit". Gäste will lammen. Israel zeigt Frühjahrsmoden. Ein wenia paradox zur augenblicklichen Wetterlage erscheinen all die farbenfrohen, duftigen und lustigen Kleidchen, die da früh- lingshaft an uns vorübergleiten! aber sie find hübsch und werden ihre Eristenzberechtigung ia hoffentlich noch beweisen können. Die Mode der kommenden Saison steht im Zeichen der reichen Garnie- rung, sie ist fraulicher betont, anmutig, graziös. Vielseitig isl die Auswahl der Gewebe, der Farbtöne und ersl recht der Verarbeitung. Ein kräftiges Grün steht im Mittelpunkt, doneben sattes Rot, Silber- grau und bräunliche Töne! kaum, daß ein Kleid ganz uni gearbeitet ist, meist erhält es durch die Kombination mit einer anderen Stoff- art in abweichender Farbe Belebung und flotte Linie. Grün wird mit Schwarz, Rot mit Weih, i is stets und immer beliebte Marine- blau mit buntgemusterten f-eiden- oder Wollgeweben verarbeitet. Eine Sonderstellung nimmt im neuen Modeoild der Aermel ein; einmal ist er lang' mit weitaussalleiider Manschette, dann wieder nur ein kurzes Puffchen, das oberhalb des Ellenbogens schon zu Ende ist, oder er ist nach Art der Ritterfräuicin geschappt, geschlitzt, mit allerhand Zierat versehen. Die Stofskleider sind au» weichen, schmiegsamen Wollstoffen, für die Sommerkleider verarbeitet man Kunstseide in vielen Variationen, Organdy, Volle und Georgette. Man trägt kleine, aber auch ganz große Hüte, meist reich mit Blumen garniert. Eine aufmerksam guckende, heimlich im Geiste kopierende, restlos begeisterte Weibtichkeit füllte den Vorführungs- räum bei Israel, Königstraße, bis aufs letzt» Plätzchen. Di« alt» Firma Semv-lce v. Blevderrg A.-S., Berlin s. 14, vre»»«»-, Straße»»—10», an der Prinzenstraße, Telephon! Iannamitz 1' 7»851, ladet zu nnoerbindltcher Besiäitizung ihrer lunianar«.che» Aneftelluva von.ssockherden »nfv Oefen aller Art, Bcckemaiuicn, Waschkesseln, illosettankag i und Wasch» decken ein. Der P-rtaus erfolgt zu äußerst Virteilhaften Preisen, auch auf Teilzahlung. Es ist hochinteressant, die großen Au,st-llung»räum- dieser Finna zu vesichtigen! jeder Besucher wird gern und unverbindlich unter fachmännischer Leitung herumgeführt. Preisliste Rr. U lvstenlos. Geschäftsbericht der Dresdner Dank für 1931 Die Mitte des Jahres 1929 einsetzende internationale Abwartebewejpnjs der Konjunktur bat iro abgelaufenen Jahre ein derartiges Ausmaß angenommen, daß sie zu einer ToUständigen Erschütterung des Vertrauens führte, so daß es zu einem überstürzten Abzug der Deutschland jahrelang bereitwillig und fast im Ucbcrman vom Ausland zur Verfügung gestellten Gelder kam. Der Ansturm traf Deutschland unter den schwierigsten Umständen in einem Znstand außen- und innenpolitischer Spannung und zu einer Zeit, wo es für das ohnehin' durch die Wirtschaftskrise stark geschwächte Land nicht möglidi waj". Ersatz für die in Massen gekündigten Auslandsgclder zu finden. Das deutsche Bankwesen hatte eine Belastungsprobe ohnegleichen auszuhalten, denn innerhalb von zwei Monaten, von Mitte Mai bis Mitte Juli, wurden ungefähr 3 Milliarden Reichsmark an das Ausland zurückgezahlt. Dazu kam eine zunehmende Unsicherheit innerhalb der deutschen Einlcgcrkreise und als Folge davon eine Ansammlung von Bargeld im Publikum, durch welche der regelmäßige Geldkrcislauf auch im Innern unterbrochen wurde. Auch unserem Institut sind in dieser Krisis große Summen entzogen worden, und wir sahen uns deshalb, um unseren Kunden die größte bankmäßige Sicherheit zu gewährleisten, veranlaßt, mit der Reichsregierung ein Abkommen eu treffen, wonach unserem Institut neues Kapital in Höhe von RM 300000000.— zur Verfügung gestellt wurde. Die Generalversammlung unserer Aktionäre vom 29. August 1931 hat demgemäß die Erhöhung des Kapitals durch Ausgabe von Vorzugsaktien in der genannten Summe beschlossen, welche der Reichs- regierung überlassen wurden. Im Zuge der allgemeinen Bereinigung, die infolge der Krise für das deutsche Bankwesen fast durchweg erforderlich geworden ist, ist auch Tür unser Institut im Einvernehmen mit det Reichsregierung ein Rekonstruktionsplan in der folgenden Weise aufgestellt worden: Die Dresdner Bank rieht die im eigenen Besitz befindlichen RM 33 333 000.— Aktien ein, während die verbleibenden HM 66 667 000.— Stammaktien im Verhältnis von 10: 3 auf RM 20 000 100.— und die Vorzugsaktien von RM 300 000 000.— im Wege der Einziehung und der Umwandlung in Stammaktien auf RM 199 999 900.— herabgesetzt werden, was ein Gcsamtkapital von... RM 220 000 000.— ergibt Der Reservefonds, von bisher RM 34 000 000.— ▼ermindert sich auf............. RM 30 000 000,— Die eigenen Mittel der Bank betragen sonach. RM 250 000 000.— Zugleich schlagen wir der Generalversammlung unserer Aktionäre die Verschmelzung unseres Instituts mit der Darmstädter& Nationalbank Kommandit- ghsellsdiaft auf Aktien in der Weise vor, daß die letztere im Wege der Fusion unter Ausschluß der Liquidation auf die Dresdner Bank übergebt. Die Fusion erfolgt mit der Maßgabe, daß von der Darmstädter& Nationalbank zunächst nom. RM 35 000 000.— Aktien einzuziehen sind, während das Ilestkapital in Höhe von nom. RM 25 000 000.— im Verhältnis von 10: 3 in neue Dresdner Bank- Aktien umgetauscht wird. Die hierfür erforderlichen nom. NM 7 5C0 000— Dresdner Bank-Aktien stellt das Reich ohne Entgelt zur Verfügung. Ferner wird vom Reich der Darmstädter& National bank zur Abdeckung entstaudener Verluste und zum Ausgleich eingetretener Wertminderungen ein Beirag von RM U5 000 000.— in soehsprozentigen Schaizanweisungen überlassen. Pux das vereinigte Institut stehen an Buchgewinnen nach Absetzung der eigenen Aktien vom Kapital zur Verfügung aus der Einziehung von Vorzugsaktien......... RM 100 000 100.— der Zusammenlegung 1. von Stammaktien der Dresdner Bank..... RM 46 666 900.— 2. von Aktien der Dannstädter 4 Nationalbank.. RM 17 500 000.— offenen Reserven I. der Dresdner Bank ,,•".»••••••• RM 4 000 000.— 2. der Darmstäd weiteren haheu sich d.e Beteiligungen 1931 n. a vemeVrt durch unsere Mitwirkung hei der nengegrimdeten Internationalen Bodenkredit- henk A.-G in Basel sowte durch Leber nähme weiserer Akten der Deutschen Veikehrs-Kredit-Ba» k A-C.. Berlin, und der Mercuibaak in Wien. Dr e« d e n. üa März<932. Dresdner Bank, Berlin Walfeer FriMk. Dar Verstand Cd OoeSb WUhetai Henry {Kurl Rudolf tleubert: 3) HS QßflCtli Es geschah das Wimder: drei Tot« erwachten elnes Nachts in ihren Gräbern bei Langemark. Es waren die Kriegsfreiwilligen Otto Benz und Helmut Sporka sowie der Landwehrmann Paulig. Sie beschlossen, gemeinsam nach Deutschland zurückzukehren. „Ich werde in Berlin einen Laden aufmachen!" sagte der Land- wchrniann Paulig. „Ich werde mein Studiinn zu End« führen!" meinte der Kriegs- freiwillige Benz leise und glücklich- „Und ich—" setzte der andere hinzu und holte tief Atem,„ich werde mich nach einer Stellung umsehen. War Inoenieur, als der Krieg anfing. Meine erste Stellung..." Von dem bewaldeten Hügel, auf dem sie sich getroffen hatten, blickten sie dann lange schweigend in das stille Land, über dem sich ein sternenbesäter Frühlingshimmel wölbte. „Es ist ja still!" dachten sie. Sie waren Geschützdonner und das Geknatter der Maschinengewehre gewöhnt. Der Landwehrmann Paulig suchte in den Taschen seines ab- getragenen Militärrocks und stellte fluchend fest, daß er die kurze braune Pfeife mit dem Mackcnsenbild, die ihm Emma damals im letzten Feldpäckchen mitgeschickt, verloren hatte. Der Kriegsfreiwillige Sporka half ihm mit einer halb zu Ende gerauchten Zigarette, die er irgendwo gefunden. „Im Dorf kaufen wir Tabak!" sagte Benz. .„Haben wir denn Gell»?" fragte Paulig. Sie hatten nichts, gar nichts. Sie hatten nur den einen Wunsch, die eine Schnsucht: Nach Hause! Nach Deutschland! Als die drei Männer in Berlin ankamen trennten sie sich mit kräftigen, Händedruck. Jeder ging seinen Weg. Auf ihrer wachen- lange» Wanderung hatten sie sich inzwischen über alle Ereignisse und Verhältnisse in der Heimat orientieren können. Ihr rascher, freudiger Schritt hatte sich in einen schwerfälligen, zögernden ge. wandelr. Dag Lächeln war aus ihrem Gesicht gewichen. Ernst und groß blickten die Augen. Der Landwehrmann Paulig wollt« in Berlin natürlich sofort seine Familie aussuchen. Als er an der Wohnungstür klingelte, machte ihm eine blasie, streng blickende Frau— seine Frau— auf und sagte ärgerlich:„Schon der achte heute. Jedem kann man auch nicht geben!" Und die Tür schlug zu. Er war so betroffen, daß er kein Wort hervorbringen konnte. Mechanisch ging er die Treppen hinunter und landet« drüben in dem Ecklokal. Hier lärmten junge Leute, von denen einer Paulig gerufen wurde. Das war der Sohn des Landwehrmannes. Aber der Sohn erkannt« den Bater nicht. Paultg war in eine SA.-Kneipe geraten. Er saß still bei seinem Bier und hörte die Reden der jungen Leute. Sie sprachen über Politik und über einen neuen, unvermeidlichen Krieg. Finster wurde das Gesicht des Mannes. Einnial schlug er mit der Faust auf den Tisch. Dos Bierglas fiel um. Die jungen Leute sahen auf.„Was will der?" fragte jemand. „He?" rief ein langer Kerl.„Host dich wohl verirrt?" „Zahlen!" sagte Paulig ruhig. ..Hau ab. Mensch, sonst kriegst« dl« Jacke voll!" lachte der Sohn. Ein Hakenkreuz blitzt« in seinem Binder. Statt das Lokal zu verlassen, trat der Mann plötzlich an den Tisch der jungen Leute. Er war noch blasser als sonst. „Ich will dir inal was erzählen..." begann er, zum Jungen gewandt. „Will ich gar nicht hören", meinte der.„Laß dich erst mal rasieren!" Der Mann zitterte. Es sah aus, als wollt« er die Hand er« heben. Dann sagt« er bitter:„Du hast noch hie Windeln genäßt, al» ich im Schützengraben lag, moin Junge..." „verbitte ich mir!" antwortet« der Sohn heftig und sprang vom Stuhl auf. „Schmeißt ihn raus!" meint« der lange Kerl vergnügt, als würde er nur eine neue Molle bestellen. „Wer will mich hier rausschmeißen?" Der Mann sah sich wild im Kreis« um. „Rtche!" gebot der Wirt. Ein Pappteller flog an Pouligs Kaps. Er lächelte verächtlich. Ihn, waren andere Kaliber um den Kopf geflogen. In seinem Blick war etwas, das die anderen hindert«, Hand an ihn zu legem „Guten Abend!" sagt« her Mann mit besonderer Betonung und verließ langsam das Lolal. „Heil Hiller!" brüllte der Chor hinter ihm her. Der Landwehrmann stand draußen eine Weile unschlüssig, ob er noch einmal in seine Wohnung gehen sollte. Er sah Plötzlich! sein Bild schwarz gerahmt über dem Soso In der guten Stube langen. Eine schwarzweißrote Schleife steckte am Rahinen. Seine Orden lagen in einem Kästchen ausbewahrt, und an manchen Abenden saß die Witwe Paulig bei hiesen Reliquien... In diesem Augenblick hatte der Landwehrmann Paulig den Wunsch, nach oben zu gehen und das Bild von der Wand zu nehme» und die Orden dazu. Doch er hörte im Geist gleich wieder die ärgerliche Stimme seiner Frau und sah ihr blasses, strenges, fremd-e Gesicht. Er erlebte in Gedanken, wie sie ihn, als wäre er«in Fremder, an sein eigenes Bild führte und von ihrem seligen Manne sprach. Er hörte den Jungen dazwischenreden „Es ist alles falsch!" dachte er traurig.„Alles, was sie henkt und sagt, ist falsch. Ich weiß es besser. Ich gehe nicht nach oben. Ich will ihr das Bild und die Orden lassen, an denen sie so hängt." Er ging weiter. An Plakatsäulen verweilte er. Ost schüttelte er den Kopf In die großen Versammlungen verirrte er sich und vernahm staunend, was dort gebrüllt wurde. Vor hen Schlagzellen der Zeitungen blieb« steif«"""d hört«, wie die Leute um ihn leidenjchaitlich ihre Meinung versochlen. ManchnHl wollte er in Streit Geratene begütigen, ihnen zureden, sie aufklären, sein Wisieu vermitteln, aber"'an stieß ihn zur Seite, ließ ihn nicht zu Wort« kommen, alle redeten plötzlich auf ihn«in. manche lachten, witzelten über seine Ansichten, andere ballten die Hände, und schinerziiall spürte er einmal den Gummiknüppel eines Schupos. Immer weiter ging-r Er sah leere Fenster in groß«,, M:et- häuiern mit dem Schild:„Wohnung zu vermieten!" Viele Laden standen leer. Ueberall jamnwrten die Leute über diese schlechten Zeiten. Aber abends, dann stand er verwundert vor üderfullten Tanzpalästen und Kinos. Er sah sich«in Militörlustspiel an und ging erschüttert hinaus. Er halle den tragischen FUm h«r mensch- lichen Dummheit geschaut Wenn er aus der Landstraße stehenblieb und zum Himmel blickte. mar es ihm manchmal, als wäre das Firmament schon gerötet von brennenden Städten. Vom Bruderkrieg. Und er lief keuchend Die kläffenden Hunde, ausgescheucht in stillen nSchtlicken Dorfstraßen. holten ihn nicht«in. Immer schmaler. länger wurde sein Schatten Es war zuletzt, als wäre er selbst nur noch ein Schatten. So kehrte er in sein Grab bei Langemark zurück. Cr war aber nickst allein zurückgekommen. Der Kriegsfreiwillige Lenz lag schan dort und sah ihm entgegen. Müde winkte er mit der Hand. „Ich bin schon lange zurück!" sagte er.„Du hast wohl Plette mit deinem Laden gemacht?" Hier, in dieser Umgebung, die ihm oertrauter war als hie Heimat, fand der Landwehrmann Paulig seinen Schützengraben» Humor wieder. „Du hast deinen Doktor auch nicht feriiggebacken!" meinte er. .Kamerad! Aus den Universitäten prügelt man sich, statt zu studieren. Der Geist ist tot Ich Hab« mir das eine Weile angesehen. Dann hat mich der Ekel gepackt..." „Ob Sporka auch zurückkommt?" fragt« Paukig nach einer Weile. Der Student antwortete nicht. Er blickte angestrengt in das nächtliche Land. Die Dörfer schliefen. Aus dem breiten, sandigen Weg. der zum Soldatenfriedhof sührte, tanzte ein Licht Es erlosch. „Er kommt nicht!" sagte der Student jetzt sehr bestimmt.„Ich fühle es." „Glaubst du denn, daß er Stellung gefunden hat?" „Nein, has nicht!" seufzte der Student, der immer müder wurde und sich wieder noch langem, langem Schlaf sehnte,„aber— meinst du nicht auch, daß einer zurückbleiben muß? Einer, der die Wahr« h-it sagt?" Sein« Stimmt verschwebte im Dunkel. Di« Büsch« neigten si im Wind. Aus dem Nachbargrabe klang noch einmal ein Scus-cr „Ja... du hast recht...* Dann war alles still... * Vielleicht lächeln Sie, unbekannter Leser, über diese wunderlich Geschichte. Aber glauben Sie mir: der Kriegsfreiwillige Sporka, de, unerkannt, ungesehen, eines Nachts aus dem Massengrab stieg, um in die Heimat zurückzukehren, der Kriegssrciwillige Sporka leb! mitten unter uns. Lächeln Sie meinetwegen darüber, daß dieser von den Totei Auferstanbcne seinen Namen in dos„Eiserne Buch" eingetragen haben soll. Ich behaupte es, obwohl Ich ihn nie gesehen habe. Ein- mal nur— es war in einer überfüllten Versammlung im größten Saale der Stadt— spürte ich plätzlich, daß der Kriegsfreiwillige Sporka, während unten im Raum sich hie Fahnen senkten und Trommelwirbel erscholl, in meiner Nähe saß. Wie von einer mcta- physischen Kraft angezogen, wandte ich meinen Kopf herum und blickte zum ersten Make in sein Gesicht Es starrte mich aus einer Schar jüngerer und älterer Männer an, die ein Lied angestiimm hatten. Es war ein Truhlied der Freiheit Das Gesicht leuchtete nur einen Augenblick wie ein Lichtrefiex auf einem blanken Abzeichen. Dann verlölchte es stllt Aber es war, als wäre nun auf jedes Männerantlitz der singenden Schar ein Abglanz davon gefallen... w. schtschkoff:®ic Die Heuernte war in vollem Gange. Der Sommer war heiß. Der Grogvater hatte sich müde gearbeitet Er trottete heim, lieh sich neben der Tür auf den Boden nieder und schlief ein. Gar bald hatte er einen Traum: Er lag betrunken unter einem Strauch. Eine Schlange kroch heran, zischte, piepste, sprach mit menschlicher Stimme:„Ich krieche jetzt in deinen Bauch hinein, dort will ich dick und fett werden. Sauf nur recht viel selbstgebrannten Schnaps, du Trunkenbold, ich kann ihn gut brauchen, er bringt mir Nutzen." In diesem Augenblick schöpfte die kleine Akulina einen Lössel voll Ouellwasser, schlich heran und entleerte den Löffel in des Groß- vaters offenen Mund. Mit einem Sprunge war sie hinter dem Ofen. Der Großvater stöhnte auf. rieb sich die Augen, schwitzte. Er wollte sich bekreuzigen, die Hand versagte. Da schrie er über die ganze Hütte: .Ihr da. Weiber, Mischka, Akuljka! Mir ist eine Schlange in den Mund gekrochen." Die Kleine wollte sich ausschütten vor Lachen Sie sprang in den Flur und von da durch den Schweinestall auf die Straße mit hellen Luchsäuglein. Aornllbergebückt sitzt der Großvater in der Ecke, schlägt das Kreuz, reibt sich den Bauch. Zitternd, aschfahl im Gesicht Er bc- richtet seiner Familie, wie die Schlange in ihn hineingekrochen, nun in seinem Bauche liege und nach kalter Nahrung verlange, weil sie gar zu hungrig set Man bemühte sich es ihm auszureden: so was sei unmöglich,«in böser Traum habe ihn gefoppt. Die Großmutter aber schüttelte den Grauiopf. „Gewiß ist so was möglich! Habe ich dir nicht gesagt, du sollst keinen Wein trinken, ohne dich vorher zu bekreuzigen? Sicherlich ist es keine gewöhnliche Schlang«, sondern der Teufel in eigener Person." Da stöhnt« der Großvater in Berzweiflung auf. .Ich bin verloren, sie quält mich zu Tode. Sie war eiskalt, als si« in meinen Schlund glitt." Als wäre nichts geschehen, sitzt Akuljka in sich zusammenge- kauert. Nur die blanken Auglein blitzen. Der Großvater aber weint fast Mischka, der«in Komsomoler ist hall ihm eine Rede, erklärt, das sei ja Aberglaube. Er weist auf das Porträt von Karl Marx und sagt im Brustton der Ueberzeugung: „Weshalb konnte in diesen Mann nie im Leben eine Schlange hineinkriechen? Nur well er der größte Gelehrte war— man setzt ihm Denkmäler— und nicht an Schlangen glaubte." Der Großvater schlang einen ganzen Topf Brei hinunter und begab sich zum Popen. ,Ich selbst glaube nicht daran", sagte der Pop«,„Ich hab's nicht erlebt Für jeden Fall komm morgen mit einem Pud Mehl wieder." Unter heißen Tränen betete der Großvater am nächsten Tage in der Kirche. Die Großmutter war mit dabei und auch Akuljka. Altulska schien es, als ob der Heilige auf dem Bilde ihr mit dein Finger droht, sie verteidigte sich im Gedanken: „Herr Christus, ich habe die Schlange nicht in Großvaters Mund gesteckt, bei Gott nicht, das lügt er, der alte Dummkopf." „Mir ist leichter geworden", sagte der Großvater hinterher zum Popen„Ich möchte was fragen: Wird das verwünschte Biest von hinten herauskommen oder von vorn aus dem Munde?" „Ich hab's nicht erlßbt", sagte der Pope.„Aber der gesund« Menschenverstand sagt, daß Kriechtiere von hinten herauskommen müssen. Nur nicht den Mut verlieren." Ein Monat war vergangen. Noch Immer fühlte der Großvater das Ungetüm in seinem Bauche sich regen. Das ganze Dorf kam mit Ratschlägen: Tränke. Einreibungen. Niesen bei Sonnenausgang auf freiem Felde, dreimal noch rechts hin. dreimal nach links. Die Großmutter aber wandte die Milchkur an. Der Großvater mußte sich nackt auf den Fußboden legen. Fünf Töpfe mit kochender Milch wurden rings um ihn aufgestellt, dann wurde er ganz und gar mit Decken und Pelzen verhüllt. „Du muht den Mund möglichst weit aufsperren. Zieh den Atem ein, so stark du kannst. Die Schlange hat Milch gern, sie wird schon herauskriechen." Der Großvater atmete mit voller Lunge. Er schwitzte aus allen Poren Bald hatte er es satt und spuckte aus. Wieder vergingen Tage. Nachts fühlte der Großvater die Schlange ihre Nahrung fordern Er aß, was das Zeug hielt, hatte nie so guten Appetit gezeigt. Doch das Leben machte ihm keine Freude. Sein Schmerbauch aber wuchs. Alkuljkas Gewissen regte sich. Sollte sie gestehen? Nein doch, es war zu gefährlich. Zwar hatte sie bei Großvater einen Stein im Brett, aber die Ohren würde er ihr mindestens zausen. Auch Mischka tat der Alte leid. „Wir mllsien Ihm wegen seiner Unwissenheit«>nen Vortrag halten" lagt« er zu seinen Komsomolgesährten. Am Abend ging er mit ihnen in die Hütte. Der Großvater lag mit entblößtem Bauche auf dem Ofen. Ueber seinen Nabel war ein Kochtopf ge- stülpt, unter dem brannte ein heiliges Licht. Die Komsomolzen be- gönnen ihr« Red«' ..Glaub doch nicht den Unfinn. Genosse' Bist du«in kleines Kind? Wie kann eine Schlange in einen Menschen hineinkriechen? Si« wird doch nicht so dumm sein, sich in einen fremden Bauch in Gefangenschaft zu begeben, wie soll sie da atmen? In vieruud- zwanzig Stunden wäre sie ja tot. Sie müßte dir längst den ganzen Bauch aufgefressen haben. Und du wärst nicht mehr unter den Lebenden. Was soll der Topf da auf deinem Stadel und die Le- � schwörung? Ein Narr bist du, drum zu beten. Es gibt keinen Gott. Bist siebzig Jahre all geworden und weißt nicht, daß da» Dasein � das Bewußtsein bestimmt Begreifft du nun oder nicht?" .Ich begreife", schrie wütend der Großvater. Er riß den Tops vom Nabel und warf ihn nach den Komsomolzen. Akuljka lachte. Dann wurde sie wieder ernst, weil Großvater ihr leid tat „Ach Großvater", seufzte sie.„ich will dir was sagen." „W— a— s? Willst du Wurm auch schon Agitation treiben? Ich werde dir helfen." Die Bauern rieten Großvater, den Doktor in der Stadt aus- zusuchen. Da waren sie an den Rechten gekommen! Damit der Doktor ihm den Bauch aufschnitt und ihn ohne letzte Oelung ins Jenseits beförderte! Und er ging statt dessen auf den Rat seiner Frau zum Zauberer Michrej. „Die Satanstochter soll sofort herausfliegen", sagt« der Zauberer. Er hängte den Allen an den Füßen auf und begann mit einer breite» Schaufel aus dessen Kehrseite loszuschlagen. Dem Alten wurde es dunkel vor den Augen, das Blut stieg ihm zu Kopse. Er schrie, daß der Wald widerhallte. Da riß das Tau, der Grqßvatcr stürzte auf die Erde Seiner selber nicht mächtig rannte er, nackt wie er war, heim. „Diesen Zauberer Michres schlage Ich noch mit der Axt nieder Daß Ihn der Teufel hole", schrie er seine Alte an.„Wenn man auf dich hört!" Di« Schlange aber rumorte schlimmer als je in Großvaters Bauche. D«r Alte begann zu trinken. Als er sich eines Tages bei seinem Schwager berauscht hatte, legte er sich, als er heimkam, aus die Schwelle, wo es kühl war, zum Schlafen nieder. Kaum hatte er die Augen geschlosien, so hörte er die Schlang» in seinem Bauch« ihre Gefährtinnen locken:„ .Kommt nur. hier drin ist es wunderbar. Brei nach Herzens- lust und Wein dazu." „Sofort kriechen wir herein", antworteten jene...Wo ist der Trunkenbold?" Der Großvater stöhnt«, warf stch auf die andere Seite herum, dann lag er mäuschenstill. Akuljka hatte wieder einen Löffel Wasser geschöpft „Daß du ein andermal nicht fluchst", flüsterte sie,„ich lasie gleich eine zweite Schlange i» deinen Mund spazieren"— und sie goß das Wasser in Großvaters weit ossenen Rachen. „Pfui!" spie er aus, hüstelte, sprang auf.„Eine Schlange, ihr Weiber, wieder«ine Schlange..." und packte den Fuß der lau! lachende» Akuljka „Also du bist es, du Mücke?" Er versetzte ihr zwei leichte Schläge, spie noch einmal aus und knarrte mit seiner heiseren Alt Männerstimme:„Wart nur, du sollst noch die Nesselrute zu spüren bekommen." Doch Akulska lachte, sie glaubte es ihm nicht„Di? erste Schlange habe ich dir auch in den Mund gesteckt" Der Groß- vaier sperrte Mund und Augen auf vor Erstaunen. „Wirtlich?" „Bei Gott", perlte Akulska» helles Lachen. Den Großvater überlief es heiß und kalt. Zum letzten Male drehte sich die Schlange ' in seinem Bauche um, dann brach er in dröhnendes Lachen aus und stürzte einen Krug Wasier herunter. Die Nacht und der nächste Tag Verliesen gut Don der Schlange war nichts zu merken. Der Großvater war hocherfreut, mit ihm all die anderen, insbesondere Akuljka. „Ich bin wieder gesund", meldete der Bauer im Bauernrat. „Es war keine Schlange, Akuljka hat ihren Scherz mit mir ge- trieben. Eine nette Range." Ein altes schiefes Mütterlein aber mit trüb gewordenen tränenden Augen versicherte die anderen: .Ich hab's mit eigenen Augen gesehen— wenn ich auch blind bin, ich hab's doch gesehen, wie eine feurige Schlange aus des Großvaters Pfeife heraus und geradewegs in den Wald ge- schlüpft ist." ■'/. Uhi Androhlus undderLöwe Komödie von l.emh. Shaw mit Felix Bressart und Otto Wallburg Hegie: K. H. Martm St>afl. Sdilllir- Theater 8 Uh' Die cnriose Siraße Theater desWestens Täglich 8>/, Uhi Die Dubarry In derRotter-lnszemeruog Mary Losseff Sonnabend 1�4 Uhr Sonntag Va3 Uhr Kai aus der Kiste Kin erkomödie Sonn'ag 5 Uhr Die Dubarry •TUeater in der- Stresemarnotr. Zum 25, M Uc 8-/4 Uhr RoDStlDtlD Theodor Uns in In, jeder Ehe... Rose- Iheater iral« Fnikhirtti StraS«<3: IN. WiiiNni E 1 342/ 6 und 9 Uhr Jellcben 6fel»eri leKino-Tneater Täglich s>'i Uhr Morgen gehts uns gut I Grete ülosheini Mtkx Hansen Orchester Va'os Bela ifletrooOTtieater Fäfilich 8-1« Uhr Der große joh. Strauß Operenen-Erlolg Ein Lied der Liebe Sonntag 4-.L Uhr Die Fledennans Gewinaauszug S. Klaffe ZS. Preubilch-Süddeulsche Staats-Lotttri«. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus seb« gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gesalleo, vnb zwar je einer aus die Lese gleicher Nummer in den beiden Abteilungen l und ll HEINI STHUHIHMER direkt ab Fabrik EngrosPrelse BERLIN O 34 28. Ziehungstag ll.SDTdrz 1932 In der heutigen Bormittagsziehung wurden Gewinne über 499 Dt. gezogen 4 S-Wwn« ,» 25000 M. 274937 382674 6®«oinne in tOOOO W. 69870 187013 192265 6 Gewinn- ,u 5000 W. 64366 I23S2I 314416 16>u 3000 M. 26963 49720 106756 152SZ2 216077 24359S 246909 371277_ 66 Gewinn«.b 2000 m 12385 15859 23590 31318 35620 47380 51089 60119 120932 124011 1 46602 149200 169638 184074 193689 199034 204838 212227 222482 226978 227960 254514 281806 291037 311521 333790 333983 347419 352718 3S8970 370617 373361 382156 124 Gesinne.u 1000 M. 3169 20065 31907 37073 45147 47259 49486 49646 56929 53197 64535 65929 67270 84236 92539 104800 107037 114940 115763 119139 119349 12555? 141033 145769 153966160698 169332 171315 190749 191433 211875 213316 219837 225350227057 235439 239290 251513 253226 257928 253641 259547 259693 262323 272309 276317 283452 285589 289768 301313 303179 306566 314812 333756 336671 343206 344548 349248 351815 374340 375875 385699 200©.Bilm.*n 500®. 2574 5395 7889 8621 10141 19922 20392 30245 31097 31893 38172 39293 39311 39518 35538 39816 40112 43308 46041 52592 54255 62478 64127 65849 75407 81.536 92272 93531 95034 100503 103365 111459 118500 131204 133595 134197 135039 136703 133874 140180 140504 143093 148539 156382 158406 162590 174125 178312 189110 200463 202798 204866 207181 211535 214019 214994 223055 223217 223899 229332 23246 3 239712 243442 249012 266328 269274 277372 293232 293393 296003 288718 299712 300432 301346 302879 311616 320443 320343 321318 325638 333540 334161 333777 341692 342186 349644 352405 354103 368042368594 372733 330211 330339 334240 337497 392561 393231 394570 398668 399546 In der heutigen Nachwittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Beanim. ,n 10000 W. 245709 8 Betoinn« iu 5000 OH. 54176 204592 212105 341621 16 Bttninn. in 3000 QH. 133355 139807 20I0I4 204337 252136 284040 339274 370354 42 Gewinn- 1« 2000 M. 71041 109522 131464 140346 142246r20891 1 227910 231323 243458 252346 270215 296209 297245 306780 309835 323184 363184 374803 378747 386713 34 86 17 TO Betrinn, m 1000 Sil. 35152 37823 38143 47547 76670 104967 112233 129356 139655 164400 169046 172115 174073 174217 177001 178505 179009 229939 245705 264073 269492 278228 286862 307397 323494 326233 329001 337295 350024 359491 339959 370866 377793 386914 3891 16 148 Betoinne«u 500 OT. 3574 4738 8850 10404 12719 21988 30479 38954 52924 56555 60333 63116 69049 73321 86703 90265 92915 90331 123233 137258 139319 142041 145364 146826 165538 168624 168680 188794 173019 178048 184366 202100 211118 212842216633 236402 243717 244017 260829 262728 266281 263106 280385 282884 288907 280690 298307 302004 303351 31421 1 320011 322237 323536 335001 335801 338346 342264 342272 343020 347918 247944 351232 359630 361 205 384880 365997 367178 369030 375013 380002 388206 390530 394320 398504 Im Eew nnrade verblieben: 2 Präiiiion je ZU 600000, 2 Ge« winne zu je 60000, 18 zu je 50 V, 2i zu je 8000, 72 zu je 2000, 140 zu je 1000, 234 zu je 500, 700 zu je 400 2)1. | uerKame| Otfea. eifern», jcder ätt, SciUcMunn. 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Inseraten-Annahme Llndenstraße 3, Laden. Don- am Koppenplatz, v 2 Weiden- Hauptexpeditton: Berlin Hofs Ziig— -Zentrum: Ackerstr. 174. dämm 2136. 21 e u in a n n, Grünstr. 21(Ausgabe: Kur- itraße 26). E 1 Berolina 1371. ., Walter. Wu>., Kronenstr 242 Flora 0283, Wessen: Steglitzer Str 37. ticke Magdeburger Straße, -Süden: Baeiwaldstr 47. a d Sneilenoustraße, F 6 Baerwald 6918, -Prinzenstr. 63, Laden, F 7 Iannowitz 4438. -Osten: Markusssr 36 E 4 Ätezander 8735. -„ Petersburger Platz 4. E 4 Alexander 9734. Südosten: Lausider Play 14 15 t' 8 Oberbaum 0894. -Nordosten: Immanuelkirchstr 24. E 4 Alexander 9736. Carmen-Sblva-Str. 67.(S 1 1 1 m a n n. -Roabit: Wildelmsbovener Str 48 0 5 Haula 4095 Hunenstr 67 bei B i t 1 e r l r n g, -Wedding: Müllerstr 34. Ecke Ntrechler Straße, v 6 Weddiiig 8094 -Rolenlhalcr und Oranienburger Borftadt: Wattftr. 9. U 4 Humboldt 7875 -Gesundbrunnen: Bastianstr 7 0 4 Humboldt 7874, -Schöuiiauscr Porstadt: tSreiienbagener Str 22 0 4 Humboldt 7805 Abltrechof: Hermann P e ß o I d, Gememschaslsstr 10 All-Glienickc: Anna Hallmann, Rudoner Str, 54 -Baumlchulcnwcq: Strahl Kiefholistr ,179 F 3 Obcrspree 1073. Bernau, kllöntgeatal. dleperuick Schönbrock. Karow und Buch: H-inritb Brote Bernau Mudlenstr 6. Berascide: T i l ch, Hohcnneuendorier S:ras-.e. Biesdors-'-'rd-« a ti Wellet mann Kämalli 17. Bkesdors-Süd Georg W,« li k l e r Fortuna-Allee 4», Birkenlrerder: Frau Z o o r Ratbausstr 6 Bohnsdorl: Karl K u» f r Eickibulchsti, 9, Borsigmelde: Max Gebruiann, Borsigwalde, 'liciiscbstr 51, vorn i Tr Bitckßof'-Dlankc-burg: Wagner, Blaiikenburg/Burg- wallftraßc 71, -Eharlotienburg I: Sejenheiiner Sir, l Ll Stcinpl 4156, -llharlott, nburq ll: Eisseld, Tauroggeuer Str. IE L 4 Wilhelm 779». -Charlottenbura III: Joachimi, Kaiierdamm 95. Ein- gang Rognitzstraße L 3 Weilend 3154 llharlouendurg I V: P u 1 e n i a t, Augsdurger Str. 47. Portier Charlotteuburg V: Schulz. Drovlenstr, 12. l. Garten» baus 3 Tr Charlottenburg VI: Kantstr 128. Laden Geöffnet 2 bis 6 Uhr Dabendorf: Walter H o d l S, Dabendorf, Provinzial- Chaussee. Eichwalde: H o n s D ü l l, Waldstr. 24/27, Siedl. DBB, Erlner: Poikc, Abornallee 31. Fichtenau, Grätzwalde: Fran M ü h l b o ch. Fichlenou, Mittelstr. 14, Fallenderg: S a l z m a n u. Fallenberg, Gartenstadt- straße ig Frederedorf-Petersbagen: Otto Qilinski, Freders- dort. Arndtsiraße Friedenau: Gebr P e 1 e r m a n n, Rönnebergstr 3 Rheingau 9054 u 3027 Wilmersdorf, Lauenvurger Strohe 23. Laden Rbeingau 9054 FriedrichSHaqen: Erwin Hermann, Löcknißstr. 13. Frohnau: Adolf F u r l i e 4, Carinclitaweg 62. Grünau: Frau Pfiyner, Balmhofftr 9n III Halens«. Grunewald. Eichlamp: Frau 2- o a ck, Kiosk Henriettenplaß Priraiwobnung: Kotharrnenflr. Heiuergdorf: S w u I z Hildesir 28. SennlaSdorf: Fr-U R II d a t Alteudorfstr. 18. HrrmSdorf: Gustav Schlcv Moltkeftr 1 1. Hsheueuendorf: Frau Werner Berliner Str, 58, Hoiirnlchoiihriren: Frau S*> h r Ctflnfefti 19 Hot pari Hovpcgrrien: R o u I ch Hoppegarten-Birkenstein Bar- lege Nr>19 Johannisthal: Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str 18 Korlshorft: Periicke Henligstr, 35. und Kiosk am Bahnhofplov Knulsdors:?" g t Bredrreckftr 19. Königswusterhauie«: E M e v r r Potsdamer Str, 9, Köpenick. Hirschgartc«, Mah'sdors-Slld: Schlag, Kö- venick Kicßer Sir 6(Ladeni.> -Lichlenderg I: Lichienderg. Waricnbcrgsir l E 5 Lichten- berg 1536 -Lichtenberg II, Rummelsburg. Stralau: Straße 62. E 8 Andreas 0733. Lichtenberg III. Frlcdrichsselbe: Max Boche, Frank sgrier Allee 178, E 5 Lichtenberg 0754, Wenzel IN 2703 Lankwitz. Teltower Str. 3. Amt -Lichlcrselde-Oft. Lenttritz: A Zieienstr 15 Tel.: Lichterfelde G Lichterselde-West: Hohn, �ehlendorf Telcpbon: Zedlendori 1853 Lichtenr de: Frau Lenz. Babnbcfstr 20 Mahlsdors: Ulrich H a e I e. Am Rosenhag 28. Kaulsborf 9022. Miriei-deri: Freu L e i v Ebausseestr 29, Marieufelde: Alfred Pöschk, Mariengarten Rr. 34. Marzahn: Siedlung der Kinderreichen. Nenenh-geo: Wcnzke Fiegeistr i 'Neulölln l: Lleckorstr 2 F 2 Neukölln 5707, �Neukölln II: Siegfiiepsir 28 23 F 2 Neukölln 5706 Neukölln ITI: Winklet. Hobrechtstr 40, v 1 Tr -Renkölln.kritz: Mittag, Britz Cbansleestr 32 F 2 Neukölln 2550 Nenichulzendors, Zeuthen: Franz Kühl. Neuschnlzen- dorf, Ernstftr 54 Niederlehme: Hermann Schultz«, Zernsdorf. Ziegelei. Niederfckiönewcide: Hermann B i n d i g, Sedan» , siraße 62. A- Niederichönhausen-Oft: Frau G o I d b a ch, Schloß- ollee 45 v 3 Tr Nowovcs: Ejsenb-bnstr lO Oranienburg:©eint, Leonhardt. Straljundci Straße 6. Obrr'chöneweite: Roberl Paul, WilbelmiNenbos- straße 44» E 3 Oberipree 0621 Panlow: R i ß m a n n. Miihlenstr 70. 0 8 Pankow 2452. Kotsd'm: Gebr Schubert Iunkerstr 26 Rahnsdorf, U r b a n i a k. Siraße 7, Haus 4 Reinickendors-Ost: Wahle, Provinzstraße 56, Gc- öffnet 2—6 Reinickendorf- West: B e n d t, Scharnwcbersrr. N4, Bolksbans,- 0 9 Reinickendorf 3621. Roienthaf- F i i v>i o f i e r>.stronprinzeustr* 1 Rudow: Otto K e i i« r, Waltersdorser Chaufice 23, Loxhagener Stdowa. Kaulsdors-Süd: H e n> ch l c, Kaulsdorf-Sltd, I Waldstraße 66. -Schmargendorf I: N e h a b. Breite Str. 2, E I Pfalz« bürg 3541 Schönblick: Neuendorf. Schönblick -Zchönebcrg: Belziger Str, 27 L I Stefan 7409, Senzig, Gussow, Gräbendorf: Friedewald. Genzig, Cheusseeftr. 54 Ziemeosstadt: S l e n., e I Brunneustr. 6. v. 1 Tr. Steglth: Frist Schadenruie 2. Strausberg: A l i r e d B a n u i ck e Sirausberg. Dirschauer Straße, Tegel. Tegelorl. Heiligens«. Schulzeudorf: Spieß, Tegel, Schlieperstr 52 Teltow. H ä i e I, Ritterstr, 29. T.mpelhoi: Harsdorf. Werderstr. 31 n. Part. Nenilmpelhof: R i n d i l e 1 1 ch, Fidictnsir Lö. v. p:r. Tradln: Ä ö r i n g, Parkfir 22 -Treptow: M e ck e l b u r g. Graetzstr 50 F 8 Ober- bäum 8048 Waidmanuslust' Robbe, Oramendamm 10. Wannsee: W o I t e i Glicnicker Str 29 Weißens«: Anton Wücse. Lehdcrstr, 2. E 6 Weißen- see 3772, Wildau, Hoherlehme: R n d. L e» t o w Hoberlcbme, Friedriii-Ebert-Är 66 Wilmcrsdcrs I: Lauenburgcr Str 23, Laden Rhein- gau 9054 Wilmersdorf II: Friedrich Bauer, Paulsdornee Siraße 22. I Stkl IV Wilhelmshaven, Hessenwiuiel: Schulze. Wilhelms- Hägen Wilvclmstr. 31 Wittenau: Z> b e I> Ha-iplstr 65, Wollersdorf: Frl. M a t b i n s Wirderlir 50 111 -Zehlcndoei, Schlachleulee, Nikolassee: Hohn Zebicn- dort Teltower Sir 3 O i Zehiendori 1853 Zernsdorf, Cablow. Cablow Mühle Neue Mistue: Otto L i e f e g a n g. Zernsdorf. Breite Sir 105. Zossen: W> 1 1 Baruibei Sir 12. Sämtliche Literatur lowie olle wisscnlchaftlichen Werke Verden gelieferl. Sonnlogs ssnd die Geschäslsst-ssen geschlossen. Tie mit einem• oeriedenen Ausgabestellen lind nachmittags von 2— 6 Uhr unter der angegebenen Ngm» wer telep Hönisch zu erreichen.