BERLIN Dienstag is. Marz 1932 10 Pf. Nr. 126 B 63 49. Zahrganfl krsA«i»ttZglich außer Sonntag«. Zugln» Abnidauigüd? de«.Borwärti' Beillgsvrci« sie detde u» g a d e. 7» Pf. pro Woche. Z,2ö M. uro Mona! Itaoo» a? Pf. monatlich für Zustellung IN« Hau«) im voran» Wdldat. P o st b e i u g 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postiettungi- und 72 Pf. Postdcstellgebiidreii. fflbwasfa Nuieigen»ret«! Die elnsvaltlge MillimeierjeNe 30 Pf* Reflameieile 2.— M Ermäßigungen nach!arif Postscheckkonto! Borirärl«- Verlag G.m.b.H.. Bciliu Rr. 27 A«.- Der Verlag behält stch da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anicige» vor' R e d a t« i o» und Ervrdltioni Berlin LW Ob, eindcnstr. 3 Serusprecher: Döuboft 7) 292—297 Litauische Herausforderung Rein litauische Landesregierung im Memelgebiei! Unter Bruch der Memelkonvention hat Litauen den Groftlitauer Timmat zum Präsidenten des Landesdirek- toriums gemacht. Die Mehrheitsparteien des Landtages haben darum in Wahrung ihrer international verbürgten Rechte abgelehnt, mit«immat über die Besetzung der Landesdirektoren»(Regierungsmitglicder) Stellen zu verhandeln. Lbwohl der litauische Außenminister Z a u n i u s noch Ende voriger Woche dem Völkerbunds- rat versichert hat. es werde nur eine Memelregierung! gebildet werden, die das Vertrauen der Landtagsmehrheit besitze, hat Simmat nun ausschließlich Groß- litauer in die Regierung berufen. Es ist nun vor allem Sache der Garantiemächte der Memelkonvention, diese neue Vergewaltigung der weit überwiegenden Bolksmehrheit nicht zu dulden; sie würden sich und das internationale Recht lächerlich machen, wenn sie litauischem Uebermut gestatteten, sich über den Willen der Großmächte hinwegzusetzen'. Heulende Selbstanklage der KpO. Sie kann sich vor Schmerz nicht fassen, weil Hitler nicht gesiegt hat Familientragödie in Neukölln. Klempnermeister veraistet sich und seine Frau mit Vlausäure. Ja den heutigen INUtagsstunden wurde im hause Treptower Straße 91 in Reukölln eine schreckliche Aamllientragödic entdeckt. ?n ihrer Wohnung wurden die Eheleute Langner mit Vlavsäure vergiftet tot aufgesunden. Der 62 Zahre alte silempnermeister L. hatte in den Nachtstunden infolge zerrütteter Jomilienverhältnisse erst seine gleichaltrige Frau und dann sich selbst getötet. Die alten Leute lebten seit einer Reihe von Zahren in dem genannten Hause und erfreuten sich eines sehr guten Rufes. Langner bezog eine kleine Pension. Seine Frau war schwerkrank und erlitt kürzlich einen Schlagansall. während der Nacht halte sie die Gewohnheit, auf ihrem Nachttisch eine Tasse Kaffee stehen zu haben. 3n der Nacht zu heute stand der alle wann heimlich auf. schüttete seiner Frau Blausäure in den Kassee und nahm dann selb st Gist. Als heute gegen 19 Uhr die Tochter der Leute ihre Ellern in der Wohnung aufsuchen wollte, fand sie keinen Einlaß. Sie lieh die Wohnung gewaltsam öffnen und entdeckte nun den tragischen Vorfall. Der Klempnermeister lag tot in der Küche, während seine Arau im Bett tot aufgefunden wurde. Die schwere Krankheit der Zrau und zerrüttete Verhältnisse sollen den alten wann dazu veranlaßt haben, den Tod zu suchen. Ein hinterlassener Brief weist daraus hin._ Vier Opfer der Arbeiislosigkeit. Vater geht mit seinen 5 Töchtern in den Tod. Waldhelm sSachsen), 15. März. Ein erschütterndes Familiendrama, das vier Todesopfer forderte, spielte sich am wontag in Waldheim ab. Als am Nach- mittag die Frau des Handarbeiters Ulbricht nach Hause zurückkehrte. drang ihr aus der verschlossenen Küche starker Gas- geruch entgegen. Als die Polizei die Tür össnete, fand man Ulbricht mit seinen drei Töchtern im Alter von 2. 7 und 9 Zähre« gasvergistet lo' aus. Jahrelange Arbeitslosigkeit dürften den Beweggrund zu der Tat bilden. Strafanirag gegen Schmiergelder-Rauh Verwendung für Stahlhelm nicht strafmildernd. Der Staatsanwalt beantragte im Potsdamer Bc- stechungsprozeß gegen den Stadtbauinspektor Rauh wegen schwerer und einfacher Bestechung ein Jahr neun Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, gegen die Mitangeklagten Brüder der Baufirma L i l i. lautete der Antrag auf je fünf Monate Gesängnis. Die Tatsache, daß der Angeklagte Rauh die vestechungsgelder zum Teil für feine politische Partei, den Stahl- Helm, verwendet hat, kann der Staatsanwalt nicht als strafmildernd ansehe«. Er geißelte in scharfen Worten das Vorgehen von Rauh. d« seit 1921 Lestcchungsgeldcr angenommen hat. Hitlers Niederlage ist zugleich die Niederlage der KPD. Die Kommunistische Partei hat das Ziel, soviel Stimmen von Hindenburg abzuziehen, daß Hitlers Sieg gesichert war, nicht erreicht. Sie hat gerade noch ihren alten Stand. Sie hat geglaubt, sozialdemokratische Arbeiter zu ihrer Politik der Unterstützung des Faschismus verleiten zu können, aber kein einziger sozialdemokratischer Arbeiter ist ihren Locktönen gefolgt. Bis zum 13. März hatte die KPD. so getan, als ob die sozialdemokratischen Arbeiter in hellen Haufen ihr zuströmten. Jeden Tag meldete ihre Presse Rebellionen in der Sozial» demokratischen Partei und Massenübertritt« zur KPD. Nun stellt sich heraus, daß das alles geschwindelt war.— selbst die „Rote Fahne" muß das jetzt eingestehen, indem sie in einem Artikel voll heulender Selbstanklagen schreibt, es sei der KPD- nicht gelungen, die sozialdemokratischen Arbeiter von dem Einfluß des sogenannten„Sozialfaschismus" loszureißen. Die„Rote Fahne" stellt mit„bolschewistischer Selbst» kritik" fest, daß das Wahlergebnis für die KPD. un- befriedigend ist. Völlig unbefriedigend seien die Er» gebnisse von Berlin, Hamburg. Oberschlesien und Halle-Merseburg. Man habe, so sagt sie weiter, „nicht mit genügender prinzipieller Schonungslosigkeit" den Kampf gegen die Sozialdemokratie geführt. Jetzt müsse min gegen die mangelhafte Arbeit in den Betrieben das Feuer der schärfsten Selbstkritik richten. Hier müsse„unverzüglich eine entschiedene bis in die tiefsten Tiefen der Partei der RGO. und aller Massenorganisationen eingreifende Wendung vorgenommen" werden. Daß die„Rote Fahne" nur von den„tiefsten Tiefen" der Partei, aber nicht von ihren höchsten Höhen spricht, ist durchaus kennzeichnend. Denn der Sinn dieser sogenannten Nach der Keile... bolschewistischen Selbstkritik ist völlig klar. Man will in der Partei unten ein fürchterliches Aufräumen ver- anstalten, um die Spitzen vor dem drohenden Zorn Moskaus zu retten. Daß der Fisch vom Kopf stinkt, daß die ganze sogenannte Politik der KPD. ein einziger ungeheurer ver- b r e ch e r i s ch c r Blödsinn ist, das kann natürlich nicht zugestanden werden. Die„Rote Fahne" schwatzt von einem roten Sturm auf die Betriebe und von einem roten Trommelfeuer auf die Stempelstellen. Dreimal sollen die Anhänger der KPD. wegen des schlechten Wahlergebnisses vom 13. März im Lust- garten für ein freies sozialistisches Rätedeutschland straf- e x e r z i.e r e n. Die Kraft des Hauptstoßes gegen den Haupt- feind, die Sozialdemokratie, und gegen Severing, der bekannt- lich die größte Gefahr ist, soll verdoppelt, verdreifacht, ver- zehnfacht, verhundertfacht werden. Unsere Genossen in den Betrieben und auf den Stempel- stellen werden um die Antwort nicht verlegen sein! Begräbnis eines Nichts. Die Spalter um Nosenfeld und Seydewih sind verschwunden. Eine Prüfung der Wahlergebnisse im einzelnen zeigt, daß die Kommunisten in allen Jnduftriestäoten Stimmen verloren haben. Ihre Betroffenheit ist deshalb verständlich. Sie hatten bestimmt aus einen großen Einbruch ins sozialdemokratische Lager gerechnet— aber sie haben sich glänzend verrechnet! In ihrer Rechnung war neben allen anderen Fehlern noch ein Fehler, der beachtet werden muß. Sie hatten auf Zuwachs aus dem Lager der SAP., der Sey de witze und Rosenfel oe, der von der Sozialdemokratischen Partei abgesplitterten SpaUpilze, gerechnet. Haben doch Seydewitz und Rosenseld die Parole für Thälmann ausgegeben und in ihrem Blättchen Reklame für die verbrecherische kommunistische Politik gemacht. Und trotzdem 34 000 Stimmen Verlust in Berlin! Trotz Rosenfeld, Seydewitz, Zweiling und Kompanie! Die völlige Bedeutungslosigkeit der Spalter konnte nicht besser bewiesen werden! Zum Trost berufen sich Seydewitz und Genossen auf das Er- gebnis im Wahlkreise Chemnitz-Zwickau, wo die KPD. um 31000 Stimmen zugenommen hat. Diese Zunahme kommt zum größten Teil auf das Konto der größeren Wahlbeteiligung. So sind in Plauen die kommunistischen Stimmen zwar von 13 334 auf 10 826 gestiegen, aber der kommunistisch« Stimmenanteil ist von 23,3 Proz. bei der Reichstagswahl auf 23,05 Proz. bei der Präsi- dentenwahl zurückgegangen. Aehnlich steht es in Zwickau. Wo ist also die Spaltergrupp« geblieben? Sie ist ein Nichts! Eins ober ist sichtbar: in dem Wahlkreis, in dem die Seyde- witze jahrelang verrückt gespielt haben, marschiert Hitler mit 487 000 Stimmen vor Hindenburg, der 410 000 Stimmen erhielt. 223 000 Stimmen haben die Nazis in diesem Kreise gewonnen, und in Plauen erhielt von 71 020 Stimmen Hitler 35 225— fast die Mehrheit!— gegen 16 800 Thälmann-Stimemn und 15 600 Hinden- burg-Stimmen! Wo gespalten wird, freuen sich die Nazis! Hilgenberg: Au, au, halt... ich wollte noch meine Bedingungen formulieren!" Frankreich verteuert Einsuhr. Budget mit Steuererhöhung. Paris, 15. März.(Eigenbericht.) Die Kammer hat in einer Nachtsitzung den Budgetentwurf mit 386 gegen 133 Stimmen angenommen. Die Radikalen stimmten für die Vorlage, Sozialisten und Kommunisten dagegen. Das Budget balanciert mit etwa 41 Milliarden Franken. Auf dem Papier ergibt sich ein geringer Einnahmenüberschuß von 4?i Millionen Franken. Die schon im vorigen Jahr von der Regie- rung beantragte, aber von der Kammer abgelehnte Erhöhung der Einfuhr st euer ist jetzt gebilligt worden: sie beträgt jetzt für Rohstoffe 2 Proz., für Halbfertigfabrikate 4 Proz. und sür Fertigfabrikae 6 Proz., während sie früher 2 Proz. betrug. Grausiges Schauspiel am Onjestrfluß. Die Leichen der Flüchtlinge immer noch auf dem Eise. Die Bewohner des bessurabischeu Greuzdorse» JJoloaca erleben mm schon seil zwei Wochen ein wahrhasl grausiges Schauspiel: ilus dem Tis des fest zugefrorenen vusestrslusses, ganz nahe am Ort. liegen noch immer die Leichen des großen Müchll'ngsmordes in zerstreuten Gruppen umher. Ztlemaud wagt es. sie zu bergen und zu beerdigen. Aus beiden Ufern stehen die Grenzwachen, hier die Rnmänen, dort die Russen. Inzwischen haben die rumänischen Behörden angeordnet, daß das grauenhaste Bild Photographie:! wird. Die Photos sollen dem Völkerbund übermittelt werden. Der sozialdemokratische Abgeordnete von Bessarabien. Mirescu. der eine Reise in die Grenzgebiete unternommen hat. erklärte dem Korrespondenten des„Soz. Pressedienst" in Bukarest, daß die Lage am vnsestrstrome unhaltbar geworden sei. Tagtäglich ereignen sich neue Zwischensälle, da immer wieder von hüben und drüben versucht wird, den Fluß illegal zu überschreiten. In den Rachtstundeu gleicht die Grenze einer Kriegssronl: Scheinwerfer überstreichen da» Fluß- bell und die User, beim geringsten Geräusch steigen Leuchtraketen auf, jede verdächtige Person wird ohne Anruf m't einem Kugeiregeu überschüttet, während von Rumänien aus immer nur Eiuzelper. fönen oder kleinere Gruppen hinüberzukommen versuchen, sind die Grenzübertritte aus der Ukraine schon vlassenerscheinung geworden. Im Monat Jebruar allein sind 342 russische Flüchtlinge gezählt morden, von denen etwa hundert aus der rumänischen Seite ver- mundet anlangten. „Ostpreußen kann vermelden.. Während des Weltkrieges lernten Schüler und Schülerinnen mit viel Schweiß und Fleiß ein vaterländisches Gedicht, in dem diese Zeilen vorkommen: Ostpreußen kann vermelden, Was Hindettburg getan, Und Schlesien wird den Helden Im Ruhmes kränz e mp fahn. In der Kriegsgeschichte steht Hindenburg in der Tat als der Steger von Tannenberg und den Masurischen Seen, als Befreier OrtcnflldierBczirhspaileUag am Sonnabend, dem 2. April 1932, abends 6 Uhr und am Sonntag, dem 3. April 1932, vormittags 9 Uhr, Im Plenarsaal des„PreuSfschen Staatsrats", Leipziger Straße 8. Tagesordnung: I.Geschäftsbericht: Georg Wendt. 2 Kassenbericht: Alex Pageis. 3. Bericht der Revisoren; H. W o 1 f f, 4. Fraoenbericht: Käihe Kern. 5. Aussprache 6. Wahl des Bezirksvorstandes und der Kommissionen.— Bestätigung des Bezirkskassierers. 7. Der Kampf um Preußen. Aufstellung der Kandidaten. Rundfunk und Wahlen Oer Rachrichiensturm in der Wahlnacht Die Wahlnacht war die große Zeit des Rundfunks. An den Wahlkamps in Deutschland nahm durch den Rundfunk ganz Europa teil. Man kann wohl sagen, daß noch nie so viele Menschen am Radio gewesen sindvwie in der Nacht vom 13. auf den 14. März. Der Radiohandel bestätigt es auch. Radioapparate wurden gekauft. Akkus geladen. Röhren erneuert. Selbst in dieser für die Wert» tätigen so schweren Zeit entschloß sich mancher zum Kauf eines kleinen billigen Detektorempfängers... Jeder wollte das Wahl- ergebnis hören. Deutschland saß am Radio. Aber man schien auch in anderen Ländern Europas zu ahnen, daß der Kampf der Republik gegen den Faschismus in Deutschland für die ganze Welt von größter Be- deutung ist. Schon um 18 Uhr meldeten sich die Sprecher der Sender von Dänemark, Schweden, Norwegen, Polen. England, Frankreich, Holland, Rußland, Tscheche- s l o w a k« i usw. Ueberall teilte man in allen Sprachen Europas mit, daß Durchsage erfolge, sobald das erste Wahlresultat in Deutschland bekannt werde. Noch vor dem ersten Resultat ergriffen Redner in allen Sprachen das Wort und erklärten die große Bedeutung der Reichs- Präsidentenwahl in Deutschland.„Der Kamps geht um den Staat, die deutsche Republik!" so sagte ein Sprecher in Kopenhagen. Selbst in England, wo sonst der„heilige Sonntag" jede Politik am Radio verbietet, erklang eine Stimme...:„Re-vlts ok German Election!" In Spanien verfolgt« man besonders interessiert den Wahlkampf. Dort sagte ein Redner:„Wir wünschen der Demokratie in Deutsch- land einen durchschlagenden Erfolg! Wir, die selbst erst vor kurzem die Fesseln einer Diktatur abgestreift haben, wünschen dem deutschen Volk die Freiheit, also einen Sieg der demokratischen Republik!" Um 18.30 Uhr meldete der Berliner Sprecher als Kuriosität das winzige Resultat der Wahlen von der Zugspitze. Genau drei Minuten später meldete Kopenhagen, Stockholm und Warschau: „Hallo, erstes Resultat... Zugspitze!" In allen Sendern Europas saßen Menschen an Empfängern, die auf Berlin geschaltet waren. hörten von da die Resultate und übersetzten sie sofort, um schon nach drei Minuten in eigener Sprache ins Mikrophon zu melden. Gegen 20 Uhr kamen die ersten wichtigen Wahlzissern. Europa be- gann zu fiebern. Ein unerhörter Nachrichtenkampf begann vor Millionen Hörern in Europa und Amerika. Denn auch die ameri« tanischen Sender hatten einen Sonderdienst eingerichtet. Die Welt hörte auf Berlin. Wenn man am Kondensator des Radioempfängers drehte, dann sprangen im Lautsprecher Städte und Länder vorbei, aber von überall tönten menschliche Stimmen, die dasselbe sprachen. „Hallo London... New Results from Berlin!... Hindenburg 564 000."—„Allo ici Paris,.. Hindenburg. Leipzig 275 000."— „Polskie Radio Warszawa Hindenburg dostaw Berlinie.., 558 000/ —„Kopenhavn-Dänemark. Resultat Stuttgart, Hindenburg 157 000." So klang es in allen Sprachen, in allen Zungen über ganz Europa. In Moskau diktierten besondere Sprecher die Resultate für die Prooinzpresse und versahen diese mit gehässigen Kommentaren der Wut über den mißlungenen„Einbruch" in die sozialdemokratisch« Front. In Kopenhagen mußte der Sprecher die Hörer immer wieder bitten, den Telephonsturm auf den Nachrichtendienst zu unter- brechen. Man werde bestimmt jedes Resultat sofort ins Mikrophon melden. So ging es bis spat in die Nacht. Um 2 Uhr meldete ganz Europa das Ergebnis und man gab zugleich den Kommentar zur Schlappe Hillers. Ueberall stellte man den Sieg über den Faschis- mus fest. Ueberall bedauerte man, daß eine kleine Summe fehle und dadurch ein zweiter Wahlkampf nötig werde. Aber der Sieg der Demokratie sei deshalb nicht kleiner. In den Morgenstunden ging man noch einmal zum Kurzwellen- empfänger und schaltete auf den amerikanischen Sender der NBE. Und da kam eine Stimme über den Ozean und meldete: „Hitler lost the Campaign!*—.Eitler verlor die Schlacht!" (den Kampf). Mit diesen Worten in den Ohren erdete man mit Vergnügen die Antenne... H. G. Das Opfer des Leoparden Oer Maler Oihegraven vor Gericht Ostpreußens von der russischen Okkupation und durch die Schlachten in Polen vom November 1S14 als Rettsr Schlesiens vor dem russischen Einfall da." Als Reichspräsident hat er sich gerade für die östlichen Provinzen immer besonders eingesetzt. Man könnte sogar vielleicht sagen, daß er sie bevorzugt hat. Der Dank ist ihm am 13. März erstattet worden: die Wahlkreise Ost- preußen, Breslau und Liegnitz haben für Hindenburg mit am schlechtesten im ganzen Reiche gewählt. Die Schulkinder müßten jetzt also umlernen:.Lindenburg kann oermelden, was Ostpreußen getan.. Racheakt eines früheren Strafgefangenen. •Der Täter verübt Selbstmord. Srandenburga.d. h„ 15. März.(Eigenbericht.) Aus dem Gute Blauer Hof bei Brandenburg, das der preu- suchen Justizverwaltung gehört und von der Skrasaustalt Brandenburg bewirtschaftet wird, ereignete sich gestern nachmittag eine schwere Bwkiat. Der ehemalige Strafgefangene Alfred Kühnel, der im Juni 1931 nach Oberschöneweid« entlassen worden war, war wieder nach Brandenburg zurückgekehrt. Er ließ sich gestern nachmittag in einer Autodroschk« nach dem Gut fahren und wollte, wie er angab, den Inspektor sprechen. Kühnel traf den Inspektor nicht an und darauf schlug er seinen Weg noch per ehemaligen Gefangenen- borack« ein. Anscheinend hat K. früher auf dem Gute als Straf- gefangener gearbeitet und kannte die Berhältniss«. Auf dem Weg« nach der Baracke traf er die Oberwachtmeiftsr Marx und O p p e r- mann. Diese erkannten den ehemaligen Strafgefangenen an- scheinend wieder uno auf die Frage von Marx, was er hier wolle, zog Kühnel eine Pistole und gab zwei Schüsse auf die Beamten ab. Der eine Schuß traf Marx io die Brult und verletzte ihn schwer, der andere Oppermann in den linken Oberarm. Dann entfernt« sich Kühnel etwa 50 Schritt vom Tatort und tötete sich durch einen Schuß selbst. Die beiden Beamten wurden nach vem Branden- burger Städtischen Krankenhaus gebracht. Das Motiv zur Tat ist nicht bekannt: es wird«in Racheakt vermutet, der wohl zunächst dem Inspektor des Gutes galt. Der Täter hatte zwei Schußwaffen bei sich. 'Wer ist die Geisteskranke? Bor einigen Tagen wurde in Fürstenwalde«ine etwa 30Jahr«alteFrau aufgegriffen, die planlos durch die Straßen irrte. Sie konnte ihren Namen nicht angeben. Sie erzählte immer nur von der Schwedter Straße 21 in Berlin. Die Nach- forfchungen, die die Polizei hier anstellte, waren ergebnislos. Nie- mand wollte die Unbekannte hier kennen. Die Frau ist 1.60 Meter groß, trug ein« helle Strickjacke, blauen Rock uno schwarze Schuhe. Ueber die Kleider hatte sie eine blaugestreifte Trägerschürze. Die offenbar Geisteskranke ist ins Krankenhaus gebracht worden. Per- strnen, die irgendwelche Angaben machen können, werden gebeten, sich bei der Vermißtenzentrale zu melden. Unter großem Andränge des Publikums begann heule früh vor dem Schöfseugerlchi Schöueberg unter Vorsitz von Land. gerichksdireklor Mensel die Verhandlung gegen den Luustmaler und Ab rschuugsrei senden Hugo v. Oihegraven. der sich wegen der Biullal seines Leoparden Ranosch zu oerantworken hat. Bekanntlich wurde am 22. Januar von dem Leoparden das' zweijährige Töchterchen Erika der Portierlsuts Scharries im Hause j Kaiserallee 98, als die Mutter nnt dem Kinde auf dem Arm die Wohnung des Angeklagten betrat, angefallen und derartig zerfleischt, daß die bedauernswerte Klein« an- den Verletzungen oerstarb. Di« »Mutter ist in Diesem Prozeß als Nebenklägerin zugelaflen. Die Anklage blutet' auf fahrlässige Tötung und fahrläfsige Körperverletzung, sowie serner auf Uebertretung. weil der Angeklagte ohne polizeiliche Erlaubnis ein gefährliches wildes Tier gehalten hat. Der eigentliche Schuldig« bei diesem tragischen Vorgang, der Leopard Nanosch, fft inzwischen bekanntlich durch eine Polizei* kugel getötet worden. Sein Fell, an dem sich der Kopf mit dem Gebiß befindet, liegt ausgebreitet auf der Anklagebank. Der Angeklagte Oihegraven schildert auf Befragen des Vor- sitzenden aussührlich seinen ständigen Wohnungswechsel und seinen hartnäckigen Kampf mit der Polizei. Von der Münchener Straße ging es zur Speyerer Straße, von hier zur Horden- bergstraße, dann nach Treptow und schließlich nach der Kaiserallee. wo das Unglück geschah. Bald waren es die Mieter, die nicht mit einem wilden Tier zusammenleben wollten, bald hatte der Hauseigentümer an Nanosch etwas auszusetzen und in der Hardenbergstraße war es die Polizei, die das Verbleiben des Leoparden in Charlottenburg nicht dulden wollte. Oihegraven hatte nach seiner Rückkehr nach Deutschland im November 1929 bei der Polizei um Erlaubnis nachgesucht, das Tier in seiner Wohnung zu behalten. Es wurde ihm nicht gestattet, er wandte sich an das Polizeipräsidium, schließlich auch an das Ministerium des Innern. Es wurde ihm die Erlaubnis erteilt, das Tier bis zu seiner Abfahrt nach Afrika, die im Mar 1930 erfolgen sollte, gefesselt bei sich zu belassen. O. blieb aber in Berlin, die Kontrollen, die die Polizel- reoier« bei ihm durchführten, fielen in der Regel für ihn ungünstig aus, das Tier lief ungefeffelt in seinem Zimmer herum, auch. der sichere Käfig, den er auf Veranlassung der Polizei beschafft hatte, stand meist unbenutzt da Es wurde O. ein Zwangsgeld in Höhe von 150 M angedroht und die Tötung des Tieres dazu. Auch das machte tnen Eindruck onl ihn. Der Angeklagte schildert Nanosch als vo ommen zahm. nur konnte er Kl n der nicht sterben,«ine Eigenschaft, die er, wie der Angeklagte sagt, auch mtt anderen Raubtieren und sogar Mtt Hunden teile. Jedesmal, wenn Frau Scharries mit der kleinen Erika das Zimmer betrat, äugte Nanosch unruhig zum Kinde hin. Oihegraven will au, diesem Grunde Frau Scharrics gewarnt haben. das Zimmer mtt dem Küche zu betreten. Frau Scharries habe aber gemeint, Nanosch scheine sich ja schon an die kleine Erika gewöhnt zu haben. Dann geschah am 29. Januar dieses Jahres das Unglück, das der kleinen Erika das Leben tosten sollte. Frau S ch a r r i e s betrat mit dem Kinde auf dem Arm dos Zinrmer. Der Leopard riß sich von der Leine los— die Tür zum Käfig stand offen—, sprang auf das Kind zu, die Mutter ließ das Kind zu Boden fallen und schrie um Hilfe. Oihegraven versuchte Nanosch z-urückzureißen, es gelang ihm nicht. Herr Scharries lief mtt einem Hammer herbei, er riß ihm den Hammer aus der Hand und schlug damtt auf Nanosch ein. Dieser verlor dabei einen Zahn. Die wetteren Umstände sind bekannt. Dr. Mahnholz schildert die Todesursache. Nanosch hatte der kleinen Erika die Schlagader am Halse eingerissen. Als erst« Zeugin wird die unglückliche Mutter ver- nommen. Sie bestätigt, daß der Angeklagte sie darauf aufmerksam gemacht hatte, daß der Leopard Kinder nicht liebe. Er habe ihr aber nicht direkt �erboten, mit der Kleinen ins Zimmer zu kommen. Aazi-Theater im Krematorium. Am Montagabend um 18 Uhr wurde im Krematorium Gericht- straße ein Nationalsozialist eingeäschert. Die Trauerfeier glich einer nationlsozialistischen Propagandaversammlung. Am Sarge sprach ew i Hakenkreuzpastor. Er deklamierte:„Der uns von Gott ge- schickte Hitler, der das Deutsche Reich von dem jetzigen Uebel befreien soll." Nach ihm schimpfte ein Postinspektor gegen das| „System". Als ein SA.-Mann auerief:„Das Dritte Reich kommt!" erfolgte ein Zuruf aus der Trauerversammlung:„Na, ab- warten!" Bei Nazitrauerfeiern scheint es demnach sehr heiter zuzugehen!__ Osterverkehr bei der Reichspost. Gedruckte einfache Osterkarten, die in Größe, Form und Papierstärke den Bestimmungen für Postkarten entsprechen und ohne Umschlag versandt werden, unterliegen einer ermäßigten Gebühr. In diesen Karten dürfen außer den sogenannten Ab- senderangaben(Absendungstag, Name, Stand und Wohnort nebst ».Wohnung des Absenders) noch weitere fünf Wörter, die mtt dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen. Hand- schriftlich hinzugefügt werden. Als solche zulässigen Nachtragungen gelten z. B die üblichen Zusätze„sendet",„Ihre",„Dein Freund", „sendet Dir",„sendet mit besten Grüßen Ihre" usw. Die Gebühr beträgt sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch im inner- deutschen Fernverkehr sowie im Verkehr mit der Freien Stadt Danzig. Litauen und Memelgebiet, Luxemburg und Oesterreich für einfache Karten(ohne Umschlag versandt) 3 Pf., für Karten im offenen Umschlag bis 20 Gramm 4 Pf. Zur Vermeidung von Anhäufungen und Verzögerungen emp- fiehlt es sich, die Osterp akete und-Päckchen möglichst früh- zeitig aufzuliefern, sie gut zu verpacken, die Aufschrift haltbar an- zubringen und den Bestimmungsort besonders groß und kräftig niederzuschreiben Auf dem Paket und Päckchen muß die vollständige Anschrift des Absenders angegeben und in das Paket ein Doppel der Aufschrift gelegt werden. In den Päckchen sind etwaige Hohlräume mit Holzwolle usw. auszufüllen, damit die Sendungen bei der Beförderung in Säcken und beim Stapeln nicht eingedrückt werden. Sie müssen deutlich als„Briefpäckchen" oder„Päckchen" gekenn- zeichnet sein. In diesem Jahre werden zum ersten Mole Ostergruß. telegramme mtt feststehenden Textfassungen zu ermäßigter Ge- bühr nach den Vereinigten Staaten von Amerika und nach Kanada über die Kabel» und Funkwege sowie nach Mexiko über den Funk- weg zugelassen. Die Telegramm« können in der Zett vom 19. br» 28. März einschl. aufgeliefert werden. Der Absender hat die Mög- lichkett, den gewünschten Text unter einer größeren Zahl pon Fassungen auszuwählen und dabei zu bestimmen, in welcher der zu- gelassenen Sprachen(deutsch, französisch, englilch, nach Mexiko außer- dem spanisch)' das Telegramm für den Empfänger ausgefertigt werden soll. Ernst Obst gestorben. Unerbittlich reißt der Schnitter Tod Lücken in di« Reihen der I allen Garde. Am Sonnabendabend 6 Uhr starb kurz vor Vollendung � seines 71. Lebensjahres Genosse E r n st O b st. 1887 kam der | junge Obst nach Berlin— im gleichen Jahre wüter« das Ausnahme- . gesetz. Er war in der Lokalorganisation der Zimmerer tätig und wurde später der Mübegründer und Vorsitzende des Zsntralverbandes j der Zimmerer Berlins. 1891 begann sein Wirken in der Partei. Von i 1897 bis 1928 war er ununterbrochen Gsmeindeoertreter. Stadtver- ! ordneter und B-zirksvervrdneter in S ch ö n e b e r a. Im Reichstag«. ! Wahlkreis Friedeberg-Arnswalds kandidierte Ernst Obst gegen die � Antisemiten Ahlwardt und Bruhn. Mtt großen persönlichen und , materiellen Opfern hat Ernst Obst seinen schwrerigen Wahlkreis be- ' ackert. 1895 gründete er die Freie Gastwirtevereinigung. deren Vor- i sitzender er längere Zeit war. 1904 wurde er in den Hauptvorstand des Gastwirtevsrbandes Berlin gewählt. Ernst Obst, der von Berus Zimmerer war, wurde auf Drängen seiner Parteifreunde Gastwirt. Der kleinen, aber, eifrigen Parteiorganisatton in Schöneberg, die keinerlei Lokale halle, schuf er damtt einen kleinen Versammlungs. 1 räum in der Grunewaldstr. 110. 1900 baute Ernst O' st unter großen Opfern den Schönederger Genossen das Haus in.er Martin- Luther-Stroße 69, und gab damit der Schönc/rrger Arbetter- bewegung einen Versammlungssaal und ein ParteUo'all In schwer» srer Zett war Obst ein allzeit hilfsbereiter und treuer Mttkämpfer für den Sozialismus. Bis an sein Ende blieb er der schli te Proletarier, dessen Wirken für die Partei unv-rgesfen bleibt. D Ei nasche- r u n g findet am Mittwoch, dem 16. März, 19 Uhr, im Kremotoruim Wilmersdorf. Berliner Straße, statt. Im Schiller-Theater geben Freltaa„Die Geschwister" von Soetb« neueinstudiert m Szene, Hieraus foigi die LS. Lufsübruna der„Mit, i S u l d i a«»". Die Diktatur des Schundromans Was eine Llniersuchung feststellte Zu den wichtigsten erzicherischen Ausgaben der Mutter gehört l bie Ueberwachung des Lesestoffs ihrer Kinder. Bekanntlich erwacht'• mit dem Beginn der Pubertät sowohl bei Jungens als auch bei! Mädchen ein wahrer Heißhunger nach Lektüre, und die Folge ist. daß sich die jungen Menschen wahllos auf olles Lesbare stürzen. Nun ist es keineswegs so, daß, wie manche Pädagogen und Jugend- erzieher uns glauben machen wollen, schlechte Lektüre die Ursache schlechter Taten ist, wobei nicht geleugnet werden soll, daß ein miserables Buch und ein Kriminalfilm schon Vorbilder für Per- j brechen Jugendlicher waren. Aber die Beschäftigung mst minder-, wertiger Literatur verhindert die Jungen- und Mädchen in diesem lesewütigen Alter, sich mit guten Büchern zu befassen, und schaltet damit ein wesentliches Moment der Blldung bei diesen noch un- verbildeten und aufnahm, fähigen Gehirnen aus. Wer als Kind und als heranwachsender Mensch zu den Roten Falken oder zur SAJ. kommt, ist dieser Gefahr nicht so sehr ausgesetzt, weil die kleinen Büchereien, die sich die Ortsgruppen eingerichtet haben, stets nach proletarischen lwd sozialistischen Gesichtspunkten ausgesucht sind, das gute Beispiel der Jugendgenossen wirkt und die Notwendigkeit, sich zur Borbereitung für Diskussionen mit anständiger Lektüre zu befassen, verhindert, daß die freie Zeit nicht durch schädliche Mach- werke vergeudet wird. Die nicht organisierte Jugend hat heute auch in den Büchereien der Schulen Gelegenhest, an guten Lesestoff heranzukommen, ganz abgesehen davon, daß im allgemeinen infolge des Sports schon weniger gelesen wird. In welchem Ausmaß sich trotzdem noch schlechte und für dieses Alter ungeeignete Lektüre in den Händen Jugendlichen befindet, hat eine Umfrage festgestellt, die vor einiger Zeit von den Landesjugendämtern und ver- schiedenen Organisationen der Jugendpflege und Jugendfürsorge gemacht wurde. Zuerst einmal darf man auf die Frage:„Was liest unser« Jugend?" antworten: Alles! Alles, was ihr In die Finger kommt, vom Zeitungsroman bis zum Groschenheftchen, von Goethe bis Sarassani. find zwar gilt das für das ganze deutsche Reichs- gebiet. Di« Größe des Wohnortes oder die Landesgegend spielt gar keine Rolle. Ob das nun Bolksschüler oder Lehrlinge, höhere Mädchen oder junge Gutsknechte, Gymnasiasten oder junge Arbeiter sind, alle lesen Kasselbe, Witzblätter und Räubergeschichten, Ehegeschichten, Gerichts- berichte, 5iriminalrvmene fFrank Allan, Nick Carter. Sherlock Holmes, Nat Pinkerton), Bücher der Mädchenhändler(„Aus dunklen Häusern Belgiens"), Schauerromane(..13 Jahre Liebe und Ehe im Felsengrab"), oder Bücher der Aufklärung(„Gcheimnisie des Er- folges in Damengesellschaft"). Alle Mersklasien lesen alles, die älteren von 14 Jahren aufwärts auch anrüchige Lektüre. Was nun die Resultate betrifft, so sei zuerst einmal das Ergebnis einer Mädchsnvolksfchule in einem Arbeiterviertel wiedergegeben, und zwar einer Klaffe, der Mädchen im Aster von 14 bis 15 Jahren angehören. Diese 36 Mädchen hatten insgesamt 532 Bücher als gelesen namhaft gemacht, unter denen die reinen Mädchenbücher mst 178 Exemplaren bei westem den größten Raum einnahmen, während die sogenannten Schmachtromane mit 78 Büchern an zwester Stell« stehen. Mst 50 und 49 Exemplaren folgen gute Jugendschriften und Zeitungsromane. Immer und immer wieder bekommen die Lehrer die Antwort zu Hörem...... „Ich lese alles was Mutter liest."-. Naturkunde und Bücher dxr Weltanschauung, sind jeweils nur einmal erwähnt. Aufklärungslsteratur nur zweimal, aber hier ist sicher geschwindelt worden, denn jeder Lehrer weiß, daß gerade diese Lektüre außerordentlich stark in allen Mädchenschulen verbreitet ist. Wenn man die 12 Nennungen der Kolportage- romane dem ausgesprochen schlechten Roman zuzählen will, dann steht die Schundliteratur an dritter Stell» hinter den Mädchenschristen und den Schundromanen, und diese Beobachtung kann man überall machen. Sehen wir uns nun eine Knaben- klaffe an, und zwar eine Vostsfchulklasie von Jungens im gleichen Aster wie die oben erwähnten Mädchen. Genannt wurden 985 Buch- tstel. Darunter waren vertreten: 170 Märchen, 127 Abenteuer- romane, 112 Kinderbücher, 90 Jndianergefchichten, ebenso viele Räubergeschichten, 70 Tiergeschichten, ebenso viele Erzählungen, je 50 Sagen und Romane. 15 Liebesgeschichten, 11 Klassiker und eine religiöse Schrift. Will man wissen, was die Kinder wirklich lesen, so braucht man sich nur die Tstel der Bücher anzusehen. In einer Mädchenschulklajse wurden die Romane„T r o tz k ö p f ch e n".„Ellernhaus" und„Nest- Häkchen" je 15mal. in einer anderen Klasie wurden„Trotzköpfchen" 17mal,„Herzblättchens Zeitvertreib" ISrnat und„Nesthäkchen" 12mal genannt. Alles andere trat dahinter zurück. Bei den Knaben spielle die F r a n k- A l l a n- S e r i e die überragende Rolle. Keine Masse, in der diese Kriminalserie nicht an erster Stelle stände. Interessant ist, was die Kinder sich in den Zestungen aussuchen. 70 Schüler im Aller von 16 bis 18 Jahren hatten 404 Rubriken namhaft gemacht. An erster Stelle stand Neues aus aller Welt mit 57 Nennungen, dann folgten 50mal Sportnachrichten, 35 Romane, 29 Tagesnachrichten. 28mal Feuilleton, 26 mal Gerichtssaalberichte. 22 politische Nachrichten, 19mal Humoristische Ecke. 18mal Dergnü- gungsanzeigen, 17mal der Wetterbericht(für die Sonntagsaus- flüge!), 13mal Kleine Anzeigen. Alles andere folgt in weitem Abstand. Daß die ausgesprochene Schundliteratur eine viel größere Rolle spielt, als angenommen wird oder aus diesen Tabellen hervor- geht, ist überall bekannt. Ein Siebzehnjähriger gab an, daß er 17 Schundhefte besitze und weitere 34 verliehen habe. Dieser junge Mann lebt in einem Dorfe mit 800 Einwohnern. Ein Lehrer einer westdeutschen Stadt teilte mit, daß drei seiner Schüler im Aller von 13 Jahren innerhalb weniger Monate 134 Hefte zu je 30 Pf. gekauft hätten. Daß die Hefte in der ganzen Klasie zirkulieren, ist Ehrensache. Da lesen die Jungen? denn„Heimlich getraut, oder die Privatsetretärin des Eisenbahnkönigs".„Die Pestelprinzeß, oder der bittere Leidensweg eines verzweifellen Mädchenherzens",„Unschuldig im Irrenhaus" und ähnlichen Unsinn. Ein Heft mtt dem Titel„Aus den Erlebnissen eines Frauenarztes" wurde in einem süddeutschen Gymnasium nicht weniger als 16mal aufgeführt. In einer Fach- schule für Weber und Schlosser haben 70 Lehrlinge 46mal Schund- literatur, 2mal Aufklärungsschriften und 51 Fachschristen für den eigenen Beruf angegeben. Eine große Rolle spielt das Geld. Werte, die in billigen Volts- ausgaben zu haben sind, zum Teil sogar in Heftchen, werden stark gekauft. Diese Zahlen zeigen eindringlich, von welchem Wert die Beein- flussiung der jungen Menschen in bezug auf ihre Lektüre ist, und daß gerade die Mutter dazu berufen ist, hier Aufsicht zu üben. Eva Schneider. Max Reinhardt hat Shaw« neuest« Komödie„Zuwahrumschöu zu sein" zur deutschen Uraufführung angenommen. „Die Pfarrhauzkomödie" von Heinrich Lautensack gelangt Mittwoch im Theater in derKlosterstraße zur Erstaufführung. Im Museum, für Naturkunde sprechen Mittwoch. 6 Uhr. Pros. Ramme: „M u s i k a n re y s.m I n s e k t e n r« i ch"! S Uhr, Dr. Pohle:„P elzwerk und Pekzliesetanten". Sonderausstellung: Die Bogel- weit von Celebe«. Eintrstt'frei. „Darandat" und„Parfisal" in der Städtischen Oper. Am 20. März wird Vuccinis„Tu r anbot" nach einjähriger Unterbrechung w»ener musikalischer. Estiltudierung wieder rn den Spielplan aufgetuunmen. Die !it:lrolle sii--" Tittlrolle singt Maria 97 e m e t h. Ferner erscheint der„B a r s i f a l" neueinstndiert am Karfreitag wieder im Repertoire. Das Werk wird Oster- sonnabend und Ostersonntag wiederholt. Der Borverkans für die Osterseiertage beginnt am 13. März. Klsmperer und Watter. Die Aufführung der Matthäus-Passion durch den Philharmonischen Chor unter K l e m p e r e r in der Urfassung, ohne die üblichen Striche und Kürzungen also, erbrachte den Beweis, daß das ungeheure Werk— dem ohnehin nur ein Publikum wird nahe- kommen können, das sich in seine Herrlichkeit versenkt, ohne sich der Dauer bewußt zu werden oder gar die Minuten zu zählen— auf diese Weise viel ausgeglichener, abgerundeter, vollkommener und dadurch auch verständlicher wird. Was zu erwarten war, da es ein reichlich aussichtloses Unterfangen bleiben wird, Johann Sebastian Bach verändert oder gar verbessern zu wollen. Klemperer gelang es, all das Verschiedene und Vielfältige in prachtvolle Ein- hettlichkest zu gestatten und einen geschlossenen Gesamteindruck voll dramatischer Wucht und Größe zu erzwingen. All das für seinen persönlichen Stil Charakteristische: das unpathetisch Starre, das farblos Plastische, das rein Lineare, oft geradezu Holzschnillartige war hier als Wiedergabestil ganz an seinem Ort; so wurde es eine Passtonsaufführung, die jede Erinnerung an durchschnittliche Gesangs- und Oratorienvereine verwischte, eine Aufführung ohne end- lose Fermaten, ohne epische Breite und Gefühlslosigkeit— dafür aber voll Klarhett, Kraft und Konzentration. Der Philharmonische Chor war ausgezeichnet geschult lmd ganz auf der Höhe(was vom Philharmonischen Orchester mcht behauptet werden kann). Die hauptsächlichsten Solisten waren Adelheid A r n h o l d, Inga T o r s h o f, Julius P a tz a t und Heinrich Rehkemper, herrlich alle vier in der Vereinzelung wie im Zusammenklingen der Stimmen. Von einer triumphalen Amerikareise zurückgekehrt, stand Bruno Walter wieder an der Spitze des Philhannonischen Orchesters. Er begann mit der Egmont-Ouvertüre und schloß mit Tschaikowskys „Pathetique", die er mit einer selbst für ihn unheimlichen Birtuosi- tät und spielerischen Bravour dirigierte. Zwischen diesen berühmten Stützen des Konzertlebens sang Maria I v o g ü n Lieder und Arien von Mozart— wie nur sie es kann, mtt all chrer einzigartigen Anmut, einzigartigen Technik—, sowie die Singstimme im letzten Satz der Suite, die Ernst K r e n e k aus seiner Musik zu Goeches „Triumph der Empfindsamkeit" zusammengestellt hat. Möglicher- weise ist diese Musik im Theater wirksam. Im Konzertsaal wirkt sie blaß und farblos, ohne viel Daseinsberechtigung als absolute, als Musik an sich, ohne Kraft, sogar ohne Kraft der Parodie. A. W. Neuordnung der Filmkammern beim Zeniralinstiiut. Der Minister für Wissenschast, Kunst und Volksbildung hat im Einvernehmen mtt dem Hauptausschuß für das Lichtbildwesen, in dem außer einigen Sachverständigen die nächstbeteiligten Reichsund preußischen Ministerien vertreten sind, eine neue Geschäfts- ordnung für die Filmkammern erlassen. Diese Geschäftsordnung sieht als wichtige Neuerung, ent- sprechend vielfach geäußerten Wünschen, vor, daß die Gutachten der Filmkammern auf Antrag überprüft werden können. fim den berechtigten Bedenken gegen zwei unabhängig von- einander tätigen Instanzen zu begegnen, ist folgende Regelung ge- troffen. Auf Antrag wird eine zweite Begutachtung vorgenommen. aber nicht von einem anderen, sondern von demselben Gremium, bestehend aus dem Vorsitzenden und vier Beisitzern, das durch Hin- Zuziehung von vier wetteren Beisitzern erwettert wird. Die„Große Filmkammer" kann außer von dem Filmproduzenten oder Verleiher auch von Amts wegen überprüft werden. Diese Entscheidung ist endgültig. Die Neuregelung ttitt am 1. April d. I. in Kraft. Zum selken Zeitpunkt wird die Zahl der in den FUmkammery tätigen Gutachter beschränkt, damit die Heranziehung des einzelnen Gutachters reget-' mäßiger und häufiger erfolgt und so die Durchführung einer ein- hettlichen Spruchpraxis erleichtert wird. spricht nicht, wie dein Dr. I. St. (Schmnannstr. 21).. Wird sich Berlin nun doch für Qualität entscheiden?? . � t-i|! 1» iVi ■'* V,' WWV m M ' K UZ-;' ***"' 40£}" MM ■; K L wm M« I. In den Schaufenstern dieses Hauses finden Sie die Ausstellung zum Preisaussdrreiben Audi auf Ihre Stimme kommt es an- die vielleicht die Entscheidung bringt! Insges. 2000 Mark für IHREN Schiedsspruch Wir wollen erkunden, ob Berlin noch Qualitätsgefühl hat: In 3 bezeichneten Schaufenstern des Leineweber-Hauses, Berlin C, Köllnischer Fischmarkt, haben wir je 6 Modelle in verschiedenen Preisstufen ausgestellt... und zwar: 1. Herren-Anzüge, 2. Herren- Mäntel, 3. Damen-Mäntel. Unbeeinflußt sollen Sie wählen, welchem Modell in jeder Kategorie Sie ohne Kenntnis des Preises den Vorzug geben würden— welches in Form, Schnitt und Stoff Ihrem Geschmack entspricht!— Damit Sie Ihre Entscheidung aber noch genauer treffen können, sind die gleichen Modelle im Lichthof, Köllnischer Fischmarkt, zur unverbindlichen Besichtigung ausgestellt.— Sie können also hier ganz aus der Nähe auch den Stoff und die Verarbeitung prüfen!— Also besichtigen Sie noch heute die Ausstellung in den Schaufenstern und in dem Lichthof der Firma Bernward Leineweber, Berlin C, Köllnischer Fischmarkt.— Dort erhalten Sie auch kostenlos und unverbindlich die Beteiligungsscheine zum großen Leineweber- Preisausschreiben „Welchen würden Sie wählen??" 20 Spezial- Geschäfte in einem Haus- das ist L EIN. EWE'BEX das Haus- das Jeden anzieht- Ber lin C- Köllnischer Fischmarkt TORSeULm SERUM TM, Angestellie und Versorgungsanwarter. EnZscheiöung des Reichsarbeitsgerichts. Der Gesamtvcrband veröffentlicht eine Entscheidung des Reichs- arbeitsgerichtes, die dazu geeignet ist, das bisher schon kümmerliche Recht der Angestellten bei Behörden und bei Körperschasten öfsent- lichen Rechtes noch weiter zu beschneiden. Die Entscheidung verdient deswegen besonderes Interesse, weil man in Regierungskreisen sich mit der Absicht trägt, vom l. April 1332 ab die Bersorgungs- anwärter.auch in die Sozialversicherung hinein- zunehmen. Ein s e i t 1 9 2 S beschäftigter Angestellter einer Stadtverwaltung wurde gekündigt, weil der Arbeilsplah mit einem Beamten beseht werden sollte. Der Angestellte focht die Eni- lasiung mit der Feststellung an, daß der Z 92 der Anstellungsgrund- fätze oerletzt sei, wonach Angestellte ohne Versorgungsschein, die sich zur Zeit des Inkrafttretens des zweiten Teiles der Anstellungsgrund- sätze in Stellen befinden, die den Versorgungsanwärtcrn nach dem zweiten Teil der Angestelltengrundsätze vorbehalten sind, nicht ent- lassen werden dürfen, um Versorgungsanwärte'' einzustellen." Das Arbeitsgericht gab dem Kläger recht. Das Landesarbeitsgericht wies die Klage ab und das Reichsgericht hat das abweisende Urteil mit folgender Haupt- sächlicher Begründung b e st ä t i g t: „Die Beklagte hat dem Kläger gekündigt, um seinen Arbeits- platz mit dem Versorgungsanwärter S. zu besetzen. Hätte die Be- klagte S. als Ange st eilten auf Privatdien st vertrag eingestellt, so würde der vom Kläger angerufene§ 92 der AnGr. in der Tat eingreifen. Der Berufungsrichter ist zur Abweisung der Klage gelangt. Er nimmt in erster Linie an, die Stelle, die der Kläger bekleidete, sei schon zuvor eine Beamten st elle gewesen. Die Verwendung des Klägers habe deshalb von Anfang an nicht in Einklang mit den Anstellungsgrundsätzen gestanden. In zweiter Linie schlage der Z 92 zugunsten des Klägers nicht durch, nachdem die Kündigung erfolgt sei, um den Versor- gungsanwärter als Beamten einzustellen. Das Gesetz vom 25. Juli 1925 habe das Wehrmachtsversorgungsgesetz dahin abgeändert, daß den Inhabern des Zivildicnstscheines nicht nur Beamten stellen, sondern in gewissem Umfange auch Ange- stelltenstellen vorbehalten wurden. Dem habe der Reichstag nur zu- gestimmt, falls diejenigen Angestellten, die zur Zeit des Inkraft- tretens der 3. Ergänzung der AGr. sich in derartigen Stellen befanden. Schutz dagegen erhielten, daß sie nicht gekündigt würden. um Versorgungsanwärtern Platz zu machen. Dieses Schutzes habe es nur bedurft, soweit die Versorgungsanwärter auf Prioatdienst- vertrag in Angestelltenstellen eingewiesen werden sollten. Sie auch dagegen zu schützen, daß möglicherweise ihre Stellen in Beamten- stellen umgewandelt und dann mit Beamten besetzt werden würden, habe die neue Fassung der Angestelltengrundsätze nicht bezweckt. Diese Gefahr habe schon vor der Neufassung bestanden, ohne daß ein Schutz dagegen vorgesehen wäre. Das Gesetz hat nun einmal die bevorzugte Berücksichtigung von Ver- sorgungsanwärtern die früher nur auf gewisse Beamten- stellen beschränkt waren, seit 1926 auch für gewisse Ange- st e l l t e n st e l l e n gewollt. Daß daraus für diejenigen Nachteile entstehen mußten, die nicht zu den Versorgungsanwärtern gehörten, war unausbleiblich. Die hieraus sich ergebenden sicherlich bedauer- lichen Härten können also nicht zur Auslegung der gesetzlichen Be- stimmungen herangezogen werden." Kurzarbeit-Oifferenzen im Ruhrbergbau. Auf einer Reihe von Ruhrzechen schweben zur Zeit Diffe- renzen zwischen den Arbeitgebern und den Angestellten wegen Kurzarbeit. Der Zechenoerband lehnte Verhandlungen vor den tariflichen Schlichtung-instanzen ab, weil es sich nicht um eine grund- sätzliche Tariffrage, sondern um eine Rechtsfrage handle, die vor dem Arbeitsgericht geklärt werden könne. Heute, Dienstag, wird unter dem Vorsitz des Schlichters über den Abschluß eines Kurz- arbeitsabkommens verhandelt werden. yffTTTTV«711 lr», /OH rr»._ jtttTTr\ 1 1 ,,rv � Generalstreik in polen? Morgen soll er beginnen. Warschau, 15. März. Der für den 16. März angekündigte Generalstreik in Polen dürfte infolge Uneinigkeit unter den Gewerkschaften zum größten Teile abgeblasen werden. Es ist jedoch nicht ausgeschlosien, daß die Arbeiter und Privatangestellten, die den sozialistischen und kommu- nistischen Gewerkschaften angehören, in den Streik treten werden. Die Gemeinde- und Staatsbeamten werden sich der Streikbewegung nicht anschließen. Die TU.-Meldung widerspricht sich. Die Befolgung der General- streikparole bleibt daher abzuwarten. bttat» rueat« vievatag. den 15. Kfirz staatsoper unter cen Linden iq'.j um Die Geisha itaatütepiellm lendarraenmarkl 20 Uhr Clavigo iMiller-Theater Charlotteubur- 20 Uhr Ein besserer kierr GR.SCHAÜSPIELllAUSTägl.SÜ.■ j_ Nor noch 3 Wocnen H plAZa Nih. Schlei. Bh(. («1415, Stis.2.5, 8150. (Tel.: E7Wilduel4S}1 �Frlederlhe" Der deutsche Stillhalteausschuß hat die ausländischen Stillhalte- partner ein Schreiben gerichtet mit dem Ersuchen, eine den inter- nationalen Diskontermähigungen entsprechende Zinsverbilli- gung durchzuführen. Die deutsche Roheisengewianunq hat sich im Februar weiter etwas verringert. Die orbeitstägliche Erzeugung ist von 358 389 Tonnen im Januar auf 336 120 Tonnen im Februar gesunken. Wetter für Berlin: Heiter, nachts leichter Frost, Tagestemperatur rasch ansteigend, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im Nordosten Beruhigung, im übrigen Reiche beständiges Wetter mit Nachtfrösten. ZlSM.oper Charlotienburi! ßismarcksttaße 14 Diens'ag., IS. Mär? Turnus II Anfane 20 ht Fidelio Bindcraagel,Fidcsser. Rode.Hüscfa.Bauinau Ende 23 Uhr Vcrantwortl. für die RedaNion: Aich. Bernstein, Berlin: Anzeigen: Tl>. Blocke Berlin Berlag: Vorwärts Verlag/; Täglich 5. 7, 9 Uhr i IVO II stgs 3 Uhr: Jugendvorstell Berliner Str. 97. 2 Tonfilme: Fnter fal»ch. Flagrjre mit G. Fröhlich— Hochstapler aus Liebe > Wukdllw M Mercedes-Palast Hermannstr. 212 Durchlaucht amüsiert»Ich mit G, Alexander. L. Beyer»— Leberfall auf die nexlkopost mit R. Talmad�e Primus-Palast sLÄsu! Am Hermannplalz. Urtanslr TL 76 Einer Frau mnß man alle» verzeihen mit Fritz Schulz, Puudler— Belprogrramm— Bühne; Lotte Werkmeister Kukuk Wochent. 8.30, 9 Uhr Sonntgs. 3, 5, 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 l ügen auf Bügen mit Maria htolveg, Vfallburg, Roberts— Tonbeiprogramm Wocht 6.30. 9 Uhr LtXCelSlO r Sonnt. 3, 5.7, 9Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Der Stola der 3. Kompagnie mit H. Rühmann— Bühnenschau— Orchester Stern, Hermannstraße 49 Wocht. 6.30, 9 ü.. Stg. 3.30. 6.30, 9 U. Tonlustspiel: Schofför Anlolnette mit Charl. Ander— i Stande Varietö— Stern Dreheste» Luisen-Theater Reichcnberger Str. 24. Lui»c, Königin von Preußen mit Hcnny Porten Ferner: Der Plleffcr von Kalifornien mit William Hoyd Jugendlich« haben Zutrittl Stella-Palast sLt�uhr Köpenicker Straß« 12—14 Bühnengaslspiel: Otto Kermbach mit seiner Musik-Revue Im Filmteil: Drei von der Stempelstelle (Drei gehen nicht untör) Fritz Kamper» am Dienstag in beiden Vorstellungen persönlich anwesend Jugendliche haben Zutritt Deatsch-Amerik. Theater KOpenickcr Str. CS Woch. 4.30 Uhr, Slg. Vj3 fug.- Vorst. Der Hochtourist mit O. Dali bürg— Eine\arlil im Grand- Motel mit M. Eggcrth Neue Philharmonie Köpenicker Str. 96. Kohlhle»el» Töchter m. Hcnny Porten, Fritz Kamper«— Ton woche— Hfibncnschau Lichtspielhaas vsm I uhr Baumscbulenw 78 Stg. 2U.: Jug�V. Giebcskommando mit D. Maas. G. Fröhlich— Tonwocho— Tonhciprogr. Jugendlirhe Zutritt Flora-Lichtspiele Täglich 5.30, 7. 8.30, Stgs. ab 3 Uhr: Mein Freund, der Milllonftr, m. H. Thlmig— Frauen In Gefahr mit L,. Haid ■ 0't*n» Germania-Palast sTg0'.6� u Frankfurter Alice 314 I. Buster Keaton spricht deutsch in dem Tonluslspicl: Casanova wider Willen II. Der große Scxual-Aufklärungsfilra Hygrlcnc der Ehe Die sexuelle Frage mit ärztlichem Einleilungsvortrag Luna-Palast sN-hsubr Gr. Frankfurter Sir 121 Fonwoche 2 Großlonfilme: Der Geheimagent mit Harry Fiel— Drei von der Htempelstelle mit Fr. Kamper« Schwarzer Adler an"1» W. 5. 7. ca. S Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Großtonfilm: Der gewaltige Trader Horn— Gr. Tonbeiprogramm — Bühnenschau Viktoria-Theater s�ou5 Frankfurter Allee 48 Schön Ist die Hanöverzeit— Das neueste große Tonkabarett Treptow-Sternwarte Mitln-öch, 8 Uhr, Donnerstag, 8 Uhr; Tabu(Der lelile SOdsecfilm Mamaus) Frankenbarg Böhne Gr Frankfurter Sir 74 W. 5. 7. 9 U. S. 3 ü.: Jugendvorst 2 himmelblaue Augen mit€h. Ander, II. Thlmig— Belprogr. Tonwocho— Bühnenschau W""TTT�Tr um Babylon, am Bälowplatz W. 5 Uhr Stg. 2.30 Uhr; Jug.-V. Ausstaltungs-Revue: Hallo 1932 Anton Profeo und 12 Jaaz- komödluntcn. F. Tachaucr konferiert. 30 Mitwirkende Tonfilm in deutscher Sprache: Manu fiber Bord mit George Bancroft, William Boyd Kosmos-Lichtspiele Lückstr"0 Tägl. 6. ca.. 7, 8.45 U. Der große SevnaUilnj: Liebe ein XaturgcoetzT— Der brave Sstnder mit Max Pallcnberg Weißcnsee f/y, Wochent. 7 n*11" narmonie sonm 5. 7. 9 u. Langhansstr 23 3 Tonfilme: Marys Start in die Ehe m. Jenny Jugo. U. Thlmig — Bobby geht los m. II Fiel > Frlcdrichglelddia Frl., Sbd., Stg ab 5, Ar/IO DUSCn SOnsi Beginn 6 Uhr Alt-Friedrichsfelde 3 Der Ball bei Raffkes mit Dolly Haas, Schänzel— Tonwoche — Gr. Tonbeiprogramm ■ Nordaw■ Alhambra W. 5, 7, 9 Uhr Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Mein Freund, der Millionär m. II Thlmig— Viktoria und ihr Husar mit Michael Bohnen, Friede! Schuster Pharas-Licktspiele Müllcrstr. 112 Täglich 5. 7. fl U. 2 Großlonfilme: Holzapfel welB alles mit Fell* Brcssart. Gretl Theimer— Madame hat Ausgang mit Liane Haid g Wlnlcke>MgorP-0»t W Beba-Lichtspiele Residenzstr. 124 W 6.45 u. 8.45 Uhr Slg. 5. 7. 9 Uhr 3 Uhr: Jugend vorst. Der lächelnde Leutnant mit M. Chevalier— Gut. Tonbelpr. » Pankow» Palast-Theater Bitile Str. 21a Tonluslspiel: Der Stolz der 3. Kompagnie m. H. Rühmann, Fr. Kampers— Tonbelprogr. Tivoli Wochent. 7. 9 U Sbd. u. Sonnt. 5 U Berliner Straße 27 2 Tonfilme: Die Brüder Kara masoff mit Fritz Korlner— Ge» fahren der Liebe ■ Tea*'■ Filmpalast Tegel �oel" Wochen! 6. Sonnt 4.14 U. Sonntags 2 Uhr: Jugend vorslelinng Mädchen in Uniform Das Ende von Maradu f�TlnnnlagdOrl��b Filmpalast tii. Berliner Str 69 Tongroßlilm: Der Hochtourist mit Otto H'allburg. M Ehrlldl Gutes Tonbclprogramna !OeiIcE�e Dienstag 15. März 1932 Sivjumiö SftaJauÄga&e-de* IburasA Wie Stent s mit der Rohkost? Die neuesten Feststellungen der Wissenschafft Unter Rohkost versteht man eine Ernährungsvxise Lorch Rahrung- mittel pflan�icher Herkunft die ungekocht als Speisen jubereitet werden: Rohgemüse, Rohobst, Mandeln, Nüsse, Flocken «u« Getreidekörnern und Hülsenfrüchten, Datteln, Rosinen usw. Da die Rohkost eine radikale Ausgestaltung des Vegeiarianismus ist, sei zunächst eine grundsätzliche Frage aufgeworfen: Können wir auf Grund des Baues und der Leistungen unserer Organe ent- scheiden, ob mir„v o n Natur aus" Fleisch-, Pflanzen- ovtr Gemischtkostesser sind? Das Gebiß gibt in gewisser Weise Ausschluß. Bei den Raubtieren sind die Eckzähne stark, bei Pflanzenfressern meistens klein oder überhaupt nicht vorhanden. Die Backenzähne der Raubtiere haben spitz«, scharfkantige Höcker, die Wiederkäuer und Nagetiere haben nur Schmelzleisten auf diesen Zähnen. Unser Gebiß sieht mit seinen immerhin gut ausgebildeten Eck- zähnen und den stumpfhöckrigen Backenzähnen etwa zwischen den beiden Extremen. Man kann Hievaus den Schluß ziehen, daß unser Gebiß auf Gemischt kost eingestellt ist; immerhin ist dieser Schluß nicht zwingend, da mit einem Ernährungswandel nicht eine Aenderung des Gebisses einhergehen muß. Bei den Tieren haben wir manches Beispiel hierfür. Die interessanten Feststellungen über den Zusammenhang von Darmlänge und Ernährungsweise scheinen nicht M beweisen, daß die Forderung der Pslanzenköstler zu Recht besieht. Wir finden nämlich bei den vegetarisch lebenden Rindern und Pferden einen Darm, der die Körperlänge um das Zwanzig- bzw. Zwölffache übertrifft, während unser Darm nur etwa fünftnol so lang ist als unser Körper. Diese Berhälwisse sind durch die klassischen Versuche B a b 0 k s an Kaulquappen geklärt worden. Dieser Autor erhielt Tiere mit langem dünnen Darm bei rein pflanzlicher Ernährung, während tierische Kost die Ausbildung eines kurzen Darmes mit großem Ouerdurchschnitt zur Folge hatte So haben auch Ziege und Wolf, also Tiere etwa gleicher Größe, aber verschiedener Lebensweise, verschieden langen Darm: Ziege 17—2-5 Meter, Wolf 3—6 Meter Verständlich wird dieser Unierschieo aus der Tatsache, daß die Zellulose, die einen großen Teil der Pflanzennahrung ausmacht, nicht durch Ver- dauungssäfte Oes Körpers verdaut werden kann, sondern nur all- mählich durch Bakterien, die im Darmkanal der Pflanzenfresser die Zelluloseverdauung durchführen. Da nun unser Darm nicht die „vorgeschriebene" Länge der typischen Pflanzenfresser hat, gehen bei Rohkosternährung nicht unbeträchtliche Mengen Eiweiß und Kohlehydrate verloren, da sich diese Nährstoffe in sen festen Zellulosehüllen der Pflanzen- zellen befinden. Beim Kochen dagegen werden diese Zellen zer- stört, so daß der gekochten Pflanzenkost der Vorwurf einer Rähr- stoffverfchleudenmg nicht gemacht werden kann. Dieser Verlust an Nährstossen und Kalorien soll nun aber bei der Rohkost dadurch wieder wettgemacht werden, daß die Rohkost für das Erhaltenbleiben der Vitamine bürge. Denn diese Er- gän.zung-stoffe. deren Fehlen Rachitis, Skorbut und andere Krank- Helten hervorrufen, sollen durch das Kochen zerstört werden. Man muß es der Rohkostbewegung danken, auf Oie Vitamine mit allem Nachdruck hingewiesen zu haben. Allerdings sind nun die Vitamine über das Maß hinaus überschätzt worden. Wahrscheinlich sind doch jene Mangelkrankheiten nur die Folgen außergewöhnlicher ErnäHrungsverHältnisse, wählend in der üblichen Küche die Vita- mine in genügender Menge vorhanden sein dürften in Salaten, frischem Obst und Milch. Es muß aber in diesem Zusammenhang auch der neuesten Arbeiten des bekannten Vitaminesorfchers A. S ch e u n e r t gedacht werden, der im Gegensatz zu den bis- herigen Behauptungen die 5) itzebe ständigkeit der Vita» min« glaubt nachgewiesen zu haben. Hiernach sollen auch in ge- wissenhast zubereiteten Gemüsekonserven die Vitamine vor- Händen sein. Durch den Hinweis auf viele bisher mißachtete„salotfähige" Pflanzen hat ohne Zweifel die Rohkostbewegung ein weiteres Verdienst. Schmackhafte Rohgemüse und oppetit- anregende Salate kommen unserem Verlangen nach Abwechslung in unserer Speisenfolge entgegen, und dieses Be- dürfnls ist fein Zeichen für luxuriöse Ansprüche Denn eine An- reguug unserer Verdauungsdrüsen ist eine nicht zu unterschätzende Vorbedingung für eine gute Auswertung unserer Nahrungsmittel Besonders wichtig ist hierbei, daß durch derartig« Rohsalate und -Mischungen der Bedarf an Kochsalz auf ein Mindestmaß herab- gedrückt wird. In dieser schmackhaften kochsalzarmen Rohkost liegt die Bedeutung der Rohkost als Krankennahrung. Reiche Kochsalzgaben waren von jeher das Zeichen einer schlechten Küche. Daß die bislang als vorteilhaft betrachtete durchschnittliche Tagesmenge von 12 Gramm Salz für den Gefunden schädlich ist, wird zwar behauptet, ist aber noch nicht erwiesen. Bedenklich ist eine solche Menge bei Er- krankungen der Nieren, der Kreislauforgane und bei Entzündungs- bereitschaft der Haut. Hohe Kochsalzkonzentrationen begünstigen die Bildung harnsaurer Kristalle(Nierensteinerkrankungen usw.). Die Frage nach der Heilwirkung besonoerer in der Rohkost vorhandener Stoffe(Vitamine) hat bis heute noch nicht eine ein- heilliche Beantwortung finden können. Während aus der einen Seite B irch e r- Ben ner in der Rohkost den einzigen Weg e sieht. Nierensteinerkrankungeki zu heilen, gibt gerade ein anderer Autor, Blum, in einer in der„Med. Wochenschrift" erschienenen Arbeit den Vitaminen die Schuld für das Zustandekommen der Steine. Dies mag deullich zeigen, daß wir Teilergebnisse der wissenschaftlichen Forschung nicht immer so- fort zum Anlaß für große küchentechnische Refor- wen nehmen können. Den Vorteilen einer Rohkost stehen schwerwiegende Bedenken gegenüber. Eine Einbeziehung des Rohobstes und der Rohgemüse in unsere Gemischtnahrung ist natürlich stets empfohlen worden. Anders steht es mit 0er Frage der Rohkost als ausschließliche Volks- Nahrung. Von einer Nährstoffvergeudung wurde schon gesprochen. Die Abmagerung bei konsequenter Rohkost seheint augenfällig zu beweisen, daß die Vegetabilien im Darm nicht völlig verdaut werden, und daß diese Kost kalorien- und eiweiß- arm ist. Wissenschaftliche Nachprüfungen haben das bestätigt. Die Deckung dieses Mangels durch Beigabe von Mandeln und Nüssen ist recht problematisch. Häufig treten Reizungen des Schlundes auf. ferner treten Darmstörungen auf usw. Ferner sind bei Rohkost die Anforderungen an das Leistungs- vermögen unserer Verdauungsorgane außerordentlich hoch. Manche Menschen sind einer solchen Kost einfach nicht ge- wachsen. Weitere Bedenken erwachsen aus der Tatsache, daß Roh- gemüse durchaus nicht immer hygienisch«inwanofrei sind, eine Anzahl von Krankheitskeimen(Ruhr, Diarrhöe, Para- typhus) kann dadurch in unseren Körper gelangen, während diese Keime durch das Kochen vernichtet werden. Allen diesen Bedenken gesellt sich noch«in weiterer Einwand hinzu. Ist schon die ausschließliche Rohkost für den einzelnen nicht ganz billig, so würoe eine Umstellung der Volksernährung auf Roh- kost eine weitgehende Verschiebung der volkswirtschaftlichen Ver- Hältnisse nach sich ziehen. Dr. P. Marburg. Frauenarbeit von beule Hallet zusammen und kämpft! Wenn man noch vor wenigen Jahren einen Blick über die Gebiete des öffentlichen Lebens warf und Berufe und Wirtüngs- kreise von Frauen kennenlernte, die auf diesen Gebieten tätig waren, dann fühlte man sich unwillkürlich mit sortgerissen von dem Tempo und der Intensität, mit der die Frauenbewegung von Er- folg zu Erfolg vorwärts schritt. Greift man aus dieser Fülle der ! Erfolge nur ein einziges Beispiel heraus, wie etwa das ungemein bedeutungsvolle Gebiet der Gesetzgebung, so zeigt sich schon bei einem flüchtigen Ueberblick, was Frauen in diesen paar Iahren schaffen konnten und wirklich geschaffen haben. Das große Jugend- wohlfahrtsgesetz, das weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Beachtung gefunden hat, das Gesetz zur Bekämpfung der Ge- schlechtskrankheiten und das Iugendgerichtsgesetz sind Ergebnisse einer jahrelangen, gründlichen Vorarbeit von Frauen Ohne die intensive, zielbewußte Wirksamkeit von Frauen, vor allem von sozialdemokratischen Frauen, die unermüdlich immer von neuem für ihre Forderungen eintraten, wäre kaum eines dieser Gesetze zustande gekommen. Allmählich gbey- wurde-es stillem Da« Tempy der.Entwick- lung ging vom'stürmischen Presto in ein sanftes Andante über. Da und dort traten Rückschläge ei». Führende Stellungen des öffentlichen Lebens, in denen man gern sähige Frauen gesehen hätte, wurden von Männern besetzt und auch auj politischem Ge- biete haben die Frauen heute schwer gegen Rückschläge zu kämpfen. Es gibt viele Gründe für diesen augenblicklichen Stillstand, der zuweilen sogar in ein Zurückweichen übergegangen ist. Einer der Hauptgründe liegt zweifellos darin, daß die Frauen in ihrer Allgemeinheit bis vor kurzem politisch völlig unerfahren waren und deshalb von ihrem, gerade von der Sozialdemokratie ihnen freudig erkämpften Wahlrecht einen verhängnisvollen Gebrauch machten, in dem sie zu einem großen Teil ihre Stimmzettel für die Rechtsparteien abgaben. Es fehlte den Frauen der Weitblick, die klare Einsicht, daß von reaktionärer Seite alles getan werden würde, um den Frauen die neuerworbenen Rechte so rasch als möglich wieder zu entreißen. Gewiß können wir bei jeder geistigen Bewegung nach einem ersten, stürmischen Vorwärtsschreiten als zweite Phase«ine Periode des Stillstandes konstatieren und dürfen dieses Naturgesetz bis zu einem gewissen Grade auch auf die Frauen- bewegung anwenden. Aber das schließt nicht aus. daß es in der Hand der Frauen selbst gelegen hätte, diesen Stillstand nicht schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit, mitten in emer fruchtbringenden, verheißungsvollen Arbeit auf politischem Gebiete, eintreten zu lassen. Ein anderer Grund beruht darin, daß in der praktischen Tätigkeit, die der Frau zum erstenmal ungeheure Aufgaben stellte, Difse- renziertheiten auftauchten, eine neue Problematik, die nicht, wie bisher, die Ausgaben der Frau in völliger Gleichstellung mit dem Manne, sondern teilweise in der Zuweisung oesonderer Frauen- arbeiten(Fürsorge, Wohlfahrt, Erziehung usw.) erblickte. Endlich hat die katastrophale Arbeitslosigkeit zweifellos in entscheidendem Maße mitgewirkt, um auch der Tätigkeit der Frau in vielen Be- rufen ein einstweiliges Halt entgegenzustellen. Nur in zielbewußter, positiver Arbeit können die Frauen sich alles das neu erobern, was augenblicklich in Gefahr steht, wieder verloren zu gehen Der große Fehler, der am 14. September 1930 bei der Reichstagswahl gemacht wurde, muß wieder gutgemacht werden indem die Frauen sich zur Wahrung der Rechte aller Ar- beitenden Seite an Seite mit ihren männlichen Arbeitskameraden in der Sozialdemokratie und in den freien Gewerkschaften zusammen- schließen. Alle theoretischen Erörterungen sind wertlos, wenn nicht diese praktische Schlußfolgerung gezogen wird, die wieder eine feste, unerschütterliche Basis schafft, auf der erneut aufgebaut und das Vorhandene vertieft und ergänzt werden kann Noch ist un- endlich viel zu tun auf allen Gebieten. Noch stehen wir erst am Anfang einer wirklich sozialen Gesetzgebung. Noch sind große Auf- gaben auf dem Gebiete des Ehe- und Familienrechts, des Mutter- schutzes, des Arbeitsschutzes, der Erziehung und Bildung, der Für- sorge zu lösen, ganz abgesehen von den großen wirtschaftlichen Problemen unserer Zeit katastrophaler Arbeitslosigkeit. Da sind ferner die gewaltigen, bisher nur zum allerkleinsten Teil in An- griff genommenen Arbeiten des Völkerbundes, an denen Frauen beteiligt sind Schulter an Schulter oerfolgen sie ihr Ziel, einer Lösung der A b r ll st u n g s f r a g e für alle Staaten näher zu kommen, die Bereitschaft zum Frieden der Völker in der Jugend aller Völker zu propagieren. In den einzelnen Kommissionen sind wichtige Lebensfragen zu bearbeiten, so die Forderung, daß die Frau auch nach ihrer Eheschließung ihre Nationalität behalten soll. Crziehungsfragen. Probleme des Iugendschutzes, Probleme der Volkshygiene. Bekämpfung des Rauschgift-, des offenen und ver- kappten Mädchenhandels, vorbeugende Maßnahmen gegen Volks- trankheiten, Krebs, Tuberkulose sind einzelne dieser großen Auf- gaben. In enger Anlehnung an die Frauen in den Parlamenten der einzelnen Länder wird diese Tätigkeit ausgeführt. Denn es ist j» keineswegs so, wie man manchmal sagen hört, daß doch die Aufgaben der Frauenbewegung erfüllt seien, sondern gerade die sozialistische Frau hat noch Unübersehbares zu tun. und wir stehen erst in den Ansängen dieser Arbeit. Wir Frauen haben heute trotz aller Rückschläge, trotz der Ge- fahren, von denen alle Errungenschaften von 1918 und der folgen- den Jahre bedroht sind, nicht den allergeringsten Grund, mutlos zu sein. Denn in unsere Hand ist es gegeben, durch Zusammen- schluß und Mitgliedschaft in Partei und Gewerkschaft die bedrohte Stellung so zu verstärken, daß sie zu einem Bollwerk wird, an dem die Angriffe unserer Gegner zerschellen müssen. M. Wargol Starke: Junge Ittenfchen heute Der hervorstechende Charakterzug der politischen Jugend ist Zielgläubigkeit. Unbedingcheit, Kompromißlosigkeit, Wille zum Totalen, und wenn in dem Roman„Junge Menschen heute" (E. P. Tal u. Co. Verlag) nun Margot Starke den Versuch unternimmt, von der Warte des Skeptizismus, der Relativität, des Sowohl-als-auch und der Humorlichkest diese Jugend zu beschreiben, so ist daran im vorherein etwas Stilgegensätzliches. Held des Buches ist nicht, wie es übertreibend in der Ankündigung heißt,„die in feindliche Lager und Sturmtrupps gespaltene Jugend" schlechthin, denn von der kommunistischen und der nationalsozialistischen Jugend werden nur ein paar flüchtige und durchaus unzulängliche Schatten- risse ausgezeichnet. Held des Buches ist die sozialdemokratische Jugendgruppe des Ortes Biebrich am Rhein und ihre Schilderung ist etwa auf die Formel abgestimmt: Goldener Kern, aber wieviel Menschliches!, eine Formel, die die Autorin etwas allzu tolerant und verständnisselig, offensichtlich auch allen anderen Jugendbünden gleichermaßen zu bewilligen bereit ist. Die jungen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen der Margot Starke sind gutes, der sozialistischen Idee hingegebenes Menschenmaterial unterschiedlicher ökonomischer Herkurft. Sie unter- nehmen Wanderfahrten und Agitationstouren, debattieren über regiliöse, politische, wirtschaftliche Fragen und haben im übrigen darunter zu leiden, daß sie sich über von ihnen selbst als bourgeois- Haft empfundene Poussiergelüste und Eifersüchteleien keineswegs erhaben fühlen. Für seelische Stimmungen und seelische Spannungen hat Margot kein schlechtes Auge. Leider ist der Radius der Be- schreibung aber allzu eng. Die Kollision der Ortgsruppe Biebrich mit den anderen Lagern kommt über ein paar physische Rempeleien nicht hinaus. Plans Lauer. GolÄ HoUsr Wie freuet sich die Maucherfchar! So billig ist die„Gold Dollar". MEkABAT ZI0ARETTeNHANDELS0B8EbV8CMAFT M, S. H, lln C 2, N« »k- v 3 WeidcnOamm 3408 Olympischer Eid— schallendes Gelächter Der Führer der bürgerlichen Leichtathleten sieht nur bezahlte Amateure Bei seinem Aufenthalt in Paris wurden dem Präsidenten des' bürgerlichen InternationalenLeichtathletit-Berban»! des, dem Schwedin M. S. E d st r ö m verschiedene aktuelle Fragen vorgelegt. Edström war zwar nicht allzu redselig, aber seine Aeuße- rungen sind doch interessant genug, um wiedergegeben zu werden. Man fragte ihn: „Wie denken Sie über die Amateurfrage?" „Große Meister können keine richtigen Ama- teure mehr sein. Sie nehmen alle Geld an, zumal chnen die Veranstalter großer internationaler Wettkämpfe darin west genug entgegenkommen." „Der Fall Ladoumegue hat bei uns große Aufregung her- vorgerufen und man kann es nicht begreifen, daß Nurmi in Los Angeles starten soll während Lagoumegue ausgeschaltet worden ist." „Wer sagt Ihnen, daß Nurmi an den Olympischen Spielen teil- nehmen wird? Wenn der französische Verband Ladoumegue nicht disqualifiziert hätte, wäre Ihr Verband von uns bestrast worden." „Sind die Verhandlungen mit dem amerikanischen Olympischen Komitee abgeschlossen? „Die Winterspiele haben deutlich gezeigt, daß«s verkehrt sein würde, den Amerikanern die Organisation der Wettkämpse allein zu überlassen. Der internationale Leichtathletikverband wird daher auf Kosten des amerikanischen Komitees zwei Vertreter noch Los Angeles entsenden, die für einwandfreien Aufbau und Abwicklung der leichtathletischen Wettkämpfe zu sorgen haben." „Und der Olympische Eid?" Auf diese Frage konnte Edström nur mit einem schallenden Gelächter antworten. Das sagt der Vorsitzeiäe des Internationalen Leichtathletik- Verbandes, der es doch wohl wissen muß. Er bestätigt alles, was wir von der bürgerlichen Sportbewegung, die mit dem Rekordsystem und den gezüchteten Stars steht und fällt, stets sagten, und zwar nicht nur aus grundsätzlich-gesinnungsmäßigen Erwägungen heraus, sondern weil die realen Tatsachen andere Feststellungen nicht zuließen. Und während Herr Edström diese seine Meinung der Oefsentlich- keit übergibt, rüstet man zur Olympiade in Los Angeles, geht man mit dem Bettelsack herum und versucht, bei der Reichsrcgierung Hunderttausende locker zu machen. Taschen zul Reich ssäckel zu! Laßt diese bezahllen ,.Amateur"sportl«r unter sich. Es ist keine Angelegenheit des„deutschen Sportes!" Arbeiierboxer in Hannover Ein MannschaHskampf In Hannover fand der Vereins-Mannschaftstampf i m Boxen zwischen den bundestreuen Arbeiterathlctenvereinen Lichtenberg-Friedrichsfelde und Sparta-Hannooer statt. Der große Saal wies sehr guten Besuch auf, die Kämpfe fanden begeisterte Zuschauer und konnten sehr gefallen. Im Fliegengewicht startete für Berlin der Kreismeister Löffler- Luckenwalde, er lieferte dem nordwestdeutschen Meister Schubert- Hannover einen flotten, harten Kampf und tonnte ihn in der dritten Runde zu Boden schicken, doch der von Schubert erzielte Punktvorsprung genügte zum Sieg. Im Bantamgewicht hatte Berndt-L.-F. Biallas-Sparta zum Gegner, beide waren sich gleich- wertig und so war das gegebene Unentschieden gerecht. Im Feder- gewicht war Henneberg-L.-F. durch eine Armoerletzung stark be- hindert und verlor nach Punkten gegen Schumacher-Sparta. Leicht- gewicht: Preller-L.-F. stand auf verlorenem Posten, denn gegen den deutschen Meister Köhler-Sparta hatte er nichts zu bestellen. Sieger durch ko. Köhler in der ersten Runde. Weltergewicht Buchholz- L.-F. muß ebenfalls in der zweiten Runde einen ko.-Sieg von Daoid-Sparta anerkennen. Mittelgewicht: Molinski-L.-F. hatte die undankbare Aufgabe, gegen Kosak-Sparta zu boxen, der seinen hundertsten Kampf bestritt. In allen drei Runden hatte der Ber- liner einen Punktvorsprung für sich, aber man gal dem Hannove- raner den Sieg. Halbschwergewicht: Auch Stürmer-L.-F. wurde stark benachteiligt, ihm gab man gegen Kürten-Sparta nur ein Un- entschieden. Der Schwergewichtler Amelung-L.-F. hatte Bod- schwiener-Sparta gegenüber einen schweren Stand; dieser„Amateur- Carnera" war nicht nur dreißig Pfund schwerer und bedeutend größer als der Berliner, sondern er konnte auch gut boxen, beson- ders seine Linke war ein unüberwindbares Hindernis. In der dritten Rund« gab der Berliner den aussichtslosen Kamps auf. Die Olympiabahn eröffnet Nach der langen Winterpause im Berliner Radrennsport öffnet die Olympiabahn am Ostersonntag wieder ihre Pforten. Die Berliner Radsportfreunde werden sich von der bevorstehenden Radrennsaison um so mehr etwas versprechen dürfen, als der neue Pächter Richard Heyne es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen an- deren Zug in den Radrennbetrieb der Olympiabahn zu bringen, um die Anhänger des Bahnrennsports nach jeder Richtung hin zu- friedenzustellen. Zu den Dauerrennen um den„Kleinen und Großen Osterpreis" ist als erster Tellnehmer Weltmeister Walter Sawall bisher fest verpflichtet worden. Die Teilnahme Sawalls, der nun doch wieder hinter seinem bewährten Schrittmacher Grolimond den Kampf aufnehmen wird, gibt den Dauerrennen des Eröffnungs- tages einen besonderen Reiz, und da der Weltmeister in diesen Wettbewerben auf eine ebenbürtige internationale Gegnerschaft treffen wird, stehen schon für die Premiere der Olympiabahn fesielnde Kämpfe in sicherer Aussicht. Ein abwechslungsreiches Fliegerprogramm für Berufsfahrer und Amateure wird die Kämpfe der Steher umrahmen. Die Eishodcey-Mcisterschatten Im Berliner Sportpalast begonnen gestern abeno die Kämpfe um die Europa. Eishockeymei st erschaft der bürgerlichen Verbünd«. Im ersten Spiel der dritten Gruppe traten sich die Mannschaften von England und Rumänien gegenüber, wobei sich die Engländer nur ganz knapp mit 1: l> Toren durchsetzen konnten. Unentschieden 1: 1 endete die Begegnung zwischen der Tschecho- slowakei und Frankreich. Die deutsche Nationalmannschaft fand ihren ersten Gegner in der Schweiz. Nach spannendem Verlauf endete dieses Spiel ebenfalls unentschieden 1:1.— Heute abend werden Sonja Henie und der finnische Meister N i k k a a n e n im Rahmen der Meisterschaft spielen, ein Kunstlaufprogramm vor- führen. Der gute stumme Film Da die meisten per jetzt laufenden Tonfilme über höheres künft- lerifches Niveau nicht verfügen, so taucht immer wieder der Wunsch auf, gute stumme Filme an die Oeffentlichkeit zu bringen. Der Stuhiofilm„Menschen am Sonntag" erlebte seinerzest großes Auf- sehen, wie zum ersten Male mit Erfolg der Versuch gemacht wurde, auch ohne Schauspieler das Leben darzustellen. Die Gruppe Norden der„Freien Faltbootfahrex Berlin" veranstaltet am Sonnabend, 19. März, 29 Uhr, in der Aula der Fachschule Grünchalerstr. 5 (Nähe Bahnhof Gesundbrunnen) einen Filmabend und bringt die Vorführung der Filme„Menschen am Sonntag" und ,Iupp lernt rudern". Es ist jedermann durch diese Veranstallung Gelegenheit gegeben, einen der wertvollsten Filme vom Berliner Arbeiterleben zu sehen; der Regisseur Genosse Eugen Schüfstan wird selbst über sein Werk sprechen. Der Film„Iupp lernt rudern", ein Film des Arbeiter-Turn- und Sportbundes erlebt seine Erstaufführung in Berlin. Der Eintritt beträgt 69 Pf., für Erwerbslose gegen Aus- weis 39 Pf. Die monatliche Autosteuer Aus dem KrastfaHrzeugsteuergesetz ergeben sich außerordentlich« Härten bei der Berechnung des Zuschlags für monatliche l Ratenzahlung der Steuer. Der Zuschlag erhöht sich nämlich durch die Aufrundung der Beträge auf volle Mark derart, daß er sich in vielen Fällen verdoppelt, in einzelnen Fällen sogar ver- dreifacht. Im Endergebnis beträgt er dann nicht mehr wie ursprüng- lich beabsichtigt 8 Proz. jährlich, sondern 16 oder sogar 29 Proz. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club hat daher das Reichs- finanzministerium um eine Aenderung der Bestimmung noch vor dem 1. April gebeten und angeregt, die Härten dadurch zu besettigen, daß Teilbeträge über 59 Pf. auf volle Mark aufgerundet, unter 59 Pf. entsprechend abgerundet werden. Der Reichsfinanzminister hat daraufhin mitgeteitt, daß«ine Aenderung der Abrundungsvor- schrift bereits erwogen werde, so daß die Kraftfahrer wohl mit einer baldigen Milderung zu rechnen haben. Itleiner Sport von überall Stucks fährt 206 Kilometer. Ebenso erfolgreich wie das Debüt fiel auch der zweit« Start des deutschen Meisterfahrers Hans Stuck in Südamerika aus. Der ehemalige Europameister beteiligt« sich mit seinem Mercedes-Benz SSX-Wagen in Rio de Janeiro an einem Kilometerrennen mtt fliegendem Start, in dem er sich seinen Kon- lurrenten klar überlegen zeigte. Stuck bewättigte die Strecke in genau 17 Sekunden, wobei er«ine Durchschnittsgeschwindigkett von 296,8 Stund enkllometer erreichte. Die Leistung des Deutschen stellt «inen neuen Klassenweltrekord dar. der vom Automobilklub von Brasilien beim internattonalen Verband zur Genehmigung ange- meldet worden ist. Werbewoche der freien Sportvereln'gung Pankow. Heut«, Dienstag, 18 Uhr, werden die Jüngsten des Vereins in der Turn- halle Neue Schönholzer Straß« am Fernheizwerk, das bisher im Verein Gelernte zeigen. Die Männer- und Jugendabteilung führt am Frettag, 29 Uhr, ihre Uebungen in der gleichen Halle vor. Den Abschluß der Werbewoche bilden Fußball-, Handball» und Hockey- spiele am Sonntag. 29. März, auf dem Sportplatz w der Kissingen- straße. ver Arbeiker-Turn- und Sportverein Friedrichefelde veranstaltet am Sonntag, 29. März, 14 Uhr,«in Werbeturnen, in der Turn- halle Friedrichsfilde, Wilhelmstraße. Interessenten und Freunde für Arbetterfport haben Gelegenheit, einen Einblick zu gewinnen In den Betrieb der Arbeitersportler. Aus dem Programm seien die turne- risch-gymnastischen Vorführungen erwähnt. Eintritt frei. Zugendleiterkursus de, 1. Bezirks im 1. Kreise des Arbetter- Turn« und Sportbundes. Am Sonntag, 29. März, findet im Jugendheim in Lichtenberg, Gunterftr. 44. der Iugendletterkursus des 1. Bezirk» statt. Das Anpaddeln der Freien Sportvereinigung Schweissterne findet am 3. April statt. Neue Mitglieder, die sich bis zum 31. März zur Aufnahme melden, zahlen kein Eintrittsgeld. Die nächste Mit- gliederversammlung findet am 12. April statt, das Bootshaus oe- findet sich in Köpenick in der Nähe bes Lokals Wendenschloß. ASSS.-Britz jetzt billiger! Die besondere Struktur der Gehag- und Jdealsiedlung in Britz oeranlaßr« die dortigen bundrStreuen Arbeiterfportter und Turner(bisher„Volkssport"), sich selbständig zu machen unter der Bezeichnung„Verein für Arbetterfport und Körperkultur" oder kurz„ASKö.-Britz". Die selbständige Verwallung und Kassenführung ermöglicht Herabsetzung der Vereinsbeiträge und des Eintrittsgeldes. Für Doppel- und Anschlußmttglieder sind die Vereinsbetträg« nochmals ermäßigt. Zur Zeit werden für 299 Mit- glieder Männer-, Frauen- und Kinderabteilungen für alle Atters- klassen vom 4. Lebensjahre ab unterhatten. Di« Kinderabteilungen betreut Bezirkskinderletter Schiftan, während Männer- und Frauen- abteilung den Vereinstechnikern Dübelt und Martha Schiftan unter- stehen. In den nächsten Tagen beginnt ein Kursus über Moderne Festgestaltung. Sprechbewegungschor(Methode Zimmermann-Leip- Zig). Für ASKö.-Mitglieder wird ein besonderer Bettrag nicht er- hoben. Jede weiter« Auskunft«rteitt bereitswilligst die ASKö.-Ge- schäftsftelle, Berlin-Brig, Lowise-Reuter-Ring 21(Otto Schiftan). der Republik kann sich die Arbeitersportbewegung voll entwickeln. Mtt der Mahnung an alle, ihre Pflicht in der Eisernen Front zu tun, schloß Bück unter großem Beifall. In der Aussprache wurde der Wunsch wiederholt, kein klassenbewußter Arbetter solle ferner noch Mitglied eines bürgerlichen Vereins sein; Parte: und Gewerk- schuft sollten dos endlich in aller Oeffentlichkett erklären. Kreis-krubjabrsivaMIanL Erdftnung der Leichiaihletik-Saison Am kommenden Sonntag warten die Leichtachleten des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sport-Bund mit ihrer ersten Frühjahrsoeranftattung auf. Die Sportsaison wird alljährlich mtt dem Frühjahrswaldlauf eröffnet. In diesem Jahre geht es hinaus nach Schönow bei Bernau. Die dort ansässige Freie Turnerschaft hat in ihrem vorzüglichen Waldgelände die Vorberei- tungen getroffen. Aus der folgenden Ausschreibung sind die näheren Einzelheiten des Laufes ersichtlich. Für alle Nichtwettkämpjer ist em geschlossener Propagandalauf vorgesehen. Männer: X. Zovo.M-ter.Einzellauf offen für alle.— B. 2S00.M-ter.Monn. sch-ftslauf: 1. offen für X.Vereine, 2. offen für B-Bereine. 3. offen für»Per- eine.- Mann eine Mannschaft. 4 Mann müssen acschlossen durch da- Ziel kommen.— C. 2S00.Meter.Mannschaftsl-uf, offen nur für: 1. Handball, u. Sockel,- Mannschaften, 2. Fußballmannschaften. 11 Mann eine Mannschaft. 3 Manu müssen geschlossen durch das Ziel kommen.- Ii. 2S00.Met-r.Sinz-llauf offen nur für: 1. Wassersportler(Ruderer, Schwimmer usw.), 2. Turner, Schwer. atbleten und alle anderen Sparten, 3. Vereine der Klassen A, B und C, öu keine Mannschaft stellen kilnnen.- E. l Mv-Meter. Einzellauf, offen nur für: 1. Sprinter, 2. Alterssportler 30-32 Jahre, 3. Alterssportler über 33 Jahr«. Frauen: Illoll-Meter-Einzellauf.— Zuaend! 2300.M-t-r.Einz«Nau, mit Mannschaftswertung, 3 Mann eine Mannschaft, offen für: 14—1« Jahre, 13—18 Jahre.— Startgeld pro Teilnehmer 10 Pf. muß mit der Meldung cm- gesandt werden. Meldungen an Bruno Bergens, Schönow(Bernau), Lefstng- straße 34. Meldeschluß am 1«. März 1032. Freie«-flersahr-r«öpenick 1024. Donnerstag, 17. März. 20 Ubr, Darstant«. sttzung im Dootshaufe. Arbeitsdienst für Erwerbslose täglich, für alle Mrt- glieder Sonntags.— Monatsfißung Freitag, 23. März. 18 Uhr, bei Seena, Köpenick, Sartenstr. 83. An diesem Tage ist f-der Genosse morgens zur Stelle, da die Boote nach dem neuen Bootshause transportiert weiden.— Im Monat April ist gestnnungsfreundlichcn Wassersportlern Gelegenheit gegeben, ohne Einrritt-geld und ohne Beitrag für April Mitglied unseres Vereins ,u werden. Bootsständc sind noch frei. Auskunft im Boctshaufe, Köpenick, Friedrichshagener Straße 7, oder nach 18 Uhr bei Sans Boch«, Köpenick, Slieaicker Str.«1. sowie bei Schmidt, Brist, Pintfchallee 37. «TS«. Friedrich-f-ldc. Mitgliederversammlung 16. März, 20 Uhr, bei Tempel, Friedrich zfelde. Sonntag, 20. Mär,, 14 Uhr, Schauturnen in dar Turn. Halle Frradrichsseld«, Wilhelmstraße. eBuch «Soli" In der Eisernen Front Anläßlich des Saalsportfestes waren die Bezirksleiter des Gaues 9 von„Solidarität" zu einer Konferenz in der Neuen Well zusammengekommen. Gauleiter Seeger stellte in seinem Bericht fest, daß die Mttgliedschaft auch in der Wirtschaftskrise dem Pzind die Treue gehatten hat. Auch die Kommunisten haben dem Gau keinen Schaden zufügen können; überall da, wo sie zur Unruhestiftung ansetzten, sind sie durch die Wachsamkeit der Funktionäre und Mit- glieder erfolgreich abgewehrt worden. Der Sportletter berichtete über sportliche Angelegenheiten, er erbat bessere Zustellung des statistischen Materials. Die Kasssnverhättnisse sind stabtt geblieben. Für die Kraftfahrer berichtete der Obmann, daß der Bundesvorstand für die erwerbslosen Mitglieder Beitragserleichterungen geschaffen hat. Don der Jugend im Gau berichtete der Jugendleiter, daß die Bewegung sich zu aller Zufriedenheit gut entwickell habe und daß ein allgemeiner Aufstleg zu verzeichnen ist. Dann hiell Buck von der Zentralkommission für Arbettersport und Körperpflege«in Referat über Arbeitersport und Politik. Er faßte seine Ausführungen m dem Leitsatz zusammen: Die Arbeiter- sportler haben die Verpflichtung, alles für den Schutz und den Bestand der Republik einzusetzen, denn nur in Iterner Melder: 3)ie Qeichichlslehre von Sfiarl ITlarx In der von Professor Kurt Breysig im Verlage Cotta. Stuttgart, herausgegebenen Sammlung„Forschungen zur Geschichts- und Gesellschaftslehre" veröffentticht Werner H e i d e r eine Darstellung der„G e s ch i ch t s l e h r e von Karl Marx"(291 Sellen, Preis 9,59 Mark). Bedenkt man. welche Mißverständnisse und Irrtümer in der zeitgenössischen aka» demischen Wissenschaft über Karl Marx verbreitet sind und ver» breitet werden, so fällt die vorliegende Arbeit schon durch ihr« ein» gehende Kenntnis der Marxschen Werke auf. Werner Heider be- müht sich ernstlich, in die ganze Vielgliedrigkeit des Marxschen Denkens einzudringen, wenn ihm auch die Voraussetzungen, die er an die Marxsche Denkweise heranträgt, das letzte Verständnis der Marxschen Position verbauen. Heider mißt die Marxsche„Ge» schichtslehre" am Maßstab der Geschichtslehre von Kurt Breysig: d. h. er verkennt von vornherein den akttvistischen, wirklichkeitS- verändernden Charakter, der aus der Marxschen Geschichtslehr« nicht weggedacht werden kann. Wenn Heider z. B. Seite 129 schreibt:„Diese Erklärung der Tatsache, daß Marx in sozialpsycho- logischer Hinsicht fast ausschließlich praktisch-echisch statt Wissenschaft» lich-geschichtlich eingestellt ist, kann ihn nicht von dem erwähnten Vorwurf freisprechen, einen wichtigen Teil seiner Aufgabe vernach- lässigt zu haben", so beweist dieser«atz, daß Heider den grund» legenden Einheitscharakter des- Marxismus verkennt. Marx war eben kein Geschichtsforscher, so umfassend und tiesschürsend er auch in den Aufbau geschichtlicher Epochen eindrang, die leitende Ziel-Idee blieb Marx immer die Aufdeckung de« geschichtlichen Standortes des Proletariats im Hinblick auf die Der- w i r k l i ch u n g des Sozialismus. Aber es hieße Werner Heiders Forschungen nicht gerecht wer» den, wenn man nicht zugeben würde, daß bestimmte Einzel- Probleme der Marxschen Systematik ganz ausgezeichnet erfaßt sind. So sind die Analysen, in denen der Verfasser Marx' Auffassung vom Klassenproblem wiedergibt oder sein« Darstellung von der Be» deutung der Idee der Nation in der Marxschen Soziologie von einem gründlichen Studium der Quellen getragen. Auf ein Ver- sehen mutz jedoch hingewiesen werden: Auf Seite 17 Anmerkung 3 wird eine Textstelle aus einem Briefe von Marx vom 31. Mai 1858 zitiert. Dieser Brief ist an Lassalle und nicht an Engels gerichtet. Völlig unzureichend sind jedoch die Andeutungen, die Heider über Marx' Verhättnis zu Hegel gibt. Ganz abgesehen davon, daß seine httrhergehörigen Darlegungen jetzt durch n e u e st« Quellenpublikationen überaus ergänzungsbedürftig sind, fo durfte doch in einem Buch, das im vorigen Jahr erschienen ist, Marx' umfangreiche Kritik des Hegelfchen Staatsrechts nicht übersehen werden. Auch dieser Einwand rührt wieder an das Grundsätzliche: Man kann Marx nur aus seiner Auseinandersetzung mtt Hegel in letzter Instanz verstehen. 5- P- Mayer. Rundfunk am Abend Dienstag, 13. März. Berlin. 16.05 Dr. med. Leo Jacobsohn; Ceaandhel» und Krankheit de»(lernen». Cxperl- mentalvortra« mit Voriühmni von künstlicben Herjtänen. 16.30 Orchesterkoneert. 17.40 Doktor Ueberau ernlhlt. 18.00 Otto Flake liest aus seinen Werken. 18.25 Bflcherstunde; ssllm und stank. Am Mikrophon; Altred Mühr. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme eum Tag. 19.10 Junges Kabarett 19.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Interview der Woche. 20.30 Philharmonie: Wilhelm Furtwlngler dirigiert Berliner Philharmonische» Orchester. 1. Rieh. Strauß- Till Culenspiegels lustige Streiche, op. 28, 2. Brehms. Sinfonie Nr. 3. st-dur. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. KSnlgswusterbansan. 10.30 Leipzig; Konzert 17.30 Ernst Wilheimy: In Nlederllndlsch-Indien. 18.00 Karl Flgdor: Maschine als Schicksal. 18.30 Mersmann; Musik In der Einheit der Kdnst». 18.55 Wetter für die Landwirtschaft 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 19.20 H. I. Gramatzki. Wilhelm Becker; Was halten Sie von(leroskop? 20.00 Aktueller Vortrag._.