Morgenausgabe 7!r 127 A 64 4y.Zahrgang WSch-lltllch 75 PI, moantlta 3.35 SR. (bcnon 87 Pf. monatlich für Zufiel. Iung ine©an«) im ooraue zadldar. Postbezug 3A7 M. ewfchließlich so Pf. Po �eilungs- und 73Pf.Pofrbeslellfie. «ühren. Auelandsabonnemeni-�.s» SR. et» Monat! für Sander mü ermaki-» tem Druckfachenuorto 4äb SR, Der.SomöttB- trfchetnt wochentZg. Ha) zweiinal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Pcrltn md im©anbei mit dem Titel.Der Abend*. Illustrierte Sonntagsdtüaac .Polt und Seit" Vevkwee Vowsblatt Mittwoch 16 März 19Z2 Groß-Äerlin 10 Z)f. Auswärts 15 ps. Die etnloalt. SRilltmelerzetl, SO Pf. Meklamezeile 2.- M„Ztleiur P». zeigen" das fettgedruckte Don 20 Pf. (juIäfTtgimei feNaedruckieWone.jedes weitere Bon U> Pf. Pabatt lt. Tarif. Wone über IS Buchstaben zächlen für zwet Worte Ardeitsmarkt Mllimeter. zeile K Pf. Zatnilienanseigen Milli- meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahm« im©auptaefchilft Lindenftraß» 8, wochentäglich von 8>/, bis>7 Uhr. 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Der Stahlhelm schließlich, der den deutschnationalen Zählkandidaten gestellt hat. nimmt wiederum eine von den anderen unabhängige Stellung ein, indem er das Rennen aufgibt und auf eine Kandidatur im zweiten Wahlgang verzichtet. Der„Stahlhelm-Pressedienft" schreibt: Der Reickispräsrbcnt von Hindenburz hat am 13. März 18, S Mil- lu>nen Sttmmen aus sich zu vereinigen vermocht. Von der nächst höchsten Stlmmzister, der des nallonalsoziolistischen Parteiführers Hitler, trennen ihn mehr als 7 Millionen. An der absoluten Mehr- hell fehlen nur knappe 200 000 Silminen. Wir sind nicht De- mokratenundFormali st enge nug,umzube st reiten. daß damitHindenburg praktisch denSieg im Wahl- kämpf errungen hat. Em zweiter Wohlgang könnte kein anderes Ergebnis zeitigen. Es ist damit, selbst wenn er aus for- Mellen Gründen stattfinden muß, politlsch bedeutungslos geworden. Wenn also eine Möglichkeit besteht, um die Formalität des zweiten Wahlganges herumzukommen, so haben wir dagegen nichts einzuwenden, obgleich unser« grundsätzlichen Bc- denken gegen eine etwaige Derquickung der Präsidentschaflssrage mit parlamentarischen Entscheidungen unverändert fortbestehen. , Das ist ein ziemlich deutliches Abrücken von Hugenberg, ber die fehlenden'200 006 Stimmen vergeblich zu einem Er« presiergcschäft auszunutzen versucht hat. Noch viel deutlicher aber wird der„Stahlhelm-Pressedienst" gegenüber Hitler. Er bezeichnet in einem Rückblick den Kampf gegen das ».System" als den ersten Grund, der zur Aufstellung eines Stahchelm-Kandidaten im ersten Wahlgang geführt hat, und fährt dann fort: Der zweite Grund, der den Stahlhelm veranlaßt Halle, zu- sammen mit den übrigen Gruppen des Kampfblockes Schwarz-Weiß- Rot die Kandidatur Duefterberg aufzustellen, war der Entschluß, sich unter kciven llmständea einer nalionalsoztallstischen parteidlktatur zu unterwerfen. Auch dieser Entschluß bleibt richtunggebend bestehen. Es ist bedauerlich, daß der Führer der NSDAP., wie aus feiner Kundgebung, nach der er beabsichtigt, auch im Zwesten Wahl- gang zu kandidieren, hervorgeht, offenbar auch nach dem 13. März noch nicht die Notwendigkest einheitlichen und loyalen Zusammenwirkens aller Gruppen der nationalen Opposition erkannt hat. Der„Stahllzelm-Pressedienst" schließt: Der Kampf für einen grundsätzlichen Systemwechsel unter Ablehnung aller nationalsoziali st ischen Ditatur- gelüste muß deshalb gerade in der nächsten Zeit mit voller Schärfe westergeführt werden. Die Stalilhelmkanbidatur wird damit nachträglich noch als eine Kampfkandidatur mehr gegen Hitler als gegen Hindenburg deklariert. Gegen die Nazis wird Kampfstellung bezogen. Der Stahlhelm will das bestehende „System" auf alle Fälle weg haben, aber um keinen Preis will er es durch das nationalsozialistische System ersetzt sehen. Wie lange diese Standhastigkeit halten wird, bleibt ab- zuwarten. Einstweilen ist festzustellen, daß das ganze Theatsr von Harzburg mit feinen nationalen De- freiungsmärfchsn und Tfchindara-Bumbum nur Tbeater war, wie auf jener weite eben alles Theater ist. Die Harzburger Front befindet sich in voller Auflösung, im tollsten Durchein- ander. Kann man das Reich, kann man Preußen dieser Ge- sellschaft ausliefern? Das sind die Fragen, die das Volk am 10. und am 24. April zu beantworten haben wird. Hitler— geheimer Gendarm! Frick gesteht vor dem Ltntersuchungsausfthuß: Hitler hat die Anstellungsurkunde als „Gendarmeriekommiffar ohne ßramen" empfangen und den Empfang bestätigt! Weimar. IS. März.((Eigenbericht.) vor dem vom Thüringer Landtag eingefehlen Unter- Inchungsansfchnß über Vorkommnisse bei der Thü- ringer Lnndespollzei waren am Dienstag als Zengen ge- laden and erschienen: Stennes-Derlin. Hitler-München, Frick-Mün- chen and der thüringische Landtagsabgeordnete Sauckel. Hitler and seine Komplicen fuhren in zwei Luxuswagen vor. Zu seiner Deg'.eitnng befand sich n. a. auch Goebbels. Verhandelt wurde über die Ernennung Hitlers zum Gendarmeriekommissar von Hildburghauscu durch Frick sowie über die Auswahl der Anwärter für die tchürin- gische Polizei durch die Gauieltung der Nationalsozialistischen Partei in Weimar. Den beiden Beamten, die von der Anstellung Hitlers zum Gendarmerickommissar wußten, hat der Innenminister keine Aussagegenehmigung erteilt. Der Ausschuß oerlangte jedoch, daß darüber ein Peschluß des Gesanitkabinetts herbeigeführt wird. Ctennes sagte aus, als er noch der Hitler-Partei angehört habe. fei er sehr oft nach München gekommen, und da habe man sich des öfteren über die Einbürgerung Hitlers unterhallen, schon wegen der Gefahr der Ausweisung. Frick sagte aus. daß er schon 192? in Bayern den Versuch g«. macht habe. Hitler die Staatsangehörigkeit zu beschasten. Der Ver- such sei allerdings gescheitert Als er dann Minister in Thüringen geworden fei, habe er alles versucht, um endlich die Zlngelegenhell zu bereinigen und Hlller die deutsche Staatsangehörigkeit zu beschaffen. Im Frühsahr 1930 habe sich das Staatsministerium mit einer Kleinen Anfrage des staatsparteilichen Abgeordneten zu be- fassen gehabt, in der gefragt worden wäre, ob es richtig fei, daß Hitler durch Einstellung in den thüringischen Staatsdienst die Ltaatsaiigehöngkeit erhalten sollte. Irl) hatte damals vor,— so er- klärte Frick wörtlich— Hitler zum Direktor derWeimar- schen Kunsthochschule zu machen. Minister Baum äußerte jedoch seine Bedenken, daß man warten solle bis zum Sommer, wenn die Zellen auf politischem Gebiet richiger geworden seien, wenn dir Landtag nickst mebr tage.„Nach reiflicher Ueberlegung bzbe ich dgnn. während Minister Baum au i Urlaub wwr und ich chn oertreten habe, ohne mit Hitlsr Fühlung genommen zu haben, Hlller'zum Gendarmeriekommissar in Hildburghausen ernannt. Ich trage die volle Verantwortung allein hierfür und habe mich hierzu als Ressortminister berechtigt gehallen. Die Anstellungsurkunde habe ich ans dem Gantag der valional- sozialisten in Gera am 1?. 3uni 1930 hiller überreicht. 3ch wollte auch ans dem Gantag der Oessentl'chkeit das bekannt- geben, daß Hitler nnnmehr deutscher Staatsangehöriger fei, aber Hitler war dagegen. Die Urkunde hat hiller an sich ge- nommen und sich die Entscheidung vorbehalten. Erst als Hilter in Leipzig vor dem Reichsgericht aussagte, daß er staakenlos fei. habe ich erfahren, daß h'ller von der Anstellnngsnrkunde keinen Gebrauch gemacht hat." Frick ist weller der Meinung, daß die Anstellung Hitlers als Gendarmeriekommissar keine S che i n a n st« l l u n g gewesen sei. Auf Befragen sagt er aus, daß er die von Hitler unter- zeichnete Empfangsbestätigung zerrissen habe. Die Anstellungsurkunde sei wahrscheinlich von Hiller auch zerrissen wor» d-n. Die Frage, ob er hiller für fähig gehallen habe, den Posten eines Gcndarmerlekommlsiars ohne Prüfung zn übernehmen, bejaht Frick. Hitler bestätigt, daß er von Frick die Anstellungsurtunde in Gera aus dem Gautag erholten habe, nur könne er sich nicht mehr besinnen, ob er eine Empfangsbestätigung hierüber unterschrieben hat. Er, Hlller, habe gleich den Eindruck gehabt, als könne er das nicht annehmen, deshalb habe er die Urkunde in den nächsten Tagen zerrissen und verbrannt. Mit Frick habe er vor der Aus- stellung der Urkunde nicht gesprochen. Hiller gibt ferner auf Be- fragen zu. daß er nieeinen Antrag gestellt hat. beut- scher Staatsangehöriger zu werden. Als er gefragt wurde, warum er sich nicht verbeten hat. daß krumme Wege zu feiner Einbürgerung beschritten wurden, brüllte er wie ein Besessener. Das gleiche Schauspiel wiederholte sich. a!» er daran ernnert wird, daß nach seiner eigenen Aussage in seiner Partei nichts ohne feinen Willen und ohne s'iu Wissen geschehe. Als letzter Zeug? wird der nationalsozialistisch« Abgeordnete S o n ck e l vernommen, der zugibt, daß unter Frick die Gesuche um Einstellung in die thüringische Lg nd es p ol izez erst an das Gaubüro ljsr Nationalsozialisten gelellet wurde», um die Gäsuarfteiier auf ihr« Parteizugehörigkeit zu prüfen. Lehren der Zahlen. Eine Durchleuchtung der Wahlergebnisse. Von Georg Decker. Der Sinn der Wahlergebnisse wird jedesmal nicht zuletzt durch den Vergleich mit den vorangegangenen Wahlen erkannt. Es ist aber nicht immer leicht, die richtige Grundlage für den Vergleich zu finden. Um so bequemer können dann die Wahllegenden entstehen. Eine solche Legende über die Reichspräsidentenwahl, nämlich die. daß „die Deutschnationalen sich gut behauptet haben" wollen wir gleich einer näheren Betrachtung unterziehen. Auf diese Weise wird man wichtige Anhaltspunkte für die Beurteilung der Wahlergebnisse gewinnen. Duefterberg erhielt 2 558 000 Stimmen, während die Deutschnationalen bei den letzten Reichstagswahlen 2 458 000 Stimmen hatten. Also, wird die Schlußfolgerung gezogen. haben sich die Deukschnationalen„gut behauptet". Diese Schlußfolgerung wäre jedoch nur dann richtig, wenn es zu- lässig wäre, die Duesterberg-Stimmen mit den deutschnatio- nalen Stimmen allein zu vergleichen. Duefterberg war aber nichtnurderKandidatd er Deutsch nationalen. sondern auch der des Stahlhelms, und das bedeutet, daß in vielen Teilen des Reichs, namentlich in Mitteldeutschland, feine Kandidatur in starkem Maße von dem Landvolk, von der Deutschen V o l k s p a r t e i und von anderen ge- tragen wurde— in manchen Fällen trotz der offiziellen Parteiparolen! Im Wahlkreis Thüringen, wo die Deutschnationalen am 14. September nur 54 000 Stimmen hatten, erhielt Duefterberg jetzt 168 000. Haben sich die Deutschnationasen mehr als verdreifacht? Nein, ober die Landvolk-Partei, die am 14. September in diesem Wahlkreis 120 000 Stimmen hätte, und manche Wähler der Deutschen Bolkspartei haben jetzt Duefterberg gewählt. Dort aber, wo die Kandidatur Duefterberg hauptsächlich oder fast ausschließlich von den Deutschnationalen getragen wurde, haben wir ein ganz anderes Bild. So erhielten: in Ostpreußen: die Deutschnationalen am 14. September....... Duefterberg...... in Pommern: die Deutschnationalen am 14. September....... 243 000 m Duefterberg....... 198 000„ in Groß-Berlin: die Deutschnatio- nalen am 14. September.... 351000 m Duefterberg....... 232 000„ in Oppeln: die Deutschnationalen am 14. September........ 102 000 Duefterberg....... 55 000„ Aus einer näheren Betrachtung ergibt sich also, daß die Deutschnationalen sich nicht behauptet haben, sondern viel schwächer geworden sind. Hiermit wird die frühere Erfahrung bestätigt, daß die Deutschnationalen seit den letzten Reichstagswahlen einen beträchtlichen Teil ihrer Wähler- masien an die Nazis verloren. Unser Beispiel zeigt aber zugleich, wie wenig zulässig es ist, die für Hindenburg ab- gegebenen Stimmen ohne weiteres mit den Stimmen der „Hindenburg-Parteien" bei den Reichstagswahlen zu ver- gleichen. Die Parteien der bürgerlichen„Mitte" haben in der Zwischenzeit nicht nur einige Millionen ihrer Anhänger an die Nazis abgeben müssen, sondern auch die übriggebliebenen Mitglieder haben nur zum Teil für Hindenburg. zum andern Teil aber für Duefterberg oder Hitler gestimmt. So wählte das Landvolk in Thüringen Duefterberg, in Sachsen und in Hessen hauptsächlich Hitler. Wenn Hitler in W ü r t t e m- borg dreimal soviel Stimmen erhalten hat wie die Nazis bei den Reichstagswahlen, so erklärt sich das zum großen Teil dadurch, daß der württembergische„Bauern- und Wein- gärtnerbund" mit seinen 180 000 Stimmen(bei den Reichs- tagswahlen) ziemlich geschlossen Hitler wähstel In H e s s e n hat Hitler jetzt 280 000 Stimmen bekommen gegen 291 000 nationalsozialistische Stimmen bei den Land- tagswahlen im November, also um 4 Proz. weniger. Die nationalsozialistischen Verluste in den hessischen Städten waren aber viel stärker, sie betrugen nämlich in Darmstadt 27 Proz., in Mainz und Gießen über 30 Proz., in Offenbach und Worms über 13 Proz. Die starken Verluste' wurden durch die Ergebnisse auf dem Lande, die auf die Haltung des Landvolks zurückzuführen sind, einigermaßen ausgeglichen. Die Haltung des Landvolkes ist freilich kein Zufall: sie zeugt vielmehr von der fortschreitenden politischen Radikalisierung 206 000 Stimmen 134 000 auf dem Lande, wenigstens in einigen Teilen des Reiches. Diese Radikalisierung ist diesmal nicht nur den Nazis, son- dern auch den Kommunisten zugute gekommen, die durch die Stimmenzunahme auf dem Lande manche empfindlichen Ver- luste in den Städten und industriellen Gebieten ausgeglichen haben. Sonst haben die Nazis im Vergleich zu den meisten Wahlen, die nach dem 14. September stattmn.'en, nicht un» wesentlich verloren trotz der außerordentlich starken Wahl- beteiligung. Von Hessen haben wir schon gesprochen. Lm Staate Bremen haben die Nazis schon bei den Bürger- schaftswahlen am 30. November 1930 ihre Stimmenzahl gegenüber den Reichstagswahlen fast verdoppelt(50 700 gegen 26 140) und in der Stadt Bremen gar mehr als ver- doppelt(45 700 gegen 22 014). Jetzt haben sie im Staat Bremen insgesamt 42 745, also um rund 8000 oder um 16 Proz., und in der Stadt Bremen 36 253, also um 9450 oder um 21 Proz. weniger Stimmen erhalten als am 30. November 1930! Weniger ungünstig sind für die Nazis die Wahlergebnisse in H a m b u r g, wo sie nur 2000 Stimmen eingebüßt haben gegenüber den Bürgerschaftswahlen, allerdings wiederum bei der stärkeren Wahlbeteiligung. Diese Feststellungen sprechen dafür, daß man aus der Tatsache einer sehr starken Zunahme der nationalsozialisti- schen Stimmen seit dem September 1930 nicht die Schluß- folgerung ziehen darf, die Nazis hätten sich bis zum 13. März in einem ununterbrochenen Aufstieg befunden. Eher ist an- zunehmen, daß sie den höchsten Punkt ihrer Ent- Wicklung schon hinter sich haben. Den mächtigsten Antrieb hatte die Bewegung von dem schwindelhasten Wahl- erfolg im September 1930 bekommen. Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, daß die N i e d e r l a g e bei den Reichs- Präsidentenwahlen einen starken Rückschlag bewirken wird. T h ä l m a n n hat um 400 000 Stimmen mehr bekommen als die Kommunisten bei den Reichstagswahlen. Das entspricht fast genau der stärkeren Wahlbeteiligung. Am 14. September hatten die Kommunisten im ganzen Reiche 13,1 Proz., am 13. März hat Thälmann 13,3 Proz. aller Stimmen erhalten. Durch diese Durchschnittszahlen werden aber sehr bedeut- same Verschiebungen überdeckt. Die„Rote Fahne" mußte selbst am Montag zugeben, daß„die. Ergeb- nisie in den Industriegebieten, wo den Erfolgen sogar an manchen Stellen Stagnation und Rückgänge gegen- überstehen, das unbefriedigende Wahlergebnis in Berlin, für die Lehren dieses Wahlkampfes von ausschlaggebender Bedeutung" sind. Im Vergleich zu den ständigen Erfolgen in der Zwischen- zeit seit den Reichstagswahlen bedeutet der Ausgang der Reichspräfidentepwahl für die Kommunisten einen starken Rückschlag. In Bremen haben sie zwar im Vergleich zu den Bürgerschaftswahlen beträchtlich zugenommen, in Hamburg aber 45 000 Stimmen oder etwa 27 Proz. verloren. In Hessen haben die Kommunisten im November 106 800 Stim- men gehabt, und jetzt hat Thälmann 104 800 erhalten. Scheinbar also eine ganz geringe Abnahme. In der Tat haben aber die Thälmann-Parteien in Hessen eine empfindliche Schlappe erlitten. Diese Parteien, also KPD.. Kommunistische Oppositwn und SAP. haben in Hessen im November zusammen 130 000 Stimmen gehabt, so daß der Rückgang etwa 25 000 oder 19 Proz. beträgt. Die SAP. hat Thälmann, für den sie austrat, gewiß nicht viele Stimmen gebracht. Trotzdem machen sich die Folgen dieser Absplitte- rung in den Stimmen für Thälmann in manchen Bezirken (zum Beispiel in Breslau und Hessen-Nasiau) bemerkbar; in Baden hat der Uebertritt des Pfarrers Eckert, der dort eine starke persönliche Anhängerschaft hatte, eine gewisse Berstär- kung für die KPD. bedeutet. Der Zuzug von den Splittern konnte aber den Rückschlag bei der Arbeiterschaft nicht aus- gleichen. Auch in Berlin haben die„SAPeure" ein paar tausend Stimmen Thälmann zugeführt; Thälmann erhielt trotzdem in Berlin Nur 23,6 Pröz. aller Stimmen gegen 27,2 Proz. im September 1930. Auch auf dem Lande waren die Kommunisten nicht überall erfolgreich. Bei den Land- tagswahlen in Mecklenburg-Strelitz am gleichen 13. März haben sie nur 5450 Stimmen erhalten gegen 7220 bei den letzten Reichstagswahlen! Daß viele kommunistische Wähler die Parole, Thälmann zu wählen, nicht befolgt haben, bedeutet an sich noch nicht, daß sie alle sich endgültig von den Komnmnisten losgelöst haben. Auch in diesem Falle dürfen wir uns nicht auf die „Entwicklung" allein verlassen. Die tatsächliche Entwicklung wird in starkem Maße von uns abhängen. Wir müssen unsere Aufklärungsarbeit verdoppeln und verdreifachen, um die kommunistischen Anbänger endgültig zur proletarischen Vernunft zu bringen. Die Wahlergebnisse lebren uns, daß diese Auftlärungsarbest jetzt gute Erfolgsaussichten hat. Der gewaltige Ausstieg der Nationalsozialisten vollzog sich hauptsächlich auf Kosten der bürgerlichen Rechten und Mittelparteien. Nachdem wir oben festgestellt haben, daß auch die bei den Mittelparteien noch verbliebenen Wähler zum beträchtlichen Teil nicht Hinden- buxg, sondern Duesterberg oder Hitler gewählt haben, wird! es völlig offensichtlich, daß die kolossale Zahl von 18 660 000 Stimmen für Hindenburg nur deshalb zustande kommen konnte, weil erstens die katholischen Parteien, die am 14. Sep- tember zusammen 5186 000 Stimmen hatten und jetzt sicher- sich mehr als 5a Millionen auf die Beine brachten, und auf der anderen Seite die Sozialdemokratie eine geradezu er- staunliche Mobilmachung ihrer Anhängermassen vollbrachte. Die Zahl der Wähler der bürgerlichen Mitte und der- lenigen der Rechten, die aus persönlicher Ehrfurcht für Hindenburg stimmten, würde mit 4a Millionen eher zu hoch als zu niedrig gegriffen werden. Wir glauben deshalb, daß die Sozialdemokratie am 13. März viel« frühere Wähler, die am 14. September nicht für sie gestimmt hatten, und viele neue Anhänger aus der Jugend, insgesamt sicher mehr als 8� und wahrscheinlich nicht weniger als 9 Millionen zu den Wahlurnen gebracht| hat. Auf diese Leistung kann die Partei, der die deutsche Arbeiterschaft ihre politische Kultur verdankt, mit Recht stolz jeinl Razi-Waffenlager aufgehoben. Die Bürgerkriegsarmee m voller Ausrüstung. Hannover. 15. März.(Eigenbericht.), Die Pressestelle des Dberpräsidiums Hannover teilt mit: Im kreise Einbeck ist ein n a t i o» a l s o zl a l i st i> scher Waffentransport auf dem Wege zum Lrts- gruppeuführer der NZDAP. in Immensen polizeilich beschlagnahmt worden. Zu den Waffen gehörten 5 Gewehre Modell 98, 89 Stahlhelme, 18 neue Tor- nister mit Lebensmitteln für 2 Tage, 200 Infanterie- Patronen. 1000 Kubikzentimeter Sprengstoffmunition mit 2 Zündschnüren. Die Tornister waren mit Namen ausgezeichnet auf National sozla- sozialisten in Drtschafteu des Kreises Ein- beck. Beamte der hannoverscheu Landeskriminalpolizei haben inzwischeu weitere mehrere tausend Schuß Infanterie munition im Besitz Einbecker Ratio- nalsozlalisten festgestellt und beschlagnahmt. Es sind noch weitere Stahlhelme gefunden worden. Von den 34 Man», die dem Einbecker SA.-TruPP.n» gehören, waren, wie die polizeilichen Ernittlungen er- geben haben. 28 mit Stahlhelmen ausgerüstet. Durch die Polizeilichen Ermittlungen ist ferner festgestellt wor- den, daß der gesamte SA.-TruPP Anweisung erhalten hatte, sich am Sonntag nach der Beteiligun-' an!-»? Wahl außerhalb Einbecks in Immensen zu sammeln. Die vernommenen SA.-Leute haben zugegeben, daß sie gegebenenfalls entschlossen gewesen seien, von den Waffen, die sich in ihrem Besitz befanden, Ge brauch zu machen. Der Mord in Hückeswagen. Nationalsozialisten als Täter verhaftet. Opladen. 15. März. Zu dem schweren Zwischenfall, bei dem am Morgen de» Mahl- sonutagz in häckerwagen drei Kommunisten erschossen wurden, verbrelkei da» Landralsami in Opladen einen amtlichen Bericht, in dem es u. a. heißt, daß die Auseinandersetzungen zwischen den Kommunisten und Nationalsozialisten begonnen hätien, als ein Trupp Lenneper Nationalsozialisten in Hückeswagen eingezogen sei, um Wühlarbeit zu leisten. Unter Führung eines Zahnarztes aus Lennep sei es zum ersten Zu- sammenstoß gekommen, wobei nach dem Bericht von Augenzeugen nach einer belanglosen Rauferei von uatlooalsoziallstischer Seile der Befehl zum Schießen erteilt worden sei. Gleich daraus habe eiu auscheiueud noch nicht wähl- berechtigter Nationalsozialis! geschossen und den der KPD. cngehSreuden Arbeitslosen Blumberg getötet. Der Täler sei in die Wohnung des Dachdeckermeisters Marx geflüchlet, der ebcnsalls der NSDAP, augehöre. Inzwischen hätten mehrere Kommunisten sich vor der Wohnung de» Dachdecker- Meisters versammelt und gefordert, daß der iu das Haus des Marx geflüchtete Nationalsozialist sich freiwillig dar Polizei stelle. Marx Halle sich durch die Anwesenheit der Kommunisten vor seinem Hause bedroht gefühlt und geschossen, wodurch zwei Kommu- nisten gelötet worden seien. Der Täler sei sofort verhastet worden. Der Landrat habe vorbeugend bis aus weiteres alle nalioual- sozlalisrischeu Veranstaltungen in Hückeswagen und Ilmgegend ver- boten. Im Laufe des Moulag sei in Lennep eiu weilerer Natioaalsozialisl wegen Leleiligung an der Llutlal ver- haflel worden. Die Staatsanwaltschast hat gegen die drei Nationalsozialisten, die am Wahltage drei Kommunisten erschossen haben oder an der Tat beteiligt waren, die Voru ntersuchuna wegen Tot- schlags und Landsriedensbriichs eröffnet. Der in Haft befindliche Nationalsozialist Marx und der Urheber der Vluttal. der der Polizei bekannt, aber noch flüchtig ist. werden des Totschlags mit Vorsatz aber ohne Ueberlegung beschuldigt, gegen vier weitere Verhaftete lautet die Anklage auf Landfriedensbruch.' l�öhm macht Gchu e. Die„Röhmlinge" a's Zugendverführer. In Laasphe(Wests.) wurde bef fürstliche Gärtner a D. Erich Knebel wegen Vergehens gegen Paragraph 175 ver- hastet. Knebel war der Führer der NSDAP, in Laasphe sowie Turn- wart im.Laaspher Turnoerel n"" und als salcher Führer der männlichen und weiblichen Iugendgruppev. Außerdem führte er die Pfadfinder- und Wandervogel-Jugendgruppc. In dieser Eigenschaft hat sich Knebel seit dem Jahre 1929 fortgesetzt schwere sittliche Versehlungen an minderjährigen Kna- den zuschulden kommen lassen. In seiner Wohnung, einem Neben- gebäude des sürstlichen Schlosses in Laasphe, trieb er mit den Kin- dern unzüchtige Handlungen. Außerdem hat Knebel mehrere Knaben in.sadistischer Weise geschlagen. Als„Führer" der Laaspher Ortsgruppe der NSDAP, hat Knebel einen schmählichen Lügen- und Verleumdungsfeld» z u g gegen die Sozialdemokratie und ihre Führer enlsachi. Unter der Laaspher Bevölkerung lzerrscht große Empörung gegeu den Verführer und Verleumder. Die Väter der geschändeten Knaben wollten ihn lynchen. Inzwischen hat Knebel die ihm zur Last ge- legten Verfehlungen restlos zugegeben. * Das System R ö h m macht in der NSDAP sichtlich Schule. Trotzdem hat Hitler bisher keinerlei Anstalten gemacht, die Jugend in der SA. wenigstens für die Zutunst vor dem röhmischen System zu bewahren. Er selbst wird am besten wissen warum. Großwahsiag am 24. Aprsi. Neben Preußen auch in ILürttemveta. Bay m und Anhalt. Stuttgart, 15. März.(Elgeaberlcht.) Der Acllesteuausschuh de» würllemderglschen Landtags beschloß am Dienstag im Einvernehmen mit der Rcgieruag, daß die Neu- wählen zum Landtag am 24. April stallfinden und der ueugemählte Laudlag am tv. Mai zu seiner ersten Sitzung zusammentreten soll. Das Mandat des allen Landtags läuft demnach am 9. Mai ab. Bis dahin ist er für etwa notwendige Beschlüsse der Volksverlreiung zuständig. München, 15. März.(Eigenbericht.) Der Versassungsausschuß des Bayerischen Landtags ist zwecks Festsetzung des Termins für Neuwahlen zum Mittwoch ein- berufen. Bayern wird mit Preußen am 24. April neu wählen Dessau. 15. März. Bon zuständiger Seile wird als außerordentlich wahrscheinlich bezeichnet, daß auch die anhaltischen Landtagswahlen am 2 4. April, also mit den Preußenwahlen zusammen, durch- geführt werden Auflösung öer Hamburger Bürgerschaft? Neuwahlen evtl mit Vreuß?n Hamburg, lö. März.(Eigenbericht.) �»e nationalsozialistische Fraktion hat in der Hamburger Bür- gerschaft einen Antrag auf Auslösung der Bürgerschaft eingebracht. Ueber den Antrag wird frühestens am 23. März eine Entscheidung herbeigeführt werden können Ob die Hamburger Bür- gerschast dem Antrage zustimmt, läßt sich, zumal nach dem kommu» niftischen Mißerfolg am 13 März, noch Nicht übersehen. Für den Fall der Annahme des Antrages ist damit zu rechnen, daß ham- bürg, das erst am 27. September 1931 gewählt hat. gemeinsam mit Preußen Neuwahlen durchführen wird. Karlsruhe, 15. März.(Eigenbericht.) Im Badischen Landtag kündigten die Kommunisten am Diens- tag die Einleitung eines Bo l k s b e g e h r e n s aus die Aus- lösung des Landtags an, da die gegenwärtige Zusammensetzung des Landtags nicht mehr der Stimmung des Volkes entspreche. Merk- würdigerweis» rückten die Nationalsozialisten von dieser Ankündigung ab und erklärten, sie hielten«in Volksbegehren auf Auflösung des Landtags für aus- s i ch t s l o s.___» Vorbereitung zu den preußenwahlen. Ein Nunderlaß des preußischen Innenministers. In einem Runderlaß des preußischen Innenministers wird einleitend auf den Beschluß des Ständigen Ausschusses des Landtages Bezug genommen, durch den als Tag für die Neuwahl des preußischen Landtages der 2 4. April festgesetzt wird. In dem Runderlaß heißt es dann u a. weiter: Die W a h t z e i t dauert von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags Es sei nicht beabsichtigt, eine Ber- kürzung der Wahlzeit, wie sie für den ersten Wahlgang der Reichs- Präsidentenwahl zugelassen war, auch bei der Landtagswahl vor- zunehmen. Die Wählerlisten sind in der Zeit vom 30. März bis 3. April zur allgemeinen. Einsicht öffentlich auszulegen. Bei der Kürz« der bis zum Beginn der Auslegungsfrist zur Verfügung stehenden Zeit sind dieselben Wählerverzeichnisse zu benutzen, die der Reichspräsidentenwahl am 13. d. M. zugrunde lagen. Da ein zweiter Wahlgang für die Reichspräsidentenwahl er» forderlich ist und hierfür der 10 April bestimmt ist, und da für diese Wahl die gleiche Frist für die Auslegung der Wählerverzeichnisse oerfügt worden ist, find, damit für beide Wahlen nur ein Verzeichnis ausgelegt zu werden braucht, in einem Nachtrag diejenigen Personen als„am 10 April 1932 noch nicht wahlberechtigt" zu kennzeichnen, die erst am lt. April bis zum Wahltage wahlberechtigt werden. Mit Rücksicht darauf, daß die Frist für die Auslegung der Wählerverzeichnisse in die hauptumzugszeit fällt, sind Wahlberech- tigte. die bis zum Schluß der Auslegungszeil ihren Wohnsitz wechseln, im Wählerverzeichnis der Abzugsgcmeinde zu streichen und in dem der Zuzugsgemeinde aufzunehmen. Wahlberechtigte, die erst nach Ablauf der Auslegungsfrist ihren Wohnort verlegen, können nur auf Grund eines Wahlscheins wählen. Dem Stimmzettel wird das Muster zugrunde gelegt, das be- reits bei der Landtagswahl l92S Verwendung gefunden hat. Um die Schwierigkeiten zu vermeiden, die sich im Falle eines zweiten Wahlganges der Reichspräsidentenwahl daraus ergeben können, daß die Seeleute hierbei bis zum 15. April ihre Stimmen abgeben können, während ihre Stimmen für die Landtagswahl schon ab 14. Avril entgegen- genommen werden müßten, wird verordnet, daß Seeleute ihr Wahlrecht erst vom Tage vor dem Wahltag jedoch bis zum siebenten Tage nach diesem ausüben können. Ein Aiientätchen gefällig? Schuß auf einen D.'Zuc,. Die Telegraphsnbüros verbreiten folgende Meldung: Der I)- Z u g 7 Uhr 45 ab München, mit dem hiller. Dr. Goebbels und Dr. Frick nach Weimar fuhren, wurde nach Mit- teilung der Reichsbahndirektion kurz vor Jena von bisher nicht ermittelten Tätern beschossen. Ein Wagen dritter Klasse wurde getroffen. Personen wurden nicht verletzt. Der Wagen wurde zur Untersuchung zum Reichsbahnausbesserungswerk Naumburg a. d. S. gebracht. Nach einer späteren Meldung weiß man nicht, ob es sich um «inen. Steinwurf, ein Katapult oder einen Schuß handelt. Man weiß nur. daß eine Fensterscheibe kaputt ist. Es ist möglich daß der Vorfall trotz seines harmlosen Ausganges als„Attentat auf Hitler" ausgegeben wird. Jeder Diktator braucht bekanntlich sein Attentat, damit er populär werde. Es könnte also auch jemand auf den Gedanken kommen, daß der Gendarmeriekommissar und Regierungsrat, der verhinderte Diktator, wenigstens den Nimbus eines miß- glückten„Attentats" brauchte. Aber die Schießerei ist gerade bei den SA-Leuten große Mode. Viel näher liegt allerdings der Gedanke, daß überhaupt kein Schuß erfolgt ist. Man hat— auch ohne so erlauchte Fahrgäste— schon öfter von angeblichen Schüssen aus iah- rende Züge gehört. Später hat sich das aber gewöhnlich auf das Harmloseste aufgeklärt. Es wird wahrscheinlich auch bei Kahla oder Jena nichts anderes fein. » Augenberg abgeblitzt. ItaatSgerichtShof weist seine Klage gegen Preußen zurück. Leipzig. 13. Marz. Der Antrag der deutschnationalen Fraktion im Preußischen Landtag, die V e r o r dn u n g deS preußi- schen Staatsministeriums zur Aenderung des Landes- Wahlgesetzes vom 13. Dezember 1931 für ver» fassungswidrig zu erklären, wurde vom Staats- gerichtshof für das Deutsche Reich z u r ü ck ge w i e s e n. Soweit noch weitere Anträge gestellt sind, wird die Ver- Handlung bis zur nächsten Sitzung des Staatsgerichts' Hofs ausgesetzt. Die Entscheidung des Staatsgerichtshofs wurde durch Reichsgerichtspräsident Dr. B u m k e im wesentlichen wie folgt be- gründet: Das Recht der deutschnationalen Fraktion zur Klage ist klar. Es handelt sich auch um eine Verfasiungsstreitigkeit inner- halb eines Landes. Nun erhob sich die Frage, ob durch die Ver- ordnung des Reichspräsidenten vom 21. August Artikel 17 der Reichsverfassung verletzt sei, der die s r e i st a a tl i ch e Ver- sassung der Länder garantiert. Diese Frage hat der Staats- gerichtshof verneint. Den Länderregierungen wurde durch die Verordnung des Reichspräsidenten die gleiche Ermächtigung erteilt, wie sie dem Reichspräsidenten aus dem Artikel 48 der Reichs- Verfassung zusteht. Im einzelnen: Hier soll der Wahlquotient verändert werden, und das ist zulässig. Der Staats- gerichtshof erklärt, daß die Verordnung des Reichspräsidenten auch diese Maßnahme der preußischen Staatsregierung deckt. Der Er- folg besteht in einer erheblichen Ersparnis. Die Ersparnis zu erzielen, liegt aber im Wesen der Ermächtigung, die der Reichspräsident den Landesregierungen durch die Verordnung vom 24. August gegeben hat. Ersparnisse sollen dadurch erzielt werden, soweit das möglich ist Nun erhebt sich die Frage, ob neben der erzielten Ersparnis auch politische Wirkungen eintreten, die außer allem Verhältnis zu dieser Ersparnis stehen. Dies ist aber von keiner der beteiligten Parteien überhaupt vorgebracht worden. Auch hat der Staatsgerichtshof aus eigener Kenntnis keine Tatsachen nach dieser Richtung in Erfahrung bringen können. Deshalb kann auch der Staatsgerichtshof nicht zu der Ansicht überzeugt werden, daß hier etwa unter dem Deckmantel der finanziellen Ersparnis Miß- brauch getrieben worden sei mit der den Ländern erteilten Er- mächtigung. Die Zukunft der Gtaatstheater. Tietjens Appell an die Oeffentlichkeit. Generalintendant T i e t s e n hatte zu Dienstagabend die Ver» treter der Berliner Theaterpresse, Schauspiel- und Opernkritikcr, zu einer Besprechung ins Kultusministerium eingeladen. Man weiß, daß der Generalintendant der preußischen Theater gleichzestig das Amt des Ministerialreferenten für die preußischen Staatstheater bekleidet. Wegen dieler Doppelstellung wurde Tietjen gerade in letzter Zeit angegriffen. Denn es schien weder sachlich noch persönlich gerechtfertigt, daß der nämliche Mann die preußischen Staatstheater, also die Berliner Staatsoper, das Staatstheater, das vorläufig noch öffentlich-rechtliche Schillertheater, die Wiesbadener und Kasseler Staatstheater a's höchster Leiter verwalte und gleichzeitig nur sich selber verantwortlich für diele Tätigkeit sein solle. So bedeutete die Einladung Tietsens an die Presse eine Flucht in die Oeffentlichkeit. i Tietjen, der sonst das Hervortreten in den Zeitungen nicht liebt,] wollte weitesten Kreisen d'e Gründe darlegen H» ihm zu seiner■ letzten Betätigung veranlaßten. Denn er war ja nach außen hin I der Verantwortliche für die S cb l i e ß u n g der K r o l l o p e r. für> die Verwandlung des Schillertheaters in einen privat- I wirtschaftlichen Theaterbetrieb und für die Lostrennung der! beiden anderen preußischen Staatsbllhnen von der Landesverwaltung. Zunächst tei'te Tieften mit, daß er gestern früh dem preußischen Minister für Unterricht und Kunst, Dr. Grimme, ein Gesuch eingereicht habe, um von den Pflichten des Ministerialreferenten befreit zu werden. Der Minister bewilligte das Gesuch unter der Bedingung, daß Tietjen sich noch für die bevorstehende Neuordnung der Dinge zur Verfügung halte. Diese Neuordnung geht besonders das Staats- theater an, also das Schauspielhaus, das feit der Entlassung des Intendanten Legal herrenlos geworden ist. Im Gegensatz zu sonst veröffentlichten Behauptungen betonte Tieften, daß er nicht daran denke, in sein Amt des Generalintendanten auch das Intendanten- amt für das Schauspielhaus hineinzuziehen. Cr besteht im Gegenteil darauf, daß ausreichender Ersatz für Legal gefunden wird. Tietjen selber will, sobald wie möglich, wieder die Leitung der Staatsoper übernehmen, deren Führung er. gezwungen durch feine Referentenpflichten, bisher den Generalmusikdirektoren und und dem Regiekollegium des Hauses Unter den Linden überlieh. Hausierer Hugenberg. „Prima Wählerstimmen, Herr Reichspräsident, kleiner Restposten, spottbillig ab- zugeben,- wie wär e Geschäfichen?" „Danke nein. Grade diesen Ar:ikel habe ich selber sehr reichlich am Lager." Der Haushalt Preußens. Große Etatrede des Mnanzministers Klepper. Oonaupläne gescheitert? Gens. IS. März.(Eigenbericht.) Der französische UUaisterpräsideut Tardleu hafte im taufe des Dienstag eine Reihe von Ua'erhaltungen über die Pläne de« Donau-Zusatr. menschlusscs. Trotz des geheimen Eha- rakters dieser Zusammenkünfte wird bekannt, daß das Projekt sich als undurchführbar herausgestellt hat. vle Segen- Wirkung Ztatieu». das eine Abtrennung von Ungarn be- fürchtet, scheint mit Deutschlands nnd Polens Vorstellungen den Aus- schlag für das Scheitern zu geben. Man rechnet damit, daß Tardieu bereits am Donnerstag wieder nach Pari, zurückkehrt. Riesenexplosion bei Kanton. Vier Nunitionsdepots in die Lust aeflogen. S a n t o n. Ii. März. vier Muniiionsdepols in der Röhe von Santon sind lndletus» geflogen. Die Stod» morde durch die Explosioa wie von einem Erdbeben erfchülter». Man glaubt, daß Sommu- nisten(?) die Pulver lager tu die tust gesprengt haben. Russisch-japanifcher Jlugzw'fck» nfal! Charbin. IS. März. Ein sapanisches Flugzeug soll beim Ueberfliegen von Sowsetgebiet. östlich von Pogranitschnaja. von acht Sowjet- slugzeugen ZUmLanden gezwungen worden sein Zrau Gandhi, die vor 14 Togen nach langer Haft aus freien Fuß gesetzt wurde, ist am Dienstag wieder verhaftet worden. Sie wurde sofort zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Ver- l hastung erfolgte in Bardoli. wo Frau Gandhi bereits früher gegen die Zahlung der Steuern Propaganda' gemacht halle.* Der Preußische Landtag trat am Dienstag zu seiner zweiten Märztagung zusammen, die, wenn nicht noch in April eine kurze Tagung stattsindet, die letzte dieser Wahlperiode ist. Präsident Wittmaack eröffnet die Sitzung mit ehrenden Worten des G:denlens für den verst ibenen>r: srb�.o dneten Henkel, der fest Februar 1927 im Landtag den Wahlkreis Oppeln vertrat. Auf der Tagesordnung steht die« r st e Beratung des preußischen Staatshaushalts für �YZ2. Die mit der Beratung verbundenen über hundert Anträge sämtlich« Parteien werden einem Vorschlage des Aelllstenrates entsprechend abgesetzt. Der Präsident erteilt dem Finanzminister das Wort. Z nanzmin ster Klepper bringt den Haushalt mit längeren Ausführungen ein. Er weist darauf hin, daß die preußischen Haushalle bis zum Jahre 1930 ausgeglichen waren. Das Jahr 1939 brachte einen Fehlbetrag von rund 204 Mil- Ronen; das Jahr 1931 dürste mit einem solchen von insgesamt 24S Millionen Mark abschließen. Der Haushaltsplan für 1932 sei somit mit rund 449 Millionen Mark vorbelastet. Nach den Schätzungen des Reichssinanzministers werde der reine Staats- anteil an den Ueberweisungsstsuern um rund 238 Millionen Mark geringer fein als im Vorjahr. Bei den Erträgnissen der Betriebsver- waitungen sei ein Rückgang um 31,9 Millionen Mark zu erwarten. Das Auskommen der Hauszinssteuor, das 1930 noch 947,4 Millionen Mark betrug, sei für 1932 auf 700 Millionen Mark veranschlagt worden. Nach Abzug von 160 Millionen als Mietbeihilfe für die Fürsorgeverbänd« blieben S40 Millionen Mark übrig, von denen 25 Millionen für die Bautätigkeit und weitere 25 Millio- nen für den Staatsfinanzausgleick vorgesehen seien. Der Rest von 490 Millionen entfalle mit 231 Millionen auf die Gemeinden und mit 259 Millionen auf den Staat. Die Grundvermögenssteuer werde einen Minderertrag von 35 Millionen, die Stempelsteuer einen solchen von 8 Millionen ausweisen. Die gesamte Einnahmeverschlechlerung betrage Z7S.4 Millionen Mark. Man habe davon absehen müssen, die Fehlbeträge der Vorjahre in den Haushallsplan für 1932 aufzunehmen. Der Haushaltsausgleich sei im wesenilichen aus der Ausgaberfteite durchgeführt. Die Er- sparnisse. die durch die Notoerordminoen und andere Kürzungen er- ziell wurden, betrugen bei den persönlichen Ausgaben 207,2 und bei den sächlicken Ausgaben 74,7, insgesamt also 281,9 Millionen� Mark. Da diese Ersparnisse noch nicht reichten, wurden an fast allen Sonder- haushalten weitere einschneidende Abstriche vorgenommen, wobei noch etwa 92 Millionen eingespart werden tonnten. Die Gesamt- summe der Einsparungen belaufe ssch auf 389 Millionen Mark. Die Zlbschlußzahlen des Haushalts läoen mit 3,1 Milliarden Mark etwa drei Viertel Milliarden unter denen des Vorjahres. Der Minister erörterte die Frage, ob der haushalksausgleich ein echter sei. Diese Frage sei zu bejahen Die Uebereignung der preuhisckcn Siedlungsbeteiligungen an das Reich für den Preis von 100 Mil- Ronen Mark ist nach Anficht des Ministers für beide Teile vertretbar. Man dürfe wohl saasn, daß Preußen in der Förderung der ländlichen Siedlungstätiqkest. deren Bedeutung er durchaus anertenns, in finanzieller Hinsicht zu weit gegangen sei. Die Staatsbank sei mit annähernd 70 Millionen Mark für Sied- lungsoorschüsse in Anspruch genommen, deren Abdeckung zurzeit un- möglich wäre. Es sei desbalb richtig, die Finanzierung der ländlichen Siedlung beim Reich zusammenzufassen. Die Einrichtung einer be> sonderen Rcichsstedlungsoerwastung wäre allerdings unzweckmäßig. Die Verhandlungen mit der Reichsregierung feien im Sinne der Beibehaltung des bestebenden verwaltungsmäßigen Zustandes geführt worden. Die erwünschte Förderung des städtischen W o h- nungsbaues könne nur in bescheidenem Umfange fortgesetzt werden. Zu v e r n e I n e n sei die Frage, ob die Haushaltsgestaltung an. sich eine befriedigende finanzwirtschaftlich? Entwicklung auf- zeige. Der Ernst der Situation werde am deutlichsten, wenn man die Staatsfinanzen im Zusammenhang mit den Finanzen der Ge- meinden betrachte. Den Gemeinden fei das letzte Risiko des Arbeilsmartte» aufgebürdet, ohne daß sie dem die Einnahmen anpassen könnten. Es dürften nur wenige Gemeinden in der Lage sein, ihren Haushalt auszugleichen, wenn nicht eine baldige Aenderung eintrete. Es bestehe die Gefahr, daß von den Gemeinden eine allgemeine Erschütte- r u n g ausgehe. Die im Staatshaushalt enthaltenen Einschrän- kungen erreichten die Grenze der gegenwärtigen preußischen Ein- sparungsmöglichkeiten. Noch nicht erfolgt fei aber die Umstellung des Verwaltungsapparates auf die verminderte finanzielle Lelstungs- fähigkeit. Hinsichtlich derVerwaltungsreform wünscht der Ministcr, daß dem Uebergreifen der Reichsverwallung entgegengewirkt werde, wenn dadurch unnötige Dovpelarbeit und- doppc'te Zuständigkeiten entständen.'Unabhängig vom der R«Ichsrefcrm sei die preußische Verwaltungsreform ein« unter dem'Druck der finanziellen Eni- Wicklung unaufschiebbare Aufgabe. Eine Finanzreform sei gleichzestig erforderlich. Die Zusammenfassung der Steuer- Hoheit und der Verfügung über das Steueraufkommen bei der Reichsregieruncj bedürfe der Auflockerung. Entweder das Reich über- nehme, wie fem Amtsvorgänger wiederholt angeregt habe, gegen- über Ländern und Gemeinden f e ft e Verpflichtungen für Steuerüberweifungen, oder es erfolge eine Neuordnung der Steuer- Hoheit, die Selbstverwaltung und Selbstverantwortung wieder näher ansinanderführe. Eine grundsätzliche Grenzziehung zwischen der öffentliche! Finanzpolitik und der allgemeinen Ivirlschastspolilit fei noi wendig. Die Auffassung, als könne man finanzpolitisch den Wechsel von Kon- junktur und Krise beeinflussen, verkenne die wirtschastsgeschichtliche Erfahrung. Es fei noch nie eine Wirtschaftskrise durch straffe Steuer- Politik verursacht und noch nie eine Konjunktur durch strasfe Steuer- Politik verhindert worden. Dagegen zeige die Wirtschaftsgeschichte viele Beispiele dafür, daß eine inkriti.scherZeitnachgiebig geführte Finanzpolitik zur Zerrüttunq der Wäh- r u n g und damit der Wirtschast geführt habe. Ganz besonders zeigten sich Gefahren dieser Art, wenn die Finanzpolltik sich dazu verleiten lasse, durch Subventionen den Versuch zu machen, die Wirtschaft„anzukurbeln". Die deutsche Finanzpolstik werde diesen Gefahren bewußt ausweichen müssen. So sehr es notwendig sei, die Staatsausgaben zu senken, so notwendig sei es auch, durch Erhöhung der Einnahmen die Mittel zu beschaffen, die erforderlich sind für die Aufrechterhaltung des Staatsbetriebes. Nur dann könne man auch in den Gemeinden den erforderlichen Gesuvdnngsprozeß durchführen. lieber die angekündigte Umfchuldungsaktion hinaus müsse den Gemeinden das Risiko der Erwerbslosenfürsorge abgenommen werden. Diese Lasten seien der Gesamtheit derer aufzuerlegen, die nicht von der Erwerbslosigkeit betroffen sind. Notwendig fei auch, einzelnen besonders gefährdeten Gemeinden Sai'erungsbeihilfen zu- ruführen. Die letzte Entscheidung über Ei'lnla und Mißersola d°r Finanz- Politik werde von der ollgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung be- stimmt. Er glaube nicht an den Erfolg einer Wirtschaftsautarkie; in Deuftchland werde keine isolierte Konjunktur eintraten. Der konjunkturelle Aufschwung komme, wenn man in internationalen Ueber- einkommen beachte, daß der Sinn moderne-- wirtschaftlicher Ent- wickllina in e-ner Erleichterung des zwischenstngtlichen Güter- austauschs bestehe, nicht aber in seiner Hemmung. Die Staatsfinanz- volitik habe durch den Ausgleich des Haushalts eine Gefäbrdung von Währung und Wirtschaft zu vermeiden, die-s unmög'ich machen würde, die Frist bis zur Wirtschaftswende zu überstehen. Diese Ueberzeugung gebe auch einer bewußt sozialfortschristlich gesinmen Regierung wie der preußischen Staatsreoierimg die innere Berechti- gung zu der Härte Ihrer gegenwärtigen Finanzpolitik. Als der Finanzminister feine Rede beendet hat, rufen die Kam- munisten:„Das war Eure Leichenrede!" Um 15 Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch, 12 Uhr: All- gemeine politische Aussprache zur ersten Haushaltsberofting. .�tach der Schlacht", so lautet das Thema des Aussprache- Abends der Ortsgruppe Berlin des Deutschen Republikanischen Reichsbundes am Mittwoch, dem 16. März, abends 8 Uhr, im Saal des Demokratischen Klubbauses, Berlin W 1V. Viktoriastr. 24(nahe der Potsdamer Brücke). Gäste willkommen! Eintritt frei! Eintritts- karten durch die Geschäftsstelle: Berlin NW40, Kronprinzenufer 19, Telephon: A 2 Flora 5690. Schlagt Hitler aufs Haupt! Mit voller Krast weiter arbeiten. Wir können es uns versagen, im einzelnen den Nachweis zu führen, daß die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter, Ange- stellten und Beamten bis auf den letzten Mann und bis auf die letzte Frau der Parole der Eisernen Front gefolgt sind:„Schlagt Hitler, . wählt Hiudenburg". Die Zahlen sprechen für sich selbst, und die Be» gleitmusik der Bolschewisten beweist, daß diese Sprache selbst auf die Zentrale der KPD. nicht ohne Eindruck geblieben ist. Allerdings sind die angeblichen Führer der KPD. von vornherein entschlossen, nichts zu lernen und alles zu nergeflen, was nicht von Moskau kommt. Sie tun andererseits so, als wären sie bereit, sich der Kritik und den Borschlägen ihrer Mitglieder nicht ganz zu verschließen:„Die Kritik der Massen muß einsetzen. Ein Hagel von neuen praktischen Vorschlägen muß einsetzen." Die„Führer" von Moskaus Gnaden haben für solche Borschläge und Kritiken einen großen Papierkorb, wenn nötig die große Schaukel, aus die jeder kommt, der so etwas wie eine eigene, von der offiziellen„Linie" abweichend«, Meinung zu bekunden wagt. Wen die Schuld trifft an dem eklatanten Mißerfolg der kom- munistischen Parole vom.�Hauptfeind" und an dem ebenso eklatanten Erfolg der Parole der Eisernen Front, darüber besteht bei den Thälmann und Heinz Neumann nicht der geringste Zweifel. Es sind dieselben, die bisher immer noch schuld hatten an allen anderen kommunistischen Mißerfolgen und Niederlagen, dieselben, die blind und taub gegen alle Tatsachen und Möglichkeiten treu und brav olle kommunistischen Parolen befolgt haben, sich dem Hohn und Spott ihrer Arbeitskollegen ausgesetzt, um Moskaus willen ihre Existenz aufs Spiel gesetzt haben Die werden wieder gerüffelt. Die Zentrale der KPD. entdeckt zum zehntausendsten Male als Ausgleich ihrer eigenen Unfehlbarkeit die Fehler ihrer Truppen. In den Betrieben, auf den S t e m p e l st e l l e n, in den G e- werkschaften sei nicht genügend gearbeitet worden. Das Gefühl für Gerechtigkeit auch gegenüber dem politischen Gegner erfordert, die kommunistischen Arbeiter gegen diese Be- schuldigungen In Schutz zu nehmen. Die Anhänger der KPD. haben in den letzten Wochen verzweifelte Anstrengungen gemacht, gegen ihre eigene bester« Ueberzeugung— sofern sie sich diesen Luxus er- tauben— wider den Stroni zu schwimmen. Ist es ihre Schuld, wenn die Parole der KPD. keinen Resonanzboden fand? Diese kommunistischen Arbeiter sind die Opfer. Sind sie deshalb die Schuldigen? Nur ein Beispiel unter taufenden. Wenige Tage vor der Wohl sollte für den Siemenskonzern eine große Thälmannkund- gebung stattfinden. Zwei Wochen lang wurde vorher die Reklame» trommel gerührt. Das kommunistische Betriebsorgan ließ es an nichts fehlen, um sich zu blamieren. Handzettel wurden zu Zehn- tausenden verteilt. Vor den Betriebseingängen schrien Sprechchöre den 4!)l)lX> Zlrbeitern und Angestellten in die Ohren, daß Thälmann der wahre Jakob und Heinz Neumann sein Prophet sei. Denn dieser kam höchstselbst nach Siemensstadt. Und was war der Erfolg dieser intensiven Agitation?— Von 40 000 kamen ISO, wohl die gesamten Zellenmitglieder, soweit sie nicht Dienst hatten. Warum blieben die anderen fort? Das kann die Zentrale der KPD. nicht begreifen, eben well sie selbst unfehlbar ist— solange wenigstens, bis sie von Moskau mit Schimpf und Schande davongejagt wird. Wenn sich aber die Zentrale der KPD. damit begnügt, leere Lehren aus chrer Niederlage zu ziehen, so bleibt uns die Aufgabe, mit voller Kraft weiter zu arbeiten, die Hammer- schaften auszubauen und den Erfolg der Eisernen Front zum Siege der organisierten Arbetterschaft zu wandeln Hitler und Thälmann bauen ihre Agitation auf dem Grundsatz auf:„Der Mensch ist dumm." Wir aber müssen entsprechend unserer alten Traditio» un- ermüdlich für Aufklärung sorgen. Hammerschaften voran! Schlagt Hitler aufs Haupt! Was wird mit Arbeitsamt Süd? Die Verantwortung der Veichsanstalt. Wie wir erfahren, will man das Arbeltsamt Süd doch noch nach der Sonnenallee verlegen. In seinem Beschluß, den wir iu unserer Morgenausgabe vom 10. März verösi'enllicht haben, hat der Geschäftsführende Ausschuß des Arbeitsamtes Südost einstimmig sich gegen die Verlegung des Arbeitsamtes Süd in das Gebäude des Arbeitsamtes Südost ausgesprochen. In diesem Beschluß hat der Geschäftsführende Ausschuß auf die „außergewöhnliche politische Gefahr" hingewiesen, die diese Zusamnienballung von zehntausenden Arbeitslosen in einem einzigen Hause bedeutet. Er hat wetter darauf hingewiesen, daß die Gesundheit der beschäftigten Beamten und Angestellten„bei den unüberwindlichen Schwierigkeiten in kurzer Zeit zermürbt und aufgerieben" würde. Er hat weiter festgestellt, daß„keine sachliche Notwendigkeit" für diese Zusammenlegung besteht. Weiter heißt es in dem Beschluß: „Das neue Amtsgebäude war nach der damaligen, wesentlich geringeren Arbeitslosigkeit(etwa 2ä000) nur für den Bezirk Südost berechnet. Die Verlegung des Arbeitsamtes Süd... müßte bei dem gegenwärtigen Stande auf jeden Fall für unabsehbare Zeit vertagt werden. Der Geschäftsführende Ausschuß lehnt die Ver- antwortung entschieden ab." Trotz dieses Einspruches der zuständigen Verwattungskörper- t fchaft, den sowohl die Vertreter der öffentlichen Körperjchaften wie i die der Unternehmer» und Arbeiterschaft einstimmig beschlossen, trotz\ der traurigen Erfahrungen, die man gemacht hat, besteht die Reichs- anstatt auf der Zusammenlegung. Wir haben in Uebereinstimmung mit dem Gcschäftsführenden Ausschuß des Arbeitsamtes Südost schon einmal auf die Gesahren hingewiesen, die für die öffentliche Ordnung und Sicherheit aus einer derartigen Zusammenballung von Zehntausenden von Arbeits- losen sich ergeben müssen. Wir haben darauf hingewiesen, daß man den Arbeitslosen nicht ohne Rot derartig weite Wege zumuten darf. Wir warnen nochmals nachdrücklich davor, das Experiment jetzt trotzdem zu oersuchen. Wir haben vergebens darauf gewortet, daß die Reichsanstalt der Ocfsentlichkest, den Arbestslosen und den Arbettsamtsangestellten die sachlichen Gründe mitteilen wird, die sie zu dieser Maß- nähme veranlassen. Wir wissen sehr wohl, daß die Reichsanstalt unter dem Druck schwerer finanzieller Sorgen steht, unter dem Druck, mit den beschränkten Mitteln die Arbeitslosen über Wasser zu halten. Wir wissen auch, daß dieser Druck verstärkt wird durch das Gutachten des Reichssparkom missars. Wir wissen auch und haben darauf hingewiesen, daß in letzter Linie die reaktionären Unternehmerverbände für die Hetz« gegen die Arbeitslosen und gegen die Arbeitsämter verantworttich sind. Aber man befreit sich nicht von der eigenen Verantwortung, indem man den Druck von oben ncuh unten weitergibt. Verantwortlich für die Zustände in den Arbeitsämtern ist und bleibt die Reichsanstalt. Beamte und Republik. Die Haltung des DLV. Von einem Mitglied der Sozialen Arbeitsgemeinschaft im Deut- schen Veamtenbund wird uns geschrieben: Der Deutsche Beamtenbund bekennt sich in seinem Programm zu einem republikanischen Verfassung-- st a a t. Bei jeder Gelegenheit hat er in den letzton Jahren die besondere Verbundenheit der Beamten mit dem d e m o- kratischen Volks st aat betont. Bei der Ne i ch s p r ä si- d e n t e n w o h l, die ein Entscheidungsringen um Demokratie und Republik im wahrsten Sinne des Wortes war, wo es darum ging, den Worten Taten folgen zu lassen, hat dar Deutsche Vaamtenöung kläglich versagt. Der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Beamtenbundes lehnte es sogar ab, einen Aufruf für die überparteiliche Kandidatur Hindenburgs an seine Mstglieder heraus- zugaben! Heute muß offen ausgesprochen werden, daß die Mehrheit des republikanisch gesinnten Volkes kein Verständnis für eine solche Haltung einer Beamtenorganisation hat, nachdem alle De- wertschaften ohne Unterschied ganz klar Farbe bekannt haben. Wenn die Beanttenschaft nicht den Mut hat, in der Stunde der Ge- fahr für den Staat sich in unzweideutiger Weise zu entscheiden, dann braucht sie sich wirklich nicht zu wundern, wenn das Interesse für ihre berechtigten rechttichen und materiellen Sorgen mehr und mehr dahinschwindet. Erfreulicherweise hat die Soziale Arbeitsgemein« fchaft, die rund 400 000 Mitglieder umfaßt, für die Wahl Hinden- burgs aufgerufen und ein klares Bekenntnis für Republik und Demokratie abgelegt. Der Reichsverband Deutscher Post- und Tele- graphenbeamten und der Verband Preußischer Polizeibeamten haben außerdem noch von sich aus in besonderen Aufrufen für Hindenburg geworben. Die Erregung über die Haltung des DBB. ist ungeheuer groß. Der Preußische Polizeibeamtenverband hat durch ein st immigen Beschluß seines Vorstandes die Mitgliedschaft im Deut- schen Beamtenbund bereits gekündigt. Es ist klar, daß sich die Republikaner im Deutschen Beamtenbund mtt dem Versagen ihrer Spitzenorganisation nicht abfinden werden. „Soziale" Buchdruckereibesitzer. Abbau ist die poi o!e. Die Anträge des Deutschen Buchdruckeroereins zu den Manteltarifverhandlungen sind ein richtiger D i st e l- st r a u ß. Sie haben in der Arbeiterschaft Erbitterung und Empörung hervorgerufen. Uebcrall wimmelt es von Verschlechterungen, so daß es manchmal schwer fällt, die Forderungen der Unternehmer ernst zu nehmen. An der Arbeitszeit nicht die geringste Rücksichtnahme auf die ungeheure Arbeitslosigkeit. Bei den U« b e r st u n d e n Kürzung der Aufschläge auf 20 Proz. des üblichen Stundenverdienstes und Aufrechterhattung der bisherigen Leistungspflicht trotz des ungeheuren Arbeitslosenclcnds. In der L o h n f r a g e Untergrabung des Wochen. lohns' durch Vcreinbarungsfreiheit von Stundenlöhnen im Einzel- arbcitsvsrtroge. Man will dieLohnabstufungennachunten erwestern, den Maschinensetzeraufschlag um die Hälfte und den der Korrektoren um ein Drittel kürzen. Die zentrale Festsetzung der Ortszuschläge möchte man kreisweise auf- lockern und der Entlohnung in anderen Gewerben„anpassen". Die übertariflichen Lohnanteile sollen ohne Kündigung des Gc- samtarbeitsvertroges niii nur wöchentlicher Kündigung geändert werden können. Die bezahlten Feiertage sollen nach den Anträgen der Unternehmer von bisher 8 auf höchstens S herabgesetzt werden. Für Sonntagsarbeit will man nicht nur einen direkten Zwang festlegen, sondern auch no 68 Lindenstraße 2. Hierzu 2 Beilagen. i» ta -gr ' Ä«««AI ••'.'"Rss/.)•!>>.•' Unter- # MI 1■• Vorkriegspreise! Dtr. 122• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 16. März 1 932 Vcrbredierisdie fahrlässlgKeit. Ein Jahr Gefängnis für Othegravcn. Das Schöffengericht Vcrlin-Schöncberg ver- urleilte den 5«unstmalei.' v. Olhcgravcn, dessen Leopard Ra- »!osch am 23. Januar d. Z. die l'i Jahre alle Erika tödlich und deren Mutter, Arau Scharrios, leicht verletzte, wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Sörperverlehung zu l Jahr Gesang- n i s und wegen Uebertrctung der polizeilichen Vorschriften über galten von Raubtieren zu 150 Mark Geldstrafe. Die Entscheidung über eine B c w ä h r u» g s f r i st hat das Gericht sich vorbehalten. Der Antrag des Staolsanwalls halte auf 1 Jahr S Monate Gefängnis und 4 Wochen Haft gelautet. -i- Dos Urteil des Gerichts ist zu recht gefällt worden. Der Kunst- maler v. Ochcgravcn, der als Afrikaforschcr sich in Raubtieren aus- kennen nmßle, hat durch feine verbrecherische Fahrlässigkeit das Ehepaar Schurries um ein liebliches kleines Kind gebracht. Wie grob fahvlö/sig er gehandelt, ergab die Beweisaufnahme. Die Wer- sügung des Polizeiamts Charlottenburg- Tiergarten ließ keinen Zweifel darüber, daß die Anwesenheit des ausgewachsenen Raub- tieres in einer Wohnung nicht geduldet werden könne. Was tat v. Othcgranen? Beim Verlassen der Abtei in Treptow, in der Na- nosch in Verwahrung war, meldete er das Tier in Neukölln nicht ab und im Polizeiamt Schönebcrg auch nicht an. Verbrecherisch fahrlässig war auch die Art der Besestigung des Raubtieres. Eins eigentümliche Rolle spielte Frau Rinke vom Tier- schutzverein. Als der Regierungsrat Bloch vom Polizciamt Char- lotteuburg auf die striktostc Durchführung seiner Verfügung bestand und mit Erschießen des Tieres drohte, nannte sie in einem Briefe an ihn sein Verhalten barbarisch, Frau Rinke war es auch, die— entgegen dieser Verfügung— dem Kunstmaler die Wohnung in der Kaiserallee besorgte und bei der Anmeldung des neuen Mieters im Polizeirevier das Raubtier nicht erwähnte. Sie hielt das Tier sür„rasend" zahm, obgleich es seine Krallen auckz ihr in den 5)ols grub, alz sie eines Tages in einem Pelzmantel das Zimmer betrat. Die Ohnmacht, in die sie damals versiel, und die Narben, die sie heute noch schmücken, haben ihrer Liebe zu Nanosch keinen Abbruch getan. Mieter Beisitzer müssen sein! Mehr als 1000 Mieterfunktionäre fordern sie Die„Freie Bereinigung der M i« t« r b« i s i tz e r bei deiz Mi eteinigungsämtern und Amtsgerichten l? r o ß- B c r l i u s" hatte die bisherigen Micterbeisitzer zu einer Skundgcbung in den Bürgcrsaol dcz Berliner Rathauses gerufen, um gegen die Beseitigung der L a i« n b« i s i tz« r bei den Micteinigungsämtern zu protestieren. Rechtsanwalt Dr. Alfred Michaelis sprach über„Die Rot- Verordnung vom 8. Dezember und den Abbau der Laienrichter". Stach längeren Ausführungen über die mietrechtlichen Bestimmungen der Notverordnung zitierte er den Artikel 2 dieser Notverordnung: „Die Amtsgerichte und die Mieteinigungsämtcr entscheiden ohne B e i s i tz e r." Mit diesen paar Worten ist die Laiengcrichtsbarkeit aufgehoben worden, und das in einer Zeit, in der die Rechtspflege mehr denn je Laienrichter braucht. Oft sind es blutjunge Assessoren, die über das Schicksal von Familien zu entscheiden haben. Hier haben die Laienrichter bei der Urteilsfindung oft wertvolle Arbeit geleistet, da sie reiche Er- fahrungen aus der Praxis des täglichen Lebens haben. Die Mieter- deisitzcr, die durch die Nolverordnung beseitigt wurden, müssen da- Zun wirken, daß diese Maßnahnie wieder aufgehoben wird. Genosse Gramse vom Bund de ut s che r. M i et er- vereine betonte, daß die Tätigkeit der Mieterbeisitzer eher zur Bewahrung als zur Gefährdung der Ruhe und Ordnung beigetragen chat, daß also keine Veranlassung bestand, sie mit Hilfe des§ 48 zu beseitigen. Die Notverordnung spricht von der Schaffung des sozialen Mietrechts. Aber das kann man nicht schaffen, wenn man vorher die dazu unbedingt notwendigen Laienbcisitzer entfernt. Genosse T h ä l e vom Reichsbund deutscher Mieter forderte ebenfalls die Wiedereinsetzung der Beisitzer, die wertvolle soziale Arbeit geleistet haben. Wir brauchen die L a i e n b e i s i tz e r nicht nur bei den Mieteinigungsämtcrn und Amtsgerichten, soncern auch bei den Landgerichten und beim Reichsgericht. Der Zentrolvorsitzende Reimann des Verbandes der Mieter und Wohnungsuchenden schloß sich diesen Forderungen an. Eine Entschließung, die diese Forderungen vertritt, wurde einstimmig angenommen. Es heißt darin:„Die Hinzuziehung der van den Mieter- und Vcnnicterorganisotioncn bestellten Beisitzer entsprach dem verfassungsmäßigen Reckst des Volkes auf Mitwirkung in der Rechtspflege und lag inr Interesse einer sozialen Recht- sprechung. Mehr als"iQOÜ Micterbeisitzer Groß» Berlins, die seit vielen Jahren als solche tätig sind, fordern oie Wiedereinführung der sozial und kulturell wertvollen Laiengerichts- barkeit. Ein den Bedürfnissen aller Volksschichten gerecht werden- des soziales Mietrecht Hat zur unerläßlichen Voraussetzung, daß durch Mitwirkung von Laienrichtern eine soziale Rechtspflege ge- sichert wird." Zum Schluß betonte der Leiter der Kundgebung, Genosse Lange, daß die Vereinigung der Mieterbeisitzer bestehen bleibt und tatkräftig für ldie aufgestellten Forderungen arbeiten wird. Hastbefehle gegen Verräter. Sie decken immer noch ihre Aazi-Mitverschworenen. In der Hochverratsaffäre der Berliner Schupo» b e a m t e n ist gestern im Laufe des Tages gegen den beschuldigten Leutnant Lange und den Polizciwachtmeister Schulz- Briefen vom Untersuchungsrichter in Moabit Haftbefehl erlassen worden. Die gleichfalls der Mittäterschaft beschuldigte Buchhalterin Ger- trud Müller und der Oberleutnant a. D. Schlüter, zur Zeit Weinhändler, sind wegen mangelnden Tatverdachts wieder frei- gelassen worden. Lange hatte behauptet, daß Schlüter, der vor einigen Jahren aus der Schutzpolizei ausschied, mit ihm zusammen den ganzen Plan zur Beschaffung der Pläne der Polizeiunterkünste und der Waffen- und Munitionslager verabredet und zum Teil auch aus- geführt habe. Der frühere Polizeioffizier Schlüter bestritt das ent- schieden, und eine überraschende Haussuchung bei Sch. führte auch nichts Belastendes zutage. Bisher kannte noch immer nicht fest- gestellt werden, wer der Betressende war, mit dem Lange im Ber- liner Gaubüro der Hakenkreuzler in der Hedemannstraße mehrfach verhandelt hatte. Zu diesem Teil der Untersuchung schweigt sich der verräterische Offizier beharrlich aus. „Nazi von östlichem Aussehen." Llniversitätskrawallisten vom Schöffengericht verurteilt. Vor dem Schöffengericht Verlin-Rtitte fanden am Dienstag die Aniversitätskrowallc vom 29. Juni v. I. ein viel zu spätes gerichtliches Nachspiel. Ein.--ruck. zur. Schliltcrmann wurde zu einem ZNonat Gefängnis verurteilt. Im Anschluß an eine Protestkundgebung der Nazistudenten innerhalb der Universität kam es, wie erinnerlich, an diesem Tage zu schweren Ausschreitungen der Hakenkreuzstudenten gegen ihre linksgerichteten Kommilitonen. Drei Krawallbrüder wurden fest- gestellt. Der Senat sprach einen von den dreien, den 22jährigen. stuck, tireol. F r e n z e l, frei und verwies die stuck, zur. Sch litter- mann und S i m o n von der llniversität. Frenze! erhielt daran: von der Polizei wegen gemeinschaftlicher Körperver- l c tz u n g einen Strofbcfehl auf 6 Wochen Gefängnis, Schlittermann einen solchen auf 2 Monate Gefängnis und Simon auf 7 Woche» Gefängnis. Alle drei legten gegen die Strafbefehle Einspruch ein, über die das Schöffengericht Bcrlin-Mitte jetzt zu entscheiden hatre. Interessant war die Aussage des Rektors Professor D e i ß m a n n. Der Vertreter der Nazistudenten hatte ihn gebeten, die Protest- Versammlung zu gestatten. Professor Deißmann verweigerte seine Erlaubnis dazu, erklärte sich aber bereit, die Protesterklärung unter der Bedingung entgegenzunehmen, daß die Studenten unmittelbar danach auseinandergingen. Er nahm dann tatsächlich die Protest- crklärung entgegen, die Nazistudenten dachten aber gar nicht daran. auseinanderzugehen. Bald hier, bald da fielen sie trotz der Anwesen- heit des Rektors und seiner Pedelle über ihre Kommilitonen her, obgleich die Führer der Hakenkreuzler erst vor wenigen Tagen ver- sprachen hotten, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Amüsant war die Antwort des Rektors auf die Frage des Vorsitzenden, ob es niöa- lich war, festzustellen, wer Nazis, wer Kommunisten waren.„Do? war ganz immöglich", sagte er,„es gibt Kommunisten mit blondem wallenden Haar und Nazistudenten von ausgesprochen ö st l i ch c m Typus. Das Gericht sprach den Angeklagten Frenze! frei und verurteilt« den-tuck. zur. Schlittermann zu einem Mona: Gefängnis und den stuck, zur. Simon zu öll Mark Geldstrafe. Ein Lahr Gefängnis für Vauh. Schwere Bestechung und trotzdem mildernde Llmstände. Das Potsdamer Schöffengericht verurteilte den Stadtbauinfpcktor Rauh vom tzochbauanrt in Potsdam wegen schwerer und einfacher Bestechung unter Zubilligung wildernder Umstände zu insgesamt einem Jahr einem M o- nat Gefängnis. Dem Angeklagten wurde die Fähigkeit, ösfem liche Aemter zu bekleiden, auf die Dauer von zwei Jahren ab gesprochen. Die gezahlten. Bestechungsgelder oder deren Wert in Höhe von tiöllv M. fallen dein Staat zu,. Die Mitangeklagten, Wer ner und Herbert L II i e'aus' Potsdam, wurden wegen Be- st e ch u n g zu je 2 0 0 0 Mark verurteilt. Rauh, der bisher in Haft war, wurde auf freien Fuß gesetzt. Die mildcriiden Uni- stände wurden, wie der Vorsitzende, Landgerichtsrat v. Horn, aus- drücklich hervorhob, nicht etwa darin gefunden, daß der Angeklagte die Bestechungsgelder dem Stahlhelm zugewendet hat, sondern weil er sich jahrelang als tüchtiger Beamter bewahrt hat, bis er vor vier bzw. fünf Jahren zu straucheln anfing. Daß Rauh große Summen dem Stahlhelm gegeben habe, könne nach An ficht des Gerichts den Angeklagten in keiner Weise entschuldigen. Die Führerschaft im Stahlhelm bringe gewisse Unkosten mit sich. Wer die Mittel dazu nicht habe, müsse die Finger davon lassen und sich nicht zu strafbaren Handlungen hinreißen lassen. �us dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. Wenn sie beieinanderstanden und sich unterhielten, dann wirkten sie in ihrer soliden und gesetzten Art, ihrem zurück- haltenden und wortkargen Wesen nicht wie Landstreicher und Gefangene, sondern eher wie Fischaufkäufer, dörfliche Vieh- Händler oder Kaufleute, die sich in einer anständigen Herberge ein Stelldichein gegeben haben. Dieser Eindruck verstärkte sich besonders, wenn sie Tee tranken. Das Teetrinken war bier nicht nur ein- Angelegenheit, die der Stillung des Durstes dienen oder das Brot hinunterspülen sollte. So sitzen Freunde, die sich wieder einmal zusammengefunden haben, lange bei einer Flasche Wein, der vielleicht sauer und minder- wertig ist; aber bei diesem Wein rinnt die freundschaftliche Unterhaltung so wohltuend und warm, so voll von Erinne- rungen an alte Zeiten, von Zukunftsträumen, von Klagen über die Gegenwart. Sie tranken ihren Tee. wie die Völker des Morgenlandes ihr Nargilch rauchen, wie fromme Nichts- tner die Perlen des Rosenkranzes durch die Finger gleiten lassen, wie Chinesen in heimlichen Spelunken oder auch im eigenen Hause, auf Teppichen und Kissen ausgestreckt, ihr Opium oder Haschisch rauchen Oder wie die Juden, wenn sie auch noch so arm sind, sich an den feierlichen Schabbestisch setzen, aus dem vielleicht nur ein kleines Stückchen Fisch und eine Scheibe Schabbesgebäck liegen und dann selig die um- ständliche Prozedur des feiertäglichen Mahles abwickeln, eine Prozedur, deren Element nicht'so sehr das Religiös- als viel- mehr das Traditionelle ist. Sie tranken ausführlich ihren Tee, bis zu zehn Bechern. sie schwitzten, sie zogen die Kittel aus, knöpften die Hemd- kragen auf, wischten sich den Schweiß mit großen Schnupf- tüchcrn oder gar mit Handtüchern ab. gingen auf die«eite, um„nack) den Pferden zu sehen", kamen zurück und tranken weiter. Und beim Tee rann das Gespräch, sie tauschten Erinnerungen aus an alte Gcfängniszeiten, Rutenstrafen. Fluchten, Ansiedlungsrayons, sibirische Dörfer. Sie sprachen bekümmert von verschollenen oder ums Leben gekommenen Freunden; sie erörterten neidvoll das Geschick anderer, die es verstanden hatten, sich ein gesichertes Leben aufzubauen, zu Wohlstand, Familie, Haus und Hof zu gelangen. Manche von den alt/:n Kriminal'verbrechern, die ihre Zwangsarbeits- und Zwangsansiedlungszeit hinter sich hatten, faßten Fuß in einem reichen Dorf, fingen einen Handel an, machten einen Laden oder eine Herberge auf, wurden reich und lebten durchaus häuslich. Natürlich waren diese reichen „Hocker" Gegenstand der Mißgunst und des verhohlenen Neides seitens der Erfolglosen, denen es ihr Leben lang nicht glücken wollte, aus den ewigen Mißgeschicken, Gefängnissen, Transporten, Verdächtigungen und Verhaftungen hinaus- zufinden, also kurz: seitens der alten Tippelbrüder. In ganz Rußland gab es damals mehr als dreimal- hunderttausend Verschickter und zwangsweise Angesiedelter. Mit Anbruch des Frühlings pflegte ein Drittel dieser un- geheuren Arme Reißaus zu nehmen. Nur wenige von ihnen. findige und gewandte Burschen, gelangten nach Rußland. manche andere verstanden es, sich auf irgendeine Art in Sibirien einzurichten, alle übrigen aber, die eigentlich keine anderen Hilfsmittel hatten als das warme Sommerwetter und die Unterkunftsmöglichkeiten, die ihnen der Urwald bot, strolchten in großen Schwärmen umher und nährten sich von der Jagd; oft kamen sie auch aus dem Urwald auf die Land- ftraßen, erschienen plötzlich in Dörfern und Ansiedlungcn, stahlen und raubten. Die wirtschaftlich tüchtigen und erfolgreichen„5zocker". die von jeher im Ruf hartherziger Egoisten, unerbittlicher Blutsauger und heimtückischer Verräter ihrer ehemaligen Freunde und Gefährten standen, machten oft Jagd auf die Flüchtlinge, denen es nicht gelungen war. einen Unterschlupf im Urwalde zu finden. Vom Kopf bis zu den Füßen be- waffnet, ritten oder fuhren sie umher, legten Hinterhalte. organisierten förmliche Kesseltreiben und brachten nach Räuberart mitleidslos Dutzende von Unglücklichen um. Sic fingen auch Lebende, so viele sie konnten, lieferten sie den Behörden aus und ließen sich dafür die für jeden eingebrachten Flüchtling ausgesetzte Belohnung zahlen. Die Behörden waren mit dieser Praxis natürlich von Herzen einverstanden: sie hatten an diesen freiwilligen Hütern der gesetzlichen Ord- nung ja ihre treuen und zuverlässigen Bundesgenossen. Ueberhaupt erfreuten sich die wirtschafttich selbständigen und besonders die reichgewordenen Hocker warmer Freundschaft und Protektion bei den Behörden. Von den„Hockern" habe ich nie anders sprechen hören— auch in ihren eigenen Kreisen nicht— als von gemeinen, blutdürstigen, bestechlichen und zu jedem Verbrechen bereiten Leuten. Es kam auch sehr häufig vor, daß reisende Kauflcute oder andere Personen, bei denen sich Geld vennuten ließ, ausgeraubt und ermordet wurden, wenn sie bei„Hockern" einkehrten. Die Habsucht der Hocker — sogar solcher, die bereits begütert genug waren, um ihr Leben in aller Behaglichkeit hinbringen zu können—, kannte keine Grenzen. Kam zu ihnen ein Flüchtling, der Geld hatte, so nahmen sie ihn in Schutz, versorgten ihn mit Essen und Trinken, stellten ihm Pferde zur Weiterfahrt zur Verfügung, nur um möglichst hohe Summen aus ihm herauszupressen. Mit dem Einsetzen der Winterfröste nahm die freie Herr- lichkeit der Flüchtlinge ein Ende. Viele kamen scharweise in die Stadt, geradenwegs zum Gefängnis, wo sie ihren Bissen Brot und ihr Dach über dem Kopf hatten; zu diesein Zweck gaben sie sich als Paßlose aus und rückten mit ihren Namen nicht vor Frühlingsbeginn heraus. Viele andere. die sich vom Komfort des Gefängnisses weniger angezogen fühlten, zagen in die besiedelten Gebiete, plünderten Dörfer und ließen es auf regelrechte Kämpfe mit den Hockern an- kommen. Manche zogen einzeln oder gruppenweise von Dorf zu Dorf und bettelten um ein Stück Brot, aber da man bei ihnen meist schlimme Absichten voraussetzte, so kamen sie damit nicht weit und gerieten oft den Behörden in die Hände. Wenn die große Kälte einsetzt, dann fand man überall auf Landstraßen und Seitenwegen, in der Näbe der Ansiedltin- gen, manchmal sogar in den Hofen der Bauernhäuser tftc froststeifen Leichen Verhungerter und Erfrorener. Man hat deren in Sibirien nach Tausenden gezählt, wie viele aber mögen im Urwalde umgekommen sein, ohne daß man sie je gefunden hätte? Ich hörte den alten Tippelbrüdern zu und gewann aus ihren knappen, abgerissenen und manchmal verworrenen Er- Zählungen immerhin eine Vorstellung vom Leben in den Gefängnissen, Zuchthäusern, Zwangsansiedlungen und Ber- schickungsortcn. Ueber ihr persönliches Leben und die hinter ihnen liegenden Verbrechen sprachen sie selten, kurz und widerwillig. Sie neigten dazu, einen Schleier über ihre Ver- gangenheit zu breiten, und in der Tat hatte wohl jeder von ihnen ein Geheimnis zu hüten, vielleicht ein blutiges Ber- brechen oder gar eine ganze Kette von Untaten zu verHeim- sich eil.(Fortsetzung ioltztO Weihen der Lugend. Mit d«r Abkehr immer weiterer Kreis« de- Proletariats von kirchlichen Lehren und Einrichtungen verlieren auch die kirchlichen Feiern für die Arbeiterschaft mehr und mehr ihre Bedeutung. Da- für schafft sich da- Proletariat neue Feste und Feierstunden, die Ausdruck seines Lebensgesühls sind. Groß ist schon die Zahl der schulentlassenen Jungen und Mädchen, die jährlich zu Ostern, statt an der Konfirmation, an unseren Jugendweihen teilnehmen. Grog ist aber auch schon die Zahl der Aelteren, die an solchen Feiern teilgenommen haben und von dem machtvollem in die Tiefe reichen- den Ernst der Veranstaltung erschüttert heimgingen. Deutlich ist in der Gestaltung der Jugendweihen in den letzten Jahren eine vorwärtssührende Entwicklung festzustellen. Bestanden früher die Jugendweihen vielfach noch aus einem Programm mit einer Reihe mehr oder weniger innerlich verknüpfter Einzeldar- bietungen, so kommt man neuerdings immer mehr zu der Form der geschlossenen Weihehandlung, die all« beteiligten Kräfte(Musik, Sprech- und Bewegungschor. Sängsrchor, Tanz- gruppe usw.) unter einem Leitgedanken zu einer wohl ab- gerundeten und in sich verbundenen Feier vereinigt. Bon dem Vorbild der Konfirmation, das hier und da noch nianchen Eltern vorschwebt, wird vollkommen abgesehen, denn neue Ideen, ein neuer Festwille bedürfen auch einer neuen und sinngemäßen Form. Mehrere solcher neugeschasfenen Jugendweihespiele sind bei den in Berlin durchgeführten„Jugendweihen cer Sozialisten. Freidenker und Gewerkschaften" schon aufgeführt worden, bei denen, unter Ver- wcndung von Einzelsprechern und aller chorischen Mittel(bei dem Schonlankschen„Seid geweiht" auch unter Berwendung einez be- sonders für diesen Zweck hergestellten kurzen Filmstreifens), die Weiherede völlig in Wegfall kommt und an ihre Stelle die ch a n d- lung des Weihespiels tritt. Durch diese Art der Durch- sührung der Jugendweihe wird in viel stärkerem Maße, als es in einer Weiherede möglich ist, der Charakter der Jugendweih« als der Aufnahm« der aus der Schule«ntlasienen uno nun in das Er- iverbsleben eintretenden Kinder in die Reihen der kämpfenden, sozialistischen und vorwärtsstrebenden Arbeiterschaft herausgestellt. Die diesjährigen Jugendweihen werden im gleichen Sinne durchgeführt. Während bei der Jugendweihe am 213. März in der „Reuen West" und am 2S. März im„Großen Schauspielhaus" Schönlanks„Seid geweiht" aufgeführt wird, das bereits in früheren Jahren starken Eindruck hervorgerufen hat, ist für die Jugend- weihen am 20. und 2S. März in der„Volksbühne"«in neues, von Waller May geschaffenes chorifches Jugendweihespiel mit dem Titel „Zum Land« der Gerechten" vorgesehen. Bei den Auf- führungen wirken u. a. mit:„Der Junge Chor" unter Leitung von -Heinz Tiessen, das Orchester der Sozialistischen Arbeiterjugend, der Kinderbewegungschor der Lebensgemeinschafteschul« und Sprechchor Riede rfchönhaufen, Chöre und Orchester der„Freien Schuloemeinde" Pankstraß«. Die Bewegungschöre leitet Martin Gleisner. Spricht man von„proletarischer Kultur", so wird man an diesen Jugendweihen nicht vorübergehen dürfen, und auch die Aelteren werden ihnen Beachtung schenken müssen. Arsenal des Soziaiismus Klarholz bleibt verurteilt. Tie Große Strafkammer des Landgerichts I hatte sich mit den Unterschlagungen zu beschäftigen, die der Buchhalter Klar- holz in den Jahren 1926 bis 1929 bei der Hilfskasse der Freien Wohlfohrtsoerbände, die gleichfalls zu diesen Unternehmungen ge- hört, begangen hat. In dieser seiner Tätigkeit verwendete«r 500000 M. für eigene Zwecke. Die Anklag« gegen K. ist erst auf Grund der Enthüllungen im Devaheim-Skandal er- folgt, während nach Aufdeckung der Unterschlagungen durch ein Steuerstrafverfahren die Hilfskafs««s nicht wagte, gegen den unge- treuen Buchhalter vorzugehen, weil er zuviel von den sonstigen Manipulationen wußte. Das Schöffengericht Berlin-Mitt« haste Klarholz zu 214 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Große Straf. kammer des Landgerichts I kam zu einer Verwerfung der vom An- geklagten eingelegten Berufung und bestätigt« das Urteil. Professor Maurer erwidert! Auf die am 8. März im„V o r w ä r t s" erfolgte Veröffent- lichung eines an den ordentlichen Professor an der Landwirtschaft- lichen Hochschule Maurer. Dozent an der Staatlichen Garten- bauschule in Dahlem gerichteten Offenen Briefes hat Herr Maurer nunmehr erwidert Diese Erwiderung ist aber im Grunde genommen nur ein Versuch, die an der Gartenbauschul« bestehende> Soziali st ische Arbeitsgemein schaft als eine rein kam- j munistifche Gruppe nachzuweisen. Davon kann gar keine Rede sein, � denn wir sind besser unterrichtet als Herr Maurer. Wir wollen' nunmehr folgendes feststellen: Professor Maurer hat der Gruppe j des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes die Aus- hängung eines eigenen Anschlagbrettes erlaubt, er hat dasselbe Recht aber der Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft verweigert. Gleiches Recht für alle, Herr Maurer! Entweder wird nun den Nazis das Brett entzogen und entfernt oder der Arbeitsgemeinschaft wird erlaubt, ein Brett aufzuhängen. Wir sind überzeugt, daß die eine oder die andere Entscheidung jetzt sehr schnell fallen wird. In aller Stille und mit großer Sorgfost ist beim Bezirks- vorstand der Berliner Parteiorganisation eine Einrichtung aus- gebaut worden, die verdient, nicht nur weithin bekannt, sondern auch benutzt zu werden Das ist die A u s l e i h b i b l i ot h e t des Bezirksbildungsausschusses. Lindenstr L, 2 Hof links 2 Treppen, die unter Leitung des Genossen Schenk steht. Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 6 bis L Uhr geöffnet ist und allen Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei und der Sozialistischen Arbesterjugenid unentgeltlich zur Perfügung steht. Die Bücher werden ausgeliehen und können mitgenommen werden. Ein Ausweis über Parteizugehörigkeit und Wohnung muß vorgelegt werden. Die umfangreiche Kartei weist dem Bücherfreund folgende Hauptgruppen nach: A. Nachschlagewerke, Parteitagsprototolle und Berichte: ö. Geschichte, Lebensbeschreibungen und Erinnerungen (Memoiren): E. Länder- und Völkerkunde: E Naturwissenschaften, Gesundheitslehre, Spiel und Sport: H Rechts- und Staatslehre und Politik: Wirtschaft und Gesellschaft: E. Sozialismus und Arbesterbewegung: dl. Technik. F. Philosophie, Religion. Erziehung, Unterricht. Bildungswesen, Jugendbewegung: T. Kunst. Theater, Musik,- Lsteratur, Geschichte: U. Romane. Erzählungen, Sagen. Volksbücher, Unterhaltungsschriften, klassische Dichtungen, Gedichte und Dramen. Es wäre ein müßiges Beginnen, an dieser Stelle alle Schätze aufzählen zu wollen, über die diese Bücherei verfügt. Man kann da nichts Besseres tun, als selber hingehen, Einsicht in den Katalog nehlnen und danach seine Wahl treffen. Rur ein paar Anregungen seien hier gegeben. Greifen wir das Gebiet heraus, das uns am nächsten liegt: Sozialismus und Arbeiterbewegung. So wie man es erwartet und wie es sich gehört, ist diese Sparte gang besonders gut und umfangreich ausgestattet Rein zisferninähig an der Spitze steht Karl Kautsky mit nicht weniger als ins- gesamt 48 Büchern und Schriften. Ihm folgen Karl Marx und Ferdinand Lassalle mst 27 Werken. Der Oesterreicher Dr. Friedrich Adler ist mit 47 Werken. Friedrich Engels mst 7, Wilhelm Liebknecht mit 14. Paul Kampffmeyer mst 7 Werken vertreten. Der bürgerliche Werner S o m b a r t kann sich mit 5 vorhandenen Werten auch nicht beklagen. Wer sich über Wesen, Bedeutung und Grundlagen des modernen Sozialismus msterrichten will, der findet u. a. folgende Bücher, nach dem Alphabet aufgeführt: Rudolf Abraham. Theorie des modernen Sozialismus— Max Beer, Allgemeine Geschichte des Sozialismus— Eduard Bernstein, Die Bor- aussetzungen des Sozialismus— Adolf Braun, Ziele und Wege, Erläuterungen der sozialdemotratischen Gegenwartsforderungen— L. Brägel, Gesch. chle der österreichischen Sozialdemokratie— Gustav Eckste-n, Kapstalismus und Sozialismus, Gespräche zur Einführung in die Grundbegrifse des wisienschoftlichen Sozialismus— Wilhelm Ellenbogen, Was will die Sozialdemokratie? Elementare Erläute- rungen des sozialdemokratischen Programms— Paul Hirsch, Der Weg der Sozialdemokratie in Preußen— Paul Kampffmeyer Die Sozialdemokratie in der deutschen Geschichte und Die Sozialdemo- kratie im Licht de? Kulturgeschichte Franz Klühs, Der Ausstieg. Führer durch die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, von demselben: Werden und Wachsen der sozialistischen Bewegung— Karl Korn, Die Westanschauung des Sozialismus— Kautsky, Bernstein und das sozialdemoiratische Programm— Dorläuser der neueren Sozialismus— Wilhelm Liebknecht, Was d'» Sozialdemokraten silst, und was sie wollen— Lipinski, Die Jugendzeit d'r sozialistischen Bewegung in Deutschland bis zur Gründung der Zozialdemokrati- schen Arbeiterpartei Deutschlands 1875— Franz Mehring, Ge- schichte der deutschen Sozialdemokratie— Paul Pslüger, Der Sozia- lismus der israelitischen Propheten: von demselben: Der Sozialisinus der Kirchenväter— Eugen Prager. Geschichte der IlSPD.— Max Quarck. Die erste deutsche Arbeiterbewegung. Geschichte der deutschen Arbestsroerbrüderung 1848/49— Gustav Radbruch. Kulturlehre des Sozialismus— Friedrich Stampser, Grundbegriffe der Politik: oon demselben: Das Görlitzer Programm— Karl Vorländer, Die Ge- schichte der sozialistischen Ideen— Wilbrandt, Sozialismus. Selbstverständlich gibt es in dieser einen Abteilung noch eine Unmenge anderer Werke, die bei allen Bildungshungrigen Interesse erwecken werden, wenn sie nur die Titel hören. Ueber die gerade heute wieder ungemein wichtige Frage: Sajia! ismus und Kirche unterrichten eine ganze Anzahl von Schriften, z B Otto Bauer, Sozialdemokratie, Religion und Kirche: Kurt Falck. Die christ- liche Kirche uud der Sozialismus: Paul Göhre, Wie ein Pfarrer Sozialdemokrat wurde: Anton Pannekoek, Religion und Sozialismus; I. v. D. Brink. Ein katholischer Pfarrer als Sozialdemokrat u. a. Dann ist vorhanden die berühmte bodenreformerische Schrift oon Henry George. Fortschrist und Armut. Von Hennarm Heller Sozi i- lismus und Ration, von Dr. Arkady Gurland Marxismus und Diktatur, von Hendrik de Plan Psychologie des Sozialismus und Sozialisinus als Kulwrbewezunz, oon Dr. Kurt Geyer. Führer und Masse in der Demokratie, oon Alexander Stein Agrarfrage und Sozialisinus, von Anna Blas Die Frauensrage im Licht des Sozia» lismus und viele andere Bücher und Schriften die besonders unsere jungen Menschen mit großem Gewinn lesen werden. Wer aber als Redner für die sozialistische Bewegung tätig sein möchte und sich noch nicht heraustraut, dem sei angelegentlich die vortreffliche Schrift von Dr. Eduard David Reserentensührer empföhle, r. Ungetreuer Bahnpostfchassner. Der Bahnpostschaffner Bruno H. wurde vom Schöffengericht Mitte wegen Amteunterschlagung und Urkundenbe- seitigung zu 1 Jahr 2 Monaten Zuchthaus verurteilt. Der An- geklagte hatte sich drei Jahre lang während seines Dienstes an un- gofähr 300 Einschreib- und gewöhnlichen Briefen vergriffen und einen Betrag von 1S00 Mark erbeutet. Eiue Arraqe an die OPD. Ein Abonnent schreibt uns: „Vereinbart es sich mit den Aufgaben und Pflichten eines republikanischen Beamten, wenn er auf der Straße und insbesondere auf dem Wege zu seiner Dienststelle für die nationalsozialistische Partei dadurch Propaganda treibt, daß er Passanten mit dem Faschistengruß beehrt?" Sollte, was ich für selbstverständlich halte, die Oherpostdirestion der Auffassung sein, daß derartig« staatsfeind- liche Element« in einer Behörde nichts zu suchen haben, so mache ich ans den Direktor des Postamtes R. 20 in der Christianiastraß« aufmerksam, den ich dabei wie&erholt beobachtet habe, wie er auf der Straße Passanten mst dem Hitlergruß grüßte. Verhängnisvolles iKkatspkel. Da? Potsdamer Schöffengericht verurteiste den 38jährigen Postschaffner I. vom Postamt Glindow wegen Unter» drückung amtlicher Urkunden zu sechs Monaten Gefängnis Der Angeklagte war ein leidenschaftlicher Skatspieler und saß viel« Gastwirtschaften herum, wo er sogar die Zustellungen ausfüllte und amtliche Abrechnungen machte. Eines Tages wurden ihm 200 Mark amtliche Gelder gestohlen. Um den Fehlbetrag zu verdecken, hiell der Angeklagte die Zustellungsurkunden mehrer« Tage zurück, um sich in der Zwischenzeit Geld zu borgen, was aber mißlang. Kahenellenbogens letztes Wort. Er gibt Dehler zu und bestreitet strafbare Handlungen. Nach den Repliken der Rechtsanwälte Asch, Dix, Stemmler und des Justizrats Gott schalt erteilt« der Porsitzende nach der Mittags- paus« im Schultheiß-Prozeß den angeklagten Mitgliedern des früheren Generaldirektoriums das Schlußwort. Ludwig K a tz e n e l l e n b o g e n sprach folgendes: „Ist) hoffe voller Zuversicht, daß Sie, meine Herren Richter, die. Ueberzeugung gewonnen haben, daß ich hier vom ersten bis zum letzten Wort die reine Wahrheit gesagt habe. Ich glaub« fest, daß der Weg der Wahrheit zu der Erkenntnis geführt hat, daß Ich zwar Fehler gemacht, aber keine strafbare Handlung begangen hahe- Rachdem ich. wie Sie wisien, alles, was ich in 38iähriger mühevoller Arbeit aufgebaut habe, in einem Unglücksjahr verloren habe, bin ich gezwungen, von vorn anzufangen und mir eine neue Existenz zu gründen. Das aber kann mir nur dann gelingen, wenn Tie. meine Herren Richter, mich nicht nur freisprechen, sondern durch die Begründung Ihres Freispruchs auch meine kaufmännisch« Ehre tvieher herstellen. Daß Sie dies tun werden, ist mein fester Glaube." 'Dr. Sobernheim wies in seinem Schlußwort auf die schicksalshaft« Verbundenheit seiner Person mit der Schultheiß- Gesellschaft hin, deren Ausstieg er mitgefövdert habe. Ihr Ansehen sei fein Ansehen gewesen. Desljalb habe«r das Gefühl qehabt, er burfie im Interesse der Gesellschast nicht sprechen, da die Gesellschaft möglicherweise die Gefährdung nicht hätte überstehen können. Wich er sowohl wie der Angeklagte Penzlin betonen, daß sie sich keiner rechtswidrigen Handlung bewußt seien; beide bitten das Gericht um Freispruch. Di« Verhandlung wurde auf Sonnabend um 11 Uhr vertagt. Wahrscheinlich wird im Verlauf des Sonnabends auch das Urteil der Strafkammer verkündet werden. Baugenoffenfthast in Schwierigkeiten. Wie die Verwaltung derBerlinerBaugenossenschaft e. G. m. b. H. mitteilen läßt, ist sie infolge der starken Abzüge von Spareinlagen seit dem Einsetzen der Julikrise trotz aller Be- mühungen zur Aufrechterhallung der Liquidität in Schwierigkeiten geraten. Mit Unterstützung der Berliner Wohnungssürsorgegesell- schaft ist mit den Hypothekengläubigern ein Abkommen getroffen, wonach ein Treuhänder bestellt wird, an den sämtliche Mieteingänge aus den der Gesellschaft gehörenden Häusern(etwa rund 1S00 Wohnungen) abgeführt werden müssen. Aus diesen Mitteln sollen die rückständigen Hypothskenzlnssn gezahlt werden. Man hofft,.die aufgelaufenen Verpflichtungen innerhalb Jahresfrist, sür die der Treuhänder zunächst bestellt wird, abdecken zu können. Eine Ge- fährdung der Spareinlagen sei keinesfall» zu befürchten. Wohnungsbrand im Nordosten. In der Wadzeckstraße 13, im Berliner Nordosten,«r- eignete sich gestern in den Nachtstunden ein größerer Woh- n u n g s b r a n d. Die Wohnungen des zweiten und dritten Stück- Werks wurden schwer heimgesucht. Die Feuerwehr gebot großen Alarm und arbeitete mU drei Rahren. Degen Mitternacht war das Feuer gelöscht._ Reiche Beule im werke oon 15 000 M. machte eine Einbrecher. kolonne, die in der Nacht zum Dienstag in die Räume einer Kon- sektionsfirma in der Berliner Str. in Neukölln eindrang: sie packte 150-Anzüge, 150 Ulster und 400 Meter Herrenftoffe zusammen usb entkamen damit unerkannt. s Waffenlager in der Pank«. Aus der Panke wurde gestern em ! kleines Waffenlager herausgefischt. Unweit des Bürger- varks sahen Passanten im flachen Wasser mehrere große Pistolen liegen. Die benachrichtigte Polizei suchte daraufhin den Lauf des Flüßchens ab. Dabei wurden vier Parabellumpistolen. drei Mauserpistolen, zwei Dolche, ein Schlagring und über zwei- hundert Schuß Munition gefunden. Di«»rbeiter-S-mariter-Kol-mie veranstaltet am Donnerstag, dem 17. März, 11.80 Uhr, im G-werkschaftShaus. Enoeluser 24/25. Saal 1, einen Werbeabend für Mitglieder und eingeführt« Gaste, an dem der Genosse 5?riedeberger über das Thema:„Schluß mit ß 218!— SJcfimn einer vernünftigen Bevöllerungspolitit",,-sprechen wird. Abschrift. ,47 B 4«. B-glaudigle Abschrift privattlaqesachc de» Rc!ch»mtni>t«r» a D. Äuftev Bauer. Berlin S. Reg»n»burgrr El« Sa, Pnvaik Sger». qearn den R-datteur San« Eathmann, Berlin SD«i!. WiidelmIIr 20, geboren cm 8. März 1895 ju Tharlotirndurg. Angiilagten, wegen Beleidigung Da» Amisgericht Bertin-Dlitte, Abteilung 147 in Berlin dal in der Sitzung, vom 20, März 1980 fttr Siecht erkannt Der Angellagle wird wegen Beleidigung durch Berdreilung l» der Presse Mi einer iSeldstrase von 6»-— iechsdunderl— Sieirdemarl. im Nichldeilreidungslalle zu einem Monat Deiiingnie und In die Stötten de» Berlodren« veruneiii. Der PrivalllSger kann den erkennenden Teil de» Urteil» aul Stollen de« Ange- klagien innerhalb 2 Wochen nach R chl»- kraft in lolgenden geilungen»erdffem- lichen. I.„Well am Abend" 2,„Well am Morgen" 8 Borwiirks" Auf die Bern ung de» Angeklagten gegen oorltehende» Uiti ii Hot die 8 t>e>ne Elrai» ammer de« Landgerichl» I in Berlin am lg Eivlemder 1981 für stecht erkannt; D e Berumng de» Angettaglen wird m! der Mahgade veiworle», daß der Angellagle zu einer Geldltrale von 800— drei- hundir!— Reichomar, für den Kall der Uneinbrtnglichkeir fii einem Monal Ge» fängnls, vcrur'.eilt wird. Die Stollen de» Stechiemilkels werden dem Angeklagten auftrlegi. Die Veröffenikichun»beiugni» lieht dem Vrivaliläger zwei Bochen nach Zullellung de» verliigenden Teils de» rechlstriilligen Urleil» zu. Die Verljffenklichung in der„Welk am Morgen" hak zu unierbleibe». Die vorllehende A Ichrift der Uricils- kormeln wird begkaudigl. Das Urteil ist rcchl»iriifttg. Berlin NW 40. den 5 Marz 1082. Atk-Moadil u Unlef etliche Unterschrift Suliiz- angellelller ai» Urtundtbeamler sk. S) der SelchSiitlielle de» Ami». 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Karten zum Preise von SU Pf. sind an folgenden Stellen zu haben: Büro des Bezirtsbildungsausschusseei Arbeite juaend Groß-Berlin: Frauen. büro der SPD.; Bezirkeauoschuß für Arbeiterwohlfahrt: sämtlich Lindenstr. 3, 2. Hos links 2Tr., ferner: Buchhandlung I. H. W. Dietz, Lindenstr 2; Zigarrengeschäft Horsch. Engcluser 24/23, Gewerk- schastehaus; ZdA., 5?«demannstr. 12; Verlag des Bildunqeverbandes vsr Deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. S; Deutscher Holzarbeiter- tBerband. Rungestr. 30; Verlageqesellschaft des ADGB.. Abt. Sor- timent, Inselstr. 6a; Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamte». Wallstr. 63; Geschä'tsstelle des Touristenosreins„Die Naturfreunde", Johannisstr. 15 Karten für Erwerbslose und Studierende zu er- mäßigten Preisen an der Abendkasse. Sprechchor für Proletarische �erstunden. Die ilebungsstunde findet in dieser Woche am Freilag statt. Welleraussichlen für Verlin: Heiter, nachts leichter Frost, Tages- temveraturen rasch ansteigend, schwache Luftbewegung— Für Deutschland: Im Nordosten Beruhigung, im übrigen Reiche bestän- diges Wetter mit Nachtfrösten. ki»i«»I>«»gea föi«tele RudrtI sind B e 1 1 i 8 SB 68 iNudenstratze 3 parteinachrichten für Groß-Berlin stet»»» c>a» Beztrrisetretartat Z. dot, 2 Trervcu recht-, ,8 richte» Arbeitsgemeinschaft sozialdeinokr. Lehrer und Lehrerinnen. Vezirtsgruppe Berlin. Die Geueralversammlrrng findet heut«, Mittwich, de» 16. März, 1» Uhr statt(»«cht D»»»er-t-g. wie irrtümlich i» de» schriftliche»«i»l»du»-e» ougegcbc»). Aula Fr-mmelstr. 2, hi»ter der Saraisouiirchr, 8«hc B»h»h»s Börse. Aa»w«i»: Parteimitglied-buch. 4. tirci». Sitzung de» engeren Zlreii»orsta»dt» mit den Adteiluugileiter» erst Freitag, den 18. März, 26 Uhr. 5. Kreil. Kranzniederlegung für die MärzgefaNene», Freitag, den 18. März, 16 Uhr, von Schmitt» Desellschaftohaus. Fruchtstr. Z!», au». 6. Kreil. Heute, Mittwoch, pünttiich lg Uhr, Kreisoorstaud und Abteilung». leUcr im kleinen Zimmer bei Raabc. 7. Kreis. Donnerstag, den 17. März, 16.36 Uhr, im„Türfischen gelt". Bei. liner Str. 53, Kreisocrtreterversainmlung. Mitgliedsbücher und Mandate sind als Ausweis vorzuzeigen. 16. Kreis. Der Kursus des Genossen Mänck>en über das Kommunistische Ma» nifest und die Gegenwart fällt beute(Mittwoch) aus. Fortsetzung Freitag, den 13. März, in der Zinnow-Waldschule. 12. Kreis. Donnerstag, den 17. März, pünktlich 26 Uhr, llebungsstunde des Sprechchors Steglitz im Jugendheim Steglitz, Albrechtstr. 47-, am Stadt. park. Es ergeht der dringende Appell an alle Parteigenossen unb -genossinnen, sich noch zu beteiligen. 14. Kreil. Tastkarten für die Jugendweihe am 26. März, in ber„Neuen Beli' sind in den ,.Borwärtz".Speditionkn und im Parteibüro Fuldastr. 55 zu haben. 18. Kreis. Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder, Donnerstag, de» 17. März, 15 Uhr, im Weißenfter Lpzeum, Eingang Parkstraße. Referent: Stadtrot Reimann. 13. Kreis. Weaen ber Ingcndvcrtammlnng beginnt die heutige Krcildelegier- teaverlammluna bereits»m 18,36 Uhr. 6. Abt. Heute, bei Hufenbaeb, Perleberaer Str. 64 Zusammenkunft der jün. aercn Parteimitglieder. Referent: August Riemann.„Alte und neue Zeit." 26. Abt. Donnerstag, den 17. März, 26 Ubr, bef Stenzel, Schwedenstr. 13, Aussprackieobend der jüngeren Parteimitglieder.„Arbeitsbeschaffunzs- vrogramm." 25. Abt. Mittwoch, den 16, März, 16.86 Uhr, beteiligen sich die süngercn Rärteimitglieder am politilcl'en Kabarett in ber Aula Ralteurstraße. 44. Abt. Heute, 26 Uhr, Zusammenkunft der süngeren Parteimitglieder bei Ewald, Skalitzer Str. 126, 45. Abt. Achtung, andere» Lokal! Die Zusammenkunft der süngeren Partei. mitolicder am 17. März findet nicht bei Zander, sondern bei Thiclert, Liegniber Etrabe, Natt. 51. Abt, Heute. 26 Ubr. Porstanbssitzung mit den Kreisvertretern bei Jamin, Sovhie-Charlotte.Ltr. 88 85. Abt, Heute, Mittwech, den 16. Mär,, 20 Ubr. Sitzung des«nqeren Por. stände» in ber Wobn�na des Abteilunasleiter«.— Donnerstag, den 17. März, 26 Üb-. Mitaliederversammluna im„Rirkenmäldchen". Man. teuftelstr. 11/12.„Wie steht der Kampf mu die Macht?" Referent: Dr. Loh. mann. 62. Abt, Der Abend der längeren Porteimitalioder am 16, März fällt aus. Datiir findet am 16. Mär,, 26 Ubr im Ideal-Kasina, Wcichfclstraße, ein gesellige» Beisammensein statt, 66- Abt. Heute, Mittwoch, den 16. März, in der Hanncmannstr. 46(Keller), Zusamwenkunkt der iüngeren Rorteimitalieder. 116. Abi. Die nächste Zusommeninntt der jüngeren Parteimitglieder findet nicht am 17.. sanken, erst am 24. März, an bekannter Stell» statt. 128. Abt. Die Mitolieder werden NM reo« Retkil'oung an der beutigen Jugend, kundgcbung im Ecsellschaftshaus, Berliner Str. 162, gebeten. .?rauenveransialtunaen. 16. Abt. Heute. Mittwoch, den 16. März. 16.86 Uhr, bei Stein, Holsteiner User 14.„Umere Borkämvferinnen." R-kere»tin: Aancs Fabremvald. 7». Abt. Heute. Mittwoch, d'n 16. Mär,. 16,36 Ubr. bei Reimann, Seban» straßc 17.„Kamnfiahr'6.32." Referent: Ernst Neumann. 141. Abt. Henie, Mittwoch, den 16 Mär, 20 Udr, bei Hoffmann, Edel. meibstr. 5.„Aufgaben der Partei noch der Reichsprästdentenwahl." Refcreni: Heinz Läwi. Arbeiterbiidungsfchule. 1. Kreis. Mitte. Der Kursus Bernstein.„Demokratie Im Sturm", beginnt erst Donnerstag, den 17. Mär,, in der Sophien.öchule. Weinmeisterstr. 4/5. um 26 Uhr. Im Kursus werden die kommenden Wahlkämpfe besondere Berückstchti- gung finden. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groh-Berlin. Schinoberg: Abt. Hermann Müller: Elternpcrsammlung am Donnerstag, den 17. März, 26 Uhr. Hobenzollern-Schule, Eisenacher Ecke Belztqer Straße. Nenkölln: Heute. Kroiseltcrnvertammluna. um 26 Uhr, in der Schule Donau. straße 126. Referat: Aktioisteruna unserer Elternbewegung. Wir erwarten alle Eltern. Die Helfer bitten wir, Instrumente mitzubringen. Sterbetafel der Groß'Berliner Partei-Organisation 11. Kreil. Am Sonnabend verNarb unser alter Kämpfer und Parteiveteran E r n st O b st. Einäscherung am Mittwoch, dem 16. März, lg Uhr, Krematorium ZSilmersdorf. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich. Parteib anner sind mitzubringen. 86. Abt. Am 12. März verstarb unser Parteiveteran Trust Obst. Tranach, straße. der sich trotz seines Alters noch bis in die letzt« Zeit an unseren Partei» Veranstaltungen beteiligt hat. Einäscherung, Mittwoch, den 16. März, 16 Uhr, Krematorium Wilmersdorf. Alle Genossen und Genossinnen beteiligen sich. 62. Abt. Unsere Genossin Elisabeth Rost, Wilbenbruchstr. 76, ist am 12. März verstorben. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 18. Mär,. 14 Uhr, auf dem Städtischen Friedhof in Baumschulenweg, Kies. holzstraße statt. SozzalistisAe Arbeiterjugend Groß-Berlin Einsendungen für diele Rubrik nur an das Jugendfokretariat Berlin SW 68. Lindcnftraße 2. vorn 1 Treppe recht». heute, AUttwoch, Ib. Marz. 19K Uhr: Tesuabbrunnen R. F.: Satenburger Str. 2. Programme der Arbeiterbewegung. Andreaiplatz 1; Brommnstr. 1. R-ichstagssitznng. Anbreasplatz R. F.: Brommnstr. 1. Das Programm der?!SDAP. Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 367. Warum bin ich in der EAI.? Petersburger Viertel: Ebertpstr. 12. Lustiges von Senr» Reif. Warschauer Viertel: Litauer Str. 18. Tagespolitik. Warschauer Viertel R. F.: Litauer Str. 18. Bunter Abend. Kattbusser Tor: lirbaustr. 167. Arbeitskreis bei Ewald. Skalitzer Str. 126. Spauda«: Linde». ufcr 1. Funktronärsttzung. Lichtcurade: Roonstraßc. Eeruclle Fragen. Adlersbus: Bismarckstr. 1. Kameradschaft— Freundschaft— Liebe. Bohnidors: Wachtel. straße 1. Kavp.Putfch. Falten Heeg' Mitgliederversammlung. Friedrichshage»: Fricdrichstr. 87. Wir lernen neue Lieder. Lichtenbera Mitte: Treffpunkt zur Mitgliederversammlung. 19.36 Uhr, Dossestraßc. Rcinickenbors-Reft: Außen. sviclvlatz Tegel. Mitgliederversammlung. Pankow III R. F.: Kissingenstr. 48. Abrüstung. Werbebe-irk Lichtenberg: Gunterstr. 44. Vortrag:„Die politische Lage." R«. fcrcnt: Genosse Dr. Tietgens. Werbebezirk Schönebcrg: Hauvtstr. 15, um 26 Uhr, Funktionärkonferenz. Bcrbebczirl Neukölln: Borstandssstzung, Ganghoferstraße. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Roi-Sold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastionftr. 87—38. Hot Z Tr. Für die Kreisfübrer und alle Ortinereinsführer und die Stellner. trcter des Sunabanncrs Berlin! Der Schulnugskurfus im Sau- büro fällt heute ans! Nächste Zusammenkunft Mittwoch, den 23. März.•— Kreis Westen: Der Schulungskursus am Donnerstag, dem 17. März, im Gau» büro, findet statt.— gricdrichihain(Ortsverein): Donnerstag, den 17. März. Die Turnabendc finden jetzt wieder regelmäßig in bekannter Halle statt. Deutsche Eesellschaft für ethisch« Kultur. Dr. Hans Hartmann wird am Montag, dem 21. März, 26 Uhr, im Logenheim, Georgenstr. 46-(am Kupfer. graben), über„Faschismus und Nationalsozialismus" sprechen. I on"««!»V Enxlisli üebating Club, Bfllowstr. 104 Heute abend 814 Uhr: Goethe-Feier. Die Ausstellung„Deutsches holz im deutschen Heim" im G l e i s e r- H a u s amAlexanderplatz ist nur noch bis Sonn- abend, den 19. März, geöffnet. Es bietet sich also noch 3 Tage Gc- legenheit, die aus deutschen Materialien gefertigten Zimmer zu sähen und die außergewöhnlich interessante Ausstellung, durch deren Räume Tanncnduft strömt und Musik klingt, zu besuchen. Die Be- sichtigung der nur noch bis Sonnabend währenden Veranstaltung ist kostenlos und unverbindlich. ( (> ( Iksatsl', Uditspisls usv/. | <) flaali Theater MlUwodi. den I«. März staatsoper unter Can Linden IW» L'hr.— trauflütirunj Andromache StaztLSdHBgiibUi öenlarmnBidi 20 L'hr Cyrano von Bergerac Stiiiller-Theater Charlüttcaburg. 20 Uhr Die endlose Straße »•/.uhr CASINO-TBEATER»'/. w. LoihrinKer Strafte 37. .................................................................. Operette. Variotft, Pone! u. a. tt Lore» Mu»lk8l'Akt Die Operette: Gestrandet Oer Berlin. Komiker Herrn. K raune Zürn Schluß der neue Schlager Der Mann mit den zwei Frauen ümschem>-4 Personen: Paikett 50 Pt. rauieun>.— Mark, Sessel UU Mark. IlSol.» u.ai/]Uhr| 1 VERA 8CHWAKZ 1 i.wtllerc tnriktlaiu I mstropoi-meater Täglich 8',. Uhr Der eroSe Job. Streust Operettea-Erlolg Ein Lied der Liehe PtAZA Nähe Schletlichir B-hnhot. E 7 4031 Tigl. 5 u.•" u Sonnt. 2. 5, ftu U. Heule Premlöte! 3tteT- ..ln**en' ierttfij! V» Mos Hfl«*1 tt! igst! possc m- Gesart* lÄ30b�l.-MS:60�2.-u I0R.SCHAUSPlELHAüSTägl.8ü.| Nor noch J Wochen> Voffmanns iIrzätitungcn Ssiolqseezzi. zoz, üj»««?:e!i« 4«: kill»> Berlins BETRlcB-4 ftk K0t der öfsenilichen Hand ist ober die Bereinigung des Oberhüttenkonzerns immer noch nicht vollzogen, das Schicksal von 15000 Arbeitern und Angestellten immer noch ungewiß. Die Verantwortung hierfür trägt allein die Leitung des Lallestrem-Konzerns, die aus der Sanierung des dsrkrachten Werkes, die in erster Linie aus Staatsmitteln erfolgt, noch obendrein große private Vorteile auf Kosten der Staatskasse herausschlagen will und mit allen erdenklichen Methoden den fertigen Sanierungsplan sabotiert. Dieser Skandal Oberhütten ist nicht nur von eminenter lokaler Bedeutung: die Vorgänge anläßlich der Oberhüttcnsanierung haben auch größte grundsähliche Wirtschafis- und staakspolilifche Be- deutung. Die Entwicklung bei Oberhütte» zeigte zunächst, daß ö f f e n t- liche Subventionen ohne ausreichende Kontroll- rechte, Mitbeteiligung und Mitverwaltung nutzlos vertan sind and unter keinen Umständen weiter verantwortet werden können. Ein Unternehmen, das nur durch riesige öffentliche Kredite und Subventionen über Wasser gehalten wurde, will sich zwar gnädigst durch neue Staateopser sanieren lajjen, aber nur unter der Be- dingung. daß die Aktionäre vom Staat schadlos gehalten werden und die alte Machtgruppe ihre Machtstellung weiter behält. Wen» die öffentlichen Stellen in diesem Falle noch weite-e Konzessionen machen würden, dann gibt es überhaupt ke ne Grenze mehr für die Abwälzung p r i v a t e r V e r l u st e auf denStaat. ?loch immer gehen die Versuche dahin, den ganz klar liegenden Sachverhalt zu verdunkeln. Oberhütten soll angeblich viel schlechter als die Ruhrunternehmungen behandelt worden sein und bisher überhaupt keine Zuwendungen erhalten haben. Das ist völlig unrichtig. Allein die Zins- geschenke dürften mindestens 18 Millionen Mark betragen. Un- richtig ist desgleichen, daß der vorliegende Sanierungsplan andere Interessen des Ballestrem-Konzerns in Gefahr bringe. Die Aktio- näre würden entrechtet und beraubt, so lautet ein weiterer Einwand. Nehmen wir einmal an. daß an Stelle der Preußischen Staatsbank als Treuhänderin für Reich und Preußen eine private Großbank stünde. Diese hätte längst auf Grund ihres Pfandrechts zugegriffen und dos Werk beschlagnahmt. Die Aktionäre wären bei der hoffnungslosen Ueberschuldung des Unternehmens mit Recht völlig leer ausgegangen, die Rückbürgschaft der Muttergesellschaft in höhe von 8 bis 1 Millionen wäre in Anspruch genommen wor- den. olle anderen Gläubiger wären ausgefallen. So hätte e i n e� „privatkapitalistisch« Sanierung" ausgesehen. Der„S kaatskapilalismus" in Oberschlefien siehl au« folgendermaßen aus: Reich und Staat buchen von einer absolut sicheren Forderung 18 Millionen Mark freiwillig ab, um das Werk zu entschulden: die privaten Aktionäre, die bei einer Sanierung nach üblichen kapita- listischen Grundsätzen völlig leer ausgehen mühten, sollen 4 Mil- lionen Aktienbeteiligung aus dem Zusammenbruch retten, erhalten also ohne Fug und Recht 4 Millionen Mark geschenkt. Die privaten Gläubiger brauchen keine nennenswerten Abstriche vor- zunehmen, und die Banken werden somit in den Stand gesetzt, dem bisherigen Großaktionär die kapitalmößige Majorität auch weiter- hin zu sichern, der obendrein noch als besonderen Vorteil für seine privaten Gruben das wertvolle Kohlenlieferrecht für die Hüttenwerke erhält. Und diese bereits weitgehende Sozialisierung der Privat- Verluste wird als„Sozialisierung der oberschlesischen Hütten auf dem Rücken der Privatwirtschaft" be- zeichnet(!) und von dem Ballestrem-Konzern sabotiert. Man läßt alle Register zur Beeinflussung der Oesfentllchkeit und der Reichsstellcn spielen, um noch größere Geschenke heraus- zuschlagen und den össentlichen Einfluß auf das Werk aus- auszuschalten. Als neuer Anwalt für die entrechtete Privatwirtschaft tritt jetzt Herr Dr. R c g e n d a n z auf den Plan. Sein Arbeits- gebist war in den letzten Jahren sehr mannigfaltig: er hat bisher den ganz Prominenten der Großfinanz(der Gruppe Kreuger und jväter dem Bankhaus Rothschild) mehr oder weniger erfolgreiche Dienste geleistet, sich aber nunmehr auch auf dieses neue Arbeits- gebiet geworfen. Es ist ein unverantwortliches Spiel, das hier seit Monaten getrieben wird. Die Belegschaft der Werke ist mit Recht über diese dauernde Verschleppung, die zugleich eine Verschlechterung der Lage des Werks bedeutet, beunruhigt und über den Sabotage- seldzug aufs stärkste entrüstet. Reich»nd Preußen müssen nun endlich von sich ans, nicht nur im Interesse Oberschlesiens, sondern auch im Interesse der Würde und der Autorität des Staate», Fraktur reden. Man hat bereit- viel zu große Opfer gebracht und Geschenke ver- teilt. Von dem jetzt vorliegenden Sanierungsplan darf unter keinen Umständen ka"'!«!- wie einflußmäßig noch weiter zurückgewichen werden: er fiel" das Höchstmaß der überhaupt zu verantwortenden öffentlichen Bewichtleistungen dar. Wenn die B a l l e st r e m- Gruppe weiter Obstruktion übt. dann muß eben lie Sanier ng und Bereinigung sich aus dem üb- lick?en Wege durch Psandzu griff vollziehen, dem Weg. den man bisher oermeiden wollte. Die volle Verantwortung hierfür und für etwaige Erschütterungen würde— das muh vor der Oesfentlickkeit mit aller Deutlichkeit klargestellt werden— die Leitung des Ballestrem-Konzerns treffen. Die wirtschaftlichen Verheerungen, die von der Krise im Lause der beiden letzten Jahre angerichtet und durch die neue Aera des hochfchuhzolles noch künstlich gesteigert wurden, kommen in diesen wenigen Zahlen deutlich genug zum Ausdruck. Der Umsah des deul- scheu Außenhandels ist(Einsuhr und Aussuhr) im Durchschnitt der beiden ersten Monate 1932 im vergleich mit Januar-Februar 1930 aus nur noch 44 proz.. die Einfuhr sogar bis auf 39 Proz. und die Ausfuhr aus etwa 50 Proz. des damaligen Standes gesunken. Aller- dings spielt hierbei auch der Preisversall eine wesentliche Rolle. Im Berichtsmonat Februar wird die Ausfuhr mit 527 gegen 530 Millionen Mark ausgewiesen. Der geringe Rückgang ist ausschließlich durch ein weiteres Sinken der Durchschmttsexportpreise um 1,4 Proz. verursacht. Mengenmüßig ist sogar eine leichte Zunahme der Ausfuhr festzustellen. Eine nur einmalig« Etei- gerung war bei dem Export nach Großbritannien festzu» stellen, wo vor Sem Inkrafttreten der»tue» Zölle am 1. März noch stärkere Deckungskäuf« erfolgt- waren. Einschließlich der Reparations- Sachlieferungen erreicht die Ausfuhr 538 gegen 542 Millionen Mark im Monat Januar. Ausfuhr Einfuhr atme Rkparations- Rrvarations- Warenaruppeu: EachUeserungen Cochlielenrng«! " r r Februar Februar Februar (alles in Millionen Mari) 2.1- 2.4 15.6 0.0 132,9 91,6 5.1 229,9 417,5_ 5,9 75,6 1. Lebende Tiere.... 2. Lebrnsmittel u. Getränke 3. Rohiioffeu. Halbs. Waren 4. Fertige Waren... Zusammen 1—4.. 526,8 11,0 440,8 5. Gold und Silber... 30,8— 17,8 Die Einfuhr hat sich im Vergleich mit den tatsächlichen Januar» importen— 425 Millionen Mark nach Ausgleich der Lagerabrech- nungen— um 16 Millionen erhöht. Da die Preise weiter abge- bröckelt, sind, dürfte die Steigerung der Mengenausfuhr noch erheb- lich darüber hinausgehen. Vorwiegend sind an dieser Zunahme Rohstoffe beteiligt, was der Einfuhrsteigerung einen rein saisonmäßi- gen Charakter verleiht.— Bei den Einzelposten der Ausfuhr ist eine Erhöhung der Fertizwaren-Ausfuhr zu verzeichnen. Welche aus- schlaggebende Bedeutung dieser eine Exportposten für die deutsche Handelsbilanz besitzt, beweist die Tatsache, daß im Januar/Februar der Anteil der Fertigwarenausfuhr am deutschen Gesamtexport rund 80 Proz. betrug gegen 76,9 Proz. bzw. 75 Proz. bzw. nur 72 Proz. in den drei vorhergehenden Jahren. Jede Wirtschaftspolitik, die den Export von Fertigwaren erschwert, versündigt sich damit gegen die deutsche Ausfuhr überhaupt. Die Handelsbilanz schließt im Monat Februar mit einem Ans- fnhrüberschnß von 66 gegen 105 Millionen Mark im Januar ohne E>nrechnnng der Reparations-Sachliefernngen. Umkämpfte Gparkassenzinfen. In dem Konflikt, der zwischen den Banken und Sparkaflen in der Zinssroge entstanden ist. ha» der Bankenkommissar Dr. Ernst gestern die erwartete Entscheidung nicht gefällt. Er will vielmehr die Rückkehr des Reichsbaukpräsidenten Dr. Luther abwarten, bevor er den neuen Sparkassenzins festsetzt. Der Zentral« K r e d i t a u s s ch u ß hat sich dagegen wegen der Herabsetzung der Zinsen für täglich fällige Gelder geeinigt. Gewisie Schwierigkeiten waren dadurch entstanden, daß auf Grund des Bankenabkommens die Soll Zinsen sich nach dem Diskont der Reichsbank richten, während die Grundlage für die haben- Zinsen der sogenannte Nornialsatz bildet, der vom Reichsbank- distont unabhängig ist. Nach Senkung der Sollzinsen um 1 Proz.— der Reichsbank. diskont ist bekanntlich von 7 auf 6 Proz. abgebaut worden— forderten die Banken von der Sparkasse auch eine Herabsetzung des sogenannten Normaliatzes für die Habenzinsen, um eine Ver- ringerung der Zinsspanne zu oermeiden, hiergegen sträubten sich, wie wir bereits am Sonntag berichtet haben, oie Sparkassen mit vollein Recht, indem sie darauf hinwiesen, daß �er Zinssatz für die Spareinlagen vom Geldmarkt und auch vom Reichsbankdiskont völlig unabhängig sei. Da in der Frage des Normalzinfez keine Verständigung zustande kam, wurden verschiedene Zinsbcdingungen vom Normalzins losgelöst, was jedoch nur als«ine Bshelssmaßnahme anzusehen ist. Im großen Durch- schnitt ergibt sich aus dieser Regelung eine Senkung der Z i n s s p a n n e für di« Banken um durchschnittlich ü Proz. Sterl förenneckc: S>erS)icMer und dieWacMlgaU Im fernen ffllorgcrtlanöe lebte vor vielen hundert Iahren ein König, der so unermehlich reich mar, daß er— wenn er ez gewollt hätte— die Straßen seines Königreichs mit Goldstücken pflastern bissen tonnt«. Das Schloß dieses Königs lag in einem herrlichen Pari und weil er auch über die Jahreszeiten herrschen wollt«, ließ er künstliche Bäume und Straucher dann aufstellen. Aber die Vögel mieden den Garten und niemals vernahm der König ihren Gesang. Es wohnte aber in der Hauptstadt des Königsreiches«in junger Dichter, der war arm wie eine Kirchenmaus. Selten nur tonnte er sich sattesien, und oftmals geschah es, daß er traurig seine Stirn zwischen den Händen oergrub. Dann klagte er das Schicksal an, weil es ihn ungerecht leiden ließ. Eines Tages, als die Verzweiflung ihn gänzlich übermannen wollt», hörte er vor dem Fenster seiner engen Dachstube einen so wundersamen Gesang, daß er alles um sich vergaß. In der Krone des Pfirsichbaumes, der in dem kleinen Gärtchen hinter dem Haus« stand, sah eine Nachtigall und sang so herrlich, daß selbst der Wind, der ständig vom Meer herüberwehte, den Atem anhielt. Alsbald löste sich das Leid von der Seele des jungen Dichters, und er mußte bitterlich weinen. Dann aber, wie von unsichtbarer Hand geführt, ergriff er die Feder, und die Worte formten sich zu einem Gedicht, darin alle Klänge des Lebens, alle Farben des Frühlings und der Duft aller Blumen oereinigt waren. O Werk eines wahren Dichters!— Wieviel Tränen gehören dazu, um es aus der Tiefe des Herzens zu heben? Die Nachtigall sang noch immer. Traumoersunken, von der Macht dieses gnadenvollen Geschenks überwältigt, starrte der junge Dichter in die Dämmerung. Ais er das Gedicht am anderen Morgen noch einmal durchlas, fand«r es so schön, daß er es nicht übers Herz brachte, sein kost- barstes Gut den Menschen zu verschweigen. Er nahm die Laute und ging aus die Straße. Es dauerte nicht lange und der Name des Dichters lief von Mund zu Mund. Auch der König hörte davon. Er sandte einen Boten aus, daß er vor seinen Thron käme, damit seine Kunst den verdienten Lohn empfinge. Fortan mußte der Dichter an der Tafel des Königs sitzen und alle Not hatte ein Ende. Den König wunnte es aber, daß ein so geringer Mann über den Gesang einer Nachtigall gebieten konnte. Er rief seine Minister herbei und gab ihnen den Befehl, den Vogel um jeden Preis lebend einfangen zu lasten. Von dem jungen Dichter, der jetzt sehr geschwätzig geworden war, wußten sie, daß die Nachtigall ihr Nest in der Krone des Pfirsich- bäume» hatte. Heimlich wurde eine Leimrute darin befestigt, und schon nach wenigen Stunden brachte ein Schnelläufer den gefangenen Vogel. Er bekam einen goldenen Käfig, der im Park des Königs aufge- hängt wurde. Jeden Morgen saß der König am Fenster und wartete darauf, daß die Nachtigall singen würde. Unbeweglich, den Kopf ängstlich in die Federn geschmiegt, saß der arme Vogel und rührte sich nicht. Da geriet der König in Wut und er befahl, daß die Nachtigall geblendet werden sollte Wieder brach die Nacht herein. Drinnen im Schloß saß der sunge Dichter und prahlte offen« kundig mit seinem Können, das er der Rachtigall abgelauschi hätte. Die Höflinge aber zogen ihn auf und fragten listig, ob er auf den erworbenen Lorbseren ausruhen wollte? Da plötzlich erhob sich die Stimm« der blinden Nachtigall- Klagende Trauer zerriß das übermütige Lachen. Wie Tränen perlten die Töne in die sternklare Nacht. Sehn« sucht weinte über abgrundtiefem Leid. In stummer Ergriffenheit lauschte der König und mit ihm der ganze Hos. Der Dichter aber zerriß wehklagend sein Kleid und stürzte hinaus in die Nacht. Und sterbend oerklang das Lied der Nachtigall. Weil alles aber in der Welt eine Moral haben muß, läßt man seit dieser Zeit, damit sie um so schöner singen, die Nachtigallen blenden-- und die Dichter hungern!-- ZZäon: ZDie Tugend hinter QHlern (Sckfluß.) „Was sollte das arme geistesschwache Mädchen mit dem Geld anfangen?"' „Was sollte sie mit Luft, mit Licht, mit Heizung im Winter, mit Sattessen anfangen? Das dachten Sie doch, Frau Page?" Frau Margrit Page war den Tränen nah. aber sie gab ihre Sache noch nicht auf, und wieder tastete sie sich mit ihrem Blick an Richter Randolph heran und fragte und legte allen Schmelz in ihre Stimme:„Bin ich verpflichtet, noch weitere Ausklärungen zu geben?" Richter Randolph erwiderte, und es war, als hauchte er seine Antwort über den Kopf der Zeugin hinweg:„Sie sind nur ver- pflichtet, die volle Wahrheit zu sagen." Diesmal donnert« Rechtsanwalt Philipps:„Wir verzichten und ersuchen nur noch, die Mutter von Sarah Turner vortreten zu lassen." Die alte Frau, die jetzt aussagen sollt«, war ganz Nein. Ein dicker Mantel, der auch ihre Füße vollkommen verhüllte, wickelte sie ein. Aus dem Mantel waren zwei Reihen von zinnernen, taler- großen Knöpfen sichtbar, und sie war sehr komisch anzusehen, etwa wie eine abgebrochene Säule, die sich durch einen Mechanismus fortbewegte. Rur der klein« Kopf saß auf dem Säulenstumpf, und auf dem Kopfe saß ein teekesselförmiger Hut, dessen Krempe mit einem blaugrünen Vogel geschmückt war. Am Arme trug die alte Frau einen Henkelkorb, der mit einem Tuche bedeckt war. Als sie auf den Zeugenplatz zuschritt, wollte sie sich nicht von ihrem Korbe trennen.„Warum wollen Sie den Korb nicht absetzen?" fragte Richter Randolph. Sie zirpt«:„Well ich aus mein« Blumen auf- passen will." „Sie sind Blumenhändlerin, 74 Jahre alt, verwitwet", las Richter Randolph aus den Akten vor.„Wahrscheinlich", antwortete die alte Frau.„Warum nur wahrscheinlich?" fragte der Richter. Sie entgegnete:„Na, er lebt vielleicht noch. Ich weiß das nicht so genau. Es ist schon 88 Jahre her, damals gerade, als meine Tochter Sarah kommen sollte. Seitdem haben wir nichts mehr von {Jambus: 3)cr „Teifi, Teifi, Himmi, Kruzifixtürlen!" Der Oberwiesner lag auf der Fensterbank der großen Bauern- stube. Mit beiden Händen umklammerte er seinen rechten Ober- schenkel, den er auf der Bank ausgestreckt hatte. Sein Gesicht war zu einer schmerzerfüllten Grimasse geworden. Jhimmi, Himmi, oh je, oh jel" Die kahle Stube hallte wider von dem dumpfen Wimmern. Die weißen Wände warfen sich gegenseitig des Bauern Klagen zu. Die Hochtanne vor dem Fenster gab schwere, lange Schatten. Der Hund an der Kette heulte laut und langgezogen. Die Sonne sank hinter den Wipfeln des Bergwaldes. Der Bauer starrte vor sich hin. Die kleine Wunde am Fuß hatte er gar nicht beachtet. Run war das ganze Bein geschwollen. „Blutvergiftung," hatte der Lehrer ihm gesagt-„Und wann du ntt den Doktor willst, wird bald der Herr Pfarrer kommen müssen," hatte er hinzugefügt. Er kann das Bein nicht rühren. Alles ist ihm wie verwandelt. Und die Rest, seine Frau, läßt ihn mehr allein, als recht und billig ist. Er schläft hier auf der groben Fensterbank. Der Weg zum Schlafzimmer ist weit, viel zu weit für ihn. Morgen wird er zum Doktor schicken. Schab' um das schöne Geld. Da hat er sich gerackert. Jahr um Jahr. Morgens in der Früh' mit dem ersten Hahnenschlag war er schon auf den Beinen, und die Dunkelheit sah ihn noch im Hof hantieren. Der Oberwiesner war «in angesehener Mann. Sein Vieh war sein Stolz. Der Acker trug gut. nur die Preise, die die verdammten Händler zahlten,„a richtige Ausgeschamtheit war dös". Die Luft im Zimmer erdrückte ihn. Mühsam, unter großen Anstrengungen öffnete der Bauer das Fenster. Run kam die Stille der Nacht zu ihm. Jedes kleinste Geräusch, das der Sonnentag ver- schlang, wurde lebendig. Die Nacht hatte ihre Geheimnisse und machte vieles offenbar. Der Oberwiesner dachte an seine Kriegszeit, an den Schützen- graben im Westen. Seit Tagen war kein Schuß gefallen. Er selber stand aus Horchposten. Da hatte er zum ersten Male in seinem Leben empfunden, wie laut eine stille Nacht sein kann. Er hatte ein Niesen unterdrückt. Aus dem anderen Schützengraben rief einer: „Voila, Camarade!" Dann war etwas durch die Luft gewirbelt. „Klacks," hatte es gemacht und war neben ihm zu Boden gefallen. Keine Handgranate, die explodieren mußte, sondern eine Schachtel »rnt Zigaretten, beschwert durch einige Steine. Ein Freundschasts- grüß, der ihm damals unverständlich war. Heute begriff er plötzlich seinen Feind. Jetzt hätte er dem Unbekannten auch etwas schenken können. Aber damals waren seine Sinne gespannt. Er wollte sein Leben schützen. Ja, sein Leben wollte er verteidigen, auch jetzt. Er mußte wieder gesund werden. Er war so wach und hellhörig wie damals an der Somm«. Da schleicht etwas durch die Nacht. Der Bauer preßt die Hand zur Faust. Mit vorgestrecktem Kopf lauscht er, vergißt Schmerz und Haus und Hof. Der Hund schlägt einmal an. Sein Ruf geht in leises Gurgel» über. So begrüßt er Bekanntes. Ein fernes Flüstern, das Schurren eines Riegels... Der Bauer hat ein neues Gesicht. Wie seltsam die Resi zu ihm war, als er heimkehrte aus dem Dreck im Westen,»sein Bein stach ihn plötzlich- bis zum Halse schlug seilt. Herz. Darum also. Der Christelthomas Kein Wort hatte ihm etwas »erraten Aber jetzt wußte er alles. Er schleppte sich zur Tür. Die alte Bank vor dein Hause war vom dichten Schatten geborgen. Da saß er und wartet« geduldig. Cr wartete, bis das Fenster zu seinem Schlafzimmer, zum Zimmer der Rest aufgetan wurde, und ein Schatten in die Nacht huschte. So fand der Knecht den Bauern am andern Morgen. Der Oberwiesner sprach kein Wort. Sein Gesicht war eingefallen in dieser Nacht, sein Haar war grau geworden. „Iessas Maria," kreischte sein Weib. Der Oberwiesner hatte das Sprechen verlernt. Das Esten blieb unbeachtet auf dem Tisch. Er ließ auch nicht den Dokwr holen. Nur sein Blick zeigte, daß noch Leben in ihm war. Und dieser Blick folgte seinem Weibe. Dieser Blick fraß sich in ihr Herz. Sollte der Bauer, aber das war ja nicht möglich. Angstgepeitscht eilt sie zum Chriftelthomas, berichtet von dem selljomen Gebaren des Bauern. Si« klammerte sich an ihn. „Es war a Sünd, Thomas," flüsterte sie erregt, es gibt a Unglück, der Herrgott wird uns strafen." „Wird nit mehr lang machen, dein Mann, der Oberwiesner," gab der Christelthomas zur Antwort.„Brauchst loa Angst net habn. Bald bist frei und dann Heirat» mir zwoa." Die Rest schüttelte sich.„J kann's net aushalln, wi a mi an» schaut, oh mei, oh mei." So a dumms Luder, dachte der Christelthomas. Fehlt grab noch, daß der Bauer mit seinem verrückten Getue ihm die Resi ver» ruckt machte. Wär er damals im Westen geblieben, dann säße heut ein anderer aus dem schönen Hos. Und die Rest war im Grund die Seine. Warum hatte sie ihm der Oberwiesner mit seinem Geld weg- gschnappt. Jetzt will er die Resi und den Hof dazu. Dos Schicksal meint es gut mit ihm. „Na, Resi, muaßt ta Angst net habn. Hast net an mi gedacht, all die Jahre?" Der Christelthomas gab der Resi keinen Trost. Fremd war fein« Rede, die Habsucht stand in seinen Augen. Ohne einen Gruß schied sie von ihm. Und nun fühlte sie daheim wieder des Bauern Blick. Sein Mund war stumm. Nur das Auge klagte an. Es klagte, ohne Unterlaß Der Bauer starb. Sein Blick war überall, wo seine Witwe war. Sie wich dem Werben des Christelthomas aus. Haus imd Hof vernachlässigte sie. Stundenlang lag sie vor dem Kruzifix. Wer das tote Bild gab keinen Trost. Wenn der Bauer gesprochen hätte, wenn er sie geschlagen hätte! Wer immer nur der allwisiende Blick.— Im Schlaf schrie sie aus. Das Gesind« ging ihr scheu aus dem Wege. Im Dorf bildeten sich Legenden. Christelthomas ging mit verbissener Wut umher. Umbringen hätte er den Bauern können, wenn der nicht schon tot und begraben wäre. Der Weg zur Resi war ihm versperrt. „Warten mir halt ab." sagte er zu sich selbst. Eines Tages war die Resi verschwunden. Der Untermüller hatte sie an der Donau gesehen. Ohne Gruß war sie an ihm vorüber geschritten. Dann hatte man ihre Spur verloren. An jenem Tage war des Oderwiesners Weib den letzten Weg gegangen. Der Oberwiesner war ihr vorangegangen den steilen Ulerpsad. Er hatte nicht; gesagt, nur angeblickt hatte er sie wie damals, als er. auf der Fensterbank kurz vor seinem Tode lag. Und dieser Blick war erst erloschen, als der Donaustrudel sein Weib in wildem Tanze in die Tiefe gerissen hatte. ihm erfahren. Ich glaube--"„Was glauben Sie?"„Cr hat zu viel getrunken. Deshalb jagt« ich stets zu Sarah: Ich bin nicht nur deine Mutter, ich muß auch noch dein Vater sein." Der Richter sehr interessiert:„Das haben Sie ja dock) nicht jagen können, denn Si« haben sie ja 28 Jahre lang nicht mehr gesehen." „Ja", seufzte die alte Frau,„aber ich wollte sie doch sehen. Ich ging alle zwei Monate in das Haus der gnädigen Frau, wo ich doch wußte, daß Sarah so glänzend aufgehoben war" Soson fiel Rechtsanwalt Philipps ein:„Und da bestellte Ihnen Frau Page -- na, muß man Ihnen denn die Worte aus den Zähnen heraus- reißen?"„Ja. da bestellte mir die gnädige Frau. Ihre Tochter ist ein herzloses Kind, sie will ihre Mutter nicht sehen, obgleich ich ihr von ganzem Herzen zugeredet habe. Die gnädige Frau sprach ja so gütig und sanft zu mir, und sie hat mir sogar viermal, nein sechsmal für zwei Schilling Tulpen abgekauft." Rechtsanwalt Philipps trommelte auf den Tisch:„Hören Sie, Euer Lordschaft, wie gütig Frau Margrit Pag« gewesen ist?" Dekan Griffith und Dr. Macmillan vom St. James-Spttal, der Sarah Turner untersucht hatte, wußten nichts anderes auszusagen. als daß Sarah Turner deutlich an ihren Hand- und Fußknöchel« die Spuren von tiefeinschneidenden Fesieln gezeigt hatte und am übrigen Körper noch braune und blaue Flecken. Und Dekan Griffich fügte noch hinzu:„Wäre ich nicht vor 6 Monaten den Gerüchte» gegen Frau Page nachgegangen, hätte ich mir nicht vor 6 Monaten gewaltsam Eingang in die Kammer verschafft, die einem dunklen Stall glich und der eine geradezu höllische Pesttlenz entströmte, wer weiß, ob Sarah Turner noch am Leben geblieben wäre." Dann wollte Rechtsanwalt Philipps nur noch wissen, ob Sarah Turner Zeichen von Geistesstörung gezeigt hätte. Dr. Griffich legte dar:„Sie hat sich stets dankbar und gehorsam gezeigt. Sie hat sich auch sehr vernünftig benommen und nur gebeten, daß man ihr eine bessere Dienststelle verschaffen möge, denn sie wollte um jeden Preis chr Brot selbständig verdienen." Da geschah etwas sehr Merkwürdiges. Alle im Saal« bemerkten es, und sie verwunderten sich. Der Richter Randolph, Seine Lord- schaft, sprach kein Wort weiter, doch er oerbeugt« sich sehr tief vor Sarah Turner. Er tat es auf eine besonders umständliche und galante Weise, indem er sich langsam von seinem geschnitzten Pracht» stuhl mit den geschweiften Armlehnen und der mächtig hohen, mit rotem Samt überspannten Rückenlehne erhob und mindestens drei» mal seine Verbeugung wiederholt«. Rechtsanwalt Philipps sprach, nachdem Seine Lordschaft die Verbeugungen vollen'!:! und wieder Platz genommen hatte:„Dieses Mädchen, das heute im 83. Lebensjahre steht, hat ebenso schwer gelitten, wie unsere Soldaten, die den Schrecken des Krieges erlebt hatten. 28 Jahre— man faßt sich an den Kops und hält es noch immer für unmöglich, daß«in« Dame aus der allerbesten Gesell» schaft, die sogar mtt 4 Medaillen für ausgezeichnete Wohltaten im Dienste der Nächstenliebe von höchster Stelle ausgezeichnet wurde. diese Tragikomödie von der Grausamkeit und der Selbstsucht auf- führen durfte. Und mitten unter uns, mitten in der Hauptstadt unseres Reiches, im Zentrum der Zivilisation! Ist es nicht ein Wunder, daß Sarah Turner noch gesund blieb, und daß sie imstande sein wird, ein neues Leben zu beginnen, das chr hoffentlich jeder von uns nach seinen besten Kräften erleichtern wird? Hat Frau Margrtt Page noch die Stirn zu behaupten, daß sie nichts anders» wollte, als die Seele von Sarah Turner retten?— Ich beantrage daher--" Der Antrag des Rechtsanwalts braucht uns nicht zu inter- essieren. Diel interesianter ist das Urteil, das Richter Randolph nachher seinem Sekretär diktierte. Richter Randolph warf, als er nach der Verhandlung in fein Amtszimmer zurückkehrte, die schwere, gekräuselte Perücke, die ihm immer Kopfschmerzen bereitete,' auf einen Aktenhaufen,, und er ruderte mit den Armen durch die Lpft. um die Gliederstarrheit loszuwerden, die ihn plagte. Denn er war kein junger Mann mehr, obwohl feine faltenlose Stirn und der weiche Mund mit den kirschroten, runden Lippen ihm noch immer das Aussehen eines nachdenklichen Feinschmecker» und Musiklieb- Habers gaben. Dan» klingelte er Dayton, seinen Sekretär, an den Schreibtisch und diktierte: „In Anbetracht des besonderen Schadens und der erlittenen Vermögenseinbuße, die Frau Margrit Page dem Dienstmädchen Sarah Turner zufügte, erkennt das Gericht Seiner Majestät, daß Frau Page an Fräulein Turner eine Geldentschädigung von 48888 Schilling, einmalig zahlbar, zu entrichten hat.— Haben Sie. Dayton? Vierzigtausend— schreiben Sie auch in Buchstaben!— Haben Sie, Dayton?"„Jawohl, Euer Lordschaft.".Dann fahren Sie fort:„Das Gericht konnte sich zu einer Freiheitsstrafe nicht entschließen, weil Frau Pag« glaubhaft nachweisen konnte, daß die Klägerin nicht gewaltsam im Hause der Frau Page zurückgehalten wurde, sondern selbst bei wiederholten Fluchtversuchen stets im letzten Moment von der Hausschwelle wieder freiwillig in ihr« Kammer zurückkehrte und sogar darum ausdrücklich ersucht«, wieder an ihr Strohlager angebunden zu werden" Während Richter Randolph so diktierte, rutscht« Sekretär Dayton unruhig aus seinem Sessel umher. Der Richter stagt«: „Was haben Sie denn an Ihrer Maschin«, Dayton?" Dayton erwidert«:„Sie ist arg verstaubt, Euer Lordschaft, ich glaub«, e« wäre das beste, ich kriegte eine ganz neue Maschine. Mit dem oer» rosteten Klappertasten hier findet sich kein ordentlicher Mensch mehr zurecht, Euer Lordschaft." Ungeduldig warf Richter Randolph seinem Sekretär die Wort« hin:„Dann stellen Sie einen schriftlichen Antrag, Dayton!" „Ja", sagte Dayton pikiert,„es wird wohl nichts anderes übriZ bleiben, als einen Antrag zu stellen." Dann setzte er noch hinzu:„Darf ich mir noch eine Frag« erlauben, Euer Lordschaft?" Richter Randolph entgegnete:..Wo, wollen Sie denn noch?" Sekretär Dayton:„Ist es wahr, Euer Lordschaft, daß im Unterhaus ein Gesetzentwurf vorbereitet wird, der für besondere Rohettsakte wieder die Prügelstrafe einführt?� Richter Randolph:„Sie sind ja verrückt, Daytont"