BERLIN SonnerMg 17. März 1932 10 Pf. JIM 30 B 65 49. Jahrgang Erscheint täglich außerSonntags. Zug'.ei» Abendausgabe deS.Vorwärts� Be,ug teilung der Waffen' au die TA.-Leute erfolgt. In den Unterkunftsorten, die für die einzelnen Sturmbann« genau festgelegt und verteilt werden, sollen die Gemeindevor- st eher und Landjäger durch Svnderkommanhos festgesetzt, die Fernsprechagenturen und Telephone besetzt und sämtliche An- und Abfahrtwez« durch Wachen gesichert werden. Selbstverständlich wird auch hier«teder da» Vorgehen mit einem gewaltsamen Umsturz durch Kommunisten und Reichsbanner ge- tarnt. Trotzdem wird zugegeben, daß die SA. nicht dazu da ist, die bestehende Ordnung zu schützen. Im Gegenteil, es heißt wörtlich: . Je mehr die politischen Gegner sich gegenseitig ver- bluten, desto besser für uns. Jede Schwächung der Gegner also auch In diesem Falle der Schupo ist ein« Stärkung der NSDAP...* Genau wird in diesen Mobikmachungsanwelsungen dargelegt, wie die Bereinigung mit den benachbarten SA.- Formationen von Pommern und der Neumaxk zu geschehen hat, wie der Weitertransport in Richtung nach Berlin erfolgen muß. Auch i» der Hedem« aast raffe, im Gavbsir» de« NSDAP. Berlin, sind Alarmbefehle gefunden worden. die. wie sich ans dem Texte einwandfrei ergibt, für den erste« Mahlgang der Reichspräsidentenwahl vorgesehen waren nnd auf ein« Zernierung von Groff-Berli» ab» zielten. Aach hier wieder genau gegliederte Auordnuu- gen für den Alarmzustand, über die Marschbereitschaft» über die Answeichquartiere für die Führer. ES fehlen auch nicht genaue Anweisungen über die Mitnahme der Kassen, Beseitigung der Akten, die Besetzung der Fernsprechstellen, Zusammenstellung von Transport- kommandos, Einrichtung von JauitätSfcharen usw. Aus all diesen Anordnungen, Befehlen und genau ausgearbei- teten Plänen wird man folgern müssen, daß eine große Anzahl der in den SA. und SS. organisierten Mitgliedern von dem Ernst der Absicht der Leitung überzeugt sei« ««ffte«. in der Zeit der Präsidentenwahl auch mit Gewaltmitteln vorzugehen. Und daß die Reichsleitung selbst einiges tat, um bei ihren Unter» organisationen diese Annahme he: vorzurufen, geht aus den dunklen Redewendungen einiger Führer aus auch verschiedenen zentralen Rundschreiben und Ausweisungen her- vor. So fordert ein Rundschreiben der NSDAP, genaue Angaben über die Verurteilung von Nationalsozialisten durch Gerichte, Mit- tetlungen über den Zeitpunkt de» Urteil», über!ne Zusammen- setzung de» Gerichts und di« Höhe der erteilten Strafe. Zweifels- ohne nicht zu dem Zweck einer Statistik über die Kriminalität der Nationalsozialisten und deren Ahndung durch di« ordentlichen Ge- richte, sondern vielmehr mit der Absicht der Vorbereitung einer Amnestie für den Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Natio- nalsozialisten! Und«in Rundschreiben vom Februar d. I. des Inspekteurs der Motor stürme und-stasfeln der NSDAP, aus München gibt die Richtlinien und eine genau aus- gearbeitete Karte für Reichsrelais, das' durch Kraftwagen und Motorräder von Nord- und Mitteldeutschland bis nach München zu organisieren ist. Dieses Reichsrelais und die dafür ausgegebenen Richtlinien treten in Kraft, wenn das ausgegebene Stichwort mit- geteilt wird. Das letzte Stichwort hieß:�„Großmutter ge- st o r b e n Max". Auf dieses Stichwort hin sollten alle die erlassenen Kriegs- und Alarmvorschristen in Kraft treten! Alle diese Dorbereitungen haben mit Politik, mit staatspolitischer Erziehung oder weltanschaulicher Beeinflussung der NSDAP.-An- Hänger nicht das geringste mehr zu tun. Das sind schlechthin Vorbereitungen nnd Rüstungen für de« Bürgerkrieg, die von dem Borwand, nur für Unruhen von kommunistischer Seite zu gelten, nicht gedeckt werden. Sie sind ein frivoles Spiel mit dem Feuer, dem die preußisch« StaatSregiernng nicht länger zusehen wird. Eidliche Versicherungen auf die Legalität der nationalsozialistisches Organisationen können die preußischen Verwaltungsbehörden nur bann respektieren, wenn die Praxis der NSDAP mit den Eiden der Führer im Einklang steht Die preußische Regierung ist jeden- falls nicht gesonnen, sehenden Auges eine Armee ausrüsten zu lassen, die nicht nur auf eine Herabminderung der Staatsautorität hinausläuft, sondern auch ein ständiges Element der Beunruhigung sein muh! Vorgehen auch in Hamburg. Hamburg. 17. März. Auch ln der hiesigen Geschäftsstelle der NSDAP, ist heute vor- mittag eine polizeiliche Haussuchung durchgeführt worden. An 60 Stellen in Berlin gehausincht. Die Haussuchungen in den Berliner Parteibüros und Lokalen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, die seit heut« vormittag 10 Uhr in ganz Berlin im Gange sind, außer in der Hedemannstraße an 60 Stellen zugleich durchgeführt werden, sind bisher noch nicht beendet und dürften sich voraussichtlich noch bi» in die Abendstunden hinein erstrecken Urber ein auch nur einigermaßen abschließendes Ergebnis läßt sich zur Zeit noch nichts sagen. dem ostpreußischen Volk« beigebracht werden, aber nicht darf man ihm vorlügen, daß irgend jemand in Deutschland daran denke, Ost- preußen schutzlos preiszugeben. wenn man gar den Ostpreuße« erzählt, Ostpreußen sei an Polen verloren, wenn HIndenburg gewählt werde, ist das doch ein groteskes Uebermaß von Verlogenheit.(Stürmische Zustimmung.) Ausgerechnet der Dekorationsmaler aus Oesterreich ist der einzig«, der Ostpreußen retten kann.(Heiterkeit.) Wenn man fortwährend den Teufel an die Wand malt, rui- niert men den Kredit Ostpreußens und schädigt die ostpreußische Wirtschast in ihrem schweren Existenzkampf.(Sehr wahr!) Herr von Winterseld hat die preußisch« Minberheiienpolitik kritisiert. Auch die polnischsprechenden Staatsbürger haben Anspruch auf gleiche Rechte und gleiche Freiheit. Aber jeder Agitation auf Losreißung von Preußen muß wie bisher auch künftig mit allem Nachdruck entgegengetreten werden. Bei der Kritik des Minder- hsitenschulabkommens übersehen die Deutschnationalen, daß leider mehr Deutsche unter fremder Staatsoberhoheit leben als Ausländer bei uns. Wir haben das Abkommen gegen meine starken Bedenken auf Wunsch der Auslandsdeutschen abschließen müssen. Aber je besser das Schulrecht ist, desto überlegener setzt sich die Kultur des Deutschtums durch.(Sehr wahr!) Das gewalttätige Vorgehen der litauischen Diktaturregieruog gegen dos Memelgebiet wirb von allen Deutschen auf das schärfste verurteilt.(Sehr richtig!) Aber es hieße die Reichsregie- rung beleidigen, wollte man annehmen, daß es erst einer Ein- Wirkung der preußischen Regierung bedurft hätte, damit sie tut, was im Interesse des Deutschtums notwendig ist. In dauernder Ver- bindung mit der Rcichsregierung werden wir auch in Zukunft in klarer Erkenntnis der politischen Realitäten das tun, was zur Wah- rung der deutschen Interessen nötig Ist. Mit Gewalttätigkeiten und hetzerischen Phrasen leistet man dem Memelgebiet den schlechtesten Dienst. Schon in kürzester Zeit wird sich erweisen, daß da. Vor, gehen der Reichsregierung das einzig richtige und einzig mögliche war. Abg. von Winterfeld Hai gefordert, daß auch der Rundfunk sich des deutschen Memeltums annehme. Herr von Medem hat ja im Rundfunk darüber gesprochen, wenn auch Sachkenner bezweifeln, daß seine Rcd« dem Memellande genützt hätte.(Heiterkeit.) Aber grundsätzlich prüfe ich die Aufforderung, den Rundfunk bei politisch wichtigen Aktionen mit anzuspannen.(Heiterkeit.) Davon sind wir auch ausgegangen bei den jüngsten großen politischen Entscheidun- gen des deutschen Volkes. Wir haben den Rundfunk nicht den Regierungsparteien zur Verfügung gestellt(Widerspruch rechte), denn die Reichepräsidenlenwahl war keine parleiwahl, sondern sollte knlscheidcn, welcher Mann als Hüter und Wahrer der Reichsverfassung an die Spitze des Reiches gestellt werden soll. (Sehr gut! links.) Darüber sollen ja sogar innerhalb der Deutsch- nationalen Partei Meinungsverschiedenheiten bestanden haben. (Heiterkeit.) Pia war es selbstverständlich, daß der amtierende Reichspräsident im Rundfunk sagen durfte, wie er seine Täligkeil sorlsetzen will und daß er auch dort den infamen kleinen Lügen gegen seine Person und gegen seine Angehörigen enlgegenlrelen konnte. Alles, was ein Kanzler zu den brennenden Tagcsfragen zu sagen hat, hat das deutsche Volk einen Anspruch zu hören. Es handelte Jzch also nicht um P arte i p o l i t i k, sondern um eine poli- tische Notwendigkeit der freistaatlichen Verfassung.(Sehr gut! link».) Her» von Hindenburfl ist Rerchsprästdent nnd' wird es bleibe«. (Stürmischer Beifall.) Wenn äber jemand die Aufgabe der Rund- stnilleiter dahin aufsaßt, als hätten sie dieses Instrument des Staates denen zur Verfügung zu stellen, die den Staat g e w a l t j a m vernichten wollen, dann irrt er Die Ueberparteilich- ksit des Rundfunks findet ihre Grenze am Staatsinter- esse. Er hat sich mit allen Mitteln gegen die zu wenden, die gegen den Staat anrennen und nicht noch ihnen Staatsmittel', zur Ver- fügung zu stellen.(Lebhafter Beifall.) Das alte S y st e m hatte überhaupt keine Opposition zugelassen. Unter dem alten System hat im ganzen Lande Ost- preußen keiner, der nicht konservativ war, auch nur einen Saal be- kommen Eine Stadtverwaltung, die Räume auch nur den Frei- sinnigen überließ, wurde im Aufsichtswege schleunigst rektifiziert. Das war die„Wahlfreiheit" im alten System.(Sehr gut! bei den Soz.) vemokrafische Freiheit heißt nicht Selbstvernichkung, sondern Selbstbehauptung und Selbstverwaltung. Man hat es fertig gebracht, als Beeinträchtigung der Wahlfreiheit sogar meine Rede vor den Oberpräsidenten hinzustellen. Sie sollten nicht Zeitungen verbiete« sondern sie zwingen, ihren Lesern die Wahrheit zu unterbreiten. Aber Wahlfreiheit heißt wenigstens für mich nicht die Freiheit der Lüge und Verleumdung.(Lebhafter Beifall.) Auch mein Aufruf für Hindenburg wurde kritisiert, ich solle darin mit dem Staatsstreich gedroht haben. In Wahrheit (habe ich geschrieben, daß die Wahl Hitlere das wirtschaftliche Elend ins Unerträgliche steigern und Staats st reich und Bürgerkrieg zur Folge haben müßte. Das halte ich Wort für Wort aufrecht.(Sehr gut!) Wer logisch denkt, wird erkennen, daß ich hier nicht von einem Staatsstreich von unserer Seite, sondern einem Staats st reich eines stegreichen National- s o z j a l i s m u s gesprochen habe Ich habe das für sozial- demokratischeWähler geschrieben, die das ohne weiteres verstehen: aber für die Herren Deutschnationalen bin ich be- reit, es noch ausführlicher zu erläutern.(Heiterkeit.) So phantastisch und berauscht die Rationalsozialisten sind, so- viel wissen sie doch, daß in wenigen Wochen ihre ganze Herr- lichkeit beim Teufel wäre, wenn sie sich als legale verfassungsmäßige Regierung der äsfenklichen Kritik im Parlament unler- werfen wollten. Rur auf den Staatsstreich und die Gewalt sehen sie die Hoffnung aus Selbstbehauptung. Und darum müssen sie durch einen Staatsstreich die verfasiungsmähige» Rechte zu vernichten versuchen. Gegen einen solchen Staats- streich würde das republikanische Volk auferstehen und der Bürgerkrieg wäre da. Daß eine solche Telbstzerfleischung auch für expansionslüsterne Nach- barn einen Anreiz bieten kann, zeigt ein Blick nach dem Fernen Osten.(Sehr gut!) Herr Hitler, der nicht Gendarm vöy Hildburghausen geworden tst. hat dieser Tage bei einer Gastrolle in Weimar erklärt:„Wenn man ihn nicht totschlüge— er stirbt sa sast olle Tage(Heiterkeit) wurde er seinen Kamps fort» setzen, und wenn es zehn Jahre dauert."(Heiterkeit.) Nach dem letzten Sonntag find die Nationalsozialisten also schon etwas nüchterner geworden. Ei« haben von den Kommunisten ge- lernt: Weil bei denen der Fünfjahresplan nicht ganz Programm- mäßig klappte, macht sich Herr Hitler einen Zehnjahresplanl (Heiterkeit.) Abg. von Winterfell! hat die W I r t f ch a f t s n o t auf unsere angebliche einseitige Konsumentenpylitik zurückgeführt. Wer Amerika hat ja Hochjchutzzölle, die kaum zu überbieten sind und trotzdem 10 Millionen Arbeitslose(Sehr wahr.) In Wirklichkeit haben"die Deutschnationalen die deutsche Wirtschaftspolitik des letzten Jahrzehnts nicht stärker beeinflußt al» wir(Widerspruch rechts). Ihr Schiele oder unser Schiele(große Heiterkeit—. rechts: nicht unser Schiele!). Ja, wenn jemand nach Kennlniinahme der wirklichen Verhältnisse zur vernunsl kommt, ist er bei Ihnen abgemeldet! (Heiterkeit.) Denken Sie nur daran, daß hier vor vier Jahren Herr Minister Schlange-Schöningen es gewesen ist, der hier unter Ihrem Jubel Ihren Kampfruf gegen die Preußen- regierung erschallen ließ.(Zuruf recht?: Jetzt jubeln wir Herrn Schlange nicht zu!— Heiterkeit.) Es sind gar nicht immer dle besten Minister, denen man zujubelt.(HeiterkeU und Beisall.) Jedenfalls haben wir heute Zölle, die drei- bis viermal so hoch sind wie die, dse der letzte Kaiser Wilhelm als Brotwucher bezeichnet ggt. Aber zur Rettung der Landwirtschaft wäre es viel wichtiger, Kon- sumenten kaufkräftig und zahlungsfähig zu machen Die kapitalistische Wirtschaft hat in diesem Krisenjahr vollkommen versagt. In keinem Land kommt sie mehr aus ohne die aemeinwiri» schaftlich« Methode des Eingreifens des Staates. Der Wert eines Systems muß sich in schiechten Ze'ten zeigen, nachdem der Kapitalis- mu? iy schlechter Zeit versagt hat, kann der Staat nicht zulassen, daß nu? die Verluste sozialisiert, das heißt, auf die Allgemeinheit abge- wälzt werden, sondern muh auch mit neuen Kontryllmethoden vö?» beugend wirken.(Hört, hört rechts!) Ja, so geht da, eben nicht, daß dlx kap'talissen in individueller Freiheit Geschäfte machen, in Satzenelleohogeo-Freihest(stürmische yesterkeit). daß Herr Ladendprss vor lauter Kritik an der Wirtschaft der össenllichen Hand keine Zeit halt«, sich um seine Kasse zu kümmern. da muh der Staat vorbeugend Sorge tragen, daß sich dergleichen nicht wiederholt. Die Staatskontrolle unserer Wirtschaft ist unerläß- liche Voraussetzung wirtschaftlicher Gesundung.(Sehr wahr! bei den Soz.) Hexf von Winterfeld hat behauptet, wir hätten Preußen in Grund und Bvden gewirtschaftet Nein, das System der kon- servatipen Parteibuchbeamten und das Dreiklasien- rvahirecht hatten Preußen in Grund und Boden ruiniert. Wir haben einen Trümmerhaufen übernommen und unter unsäg- lichen Mühen in hingebender Arbeit ein neues Preußen aufgebaut. (Lebhafter Beisall.) Wenn wir jetzt in schwerer Zelt auf die Finanz- reseroen zurückgreifen, schadet das bei Preußens geringfügiger Ver- schuldung gar nichts-. Die kranke Wirtschaft schließt es aus, daß die Staatsfinanzen gesund sind.(Sehr wahr!) Es wird behauptet, Preußen hätte keine Führung, und ich ließe die Zügel anz Poden schieifen. Das ist ebenso falsch wie die aibxrne Behllupkung, ich sei der Zar von Preußen.(Heiterkest.) Die preußische Regierung, durchaus bewußt d'r furchcharen Not unseres Polk�, wird auch weiterhin iii kollegial-sr Zujannnen- arbeit ihre ganze Kraft einsetzen, um die Schwierigkeiten der Lage zu meistern. Di« nächsten Wochen müssen zcigcn, ob das preußische Volk zu dieser oeiantwmtungebewußten Ari eit Vertrauen hat Es geht nicht um Systeme uns Parteien, e» geht um Sein oder Nicht, sein des Staates und des deutschen Volk«». Soll unser durch Not und Elend zermürbtes Volk skrupellosen Hysterikern und Psychopathen ausgeliejert werden oder soll es in Schicksalsyerbundenheit und entsagungsvoller Arbeit die furchtbar« Not überwinden und einer besseren Zukunft entgegengehen. De» 13. März war die erste Absage an die grSßen- wahnsinnigen Scharlatane. Ihre Niederlage muff am 10. April noch wuchtiger werden und am S4. April wollen wir mit diesen politischen Betrügern gründlich aufräumen.(Ltüemtschz.'r. laug anhaftender Beifall.) Neue KlamS-Willkür in Vraunschweig Oer„Volksfreund" wieder auf vier Wochen verboten Das Alientat Adolf reiste von München nach Wef- Mar. Da(log ein kleiner Stein Just in ein Abteil Dritter hinein. Er kam im Bogen Vom nahen Fußballplatz geflogen Wohl hundert Meter an Adolf vorbei Bei Weimar.— Weih! Adolf brüllte:„Ein Attentat! Das paßte mir grad! Die Genossen Haben midi beschossen! Midi trafs um ein Haar! Sdireibf in die Gazetten: Knapp konnte ich mich retten Aas Lebensgefahr." Naehwortt Audi mir kommt die Sache beschossen vor, (Beschossen— o wie Isidor). Jonathan. Moskau entlarvt den KPO.-Gchwindel. Die deutsch-rufflschen Beziehungen. Die deutsche Kommunistenpresie tischt ihren Lesern tag- lich das Märchen auf, daß Deutschland, unter hervorragender Mitarbeit der Sozialdemokratie, an einem Komplott gegen Sorvjetrußland teilhabe und den Znterven- tionskrieg vorbereite. Daß die Sozialdemokratie schärfste Gegnerin jedes Interventionskrieges ist und die deutsch-russi» schen Beziehungen durchaus freundschaftlich sind, weiß die deutsche Kommunistenpresie natürlich auch— aher wann hätte sie sich durch ihr Besserwissen in ihrem Lügengeschäft stören lassen? Jetzt veröffentlicht die offiziöse„Moskauer Rundschau" aus Anlaß des Attentats auf Twardowfki einen Lelt» aufsatz, in dem jeder Satz ein Schlag auf das Lügenmaul der deutschen Kommunistenpresse ist. Der verwundete deutsche Botschaftsrat erscheint in diesem Artikel als„ein pfljchterfüll» tsr Mann, der die ihm anvertraute Aufgabe der Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen zwei großen und mächtigen Staaten sehr ernst nimmt." Es wird also sowjetoffiziös bestätigt, daß die deutsche Botschaft in Moskau die Aufgabe hat. freundschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und Sowjetrußländ zu pflegen und daß sie diese Aufgabe gewisienhaft erfüllt. Ueber die Tat des Attentäters wird darin gesagt: Seine Tat war ein neues Glied in der Kette der Pronw kationen. die den friedlichen Aufbau der Sowjetunion zu hemmen und die Bemühungen der Sowjetdiplomalie und der ihr befreundeten Großsiaalen die Menschheit vor den Greueln eines neuen imperialistischen Gemetzels zu bewahren, zu stören bestimmt find. Es wird also sowjetoffiziös noch einmal bestätigt, daß Deutschland ein„befreundeter Großstaat" ist, der sich gemein- sam mit Rußland um die Aufrechterhaliung des Friedens h'emüht. Damit ist es aber noch nicht genug. Die„Moskauer Rundschau" fährt fort: Die Empörung der breiten Masten der Sowjetunion war um so größer, als sie sich besten bewußt waren, daß es sich bei diesem Attentat gegen einen fremden Diplomaten um einen Vertreter vensichlands handelte, d. h. des Staates, der als erster unter den Großmächten der kapitalistischen Welt vor bald zehn Jahren In Bapallo mit dem ersten Arbciterstaat einen we'.tgreisenden politischen Vertrag geschlossen und so mit ihm gemeinsam die Aufrechterhaliung des Weltfriedens entscheidend ermöglicht hat. Somit wird sowjetoffiziös zum dritten bestätigt, daß das ganze Gerede von deutschen Komplott- und Interventions- absichten ein frecher Schwindel ist. Wo die sogenannten„Komiker" in Betrieben und an Stempelstellen mit diesem Schwindel hausieren, sei ihnen die sowjetoffiziöse„Moskauer Rundschau" unter die Rase ge- halten!'_____ Dank an die Polizei. Erlaß des Polizeipräsidenten GrzeflnsN. ver Berliner pollzelprSsldent hat an die gesamte Beamtenschnsl der Polizeiverwallung Berlin folgenden vanferlaß gerichtet: „Ein harter Wahlfampf liegt hinter uns und Hai an die Polizeibeamtenschast Anforderungen gestellt, wie sie bei der Polizei selten erlebt wurden. Unter Einsatz von Leben und Gesundheit haben insbesondere die Beamten der Schutzpolizei körperliche und seelische Anstrengungen der gesamten ordnungsliebenden Bevölkerung gesichert. Die hervorragende Pslichterfüllung der Schutzpolizei, ihr besonnenes und entschiedenes Auftreten, ihre opferfreudige Dienstbereilschaft Hai der Reichshauptstadt und damit ganz Deutschland das beschämende Schauspiel unwürdiger Zwischen- fälle erspart, die in dem schweren Existenzkampf des deutschen Volkes verhängnisvolle Wirkungen hätten zeitigen können. Einen nicht minder schweren Dienst haben die Beamten der Politischen Polizei geleistet, die unter chinianstellung aller persönlichen Rück- sichten ihren gefährlichen und ausreibenden Dienst In vielfach un- unterbrochener Dauer Tag und Nacht mit vorbildlicher Entschiosten- heit durchgeführt haben. Ich spreche daher den Beamten der Schutz- Polizei und den Beamten der Politischen Polizei meinen besonderen Dank und meine Anerkennung aus. Dieser Dank gilt auch den Be> amten der K r i m, n a l p o l i z e I. die sich in den Wahltagen über ihre eigentlichen Dienstgeschäste hinaus freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, um die schwer arbeitende Politische Polizei und Schutzpolizei nach Möglichkeit zu entlasten Ich danke auch den Be- amten und Angestellten der Verwaltung, die. durch den Wahlkampf gezwungen, ein beträchtliches Maß an Sonderarbeit zu bewältigen hatten. Di- Beamtenschast aller Dienstgrad« und ftachgnwpen Hai bei dem jetzt abgeschlossenen Wahlkamps ein Maß an Dienst- freudigkeit und Opferb-reiischoft gezeigt, da, als Beispiel und Vorbild in der Geschichte der Berliner Polizei weiter- leben wird. Ich bin sicher, daß die komm enden Wahlkämpke, die erneut die schwersten Antorderungen an.die gesamte Beämtenschaft stellen werden, die Berliner Poli.zei in sonem Zustand höchster Bereit- schatt und freudigster Pflichterfüllung finden werden, der diesmal schon«inen ausgezeichneten Beweis der Leistungsfähigkeit und un» srschütterlichen Verfassungstreue geliefert hat." B r a u n s ch w r i g, 17. März. Der sozialdemokratische-„Volksfreund" ist vom braunschweigifchen Innenminister auf die Dauer von vier Wochen verboten worden. Als vor- läufige Begründung wird der«chlußpassus aus dem gestrigen Leitartikel des„Volksfreund" mit der Uebor- schrift„Schluß jetzt!" angeführt. Die schriftliche Begründung liegt noch nicht vor. Im Lande des Herrn Klagges wird ganz offen gerüstet. Be» waffnete Formationen der braunen Armee machen Stadt und Land unsicher, sie terrorisieren die Bevölkerung, sie bilden eine Bedrohung der Bevölkerung der umliegenden preußischen Gebiete. Der„V o l k s f r e u n d" hat in dies Treiben hineingeleuchtet. El berichtet, daß in der Wohlnacht die gesamten nationalsozialistischen Formationen mobilisiert und an vorher bestimmten Punkten selb- marschmäßig zusammengezogen waren. Sogar Aerzte und Sanitäter waren aufgeboten. Die Sammelstellen lägen sowohl in der Stadt Braunschweig wie an der Landesgrenz« und zum Teil auch auf preußischem Gebiet. Preußische Polizei wurde verständigt und koimte die Feststellung machen, daß die SA.- und SS.-Abtellungen Doebereitungen zur Besetzung öffentlicher Gebäude getrossen und bereits die A b- riegelung ganzer Städte und Orte vorgenommen hallen. Im Landkreis« Halber st adt an der braunschweigi- schen Grenze überrascht« die preußische Schutzpolizei bewaffnete Nationalsozialisten bei derartigen Bürgerkriegsproben. Es wurden Waffen und Munition beschlagnahmt. Im Zusammenhang mit den bei Einbeck aufgedeckten Waffen- transporten weist der„Bolkssreund" auf die SA., und SS.- Schule in Kreiensen hin, hinter deren Mauern sich unter den Augen des Polizeiministers Klagges verschiedene Ding« abspielten, die dringend der Ausklärung bedürften Schließlich veröffentlicht das Blatt den Bericht«Ines SA.-Beobachters, der den Austrag hat die Polizei und die Reichs- wehr zu bespitzeln. Ueber das Reichswehr-Infanteneregiment 17 in Celle heißt es wörtlich: „R. W. I. R. Rr. 17 Celle. Major Georgy, Nationalsozialist, sicher. Hauptmann Sieverts, Nationalsozialist, sicher. Hauptmann Gieseler, behauptet NS. zu sein Oberleutnant von Döring, national. Oberleutnant Vandelow? Oberleutnant Brinkmann? Oberleutnant Petersen, behauptet NS. zu sein Leutnant von Bülow, national. Leutnant von Korowsky, Naiiönälsoziälist, sicher. Leutnant Mantius, Nationalsozialist, sicher. Kasinogruß:„Heil". Mannschaften: zu zwei Dritteln gut für Uns. R. VII/X.(L. S.). Äbschrist genommen Geht zurück an R. VII bei Utgef. Süh. Es handelt sich hier offenbar um eines sener Spitzeldokumente, mit deren Hilse die Nationalsozialisten Reichswehr und Schupo zu kontrollieren und zu durchsetzen versuchen Schon vor längerer Zeit sind eine Reihe ähnlicher Dokumente aus anderen Teilen des Reiches bekanntgeworden. Der„Volksfreund" ist den Bürgerkriegsleuten unbequem, des- Gasiod eines Ehepaares. Zn ihrer Wohnung in der G r a e h st r. 52 in Treptow wwwen heute mitlag der 1l> Jahre alte Schwerkriegsbeschädigte Theodor kl e i st und seine gleichallrige Frau Hedwig durch Gas ver- gifkH kok aufgefunden. Noch dem Befund ist das Ehepaar im gegenseitigen Einverständnis wegen unheilbarer krankhell bereits am Montag aus dem Leben geschieden. Die Tat wurde iedach erst heule entdeckt, da Hausbewohnern aufgefallen war, daß sich in der Wohnung de« Schwerkriegsbeschädiglen nichts regte. VerkehrsunglückamBrandenburgerTor Lastauto gegen Fuhrwerk.- Kutscher getötet. Zu der Ariedrlch-Cberk- Straße. In unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores, erelgnele sich heule vormittag ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem der 5S Jahre alle Suischer Friedrich Sabrowski an» der Srunewaldstrahe 34 in Schöneberg gk- köiek wurde. S. fuhr mit seinem Einspänner durch die Friedrich-Ebert- Straße in Richtung Brandenburger Tor. Er hieit dabei ziemlich die Mille de, breiten Fahrdammes. Der Führer eines nachsolgenden- Lastautos glaubte, daß Sabrowski die Fahrtrichtung einhalten werde und versuchte unvorschriftsmäßig rechts zu überholen. In diesem Augenblick lenkte der Kutscher sein Gespann jedoch ebenfalls nach rechts herüber und es erfolgte ein heftiger Zusammen- st o ß. Das Fuhrwerk, ein leichter Plattenwagen, wurde völlig zertrümmert. Sabrowski wurde bei dem heftigen Anprall aus den Fahrdamm geschleudert. Dabei geriet er so unglücklich unter das linke Hinterrad des Lastautos, daß er auf der Stelle getötet wurde. Der Ehauffeur des Lastkraftwagens ist von der Kriminalpolizei in Haft genommen worden. Der schwere Verkehrsunfall in der Kantstraße konnte noch nicht einwandfrei geklärt werden. Nach der Aussäge der Tänzerin Marianne Winkel st«rn, die den Unglückswagen steuerte. soll der tödlich verunglückte Oberinaenieur Rudlefs in das Auto hineingelaufen sein Im Laufe des Tage« werden nach verschiedene Zeugen vernommen, so daß die Schuldsrage genau festgestellt werden dürft«. e> Wie die weiteren Feststellungen ergeben hoben, Ist R u d l« s f nicht überfahren, sondern vom Koislügel erfaßt und beiseite geschleudert worden. Cr siel so unglücklich, daß er einen Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen et starb. wegen will Klagges ihn verbieten! Wie lange will der Reichs- innenminister die Zustände in Braunschweig noch dulden? Klagges sucht Verbotsgründe. Die Begründung des Verbots des..Volksfreundes" lautet: In Nr. 64 seiner Ausgabe vom Mittwoch, den 16. März 1932, bringt der„Volksfreund" auf der Titelseite einen Artikel mit der Ueberschrift:„Schluß setz t", der sich mit der Ausgab« der Eisernen Front befaßt und am Schluß den Satz enthält: „Es wird alles darauf ankommen, die neuen Formationen der deutschen Arbeiterschaft und der republikanischen Verbände so zu stärken, daß es im Ernstfalle gelingt, die Rebellen gegen Staat und Ordnung auch ohne den gleichzeitigen Einsatz der staatlichen Machtmittel niederzuknüppeln." In diesen Worten liegt die klar und deutlich ausgesprochen« Aufforderung und Anreizung zu Gewalttaten und zur Begehung gesetzwidriger Handlungen. Diese Ausführungen bedrohen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der empfindlichsten Weise und fordern gebieterisch ein Verbot des„Volksfreund" und seiner Kopf- blätter. In Rücksicht auf die Schwere der Ausschreitung ist eine Verbot-frist von vier Wochen angemesien.(gez.) Klagges." Klagges hat auch die..Oberweier V o l k s z e i t u n g" in Holzminden und das„Harzer Echo" in Blankenburg mit ver- boten, die als Kopfblötter im gleichen Verlage erscheinen, obwohl diese Blätter den beanstandeten Artikel überhaupt nicht veröffeiit- licht haben. Afghanistan oderKlaggefian? Wilde Zustände in einem- deutschen- Freistaat. v r a u n s ch w e i g. 17. März.(Eigenbericht.) Die Zustände in Braunschwelg sind nach der Wahl fast noch schlimmer geworden als vorher. Abend für Abend ziehen Nationalsozialisten in Trupps durch die Stadl, um Händel zu suchen. Am Mittwochabend kam es zu Schießereien in der Schöppenstedter Straße und Zrieseustroße. Zn der von Arbeitern bewohnten Zriefenstroße riefen die Nazis: „Zensier zu, sonst wird geschossen!" Zn mehreren Häusern wurden von ihnen die Zensterscheibea eingeschlagen. Die Nationalsozialisten(elwa 150 Mann) waren mit Steinen, Stöcken. Revolvern und peitschen bewaffnet. Ein Passant wurde von Nationalsozialisten von hinten niedergeschlagen und muhte dem Krankenhaus zugesührl werden. Die brannschweigische Polizei, die nicht mehr gegen die Nationalsozialisten vorzugehen wagt, erscheint zwar auf Anruf stets am Talort, duldet aber, daß die Nationalsozialisten nach vollbrachter Tat in Gruppenkolonne abziehen. Hitlerleute als Etraßenräuber. Landarbeiterfunkkionär viehisch mißhandelt. Breslau. 17. März. sEigenbericht.) Auf der Landstraße in der Nähe von Bärzdorf der Strehlen wurde der Landarbelterfunttionär und sozialdemokratische Kreistagsabgeordnete I e n t s ch von mehreren Nationalsozialisten überfalle«. Die Nazis rissen Jentsch vom Rade und bearbeitete« ihu mit der Rodehacke im Chausseegraben. Der Ueberfallene liegt jetzt im Krankenhause mit schweren Berletzuugen danieder. Jentsch ist Vater von neun Kinderm Jentsch ist seit vielen Jahren Vertrauensmann des Landarbeiterverbandes und deshalb bei den Reaktionäre» besonders verhaßt. Einige der Banditen, die ihn über» fielen und mißhandelte«, sind bekannt. Ihre Verhaftung steht bevor. Wohnbaugeseh abgelehnt. VeichStagSausschuß umgeht die Entscheidung. Der Wshnnngsansschuh des Reichstags beendete heute die all- gemeine Aussprache Über den sazialdemotrotischen Ä n- trag Über Arbeitsbeschaffung durch Wohnungsbau und faßte mit allen bürgerlichen Stimmen gegen die der Sozial- demokraten und Kommunisten folgende Entschließung: „Das angekündigte Arbeitsbeschassungoprogramm sobald als irgend möglich herauszubringen, zu verwirklichen und dabei beson» ders auch den Klein- und Eigenwohnungsbau zu berücksichtigen." Der sozialdemokratische Gesetzentwurf wurde damit als erledigt erklärt. Maiieotii-Mörder verhaftet. Aber nur wegen eines Betruges. Mailand, 17. März. tEigenbericht.) Der Advokat Filippo FIlippelli, der an der Er- mordung Matteottis beteiligt war. ist als Anstifter eines Betruges verhaftet worden. Durch diesen Betrug ist die italienisch« Niederlassung der englischen Gummi- reifenfabrik DunIhP um Millionen Lire geschädigt wor- den. Filippelli hat zum Teil bereits seine Betrügereien gestanden. Die Rolle dieses Ehrenmannes bei der Er- mordung des Sozialistenführers Matteotti wird in der Presse natürlich nicht erwähnt. Oer Tote tn der ponke. Der Lelchenfund in der Pank« bei Blankenburg be- schöftlgtc die Mordkommission des Polizeipräsidlums nahezu die ganze Nacht. Nach den umfangreichen Ermittlungen scheint sich jedoch herauszustellen, daß der Mann, es handelt sich um einen 31 jährigen Vertreter Edmund Troßner aus Kaiow Seihst- mord durch Erschießen verübt hat An der rechten Schlafe des Toten wurde eine Schußverletzung entdeckt Da die Waffe bisher nicht gesunden werden konnte, wird angenommen, daß der Selbstmörder von der st arten Strömung ersaht und einige hundert Meter vom Totort abgetrieben wurde Anhaltspunkte süx ein Verbrechen, wie anfänglich gemutmaßt wurde, hatten sich nicht ergeben. Oer Arbeitslose eine Aummer. Die Bürokratie der Reichsanstalt. Ein Arbeitsamtsangestellter schreibt uns: Bei den Arbeitsämtern wurden die sogenannten Suchkarteien bisher meist alphabetisch geführt. Nun hat irgendeine„höchste Stelle" bei der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenversicherung herausgefunden, daß die Registrierung der Namen der Arbeitslosen nach dem Alphabet zu einfach ist. Hinzu kommt die vom Sparkommissar beanstandete persönliche Fühlungnahme mit den Arbeitslosen bei der Abfenigung, so daß die Arbeits- losen fortab als Nummer innerhalb einer Berufs- g r u p p e geführt werden. Die Adresse des Arbeitslosen erscheint ebenfalls überflüssig, da sie sich ja doch häufig ändert. Jetzt gibt es wenigstens etwas z u suchen. Will zum Beispiel eine Behörde eine Auskunst über einen August Müller, wohnhaft Berlin N., Feldstrahe 13, dann muh der Mann in irgendeiner Berufsgruppe, unter Umständen in 28 Gruppen und dann womöglich in 210 Akten gesucht werden, um festzustellen, ob der betreffende August Müller derjenige ist, der die angegebene Wohnadresse hat. Mit der Umstellung der Registratur auf diese neue Methode werden die Arbeitsämter auf den Kopf gestellt. Die neue Stamm- karte wäre eigentlich dann erst ein Muster an Einfachheit, wenn sie außer der Stammnummer nur noch den Beruf aufweisen würde und der Name— als nicht zur Sache gehörend— ganz fortfallen würde. Klappt die neue Einrichtung nicht, dann sind„natürlich" nur die A n g e st e l l te n daran schuld, die man schließlich wieder einmal der Sabotage bezichtigt, um die Unfehlbarkeit der höheren Stellen zu betonen. Sechs Millionen Arbeiislose in LlSA. Washington, 17. März. Im Senat wurde mitgeteilt, daß nach den von den 48 Gouoer. neuren der Staaten bekanntgegebenen Ziffern die Zahl der Arbeits- losen in den Vereinigten Staaten sich auf 6 Millionen beläuft. 16.05 16.30 17.30 17.50 18.10 18.40 19.00 19.10 19.15 20.40 21.20 21.25 22.50 16.00 17.30 18.00 18.30 18.55 19.00 20.30 Donnerstag, 17. März. Werner Bernhardy: Not der engagementsloscn Schauspieler. Orchesterkonzert. Paul Markwald-Caro: In der größten Dunkelkammer Europas. Dr. Priester: Wirtschaftsrundschau. Chorwerke von A. von Othegraven. Aktuelle Abteilung. Stimme zum Tag. Die Funkstunde teilt mit... Tanzabend. Kolisch-Quartett: Streichquartett d-moll, op. 7. von Arnold Schönberg. Tages- und Sportnachrichten. Staatsoper Unter den Linden:„Die Hugenotten", Oper von Giacomo Meyerbeer. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten Abendunterhaltung. Königswusterhausen. Walther Merck: Georg Kerschensteiner. Dr. Walter Hagemann: Auslandsdeutschtum. Dr. Joachim Tiburtius: Alter und neuer Mittelstand. Goethe: Prosa aus drei Lebensaltern,(Dr. Paul Fechter und Dr. Heinrich Michaelis.) Wetter für die Landwirtschaft. Dr. Peters: Betriebswirtschaftliche Tagesfragen. Stockholm: Europäisches Konzert. Funckorchester und die Kgl. Hofkapelle, Funkchor, Chor des Kgl. Theaters und des Kgl. Musikkonservatoriums. Dir. Väcläv Talich. 1. Franz Berwald: Sinfonie singuliöre C-dur; 2. Wilhelm Stenhammar: Sangen(Der Gesang), sinfonische Kantate für Soli, Chor und Orchester. Wetter für Berlin: Ueberwiegend bewölkt, aber zunächst ohne wesentliche Niederschläge: Temperaturen wenig nerändert Leichte nordöstliche Winde,— Für Deutschland: Im Süden und Südosten Regen und Schneefälle, In Mitteldeutschland bewölkt ohne nennens- werte Niederschläge. Im Nordwesten und im Küstengebiet der Ostsee noch meist heiter; allgemein wenig Tcmperaturänderung, Vcrantwortl, sllr die Ziedaktioni Rich, Bernstein, Berlin: Anzeigen: Th, Gloike Berlin, Verlrgi Vorwärts Verlag Beilage. '-.vdr CASINO-THEAlERs'/- � Lothringer Strafte 37. .......................................................................... Unwiderruflich nur bis 31. März Der Mann mit den zwei Frauen u. das große bnnte Programm Am 1. Ap il zum 1. Male PEPPINfl Operette in 3 Akten. Musik v. R. Stolz. üutscheln 1-4 Personen: Parkett Sü Pt, Fauteutl I.— Mark, Sessel 1.50 Mark. 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März 1932 Begabung, Schule und Staat Zur Frage der Begabtenförderung Ein außerordentlich wichtiges Problem der Schulpolitik be» handelt Erich Kummerow in seiner Schrift„Begabten- sörderung in Preußen"(Verlag von Quelle und Meyer, Leipzig, 90 Seiten, geheftet 3 M.). Der Verfasser Direktor im Prooinzialfchulkollegium, Berlin, gibt als gründlicher Sachkenner einen Ueberblick über die aus öffentlichen Mitteln finanzierten Ein- richtungen zur Förderung begabter, aber unbemittelter Schüler und Liochschüler. Für diesen wichtigen Zweck stehen leider nur verhält- nismäßig sehr geringe Mittel zur Verfügung: es besteht zur Zeit wohl keine Aussicht, daß größere Summen aus öffentlicher Hand für die Begabtenförderung frei gemacht werden können. Kummerow berichtet über die Voraussetzungen für die Schulgeldbefreiung, für Erziehungsbeihilfe, für Gebührenerlaß an Hochschulen, für Lern- mittelsreiheit und für die Erlangung von Stipendien. Der Leser er- hält eine umfassende Auskunft über alle bestehenden Einrichtungen. Kummerow unterzieht die bestehenden Maßnahmen einer furcht- baren Kritik. Er kommt zu dem Ergebnis, daß das Problem der Unabhängigkeit des Bildungsbesitzes von materiellen Gütern bisher noch nicht gelöst ist. Die Befreiung vom Schul- geld und die Gewährung kostenloser Lernmittel ist für unbemittelte Eltern keine ausreichende Entlastung. In den akademischen Be- rufen tritt die Erwerbsfähigkeit erst sehr spät ein. Der Arbeiter wird nicht in der Lage sein, sein Kind bis etwa zum dreißigsten Jahre zu erhalten: das Arbeiterkind ist genötigt, sich möglichst früh seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Daher könnten nur Er- ziehungsbeihilfen und Stipendien den Aufstieg des mittellosen Begabten ermöglichen. Di« Mittel, die für diese Maß- nahmen zur Verfügung stehen, sind wesentlich geringer als die Mittel für Schulgeldbefreiung. Die Aussicht, in den Genuß der um- snssenderen Förderungsmahnahmen zu kommen, vergleicht Kummerow mit der Aussicht eines Lotteriespielers, einen großen oder mittleren Gewinn zu erlangen. Im Jahre 1929 haben in Preußen rund 700 Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten Er- ziehungsbeihilfen erhalten. Die geringe Bedeutung dieser Zahl er- gibt sich, wenn man bedenkt, daß in Preußen 1929 1231 anerkannte höhere Schulen mit 468 000 Schülern vorhanden waren. Die Zahl der höheren Schüler und Studenten proletarischer Abstammung ist in der Tat außerordentlich gering. Der Anteil des Arbeiternach- Wuchses an allen deutschen Hochschulen beträgt nicht einmal 3 Proz. Es besteht also noch immer ein Bildungsprivileg der Besitzenden. Die Tatsache, daß der Erwerb einer weiterführenden Bildung an den Besitz materieller Güter gebunden ist, bedeutet ein schweres und unerträgliches Unrecht. Die Arbeiterparteien aller Länder haben die Forderung, daß der A u f st i e g der Begabten sich u n a b- hängig von der wirtschaftlichen Lage des einzelnen vollziehen soll, von Anfang an zu einem politischen Programmpunkt gemacht. In allen Programmen der deutschen Sozialdemokratie ist di? Brechung des Bildungsprivilegs der Besitzenden ein wesentlicher Pemkt der Schulpolitik. Es geht nicht um das Problem der Heran- Ziehung vereinzelter besonders hochwertiger Individuen aus den untersten Volksschichten Au den Führerstellungen im öffentlichen Leben, es geht vielmehr um das von Minister Grimme in seiner Landtagsrede vom 31. März 1930 klar formulierte Ziel, die Aus- weglosigkeit der nicht besitzenden Schichten aus ihrer seelischen Not wegzuschaffen. Man gibt, sagt Grimme, Millionen von Volks- genossen, die in der Bedrücktheit und Einerleiheit ihres Daseins keine Aussicht auf Berbesserung ihrer Lage haben, einen Lebenssinn zurück, wenn sie wissen, daß, wenn schon nicht mehr ihnen, dann wenigstens ihren Söhnen und Enkeln alle Wachstumsmöglichkeiten offen stehen. Man hört vielfach den Einwand, es sei sinnlos, weiteren Schichten den Zugang zur akademischen Bildung zu erschließen, da ja die höheren Schulen und Hochschulen schon jetzt überfüllt seien und da bereits heute ein Ueberangebot an akademisch aus- gebildeten Kräften bestehe. Hiermit ist zu antworten, daß die weiter- führenden Schulen die Anforderungen an die Eignung der Schüler steigern müssen, so daß nur der Begabte, gleichgültig ob er arm oder reich ist, Zugang erhält. Die Auslese der Geeigneten muß sich an dem Gesamtbesitz des Landes an begabten Individuen voll- ziehen, nicht nur an einem engeren Kreis von mehr oder weniger begüterten Schichten. Der Sohn einer begüterten Familie kann heute noch etwa das Abitur„ersitzen", wenn der Barer genügend Geld hat, um dem Schüler Privatunterricht geben zu lassen, und wenn es keine Rolle spielt, wenn der Schüler einige Male„sitzen" bleibt. Der Unbemittelte dagegen hat sehr oft trotz guter Begabung aus wirtschaftlichen Gründen keine Möglichkeit des Aufstiegs. Mit Recht fordert daher Kummerow, daß alle allein mit den Waffen ihrer geistigen Gaben in den Konkurrenzkampf eintreten sollen. Nur auf diese Weise wird dem Gerechtigkeitsempfinden der breiten Masse der Bevölkerung Rechnung getragen werden können, die es immer als ungerecht empfinden wird, wenn ihre Nachkommen aus materiellen Gründen schon von der Konkurrenz um die Aufnahme in eine weiterführende Schule ausgeschlossen bleiben. Die völlige Durchführung der Unabhängigkeit des Bildungs- besitze? von materiellen Gütern wird sich nur in einer sozialistischen Gesellschaft durchführen lassen. Man muß Kummerow zustimmen. wenn er schreibt:„Weil die Begabtenförderung, im Kern gesehen, an das größte soziale Problem der Auseinandersetzung zwischen Besitz und Nichtbesitz rührt, wird sie, solange die heutige Gesellschaftsordnung besteht, bei dem Kampf um ihre Existenzberechtigung immer nur mit einem Kompromiß abschließen können." Daher ist es in der gegenwärtigen Lage nicht möglich, die Forderung nach Bildungsfreiheit ganz zu verwirklichen: aber es ich wichtig, daß alles getan wird, um das hier bestehende Unrecht möglichst zu mildern. Die bestehenden Förderungsmahnahmen müssen ausgebaut und verbesiert werden. Kummerow entwickelt eine Reihe wichtiger und durchführbarer Aufgaben. Wesentlich ist die Erkenntnis, daß eine genügend großen Zahl in ausreichendem Maße gewährt werden könnte, sind so große Beträge nötig, daß sie gegenwärtig von der Oeffentlichkeit wohl nicht aufgebracht werden können. Kummerow Verstärkung der Mittel für die Begabtenförderung allein noch keinen Ausweg schaffen kann. Damit die finanzielle Hilfe wirklich einer empfiehlt deshalb den fruchtbaren Weg der U m g e ft a l t u n g der Schulorganisation. Vor allem muß die Volks- schule weiter ausgebaut werden: die Volksschule steht heute beinahe isoliert im Bildungswesen da. Sie gibt nur geringe Mög- lichkeiten, nach ihrem Besuch in weiterführende Bildungsanftallen aufzusteigen. Dadurch erklärt sich die Flucht aus der Volksschule und den Andrang zur höheren Schule. Kummerow zeigt die Vor- teile, die sich ergeben, wenn die Volksschule den Anschluß an das höhere Bildungswesen erhält. Seine Forderungen decken sich mit den ausgezeichneten Plänen, die Wilhelm Paulsen für einen sinnvollen Aufbau des Schulsystems entwickelt hat, Es ist zu wünschen, daß möglichst bald mit der Verwirklichung dieser Ge- danken begonnen wird. Die Reichsoerfassung gibt in Artikel 146 ein klares Versprechen:„Das öffentliche Schulwesen ist organisch auszuge- stalten. Auf einer für alle gemeinsamen Grundschule baut sich das mittlere und höhere Schulwesen auf. Für diesen Auf- bau ist die Mannigfaltigkeit der Lebensberufe, für die Aufnahme eines Kindes in eine bestimmte Schule sind seine Anlage und Neigung, nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung oder das Religionsbekenntnis der Eltern maßgebend. Für den Zugang Minderbemittelter zu den mittleren und höheren Schulen sind durch Reich, Länder und Gemeinden öffentliche Mittel bereit- zustellen, insbesondere Crziehungsbeihilfen für die Eltern von Kindern, die zur Ausbildung auf mittleren und höheren Schulen für geeignet erachtet werden, bis zur Beendigung der Ausbildung." Dieses Versprechen der Reichsverfassung wird eingelöst werden müssen. Dr. S. Weinberg. Herbert Windt:„Andromache". Llraufführung in der Staatsoper. Der Komponist ist sein eigener Textdichter. Der Stoft, der der Andromache zugrunde liegt, ist griechisch, schon von Euripides ge- staltet: dann von Racine geformt: von ihm übernimmt ihn Windt, drängt ihn zusammen in zwei nicht allzu lange Akte. Hier die Fabel: Pyrrhus, der Sohn des göttlichen Achill, liebt Hektars Witwe, die Andromache, seine Gefangene nach Trojas Fall. Um ihretwillen verzichtet er auf der Helena herrliche Tochter Hermione, die ihm zur Gattin bestimmt ist, um den Preis ihrer Hingabe will er für ihren Sohn Skamauder— gegen den Willen aller Griechen- fürsten— das heilige Ilion noch einmal auferstehen lassen in seinem alten Glanz. Nach langer Weigerung(„Ich kann nicht über Hektars Schatten") entschließt sich endlich die Trojanerin. Da bringt Orest im Namen Griechenlands den Pyrrhus um. Hermione bricht unter den Lanzen der Myrmidonen zusammen, Orest entflieht— Andro- mache, die einzig Ueberlebende, spricht den Epilog. Ein prachwoller Stoff— für Racine, für die tlassische Tragödie: unerträglich für uns Heutige in all dem lächerlichen Pathos, der gespreizten Erhabenheit, der Ueb erste igerung der Charaktere. Ein Stoff, der Symbol sein möchte— wofür, wird nicht ganz klar—. der aber in einer historischen Einmaligkeit stecken bleibt, weit ab von allem Allgemein-Menschlichen, Typischen, Opernhaften(auf das hätte es ankommen müssen)— die Geschichte(wen interessiert sie?) von König Pyrrhus' Unglück und Ende... Der Komponist(dies ist das schlimmste) ordnet sich dem Drama — diesem Drama— völlig unter. Die Atmosphäre— im Sinne etwa eines Richard Strauß— interessiert ihn sehr wenig: er baut keine erkennbaren Formen, gibt keine Abwechslung vom Dramatischen und Lyrischen, keine rhythmischen, harmonischen, formalen Ruhe- punkte, er will um jeden Preis nur eins: den Ausdruck. Dazu fehlt ihm die musikalische Potenz, die Stärke der Substanz, die Kraft der Charakterisierung, die Weisheit der Beschränkung. Die übergroßen Intervallspannungen der Singstimme, die vor allem Trägerin des Ausdrucks ist. machen in ihrer grotesken Häufung bald keinen Ein- druck, mehr, das trotz aller Schattierungen undifferenzierte Riesen- orchester bleibt völlig wirkungslos. Wie der Text Symbol sein möchte, ohne daß er es vermag, will die Musik das ganze Chaos von Haß. Verzweiflung. Furcht und Liebe auf ihre Formel bringen, „ausdrücken"— auch sie vermag es nicht. So blbibt es kaltes Feuer, eisiger Rausch, gefrorene Ekstase, bleibt es in spätromantische Komponistentechnik übertragener Racine, dem heute wahrlich kein Publikum mehr entspricht. Daß die Protagonisten aus Kochurnen gehen, wie die Schauspieler der griechischen Tragödie vor mehr als zwei Jahrtausenden, das ist für das Ganze nur allzusehr charakte- ristisch. Mag es überoll in der Welt anzuerkemuen sein: in der Kunst bleibt noch so ehrliches und noch so großes Wollen wertlos, ist ihm das allein entscheidende Können versagt. Die Staatsoper hat an das Werk unsägliche Mühe gewandt: die Sänger, die von Alexander Curth glänzend studierten Chöre, das von Erich Kleiber prachtvoll geleitete Orchester verdienen aufrichtigste Bewunderung Hürth und Preetorius hatten die Inszenierung besorgt: die(gleichbleibende) Szene bot ein eindrucks- volles Bild voll archaischer Wucht, zu dem allerdings der in kalei- doskopisch-wechselnden geometrischen Figuren„mitspielende" Horizont (ein Rückfall in abstrakte Malerei) nicht sehr organisch passen wollte. Für jeden der Sänger, für die Bewältigung der qualvoll-schwierigen Partien ist kein Lob zu hoch. An erster Stelle sind Margarete Klose(Andromache) und Fritz Wolfs(Pyrrhus) zu nennen, in weiterem Abstand Moje F o r b a ch(Hermione) und Herbert Janssen(Orest), vortrefflich auch sie. Viel schwächer Else Fink, Else Ruziczka und Walter Beck. A.rnc>Id Walter. „Ein Mädel fällt vom Himmel." Operette im Lustspielhaus. Eine liebenswürdig plauschend« Musik. Ein sanftes Bächlein, dessen Melvdien man schon igendwo gehört hat. Ein schmelzender Tango als Duett des seriösen Liebespaares und straffe Rhythmen bei lustigeren Leuten. Der Chor, aus einigen hosfnungsfrohen Mädchen bestehend, benimmt sich manchmal sogar sehnsüchtig bacchan- tisch, soweit dies« Eigenschaft im Jazzeitalter exblühen kann. Der Kapellmeister Hans Hasse jagt das Orchester in sündhafte Ekstasen hinein und gibt der Kapelle einen fabelhaften Schwung. Aber irgend etwas stimmt in der Rechnung nicht. Der Komposition Tilmar Springefelds mangelt die Durchschlagskraft trotz aller kultivierter, musikalischer Haltung. Der Wunsch ist vorhanden, schöne Ensemble- und Finalesätze aufzubauen nicht im pachetischen Stil der Wiener Operette, sondern eher in der tänzerisch beschwingten Art der„Geisha". Doch Ensembles fordern weitgespannte Melodienbögen, und Spingefelds Einfälle reichen da- zu scheinbar nicht aus. Sie verfügen kaum über den notwendigen Radius und sie sind über einem Libretto konstruiert, das sich nicht durch besonderen Geist auszeichnet. Drei Herren haben darum mit Routine und heißem Bemühen gerungen. Jvar Kreuger ist tot und sein Streichholzkonzern splittert. Dem Streichholzkönig James Rugby geht es besser. Cr braucht sich nur zwischen einer Carmen und einer Micaela zu entscheiden, und um die Angelegenheit anzukurbeln, wimmelt es von balkanischen Größen diplomatischen Charakters, die wie richtige Politiker um eine An- leihe schnorren, von Reportern und Girls, und auch ein Berliner Konfektionär, den Kurt Lilien mit einer blendenden Suada und mit groteskem tänzerischem Humor ausstattet, treibt sich herum. Das Arsenal der Operette speit Geister aus. Bald wird es eins schlagen. Eine reizende junge Dame Steffy Walten kann noch nicht singen. Di« Worte werden nicht artikuliert, die Stimme sitzt in der Nase und ist zu offen behandelt. Kurt M ü h l h a r d t sieht dekorativ aus und spielt und singt ebenfalls dekorativ. Alice H e c ch y findet den Ausgleich zwischen burschikosem Girl und liebender Frau, und Ewald Wenk zeigt sich als Gliederjongleur und ausgezeichneter Gestalter von Typen, die in das Reich Don Quichottes hinüberspielen. Sonst begnügt man sich mit der Konvention. F. Seh. Lernei-Holenia:„Liebesnächie". Komödie. Die„Komödie", Berlins luxuriösestes Theater, gehört dem Licho-Kollektiv. Ursprünglich wollte Reinhardts ehemaliger Direk- torialstellvertreter ein Kollektiv der Alten, der Ueberalterten. der darum Verlassenen bilden. Nach solchem Anlauf ins Soziale ver- suchte er es mit der reiferen Jugend. Er sicherte sich von dem Wirt des Hauses, dem Michael-Kontern, einen günstigen Vertrag. Jetzt will er nur noch Geschäfte machen. Man soll es dem Manne nicht verdenken. Er müßte nur Ver- stand, Kunstsinn und Witterung für die richtigen Attraktionen haben. Dann hätten wenigstens einige Leute wieder Brot. Aber die spiele- rische und geradezu kindliche Ahnungslosigkeit, mit der die Premiere gestern dargeboten wurde, spottet jeder Beschreibung. Allein auf das bißchen Namen Lernet-Holenia wird spekuliert. Ist der Kleistpreisträger von ehemals noch ein Spekulationsobjekt? Nach diesem Stück zu urteilen ist er überhaupt nichts mehr Zum Geld- machen reicht das auch nicht. Das ist nur bemttleidenswllrdiger Schund. Drei Akte sind vorhanden, Skizzen zu einem Lustspiel, die Geschichte eines Mädels, das sich im Bordell von Buenos Aires dem Käufer entzog, und der enttäuschte Kunde heiratet aus lauter Selig- kcit das Mädel. Wozu noch erzählen? Interessant ist nur das Symptomatische dieses Reinfalls und Durchfalls. Wen will Licho foppen? Er foppt am schlimmsten sich selber. Cr bringt die Künstler: Homolka, Faltenstein, Gronau, die junge Ursula Höflich und noch einige andere nur zum Mißerfolg. So gottverlassen unerfahren ist er nun wieder nicht, daß er sich mit seiner Novizenreinheit entschuldigen könnte. Er wollte eben nur sein Publikum dumm machen. Und selbst diese wohlwollenden, nur auf seichtestes Amüsement einge- stellten Leute hatten bald genug.— Berlins luxuriösestes Theater und solcher Schund! dl. H. Die Weimarhalle. Am 12. März fand die Einwechung der neu erbauten W e i- marhalle statt, in der sich die wesentlichen Veranstaltungen der Weimarer Goethe-Woche abspielen werden. Der Bau ist ein Monumentalbau großen Stils, gelegen im alten Froriepschen Garten in der Mitte der Stadt, erbaut nach den Plänen des Archi- tekten Vogeler. Er wirkt modern in großen, einfachen Raumverhält- nisien und zeichnet sich durch eine ungewöhnlich gute A k u st i k aus. Die Einweihungsfeier brachte außer einer Festrede des Oberbürgermeisters Mueller, der den Bau als langersehnte Heimat für kulturelle Veranstaltungen in Weimar feierte, sehr schöne musikalische Darbietungen der Weimarer Staatskapelle unter Leitung von Ernst P r ä t o r i u s. Die Zuhörerschaft jubelte beson- ders Prätorius in nicht endendem Beifall zu, ein Beweis, daß man sich freut, diesen hervorragenden Musiker noch zu haben, den Herr Frick auszuschalten versuchte. Lautensacks„Psarrhauskomödic", diese milicucchte Studie über die Liebe im Pfarrhause, ist auf seiner Reise über die Berliner Bühnen jetzt im Theater in der Klosterstraße eingekehrt. Franz Sondinger ist bereits früher als Kooperator aufgetreten. er führt auch die Regie. Ein abgerundetes Charakterbild gibt Franz Weilhammer von dem Pfarrer: die Jugend wurde wirkungs- voll von Aenne von A st o r verkörpert. Der Armne-Film mit Elisabeth Bergner uns Rudolf Forstner wird jetzt im T i t a n i a- P a l a st wieder gegeben. Deutscher Dichter-Dant im Goethe-Zahr 1932. Der Reichsaus- schuß für die Goethe-Feier 1932 erläßt soeben einen Aufruf für den Leutschen„Dichter-Dank"(Geschäftsstelle: Büro Reichskunstwart, Berlin NW. 40, Platz der Republik 6). Zehn Meister deutscher Graphik haben auf Anregung des Reichskunftwarts Dichter-Dank- Zettel geschaffen. Dichter-Dank-Zettel sind in jeder Buchhandlung zu haben. Der Preis des einzelnen Zettels, der als Exlibris, Post- karte, Lesezeichen, Bild zu verwenden ist, beträgt 10 Pf., eine Mappe mit den gesamten zehn Kunstblättern kostet 1 M. Deutsche wieder aus dem internationalen Chfturgentongreß. In Madrid tagt bis Freitag der 9. internationale Chirurgenkongreß. Di« Eröffnung erfolgte am Mittwoch unter Vorsitz des spaniichcn Staatspräsidenten Zamora. Besondere Bedeutung hat der Kongreß dadurch, daß zum erstenmal nach dem Krieg« die Vertreter der deutschen und österreichischen Chirurgie an ihm teilnehmen. Der Generalsekretär des Kongrestes Dr. Mayer-Brüstel beglückwünschte die Versammlung zu diesem Ereignis. Auch der Präsident Quervain aus Bern wies auf die Bedeutung der Rückkehr der Deutschen hin. Das Schicksal der Pariser Oper. Die durch den Rücktritt des Intendanten der Pariser Oper scharf markierte Theaterkrise in Frankreich bildet im Augenblick Gegenstand eingehender Beratun- gen der zuständigen Behörden. Die Gefahr einer Schließung der Oper kann als überwunden gelten, da das Personal sich bereit er- klärt hat, die vorgesehenen Gehalts- und Lohnkürzungen anzuneh- men. Der Unterrichtsminister hat einen Finanzinspektor mit der Prüfung der Finanzlage der Oper beauftragt. De, Bund siir Kunstersiehuug veranstaltet in Verbindung mit dem Be- zirkzamt Schöneverg im lvestsaal des Rathauses vom 17. Mär, bis 6. April eine Kunstausstellung mit dem Thema ,.M ensch und Arbeit". Die gleiche Ausstellung hat in anderen Bezirken großes Interesse erregt. Der Bezirk Deddwg hatte allein IS ovo Besucher. Alle sitzen im Glashause Sie werfen aber trotzdem alle mit Steinen 1 Der Scheinan'ateurismuz. der Spitzenkönner im bürgerlichen Sport offenbart sich immer deutlicher. In vielen Aussätzen haben Vir bereits dargelegt, daß hinter dem bürgerlichen Rskordsport nichts anderes als ein verkapptes Professionalistentum zu finden ist. Zu unserem am Dienstag veröffentlichten Interview des Präsidenten des Internationalen Leichtathletikverbandes M. S. E d st r ö m— der auf Anfragen klar und deutlich sagte,„große Meister können keine Amateure sein, sie nehmen alle Geld", und aus die Frage nach dem olympischen Eid nur mit schallendem Gelächter ant- wartete— können wir ein Werturteil aus dem bürgerlichen Sport- lager hinzufügen.„Alle sitzen im Glashaus," schreibt die bürgerliche „Fußballwoche" über die Methoden bürgerlicher Fußballvereine, sich gegenseitig die besten Spieler abzukaufen, und sie klagt dann weiter: „Me ist das denn mit den Uebertritten tüchtiger Spieker zu anderen Vereinen? Sind es nur die paar großen, noch einiger- maßen zahlungsfähigen Klubs, die sich— natürlich ganz inoffiziell— der mehr oder minder unsauberen„neuzeitlichen" Methoden der Spfeler-Kaperei bedienen? Wäre es so, fänden wir eine einfache Situation vpr, die zu bessern verhältyismäßig leicht wäre. In Wirt? lschkeif aber zieht einer vom anderey! Die Großen sindzwar die mächtigsten Magneten(sie haben die meisten Moneten), bei ihnen landen die— spielerisch!— Besten der„Wandervogel", aber dje nächsten Kopkurrenten dieser sogenannten Großen sehen auch zu, wo sie bleiben, apch sie bedienen sich jener Polypen, die Spieler ansaugen und deren Dienste man leider für unenibchrlich hält. Und die mittleren Vereine, die auch noch der Oberliga ange- hören bzw. in sie hinein kommen wollen, treiben es nicht bester. Sie müssen ihre Ansprüche zwar etwas herunterschrauben, sie greifen schon mehr nach„unten", statt in ihre nächste Umgebung Fühler auszustrecken, aber nur, weil das weniger kostspielig sein dürfte. Pamit nicht genug: In der übrigbleibenden Masse der Vereine gibt es auch nicht allzuviele, dje die Anwendung der Mechodsn der ihnen „Ußtzergeordnechn" verschmähen! Mit noch kleineren Mitteln,' ytii ijslbedßutendzn Versprechungen ang'eln fie nach Spielern auher'ßr Vers ine/ Alls sind sse stolz, wenn sie dabei Erfolge haben, aste überschätzen sie den Wert solcher'„Spielererwerbungen", wch die Vereine selbst ihre neuen Spieler zu nennen pflegen, wenn sie hie„Fußballwoche" zu Beginn der neuen Sa'isoy nach ihren Mannschaftsaufstellungen, ihren Plänen und Hoffnungen befragt. Alle sitzen sie im Glashaus und bewerfen sich trotzdem gegenseitig mit Steinen, wollen sagen mit Vorwürfen. Jeder hält seine eigenen Operationen auf dem Gebiete der Mannschastsverstär- kung für völlig einwandfrei, die— gleichen— Methoden der Konkurrenz dagegen für unfair, für unerlaubt. Wenn der eine Verein einen Spieler nicht bekommen hat. nur well ihm die Summe, die das gekostet hätte, zu groß war, empört er sich über den anderen, der diese Summe aufzubringen gewillt war, und dieser wiederum 'regt sich auf. wenn der betreffende Spieler seinen Wert noch mehr zu steigern wußte und sich endlich einem dritten Verein verschrieben hat, der so dumm war, noch„entgegenkommender" zu sein. So ist es im Kleinen, so ist es im Großen! Selbstverständlich nicht etwa nur bei uns in Berlin, sondern überall im Reich, dort in den großen Städten naturgemäß vor allem.. Das ist ja ein schönes Bekenntnis, das so recht den geistigen und ideellen Inhalt des bürgerlichen Fußballfportes zeigt und beweist, daß Gemeinsamkeit Kameradschaft, Solidarität im bürger-. lichen Sport fremde Begriffe sind, daß die Idee dieses Sportes nur im Erfolg, im sportlichen Können der Vereine zu suchen ist, da ist nichts zu teuer, da sind alle Schliche und Kniffe recht, um durch Schädigung des B r u d e r v e r e i n s den über- steigerten Ehrgeiz zu befriedigen, die Sucht, ini Sport eine Rolle zu spielen. Die„Fußballwoche" zeigt sehr richtig den Scheinamateurismus im bürgerlichen Fußball-Lager, sie sieht aber keinen Weg, wie man diesen Unfug meistern kann. „Was nützen alle Amateurbestimmungen der Sportgesetze, wenn die Methoden der Spieleriperbung so allgemein, so zur Gewohnheit fast aller geworden find Soviel Bereine könne man nicht aus? hängen," sagt die„Fußballwoche",„wie sich in den Schlingen der Amateurbestimmungen verfangen haben Eine so wei! verbreitete Seuche kann man mit Paragraphen unmöglich wirksam bekänivsen. Selbst wenn die Fußballbehörden sich entschlnjsener und rücksichts- loser der Amateurbestimmungen bedienen würden, bliebe es Stück-, werk, was sie oerrichten und die paar Herausgehängtso würde immer der Schein des Märtyrcrtums umgeben." Dieses Bekenntnis des bürgerlichen Sportblattes deckt sich mit unseren bisherigen Feststellungen vollkommen, nur ist die Erkenntnis interessant, daß man den unwürdigen und verlogenen Zuständen machtlos gegenüber steht, daß selbst inten? sivste Erziehungsarbeit in den Vereinen kaum zur Ueberwindung dieser Verhäitnisie führen könnte. Ein Vergleich des so tiefen Niveaus des bürgerlichen Fußball- sports mit den Leistungen und dem Gehalt der Arbeitersport- beweggng zeigt so recht deutlich, piie turmhoch die Arbeitersport- berpegung in shrer her Gesamtheit dienenden Tätigkeit über dem Prosessiflstalsporf steht. dennoch mühelos mit 4:0. Das Programm für den heutigen Donnerstag lautet: Ifj Uhr: Oesterreich— Tschechoslowakei, 20.15 Uhr: Deutschland— Schweden. Anschließend Rumänien— Lettland. ü'-. i Die Iniernalionale Berichte aus aller Welt Der Pressedietzst der Sozialistischen Arbeitersport Internationale melhet: Das dänische Arbeiter-Samarilerkorps hat sich vom Roten Kreuz abgemeldet und ist zum dänischen Arbeitersportbund übergetreten und dadurch Mitglied der Sozialistischen Arbeitersport- internationale geworden. Ebenso hat die Arbeitertouristenorganisation der sinnischen Hauptstadt Helsingsors ihren Beitritt zum inter- Nationalen Tounstenoerein„Die Naturfreunde" vollzogen und damit «rhehlich zur Festigkeit der finnischen Arbeitersport- und Kultur- ßewegung beigetragen. tznlernalionales Ralurfreundetreffea.- Der Zentralausschuß des internationalen Touristenvereins„Die Naturfreunde" teilt mit, daß angesichts der Wirtschaftskatgstrophs mit einem Zustande- kommen eines großzügigen internationalen Naturfreundetreffens im August in Hamburg nicht mehr gerechnet werden tänn. Auch die Ausreise der österreichischen Naturfreundegenossen durch ihre Landesgesetze so erschwert, daß nicht einmal die Delegierten zur Hauptoersammlung nach Deutschland sahren können. Deshalb soll die 1?. Hauptnersammlung in Bregenz am Bodensee stattfinden. Aufstieg im Schweizer Arbeliersport. Die Werbetätigkeit des Schweizer Arbeiler-Turn- und Sportoerbandes im verflossenen Jahr ergab, daß die von den Kommunisten verursachte Spaltung bis auf kleine Nachwehen überwunden ist. Der Verband nahm in der Perichtszeit um 33 Vereine und 1200 Mitglieder zu. Obwohl das Gesamtbild der Mitgliederbewegung durchaus befriedigend ist, darf nicht außer acht gelassen werden, daß sich die Folgen der Wirtschaftskrise in vielen Vereinen stark geltend machen. Um die jungen und neuen Verbandsmitglieder noch mehr als bisher zu Arbeitersportlern und sozialistischen Kämpfern zu erziehen, ist ein Erziehungsausschuß gebildet worden, der diese Arbeiten leitet. Arbeitersport in Polen. Die Arbeitersportbewegung Polens ist sehr jung, obwohl schon vor dem Weltkrieg im Jahre 1910 in ein paar Städten Polens einige Arbeiterturnoereine bestanden. Die eigentliche Gründung und Entwicklung der Ärbeitersportbewegung vollzog sich erst in den ersten Iahren der Unabhängigkeit Polens. Die sogenannten„Robitniczy Klub Sportowy"(RKS., das heißt Arbeitersportklubs) entstanden zuerst in Warschau, Lodz, Krakau, Katowice und Lwow. Die verschiedenen Arbeitervereine in War- schau gründeten im Jahre 1925 den Arbeiter-Turn- und Sportbund Polens(ZRSS., Zwiazek Robotniczych Stowarzyszen Sportowych). Die Entwicklung des Bundes ging rasch vorwärts. Aus 500 Mit- gliedern im 1- Bezirk 1925 sind in den letzten fünf Jahren 10 000, Mitglieder und sieben Bezirke geworden. Die besten Fußball? vereine haben Warschau, Krakau. Katowice und Lodz. Die deutschen Arbeitersportler, vor' allem in Deutsch?Oberschlesisn und Sachsen haben die polnischen Fußballer kennengelernt. Die Spiesreis« der polnischen Olympia-Mannschast und die Grenzspiele der Ober- ichlesier haben das Streben der Arbeitersportverbände, sich die Hand iibßr die Ärenze ZU reichen, im besten Singe verwirtlicht. Norwegische Leichtathleien melden sich an. Wie der norme? g i s ch e Arbeitersportbund mitteilt, beabsichtigt eine Leichtathletik? rnannschaft sesnes Verbandes, der auch einige Olympiawettkämpfer astgehoreni in der Zeit vom 18. bis L7/Juli in Deutschland gegen Bereine des Arbeiter-Tmn; und Sportbupdes zu startxn. Die Ver- Handlungen sind im Gangs. w—w—w-p—l—— Zur Radrennsaison 1932 nie Dauerfahrer ynd ihre Schrittmacher Die Eröffnung der Sommerradrennjaison 1932 steht bevor, und es dürste daher interessieren, welche Schrittmacheroerbindungen unsere und die bekanntesten ausländischen Dauerjahrer für das Jahr 1932 eingegangen sind. Allzu viele neue Ehen gibt es nicht, im großen und ganzen sind die vorjährigen Verbindungen aufrecht? erhalten worden. Erst in den allerletzten Tagen ist Weltmeister Walter S a w a l l endgültig mit dem Schweizer Erolimond einig geworden, von dem er sich zeitweilig getrennt hatte, um sich mit Pasquier juu. zu ver? tzindep. Erich Möller Mrt wieder hinter dem Amerikaner Car- man, ebenso Paus K r» w e r hinter Willi Heßlich. Der Kölner Dederichs hat Gedamk« verpflichtet/der dadurch sreigeworden ist, daß sein bisheriger Schützling Adchf Schön in diesem Jahre keine Dauerrennen bestreiten will. Der Leipziger Hille fährt wieder hinter Schubert, während sich der talentierte Exstraßenfahrer Metze der Obhut von Karl Satdow anvertraut hat. Von weiteren Schrittmacherverbindüstgen'deutscher Dauerfahrer seien genannt: Schindler-Nachimann, Bauer-Siebert, Ehmer-Franzmann, Schäser- Eilenberger, Jürgens-Hugo Müller, E. Walter(Köln)-Hugo Müller, Damerow-Dewols, Plath-Tüller, Christmann-Böttger, Brehmer- Adolf Müller, Carpus-Chardon, Großimlinshaus-Wiiiier, Wiß- bröcker-Meinhold juu., Haller-Rosellen, Maidorn-Friese, Hodey? Jeitler, H. Schniitz-Schaub, Pawlack-H. Schulz, Görtz-P. Zimmer- manu, Neustedt-Nequis, Zaun-Krahe und Roinmel-Schubert. Ver- schiedene deutsche Schrittmacher sind von ausländischen Dauerfahrern verpflichtet worden. So führt Meichsner wieder den Schweizer Meister Gilgen, und Hörtrich hat sich mit Breau verbunden, der sich hauptsächlich in Deutschland zu betätigen gedenkt, Folgende Schrittmacherengagements ausländischer Dauer- fahrer seien hervorgehoben. Frankreich: Grassin-Saug«, Lacquehay- Besion, Pailkard-Guerin, A. Wambft-Deliege, Breau-Hörtrich, Prieto-Schadebrodt, Marechol-Iubi, Raynaud-H. Pclissier, Sausin- Massicot; Schweiz: Kilgen-Meichsner, Rüegg-Engeli, H. Euter» P. Euter: Belgien: Linart-A. Pasquier, Thollembeek-E. Pasquier >un., H. Wynsdau-Baiorath. Seynaeve-R. Bermandel: Italien: Manera-Manera sen., Pay-Parisot: Ungarn: Jstenes-Rosellen: Hol- land: Schlobaum-Käser, Snoek-Ceurremans jun.; Amerika: Hopkins- Lehmann. vie Eishockey-Meisterschaften Der Mittwochabend brachte den ersten Höhepunkt bei den Kämpfen um die Europameisterschaft im Eishockey mit dem Spiel D e u t s chl a n d— O e st c r r e i ch. Als das Spiel begann, war der Sportpalast bis unter das Dach dicht gefüllt. Der Kampf zwischen Deutschland und Oesterreich war insofern von be- sonderer Bedeutung, als die unterliegende Mannschast aus dem Wettbewerb ausgeschaltet war. Doch wie die beiden bisherigen Spiele, endete auch dieses Trefsen unentschieden 1:1(0:0, 1:0, 0:1). F r q n t r« i ch siegte knapp mit 1: 0(1: 0, 0: 0, 0: 0) über die Mannschaft von Lettland, die sich weit besser hielt als erwartet. Vor leider nicht sehr zahlreichen Zuschauern trenyt/n sich am Mittwoch auch dst Schweiz und O e st e r r e i ch 2: 2. Die Mannschaft der Tschechoslowakei gewann haushoch überlegen mit 7: 0(3: 0, 2: 0, 2: 0) gegen Lettland. Im Spiel zwischen Schweden und R u m ä st i e n war hie schwedische Mannschaft durchweg tonangebend, spielte zeitweilig stark oerhalten und gewann Die>la2ipest Immer vierter �nßritte auf Arbeifersportler In einer der letzten Nächte vor der Reichspräsidentenwahl haben die Nazis in Leipzig durch einen Hagel von Steinen die Fensterschechen des Vereinshauses der Freien Wasse r fahrer eingeworfen und den Vereinsbekanntmachungskostsn demoliert. Die Vereinsmitglieder mußten nachts wachen, um das Heim vor weiteren Angriffeu zu schützen. Am frühen Morgen des 11. März rückten wieeer 15 Nazis im Sturmschritt gegen das Heim vor. Sie waren lllcht wenig erstaunt, eine starke Wache qnzutressen und stürzten sich mit S ta hl p u t o n, Schlagring e n und anderen M o r d? wassen aus die A r b e i t e r s p pr t l e r. Hie Polizei griff ein und nahm Verhaftungen vor. In Neuruppin rückten die Nazis während eines Fußball- spiels der Arleitersportler geschlossen aus das Spielfeld und ließen eine Ansprache an die Zuschauer halten. Es kam zu einer S ch l ä? g e r e i, wobei es mehrer« Verletzte gab. Dem Deutschlano er- wache der Nazis entgegneten die Zuschauer mit Hosrusen aus die Republik. Di« Polizei mußte die V-rliuer Fußballmannschaft, die in Neuruppin gespielt hatte, aus dem Wege bis Kremmen vor neuen Naziangrisjeu schützen. 07 e. V. Souuccstaa, 17. Sttäcj, SRitgUcbetDctfammluus- " iit»N OfUriiiSrtrhnYohlVWiV' Vorlraä:„Rettullzsschwunmen und Wiescrbclebüiiaf'i Dorstandssltzung Sonn. tng, 20. März, 10 Uhr, im VereinSlokal. Die Jubilare des Vereins find dazu eingeladen. Dienstag, 22. Mrz, im Jugendheim Schule Sounenburger Str. 20, 18 Ul>r, Portrag fitr Jugendliche und Kinder. S-ei-?-ltb»otf°hrc- Berlin c. B. Donnerstag, 17. März. M Uhr. Srup?« Morden: Wwdenopstr. ü. Erich finank:„Etinimen der Völler" mit Schall. Vlatten).— Gruppe Siidostcu: Große Zranlkurter Str. lö. Rom Lohia:„In. dische Freiheitsbewegung".— Gruppe Rordoftcu: Ehristburger Str. 11. Erich Stroug:„Japan und Ehina". Jugcndabteilnng der Freien Sportvereinigung Paulow. Donnerstag. 20 Uhr, Helm fiisfiugcnstraße, Vortrag:„Freie Körperkultur". FTEV. Vcrwaltungofitznng Donnerstag, 17. März: 20 Uhr, streisgeschästs. stelle. Elsässer Str. 80. Sigung aller Vereins- und Bczirlstechnilei am gleichen Tage und Ort üm lüVe Uhr."............. FTGV., Ruderbezirl. Arbeitsdienst im Bootshaus jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag. Letzter Uebnngsabend in"d?r' Ruderattldge des Realgoinna- fiums Treptow, Rathaus, Frcitagi 18. März, IS Uhr. Freie Ruderperrinignug 1018. Sitzung"18. März, 20 Uhr, im Forkrug ISchlefikches Tor). Die Bootsteiniaung hat begonnen und alle Mitglieder wer? den gebeten, fich rege/ daran zu beteiligen. Sm Monat März wird kein Ein. lchreibegeld erhoben. BS«. Rot-Wcih. gufantmcntunf; heim Senncnburgcr 1. Handballmannschast Gesundbrunnen. eBacfi Sieligiöfer Sozialismus Unter dem Titel„Reich Gottes— Marxismus— Nationalsozialismus" hat Georg Wünsch ein„Be- keuntnisbuch religiöser Sozialisten" herausgegeben(im Verlag � Mohr, Tübistgen), das als eine Grundlegung der Stellung der relk- giösen Sozialisten innerhalb der sozialistischen Bewegung, und chres Kampfes innerhalb der Kirche gelten kann. Leonhard Ragaz, der in einem größeren Aufsatz Geschichtliches und Theoretisches bringt, zeigt die Begründung der Bewegung in der Erkenntnis aus. daß„Christus nicht die Sanktion der bestehenden Welt, sondern deren Ueberwindung und die Schaffung einer neuen sei, daß Gott nichf bloß ein Gott der Vergangenheit, sondern' auch der Ae'gen- wart sei und immer die Revolution der Welt". In der sozialen Frage wird das„Walten des lebendigen Gottes" verspürt, die tiefe Schulst des Christentums am seelischen und leiblichen Elend des Proletariats und an den bestehenden gesellschaftlichen Verhäkkilisstn festgestellt Das alles, sagt Ragaz, wqre nicht möglich gewesest, wenn das Christentum seiner Aufgabe nicht untreu geworden wäre und„alle Grundwahrheiten der Bibel wie seines eigenen Lippen? bekenntnisfes vergessen hätte" So stößt man zum Proletariat, jedoch nicht, um es für die Kirche oder das Christentum zu gewinnen, denn es geht dem reli- giösen Sozialisten zwar um„Gott", aber nicht um Religion. Christentum oder Kirche. Man kommt aber auch nicht zum Prole- tariat, getrieben etwa aus sozialer Erkenntnis von der notwendigen Umformung der Gesellschaft, sondern weil man im Sozialismus „das Erwachen der Gerechtigkeit Gottes in der Welt" sieht,„gott- gewolltes" Tun gleich soziales Tun fetzt und so die Arbeit im und für den Sozialismus als eine religiöse Ausgabe betrachtet. Diese These wird in der Auseinandersetzung mit der dialektischen Theo- logie noch erhärtet und zum Schluß die heutige Situation so dar- gestellt:„Die soziale Erweckung muß zur religiösen werden, stie Auferstehung des Proletariats zur Zluferstehung der Christenheit". In dem Aufsatz von Georg Wünsch:„Die Ausgaben des Marxismus in der Bewegung des Reiches Gottes" wird eine reli- gipse Deutung des Marxismus versucht, die den lebendigen, sich immer neu irtterpretiereWsten Marxismus anerkepnt auch für den religiösen Sozialisten als die Möglichkeit zur„Erkenntnis dessen, was in der jeweiligen gesellsckaftlichsn Gegenwart Forderung des Reiches Gottes ist". Praktisch-aktuelle Bedeutung hat der Auf- satz von Heinz Kappes:„Der theologische Kamvs der reli- giösen Sozialisten gegen das nationalsozialistische Christentum". Interessant ist darin besonders d-e Eharakterisierung der national- sozialistischen Pfarrer, die, der Generation der Kriegsfreiwilligen angehörend, Reserveoffiziere, mit Neigungen zur Volkstümlichkeit, vom Elan der nationalsozialistischen Bewegung mitgerissen werden. In ihrer Begeisterung für den Nationalsozialismus und Adolf Hitler, den sie als„gottgesandt" proklamieren, oerkünden sie, daß sich die evangelische Kirche einig wisse mit der deutschen Freideits- bewsgunq". In der Stellung des Nationalsozialismus zum Christen- tum wird gezeigt, wie— im Gegensatz zum italienischen Faschis- mus, der das Christentum(trotz Konkordat mit dem Papst) als Grundlage des Staates ablehnt— der Nationalsozialismus versucht. sich das Christentum besonder, als Erziehungsmittel(dem „Volke" muß die Religion erhalten bleiben) dienstbar zu machen. Die außerordentlich interessant« Schrift kann jedem empsoh'cn werden, der die religiös-sozialistische Beweaunq kennenlernen will, vor allem ober den Gegnern, die sich grundsätzlich mit ihr ausein- andersetzen wollen. Richard Junge. kajffee-werbewoche BIS DONNERSTAG, DEN 24. MARZ 1932 Als Werbegesehenk wieder eine Kuchengabel, 1 00 Gramm, versilb. pder einen Teelöf ei, 90 Gramm, versilbert, beim Einkauf von 1 Pfund Kaffee oder V2 Pfund Kaffee und Va Pfund Kakao bzw. Vs Pfund Tee on eigener Packung) außerdem wertvolle Sammelbohs. Kaffee- u. Lebensmiite! Vertriebs-Akt.- Lies ■BW Max Müller& Co., Mailerstraße ISia/ie? FILIALEN: MülierstraBa 167 Müliarstrafia 128 Re'nicksndorfsr Str. 14 Gerichts ra8e 73 Betlin-SchBneberg, Hauptstraße 112 BrunnenstraBe 117 Neue Schönhauser Str. 3 BausselstraBe 64 BellermannstraBe 20 1