Morgenausgabe Eonnabenb 49.Iahrgang /4& a a\/ 19 1932 WWWj Av�y Jl Groß-Serlin 10 Pf. ■■ M« WfT�l■■■ Hf WD�W Auswärts 15 Pf.• lung ins saus) im n.�nns zahllmr. VW 1! MSI M> WW Dlö � WI Mg WM UW WD Wj f/ sW öSÖ SWSSK M M II l lll|||«| ZT Äp.;v«5rM -ÄMaasanp M IZ I UM. MUMMM. U I MM N�WSKK « WD WM � ���ryWKFy �WM�, HB BS 1 Socte Uber ta Buchstaben zahle» für MWV W/ WW\ UW iroei-Bsttc Arbeitsmarli Millimeier. Der.BsrwSrts' erscheini mscheniäg» HBofe �> jetlc 25 Bf- Familienanzeigen Milli- lich zweimal. Tanniags unb Maniao, �m/ ZcM�J8� V mcterzeile 16 Bf. Anzeigenannahme emmal. die Äbenbausaabe für Kerlm � �****. � m—~ � im HauplgefchSfl Lindenstrahe Z, und im Handel mit dem Titel.Der jw X A vr mocheniäglich von 6>/, bis>? Uhr. «bend". Illustrierte Sonntagsbeilage M/�&i Q9«Jy H K Mb 8939 Wl Der Verlag behält sich basBechi der Ab» .Boll und Feiy V V V 1 TIH G Uhnunan, cht genehmer Anzeigen vort Jsntvaloesan der SozialdemoSratttchen Oavtei DeutkGlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr 3 Retnioi Jlönboff l A 7i 292— 297 Tklegramm-Adi Sozialdemokrat Berlin Die Leute des Herrn Hitler, die bei ihren Bürgerkriegs- Vorbereitungen von der preußischen Polizei ertappt worden sind, haben einen großen Protest- und Beschwerderummel veranstaltet. Sie hatten gestern den Versuch unternommen, den Reich sinne»minister Groener als Schwur- zeugen für ihre Legalität und gegen den preußischen Innen- minister zu benutzen. Die Abgeordneten G ö r i n g und Frank II haben um eine Unterredung bei Groener nachgesucht, und nach dieser Unterredung öffentliche Erklärungen darüber abgegeben. Darüber berichtet die Telcgraphen-Union: Abgeordneter Göring erklärte im Anschluß an diese Be> sprechung mit dem Reichsinnenminister einigen Pressevertretern, die nationalsozialistischen Wgeordneten hätten dabei zum Ausdruck ge- bracht, daß sie in dem Vorgehen der preußischen Regierung nur ein Wohlmanöver sähen, durch das allerdings eine starte Beunruhigung im Volke hervorgerufen würde. Der Minister habe daraus erklärt. er würde das Material untersuchen und hege bei weitem nicht die Befürchtungen, die von einigen Seiten an die Angelegenheit geknüpst würden. Er habe von dem Besehl der Zusammenziehung gewußt und glaube auch, daß es Hitler durchaus ernst mit der Durchführung > der Lcgaliläl\tb Zur Beunruhigung sehe er keinen.Anlaß. Weiter habe der Minister betont, daß er sich gegen ein Verbot der Partei mit aller Entschiedenheit wenden würde.. Der Mi-. nister habe dann zugesagt, daß er dqs beschlagnahmte Material prüfen, es aber auch mit dem ihm von der NSDAP, über- gehenen Material oergleichen werde, um dann dazu Stellung zu nehmen. Abgeordneter Göring bemerkte noch, daß er den Eindruck habe, daß das Reichsinnenminlsterium von der preußischen Aktion überrascht und wenig erfreut sei, und daß dieses Vorgehen im Hinblick auf die bevorstehenden Preu- ßenwahlen nicht der NSDAP., sondern gerade der Gegenseite schaden werde. Das Bestreben ist deutlich, durch Inanspruchnahme des Reichsinnenministers das schwerwiegende Belastungsmaterial gegen die Privatarm ce des Herrn Hitler als be- lnnglos hinzustellen. Diesem Versuch tritt die folgende o f f i- ziöse Erklärung entgegen, die durch das Wolff-Büro verbreitet wird: „Von nationalsozialistischer Seit« wird der angebliche In- halt einer Unterredung zwischen dem Reichsinnenminister Groener und den nationalsozialistischen Abgeordneten Goering und Frank II verbreitet. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, handelt es sich um «ine vertrauliche Besprechung, um die die beiden Abgeord- neten nachgesucht hatten. Die Darstellung ist in wesentlichen Teilen unzutreffend. Reichsinnenminister Groener hat sich lediglich daraus beschränkt, di« Erklärungen der nationalsozialistischen Abgeordneten ent- gegenzunehmen. Insbesondere wird von unterrichteter Seite erklärt, daß die Behauptung, der Reichsinnenminister sei von der Aktion Preußens Überrascht und wenig erfreut, unzutreffend ist. Reichsinnenminister Groener hat sich jeder Stellungnahme enthalten und über die schwebenden Untersuchungen des preußischen Innen- Ministers keinerlei Urteil abgegeben. Es wird weiter auf die bereits verbreitete Erklärung des Reichsinnenministers ver- wiesen, wonach er die Uebersendung des von Preußen in Aussicht gestellten Materials abwarten und nach dessen Prüfung seine weiteren Entschlüsse fassen werde.* Der Reichsinnenminister läßt damit die beiden Abgeordneten, die unter Bruch der Vertraulichkeit Erklä- rungen für ihre und über seine Auffassung abgegeben haben, beschuldigen, daß sie die Oeffentlichkeit angelogen haben. 'Die srsie Fassung der Göring-Erklärnng. Wir stellen weiter fest, daß neben der Fassung der Er- klärungen von Göring und Frank II, die durch die Tele- graphen-Union verbreitet Worden ist. eine erste Fassung Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. existiert, die von Herrn Göring Ursprung- lich verbreitet wurde. In dieser ersten Fassung be- finden sich die folgenden Sätze: ..Der Eindruck der nationalsozialistischeu llulerhäudler sei der gcweseu, daß auch der Reichoiuueumiuister bedauere. daß der Presse Blitleiluugeu gemacht wurden, die nicht in entsprechendem Umfange den Tatsachen gerecht wurden* „Gegen ein verbot der NSDAP, würde sich der Reichsiunen- minister mit aller Schärfe wenden. Ein Berbot der S A. sei in diese,» Zusammenhang der Dinge nicht anss neue erörtert worden. Da bestünde noch die gleiche Auffassung, wie sie seiner- zeit in der Znnenministerkonserenz zum Ausdruck gebracht war- den sei.* Diese beiden wichtigen Sätze sind in der zweiten Fassung der Erklärung ausgelassen worden, wie eine Reihe weiterer Einzelheiten wegredigiert worden sind! Es erhebt sich die Frage: Wer hat Herrn Göring zwischen der Ausgabe der ersten und der zweiten Fassung geraten, seinen Text abzuschwächen? Welche Stell« ist es gewesen, die ihn vorsorglich unterrichtet hat, daß«in Dementi erfolgen werde? Hier sind Dinge, über die volle Klarheit geschaffen -werden muß!' Görings Notlügen. Das bisher veröffentlichte schwerwiegende Material üder verhrecherisches Treiben der SA.— der braunen Armee Hitlers— zwingt die Leitung der Hitler-Partei zu Notlügen. Die TU. teilt mit: „Im Anschluß an diese Besvrechung mit dem Reichsinnen- minister machte der Abgeordnete Göring noch einige Ausführungen zu den der Partei zur Last gelegten Dinge». Die Ausgabe eines geheimen Stichwortes für die Besetzung des Re- l a i s fei eine rein organisatorische Maßnahme ge- wesen. Es sei nur natürlich, daß für den Wahltag ein geheimes Stichwort herausgegeben worden sei. Zu den Wafsensunden erklärte er, daß es sich hier um vereinzelte verbotene Bewaff- nungen handele. Die in Frage kommenden Führer würden zur Rechenschaft gezogen werden Psychologisch seien diese Dinge jedoch verständlich, wenn man an die Ueberfälle und Mordtaten der Gegenseite denke. Nach wie vor gelte aber strenger Parteibefehl. keine Waffen zu führen. Zuwiderhandelnde würden mit Aus- schluß aus der Partei bestraft. Zu der angeblichen„Z e r n i e r u n g" Berlins erklärte Göring. diese Behauptung sei völlig unbewiesen. Zum Teil könne es sich hier um allgemeine Besprechungen handeln, was im Falle vongewalttätigenAktionenderKommunistenoder der Eisernen Front zu tun sei um die Leute der NSDAP. aus den gefährdeten Gebieten herauszuziehen. Derartige Heraus- Ziehungen hätten aber nichts mit Zernimwz zu tun. Auch hier sei die Regierung wiederholt darauf hingewiesen worden, daß ein solches Herausziehen vorbereitet werde." Zu diesen dummen Ausreden bemerken wir ganz kurz: 1. Zunächst ist die Aufstellung eines Relaisdienstes durch Deutschland und die Ausgabe eines geheimen Stichworts wütend abgeleugnet worden. Jetzt gibt man s i e z u! In der ersten Fassung der Göring-Erklärung war über ihren Zweck gesagt, sie hätte „der Sicherskelluna von Nachrichten über den Wahl- ausgang im Falle eines Generalstreiks dienen sollen.* In der zweiten Fassung ist die Blödiakeit dieser Notlüge den Verfassern selbss aufgefallen. Generalstreik— von wem? Generalstreik am Sonntagabend und in der Sonntagnacht? Wahlnachrichten durch Autos— trotz Telephon und trotz der eigenen Funkstellen der SA.? Wem will man diese dumme Lüge erzählen? 2. Es steht fest, daß noch keiner der ad- ge urteilten SA.-Leute, die im Besitze von Waffen betroffen wurden, aus der NSDAP, ausgeschlossen worden ist! SA.-Leute. die geschossen baben, flüchten vielmehr nach Braunschweig und rühmen sich dort auf der Straße laut Ihrer Taten. Im übrigen: steckt man M a- schincnge webre und Sprengstoffe zur Selbswer- teidigung in die Tasche? 3. In der ersten Fassung hieß es„was im Falle von gc- walttätigen Aktionen der Kommunisten bzw. Putschender Eisernen Front../' Die Eiserne Front ist ein Zu- sammenschluß. der bis zum letzten auf dem Boden der Ver- PolflÄrckkomo, Oerlln375ZK— Bankkomo: Aankder arbeitet. angeitellten unl Beamten. Linbensfr. 3 Df.B.u Dtsr.-Gef.. Depoliienk.. Ieruialemer Sil 65-66. sassung steht. Ihr Ziel ist, die Verfassung zu schützen, nichts weiter! Sie putscht nicht. Diese faulen Ausreden sind hinreichend bekannt. So mos- kierten die Putschisten von 1926 ihre Absichten, so suchte sich Herr Best vor dem Zugriff wegen Hochverrats zu. schützen! Die Qualstät dieser Notlügen sollte dem Reichsinnen- minister zeigen, mit welchen Leuten er eine vertrauliche Unter- redung geführt hat! Gevering wartet ab. Der preußische Minister des Innern läßt erklären. daß er auf die Veröffentlichung Görings einstweilen nichts erwidern werde. Wir haben Grund zu der Slunahmc, daß das Znncnmiuisterium im Besttie so gravierenden Mate- rials ist, daß es die Notlügen und Finten der er- tappten Bürgerkriegstrciber mit gelassener Ruhe ansteht. biS es Zeit ist, öffentlich zu reden und die verbrecherischen Vorbereitungen der Privatarmee des Herrn Hitler weiter auf- zudecken. DieWahlarbeit derpolizei Arbeitslast, die nicht gesehen wird. Von �.Ivort Srrvstnslri. Eine Zeit schwerster Arbeit liegt hinter der Polizei und schwere Tage stehen ihr noch bevor. Die Beamtenschaft aller Dienstgrade und Fachgruppen hgt beispiellose Anstrengungen aus sich genommen, um der ordnungsliebenden Bevölkerung den notwendigen Schutz angedei.he.n zu lassen. Die an- erkennenden Worte der Presse»Md zahlreiche miindliche-und schriftliche Aeußerungen aus dem Publikum an mich lassen erkennen, daß die Arbeit der Polizei in der Oeffentlichkeit auch gewürdigt worden ist. Dennoch dürfte es nützlich sein. einmal eingehender darzulegen, wie groß die Arbeitslast ist, welche von fast allen Dienststellen der Polizei bewältigt werden mußte. Am sichtbarsten und augenfälligsten ist die Arbeit der Schutzpolizei gewesen. In der Tot hat sie einen Haupt- anteil der Aufgaben auf sich nehmen müssen. Praktisch hatte der Wahlkampf schon im Januar begonnen, und zwar nach Aufhebung des Weihnachtsfriedens, den die Reichsregierung verordnet hatte. In steigendem Maße wurden die Beamten- schaft und die Fahrzeuge der Polizei beansprucht. So waren bereits im Monat Januar nicht weniger als 14 667 Schutz- polizeibeamte. auf 2977 Kraftwagen � eingesetzt und im Fe- bruar waren es bereits 18 871 Schutzpolizeibeamts auf. 26�1 Kraftwagen. Diese Zahlen können nur gewürdigt werden, wenn man beachtet, daß nebeicher die ständigen Posten und Streifen, die zum üblichen Straßenaussichtsdienst gehören. gleichfalls eingesetzt waren. Die Wahlvorbereitungszeit zur Reichspräsidentenwahl hat ihren eigentlichen Anfang Ende Februar im Zusammen- hang mit der letzten Reichstagstagung genommen. Der Wahlkampf erfuhr fast täglich neue Steigerungen. Schon die äußerst zahlreichen Saalveranstaltungen aller Parteien und Organisationen— in erster Linie die vielen Veranstaltungen des Sportpalastes— brachten eine ständige, fast Übermensch- liche Beanspruchung der Schutzpolizeibeamten mit sich. Durch die teilweise Aufhebung des Umzugs- und Bersammlungs- Verbots für die Woche vom 6. bis 12. März traten neue schwierige Aufgaben hinzu. In dieser einen Woche fanden nicht weniger als vier große Lustgartenveranstaltungen statt. zu denen durchweg an- und abmarschiert wurde und die fast die ganze Schutzpolizei Berlins in Anspruch nahmen. Da- neben fanden in der genannten Woche zahlreiche Umzüge von Angehörigen aller Parteien statt, von denen die Umzüge der radikalen Parteien(KPD. und NSDAP.) ganz beson- ders starke Maßnahmen zur Verhinderung von Ausschreitun- gen erforderten. Ein besonderes Arbeitsgebiet der Schutzpolizei in der Wahlzeit war die Ueberwachung politischer Ver- sammlungen und der Kampf gegen Klebe- und Schmierkolonnen. So wurden vom 29. Februar bis 13. März durch Beauftragte der Schutzpolizei 379 Versamm- lungen durch 672 Polizeioffiziere überwacht. Der Kampf gegen die Klebe- und Schmierkolonnen, deren Tätigkeit auch diesmal nicht ganz verhindert werden konnte, hatte zur Folge, daß 279 Kolonnen festgestellt und eingeliefert wurden. Ueberdies wurden nicht weniger als 169 politische Schläge- reien durch das Eingreifen der Sch'chnoll�ei beendet. Außer- ordentlich zahlreich waren Zwangsgestellungen und Einliefe- Spiel um Groener. Aazi-Göring gibt Erklärungen für ihn ab.— Amtliches Dementi. Blödsinnige Ausreden der Ertappten. Nun Kampf um Preußen! Die Tätigkeit des Landtags beendet. Die Freitagsitzung des Preußischen Landtags war vor- aussichtlich die letzte oor der Neuwahl. Nach der erfolgreichen Stäupung der Rechtsparteien und insbesondere der Nationalsozialisten durch den Ministerpräsi- deuten Otto Braun und den sozjatdemokratischen Fraktions- redner Genossen Hellinann am Donnerstag brachte der Ab- schluß der großen politischen Etabdebatte am Freitag nichts Neues mehr. Mit diesen' beiden Reden war am Donners- tag der Höhepunkt überschritten. Nach der politischen Aussprache folgte Beratung und Abstimmung über den Antrag der Wirtschafts- Partei, das Wahlalter in Preußen von 20 auf 25 Jahre heraufzusetzen. Bei der Abstimmung. die eine namentliche war. gaben aber Sozialdemokraten, Deutschnationale und Kommunisten keine Karten ab. so daß das Haus beschlußunfähig wurde. Hierauf hob Präsident Wittwaack die Sitzung mit der Erklärung auf, daß diese Sitzung wahrscheinlich die letzte des Landtags in dieser Legislaturperiode gewesen ist. Cr behalte sich jedoch nach seinem Ermessen eine nochmalige Ein- berusung des Landtages, falls sich eine Notwendigkeit hierzu ergeben sollte, vor der Neuwahl vor. Damit hat also aller Wahrscheinlichkeit nach die Tätig- keit des im Frühjahr 1928 gewählten Preußischen Landtages für diese Legislaturperiode ihr Ende erreicht. Der Kampf um den neuen Landtag beginnt. Er ist nicht minder bedeutungsvoll wie die Reichspräsidentenwahl. Die Absicht der Rechtsparteien mit Einschluß der Nationalsona- listen, in Preußen die alte Bastion der Reaktion zurückzu- erobern, wird zuschanden werden an dem eisernen Willen.er hinter der Sozialdemokratie stehenden Volksmasien, das neue Preußen der Demokratie unter allen Uin- ständen zu halten. Die Sozialdemokratie wird diese Schlacht schlagen, auch gegen die Kommunisten, die sich auch in dieser geschichtlichen Auseinandersetzung wieder als treue Verbün- dete der Reaktion erweisen! Reichsbanner geht aufs Land! Vorbereitungen für den zweiten Wahlgang. Die Buadespreisestelle des Reichskumaers meldet. Zlm Donners» tag und Freitag versammelte das Reichsbanner den Bundesvorstand und die Geschäftsführer der Zt Gaue in Berlin. Die Tagung nahm am Donnerstag ein Referat des Bundesführers höltermann entgegen, das fiä, mit der Arbeit bei der Reichspräsidentenwahl beschäftigte und die Ausgaben für die bevorstehenden Wahlgänge darlegte. Am zweiten Tage erstatteten die Vertreter der Gaue Bericht über ihre bisherige Arbeit im Wahlkampf. Aus deu Dar- legungen ergab sich mit überzeugender Kraft, daß Reichsbanner und Eiserne Front durch restlosen Einsah von Menschen und Mitteln einen erheblichen Teil an dem Erfolg des ersten Wahlgongs für sich in Anspruch zu nehmen berechtigt sind. Durch mehr als hun- derttausend Versammlungen, Kundgebungen and Ausmärsche unter der Parole:„Schlagt Hitler, wählt Hinden- bürg" wurden Millionen von Menschen für die große Entscheidung mobilisiert weiterhin ergaben die Berichte der Gauverlreler Klarheit darüber, wo beim zweiten Wahlgang der Kamps mit verstärkter Energie zu führen ist. Es wird sich dabei in erster Linie um einen weit kräftigeren Vorstoß aus das flache Land handeln, das, wie die Mitteilungen aus Braunschweig, den nördlichen und östlichen Teilen, des Reiches, ganz klar ergaben, im ersten wahlgang vollkommen unter nationalfozia- listifchemTerrorge standen hat. Alle Ausführungen waren beseel! von dem unerschütterlichen Kampfwillen und dem unerhörten Opfersinn, der heule das Reichsbanner bip zum letzten Kameraden erfüllt. rungen. So wurden in der Zeit vom 20. Februar bis 13. März eingeliefert: 687 KPD.-Angehörig«, 719 NSDAP. Angehörige, und 266 Angehörige anderer politischer Organisationen und Parteien zus. 1612 Zwangsgestellte. Auch der Kampf gegen den Gebrauch von Schuß- und Hiebwaffen wurde lebhaft geführt. In der Zeit vom 20. Februar bis 13. März hat die Schutzpolizei 45 Schuß- waffen, 41 Hieb, und Stoßwaffen, 26 gefährliche Werkzeuge sichergestellt. Im Laufe des Wahlkampfes sind 7 0 Zivil- Personen und ein Polizeibeamter mehr oder weniger schwer oerletzt worden. Am Wahltage selb st war erfreulicherweise ein häufiges polizeiliches Einschreiten nicht notwendig. Man könnte versucht sein, hieraus zu folgern, daß am Wahltage die Tätigkeit der Schutzpolizei nicht besonders groß gewesen ist. Diese Annahme ist irrig. Auch am Wahltage ist die Schutzpolizei bis auf den letzten Mann in Anspruch ge- nommen worden. So erforderte der Schutz der Abstimmungs- räume und der Abtransport der Wahlergebnisse äußerst starke Polizeikräfte. Daneben mußten zahlreiche Streifen zu Fuß, auf Kraftwagen und Fahrrädern zur Befriedung der Stadt und zur Bewachung der Ausfallstraßen ständig ent- sandt werden. Dies war die Tätigkeit der Schutzpolizei auf der Straße und bei Veranstaltungen. Zu alledem aber kam die Tätig- keit der Polizei in den Revieren, in den Bereitschaften und auf den Kommandodienststellen hinzu. Der normale Polizei- dienst kann ja auch durch Wahlkämpfe nicht unterbrochen werden, und die ungeheure Schreibarbeit, die täglich zur Er- ledigung von Gesuchen, Eingaben, Beschwerden— abgesehen von den zahlreichen mündlichen und fernmündlichen Aus- künften— erforderlich ist, geht weiter. Auch die Sonder- arbeiten mußten fortgeführt werden, so die umfangreichen Arbeiten, die in den Polizeirevieren allein durch die Anmel- dung der Waffen bis zum 15. Februar entstanden, wobei nicht weniger als 112 000 Schußwaffen aller Art angemeldet wurden. Nicht weniger schwer und aufreibend war die Tätigkeit der politischen Polizei, die in großartigem Arbeits- eifer ihre vielfach undankbare und nach außen hin wenig ficht- bare Tätigkeit verrichtete. Die politische Polizei hat ja die mannigfachsten Aufgabengebiete: sie muß vor allem an der Verfolgung politischer Straftaten arbeiten, darüber hinaus obliegt ihr die Ueberwachung des gesamten politischen Lebens, wobei durch das neu entstandene Notverordnungs- recht zahlreiche schwierige Sonderaufgaben geschaffen sind. Ein Spezialgebiet der politischen Polizei ist die Ueberwachung von politischen Versammlungen, bei denen Verstöße der ver- fchiedensten Art zu befürchten sind. So haben in der Zeit vom 1. Februar bis 12. März 3409 öffentliche poli- tische Versammlungen stattgefunden, davon 3308 in geschlossenen Räumen und 101 unter freiem Himmel. Von den 3808 Versammlungen in geschlossenen Räumen sind 206 durch Beamte der politischen Polizei überwacht worden. Vier Börsammlung�n wurden wegen erheblicher Verstöße aufgelöst. Vorbeugend oerboten wurden ins- gesamt 16 Versammlungen, weil nach Art der An- kündigung, nach Art der Veranstalter und vorgesehenen Redner und sonstigen Umständen zu besorgen war, daß die gesetzliche Ordnung verletzt werden würde. An Plakaten und Flugblättern politischen Inhalts sind 1957 der Polizei zur Kenntnisnahme vorgelegt worden. Da das Polizeipräsidium Berlin zugleich für ganz Preußen die Prüfung politischer Plakate und polUischer Flug- blätter durchzuführen hat, entstand obendrein eine neue, be- sonders schwierige Arbeit, die sämtliche in Frage kommenden Beamten bis zum letzten Wahltage in Atem hielt. Diese Ar- bell erforderte Aufmerksamkeit und Takt in besonderem Maße. Perboten, beschlagnahmt und eingezogen wurden 108 Plakate und Flugblätter und 44 andere, nicht periodisch erscheinende Druckschriften. Also nur ein kleiner Bruchteil der vorgelegten Plakate usw. wurde beanstandet. Verboten wurden überdies in der Zeit vom 1. Februar bis zum 12. März sechs Zeitungen, wobei die Höchstdauer des Ver- botes acht Tage war. Eingeliefert wurden 2353 Personen, von denen 495 dem Schnellrichter vorgeführt wurden. Diese Zahl der Einlieferungen übersteigt die von der Schutzpolizei gesammelte Zahl, da die Beamten der politischen Polizei selbsttätig Festnahmen tätigten. Die starke Beanspruchung der Polizeiverwaltung Berlin läßt sich auch an der Benutzung der Nachrichtenmittel erkennen. Während in normalen Zeiten bei der Vermittlung des Po- lizeipräsidiums im Polizeifernsprechnetz 10 000 Gespräche im Hausverkehr und 5000 nach Dienststellen außerhalb des Hauses geführt wurden, haben die Gespräche im Hausverkehr bis auf 15 000 b i s 16 000 täglich zugenommen. Nach außerhalb liegenden Dienststellen wurden 6500 Verbindungen täglich hergestellt. Im Berkehr mit dem Publikum wurden in normalen Zeiten tag- sich etwa 2800 Gespräche geführt. Diese Zahl hat sich während des Wahlkampfes auf 4700 Gespräche täglich ge- steigert. Im Telegraphenwesen war gleichfalls eine Er- höhung der Fernschriften gegenüber gewöhnlichen Zeiten zu beobachten. Während sonst täglich etwa 950 Fernschriften gegeben wurden, erhöhte sich die Zahl während des Wahl- kampfes auf etwa 1650 täglich. Auch im Funkverkehr wirkte sich der Wahlkampf aus. Auf dem Polizeifunknetz nahm die Zahl der Funk- spräche fast täglich zu. Während im Januar auf der Haupt- funkstelle der tägliche Durchschnitt 92 Fernsprüche betrug. stieg die Zahl im Februar auf 109 und im März auf 124 Funksprüche täglich. Am 12. März war der höchste Stand mit 167 Funksprüchen täglich erreicht. So erheblich die Zahlen auch sind, sie geben doch nur ein dürftiges Bild von der tatsächlichen Arbeit, die von der ge- samten Beamten- und auch Angestelltenschast geleistet wurde. Glücklicherweise hat die gesamte Beamtenschaft mit einer Auf- opferung und Dienstfreude sondergleichen die schweren Auf- gaben der letzten Wochen bewältigt. Wie hervorragend der Geist der Pflichttreue und des Arbeitseifers in der Polizei- beamtenschaft ist, geht auch daraus hervor, daß die Beamten der Kriminalpolizei, die mit dem eigentlichen Wahlkampf nichts zu tun hatten, sich am Wahltage aus eigener Initiative auf Antrag des Beamtenausschusses freiwlllig zur Verfügung stellten, um ihren schwer arbeitenden Kollegen in der poli- tischen Polizei zur Hilfe zu kommen. Die Polizei hat gewaltige Arbeit geleistet, um die ver- fossungsmäßige Freiheit der Staatsbürger zu schützen! Hitlers Wehrverbände. Auflöiungsantrag im Hessischen Landtag. D a r m st a d t, 18. März.(Eigenbericht.) Die sozialbemokratische Fraktion hat im Hessischen Landtag folgenden Dringlichkcitsantrag ein- gebracht: Der Landtag wolle beschließen: Die hessische Regie- rung möge alle militärisch organisierten Wehrverbäade der NZDAP. mit sofortiger Wirkung auflösen. Die hessische Regierung möge ein gleiches Ersuchen dringend an die ReichSregieruug und an die übri- gen deutschen Läuderregierunge» richten. Die Aaziwaffen. Zahlreiche Beschlagnahmen. Bochum, 18. März.(Eigenbericht.) In Wanne-Eickel wurden vom Polizeipräsidium Bochum zwei TA.-Heime geschlossen, weil bei ihrer Durchsuchung Schuß- und Hiebwaffen ge- fuudeu worden waren. In Witten wurden am Donnerstag bei einem SA.- Führer zwei Revolver und ein Desching und bei einem SS.-Stnrmbaunfiihrer eine Pistole gefuaden. Die Waffen waren polizeilich nichtgemeldet. Ein Strafverfahren ist eingeleitet. In der Nacht nach dem Wahltage wurden in der Nähe von Schwelm zwei Lastkraftwagen mit zum Teil uni- formierten und bewaffneten SA.- Leuten ange- halten und durchsucht. Auch hier wurden Schuß- und Hiebwaffen beschlagnahmt. Die Verhafteten wurde» dem Schnellrichter zugeführt. Biersteuersenkung beschlossen. Die Molle wird um vier pfeno g billiger werden.— Nene Lasten für die Gemeinden. Die Reichsregierung hat jetzt die Herabsetzung der Bier- st e u e r nach den Borschlägen des Reichsrats beschlossen. Die steuer- liche Entlastung soll ab 29. März in Kraft treten: am gleichen Tag« dürften auch die Auefchankpreise eine entsprechende Ermäßi- gung erfahren. Die Reichsbiersteuer wird allgemein um drei Mark gesenkt, also je Hektoliter in Zukunft 5,1S bis 9 M.(je nach Höhe des Ausstoßes der einzelnen Brauereien) betragen. Das beceutet für die großen Brauereien ein« Herabsitzung der Steuer um 25 Proz., für die kleinen Brauereien um 25 bis 33 Proz. Die Gemelnde-Biersteuer wird in der Regel um 49 Proz. herabgesetzt. In Berlin und in den meisten Städten Norddeutschlands wir» also die Gemeinde-Wersteuer eine Ermäßigung um 4 M. je> Hektoliter, von 19 auf 6 M., erfahren. Neu kst die Bestimnmng, daß eine Senkung der Gemeinde-Biersteuer dann nicht eintritt, wenn sie weniger als 4 M. je Hektolüar beträgt. Das gilt besonders für die süddeutschen Städte, die eine Verminderung des Auf- kommens aus der bisher schon niedrigen Gemeinde-Biersteuer für absolut untragbar erklärten. Die gesamte steuerlich« Entlastung beträgt demnach in Berlin 7 M. je Hektoliter. Dazu kommt die Ermäßigung des Bierprei'es seitens der Brauereien, die nacb der Verfügung des Preiskommissars nur 2®. beträgt, und ein« Kürzung des Schanknutzens der Gast- wirte um etwa den gleichen Betrag. � Das ergibt zusammen etwa 11 M. je Hektoliter. Di« Moll«(/W Lider)-lso gerade um vier Pfennig bllüger w-rderu Od die'« Herab j'.",zg des Schon!.) Preises zu einer Anregung des Bierkonsums führen wird, muh av- gewartet werden. Wir halten sie— leider!— für unwahrscheinlich. wenn nicht ein« wesentliche Besserung der allgemeinen Wirtfchafts- läge und eine fühlbar« Abnahm« der Arbeitslosigkeit eintritt. Der Ausfall von Steuern ist sehr hoch. In welcher Weise da- für Ersatz geschaffen werden soll, ist noch unbekannt. Das Reich wird eine Mindereinnahme oon mindestens 199 Will. Mark jährlich zu verzeichnen haben. Außerdem zahlt das Reich an die Gemeinden einen Betrog von 23 Will. Mark, der aber nicht entfernt ausreicht, die Ausfälle an Gemeinde-Biersteuer auszugleichen. Zu allen Lasten aus der Erwerbslosenfürsorge müssen also die Gemeinden neu« Lasten aus der Biersteuersenkung übernehmen üb- wohl feststeht, daß zahlreiche Gemeinden am E'�z ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind. Wann endlich wird die Reichsbürokratie daran gehen, die unhaltbaren Zustände des heutigen„Finanzaus- gleichs" zu beseitigen und den Gemeinden die längst fällige finan- zielle Entlastung zuteil werden lassen? Japan für Kriegsfortsetzung? Gerüchte über Mckitaristenpntfch in Tokio. Schanghai. IS. März. Die Frledensverhandluugeu haben eine Verzögerung er- fahren. Die innere Lage Japans fleht hier znr Zelt im Rlitlelpuvkt des Interesses, da die Gerüchte, dort siehe est» Staats- streich der Mllilärparlei unmittelbar bevor, nicht ver- stummen wollen. Gut unterrichtete persönlichkeilen, die der chine- fischen Sache zugetan sind, sprechen ihr Bedauern darüber aus. daß die durch Tokio erfolgte Ablehnung der Bedingungen, zu deren Anaahme die japoulschen Verlreler in Schanghai geneigt waren. die Hoffnungen auf eine friedliche Lösung schwinden lasse. Unter- dessen lreffen weiter große Mengen Munition. Lebensmittel und Kriegsmaterial hier ein. Meldungen aus Nanking besagen, daß Tschiaagkaischek deu Vorsitz des Sriegsrals und zugleich des Amt des General, skabschefs übernommen habe. «- Großbritannien erklärt, daß es die„unabhängige" Mandschurei nicht anerkennen werde. Den gleichen Standpunkt nehmen die Vereinigten Staaten ein. Kaschistenkomplott in Australien. Attentatöplan auf den Arbeiterm'.rnsterpräsidenten Lang. London. 18. Marz.(Eigenbericht.) Der Generalregent von Reu-Südwoles teilt mit. daß aus den PremierminisiervonHeu-Südwales. Lang, bei der seierlichen Eröffnung einer neuen Brücke über den Hafen von Sid- ney ein Komplott beabsichtigt war. Mehrere Personen hätten im Begriff gestanden, den MlnisterprSstdenlen von der Brücke aus ins Wasser zu stürze». Der tabour-premicr von Reu- Südwales wird in Australien wegen seiner Finanzpolit'k. inebeson- dere seit der Bildung der reaktionären australischen Bundesregierung. stark angefelndel. Der Vielgetnipfie. Adolf in allen Ledenolagea. Sn der Berliner nationalsozialistischen Tageszeitung„Der An- griff"(Herausgeber Dr Goebbels), Nummer S7 vom 18. März, steht auf der zroeiten Seite der zweiten Beilage folgende Anzeige: wie ihn keiner kennt 100 Bilddokumente aus dem Leben des Führers UngezShlten Millionen Anhüngern Hitlers bringt dieser Band ErfQllung Ihrer Sehnsucht! Einblick zu bekommen in das persönliche leben des FOhrers. Näheres zu erfahren Ober seine weitreichenden Interessen und Neigungen. Die In dem Werke gezeigten Abbildungen sind größtenteils unbekannt Der Photograph Heinrich Hoffmann, der seit zehn Jahren In der engsten Umgebung Hitlers weilt, hat sie aus vielen Tausenden von Aufnahmen ausgewählt und so ein einzigartiges Bildwerk geschaffen, das Anspruch auf dokumentarische Wahrheit erheben darf. Geleltwort und Unterschriften von Saldur von Schirach. Hört, Millionen, eure Sehnsucht ist erfüllt! Ihr seht den grohen Adolf des Morgens im Pyjama und des Abends im Frack, chr seht ihn, wie er sich die Nägel lackiert, ihr seht ihn, wie er sich den Scheitel pomadisiert, ihr seht ihn, wie er ißt, wie er trinkt, wie er redet, wie er schreibt! Seit zehn Jahren, das heistt seit seinem SS. Lebensjahre, hat der grojje Adolf den größten Teil seines Lebens damit zugebracht, sich photographieren zu lassen, und so sind an weniger als viertausend Tagen„viele tausend Auf- nahmen" entstanden, also offenbar an jedem Tag mehrere. So hat Adolf in aller Stille für sein Volk gearbeitet und dessen Sehnsucht erfüllt. Satt essen kann es sich zwar noch lange nicht, es kann sich aber jetzt an Adolf Hitler satt sehen! Hell! Schutz für Kleinpächter. Sozialdemokratische Anträge im Zieichstagsansschaß. Zw Siedluugsausschutz des Reichstags brachten am Freitag Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktiou Anträge zur Besprechung, die sich auf eine sofortige Senkung oller Laudpachtea. auf erhöhleo kündiguugssckiutz für Kleinpächter und aus oerstärkfe Ausiediung von Landarbeiteru bezichen. Zwar wurde, da die Kommunisten ihre Vertreter nicht vollzählig zur Stelle hatten, ein sozialdemokratischer Autrag aus sosortige Ermäßigung aller Pachten sür Kleinpächter um 30 Proz. mit Stimmengleichheit abgelehnt. Immerhin gelaug es in einer zweiten Abstimmung wlt Hilfe eines Vertreters der deutschen vauernschost. einen Antrag durchzubringen, der ein? Senkung um 25 JJroz fordert. lim zu verhüten, daß durch die Senkung der Pachten neu« stark« Kündigungen von Pachtungen erfolgen, wurde ein weiterer sozial- demokratischer Antrag eingebracht, nach dem Pachtkündigun- gen nur dann erfolgen dürfen, wenn nachweisbar schlechte Be- wirtschaftung oder wiederholtes böswilliges Verschulden des Pächters vorliegt Dieser Antrag konnte mit den Stimmen der Linken angenommen werden. Im weiteren Verlaus der Debatte, an der sich die Abgg. Jäcker kSoz.s, Tempel(Soz.) und Biester(Soz.) beteiligten, wurde umer ?uitimmung fast aller Parteien darauf hingewiesen, daß die Besied- lung.der Güter im Osten unter keinen Umständen dazu führen dürfe, die ansässigen Landarbeiter brotlos zu machen. Dielmehr sei es notwendig, gerade die Landarbeiter, die die örtlichen Verhältnisse am genauesten kennen, bevorzugt anzusiedeln. Die Regierung ließ mitteilen, daß die aus Drängen des Ausschusses erlassenen neuen Richtlinien für die Ostsiedlung diesem Gesichtspunkt der Sozialdemo- lratie bereits in vollem Maße Rechnung trügen. Die Beschlüsse, die in ihren wesentlichen Teilen die Zustimmung des ganzen Ausschusses fanden, bedeuten für die Reichsregierung eine starke Bindung, der sie sich nicht entziehen kann. Di« Verhält- nisie sowohl der Kleinpächter als auch der Landarbeiter im Osten beginnen eine Gefahr für den Staat zu werden, wenn diesen Land- Proletariern nicht umsasiend und sofort HUfe gewährt wird. Cs geht nicht an. daß die Sicherungsmaßnahmen des Staates, die aus der allgemeinen wirtschaftlichen Lage heraus verordnet werden mußten, nur den größeren und relativ gesicherten Existenzen zugute kommen, während man die kleinen schutzlos den Stürmen der Wirtschaftskrise aussetzt. Die Sozialdemokratie hofft noch vor dem Ostertermin auf eine Entscheidung des Reichskabinetts. Die Verhältnisse werden sonst katastrophal werden._ Der Rügeudamm wird gebaut. Der Pommersche Prooinzial- landtag nahm am Freitag die Vorlage über den Bau des R ü g e n d a m m e s an. Danach übernimmt die Provinz, die Stadt Stralsund und der Kreis Rügen im Verhältnis von 3:1:1 die Ausführung des Strahendamnies. Außerdem werden in die.Haus- halte von 1032 bis 1934 je 500 090 Mark für den Straßendamm von Stralsund nach Rügen eingesetzt. Zu Roseuheim in Bayern hat der ehemalige Bürger- meister Dr Kreutter alz Vorstand des Heimat- und Königsbundes einen Wahlruf für Hindenburg erlassen. Dieser Dr. Kreut- t«r ist ober zugleich auch Vorstand der Deutschnationalen Bolls- partei. Befehl ist Befehl, also erließ er noch«inen Wahl- aus ruf, und zwar für Duesterberg. Wen mag der Mann selber wohl gewählt heben? Gireng legal. Dieses Bild der Nazi-Legalität wurde aus der preußischen Polizeiaktion gewonnen! Das war im Lande Zricks. Offene Parteinahme der Polizei für Aazis. Weimar, 18. März.(Eigenbericht.) Der Untersuchungsausschuß des Thüringischen Landtags zur Ueberprüfung gewisser Vorkommnisse in der thüringi- schen Landespolizei tagte am Freitag in Gotha, um zu den Vorgängen Stellung zu nehmen, die sich in der Nacht vom 23. zum 24. November 1931 in Gotha abgespielt haben. In der fraglichen Nacht, nach 23 Uhr, wurden etwa 150 demonstrierende Nationalsozialisten von einem Uebersailkommando festgenommen und zur Polizeikaserne gc- bracht. Man glaubte erst, daß man es mit Kommuni st en zu wn habe. Auf dem Wege Zur Kaserne stellte sich jedoch heraus, daß es Nationalsozialisten waren. Der Führer des Ucberfallkomman- dos hielt es deshalb nicht für notwendig, die Stelle, an der die Nationalsozialisten festgenommen wurden, nach Waffen absuchen zu lassen. Am anderen Tage fanden Zwllpersonen an der betreffen- den Stelle verschiedene Waffen, die der Polizei übergeben wurden. Von dem SA.-Führer Zimmermann, der bei der Fest- nähme der Nazis abseits stand und nicht mit festgenommen wurde, der bei dieser Gelegenhell aber etwas mit dem Gummiknüppel ab- bekam, weil er den Anordnungen der Polizei nicht Folge leistete, wurden sofort die. Führer der Nationalsozialisten telephonisch herbei- gerufen. Es erschienen der nationalsozialistische Landtagsob- geordnete. Hennicke und der Na.;,- Reichstags ahgeord- nete TriebeltiAscha, die bereitwllligst von dem P o£ ize i d i r e k> t o r Herfurth und dem'Polizeimajor von Brandt auf dessen Dienstzimmer empfangen wurden und sich über eine halbe Stunde mll diesen Herren unterhalten durften, bis die Frellasiung der Festgenommenen angeordnet wurde. Diesen Befehl überbrachte der Nazi-Abgeordnet« Hennicke, der in der Kaserne mit H'ller-Hell empfangen wurde und eine kleine Ansprache hallen durste, wobei er aueführte, daß nur ein Versehen vorliege. Die Verhafteten seien sür Kommunisten gehallen worden. Dem SA.-Führer Zimmermann wurde sogar gestattet, sich den Polizeibeamten anzusehen, der ihn mit dem Gummiknüppel geschlagen haben soll. Merdings fand er ihn nicht. Während der Zeugenvernehmungen wurden die s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e n Mitglieder des Untersuchungsausschusses von den an- wesenden Führern der Nationalsozialisten in der gemeinsten Weise beschimpft und bedroht, so daß der Vorsitzende wiederholt eingreisen muhte. Auf die Frage eines kommunistischen Ausschußmitglieds an den Gothaer Polizeimajor, ob er so gehandelt haben würde, wenn es sich um Kommunisten gehandelt hätte und die Führer der Kommunisten ebenfalls bereitwilligst in sein Dienst- zimmer genommen hätte, um mit ihnen zu verhandeln, antwortete dieser Herr:„Ich würde das von Fall zu Fall entscheiden. In die Kaserne würde ich sie aus keinen Fall tassen, auch würde ich u i ch t so lange mit ihnen oerhandeln. Am liebsten sähe ich sie überhaupt nicht." Auch auf die Frage eines fozialdemo- k r a t i s ch e n Ausschußmitglieds, wie er sich verhalten würde, wenn es sich um Mitglieder einer anderen, z. B. einer republikanischen Partei gehandelt hätte, antwortete der Polizeimajor ausweichend und erklärte, daß er auch hier von Fall zu Fall entscheiden würde. Als die Sozialdemokraten den Sitzungssaal verließen, wurden sie auf dem Korridor von den Nationalsozialisten wieder beschimpft und bedroht, ohne daß die Po- lizei eingriff. Der Abgeordnete Hennicke drohte, seine SA. herbeizuholen, damll die Marxisten eine Abreibung bekommen sollten..„Ihr seid in Goch»!".rief er. den Sozialdemokraten zu. Der Nazlreichstagsabgeordnete T r i e b e l erklärte den Sozialdemokraten gegenüber wiederholt, daß es eine furchtbqre Abrechnung geben werde, wenn die Nationalsozialisten ans Ruder kommen wür- den Polizeibeamte mischten sich hier ein und behaupteten, die So- zialdemokraten hätten ihren Führer beleidigt. Der Polizei- major von Brandt bezeichnete den sozialdemokratischen Abgeord- neten Gründler als einen jungen Mann— Gründler ist 35 Jahre alt— und drohte ihm mit der Faust, als ob er ihn schlagen wolle. Obendrein drohte er mit Verhaftungen, obwohl hierzu nicht der geringste Grund vorlag. Bürgerliche Abgeordnete waren über diese ungeheuerlichen Vorkommnisse empört. Kein Treueid— kein Geld. Konflikt zwischen Englanst vnd Irland. London. 16. März.(Eigenbericht.) Di« erste Reaktion der englischen Regierung aus die von de valera im irischen Parlamcnt gemachte und später in einem Interview verschärfte Erkläruu-g seiner Polit'k— n. a. die aufgekündigte Verweigerung des Treueides an die l/ri tische Krone—. die die Verweigerung der Zahlung der sogenannten Landannuitälea in sich schtieht, war am Fre'tog bei einer Rede Reville Chambertains in virmnigham;n spüre». Der Schatzkanztcr der Regierung sagte in recht schmsen Worten, daß England sich auf einen einseitige» Bruch der vertragt' che» Abmachungen durch Irland nicht einlassen werde. Ein solches Vor- gehen müßte alle allen Bitternisse zwischen England und Irland wieder aufrühren. Der Lehrerabbau. Minister Grimme im Rondfunk über die Herabsetzung der Altersgrenze. Kultusminister Dr. Grimme sprach heute auf der Deutschen Welle über die Herabsetzung der Altersgrenze für die Lehrer. Einleitend wies Minister Grimme daraus hin. baß mll der Beendigung des Schuljahres 2300 Lehrkräfte die Volksschule vor- ließen, da sie das 62. bis 65. Lebensjahr vollendet hätten. Dazu kämen noch rund 400 Lehrkräfte, die sich entschlossen hätten, aus Grund der Bestimmungen der Notverordnung vom 4. November v. I. freiwillig in den Ruhestand zu treten. Aus den Lehrkörpern der höheren Schulen schieden im ganzen 400 Lehrkräfte aus, unter ihnen 93 Direktoren und 55 Oberstudienräte. Leider sei es nun nicht so, daß 3000 Junglehrer oder-lehrerinnen nunmehr in die freigewordenen Stellen einrücken könnten, da die Lage der Staats- finanzen eine Einschränkung der Lehrerstellen nötig mache. Dabei dürfe nicht vergessen werden, daß es sich bei den sogenannten Jung- j lchrern und Jungphilologen, deren Beibehaltung im Schuldienst das Ziel der Herabsetzung der Altersgrenze gewesen sei, im Durchschnitt um die Generation handele, die heut« zwischen 30 und 40 Jahren stehe, die also ihre Ausbildungszell schon vor längerer Zell beendet und viele Jahre bereits Dienst getan hätte. Minister Grimme kam dann aus die Stillegung von tteun pädagogischen Akademien und den damll verbun» denen Abbau von Direktoren, Profesioren und Dozenten zu sprechen, die— wie er erkläret— früher aus Grund besonderer Leistungsfähig- kell berufen worden feien, da es keine sogenannte„Laufbahn" ge- geben habe. Zum Schluß versicherte Dr. Grimme, daß alles vor- sucht werden solle, im Rahmen der etatsmäßig zur Verfügung stehenden Mittel den von der vorzelliqen Zurruhesetzung betroffenen Lehrkräften nach Möglichkeit durch Unterstützungen zu Helsen und daß in besonders krasien Notfällen auch für die Kinder der zur Ruhe gesetzten Beamten hinsichtlich der Ausbildung gesorgt werden würde. Mit einem Dank für die von den nunmehr ausscheidenden Lehr- trösten geleistete Arbeit und mit der Bitte, sich durch das Los nicht verbittern zu lassen, zumal auch andere Berufsgruppen von der Not schon viel früher und härter bettoffen worden seien, schloß der Minister seine Rundfunkansprache. Bührer, der Nazizuwachs. Er wollte sich wegen finan ieller Mißwirtschafi entlasten. Dresden, 18. März(Eigenbericht.) Der von der Sozialdemokratie zu den Nazis hinübergewechselte 2. Bürgermeister von Dresden Dr. Bührer veröffentlicht in dem Dresdener Naziorgan eine Darstellung, aus der hervorgehen soll, daß die Sozialdemokratie an allerlei Mißständen in der Dresdener Kommunalverwaltung'schuld sei. Das Schreiben verfolgt den Zweck eines Entlastungsversuchs, den Dr. Bührer unternimmt, weil er sich selbst die schwerste finanzielle M i ß w i r t s ch a s t hat zu- schulden kommen lassen. Wie die„Dresdener Volkszeitgug" mitteilt, hat Bülzrer Deutsche Anleihe-Ablösungsschuld ohne Auslosungsrecht, also ein Papier, das keine Zinsen bringt und bei dem auch die Rückzahlung in keiner Weise gewährleistet ist, im Nennwert von 62� Millionen bei einem Kurse von 125 Prozent sür rund QX Millionen Mark gekauft und zwar ohne Wissen des Oberbürgermeisters und der städtischen Körperschaften und auch ohne der sozialdemokratischen Rats- und Stadtverordnetenfraktion ein Wort gesagt zu haben. Heute steht der Kurs dieser Papiere auf 2%, so daß also, abgesehen vom Zinsoerlust, die Stadt Dresden durch Bührer 7 Millionen Mark verloren hat. Die Angelegenheit wird von einem Untersuchungsausschuß der Stadtverordneten nach- geprüft werden, besten Einsetzung bereits von den Mittelparteien gefordert istt Bührer hat die Stirn, zu behaupten, daß es sich bei den gekauften Papieren um mündelsichere Papiere handelt:, aber nach den In Frage kommenden Bestimmungen des BGB. müssen mündelsichere Papiere verzinslich sein. Der Staat muß Ordnung schaffen. Oer Kapitalismus kann die Dinge nicht'meistern. Einige hundert Meter unter der Erde, fern von Sonne und Licht, kohle zu hacken, ist kein angenehmer Beruf. Bergleute find, wie alle volksweisheit in Schlesien sagt, arme Burschen. Und hunderttausende von diesen armen Burschen liegen aus der Strohe, möchten arbeiten und können nicht arbeiten. Es ist Kohlenkrise. Während des Krieges und in der schlimmen Zeit der Inflation und der Ruhrbeschung. wo alle» zu wanken drohte in unserer Wirtschaft. hat man an das nationale Gefühl des Bergarbeiters appelliert. Cr hat sich diesem Appell seines Landes nicht entzogen. Er hat gearbeitet, die Produktion gesteigert, lieht stellen sich aber die nationalsozialistischen Jührer der Gruben- b a r o n e hin und behaupteu. der Marxismus dieser Berg- knappen habe den Ruhrbergbau zerstört, habe d i e Krise in die Kohlenreviere getraaen. EJi-' liebt nun der Marxismus dieser Bergleute aus? Sle haben, als sich die Er- träge der Wirlschast steigerten, darum gekäwpsl. dag sie einiger- mehen menschenwürdig bezahlt und menschenwürdig behandelt wer- den. Richte mehr und nichts weniger. Das ist der Marxismus der Bergarbeiter! wenn man diesen Leuleo den Vorwurf macht, sie hätten die Grundlagen unserer Kohlenwirlschaft erschüttert, hat man das Gefühl, dah Menschen, die solche verlogenen vehaup- langen ausstellen, irgendeinem Zdioteahaus eol- fprungeu sind. Es ist schon angebracht, daß die Vertreter der Lxrgarbeitergewerkschasteu einmal eindeutig erklärten, wer eigentlich die Krise im Kohlenbergbau verschuldet hat, der Bergmann, dessen Lohn mau halbiert hat, oder jene Generaldirektoren, die man immer noch nach hunderltausenden bezahlt und die in den legten Iahren eine Mihwirtschast betrieben haben, die automatisch zur Krise führen muhte? * Gelegenheit zu dieser Auseinandersetzung gab die Jahres- Versammlung des Kohlenrats, die am Freitag in Berlin stattfand Den Jahresbericht gab Berghauptmann Bennhold.„Der Kohlenverbrauch hat", wie Bennhold ausführte,„im Jahre IWl einen Tiefstand erreicht, wie er. abgesehen von dem Jahr des Ruhreinbruchs 1922, seit etwa 30 Jahren in Deutschland nicht mehr beobachtet wurde. Mit einem monatlichen Durchschnitt von rund 10,1 Millionen Tonnen, alle Brennstoffe auf Steinkohle umge- rechnet, bleibt er um rund 10,2 Proz. unter dem Monatsdurchschnitt des Vorjahrs und gar um 23 Proz. unter dem des Jahres lg28, das man als Normaljahr ansprechen kann. Die Gesamtkohlenfördc- rung Deutschlands, ohne Saargebiet, mußte im Berichtsjahr 1931 auf knapp 148, S Millionen Tonnen gegenüber reichlich 175 Millionen Tonnen im Vorjahr gedrosselt werden. Die Gesamtproduk- t i o n des Berichtsjahrs ist damit ungefähr auf den Srand im Jahre 1906 gesunken. Im Ruhrbergbau allein gingen der Arbeiterschaft durch Feierschichten 9,3 Millionen Schichten verloren. Die Bergarbeiter- schast hat sich mit anerkennenswertem Verständnis in die U n v e r- m e i d l i ch k e i t e n des wirtschastlichen Ergehens hineingefunden. Wenn aus solcher Stimmung heraus gegenwärtig wieder einmal der Ruf nach Verstaatlichung des gesamten de ut- schen Kohlenbergbaues laut wird, ist das eine Bewegung, die sich aus den obwaltenden Umständen erklärt." * Im Anschluß an den Bericht Bennholds kam es zu einer leb- haften Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Unternehmer und der Bergarbeiter. Die Bergarbeiter bestritten, daß die schlechte Beschäftigungslage im Steinkohlenbergbau nur auf Unvermeidlichkeiten beruh«. Sie wiesen darauf hin, daß die kapital! st ische Ueberexpansion nicht nur die Ralio- nalisierungserfolge in Frage stelle, sondern auch die künftige Wieder- anlegung der arbeitslosen Bergorbeiter schwer gefährdet habe. Ohne eine Verkürzung der Arbeitszeit gebe es keine Hoffnung für die Bergarbeiter, auf denen die ganze Last der kohlenkcife liegt, wenn die gegenwärtigen Befitzvcrhält- nisse im Bergbau der Durchführung dieser volkswirtschaftlich begründeten Forderung enlgegeaslehen— so betonte der vor- sitzende des Bergarbeiterverbandes hufemanu—, dann müßten sie eben g e ä u d e r l werden. Mit den freien Gewerkschaften traten auch die christlichen Bergarbeitervertreter für die Verstaatlichung des Berg- b a u e s ein. Die Sprecher der Unternehmer, darunter auch Dr. Silverberg, versuchten, die Kohlenkrise der st a a t l i ch e n Beeinflussung des Bergbaues zuzuschieben. Die Unter- nehmer mühten jedenfalls Vorwürfe unsachgemäßer Wirtschafts- führung zurückweisen. Sie hätten bei ihrer Anlagepolitik an eine forllaufende Aufwärtsentwicklung gedacht. Demgegenüber verwies Dr. Berger vom Bergarbeiteroerband Bochum auf die Struktur- Wandlungen in der Weltenergieoersorgung, Marthmöller von den freien Gewerkschaften ging näher auf die b e tr i e b s w i r t- schaftliche Lage der Zechen ein. Die Arbeits kosten hätten sich um 37 Prozent innerhalb der letzten beiden Jahre verringert. Damit fei eine fühlbar« Erleichterung für die Unter- nehmer eingetreten Man könne nur mit Schärfe den Einwand zurückweisen, daß die sozialpolitischen Verpflichtun- gen des Bergbaues die Krise mit verursacht haben. Die kapita- listische Bewirtschaftung des Bergbaues könne die Probleme der Gegenwart nicht mehr meistern. Darum müsse der Staat Ordnung schaffen und den Bergbau verstaatlichen. Die Vollversammlung genehmigte darauf den gekürzten Etat des Kohlenrates und erklärte sich mit der Verabschiedung des mittel- deulfchcn und des Aachener Syndikatsverlrages durch den Großen Ausschuß einverstanden. Als Vorsitzender des Kohlcarales wurde für die kommenden drei Iahre der jetzige Vorsitzende, General- direktor von Velsen, gegen die Arbeilnchmer, die Imbusch von den christlichen Gewerkschaften vorschlugen, wiedergewählt. Reichsanstatt und Lugend. praktische und gute Arbeit für die jugendlichen Arbeitslosen. Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits- loscnversicherung veröffentlicht über Ihre im herbst 1931 eingelei- teten Maßnahmen zur Betreuung der arbeitslosen Ju- g e n d einen interessanten Bericht. In allen Teilen des Reichs haben die Arbeitsämter geineinsam mit anderen behördlichen Stellen und Organisationen Lehrgänge eingerichtet, in denen die jugendlichen 'Arbeitslosen Gelegenheit haben, ihre beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten während der Zeit unfreiwilliger Arbeitslosigkeit auf der .höhe zu holten und zu erweitern. Vom 1. Oktober 1931 bis Mitte Februar 1932 sind etwa 230000 Jugendliche bis zum 23. Lebensjahr erfaßt worden. Dabei ist zu berücksichtigen, dah sich diese große Schar arbeits- und lernwilliger Jugendllcher fast ganz aus freiwilligen Teilnehmern zusammensetzt. Der Arbeitseifer und die Diszizlin der jungen Arbeitslosen ließen— von geringen Ausnahmen abgesehen— nirgends zu wünschen übrig, zum Teil waren sie besser als im Winter 1930/1931. Die günstigen Erfolge find in erster Linie dem Umstand zuzu- schreiben, daß nach Möglichkeit überall Lehrgänge mit praktischen Arbeilsgetegeoheiien in Werkstätten, leerstehenden Fabrikräumcn, Lehrküchen und Uebungs- kontoren geschaffen wurden. Diese Bemühungen fanden vtelfach auch Unterstützung durch Organisationen der Arbeitzeber und Arbeit- nehmer. die öffentlichen Berute- und Fachschulen und kirchliche und sostale Vereine. Während noch vor einem Jahr die werkstattmäßige Beschäftigung der Arbeitslosen erst in wemgen Städten vorbildlich entwickelt war, bestehen heute bereits an zahlreichen Orten solche praktischen Arbeits- und Schulungsrnöglichkeiten. I Entsprechend der beruflichen Zusammcnsetzungder Ar- b e i t s l o s e n stehen zahlenmäßig zwar die Jugendlichen aus dem Metallgewerbe, dem Baugewerbe, der Holzindustrie, der Textilindustrie und dem handelsgcwerbe an der Spitze, doch sind da- neben in diesem Winter auch ungelernte Jugendliche und weib- liche Arbeitslose aus der Hauswirtschaft in starkem Maße er- faßt worden. Die Dauer der Lehrgänge beträgt im Durch- schnitt acht bis zehn Wochen: dabei wird versucht, durch eine mög- lichst hohe Wochenstundenzahl eine weilgehende Inanspruchnahme der beschäftigungslosen Zeit zu erzielen. Die Arbeitsämter lassen nicht nur unterstützte Jugend- liche zu den Lehrgängen zu. Jugendliche Arbeitslose unter 21 Jahren, die nur deshalb keine Arbeitslosenunterstützung erhalten, weil ihr Lebensunterhalt durch einen familienrechtlichen Unterhaltsanspruch gewährleistet ist, sind ohne weiteres zur Teilnahme zugelassen: außer- dem sind in den Lehrgängen bis zu 40 Proz. sonstige nicht- unterstützte Jugendliche gezählt worden, deren Teilnahme durch Sonder mitteldes Reichsarbeitsmini st eriums ermöglicht wird. Bei den geschilderten Maßnahmen handelt es sich nur um berufliche Bildungsveranstaltungen, nicht um den Freiwilligen Arbeitsdienst oder um kulturelle und allgemeinbildende Veranstaltungen der öffenllichen Jugendpflege. Für die nächste Zukunft schweben Erwägungen, arbeits- losen Lehrlingen, die infolge Stillegung des Lehrbetriebes ihre Ausbildung nicht vollenden können, Möglichkeiten zur weiteren Ausbildung zu geben. Eine ausgezeichnete Idee, die von großem Nutzen fein wird, wenn sie zur Durchführung kommt. Der IdA. ist aktiv! Widerstand gegen Krise und poUn'sche Querulanten. Die Berliner Ortsgruppe des Zentraloerbandes der Angestellten war in der Gencraloersamullung am Donneretag in der«rsreulichen Lage, den Delegierten einan Geschäftsbericht vor- legen zu können, aus dem hervorgeht, daß tiefe größte Angestellten- organisation in Berlin das fürchterliche Krisenjahr 1931 gut über- standen hat. Trog der Zunalzme der Arbeitslosigkeit auch unter den An- gestellten, trotz verstärkter Hetze gegen die freien Gewerkschaften ist der Mitgliederbestand, gemessen an der Gesamlmstglieker- zahl, fast stabil geblieben. Die Berliner Ortsgruppe des JdA. zählt« am Schluß des vergangenen Jahres 37 029 Mitglieder gegen- über 37 947 Mitgliedern Ende 1930, hat also im Laufe des Berichts- jahres nur 918 oder 2lh Proz. Mitglieder verloren. Der Verlust entfällt fast ausnahmslos nur auf solche arbeitelos gewordenen Berbandsmitalieder. die erst kurze Zeit k«r Organisation angehörten und temzufolge mit ihr noch nicht genügend verwachsen waren An sich sind in keinem Ouartal des Berichtsjahres mehr Mitglieder ausgeschieden als in den Quartalen d«r Koniunkturjähre: es sind lediglich nicht soviel Aufnahmen gemacht worden, wie in den frühe- neu Jahren, so daß der übliche Mitgliocerabgang nicht völlig durch Neuaufnahmen ausgeglichen werden konnte. Genosse G o t t f u r ch t teilte in seinem Geschäftsbericht weiter mit, daß die Anteilnahme der Verbandsmttglicder an bildenden Veranstaltungen der Organisation im vorigen Jahr viel reger war als sonst. Ein auffallend starkes Interesse brachten die Mit- glieder, insbesondere jüngere, orbeitsrechtlichen Fragen ent- gegen: alle arbeitsrechllichen Kurse wiesen einen überaus starken Besuch auf. Ueberhaupt konnte in der letzten Zeit eine vorbildliche Aktivität der ZdA.-Mitglieder sowohl in gewerkschaftlicher wie in politischer Beziehung festgestellt werden. Diese Aktivierung berechtigt zu der Erwartung, dah den Forderungen zur Umformung des jetzigen Wirtschaftssystems, die von den Spigenkörpcrschasten der freien Gewerkschaften und der Partei jetzt erhoben werden, auch durch die Angestellten der gehörig« Nachdruck verliehen werden wird. Mit aller Schärfe wandte sich Genosse Goitfurcht gegen die in letzter Zeit gemachten Versuche der SAP., in de» Gemerk- schalten nach kommunistischem Muster Zellen und Fraktionen zu bilde». Der ZdA. wird diesen Ansängen genau so rücksichtslos entgegentreten, wie den einige Jahre zurückliegenden gleichartigen Versuchen der KPD. Bei dem bevorstehenden Wahlkampf um Preußen wird auch der ZdA. alles zur Erhaltung oer Preußen- reg i« rung tun. Der allgemein« Ueberblick des Berichterstatters über die innere Organisationsar eit überzeugte jeden Delegierten,' daß von der Ortegruppcnleitung im vorigen Jahr nichts unversucht gelassen wurde, um die Errungenschaften früherer Jahre Zu sichern, s In der Diskussion wurde die Arbeit der Ortegruppenle'tung! vollauf anerkannt. Die Wiederwahl des zweiten Bevoll-! mächtigten, Genossen Fin ke, erfolgte einstimmig, ebenso auch i die Wahl der Mttglkber der übrigen Körperschaften. Gelbe Werkvereine nichi tariffähig. Entscheidung des Berliner Arbeitsgerichts. Vor dem Arbettsgericht Berlin wollte ein Vertreter des „F a ch o e r b a n d e s deutscher Kellner", ein dem Werk- oereinsbund angeschlossener Verein mtt 450 Mitgliedern, für ein Mitglied seines Vereins auftreten, holte sich aber eine gründliche Abfuhr. Das Gericht faßte einen Beschluß, nach welchem die werkver- eine nicht als tarisjähige Organisationen angesehen werden können und denizusolge auch nicht das Recht haben, ihre Mitglieder vor dem Arbettsgericht zu oertreten. Dieser Beschluß ist deshalb be- merkenswert, weil sich das Retchsarbeitsgericht bisher in mehreren Entscheidungen aus den Standpunkt gestellt hat, daß auch Werkvereine unter gewissen Umständen als tariffadig an- gesehen werden können, ein Standpunkt, der von den Gewerk- schaften verworfen wird. Der Beschluß wurde damit begründet, daß der„Fachoerband der Kellner" wegen seiner geringen Mitgliederzahl zur Führung selbständiger Arbeitskämpfe zur Erreichung sozialpolitischer Forde- rungen nicht in der Lage ist, ihm vor allem die dazu erforderliche Stoßkraft und U n a b h ä n g i g k e i t s e h l t. Grundsätzlich sei auch eine Organisation, die nach ihren Satzungen den Streik als arbeiter- und volksschädigend, ja, sogar als fortge- setzten wirtschaftlichen Bürgerkrieg bezeichnet, nicht der geeignete wirtschaftliche Gegenspieler gegen die Macht der Arbeitgeberver- bände. Es fehlt diesen„vaterländischen" Arbeitern der ernsthafte Wille und die unabhängige Kraft, sich den wünschen des linier- uehmerlums wirksam zu widersetzen. Es fehlt auch in den Satzungen jeder Anhaltspunkt dafür, daß die Mitglieder einen Einfluß auf die Durchführung und die Lei- tung eines Streits hätten, sie haben auch keinen Anspruch aus Streik- oder Maßregelungsunter st ützung. Da es der Unternehmer außerdem auch noch tn der Hand hat. durch Einstellung und Entlassung die Zusammensetzung„seines" Wsrkoereins zu bestimmen, da ja bei einem Ausscheiden aus dem Betrieb die Mitgliedschaft aufgehört, können solche Organisationen nicht als den Gewerkschaften gleichzusetzende, tariffähige Wirtschaft- liche Bereinigungen angesehen werden. DieWohlfahrtserwerbsloseninpreußen Die Auswirkungen der Rotverordnung. Nach der Erhebung des Preußischen Landesamts vom 29. Fe- bruar 1932 sind in Preußen 1 329 384 vom Arbeitsamt an- erkannte Wohlfahrtserwerbslose(einschließlich der am Stichtag noch schwebenden Anerkennungsfälle) bei den Bezirks- fürsorgeverbänden gezählt worden, gegenüber 1 240 305 Ende Januar. Somit ergi.t sich auch im Februar wieder eine Zu- nähme um 89079 Wohlfahrtserwerbslose oder 7,2 Proz., doch hat die Steigerung im Vergleich zum Januar <105 110) und Dezember(IIS 752) bereits nachgelassen, immerhin beläuft sie sich auf dos Zweieinhalbfache des Zu- wachfes im Bergleichsmonat des Vorjahres<34 857). Gegen den 28. Februar 1931 ist die Wohlfahrtserwerbslosenzahl um 648 182 oder 95,2 Proz. gestiegen.?luf 1000 Einwohner entfallen im Staate Durchschnitt jetzt 34,8 Wohifahrtserwerb-loje. 47 161 Wohlfahrtserwerbslose haben in Fürsorge, oder Notstandsarbeit gestanden. Die außerordentlich starke Zunahme der Wohlfahrtserwerb-losen ist hauptsächlich eine Folge der Notverordnungen. Im steigende); Mätze fallen nicht nur die Ausgesteuerten, sondern auch die Ar- beitelosen der Wohlfahrtspflege zur Last, die infolge der schärfere» Abgrenzung der Unterstützungsberechtigung ans der Arbeitslosen- Versicherung ausgeschaltet werden. Hinzukommen natürlich die Wirkungen der Tauerarbest-losigkett. Zreigewerkschastlicher Erfolg. Mehrheit im Betriebsrat der Karstadt-Zentrale. Bei der Betriebsratswahl in der Karstadt»Zentrale er- hielten gestern: Angestellte: Liste I, ZdA., 230 Stimmen— 3 Mitglieder zum Betriebsrat. 4 Mitglieder zum Angestelltenrat. Liste 2. GdA., 194 Stimmen— je 3 Mitglieder zum Betriebs- und Angestelltenrat. Liste 3, DHV., 191 Stimmen— 2 Mitglieder zum Betriebsrot. 3 zum Angcstelltenrat. Arbeiter: Liste 1, Freie Gewerkschaften, 276 Stimmen— 3 Mitglieder zum Betriebs-, 6 zum Arbeiterrat. Liste 2, C h r i st e n, 50 Stimmen— kein Mttglied zum Betriebs-, 1 zum Arbeiterrat Der Betriebsrat setzt sich zusammen aus 6 Freigewerkschaftern und 5 Vertretern bürgerlicher Verbände. Das Ergebnis bei den Angestellten ist um so beachtlicher, weil der VwA. seine Mit- glieder aufgefordert hat, die Liste des Deittschnationaien Handlungsgehilfen-Verbandes zu wählen. Bemerkenswert ist noch, daß die NGO., die den Mund nicht voll genug nehmen kann, nicht einmal eine eigene Kandidatenliste zustande brachte. Die Arbeiislosigkeit in Belgien. In Belgien bedroht das Anwachsen der Arbeftslosigkcit den Arbeitelosenfchutz. Zur Zett zählt Belgien 153 000 V o l I a r b e i t?- l o s e und 169 000 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der Krise ist nach der Ausfassung der Regierung noch nicht erreicht Für vi« Arbeitslosen sind im Jahre 1932 nur 350 Millionen Franken vorgesehen. Notwendig wäre aber«ine Milliarde. Die Re- giening will daher jetzt die Arbeitslosenunterstützung, vor allem die stuaikiche Crwerbslosenfürsorge, für die verheirateten Frauen, a b- bauen. Diese sollen nur noch für 60 Tage Unterstützung von ihren Organisationen und sür 30 Tage Krisenunterstützung erhalten. UDSB.-U-teraussch-lß USpenick. Die Gcnj-rksdWftsMIeflen treffen sich morgen, Srnntog, vormittags 9 Uhr, mit den SPD..Genossen am Friedhof, zur Kranzniederlegung an den Gräbern der Kapp-Putsch.Dpfer. @ Freie Gewerkschafts-Juaend Berlin Htute siadKn folgende Veranstaltungen statt: Flughafen: Ougeudheinr Flughafenstr. 68. Uebungsabend. Luoendoruppe bes'Zentralverbandes der Anaestellken Wjj Unser Sängerkreis übt heute von A> bis 22 Uhr wt Jugendheim, � Tilsiter Str.<■__ Verantworllich ilir Politik: iZictor Schiff! Wirtschaft:®. ttlingelhöscr: Gciverrichaftsdewegung: 3. Steinet: Feuilletcn: Dr. John Schikowski: Lokales und Sonstiges: Frih Äarstidt,■älnzeinen: Th. Slo-ke: sämtlich in Berlin. Perlag: Porwärts.Berleg© m. b. H. Berlin Druti: Vorrvärts.Kuilidriickeret und Berlagsanstalt Paul Singer u So.. Berlin SB. KZ Lindenitratze 3. Hierzu 2 Beilagen. . Hr. 133* 49. Iabrgang *1« ��0 ��0rll�Cirf0 Sonnabend, 19. MSrz 1932 Neue Brücke** neuer Bahnhof«- JS«S?2SÄ?: So sieht die neue Jannoroitzbrücke, die nach dem modernsten Eisenkonstruktionsoerfahren standen ist, jetzt aus. Bald wird sie für den gesamten Verkehr freigegeben werden können. 'Äuch der alte St adt- "h ahnhof Jannowitz- brücke, der sich für den starken Beruf soerkehr ah völlig unzulänglich erwiesen hafte, ist ganz neu erstanden.>. Unser Bild zeigt die Außen- seite der glasüberdachten Halle, die in diesen Tagen fertiggestellt wird. Oben: Die neue Janiuueitxbrüeke Ihnen; Der neue."Bahnhof Blutiai Im Norden Berlins. Eifersuchtsdrama in der Naugardcr Straße. Em btufigcr Sfreü, der mil dem Tode des cineu der Velei- vgien endeie, spielte sich in den gestrigen Nachmiltagsstunden im Hause Zwrxarder Strohe 44 im Korden Berlins ab. Dort erschoh der 4! Zahre alte Bücherrevisor Alfred L oll es den Inhaber der Wohnung, den 44 Zahre alten Reichsbankbeamlen Alfred hart ig. Der Täter alarmierte dann selbst das Aeberfollkommando und stellte sich den Beamten. Der Streit ist um die Ehefrau des Bank- beamten entstanden. Zur Untersuchung des blutigen Borfalle» wurde Kriminalkommissar Quoh von der Morndinspektion an den Talort beordert. Der Bücherrevisor wohnte bereits seit sechs Jahren bei den Eheleuten chartig. Letzterer ist Obergeldzähler bei der Reichsbank und zur Zeit in Urlaub. Frau charttg ist seit geraumer Zeit schwer erkrankt und bettlägerig. Die Ehe der beiden Leute mar nicht glücklich, fte hatten häufig Streit und Frau S). suchte des öfteren bei dem Untermieter Schutz. Dadurch entstand zwischen den beiden Männern ein gespanntes Verhältnis. Gestern mittag— der Bücherrevisor saß gerade an seinem Schreibtisch und arbeitete— trat chartig in sein Zimmer und brach einen Streit vom Zaune. Nach der Darstellung des..Revisors.habe chartig dabei nach einem Stuhl gegriffen � und fei auf ihn'eingedrungen. Lobes zog jetzt eine kleine Piktoie, Kaliber 6,35, und gab aus chartig zwei Schüsse ob, die diesen in die Brust trafen, chartig taumelte jetzt aus dem Zimmer hinaus und flüchtete auf den Treppenfbir, wo er zufarmnen- brach und oerstarb. Der Bücherrevisor schritt jetzt selbst ans Tele- Phon und alarmiert« das Ueberfalltommando. nach seiner Aufnahme in der Charit« verstarb. wurde beschwgnahmt mnd ins Schauhaus gebracht. Die Leiche Oer Aetna in starker Tätigkeit. R o m. 18. Wärz. Der heupkkraler des A e i u a ist wieder einmal in starker Tätig- keit. Der Rand eines der Auswursskegcl hat sich etwa um drei Meter gesenkt. Der Leiter des Aetna-Obscrvatorlums ist der Ansicht, dah es sich nur nm eine Wiederholung der Tätigkeit des Aetna vom letzten herbst Handell. Er hosst. dah der Vulkan sich darus beschränken wird, die glühende Lava bis zum hals emporzudrücken und dann wieder abzuklingen. Auto stürzt in den Fluß. Barls. 18. März.(Eigenbericht.) In der Nähe von Bordeaux ist am Freitag früh ei» mit sechs Personen besetztes Automobil durch ein Versehen bei der Steuerung in die Geronde gestürzt. Fünf Insassen des Wagens sind ertrunken, der sechste- konnte sich ün letzten Augenblick durch Absprung retten. Das Automobil wurde mit den fünf Leichen einige Stunden später geborgen. Todlicher llnfall eines Radfahrers. Auf der Charlottenburger Chaussee unweit der Großen Quer- alle- ereignete sich in den gestrigen Abendstunden ein schwerer Ver- kehrsunfall. Kurz vor 20 Uhr wurde ein etwa 19 Jahre alter, bis- her noch unbekannter Radfahrer beim Uebcrholcn von einer Auto» droschke angefahren. Der junge Mann kam zu Fall und stürzte auf die Sttaßcnbahnschienen Unglücklicherweise kam in diesem Augen- blick ein Straßenbahnwagen der Linie 73 heran, und der Ver- unglückte geriet mit dem Kopf unter den Schutzrahmen. Er erlitt dabei so schwere Schädelverletzungen, daß er kurze Zeit Bluttat auf einem Arbeitsamt. Dresden. 18. Mörz. Ein aufregender Vorfall ereignete sich kurz nach 8 Uhr im Arbeitsamt auf der Maternistrahe. Aus bisher noch unbe- kannten Gründen gab ein 43 Jahre alter Melker aus Dresden auf eine im Mittelbau des Arbeitsamts stehende 34Iährige Frau aus einem Trommelreoolver zwei Schüsse ab: er richtete dann die Waffe gegen sich selbst. Beide Personen wurden schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Erörterungen der Kriminalpolizei über die Gründe zur Tat sind im Gange. fang 29 & Die große Ausstellung iu allen Funkturmballen.- Sonder' schau„Die billige Wohnung". Am heutigen SonnabendvormUtag wird iu den Funkturmhallen die zweite„M Ö", Möbel- und Elurichlungsschau Berlin 19 3 2, erösfoet. Die Ausstellung bleibk bis zum 3. April geöffnet. 2» ihrem Mittelpunkl fleht die Souderschau„D i e billige Wohnung". Bei der heuligen Erössuungsseier wird Stadtrat Genosse Czemlnski als Vorsitzender des Anfsichtsrats der Gemeinnützigen Berliner Ausstellungs-. Messe, und Fremden»«. kehrs�Ses. m. b. h. aus die große Bedeutung der diesjährigen MSbel- schau hinweisen. Die Ausstellung, die 29 999 Quadratnieter in den Funkturm» hallen in Anspruch nimmt, steht fix und fertig da. In der Hall« III sind diT drei Gruppen von Einrichtungen aufgebaut, die das Er« gsbnis des Preisausschreibens„Die billig« Wohnung" zeigen. und zwar Einzimmerwohnungen von 475 bis 325 M., 1!---Zimmer- Wohnungen von 739 bis 899 M. und Zweizimmerwohnungen zwischen 1(>99 und 1130 M. Jeder Besucher, der sich an der Abstimmung über die besten Entwürfe beteiligt, hat die Möglichkeit, durch Los eine dieser preisgekrönten Wohnungen Jn gewinnen. Die folgenden Hallen zeigen die große allgemeine Möbelschau, in der vielsacki, ent- sprechend den heutigen Wohnungsverhällnissen, K omb inationsz immer und Kombinationsmöbel gezeigt werden Eine Halle est der Aus- stellung der Deutschen Kunstgemeinschaft„Das Bild im Raum" gewidmet, in der erste Meister mit neuen Bildern vertreten sind. Wallfahrt zum Ehrensriedhof. Auch gestern nachmittag war der Ehrenfrtedhos bet Gefallenen vom März 184S das Ziel zahlreicher Berliner Republikauer. Arbeiter und Arbeiterinnen, Angestellte und Beamte, die aus den Betrieben kamen, versäumten es nicht, den Opfern der Revo- lution ihre Ehrerbietung zu erweisen. Besonders auffallend war der starke Besuch des Ehrenfriedhofes durch uniformierte Beamte der Berliner Schutzpolizei und unserer Feuerwehr. Der Geist der Freiheit, die dankbare Erinnerung an den Heldenmut dbr Streiter auf den Barrikaden von 1848 und die fest« Ueberzcugung, dah gerade auch für den Beamten Republik und dcinokvotische Gleichberechtigung unendlich viel bedeuten, sind in der Berliner Be- amtenschaft stark und lebendig. Die Arbeitcrlchast hat es schon immer als eine Ehrenpflicht angesehen, am 18. März die unter dem Zeichen von Schwarzrotgold Gefallenen mit Achtung und Dank zu grüßen. Sie hat es auch in diesem Jahre getan, in dem sie selbst m einem schweren und horten Kampfe gegen den Faschismus steht. Bon den zahlreichen Kranzspenden seien noch nachgetrogen die Kränze der freigewerkschastlich organisierten Arbeiter und Angestellten des Kaufhauses Karstadt A.-G., Hermannplatz, der Wachbeamten lm Emheitsverband, des Arbeiterraucherbundcs und der Belegschaft von Schultheih-Patzcnhofer, Stromstraße. Verlegung der Elternveiraiswahlen. Wie der Amtliche preußische presiedlenst mitteilt, verlängert der lluterrichlsminister mit Rücksicht aus die bevorstehenden Wahlen für die Rcichspräsidentschaft und für den Landtag die für die Eltern- b e i r ä t e festgesetzte Wahlfrist bis zum 26. Zun! d. Z. Der Minister ersucht, den Wahllcrmin so anzusehen, daß die Vorbereitung der Elternbeiralswahlen nicht mit den Vorbereitungen für die übrigen Wahlen zusammentrifft. GoekHe-Ausstellung des Bolksbildungsamies Charloilenburg. An- läßlich der Wiederkehr des 199. Todestages Goethes oeranstaUet das Volksbildungsamt Eharlottenburg in der Zeit vom 22. bis 23 März 1932 in der Kunstgemcrbeschule West, Eharlottenburg, Eosanderstr. 1. eine Ausstellung„Goeihe und seine Zeit". Es werden gezeigt das Buch von und über Goethe sowiÄtne Sammlung zeitgenössischer Stiche aus dem Gaethekrcis. Die Ausstellung ist täglich von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Ordner für prolelarlschc Feierstunden treffen sich morgen. Sonntag, den 29-,%S Uhr früh(pünktlich!), in der Volksbühne zum Dienst bei den Jugendweihen. 9a£ak J&sgid&t Wedämt Qqateäei / Nicht in irgendeiner beliebigen Zugabe/ Die knappe mit Bruchi eilen eines Pfennigs rechnende Halkulation der. tJJuim®) erlaubt Hm/neHsi Begaben wie Werim arken, Gutscheine oder Stickereien, es müßte denn eine Minderung der Qualität erfolgen. ckosetti lehnt eine Änderung der anerkannt guten Tabakmischung ihrer ab und bietet nach uiie vor den vollen ungeschmälerten Tabahiuerf, also das.uias Sie an ihr seit langen Jahren schätzen. Sehnsucht nach dem Adelsnamen Wie aus Hakenfuß Graf Waldemar Wendt von Paley wurde Man duzte sich schnell. Max Sklarek und seine„Soldaten". Im wetteren Verlauf des Sklaref-Prozeffes kam es gesiern nach- Niittag zu einer hefiigen Kontroverse zwischen dem Verteidiger hoff- manus, Rechtsanwalt Dr. Walter Bahn, und dem vorslhenden. die ein scharfes worlgeplankel auslöste und schließlich zu einer R u t c r b r e ch u n g der Sitzung führte. Obermagistratsrat Brandes bekundet aus weitere Fragen des Vorsitzenden, er habe den EIndruL gehabt, als ob Ober- magistratsrat Clcmsntz sich einmal bei den Priifungen irgendwie einmischen wollte, und zwar habe er das aus der Darstellung eines seiner Unterboamten namens Ä r n h l entnommen. Obermagistrats- rat Dr. Clemcntz, der Dezernent bei der Kämmersiverwaltung war, wurde dann über diese» Punkt selbst vernommen. Er gab zu, bei einer Gesellschaft bei Stadtbankdirektor chofsmann mit Leo Sklaret bekanntgeworden zu sein und sich schon nach einer Stunde geduzt zu haben. Leo Sklarek erklärte hierzu, er hätte die Freundschaft mit Clcmentz auf Veranlassung seines Bruders Max gesucht, der gesagt habe:„Ich brauche den Etemcntz für den Kredit wie ein Feldherr seine Soldaten.- Clementz bestritt eine Ein- Mischung in die Prüfungen und betonte, die Direktoren Schmitt und .Wöstmann hätten ihm gesagt, dost Obermagistratsrat Brandes das Lronto Sklarek geprüft und in Ordnung befunden habe. Als Rechts- anwatt Bahn dann dem Zeugen Dr. Brandes die Frage vorlegte, ob Hosfmann bei einer dieser Unterredungen dabei gewesen sei, kam es zu dem Zusammenstoß zwischen ihm und dem Vorsitzendem Anttsgerichtsrat Keßner meinte nämlich, daß die sehr eindringlichen Fragen des Verteidigers nicht zur Erforschung der Wahrheit dienten.— Rechtsanwall Bahn: Dagegen muß ich protestieren, soll das heißen, daß ich nicht der Wahrheit dienen will?— Vors.: Das habe ich nicht gesagt, ich Hab« nur gesagt, daß die Art der Befta- gung nicht der Wahrheit dient, und diesen Vorwurf halte ich auf- recht.— Rechtsanwalt Bahn: Im Interesse des Anwaltsstandes mujz ich dagegen protestieren.— Vors.: Sie haben Ihre Interessen den höheren Interessen unterzuordnen.— Rechtsanwalt Bahn: Ich lasse mir das nicht gefallen! Dazu haben Sie kein Recht!— Dorf. tscharf): Welche Rechte ich habe, weiß ich olleine! Als Rechtsanwalt Bahn dann wester protestiert«, erhob sich der Vorsitzende und sagte: ..Ich unterbreche die Sitzung mit Rücksicht aus den Zustand und die persönlichen Verhältnisse von Rechtsanwalt Bahn. Ich halte es für besser, wenn die Diskussion abgebrochen wird.* Die Sitzung wurde dann auf kurze Zeit zur Beruhigung der Gemüter ausgesetzt, und ging dann, ohne daß man wieder den Zwischenfall erwähnte, in ruhigen Formen weiter. Zu Montag. den 21. März, dem 75. Verhandlungstag des Sklarek-Prozesics, wird Obermagistratsrat Dr. Brandes sowie der Direktor der BVG., B r o l a t, als Zeugs geladen, so daß wieder ein großer Tag bevor- steht. Die Vernehmung der„P y t h i a" der Sklareks, der Frau Seidler, ist für den 24. März vorgesehen. Berliner Tourist vermißt. Mit seinem Führer im Zungfrau-Gebiet verschollen. Basel. 18. März. Ein Berliner Tourist sowie der ihn begleitende Tiroler Führer sind bei dem Versuch einer Besteigung de» Mönch anscheinend ver» unglückt. Die beiden Bergsteiger hatten den Ausstieg am Freitag vom Iungfrau-Jock) aus begonnen und waren bis zum Abend noch nicht nach dort zurückgekehrt. Die Wärter oom Juiigstau-Joch begaben sich auf die Suche nach den beiden, die sie auch beim Eni- stieg des Mönch und später am Grat sahen. Da sie jedoch dann die Spur verloren, verständigten sie die Restungskolonne von Grindel- wald, die heute früh zur Suche nach den Bermißen abgegangen Ist. Neue VerkchrSkarte der BVG. In diesen Tagen ist eine Neuausgabe der bekannten Ver« kchrstarte der BVG. erschienen. Die Ausstattung der Kart« ist gegen früher unverändert. Sie enthält also das Liniennetz der Straßenbahn, des Omnibussos und der U-Bahn. Außer- dem ist der Karte wieder ein Beiheft mit einem Straßenverzeichnis und den Fahrplänen der drei Berkehrsmittel beigegeben. Der Ver- kaufspreis beträgt wie früher 1l> Pf. Die Verkehrstarte ist bei den Schaffnern, den Betriebsaufsehern sowie an den Schaltern der U-Bahn erhältlich. dsm Russischen übertragen von Werner Bergengruen. Wenn ich mich irgendwie auf einer Bank oder Pritsche eingerichtet hatte, so suchte ich möglichst lange völlig regungs- los dazuliegen, aber die harte Unterlage zwang mich dennoch, nieine Körperstellung zu wechseln, und das brachte mir jedes- mal viele Minuten schneidender, reißender Schmerzen ein. Auf den großen Stationen bat ich die Estortemannschaften, niir möglist viel Binden und Salbe zu besorgen» aber jedes- mal bekam ich nur eine einzige Binde. Die„Politischen", die mir damals im Gefängnis von Samara die Nahrungsmittel und den Zettel geschickt hatten» fuhren immer noch mit uns, befanden sich aber in einem iso- lierten Abteil des Waggons. Sie hatten von meiner Krank» heit gehört und versuchten mir in jeder Weise zu helfen: ich war aber völlig appetitlos».und Wäsche konnten sie mir nicht geben» da sie ja in fiskalischer Wäsche und Kleidung steckten. Erst im Omsker Gefängnis wurde ich nach beharrlichem Bitten und Drängeln ins Krankenhaus gebracht. Ich ent- kleidete mich. Der Sanstätsunteroffizier hatte kaum einen Blick auf mich geworfen, als er sich auch schon zu einem seiner Kameraden umwandte und abgehackt sagte: „Lues!" Diese ebenso erschöpfende wie kategorische Diagnose brachte mich in Harnisch. Ich fuhr auf: „Hören Sie, Herr Sanitätsunterofsizier, soviel ich weiß. riskieren es nicht einmal die erfahrensten Spezialisten, ohne eine eingehende Untersuchung eine solche Diagnose zu stellen! Ich habe keine Lues, sondern Furunkulose: Geben Sie mir möglichst viel Salbe und Binden» weiter brauche ich nichts von Ihnen!" Die Ermahnung des Borsitzenden in einem Gerichtsverfahren, unter dem Eid die Wahrhest zu sagen, da auf Meineid Zuchchaus stehe, schließt in der Regel mit den Worten: Der Eid bezieht sich auch aus die Personalien. 2llso selbst ein falsch berechnetes Geburtsjahr, ein falsch angegebener Borname hätte eine Anklage wegen fahrlässigen Falscheidcs zur Folge. Es müssen aber schon ganz schwerwiegende Gründe vorliegen, wenn ein Zeuge durch bewußte falsche Namensnennung sich der Gefahr einer Zuchthausstrafe aussetzt. Wie kam es nun, daß dem Monteur Werner Hakenfuß der Name Gras Waldemar Wendt von P a l c y so gut gefiel, daß er sich nicht von ihm trennen wollte, selbst auf die Gefahr hin, ins Zuchchaus zu kommen? Hakenfuh war, gleich vielen seiner Altersgenosien, als 17jährig«r freiwillig in den Heeresdienst getreten, konnte sich nach Kriegsende vom Soldatenhandwcrk nicht trennen; er übte sich darin in ver» schiedencn Freikorps weiter aus, wurde angeblich im polnischen Grenzschutz zum„Leutnant* ernannt, hatte verschieden« Stellungen in der Landwirtschaft, war zeitweise arbeitslos und beging kleine Straftaten. Im Jahre 1928 trat in seinem Leben eine Wendung ein: Seit dieser Zeit war er nicht mehr Hakenfuß, sondern Graf Waldemar Wendt von Paley. Der Spionageabwehrdienst gegen Polen, behauptet er, habe ihn m*t einem Paß aus den Namen des im Kriege gefallenen Leutnants Mendt von Paley vorsehen. Unter diesem Namen wurde er von den Polen verhaftet und unter Freimilch gesichert. Die Aktion Berlins für die Kinder Erwerbsloser. Seit Beginn der großen Arbeitslosigkeit Hot die Stadt Berlin erhebliche Mittel bereitgestellt, um die Kinder Erwerbsloser kosten- los inst Milch zu versorgen. Ms Mitte vorigen Jahres die Lage der städtischen Finanzen immer schwieriger wuvde, hat sich die Stadt genötigt gesehen, die für die Freimilch zur Verfügung gestellten Mittel erheblich zu kürzen. Das hätte zu einer Verringemng der Milchmenge und zu einer Einengung des Kreises der zu Versorgenden führen müssen In dieser Notlage hat sich der M i l ch h o n d e l bereit erklärt, durch verbilligte Abgabe der Milch an die Stadt zu einem Teil die fehlen- den Mittel zur Verfügung zu stellen. Diese sehr dankenswerte Unterstützung hatte er«tn Halles Jahr lang durchgeführt. Ms am 1. März 1932 durch Festsetzung des Milchpreises durch . den Oberprästdcnten die Handelsspanne für Milchhandel verringert wurde, wollte der Mllchhandel die bisherigen Opfer nicht mehr tragen. Damit war erneut die Gefahr einer Verminderung der Milchmengc und einer Einengung des Lersorgungskreises gegeben. Deshalb Hot das Hauptgesundheitsamt sofort mit allen in Betracht kommenden Stellen Verhandlungen in die Wege ge- leitet, mit dem Erfolg, daß nunmehr die Landwirtschaft von sich aus die fehlend« Summe bereitgestellt hat. Die Verhandlungen sind nunmehr mit Zustimmung des Oberpräsidenton zum Abschluß ge- kommen, so daß die Froimilchoenvrguttg der Kinder der Erwerbs- losen für die Zukunft gesichert ist. Prciskommissar und Hebamme«. Auf Grund von Beschwerden der Bevölkerung über die 5iöhe der Gebühren für die private Tätigkeit der Hebammen ist der Reichskommissar für Prei»üb«rwachung in Verhandlungen mit den wichtigsten Organisationen der Hebammen eingetreten. Die Verhandlungen haben zu folgender Vereinbarung geführt: Die Heb- ammen werden bei Bemessungsberechnungen die infolge der ver- änderten wirtschaftlichen Verhältnisse verminderte Kaufkraft der Bevölkerung weitest gehend berücksichtigen.— Beabsichtigt«ine Hebamme, ausnahmsweise die 5)öchstsätz« der amtlichen Gebührenord- nung im Hinblick auf gute wirtschaftliche Verhältnisie der Wöch- nerin zu überschreiten, so hat sie vor Aufnahme ihrer Tätigkeit mit der Bedingung, daß er nun für s i e arbeite, auf steten Fuß gesetzt: settdem glaubte er sich berechtigt, diesen Namen zu führen. Er stellte sich auf diesen Namen Zeugnisse aus, um ein besseres Fort- kommen zu finden, arbeitete als Graf von Paley auf Gütern, ließ sich als solcher auch anläßlich eines Unfalls im Krankenhaus unter- bringen und hatte als Wendt von Paley Erfolge bei Frauen. Ob die Geschichte von seiner Tätigkeit mit der Abwehrspionag« auf Wahrheit beruht, konnte nicht festgestellt werden. Fest steht, daß ein v. Paley im Kriege nicht umgekommen ist. Hakensuß fühlte sich aber als Waldemar Wendt von Paley, lebt« als solcher angemeldet in Strausberg. So beschwor er als Zeuge in zwei Eerichtsoorhandlungen, daß er Waldemar Wendt von Paley sei. Die Folge der falschen Namensnennung vor Gericht waren zwei Anklagen wegen Meineids. Wenn er nur zu a ch t Monaten Gefängnis bestraft wurde, so hat er dies einerseits dem Sachverständigen Dr Dyrenfurth zu verdanken, der ihn als hyste- rächen Psychopathen schilderte, andererseits dem Umstände, daß das Gericht gegen ihn den Z 157 anwenden konnte, da er sich durch Nennung seines richtigen Namens selbst einer strafbaren Hand- lung bezichtigt hätte: Er war ja unter falschem Namen Polizei- lich angemeldet. Werner Hakenfuß wird durch diese Strafe schwerlich von der Sohnsucht nach dem Adelsnamen geheill werden. Es ist zu be- fürchten, daß Moabit ihn noch öfters in seinen gastlichen Sälen erblickt. der Schwangeren oder Wöchnerin, soweit es bereit Zustaird erlaubt, die anderweitige Festsetzung der Gebühren ausdrücklich zu verein- baren. Oer Mann, der eine Mark raubte. Ein Unschuldiger vnd ein Geständiger. Ein nicht alltäglicher Iustizfall stand heute morgen zur Ber- Handlung beim Schöffengericht Schöneberg. Ein Raub, der mehr als fünf Jahre zurückliegt, fand seine Crledi- gung. In derselben Sache hatte das Gericht bereits einmal im Dezember 1927 einen Furagehändler freigesprochen. Obgleich der An- geklagte seln Midi nicht nachweisen konnte und die in ihrer Laube in Lichtenrade übersalleN« 79iähnge Frau die roten Hände des Furagehändlcrs als die des Räubers erkannt haben wollte. In Wirklichkeit war der Täter ein anderer. Im März von- gen Jahres verbüßte der Sttj ährige Bauarbeiter S., bereits einige Male wegen geringer Verschlungen vorbestraft, im Gerichtsgefängnis Lichterfeld« eine Strafe»on 6 Monaten. Bon Mitgefangenen hört« er, daß ein Juragehändlcr S. wegen des Rcorbüberfalls vor Gericht gestanden habe. Und nun geschah das Seltsame. S. ging hin und erstattete Meldung, daß er selbst der Täter gewesen sei. Zur Zeit der Tat, im Dezember 1926, hatte er seine Arbeit verloren und verdiente sich einige Mark, indem er auf dem Laubengelände Lichten- rade alten Frauen in ihrem Garten hals. So lernte«r die später Überfallene Frau Schmidt kennen, er wußte auch, daß sie ein« monat- liche Unterstützung erhielt. Am 13. Dezember, abends gegen 10 Uhr, begab er sich zu ihrer Laube, sein Gesicht hatte er mit einer schwarzen Binde unkenntlich gemacht. Unter der Vorspiegelung, er sei der Nesse der alten Frau, erhielt er Einlaß und forderte die Herausgabe des Geldes. Die alle Frau gab ihm ihren Beutel, es befand sich darin n icht me hr als 1 M. Die Ueberfallcne lenkt« den Verdacht out den Furagehändler. Der Mann wurde verhaftet, faß viele Monate in Untersuchungshaft und wurde mit knapper Not freigesprochen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen schwerer räuberischer Erpressung zu drei Jahren Gefängnis imd drei Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte hätte sich wohl nicht selbst gestellt wegen einer Tat. die fünf Jahre zurücklag, weim er nicht geglaubt hätte, der andere sei zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Furagehändler hat jetzt Anspruch aus Entschädigung wegen un- schuldig erlittener Untersuchungshast. Der Sanitätsunteroffizier war natürlich wütenü. „Willst du mich vielleicht belehren? Ick) weiß selbst, was los istl Hast wohl Größenwahn, du mit deiner Bildung?" Immerhin hatte ich jetzt Salbe und Binden und verband mir zunächst, mehr oder weniger geschickt, die Beine. Die Krankheit ging deswegen natürlich nicht im geringsten zurück. Dennoch hatte ich es in den nächsten Tagen etwas leichter. In Tscheljablnsk mußte ich mich von Burstein trennen. Er hatte sich eng an mich angeschlossen: jetzt beim Abschied sagte er unter Tränen, ich sei für ihn etwas wie ein leiblicher Bruder geworden und er werde mich nie vergesien. Er gab mir seine Adresse und bat mich, dein Seinen zu schreiben und ihnen von ihm und seinem Geschick Nachricht zu geben. Vor der Zukunft fürchtete er sich, aber er verharrte in seiner Um- düsterung und brachte wenig Glauben an solche Trostworte auf. Als ich sagte, sein Fall böte doch keinerlei Handhabe zu einer sehr langen Freiheitsstrafe, da entwortete er: „Meinetwegen. Aber Sie wissen doch selbst: ein ge- branntes Kind deckt den Brunnen zu." Der Zigeuner und Sitorski blieben in Samara zurück. Bon den alten Bekannten fuhr nur der Mann ohne Gedächt- nis mit mir weiter, nach Sibirien hinein. In Omsk saß er neben mir, als ich krank auf der Pritsche lag. Während er eine Zigarette nach der andern drehte, er- zählte er mir von einem furchtbaren Drama, gleichsam als wäre er dessen Zeuge gewesen. Aus der ganzen Art seines Berichts, aus dem Ton, in dem er sprach, aus allerhand schwer zu bezeichnenden winzigen Nuancen ersah ich, daß der Mann ahne Gedächtnis von sich selber sprach, daß er eine tragische Episode aus seinem eigenen wilden und stürmischen Leben wieder heraufbeschwor. „Da hatte ich einmal einen Freund. Er war längst frei- gelassen, hatte sein Haus, handelte mit Bieh. Cr fuhr auf die Dörfer, kaufte Vieh auf, verkaufte es in der Stadt weiter. Aber wenn er in die Stadt kam und hatte fein Geld be- kommen, dann legte er losl Dann wurde gebummelt, eine Woche, zwei Wochen! Dann mußte Gesellschaft her, alle hielt er frei, konnten fressen und saufen, was sie wollten— hols der Teufel, ums Geld darf es einem nie leid tun! Und hinter den Frauen mar er her! Die mußten in Scharen heran. Dann ließ er Musikanten kommen, Balaleikaspieler. Sie spielten, die Weiber tanzten. Und er selbst konnte tanzen, Teufel ach! Die Sibirier tanzen alle gut. besonders die Hocker. Also er bummell, zecht, schmeißt mit Geld um sich, und dann wieder nach Hause ins Dorf, und dann wieder herum- gefahren nach Lieh. Aber da kam eine böse Geschichte.* Der Mann ohne Gedächtnis sog den Rauch tief ein und stäubte ein paar Tabaksreste von seinem Kittel. „Da war ein Frauenzimmer, nach der leckte er sich alle zehn Finger. An der hing er so, daß er von ihr nicht los- konnte. Sie war vcrdamint hübsch. Stramm, schön, gut ge- wachsen. Blaue Augen, blonde Haare, sie stammte von Donkosaken ab. Aber sie luderte immer herum. Er hat mit ihr oft auch herumgeludert, aber sie hiell es auch mit anderen. Also kurz, sie lebte davon. Sie tat es für Geld. Es war wieder so eine wilde Bummelzeit gewesen, der Kerl fährt weg, hat aber so eine unruhige Seele. Es zieht ihn immer zurück, Gruscha steht ihm immer vor Augen, er kann sie nicht vergessen. Dann fällt ihm plötzlich ein, daß sie sich jetzt vielleicht mit anderen amüsiert, da kriegt er das Kochen vor Wut! Läßt ollen seinen Kram im Stich, fährt zurück zur Stadt. Gruscha, also die wollte ja nichts als ihr Vergnügen haben, Herumludern und tanzen und möglichst viel Geld zu- sammenkratzen. Der Kerl läßt sich das alles durch den Kopf gehen, das Herz dreht sich ihm um, schließlich sagt er:»Komm zu mir, Gruscha, fahr mit. Sollst meine Hausfrau sein! Ein wohl- habendes Dorf, anständige Nachbarn, ein neues Haus, alles ist da. Sollst es gut lzaben bei mir, behaglich! Was hast du denn hier für ein Leben? Gehst vor die Hunde und weißt selbst nicht wofür." Zuerst will Gruscha nicht heran, schließlich gibt sie nach, fährt mit zu ihm, sie lassen sich trauen, leben zusammen. Na. das ist ja klar, was so die Wirtschast angcht, darum hat ,ke sich den Teufel gekümmert. Obwohl sie selbst unter Bauern geboren und groß geworden ist, aber tun will sie nichts. Eben eine Dame, da kann man nichts machen. Den ganzen Tag probiert sie Kleider vor dem Spiegel, legt sich Tücher um die Schultern und wieder heran an den Spiegel. Aber der Kerl sagt keinen Ton. Laß sie, denkt er, soll sie es ruhig ein bißchen gut haben, soll sie sich schön machen. Die Wirtsckzaft geht ja auch so, das Haus ist voll von Knechten und Mägden. Er liebte sie eben so sehr, kann nicht genug be- kommen von ihr. (Fortsetzung folgt.) Schupos als Freiwild. vis Schüsse auf Fiebig/ Prozeß gegen 10 Kommunisten. Sie Schüsse auf den Polizeihauptwachtmeister Fiebig am 1. August vorigen Jahres in der Frankfurter Allee, ge- legcntlich einer kommunistischen Demonstration, waren ebenso be» wüßt abgegeben, wie kurz vorher die Schüsse auf den Polizeiwacht- ineister Kuhfeld, der seinen Verletzungen erlag. Fiebig wurde die Lunge durchschossen, er lag monatelang im Kran- k e n h a u s und hat sich heute noch nicht von den Folgen der Ver- wundung erholt. Vor dem Landgericht I Habci, sich aber heute drei der vermutlichen Schützen wegen gemeinschaftlichen Tot» schlages und Aufruhr zu verantworten, wegen des gleichen Deliktes, neben ihnen noch weitere sieben Kommunisten im Alter von iL bis 63 Jahren. Em Teil der Angeklagten ist vorbestraft, zwei vermutliche Schützen haben das Weite gesucht, und sollen sich in Dtoskau auf- halten. Die Ereignisse des 1. August sollen kurz in Erinnerung gerufen werden. Die Kommunisten hatten für diesen Tag eine Antikriegsdemonstration beschlossen: sie war vom Polizei- Präsidium verboten worden. Ungeachtet dessen sollte sie aber doch durchgeführt werden. Mitglieder der KPD. wurden aufge- fordert, sich in verschiedenen Stadtteilen unauffällig zu sammeln, sich plötzlich zu einem Haufen zusammenzuballen und zu dcmon- strieren. Auch in der Frankfurter Allee fanden sich in den Nach- Mittagsstunden etwa 150 bis 200 Personen ein. Als fünf Polizei- beamte vorgingen, um den Demonstrationszug aufzulösen, wurden sie init Pflastersteinen bombardiert. Die Beamten machten von ihrer Schußwaffe Gebrauch, verletzten dabei zwei Arbeiter, darunter einen tödlich. Einer der Demonstranten, D�eger mit Namen,»nachte darauf den Beamten Vorhaltungen, verursachte dadurch in der Menge eine große Erregung. Als er abgeführt werden sollte, wurde das Steinbombardement erneuert, es krachten Schüsse, der Polizeibeamte Fiebig, der zusammen mit seinen Kameraden den Beamten folgte, die Dreger abführten, brach zusammen. Dreger gelang es, zu entkommen. Im Verlauf der Ermittelungen wurden die zehn Angeklagten festgenommen. Der Angeklagte Dreger be- hauptet, von der Demonstration nichts gewußt zu dabei,. Cr sei zufällig des Weges gekommen und habe auf die Beamten nicht geschimpft, sondern ihnen nur aus höfliche Weise Borhaltungen ge- macht. Der Angeklagte R u d a ch o w s k, bestreitet, sich unter den Demonstranten befunden zu haben, er sei etwa 200 Meter entfernt von der Stelle gewesen, aus der Fiebig niedergeschossen wurde. Er ist des versuchten Totschlages angeklagt. Zur Verhandlung sind etwa 80 Zeugen geladen. In der gestrigen Berhaichlung beantragte bei Beginn der Zeugenvernehmung Staatsaiiwaltschaftsrat Dr. K r e i s m a» n während der Zeugenvernelimungen den Ausschluß der Oesfentlichkeit wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit Er begründete seinen Antrag damit, daß bereits jetzt Zeugen eingeschüchtert und bedroht worden seien. Ein Zeuge, der früher Kommunist gewesen und jetzt zur NSDAP, über- getreten ist, sei an, Morgen aus dem Wege zum Gerichtsgebäude von Kommuliiston beschossen worden. Außerden, aber seien jetzt schon m kommunistischen Zeitungsberichten Belastungszeugen, die noch vernommen werden sollen, als„Polizeispitzel" und„Ar- beiteroerrater" bezeichnet worden Der Anklagevertreter verlangte deshalb auch den Ausschluß der Press«. Das Schwurgericht I lehnte den Antrag des Staatsanwalts aus Ausschluß der Oesfentlichkeit ab, da noch keine Anhaltspunkte für Esiährdung der össentliche» Ordnung und Sicherheit gegeben seien. Der Prozeß wird noch längere Zeit dauern, da über 100 Zeugen zu vernehmen sind. Wie bereits berichtet, sind Rudachowski, Motzte und Pieper wegen versuchter Tötung des Polizcioberwachtmeister» Fiebig angeklagt, die übrigen wegen schweren Laichfriedensbruchs uich wegen Begünsti- aung der als Mittäter in Frage kommeichen Arbeiter Bunte und Rogge, die flüchtig stich und sich in Rußland aufhalten sollen. Vampire der Großstadt. Hohe Strafen für gefährliche Pacht- und Kautionsschwindler. Auf länger« Zeit wurden von, Schöffengericht Berlin-Mitt« zwei Pacht- und Kautionsschwindler unschädlich ge- macht, die durch ihr gemeingefährliches Treiben«ine große Zahl von kleinen Leuten um ihre letzten Crsparniste gebracht haben Der Gastwirt Julius Werner und der Kaufmann Jarqucs Blaustein, die beide schon mehrfach wegen Betrugs vorbestraft sind, ober bisher immer Bewährungsfrist erhalten hatten, pachteten im vorigen Jahre unter betrügerischen Vorspiegelungen, da sie völlig mittellos waren, ein großes Eafö in Alt-Moabit. Auf Grund des Pachtvertrags suchten sie nun Unterpächter, die Kautionen stellen mußten. Die Unterpachten»vurdeu gleichzeitig vielfach vergeben. Die vereinnahmten Kautionen benutzten die Angeklagten, um«in flottes Leben zu sichren. Hinterher betrieb Blaustein denselben Schwindel nodz einmal für eigene Rech» nung. Viele Unterpächter hatten sich, um die tellvxise sehr hohen Kautionen aufzubringen, in Schulden gestürzt. Das Schöffengericht verurteilte Werner zu drei Jahren und Blaustein zu vier Jahren Gefängnis, beide Angeklagten auch zu fünf Icchren Ehrverlust. Mit Rücksicht auf die Höh« der Strafe wurden die beiden Schwindler zur Befriedigung der empörten schwer geschädigten Zeugen sofort im Gerichtssaol verhastet und ins Untersuchungsgefängnis abgeführt._ Preiswettkochen der Gasag. Ein großes Preiswettkochen„7 Tage unter der Herr- schaft de« Kochlöffels", veranstaltet vom Hausdienst der Berliner Städtische Gaswerke A.-G. und vom Ausstellung-, Messe» und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin im Rahmen der 10. Jubi- läums-Reichs-Gostwirts-Messe, findet vom 2. bis 8. April, täglich von 15 bis 18 Uhr nachmittags, in den Ausstellungshallen am Funkturm statt. Vteldungen zur Teilnahme find zu richten an: ..Hausdienst" der Berliner Städtische Gaswerke A.-G., Berlin C2, Stralauer Straße 56—58. Wiederaufnahme des Ausfluosverkehrs der BVG. Am Ostersonntag, dem 27. März, wird der Omnibus- ausslugsvcrkchr a» den Sonn- und Feiertagen vom S t e t t i u e r Bahnhof nach Wandlitz, von P a n k o w- K irche nach Summt, vom Bahnhof Zoo nach N e e d l i tz und Kladow wieder aufgenommen. Die Wagen verkehren vom Stettiner Bahnhof ab g Uhr, von Pankow-Kirchc und Bahnhof Zoo ab 10 Uhr in stündlichen Abständen. Bei Bedarf werden Einsatzwagen ge- fahren. Die Fahrpreise sind gegenüber dem Vorjahre ermäßigt »vordem Kouqreß der deutschen und französischen Jugend. Vom 20. bis 26. März findet in Mainz der 3. d e u t s ch- französische Kongreß des„Sohtbergkreises" 5iarlsruhe statt, an dem etwa 7 5 b i« 100 französische Künstler. Schrift- steller. Journalisten. Professoren, Lehrer und Studenten tellnehmei» werden. Der Kongreß dient der Verständigung zwischen der dsickschen und französischen Jugend und ist mit einer deutsch- französischen Kunstausstellung und einer Buchausstelürng verbunden. Eine Anzahl der französischen Teilnehiner werden iin Anschluß an die Tagung Reifen durdz Thüringen und zu den Goethe-Stätten, nach den Bayerischen Alpen und nad) dem Schwarzwald unternehmen. „Urleile über die Photographie in Wort und B»id" heiß» ein Vortrag, den Professor Dr. E. S t e n g e r- Charlotte», bürg tm großen Horsaat des Film- mid AUdaintes der Sradt Berlin, NW. 87, Levetzowstr. 2,1m Austrage der Freien Foto-Aereinigung Berlin am Sonnabend, 19. März, 20 Uhr, hält. Eintrittspreis einheitlich 30 Pf. Karten sind an der'Abendkasse zu haben. Billiger Sonnabend in, Zoo. Am heutigen Sonnabend, 19. d. M., kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten bereits von 12 Uhr ob nur 50 Pf. für Errvachsene und 25 Pf. für Kinder bis zu 10 Jahren: dieselbe Ermäßigung gilt für das Aquariuin. Der Skandal des Arbeiksamtes! In unserem Artikel in Nr. 131 üt ein sinnentstellender Fehler. Es darf nicht Ueberwachung des Aorhofes, sondern es muß Ueberdachung heißen. Berliner Feriensonderzüge. Die Reichsbahndirektion Berlin teilt mit: In diesem Jahre werden, vorbehaltlich einiger klei- ncrer Aenderungen, folgende Feriensonderzüge vovgesehen: Aach Süddeutschland, und zwar nach Oberboy ern am 29. uild 30. Juni, 1., 2, 3.. V.. 16., 23. und 30. Juli und am 13. und 14. August: nach Stuttgart-Friedrtchs Hasen an» 20. Juni und S.Juli: nach B a s e l- K o n st a n z am 30. Juni, 3-, 9. und 23 Juli und ain 13. August: nadz Wiesbaden-Münster a. Stein am 1. Juli.— Nach dem Riesengebirge, und zwar nach Ober- schreiberhau-Krummhübel ain 30. Juni, 1., 2., 3. und 9. Juli und ain 13. August: nad) Glatz am 1. und 3. Juli.— Nach Ostpreußen sZnsterburg) a>n 30. Juni, 1., 2., 3., 4., 5., 6., 9., 10., 16. und 28. Juli und am 13. und 14. August.— Nach der Sächsischen Schweiz am 1. Juli.— Nach Thüringen, und zwar noch Schwarzburg-Sitzendorf am 1. Juli: nach E i s e n a d) am 30. Juni, ain 2. und 3. Juli.— Nad) dem harz, und zwar nad) Goslar und T h a l e am 30. Juni, an» 1. und 2. Juli: nach Seesen-Quedlinburg am 1. Juli.— Nach dem Sauerland und Söln an» 30 Juni, 1. Juli und am 13. August.— Nach der Nordsee, und zwar iioch 5) a m b u r g- W e st c r l a n d am 30. Juni und 1., 2. und 3. Juli: nach Bremen- N o.r d d e i d) am 80. Juni und 1. und 2. Juli.— Nach der Ostsee, und zwar nach Köslin und Mtsdroy am 1.. 2., 3., 4. und 9. Juli: nad) Swine- münde-Trossenheide am 1., 2. und 9 Juli: nad) Saßnitz< P utb u s ain 1., 2. und 3. Juli: nad) W a r n e in ü n d e am 30. Juni und 1. Juli und nach Lauenburg am 1. und 2. Juli. Die Fahrpläne, Fahrpreise und die allgemeinen Bestimmungen sind aus den etwa Mitte Mai d. I. auf den Berliner Bahn- Höfen zum Aushang koinmenden Bekanntmachungen zu ersehen. Di« 1t2. twllllich«) Schul«. Lüttich«« St«. 4, lad«» zu«wer Beslchtlgun!» von SchUI«rarl>«iton au» dem Werl-, Handarbcits. Zeichen- und Schreib- i-nt-mcht am Sonnabend und Sonntag(»0. und M. März) von 16— IS Uhr im ioesangoiaal wart.) freundlichst ein. Der Eintritt ist frei. Das Osterproqramm des Planetariums. Die Borsührung des neuen Alpcnfilms„ll»n den P iz, P a l ü", dessen Uraufführung iin Planetarünn erfolgte, und der nicht mit Filmen ähnlichen Namens zu verwechseln ist, wird seines großen Ersolges wegen ab Sonntag uin eine weitere Wcnhe verlängert. Vorführungen täglich— außer Montags— 3, 5, 7 und 9 Uhr. In Vorbereitung ein S ü d o st- A s i e n s i l m. der ans dem Material der Usa von Professor Felix Lampe besonders zusammen- gestellt wird. Profesior Lampe wird hierzu selbst den Begleiloortrog übernehmen. Der Zeitpunkt, von dem an der sjilm läuft, wird noch bekanntgegeben. Das Planetarium ist an beiden Öfter seier- tagen geöffnet. Es finden wie täglid) vier Vorstellungen statt, und zwar um 3, 6, 7 und 9 Uhr. Auch am Karfreitag finden vier Vor- stihrungen statt, in denen der Film„Kreuz über der Groß» st a d t" gezeigt wird. Ausstellung Im Werklehrerseminar. Aud) in diesem Jahre wer» den die von den Kursisten des Städtische» Werklehrerseminars an- gefertigten Werkardeiten zur Ausstellung gebracht. Die Ausstellung im Hause der Lel>rersortbildung, Berlin C2, Klosterstr. 75, ist von Freitag, den 18. März d. I., 12 Uhr, bis Mittwoch, den 23. März d. I., mit Ausnahme des Sonntags, täglich von 10—17 Uhr ge- öffnet. Der Bestuh der'Ausstellung ist kostenlos. Tl« V-rcinigun« der Fecund« von Religion und Völlcrsriede» vor- anstaltct an Gvetl, es 100. Tode.Ztan. DieiiStog, dem-2. Mqrz, 20 lllji, in der Aula der Katser-Friedrick-Zchulo am cZmnnnvvIcit), Knesc- beckftraße, eine Gedächtnisfeier. Es wirlen mit: Gertrud Eysoldt lRecktation), Toni Iobner-Böjster fGesang), Hermann Fran» l Begleitung), Richard Klemm(Cello) von der StaalSopcr. Pfarrer Bleier spricht über Goethe als Mensch im d Weltbürger. Karten, die zum Ein- tritt berechtigen, losten 30 Pf. Arbeitslose zahlen 20 Ps. Weller für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, ohne nennens- werte Temperaturänderung, leichte nordwestliche Winde.— Für Deutschland: Im größten Teil des Reichs beständig, nur tm äußersten Süden uud wüdoslen ziemlid, trübe mit Neigung zu Niederschlägen, im Küstengebiet der Ostsee strichweise geringe Sd)auer. KLEINE ANZEIGEN iiinimimumiimiiiiiniumuiiiiimiumiimiiimmciiimmiiiuiiimmimiiiiiiiimiM Preise: UbertchrifHwer, 20 Pf., Textwort 10 Pf. Wiederholungsrabatt: s mal S%, 6 mal A't c,i, 12enol 10?», oder IQbO Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15-000 Worte 70%. Annahme durch den Verlag, Llndenstr. 3['/iP bis 5 Uhr), sämtliche Vorwärfs-Filiolen u.-Ausgabestellen, sowie alle Annoncen-ExpedlHonen Kassefäuse« Mibclhaus Steanbe«. Anll-ldlschrä-tl». ISO breit. nuft b-mmpoliert. 115,—, Schlafzimmer 575, csoldbirle. Schlaf. zimmer 505.—, Speisezimmer, hoch. »legam. S45,—. Rte. swausmahll Stenn betftiohe elf;_' uerKBuie ]( veieu. cittrur. Icber 3tl, Teilzahwna Irans. portable ttachel- Bfcn Badewannen kell-Iöt-n- Oo-b- Horde Nevara. ture». Die an- girma Temmler u Ditnv-ra. Dreode. iietittaSc 9S. Tapeten Sz'.llat.«olouie- fttofte 9. KieidungsstucKs. uiaschs usui. Wenig geteagr»« Slanttffecgccbcrob« von Mrllionärrn. Aerzten, Anwälten. yadelha» billige Pretse. Cmptfhl« TaMenmäntel. Pa. letots. Fracks. Smo. lwgs. Sahrvclan. zilge. Hosen. Sport. cSehpelze- iSelegeio bettstäute tn neuer cdordsro'öc Weite. stör Weg lohnend. iictbringerstraü» 5«. 1 Trepp». Rosen. «41« Plast moDsi Bfttentnatrascn .Priwilstma" 3)1». tollbetten Äuflkge. maitatcn Sbaiie. Isnauco Waltit SlaraardcrNrah« achtzehn, fleimiabci Derliehengewese», Mab et. Kamerling, Äastanlcnallee 5ti, Ckde Felirbelllner. straß». Röbel. lldelsman» nur BlcrauderNraße 14-1»-. Da« Kau« de» gute» Qualitäten- Siapid« 'S'ÄW'.' aus S-lbstl-st-n! 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Pianoe. mibt Rrintcken- borf stam, kellt 19 jeasrsrea�r Rezitationen Mo» WalkoU« Stegntz >t»ftr»9,»Ii- Mli'n ntchtestt »hon- Slegllfi Lerichtsdir«llor die �Personolien und anderes aus den Akten verlesen hatte, begann er: „Atso, es handelt füll um diele hier vor mir liegende Wurst—' „3a®oU, Herr Rat, ganz richtig. Um eben die Wurst, um meine Wurst handelt es sich." Der Landgerichtsdirektor wog die Wurst nachdenklich in seinen ständen— sie mar nicht oben sehr groß, aber auch nicht sehr klein. An ihrem einen Ende trug sie noch den fusseligen Vindsaden, an dem sie vermutlich gehangen hatte. „Erzählen Sie nur etivas von dieser Wurst.'" „Also iä bin arbeitslos. Da wird nur m«ms Wien von Luis« — was meine Schmägeriu is, Luise— diese Wurst gesandt Und irk denke, jck habe'ne Wurst. Die Wurst liegt aber noch auf dem Zollamt. Und das Zollamt sagt, ick soll mal uf Zollamt lammen. Aa. ick foittmc uf Zollamt, und da sogen se mir:„Die WUrst, ne, die Wurst, die können Sc nich kriegen."—„Norm? Mir laust wohl der Äff'? Meine Willst.— ,.Ne ne, die Wurst, die mutz ja nu auf'n Scheiterhaufeii."—„Wut?" sage ick,.gvähin soll meine Wurst?"—„Jawoll, aus den Scheiterhaufen. Di« miß ja nu ver-- ntchtet werden. Qdor wir können sie ooch in't Wasser versenken, in'n Weschaien— wenn Ihnen det lieber ist?"— Also da war mir die Spucke weg. Lck soll mir entscheiden, ob ich meine Wurst ver. brennen soll lafsen oder in't Wasser versenken. Wat mir lieber is, soll ick jagen..." „Sie wat'i'.n sich im klaren darüber, daß die Z3cftünm-ungen, nack) denen sich das Zollamt richten nmtzte, die Rücksendung der Wnnt imch Meli, beziehungsweise ihre Vernichtung, zu einer— wenn auch bedauerlichen— Nruwendigkeit machten;" „Herr Rat. ick habe meine Badürftigkcst nachjewissen. Nützt mscht, de Wurscht wird verbramck." „Gesundhsitsbehördkicher Bestimmungen wegen." „Rischt gegen die Jesinrdbeitsbehörde... Aber meine Gesund- heil, Herr Rot? Det ick— also was icke bin, verstehn®e, Herr Rat — nu einen Antrag stellen soll:„An det Zollamt. Bitte, vanichten Se meine Wurscht"... Wat sagen Se dazu Herr Rat?— Wenn ick den Antrag nämlich nicht stellen tu— hamse mir ans Zollamt jesaacht— denn kann die Wurscht nich vernichtet werden." „Und was wäre dann aus der Wurst geworden?" fragte der Landger, chtsdirektor. „Vielleicht'n Iummiknüppcl, Herr Rat. Dam, war' se vielleicht vorsiejelt worden und in'nen Geldschrank jelegt mit'ne Wache davor. Herr Rat, det es Krise: Zu essen is da— bloß wir ham mscht zu essen." Im Publikum wurde gelacht. „Weshalb baden Sie die Wurst", fragte der LandzerichtÄtrektar, „nicht nach Wien zurückgehen lassen?" „Wenn ick de Wurscht hätte nach Wien zurückgehen lassen, denn hätte ick ooch noch det Porto davon jehabt. Keene Wurscht— und det Porto... det is zu oille für'n schwachen Magen von'n Arbeitslosen. Also, Herr Rat, meine hohen Herren: Ick fasse mein Plädeje Zusammen. Ick habe, wie S: sich übcrzeujen wollen, keen Stückchen von de Wurscht noch abgebissen, mch von't eene Ende und ,V>ch nich von't andre. Alio wat meine Schwagerin Luise jut mit wir jemeint hat. da habe ick nischt von jehabt." „Sie haben dann Ihre ganze Bekamüschaft mobil gemocht, um das Zollamt zu stürmen. Wissen Sie, wie man das nennt? Ära- wall. Dazu kommt tätlicher Widerstand gegen die Staatsgewalt. Bcamtenbelsidigung—".' In' diesem AugenbM wurde der'LaNdgerichtodirekkor, der ganz bestmiint noch viel mehr hatte sogen. wollen, von einem in, Gerichts- jaaj durchaus ungewohisten L>Aut unterbrochen. Es war ein hallendes Flöten, das durchaus nicht aus dem Publikum kam, verbunden mit einem phantastischen Flattern, Knattern und Poltern. Für einen Augenblick versuchte der Vorsitzende die Aufmerksamkeit der Be- l eil igten durch verschärfte Zlkzentuierung wieder herzustellen. „Sic haben stelz des Hausiriedensbruchs schuldig gemacht." Aber der Angeklagte war nicht bei der Sache! er blickte, so wie alle übrigen, auhergcrichtllchen Personen, in die.Hohe. Sogar von den gerichtlichen selber sahen einige hinaus. Der Staatsanwalt freilich, der ein alter Fuchs, ein gewiegter Praktiker, war und hinter jedem Zwischenfall Absichten ahnte, behielt die Wurst aus den, Richtertisch scharf im Auge. Da schrie plötzlich mitten aus dem Publikum eine weibliche, stark ostpreutzisch gefärbte Stimme: „Ach„es, da ovei, fliejei, zwej klejne Lösel.— Ach nej, zwej klcjne Rotkähjlchen sind's." Per Landgerichtedirektor, der sich in dieser Situation keinen Rot wußte, rief den zweiten Wachrineister zu sich her: „Veranlassen Sic mal das Nötige, un, die Tiere zu entferne»." Der WqchtMoifter ging zu seinem Kollegen hinüber, der berests am Fechter auf. einem Stich! stand. Daraus zog der Wächtmeister aus dem Stuhl sein Taschentuch und schwenkte es, so wie ein kapitü- liercicher Posten das tut, tüchtig durch die Luft. Er wollte die Vögel aus sich— das heißt, auf die Möglichkeit, auszufliegen, ammerksam machen. Aber die Rotkehlchen reagierten gar nicht daraus. Mein Gott, wann sehen wir Mensche» mal ein Rotkehlchen an! Wem, wir Ueiuen Kindern Anschaiiungsumerricht geben wollen, oder wenn wir Sonntags in den Zoo gehen. Ach, nicht einmal dort! Wir haben viel inehr Ii'llerefle für braune Damen mit Tellcrlippen, höchstens- nach für einen Seelöwen und für einen kindlichen Elefanten, der es trotz seines Leibesumfangs fertig gebracht hat. zur Welt zu lonnnen. Warum sollte mm ein Rotkehlchen seinerseits einen Wachtmeister ansehen, der auf einem Sticht steht und Fein Taschentuch schipiimi! Roch eaum Gerichtsbeschluß erhielt der dicke Wachtmeister die Weisung, eine Leiter zu holen. Während er hinausging, brummte er unaufhörlich für sich: „Wenn'ck doch bloß wüßt«... mein Jost, mein Iott... wat wollen die doofen Bösel bloß in' Ierichtssaal?" „Also nu kommt meine Wurst ja mal wieder an die Reihe", begann' der Angeklagte. „Sic sind nicht gejragt", unterbrach ihn der Landgerichtsdircltor. Er ergriff diese erst« Gelegenholl, um sich die Wut auf die Bogel wegzuschimpfen. Der nächste Fortschritt in der Verhandlung, in die man nun wieder eintrat, war die Vernehmung der Zeugen. Gleich der erste nmhlc vereidigt werden.'Er«ah beklommen-drein. Die Zeremonie, als das Gericht und mit ihn, das Publikum sich erhob, schien tiefen Eindruck aus ihn zu machen. Die plötzliche, gleichsam fpmllane Bewegung wirkte auf ihn. Und genau in diesem Augenblick war es dem Herrn Rorkehlchen oben wieder einmal zu langweilig geworden. Er fühlte eme drängende Lust im Gefieder, mal in den dunkleren Winkel hmitber- zufliegen, und er wünschte sehr, seine Frau Rotkehl möchte ihm. bloß des Spaßes halber und des Versteckspiels wegen, dahin folgen. Er schwirrte ab— ifrrrrrt— und unten im Saal flogen.die Köpft wieder allesamt. in den Nacken. Unvermittelt war die Szene ihrer Pose beraubt— der Zeuge, obgleich er schon mll. erhobenen Fingern dastand, verlor- itu Augenblick die schlimmste Beklommenheit. Er sah sich zum Publikum: um, und es war ein grinsendes Gesicht, in das er hineinsah. Die Absicht des Londgerichtsdirektors, diesem erneuren Zwischenfall zum Trotz die feierliche Handlung durchzuführen, wurde jedoch vereitelt. Den kurzen Flug, auf den, das eine Rotkehlchen dem anderen nachjagte, dehnten sie beide zu einer Reihe von groß- angelegten Rundflügen aus. Sie schwirrten um den Kronleuchter und flogen andlich in die höchste Region des Saales hinauf, setzten sich dort auf einen Mauervorsprung und schwtsgcn. Die beiden Wachrineister kamen mit der Leiter zurück, sie legten sie am Fenster an, um den oberen Flügel zu öffnen. Aber als der dicke vorsichtig hinaufgestiegen war, erwies sich als richtig, was einige im Saal, die Über ein gutes'Augenmaß verfiigten, schon gleich beim Erscheinen der Leller geweissagt hatten: Sie mar zu kurz. Verzweifelt reckte sich der oben stehende Beamte aus den Füßen— cs sah nach Himullersallen aus—, aber den' Griff des oberen Fensterflügels... nein, den erreichte er nickt. Er war ein großer stattlicher Mann— hätte sein Kollege oder sonst wer hinaufsteigen wollen— die Attton wäre nicht aussichtsreicher geworden. Und die beiden Rotkehlchen, wie aus purer Voshaftlgkcst, saßen oben in ihrem Gebälk und schwiegen. Da stieg der Wachtmeister wieder hinunter, und well er in ehr- liche Wut und in Schweiß gekommen war, Handelle er auf eigene Faust. Er sperrte die unteren Fenster so well auf als es ging, und schrie:„Raus mit euch, ihr Halunken!— Hier is det preußische Iericht!— Wat sucht'r hier? Würmer jibt't hier„ich.— Warten Se noch'n Momang, Herr Rat, ick kriege de beede» Biester noch.— Sehn Se, sehn Se, da fliesen se los." Das Publikum leuchtete vor Begeisterung.—„Sehn Se, Herr Rat, jleich habe ick sie— jleich habe ick sie raus— Jetzt, hup.— Ne, verdammt, da sind se wieder vorbei! Nu zappen se Widder ab in de Höchd«. Der Landgerichtsdirektor winkle den Wachtmeister, wieder zu sich her. „So holen Sie doch, eine längere Leiter, Mann!" Der Wachtmeister ging mit seinem Kollegen ob„ Er chatte die Empfindung, aks ob er vor versammeltem Publikum nicht besonders günstig abgeschnitten hätte, obgleich er an den Mißhclligkeiten und den mißlungenen Unternehmungen dieses Tages doch gar keine Schuld trug. Aber so sind wir Preußen lln Dienst: Wir kommen für alle Vorkommnisse auf, auch wenn wir nicht schuldig sind;, wir haften persönlich. Als die beiden Wachtmeister den Gerichtssaal verlassen hatten, fingen die beiden Rotkehlchen wieder mll ihren Rundslügen an. Die weihevolle Stimmimg war wieder dahin. Schimpfen Vogelpfeifen. Gelächter. Chaos... Der Zlngeklagte trat so dicht als es ging zum Borsitzenden hin und sagte gang sanft: „Herr Rat, ick. weeß Rat." „Dann, zun, Teufel, sagen Sie mir Ihren Rat. Sind Sie vielleicht nebenberuflich Vogelfängsr?" „Meinen Rat, jawoll Herr Rat, den will'ck Ihnen wohl geben", sagte der Angeklagte bescheiden„.aber nur, wenn'ck„«eine Wurscht dafür krüfe." „Schweigen Sic! Sonst kriegen Sie cm Verjähren extra!" In diesem Augenblick schrie einer der Geschworenen wie zu Tode erschrocken auf. Was war geschehen? Dem Auditorium, dos den Porfall begriff, stöckle der Atem, es starrte auf das Rotkehlchen hin, das sich genau über den Geschworenen aus einen, Säulen- vorsprung niedergelassen hatte. Wäre das Rolkehlchen, das, wie gejagt, direkt über dem.Haupte des Geschworenen saß(der sich nun ellig zurückzog), nicht ein Rot- kehlchen,, solcher» ein Mensch gewesen— so wäre es wegen gröblicher Verletzung der guten Sitten i» Tateinheit mll unglaublicher Frechheit zu einer fürchterlich hohen Strafe verurteilt worden. Denn es hatte noch die'Stirn, auf seine Tat vergnügt zu pfeifen. Jetzt mußte ein Gerichtsbeschluß kommen, der dieser Verl)and- lung ein Eiche bereiten, würde. Ein Ausweg mußte gefunden werden, mch well denn das Muß immer das Stärkste im Leben ist, so solch sich mich einer. Der Landzerichtsdircktor gab bekannt:„Das Gericht vertagt sich in einen anderen Saal des Hauses."— Dort ging der Prozeß um den aus der Wurst entsprungenen Krawall weiter. Der An- geklagte wurde freigesprochen, die Wurst aber winde vom Gericht eingezogen. 3.£imperisberg.Smpfindungen heim Ahflurm Jeder ist wohl schon einmal gestürzt, wenn auch nur aus geringer Höhe, und der plötzliche Schrecken, den er dabei empfand, wird die übrigen Empfindungen„übertont" haben. Es gibt aber Fälle, wo ein aus großer Höhe Abgestürzter, der mll dem Leben davon gekommen ist, über seine Empfindungen während des Sturzes genau berichtet hat. So hat am Ende des vorigen Jahr- Hunderts der Schweizer Geologe Heim, ein Gelehrter von anerkann- tem Ruf, in einem Dortrag seine Empfindungen während eines Ab sturzes in den Alpen wie folgt beschrieben: Sobald ich den Boden unter den Füßen verloren hatte, wußte ich, daß ich auf'einen Felsen fallen würde, und erwartete den Stoß. Indem ich mich, so gut es ging, mit den Händen anklammerte und den Schnee fortzu schiebe» suchte, zerriß ich mir. die Finger, ohne jedoch irgendwelchen Schmerz zu empfinden.. Als ich auf den Felsen stürzte, hörte ich ganz genau das'Anprallen meines Körpers, fing aber erst eine Stt,nde später an zu leidem Um meine Gefühle während des ganzen Vorgaugos einigermaßen- beschreiben zu länncn. bedarf es wenigstetis einer.'. Stunde. Die Gedanken und. Bftfcerlzpflei, mll außcrordznllicher Genauigkeit und.Klarheit an mir vorüber. Zunächst dachte ich an die verschiedenen Folgen.' welche mein Sturz nach sich ziehen konnte. Ich nahm mir vor, sobald ich bei vollem Bewußt- sein den Boden erreichen würde, meine kleine Essigslasche aus der Tasche zu ziehen stich mir einige Tropfen aus die Zunge zu gießen Auch dachte ich daran, daß ich meinen Stock nicht fallen lassen durste und hiell ihn sorgfältig fest. Ich wollte meine Prille abnehmen, um sie. nicht, zu.zerbrechen, da die Glqssplitter mir hätten leicht in. die Zlugen kommen können, aber ich erkannte bald! daß die Schnellig- kell eines Sturzes mir eine solch komplizierte Bewegung nicht ge.- stattete. Dann kamen andere Gedanken an d'e Reihe. Ich überlegte die ivellercn Folgen meines Unfalles und nahm mir vor, sobald ich unten angelangt, sei, laut ausgerufen, daß ich nicht verwundet wäre, um nieine Gefährten, unter denen sich auch mein Bruder befand, nicht zu sehr zu ängstigem Jetzt fiel mir meine erste Vorlesung als Privat- I dozent ein, welche ich einige Tage später an der Universität abHallen | sollt« und die nun ausfasten mußte. Darauf, breiteten sich fast alle Begebenheiten meines Lebens in zahlloser Reihenfolge vor mir aus. Dann kam ein Gefühl unbeschreiblichen Wohlbehagens, gerade als ob ich in der unendlichen Bläue des Himmels schwebte, dessen violette Wolken mir von übernattirlicher Schönheit zu sein schienem Mitten in diesen Träumereien hörte ich, wie mein Körper auf den Boden stieß, und hatte gerade-iwch Kraft genug, ein paarmal laut auszurufen, daß mir nichts geschehen sei." Noch schöner, war die„Empfindsame Reise" in die Tiefe, die der A/pimst Sigrist beschreibt. Er� fühlte sich,„als schwämme er, wie durchdrungen von einer überirdischen Glückseligkeit, in einem Meer von Wonne... Ich betrachtete meine Lage ohne die geringste Sorge; dachte an die Zukunft meiner Familie, für die ich mich glück- licherweise in eine Lebensversicherung eingekauft hatte. Rur als dos Fallen aufhörte, habe ich das Bewußtsein verlorem" Einen schauerlichen Sturz tat der bekannte Hochtourist Whymper, der nicht ciusach eine.» Abhang.hiimbrollle oder wie ein aus der vpeicherlnke geworfener Sack, in die Tiefe sauste, sondern am Matter»' Horn 70 Meter tief von Fels zu Fels aufschlug, so daß man hätte denken müssen, es sei kein Knoche» mehr in seinem Körper hell geblieben. ,Ich verlor keinen Augenblick das Bewußlfeii, und wußte ganz genau, was mir geschah, ich zählte sogar jeden Stoß, fühlte aber, wie ein Chloroformierter, keinen Schmerz. Natürlich war jeder neue Stoß heftiger als der vorhergehende, und ich erinnere mich deullich, gedacht zu haben, daß es mll de», folgenden, wenn derselbe noch heftiger sein sollte, mit mir. zu Ende gehen würde. Merkwürdig ist, daß meine Luftsprünge durchaus nicht unangenehm waren, glaube aber, daß ich bei etwas größerer Entferming das Bewußtsein wolü ganz und gar verloren hatte, und darf somit annehmen, obgleich die äußeren'Anzeichen dagegen sprechen, daß der Tod mfolge eines Sturzes aus beträchtlicher Höhe eine der am wenigsten schmerzhaften Todcsarten ist, die der Mensch zu erleiden hat." QejchicMen um Sirimtd ä)er leiste SSoltemien Ms Aristide Bricmd in der Stadt Nantes dos Gymnasium bc- suchte, hätte er einen Mathcmatikleh'rer, der später wie sein Schüler eine Weltberühmtheit wurde. Dieser Lehrer war Prof. Perne, derselbe Jules Perne, der als RomanschriWellcr der Weltliteratur angehöxt. Herr Berne war ein Lehrer, der der trockenen Materie der.Mathematik die interessantesten Sellen abzugewinnen verstand. Der kleine Aristide gehörte zu seinen Lieblingsschülern. Berne war ein vorzüglicher Pädagoge und ein erstaunlicher Menschenkenner. Was er vor einem dreiviertel Jahrhundert von dem Gymnasiasten Briand sagte, tonnte als bestes Charakterbild auch des Mannes Briand gelten. Jules Verne schreibt in einem Zeugnis:„Der junge Briaiüi zeigt nur mäßigen Fleiß, ober erstaunliche Anpassungsgabe, und ungewöhnliches Gedächtnis sichern ihn, trotzdem, wem, er will, den ersten Platz. Der Schüler Briand osmachläjsigt seine Kleidung, aber er ist gütig, unternchmungsluftig.. schlagfertig und sehr gewandt in Leibesübungen."- Mäßiger Fleiß... Erstaunliche Anpassung�- gäbe... Ungewöhnliches Gedächtnis... Gütig, unternehmungslustig, schlagfertig... Vernachlässigt die Kleidung. Ist das nicht, als ob man' noch vor kurzem Aristide Briand leibhaftig vor sich sähe? Jules Verne hat feinem Lieblingsschiller oft aus kleinen Vor- legerchcitcu geholfen, aber er konnte es später nicht mehr tun. als der junge Mensch eine Riesendummheit angestellt hatte. Mit zwanzig Jahren war Briand schon Rechtsanwall in Nantes Aber trotzdem immer noch en, toller Jüngling, der die Freuden des Lebens genoß, mcr sie sich ihm boten. Aristide Briand kam eines Abends aus einer feuchtfröhlichcu Sitzung heim, als ihm an einer einsamen Stelle eine junge Dame begegnete. Man ließ es später als mildernden, Umstand gellen, daß der junge Rechtsanwalt einen kleinen Schwips bei sich trug, denn sonst hätte er frellich nicht getan, was am nächsten Tage ganz Nantes in Aufregung versetzte. Er hatte die junge Dame etwas allzu innig umarmt, man sprach von einem„Satir" und die Polizei fahndete nach ihm. Sie ermittelle denn auch bald, wer dieser„Satir" war. Briand kam vor Gericht, wurde zu einer Ge- fängnisstrafc verurteilt, legte Berufung ein und wurde dam, frei- gesprochen. Wer dsele leidige Affäre genügte, um ihn-in der Klein- stadt Nantes unmöglich zu machen. Er gab die Rechtsamvalttätigkeit in Nantes auf und siedelte nach Paris über. Welleicht war das ein Wink des Schicksals. W«r weiß, wenn die junge Dame von Nantes dem angehetterten jungen Menschen nicht begegnet wäre, ob Briand den Weg nach Paris gesunden hätte?„Zu etwas ist das Unglück doch gut, sagt ein französisches Sprichwort, unk» in diesem Falle hat es recht. Die Angelegenhell geriet jedoch nicht in Vergessenheit Die politischen Gegner sorgten in der gehässigsten Art und Weise dafür, daß der Jugendstreich des„Satirs von Nantes" der Nachwelt erhalten blieb. Wie Jules Verne das schon sagte, war Aristide ein Mensch von „mäßigem Fleiß". Das ist keineswegs übertrieben Er betrat die Tribüne ohne die geringste Vorbereitung, aber bald hatte er sich In solche Begeisterung geredet, daß er die Hörer mitriß. Briand ver- fügte über ein stark modulationsfähiges Stimmorgan, das man nicht zu Unrecht als das„Cello" bezeichnet hat. Gewiß ist es nicht wahr. was die bösen Zungen behaupteten, daß nämlich Aristide Briand niemals ein Buch gelesen habe. Doch«ii, großer Gelehrter war er nicht und einen mächtigen Sack historischen Wissens trug er nicht mit sich herum, im Gegensatz zu dem Antipoden Poincarä. Briand hat oft die schlimmsten Böcke in historischer Hinsicht geschossen. Im Jahre 1902 verfaßte er als Kultusminister eine Denkschrift über die Frage der Trennung von Kirche und Staat. Dabei verwechselte er in der historischen Begründung die Karolinger mit den Kapetingern. Aus dem.Konzil von Trient", was französische„Trentc" geschrieben wird, wurde„trente", das auf französisch auch.dreißig" bedeutet, das„Konzil der Dreißig". Das waren Schnitzer, über die man seinerzeit viel gelacht hat. Sie waren indes ohne Bedeutung. Das Ziel, das Briand sich vorgenommen hatte, die Trennung von Kirche und Staat, setzte er durch. Wenn man Briand nicht als französischen Patrivten, nicht als Stoatsmami würdigt, so muß man seiner als Bohcmien gedenken. Aristide Briand war der letzte Bohemien einer zersließendci, Epoche. Was besagte ihm Luxus? Nichts. Er wohnte und starb in einer kümmerlich ausgestatteten Vierzimmerwohnung. Er suhlte sich wohl in einem kleinen abgelegenen Landhause, das eher eins Hütte war. Als ihm der Nobelpreis mit Gustav Stresemann mlarmrien überwiesen wurde, besaß Briand noch nicht einmal ein Bankkonto. Der einzige, Luxus, den dieser letzte Bohemien trieb, war der aller Bohemien: Freiheit, Unabhängigkeit und— Ziga- retten Aus dem Nachttisch des Sterbezimmcrs stand noch der Aschenbecher und daneben lag ein angebrochenes Paket cnlnikotini- sierter Zigaretten... Ar.<33• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend,<9. März 1932 m Als biet der Reicht unsere Getreidedecke? Klarheit über die Geireideversorgung.- Gefährliche Schönfärberei. Unterlagen für die staatlichen Maßnahmen auf dem Gc- Getreidewirtschaft diente bisher ausschließlich die Statistik des Deutschen Landwirtschaftsrats über die sich in den chändcn der Landwirtschaft befindenden Borräte. Nicht erfaßt wurden bisher die Vorräte der sogenannten zweiten Hand, d. h. die Vorräte in den Mühlen und Lagerhäusern. Diese für die Agrarpolitik peinliche Lücke ist durch neu« Erhebungen, die vom Statistischen Reich-amt und nicht, wie die Borratzerhebungen bei der Landwirtschaft,-von einer Jnteressentenorganisation durchgeführt wenden, jetzt geschlossen. Die ersten Ergebnisse zeigen— sie werden monatlich fortgesetzt—, daß in den Lagerhäusern und Mühlen etwas mehr Vorräte lägern, als man angenommen hat, wenn auch die Richtigkeit dieser erstmaligen Statistik keine absolute ist. Im einzelnen waren vorhanden: inländisch ee mislandischcr Herkunst(in 1000 t) Weizen................ 437 104 Roggen................ 199 159 Hafer................. 129 1 Gerste.............. 128 51 Wcizenbackmehl............ 140 8 Roggenbackmehl............ 59 2 Bedauerlich ist es aber, wcim zu diesen Ergebnissen dos Reichs«rnährungsmillist«rium Ausführungen verbreitet, durch die der Eindruck erweckt werden soll, als ob aus Grund der Vorratsstatistik erwiesen sei, daß die Versorgung mit Brot- getreid« bis zur neuen Ernte aus den vorhandenen Vorräten sichergestellt sei. Die geiiau« Auslegung der Statistik ist aber wichtig, weil aus Grund der Ergebnisse die künftige Handhabung der Weizenvermohlimg und der Weizenzölle erfolgen soll. Jede einseitige Schönsärberci des Rcichsernährungsministeriums ist des- halb gefährlich. Falsch ist es zunächst, wenn man die Vorräte der Landwirt- schaft, die am 15. Februar erhoben wurden, den Mühlenoor- raten vom 1. März zeitlich gleichstellt. In der Zeit vom 15. Fe- bruar bis 1. März nahmen die Getreideoorrät« im vorigen Jahr bei Weizen>in> 120 000 Tonnen, bei Roggen um 380 000 Tonnen, d. h. um 5 Proz. der Ernte ab. Die Vernachlässigung dieser Vor- ratsverringerung wird vom Rcichsernährungsministerium damit be- gründet, daß nur 90 Proz. der Mühlen Bericht erstattet hätten und insolgedessen die Vorräte größer seien. Dabei wird aber ver- schwiegen, daß die fehlenden 10 Proz. der Mühlen nur kleine Bc- triebe sind, deren Lagerraum nur 2 Proz. des vorhandenen Lager- raumes umfaßt. Ferner geht das Reichsernährungsministerium immer von den Gesamtvorräten der Landwirtschast aus, ohne anzugeben, wieviel davon verfüttert oder in anderen Betrieben verwandt wird. Mit derartigen Milchmädchenrechnungen kann man natürlich ümner das beweisen, was man gern beweisen möchte. Schaltet man soweit als möglich alle Fehlerquellen aus, dann gelangt mon zu folgendem Ergebnis: Brokzekreideverforgungslage am 1. März 1932. Bei den Mühlen und Lagerhäusern waren vor- Händen(Mehl in Getreide umgerechnet). Im Besitz dcr Deutschen Gelreidehandelsgesell» schaft, noch im Ausland lagernd..... Bei der Landwirtschaft oerkaufsoerfügbar.. verfügbare Vorräte insgesamt Wetzen Roggin in 1000 Tonnen 750 450 670 260 53p 1420 1240 Mühlenbedarf bis zur neuen Ernte.... 1 650� 1 575t Demnach besteht ein Einfuhrbedarf von... 230 335 ' Mitte AuguN; j Mitte Zuli. Weder beim Roggen noch beim Weizen decken die vorhandenen verkaussv er fügbaren'Lorräte den Bedarf bis zur neuen Ernte. Wohl kann bei Raggen der Einfuhrbedars gesenkt werden, aber hierzu ist notwendig, daß eine vernünftige Futtergetreidepolitik. getrieben wird. d. h. wenn durch eine Verbilligung des Futtcrgctreides die Verfütterung von Otoggen unrentabel wird. Damit würden sich die Verkaufs- verfügbaren Vorräte bei der Landwirtschaft erhöhen können. Di« Forderung nach weiterer Erleichterung der Futtergetreide- «infuhr hat die Sozialdemokratie schon seit langem er- hoben. Das Reichsernährungsmini fterium hat ober bisher unseren Forderungen sowohl, nach Erweiterung der. Ver- billigungsaktion für H ü h n e r m o i s wie auch nach einer Er- leichterung der G e r ft e n e i n fu h r nicht entsprochen. Pie jetzt veröffentlichte Vorratsstatistik zeigt klar, wie richtig unsere Forderungen sind, und wie notwendig es ist, eins Aendcrung der Futtcrgetreidepreispolitik vorzunehmen. Ebenso eindeutig geht aus ihr hervor, daß eine Herabsetzung des Vermohlungs- Zwanges und eine Senkung des Weizenzolles in nächster Zeit erfolgen muh, wenn ein« sonst nicht zu umgehend« Preissteigerung vermieden werden soll. Die Wahrheit über die Preisschere. Wie steht es mit der Aot der Landwirtschast? Daß die Not der Landwirtschast seit jeher von den landwirtschaftlichen Interessenten übertrieben wird, ist bekannt. Was ist kürzlich wieder alles geredet worden über die im nächsten Ernte- jähr durch Einschränkung des Kunstdüngeroerbrauchs drohende Hungersnot! Ellenlange Entschließungen sind gefaßt worden; der Landdund forderte, keinen Dünger einzukaufen, wenn nicht gleich- zeitig die Regierung eine Garantie für die nächstjährigen Getreide- preise übernehmen will. Trotz dieses Geschreis haben die Land- wirte aber, wenn auch naturgemäß unter dem Druck der niedrigen Preise für Veredlungsprodukte, in verringertem Maße recht be- trächtliche Düngerbestellungen vorgenommen. Wie erhält man ober ein zutreffendes Bild von der wirklichen Lage der Landwirtschaft? Ein guter Maßstab für die Entwicklung der Dinge ist ein Vergleich der Preise für landwirt- schastliche Erzeugnisse mit denen für die Pro- duktionsmittel, welche die L a n d w i r t sch a s t von der Industrie kaufen muß. Nur darf man hierbei nicht de» Gesamtindex für Agrarstoff« dem Gesamtindex für industrielle Fertigwaren gegenüberstellen, wie es vom Landbund und anderen Interessenvertretungen zu demagogischen Zwecken geschieht. Vielmehr muß man die Einnahmen und Ausgaben einer typischen Getreide- bouwirtschast und einer typischen Futterbauwirtschast vergleichen, um ein Bild von der Lage des Getreidebaus und der veredelnden Bauernwirtschaft zu erhalten Eine solche Gegenüberstellung der Indexzahlen zeigt folgendes: 1913- 100 1930 Getreidewirtschaft: landwirlschaslliche Erzeugnisse.. 116 landwirtschaftliche Betriebsmittel. 114 Futterbauwirtschaft: landwirtschaftliche Erzeugnisse.. 116 landwirtschaftliche Betriebsmittel. 109 Januar 1932 103) Preisschere 100 J geschlossen 86 96 V Preisschere 1 offen Die agrarische Preisschere ist alsp nur bei der Futterbauwirtschast geöffnet; die vor allem Fleisch, Molterciprodukte und Eier aus den Markt bringt zuungunsten der Landwirtschaft, während die Lage der Getreidewirtschaft sich seit 1930 nicht verschlechtert hat; im Gegenteil, sie hat sich verbessert, da die Löhne, die hier nicht enthalten sind, mindestens 10 bis 15 Proz. unter denen von 1930 liegen. Bon einer beson- deren Notlage des Getreidebaus allein kann also k e i n c Re d e s e i n. Dagegen geht es im Verhällnis zum Jahre 1930 der Ver- edelungswirtschaft jetzt schlecht, was wir auch stets anerkannt haben. Die Verbesserung ihrer Lage, die durchaus zu wünschen ist, kann in dcr Jetztzeit aber nicht durch eine Preis- erhöhung für ihre Erzeugnisse erfolgen, denn jede Preissteigerung muß heute zwangsläufig zu einem Absatzrückgang führen,.weil die Kaufkraft der Verbraucher so niedrig ist, daß jede Preiserhöhung mst einem Konsumrückgang beantwortet wird. Also muß ein anderer Weg eingeschlagen werden, um der Ver- edelungslandwirtschaft zu helfen. Dieser Weg kann nur, wir die Sozialdemokratie es schon lange fordert, in einer Senkung ihrer Produktionskosten bestehen, d. h. in einer Erleichterung der Futter getreideeinfuhr. Eine dauernde Besserung aber bleibt von der Stärkung der Kauf- kraft der breiten Massen dcr Bevölkerung abhängig. Das Reich in der Bauwirtschast. Deutsche Bau- und Bodenbant krisenfest. Die Deutsche Bau- und Bodeubauk. deren Kapital von 34,3 BUl- lioncn säst ganz im Besitze des Reiches ist, legt jetzt für das Krisen- jähr 1931 einen Abschluß vor, der dank der vorausschauenden Politik der Verwaltung eine kräftige widerslandssähigkeii gegenüber den Einwirkungen der Kredikkrise aufweist. Selbstverständlich hat der Zusammenbruch des privaten Bank- wcsens und die besonders starke Depression in der Bauwirtschast auch die Bilanz der Deutschen Bau- und Bodenbank beeinflußt. So ging der reine Umsatz auf einer Seite des Hauptbuches zum erstenmal seit 1924 wieder zurück, und zrpar verringerte er sich von 5,40 auf 4,70 Milliarden Mark. Die Bilanzsumme sank von 243 auf 213 Millionen Mark. In der Gewinnrechnung kommt dieser Rück- gang der Geschäftstätigkeit infolge erhöhter Zinseinnahmen aber nicht zum Ausdruck. Bei einem Rohertrag von 6,31 gegen 6,01 Millionen Mark aus Zinsen und Provistonen verbleibt iwch Abzug von 2,28 Millionen Mark Unkosten sowie erhöhten Abschreibungen von 0,30 Millionen Mark ein gegenüber dem Vorjahr jast unverändert hoher Reingewinn von 3,72 Millionen. Hieraus wird wieder die höchst zulässige Dividende von 5 Prozent aus- geschüttet, eine Million wird dem gesetzlichen Reservefonds und eine weitere Million der R Ü ck st c l l u n g für schwebende Gs- schäfte überwiesen. Schon im vergangen«» Jahr wurde eine Restrve für Verlust« aus schwebenden Geschäften in gleicher Höhe vom Gewinn zurückgestellt, und wenn auch diese Reserve für die im letzten Jahr entstandenen Ausfälle nicht in Anspruch genommen zu werden brauchte, so sind doch diese starken Sicherung«» bei dem besonders großen Risiko, das die Bauwirtschast in ihrer jetzigen Lage bietet, durchaus zu b i l l i g e n. Eine erfreuliche Leistung war«s, daß die Bank auch nach den Ereignissen im Juli 1931 ihre Liquidität voll ausrecht- e r ha l t e n und. der Bauwirtschast sogar noch die für Lohn- Zahlungen erforderlichen Barmittel sowie zur Weiterführung von Notstandsarbeiten notwendigen Gelder zur Verfügung stellen konnte. Drohende Stillegung größerer Bauvorhaben und damit stärkste Er- lchütterungen des Baugewerbes konnten hierdurch vermieden werde». Dabei hat der Run au' die Banken auch die fremden Gelder, die bei dem Institut angelegt waren, empiindlich verknappt. Allein aar ausländische Gläubiger mußten vom Juli bis Dezember etwa 10 MU- lioneu' Mark zurückgezahlt werden. Obwohl es gelang, sogar in diesen stürmischen Zeiten neue Kreditoren zu gewinnen, mußten diese Ereignisse in dcr Gewährung neuer Kredite doch bremsend wirken. Jedoch gingen die Forderungen aus Krediten— in der Hauptsache werden Zwischenkredite zur Bevorschussung erster Hypotheken gegeben— von 179,2 Millionen Mark im April und 166,2 Millionen Ende Juni bis zum Jahresende mit 133,6 Mil- lionen Mark nicht allzu stark zurück. Die Gläubiger verminderten sich infolge des Bankenruns von 162,3 auf 122 Millionen Mark, davon 30,3 Millionen Mark schöner weißer Zähne —aaPME'iiiT'irwini—WTOgma—gJgTfWiirm gefäidien Zahnbelages ist folgender: Drücken Sie einen SNana Chlorrdont-Zahnpaste auf die trockene Chlorodont- Zahnbürste(Speziawürste mu gezahntem Borstenschnich, oürsten Sie Ihr Eebist nun nach allen Seiten, auch von unten nach oben, tauchen Sie erst iest die Bürste tu Wasser und spilleil Sie mit ehlorodoni-Mundwasser unter Euraeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sie überraschen! Der nMaibene Zahnbelag ist verschwunden und ein herrliches ffieiilljl der Frische bleibt zurück. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmunzen und verlangen Sie ausdrücklich Chlorodont-Zahnpaste. Unter-Dorlriegspreise. Seht kannjedefSMAMANXAfaggf! Es wcfreT�isdmendimg.mmderwertige Schuhe U zu kaufest, seit Salamander Qualität so billig ist! M innerhalb 7 Tagen faMg. Die eigenen Guthaben bei Banken sanken um rund l7,l> aus 17,3 Millionen Mark, da der Abfwß der fremden Gelder zum Rückgriff auf dies« flüssigen Mute! zwang Wertpapiere haben sich von 4,01 aus 12,1 Milliönen Mark erhöht, da»an den aus der Kapilalerhöhung geflossenen Geldern 8 Millionen in Reichs- bahn-Vorzuzsaktiin hier angelegt wurde». Das Personal hat sich von 290 aus 263 Beamte vermindert. Die Bezüge der sechs Dorstandsdirsttoren erreiche» 24SS60 M. bei insgesamt 1 560 800 M. Personalunkosten. VögZer im Kreuzverhör. Eine Deneidioung voller Widersprüche. wer aus der Generalversammlung der verein igle Stahlwerke - Zl.-G. eine grundsätzliche Erklärung der Verwaltung über Saale- runasmatznahmcn der durch Sarlellpolilik und Zehllnveslilloncn völlig versahreuen BelrUbslage erwartet hatte, sah sich schwer eul- täuscht. Immerhin sördcrle aber das Kreuzverhör des Konzern- leite» einige interessante Tatsachen zutage. Generaldirektor Vogler erging sich des langen und breiten über die untragbaren össentlichen Belastungen des Unternehmens, wobei ihm aber einige krasie Widersprüche unter- liefen, die festgehalten zu werden verdienen. So erklärte er in seinem Bericht,„daß es immer unmöglicher werde, die Einnahmen und die Ausgaben in Einklang zu bringen", aber in seinem Schluß- wort nach der Aktionärsdebatt« stellt« er fest, daß bei Eintreten einer nur bescheidenen Soniunkturbrssening„angesichts der günstigen Selbstkostenlage wieder auf Gewinn zu hassen sei". Was ist Wahr- helt?, möchte man hier mit Pontius Pilatus fragen. In einer anderen nicht weniger peinlichen Frage, der Erzlieferungsverträge Mit Schweden, verteidigte sich Vogler damit, daß es Pflicht der Per- waltung gewesen fei, für eine regelmäßige Zufuhr auf lange Sicht zu sorgen. Er Muhte sich aber zu dem Zugeständnis bequemen, daß die Verträge 1923 laufend bis zum Jähre 1942 auf der Grund- tage einer Tagesproduktion von 16000 bis 18009 Tonnen Rohelse» abgeschlossen seien, wogegen jetzt die Pro- duttion bei den Vereinigte» Stahlwerken nur noch 6000 Tonnen je Tag beirag«, fzier offenbart sich allerdings die weit vorausschauende Geschästspvlitik der Stahltrust-Direktoren, die auf 13 Jahre jede Konjunkturschwankung aus ihrer Kalkulation aus-! schaltet«, In einer geradezu klaisischen Form. Kapitalfehlleitungen haben nach cherrn Vögler in der ganzen deutschen Schwerindustrie Nicht stattgefunden. 2m Gegensatz zum Ausland« habe dl« deutsche Eisenindustrie nur rationalisierend und qualstäteverbessernd gearbeitet(I!), nicht aber die Kapazität vergrößert. Um Nach den Hunderten von Millio- nen fehlgeleiteter Kapitalien, die mit ensrmen Geldern erbauten Riesenanlagen, dt« teils leer stehen, teils überhaupt nicht in Bs- trieb genommen wurden, den Serien von Koksofenbotterlen, den Schachtanlagen, die nur erschlossen wurden, um wieder stillgelegt zu werden, um nach alldem eine derartige Behauptung vor der Oefsent- lichkeit aufzustellen, benötigt man schon die eisern« Stirn der Herren an der Ruht. Oie Industrie zur Handelspoliii?. Ln der Sozialpolitik bleibt Reaktion Trumpf. Das Präsidium des Reichsoerbandes der deutschen Cfftdustri« trat gestern zu einer wirtschaftspolitischen Tagung zusammen. � Im M.tteipunkt der Perhandlungen standen die Devisen» und Handelspolitik sowie die Frag« der A r b e i t» b e s ch a s f u n g. Einstimmig toulde die Meinung vertreten, daß alle Möglichkeiten, die organisch zu einer Perminderung der Arbeitslosigkeit führen könnten. Ausgeschöpft werden müssen. Alle künstlichen, mit Milliardensummen rechnenden Programme der Arbeitsbeschaffung und die damit zu- sammenhängenüsn FinanzierunzSvorschläze seien jedoch a b z u- lehnen. Für zusätzlich« Arbeitsbeschafsunz käme allein der bisher zurückgestaute Bedarf in Frage, wenn hierfür, wie auch der Reichswirtschastsrat betont habe, brauchbare Finänzierungsprojette vorgelegt werden könnten. In der handelspolitischen Debatte wurden in erster Lim« die englischen Höchschugzotle, welche die deutsche Ausfuhr be- sonder» schwer betroffen hätten, behandelt. Es wurde darauf hin- gewiesen, baß England sich nicht über deutsche Maßnahmen, die die Einfuhr einzelner englischer Waren hinderten, beschwert fühlen könne,! nachdem es selbst durch seine Notzölle die Einfuhr vieler typischer deutscher Exportartikel zu 100 Prozent verhindert habe. Es wurde festgestellt, daß die engilschen Schutzzollnwßnähmen die Grundlage des deutsch-englischen Handelsvertrages zuungunsten Deutschlands verschoben hätten, und eine» klaren Verstoß gegen die Bestimmungen de» Vertragsprotokollo bedeuteten. Das Präsidium erwartet ooit der Reichsregierung, daß sie diese» grundsätzlichen Be- stimmunzen baldigst wieder zu einem Erfolg eerhelfe. Bei der Behandlung der innerpolitischen und innerWirtschaft- lichen Fragen kamen, wie nicht anders zu erwarten war, wieder aus- gesprochene sozialreattionäre Tendenzen zum Ausdruck. Von der Regierung wurde gefordert, die Grundlagen für eine rentable Wirt- schast durch Wiederherstellung der privaten Initiative zu schassen, was aber nur dann Möglich sei, wenn die Arbeitsdediiigung«» künstig wieder auf freien Vereinbarungen über dl« Löhn« und Arbeitszeit abgeschlossen würden. Wenn die»n Reiehs- verband vereinigten Unternehmer nur«inen Bruchteil der Energien, die sie zur Zerschlagung d«, Tarlssysteins und Arbeitsrechtes ver- ausgaben, auf die Sanierung übcrkapitalisterter und hoffnungslos belasteter Betrieb« verwenden würden, so würden sie die Grund- lagen einer rentablen Wirtschaft weit schneller verschaffen, als mit dem pathetischen Ruf nach Wiederherstellung der privaten Initiative, die auf der ganzen Linie versagt hat. Aeues Geld sür Rheinische Landesbank. Die Landesbank der Rheinprovinz ist infolge der Fehldisposi- tionen der früheren Leitung, die mohr al» 120 Millionen Mark kurz- frlstig genommen« Seider langfristig ausgeliehen hat. schon seit langer Zelt in Kassenschwierigkeiten. Jetzt z»igt sich, daß die erst« vom Reich gewährt« Kassenhilfe nicht ausreichend ist. Man hat die dringendsten Bankgläubiger kurzfristiger Schulden damit befriedigt. Letzt werden wieder mindestens 70 Millionen Mark gebraucht, um weiter« fällig« kurzfristige Schulden zurückzuzahlen. Auf der anderen Seite find die Städte und Gemeinden, die die kurzfristigen Gelder langsristlg erhallen haben, infolg« der besonderen Belastung aus der Wohlfahrtsfürsarge großenteil» nicht einmal zur Zahlung der fälligen Zinsen imstande. Die Rheinische Landesbank hat an die Reichsbant entsprechend» Anträg« gerichtet. Dabei ist betont worden, daß«in« endgültig« Bs- fettigung der Schwierigkeiten der Rheinischen Üandcsbank nur Im Zusammenhang mit einer ristlosen Ordnung d«r kommuiurlen Finanzoerhällnisie und einsr Entlastung dir Kommunen von den Wohlsahrtslasten möglich sei. Freilich hat die frühere Leitung der Rheinischen Landesbank durch falsche Politik auch Verlustgeschäft« oerschuldet, so daß von dem 40-M:llionsn-Kapital und den 9 Mil- kionen Reserven jetzt schon ein Test verloren Ist. Relch-post und Deuksch-Aklanklsche Telegraphenaeseklschafl. In ilrbekksgemeinschast der Sindersreunde Grast- SerNa. ihrem jetzt oerösfenllichten Geschäftsbericht äußert sich die Deutsch» Atlantische Telegraphengesellschaft, die den Kabelverkehr nach Ueber- se« betreibt, nur sehr dürftig über die Zusammenarbeit mit der � Reichepost. Diese hol bekanntlich im vergangenen Jahre die Transradio A.-G. ein Konkurrenzunternehmen von Deutsch- Atlanten übernommen. Aus der letzten Generaloersammlung ver- trat die Gesellschaft den Standpunkt, daß man bei dem überseeischen Kaieiverkehr gegenüber der Reichepost nicht zu kurzkommen werde. Wir wollen hoffen, daß die Reichspost bei der Zusammen- arbeit mit diesem Prioatuniernehmen ihre öffentlich«« Jnteresi.n nicht in den Hintergrund gerückt hat. Jugendweihen der fozfalisten, FreieTenker und Gewerkschaften Berlins Morgen, Sonntag, den 20. März Adlenhof: Saal von Wöllstein. Bt-rnarcksirafee Beginn 11 Uhr. Weiherede: R-klor Wend dre Berten: Volksbühne, Theaier am Pülowphf«. Beginn OH Uhr. Berlin: Vo k bohne, Theater am BOIowp'at« Beginn 12 Uhr. Hohen-Meucndoii: Rest.Zur Klause' a. Bahnhof Beginn 10 Uhr. Weiherede: Willi Wo!» Köpenick; Aula d. Dorotheemchule, Oberspreesfr Beginn 10 Uhr. W iherede: Dr Kurf LCwensiein, M d R. Lichtenberg: Aula der Schule Schi rHa'lee Beginn 10 Uhr. Neukölln; Neue Well, grober Saal, Hasenheide Beginn 10 H Uhr Weästensee: Aule der we'fKdien Sdsule, Park-, Ecke Amalien» trabe. Beginn 10 Uhr. Welturede; Lehrer Weib. PROGRAMM: Musik, öesartgs-, Sprech- und Bev egungschöre. Reritatlonefi, Weiherede In der Voitobühnei Auhühfun1? des jugendweihespiels von Waller May: .Zurr Lande der Gerechren" Cn Ncolfllln t Aufführung des Jugendweihespiels von Bruno Schönlank; „Seid g»eihil' Eintritispreis: Castkarien 70 PI,(Volksbühne und Neukölln 90 PIX KindCikarten 50 P(. Elntri'tskaitert rind am Tage der Weihen an den Kassen erhShliCh. Alle Räume«erden>/« Stunde vor Beginn eöffnet. Groß-Berlin EimcnDungcn für btefe Rubctl sind B e 1 1 1 n c® 68, iHttdenftreftt Z Ret« en de» OcitctsfeteetirTtcl i. Cef. I Ictpueu rechte, zu richten Aus uklfeche Vnitencn von PerleigenetzeW teile» wie Sit, daß»och Seil. lertc»< 9» Ps.) für die maege«, Sanniaa, ja dee ValtbShn- paiifiodendeu Sugeedweihe» tu» 9.3«»ab 12 ilhe an der Rolle erhältlich sind. Montag, den 21. März, 19.30 Uhr, äußerst wichtige Versammlung partelgenöiiischsn!ll-ing!ir:ner im Lokal vrn Heinze, Berfusste. 17, B. Sceis. der p-...________>»„.»>>. W Ecke Glaegawer Straße.»HtjUeb-Buch legitimiert. 7. unk 8. llrei«. Die juristische Spred>si:md«(intet am Sonnabend, dem Ig. März, o n 17—18 LH? im Jugendheim, Rastnenstr. 4, statt. Ge. l«g«nheti zum RircheNaUstrittl 12. tieeie. S>iute, Sonnabend, den IB. März, Rreieparstandssitzung an be. kannteh Stelle. 9. Abt. RreisveriretetsttzUNz, siegte, SdNNebend, 19.30 Uhr, in den Attnhilu». Sälen. Die Delegierten erhalten ihre BuswcUlarien am Saaleingang. 21. Abt. Heute,®:fttiaBeftd, den 19. März. 19 Ubr. ssunkiirNärstßung mit den Delegierte» zum Rreidvertretertag bei RroN. Utrechler Sti. 21. 23. Abt. Scnnabend, den 20. März. Arbeltsgemeinschaft junger Parteimit- glieder. Vrnderung durch den Grunewald. Treffpunkt 8 Uhr Müller., Ecke Seestraße. 30. AbL Ardeitslreis sunger Parteigenassen, Sanntag. den 20. März, Wände. rung nach Schmöckwitz. Treffpunkt 3 Uhr Heemannplatz(Apotheke). Fahrt. " � Pf, """""""- chenosse» Noch Pstde«»- 108.»ud 198- Abt. Sanntag, den 20. März, 9 Uhr, Treffpunkt auf dem Fritdhdf in der Rudower Strabe(Eingang) zur Kranzniederlegung an den Gräbern der Opker des Rapp.Puifches. 138. nnb 143. Abt. Montag, den 21 März. 19.80 Uh«, Hufamtnenkunft der Süngeren-Grunpe tm Ina-ndheim, Turnhalle Skadustraßd. am Dahnbdf Sermsdorf. STicma: Der Weg zur Nacht. Ein Dreigespräch mit anschNe. ßender Diskusfian. Der Weltturfu, Eefperiua.ReuvUl» fSM am Montag au� Ziest. feilevbaftellursus Montag, 19.30 Uhr. in der Geschäftsstelle. Linden- Mb" .jpenid. Der. heute, 17 Uhr, am leuC Schule Wittenau, statt. e», die Vst Esters Dienstag bei'Hertha'� K?eield. S�arnweber�r. 140. Friedrichrhein. Abt. Margarete WeugelS: Achtung! Unsere Helsersttzung findet Dienstag, den 22. März, 20 Uhr, bei Schwarz. Eckertstraße, statt. 2«. Rreis,«eiuickendsrf. Unter»asteNurlu» findet diesmal schon Montag. den 21. Marz, tm Sugendheim. Neue Schule Wiltenau. statt. "i.«-inickeudari W-st. Alle Falte», die Vstern die Schule»erlassen. Grefte» - Marz, zur Osterkahrt nach«erkenbrück. � ir Mo sich Donnerstag, den 24 17.13 Uhr Alexandetplatz. Piickle tmtag, de» 28. Altenbrück. Treffe» Anmeldungen bis « Sozialistische Arbeiterjugend Groß-V erlin Etniendungen Ml diese Rubrik nur an da» ÄugkNdi-krelarial Verlin SW«8 Lindenstraße 2 oaen I Treppe recht» onntag 8L0 Uhr. Genosse Kurland sprich, über:„Marristi'che Grundbegri'fe". Bib'itsgemein'cheft Rbrghee»: Margen. Sanntag. Arbeltsfahrt nach ttl. Schönebeck. Treffpunkt: 8.30 Uhr Ausgang Bahnhof Rahnsderf. Theme: „ReligiSfe Dozialisten'. hzulc. Sonnabend, 19. März: d.-«enkäll» Xl: Flug. ____„ M________■ Sprechcharprobe pünktlich UM 20 Uhr w»er Kapelle de« Hufeland.Haspitals, RQ SS, Fröbelstr. 17. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold-. Geichätt« stelle: Berlin s>4 Eedastianftr 37—38 Sai 2 Tr. Kreis®ibe«. Sanntag, den 20, März, 10 Uhr, Krelekvniereuz, Schultheißauslchank. Lafenheide 22 II. Nur das in»ollster Oed» »ung befindliche Mitgliedsbuch berechtigt zur. Teilnahme els Delegierte an dieser Kanserenz— Schönrberg>Zriede»a»(OrtS'ereiN). Einnabend, den 19. März. bun:er Ball tm Bürgersaal des neuen älathaule«, Rudalph»Wilde» Platz. Freunde und Gönner sind eingeladen,«arten bei den Fvnkiirnären erhältlich.— Treptow. Kameradschaft Echöneweide-Orhannisthal, S-nnabend, den 19. März, 20 Uhr, MitgliederaerfaMmlung bii Trombter, Frischenstraße. Feeireltgiöse Gemeinde. Ksnntag, vorm. 10 Uhr. im Stadtbaussaal. Kl.steesir. 50. Äugendweihe. Festrede: Dr. F. Schiff: Äugend poranl Ein- tritt freU�M Herr HeldeflaNg und Elfe Seideklang spielet» Marianettenthealer. Ilse Kettentidt spricht Uber:..Spiel und Arbelt der Kindel. Wir lade» Kinder, Eltern und Lehrer zu diesem kleinen Feste ein. Der CcieeiB der Tb str inaer zu Berlin, hält am 24. März. 20 Uhr, im Der- äNZlokal Würzburger firfbran. ih der Linoenstreße. feine diesfährige Genetel« einslokal Versammlung ab."Gäste willk-mmen, rereisigung ehemalige« Kriea-gefeatzei Sonnabend, den 19. März, im Lokal Ich. gelchke, O34. Tilsiter Str. 79. eaee. vrtsgruppe:„BerNn-Vsten'. R-pudlikaniiche»e->»crp.:rein!au»g. Montag, den 21. Merz, 20 Uhr. Bor- tragsabend mit Dlskusii-n Im„Alten Askanhr*. Anhältst?. iL E- spricht Gr- nasse Paul über..Reichspräsidentenwahl". Gäste willkommen. Sa-ialisiirche Studenrenscheft. Unser neues Studentenwohnheim in der Luisenstraße nird am 1. Anril eröffnet. Anmeldungen stlld ellerschnellsie-o- an Genossen Karl König, DB 0, Alb rechtste. 11(Bund), einzusenden. ——.■ w»«Meeu— ea— re—»m—————eem— 2odbad Tölz. Kalendermäßig mit Beginn des Frllbjahrs setzt in den Heilbäder» schon ziemlich lebhafter Kurbetrieb ein, der in besseren-Seiten Zu Ostern bereits einen gewissen Höhevuntt er- reichte. Dieses Jahr allerdings fällt Ostern sehr früh der Winter bihanulet sich wenigstens auf de» Bergen noch und bietet Äe- legenhtit, beim Wintersport in Luft, Lichs und Sonne sich zn bräunen. Tölz ist ebenso Luftkurort und Wintersportpiatz wie alt- bekanntes Jodhelldad. Demzufolge hat die städtische Kurverwal- tung Bad Tölz die im Jahre 1932 ohnedies ermäßigte Kurtaxe für TZste, dl« kein« Kur gebrauchen, bi» zu einer Aufenthaltsdauer von 14 Tagen um etwa 60 Proz. g«senkt, iö bei einem Kirenf- halt fei# zu 7 Tagen wird iiberhauvt keine Kuriare mehr erhoben. In Verbindung mit dem Ostergeschenk der Reichsbabn in Form der um Z35ss Proz. ermäßigten Fahrkarten ist es tatsächlich kein allzu kostspielige» Vergnügen mehr, zu pauschalierten Preisen euch von eniteniieren Orten Deutschlands einen kurzen Osterurlaub im schönen Bad Tölz zu verleben. (> Theater, Lichtspiele usw. Staats Theater Soanebead, den 19. M#ra staatsoper unter den Linden w» Uhr Cosi(an tutte enpiugungf Restaurant Berlins Berliner IIIk'TrlO M« M k 5 1 1•. w Lahnau. 54j76J 9.1 S Iii» Fltn 30* sau仫 ktUodl ntnsiisvalei-en, Waileudn- Ti-nppe. Halion von i-llch- weil» m»einen ISHoilsten ond weitere Mae. Nummern rBiisaCeno 9. ionniao I» 1 Vcnielio. . 4 n. P.1S ülir. 4 aiTklelr« Preise, siaai.oper Chorlouenbure JismarcksiraCe 34. Sönnabd..>9 Män Turnus II Anfang 26 L'hr Rigoletto Piahl, Rein mar, Noort, Amerhng. gnde gegen 12 S6 U üeuiscties Toeaier 8 Uhr Vor v Qcrh.haupimann Bali«: Ha« neiiiMrdl. gisÜWsstiW! Chariaitonstr.Qo-o. T«I. Dönhoff 623 «hi Uhr Kamarilla von F. E Bettauer und O Ulcxey Virvitofün'jntKliiitiiaa Theater desWestens r«gl ich 8>ft Uh: Die Dubarry mit Mary Losseff Sonnabend tet Uhr Sonntag>»3 Uhr üai büs dor Hista KlndtrKotiödie Sonntag z Uhr Die Dubarry BillUÄier Platz 0.:0 Teuerster p A tz Theater 8.nflilendop|p!aD Pallas 703) Täglich 81* Uhr Operette In 3 Akler. ».Lea.WolII e.Ke.-; Bein Musik von Hans May Rsglc■ Hein: Selieuborg 102. SCHAUSPIELHAUS Ti£l.8U. I Nor rodi» Wod en q v-übrCASINO-THEArER�� Loihrin<*er Strafe S7. iiiiiuiuiiiitiiiiiuiiiiiiiuiiiiitiiiiiiiiiiiniiiinuiiiiiiiiimunaTtiiii rnwiüen nfMcli nur blsill.narz Oer Mann mit den zwei Frauen n» das große bunte l�ro�ramm Am 1. Ap Ii zum I Mal4 peppiwa Operette ia Z Akten. Musik f. R. Stolz. juischtm I-4 Personen Parken 30 pi. r'auieuii Mark. Sessei i ju Mark -TagäterinöBr- Stresemanastr. TS o lieh 81, Uhr Das Ende vom Lied mit Fritz Kortoer Tb. in Aiinilralspalist raglich 8h, bhr Oer BCK;nl< Ertolj! KAthe Dorscö GastaiGrüodgens L'seiott* SIiizpiilfiiliuniKilnnti imJm Tägliin(jhr Morgen gehU uns gut! Grete.H-islielm .71..» linnKen OrcScster ui os Bell iMpo>iiieater Täglich 8',. Uhr Der groß« joh. Mraufi Operetten-Erlolg Ein Lied der Uebe Sonntag 4>* Uhr Die Fiedermaas Eßöu�BettenifÄ Kiml«rb., Polster, Chalsol., an jeden. Totl% Katalog ireL EUenmOhslfabi-tk Suhl(Thüäl LH. 18. 2. 32. ♦ ♦ vom 23. Mal 1031 Hab« ich unter dem Titel„Ein- jüdischer Reichsiagsabgeordneter' einen Artikel ver- behauptet worden ist, hrend seiner Amtszeit dem habe von diesem Konzern Än Nummer 20 de«„Kam. tommensbereich sozialdemotrat! öffentlicht. in dem nach der Zeitschrift'„'Die Bahnhofswirtschaft der ehemalige Reichsfinanzminister Dr. Hilferding, der währer Reemtsmakonzern 29, S Millionen Steuerschulden erließ, habe von diese............. ein Jahreegehalt von 120 000 M. für seine Tätigkeit im Aufsichtsrat dieses Konzerns erhalten. Mir war entgangen, daß die„Bahnhofswirtschaft' bereits in ihrer Nummer vom 30. April 1931 ein« Verichtiauna de, Herrn Dr. Hilferding abgedruckt hatte, m der ihr« Nachred« als der Wahrheit widersprechend bezeichnet wurde. Herr Dr. Hilferding hat gegen mich Strafantrag gestellt. Ich habe mich davon überzeugt, daß Herr Dr. Hilserding weder Mitglied des Aufsichtsrots des Reemtsmakonzerns ist noch von diesem Konzern auch nur einen Pfennig erhalten hat. Er hat auch dem Reemtsmakonzern«ine Steuerschuld nicht erlassen. Die Firma Reemtsma hatte das Unternehmen der notleidend gewordenen Firma Batschari in Äadsn-Baden käuflich erworben, das dem Reichsfiskus etwa 14 Millionen Mark Steuern schuldete Reemtsma wallt« den Batfchari-Betrieb eingehen lassen. Durch die Ausführung dies.. Vorhaben» würden Hunderte von Arbeitern brotlos geworden sein. Die Stadt livse- 1 nealer tili Fmktirtn linkt 13' id.«eltd., E' UV » und 9 Uhr Jetlcben ßebevl !jf«n erfuhr, daß sie dann nach gesetzlicher Vorschrift für die Steuerschulden der Verkäuferin haftbor sei. erklärte sie. unter diesen Umstanden auf die Bitten der Stadt Baden-Baden Und des Landes Baden nicht eingehen zu können. Stadt und Land baten nunmehr da» Reichsfinanzministerium dringend, aui die Haftbarmachung der FirtNa Reemtsma für die Steuerschuld von Batschari zu verzichten. Da» Reichsfinanz- Ministerium ging schließlich im Interesse des Landes Äaden hieraus«in, well es durch den Vsrzicki auf die Hastung von Reemtsma dem Land« einen Dienst erwies und da« Reich nicht schädigte. Denn wenn der Verzicht nicht ausgesprochen worden wäre, hätte Reemtsma den Betrieb nicht fortgeführt und würde dann für die Steuer- schuld nicht hastbar gewesen sein. Aus der Liquidationsmasie der Firma Batschari sind übrigens von den rückständigen Steuerschulden noch etwa in Millionen gezahlt worden. Ich bedoure. durch die Veräffentlichung einer falschen Nachricht Herrn Dr. Hilfer- beleidigende Aeußerung zurüök. ding beleidigt zu haben und nehm« die Bayreulh, den 17. März 1932. Ludwig»uckdeschel.