Rr. 4 1932 Nr. 135 49. Jahrgang Der Sonntag- Borwärts erscheint jeden Sonntag mit der illustriertes Beilage Bolt und Zeit". Monatsbezug 55 Bf. in Berlin frei Seus einschließlich 9 Bf. Suite gebühren, im voraus zahlbar. Boftbezug monatlich.55 Pf.( einschließ lich 8 Pf. Postzeitungsgebühren) und 6 Pf. Poftbeftelgebühren. Die volle Ausgabe des Borwärts erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Das Abonnement toftet möchentlich 75 Pf., monatlich 3,25 M. in Berlin frei Haus, auswärts zuzüglich 72 Pf. Boftbeftelgebühren. SonntagVorwärts Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Bernspr.: Dönhoff( A- 7) 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. mit Wochenübersicht Vorwärts Verlag G. m. b. H. 20. März 1932 Groß- Berlin 15 Pf. Auswärts 20 Pf. Die einfpalt. Millimeterzeile 30 Bf. Reflamezeile 2, M., Aleine Ana zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Bf. ( auläffig amei fettgedruckte Worte), jedes meitere Wort 10 Pf. Rabatt Laut Tarif. Worte über 15. Buch. ftaben zählen fülr amei. Worte. Ar beitsmarkt Millimeterzeile 25 f. Familien Anzeigen Millimeterzelle 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Sindenstraße 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr. Der Ver. Lag behält sich das Stecht der Ahlehnung nicht genehmerAnzeigen Doz! Bostscheckkonto: Berlin 37 536.- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. n. Disc.- Gef., Depofitent., Jerusalemer Str. 65/66. Um den Staat! Fort mit der Privatarmee des Bürgerkriegs! Heute por einem Jahr starb Hermann Müller. Geit einem Jahr ist die Sozialdemokratische Partei ohne diesen unermüdlichen, treuen und selbstlosen Führer ihren Meg weitermarschiert. Sie konnte es und sie kann um den Sieg weitertämpfen, meil das geistige Erbgut ihrer Führer bei ihr in treuen Händen ist. Die Partel hat in diesem Jahre manche schwere Entscheidungen treffen müssen; fie find wahrscheinlich alle so gefallen, wie Hermann Müller, wäre er noch unter uns, es gewünscht haben würde. Keiner von uns fann ihn ersetzen, aber wir alle haben viel von ihm gelernt. Es war die Art Hermann Müllers, bei auftauchenden Schwierigkeiten nicht die populärste, die für den Augenblid bequemste Lösung zu suchen, sondern die auf lange Sicht zweckmäßigste und erfolgversprechende. So hat Hermann Müller auch stets, wenn von der kommenden Reichs präsidentenwahl die Rede war, den Standpunkt pertreten, daß der rechtsradikalen Gefahr durch Aufstellung eines gemeinsamen Kandidaten schon im ersten Wahlgang begegnet werden müsse. Man kann wohl sagen, daß die Schlacht am 13. März nach den Plänen Hermann Müllers gefchlagen worden ist. Wir alle haben von Hermann Müller gelernt, nicht nur die Führer, sondern auch die Massen. Mit Recht hat der Parteivorstand in seinem Aufruf vom 16. März den Funktionären und Mitgliedern der Bartei für ihre glänzende Haltung im Kampfe Anerkennung und Dank ausgesprochen. Es hat sich gezeigt, daß diejenigen, die die Hindenburg- Parole" für gefährlich hielten, die politische Reife der Partei unterschätzt hatten. Die Kommunisten, die geglaubt hatten, mit ihrem russischen Reitergeneral gegen den preußischen Marschall Geschäfte machen zu tönnen, stehen mit langen Gefichtern da. Die Diftaturparteien stüßen sich auf urteilstose Massen, die leicht zu jeder Dummheit zu verleiten sind. Der 13. März hat aber gezeigt, daß es auf der anderen Seite im Lager der Sozialdemokratie Massen gibt, die nach eigener Ueberlegung und eigenem Urteil politisch handeln lönnen. Wer sich auf solche Massen stüßen kann, der genießt gegenüber seinen Gegnern einen Vorteil, der auf die Dauer ausschlaggebend wirken muß. Nach dem Erfolg des ersten Wahlgangs ist die Haltung der Partei im zweiten von vornherein gegeben. Die drei Wochen Zeit bis dahin müssen gründlich ausgenügt werden, um den Sieg zu verdoppeln und zu verdreifachen. Gerade der österliche Burgfrieden gibt zur wirksamen Propaganda von Mund zu Mund die beste Gelegenheit. Ziel muß sein, am 10. April Hitler mit Hindenburg 3etteln so zuzubeden, daß nicht viel mehr von ihm 8 Jehen ist. Eine gründliche Niederlage, die dem Faschismus am 10. April beigebracht wird, kann auch vierzehn Tage später bei den Landtagswahlen Wunder wirken. Auf einem ganz anderen Felde liegen die neuesten Auseinandersetzungen, die sich zwischen dem Machtzentrum der Nationalsozialisten und der Staatsgewalt angesponnen haben. Die Rechtspreffe verfährt mit gewohnter Infonsequenz, wenn fie einmal versichert, das Vorgehen Preußens gegen die Privatarmee Adolf Hitlers sei nur ein Wahlmanöver, und wenn sie das andere Mal erklärt, die preußische Polizeiaftion werde der NSDAP. nur neue Wähler zutreiben. Wie diese Aftion wahlpolitisch wirken wird, ist in der Tat nicht vorauszusehen und ist auch verhältnismäßig belanglos. Denn hier handelt es sich nicht darum, ob die eine oder die andere Partei ein paar Stimmen mehr oder meniger bekommt, hier handelt es sich um einen sta at lichen Notstand, der behoben werden muß, wenn die 2llgemeinheit nicht den schlimmsten Gefahren ausgesetzt bleiben soll. Wie sehr die abnormen Zeitläufte alle Begriffe verwirrt haben, geht u a. aus der Bemerkung eines rechtsgerichteten Blattes hervor, durch die preußische Aktion werde die Verfaffung und das Rechtsempfinden verlegt. In dem Kapitel der Verfassung, das von den Rechten der Deutschen handelt, liest man vom Recht der Meinungsäußerung, der Freizügig feit uſm. Aber nirgends liest man, daß jeder Deutsche das Recht hat, feine eigene Privatarmee zu unterhalten. Die fattische Anerkennung dieses Grundſages momöglich unter der schönen Parole des gleichen Rechts für alle", so doß Freunde und Feinde der Berfassung in gleicher Weise Kampf um Preußen! Severing spricht in Düsseldorf. Düsseldorf, 19. März.( Eigenbericht.) In der Düsseldorfer Festhalle sprach der preußische Junenminister Severing am Sonnabend zur Prä. fidentenwahl und zur: Preußenwahl. Seve ring, der von der vieltansendköpfigen Menge stürmisch begrüßt wurde, führte u. a. aus: Am 10. April muß das deutsche Bolt vollenden, was es am 13. März begonnen hat. Die Angstpsychose vor dem Nationalfoziq lismus ist im Verschwinden das ist der Gewinn des ersten Wahl ganges. Die großen Arbeitermassen haben die sozialdemokratische Barole, Hitler zu schlagen und Hindenburg zu wählen, verständnis. voll und in fester Disziplin befolgt. Die große Kraftanstrengung, die alle Anhänger eines demokratischen und frieblichen Deutschlands am 10. April machen müssen, um den an sich gewissen Sieg des bis weigen Reichspräsidenten überwältigend zu gestalten, muß eine meitere Etappe auf dem Wege der Niederzwingung des Faschismus sein Mit der Erinnerung daran, daß die Kommunisten die gleiche traurige Rolle beim preußischen Volksentscheid für die Landtags auflösung im vorigen Jahr gespielt hatten, leitete Severing zu den Preußenwahlen am 24. April und ihrer politischen Bedeutung über: Nicht nur in Preußen, sondern auch in anderen großen Ländern, wie in Bayern und Württemberg, wird zu den Landtagen gewählt. Es wäre verhängnisvoll, die Bedeutung dieser Bahlen für die Gestaltung der äußeren und inneren Politik zu unterschäßen. Sie sind von gleier Wichtigkeit wie die Reichspräsidentenwahl. Der Nationalsozialismus hat die Höhe feiner Entwidhung überschritten, bleibt aber immer noch eine gefährliche Macht. Was er auf dem Wege über die Reichspräfidentenwahl nicht erreichen wird, wird er in einer legten Kraftanstrengung über die Landtagswahlen zu erringen versuchen. Die Beispiele nationalsozialistischer Mitregierung in Thüringen und Braunschweig zeigen, was das deutsche Volt dabei zu verlieren hat.. Schon von dem Experiment in diefen beiden kleinen Ländern ist eine elle der Beunruhigung und der größten Schwierigteiten über die deutsche Politik ausgegangen. Von größtem Unheil für Staat und Wirtschaft in Deutschland wäre es, wenn sich die gleichen Kräfte der Macht in Preußen und damit der Herrschaft über Polizei und Schule bemächtigten. Bei der Bedeutung der preußischen Verwaltung für das Reich wür den der Reichsregierung und ihrem Bestande aus einem Siege der Reaktion in Breußen die allerschwersten Gefahren erwachsen. Eines der Hauptverdienste, die die preußische Regierung seit Schaffung der Republik für sich in Anspruch nehmen kann, ist das der unbedingten Reichstreue; sie hat stets die Gefahren für die Reichseinheit, die aus der unvollkommenen Reichsgliederung hervorgehen, durch eine zu verlässige Stüßung der Reichspolitik überwunden. Ein Abweichen von diesem Kurs könnte zu einer schweren Erschütterung der Reichseinheit führen. Minister Severing umriß fobann die Arbeit, die Preußen im einzelnen unter festem republikanischem Kurs in den letzten Jahren geleistet hat. Es bleibt Preußens historisches Verdienst, die Vorherrschaft einer bevorrechtigten afte in allen staatlichen Machtpofitionen gebrochen und dem demokratischen Gedanken freie Bahn gefchaffen zu haben. Bezeichnend ist, daß in den beiden großen Bewegungen, die das neue Breußen zertrümmern möchten, im Stahlhelm und im Natio nalsozialismus Hohenzollernprinzen als die Reprä fentanten der Raft e führend find, die ihre alte Borherrschaft das unter der Vorherrschaft des östlichen Großgrundbefizes im mit neuen Methoden wieder aufrichten will. Im Rheinland, alten Preußen am meisten gelitten hat, werden sich alle Schichten neuen Preußens und zur Sicherung derjenigen Errungenschaften der Bevölkerung in überwältigender Mehrheit zum Schuße des zusammenschließen, die es uns gebracht hat: Gleichberechtigung der Staatsbürger, Schuh der Schwachen, Toleranz gegen den anders Denkenden und eine Staatsgewalt, die vom Bolte ausgeht! Man wird aber auch in den der Preußischen Regierung gegne rischen Kreisen damit rechnen müssen, so schloß der Minister, daß fie die ihr zur Verfügung stehenden Machtmittel gegen Terror, Gewalt und illegale Pläne in vollem Umfange zur Anwendung bringen wird. Duldjamkeit hört da auf, mo sie durch Gewalt von anderer Seite mißbraucht werden soll. Man hat die preußische Aktion gegen die illegalen Pläne der sogenannten Sturmabteilungen der NSDAP. als Wahlmache, Sensationshascherei usw. abzutun versucht. Wer mich kennt, weiß, daß mir von allen Sensationen die politischen am widerlichsten sind. Auch von Wahlmache tann teine Rede sein. Wenn nicht die polizeilichen Feststellungen die Bewaffnung der SA. an so vielen Stellen nachgewiesen hätten, wären die angestellten Recherchen und andere Maßnahmen überflüssig gemefen. Das waren sie nun aber leider nicht. Alle Ableugnungsversuche der Hiflerleute werden die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß die Ererzitien der sogenannten braunen Armee einen Grad erreicht haben, den zu überschreiten tein Staat geftatten darf, der fich nicht selber preisgeben will. Vor dem zweiten Gang. Sitter rüstet für den 10. April.- Sugenberg macht schwach. Die ehemaligen Harzburger Bundesgenossen geben für den zweiten Wahlgang verschiedene Parolen aus. Hitler mill am 10. April fiegen. Am Sonnabend hat in München eine Führertagung der NSDAP. stattgefunden. Dabei wurde die Parole ausgegeben, daß der 10. April zugleich der erste Teil des Kampfes für den 24. April fein werde. In der Mitteilung der NSDAP. heißt es: ,, Besonders bemerkenswert war, daß auch in der ausgedehnten Aussprache, an der sich fast alle Führer beteiligten, nicht einmai der von anderen Teilen der nationalen Opposition ausgesprochene Reichspräsidentenwahl abzublafen und einzu Gedanke auftauchte, den begonnenen Kampf um die stellen. Aeußerste Kampfentschloffenheit war das hervorstechende Merkmal dieser Führerbesprechung". die Rede, man nimmt die Preußenwahl als Rüdversicherung Bom ,, Würfeln um Sein oder Nichtsein" ist nicht mehr für eine neue Niederlage am 10. April. Hugenberg läßt eine parteiamtliche Mitteilung über feine Stellung zum zweiten Wahlgang verbreiten, in der zu nächst versichert wird, daß die Zielfehung von Harzburg unverändert bleibe. Dann heißt es: Unsere Gründe gegen die Wahl Hindenburgs be müßte den des Landes bedeuten, fönnte höchstens von berechtigt mären, sich militärisch zu organisieren mit Naturnotwendigkeit zur Auflösung der Staatsgewalt und zum Krieg aller gegen alle führen. Demgegenüber ist in aller Schärfe auszusprechen: So wenig es für die Polizei und für die Verbrecher ein gleiches Recht gibt, sich zu bewaffnen, so wenig fann es ein gleiches Recht für alle geben, militärische oder halbmilitärische Organisatio nen aufzuziehen. Die Regierung, die solche Organisationen duldet, muß für ihren staatstreuen Charakter jede Garantie übernehmen fönnen, sonst wird eine solche Duldung zu einem Verbrechen am Staat. # Gibt es eine Regierung, die für die Privatarmee des Herrn Adolf Hitler eine solche Garantie zu übernehmen im stande ist? Gegen eine Regierung, die dergleichen in Worten ausspräche. würde sich die Mehrheit des deutschen Volkes erheben, um ihr ins Gesicht zu schreien, daß fie die Un wahrheit fagt. Man kann über die Entwicklungstendenzen in den Hitler- Truppen vielleicht verschiedener Meinung sein, daß sie in ihrer gegenwärtigen Form und Geisteshaltung eine ständige Drohung für den inneren Frie parteipolitischen Berufslügnern abgeleugnet werden. Die ruhige und ordnungsliebende Mehrheit des Volfes, die eben erst am 13. März einen bewunderungswürdigen Beweis ihrer Selbstdisziplin erbracht hat sie hat ein Recht zu verlangen, daß sie von der ständigen Bedrohung durch die Soldtruppen eines modernen Bandenführers befreit wird. Adolf Hitler mag reden, so oft er will, und er mag sich photographieren lassen, soviel es ihm beliebt, daran mill ihn feiner hindern. Aber der militärische Machtapparat, den er sich aufgezogen hat, muß zerschlagen werden! Eine Regier rung, die das Notwendige mit fester Hand tut und die Gründe für ihr Handeln offen darlegt, kann des Beifalls einer ungeheuren Mehrheit des Volkes gewiß sein. Eine Regierung aber, die etwa aus irgendwelchen vertraulich- verfchrobenen Gründen das Notwendige verhinderte, würde sich dem Borwurf ausseßen, mit dem Staat, mit der Armee und mit dem Bolfsganzen va banque gespielt zu haben. Die Mehrheit des Bolles hat zu den Legalitätsschmüren Hitlers fein Bertrauen. Sie will nicht hören, mas Hitler schwört, fie mill sehen, mas der Staat tut! then fort Solange teine entscheidende ursänderung in Reidh und Breußen erfolgt ist, ftehen wir gegen ihn Seine Wahl aber ist durch die Zahlen des ersten Wahlganges bereits entschieden. Die inzwischen eingeleitete berichänfte Knebelung der nationalen Oppofition läßt erkennen, daß auch im zweiten Wahlgange die staatLichen Machtmittel zugunsten der Systemparteien mißbraucht werden follen. Die Antwort auf all diese Milltür wird die Breußen mahl geben. Ein neuer Einfaß unserer Kräfte zum apeiten Bahlgange der Reichspräsidentenmahl wäre eine 3 med infe, nur den Gegnern erwünschte Schwächung unserer Stoßtraft. Wir find gegenüber der von uns bertretenen Sache perpflichtet, fie por der Befaftung mit dem Rüdschlag zu schüßen, ben ein aussichtsloser Bersuch bringt. Die Lage Deutschlands ist zu ernst, um Gefühls- und Barteipolitit zu treiben... Wir beteiligen uns an einer folchen nicht. Die Lehren des legten halben Jahres sind in diesem Punkte deutlich genug. Eine affive Beteiligung der Deutschnationalen Volkspartei an der zweiten Reichspräsidentenwahl tommt infolgedessen nicht in Frage Alle Fragen treten heute hinter die eine zurüd: Preußen! Die Deutschnationale Bolfspartei und ihre schwarzweißroten Mit tämpfer befennen sich erneut zu dem Ziele der Harzburger Front und erheben den Ruf zur ehrlichen Sammlung aller nationalen, christlichen und sozialen Kräfte. Bei den bevorstehenden großen Ländermahlen gilt es jetzt einzusetzen. Es gill, Preußen zu erobern. Das Pulverfaß in Kreiensen. Bürgerkriegsvorbereitungen der Nazis im Reiche Klagges. Der hannoversche., Boltswille" teilt mit: Die sensationellen Ent| dort befindlichen S- Mannschaften mit Waffen, mindestens mit hüllungen der preußischen Regterung über die Bürgerkriegsrüstun Handfeuerwaffen, auszurüften. gen der Nationalsozialisten, und im Zusammenhang damit die auffehenerregenden affenfunde im Kreise Einbed lenten die Aufmerksamkeit auf die Zustände im Süben der Provinz Han nover. Im braunschweigischen Kreise Sanders- Sonnabend vor der Reichspräsidentenwahl die ganze Gegend heim, der sich mitten in die preußische Provinz Hannover hinein schiebt, liegt der außerordentlich wichtige Eisenbahnfnotenpunft Sreienjen, der Schnittpunkt der Norbsüblinie von Hamburg nach Franfnfurt und München und der Ostwestlinie von Berlin nach dem Industries gebiet. In Kreiensen haben die Nationalsozialisten zwei große Razitafernen eingerichtet, und zwar eine SS.- Lehrschule und eine S.- Vorführerschule. Die GS.- Schule ist in den früheren Nico- Werfen und die SA.- Schule in der ehemaligen Waffenfabrit Burgsmüller untergebracht. In beiden Kafernen befinden sich ständig etwa 300 S.- Leute, die unter der Anleitung von ständigen Führern und Lehrern dort ausgebildet werden. Der Führerkreis sezt sich zusammen aus ehemaligen Offizieren und aus Berufssporilehrern, die die Aufgabe haben, die dorthin entsandten SA.- Leute militärisch und mehrsportlich so auszubilden, daß sie zum gefechtsmäßigen Ererzieren im Shier liegt jetzt der Hebel zum Sturz des Systems. Der preußische Verbande fähig sind. Das Hauptgewicht liegt in der militä Staat soll wieder Träger des Reichsgedankens, Rernitüd eines na rischen Ausbildung. Dabei verdient besondere Beachtung tionalen Deutschlands, Wächter der todbedrohten Ostmart werden. der Infanteriedienst( Ererzieren mit und ohne Hier winkt das große Ziel. Auf dieses Ziel richtet sich unser leben- affe)" Diesen Ererzierdienst mit Waffe sollte sich Herr Reichsbiger Siegeswille! gez. Dr. Hugenberg." innenminister Groener einmal unter die Lupe nehmen. Wie wir aus durchaus informierter Quelle wissen, Damit gibt Hugenberg stillschweigend die Stimmabgabe seiner Anhänger für hitler frei. Man muß also damit rechnen, daß im zweiten Wahlgang die Hitler- Stimmen sich um die Duesterberg- Stimmen vermehren merden. Es muß also auch beim zweiten Wahlgang unter Einfah der ganzen Kraft geschlagen werden, und erst recht am 24. April bei der Preußenwahl! Steuerreform durch Notverordnung. Biersteuerfenfung und Regelung der Real- und Kraft fahrzeugfteuern. Der Reichspräsident haf am Sonnabend eine Notverordnung erlaffen, in der Bestimmungen über die Senfung der Biersteuer, die Realsteuerfperte und andere wirtschafts- und zollpolitische Maßnahmen enthaletn find. Füt die Biersteuer fieht bie neue Rotverordnung vor, daß Die Reichsbiersteuer um 3 Mart je Settoliter gesentt wird, mährend die Gemeindebiersteuer grundsäglich um 40 Broz. abgebaut wird. Das Ausmaß der Sentung bei den Gemeinden findet nur darin eine untere Grenze, daß der Steuersatz von 4 Mart je Settoliter nicht unterschritten werden darf. 3ur Entschädigung der Gemeinben, in denen die Biersteuer zu fenten ist, tet bas Reid 28 Millionen Mart zur Verfügung Noch nicht entschieben ist die Frage, mann diese neuen Biersteuersäge in Rraft treten. Die Regierung hat von Anfang an den Stanb punti vertreten, daß ein Abbau bar Biersteuer nur dann burch geführt mixb, menn die gesamte Steuerfantung bem Ber braucher zugute tommt und bementsprechend der Siterpreis um 15 f. gefentt with. Da mit den Brauereien und den Gastmirtsperhänden noch feine Einigung erzielt morden ist, hat sich der Reichsfinanzminister die Infraftſegung der Biersteuerjentung Dorbehalten. Die ebenfalls in Aussicht genommene Sentung der Brannimeinmonopol Abgabe mußte infolge technischer Schwierig feiten noch ausgesetzt merben. Die Realsteuersperre, die durch Notverordnung vom 1. Dezember 1930 angeordnet mar, erstreckte sich nur auf das Rechnungsjahr 1931. Die neue Berordnung steht eine Berlängerung diefer Sperre bis zum Schluß des Rechnungsjahres 1932 vor. Eine Serauffeßung der zur Zeit geltenden Säge für Realsteuern ist also bis zu dem genannten Termin ausgeschlossen. Lediglich für die Gemeinden, deren Steuersäge unter dem Landesdurchschnitt fiegen, ist auch jetzt die Möglichkeit zur Erhöhung der Realsteuerfäße bis zum Landesdurchschnitt offengehalten. Im Interesse einer Belebung des Kraftverkehrs wird der Zuschlag zur Kraftfahrzeugsteuer für das Rechnungsjahr 1932 non 10 auf 5 Broz. ermäßigt. 3m fünften Teil der Notverordnung werden die Fristen für die Ermächtigungen der Landesregierungen bei den Spar- und Girotassen, die notwendigen Maßnahmen zur Reform ihrer Organisation zu treffen, bis zum 30. September Derlängert. Der Schluß der Berordnung behandelt zollpolitische Maßnahmen. Die vorgesehene Regelung des Systems der Einfuhrscheine schafft teinen neuen Zustand, sondern legalisiert lediglich den be= ftehenden Noth den neuen Bestimmungen tönnen die Besizer, Don Sinfuhrscheinen für Getreide und Hülsenfrüchte, also die Exporteure, die gleiche Menge der vom Einfuhrschein- System erfaßten Waren, hie fie exportiert haben, zollfrei oder zu ermäßigten Zollfätzen einführen. Klagges gegen Hindenburg. Der Reichspräsident darf in den Schulen nicht genannt werden. Braunschweig, 19. März.( Eigenbericht.) Razi Minister Klagges hat gegen den Lehrer Huch an der katholischen Schule in Braunschweig ein Untersuchungsverfahren eingeleite, meil Huch in einer Schulstunde den Reichs präsidenten von Hindenburg gewürdigt hat. Hermann Müllers Todestag. Am heutigen eriten Todestag Hermann Müllers deffen auch im Rundfunt gestern abend ehrend gebachi murbe wird der Parteivorstand durch Genossen Etto 28 als auf das Grab des entfchlafenen Führers einen Kranz nieder legen 3m rumänischen Gefängnis Thigina wollte die Leitung eine Rommune Gedenkfeier der tommunistischen Gefangenen durch Abtransport ihres Führers verhindern. Es gab einen Auf stand, bei dem zwei Aufseher schwer verletzt worden sein sollen. Der Mörder des spanischen Premierministers Dato( 1921, der Kommunist Casanellas, und seine Frau sind in Sevilla verhaftet worden. Er war feinerzeit nach Rußland geflüchtet. erfolgt diese Waffenausbildung sowohl am Infanteriegewehr als auch an Maschinengewehren und mit Handgranaten. Die besondere Gefahr für die Provinz Hannover und die benachbarten preußischen Landkreise ist aber darin zu erblicken, daß die Nazis mit den in Kreiensen vorhandenen SA.Truppen jederzeit in der Lage sind, das Leinetal abzu riegeln und die wichtigen Eisenbahnlinien in ihre Hand zu betommen. Nazis in der Waffenfabrik. Das ist der strategische Gesichtspunkt, der für die S. beim Erwerb dieser Fabrikkafernen besonders ausschlaggebend war. Die Gefahr ist um so größer, als fich in der Nähe der Fabrik erhebliche Waffenmengen befinden, die aus der Konfursmasse Burgmüller in Kreiensen noch lagern. Außerdem ist ein Teil der Waffenfabrik noch in Betrieb. Es sind dort ständig größere Mengen an Waffen. die zwecks Reparatur dort hingeschickt und in der Fabrit wieder hergestellt werden, nur burch eine Tür von den Unter fünften ber Raziführer und des Lehrperfonals getrennt. Die Nazis sind also jederzeit leicht in der Lage, ihre einen Aber auch andere Bürgerkriegsrequisiten sind in reichlichem Maße in Kreiensen vorhanden. So hat man in den Turm der Fabrit Scheinwerfer eingebaut, durch die am Freitag und abgeleuchtet murde. Daneben perfügen die Nazis auch noch über einen besonderen Scheinwerfermagen und Ueberfall magen Auch Leuchtrateten und ähnliches Material ist in reichlichem Maße vorhanden. Die ganze Gegend ift an den Tagen vor der Wahl durch das dauernde Abschießen von Leuchtrateten in allergrößte Unruhe versetzt worden. Requisition nach Bogheimer Muster. Die aus dem ganzen Reich dort zusammengezogenen Landfrechtshorden üben in der Gegend einen müften Terror aus. Mittels dieses Terrors erreicht man es, daß z. B. die gesamte Berpflegung für die beiden SA.- Kasernen von den Bauern der Umgebung freiwillig und fostenlos geliefert wird". Diese freiwilligen Spenden gehen so vor sich, daß die Nazis mit Bagen zu den einzelnen Bauern fahren und diese auf die Schwierigteiten hinweisen, die es ihnen bereite, diese überschäumende Jugend von übermütigen Streichen, 3. B. Flurfchäden aller Art, abzuhalten, die sich gegen un beliebte und zurückhaltende Landbesiger richten fönnten". folcher Auftlärung" find die Bauern dann natürlich gern bereit, den Nazis freiwillig" Schweine, Schafe, Kartoffeln, Mehl und andere Lebensmittel in reichlichem Maße zu liefern. Die Republifaner fönnen ein Liedchen singen von dem Terror der SA.- Horden! Gelbsthilfe? Nach Zahlreiche Ueberfälle und terroristische Atte zeigen, daß es höchste Zeit ist, daß sich der Herr Reichsinnenminister einmal um die Vorgänge in Kreiensen fümmert. Wie der zuständige Kreisdirektor in Gandersheim, Bini, im Gemeindeausschuß in Aretensen ertiärte, sei er n'cht in der Cage, für verstärkten Schuh zu forgen. Die Bürgerschaft müsse sich eten selbst helfen, eventuell durch Gründung einer Bürgerwehr. Sind Sie, Herr Reichsinnenminister Groener, auch der Auffassung, daß die Bürger sich durch Bürgerwehren, also durch SelbstSchuh, gegen diese Nazipest in Kreiensen wehren sollen? Soweit uns befannt, steht diese Auffassung des Kreisdirettors in Gandersheim im direkten Gegenfag zu der Auffassung der zuständigen Reichsstellen. Aber auch die preußischen Regierungsstellen müssen den Bor gangen in Kreiensen volle Aufmerksamkeit schenken. Es hat auch einen hohen Grad pon Wahrscheinlichkeit für sich, daß die Waffenfunde im Streife Einbed im Zusammenhang mit der Kreiensener S.- Raserne stehen. Was heißt hier noch Legalität? Rotwendige Aumerfungen zu den Bürgerfriegsvorbereitungen der GA. der Städte in Bereitstellungsräumen sich zu fonzentrieren. Auf die Veröffentlichung des preußischen Innenministers über| Waffen zu beschaffen, Saftfahrzeuge zu requirieren und außerhalb die nationalsozialistischen Bürgertriegspläne ist ein rumbes, flares Dementi non feiten des Braunen Hauses niemals erfolgt. Die Erwiderungen Hitlers enthielten lediglich drei Feststellungen. 1. Feststellung: Die NSDAP. fei nach wie vor legal und erstrebe ihre Biele mit legalen Mitteln. 2. Feststellung: Einzelbewaffnung bei einzelnen Gruppen oder einzelnen Mitgliedern sei möglich, merde aber von der Leitung nicht gebilligt. 3. Feststellung: Die Alarmierung der EA, wird zugegeben, aber mit harmlosen Erklärungen motiviert. Es ist notwendig, auf diese Dinge hinzuweisen, damit Sach nerhalt und Fragenstellung nicht vermischt merben Reine Begali tätsbeteuerung ber Belt fann barüber hinwegtäuschen, daß eine Don höherer Stelle an die Standarte 149 in Schneidemühl ergangene Anweisung besagt, daß die S2. die Waffen der legalen Candesverteidigung befchlagnahmen foll Benn Herr Groener mitteilt, daß ihm ein großer Teil der Borgänge längst bekannt sei, so muß die Frage aufgeworfen werden: war dieser an die Standarte 149 in Schneidemühl gerichtete Befehl auch Herrn Groener be tannt? An Zu der 3. Feststellung sofort einige notwendige Anmerkungen. Reinem Menschen in Preußen ist es eingefallen, die Zusammenziehung unbewaffneter Nationalsozialisten in ihren Verkehrslofalen während der Wahlnacht zu beanstanden. Hätte Herr Hitler nichts weiter beabsichtigt, als feine Anhänger von der Straße fernzu- Aber sehen mir einmal von Herrn Groener ab und beachten halten, fso hätte teine Polizeiverwaltung und fein Ministerium den mir einmal jene sonderbare Art von Entlastungsoffensive, geringsten Anlaß zum Einschreiten gehabt. Wenn heute der Ber- die von rechtsbürgerlichen Blättern nicht Hugenbergfuch gemacht wird, die Alarmierung der SA. als eine Vorsichts- fcher Prägung versucht wird. Da ist das Bestreben deutlich er und Ordnungsmaßnahme hinzustellen, so ist das ein dreister| fennbar, das vom preußischen Ministerium des Innern vorgelegte Fälschungs- und Täuschungsversuch unter der Parole Frechheit, Material zwar nicht zu bestreiten, aber als harmlose und dilettan steh mir bei". tische Spielerei abzutun. Ein unglaubliches Unterfangen! dieser Angelegenheit ist nun mirklich nichts mehr zu bagatellifieren, und die Zeit ist vorbei, mo man sich mit ontelhaftem Wohlwollen über die Kinderstreiche der Nationalsozialisten luftig machen fonnte. Wir stellen fest: Der von den Nationalsozialisten abgestrittene 3er. nierungsplan liegt im Original bei den preußischen Behörden. Es ist fein Plan, der zu einem unbestimmten Zeitpunkt in Kraft gefegt werden soll; denn er sagt in seiner Einleitung ausdrücklich, daß die Meldung über beendete Borbereitungen bis zum 11. März 1932 unter dem Stichwort Gute Fahrt nach den Zentralstellen der SA. zu leiten Das vom preußischen Miniferium des Janern veröffentlichte Material läßt zweifelsfrei erkennen, daß die S2. nicht in ihren Heimen und Verkehrslokalen zufammengezogen werden sollte, sondern im Gegenteil aus diesen Heimen und Verkehrslokalen heraus, versehen mit Proviant und Transportmitteln, fich außerhalb der Städte in militärisch organisierten Bereitstellungsräumen aufzubauen hatte. Herr Groener in seiner Gigenschaft als Verfassungsminister läßt freilich erklären, daß ihm durch den sogenannten Chef des Stabes, den sattsam bekannten Herrn Röhm, über die Alarmierung der S2. rechtzeitig Mitteilung gemacht worden wäre. Wir stellen das her die Frage an den Herrn Verfassungsminister: 3st ihm mitgeteilt worden, daß die S2. sich in ihren Bersammlungsräumen, Heimen und Berkehrslotalen sammeln sollte, oder ist ihm mitgeteilt worden, daß die SA. aus ihren Versammlungsräumen, Verkehrslokalen und Heimen S2 herausgezogen und außerhalb der Städte in genau vorbereiteten behelfsmäßigen Unterkünften zufammengezogen werden sollte? 3ft ihm mitgeteilt worden, daß die 52. zur Sicherung ihrer Mitglieder in der Wahlnacht von der Straße ferngehalten werden folite, oder wurde ihm mitgeteilt, daß die S., verfehen mit Proviant für mehrere Tage, versehen mit Unweisungen zur Bewaffnung und zur Requififion von Kraftfahrzeugen sich außer halb der Städte konzentrieren follte? Der törichte Ablenkungsversuch, den die Hugenberg- Presse mit dem Hinweis auf die Eiserne Front unternommen hat, er ledigt sich von selbst. Kein Mitglied des Reichsbanners, tein Mit glied der Sozialdemokratischen Bartei, tein Mitglied der Gewert fchaften und der Sportorganisationen hat von seiten der Eifernen Front eine Anweisung erhalten, sich mit Proviant zu versehen, sich sei. Der Plan sieht eine Konzentration der gesamten Berliner SU. mit Ausnahme eines einzigen Sturmes außerhalb der Grenzen Berlins vor. Zugleich foll die SL der gesamten Mart Brandenburg in einem weiten Ring um Berlin herangeschoben werden, um dort in genau bezeichneten Versammlungs- und Bereitstellungsräumen Aufstellung zu nehmen. Was hat das noch mit Legalität räumen Aufstellung zu nehmen. Was hat das noch mit Legalität 3 tun? Was hat das mit Schuh der S2 vor Ueberfällen, mit Ordnungs- und Vorsichtsmaßnahmen zu tun? Und nochmals: war as dem Heren Reichsinnenminifter bekannt? Ueberprüft man rein militärisch das vorgefundene Material, so ergibt sich folgendes Bild: Die S. Berlin sollte in einem größeren Umfreife ebenfalls tonzentrisch versammelt werben. Heber die Einzelheiten fagt die Mitteilung des preußischen Ministeriums nichts; man wird abwarten müssen, bis man die Details der Aufmarschpläne erfährt. Auch der Schneidemühler Befehl und Befehle, die anscheinend in Pommern und Hannover gefunden sind, deuten darauf hin, daß die GA. in völlig durchorganisierten Bersamm lungs- und Bereitstellungsräumen außerhalb der Städte aufgebaut werden follte. Eine solche Maßnahme kann auch der gutgläubigfte Tor nicht als Schutzmaßnahme vor Ueberfällen und Gewalttätigfeiten durch Andersdenkende hinstellen. Vom Standpunkt einer 'isgerkriegsmäßigtn Gewaltaktion sind Aerade die Mahnahmen der SZsi-Führung enticki'eidend und michrig. D> den Beifall der Nationalsozialisten. Er hat also nicht umzulernen i brauchen. Dean Nazi oder Sozi— es bleibt sich eins.' Die legalen Unschuldslämmer. Goebbels:„Dir würfeln am lZ. März um Sein oder Illchlfein." „Mal herhören! heule nacht um 12 Uhr übernehmen wir die Macht.' .Verlin wird abgeriegelt, ein Relaisdieast nach München eingerichtet." ..Wir?— Wir wollten nns nur gegen einen Putsch der Eisernen Front bzw. gegen den am Sonntagabend aus- brechenden Generalstreik verleidigen.' Goethe und die Gegenwart. Hermann Wendel in der Freien Sozialistischen Hochschule. In der Freien Sozialistischen Hochschule sprach Genosse Her- mann Wendel im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses zum IVO. Todestag Goethes über„Goethe und die Gegenwart'. Sern Vortrag war in stärkster Eindringlichkeit eine Entgöttlichung und- Psrnumfchttchung-________ �. Im Namen des Reichsausschusses für jozlaktjthchi Blldungs- arbest»öffnete Clara BohM-Tchuch Dr. Fortner sprach Goethe»„Zueignung'. Hermann Wendel sagte:.LH» 1880 die Juli-Revolution von Paris in Deutschland bekannt wurde, als Barrikaden errichtet waren, als Karl X. vertrieben war, eilte sin Vertrauter Goethes zu dem mehr als achtzigjährigen Mann« und rief aus:„Was sagen Sie zu dem großen Ereignis?' Gosche stimmt« zu. und der Besucher fuhr fort:„Eine so erbärmliche Famllis, ein so erbärmliches Ministerium!' Goethe, erregt, meinte:„Wovon sprechen Sie? Ich denke an den Streit zwischen C u o r i« r und Saint H i l a i r e." Der Zwist zwischen zwei NaturwissenfchafUern, der uns herzlich belanglos dünkt, war ihm wichtiger als das große Ereignis, und e» mühte uns fast scheinen, daß Goethe jeden polnischen und historischen Nervs ermangelte. In Wahrheit war er historisch interessiert, wie in. allem auch hier ein nachdenk- licher Mensch. Freilich, als er mit Napolsan über die Schicksals- dramen sprach und der Kaiser ihm sagte, daß heille die Politik das Schicksal sei, kam er nicht mit. Wie hepte i>i« Stellung zum Sozialismus die groß« Frage für jeden Menschen ist, so war damals maßgebend die Stellung des Menschen zur Französischen Revolution. Goethe stand ihr rein verneinend gegenüber. Daran ändert auch die Legende von Balmy nichts. Wohl freilich erkannte«r. Laß Revo- lutionen nie Schuld des Volkes, sondern immer Schuld der Regie. rungen sind. Aber die Revolution war ihm die gräß- lichste Erfüllung aus dieser Schuld, uüd in„.Hermann und Dorothea' sagt er deutlich, daß er doch nie den Rkenschen in dieser schlimm?» Verirrung wiedersehen möchte.- Der große Genius behandelte die Revolution in zwei ab° gejchmackten Possen. Gewaltsamer Umsturz empfing von ihm Ablehnung. Abscheu, Widerwillen und Ekel. Das färbt sich sellst in seinen naturwissonjchafllichen Studien ab. Wenn man ihn gemäßigt liberal nemit, so war er mehr gemäßigt als liberal. Teilnahm« des Volkes an der Regierung war ihm ein Unding, weil in der Masse die Gescheiten immer in der Minderheit seien. Die Freiheit war ihm ein vager Begriff. Und was er über Demokratie sagt«, erinnert an Stammtischweisheit. Die Heilige Allianz von 181S, die den Fürsten Sicherheit bot und ein Staudamm gegen jede Demokratie war, galt ihm als Ideal. Er war gegen Verfassung, Preßfreiheit und Eman- Z i p a t i o n. Aber wenn man gerecht ist, so erkennt man, daß ihm alle dies« Dinge viel weniger wichtig erschienen als den Menschen der Jugend von damals.„Ein garstig Lied, pfui, ein politisch Lied', sagte er, und mit Recht nannte mau ihn das Z e i t a b l e h- nungsgenie! Außer Liebe und Freundschaft. Kunst und was er schrieb, persönliches Bekenntnis. Seine Selbstmordgedanken reagierte er sich in„Werthers Leiden' ab, und sein ganzes Leben war Ausbau seiner Persönlichkeit. Goethe war ein einziger gewaltiger geistiger Derdauungsapparat. Alles„war erquickt. mich zu erquicken.' 'So wuchs faT unablässig aa Menschen und DwgoN. W«k»-st die.Leranslaltupg wand je mit| einem Pfunde gewuchert hat, war es Goethe. Aber es war die Tragik Goethe», feiner Zeit und Deutschlands, daß er stch zum vollendeten Menschen nur«mporringen konnte, wen» er sich im Privatleben verkrocht Das erklärt seine dreifache Flucht. Cr floh aus dem Bürgertum zum Hof. weil dl« Lust im Bürgertum ihm zu dünn war. Darum wurde er Herr von Goethe. Er floh aus der Gegenwart in die Vergangenheit- Deshalb sah er die Antike vorschönt und idealisiert, obwohl er hätte wissen müssen, daß die Griechen des Altertums stark nach Knoblauch rochon. Er floh aus der Wirklichkeit in die Idee. Dadurch aber ward ihm die Well sin einheitliches Ganzes. Er wollte die Natur enträtseln, um sie den Menschen Untertan zu machen. Er erkannte, daß wir im Grunde alle kollektive Wesen sind, wir mögen uns stellen, wie wir wollen. Deshalb nennen ihn Literarhistoriker, was gewiß übertrieben ist, den ersten deutschon Sozialisten. Gewiß ist sein Wort aus dem„Faust' ein vom Gipfel herabgesprochenes Wort:„Solch ein Gewimmel möcht ich sehn, aus freiem Grund mit steiem Volke stehn'. lleberall, bei Stein, Blume und Tier, forschte er Sein Ziel ist die Entwicklung des Menschen von der Barbarei zur Kultur. Für ihn war nach Kant der Mensch nie Mlltel, nur Zweck. Das Gehirn, nicht die Faust war ihm maßgebend. Wenn in politischen Kaschemmen Krieg, Mord und Gewalllat deutsch genannt werden, war er der Un- deutscheste aller Deutschen- Die Revolution war ihm barbarischste Form des Fortschrills. Ihn bestelle der Gedanke: Alle menschlichen Gebrechen Sühnet reine Menschlichkeit. Deshalb konnte er 1813 die Franzosen nicht hassen, weil der Nationalhaß für ihn unterste Stufe der Kultur war. Das machte ihn zum Weltbürger und zum Weltdichter. Deshalb ehrt ihn nicht nur Deutschland, sondern die Welt. Er dachte über» national. Wir, die wir Ideal« zur Wirklichkeit ausgestalten müssen, erkennen, daß der Sozialismus den Individualismus nicht ausschließt, sondern ergänzt. Goethes Erkenntnisie werden heute durch den Faschismus geschändet. Aber wenn wir der Gewalttätig- kell mit einem Bande Goethe entgegentreten wollten, so handelten wir, als wenn wir einer Hyäne Pflanzencost anempfehlen. Goethes Leben ist Aufruf zum tätigen Leben gegen die Ausnutzung mensch- licher Dummheit, und dem politischen Hokuspokus setzen wir Goethes Wort entgegen: � Narre! Wenn es brennt, so lösche, Hat's gebrannt, bau wieder auf! Wohl kämpfte er in feiner türm und Drang, und sein Wissenschast scheint er nichts zu wollen. Äugeud in der Reihe der Männer von Götz sagt: es lebe die Freiheit. Wohin aber Goethe damals trat, stieß«r auf weichenden Moor- bodeisi und Deutschland war ein Platz, auf dem ein Schild hätte stehen können: Hier kann Schull abgeladen werden. Das Leben stagnierte und war musjig, es war Stille über Deutschland. Goethe kam aus dem Bürgertum, und wenn sein Freund, der Medi- ziner Gall, sagte, er hätte Volksredner werden müssen, so„erschrak er nicht wenig, weil er bei seiner Nation nichts zu reden fand.' Bon oben wäre es ihm nicht gestattet worden, und von unten hätte er kein Echo gefunden. Deshalb resignierte er und zog sich ins Privatleben zurück. Aber gerade von dorther vollbracht« er seine genialische Leistung. In einer Zeit, da der Mensch sich noch nicht selber interessant war und nur Typen bestanden, ward ihm, Vertiefung in Goethe bedeutet nicht Abkehr von der Erde, son- dorn Handeln. Wir wollen nicht über Goethe schwatzen und nachdenken. Eine Well geht unter? Nein, eine Welt geht ans! Deshalb die Aermcl aufgekrempelt! Es steht im Faust: Im Lln- fang war die Tat! Zum Abschluß rezitierte Fortner Goethosche Verse. 3n Schwetzingen in Laden ging ein srülzerer Äommu- »ist, ein Weinhändler, der setzt Nationalsozialist ist, auf den Stimmenkauf. Es gelang ihm auch, eine Stimme zu kaufen, wo- rüber das folgende Dokument aufgestellt wurde:.Herr Jakob E bekommt für seine Stimme, die er Hitler gibt, bei der Neichepräsi- dentenwahl einen Liter Wein. Schwetzingen. Z. März 193? Peter Steidl.' Jakob C.' Dieser frühere Kommunist ist eine seine Mark«! Zeichne die Sammellisten der Eisernen Front! Schaffe Munition für den Wahlkampf. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Treppen techts, zu richten Achtung! Stadtverordnetenfraftion! In der Zeit vom 21. März bis 2. April finden weder Fraktions- noch Stadtverordnetenjikungen statt. 17. Kreis Lichtenberg. Deutscher Freidenfer- Berband. Gruppen 32 und 36. Funktionärversammlung am Mittwoch, dem 23. März, 19 Uhr, bei Wegner, Frankfurter Allee 236. Die Funktionäre und Untergruppentaffierer der Ortschaffen Lichtenberg, Karlshorit, Raulsdorf, Biesdorf, Mahlsdorf, Marzahn, Hellersdorf müffen der wichtigen Tagesordnung wegen vollzählig erscheinen. Am Montag, den 21. März, 18-20 Uhr in der Bibliothek, Weichselstraße 28. Kirchenaustritt. Rotar anwesend. Gebühr 2 M. Schulaufbau! 3. Kreis Wedding. Mittwoch, den 23. März, Bersammlung der Elternbeiräte bei Gorga, Uferstraße 13 Ede Martin- Opig- Straße. Anfang 20 Uhr. Thema: Die Eltern. beiratswahlen 1932 und Liste Schulaufbau". Referent: Richard Schröter. Kreisobleutefitzung der Zeitungskommission Groß- Berlin. Dienstag, den 22. März, 19% Uhr, im Vorwärtsgebäude, Lindenstraße 3, im Zimmer der juristischen Sprechstunde, 1. Sof ptt. I. Jeder Kreis muß vertreten fein. Montag, 21. März: 2. Kreis. Achtung Konsummitglieder! 19% Uhr, Arminiushallen, Bremer ftraße 78, Konsummitgliederversammlung der 26., 27., 28., 35., 81., 102. und 190. Abgabestelle. Referent: Paul Lange. Geschäftsführer der Konsum genossenschaft: ,, Wirtschaftskrise und die Ronsumgenossenschaften". Als Ausweis gilt die Warenbezugstarte. Vor allen Dingen werden die Frauen gebeten, anwesend zu sein. 13. Sreis. 19 Uhr, Fraktionsfikung in Tempelhof, Dorfstr. 42. 14. Kreis. Montag, den 21. März, 19.30 Uhr, Kreisvertreterversammlung im Lotal Bergschloßhöhe. Karlsgartenstraße. Bortrag des Genoffen Otto Meier: ,.Unser Kampf um Preußen". Stellungnahme zum Bezirksparteitag. 19. Kreis, 20 Uhr, Kreisvorstandssigung mit den Abteilungsleifern im bekannten Lokal. 6. bt. 20 Uhr, Funktionärfonferenz bei Dobrohlam. 11. bt. Jüngerengruppe. Genofsinnen und Genoffen, die sich an der Oster fahrt( 4 Tage) beteiligen wollen, melden fich bis spätestens Montag abend beim Genoffen Karl Pieth, Agricolastr. 10b. 17. bt. 19% Uhr, Funktionärtonferenz bei Dose, Nordhafenitr. 6. 18. bt bei Sachse, Lindower Str. 26, wichtige Funktionärsgung mit den Kreisdelegierten. Bollzähliges Erscheinen wird erwartet. 19. 91st. 19% Uhr, Funktionärsgung bei Schrenel. Grünthaler Str. 13. 23. bt. Zusammenkunft der Bezirksführer mit den im Februar gewählten Kreisvertretern bei Grunewald, Kameruner Str. 19. Aeußerst wichtige Tagesordnung. 28. 9rbt. 20 Uhr bei Pechenberg, Choriner Str. 49, Funktionärsipung. 40. bt. 20 Uhr bei Förster, Dreibundstr. 11, Mitgliederversammlung. Der Stampf oeht weiter". Referent Mer Briniker. 53. Abt. Die Genoffinnen und Genpffen beteiligen fich an der Konsumberfammlung in den Arminiusfälen, Bremer Str. 72/73. Barencintaufstarte legitimiert. 14 63. 56. ht. Mitgliederversammlung bei Beutel, Raiser Friedrich- Str. Preußenwahlen". Referent Genoffe Sermes. 80. 96t. 20 Uhr, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Gilrlich, Becasstr. 1. Merden und Wesen des englischen Parlamentarismus“. Referent Michael Freund. Auch die älteren Parteimitglieder sind freundlichst eingeleden. 94. bt. 19% Ubr, Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder bei Ruhfeld, Lichtenrader Str: 58, nicht bei Schröder. 97. Abt. Die Zusammenkunft jüngerer Parteigenoffen fällt wegen der Kreisvertreterversammlung aus. Nächster Heimabend am 6. April. 124. Ant. Außerordentliche Funktionärsikung im Nordstern". Dienstag, 22. März: 1. Streis. 15 Uhr, Rusammenkunft der erwerbslofen Parteimitglieder an bekannter Stelle. Referent Dr. Otto München. 4. Arcts. Pünktlich 17 Uhr. Bufammenkunft der ermerbslofen Parteimite glieder im Altersheint, Damiger Str. 62 Goethefeter Mitmickendes Martha John. Rezitationen: Frau Toporowski, Gesang: Friz Bolt, prusifalifche Begleitung: Emil Barth, Ansprache. 5. Sreis. Arbeiterwohlfahrt. 15 Uhr, Rufammenkunft der erwerbslosen Barteimitglieder im Seim Tiffiter Str. 4/5. Geographie, Wirtschaft, Rolitit". Referent Wilhelm Tietgens. 14. Preis. 15 Uhr. Sufammenkunft der erwerbslofen Parteimitalieher im Feim, Kanner Str. 42. Lichtbildervortrag. Am Freitag. dem 25. März, 15 Uhr, Pleinkunftbithne. 19. Streis. 15 Uhr, Erwerbslofenzufammenkunft im Augendheim, Bankow, Girschstraße. Geethe Gedentfcier, Musit, Bortrag, Rezitationen. 10. bt. Funktionärsikung rei Stein, offteiner fer 14. 16. 9rbt. Mitaliederversammlung bei Stritger, Suffiteuftr. 34 Ede Scheringftraße. Die Partei nach der Reichspräsidentenmahl". Referent Otto Meier, M. d. 2. 55. t. 10. Gruppe Panlabenh bei Röhrig, Schloßftr. 45. Der Stampf geht meiter." Referent Heinrich Salubowicz. 86. 6t. Funktionärsburg bei Görlik, Chausseestr. 19. 111. 96t. 20 Uhr bei Seimann, Waltersdorfer Str. 100, außerordentliche Funktionärtonferenz. Erscheinen aller ist nicht. 115. 96t. 10% Uhr Abrechnung im bekannten Lokal. 121. Abt. 20 Uhr Funktionärssung an befannter Stelle. 9. Kreis. Mittwoch, 23. März: Kreisvertreterversammlung im Biftoriagarien, Wilhelmsque 114. Vortrag des Genoffen Franz Künstler, M. d. R. Mitgliedsbücher und Mandate find als Ausweis mitzubringen. 12. Areis. Kreisvertrcierversammlung in Lichterfelde, Schillings Feitfäle, Rehlendorfer Straße. Der Kampf um Preußen." Referent Georg Klausner, M. d. R. 14. Preis. Sipung aller Zeitungstommissionsmitglieder des Kreises im Ideal. Kasino, Weichfelftr. 8, 19% Uhr, Vortrag des Redaktionssekretärs Genoffen Arndt über: Interessantes aus dem Redaktionssekretariat." 18. Kreis. 20 Uhr Kreisvorstandsßigung bei Fallas. 1. Abt. Rahlabend Rehlow- Lindemann im Lokal Alement., Sophienstr. 6. Genoffe Johannfen: Breußenwahlen, mir und andere Parteien." 3. bt. Rahlabende an bekannter Stelle. 4. Et. Rahlahend rei Brandis, Stralauer Str. 10. Jugend und Bartei". Referent Willi Wolff. 6. Abt. 19% Uhr, Mitgliederversammlung im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstraße 11/12. Der Rampf geht metter". Referent Balfgang Schwarz. 7. Abt. Mitgliederversammlung in der Reuen Resource", Gartenstr. 6. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm". Referent Richard Joachim. 8. Abt. Mitgliederperfammlung im Nationalhof, Bülowstt. 36. Der Kampf geht meiter". Referent Jodel Meier.. 9. Abt. Referent Hans 10. Abt. 8ahl- und Diskussionsabend im Lotal, Stephanstr. 11. Schmidt. Distussionsabend bei Sandom, Flensburger Str. 3. 14. Abt. 20 Uhr, Zahlabende in den bekannten Lpfalen. 15. Abt. Mitgliederversammlungen bei Musch, Brunnenstr. 140 und bei Aurtowsti, Feldstr. 3. Der Kampf geht weiter. Referenten Genosse Judrian und Dr. Richard Lohmann. 17. Abt. Mitgliederversammlung in der Aula der Gemeindeschule, Müllerftraße 158/159. Die deutschen Wahlen und ihre Bedeutung für die internationale Wirtschaft. Referent Otto Bach. Schulstr. 66. ,, Arbeitsbe18. Abt. Mitgliederversammlung in der Lömenbrauerei, Hochstr. 2.„ Politische Lage. Referent Dr. Julius Moses M. d. R. 19. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt aus. 20. Abt. Mitgliederversammlung bei Dabbert, schaffungspläne". Referent Dr. Hans Adler. 21. Abt. Mitgliederversammlung im fleinen Gaal der Pharus- Gäle, MüllerStraße 142. Unser Kampf um Breußen". Referent Emil Barth. 22. Abt. Mitgliederversammlung im gelben Saal der Hochschulbraueret, GeeStraße. ,, Breußenwahlen." Referent Erich Kuttner, M. d. 2. 24. Abt. Mitgliederversammlung im Altersheim, Dansiger Str. 62. 3wischen den Wahlen". Referentin Mavie Kunert, M. d. R. 23. Abt. Sie Fahlabenbe fallen am 23. März aus. Dafür 19 Uhr Abteilungs. vorstandssigung, 20 Uhr außerordentliche Funktionärsigung an belaunter Stelle. 28. Abt. 1. Gruppe Zahlabend bei Schulz, Oderberger Str. 44. Breußen wahlen". Referent Ed. Zachert, M. d. 2. 2. Gruppe bei Golder, Oderberger Str. 39. Der Kampf geht meiter". Referent Genaffe Rohde 30. Abt. Mitgliederversammlung m den Casino- Festfälen. Bappel- Allee 15. Arbeitsbeschaffung". Referent Dr. Cassau. 32. Abt. Mitgliederversammlung in Schmidts Gesellschaftshaus. Fruchtstr. 36a. Braußenwahlen". Referent Dr. Norbert Marg. 33. Abt. Mitgliederversammlung( Lokal wird am Dienstag bekanntgegeben). Referent Mar, Fechner M. d. 2. 34. bt. Mitgliederversammlung in der Schulaula Litauer Straße 19.„ Der Kompf geht weiter". Referent Georg Schwarz. 36. Att. Mitgliederversammlung in der Schulaula Petersburger Str. 4. 9olitische Lage und die Aufgaben der Partei." Referent Dr. Gregor Bienstod. 37. Abt. Mitgliederversammlung im Bakenhofer. Sandsberger nee 25/27. Breußenwahl. Referentin Dr. Elsbeth Beichmann. Reichspräsidentenmahl. 38. Abt. Mitgliederversammlung in Echmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstraße 36a. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm". Referent Dr. Ludmig Greil. 39. Abt. Mitgliederversammlung, 20 Uhr, im Baugewerkshaus, Großbeerenftraße 86. Ein Rundholz". Referent Dr. Ernst Bod. 42. Abt. Mitgliederversammlno in Kleins Festfälen, Blücherftr. 61.„ Arbeitsbeschaffung". Referent Adolf Dünnebade. 43. Abt. Mitgliederversammlung in Rabes Festsälen, Fichtestr. 29. den Wahlen". Referent Mar Sendemann. 3wischen 45. Abt. Mitgliederversammlung in der Schulaula Forster Ede Reichenberger Straße. Arbeitsbeschaffung". Referent Wilhelm Friedel. Abrechnung der Bezirksführer am Donnerstag, dem 24. März, beim Kassierer. 46. Abt. Mitoficderversammlung in der Schulaula Görliger Straße 51. Der Kampf geht weiter." Referentin Klara Bohm- Schuch, M. d. R. 47. Abt. Mitgliederversammlung im Saale 1 des Gewerkschaftshauses Engelufer 24/25. Die Lehren aus der Wahl". Referent Genoffe Saubach. 48. Abt. Mitoliederversammlung im Dresdner Garten, Dresdner Straße 45. Die politische Lage". Referent Robert Schmidt. 51. Abt. Mitgliederversammlung im Wohlfahrtsfant Rönigin Elisabeth- Str. 6. Preußen in Abwehr". Referentin Dr. Silde Werscheider, M. d. 2. 53. Abt. Mitgliederversammlung bei Last, Pläßenfee, Straße 12. ,, Von der Reichspräsidentenmehl zur Preußenwahl". Referent Dr. Alfred Korach. 54. Abt. 20 Uhr Funktionärsgung im Jugendheim Rosinenstr. 4. Die Mitglieder des Abteilungsvorstandes% Stunde früher. 57. Abt.. Mitgliederversammlung, 20 Uhr, im Schiller- Restaurant, Bismard. ftraße 110. mischen den Wahlen" Referentin Mathilde Wurm, M. d. R. 58. Abt. Mitgliederversammlung, 20 Uhr, im Rankenhauer, Rantestr. 4. ,, Marrismus und SPD." Referent Gottlieb Reese. 86. Abt. Mitgliederversammlung in der Schulaula Königstr. 32. Der Kampf geht weiter. Referent Ernst Reumann. 91. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder bei Balm, Mainzer Straße Ecke Bibrichstr. Politische Lage". Referent Dr. Eberlein. 99a Abt. Mitgliederperfammlung, 20 Uhr, im Buschtrus, Rudower Str. Der Stampf geht weiter. Referent Hermann Sarnisch, M. d. 2. 114. bt. Zahlebend 4. Gruppe bei Schuler, ühischstr. 36. Der Kampf geht weiter". Referent Genoffe Frid. 115. bt. ufammentinit der fungeren Parteimitglieder bei Geipfe, Atonprinzenstr. Referent Alfred Martwis. 24a Abt. bei Wenzle, Carmen- Sylva- Str. 51. Erziehung au Menschen". Referent Gottlieb Reese. fozialistischen 25. Abt. 20 Uhr pünktlich bei Schmidt, Kniprodeftr. 109 Ede Aurische Gir. Der Kampf geht weiter". Referent Dr. Deutschtron. 27. Abt. 19% Uhr im Sportrestaurant Cantionstr. Rampfjahr 1932 und Aufgaben der Frauen". Meferent Georg Maderholz, M. d. 3.. 29. Abt. 20 Uhr bei Klug, Danziger Str. 71. Unser Stampf um Preußen". Referent Eduard Sachert, M. d. 2. 31. Abt. 20 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Referentin Alara Bohm- Schuch, M. d. R. 34. Abt. 19% Uhr bei Neumann, Gubener Str. 45...Cherechtsreform". Referentin Margarete Schentalomfti. 35. bt. 20 Uhr bei mitt, Boigtstr. 38. Bie diskutiere ich mit meinem Gegner". Referent Ernst Neumann 36. Abt. bei Busch, Tilsiter Str. 27. Referentin Maria Schröter. 38. Abt. im Pagenhofer, Landsberger Alee 25/27. Der Kampf geht weiter". Referentin Frida Licht. 39. Abt. in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Was haben die Frauen vom Dritten Reich" au erwarten?" Referent Dr. Milian Schömonn. 41. Abt. 20 Uhr bei Erdmann, Belle- Alliance- Str. Ede Bergmannstr. internationale Kapital und das internationale Proletariat". Dr. Walter Groß. Das Referent 42. Abt. 20 Uhr bei Söhlte, Bergmannstr. 69. Die Frau in der Arise der Gegenwart". Referentin Dr. Judith Grünfeld. 43. Abt. bei Krepp, Plan- Ufer 75/76. Unser Rampf gegen den Fafchismus für soziale Rechtsansprüche der Arbeiterschaft". Referentin Lisa Albrecht. 44. Abt. bei Emald, Stoliker Str. 126. Seben und Arbeit in Sowjet- Rußland" Referent Dr. Otto München. 45. Abt, bet Wincier, Reichenberger Str. 104. Gefunde Mütter Rinder". Referentin Morgarefe Bark. 1 gesunde 46. Abt. bei Chwillowsti, Wrangelfir, 67 Ede Taborste. Aranfen- und Invalidenversicherung nach der legten Notverordnung". Referentin Dr. Klara Henriques. 47. Abt. in der Schule Baldemarfir. 77. ,,, Unser Kampf für den Weltfrieden." Referentin Maria Krische. 48. Abt. bei Buschmann, Rifterstr. 33. Unfer Kampf um Breußen" Referentin Gertrud Hanna, M. d. L. 53. Abt. Der Frauenabend fällt zugunsten der Konfumverkaufsstellenversamm Tung am 21. März in den Arminius- Festfälen, Bremer- Straße, aus. 69. His 72. b. 20 Uhr bei Werner, Berliner Str. 38. Bolitische Lage". Referentin Marie Amert, M. d. R. 78. Abt. Frauensbend. Mühlenstr. 9 bei Hochgeschürz Thema: Seguelle Erziehung der Jugend. 79. Ant. 20 Uhr im Ledigenheim. Der Kampf geht weiter". Referent Stadtrat Carl Wermuth. 82. Abt. 20 Uhr bei Schelhase. Ahornftr. 15a. Die Aufgaben der sozialen Gerichtshilfe" Referentin Emmi Bodenheimer. 88. Abt. bei Stohrmann, Silbertstr. 19. Unser Kampf um Breußen". Referentin Sennn Jaducsonfti, 98. 961. 19 hr pünktlich bei Teja, nefebecffr. 135. Unfer Kampf um Breußen. Referentin Lutse Stähler, M. d. 2. 99. Abt. Der für den 21. März genlante Frauenabend muß ausfallen. 103. Abt. bei Trompter, Frischen Ede Luisenstr. Familienleben und Birtschaftstrife". Referentin Helene Gemiz, M. d. 2. 104. bt. bei Pomp, Saffelmerber- Ede Fennitr., Sozialhnaienische Forderungen für die Proletarierfreu Gesundheitsfürsorge im Dritten Reich". Rejerentin Dr. Frida Alerander. 117. Abt 20 Uhr bei Brunn, Türrschmidtstr. 40, Lichtbildervortrag des Genoffen Dr. Georg Löwenstein Entffeh ha rnd Berhitung von Frauentrantheitei". 121. Abt. 20 Uhr bei Burkhardt, Frestom- ce am B- huhof. Unser Kampf um Arbeit und Frieden". Referent wird am Montagabend bekanntgegeben. 124. bt, bet Anders, Bahnhofftt. Die Lehre aus der Reichspräsidentenmahi". Referent Wilhelm Tieteens. 131. Abt. in der Gemeinschaftsschule Bismardstr. Die proletarische Frau in der neuei Dichtung". Referentin Baula Rurgaß. Dienstag, 22. März: 13. Abt. bei Lausch, Bredom- Ede Wiclefite. Wie diskutiere ich mit meinem Gegner?" Referent Heinz Löwi. 28. Ast. 20 Uhr bei Golder, Oberberger Gir. 39. Die weltliche Schule". Referent Reftor Schröter: 55. 96t. bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. Streifallge durch den Orient". Referentin Erna Büsing. 56. Abt. 20, Uhr bei Liersch, Kantstr. 62. Ernste und heitere Rezitationen". Vortragende Friedel Sall. 57. Abt. 20 Uhr bei Dohrmann, Arumme Str. 82. fortfehung der Borlesung aus dem Buch lich hunaerts" non Georn Fint durch die Genoffin Brauer. 75. Abt. 20 Uhr, im Lindenhef, Wilhelmplas. Unser Sampf um die Abac riftung" Referent. Dr. Eberlein. 94. Abt. bet Stubfeldt, Selhower Str. 20. Frauenarbeit in den Bartamenten Breußenwahlen". Referentin Marie Stuntert, M. d. R. 122. Abt. 20 Uhr bei Bonath, Marschner Giz. 31. Arbeiterhaushalt abbau Lohnfentung". Referent Bernhard Arüger. Breis. 119. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Barteimitglieder 20 Uhr bei Schabe, Normannen- Ede Ruschestr. Der Kampf uin Preußen". Referent Bern- 129. lat. im Türfifchen Pelt, Breite Sir. 14. Der Kampf geht weiter". Rehard Krüger, 121. Abt. Zusammenkunft der füngeren Parteimitglieder an bekannter Stelle. Vortrag und Aussprache. 136. Abt. Mitgliederversammlung im Schützenhaus, Residenzitr. 1. 8mischen den Wohlen". Referent Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. 139. Abt. Mitaliederversammlung im Alten Krug, Haupiftr. der Republik" Referent Ernst Heilmann, M. d. V. Rechtspflege in 143. Abt. 19 Uhr Borstandssigung mit den Bezirksführern beim Genoffen Lehmann. Donnerstag, 24. März: 1. Areis. Rurfus Bernstein Demokratie im Stitem", 20 Uhr, in der Sophienfchule, Weinmeisterstraße 4/5. 3. Areis. Kreisvertretertag 19% Uhr in den Bharus- Sälen, Müllerstr. 142. Unser Kampf um Preußen". Referent Otto Meier, M. d. L. Stellungnahme zur Kandidatenaufstellung. 7. Kreis. 19% Uhr Bildungsausschuß- Gigung im Jugendheim Rofinenftr. 4. 15 Uhr Rufammenkunft der erwerbslojen Vorteimitolieber im Jugendheim Rosinenstr. 4. Friedrich Ebert". Referent Stadtrat Horlig. 11. Abt. Rahlabend bet Niederstraß. Emdener Str. 52. Der Kampf geht weiter" Referent Mar Sendemann. 88. Abt. Mitgliederversammlung 20 Uhr bei Schiebert, Berliner Str. 12. Snternationales Arbeitsrecht". Referent Otto Bach. Frauenveranstaltungen. Montag, 21. März: 3. Ast. Der Frauenabend muß umständehalber ausfallen. 4. Abt. 20 Uhr bei Brandis, Stralauer Str. 10. Ernstes und Heiteres". Bortragende Elfriede Wollmann. 6. Abt. 18 Uhr Helferinnensizung bei Dobrohlom. 7. Abt. 20 Uhr in der Neuen Reffource", Gartenstr. 6. Religion und Sozia lismus". Referentin Susanne Räder- Großmann. Die Mitglieder der Freien Schulgemeinde find eingeladen. 14. Abt. Frauenwerbeabend in der Schule Putbusser Str. 3. Mitmirkung ber Rinderfreunde- Gruppe Sumboldt. ferentin Herta Gotthelf. Mittwoch, 23. März: 32. Abt. bei Wolter, Kaiserin- Augusta- Allee 52. Seiterer Abend". Vor tragende Martha John. 120. Abt. 20 Uhr bei Tempel, Brinzenallee 45. Dora Bergas: Es geht ums Fanze." 123. Abt. Der Frauenahend am 23. März fällt wegen der Schulentlassungsfeier der Weltlichen Schule aus. 128. Abt. Werbeveranstaltung bei Willner, Berliner Str. 82. Aufprache ber Genoffin Räthe Stern: Unfer Kampf gegen das Dritte Reid) für eine foziale Republit." Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 43. Abt. Am 15. März ist unser alter Genoffe Sermann Feuer, UrbanStraße 129, nach langjährigem Leiden verstorben. Ehre feinem Audenten. Einäfcherung Dienstag, 22. März, 16% Uhr, Baumschulenweg. Rege Beteiligung wird erwartet. 125, Abt. Donnerstag, 17. März, perstarb unfer Genoffe Artur Rriente, Rennbahnkolonie. Derselbe mar 30 Jahre Mitglied der Partei und in allen Situationen ein treuer Kämpfer und Werber filr ste. Wir werden sein Andenken in Ehren bewahren. Einäfcherung Dienstag, 22. März, 16% Uhr, Gerichtstraße. Rege Beteiligung erwartet der Borstand. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Verantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: 6. Klingelhöjer: Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner; Feuilleton: Dr. Sohn Schitowski; Lofales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glade; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 4 Beilagen. H Fordern Sie den neuen illustrierten Frühjahrs- Katalog Oster Verkauf! Die neue Canotierglocke wie Abbildung 1 aus feingenähtem Strohgeflecht, mit zweifarbiger 450 Bandgarnierung Elegante Pedalinform wie Abbildung 2 besond. fesche Randstellg. 6.90 dopp.plissiert.Bandrosette Matelot wie Abbildung 3 Copie Reboux, Atelierarbeit, aus feinst. Pedalin, mit farb. abgetönter Garnitur, in allen Modefarben 975 Mantel aus reinwollenem Gabardine, mit ausknöpfbarem Plaidfutter Kleid aus kunstseidenem 29.00 Marocain, Trägerrock 2900 mit heller Spitzenbluse Damen- Pullover reine Wolle, aus duftigem Strickstoff, mit modernen Puffärmelchen und Passe aus Woll- Valenciennes Kaufhaus 3.90 Damen- Strümpfe künstliche Waschseide, besonders feinmaschig, mit und ohne eleganten 095 Petinetzwickel Derbytasche Kristallmouton, mit. 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Für wie viele frohgemute Boots- oder Fadbesitzer jeglicher Gattung mag der heutige Tag der letzte Termin zur Löschung ihrer Schuld sein? Dreimal bereits hatte der Mann vom Bootshaus und ebenso oft der Mann von der Motorradfabrik geschrieben:. ,mir wollen Ihnen deshalb noch einmal ein äußerstes Entgegenkommen zeigen, anderenfalls müßten wir jedoch zu unserem lebhaften Bedauern..." Nun ist dieser letzte Tag des Entgegenkommens da und statt den Himmel voller Geigen zu sehen, beginnt heute tausendfach der Anfang vom Ende manchen Frühlingstraumes. Der Verkäufer ist eingenickt. der eben vergangenen letzten Winterwochc veranstaltete der Märtische Kreis des bürgerlichen Deutschen Kanu-Verbandes seine traditionelle Bootsausstellung in der Hasenheidc. Die Sonne schien warm und hell durch die hohen Fenster des Ausstellungssaalcs, wohlgefällig spiegelten sich die frisch und blank lackierten Kajaks und Kanus, und der Strom der Besucher lieh nichts zu wünschen übrig. Nur der Verkäufer vom ersten Bootsausstellungsstand gleich am Eingang, der hatte die Arme über die Brust gekreuzt und machte ein Nickerchen. Denn was er den Sehleuten hätte sagen können, das sagten seine Prospekte, die er ausgebreitet hatte, mindestens ebenso gut. Dieser schlafende Verkäufer war bezeichnend genug für die ganze Siwauon. Wer vor fünf Iahren um diese Zeit, eine Woche vor Ostern, zu einem Bootsbauer kam und wollte noch schnell ein Paddelboot haben, zu dem sagte der Bootsbauer:„Tja, lieber 5)crr, vielleicht in fünf Wochen, früher geht es nicht." heute werden Paddelboote sonder Zahl fast verschenkt. Gebrauchte natürlich. Trotzdem überraschte es. wie teuer die neuen Voole auf der Aus- fkellung waren. Für einen Faltboot-Einsitzer. 4,50 Meter lang und 0,65 Meter breit, einschließlich Zubehör verlangte man sage und schreibe 193 Mark. Für einen Faltboot-Zweisitzcr, 3,20 Meter lang und 0,90 Meter breit, sogar bis zu 230 Mark. Alles Barpreise, „Bezahlung hat vor Versand bzw. Erhalt durch Nachnahme zu er- folgen". Für ein 5,20-Meter-Paddelbollt(Scharpie) aus Mahagoni wurden 210 Mark in bar verlangt, für ein ähnliches Boot, nur ge- klinkert, nicht pzcniger als 340 Mark. Eine an der Havel gelegene Werft bot Ruderboote an: der billigste offene Einer mit 62t> Mark und ein gedeckter Einer mit Steuermann, auch als Zweier ohne fahrbar, der sollte nicht weniger als 820 Mark kosten! Selbst noch bei einem Angelkahn, in Eiche gebaut, standen 300 Mark als Barpreis verzeichnet. So und ähnlich war es mit allem anderen. Die Preise für brauchbare Zelte begannen mit 30 Mark, und ähnlich teuer marschierte der ganze kostspielige Zubehör hinter- drein. Wobei die Fabrikanten immerhin noch mildernde Umstände für sich in Anspruch nehmen können, denn von ihnen stammt ja im Grunde genommen die Mode nicht, in Nippessachcn aus Havel und Dahme herumzukutschiercn. Allerdings können die Verkäufer bei derartigen Preisen getrost ein Nickerchen machen. Leere Bootsstände. Sitzt man also in den Werften noch auf erstaunlich hohen Rössern, so steht den Eignern von Bootshäusern das Wasser bis zum halse. Es geht diesen Männern wie den Garagenbesitzern. Als vor drei Jahren ein Paddelboot noch 10 Mark Standgeld pro Monat kostete und zudem ein guter Bootsstand nur mit Mühe zu haben war, da mit einem Male wuchsen, angelockt durch die verschwende- rische Konjunktur, die Bootshäuser aus der Erde wie Pilze nach dem Regen. Jetzt in der Krise sitzt einer ans dem anderen und keiner bekommt Geld ein. Noch im vorigen Jahr sagten stch viele Fall- bootbesitzer, warum sollen wir das Boot ständig mit nach 5iause schleppen, lassen wir es doch für 4 oder 3 Mark im Monat gleich draußen, heute ist nicht mehr ein Faltboot in den Bootshäusern, schleunigst hat jeder den Stand gekündigt, dos Boot noch Hause geholt und auf dem Boden verstaut. Das ist sür die Besitzer pri- vatcr Bootshäuser ein arger Ausfall, wenn man bedenkt, welch- starke Stellung sich das Faltboot im Wassersport der Nachkriegszeit erobert hatte. Ein Bootshausbesitzer schildert seine Lage wie folgt: Er hat Platz für 200 Boote. In dieser oder jener Ecke war wohl immer noch ein Stand frei, aber im wesentlichen war in den letzten Jahren alles so gut wie vermietet. Jetzt ist die Hälfte der Stände unvermietet. Das ist ein monatlicher Verlust von rund 500 Mark. Die übriggebliebenen Bootsbesitzcr können entweder die Miete gar nicht mehr bezahle», oder die in Lohn und Gehalt Abgebauten zahlen nur schleppend. Bon Monat zu Monat werden die Rück- stände höher Der Mann meinte, sein Laden sehe einein Rcchtsbüro ähnlicher als einem Bootshaus. Jeden Tag sitzt er auf dem Amts- gcricht und ist dabei noch froh, wenn es schließlich zu einem mageren Vergleich mit kleinsten monatlichen Raten kommt. Und wenn die Schulden schon zu sehr nufgelaufen sind, bieten die Schilldner die Ucbcrcignimg des Bootes gegen Erlaß der rück- ständigen Miete an.„Aber— sagt der Besitzer—was soll ich denn mit den ganzen Booten ansangen, es ist doch kein Käufer da. Diese Schwierigkeiten haben die B c r c i n e glücklicherweise»och nicht, hier wirkt die Solidarität der Mitglieder der Krise entgegen. Wer arbeitslos ist, dem wird der ohnedies niedrige Beitrag erlassen oder zum mindesten gestundet. Der arbeitslose vcrcinspaddler oder -rüderer behält die Nutznießung seines Bootes und braucht am Wochenende auf die paar schönen Stunden der Entspannung vom Elend der Stadt nicht zu verzichten. Schwieriger ist es dagegen schon, Segelboote durchzulialten. Wer als Segler bereits Z H— „ewige Hilfe" bezieht, kann natürlich nicht mehr das teure Segel- bootstandgeld bezahlen. Die Folge sind fast unglaubliche Schleuder- verkaufe: gut erhaltene Segelboote mit 20 Quadratmeter Segel- stäche, die neu 1000 Mark gekostet haben, sind heute schon für 250 Mark zu kaufen. Und mit jedem verkauften Boot versinkt eine ganze Welt schöner Erinnerungen an glückliche, wunschlose Stunden. Motorräder im Keller. Ein schwacher Trost ist den Wassersportlern geblieben: den Motorradfahrern geht es nicht besser. Denn den vielen heute arbeite- losen Metallarbeitern, die sich noch in den letzten Monaten der bereits abklingenden Konjunktur eine Maschine zulegten, denen war damit noch nicht allzuviel gedient, daß sie ihr Rad beim Finanzamt abmeldeten. Zumal bis 220 Kubikzentimeter Hubraum ein Motor- rad überhaupt steuerfrei ist, eine Wli-Kubik Zentimeter-Maschine vierteljährlich 7 Mark und eine 7ö0-Kllbikzentimeter-Maschine vierteljährlich 16 Mark Kroftsahrzeugsteuer kostet. Entschieden wich- tiger war es für diese jungen Männer, von der Earagenmiete los- zukommen. Wenn auch nicht mehr wie 1927 für eine Motorradbox 13 Mark gefordert werden, so sind für Arbeitslose selbst die jetzt wohl allgemein verlangten 7,50 Mark immer noch ein drückender Tribut. So gingen die Arbeitslosen und Abgebauten in die Garagen und nahmen zuerst das Vorderrad von ihren Maschinen. Dann das Hinterrad, dann nahmen sie den Motor aus dem Rahmen, und olles wanderte, gut eingefettet, zur Ueberwinterung in den Keller. Taufende von ZNolorräderu stehen oder standen in diesem Krisenwiuler in den Kellern. Unterdessen stöhnen die Garagen- besitzer. Doch wenn die Garagenbesitzer stöhnen, müßten die Motorrod- besitzer eigentlich weinen, lieber ihre schönen Räder, die sie, durch die Nok gezwungen, für ein Vulterbrol weggeben müssen. Das Wüstenntodell von FN, die 330er-Maschine des Typs Sahara, eine gute Solomaschine, die neu über 1000 Mark kostet, ist gebraucht, falls sie nicht mehr als 5000 Kilometer Fahrt hinter sich Hot, für 200 Mark zu haben. Ein 730er-harley-Daoidson mit Beiwagen, 7000 Kilometer gefahren, von einem Fachmann tadellos gehalten, neu 2700 Mark, ist für 1000 Mark völlig unverkäuflich. Genau so find ja Motorboote unverkäuflich, heute liegen die Dinge so, daß schwere Beiwagenmaschinen höchstens noch den Preis des Bei- wagens erzielen, die Maschine gibt es zu. Am kommenden Sonntag ist Ostern. Einstmals hatten die Paddler und Ruderer und Motorradfahrer keine Sorgen, wohin sie fahren werden. An diesen Ostern wird die Fahrt ins Grüne etwas schwer werden. Uralzeffs Russengeschäft Die Raiffeisenbank unter Anklage— Uralzeff verteidigt sich u r a l Z e f f verteidigt sich. Uralzeff k l a g l o n. Er ver- leidigt sich, indem er behauptet, das Russengeschäst, diese mysteriöse Angelegenheit, die im Mittelpunkt der Berliner Verhandlung steht, sei ein reelles Geschäft gewesen: er klagt an. indem er die Raiss- cisen-Bank selbst wegen ungeheurer Verluste, die sie au ihm gehabt hat, verantwortlich wacht. Er behauptet, daß die Raifseisen-Lank die Sicherheiken, die sie von ihm erhaltco, verschleudert und ver- geudel habe. haben Sie dem Gelddisponcntcn der Raifseisen-Bank. Rechts- anwalt und Notar Lange, etwas abgeben müssen? fragt der Vorsitzende. Uralzeff zögert mit der Antwort und sagt schließlich: Ja. 3 bis 15 Proz. von dem gewährten Kredit: Die Raiffeisen-Bank hätte keinen Pfennig verloren, wenn dort nicht eine unglaubliche Korruption geherrscht hätte, wenn der Jutlerneid zwischen den einzelnen Direktoren nicht so stark gewesen wäre. Zu den S i ch e r- h e i t e n, die die Raiffeisen-Bank für den gewährten 9-Millionen- Kredit gehabt hat, zählt Uralzeff auch das Aktienpaket der Ostwolle, das die Bank ihm verkauft hatte: es sollte ihm erst noch Bezahlung des ganzen Kaufpreises zur Verfügung stehen. Die Raisseiscn-Bank hatte, wie erinnerlich, mit den Aktien spekuliert, in sie 7 Millionen hineingesteckt: in Wirklichkeit waren sie nicht mehr als 1 bis 2 Mil- lioncn wert: es gelang, sie Uralzeff anzudrehen. Es wäre ein fabel- Haftes Geschäft, fabulierten ihm die d c u t s ch n a t i o n a l e n Herren, die Direktoren Dietrich. Seck mann, vor. Die Ueber- nähme der Aktien durch ihn war ein großer Tag. Zu den Sicher- heiten gehörte auch eine gelbe Lcdertasche mit Perlen, Brillanten und Schmucksachen. Auch ein Stück aus dem Schatze des Zaren befand sich darunter. Die Tasche wurde in einen Banktresor eingeschlossen. Als man ihn später einmal aufmochte, war die Tasche so gut wie leer. Die Schlüssel zum Tresor befanden sich in den Händen der beiden Direktoren Dietrich und Seelmann. Das Versahren gegen Uralzeff wegen Betruges wurde eingestellt. Man habe angenommen, sagt der Staatsanwalt, daß seine An- gaben über den Inhalt der Kassette vieles für sich hätten. Wo waren also die Juwelen geblieben? Nicht minder mysteriös war das Verschwinden von 88 Teppichen, von den 110, die als Sicherheit gegeben waren. Und die Bilder im Werte von eine Million Mark hingen heute noch in den Dillen der Direktoren, erklärt Uralzeff. Endlich ist man beim Russengeschäst. Die Raiffeisen-Bank war Ende 1924 mißtrauisch geworden. Sie drängte auf Rückzahlung der Millionenkredite. Uralzeff vertröstete sie mit einem Spritschmuggelgeschäft mit Amerika und mit einem Russengeschäft. Sein Jugend- freund Stronrbcrg habe für 2 Millionen Dollar Chemikalien auf illegalem Wege nach Rußland geliefert. Er, Uralzeff, sei dabei mit 230 000 Dollar beteiligt. Sie wissen doch, hält ihm der Vorsitzende vor, es wird behauptet, daß dieses Russengeschäft in Wirklichkeit nicht existiert habe, und daß es auch keinen Stromberg gebe, haben Sie irgendwelche Beweise, daß er existiert und daß Sie das Geschäft mit ihm gemacht haben? Nein, Beweise besitzt Uralzeff nicht, dos Geschäft war ein Vertrouensgeschäft. Stromberg war eine erterri- toriale Persönlichkeit, er kam aus Sowjetrußland nach Deutschland, kaufte hier unter Umgehung der Handelsvertretung Waren ein und schickte sie noch Rußland. Er hatte in Hamburg ein Büro, dessen Adresse nicht ermittelt werden konnte, wohnte im Palasihotcl, was nicht f e st g e st e l l t werden kann, besaß einen Privatsekretör namens Eberhard, dessen Ausenthalt Uralzeff unbekannt ist. Stromberg kann in Moskau eingesperrt oder gar erschossen sein. Laut Vereinbarung mit diesem sollte Uralzeff seine Einlage per- sönlich zurückbekommen, der Kaufpreis sollte von der h a n- delsvertretung in Deutschland ausgezahlt werden. Mitte 1923 hieß es plötzlich, das russische Geschäft werde nun- mehr durch die P a r i s e r R u s s i s ch e h a n d e l s d e l e g a t i o.n zur Wwicklung gebracht werden. Der Prokurist der Bank, Krause, und Uralzeffs Schwager Pfeiffer fuhren noch Paris. um hier mit Stroniberg in Verbindung zu treten. Sic wurden von einer Person, die sich als Stromberg bezeichnete, aus Nizza angerufen, erhielten auch zahlreiche Telegramme über die Ursache der verzögerten Ankunft des Herrn Stromberg und fuhren schließlich unverrichteter Dinge nach Berlin zurück. Ebenso er- folglos war eine zweite Fahrt Pfeiffers noch Paris. Es erschien bei ihm im Auftrag von Strombcrg ein Herr K u r e n k o — ein SowjetangcstcUtcr behauptet Uralzeff— und vertröstete auf kommende Dinge. Das war alles. Im September 1923 wurde Pfeiffer zum dritten Male, diesmal in Begleitung des Rechts- anwalts Dr. Türk, nach Paris geschickt. Türks Reisen noch Paris wiederholten sich später mehrmals. Uralzeffs Anspruch aus 3 Mil- lionen, die er angeblich von der Russischen 5)a»delsdelegation in Paris zu erhalten hatte, wurden von ihm an die Raiffeisen-Bank abgetreten. Die Handelsvertretung stellte auf diese Summe-einen Schuldschein aus. Die Raiffeisen-Bank wollte an dessen Stelle mehrere Schuldscheine aus geringere Summen haben. Auch die erhielt sie, gleich dem ersten unterschrieben von„Rosenfeld und Levine". Die Dokumente wurden in der Raiffeisen-Bank p h o t a- graphiert. Die Nachforschungen in der Handelsvertretung er- gaben, daß hier weder ein Rosenfeld noch ein Levine in Stellung waren. Uralzeff behauptet, die Handelsvertretung habe ihre eigenen Angestellten verleugnet. Sie existierten ebenso wie Stromberg. Es fei unerhört, an der Realität des Russengeschästs zu zweifeln. Es sei Tatsache, daß in der Pariser Handelsvertretung Akzepte mit dem Giro seiner Handelsgesellschaft Orion im Umlauf waren und der Raiffeisen-Bank vorgelegen haben. Wieso Stroniberg das Geld nicht gezahlt habe, begreife er nicht. Entweder Hobe er ihn getäuscht oder es sei ihm etwas zugestoßen. Cr selbst sei voll- kommen unschuldig. Explosionskaiastrophe im Tunnel. Sechs Tote, zwanzig Schwerverletzte. Madrid, 1«. März. I« Andorra ereignete sich an» Sonnabend bei Tnnneldanten für elektrische Zentrale» eine schwere Explosion. Dabei wurden K Arbeiter getötet«nd 20 schwerverletzt. AN schnüpIIn Lsrteil im Schultheiß-Prozeß. Drei Monate Gefängnis für Katzenellenbogen. Die 3. Strafkammer des Landgerichts I fällte gestern» wie bereits im größte« Teil der Abendausgabe mitgeteilt wurde, folgendes Urteil: Der Angeklagte Kaßenellen- bogen wird ivegen Bilanzverschleierung zu drei Mo- naten Gefängnis und IN 00V Mark Geldstrafe verurteilt oder im Nichtbeitreibungsfalle zu einem weiteren Monat Gefängnis. Der Angeklagte Penzlin wird an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat zu 10 090 Mark Geldstrafe, Im Nichtbeitreibungsfalle zu einem Monat Gefängnis ver- urteilt. Bon der Anklage der Untreue wurde Katzen- cllenbogen freigesprochen. Das Verfahren gegen Katzeu- ellenbogen und Penzlin wegen Prospektbetrugs wurde eingestellt. Die Angeklagten Sobernheim» Kuhlmch und !?uur wurden freigesprochen. Die Gefängnis st rafe gegen Katzenellenbogen wird als durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt betrachtet. Zu der Llrteilsbeqründung sührte der Vorsitzende aus, daß stürmische Perioden im Wirtschasts- leben seit jeher ihren Niederschlag im Gerichtsjaal sänden. Das Gericht sei kein Untersuchungsausschuß oder Enquetekommission für die Herausarbeitung einzelner Rechtsfragen. Es sei auch nicht seine Ausgabe gewesen, zioilrechtlichen Ansprüchen den Weg zu bereiten. Die Aufgabe des Gerichts fei allein durch den Eröffnungsbeschluß begrenzt gewesen. Nur was im Laufe der Verhandlungen Gegen- stand eigener Wahrnehmung geworden sei, habe dem Urteil zugrunde gelegt werden können. Vezüglich des Prospektbetruges fei dos Verfahren e i n g e jt e l l t worden, weil die Verjährungsfrist ein- getreten sei. Auch von der Anklage der Untreue seien die An- geklagten freigesprochen worden.— Dann werden in der Be- gründung ausführlich die der Anklage der Bilanzoerschleie- r u n g zugrunde liegenden Stützungskäufe, der Nutria- und Nordhefe- Komplex besprochen. Die Angeklagten haben, um dem Status ihres Unternehmens den Schein größter Liquidität zu geben, es zugelassen, daß die Bilanz viele Millionenbeträge als Bankguthaben aufwies, während in Wirklichkeit nur einfache Forderungen in Frage standen, die auch nur hätten ausgewiesen werden dürfen. Sie haben also das im Aktienrecht so bedeutungsvolle Prinzip der Bilanz- Wahrheit außer acht gelassen. Mildernde Um- st ä n d e waren den Angeklagten deshalb zu versagen, aber es ist berücksichtigt worden, daß sie nicht vorbestraft sind. Erwachender Mittelstand. Nazis kümmern sich nicht um die Not des Kleinhandels. Oer deutsche Reklametag. Der Deutsche Reklame-Verband e. V. hält zurzeit seinen ersten deutschen Reklametag in Berlin ab. Die Tagung, die gestern begonnen hat und am Sonntagabend ihr Ende findet, hat das Interesse einer großen Zahl von wirtschaftlichen Verbänden ge- funden. Am Sonnabendvormittag wurde die Veranstaltung im .»ÄaiserHor eröffnet Der Vorsitzende des Verbandes. Dr. Knapp. begrüßte die Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden und die zahlreichen Gäste aus dem In- und Auslande. Die Reihe der Fachvorträge wurde eingeleitet durch einen Vortrag des Dr. Ing. Adolph über„Werbung und Industrie". An Stelle des verhinderten Reichsministers a. D. Grafen Kanitz sprach Professor Brandt vom Institut für Marktforschung über„Werbung und Landwirtschaft", Heinrich G r ü n f e l d. der Vorsitzende des Einzel- Handelsverbandes, behandelte das Thema:„Werbung und Einzel- Handel." Im weiteren Verlaus der Tagung, die als Sonnabend- abfchluß mit einem Gesellschastsabend im„Kaiferhof" ihren Aus- klang fand, sprachen noch Dipl.-Ing. S u t t e r, Reichsminister a. D. Krahne über werbetechnische Fragen, und Dr. Krumbhaar, der Vorsitzende des Verbandes deutscher Zeitungsverleger, über: Zeitung und Werbung.„Gerade eine Zeitung", so führte Dr. Krumb- In der Sindl-Brauerei in weißensee wurde eine bemerkenswerte Mittel slandskuadgebuag abgehallen. Nicht weniger als 12 Gewerbe dieses Berliner Bezirks, der mit am schwersten unter der Mirkschaflskrife leidet, hatten dazu ein- geladen: die Bäcker-Innung, die Fuhrherrn-Innung, die Frisör- Innung, der Haus- und Grundbesiherverein. die Ladenschlächter, die Tischlermeister, Schneidermeister, Gastwirte. Obst- und Gemüse- Händler bis zur vereinigten Bauhandwerker-Znoung von weißeusee. Also die offiziellen Interessenvertretungen des Weißenfeer Mittelstandes. Das Thema der Kundgebung hieß„M t t t e l st a n d i n N o t*. Der Charakter der Zusammenkunft, die den großen Saal der Kindl- Brauerei bis auf den letzten Platz füllte, war eindeutig antikapita- listisch. Es fehlte nicht an starken Worten, wie Kampf dem Zins- wucher, Kampf den Riesenkonzernen, Kampf dem Warenhaus, trotz- dem war diese Kundgebung für die beginnende Ernüchterung weiter Mittelstandskreise symptomatisch. Seit langer Zeit zum erstenmal be- rauschte man sich nicht an billigen Redensarten, sondern die Weißen- seer Mittelständler bezogen die Plattform des heutigen Staates, sie meldeten Forderungen an, die die drückendste Not lindern sollen, und erklärten sich zur Mitarbeit an diesem„System" bereit. Daß die Kundgebung schließlich in vorgerückter Stunde von einer nationalsozialistischen Sprengkolonne zum Auffliegen gebracht wurde ändert nichts an der Einstellung der er- drückenden Mehrheit der Besucher. Der Referent in Weißensee war der Führer der Arbeitsgemein- schaftsaktion Mittelständler, E l s e l. Er schilderte die Not des Mittel- standes, schilderte, wie die Kleingewerbetreibenden im Laden stehen und es kommt kein Kunde, weil der Kunde von einst kein Geld mehr � hat. Eine zerschlagene Kaufkraft bedeutet den Bettelstab für so und. so viel mittelständlerische Existenzen. Und dann sormulierte der> Referent ganz richtig, daß die Nok des Millclstandes aus der Bot der arbeikenden Massen geboren ist. Will man dem Milkelstand helfen, muß man zuerst der Arbeiterschaft helfen: beide Gruppen können ein gutes Stück Wegs gemeinsam wachem Der Referent sagte: ihr habt den verkrachten Banksürsten Hun- derte von Millionen gegeben, warum gebt ihr nicht einmal auch uns ein paar hundert Millionen zur Ankurbelung der Kaufkraft. Gebt an die Arbeitslosen Gutscheine aus oder garantiert irgendeine andere Form des Konsumkredits, damit die Arbeits- losen in unsere Läden kommen und sich wieder einen Anzug, ein Hemd und Stiefel kaufen können. Oder, meinte der Referent: 13 Jahre lang ist an den Häusern in Berlin so gut wie nichts mehr gemacht worden, Schluß jetzt mit der Verwahrlosung der Wohnungen. Gebt den Hausbesitzern die Hauszinssteuer zurück zu einem billigen Zinssatz und dann kann das Eroßreine» machen in Berlin beginnen, alle Bauhandwerke haben Arbeit. Schließlich verlangten die Weißenfeer Mittelständler eine Art Still- halteabkommen, ähnlich, wie es die ostdeutsche Landwirtschast besitzt: den Schutz vor der Zwangsvollstreckung. Oder der Hauswirt soll nur den wirklich rückständigen Teil der Miete einklagen können und nicht vorsorglich das ganze Geld für die ganze Vertragsdauer, wie es jetzt oft gemacht wird, wodurch der Gewerbetreibende zeitlebens der Schuldknecht des Hauswirts ist. Das ungefähr forderten die Weihen- seer Mittelständler. Ueber diese Forderungen, über diese Kundgebung, über diese ganze sich anbahnende Bewegung kann man diskutieren. Die Nazis vermochten das am Freitagabend nicht. Sie machten Radau mit chrem Adolf. Adolf ist der Messias, Adolf wird helfen, kommt zu Adolf. Dabei wird der Mittelstand den Herrn Hitler wenig kümmern. Das war sage und schreibe alles, was die Weißenfeer Lokalleuchten der Nazis ihren Wählern zu sagen hatten. Als sie ihre Litanei heruntergebetet hatten, trat die aus Reinickendorf bezogene Sprengkolonne halbwüchsiger Rowdies in Aktion. Und um ein Haar hätten die Wähler Hitlers von den SA.-Strolchen Prügel bekommen. Es kam nicht dazu, die Nazis begnügten sich mit dem traurigen Ruhm, eine Mittelstandskundgebung, die sich bemühte, einen Ausweg aus der Not zu finden, gesprengt zu habe». Niemand war darüber am Freitagabend empörter, als die Weißen- seer Mittelständler.„Wenn so das Dritte gleich aus- sieht," schimpften die Bäcker, Schlächter und Schneider. Im Dritten Reich würde es noch viel heiterer aussehen, und sein Kommen zu verhindern, hat auch der Mittelstand alle Ursache. haar aus,„die durch Ernst und Zuverläsiigkeit das Vertrauen der Leserschaft erworben hat, ist auch für die geschäftliche Werbung be- sonders wertvoll, da sich die Anteilnahme der Leserschaft gleicher- maßen auch auf den Anzeigenteil erstreckt." Besuch uiii Revolvern. Frau fchwerverletzt in ihrer Wohnu g aufgefunden. In der Wohnung der 37 Jahre allen Frau Anna L. in der Müncheberger Straße spiell sich gestern nachmittag eine Schießerei ab, die noch nicht einwandfrei geklärt werden konnte. Fr. L. wurde nachmittags von zwei ihr offenbar bekannten Männern, die Siäch'ow und Franz heißen sollen, aüfge- sucht. Während die Kinder, ein sechsjähriges Mädchen und ein fünf Jahre alter Junge, in der Küche spielten, trank Frau L. mit ihren Besuchern in der Stube Kaffee. Plötzlich fiel ein Schuß. Stachow und Franz verließen fluchtartig die Woh- n u n g. Als das Mädchen in die Stube eilte, fand es seine Mutter aus dem Sosa scheinbar leblos auf. Mit dem Ruf„Meine Mama ist tot— meine Mama ist tot!" lief die Kleine weinend auf den Flur. Nachbarn holten«inen Arzt, der bei der Frau eine schwere Kopfverletzung durch einen Schuß feststellte. Frau L. wurde ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo sie schwer darnieder- liegt. Es scheint bisher, daß Frau L. durch Fahrlässigkeit eines ihrer Besucher verletzt worden ist. Billige Osterreifen auf der Reichsbahn. Bei den von der Reichsbahn für Ostern auszugebenden Fest- tagsrückfahrkarten ist folgendes zu beachten: Die Festtagsrückfahrkarten gelten vom 23. März früh bis zum 4. April, 24 Uhr. Die hinfahrk kann erfolgen in den Tagen vom 23. bis 28. März einschl. und muß bis 28. März. 24 Uhr, beendet sein. Die Rückfahrt kann erfolgen vom 24. März, 12 Uhr, und muß bis 4. April. 24 Uhr, beendet sein. Die Festtagsrückfahrkarten haben eine Ermäßigung von 33� P r oz. gegenüber dem normalen Fahrpreis. Sie werden diesmal von allen Stationen der Reichsbahn nach allen Stationen aus- gegeben. Nach Möglichkeit werden gedruckte Fahrkarten ausg.chän- digt, Dlankofahrkarten als Notbehelf. Ausgegeben werden die Festtagsrückfahrkarten durch die Fahr- kartenausgaben der Reichsbahn und durch das Mitteleuropäische Reisebüro. Die Lösung erfolgt zweckmäßig möglichst frühzeitig, mink'estens aber-wei Tage vm Antritt der Fabrt, um otatte Ab- Wicklung zu gewährleisten. Eilzüge, D-Züge, FD- und F FD-Züge können gegen Zahlung des tarismäßigen Zuschlags benutzt werden. s Für den Reiseverkehr zu O st e r n hat die Reichsbahn- direktion Berlin die nötigen Vorkehrungen getroffen. Neben Verstärkung der fahrplanmäßigen Züge sind vom 23. bis 27. März 169 Bor- und Nachzüge vorgesehen, die nach Bedarf ge- fahren werden und sich auf alle Richtungen oertellen. Aus dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. Aber dann kommt es ihm in den Sinn, wie sie es früher getrieben hat. Wer wollte konnte mit ihr machen wozu er Lust hatte. Da kommt so ein Jammer über ihn, daß er sich am liebsten einen Strick um den Hals getan hätte. Und je länger das so geht, um so schlimmer wird es. Jeder einzelne Kram von damals kriecht ihm in den Schädel, an alles muß er sich erinnern, wie jeden Tag ein anderer Kerl bei ihr ge- wesen ist, und so wird er trübselig, böse, fängt an zu saufen, säuft sich voll, kommt nach Hause, macht Krach, haut mit der Faust auf den Tisch: „Du Hurenstück, hast tausend Kerle bei dir gehabt, jeden Tag einen anderen!" Er schreit, zerschlägt das Geschirr, schmeißt alles im Haufe herum, prügelt Grufcha und dann rauft er sich selbst die Haare aus und heull: „Grufchenka, verzeih mir Verfluchtem! Ich bin ja ein Vieh, der Teufel hat mich geritten, verzeih mir doch!" Der nächste Tag vergeht ruhig, dann geht es wieder los. Es wird immer schlimmer. Er liebt sie und quäst sie. Und zugleich quält er sich selbst. Und seit Gruscha verheiratet ist, da ist sie erst recht eine Schönheit geworden. Nicht nur im eigenen Dorf sagen das alle. Das wußten sie auch in der ganzen Gegend. Aber sie sprachen schlecht von ihr, wollten nicht vergessen, was früher gewesen war. Vergeht wieder eine Zeit. Der Kerl kommt ganz von Kräften, kann an nichts anderes mehr denken. Keine Stunde kann er es ohne Eruscha aushalten, und dabei hat er doch immer die alten Geschichten im Kopf, immer wieder Gruscha mit besoffenen fremden Männern zusammen! Und dann säuft er. dann prügelt er Eruscha, dann weint er. Eines Tages kriegt er Krach mit einem besoffenen Hocker. Da schreit der: ,Lu sollst lieber auf deine Schlampe aufpassenl Kaum bist du aus dem Hause, hat sie Besuch. Die Katze läßt das Mausen nicht." Dem Kerl wird es dunkel vor den Augen. Das Blut springt ihm in den Kopf, daß er nichts mehr unterscheiden kann. Er torkelt, brüllt wie ein Tier, haut dem besoffenen Hocker über den Schädel, daß es ihn umschmeißt, und rast nach Hause. Zu Hause sitzt Gruscha am Tisch, legt Patience. Er stürzt sich auf sie wie ein Verrückter, packt sie an der Kehle, fängt an zu würgen. Schmeißt sie auf den Boden, fällt über sie her, drückt sie an sich, würgt sie... Sie röchelt schon, aber er drückt sie immer noch an sich und küßt sie und würgt sie... Wie er sie erwürgt bat, springt er auf, begießt alles im Hause mit Petroleum, steckt es an, läuft weg... Jetzt wird er wohl irgendwo auf der Walze sein." Der Mann ohne Gedächtnis war in Haltung und Be- wegungen ebenso unerschütterlich wie sonst, aber in seiner Stimme bebte eine kaum wahrnehmbare Erregung, und sein Blick hatte etwas Unruhiges und Flackerndes. Aber vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet... Wir fuhren weiter. Die sibirische Bahn hat nur ein Ge- leise, und darum steht der Zug oft für längere Zeit an den Haltestellen auf der Weiche. Darum strömten die Bauern aus den nächsten Dörfern zusammen und breiteten auf Bütten und Holzqestellen Dinge zum Verkauf aus, die auf Seh- und Geruchsnerven hungriger Menschen wie überirdische Phantome wirkten! In diesen Gegenden waren Fleisch, Fisch und Wild märchenbast billig. Dafür wurde aber auch nur in größeren Quantitäten abgegeben. Wer gebratenes Fleisch haben wollte, der mußte wenigstens ein Stück von mehreren Pfunden nehmen! Eine Ochsenleber wurde nur im ganzen abgegeben! Wer auf Fikch Änv-sit mu"*» f'Vn einen ganzen Karpfen oder Hecht von fünf bis sechs Pfund nehmen! Und das olles war ung'aubstch billig Hat man aber kein Geld, so fällt jeder Unterschied zwischen billig und teuer weg. Höchstens ist das„Billig" noch erbitternder, wenn man sich klarmacht, daß für ein einziges Zehn-Kopeken-Stück ein aus- gzhungerter und bis zum äußersten erschöpfter Mensch ge- sättigt werden k'mnte Wenn die Eskortemannschaften mit den Lebensmitteln, die sie für ihren eigenen Bedarf eingekauft hatten, in den Waggon zurückkamen, mit diesen schön gebratenen, mächtigen Fleischstücken, Lebern oder eemzem Geflügel, dann waren die Qua'en des ausgehöhlten Marens und des geschärften Ge-; ruchssinnes unbeschreiblich. Es waren richtige Tantalus-; quälen. 1 Im Munde hatte man ein Gefühl der Trockenheit, im Kopf Schwindel und dabei diq deutliche Empfindung, daß der Körper sich von seiner eigenen Substanz nährte und sich da- bei selbst verbrauchte. Bei mir ging die Schwäche bereits so weit, daß ich nur noch mit Mühe gehen und stehen konnte und unwillkürlich augenblicks am Boden lag, sobald sich eine Möglichkeit dazu bot. In den letzten Tagen waren wir etwas weniger eng zusammengepfercht und es gab mehr Platz. Hätte man nicht auf allen Haltestellen alle diese aufreizende Herrlichkeit sehen müssen, so hätte der ans Hungern gewöhnte Organismus einigermaßen zur Ruhe kommen können, aber dieser er- bitternde Anblick und dieser aufpeitschende Geruch ließen einem immer wieder das Wasser im Munde zusammenlau'en. Unser Waggon war geräumiger geworden, und damit begann auch die Eskorte korrekter und freundlicher zu werden. Wir verfolgten mit Freude, wie wir allmählich weiterkamen, und glaubten das Ende unserer Leidensfahrt schon voraus zu sehen. Die ungezählten Ansiedlungen, Dörfer. Hallestellen, Stationen glitten, hier und da von Feldern und Wäldern unterbrochen, den ganzen Tag über wie ein unendlicher Streifen an uns vorbei. In der Fahrtrichtung tauchte am Horizont plötzlich ein stattliches Dorf mit einer großen Kirche auf, mit einem Backsteingebäude— es mochte ein Krankenhaus oder eine Schule fein— und mit einigen steinernen Häusern inmitten der bäuerlichen Balkenhütten. Dann kamen wieder lange Zeit hindurch kleine Dörfchen mit strohgedeckten Hütten, un- ordentlich verstreut, grau, schief, krumm, � offenbar jeden Augenblick zum Einstuiz bereit. Alle diese Hütten waren obne Feilster— vermutlich gingen die Fenster imm-r nach der Hofseite—, und so erinnerten diese Baulichkeiten an schmutzig- graue, auf die Felder geworfene kleine Kästchen. Menscken waren nicht zu sehen. Sie hatten ihre Kästchen weggeworfen und vergessen. Dann kamen wieder schneebedeckte Felder— unend'ich. still, gleich'örmig. Ganz überraschend kam der Wald uns entgegengelaufen, der ungeheure, hohe, dichte Wald, zwischen dem sich auf schmellem Pmde unser Zun wie eine Schwarme durchwand. Die dichten Waldmauern faßten den Weg wie mächtige, undurchdringliche Schilde von beiden Seiten ein und verloren sich in eine unermeßliche Ferne. In der Dämme- rung schoben sich die Bergwände, mit weißen Tüchern gedeckt. nä'-er aneinander, als drohten sie. sich plötzlich zusammen- zuschließen und die lange Reihe rasselnder Spielzeugkästchen, die verlassen im Dunkel daherkrochen, zu zermalmen. (Fortsetzung folgt.) Erziehung zum Wert. Eine Ausstellung des städtischen Werklehrerseminars. Das Grundmotiv, das man der Ausstellung ,, Aus der Arbeit des städtischen Beetlehrerseminars" in der Klosterstraße 75 unterlegen könnte ,,, Erziehung für die Freizeit". weist also in die Zukunft, in eine Zukunft, die vielleicht nicht mehr fern ist. Direftor Prof. Michel betonte bei Eröffnung der Ausstellung, daß alles, was er erreichen möchte, ja längst Bedürfnis ist: eine Abkehr von der rein verstandesmäßigen Ausbildung auf unseren Schulen. Jeder Laubenkolonist, jeder. Paddelbootbefizer, die immer wieder an ihrem Bisigtum herumbasteln und arbeiten, hat ja schließlich die Sehnsucht, sich zu entspannen in förperlicher, schaffender Arbeit. Die Schüler des Werklehrerseminiars find zum überwiegenden Teil Volksschullehrer, die entweder in ganztägigem Cinjahreskurs oder in einem zweijährigen Halbtagskurs zum Werklehrer ausgebildet werden. Die Bestrebungen, den Berfunterricht in die Schule einzuführen, sind ja schon alt. Bereits in den achtziger Jahren wurden die ersten Schülerwerkstätten in Leipzig eingerichtet. Im Lehrplan der Voltsschule ist der Werkunterricht obligatorisch, wenn... geeignete Lehrkräfte und Werkstätten vorhanden sind. Das ist freilich meistens nicht der Fall. Und so steht die schöne Bestimmung nur auf dem Papier. An Schülern ist kein Mangel. Trotzdem jeder Lehrer seinen Vertreter bezahlen muß, also praktisch auf sein Gehalt auf die Dauer eines Jahres verzichtet, läßt er sich zum Werklehrer ausbilden. oder er opfert zwei Jahre hindurch nachmittags seine Freizeit, um das Ziel zu erreichen. Er erringt feine materiellen Vorteile; denn seine Entlohnung wird durch die Lehrbefähigung zum Werflehrer nicht höher; aber die ideellen Werte, die er sich schafft, wiegen alles auf. Die Ausstellung zeigt, wie auf dem städtischen Werklehrerseminar gearbeitet wird. Alle Arbeiten stehen auf hohem geschmacklichem Niveau. In vier Techniken wird unterrichtet: Holzbearbeitung, Bapparbeit mit Buchbinden, Metallarbeit und für die Mädchen außerdem Weben. Die Arbeiten haben häufig Beziehung zum Unterricht. Bir nennen das Modell einer Postkutsche, Dampfmaschine, eine Windmühle, Wassermühle, Lokomotive, Feuerwehrauto, Modelle eines Flosses, Die Quelle im Walde Wasserfluten im ehemaligen Hofjagdrevier Seit etwa einem halben Jahr sind die Bewohner von Birkenwerder Zeugen eines eigenartigen Naturschauspiels: in dem nahen Staatsforst hat sich eine Quelle aufgetan, deren Wasser munter zur Havelniederung abfließt. Die Anwohner sind darüber jedoch gar nicht erbaut, denn da das Wasser kein Bett hat, ergießt es fich mahllos über mühselig fultiviertes Siedler land. In den Kellern der Häuser steht das Wasser. bereits einen Meter hoch. Es macht einen überraschenden Eindrud, wenn ein von hohen Kiefern bestandener Forst plötzlich zum Luch wird. Ein in der Nähe der Gemarkung Birkenwerder unweit der Chaussee nach Summt gelegenes, einen guten halben Morgen großes Gebiet ist völlig versumpft. Dies ist auch die Stelle, an der das Wasser ungehemmt und unaufhaltsam aus der Erde quillt. Die alten ausgetretenen Waldwege enden in dem neuerstandenen Quellgebiet plöglich im Wasser. Ueber diesem Wasser erhebt sich noch vom legten Sommer her Schnittgras und Farnkraut, Brombeer- und Wacholdersträucher. Es ist eine Frage der Zeit, wie lange sich die Kiefern in dem überschwemmten Gelände noch halten werden. An einem kleinen Abhang beginnt das Wasser nach dem in der Havelniederung liegenden Birkenwerder abzufließen Das heißt, es ergießt sich nicht gerade wie ein Sturzbach aus dem Walde, aber immerhin haben Siedler, die das Wasser auffingen, innerhalb 5 Minuten 20 Liter geschöpft. Das wären innerhalb einer Stunde 240 und im Laufe eines Tages knapp 60 Hektoliter. Es ist die Frage aufgetaucht, ob es sich nicht um plötzlich aufsteigendes Grundwasser handele. Dem steht jedoch der Umstand entgegen, daß dann das tiefer gelegene Dorf Birkenwerder zuerst betroffen sein müßte. Dies ist aber nicht der Fall. Auch der längs des Reichsbahndamms verlaufende Feuerschußgraben zeigt kein Grundwasser. Es kommt | hinzu, daß die von der Ueberschwemmung betroffenen Siedler verhältnismäßig hoch liegen und das Quellgebiet im Walde weitere zwei Meter über einer durch die Siedlung laufenden Straße. Die in dieser Gegend beheimateten Siedler sehen nämlich schon der allernächsten Zukunft mit großer Sorge entgegen. Die Keller ihrer Landhäuschen sind voll Wasser gelaufen. Es sieht dort unten aus wie in einer Badeanstalt Das Baiser umspült bereits die obersten Kellerstufen. Da die Häuser seinerzeit nicht im Hinblid auf derartige unvorhergesehene Wasserstände errichtet wurden, zersetzt das Wasser den Mörtel. Die Folge ist eine langfame, aber sichere Zermürbung des Fundaments, was sich selbstverständlich unmittelbar auf den Oberbau der Häuser auswirkt. Den Siedlern, meist Handwerkern, die nach Feierabend bei gegenseitiger Hilfe sich diese Häuser errichtet haben, droht das Dach über dem Kopf zusammenzubrechen, wenn das Wasser nicht abgeleitet wird. Nicht minder leiden die Gärten unter der Ueberschwemmung. Obstbäume von einem halben Meter Umfang vermag ein Mann mit einer Hand zu bewegen, da die Bäume ja nicht mehr in festem Erdreich, sondern nur noch in Schlick stehen. Außerdem drohen die Obstbäume einzugehen. Wer über die einstigen Gemüsebeete gehen wollte, würde sofort bis über die Knöchel einsinken. Zehnjährige Mühe und Arbeit um die vom Munde abgesparten Grundstücke erscheint umsonst gewesen. Ein in der Nähe befindlicher Fußballplatz ist zu einem großen See geworden. Erfreulicherweise hat nun die Gemeindevertretung Birkenwerder in einer ihrer legten Sizungen beschlossen, den bedrängten Stedfern zu helfen. Sobald es die Witterungsverhältnisse gestatten und das Erdreich frostfrei ist, wird mit der Anlage eines Drainagesystems begonnen. Das Quellwasser wird dann durch Tonröhren zur Havel abgeleitet werden. von Booten aus der Südsee, eine mittelalterliche Wurmachine Frühlingsanfang und schönes Wetter. Treppenhäuſer ſtart, per qualmtegen hat großen Gefahr usw. usw. Eine große Hafenanlage wurde von dem gesamten Kursus als Prüfungsarbeit in Holz und Metall ausgeführt. Da ist alles vorhanden, was in einem modernen Hafen zu sehen ist. Trockendod, Schwimmbod, Bagger, Krahn, Dampfer und Kähne, Zugbrücken, Wasserflugzeug, der Stapellauf eines Schiffes, ein Biadukt usw Und als Krönung der Ausstellung der kleine Theaterraum für ein Puppentheater. Die niedrig gespannte Decke mit durchsichtigem Bapier ornamental reich geschmückt, gibt durch das durchscheinende Licht dem Raum ein festliches Gepräge. Die Wände wurden in gemeinsamer Arbeit durch dekorative Figuren, in die geschickt Beleuchtungsförper hineingebaut wurden, geschmückt. Hier ist unter Verwendung von billigstem Material: Zeitungspapier, Draht, Blech von Marmeladeneimern, Hobelspänen, Holzstückchen usw. etwas geschaffen, was richtunggebend sein kann für jeden, der einen Feftraum gestalten foll Der Besuch der Ausstellung kann nicht warm genug empfohlen werden. Ste ist vom 18. bis 23. März täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Zither und Harfe. Im Bürgersaal des Rathauses, Königstraße, veranstaltete der Verband Deutscher Zither- Vereine ein Solistentonzert, das den erstmaligen wohlgelungenen Versuch des Zusammenspiels von Zither und Harfe brachte. Der Berliner Harfenvirtuose Friz Post spielte mit dem Münchener Zithermeister Friz Mühlhölzl die Legende" von Swoboda und die Loreley- Fantasie" von Nesmadba. Das Zusammenspiel ergab wirklich schöne Klangwirtung, besonders die„ Lorelen- Fantasie" gefiel den zahlreich erschienenen Zuhörern. Eine reiche Auswahl von klassischen und Konzertpiecen gab dem Bitherspieler Gelegenheit, gute Technik und schönen Vortrag zu beweisen; unter anderem das Konzert A- Dur von Holz sowie die Venezia- Fantasie" von Kollmaned. Der Zithervirtuose erwies sich außerdem noch als Meister des Gitarrespiels, er spielte Ständchen und Menuette mit viel Erfolg. Harfensoli von Friz Post, darunter besonders wirkungsvoll die Nordische Ballade Es- Moll von Poerig, Barcarole von Babel und eine Mazurka von Schueder vervoll Dem Konzert ging eine ständigten den hübschen Konzertabend. Verbandstagung voran, die zahlreiche Mufitfreunde aus dem Inund Auslande vereinigte. Heute mild und größtenteils heiter. Heute Sonntag, ist kalendermäßig Frühlingsanfang, von linden Frühlingslüften ist vorerst aber noch recht wenig zu spüren. zu Beginn der vergangenen Woche schien es, als ob sich endlich mildes Better einstellen würde. Durch einen neuen Kaltlufteinbruch ist diese Hoffnung jedoch abermals zunichte gemacht worden. Zunächst ist mit einem wesentlichen Ansteigen der Temperaturen, die zur Zeit sehr erheblich unter den Durchschnittstemperaturen liegen, wohl faum zu rechnen. Für heute, dem Frühlingsanfang im Schaltjahr, wird pom Amtlichen Wetterdienst tro denes Better bei größten teils heiterem Himmel vorausgesagt. Die Temperaturen dürften tagsüber etwas höher als heute liegen. In der vergangenen Nacht wurden in der Innenstadt Berlins 1 Grad Wärme, in den Außenbezirken dagegen 1 bis 1% Grad Kälte gemessen. Die tiefsten Temperaturen betrugen an einigen Stellen im Reich heute früh minus 5 Grad. In Ostpreußen ist wieder Schnee gefallen und in Ostdeutschland hat sich überall eine zusammenhängende Schneedede gebildet. In ganz Süddeutschland und in Teilen von Mitteldeutsch land herrscht vielfach wolkenloses Wetter. In Norddeutsch land, Sachsen und Nordschlesien ist der Himmel meist bewölkt. Unfer Gebiet liegt am Ostrand eines verbreiteten Hochdruckgebiets, dessen Kern sich über dem Aermelkanal befindet. Unter dem Einfluß des Hochs dürfte Mitteleuropa auch am Sonntag noch verbleiben. Kellerbrand in der Großen Frankfurter Straße. = Durch einen Kellerbrand wurden gestern nachmittag die Be wohner des Wohnhauses Große Frankfurter Straße 75 schwer gefährdet Der Hof ist unterkellert und der etwa 150 Quadratmeter große Raum dient einer Buttergroßhandlung als Abstellplatz für alte Tonnen usw. Gegen 18 Uhr brach dort plöglich Feuer aus. Die Flammen fanden an den leicht brennbaren Materialien reiche Nahrung und in kurzer Zeit stand der Keller in Flammen. Als die Feuerwehr anrückte, war der Hof und die sofort zahlreiche Schlauchleitungen in Tätigkeit gefekt und durch starkes Wassergeben gelang es, das Feuer bald einzukreisen. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis in die späten Abendstunden. Acht Todesopfer der Kohinoorgrube. Eindringen in brennenden Schacht unmöglich. Brüg in Böhmen, 19. März. Die acht in der Kohinoorgrube von Bruch eingeschlossenen Bergleute sind bis Freitag nicht geborgen, und man hat überhaupt keine Nachricht mehr von ihnen. Es wurde in den 385 Meter tiefen Schacht, der teilweise ganz vereist ist, ein Seil mit Laterne, Glode, Bleistift und Brief hinabgelassen. Als man es aufwand. mar nichts verändert. Die Verschütteten sind wahrscheinlich nicht mehr am Leben oder nicht bis zum Schacht gekommen. Alle Arbeit ist nun darauf gerichtet, das gänzliche Ausbrennen der Grube zu verhüten Die Grube hat ehedem 1500 Menschen Brot gegeben, derzeit sind es noch rund 1200. Würde die Grube jetzt ganz ausbrennen, müßten alle diese Leute arbeitslos merden. In den lepten Tagen sind Klagen laut geworden, daß manches zur Sicherung des Lebens der Bergleute verabsäumt worden ist, weil man sparen wollte. Die Bergungsarbeiten gehen sehr langsam vor sich. Das Vordringen ist infolge der Hize unmöglich. Die Masken, Brillen, Anzüge usw. wurden in der Hize vernichtet. Neue Fußgängerwoche. = Die Verkehrswacht Berlin Brandenburg e. V." veranstaltet in der Zeit vom 11 bis 16. April wiederum eine Fußgängerwoche", in der die Fußgänger auf die Inne= haltung der Verkehrsvorschriften hingewiesen werden sollen. Es ist wieder die Berteilung einer besonderen Druckschrift Fußgängerregeln" beabsichtigt, deren endgültige Form noch vor Ostern in einer Besprechung im Polizeipräsidium festgelegt werden wird. Außer der Verteilung auf den Straßen sollen auch diesmal wieder die Spezialgeschäfte und Kaufhäuser bei der Verbreitung mithelfen. KÖNIG Gadiel STR.22-26 TOTE Wir haben stets viel geboten, aber in dieser Zeit der Not rollen wir unsere Leistungen auf das das Äußerste erhöhen! Noch größer ist die Auswahl, noch sorgfältiger die Verarbeitung, noch besser sind die Stoffe als jemals, und noch niedriger die Preise! Drum, Ihr Damen aller Figuren, Dom zierlichen Backsisch bis zur junonischen Erscheinung: Auf zum Osterkauf bei Gadiel! Ein großer Posten bildschöner Kostüme für Frühjahr una Uebergang aus wertvollen Stoffen, in prächtiger Ausführung, Jacke auf vornehmem Futter, Röcke in neuzeitigen Formen in 2 Serien nur 22:25: Das Gadiel'sche Frühlingswunder FrühjahrsMantel in feinstem Model genre, aus r inwollenem F eur Diagonal aut sehr mit aparier el gin em Fu ter, Biesenpainierung an beiden Se ten, Kragen und Aermelau schläge mi echt m Hermelin esa z. 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Preisen Wohlfahrt in der Krise Die Generalversammlung der Arbeiterwohlfahrt In der Generalversammlung des Bezirtsausschusses für Arbeiterwohlfahrt Berlin wies Genoffin Kurgas auf die besonderen Schwierigkeiten hin, die heute der Tätigkeit der Arbeiterwohlfahrt entgegenstehen. In der Zeit der Krise ist die Zahl der Funktionäre um das Fünffache gestiegen. Nicht weniger als 5609 Genossen und Genoffinnen sind als freiwillige Helfer tätig und 4145 arbeiten in den Wohlfahrtskommissionen. 10 383 Personen haben die in den Bezirken eingerichteten Sprechstellen für Rechtsauskünfte aufgesucht. 2177 Vormundschaften, Schußaufsichten usw. wurden übernommen. In 928 Fällen wurde die Gerichtshilfe in Anspruch genommen. Die Gerichtshilfe in den Bezirken wurde 1123mal beansprucht. Eine Bildstatistik, die im Saale ausgestellt war, zeigte die vom Bezirksausschuß der Arbeiterwohlfahrt geleistete Arbeit. Jm Winter 1930/31 fonnten über 11 400 Personen durch Ausgabe von Ernährungsscheinen unterstützt werden. Ueber die Winterhilfe 1931/32 fonnte noch fein abschließendes Urteil gefällt werden. In den 20 Berliner Kreisen wurden im Berichtsjahre 284 Versammlungen und Konferenzen mit fast 10 000 Teilnehmern abgehalten. Eine Reihe von Besichtigungen sowie Kurse und die Borführung von Filmen ergänzte die praktische Arbeit. Allen Schwierigfeiten zum Troß ist es gelungen, den Betrieb des August= Bebel Heims in der Sächsischen Schweiz aufrechtzuerhalten. 10 913 Pflegetage konnte das Heim mit bestem Kurerfolg leisten. lleber 76 000 Lose der Arbeiterwohlfahrt konnten trotz der Krise abgesetzt werden. Alle diese Arbeiten konnten nur durch die zahl reichen Helfer vollendet werden, die der wahre Reichtum der Arbeiterwohlfahrt sind. Genosse Pagels, der mit Ende dieses Geschäftsjahres austritt, gab den Geschäftsbericht. Die Einnahmen betrugen 1930 rund 179 000 m. gegenüber 1151 M. im Vorjahre. Am Ende des Geschäftsjahres verblieb ein Kassenbestand von rund 35 694 M. Der Rückgang ist auf die Gesamtlage der Wirtschaft zurückzuführen. Genosse Künstler dankte Bagels mit zu Herzen gehenden Worten und würdigte die Leistung. die Pagels in jahrzehntelanger Arbeit vollbracht hat. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt, nur an Stelle der zur SAP. übergetretenen Genoffin Dr. Frankenthal tritt Genosse Dr. med. Löwenstein in den Vorstand. An Stelle des ertrantten Genossen Wutty sprach Genosse Dr. Friedländer über das Thema: Wohlfahrtspflege in der Krise". Seit 1929 fehlte den Geineinden die Möglichkeit der Aufnahme langfristiger und billiger Kredite, die ihnen durch den verflossenen Reichsbankdirektor Dr. Schacht verbaut wurden. Seit 1930 betrachtet das Ausland das deutsche Wirtschaftsleben mit dem größten Mißtrauen. Dieses Mißtrauen ist durch das Anwachsen der Nazis ständig verstärkt worden. Dr Erfolg war der Ab fluß von Milliarden, die uns als Betriebskapital entzogen wurden, woraus eine weitere Schwächung der Gemeindefinanzen entstand. Die ständig anwachsende Arbeitslosigkeit hat den Krisenzustand der Gemeindeetats verstärkt. Die Wohlfahrts erwerbslosen stellen ganz außergewöhnliche Anforderungen an die Gemeindefassen. Die aus diesen Verhältnissen entstandene EntBERLIN Leipziger Str. ( Versand- Abt.) widlung hat niemand voraussehen fönnen. Seit der Juni- Notverordnung im vorigen Jahre ist eine bestimmte Berminderung der Wohlfahrtsausgaben den Gemeinden zur Pflicht gemacht worden, falls das Reich zu diesen Lasten Zuschüsse zahlen sollte. Im Augenblick sind die Gemeinden kaum noch in der Lage, die aus der Krise erwachsenen Lasten zu ertragen. Es ist natürlich leicht, so wie es die Kommunisten tun, das Vielfache der heutigen Unterstützung zu fordern. Aber diese Forderungen sind in der heutigen Lage sinnlos. Wir müssen versuchen, zu erreichen, daß das Höchstmaß an Mitteln bereitgestellt wird. Hierbei zwischen den einzelnen Gebieten die richtige Abgrenzung zu treffen, ist eine der schwierigsten Aufgaben. Das Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. Genosse Künstler forderte zur einigen und geschlossenen Weiterarbeit auf. Es muß alles darangesetzt werden, bei den Wahlen im April den Sieg an unsere Fahnen zu heften, wenn wir auf unseren Arbeitsgebieten auch weiterhin erfolgreich wirken wollen. Neue Riesenbrücke in Sidney. Ein einziger Brückenbogen von 500 Meter Spannweite. London, 19. März. Am Sonnabendvormittag wurde in Sydney in Australien die neue Hafenbrüde eröffnet, deren Bau acht Jahre gedauert hat. Die Brücke kostet 200 millionen Mart. Sie überbrückt den Hafen von Sydney mit einem einzigen Brücken bogen, der eine Spannweite annähernd 500 Meter hat und damit der längste Brückenbogen der Welt ist. Bevor der Ministerpräsident von Neu- Südwales, Lang, die Brücke eröffnete, ereignete sich ein Aufsehen erregender Zwischen fall. Ein Mitglied der kommunistenfeindlichen Geheimbewegung Neue Garde" ritt plöglich in scharfem Galopp vor und durchschnitt mit einem Säbel das Seil, das über die Brücke gespannt war und rief:„ Ich erkläre die Brücke für eröffnet." Er wurde verhaftet. Regelmäßige Führungen in den Berliner Museen. Bon Ostern ab werden in den Staatlichen Museen in Berlin regelmäßig allgemein orientierende Führungen durch die Kunstſammlungen veranstaltet. Die Führungen werden Montags und Donnerstags, erstmalig am 24. März, von wissenschaft: lichen Hilfskräften der Museen durchgeführt, während Mittwochs und Sonnabends also an den beiden eintrittsfreien Wochentagen Wochentagen der Führungsdienst des Studentenwerks die Führungen übernommen hat, dessen Führer seitens der Direktion der Staatlichen Museen eine besondere Ausbildung erhalten haben. Montags und Donnerstags beginnen die Führungen um 11 Uhr, und zmar Montags im Zeughaus, Donnerstags abwechselnd im Kaiser- Friedrich- Museum, Deutschen Museum, Vorderasiatischen Museum und Alien und Neuen Museum. Der Führungsdienst des Studentenmerts veranstaltet seine Führungen ab April Mittwochs und Sonnabends zwischen 10 und 12 Uhr im Kaiser- Friedrich Museum, im Pergamon- Museum und im Alten Museum. Die Staatlichen Museen in Berlin sind in der Osterwoche am Kar freitag und Ostersonntag geschlossen, dagegen am Oftermontag in üblicher Weise von 9 bis 3 Uhr geöffnet. Das heißt Geschichtsunterricht. Ein Schüler eines Gymnasiums in Berlin- Friedenau hat sich erschossen, nachdem er durch die Reifeprüfung gefallen war. Er hatte die Ueberzengung, daß ihm bewußt schwerstes Unrecht zugefügt worden war und ging deswegen in den Tod. Um ihn trauert eine Mutter, deren Mann früh verstorben ist und die in schwerem Existenzkampf ihre kinder erzogen und gefördert hat. Der Schüler wurde von seinen Lehrern auf das günstigste beurteilt. Warum ist er durchs Examen gefallen? Seine Leistung in einer mündlichen Prüfung in Geschichte, die drei Viertelstunden lang dauerte, wurde für ungenügend befunden. Es ist inzwischen bekannt geworden, wie diese Prüfung erfolgt ist. Der prüfende Oberstudiendirektor, der den Schüler mit Feindschaft verfolgte, ist während der Prüfung in solche Erregung des Hasses verfallen, daß er nach jeder Frage die Sekunden bis zur Antwort aufzählte. Hier erhält die Oeffentlichkeit Einblic in die sadistische Quälerei eines jungen Mannes durch einen Lehrer, der nichts von einem Pädagogen an sich hat. Wichtiger aber noch ist die Frage nach dem Inhalt dieser Prüfung Der Schüler wurde nach Daten aus dem Welttriege gefragt. Er sollte Angaben machen über einzelne Gefechte, über beteiligte Formationen, selbst über Ge= fechtsstunden Angaben, die wahrscheinlich kein Generalstabsoffizier machen könnte, ohne aufs Genaueste in der einschlägigen Literatur nachzuschlagen. Das läßt erkennen, daß der Geschichtsunterricht in diesem Gymnasium mit solchen Dingen ausgefüllt gewesen ist. Wir möchten wohl wissen, ob mit der gleichen Genauigkeit die Schüler dieses Gymnasiums über den Inhalt der Berfassung der Republi unterrichtet worden sind. Der Oberstudiendirektor, der den jungen Mann auf dem Gewissen hat, ist der frühere deutsch natio nale Landtagsabgeordnete Pflug, der bereits bei Berfassungsfeiern vor versammelten Schülern parteipolitische, gegen die Republik gerichtete Propaganda betrieben hat. Wenn der Geschichtsunterricht in den Gymnasien der Republik solchen Händen anvertraut wird und in solcher Weise erstattet wird, dann braucht man sich über die geistige Dede der heranwachsenden Jugend wie über ihre Verseuchung mit nationalsozialistischen Gedankengängen nicht mehr zu wundern. Es ist die Schuld der Republik selbst, daß ne solche Männer wirtschaften läßt, ohne reinen Tisch zu schaffen! Die Tragödie des Schülers, der auf diese Weise in den Tod getrieben wurde, sollte dazu führen, daß mehr als bisher der nationalistische, um nicht zu sagen nationalsozialistische Geist in den Lehrförpern der höheren Schulen bekämpft wird! Die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts4.05 Uhr, einen Funkbericht. Am Mikrophan in Bernau: Heinz bundes in Bernau sendet am Mittwoch, dem 23. März, nachmittags Medefing. Um Irrtümer zu vermeiden: Alfred Braun spricht nicht für den ADGB., sondern für den Deutschnationalen Handlungsgehiffenverband aus Magdeburg. WERTHEIM Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Billige Oster- Angebote Kleid Wellbouclé mit Passe aus Wollstaff à jour 29 Mk. Mantel jugendliche Form, Afghalaine, ganz gefüttert Damen- Kleid aus gutem Wollnatté, Kragen u. Manschetten aus Kunstseide 1975 Eleg. Frauenkleid bedruckt. kunstseidener Marocain, m.neuartiger Kragengarnitur 36M Cape- Complet aus Flamenga, Blusenoberteil bedruckt. Marocain 49M Elegantes Kleid Woll- Georgette diagonal, aparte Form Eleganter Damen- Mantel Georgette- Romain, ganz auf Marocain, elegante Ausführung Kinder- Kleidung Baby- Hänger Seiden- Leinen, mit reicher Handstickerei, Länge 40 cm 325 Jede weitere Länge 0.30 mehr Dirndl- Kleid für Mädchen, aus bedrucktem Waschmusselin, mit weißer Voile- Bluse, Länge 55 cm 3.50 Jede weitere Länge 0.50 mehr Schulkleid Woll- Crêpe- Caid, mit gestickter Passe u. weißem Kragen, Länge 55 cm 725 Jede weitere Länge 0.75 mehr 59.M 59M Kieler- Anzug blauer Melton, für ca. 2 bis 14 Jahre, für 2 Jahre 975 Jede weit. 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Eine planmäßige öffentliche Arbeitsbeschaffung erscheint uns unvermeidlich, weil die deutsche Volkswirtschaft jene Krisen- reserven nicht in ausreichendem Maße hat. aus deren Wirksamkeit in freier Wirtschaft eine Ueberwindung der Depression und des gegenwärtigen Schrumpfungsprozeffes möglich wäre. In normalen kapitalistischen Krisenabläufen ist eine besondere ArbeUsdefchaffung nicht nur überflüssig, sondern auch meist wir- hingslcs. Jede normale Krise erzeugt durch Preissenkung K�editoerbilligung und Lagerverkäufe, wenn im übrigen alle ver- tragsmäßig geregelten Einkommen unverändert fließen, an einem bestimmten Punkte des Krisenablaufs eine solche Nachfrage nach Konsum- und Produktionsgütern, daß die Wiederbelebung der Wirtschaft gewissermaßen automatisch erfolgt. Gerade diese Vor- aussetzung aber ist in Deutschland nicht mehr erfüllt. Im Gegensatz zum normalen Krisenablauf haben wir für Deutschland festzustellen: Die Nominaleinkommen aus Löhnen find in Deutschland schneller gesunken, als die Ler- billigung der Lebenshaltung die Lohnkaufkraft stärkte. Vertrag- lich geregelte Gehaltseinkommen der Angestellten und besonders der Beamten, eine der wichtigsten Krisenreserven, wurden nicht nur nominell, sondern über die Verbilligung der Lebenshaltung hinaus verringert. Da es sich in beiden Fällen schließlich um Staatsakt« handelt«, mußte eine dritte, sonst stabile Krisenreferve angegriffen werden, nämlich der in normalen Krisen relativ gleich- bleibende Fluß der Mieteinnahmen. Normale Krisen ändern gewöhnlich auch wenig an dem Umfang der öffentlichen Aus- gaben. Diese vierte Krisenreserve wurde im Prozeß der wirt- chasllichen Leistungsschrumpfung, soweit echte Nachfrag« damit ver- knüpft ist, in allen öffentlichen Haushalten ganz gewaltig einge- schränkt. Verheerend war die Zerstörung von Krisenreserven auf dem Kapitalmarkt. Milliardenbeträge erwiesen sich, weit über alle Fehldispositionen in normalen Konjunkturen hin- aus, als Fehlanlagen. Mehrabfchreibungen und Abwertungen von Vermögen, schon erfolgte und noch kommende, verhindern ein« für eine Wirtschastsbelebung ausreichende Kredit- und Kapital- verbilligung. Die Fehldispositionen waren nicht wie sonst eine Ausnahme-, sondern eine Regelerscheinung, deshalb war die Vertrauenszerstörung bei den Kapitalanlegern ebenso allgemein: an den Effekten wurden SV und mehr Prozent des Nominalwens verloren: selbst die hohe Verzinsung und der billig« Preis Lffent- sicher Werte bot keinen genügenden Anreiz für die Kapitalanlage. Daß die Preis« der wichtigsten G r u n d st o f f« in der Krise schneller sinken als die von Fertigwaren, ist im Zusammenwirken mit der KapitalverbiMgung eine Krisenreserve, die in der Regel zur Belebung des Baumarktes führt. In Deutschland verhinderte die Hochhaltung der Monopolpreise eine Belebung des Baumarktes. Ebenso verhindert sie die Ausschöpfung der technischen Ueberlegen- hrit der auf inländische Grundstoffe gestellten verarbeitenden In- dustrien beim Export. vi« besondere» Deslationsmaßnahmen Deutschland» haben außerdem nicht konservierend, sondern zerstörend ans die Srisenreserveu gewirkt. Die verordnete Einkommenssenkung schaltete durch eine unzureichende Preissenkung mehr Konsumentenkauftraft aus, als Produzentenkaufkraft„gespart" wurde. Die rentabilitätzerstö- rende Wirkung der fixen K o st e n in der Produktion wurde vergrößert. Da die erforderlich« Verlustbereinigung der Ver- mögensabwertung besonders in der Kartell- und Monopol- i n d u st r i e meist nicht durchgeführt wurde, wirkte die oerordnete Kostenentlastung als unproduktive Subvention. Die Zinssenkung besonders in der östlichen Landwirtschast hatte ebenfalls nur die Wirkung einer unproduktiven Subvention: die Stützung der schlechten Wirte verhinderte noch stärker als bisher die Bereinigung des Gülcrmarkls. Die verordnete Verwendung von öffentlichen Wohnungsbaugeldern für Verwaltung s- und Unter st ützungszwecke beseitigte, während die freie Wirtschaft zur Belebung des Baumarkts unfähig ist, die letzten Auftragsmöglichkeiten der Bauwirtschaft, auf die die Kapazität der Industrie aber eingerichtet ist Dazu kommt noch ein wichtiges weiteres Moment: Parallel mit dem Vaumarkt erfolgt in normalen Krisenabläufen auch eine Be- lebung der Produktionsmittelindustrie zur Ver- besisrung alter und Errichtung neuer Anlagen. Auch diese Krisen- ' re'crvc o e r s a g t heute, well In der ganzen Industrie selbst in den Zellen der Hochkonjunktur die Leistungsfähigkeit nicht ausgenutzt werden konnte. Für neue Fabriken und Maschinen besteht fast kein Bedarf. Daraus ergibt sich: der K r i s e n m e cha n i s m u s der freien kapital! st ischen Wirtschaft vermag in Deutschland eine Wiederbelebung des Wirt- schaftslebens nicht herbeizuführen. Weil die Krisenreserven nicht vorhanden oder durch Sud- oentionspolitik nutzlos verbraucht sind, ist eine Belebung der Wirtschaft nur durch besondere Maßnahmen außerhalb der freien Wirtschaft möglich, d. h. durch Aufträge au» planmäßiger öffentlicher Arbeitsbeschaffung. So unabweisbar die Dringlichkeit, so nokwendig ist klarheik in der Zielsetzung der ösfensiichsn Arbeitsbeschaffung. Die Crwartuna wäre falsch, daß öffentliche Arbeiten die Wirksamkeit des Krisenmechanismus, der zur Belebung führt. funktionell ersetzen könnten. Die Vergebung öffentlicher Arbeiten kann nur die weitere automatisch« Schrumpfung des Wirt- schaftslebens, und zwar nur auf ganz bestimmte Zelt oerhindern. Es wäre eine Illusion, von der Vergebung öffentlicher Arbeiten grundsätzlich eine Ankurbelung der Wirtschaft zu erwarten, derart, daß es dann dauernd von selbst weiter aufwärts geht. OefseMliche Arbeiten können nur oerhindern, daß die Nichtbenutzung von Produktionsanlagen immer neue Verluste bringt und die Eni- stehung neuer Verluste immer mehr Arbeitslose erzeugt. Sie haben auch die Funktion, künstlich den Binnenmarkt in demjenigen Aus- maß zu stärken, in dem Gelder zur Vergebung öffentlicher Arbeiten vorhanden sind. Sie ersetzen in entsprechendem Umfang und auf bestimmte Zeit die Krisenreserven, bleiben aber„Ersatz" wie jeder Ersatz. Oeffentliche Arbeiten sind ein« Nothilf« beim Versagen des kapitalistischen Wirtschastesystems: sie ersetzen aber nicht sein« Funktionen, solang« es besteht. Da innerhalb Deutschlands der krisenmechanlsmus versagt, kann dl« öfsenkliche Arbeilsbeschaffung nur die Ausgabe erfüllen, den Vinaenmarkk solange zu stützen und auch zu erweitern, bis die Slkuakion in der wettw'.rffchaft sich verbesserl und von außen wieder diejenigen Antriebe kommen, die in Deulschland lahmgelegt wurden. Weil aber in der Weltwirtschafk Lesserungszeichen nicht zu sehen sind. Deutschland iosolgedessen nicht warten darf, bis der Schrumpfungsprozeß auch die letzten Veschäsiigten aus den Be- trieben wirft, wird die ösfeniliche Arbeitsbeschaffung zu einer oolkswirtschastlichen Notwendigkeit, vor der es kein Ausweichen gibt. Dies« volkswirtschaftliche Funktion der öffentlichen Arbeitsbeschaffung macht es auch unmöglich, daß bei ihrer Finanzierung auch nur der Anschein erweckt wird, als ob sie aus Kosten des Ver- t r a u e n s derjenigen gehen könnte, die dafür Geld hergeben, seien es Steuerzahler, Sparer oder Kapitalisten. Das heißt. es darf auch nicht der leiseste Anschein erweckt werden, daß durch die öffentliche Arbeilsbefchuffung die Währunz bedroht würde. Mit Recht stand und steht diese Frag« im Mittelpunkt aller Dis- kuffionen über Arbeitsbeschassungspläne. Die durch öffentliche Ar- beiten gewollte Stützung und aushiljsweise Anreicherung der Kauf- kraft des Binnenmarktes muß das Vertrauen fördern, sie darf es nicht gefährden. Eine künstliche und plötzlich« stark« Kre- dllausweitung bei der R e i ch s b a n k nmh unbedingt vermieden werden. Die Finanzierung der öffentlichen Arbeitsbeschaffung muß sich absolut auf vorhandene Gelder, auf erreichbare in- und aus- ländischs Anleihen, aus ersparte Unterstützungen und zusätzliche Ttouereinnahmen beschränken. Freilich braucht man gerade in diesem Punkte nicht klein- mutig zu sein. In Deutschland steht Geld für Arbeitsbeschasfungs- anleihen genug zur Verfügung. Die Banken haben auch nicht un- beträchtliche Mittel, um die Wechsel der ausführenden Firmen zu- nächst zu diskontieren, bis die Anleihen voll gezeichnet sind. Aber das Ende aller Arbeitsbeschassungspläne wäre mit Sichcrhcll da. bevor noch der erste Spatenstich finanziert wäre, wenn man mir Wahrungsexperimenten beginnen wollte. Auch die psychologische Situation ist für die Finan- zierung durchaus g ü n st!