MorgenausgaHe Jlr. 137 A 69 49.IahrKaNg SSJdjentlMJ 78 Pf,«onafNch 9.25®l ßaoon 87 Pf. monatlich fät guftcl» Jung in» Hans) im voraus joilbfr. Postbezug 997 St«inschliszlich eo Pf. Ponz-ltnng«. und 72Pf.P°ltbkfIe5go> buhren. Auslandsabonnement s.s» M. pro Mona?! fllr Lander mit ermaxiz' tem Drucksacherrpvrto 4,65 M. « Ser �JonpJtts* erfchctnt mcchenFZg- und im Handel mit dem Titel.De« Abend". Zlluftrierte Soniuagsdeiiaa» .Pol? und ÜOL' Pimull Berliner Solksblatt Dienstag 22, März 1932 Groß-Äerlin 19 Z>f. Auswärt 15 pf. Die ein) palt. Milltineterzetl« 30 Pf. Netlomezsile i- W.„kleine An. zeigen" da» fettgedruckte Wo« 20 Pf. lzilfäfstazwei fsttaedrncktl"Dorte.fedes «eitere Dort lS Pf. Radon lt. Tarif. Worte über ld Suchftgdei,»ädlen für zmm Borte, Arbeltsmarkt Mmimetcr- zeile 2ö Pf. Famtlienanzeigen MW' ntiterzeile IS Pf. Anze igsnannahm« im HauptaefchSft Lindenftrahe Z. wochentäglich von 8>,, bis>7 Uhr. Der Berlaa deliäit sich dasRecht der M- lehitmrg nicht genehmer Anzeigen vorl Jentralorgan der Soziaidenwkratifchen Vaetei NeMOlmsds Redaktion und Verlag! Berlin SW 68, Lindenstr. 3 kZernfpr. Tönboff(A Ti 293—297 Telegramin-Adi.! Sozialdemokrat Berliir Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Poltschelikomo: BerlmZ?SZS.— Bankkonto: Bank der Arbettor. ÄngeüeUten und Beamten. Lindenstr. S Dt B.n.DlSr..G-l.. Deposltent..S«rulaiemerStr 65-KS. Gemeinden vor dem Bankrott. Wann endlich Reform des Unauzausgleichs? Di« Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spttzeimeobändi:(Deut- scher Städtetag, Deutscher'Sandkreistag, Reichsstädtel'und und Deutscher Landgemeindetog) gab vor der Presse anläßlich des lieber- ganges vom alten zum neuen Haushaltsjahr einen Ueberblick über die katastrophale Loge der Eemcindefinonzcit. In diese Lage siud die Gemeinden nicht in erster Linie wegen dez Rückganges chryr Ein- nahmen gekommen, sondern wegen des unzulänglichen Finanz- und Lastenausgleiches, der in den letzten Iahren von Reich und Landern stets nur zum Nachteil der Gemeinden verändert worden Ist. , Wie stark sich das Verhältnis zwischen Losten und Einnahmen verschoben hat, dafür ein Aahlendeispicl: Die monallichen Losten der Gemeinden und Gcmcindcverbäude für die Enmirbslosensülsorge betrogen gegenwärtige 9Z ZNstlionen Mark, während die Einnahmen avs der Einkommen' und Körper- schafisstener nur 5h Millionen Mark moqallich betrogen. Di« Einnahmen aus diesen Uederwoisungssteuern machten aber vor zwei Jahren noch das Fünffache der Erwerbslosenlasten aus. Die Tatsache, daß Gemeinden nicht wie Privatunternehmer schlagartig ihr« Zahlungen völlig einstellen können, ist der Grund dafür, daß die bedrohliche Loge der Gcmcindesinanzen immer noch nicht richtig gewürdigt wird Die Einnahmen werden in erster Linie für die Zahlung von Unterstützungen, Gehältern und Löhnen in Anspruch genommen. Wohin aber die Nichtzahlung von Zinsen und TUgungsbeträgen führt, dafür sind die neuen Schwierigkeiten der rheinischen Landesbanken ein abschreckendes Beispiel. Die Ge- meinden sind aber unausweichlich gezwungen, kurzfristige Schulden zu niochen, um das Defizit« Etstlafwng der Gemeinde- finanzen von der Ausgabenfelte her nicht, so sehen die Gemeinden keinen anderen Ausweg, als die B ü r g« r st e u e r,.die jetzt für das Jahr 1931 in den Monaten Januar bis Äuni in. Teilbeträgen. erhoben wird, monatlich das ganze Jahr hindurch fort- zuerheben. Das bedeutet ein« Mehrbelastung der Bürgersteuer« Pflichtigen,-bie gerade die ärmsten Schichten treffen würde und sozial absolut unvertretbar ist! Alles ganz legal! 160 Nattonalsozialisten pfeifen auf das Gesetz. Gladbach- Rheydt. ZI. März. Der Polizeipräsident teilt mit:„Am Sountagoonrnttag wurde in einem Haufe in der Mühlenstrohe ln Gladbach der SS- Sturm lu dem Augenblick überrascht, als er In verbotenen Uniformen (einheitliche Mützen mit besonderen Zeichen) versammelt war. von Glad''ach-Rheydt v»d der ganzen näheren und weiteren Umgebung waren die Mitglieder dem ausdrücklichen Vefehl des Sturmführers,„im verbotenen Anzug" zu erscheinen, gefolgt. Trotz der hohen Strafe, die die Vierte Rotverordnunq des Reichs- Präsidenten vorsieht(ein Mona! Gefäuguis Miadeststcose), waren etwa 130 Personen crschieueu. Sie wurden von der Polizei fest genommen und dem Polizeipräsidium zugeführt. Dabei wurde den Potizeibeamleu wiederholt die Drohuag zu- g e r u s e u. daß sie am 24. April ohne Pension forlgcsaat und die Ratlonalsozlalislen ihre Stellen einnehmen würden. Wegen der großen Allzahl der Fell genommenen war ihre sofortige vorjühruug vor den Richter nicht möglich. Sie wurden deshalb noch Feststellung der Personalien vorläufig entlassen. Die Räume in der Mühlenstrahe wurden polizeilich geschlossen." SA.-RowdyS spielen Polizei. Hagen. 21. März.(Eigenbericht.) In der Nacht-zum Sonnlag haben in Hagen 5 Nationalsozialisten aus der Äörnerstraße zwei Personen ange- halten und nach Ausweisen gefragt. Ein Mann wurde, ehe er dem Verlangen nachkommen konnte, zu Boden geschlagen und als er schließlich flüchten wollte, von SA.-Mitgliedern eines nahen SA.» Heimes, die zur Verstärkung herbeigeholt waren, mit einem eisernen Notenständer so schwer mißhandelt, daß er einen komplizierten Schädelbruch erlitt. DieTätersindermittcltundinHaft genommen. Thunngen von Groener nicht informiert. Weimar. 20. März.(Eigellbcricht.) In der Nacht vom 13. zum Ii März waren im Lande Thürin- gen, in Vieselbach, Tinz, Tiefenort und Gräfenrode Trupps der S A. zusammengezogen; in Vieselbach waren es rund 200 Mann. Die thüringische Regierung ließ durch 220 Mann Londespolizei die Bewachung vornehmen. In Tinz veranlaßte die Geracr Polizei das Notwendige. Der t h ü r in g j s ch« n Regierung wurde noch in der Nacht vom 13. zum 14 März Mitteilung gemacht von t»'n Zufamm-n- Kiehunzcn. Im Gegensatz zum Relchsinnenminister Groener wußte das thüringische Inneturnniftenum nichts von der Röhmschen Ab- ficht, die SA. am Wahltage geschloffen zusammenzuhauen, aber auch bor Bezirksleller d«r SA., der thüringische Raichztagsabgeordnete Dr. Zunkel, wußte nichts von zentralen Anweisungen. Die Zusam- menziehungen erfolgten ohne jede Aufiorderung der Leitung, die davon nichts wußte. Da in Thüringen nickt ein Zusommenhalten der SA. in ihren geschlossenen Unterkunstsräumen in Frage kommt— in den obigen Orlen gibt es keine SA.-.Heime— so fällt dieser Ausmarsch nicht unter die Röhmsche Legalitälsemmeldung. Da auch der zuständige 6 21.»Leiter Zunkel erklärte, nichts zu wissen, die thüringische Regierung nichts wußte — auch die preußische Regierung in Erfurt nichts— in der Stadt Erfurt waren an drei Stellen etwa 800 Mann S2l. zusammengezogen— so kann vielleicht Herr Innenminister Groener sagen, ob die thürinajicke Rc- gierung, die er nicht iniormiert hatte, die Bewachung beziehungs- weise Auflösung dieser S2l.-Trupps zu Unrecht vorgenommen hat. Severins bei Brüning. Besprechung über die preußische Polizeiaktion. Der preußische Minister des Innern, S c v e r i n g, hatte am. Montag eine Unterredung mit Reichskanzler Brüning. wobei auch die preußische Polizeiaktion erörtert wurde. Zwischen dem Reichskanzler und dem p r e uß i- fchen Innen minist er bestehen ieinerlei Meinungsvcr- fchiedenheitcn über die preußische Polizeiaktion. Das„System" soll Helsen. Äer Staatsgcrichtshof als rettender Engel. Hitler verklagt S« v« r i n g beim Staatsgerichtshof in Leipzig. Was Hitler kann, kann K l a g g e s schon lange. Er klagt auch. aber nicht gegen Severing-Preußen. sondern gegen Brüning und das Reich! Und zwar, weil der Reichspräsident durch seine neueste Verordnung muh Klaggestan die Pflicht auferlegt hat. wenig- stens während der Ost erwachen Frieden zu halten. Friede— das ist für ein nationalsozialistisches Gemüt unerträglich. Deshalb verlangt itlagges— oder vielmehr das braun- schweigische Staat sministerium— vom Statsgerichtohof die Sl u f- Hebung der O st ernotverordnung. die dem Schutz des äußeren Friedens dienen soll, wegen angeblicher Dersäsiungs- Widrigkeit! Dieser Kamps um die Berfastung, ausgeführt von ihren schlimmsten Feinden, wirkt geradezu grotesk! Reichsverkchrsminister Treviranns ist per Flugzeug in London eingetroffen, um Sosths-Feiern beizuwohnen und o« offiziellen Empfängen teilzunehmen-. Harzburger Käse. Roch nicht alt— und laust schon auseinander! Was kommen mußte, ist gekommen: man prügelt sich im Lager der Unterlegenen vom 13. März von Tag zu Tag mehr. In der Partei Hitlers geht das noch einigermaßen im stillen vor sul). Aber zwischen Hitler und Hu gen- b e r g. den ehemaligen Bundesgenossen von 5)arzburg, ist eine gan,z hübsäie Kellerei im Gange, die noch über das hin- ausgeht, was sich während des Wahlkampfcs zwischen Stahl- Helm und Nationalsozialisten getan hat. Das ist aber noch nicht alles: der größte Krach herrscht bei Hugenberg selber! Fein sehen sie aus, die Leute von der Harzburger Front, die unter der erlogenen Firma„Nationale Opposition" Deutsch- land aus den Angeln heben wollten! Hitler hat für den zweiten Wahlgang der Präsidenten- wohl abermals die Parole für sich selbst ausgegeben. Er hat dazu Erklärungen gegeben, aus denen man schr deutlich erkennt, daß er jetzt die ausgepeitschte Massenerrcgung seiner Gläubigen nicht abebben lassen darf, wenn er nicht einen Zu- sammxirbruch erleben will. Das bedeutet aber, daß die Masse, die er am 13. März hinter sich gesammelt hat, nicht einheitlich, nicht diszipliniert und deshalb auch nicht nianövrier- fähig ist. Diese Masse ist keine wirkliche Partei, sondern lediglich eine aus einer bestimmten Konjunktur geborene Menge, die morgen schon wieder auseinandersallen kann. Sie ist, um mit Hugenberg zu reden, kein Block, sondern ein Brei. Der andere der Spieler der Harzburger Froni, Hugenberg. hat geglaubt, daß er aus einem Block sitzt, der zwar klein, aber immerhin sest ist. Aber ach, dieser Block ist nichts anderes als eine nur sehr lose zusammenhängende Splitter- mässe. Er ist ebenfalls nicht manövrierfähig, und so hat sich Hugenberg für den Metten Wahlgang zu der Berlegenheitsparole entschlossen, daß eine aktive Beteiligung der Deutschnationalen Bolkspartei an der zweiten Reichs- Präsidentenwahl nicht in Frage kommt. Man könnte der An- ficht sein, daß darin eine versteckte Wahlparole für Hitler liegt, wenn dies aber der Fall ist, dann gill sie jedenfalls nur für die Hugenberg-Leute, nicht aber für den Stahlhelm. Denn der Stahlhelm tritt nicht für Hitler ein. Nationaljozio- listen und Stahlhelm haben sich im Wahlkampf so miteinander gerauft, daß tiefe Verbitterung übriggeblieben ist. Die Parole Hugenbergs ist deshalb eine vom Stahlhelm erzwungene Ver- legenheitsparole. Dafür schlägt nun die nationalsozialistische Presse munter auf Hugenberg los. Sie nennt die Berlegenheitsparole Hugenbergs ein starkes Stück, eine engstirnige, parteicgoistische Einstellung, die öder Par- t e i s ch a b l o n e' entsprungen sei. Und schließlich wirst sie Hugenberg, ausgerechnet Hugenberg, Fahnenflucht aus dem nationalen Lager vor. Da fehlt nicht mehr viel bis zu der Beschuldigung: Hugenberg hat der nationalen Front den Dolch in den Rücken gebohrt. Sie verprügeln sich ganz wacker gegenseitig, die Helden von Harzburg! Zwischen Hugenberg und dem Stahlhelm ist ebenfalls ein hübscher Krach im Gange. In erster Linie geht es dabei um die Wahlkosten. Der Wahlkampf für Duesterberg ist in der Hauptsache aus Pump gemacht worden, und schiebt einer dem anderen die Kosten zu. Der Stahl- Helm schickt die Gläubiger zu Hugenberg, der wieder zum Stahlhelm. Und da keiner konnte zahlen, zghste keiner von beiden! Bankschulden dafür aufzunehmen, ist auch nicht mög- lich— wer weiß im übrigen, ob Herr Hugenberg schon seine Schulden bei der ehemaligen Danatbank abgedeckt hat? Neben dem Streit ums Geld geht der Krach um die Schuld an der Niederlage. Im Stahlhelmlager ist man aufs äußerste erbittert über Hugenberg. Man wirst ihm vor, daß sein Presseapparat nicht genügend sür Duester- berg eingesetzt worden sei. daß Hugenberg Duesterberg als Opferlamm vorgeschoben habe, um ihn dann schmählich im Stich zu lassen Dazu kommt ein weiteres. Hugenberg hat geglaubt, durch die Kandidatur Duesterberg den Stahlhelm so an sich zu fesseln, daß er aus einer selbständigen Organisation zu einer reinen Parteigruppe unter Hugenbergschem Befehl werde. Das will die Stahlhelmführung nicht, sie will sich nicht unter Hugenbergs Fuchtel nehmen lassen, und so ist man böse aufeinander. Und dann soll gar noch ein ganz besonderer 51rach wegen der Kandidaturen für die Preußen wählen im Gange sein. Der Stahlhelm hat von Hugenberg die Ans- stellung von Stahchelmführern an sicherer Stelle der deutsch- nationalen Listen gefordert, und er hpt damit Hugenbergs wundesten Punkt getroffen: denn Hugenbergs ganze innere ParteitÄM war darauf abgestellt, ihn zum unumschränkt«« Zentrum in der Abwehr. Siaaisprasident Bolz fordert scharfen Kampf gegen die Nationalsozialisten. Diktator in der Deutschnationaken Volkspariei zu machen und ihm somit die Möglichkeit zu geben, nur seine Kreaturen mit Mandaten auszustatten. Die Forderung des Stahlhelms ist deshalb von Augenberg als Sünde gegen den heiligen Geist seines Blockgedonkens empfunden und dementsprechend abge- lehnt worden. Der Stahlhelm brütet nun Rache, und es wird behauptet, daß er sich mit dem Plan trage, bei der Preußen- wähl Augenberg Gleiches mit Gleichem zu vergelten und sich nicht sonderlich für ihn einzusetzen. Dafür gibt nun wieder Augenberg hintenherum für seine Leute dieParolefürAitler aus. Die„Deutsche Leitung*, das Organ der Alldeutschen, erklärt, daß sie als überparteiliches Organ alle bisherigen Duesterberg-Wähler auffordere, im zweiten Wahlgang ihre Stimme Aitler zu geben. Wer sind die A l l d e u t s ch e n? Sie sind nichts ohne Aerrn Augenberg, und es ist sicher, daß diese Parole nicht ohne ihn zusammengebraut worden ist. Um das Maß der Verwirrung vollzumachen, arbesten noch der Stahlhelm, der Bund Königin Luise und die sogenannten Vereinigten Vaterländischen V e r b a n de mit einander widersprechenden Parolen gegen- einander. Fein sieht es aus in der Aarzburger Front! Nicht Block, nickt Vrei, sondern K ä s e. der im Zerlaufen ich Der Gegner ist in Verwirrung! Jetzt gilt es, in seine Ver- wirrung fest hineinzustoßen. Er muß am 10. April eine neue, noch schwerere Niederlage erleiden— das ist die beste Vorbereitung, die wir für den Kampf um Preußen schaffen können. Harzer Noller-Kommandos. Oie schöne„Harzburger Front' ein Trümmerhaufen. Schwerin. 21. März. sTigenbericht.) Die Ztotionaisozialisteu und die Siahlhelmer sind sich h'er heftig in die haare geraten. Die Zlaiionalsozialislen hatten öffentlich die Stahlhelmer znm Besuch einer naiionalsoz'a. lifiifchen Versammlung aus fordern lassen. Diese Einmischung veranlahicu den Sreissührer des Stahlhelms, au sämtliche Stahlh et mlcuie des Kreises ein Schreiben zu richten, in dem er sie auffordert, der nat'oualsozialistischen Versammlung feruzubleibeu. Er ließ sogar.Streikposten" vor dem nationalsozialistischen Versammlungslokal stationieren, um die Ver- sammlungeteilnehmer zu kontrollieren. Der nationalsoz'allstlsche ..Biederdeutsche Beobachter" hat daraus die Slahlhelmer und ihren Führer in einer Form beschimpft, die man bisher nur gegenüber republikanischen Kreisen kannte. Der Konflikt hat scharfe Formen angenommen und man darf auf se'oen Ausgang um so mehr gespannt sein, als Stahlhelmer und Bationalsozialisteu bisher in einer Front marschiert sind. * In dem nationalistischen„Reichs serba od deutscher Rundfunk» teilnehmer", in dem bisher die Harzburger traulich beisammen saßen, um Einfluß auf die Funkprogramme zu gewinnen, hat es «inen schönen Krach gegeben. Deutschnationale und Stahlhelmer haben geschlossen ihren Austritt erklärt, weil der Verband eine ganz einseitige Nazidiktatur aufrichtet und den Vorstand einseitig aus Aitlsr-Leuten zusammensetzt. Man kann die Aarzburger zu ihrer goldenen Einheit beglück- wünschen. Rur sollen sie mit ihren Sachen die Repuhlik verschonen! Gcheidemann über den S.November. Das Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt. Einem Aufsatz des Genossen PH. Scheide. mannim„SozialdemotratischenPressedienst" entnehmen wirdiefolgendenAusführungen: „JDäs Volk hat aus der ganzen Linie gesiegt!" Mit diesem vollkommen aus dem Zusammenhang gerissenen Satz aus der Rede, die ich am S. November 1918 aus einem Reichstogsfenstsr heraus hielt, soll gezeigt werden, wie verlogen und verräterisch die SPD. gehandelt habe. Sie habe dem Volke ein Paradies versprochen. In Wirklichkeit beweisen die unwahren Behauptungen nur die ab- grundtiefe Verlogenheit der Nazis. Da nur recht wenige Leute noch wissen, in welchem Zusammenhang das Wort von dem Sieg auf der ganzen Linie gefallen ist, soll hier die Rede, die vollkommen aus dem Stegreif gehalten wurde, in ihren Hauptsätzen angeführt werden: „Arbeiter und Soldaten! Furchtbar waren die vier Kriegs- fahre. Grauenhaft waren die Opfer, die das Volk an Gut und Plm hat bringen müsien. Der unglückselige Krieg ist zu Ende. Die Folgen des Kriegs, Not und Elend, werden noch viele Jahre auf uns lasten. Die Niederlage, die wir unter allen Umständen verhüten wollten, ist uns nicht erspart geblieben, weil unsere Verständigungsvorschläge sabotiert wurden, wir selbst wurden verhöhnt und verleumdet.— Die Feinde des werk- tätigen Voltes, die wirklichen„inneren Feinde", d i e DeutschlandsZusammenbruch oerschuldet haben, sind stA und unsichtbar geworden. Das waren die Daheimkrieger, die ihre Eroberungsforderungen bis zum gestrigen Tage ebenso aufrechterhielten, wie sie den verbissensten Kamps gegen jede Reform der Verfassung und besonders des schändlichen preußischen Wahlsystems geführt haben. Diese Volksseinde sind hoffentlich für immer erledigt. Der Kaiser hat abgedankt Er und seine Freunde sind ver» schwunden. Ueber sie alle hat das Volk auf der ganzen Linke gesiegt!... Die neue Regierung darf nicht gestört werden in ihrer Arbeit für den Frieden, in der Sorge um Brot und Arbeit. Arbeiter und Soldaten! Seid euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewußt. Unerhörtes «ft geschehen. Große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor. Nichte darf geschehen, was der Arbesterregie- rung zur Unehre gereicht Seid einig, treu und Pflicht- bewußt'— Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammen- gebrochen. Es lebe das Neue! Es lebe die deutsch« Republik!" Dieser Rede braucht sich kein Sozialdemokrat zu schämen. Sie spricht genau das Gegentell von dem aus, was gewissenlose Gegner zusammengefälscht haben, Llnternehmerdank an Faschismus. Eine Oollarmi.lion nach Rom. Lissabon. 21. März. Der Privatsekretär Darkhart des verstorbenen Aodak-Pkillroaärs George Eastman ist in Lissaboa eingetroffen. Bon hier wird er nach Slom weiterfahre«, »m Mussolini den Betrag von 1 Million Dollar zu überreiche«. Es handelt sich, wie„Diario Lisbva" meldet. nn» eine Stiftung Eastmanö znm Bau eines Hospitals ■siir di« jnngfaschiftische« Organisationen. S k utt g a r l, 21. Zfiorz.(Eigeubcrichk.) Auf einer Tagung des würktembergischeu Zentrums in Ulm führte Staatspräsident Bolz über das Ziel seiner Bari ei im bevorsteheoden Landtagswahlkamps n. a. folgende« aus: „Wir müsien verhindern, daß der Radikalwrnus irgendwo ans Ruder kommt. Wenn uns das gelingt, dann haben wir unsere Pflicht getan und unser Ziel erreicht. Der Kommunismus ist. auf die Dauer gesehen, vielleicht die größere Gefahr, aber augenblicklich ist er es nicht. Deshalb müsien wir die ganze Kampfkraft gegen die Rationalsoziall st en einsetzen.(Stürmischer Beifall.) hier gibt es keinerlei Pattieren, sondern nur entscheidenden scharfen Kampf. Biel» sagen, man müsie die Nationalsozialisten regieren laflen, um ihre Unfähigkeit zu erweisen. Das wäre ein fianz gefährliches Experiment. Es ist unmöglich, mU den National- ozialisten ruhige und praktische Arbeit zu leisten. Sie sagen: wir wollen nichts vom Parlament, wir wollen eine Bewegung sein, die zur Macht drängt. Und diese Bewegung ist ausgebaut auf dem Führergedanken. Der Führer befiehlt und die anderen haben zu gehorchen. Das ist der Gedanke der Diktatur. Was aber würde sie bedeuten? Sie würde sofort jede andersgesinnte Press« verbieten. Es gäbe von diesem Tage ab aber nur „Mit bolschewistischem Schwung." Das ZK. der KVD. besingt die ZMeite Teddy Thalmanns. Das ZK. der KPD. veröffentlicht einen Aufruf, der genau nach dem Muster des sozialdemok ra tischen Au frufs am 16. März gearbeitet ist. Er beginnt mit einem Dank an die Mitkämpfer, setzt sich dann mit dem Aauptgegner auseinander und schließt mit der Zielsetzung für die nächste Zukunft. Die Disposition ist genau dieselbe, und es ist recht unterhaltend zu sehen, wie der sozialdemokratische Sinn Absatz für Absatz in kommunistischen Unsinn verwandest worden ist. Zunächst begnügt sich das ZK. nicht damit, seinen Mit- kämpsern den Dank auszusprechen, wie das der sozialdsnio- kratische Parteivorstand tut: es spricht ihnen seinen„r e v o- l u t i o n ä r e n Dank" aus. Dos Ankreuzen des Kandidaten Nr. 4 in geheimer Wahlzelle wird als ein„kühnes Bekenntnis zum revolutionären Klassenkampf" bezeichnet. Da kann eben eine sozialdemokratische Druckerei, nicht mit. denn soviel revolutionäre„rrrr" gibt es in ihren Setzkästen gar nicht! Der sozialdemokratische Aufruf mahnt die Arbeiter zum Kampf gegen den Faschismus. Pie entsprechenden Absätze des kommunistischen Aufrufs sind natürlich gegendieSozial- d e m o k r a tü e gerichtet, die jetzt„noch stärker entlarvt" wer- den soll. Nun, die Sozialdemokratie ist schon an verschiedene Grade der Entlarvung gewöhnt, sie wird auch den stärksten mit Fasiung ertragen? Dieser folgt dann auch in einem der nächsten Llbsätze, in dem gesagt wird:„B raun und Severing führen mst eigenen Aänden bewußt und syste- matisch die f a s ch i st i s ch e D i k t a t u r in Deutschland durch." „Diesen Machthabern von heute", ganz besonders„der be- trügerischen arbeiterfeindlichen Sozialdemokratie gilt der A a u p t st o ß", welcher nunmehr„mit wahrhaft bolschewisti- schein Schwung" geführt werden soll. Zu diesem Zweck sollen die Mstläufer das bekannte„kühne Vekennlnis zum revolutionären Klassenkampf" wiederbolen und noch einmal in der stillen Wahlzelle zum Namen T h ä l m a n n ein Kreuz malen. Nun ist dieses Kreuzchenmalen im zweiten Wahlgang kaum mehr als eine harmlose Eselei. Fünf Millionen Thal- mann-Zestel können jetzt weder Aindenburgs Sieg noch Aitlers Niederlage verhindern. Ueberhaupt ist der Zweck der wiederhosten Thälmann-Wäblerei in keiner Weise zu erkennen. Man hat am 13. März Stimmen gezähst, man wird am 24. April— bei den Landtagswahlen— schon wieder Stimmen zäblen. Daß man zwisckend'>rch, am 10. Avril. no-b einmal zählen will, hat, wie uns scheint, mit überdemokratischem Kretinismus mehr zu tun. als mst„bolschewistischem Schwung". Es ist ein„revolutionärer Aauptstoß", der nichts 'trifft, als die Luft. Wie der sozialdemokratische Aufruf schließt auch der kommunistische mit der Zielsetzung für die Zukunft. Bei der Sozialdemokratie heißt es: Verstaatlichung der Schwerindustrie, Schaffung von Arbeits- gelegenhei.t, Unterpellung der Banken und noch eine nationalsozialistische Presse. Es gäbe auch keine Bsre sammlungsfreiheit mehr. Der Inhalt ihrer Diktatur wäre also; 1. die Beseitigung des Parlaments, der Parteien, der freien Meinungsäußerung, der Presse, der Versammlungsfreiheit. 2 die Bewaffnung der SA. und ihre Bezahlung aus Reichsmitteln In dem Augenblick, wo die Nazis ans Ruber kommen, sind ihre SA. eine politische Kampftruppe mst Be- zahlung aus Reichsmitteln. Worin beruht nun die Gefahr? Der Augenblick der Errichtung einer nationalsozialistischen Diktatur wäre bei uns die Geburtsstunde einer Revolution. Dann zwänge man die ganze Sozial« demokratie ins radikale Lager hinüber und forderte nur ihre Ver- emigung mit den Kommunisten. Dahermüsfen wirmit bau Gedankengängen in unseren Reihen aufräumen, alsob man mit den Nationalsozialisten paktieren oder praktische nationale Arbeit leisten könne. Wir müsien absolut klar und deutlich aussprechen: es gibt mit ihnen keine Zusammem arbeit. Wenn wir das erreichen. daß sie weder in Bayern, noch in Preußen, noch in Württemberg zur Regierung kommen, dann haben wir gesiegt. Je schärfer und entschiedener wir den Kampf führen, desto eher gelingt es uns. den Nationalsozialismus zu überwinden. Die Gefahr dieser Bewegung offen aufzeigen, muß das Ziel unseres Wahlkampss sein.* Iber Trusts unter.Staatsaufsicht. Von solcher s o z i a l i st i s ch e r Zielsetzung findet man in dem Aufruf der KPD. keine Spur. Sie wird dort ersetzt durch ein gefühls- sozialistisches Geseiche. dem man viel zu viel Ehre antun würde, wenn man es als„vulgärmarxistisch" bezeichnen wollte. Alle sozialistische Zielsetzung wird ersetzt durch den Schrei nach der Verteidigung der Sowjetunion. Das ist ein kläglicher Rückzug in die Defensive in demselben Augenblick, in dein dieSozialdemokratiediesozialistischeOffen- sive ergreift. Und gegen wen sollten die kommunistischen Arbester die Verteidigung Sowjetrußlairds führen? Etwa gegen die B r ü n i n g- R e g i e r u n g, der die sowjetoffiziöfe „Moskauer Rundschau" soeben erst bestätigt hat, daß sie die zuverlässig st eFreundin Sowjetrußlands ist? Zusammenfassend ist zu sagen, daß die KPD. nicht nur den Kampf gegen den Faschismus, nicht nur den Kampf für die realen Interessen des Proletariats, sondern auch die sozialistische Offensive ganz und gar ihrem„Aaupt- feind", der Sozialdemokratie", überläßt, Ist das„bolschewistischer Schwung? Nein, das ist galöp-, pierendcr Jntclligenzfchwund! Hindenburg an den Goeths-Ansfchuß. Reichspräsident von hindenburg hat an den Lorsitzenlden des Goethe-Ausjchusies in Weimar, Swatsmtnister a. D. vr. h. c. Leut. Hausier, zur Goethe-Gedenkfeier das folgend« Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Staatsminister! Es ist mir ein Bedürfnis, auch Ihnen als Borsigenden des Weimarer Gveihe-Ausschusies und durch Sie der Bevölkerung der Stadt Weimar, mein aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck zu bringen, daß es mir durch die politische Lage unmöglich geworden ist, der Einladung der thüringischen Regierung zur Goethe-Iahrhundertfeier persönlich zu folgen und den Kranz des deutschen Votkes am Sarge des großen deutschen Dichters selbst niederzulegen. Meine Wünsch« begleiten nicht nur den äußeren festlichen Verlaus dieser Feier. Möge der 22. März in unserem Aolke den selbst- zerfleischenden- Streit der Meinungen zurücktreten lassen vor dem Gefühl einex schicksalhast verbundenen deutschen Kultur« und Volks« gsmeinlchaft, und möge dieser Tag all«'Deutschen in und außerhalb der Reichsgrenzen zujammsnsühren in oer Erinnerung an eine große Vergangenheit, in der Hostnung auf eine bessere Zukunst, für die wir allen Gewalten zum Trotz über die Not der Gegenwart hinaus Reich und Volk und auch die deutsche Kunst erhallen wollen. Mit freundlichen Grüßen gez. von hindenburg." Volk und Sozialdemokratie! Gregor Bienstock, bar vor kurzem die Studie�„Deutschland und. die Weltwirtschaft" vorlegte, gibt m der Broschüre„Volk und Sozialdemokratie" einen fach» lich wohlfundierten Ueberblick über die seit 1918 geleistete innen- vnd außenpolitische Arbeit her Sozialdemokra- ti e. Das hell stellt eine wertvolle Ergänzung der Kampfliteratuc gegen die nationalsozialistische Lügenpropaganda dar. Es ist im Dietz-Verlag in Berlin erschienen und tostet 16 Pf. Lloyd George tut Buße. Neue über Versailles.- Zuspruch an LtGA. London. 21. März. In seinem Buch„Die Wahrheit über die Reparationen und Kriegsschulden" erklärt Lloyd George, einer der Bäter des Versaillor Vertrags, daß die völlige Streichung der Reparationen nicht im Widerspruch zum Dersailler Frieden stehen würde. Die entsprechenden Kauseln ließen ausdrücklich die Möglichkeit. einer Herabsetzung bzw. Streichung bei Uebereinstimmung der betroffenen Regierungen offen. Die Reparationen und Kriegsschulden sowie die falsche Verkeilung de« Goldes und d'e hohen Zollmauern seien die Hauptursachen der gegenwärtigen Ivcltkrise. Lloyd Georg« schildert u. a. auch sein« Roll« bei den Reparations- Verhandlungen 1919 bis 1921. Er betont, daß er die Schwierig- kellen, die sich der Leistung der damals festgesetzten Reparations. Zahlungen entgegensetzten, vorausgesehen habe, daß jedoch der Druck der öffentlichen Meinung keinen anderen Weg offengelassen habe(nachdem die Ententeregierungen diese Meinung gemacht hatten. Red.). Lloyd George beziffert die bis zum Inkrafttreten Oes hoooer- Moratoriums gezahlten Reparationen auf 19)9 Millionen Pfund Sterling, wobei«r die Besatzungskosten und den Wert der abgetretenen Besitzungen einrechnet. Er kommt zu dem Schluß, daß Deutschland nicht mehr bezahlen könne. Den einzigen Ausweg steht Lloyd George in einer Aenderung der haltunq der Bereinigten Staaten. Er sagt Amerika, daß«s selbst bei einer Streichung der Kriegsschulden noch nicht so große Ber» l u st e durch den Krieg aufzuweisen haben würde wie etwa Frank- reich und England. Wenn Amerika sich weiter einer herab jetzuag der Kriegsschulden widersetze, so werde es allmählich feine Wirtschaft vollkommen zugrunde richten. Indem es sich selbst seiner besten Kunde«, nämlich der europä'fchen Staaten, beraube. Amerika halte den Schlüssel zu seiner eigenen und zur Wohlfahrt der ganzen Welt. Lloyd George empfiehlt, um Amerika entgegen- zukommen, eine beträchtliche Hexabsetzung der Rüstungen. „Eine groß« Gelegenheit", so schreibt Lloyd George,„erwartet die Welt in Lausanne. Wollen die Staatsmänner sie ergreifen oder wollen sie fortfahren, zu f a s e l n?" Das Buch enthält eine Reihe bisher unvsräffenllichter Brief« von Statsmännern, die mll der Reparations» und Kriegsschulden- frage zu tun gehabt haben. Lloyd George greift u. a Poincarä aufs schärfste an; er nennt ihn den Unfranzösischsten aller Franzosen. Poincarts Ansicht von Deutschland sei die eines hcilsarmeehäupt- lings vom Teufel gewesen. Auch in Frankreich wachsende Erkenntnis. Paris. 21. März. Abg. Bergery(sozialradikal) äußerte sich aus einer Wahlversammlung in Belfort über die Außenpolitik und forderte voll- ständig« Streiwung der Tribute sowie der internationalen Schulden und«rklärts, daß nur so Frieden und Abrüstung zu er- möglichen seien. Der Nachkriegsdeutsche. Prozeß gegen„Vorwärts",„Münchenerpost" und„S-Llhr- Abendblatt". Alüllchea. 21. Kätj. tElgeabericht.) Bot dem Nänchener Berufung&g et üftt wurde heule abermal» dle Klage de» Reichstagsabgeordneken Roseaberg. Chefredak- keur des„Völkischen veobachler". gegen die Redakteure Victor Schiff vom„Vorwärts". Martin Gruber von der„Rtiin- cheuer Post" und Zelix Hirsch vom„S-Uhr-Vbeudblatt" ver- handelt. Es handelt sich im wesentlichen um die llebernahwe einer Angabe des �takloualsoziallst" Otto Straher» durch die genannte» drei Blätler. datz Rosrnberg während de» Krieges in Parts im vienfte der Entente tälig gewesen sei. Zn erster Instanz waren die drei beklagten Redakteure zu se S00 M Geldstrafe verurteilt worden, doch halte der Kläger Berufung eingelegt, um eine höhere Strafe zu erlangen, worauf auch von den Beklagten gegen das Urteil Berufung eingelegt wurde. Das Berufungsgericht verwarf beide Berufungeu, es bleibt beim Urteil der ersten Znstanz. In der heutigen Verhandlung erläuterte Genosse Schiff die Entstehung des inkriminierten„Vorwärts"-Artikels, den er nach der Reichstagswahl von 1930 geschrieben hätte, als Hitler in so plumper Weife auf einen Anbiederungsversuch de» französischen Hanswurst G. herve mit seinen geradezu pazifistischen Behauptungen herein- gefallen war Da Rosenbcrg aus die gravierende Behauptung des Straßer-Blaltes weder durch eine Älage, noch eine Berichtigung reagiert hätte, konnte inan annehmen, daß sie stimmte und daß daher Rosenberg als außenpolitischer Be- rater Hitlers versäumt hatte, seinen Chef über die Bedeutung?- losigkeit hervifs zu informieren. Nachdem Schiff einige Monate zuvor im„Volkischen Beobachter" als.Landesverräter" be» zeichnet worden war. ohne gerichtlich vorgehen zu können, weil sich Rosenberg damals hinter die Immunität eines nationalsozia- listischen Reichstagsabgeordneten verkrochen hatte, hielt er sich für berechtigt, in diesem Zusammenhang nunmehr Rosenbergs Ver- gangenheit auf Grund der Beschuldigungen des Straßer-Blattes zu beleuchten. Di« frühere Beweisaufnahme Halle ergeben, daß die Angaben des Straßer-Blattes aus eine Aeußerung des Reichstagsabgeord- neten G ö r i n g zurückzuführe» waren, der sich wiederum auf Hitlers Pressechef hanfstaengl berief. Doch beide Herren konnten sich als Zeugen nur noch sehr verschwommen an ihre eigenen Aeußerungen über Rosenberg erinnern. Da sich Rosenbergs Rechtsbeistand. Rechtsanwalt Roder, zu Beginn der Verhandlung heftig darüber betlagt hatte, daß die Angriffe gegen seinen Mandanten neuerdings weitergingen, gestützt auf Behauptungen einer französischen Wochenschrift Je suis- partout", wies Rechtsanwalt Löwenfeld nach, daß weder der „Vorwärts', noch die„Münchener Post" von diesen Angaben Ge- brauch gemacht hätten, nachdem eingehende Erkundigungen in Paris ergeben hätten, daß zwar die Redaktion dieser Zellschrist aus ihrer Behauptung bcharre, daß Rosenberg ixt der Propaganda-Abteilung des französischen Auswärtigen Amtes tätig gewesen wäre, ober ihre Gewährsmänner nicht nennen wolle. Znteresiant war in diesem Zusamwenhang die Mitteilung, daß in dem Arbeitszimmer des leitenden Redakteurs dieser durchaus deutschlandfelndlichen Wochen. schrift eia Bild Adols Hilter» hänge mil eigenhändiger Widmung des Führers der RSDAP. Rechtsanwalt Graf Pestalozza ergänzte diese Aus- führungen für den Redaktsur des.B-Uhr-Abendblattes" und verwahrte sich in volkstümlicher Weise gegen die Methode der Nationalsozialisten. ein Patent auf Patriotismus sich anzueignen. Dazu fei der i>tachkrteg»delltsch« Rosenberg am allerwenigsten berechtigt, und die Klarstellung feiner Vergangenhell im Kriege fei «in berechtigte« Znteresie der Allgemeinheit und insbesondere dar verklagten Zeitungen gewesen. Rechtsanwalt Roder forderte sine schärfere Bestrafung der Angeklagten als in der ersten Instanz, zumal die Angriffe auf seinen Mandanten in anderen Blättern und in anderer Form weiter- gingen. Rosenberg hätte sich bei der Besetzung Rigas durch die Deutschen bei dem deutschen Generalkonsul zum Heeresdienst melden wollen, fei aber abgewiesen worden und hätte sich danach darauf beschränken müssen, im Auftrage der Besatzungebehörden im Ballt- tum Vorträge gegen den Bolschewismus zu hallen. Er fei niemals- während des Krieges oder nach dem Kriegs in Paris gewesen. Naä) dreistündiger Verhandlung verkündete das Gericht das Urteil' Die beiderseitigen Berufungen werden ab- gewiesen, beide Parteien tragen die Kostender, Berufungsinstanz. Die Angab«, daß Rosenberg in Paris während des Kriege» tätig gewesen sei, sei unerwiesen geblieben. Die Schärf« der Pressepolemiken auf beiden Seiten ließe das Urteil der ersten Instanz angemessen erscheinen. ! Kehlspekulation. „Komm, Ouesterberg! Da ist nischi mehr zu wollen!" Gebt der Jugend Arbeit! Leder zehnte Lugendliche ohne Beschästigung. Die Lügenbeutel. Aenchtiguagea. die alt geworden sind. Di«„Rote Fahne", das Organ der leninistischen Litgenthoorie, brachte am letzten Sonnabend— also am 19. März 1932— eine Berichtigung, die vom— 24. November 1931(!) datiert ist. Sie stammt von dem Vorsitzenden des sozioldemokratischen Lezirksvsrbandes Berlin, Genossen Franz Künstler, und hat solgenden Wortlaut: Zn Nr. 23 ver Zeitung„Die Rote Fahne" vom 22. November d. I. heißt es in einem an der Spitze der zwetten Beilage v«r° öffentlichlen Aussatz: „Als vor der Abreise der sozialdemokratischen Arbeiterdelc» gation Arbeiter«ruf dem Bezirksbüro der SPD. an Künstler die Frage siellten, ob sie mit nach der Somsetunion reisen könnten, erklärte Künstler:„Das käme nicht in Betracht, damit stellst du dich außerhalb ver Reihen der Partei." Man fragt« ihn:„Wenn ich nini nach Italien fahren will, würde.mir das erlaubt?"' Künstler antwortete:„Dagegen Halen wir nichts einzuwenden." hierzu erkläre ich: Dies« Behauptung, die angeblich der Ab- geordnete Walter Ulbricht aufgestellt HM, ist in allen TeUen un» iouhr. Vor der Abreise der angeblichen sozialdemokratisch»!» Arbell-rdelegation»ach Rußland haben Sozialdemokraten niemalz bei mir die Genehmigung nachgesucht, nach Sowjetrußlano reisen zu dürfen. Ick, habe au 6, nicht bei irgendeiner Gelegenheit jemandem auf die Frage, ob es ihm erlaubt fein würde, noch lsialien zu reisen, geantwortet:„Dagegen haben wir nicht» ein- zuwenden." Berlin. 24. November 1SZ1- Franz Künstler. Wie aus dieser Berichtigung Hervorgeht, wurde sie am 24. November 1931, also vor vollen vier Monaten, dem Blatte zugestellt. Sie wurde aler nicht abgedruckt Wegen des Nicht« b- drucke» stellte Künstler Straf ah trag. Darauf kam der verantwortliche Redakteur mit der Ausrede, er habe die Berichtigung nicht erhalten vi« wurde ihm min mittels Einschreibebrief aber- nials zugestellt, und zwar am 19. Februar 1932. Trotzdem wurde sie nicht veröfientlicht. Abermals erfolgte vtrafantrag. Und nun bequemt sich das Lügenblatt endlich dazu, die— veraltete— Berichtigung bekanntzugeben. Dos ist die Praxis journalistischer Unanständigkeit, wie man sie Tie Weltkrise des kapitalistischen Systems hat die Jugend besonders schwer betroffen. In Deutschland ist über eine Million junger Menschen in das NiesenHeer der Arbeitslosen eingereiht. DaS bedeutet, daß jeder zehnte Jugendliche ohne Arbeit ist. Für die Jugend ist die Arbeitslosigkeit viel mehr alS Lahnaus- fall. Unter den jugendlichen Erwerbslosen wächst die Zahl derjenigen, die monate» und sogar jahrelang ohne Beschäftigung sind. Sie sehen ihre Bernfüfähigkeiten schwinden, kommen sich nutzlos und überflüssig vor nnd fühle« sich ansgestoße« aus der menschlichen Gesellschaft. Der Jugend muß schnelluudgründlichgeholfen werden, wen» sie nicht ganz verloren gehe» soll für aus- bauende Mitarbeit im Staat und in der Wirtschaft der Zukunft.'-- vt:--- Dies« Gedanken standen im Vordergrund der Beratungen de« Reichsausschusses des Verbandes der Sozi alt st i» schen Arbeiterjugend Deutschlands auf feiner letzten Tagung. Die Sitzung war sehr gut besucht: fast all« Bezirks waren vertreten, lieber den Stand der Organisation berichtete der Verbandsvorsitzende Erich Ollenhauer. Die Aktivierung der Ar- betterhewegung durch die Eiserne Front hat auch die Jugend erfaßt. Die Versammlungen und Kundgebungen der Jugend waren seit den Tagen inr Novemberrevolution nie so gut besucht und von solchem Kampsgeist bestell wie stgt. Der ersten Niederlage der National- sazialisten am 13. März müssen beim zwetten Wahlgang und bei den kommenden Landtagswahlen noch schwerer« Ntedorlagen folgen. Di« Sozialistische Arbeiterjugend wird alles tun, um diese schärfsten Feinde der Arbeiterbewegung schlagen zu helfen. Sie weiß, daß das, was jetzt in den politischen Kämpstn eittschieden wird, entscheidend ist für die Zukunft der Jugend. Trotzdem die Mitglieder der SAI. bis zu einem Viertel arbeitslos sind, ist die Organisation intakt geblieben. Ein geringer Mttzliederrückgong hat seine Ursache in der all- gemeinen Not und in dem Verbrechen. der Spaltung im vorigen Herbst. Durch eine uttenstve Werbearbeit und durch den Ausbau der Arbeit in den Gruppen wird dieser Verlust recht schnell ausgeholl sein. Die letzten Wahlen haben bewiesen, daß vor allem die kainmu- nistische Jugend soziakdemokratischen Argumenten wieder zugäng- licher ist. Auch bei den'Nationalsozialisten wird der Widerspruch zwischen den Lautsprechern i ia Goebbels rnid dem wirklichen Können der Nazis gerade unter der Jugend manche Zweifel an dem httlsrifchen..Sozialismus" entstehen lassen. Hier bestehen wachsende Aussichten, die durch die Not ansgewühlle Jugend sstr den marxistt- schen Sozialismus zu gewinnen. Der Not der arbeitslosen Jugend ist durch die Sozialistische Arbetterjugend nach besten Kräften abgeholsen worden. Alle Be- strebungen und.Einrichtungen der öffentlichen Körperschaften und der Arbeiterorganisationen, die die Not der Jugend lindern sollen, finden die weitgehende Unterstützung der SAJ. Durch eigene Ver- anstattungen ist den arbeitslosen Jungen und Mädchen bewiesen worden, daß bst Gemeinschaft der SAJ. ihre iwtleidenden Mttglieder nicht im Stich läßt. Pen arbettslosen Jugendlichen wurde ein Halt geboten, der sie vor dem- Verzweifeln oder vor dem Abgletten in «inen fruchtlosen Radikalismus schützt. So erfreulich und viel- gestallig alle diest Hilfsmaßnahmen sind, die best«Hilfe für die Jugend ist Arbeitsbeschaffung. In einer eil, stimmig gefaßten Entschließung stellt sich die Sozialistisch« Arbeiterjugend hinter die Arbeitsbeschasfungsvorschläge der sozialdemokratischen Reichs tage-frattion und der freien Gewerkschaften. Die Sozialistische Arbetterjugend fordert insbesondere die Verkürzung der täglichen, wöchentlichen und der Lebensardeitszett. Solange der erwerbslosen Jugend keine Arbeit gegeben iflsrhen kann, muß ihr geholfen werden durch ausreichend ä" Unterstützung und durch jugeNdpflegerische Maß- nahmen. DU Sozialistische Arbetterjugend fordert deshalb, daß die Einrichtungen und Veranstaltungen der Ardettsämter, Ge- nietnden und Organisationen für erwerbslose Jugendliche erhallen bleiben müssen. Durch Zusammenarbeit aller beteiligten Körper- schaften und durch weitgehende Heranziehung der Jugendoerbände muh diese notwendige Hilfsarbeit ausgeweitet und vertieft werden. Beschlossen wurde die Verschiebung dar Reichskonserenz, die in diesem Jahre stattftnden mühte, aus das Frühjlchr 1933. Zum freiwilligen Arbeitsdienst wurde ein Beschluß gegen drei Stimmen gefaßt, durch den den Mitgliedern der SAJ. die Teilnahme an Arbeiten des freiwilligen Arbeitsdienstes freigestellt wird, soweit sozialistische Organisationen oder öffentliche Körperschaften Träger der Arbeit oder des Dienstes sind. In den Fällen, in denen die Organisation der Sozialistischen Arbetterjugend selbst arbeitslose Jugendliche im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigen, sei es als Träger der Arbeit oder des Dienstes, muß vor der Antragsstellung die Zustimmung der Gewerkschaften eingeholl werden und gesichert sein, daß eine Beeinträchtigung des fteien Arbeitsmarktes nicht eintritt. Die Beschäftigung von Jugendlichen bei eigenen Maßnahmen Im Arbeitsdienst muß unter verantwortungsbewußter so- zialistischer und pädagogischer Führung erfolgen. , Die Sozialistische Arbeiterjugend betrachtet den freiwilligen Arbeitsdienst als eine vorübergehende Notmaßnahme. und sie wird ihre Stellungnahme in dem Augenblick überprüfen, in dem die gesetziicheu Grundlagen des Dienstes sich ändern oder die Praxis erkennen läßt, daß der freiwillige Arbeitsdienst den Absichten der sozialen und polttischen Reaktion Vorschick leistet. Mit einem Appell zur stärksten Bereitschaft und Arbeit im Kampf für die Jagend und um die Jugend wurde die arbeitsreiche Tagung geschlossen. von der kommunistischen Presse sett langem gewohnt ist. Diese Praxis wird noch vervollständigt dadurch, daß das Lügenblatt am Sonntag morgen unter Bezugnahme auf die Berichtigung aus dem„Vorwärts" vom 2 2. September 1931(man be. achte die Daten!) eine allgemeine Warnung des soziaSemo- kratischen Bezirksvorstandes vor der Teilnahm« an söge- nannten Rußlanddelegationen zitiert. Dadurch sollen die ganz kon- treten Angaben Künstler» nachträglich als unglaubwürdig hingestellt werden. Die kommunistisch« Presse kann das Schwindeln so wenig lassen wie die Katze das Mausen._________ Kniik nicht erlaubt. Bürgermeister maßregelt Gtabtverordnedten. Bad Seegcberg(Holstein). 21 März.(Eigenbericht.) Wegen des Verdachts,«inen krttischen Artikel über die Kam- inunalpolitik des Magistrats ur der sozialdemokratischen„Kieler Bolkszestung" veröffentlicht zu haben, wurde hier ein sozialdemo- krqtilcher Stadtverordneter vor Beginn einer Stadtver- ardnetcnsihung durch den Bürgermeister Eisner von der Sitzung ausgeschlossen. Der Ausgeschlossen« und die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion haben sich sofort be> schwerdeführend an den Regierungspräsidenten gewandt, da sie der Meinung fiich, daß ein preußischer Bürgermeister nicht das Recht hat, die Geschäfte nach Gutdünken zu führen. Krauen gegen Bürgerkriegsheher. Da« Kölner Abst mmunqsergebnis. In Köln wähllen am 13. März Männer und Frauen getrennt. Von den Männern wählten 21S 49S oder S4,7 Proz. Wahlberechtigte: von den Frauen 224362 Wählerinnen oder 76 Proz. Wahlberechtigte. Es erhielten Stimmen: 1.0%) Frauen Duesterberg 2 557( 1,2%) Männer MM<53,9 116114(53,9%) Piler.. 46771(21,7%) Thälmann. 48 974(22 7%) 236( 1,0%) 892(67,5%) 305(16,7 S) 2 150 892 37305(16,7�) 32318(14,4%) Di« Kölner Frauen haben sich prozentual alsti viel stärker für Hiichenburg eingesetzt als die Kölner Männer. Obwohl die Zahl der abstimmenden Frauen nur um 7157 höher ist als dle der Männer. hat Hindenburg 34 778 Frauenstimmen mehr als Männerstimmen erhallen. Insofern zeigt das Kölner Ergebnis, daß die Frauen von den Parteien, die mit Bürgerkriegs, und Weltkriegsgedanken spielen» nichts wissen wollen. Mensch und Arbeiisgerät. praktische GewerSehygiene, bedeutet auch größere Wirtschastlichkeit. Am Montag veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Getverbehygiene gemeinsam mit dem Rcichskurata- rtum sür Wirts ckzastlichkeit und dem Kaiser-Wilhclm- Institut für Arbeitsphysiologie in Berlin eine Tagung, auf der das T hema„M e n s ch und Arbeitsgerät" behandelt wurde. Der chauptreferent, Ministerialrat Professor Koelsch, München, entwickelte zunächst die physiologisch-hygienischen Grundlagen des\ Themas. Er demonstrierte die einzelnen Entwicklungsstusen des Arbeitsgerätes von der Urzeit bis haute und gab dann einen um- fassenden instruktiven Ueberblick über die Ergebnisse der arbeits- physiologischen und gewerbehygienischen Untersuchungen. Där Referent behandelte dabei sowohl die r e t n k ö r p e r- l i ch e n Arbeiten als auch das Arbeiten mit Werkzeugen und an Maschinen. An vielen Beispielen aus dem praktischen Berufsleben des Arbeiters wies er nach, welche große Bedeutung die richtige Sorperstellung bei der Arbeit. die gute Beschaffenheit des Werkzeuges, vor allem aber ein guter Arbeitsplatz, nicht nur für die Gesundheit des Arbeiters, sondern auch sür dessen Leistungsfäl)igkeit hat. Die Arbeitsmedizin will sowohl die optimalen Arbeitsbedingungen der menschlichen Arbeitsmaschine selbst, als auch die Hantierung mit Werkzeugen und Ärbeitsmaschinen studieren. Voraussetzung für eine zweckmäßige Arbeitsleistung ist die Berücksichtigung der biologischen Gesetze. Aus optimalen Arbeitsleistungen er- geben sich außer hygienischen Borteilen wertvolle psychische Förde- rungen und schließlich auch Steigerungen der Wirtschaftlichkeit. Dr.-Ing. Hotz, der Leiter der technischen Abteilung des deutschen Handwerksinstituts in Hannover, sprach über den Einfluß der menschlichen Arbeitsleistung auf die Arbeitsgestaltung in den gewerblichen Betrieben. Die Frage„Mensch und Arbeitsgerät" kann nicht isoliert betrachtet werden. Die Entwicklung des Arbeits- gerätes ist kein unbegrenztes Teilprablemr für die Verbesserung des Arbeitsgerätes und der Arbeitsverfahren sind die Eigenschaften und die Leistungsfähigkeit des Alcafchen bestimmend. Für die Arbeiten des deutschen Handwerksinstituts waren für die Weiterentwicklung und Vexbesierung von Arbeits- geräten in erster Linie arbeitstechnische und betriebliche Gesichtspunkte maßgebend, wobei aber wissenschaftliche Erkenntnisse und gewerbe- hygienische Grundsätze nicht außer acht gelassen wurden. Der Referent bedauerte, daß die zahlreichen Einzeluntersuchungen über das Problem Mensch und Arbeitsgerät vielfach die notwendige Geschlossenheit vermissen lassen, wodurch sie nicht| genügend zur praktischen Auswirkung kommen können. Professor D e r l i tz k i. der Direktor der Versuchsanstalt sür Landarbeitslehre in Pommritz in Sachsen behandelte das Thema l „Mensch und Arbeitsgerät in der Landwirtschaf t". Hier sei euch heute noch, trotz der fortgeschrittenen Landmaschincntechnik der Produktionsprozeß weniger mechanisiert als in den meisten Industrie- zweigen. Die Mehrzahl aller landwirtschaftlichen Arbeitsoerrichtun- gen wird von Menschenhand mit Hilfe einfacher Geräte ousaesührt. Auch bei der Verwendung landwirtschaftlicher Maschinen werden im allgemeinen von dem Arbeiter größere körperliche Leistungen und Anstrengungen verlaugt als in der Industrie. Aus diesem Grunde sei es eine besonders wichtige Ausgabe der L a n d' a r b e i t s o r d- nung, zweckentsprechende Gerät« zu schassen und dadurch den Arbeitserfolg in ein möglichst günstiges Vechältnis zu bringen, Sehr hinderlich bei der Geräteforschung sei die vielgestaliigkeit der landwirtschaftlichen Handarbeiksgcräte. Es gibt eine Unmenge verschiedener Formen der Handgeräte, die ein und demselben Zweck dienen sollen und nicht nur verschieden noch Gegend, Klima und Boden sind, sondern selbst innerhalb eines Be- triebes eine Bielgestaltigkeit aufweisen, die durch nichts begründet ist. Trotzdem ist es gelungen, die Geräte systematisch zu ordne» und die zweckmäßigsten Formen herauszufinden. Wenn auch diese Ar- beiten iwch nicht als abgeschlossen gelten können, ist es aber in vielen Fällen bereits gelungen, durch zweckmäßige Gestaltung der Geräte und Verwendung einfacher Hilfsmittel die Landarbeit wesentlich zu beschleunigen, zu erleichtern und in ihrer Qualität zu verbessern. Die Verbesserung und Erleichterung der Laicharbeit muß sich im einzelnen auf folgende Punkte erstrecken: Beschleunigung der Arbeit und damit Verkürzung der Arbeitszeit, ohne Minde- rung der Qualität der Arbeit. Freizeit für geistigeTätig- k e i t und Erholung. Erleichterung dynamisch schwerer Arbeiten durch technische Hilfsmittel. Erleichterung der Hebe- und Tragarbeiten durch einfache Mittel und zweckmäßige Formen der Traggeräte. Schonung der Menschenkraft durch günstig« Gestaltung,der Arbettsbedingungen, z. B. durch Benutzung von Fahr- sitzen. Vermeidung ungünstiger Körperhaltungen, wie z. B. des Ruckens. Allgemeine Arbeitshygiene und Unfallverhütung. Als letzter Referent sprach Professor Dr. Hilf, Leiter des Jnstttuts für forstliche Arbeitswissenschaft in Eberswalöe. Auch dieser Vortragende' zeigte an vielen Beispielen aus der Praxis, wie durch eine Modernisierung der Arbeitsmethoden die Verbesserung der Arbeitsgeräte unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Arbeitsforschung usw. die schwere Forstarbeit angenehmer, zugleich aber auch wirtschaftlicher gestattet werden könne. Eine rege Diskussion, an der sich Vertreter der Behörden, der Wissenschaft und Praris, der Unternehmer und Arbeiter beteiligten, beschloß die arbeitsreiche Tagung. Zum polizeikonfliki in Braunschweig. Gegen willkürliche Verletzung der Reichsverfassung. Der Gesämtvorstand des Deutschen Beamtenbundes nahm in feiner letzten Sitzung auch Stellung zu dem bekannten Vor- gehen des braunschweigischen Innenministers Klsggcs gegen den Vraunschweigischen Landesverband der Polizeibeamten. Der Gesamt- vorstand nahm einstimmig folgende Entschließung an: ':r„Der Gesamtvorstand des DBB. nimmt mtt Entrüstung Kenntnis von dem Verbot der Zugehörigkeit der Polizetbeamten zu dem Landesverband der Polizeibeamten im Lands Brannschwcig durch den Minister Klagges. Cr erhebt gegen diese Willkür- liche Verletzung der Reichsverfassung entschied e n Protest und bedauert, daß die Reichsregierung diesen verfassungs- widrigen Zustand noch nicht behoben hat. Der Gesamtvorstand des DBB. fordert von der Reichsregienmg, insbesondere von dem Reichsminister des Innern, die umgehende Wiederherstellung des verfassungsrechllichen Zustandcs im Lande Braunschwelg. Er ist der Auffassung, daß Beamte, die durch ihren Diensteid verpflichtet sind, die Verfassung und die Staatsform mit Leib und Leben zu verteidigen, von der Reichslcitung erwarten dürfen, daß sie bei der Verteidigung ihrer verfassungs- mäßigen Rechte nach dem Grundsatz Treue um Treue den schnellsten nud schärfsten Schutz fordern können. Der Gesamtvorstand des DBB. erwartet von den Polizei- beamten in Brauns chweig, daß sie ihre verfassungsrechtlich gewährte Vereirngungsfreihett mit allen Mitteln verfechten. Er sichert ihnen in diesem Kampf um Freiheit und Recht seine uneingeschränkte Solidarität zu und beauftragt die Bunbesleitung, alles zu tun, um diesen verfassungswidrigen Zustand schnellstens zu beseitigen." Kehrseite der Bankensanierung. Abbau bei der Oanat- und Dresdner Bank. Die Richtlinien- über den Abbau von Angestellten infolge der Fusion Danatbank— Dresdner Bank wurde in dem folgenden Ab- kommen zwischen der Dresdner Bank den Organisationen der kauf- männischen und technischen Bankangestellten niedergelegt: „1. Angestellte im Aller von über 30 Iahren und' An- gestellte mtt mehr als 10 Dien st jähren sollen nicht zwangs- läusig zum Abbau gelangen. Aus dieser Kategorie sollen vielmehr a) die über 5 0 Jahrealten Angestellten pensioniert werden. Die Pension soll nach 15 Dicnstjahren dreißig Sechzigstel des Arbeitseinkommens, steigend für jedes wettere Dienstjahr um ein Sechzigstel bis vierzig Sechzigste! nach 25 Diensfiahren betragen. Der Mindestsatz der Pension soll für die Ortsklasse A 2000 M. pro Jahr bettagen, der Höchstsatz 6000 M. nicht übersteigen. b) Ang-estellte im Alter von 45 bis 50 Iahren erhalten ein Wartegeld in Höhe von 15 Pro,;, chrer Bezüge. 2. Sofern atsdann noch ein Abbau erforderlich fem sollte, soll in erster Linie auf den freiwilligen Abbau zurückgegriffen werden. Zwangsabbau kommt nur sowett in Frage, als die bereits genannten Maßnahnren nicht ausreichen In diesem Falle ist auf die sozialen Verhältnisse und bestehenden Unterhatts- pflichten der zur Enttassung kommende» Angestellten sowohl hin» ji ehrlich ihrer Auswahl wie auch hinsichtlich der Höhe chrer Abfindung vollste Rücksicht zu nehmen. Ange st eilten, die freiwillig ausscheiden wollen, ist das gleiche Abkehrgeld zu zahle», wie wenn die Kündigung settens der Bank erfolgt wäre. 3. Kündigungen können frühestens zum 1. Juli 1932 ausgesprochen werden. 4. Bei alle» diesen Maßnahmen hat die Betriebsver- tretung mitzuwirken. Insbesondere ist die Betriebsoertretung vertraulich zu der Auswahl derjenigen Angestellten, welche den Betrieb verlassen wollen, rechtzeitig heranzuziehen, d. h. vor der Kerausgad« der Kündigung zu informieren. 5. Die Höhe der Zl b f i n d u n g e n soll grundsätzlich pro Dienstjahr ein Zwölftel Jahreseinkommen, min- destens jedoch sechs Zwölftel Jahreseinkommen bettagen. Dazu tritt für Verheiratete ein Zuschlag von drei Zwölftel Jahreseinkommen. Liegen besondere Umstände vor, so kann über diese Säge hinausgegangen werden. 6. Differenzen in den Filialen werden zunächst durch einen Ausschuß bei der Zentral« geschlichtet. Dieser Ausschuß besteht aus je zwei vom Allgemeinen Perband der Deutlchcn Baukongestellten, vom Deutschen Bankbeamtenverein, vom Deittschnätionalen Hand- lungsgehilie»verband(Reichssachgruppe Banken) zu besttinmenden Mitgliedern der derzeitigen zentralen Betriebsoeriretungen. Einigt sich dieser Ausschuß nicht mit der Direktion der Bank, so wird der Streitfall durch eine parttätische Kommission aus Banktettung und den am Reichstarifverttaz beteiligten Gewerkschaften geschlichtet. Den Vorsitz dieser Kommsssion führt ein Vertreter des Reichs- I finanzministeriums. 7. Zum Ausgleich besonderer Härten ist aus den zur Verfügung stehenden besonderen Mitteln ein 5)ärtefonds in Höhe von 2 000 000 M. abzuzweigen. L. Neueinstellungen von Angestellten dürfen solange nicht vorgenommen werden, wie freiwcrdende Posten durch die auf Wartegeld gesetzten Angestellten, sowie durch abgebaute, noch stellungslose Angestellte der Bank besetzt werden können Während der Zeit des durch die Fusion bedingten Abbaues dürfen auch keine Lehrlinge eingestellt werden, es fei denn, daß die Betriebsvertretungen ihre Zustimmung geben. 9. U eberstunden aus Anlaß der Durch- iihnmg der Fusion müssen vorher durch die Betriebsvertretung genehmigt werden. Zur Bewältigung des regulären Geschäftsbetriebes find während der Gültigkett dieser Richtlinien Heb erstunden ver- boten. 10. Diejenigen Angestellten, die pensioniert, auf Wartegeld gesetzt, oder zur Entlassung kommen, sollen während.der Dauer der Kündigungsfrist b c u r lau b t werden. 11. Die vom Reich zur Verfügung gestellten besonderen Mittel finden nur Verwendung für Leistungen an die dem Reichstarif- vertrag unierstehenden Angestellten." Die �Richtlinien finden auf einen Abbau nach dem 30. September 1933 keine Anwendung mehr. Das ays diesem Abkommen sprechende soziale Verständnis verdient Anerkennung. Diese Feststellung gilt sowohl für die Vank wie auch für die Reichsregierung. Die Reichsregierung hat durch den zur Verfügung gestellten 20-Milltonen-Fonds die Voraussetzung zu dieser Regelung geschaffen. Der außerordentliche Erfolg, ist der Jnttiatioe und den unausgesetzten Bemühungen des fretgewerkschaft- lichen Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bank- ange st eilten zu verdanken. Sache der Bankangestellten wird es sein, daraus die emsprechenden organisatorischen Konsequenzen zu ziehen. Für den durch die Fusion Commerzbank— Barmer Bankverein eintretenden— allerdings weit geringeren Per- fonalabbaues— hat der Allgemeine Verband die Forderung er- hoben, dabei nach den gleichen Grundsätzen zu verfahren, wie p». in dem vorstehenden Abkoimnen enthalten sind. Ein bedenklicher Schiedsspruch! Löhne in der badischen Textilindustrie. Die badischen Textillndustriellen vertreten seit Jahren den Stand- punkt, die Textilarbeiterlohne in Baden müßten um 2 P r o z. n i e d r i g e r llegen als in den übrigen deutschen Textil- bezirken. Besonders hat es ihnen der nordbayerische Lohniaris an- getan. Während der nordbayertsche Syndikus jammernd dem Schlichtor vormacht, daß seine Löhne viel zu hoch seien, beruft sich der badische Syndikus auf Nvrdbayern. Und was das Unbegreiflichste an der Sachs' ist: der Landesschlichter für Süd Westdeutschland D r. K im ml ch aus Karlsruh« zestst voll« V«>'- ständnis für die Wünsch« der Textilunternehmer in Baden. Er wider» spricht den Angaben der Unternehmer nicht, daß der Landesschlichter ihnen schon im Januar versprochen habe. im April einen neuen wesentlichen Lohnabbau vorzunehmen. Darum hat der Schlichter auch am 18. Januar in einem Schiedsspruch, der die Tariflöhne aus den Stand vom Januar 1927 zurückstellte, die Lausdauer auf Ende Mörz h. I. fest- gelegt. Der damalige Schiedsspruch sah einen Lohnabbau von 5, 4 P r o z. vor. Die Unternehmer haben sich aber an diesen 5,4 Proz. nur bei den Z e l t l ö V n e r n gehalten, während sie bei den Aktordarb eitern Abzüge bis zu 20 und 30 Prcz. vor- genommen haben Einem der größten Schreier im Kampfe um weiteren Lohnabbau wurde einwand stei nachgewiesen, daß in seinem Betriebe die Lohne in der S p i n n e r e i um 10, 11,4. 12,2, 14,8 und 17 Proz. und in der Weberei um 6,4 Proz. nach dem Schiedp- spruch vom 18. Januar 1932 gekürzt worden sind. Wenn die Gewerkschaftsvertreter in der Berhandwng betonten, daß jeder, der für wetteren Lohnabbau in Baden eintrete. einen Mangel an Verstand oder Gewissen verrat«, so ist dies berechtigt, wenn man die wirklich gezahtten Löhne betrachtet. Vor uns liegen die Lohntüten eines großen Textilbetriebes in Konstanz, wonach der Wochenverdienst der erwachsenen Akkordorbeilerinnen bci Kurzarbeit nach Abzug der Soziaibeilräge ifi5 5,60 HL beträgt bis zum Höchstbetrage, der allerdings Einzelfall darstellt, 14,70 M. Ohne Rücksicht aus diese Elendslöbne und sedenfalls aestübt au? die Versprechungen des Herrn Landesschlichters kündigten die Unternehmer den Lohntarif zu Ends März und verlangten eine nochmalige Kürzungdsr Tariflöhne um 8 Proz. Nachdem die Parteioerhandlungen an dieser unsinnigen Forde- rung der Unternehmer geschettert waren, fällte der Schlichter, wie die .Pexttl-Zcttung" milleill, mit den Stimmen der Arbettgeherbeisitzer am 18. März folgenden Schiedsspruch: „Das Lohnabkommen vom 18. Januar 1932 wird bis auf weiteres verlängert. Es ist mit dreiwöchiger Frist auf das Ende einer Kalenderwoche erstmalig auf den 7. Mai 1932 kündbar. Die Einspruchsfrist läuft bis Dienstag, den 22. März. 1932, abends 6 Uhr." Der Schlichter lieh keinen Zweifel darüber, daß er die kurze Lausdauer deshalb gewählt habe, um entsprechend seiner Ueberzeugung. bald zu der neuen Lohnkürzung in der badischen Textilindustrie zu kommen. Man greift sich an den Kopf und fragt sich, ob der Landesschlichtcr wirklich so wenig Uebersicht über die Verhältnisse in Baden besitzt. Selbst die stark Unternehmer- frwmdliche„Textil-Zeitung" schreibt zu diesem Schiedsspruch: „Eine gewisse VorsichtinderLohnpolitikist angesichts der angespannten politischen Lage sicherlich vonnöten. Bei den Exportindustrten, wozu auch zu einem guten Teil die Textilindustrie gehört, sind bereits in den letzten Monaten im Ber- laufe der Lohnabsenkung die Sonderzulagen beseitigt worden." Die Aordwesiliche gibi nicht nach. Arbeitszeiwerhantuungen mit Angestellten gescheitert. Essen, 21. März. 3« den Verhandlungen unter dem Vorsitz des slaatllchcn Schlichters Professor Dr. Drahn zwischen dem Arbeilgeberverband der Nordwestgruppe und den Angestelltengewerkschaften wurde keine vcrelnbaruug über die Regelung der ArbcUszeilfrage erzielt. Maffenkimdigungen bei der Katiowitzer A.-G. . Tie Direktion der F l o r c n t i n e n g r>rb e(Kattowitzer L.-G.) in Hohenlinde Hai der gesamten Arbeiterschaft von 1380 Mann, sowie den 126 Angestellten die Kündigung zum 29. März ausgesprochen, da die Stillegung der Grube beabsichtigt ist. 360 000 nnlerstühle Arbeitslose in Oesterreich rund 1950 weni° ger als bei der letzten Zählung, wurden Mitte März gezählt. Und wie groß ist die Zahl der nichtunierftützten Arbeitslosen? Leon 3ouhaux. der Führer der französischen Gewerkschaften, der am 21. März sprechen sollte, wird im Hinblick aus den Burg» frieden nunmehr nur in einer geschlossenen Beranstattung der Liga für Menschenrechte am 29. März sprechen können. Ge- schäftsbericht und Auskünfte stnd durch die Gsschäststtelle Berlin N24, Monbijouplatz 10, Eingang IV/lIl, erhältlich. ßhftrefe Gewerkschasts-Lugend Berlin deute um ISZz Uhr tagen die Gruppen: Eenicrlschastphaus: Sugendhetm Gewerkschaflphaus, Gnaelufer 24—25. ISuthcit lammt.— Stcgug: Jugendheim Fiemmingstr. 14b. Wir gestalten den Abend selbst aus.— Moabit: IÜaendheim Bremer Str. 5g— 70. Knfctc Jugend deratuagsstelle.— Spandau-Withelmftadt: Iuaenddeim Sportplatz Seedurgcr Stratze. Kabarett auf Sckallplatten.— Pankow: Jugendheim Kisstngenstr. Ib. Zimmer 5. Juli Martin stellt sich vor.— Treptow: Jugendheim Elscnstr. ll sam Bhs. Treptows. „Freundschaft— Kameradschaft."— Franksnrter Alle«: Jugendheim Litauer Srrasic Ib. Kreismiiglicdcrversammlung.— Landsberger Platz: Jugendheim Landsberger Str. 10. Kreismitgliederoersammluna.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Kreiamiiglicderveri'ammlung.— Aeo-Lichtenderg: Jugendheim Landsberger Str. 20.' Krelsmitglisderversammluna,— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr.'22. Kreiamiigliederversammlung.— Aen-Lichteaberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Kreismitaliederversammlung.— vfteude: Jugendheim Karlsborst, Tresloavall« 44(Kanlschules. Kreismitaliederversammlung im Jugendheim Gunterstr. 44.— Wedding: Jugendheim Wrlldrnowstr. 5, 2 Treppen, Zimmer H. Diskussionsabond:„Wie ist die Krile zu iiderwinden?"— öchönewcide: Jugend» heim Hasselwerderstratzc. Mädchenschule»m Keller.„Schlagwörter nud Fremdwörter."— Adlersbos- Jugendheim Adlershof, BUmarclstr. 1. Fohrtbesprechung. — Ostkreis: 19H Uhr Jugendheim Gunterstr. 44 Kreismitgliederversawmlunq.— Die nächste Sprechstunde findet am Mittwoch, 28. März, von 10—19 Uhr, statt, §Zuaendoruppe des'LentraZverbanSes Oer Anaefteliten Seulc finden folgende Veranstaltungen statt: Lichtenberg: Zugendheim Gunterstr. 44. Vortrag:„Grunddeariffc der PoUlil und der Boliewirt, schaft". Referent Racustn.— Rordwcsi: Jugendheim Lehrter Str. 18— 19. Atdeilsgemeinschast:„Unsere Gegner". Letter: Kunlel.— Der Sprech, und Veweguugschor übt ab 29 Uhr in der Turnhalls Baruther Str. M. Verantwortlich fiir Politik: Blctor Schiff! Wirtschaft: G. Kliagelhöser: Gewerkschaitsbewegung: I. Steincr: FeuUIeto»: Dr. John Schitowsli: Lolate» und Sonstiges: Fritz Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts. Berliig G m. b. H. Verlin. Druck: Voewäris-Buchdrucker-i und Verlagsanstält Paul Singer u To.. Veriin SB. t>8 Lindrnstratze Z. Hierzu 2 Beilagen. Genug»um eine Woche ümg Zeöen Tag 1 Tassen Kathremer zum frichftü# zu trinken... Wirklich-- der ist mchr wert, als er kostet-/ 3Rr. 137* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 22. MSrz 1932 Weniger Schulen in Berlin Sinken der Schülerzahl— 18 Volksschulen werden Ostern aufgelöst Der Siadwerordaeienverfammlung geht jcht eine vor- läge zur kenotnisnahnlc zu, in der die„planwirkschaftlichen Mahnahmen", die zu Ostern tSZ2 aus dem Gebiete des Volks-, Mittel- und höheren Schulwesens durchgesührt werden sollen, mitgeteilt werden. Die Zahl der Volks schul er hat sich seit dem Jahre 1921 Um mehr als 100 000(377 000 auf 274 000) verringert. Eine entsprechende Verminderung der Zahl der jtlasien und Schuten ist jedoch nicht vorgeiwmmen, sondern der Ausgleich durch Heradseizung der Durchschnittssrequenz der Klassen geschaffen worden, die 1929 32,3 betrug, zur Zeit 3(5,2 betrögt. Eine Zunahme der Schülerzahl, durch die eine Erhöhung der durchschnittlichen Klassenbesetzung von selbst wieder eintreten würde, ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten: cs ist vielmehr mit einem weiteren Sinken der Schüler-- zahl zu rechnen. Bei der augenblicklichen Wirtschaftslage ist es nach Meinung des Magistrats nicht zu rcchllertigen, dag die gegen- wartig« Durchschitiitssrequenz, die an den Volksschulen Verlins zu den niedrigsten in ganz Preußen gehört, für die Zukunft bei- behalten wird: sie soll daher zunächst am 37,5 hinausgesetzt werden. hierdurch wird die Auslösung einer Reihe von Schulen bedingt: die freiwerdenden Schulgeböude werden zum Teil der Berufsschul- r-erwaltung, deren Schulen in erl>sblichein Umfange noch in Miet- Häusern untergebracht sind, zur Verfügung gestellt werden können. Welche Schulen verschwinden sollen. Im einzelnen handelt es sich um die Auflösung folgender Volksschulen in den Bezirken 1 bis 6: 74. Volksschule, Pappelallee 30/31, nrit 10 Klassen u. 2 S-Klassen, 79. Volksschule. Pappelallee 30/31, mit 8 Klassen, 112. Volksschule, Wassertorstrahe 31. mit 3 Klassen, 129. Voltsschule, Wasscrwrstroße 31, mit 8 Klassen, 85. Volksschule, Olivoer Straß« 11— 16, mit 8 Klaffen, 284. Volksschule. Schönlanker Straße 11. mit 8 Klassen, 19. Volksschule, Ruhe platzstraße 5— 7, mit 9 Klassen, 166. Volksschule, Ruheplatzstraß« 3— 7, mit 7 Klassen, 268. Volksschule, Frankfurter Allee 37, init 9 Klassen, 88. Volksschule, Rigaer Straße 81/82, mit 7 Klassen, 167. Volksschule, Puttbusser Straße 22, init 9 Klaffen, 175. Volksschule, Puttbusser Straße 22. mit 8 Klassen, 50. Volksschule, Reichenbergcr Straße 44/43, mit 12 Klassen, 68. Volksschule, Reichenberger Straße 44/45, mit 11 Klassen: in dem Bezirk Charlottenburg: 3. Volksschule, Schloß- straße 2, mit 9 Klassen: in dem Bezirk Zehlendors: 6. Volksschule, Schwanenwerder. mit 1 Klasse; in dem T-ezirk Neukölln: Kzilssschulc, Bergstraße 13. mit 6 Klassen: in dem Bezirk Lichtenberg soll vom Beginn des neuen Schuljahres ab die Volksschule 38 allmählich ausgelöst werden. Zlußerdem soll eine Anzahl von Schulen mit Nachbarschulen zusammengelegt werde». Die hierdurch freiwerdcnden Schulgebäude sollen für folgende Zwecke zur Verfügung gestellt werden: Pappclallee 30/31, Berufsschuiverwaltung: Wassertorstr. 31» Bcrussichulvcrwaltung: Olivaer Straße 11/16(Baracken), Bezirks- amt: Schönlanker Straße 11(Baracken), Bezirksamt: Ruheplag- stroßs 5/7, 14. chilfs- und 3. Sprachheilschule; Frankfurter Allee 37, Ausbauschule FriedrichsHain: Riga er Straße 81/82, Volksschulen, die bereits in demselben Hause untergebracht sind: Puttbusser Str. 22, 223. Volksschule aus der Puttbusser Str. 3, in deren Gebäude zwei Sonderschulen gelegt werden; Reichenberger Straße 44/43, Berufs- schulverwaltung: Christianiastraße 4— 6. Bcrussschulverwaltung: Anguststr. 67/68, 180. Volksschule, die sich jetzt in demselben Hause befindet; Eharlottenburg, Schloßstraße 2, Hilfsschule Kirchstroße, deren Räume zu Berwaltungszwccken verwendet werden. Die Veränderungen bei den höheren Schulen. Auf dem Gebiete des Mittel schulwefens tritt nur eine Acndcrung in dem Bezirk Neukölln ein; hier werden die 1. und 2. Mittelschule, Donaustraße 120— 127, mit zusammen 20 Klassen zu einer Schule vereinigt. Auch die Zahl der Schüler der höheren Lehranstalten hat sich während des letzten Iahrzehnis erheblich vermindert: sie betrug im Jahre 1920 rund 83 500 Schüler, im Winterhalbjahr 1931/32 rund 7100« Schüler. Der Grund hierfür liegt in dem Rückgang der Geburtenziffern und in der Verschlechterung der wirt- schastlichen Lage. Da«ine Zunahme der Schüler, zahl in den nächsten Jahren nicht zu erwarten ist, werden zu Beginn des Rechimngs- jahres 1932 folg erbe planwirtschaftliche Maßnahmen aus dem Ge- biete des höheren Schulwesens durchgeführt werden: Umwandlung des Vereinigten Friedrichs- und Humlioldt-Gymnasiums in ein Reformrealgl)mnasium und Zusammenlegung der Robert-Zelle- Realschule mit dieser Anstalt; allmählichc Auflösung der Jahn-Real- schule; allmähliche Auslösung der Fonrane-Realschule in Charlotten- bürg; Zusammenlegung des Hohenzollern-Obcrlyzeums und des Vll. Lyzeums in Wilmersdorf; Zusammenlegung des Dürer- und Elisabeth-Lyzeums in Lichterselde: Auflösung der Ausbauschul« an der Käthe-Kollwitz-Schul« in Neukölln: Vereinigung der Realschule in Britz mit der Albrecht-Dürer-Realschule in Neukölln. Lügen über das Reichsbanner. "... Die durchsichtigen Ablenkungsmanöver der Ertappken. Die Pressestelle des Reichsbanners teilt mit: Hugenbcrgs„Lokal-Anzeiger" und der„Tag" berichten in ihren Sonntagsousgabcn über einen Waffensund in einer„Kaserne der Eisernen Front" in Britz. Zu dieser Mitteilung ist festzustellen, daß .Kasernen" der Eisernen Front nur in der Phantasie der Hugenberg- Redakteure bestehen. Zutreffend ist, daß sich bei der Kontrolle der Waffen eines Kleinkaliber-Schützenvereins in Britz, der im Reichs- bannerheim Unterkunft gefunden hat, Unstimmigkeiten zwischen Be- stand und Anmeldeliste ergaben. Auch der tendenziöse Himveis der Hugenberg-Blätler, daß aus dem Grundstück das bezeichnende Schild stehe„Betreten bringt Lebensgefahr" erklärt sich harmlos. Da sich aus dem Grundstück Baugruben befanden, hat sich der Besitzer für verpflichtet gehalten, durch eine Warnungstafel darauf hinzuweisen, daß das Betreten des Grundstückes mit Gefahren verbunden ist. Die Tafel steht übrigens etwa 300 Meter von dem Heim entfernt. Dieser Sachverhalt läßt erkennen, daß es sich noch nicht einmal um eine Bagatelle handelt. Dem„Slngrlsf" gibt der Vorgang jedoch willkommene Gelegenheit zu einem Manöver, das die Aujmerksamkeit von der durch die Prcußen-Aktion schwer belasteten NSDAP, ab- lenken soll. Unter verlogenen Ueberschriften wie„Eiserne Front putschbereit!" und„Die Eiserne Front unter Waffen marschbercitl" phantasiert das Goebbels-Blatt drei Spalten von„Bürgerkriegs- Vorbereitungen des Reichsbanners und der Eisernen Front" und richtet an die Adresse des Reichsinnenministers den Appell, zu- zupacken. So verlogen wie die knalligen Ueberschriften sind auch die in dem Artikel aufgestellten Behauptungen. Es ist nicht wahr, daß aus dem Gelände in Britz nächtlichcrweise viel gegraben worden ist. es ist ferner nicht wahr, daß sich dort Waffenlager des Reichsbanners befinden, und es ist endlich nicht wahr, daß sich am Wahlsonntag 250 Reichsbannerleute mit gepackten Tornistern und einheitlichen Schupomänteln in dem Heim aufgehalten haben. Das Reichsbanner besitzt keine Wasfenlagcr und hat keine Vorbereitungen zum Bürger- krieg getroffen. Mit diesem Schwindelmanöver wird es dem„Angriff" nicht ge- lingen, die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit von den hochver- räterischen Plänen der NSDAP, abzulenken, die durch die preußische Polizeiaktion enthüllt worden sind. Berlin dankt den Wahlhelfern. Eine Danksagung an die bei der Reichspräsidentenwahl ehrenamtlich tätigen Bürger veröffentlicht Oberbürgermeister Dr. S a h m im Amtsblatt der Stadt Berlin: Bei der Durchführung des ersten Mahlganges der Wahl des Reichspräsidenten am Sonn- tag. dem 13. März 1932, sind mehr als 20 000 Berliner Bürgerinnen und Bürger m den Abstimmungsoorständen als Wstimmungsvor- steher, Abftimmungsvorsteherstclloertreter, Beisitzer und Schriftführer ehrenamtlich tätig gewesen. Für die hierbei geleistete Arbeit spreche ich allen Beteiligten im Nomen der Stadt meinen verbindlichsten Donk aus. Zm Schlafe ermordet. Grauenvoller Doppelmord eines Knechtes.— Das Haus in Brand gesteckt. Oclsnitz i. Dg«.. 21. März. In der kleinen Gemeinde Zaulsdorf bei Oelsnitz beobachteten in der Nacht zum Sonntag gegen 3 Uhr Einwohner, daß in dem Anwehen des Gutsbesitzers Gustav Wolf«in Brand aitsge- brachen war, der erheblichen Umfang anzunehmen drohte. Durch das rasche Eingreisen der Feuerwehr konnte der Brand aus seinen Herd beschränkt werden, so daß nur die große Scheune mit reichen Erntevorrätcn ein Opfer der-Flamin«» wurde. Da das Ehepaar Wolf nicht erschien, wurde eine Leiter an das Fenster der Schlafstube gelegt, auf der der 19jährige Knecht Morgner emporstieg. Er rief den Untenstehenden zu:„Die leben nimmer, die sind tot!" Es stellte sich heraus, daß eine grauenvolle Mordtat begangen worden war. Der Mörder hatle mit einem Beil oder einem anderen stumpfen Gegenstand aus das Ehepaar im Schlafe eingeschlagen. Die 46 Jahre alte Frau Wolf war sofort tot, während der'34 Jahre alte Ehemann zwölf Stunden später im Krankenhaus Oelsnitz gestorben ist, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Als des Mordes verdächtig wurde der Knecht Morgner verhaftet. Oer geheimvolle Stromberg. Oer angeNagte Rechtsanwalt Türk im llralzeff-prozeß. Die Verhandlung gegen Uralzefs hört sich wie ein Kriminal- roman an. Hat das Russengeschäft existiert oder hat es das nicht? Hat ein Strombcrg, durch den Uralzcff das Russengeschäst gemacht haben will, existiert oder ist es eine erdachte Persönlichkeit? Uralzefs schwört Stein und Bein: das Russengeschäst hat exisUert und auch einen Stromberg gibt es. Lebt cr aber noch, so gibt sich Uralzefs der Hoffnung hin, daß er das Geld zurückerhält, denn Stromberg ist ein anständiger Mensch. So Uralzefs über seinen Freund Strombcrg. Aber auch sein Mitangeklagter, der Rechtsanwalt Dr. Türk, ist von der Realität des Russengeschästs und seines Trägers, des ge- hcimnisoollcn und unauffindbaren Stromberg fest überzeugt. Er hat seinerzeit als Anwalt in Dresden für Uralzefs eine Aufent- holtsgenehmigung in Sachsen durchgesetzt und erhielt als sein Rechtsbeistand seiner drei Gesellschaften ein Monatsfixum von 1500 Mark. Zum ersten Male trat cr mit der R a i f f e i s c n- Bank anläßlich des Russengeschäftcs in Verbindung, als er dieser angeblich aus eigener Kenntnis bestätigte, daß die Waren tatsächlich nach Rußland geliefert worden seien und daß die Verzögerung nur durch das Fehlen einer ministeriellen Genehmigung zustande ge- kommen fei. Vor Gericht ergibt sich, daß feine„eigene Kenntnis" aus dem Munde von Uralzefs stammte. Als die Auszahlung der Summen durch die Pariser Handelsvertretung immer wieder nicht erfolgte, fuhr er im Auftrage Uralzeffs und der Raisfeisen-Bank nach Paris, um hier mit Stromberg in Verbindung zu treten. Er fand ihn nicht und telegraphierte nach mehreren vertröstenden Tele- grommen, daß er nun die Anerkemitms der Schuld durch die russische Regierung gesehen habe. Diesem Dokument folgten später die Schuldscheine, die angeblich die Pariser Handelsdelegation dem An- geklagten Uralzefs ausgestellt haben sollte. R.-A. Dr. Türk ist laut feiner, Behauptung mit Stromberg zusammengetrosse». Also existierte er. Ebenso das Russengeschäft. Beide Angeklagten ver- sprechen, im Lause der Verhandlungen den Beweis dafür zu er- bringen, daß das Russengeschäst wirklich existiert habe. Warten wir also ab. Die Verhandlung geht Mittwoch weiter. Vo« der Straßenbahn zu Tode geschleift. An der Ecke Stubenrauch- und Riesestraße in Tem- pelhof ereignete sich gestern abend ein entsetzlicher Unfall. Der 57 Jahre alt« Ausseher Mathias Fuchs aus der Staveuhagcncr Straße 4 in Britz wurde dort mit seinem Fahrrade von einer Straßenbahn erfaßt und mehrere Meter mitgeschlcift, ehe es dem Stroßendahniührcr gelang, sein Fahrzeug zum Stchcn zu bringen. Der Verunglückte konnte nur noch als Leiche hervorgezogen werden. Verlegung der Girokasse 12Z der Berliner Sladlbank. Die Girokasse 123 der Berliner vtadtbank— Girozentrale der Stadt Berlin— befindet sich ab Dienstag, 29. März, in neuen Geschäftsräumen in Berlin-Schöneberg, W. 30, Gleditschstr. 40. Die Girokosse ist wie bisher über Q 1 Stephan 1991/92 und 3711/12 telcphonisch zu erreichen. Wi/t faag£fiJie Jieuie� Sollen wir das volle Forma/ unserer Juno verringern, mindere Tobake verwenden»nur um wesensfremde Zugaben beilegen zu können? W&rauf£egm Sie Ule/dl, Doch ujohl darauf, dass J&M die alte bleibt. Jede Zugabe in Form von Gulsch ein en, Wertmarhen oder Stickereien müßte aber unsere Juno in irgendeiner Form beeinträchügen! WßMm Wßdßr Sie noch wi/t. KON unon Die Jugendweihen. Am letzten Sonntag wurde in den verschiedenen Stadtteilen die Reihe der Zugendweiheveronstaltungen fortgesetzt. In Neukölln hatte sich im großen Saal der„Neuen Welt" eine außerordentlich zahlreiche Gemeinde eingefunden, die Feier wurde hier von der„Arbeitsgemeinschaft proletarische Kunst*(Chöre und Orchester der Freien Schulgemcinde Pankstraße) getragen. Nach der Einführung einer stattlichen Zahl Weihekinder und Gesangsdarbietungen des gemischen Chors leitete eine Suite für Streichorchester über zu dem Weihespiel„Seid geweiht" von Bruno Schönlank. Das in Berlin bereits mehrmals ausgeführte Weihespiel war auch gestern wieder, in einer guten szenischen Gestaltung, sehr wirkungsvoll. Einzelsprccher und Chöre, auch die Kinder, ausgezeich- nct. Der gemeinsame Gesang der Internationale beendete das Spiel und die Weihestunde. Den Höhepunkt der diesjährigen Jugendweihen dürfte die Feier in der„Volksbühne" darstellen. Hier brachte man statt eines aus Gesang, Rezitation und Musik zusammengesetzten Programm- ein die Feierstunde völlig ausfüllendes W e« h e s p i e l von WalterMay„Z umLande der Gerechten" zur Auf- führung. Das Thema ist ähnlich wie bei Schönlank: Der Jugendliche nimmt Abschied von den Spielen der Kindheit und will gläubig einer erträumten Zukunft entgegenschreiten. Doch überall, nach welcher Seite er auch gehen will, wird er bedrängt von der Not und dem Elend unserer Zeit. Seine oersinkende Hoffnung wird wieder aufgerichtet von der Arbeiterjugend, von der Solidarität des kämpfenden Proletariats. In diese Kampfgemeinschaft recht er sich ein. und mit ihm die Weihekinder.„Wir fahren in die neue Zeit: zum Lande der Gerechten." Dies kurz der Sinn des Spiels, das durch die hingebende Arbeit aller Beteiligten die Weihestunde zu einer wahrhaft unvergeßlichen und erhebenden Feier erhob. Der Junge Chor, die Sprechchorgemeinschaft Niederschönhausen, das Streichorchester der Sozialistischen Arbeiterjugend und der Kinder- bewcgungschor der Lebensgemeinschaftsfchule Niederschönhausen gaben ihr Bestes. Martin G l e i ß n e r, der für die Bewegungs- chöre verantwortlich zeichnete, hatte, vor allem in dem großartigen Aufbau des Schlußbildes, Hervorragendes geleistet. Hier war wirk- lich eine neue Festgestaltung erreicht worden. Zepp nach Südamerika. Zn der ersten Morgenstunde mit 9 Pastomeren gestartet. Friedrichshasen. 21. MSr� Bei recht günstiger Wetterlage und nahezu Vollmond startete das Luftschiff„Gros Zeppelin" um 0.Z4 Uhr zu seiner ersten diesjährigen Brasiliensohrt mit neun passa- gieren an Bord. Dr. Eckener ist als Sommandaut an Bord. Bis Spanleu und bis zur westafrikauifchen Süflc ist die Fahrt gut ver- verlaufen. Drei Neuerungen am„Graf Zeppelin" fallen auf. Die an der Bugspitze bisher befindlichen Brenngaszellen sind ausgebaut und durch einhundertprozentige Gaszellen ersetzt Das Schiff trägt dadurch etwa 1SOO Kilogramm mehr. Die Pasiagier- knbine hat ein Fenster zum Oeffnen erhalten. Die Achtergondel ruht beim Aus- und Cinhallen auf einem flachen Gondelwagen, der sich auf einem Schienengleis bewegt. Boraussichllich wird der fran- zösische Kolonialplatz Dakar an der westafrikanischen Küste an- gelaufen werden, qhne daß eine Landung vorgenommen werden soll, um die Möglichkeit einer Postübernahme festzustellen. Die Derhand- lungen des Luftschiffbaues Zeppelin mit der französischen.Aero Postale wegen gemeinsamer Beförderung der Südamerika-Post sind inzwischen gut fortgeschritten. Ein achtzigjähriger Kämpfer. Genosse Karl Kühn, Lichtenberg, Sonntagstr.(5, wild heute 80 Jahre alt. Bon Beruf Schuhmacher, schloß er sich schon In jungen Jahren seiner Berufsorganisation an. Lange Jahre hin- durch war er eifriges Mitglied des Arbeiterradfahrerbundes„Soli- darität". In den schweren Wahlkämpfen der Vorkriegszeit stand Karl Kühn stets seinen Mann. Noch heute ist er aktiv in der Par- tei und im Reichsbanner, Kameradschaft Traveplatz, tätig. Noch beute geht er mit zur Flugblattverbreitung. Die 116. Wteilung des 17. Kreises hofft, den treuen Genossen noch recht lange bei bester Gesundheit und Frische in ihrer Mitte zu sehen. Noch immer die teure Molle. Der Reichsfinanzminisier wartet auf den Preiskommissar. Die Gastwirte hoben es gegenwärtig wieder einmal schwer. Die Gäste fragen nach der Bierpreisfenkung. well der Beschluß der Steuersenkung vorliegt. Die Gastwirte bekommen das Bier aber immer noch zum alten Preis, weil die Steuersenkung noch nicht in Kraft gesetzt fft. Am 20. sollte die Steuersenkung in Kraft treten, so wurde allgemein erwartet. Das Reichsfinanzministerimn hat sich aber den Zeitpunkt vorbehalten-, die Biersteuersenkung ist tatsächlich noch nicht in Kraft gesetzt, und infolgedessen die Bierpreisfenkung auch nicht.! Es ist nänllich noch zwischen dem Preiskommissar einerseits und den Brauereien und Gastwirten andererseits festzulegen, um wieviel der Bierpreis gesenkt wird. Der Reichssinanzmtmster hatte zunächst IS Pf. Preissenkung pro Liter verlangt: er hat sich dann mit einer Perbilligung um 12 Pf. begnügt, was ungefähr 1 Ps. für die Molle ausmacht. Das Reichsfinanzministerium will nun sicher- Der Bezirksverband Brandenburg-Grenzmark hält seinen dies- jährigen ordentlichen Bezirksparteitag am Freitag, dem 2S. März cr.(Karfreitag), vormittags 10 Uhr. in Verlin im Landlog(Saal 6) ad. Tagesordnung: 1. Der Kampf um Preußen. Resercnt: Genosse Ernst Heilmaua. 2. Bericht des Bezirksvorstandes. Berichlerstaller: Wilhelm Krüger. Z. Ausstellung der Kandidaten zum preußischen Landtag. 4. Wahlen a) zum Zeatralvorstand b) der Revisoren 5. Anträge, soweit sie durch vorstehende Tagesordnung nicht er- ledigt sind. geizen, daß diese Verbilligung um 12 Pf. auch wirklich durchgeführt wird und darum steht der Termin für die Herabsetzung der Bier- stcuer noch aus. Der Leidtragende ist bisher natürlich der Verbraucher, der mit Recht auf die billigere Molle wartet. Es sieht ganz so aus, als ob auch dieses Mal wieder Schwierigkeiten entstellen sollten in der Frage, wer den größeren Teil der Preissenkung zu trageu hat. Auf den Liter macht die Steuersenkung in Berlin 7 Pf. aus. Die restlichen 5 Pf. sollen von den Brauereien und den Gastwirten zusammen getragen werden. Eine gerechte Lösung wäie es nun, daß die Berliner Brauereien die vollen 10 Proz. Pretssenkung der Notoerordnung auf sich nehmen, also von den S Pf. 2% Pf., so daß auf die Gastwirte noch 2K Pf. pro Liter entfallen würde». Das entspricht auch dem. was die Brauereien seinerzeit, als sie die Bierfteuersenkung gefordert haben, versprochen hatten. Sie erklärten sich ausdrücklich berell im Falle einer Biersteuersenkung„ihren Anteil" zu tragen, weil sie sich von einer Biersteuersenkung eine entsprechende Absatzsteigerung oersprachen. Freilich haben die Brauereien damals 10 M. Steuersenkung je Hektoliter oerlangt. Jetzt, wo eine beträchtliche Steuersenkung durchgeführt ist. wollen die Brauereien ihre damals gemachte Zusage nicht wahr haben und sie behaupten sogar, daß sie nicht einmal die vom Preiskommissar angeordnete Verbilligung um 2 Mark je.Hekto- liter tragen können. Wir sind der Meinung, daß der Preiskommissar hier sehr schnell und sehr entschlossen zu handeln hat. Der Verbraucher hat einen Anspruch aus die Bierpreisfenkung, die keinen Tag überflüssigerweise verzögert werden darf. Die Gerechtig- keit oerlangt, daß die Brauereien den größeren TcU der durch die Biersteuersenkung noch nicht gedeckten Verbilligung zu übernehmen haben. Die Gastwirte ihrerseits weisen mit Recht aus ihre wirtschaftlich sehr schwere Lage hin und köimen auch nicht einfach zusehen, daß ihnen die Kundschaft wogen der Hinaus- zögerung der Bierverbilligung einfach wegbleibt. Vom Sklarek-prozeß. Kehner läßt ven Z.uacn Brokat unvereidigt. Das Gericht unter Vorsitz des Amtsgerrchtsrats K e ß n e r. der wegen seiner voreiligen Meinungsäußerung über den Direktor B r o l a t im Dienstausstchtswege gerüffelt worden ist, ließ gestern im Sklarek-Prozeß den Zeugen B r o l a t wegen Verdachts der Begünstigung unvereidigt. Den Verdacht der De- günstigung erblickte das Gericht in der Tatsache, daß Brokat den Stadtbankdirektoren von ihren offenstehenden Rechnungen bei Keller u. Furch Mitteilung machte und in dem Besuch beim Oder- magistratsrat Brandes, mit dem er über die Sklareks gesprochen hat. Mord im Wemrausch. Rumänische Offiziere erstechen serbische Kellner. Bukarest. 21. Würz.(Eigenbericht.) Am Sonntagabend waren in Bukarest fünf Leutnants der Vukarester Garnison zu einem Zechgelage versammelt. Nach Mitternacht, als der Wein ausgegangen war, begaben sich zwei. die Brüder Petreano, völlig betrunken in ein in der Nähe befind- liches Restaurant, um neuen Wein zu holen. Dabei gerieten sie mit den Kellnern des Restaurants in Streit über die Qualität des Weines. Im Verlauf des Streites zogen die Offiziere blank und stachen die beiden Kellner nieder. Der eins war sofort tot. der andere liegt m hoffnungslosem Zustande danieder. Die Offiziere wurden verhaftet. Da die beiden Kellner Serben sind, hat der südslawische Gesandte einen Bericht angefordert. Kahenellenbogen vor dem Reichsgericht. Die Staatsanwaltschaft I legt gegen das am Sonn- abend verkündete Urtell im Prozeß gegen Katzenellenbogen, Penzlin. Dr. Sobernheim. Kuhlmey und Funke in vollem Umfang Revision ein. Die Revision soll vor allem der Nachprüfung des Urteils der Straskammer dienen. so daß sich das Reichsgericht mit allen Transaktionen bei der Schultheih-Patzenhofer Brauerei A.-G. und deren rechtlicher Nach- Prüfung zu beschäftigen hat. Dos Urtell lautete bekanntlich gegen Katzenellenbogen wegen Bilanzverschleierung auf drei Monate Gefängnis und 10000 Mark Geld st rase und bei Penzlin wegen Bilanzverschleierung aus 20000 M. Geldstrafe. Von der Anklage der Untreue war Katzenellenbogen freigesprochen. das Verfahren wegen Vergehens gegen§ 88 des Börsenqesetzes gegen Katzenellenbogen und Penzlin wegen Verjährung eingestellt worden. Die drei Mitangeklagten Generaldirektoren Dr. Sobernheim, Kühl» mey und Funke wurden auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Schüler spielen Moliöre. Moliere-Abend in der Schinkel-Oberrealschule, Carmen-Sylva» Straße. Gespielt wird der„Geizige",„entstaub:" und moterni- stert von Studienrat B r o s e, gespielt von der erquickend-lebendigen Schülerschar. Prächtig verknettert und oerflzt schlurrt oer alte Harpagon durchs Geschehen, bestgehaßt und assistiert von Nach- wuchs und Personal. Elise, das verliebte Töchterchen. Marianne, präsumtive Stiefmutter und nochmalige Gattin von Harpagon junior und Frosine, die famos kuppelnde Heiratsoermittlerin, hatten allesamt ihr fühlend Herz in einer starken M ä n n e r b r u st: sie sahen aber so„weiblich" aus und wußten so kokett die Aeualein zu oerdrehen, daß erst beim sonoren Klang der Stimme die Illusion 22)? Aus dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. Nachts wurde im Waggon gesungen. Bisher war das nicht möglich gewesen. Das Begleitkommando war so gnädig, dag es uns nicht nur gestattete, ungehindert miteinander zu sprechen und uns innerhalb des Waggons frei zu bewegen, sondern sogar zu singen. Als erster stimmte ein sympathischer Tenor in der Gruppe der Politischen im Nachbarabteil an, dann fielen seine Kameraden ein und sangen im Chor. Sie snagen gedämpft und so, als wären sie ihm Sache nicht gewiß. Späterhin verstärkten sich die Stimmen und dann gesellten sich auch zwei Frauenstimmen dazu. Sie sangen alte Studentenlieder, melancholische und langgezogene Me- lodien, und zuletzt kam ein Gefängnislied an die Reihe. Wie das Herz des Tyrannen, wie Trug und Perrat. so schwarz ist die Herbstnacht vor Hahnenkraht. Doch schwärzer noch wächst aus dem Nebel hervor ein düsteres Phantom: das Gefängnistor..." Die traurigen Lieder lasteten offenbar so sehr auf der Stimmung der Sänger, daß der Chor bald verstummte. Nur eine Frauenstimme fuhr mit einer hübschen Melodie fort. Ich erkannte die Stimme wieder. Unter den Politischen gab es zwei Frauen, dies war die ältere, etwa fünfundoierzig- jährig, im grauen Arrestantenrock, dessen Kragen ein roter Streifen umlief. Diese Frau war sehr blaß, und ihre gelbliche Gesichtsfarbe zeugte von vielen, im Gefängnis verbrachten Monaten. Ihr herbes, ruhiges Gesicht erinnerte an alter- tümliche Porträts oder auch an Frauenbilder aus der großen Heroenzeit des russischen Terrorismus. Tags kam sie manch- mal in unser Abteil, um mir etwas zu essen zu bringen, das sie von den bescheidenen Vorräten der Politischen übrig» behalten hatte. Ein Mann, der sich für den Bruder eines der Politischen ausgab, fuhr die ganze Zeit über mit ihnen im gleichen Zuge und Uetz ihnen auf dm Stattonm oUr He ltestellen durch die Begleitmannschaften Lebensmittel zukommen. Daher hatten sie denn gelegentlich einen bescheidenen Ueberfluß. Als der Gesang bei den Politischen verstummt war, stimmten die Tippelbrüder ein Lied an. Es waren ihrer vier. Die übrigen fielen ein. Sie sangen nicht sehr laut, aber ganz vortrefflich. Diese Landstreicher machten nach Stimmen, Singsertigkeit' und Liederkenntnis den Eindruck eines asten Quartetts. Unter ihnen war ein weicher und angenehmer Tenor. Der Mann ohne Gedächtnis sang mit einem tiefen, aus der Brust strömenden Bariton von innigem Schmelz. Ihre Lieder waren aste Gefängnislieder von unendlicher Schwermut. Die ganze Trostlosigkeit des sibirischen Urwaldes, alles Grauen der Gefängnisse und Zwangsarbeitshäuser, alle Qualen jähre- langer Fesseln, jahrelangen Zwanges, aller Kummer der ge- quälten Seele, alle Träumerei von einer Wohnung, von einem bescheidenen menschlichen Glück, einer bescheidenen kleinen Freude— all das sprach aus diesen primitiven, manchmal naiven, aber immer echt empfundenen Liedern. Die kunstlosen Verse empfingen ihr Leben von den menschlich ergreifenden und zugleich melancholischen Motiven und von einer dazwischen ausbrechenden menschlichen Wärme. Das letzte Lied, das sie sangen— ich hatte es schon früher gehört, ist in meinem Gedächtnis haften geblieben: Still die Nacht. Jetzt sei behende! Ach. das Gitter ist zu fest. Und die Pforten sinv verschlossen— Eisen, das nicht locker läßt. In dem düstern Lampenschein auf den langen Korridoren geht der Posten auf und ab. und es klirren seine Sporen. „Posten!"— ,Lerr?"„Ach, stell dich schlafend. Hab Erbarmen, hilf du mir. Muß die Mauer übersteigen, muß ins grüne Waldrevier. Will die alle Mutter küssen, Frau und Kind noch einmal seh'n. Hör den Schwur! Ich kehre wieder. sollt es auch zu Tode gehn." .Herr, wir sind ja alle Brüder. Hüls dir gern, doch kann ichs nicht. Morgen kommen die Genräle, stellen mich vor Kriegsgericht. Will ja nicht die Kugel fürchten, Kugel kann barmherzig sein. Doch dann heißt es: Angetreten! Und sie steh» in langen Reih'u, Rutenlaufen wird ich müssen längs und quer durch Bataillon. Und als eine blutige Leiche jährt der Karren mich davon." In Krasnojarsk wurde ich als Heeresangehöriger nicht ins Gefängnis, sondern in die Milstärstrafanstalt gebracht. Das schien durchaus logisch. Aber warum war ich denn in samt- lichen anderen Städten zusammen mit allen übrigen Haft- lingen ins Gefängnis geschafft worden? Offenbar unterlag das dem persönlichen Ermessen des Begleitkommandos, das in diesem Falle eben entschieden hatte, ich gehöre in die Mllitärstrasanstalt. Hier war der Zuschnitt ein gänzlich anderer: es gab Bor- schriften, die mir neu waren, und die Verfehlungen, wegen deren die Soldaten hier saßen, hatten nichts mit den Ver- brechen gemein, die ich in den Gefängnissen kennengelernt hatte. Als höchster Vorgesetzter fungierte hier der wachthabende Kommandant, der alle vierundzwanzig Stunden von einem anderen Offizier der Krasnojarsker Garnison abgelöst wurde. Das Regime in der Militärstrafanstalt war schon aus diesem Grunde ein gänzlich anderes als das im Gefängnis� In mancher Hinsicht war es härter. Man durfte weder auf den Pritschen liegen noch rauchen. Die Verbrechen, wegen deren die Soldaten hier saßen, waren meist von der Art, daß sie von keinem normalen menschlichen Blickpunkt aus als Perbrechen hätten erkannt werden können. Allein unter dem Gesichtswinkel des Militär- reglements betrachtet, stellten sie sich als schwere Gesetzesüber- tretungen dar und wurden streng bestraft. Militärische Vergehen wurden nicht nmch den sonst gelten- den Gesetzen geahndet, sondern nach speziellen militärischen. Die Soldaten wurden nicht von einem bürgerlichen Gericht abgeurtellt, sondern vom Kriegsgericht und meistens sogar vom Standgericht, das heißt, von einem Gericht, in dem statt durchgebildeter Juristen die Frontoffiziere des Regiments saßen, dem der Beschuldigte angehörte. Man kann sich leicht eine Lorstellung davon machen, wie viele hart« uai) suuüose Urteile es dort gab! (Fortsetzung folgt.) zerstob. Famos« Typen boten Jakob der Koch, La Fläche der Chauffeur, Cleant der Filius, nein, es wäre ungerecht, alle machten ehre Sache vortrefflich. Das dichtbesegte Parkett klatschte nicht bloß, nein, es tobte vor Vergnügen. Der Aufführung gingen Klavier- vortrage altfranzösischer Musik voran! wunderhübsch klangen Chambonnieres..Sarabande",„Les Papillons" von Cou» perin, eine prächtige technische Leistung waren„Les petits moulins a vent" desselben Komponisten und„Deux Menuets* von Rameau. Die leisen jugendlichen Pianisten, ebenfalls Schüler, konnten sich stärksten Beifall holen. Wie der Direktor in seiner Begrüßungsrede hervorhob, ist der Gedanke dieser Aufführung aus der Klassenlektüre erwachsen. Volksreisen durch Deutschland. Ein paar Tage vor Ostern, also gerade noch zur rechten Zeit, ist ein Buch erschienen, das von allen Reise- und Wanderlustigen ririt ungeteilter Freude aufgenommen werden wird und das sich, herausgegeben von Friedrich Wendel, Dietz'Arbeiter-Reise- und Wanderung", und man müßte ergänzend sagen: ein billiger Berlin). Im Untertitel neimt es sich:„Ein Führer für billige Reise und Wanderug", und man müßte ergänzend sagen: ein billiger Führer für billige Reise usw.; denn dieses nahezu Seiten starke handliche Buch kostet nur zwei Mark und ist ganz unentbehr- lich für alle Reiseoorbereitungen. Es enthält folgende chauptreife- strecken: Berlin(sehr ausführlich), Potsdam, Mark Brandenburg, Insel Rügen. Ostpreußen, Sächsische Schweiz, Harz, Riescngebirge, Ruhrgebiet, Westfalen und Weserland, Odenwald und Neckartal, Spessart, Taunus und Lahntal, Mainwanderung, Schwarzwald, Hamburg und Nordsee. Lüneburger Heide, Nürnberg, Teutoburger Wald, München und Tirol. Steiermark und Kärnten. Merkwürdigerweise fehlt aber eines der schönsten und großartigsten deutschen Wandergebiets, der Thüringer Wald. Genosse Arthur Crispien schrieb einige freundliche Einleiwngsworte. In besonderen Beiträgen werden Themen wie Wetterkunde, Wanderhygiene, Photo. spart, Jugendherbergen, behandelt. Auch das Wasser- und das Radwandern finden Berücksichtigung, ebenso die verschiedenen bereits bestehenden Arbeiter-Reiseorganisationen und-büros. Wertvoll sind auch die Berzeichnisie der Nalurfreuichehäufer, der gewerkschaftlichen Ferienheiine und der Gewertschafts- und Bolkshäuser. Im ganzen genommen ein lange entbehrter Freund und Ratgeber, der endlich die notwendige Ergänzung zu den viele» bereits vorhandenen, oft einseitigen Reise-, Städte- und Wanderführern bringt. Poftdirektor nicht Nazi? Wie uns die Nachrichtenstelle des Reichspost- Ministeriums mitteilt, hat die Oberpostdirektion B e r l i n auf Grund unserer Mitteilung„Eine Frage an die OPD." in Nr. 127 ermittelt, daß der gegen den Leiter des Postamts NA) erhobene Aorwurf, er habe auf der Straße mit dem Faschistengruß gegrüßt, unzutreffend ist: der Beamte unterhält keinerlei Be- Ziehungen zur NSDAP. Bei einer auf Wunsch unseres Gewährs» manne? herbeigeführten Gegenüberstellung ergab sich, daß es sich um eine ganz andere Persönlichkeit als die des Beamten handelt. Unser Gewährsmann ist einer ihm durch einen Dritten gewordenen falschen Auskunft zum Opfer gefallen. Genosse Hermann tempert, der Vater unseres Stadtverordneten Lemvert, feiert heute in körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag Er steht auch heute noch wie vor Jahren und Jahr» zehnten in der Klein- und Wahlarbeit seinen Mann. Unsere besten Wünsche gelten ihm heute. I» der itarl-Marx-Schule, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 210, findet Dienstag, 22. März, nachmittags 4 Uhr, hie Ausführung des AntilriegS- stückeS„Die Keilerei statt. Eintritt frei. Vorträge, Vereine und Versammlungen Aeei« tobciter-Stemigrapheiliieremigunii Treg.Bcrlin. Fortschritt»kurse in »eichskurzschriit: Norden I: Jugendheim Mlldcnowstr. Z(nahe Phf. Wetdwg): 140 W» 200 Silben Redeschrift leben Donnerstag, 1914 Uhr(fällt am(Brün. Donnerstag aus).— Wiarden Iii Gemeindeschule Schul sir. 99: 50 bis 90 Silben jeden Montag, I9i4 Uhr.— Nordosten: Gemeindeschule Senefelder Str. 6: 60 bis 100 Eilben„den Dienstag, 20 Uhr.— N-ukälln:«arl-Maer-EchuIe, Kaiser. Friedrich-Str. 209—210: 00 bis 90 Eilben jeden Dienstag, l40 bis 220 Silben Redeschrift jeden Donnerstag, 100 bis 140 milbon jeden Freitag, 1914 Uhr. Gäste willkommen. ssrankfurier Alle« 20«. Die Funktionäre—------------■. schaften Lichtenberg, Karlshorst, Kaulsdors, Biesdorf, Mohlsdorf, Marzahn, Hellersdorf müssen der wichtige» Tagesordnung wegen vollzählig erscheinen. Polizeisoortoerein Berlin,«. B., Abteilung Einheitskurzfchrift. Regelmäßig« llebungsabend« an allen Wochenlagen, außer Sonnabends, 1914— 2l>4 Uhr, u» Pelizei.Echulgebäude, Hannoversche Str. 28—00, 2. Stock, Zimmer 10. Anfanger., Fortbildung», und Redefchriftkurse. Auch für Zivile. DerricJitigeWe� schtner weiBer Zähne xSKVVK ——— a—■■"'.................. gefarblen Zahnbelage, ist folgender: Drücken Sie einen Sttang Ehlorodont-Zahnpast« auf die trocken« «lhlorodont- Zahndürste(Spezialbürst« mit gezahntem Borstenlchnstt). bürsten Sie Ihr Gebiß nun nach allen Seilen, auch von unten nach oben, tauchen Sie erst jetzt die Bürste in Wasser und spülen Sie mit CHIorodvnt-Mundwasser unter Eurgeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sie überraichenl Der mitzsarben« Zahnbelaz ist verschwunden und ein herrliche» Eesüh! der Frische bleibt zurück. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmungen und verlangen Sre w'-idrücküch Ehlorodont-Zahnpalte. llnter-Vvrlrieg-sstrehe. Jugendweihen der Sozialisten, Freidenker und Gewerkschaften Berlins Kaifreitag, den 25. März Berlin: Vo'ksbühne, Theafer am Bülowplatz. Beginn 9% Uhr. Berlin: Volksbühne, Theater am Bülowplatz. Beginn 12 Uhr. Berlin: Grobes Schauspielhaus, Karlstrabe, Beginn 11 Uhr. PROGRAMM: Musik, Gesangs-, Sprech- und Bewegungschöre. Rezitationen, Welhercde In der Voliobaiinei Aufführung des(ugendweihespiels von Walter May: „Zum Lande der Gerechten"„Ger Junge Chor, Leitung HeinzTiessen In OrofieB SdiamplethaDs: Aufführung des Jugendwcihespiels von Bruno Scrönlank:.Seid geweiht!" Eintrittspreis: Oastkarten 00 PL, Kinderkarten 50 Pf Eintrittskarten sind am Tage der Weihen an den Kassen erhältlich. Alle Räume werden Vi Stunde vor Beginn ueöffnet. Simendungeo für Ölest Rubrik find Berlin SW SO. Liadeaftraße 0 parteinachnchten Groß-Berlin stet» an da» Beztrksfetretarlat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten Alle Büros des Bezirtsverdandes Berlin bleiben vom Karfreitag, dem 25. März, bis einschließlich Tiens- tag. dem 23. März, geschlossen. Sämtliche Parteinachrichten, die zu Ostern veröffentlicht werden sollen, müssen bis spätestens Tonnerstag. dem 24. März. der Referentcnzentrale eingesandt werden. Der Bezirksvorstand. * Die Arbellsgemeiuschast der Sludersreunde Graß-Berlin veran- stallet am Al i l l w o ch. ZZ. März. lS� Uhr. eine Ellern-Obleuke' kooferenz im Vorlragssaal der Partei, Llndenstr. Z. Bestimmtes Erscheinen aller Ellernobleute dringend erwünscht. * 3. Kreis. Achtung, Grwerbslofenzusgmmenlu nst! Die diesmalige Veranstal. tnng am Donnerstag, 21. März, findet ab 1k Uhr im gelben Saal der Hoch. lchulbrauerei statt. Thema:„dflern". Die Frauen unserer erwerbstosen Genossen haben ebenfalls freien Eintritt. MUgliedobudi und.karte dient :,- all,,'___'' des Westens, Ehaos— die �WWWWWWWWWWWWW�W��W Siegfried Auf. Häuser, Ä. d. R. Mitgtiedsbiicher mitbringen. Die Adteilungsversamm- lungen fallen ans. 12.«reis. Donnerstag, 24. März, 15 Uhr, in der Schule Friefenstraße, Zu. fammenkunft der erwerbslosen Parteimitglieder. Geselliges Beisammen. sein usw. 13.»reis. Donnerstag, 24. März, 1414 Uhr, Zusammenkunft der erwerbslosen Parteimitglieder im Jugendheim Gönstraßc.„Die Lage de» Arbeiters in Eowjetrußland", Referent Dr. Otto Mänchen. 20.«reis. Donnerstag, 24. März, 15 Uhr, Zusammenkünfte drr� erwerbslosen Parteimitglieder an folgenden Stellen: Reinickeudorf-Ost: Schule Hoppe» ftruße.„Gas im Haushalt", Referent der Städt. Gaswerk«.— Wittenau: Jugendheim Reue Schule. Vortragende: Martha John.— Reinickendorf' West: Außenspielplatz. Vortrag des Genossen Dr. Carl Schröder.— Tegel: Jugendheim Schöncberger Str. 3. Bortrag des Genossen Kurt Biging. 14. Abi. Die Bezirle Zrapp und Zeh haben den gahlabend am Mittwoch, 20. Mär,, nicht bei Rook, sondern bei Fließ. SwinemUnder Str. 77. 23. Abt. Mittwoch, 23. März, 1914 Uhr. Mitgli-deroersammlung im großen Saal der Hochfchulbrauerei. Referent Genosse Prof. Richard Wotdt. Thema: ..Arbeit- krise in der Lndustriearbetterfchaft". 24. Abt. Mittwoch, 20. März, im Altersheim Danziger Str. 62, Mitgliederner» fcmmlung.„Zwischen den Wahlen". Referent Han» Bauer. 28. Abt. Mittwoch, 23. März, Zahlabeitde. Guipm 1: Neues Lokal I Schuster, Oderberger Str. 44.„Kampf um Preußen". Referent Londtagsabg. Zachett. Gruppe 2: Golder, Oderberger Stt 39.„Der Kampf geht weiter", Referent Stadtperordneter R-Hd«. Gruppe 0- bei Rcchenberg. Cboriner Str. 49. Gruppe 4 bei Iänicke, Hagenouer Str. 5. Gruppe 5 bei Battelt, Wörther Straße 19. Borttoa:„Frnnzässfche Reoolntwn, Vorgefchichts und Verlauf", Referent Hans Wille. Gruppe 6 bei Moaß, Prenzlauer Allee 232.— Gruppe 0K: Donnerswa 24. März, bei Rechcnberg, Chrriner Stt. 49. 29. Abt. Mittwoch, 23. März. 20 Uhr, Zohlabend« bei Claus. Prenzlauer Alle« 51: Klug, Donziqer Stt. 71: Richter. Schliemannfttr. 09: Garras, Dunckerstr. 70: Duchh-lz, Prenzlauer Allee 182. 33. Ab». Mittwoch, 20. März, Mitaliedernerfammlung in der Aula der Gc. meindefchul« Hohenlohestt. 10— ll. Referent Mar Fechner, M. d. L.— Borher, 1» Uhr, Sitznna des Porstandes bei Wertalla, H-Henlobeftt. 3. 35. Abt. Mittwoch. 23 März. 13 Ubr Borstandssitzung, 20 Uhr Fnnktionärper. sammlnng bei Lemble. Schreineritt. 88. 38. Abt. Achtnng, Bezirksfithrer! Donnerstag. 24. März, 18 Uhr, Abrechnen bei Bariusch. 39. Abt. Mittwoch, 23. März, 20 Uhr. im Baugewerkobaus, Großbeerenstr. 90, Mitgliedernersammlung.„Ein Zllndbolz", Referent Dr. Ernst Bock. 1814 Ubr Funktionärsidong. Alle Funktionäre rechnen dort ab. 41. Abt. Mittwoch. 23. März, 20 Ubr, Mitqliedsrverfammlung im„Friesen. schläßchen", Friesenstr, 14,„Blonwirtschnii", Referent Genosse Gardis. 53. Abt. Mittwoch, oz. März, bei Last. Plätzenfee, Straße 12, Mitgliederver. fammlung, Referent Genosse Krause, 53. Abt. Mittwoch, 23. März. 20 Ubr, Im Rankebaus, Rankestr. 4, Mitglieder. persammlnng,„Marriomu» und SBD Referent Eottlieb Reese, 82. Abt. Mittwoch. 23. März, 20 Ubr, im Lokal„Zum alten ikrer", Safeihorst, Mitgliederporfammlung.„Die Lehren der Reichspräsldentenwahl." Partei. 84. �fTutt.�stnttao, 22. März, 20 Ubr. bei Lebmann. Kaifer.Wilbelm. Straße 29—81, Borftandssstznng mit den Beztrksfllhrern. Di- Bezirksfllbrer rechnen ab 19 Uhr an derfelben Stelle ab, 99a. Abt. Mittwoch. 23. März, 20 Uhr. im Buschirng. Rudawer Sttaße. Mit. gliederperfnmmlung.„Der Kampf geht weiter". Referent Hermann Harnssch M. d. L. 196. Abt. Mittwoch, 23. März, an bekannter Stelle, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder. Referent Karl Häufte. 193. nnb 198a. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen Mittwoch. 23. März, 20 Uhr, im Parteiheim, Köpenick. Schloßstr. 27. Diskussion Über„Aktuelle Tagessraaen". 114. Abt. Zahlabende Mittwoch, 23. Mär,, l. Gruppe b-, Kobring. Friedrich. Karl-Str, 32. Referent Genosse Richter. 2. Gruppe bei Hützel, Gabriel. Mar- Ecke Wllblitchllraße. 3. Gruppe bei Schwarzer, Gabriel-Max-Str. 17. Referent Genosse Stiwming. � 117. Abt. Mittwoch, 23. März, 13 Uhr, Zusammenkunft der erwerbslosen Partei. mitalieder an bekannter Stell«. 19 Uhr Abrechnung Pom 1. Quartal bei Gnndloch, Kant. Ecke Lesssngstrotze. 125. Abt. Am Mittwach. 23. Mär, findet Im Anschluß an die Kreisporstanb». (itziing argen 9 Uhr eine Abteilnngsporstgndsstznng bei Gallos stgtt. 134. Abt. Mittwach, 23. März, 1914 Uhr, Porstanbssitzung mit sämtlichen Funk. tionären bei Sonnet. 140». Ab». Mittwoch. 23. Mär». Zahlabende bei Heese. Berliner Stt. 73, für den 1. Bezirk: 2. und 3, Bezirk bei Rutsch, Orantenburaer Straße Ecke Linden. weg: 4., 5„ 3. Bezirk bei Schulz, Dorfaue. Hauptfttaße: 6. und 7. Bezirk bei Richard Schulze am Nordbahnhof. 5 rauenveranftosikunge«. II. Abt. Der Frauenabend am Mittwoch, 23. März, füllt zugunsten der am gleichen Tage stattfindenden AbteilungsmUgliederversammlung im Wohl, sahrtssaal, Künigin-Elisabelh-Str. 6, aus.„Unser Kampf um Preußen", Rcfcrentin Dr. Hilde Wegscheidel. M, d. L. 128. Abt. Mittwoch, 23. März, Werbeveranstaltung bei Willner, Berliner Stt. 82. Ansprache der Genossin Käthe Kern. Mitwirkung der SAI.-Spicltrupp«. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahri. 13. Kreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfeldc, Lichtenrade. Die Wohlfahrto- brieimarken müssen bis zum 28. März bei der Genofstn Scholz, Tempelhof. Braunschweiger Ring 91-, abgerechnet sein. Die bis zu diesem Tage nicht abgerechneten Marken gelten als verkauft und müssen bezahlt worden. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Berlin. � Etternobleutetonferenz morgen, Mittwoch, 23. März, 1914 Uhr, im 1 Bortragssaal der Patlei, Liudenstr. 3. Kreuzberg, Abt. Vorwärts: Achtung, Falken! Asse Falken, die Ostern auf Fahrt gehen, müssen morgen pünktlich 18 Uhr w der Gruppe fein. Reukölln, Abt, Lichtkiimpfcr: I. F. und R. F. heute 1714 Uhr im Heim Bergstr. 29 Sprechchorprobe zur Werbefeier. Anschließend Fahrtenbesprechung. Alle sind zur Stelle. Köpenick: Zur Karfreitaasfahrt nach Erkner Treffen 9 Uhr Bhf. Köpenick. Zurück 18 Uhr. Unkosten: Nestfalken 40 Pf. Jung- und Rote Falken 60 Pf. Essen ist mitzubringen. Anmeldung der Teilnehmer bis Mittwoch Jugendheim Dahlwitz«, Sttaße.— Achtung, Ncstfalken! Unsere Heimnachmtttage finden jetzt von 16—18 Uhr statt. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei»Organisation j 85. Abt. Genossin Martha Gebbert perstarb am 17. März nach kurzem schweren Leiden. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung hat bercits stattgefunden. i SlMlijMe Arbeiterjugend Groß-Verlin Einfendungen für diese Rubttt nur an das Jugendf-kretariat Berlin SW 68 Lindenstraß- 2 vorn t Treppe rechts. Abteilungslctter, reicht umgehend die Buichtsbogen ein! heute, Dienstag. 22. März. Brunncuplotz: Panfftr. 20—22:„Tagespolitik".— Gesundbrunnen Ii Goten» burger Stt. 2:„Die geopolitischc Gestaltung der Erde".— Scsuudbriurueu U: Koloniestr. 8:.Listorischcr Materialismus".— Hnmboldthain: Putbusser Str. 3: Arbeitsgemeinschaft(2. Abend).— Norden: Lortzingftraße:„Aufbau einer Regie- -■---- Will- vuttg".— Schillcrpatl! Diskussionsabend.— Wedding: denowstr. 5:„Bub und Äädel".— Wedding-Rord: Turincr Ecke Seestraßc: „Kapitalismus und Sozialismus".— Arnlmplatz: Sonnenburger Str. 20: Bunter Abend.— Arnswalder Platz: Heimabend fällt aus.— Balkan: Mandel» sttaße 2:„Seruellc Fragen".— Falkplatz I: Fnnktionärlonferenz bei W. Hoff- mann, Wichertstr. 44.— Falkplatz II: Sonnenburger Str. 20: Funktionärsitzung. — Helarholtzplatz! Kaflaitienallee 81(Schule):„SPD. und KPD."— Nordosten i: Danziger vtr. 62:„Frauenfragcn",— Hasenheide: Wasserlorftt. 4:„Die Regierungen der Deutschen Republik".— Köpenicker Viettel: Manteusfelstt. 7: „Sdiulentlassen, was nun?"— Rcichenberger Viertel: Rcichcnberger Stt. 66: „Wie diskutiere ich mit der KI.?"— Süden! Borckftr. 11: Leiimabend.— Südwesten: Lindenftt. 4; Schallplattenabend.— Friedenau: Offenbacher Str. 5-: Fahrtbefprcchuna.— Schöncbera I: Lauptstr. 15: Humor auf Schallplatte».— Schöneberg ll: Hauptstr. 15: Lefcabeno.— Schöncberg III: Hauvtstr. 15: Fahrt- befprechung.— Charlottcnbnrg: Rosinenstr. 4;„Fllnficchresplan".— Eharlotten- bnrg.Rorb:„§ 218".— Steglitz I: Albrechtstt. 47: 20, Minuten. Referate.— Britz: Chausseestr. 48:„Demokratie und DUtatur".— Neukölln I: Sand«. Ecke Hobrechtstraße: Bunter Abend.— Neukölln ll: Steinmetzstr. 94: Fahrtbcsprechung. — Neukölln III: Ziethcnstt. 58:„Die Kommunalparlämenie".— Neukölln IV: Kanner Straße:„Aufgaben der ll. Internationale",— Neukölln VI: Treptower Straße 90:„Die rechtliche Stellung der Frau".— Neukölln VIT: Karl-Marx. Schule: Fahrtbesprechung— Neukölln IX: Schierlcstr, 44:„Eemeinfchafts. erzichung".— Neukölln X: Bergstr. 29: Schallolattenabend. Alle Fahrttetl- nehmer müssen pünktlich um 20 Uhr anwesend sein. Fahrgeld ist mitzubringen. — Reukölln: Xl: Flughafenstr. 68:„Schundliteratur".— Sckiöawcide I: März. feier.— Treptow: Elsenstt. 3:„Jugend und Republik".— Köpenick I: Grünauer Sttaße 5: Fahrtbesprechung.— Köpeuick ll: Dahlwitzer Stt. 15: Bunter Abend. — Lichtenb-rg-Nordwest: Dcssestr. 22: Märzfeter.— Äermsdoef: Reanstraße: Literarischer Abend.— Reinickendors-Oft: Lindauer Stt. l: Bunt« Abend.— Tegel: Schöneberger Stt. 3:„Zu Goethes 100. Todestag".— Wittenau' Saunt. straße 15:„Karikatur und Satire".— Karow: Frundsbergstr. 9: Brettfvielabend. — Niederfchönbaufen: Lindenstr. 47:„Iledergang vom Kapitalismus zum Sozia. lismus".— Pankow i und ll: Sörfchstr. 14:„Tagespolitik".— Pankow ill: Äifstnacnstr. 48: Arbeitsgemeinschaft. SSS. Reinickendorf: Echöneberger Stt. 3: Um 17)4 Uhr Feierstunde. Weiter für Verlin: Teils heiter, teils wolkig, im ganzen milder,, keine Niederschläge von Bedeutung.—.Für Deutschland: Im Welten. und Nordwesten größtenteils stark wolkig, aber noch keine Nieder- schlage von Bedeutung, im übrigen Reiche teilweise heiter und größtenteils trocken; Tagestemperaturen im ganzen Reiche etwas höher als bisher. Was man gegen Grippe und Influenza tun kann. Ein namhafter Berliner Internist, der sich auf reiche praktische Erfahrungen stütze» kann, empfiehlt dei der Bekämpfung dies« heimtückischen Krankheiten besonders die Verwendung einer Mischung von Chinin und Salizglpräparaten. Diese Kombination welfeil die Togal-Tabletten auf, die sich schon seit 18 Jahren hervorragend bewährten. Dieselben enthalten außerdem noch andere Bestandteile, deren Auswirkung auf den Organismus bisber wenig bekannt war, welche aber nach den Urteilen bekannter Acrzte, die sonst bei Berwendung von Saliznlaten auftretenden Serz. oder Magenstörungen verhindern. Es ist also im Interesse eines jeden einzelnen gelegen, mit Togal einen Versuch zu machen, Wie in einem echten Volksstück wechseln in Kollo» Biedermeier-Operette „Jettchen Gebert" heitere mit ernsten Szenen ab. In Anlehnung an den be- rühmten gleichnamigen Roman vrn Georg Hermann haben die Verfasser und der Komponist ein Singspiel geschaffen, das erfolgreichen Werken dieser Gattung. wie z. B. dem„Dreimäderlhaus", an die Seite gestellt werden kann.„Jettchen Gebert", das schon über 25 Aufführungen im Rose.Theater erlebte, vermittelt nicht nur fchauspielerisch, sondern auch dekorativ stärkste Eindrücke. Das Sing- spiel wird nur noch kurze Zeit gegeben. Kolli Pfeil Lederwaren Leipziger streue 123 a ist eröffnet aralia axd. vi«» JCermann Utendel: QOC HVld „Dcr erste deutsche Sozialist" heißt klipp und klar Goethe in Hermann Hettners Darstellung. Schon einige Jahrzehnte vorher hatte sich Karl Grün, einer der Propheten des oormürzlichen „wahren Sozialismus", in einem 1846 zu Darmstadt erschicneiren Buch, Weitling. Fourier und Proudhon anführend, um den Nach- weis gemüht, daß Goethe in„Wilhelm Meisters Wanderjahre" einen „entschiedenen Sozialismus" als Prinzip einer werdenden Welt ver- kündet habe, etwas später tat der Geschichtsschreiber Ferdinand Gregorooius in„Goethes WUHelm Meister in seinen sozialistischen Elementen" dar, daß in dem Weimarer Großen„das Bewußtsein von der Weltbefreiung und Welterlösung durch die Arbeit" gelebt habe und stellte die„Wanderjahre" getrost mit den Gesellschofts- Utopien von Plato, Thomas More, Campanella und Morelly in eine Reihe, und um die gleiche Zeit untersuchte der chegelianer Karl Rosenkranz, inwiefern die Gedanken dieses Romans mit dem „modernen Sozialismus" übereinstimmten. In der Tat bergen „Wilhelm Meisters Wanderjahre" neben Auseinandersetzungen über die Begriffe Besitz und Gemeingut den kühnen Entwurf einer Ord- nung menschlichen Zusammenlebens, die die dem Privateigentum entfließenden Uebel nicht kennt. Nicht minder fesselte der Plan der Saint-Simonisten, die Anarchie der kapitalistischen Wirtschaft durch ein sinnvolles System der Zusammenarbeit oller zu überwinden, Goethes Aufmerksamkeit, wenn er auch mehr die Kritik der Lehre als ihre Forderungen billigte. In dem Wirrklang der Meinungen, der sich zur Hundertjahrfeier seines Todes erhebt, hat also Goethe allem Anschein nach gerade dem Sozialisten mancherlei zu sagen. Nur rüpelt sich da schon, mit seinem Schießeisen herum- fuchtelnd, der deutsche Faschist in den Nordergrund und heischt den „Faust"»Schöpfer für sich und seine mit der Holzaxt zurechtgehauene Wcltauffassung Wirklich dürfen die Verächter von Demokratie und Republik in Goeches Gärten nach Herzenslust plündern.„Nichts ist", ineinte er einmal, und genau so könnte es auch im„Völkischen Beobachter" stehen,„widerwärtiger als die Majorität, denn sie be- steht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelme rt. die sich otkomodieren, aus Schwachen, die sich assimllieren, und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im mindesten zu wissen, was sie will." lieber die Mittel,„die widerspenstige Masse" im Zaum zu hallen, dachte er zuweilen wie ein ausgekochter Reaktionär von heute, an einem Weltereignis wie der französischen Revolution sah er be- kümmert nichts als die Schattenseiten, die heilige Allianz, das Bollwerk der niederträchtigsten Gegenrevolution, lobte er über den grünen Klee und wollte, großherzoqlich wetmarischer Staatsminister, der er war, seine Lebtage von Verfassung, Pressefreiheit, Gleich- stellung der Juden und ähnlich neumodischem Kram nichts wissen. Können wir da mit Goethe mehr anfangen, als daß wir den Blütenduft, den Kunstgeholt seines poetischen Schaffens schlürfen und ihn im übrigen preisgeben? Aber so ist die Frage falsch gestellt. Wenn sich Goeche mit her- ausgeklaubten Zitaten so ziemlich für jede Anschauung nutzbar machen läßt, will er, um wahrhaft verslanden zu sein, so betrachtet werden, wie er die Welt betrachtete: als eine Einhell und denselben Gesetze» von Ursache und Wirkung unterworfen wie die Natur. Daß dieser erleuchtete und uinsassende Geist keinen historischen Nerv hatte und das politische Geschehen als Beiläufigkeit fünften Ranges mißachtete, war nicht Schuld, sondern Schicksal. Als er. fast haar- scharf in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, geboren wurde, arbeitete sich das deutsche Bürgertum, auf den 5)und gebracht durch die Verlegung der Sechandelswege und den Dreißigjährigen Krieg, eben aufs neue aus dem Gröbsten heraus: in dem trotzig ungeberdi- gen Dichter des„Götz" und des„Werther" kreisten die Säfte und Kräfte dieser aufsteigenden Klasse, die nie wieder so hell, so frisch, so zukunitsgewih in die Welt schauen sollte wie aus den Augen des jungen Goethe. Aber die Gesellschaftsschicht, die ihn hätte tragen können und müssen, war doch noch zu lendenlahm und zu schwach auf der Brust, aus Eigenem die Erde zu ändern. Als Goethe, der die Dinge zu durchschauen begann, v'on einem klugen und scharf- sichtigen Bekannten erfuhr, er sei eigentlich zum Volksredner ge- boren, entsetzte er sich,„denn", bekannte er,„hätte diese Eröffnung wirklich Grund, so wäre, da sich bei meiner Nation nichts zu reden fand, alles übrige, was ich vornehmen konnte, leider ein verfehller Beruf gewesen". Da in dem Deutschland, das eines öffentlichen Lebens ganz entbehrte, die Volksrednergabe, dos war: die poli- tischen und sozialen Anlagen eines aufs Wirken hindrängenden Menschen verkümmern mußten, verkroch sich Goeche in das private Leben, indem er sich obendrein, um mehr Entwicklungsspielraum zu haben einem Duodezhof verschrieb und einen lumpigen Adels- titel annahm. Durch diesen an sich kläglichen Verzicht aufs Handeln, ja, auf eine revolutionäre Stellung zu seiner Zell gelangte aber Goethe dazu, eine Aufgabe, zu der ihn das Schicksal berufen hatte, in ein- ziger Erfüllung zu bewältigen. Das Individuum, den Einzel- menschen, löste er nicht nur aus aller mittelallerlichen Gebunden- hell, sondern meißelte auch den Begriff der Persönlichkeit zu wunderbarer Schärfe und Klarheit heraus. Keinen Augeitblick seines Lebens dämmerte er triebhaft und dunkel hin: kein Tag verstrich ihm ohne geistigen Gewinn: alles, Versenkung in sein Inneres, Berkehr mit Menschen, Beobachtung der Natur, mußte der Be- rcicherung seines Wesens, der Steigerung seines Ich dienen: was sich ihm nahte und war er aufnahm, wurde ihm zur wirkenden Kraft: bewußter ward nie ein Leben auf Vollkommenheit hin angelegt. Aber noch in anderer Richtung wurde Goeche reich, weil er so arm war, keiner wirtlichen, geschlossenen, starken, selbstbewußten Gemeinschaft anzugehören: da ihn die irdischen Bindungen des Deutschen mit Recht jämmerlich dünktcn, stellte er den Menschen ohne die Zwischenstufe einer Klasse oder einer lltation unmittelbar ins Weltall hinem. Und da er, anatomische, botanische, mineralo- gische, geologische, metereologische und optische Studien aufeinander- türmend, mildem Erkenntnishunger seines Faust allenthalben nach den großen Zusammenhängen forschte und zu den Urformen und Urerscheinungen alles Seins vorzudringen strebte, ließ er den Menschen dem Urgesetz unterworfen sein, das für das All gilt: dem der organischen Entwicklung. Mochte ihn darum auch das politisch« Elend der ihm umgebenden deutschen Kleinwelt zu den Anschauungen des aufgeklärten Despotismus bringen, so war Goethe doch alles andere als ein aufs Beharren eingeschworener Stillstandssanaiiter. Unverbrüchlich glaubte er an den Fortschritt des Menschen und der Menschheit:„Die Zeit ist in ewigem Fortschrellen begriffen, und die menschlichen Dinge habe all« fünfzig Jahre eine andere Ee- stalt, so daß eine Einrichtung, die im Jahre 1800 eine VRltommen- heit war. schon im Jahre 1850 vielleicht«in Gebrechen ist." Die wesentlichste Stufe dieses Fortschritts war für Goethe die Ucberwlndung der Barbarei durch die Gesittung. In sein Welt- bild mit dem Gesetz der organischen Entwicklung als Mittelpunkt paßte Umsturz und Gewalttat nicht hinein: seinem Wesen wider- sprach nicht nur die Revolution, sondern auch der Krieg, wider- sprach alles Verkrampfte, Grelle und Gehässige. Er gestand, daß ihm nur Kultur und Barberei Dinge von Bedeutung seien, rühmte sich seines vollkommen unkriegerischen Sinns, verwarf den Grund- jatz der.Realpolllller".»eine Handlungsweise ein» Staatstugend zu nennen, die gegen die Tugend im allgemeinen geht", und schenkte nicht nur seiner vom Völkersrreit zerrissenen Zeit in der„Iphigenie auf Tauris" das Hohelied der reinen Menschlichkeit, die über finster bluttriefendes Barbarentum siegt. Die Sonne, die seiner Welt leuchtete, hieß Humanität. Menschlichkeit. Auf Goeche kann sich denn, ohne sein Andenken zu schänden, niemand berufen, dessen verkrampfte, grelle und gehässige Doktrin die Menschhell auf eine überholte Stufe bluchefuldeter Barbarei zurückzustoßen sucht. Wir aber fühlen uns ihm nicht nur durch den Glauben an die Gülligkell des Entwicklungsgesetzes verbunden, sondern ehren auch sein Gedächtnis durch den täglichen Kampf für eine gesellschaftliche Ordnung, in der die von ihm verkündete freie Entfaltung der Persönlichkeit sowie die Erhebung der Humanität zur großen Reglerin des Menschengeschicks erst möglich wird. Er bcglellete Byrons Opfertod für die Sache der griechischen Freiheit mit dem verzagten Stoßseufzer, das Ideal und die gemeine Wirk- lichkeit müßten streng geschieden bleiben: er schüttelte im Jahre der Julirevolution traurig abweisend den Kopf über„das unvcr- mitielte Streben ins Unbedingte in dieser durchaus bedingten Welt". Wir aber wollen, die sozialen Bedingungen des Menschen wandelnd, ins Unbedingte vorstoßen, wir wollen, Handlanger der geschichtlichen Notwendigkeit, das Ideal in die Wirklichkeit über- wagen. Aus Goethes gigantischem Werk, das hell widerhallt vom Ruf zum tätigen Leben, zum Wirken, zum Schaffen, zum Hände- regen, strömt dazu magijche Kraft auf uns über, etwas Von jenem Mut, der, früher oder spater, Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt. Und wenn er von den„retardierenden Dämonen" sprach, die überall dazwischen- und entgegentreten,„damit die Welt nicht so rasch zum Ziele kommt, als wir denken und wünschen", und wenn Deutschland heute von solchen„retardierenden Dämonen" wimmelt, so hat, sie gründlich auszutreiben, uns Goethe auch einen Zauber- spruch hinterlassen: Feiger Gedanken bänglickzes Schwanken, Weibisches Zagen, ängstliches 51lagen, Wendet kein Elend, macht dich nicht frei. Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten, Nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen, Rufet die Arme der Götter herbei! 3>r. QuHav tRadbrudi: Qoelhe Soziologie Einer der feinsten Ausleger von Goeches Werk, Vikchr Hehn, hat von dem„eigentümlich bürgerlichen Himmel" gesprochen, der über den meisten Dichtungen Goeches liege. Goeche war nicht um- sonst dem Patriziat einer Reichsstadt entsprossen: er hat sich immer wieder zum Ideale des Bürgertums klar bekannt: „Wer ist das würdigste Glied des Staates? Ein wackerer Bürger. Unter jeglicher Form blecht er der edelste Stoff." Nicht als ob Goethe ein bewußter oder gar revolutionärer Kämpfer für den Aufstieg seiner Klasse gewesen wäre. Man weiß, wie sehr er in der Geselllchaft wie in der Natur dem Vulkanismus gram, wie sehr er der Französischen Revolution abhold war. Er nollzog seinen Aufstieg nicht in und mit seiner Klasse, sondern als ein einzelner. In Deutschland, so heißt es an einer berühmten Stelle der„Lehrjahre", sei nur dem Edelmann«ine gewisse allgemeine, wenn ich so sagen darf: personelle Ausbildung möglich.„Nun denke dir irgendeinen Bürger, der an jene Vorzüge nur einigen Anspruch zu machen gedächte; durchaus muß es ihm gelingen und er müßt« desto unglücklicher werden, je mehr sein Naturell chm zu' jener Art zu sein Fähigkeit und Trieb gegeben hätten." Goeche mochte dabei des armen Werther gedenken, der ja nicht nur an seiner Liebe und an seinem Weltschmerz, sondern schon vorher an seinem bürgerlichen Stand inmitten einer adligen Gesellschaft gescheitert war.„An diesem Unterschiede ist nicht etwa die Anmaßung der Edelleute und die Nachgiebigkeit der Bürger, sondern die Ver- fassung der Gesellschaft selbst schuld: ob sich daran noch einmal etwas ändern wird und was sich ändern wird, bekümmert mich wenig: genug, ich habe, wie die Sachen jetzt stehen, an mich selbst zu denken und wie ich mich selbst und das, was mir«in unerläßliches Bedürfnis ist, rette und erreiche."„Da ich em Bürger bin, so muß ich einen eigenen Weg nehmen". Dieser eigene Weg führt Wilhelm Meister auf die Bretter: Als Schauspieler glaubt er am ehesten einen Ersatz jener freien Bildung gewinnen zu können, die dem Edelmannc vorbehalten ist. Um sich dem Druck zu entziehen, den in der Gesellschaft ein Stand aus den andern ausübt, tritt er ganz aus dieser Gesellschaft heraus— die soziologisch frei zwischen den Ständen schwebende Schicht der Künstler, der Literaten, der Boheme ist ja nicht selten«ine Begleiterscheinung des Aufstiegs einer Klasse. Goethe selbst aber ging einen andern Weg als sein„geliebtes dra- matisches Ebenbild". Er fand den Zugang in höfische Kreise, er stieg aus dem Bürgertum in den Adel auf, nicht als«in Empor- kömmling, sondern als ein Edelmann, zwar nicht von Geblüt, aber in Weimar Di«s* Zeichnung unteres verewigten Mitarbeiten Otto Koeiter jtuerjt erschienen im„Vorwärti" am 22. August 1924) wirkt heute lebendiger denn je. Schi Her:„Wos haben Sie vor, Herr Geheimbderat?" Goethe:„Ich möchte Weimar für ein paar Tage verlassen, lieber Herr Kollege. Dunkles Haar, schwarze Augen, in der Judenstadt Frankfurt geboren und kosmopolitische Gesinnung— da könnte ich mir leicht eine Denkmalsbeschädigung zuziehen I" von Geburt. Auch dies ist ja häufig Ankündigung und Neben- erfcheinung sozialen Aufstiegs einer Klaffe, daß) während die Klasse selbst auf vielfach gewundener Heerstraße langsam fortrückt, einzelne Mitglieder auf Nedeupfaden schneller die Höhe gewinnen. Nirgends zeigt sich die bürgerliche Wesensgestalt Goethes deut- licher als in seiner Stellung zum Eigentum. Er hat der bürger- lichen Eigentumsaufsassung ihre edelste Gestalt verliehen. Epimecheus: Wie vieles ist denn dein? Prometheus: Der Kreis, den meine Wirksamkeit er- süllt, nichts drumer und nichts drüber. Faust: Was du ererbt von deinen Tätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen. Was man nicht nützt, ist eine schwere Last. . Nur was der AugcMick erschafft, das kann er nützen. Der statistischen Ausfassung vom, einmal erworben, dauernd be- gründeten Privateigentum tritt hier eine dynamische Ausfassung gegenüber. Es nmß immer wieder mit Wirksamkeit erfüllt, genützt und dadurch immer von neuem erworben und erschaffen werden, es ist«in in immer neuer Zueignung und Unbildung dauernd ge- wirktes Werk. Kein Zweifel, daß Goeche bei dieser Eigentumslehre an die liebsten unter seinen Besitztümern dachte, an seine Samm» langen. Sie stellen eines seiner großen Werke und nicht das geringste unter chnen dar: auch in ihnen hat er seine Persönlichkeit ausgelebt, ausgewirkt und ausgedrückt, an ihnen ist ihm Eigentum als Persönlichkeitscrweiterung und Persönlichkeusausdruck, als Persönlichkeitsprojektion bewußt geworden. Auf die Persönlichkeit hingeordnct und von chr durchwaltet, wird ein solches Eigentum zu einem organischen Ganzen, in den: jeder Einzelgegenstand durch seine Einordnung in Reihen verwandter Gegenstände an Wert, auch an wirtschaftlichem Wert gewinnt. Es entsteht eine neue Einheit, die wertvoller ist als die Summe ihrer Teste. Jwxch fein Dasein selber wird das Eigentum produktiv. Sammlergeist stellt oft nur die eine Seite des Eigentums in chemischer Reinheit dar: der„Ra- ritätensammler" freut sich nicht sowohl an der Sache selbst als an ihrem Alleinbesitz, an der Ausschließung anderer. Bei Goeche obtv steht Besitzsreude und Sachgenuß in schönem Gleichgewicht.„Mio ist der Besitz nötig", sagt er zum Kanzler v. Müller,„um den richtigen Begriff der Objekte zu bekommen. Frei von den Täuschun- gen, die die Begierde nach einem Gegenstände unterhält, läßt erst der Besitz mich ruhig und unbefangen urteilen. Und so liebe ich den Besitz, nicht der besessenen Sache, sondern meiner Bildung wegen und well er mich ruhiger und dadurch glücklich macht." Sachbesitz um des vollen Sachgenusses willen! Der Sachgenuß aber erreickit bei ihm seine Fülle erst in der Mitteilung ait andere. Der Sammler Goethe ist es, der in den„Wanderjahren" die Formel der individuo- ttstijchen Eigentumstheorie unübertrefflich geprägt hat:„Besitz und Gemeingut"—, das heißt: Besitz— als Gemeingut. Auf die Grenzen dieser Eigentumsaufsassung braucht taunr besonders hingewiesen zu werden. Sie ist nur in einer Gesellschaft möglich, in der das Bermögensobjekt noch Sache ist, nicht bloß Ware und Wert, nur solange das Eigentum noch ein Gemütsverhälttiis. nicht ein bloßes Zweckvcrhältnis ist, also nur vor der vollen Eni- saltung einer kapitalistischen Wirtschaft. Aber Goethe war so wenig in den Geist seiner Klasse eingeschlossen, daß er schon während ihrer Ansänge über sie hinaussah. In den„Wanderjahrcn", seinem erstaunlichen Alterswerk, und in dem zweiten Teile des„Faust" zeigen sich jenseits der damals noch nicht einmal voll entfalleten bürgerlichen Gesellschaft schon die Umrisse einer neuen, sozialen Welt. Hatte Wilhelm in den„Lehrjahren" selbstgenugsam seine individuelle Bildung gesucht, so muß er in den„Wanderjahren" erkennen:„Rur alle Menschen machen die Menschheit aus, nur alle Kräfte zusainntengenommen die Welt",„was der Mensch auch er- greife und handhabe, der einzelne ist sich nicht hinreichend. Gesell- schaft bleibt eines wackeren Mannes höchstes Bedürfnis". Und am Ende der Faustdichtung findet er für diesen neuen sozialen Geist die wundervolle Wortprägung„Gemeindrong". Jede aufsteigende Klasse hat ihre Sternkunde, in der ihre eigene zugleich die von der Geschichte erwählte Idee ist. In diesem ge- schichtlichen Augenblick ist ihr verlichen, durch den Mund ihrer Größten nicht nur sich selbst in ihrer historischen Gegenwart, sondern Ewig-Gültiges auszusprechen. Eine herrschende und gesättigte Klasse hat wohl noch die Fähigkeit, ihren gesicherten geistigen Gehalt in ruhevollen Werken zu gestalten, die ihre Schönheit gerade deshalb haben, weil sie der letzten Fragwürdigkcit des Lebcnsjo weit entrückt sind— man denke etwa an Gottfried Keller. Sie wird sich noch wesensgemäßer ausdrücken in den Werken der Wissenschait. Nicht die Dichtung, sondern die wissenschaftliche Prosa war die eigentliche Ausdrucksform des 19. Jahrhunderts. Daß damals die best« wissenschaftliche Prosa geschrieben wurde, welche die deutsche Stilgeschichte kennt, hängt zweifellos mit der Gesichertheit des Lebensgefühls einer ernstlich nicht in Frage gestellten herrschenden Klasse zusammen. Aber jene Sternstunde des Ausstic-gs log damals schon weit dahinten. Goethe war es. der in jener Stunde den Durchbruch zum Ewig- Gültigen vollzogen hat. Di« Gunst der Stunde und die Größe des Menschen, dem sie zuteil wurde, gegeneinander zu verrechnen aber hat Goethe selbst uns verwehrt: Wie sich Verdienst und Glück verketten, Das fällt den Toren niemals ein. Wenn sie den Stein der Weisen halten. Der Weis« mangelt« dem Stein,--' / Nr. 1 37• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 22. März 1932 Vorstoß der Bauwirtschast. Eingabe von 50 Ltniernehmerverbänden bei der Regierung: Hauszinssteuer unentbehrlich. Etwa süufzig Spihenverbändc der vauw>rtschajl haben ge- meinfam der Reichsregierung eine Eingabe eingereicht, in der sie Vorschläge zur Abhilfe der gegenwärtigen Rotlage der Bauwirtschast machen. Die Denkschrift fordert die Wiederausnähme von Bauten des Verkehrs, der Eisenbahnen, Straßen, Meliorationen usw. Es ist dabei an kein zusätzliches Beschaffungsprogramm gedacht, sondern mir an einen Ausgleich für die seit Jahren zu verzeichnenden Minderinvestitionen. Eine produktive Bautätigkeit, so heißt es in der Eingabe, würde fortlaufende günstige Wirkungen auf die Pro- duktion, den Handel und den Kreditverkehr haben. Der Kreislauf der umgeschlagenen Löhne, die etwa 70 bis 80 Proz. der Bau- fumme ausmachen, läßt die Bedeutng für den Arbeitsmarkt erkennen. Der Produktionswert der öffentlichen Arbeiten, der 1929 noch 2,7 Milliarden betrug, im folgenden Jahr 1,7 und im letzten Jahr bis auf 1 Milliarde Mark sank, werde im laufenden Jahr, falls keine besonderen Maßnahmen getroffen werden, bis auf 0,7 Mil- liarden zusammenschrumpfen. Eine Vermehrung der öffentlichen Arbeiten nach den Vorschlägen der Denkschrift um IL Milliarden Mark würde bedeuten, daß die öffemliche Bautätigkeit immer noch unter dem Normal in a ß bleiben und die Gesamtbautätigkeit nur die Hälfte des normalen Standes erreichen würde. Die Vorschläge halten sich daher innerhalb des natürlichen Rahmens. Zur Finanzierung müßte in erster Linie auf die vorhandenen natürlichen Finanzquellen der össentlichen Austraggeber zurück- gegriffen werden. Hierbei müßte es möglich sein, einen Teil der jetzt für andere Zwecke abgezweigten Finanzquellen wieder dem Baumarkt zuzuleiten. Die Umschuldung der kurzfristigen Kredite der Gemeinden könnte zu diesem Zweck erheblich beitragen. Im übrigen will das Programm den Gedanken der produktiven Erwerbslosenfürsorge ausbauen, und es nimmt daher für die Finanzierung weiter die durch die Bauarbeiten eintretende Ent- lastung der Erwerbslofcnfürsorge, die man mit 20 Proz. der B a u s u m m e berechnet, in Slnspruch. Außerdem wird eine stärkere Beteiligung der Gesellschaft für öfsentliche Arbeiten, deren Kapital heute noch nicht ausgenutzt sei, sowie eine Beteiligung der Länder vorgeschlagen. Zum Schluß der Denkschrift werden für die Finanzierung des Wohnungsbaues Vorschläge gemacht, die finanzpolitisch außerordent- lich bedeutungsvoll sind. Sie beweisen, daß in den Kreisen der privaten Bauunternehmer sich die Ueberzeuzung durchgesetzt hat, daß ein radikaler Uebergang von der Zwangswirtschaft zur freien Wohnungswirtfchaft mit den entsprechenden Rück. Wirkungen auf finanzpolitischem Gebiet verhängnisvoll ist. Die Denkschrift sagt hierzu, daß die gegenwärtige Krise es auf dem Gebiete des Hochbaues, wo sich zur Zeit der Uebergang von der Zwangs- zur freien Wohnungswirtschaft vollzieht, erforderlich mache, auf der Finanzhilfe des Staats bei der Durch- führung neuer Wohnbauten zu bestehen. Dies gilt besonders für die Klein- und Kleinstwohnunoen. für die noch vielfacher Bedarf vorliegt. Auch im übrigen fehle es noch an den voräusschuagen. aus denen sich die private Initiative im Wohnungsbau erst enlwickcln kann, vis zur weiteren Senkung des Zinsniveaos könne mau bei Kleiustwohnungen ohne Zins, und Mehuschüsse nicht a u s k om- men. Ein Teil der hauszinssteuer muffe für den wohnungs- bau zwangsläufig vorbehalten bleiben. Die Instandsetzung des Allhausbesihes wird als vordringlich bezeichnet. Die Instandsetzung der 600 000 bis 700 000 nolleldenden Gebäude könne 1S0 000 Vau- arbeilern für ein Iahr Arbeilsmöglichkeil verfchafsen. Gparkassenzins bleibt 4prozent Die Entscheidung des Bankenkommissars. Der Reichskommissor für das vaukgewerbe, Dr. Ernst, hat jetzt entschieden, daß der Rormalzinesah für hereiugenommeue Gelder bis auf weiteres unverändert 4 Proz. pro Iahr beträgt. Damit hat der Bankenkommissar eine Entscheidung getroffen, die nicht mir bei den Sparkassen, sondern auch in weiten Kreisen der Bevölkerung mit Befriedigung aufgenommen werben wird. Nach der kürzlich erfolgten Senkung des Reichsbank- diskontes von 7 auf 6 Proz. war zwischen den Kreditbanken und den Sparkassen ein Konflikt wegen des künftigen Höchstzins- satzes für hereingenommene Gelder entstanden. Die Ursache dieses Konfliktes war darin zu suchen, daß die Privatbanken möglichst bestrebt waren, ihre im Dezember erhöhte Gewinnspanne zwischen den Soll, und Habenzinsen— den Zinsen für. ausgeliehene und hereingenommene Gelder— beizu- behalten. Da nach dem Bankenabkommen im Januar dieses Jahres die Sollzinsen der Kreditinstitute vom Reichsbankdiskont abhängig sind, mußten die Sollzinfcn nach der Diskontsenkung automatisch abgebaut werden. Um ihre Zinsspanne hochzuhalten, forderten die Banken von den Sparkassen, daß der sogenannte Normalzins sür die Habenzinsen, der vom Reichsban-kdiskont unabhängig ist, gleichfalls herabgesetzt wird. Infolge des berechtigten Widerstandes der Sparkassen mußte der Reichstommissar für das Bankgewerbe entscheiden, der jetzt das obige. Urteil gefällt hat. Die Stockholmer Börse, die während der vorigen Woche wegen der Kreuger-Panik geschlossen war, ist wieder eröffnet worden. Der Handel in Kreuger-Werten bleibt vorläufig suspen- diert. Eine neue Wirischastsaffäre? Lleberraschende Millionenverluste bei Hirsch-Kupfer. Bei der Hirsch-Ktipser. und Riessingwerke A.-G. in Berlin-Eberswalde, einem führenden Rietallkonzern in Deulfchlond, der bisher zu den folideflen und bestfundierlen Unter- nehmungen feiner Art gerechnet wurde, find überraschenderweise schwere Millionenverluste festgestellt worden. Das plötzliche Ausscheiden der beiden einzigen Borslandsdirckloren Sigmund Hirsch und Rene Schwarh denlet daraus hin, daß die Wurzel dieser schweren Verluste aus persönliches Verschulden zurückgeht. Bei der Undurchsichligkcit der Vorgänge wäre eine' baldige und gründliche Aufklärung der Oesfcnllichkeit dringend geboten. Nach unseren Informationen beruhen die Verluste in erster Linie aus umfangreichen Bürgschaften, die zum Teil die Ge- sellschast und zum Teil die beiden genannten Direktoren persönlich für die Metallhandelssirma Aron Hirsch u. Sohn in Halber- stadt, das Stammunternehmen des Hirsch-Kupfer-Konzerns, über- Kommen haben. Weitere Verluste sind sodann bei der Beteiligung der Metallwarenfabrik Baer u. Stein A.-G. sowie der Finow-Farm G. m. b. H. entstanden. Zur Klärung der persönlichen Verhältnisse bei dem Unternehmen ist noch zu sagen, daß die Hirsch-Kupser- und Messingwerke A.-G. eine Gründung von Aron 5)irsch ist, der als Besitzer des Handels- Unternehmens Aron Hirsch u. Sohn, Halberstadt, im Jahre 1906 die Fabrikationsbetriebe seines Unternehmens in der Hirsch-Kupfer A.-G. zusammenfaßte Bis vor wenigen Jahren war die Hirsch-Kupfer A.-G. ein ausgesprochenes Familienunternehmen, von dessen Aktien sich höchstens 10 bis IS Proz. in fremden Händen befanden. Seit 1929 hat sich dies aber geändert. Durch ein Ab- kommen mit dem englischen Chemietrust ging ein starkes Mindcrheitspakct von 23 Proz. des Kapitals an die Engländer über, und im nächsten Jahre ein fast gleich starkes Aktienpaket an die Kupfcr-Minen-GeseUschaft Haut K a t a n g a. Die knappe Mehr- heit des 12-Millionen-Kapitals von Hirsch-Kupfer war danach also noch im Besitz der Familie Hirsch, ist jedoch im Laufe des letzten Jahres zum größten Teil bei Banken, darunter auch einer«chweizer Großbank, als Pfand hinterlegt worden. Da bei dieser Sachlage die Familie Hirsch bzw. der Vorstands- direktor Sigmund Hirsch nur noch über einen kleinen Bruchteil des Aktienkapitals verfügungsberechtigt war, ergibt sich in der Frage der hohen Bürgschaftsübernahmen für die alte Familiengesellschaft Aron Hirsch u. Sohn in Halberstadt die Tatsache, daß das Unter- nehmen Hirsch-Kupser- und Messingwerke A.-G. im Familien- interesse schwer belastet wurde. Diese Vorgänge sind um so schwerwiegender, als es sich bei den Hirsch-Kupfer- und Messingwerken mit um die besten Metallwalz- Werksbetriebe in Deutschland handelt. Im vergangenen Frühjahr konnte diese Gesellschaft sür das Jahr 1930 noch ihre hohe Vor- jahrsdioidende von 7 Proz. ausschütten, während bei den meisten anderen Metallunternehmungen schon scharfe Dividenden- scnkungen infolge der Krise vorgenommen wurden. w . aünV� cV>en n»tuT da* nicht* ,chen . v#icht«6 e\e- >ch von 1*" ,ulen ist oeven v0 dcn sto«cn s.c mit.K\cvdun s\e � ht 6av � n5Cv>*txt . t ansieht- ein*� preis nicht ceur« inten to< au� ihren d\c tnan un screr G«6e ausn ahm s\o* „ da* %er unscr a\s sie VtVich 6ic X'iS1 ta�se yti* A 6er un» StoV* Runden* ge frCO' 6en G*** 6« ist Vtostet.n Mrgat«o8a' svrir s«at» U»xu«e,,e' viel t, Sit*«af ♦..-lieh*® ch schon_ ecsc 8 on4 f.___ 6�® xunntx® Sporer" ISP zel®1 .wO»»" � 29 pur � .iiener so chmo�fpön rhev\ot; � G»V>»T Oien.t»f ton V�fOjunjl- Schriftlich. S«»llun(«. könn«. hid« ti nicht berücksichtigt wer denl Preußen siedelt weiter. Der preußische Landwirtschastsminister über große Giedlungserfolge. Gelegentlich der finanziellen Regelung zum Ausgleich des preu- ßischen Etats, wobei die preußisch« Beteiligung an der Deutschen Siedlungsbank auf das Reich übergegangen ist, wurde die Behaup- rung aufgestellt, daß diese Regelung Las Ende der preußi- schen Siedlungstätigteit bedeute. Der preußisch« Land- wirtschastsminister Dr. Steiger hat am Montag Gelegenheit ge> nommen, dieser Behauptung entgegenzutreten. Preußen wird weiter siedeln, und zwar in engster Gemeinschaft mit dem Reich. Die Siedlung als chohsitsoerwaltung bleibt bei Preußen. Anders, kann es auch nicht sein, wenn der Siedlungsgedanke nicht noch mehr als bisher durch bürokratischen Kleintram gehemmt wer- den soll. Gerade in nächster Zeil steht d'e Siedlung von einer ungeheuren Ausgabe. Man muß eine Verwertung für die Riesengüter im Osten des Reiches finden, die heute noch durch die sogenannte Sicherung nach den Ost- hllseaktionen nicht zur Zhangeoersteigerung kommen können. Das hört im Sommer 1832 auf. Diese Güter lassen sich aber nicht er- halten. In jeder Form, in der man sie weiter bewirtschaften wollte, würden sie bankrott sein. Sie sind das geeignetste Land, um im Osten zu siedeln. In Frage kommen ungefähr 11308 Betriebe mit etwa 348 888 Hektar, also mit fast über 1,2 Millionen Morgen Fläche, Ein gut Teil dieser Güter, etwa 23 888 Hektar, eignet sich nicht zur Siedlung und fällt überhaupt aus. 68 888 Iis ,65 888 Hektar könnten der Anliegersisdlung zugeführt werden. Man würde die bestehenden kleinen Bauernwirtschasten dadurch wirtschaftlich kräftiger machen. Der Rest, abgesehen von Master, Wald usw.. muß der Neusiedlung zugeführt werden. Man hätte also eine groß« Auffangorganisation zu schaffen. Nach den Er- klärungen des preußischen Landwirtschaftsministers ist der preu- ßisch« Siedlungsapparat durchaus in Ordnung, um diese Aufgabe durchführen zu können. Im Zahre IgZI selbst ist die Siedlung in Preußen, lroh der schweren Finanzkr'se. kräftig weilergeschrikle«. Man hat 7 3 1 4 N e u s i e d l u n g e n mit einer Fläche von 81 328 Hektar und 3677 Anliegersiedlungen mit einer Fläche von 28 374 Hektar geschaffen. Davon entfallen auf Ostpreußen 2256 Neusiedlungen mit 23 341 Hektar Fläche und 1528 Anlieger- siedlungen mit 6168 Hektar Fläche, aus Brandenburg 1182 Neusiedlungen mit 18 771 Hektar und 446 Anliegersiedlungen mit 1162 Hektar, auf Pommern 1683 mit 28 184 bzw. 1814 mit 2736, auf die Grenzmark 153 mit 1324 bzw. 166 mit 663, auf N i e de r s cht e s i e n 877 mit 6763 bzw. 2373 mit 5173 und auf O b e r s chl e s i e n 387 mit 3361 bzw. 1323 mit 2282. Vor allem ist es geluugea. die Siedlungskosten zu verringern. und zwar wohl in der hauplsache mit Hilfe der sogenanolen Ausbausiedlung. Gegenüber der Vollsiedlung im Jahre 1328 verringerten sich bei der Auzbausic.2lung Cie Landkosten von 21888 auf 12808 M., die Gebäudekosten von 13 888 auf 7388 M., die Gesamtkosten von 48 888 auf 13 388 M., die Anzahlung von S888 auf 2888 M., die Hauszinesteuerhypolheken von 5888 auf 3888 und das Restkaufgeld von 38 888 auf 14 388 M. Bei der Ausbausiedlung handelt es sich in diesem Falle um eine Siedlerstelle in Größe von 15 Hektar gleich 68 Mougen. Das beideutet, daß sich die G e s a m t b e l a st u n g pro Jahr von 1558 M. im Jahre 1928 auf 775 M. im Jahre 1332 verringert. Die jährliche Belastung verringert sich also pro Morgen von 25,87 M. im Jahre 1328 auf 12,91 M, im Jahre 1932. Dem Problem, Erwerbklose anzusiedeln, hol die preußische Reg'eruvg große Aufmerksamkeit zugewandt. Soweit Erwerbslos« in Frage kommen, die vom Lande stammen, stehen die sogenannten Anzahlungskredite zur Verfügung, die für 18 Jahr« zinslos gewährt werden. Bei eintretenden lln- glücksfällen kann hier«ine Streichung erfolgen. Soweit I n d u- strieorbeiter in Frage kommen, geht man von dem Gedanken aus, die Industriearbeiter zum Aufbau der Siedlung heranzuziehen. Die Arbeitsleistung wird gutgeschrieben und zur Anzahlung ver- wendet. Eine besondere Stellung nimmt m diesem Rahmen der sogenannte Arbeitsdienst ein. Die preußische Regierung steht hier auf dem Standpunkt, den Arbeitsdienst nur bei Wegebauten. Bodenverbesserungen usw. einzusetzen, um die Arbeitsmöglichkeiten für Erwerbslose usw. nicht zu kürzen. Erwogen wird mit dem Reichsarbeitsministerium die Idee, die Dauer des Ar- beitsdienstes zu verlängern, damit sich die BeteUigten die Mittel erarbeiten können, die als Anzahlung zum Erwerb eine Stelle not- wendig sind. Den Gedanken der Stadtrandsiedlung will das preu- ßische Landwirtschatsministerium so erweitern, daß besonders in den östlichen Provinzen solche Stellen geschaffen werden, die durchweg für Kurzarbeiter bestimmt sind. In Frage kämen hier eine In- dustriearbeit pro Woche von etwa 24 bis 36 Stunden. Entsprechende Versuche sind bereits in Schlesien eingeleitet worden. Wieder amtliche Börsenkurse. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat den preußischen Börsenvorständen mitgeteilt, daß er kein« Einwendungen dagegen erheben würde.vwenn die Börsenvorstande nach Ablauf der ersten Aprilwoche an den Wertpapierbörsen die amtliche Kursfeststellung wieder ausnehmen Bon der Wiederausnahme des Terminhandels in Wertpapieren soll jedoch einstweilen Abstand genommen werden. Belebung in der Eisenindustrie. Stahl- und Walzwerksproduktion im Februar gestiegen. Die Fabrikationsmengen der deutschen Walzwerke erhöhten sich im Februar auf 318987 gegen 299 815 Tonnen im Januar. Die durchschnittliche arbeitstäglich« Leistung erreichte nach den Feststellungen der Zeitschrift„Stahl und Eisen' im Februar 12 756 gegen 11 961 Tonnen im Januar. Die Steigerung der Leistung je Arbeitstag beträgt 6,6 Proz. Noch kräftiger war die Belebung bei den Stahlwerken. Die Rohstahlproduttion betrug im Februar 447 584 gegen nur 484 958 Tonnen im Januar. Bei der gleichen Zahl von Arbeits- tagen stieg die durchschnittliche werktägliche Stahlprodultion im Berichtsmonat auf 17 988 gegen 16198 Tonnen im vorhergehenden Monat. Hier beträgt die Steigerung der Produttion gegenüber dem Januar sogar 18.5 Prozent. Bei den Walz- werken wie bei den Stahlwerken hat sich danach im Februar nicht allein gegenüber dem Tiesstand der Produktion im Januar eine spürbare Belebung durchgesetzt, sondern die arbeitstäglichen Pro- duklionsmengen liegen auch noch über dem Stand des De- z e m b e r v. I, wo in den Walzwerken arbsitstäglich 12 786 und in den Stahlwerken 17 55! Tonnen hergestellt wurden. Die Ur- fachen dieser Belebung sind noch nicht ersichtlich Man muß die Entwicklung der nächsten Monate abwarten, um beurteilen zu können, ob es sich hier nur um eine sailoniibl:ch>! Besserung oder um eine Ueberwindung des konjunkturellen Tiefstandes handelt. Lm Bergbau nur l-nVesenttichs Besserung. In der Woche vom 6. zum 12. März wurden 1,36 gegen 1,33 Millionen Tonnen Kohle in der Vorwoche g-iärderl. Die ardeits- tägliche Förderung betrug 226 718 gegen 222 125 Tonnen in der ersten Märzwoche. Die Zahl der eingelegten Feierlchichlen hat sich arbeitstäglich von 44 450 auf 39 859 verringert. Die Haldenbeständ« an Kohle. Koks und Preßkohle sind nur unwefent- lich von 18,19 auf 18,16 Millionen Tonnen gesunken. Oiskonisenkung auch in Nom. Die vanca d'Zlalia hak am Montag ebenfalls ihre Wechsel- kredlle von 7 auf 6 Proz. verbilligt. Am 26. September 1931, während der internationalen Kreditkrise, war der Diskont von 5)4 auf 7 proz. erhöht worden. Dividende für Kochherde. Der Aufsichtsrat der F Küppers- busch u. Söhne, A.-G.. Schalter Herd- und Ofenfabrit, Gelstnkirchen. hat beschlossen, der Generalversammlung die Verteilung einer Di» vidende von 4 Proz.(6 Proz.) für das Geschäftsjahr 1931 oorzu» schlagen. Heute früh entschlief sanft mein treuer Lebenskamerad, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater, der Redakteur der «Gewerkschaftszeitung" Paul umöreit Mitglied des Relchswirtschaltsrats im 64. Lebensjahre. Emma Umbreit, geb Bohle. Adolf und Erna Heinrichseil, geb. Umbreit. Karl Umbreil und Familie. Arno Umbreit und Familie. Köpenick-Uhlenhorst, den 21. März 1932. Die Beisetzung findet am Donnerstag, dem 24. März, vormittags �»lOUhr, vom Krematorium Baumschulenweg aus statt. Msser- Knoblauch'Gast tausendwch bewährt bei: Arierienoerkaliung. Rheumatis» mus. hohem Billidruck. Her, de- ichwerden. AlUima Hämorrhoiden, Leh r- und Wallenleiben und allen EtoffwechieistLrungen Flasche Mi.»eicht 8 Wochen) Veriuchofiasche Ml. t— 0 Woche ansreicheud) In Apolhelen und Drogerien zu haben ionst direlt von Or. Zinsser »To G m. 'b. H. Leipzig 25 Cnsros-Siusiie' erungslaaer: Berlin N-4, Friedrichilraße)07 SBSSggssssa Dleostag, den 22. Hin staatsoper unter cen Linden 20 Uhr Andromache StaatLStegielluiu •.eDCaraiBnniarki. 3» Uhr &oet!;es100.Todes1ae Die natlif' lidieiodiler Schiller-Theater Charlottenbura Ztt Uh» GaathaslOO Tmlestag Dil Dtsdiwism Hierauf Die MltsdiDldigen Ttigl.5 u. ÖV» Uhr VERA SCHWARZ UllCHm FIMTES MARIANNE WIN DELSTERN Haidin. 8. lUyn usw. Schle«. Bhf. 5ö21s,S1p.2,ai8l50, Tel.; E7W(IcIisbI 4031 |„Wie eiini ro He." f nserate im vorwärts iichcrn Erfolg! IS.15 Ohl IMazi Trupi wald and W'nt«!r ■Carlen. 8.15 Ohl Flora 3434 ftaudien erlanbt IMaa deTalenco, Wallendn- Truppe. Hahon von Kloh- wald m.»einen I-2 Konnten and weitere Ma>-Nnmmern Siddt.Oper Charloncnbur; äismarcksuaSe 34 Dienstag, 22. Märe Turnus III Oie Btlrpiialt Reinmar. Rode, Müller, Kandl, Gom- bert. Gonszar Ant iyJ0,Ende23U. VolHsbtthne Thaater an BOloviilat! 8'U Uhr Androklus und der Löwe Komödie von Bernh. Shaw mit Felix Bressart und Otio Wallburg Kegie: K. H..Vlartm »•/.uhrCASINO-THEAlER�uh. Lothringer Strafe 37, iiainiiiiaiiiaiaiiJiumiiimiiiiiiiiinaniainiiiaiiiiiiiaiaa teiiung-03. Hai am 23 Januar iS32 fjlt Steht erkanni Der Angetiagie wird wegen ösieniiicher Beleidigung zu einer Geidlirale von 4d0— vieidundert— Seid, smart, au deren Slelle im Aalle der Unewbrmgiichieil llli le 10— jehn— SM I— ein— Tagr allen Freunden»nd Be- iannien unjeren herzUchsien Dan: krau Ann» Siemaun und dohu von Millionären. F-hrb-llinerstraße� Aerzten. Anwälten, j Tleiderschräilte, Fabelhaft billige Nufibaum poliert, Preise. Empiehle. Eiche, moderne Ztaillenmäniel. Pa- Form, rund, 130 l-tot». Frack». 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