BERLIN Dienstag 5. April 1932 10 Pf. Nr. 1 59 B 79 49. Jahrgang ErscheinttSglich außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts� Bezugsvrets für beide Aus.aben 7s Pf. pro Woche. 3,2s M. pro Monal (davon 87 P monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus tahlbar. D o st b e z u g 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postieitungs» und 72 Pf. Postbestellgebühren. SfiaJuabgaSe xleh Anzetgenpret«: Die einspaltige Milllmeterjeile 30 Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Borwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktton und Expedition: Berlin SW68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297. Kp.-Oeutschland- gibt es das? lMMUW>W>IW>MsIWMMMUUWUWWWM>I>W!MMI!I!I III IIBBIIIIBMi B illllli IIIH IIIIHIBIIIIIIIIIiTllllifnnra Alles geschieht nach Befehl aus Moskau! Die bolschewistischen Führer verfügen über ein Lager von Prima-Parolen für alle Situationen. In besonders er- regten Zeiten veranstalten sie so etwas wie einen Räumungs- ausverkauf. Nicht mehr ganz neue Parolen, dafür ein paar mehr mit Extrazulagen. Besonders billig für Wieder- Verkäufer. Hinterdrein stellt sich regelmäßig heraus, daß die Parolen nicht das Papier wert gewesen sind, auf das sie gedruckt waren. Dann folgen ebenso regelmäßig endlose Artikel, in denen den Kommunisten vorgehalten wird, daß ihre Un- fähigkeit und ihr Versagen die Parolen kaputtgemacht hätte. Wie ist dieses sich ständig wiederholende neckische Spiel möglich? Zwar sagt man KPD., Kommunistische Partei Deutsch- lands. In Wirklichkeit gibt es aber gar keine Kommunistische Partei Deutschlands. Das heißt, es besteht keine Kom- munistische Partei, die aus den Verhältnissen heraus, wie sie in Deutschland gegeben sind, notwendig und daseinsberechtigt geworden ist. Der Bedarf des Proletariats nach einer poli- tischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wahr- nehmung seiner Interessen ist mit der Sozialdemokratischen Partei vollkommen gedeckt. Die bolschewistischen Führer versuchen diese Tatsache durch demagogisches Gehetze gegen die Demokratie und wüstes Geschimpfe auf die Sozialdemokratie zu verbergen. Wäre eine Kommunistische Partei Deutschlands neben der Sozialdemokratie möglich, dann müßte sie in der Eisernen Front gegen die faschistische Gefahr stehen. Für jeden, der, von der gegenwärtigen politischen Situation in Deutschland ausgehend, seine taktische Entscheidung trifft, ist das eine zwingende Notwendigkeit. Trotzki sagt den Kommunisten:„Wenn der Faschis- mus zur Macht gelangt, wird er wie ein furchtbarer Tank über eure Köpfe und Wirbelsäulen hinweggehen. Rettung liegt nur im unbarmherzigen Kampf. Und Sieg kann nur die Kampfesverknüpfung mit den sozialdemokratischen Arbeitern bringen." Vernünftige Kommunisten- aber nur im Memelland? Was Trotzki für Deutschland vergeblich anstrebt, ist im M e m e l l a n d Wirklichkeit geworden. Ja, mehr als das. Im Memelland haben sich die Kommunisten, weit über den Rahmen der Eisernen Front hinaus, in eine nationale Front eingereiht, die von allen deutschen Parteien, von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, gegen den Gewaltakt der litauischen Regierung gebildet ist. In der Sitzung des Memelländischen Landtags, am 17. Februar 1932, hat der kommunistische Abgeordnete S u h r a u mit den Ver- tretern aller deutschen Parteien gegen den Gewaltakt geredet und gestimmt. Nach seiner Rede ging der Kommunist auf die Abgeordneten der nationalen Parteien und der Sozial- demokratie zu, mit den zufriedenen Worten:„Na. Freunde, wie haben wir das gemacht?!" G u t haben das die Kommunisten im Memelland ge- macht! Ihre Handlung war diktiert von der Not, alle Kraft gegen eine akute Gefahr zu richten, die an Größe alles über- ragt, was an Trennendem zwischen den einzelnen deutschen Parteien vorhanden ist. Parolenschusterei aus Verlegenheit. Hätten sich die memelländischen Kommunisten auf bol- schewistische Parolen eingelassen, dann würde ihr Vertreter die anderen deutschen Parteien beschimpft und seine Rede mit einer bolschewistischen Parole geschlossen haben. Etwa: „Hände weg von China!" oder:„Es lebe Sowjet-Deutsch- land" oder mit sonst einer der zahllosen bolschewistischen Parolen. Das geschieht in Deutschland, wo den Kommunisten die Taktik von Moskau befohlen wird� Darum heißt eine der sinnlosen Parolen für den gegenwärtigen Wahl- (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Qr&eiinski Spricht in den ftennishallen. Beratung über Braunschweig. Llnter Vorsitz Groeners im Veichoinnenministerium. Heute mittag hat im Rcichsinnenministcrium unter dem Vorjih des NcirhsinnenministcrS Groener eine Ve- ratung über die Zustände in Braunschweig stattgefunden. Dieser Beratung soll ferner das bei den Haussucliunaen durch die preußische Polizei beschlagnahmte Material über das illegale Treiben der braunen Armee zugrunde gelegen haben. Man erwartet, daß das Ergebnis der Beratungen im Laufe des Mittwoch sichtbar wird. Zimt aus Moskau So stand in Thtzlmanns Moniteur zu lesen: Da ist eine Familie Z i n t aus Berlin gewesen, Die kam nach Moskau ganz zerrissen und zcrruppt, Jetzt aber geht sie kavaliermäßig eingepuppt, Die Töchter in Seide, die Mama im Pelz! („Den Hauptstoß richten wir gegen Severing und Wels!") Wenn der Schinken alle ist, fressen sie Gänsebraten, („Wer hat uns verraten— die Sozialdemokraten!") Zweifingerdick auf die Frühstückssemmcl Kaviar, Und steinalt werden sie— das Jüngste ist schon hundertzwanzig Jahr! Kurz; das Moskauer Klima ist für Berliner sehr gesund. Nur— merkwürdig— die Eingeborenen kommen auf den Hund. Familie Zint aus Berlin kam direkt ins Paradies, Doch den Moskauern selbst geht es ziemlich mies Sie stehen noch immer vor den Läden Schlange, Bekommen wenig auf Karten— und das Wenige dauert lange. In den Torgsin-läden häufen sich Delikatessen, Die bekommen nur Fremde gegen Valuta zu essen. Der Rubel fällt rapid, die Preise steigen Uberall. Rings tönt das Wörtchen:„lebensmittelkrawall". Und dann liest man Uber Familie Zint den Zimt, Und hat den Eindruck, daß hier etwas nicht stimmt... Jonathan. Severins spricht in Cssen. Viesenlundgebung der Eisernen Front. Essen, 5. April. 3n einer überaus stark besuchten Kundgebung der E i s e r n e u Front sprach am Montagabend in der großen Ausstellungshalle in Essen der preußische Innenminister Severing. Er ging u. a. auf die Jtolwendigkeik und Möglichkeilen der Arbeilsbeschas. s u n g ein und erklärte: Wenn wir Arbeilsmöglichkeilen im eigenen Land schaffen wollen, dann müssen wir Selbstvertrauen wiedergewinnen, das vertrauen des Volkes und eines jeden einzelnen zu sich selbst. Dann können wir auch fordern, daß man uns in der Welk vertrauen entgegenbringt. Die Wohlfahrtserwerbslosen in den Städten könnten sich beglückwünschen, daß in den letzten Jahren in den zuständigen Behörden frühere Arbeiter gesessen hätten. Das zu belegen, werde in den nächsten Wochen noch Gelegenheit sein. Mit der Zurückwersung des Faschismus müsse die politische und Wirtschaft- liche Reaktion am 10. und 24. April geschlagen werden. Es gelte. wach zu bleiben, bis das größere Ziel der Zusammenarbeit mit den Völkern der Erde verwirklicht werden könne. Arbeitsbeschaffung ohne Kampf bedeute letzten Endes nichts anderes als den Abbau der Zollmauern und der Mauern des völkerhasses. Die Räumung der SA.-Büros. Auszug aus der Hedemannstraße. Entsprechend der gestrigen Anordnung des Polizeipräsidenten hat heute morgen im Parteihaus der NSDAP, in der Hedemann- straße die Räumung der in der Verfügung genau bezeichneten SA.° Büros begonnen. Auf mehreren Lastwagen wurden Akten, Karto- theken, Möbel usw. verladen und abtransportiert. Während des Auszugs war Polizei in der Hedemannstraße anwesend, ohne aber zunächst irgendwie in Aktion zu treten, bis dann um 12 Uhr die amtliche Feststellung getroffen wurde, daß der Anordnung des Polizeipräsidenten Folg« geleistet worden sei. Redeverbot für den Razi-Sürgermeister von koburg. Der Staatskommissar für Koburg hat ein Redeverbot über den Ersten Bürgermeister von Koburg, Landtagsabgeordneten Schwede, der der Nationalsozialistischen Parle! angehört, verhängt. Das Redeverbot wird damit begründet, daß Erster Bürgermeister Schwede in einer Versammlung die Wähler des Reichspräsidenten von Hindenburg al» „Geschmeiß und Geschwärt" bezeichnet hat. KP. Deutschlands? lFortsetzung von der I.Seite.) kämpf mn den Reichspräsidenten:„Sowjet-Deutfchland." Diefe Parole ist allein aus den Verlegenheiten der bol- schewistischen Regierung in Rußland entstanden. Die russische Regierung hat im eigenen Lande mit zahllosen Wirtschaft- lichen Schwierigkeiten zu tun, ohne ihrer Herr werden zu können. Ueberall Unzufriedenheit und Gärung. Vermehrt durch die bolschewistische Politik im Fernen Osten. Wo die russische Regierung den imperialistischen Plänen Japans nicht nur nicht ernsthaft entgegentritt, sondern sie sogar mindestens indirekt fördert: z. B. durch die russische Notifizierung der Ernennung des Präsidenten der chinesischen Ostbahn, den die von Japans Gnaden eingesetzte neue mandschurische Regie- rung ernannt hat. Trotzdem müssen die Kommunisten in Deutschland rufen:„Hände weg von China!" Genau so verlogen ist die andere Parole. Nach dem Attentat auf das Mitglied der deutschen Vertretung in Moskau, Twardowfki, schrieb die offiziöse„Moskauer Rund- schau", daß die breiten Massen der Sowjetunion um so mehr über das Attentat empört gewesen sind, als sie sich dessen bewußt waren, daß der Anschlag sich gegen einen Vertreter Deutschlands richtete; gegen das Deutschland, das als erste Großmacht vor etwa zehn Jahren in Rapollo mit Sowjet- rußland einen weitgehenden politischen Vertrag geschlossen habe und dos seither in friedlichen Beziehun- g e n zu Rußland stehe. Trotzdem müssen die Kommunisten in Deutschland rufen: Nieder mit der deutschen Republik, es lebe die russische Provinz Sowjet-Destschland! Trösterin„Weltrevolution�. Um das eigene Volk von den wirklichen Ursachen seiner Leiden abzulenken und um es zu beruhigen, wird es von der bolschewistischen Regierung wieder einmal auf die erlösende Kraft der unmittelbar bevorstehenden Weltreoolution vertröstet. In Deutschland soll die Revolution mit Hilfe der Hakenkreuzler herbeigeführt werden. Darum befehlen die Bolfchewisten den Kommunisten in Deutschland politisch so zu manöverieren, daß eine proletarische Einheitsfront gegen die Faschisten unter allen Umständen verhindert wird. Am liebsten hätten die Bolfchewisten die Kommunisten auf- gefordert, bei der Wahl des Reichspräsidenten direkt für Hitler zu stimmen. Wie beim faschistisch-bolschewistischen Volksentscheid in Preußen. Nur die Spuren schrecken. Und schließlich ist ja auch jedes kommunistische Kreuz im Stimmzettel für Thälmann ein Haken- kreuz für Hitler. Die Lebensinteressen des deutschen Proletariats sind den Bolschewisten gleichgültig, die Verhältnisse in Deutschland sind ihnen nicht bekannt. Wie sie Millionen russischer Arbeiter und Bauern ihren Machtgelüsten bedenkenlos geopfert haben, so sind die Bolschewisten bereit, auch deutsche Proke- tarier sinnlosen Experimenten zu opfern. Die kommunistischen Arbeiter glauben an bolschewistische Ideale, die nicht vorhanden sind, sie folgen Führern, die keine Führer sind. Unter großen Opfern und Enttäuschungen werden die kommunistischen Massen aus einer Illusion in die andere getrieben. Ist das»Marxismus"?- Nein! A n g e l i c a B a l a b a n o f f, die gewiß nicht zu meinen politischen Freunden gehört, die ich als Kampfgenossin Lenins kennenlernte, hat die trüben Quellen bolschewistischer Machen- ichaften gründlich erforscht. In ihrer Schrift über die Er- ziehung der Massen zum Marxismus macht sie an den bol- � schewistischen Methoden deutlich, wie eine Agitation für den � Marxismus nicht getrieben werden darf. Da schreibt' sie u. a.: ..Die verhängnisvoll« Wirkung der Bolschewisten auf die russische und internationale Revolution besteht darin, daß sie große Teile des Weltproletoriats der ruffischen Revolution entfremdet haben. ... Die Agitation, d. h. die Erziehung der Massen zu objektiv- wissenschaftlichen Denkmethoden, zum selbständigen Handeln, zum Glauben an ihre historische Mission, an ihre revolutionäre Sendung, wurde dazu mißbraucht, die Massen in Intrigen und persönlichen Klatsch hineinzuziehen, in ihnen die n i e d r i g st e n Instinkte des Denunziantentums, der Rebenbuhlerei, des Eigennutzes zu wecken, wobei bei einer jeden Verschiebung der Macht- und Gunstverhältnisse der tonangebenden Instanzen die- jenigen in den Kot gez»rrt wurden, die gestern für unfehlbar ge- halten worden waren... Das traurigste Fazit dieses Treibens ist, daß die Massen mit Recht hinter den von der Kommunlstischen Internationale stammen- den Erlassen, Parolen, Exkommunikationen nur das Spiel jeweiliger Intrigen in allen Ländern sehen. Was ihren Glauben an den So- zialbmus tief erschüttert hat und die revolutionäre Agitation und Propaganda um ihr Prestige brachte." Dies Urteil über die Bolschewisten, das auf gründlichster Sach- und Personenkenntnis beruht, ist hart, aber treffend. Der Tag wird kommen, da werden auch die gutgläu- bigsten kommunistischen Proletarier aus der bolschewistischen Vernebelung heraus den Weg zu ihrer Klasse, zu ihren kämpfenden sozialdemokratischen Klassen- genossen finden! Artur Crißpien. Freunde der Hedemannstraße. Die„Rote Kahne" zum Eingreifen des Polizeipräsidenten. Der Berliner Polizeipräsident hat die Berliner SS.- und SA.- Büros in der Hedemannstrahe geschlossen. Was beweist das? Noch der„Roten Fahne" nur, daß er mit den Nazis unter einer Decke steckt. Die„Rote Fahne" schreibt: __..Selbstoerständlich handelt es sich auch hierbei nur um eine S ch e i n a k t i o n... Wir warnen die Arbeiter, sich durch solche Scheinaktion sn gegen die Nazis verwirren zu lassen." Woraus hervorgeht, wie fatal den Bundesgenossen der Nazis im kommunistischen Lager die Aktion der Polizei gegen die Hede- nwnnstraßc ist. Sie haben Angst, daß die Arveiter ihnen in Scharen davonlousen, wenn sie zur Erkenntnis kommen, daß Sozialdemo- traten die Nazis bekämpfen, die KPD. den Nazis aber Hilis- dienste leistet. Die Schüsse auf Twardowsti. Oer Prozeß gegen Stern und Wassiljew. Riga, 5. April.(Eigenbericht.) Vor dem Obersten russischen Gericht haben sich seit Montag der Attentäters auf den deutschen Botschaftsrat Twardowski namens Stern und fein angeblicher Komplice Wassiljew zu verant- worten. Die Anklage oertritt K r y l e n k o. In der Anklageschrist wird die Todesstrafe für beide Angeklagte gefordert. Stern, der einen überaus verwirrten Eindruck macht, sagte im Verlauf der Montagsverhandlung aus, daß nach seiner Ueber- zeugung ein ausländischer Diplomat zwecks Störung der außenpolitischen Beziehungen der Sowjetunion habe erschossen werden müssen. Entgegen seinen stüheren Aussagen er- klärte Stern aber zugleich, daß der Anschlag aber eigentlich dem deutschen Botschafter gegolten habe, ohne daß dabei politische Ueberlegungen mitgespielt hätten. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen richtete der Oberste Staatsanwalt an die Angeklagten die Frage, ob vor dem Attentat irgendwelche Verhandlungen mit diplomatischen Hinter- männern über fernöstliche Gefahren und andere Dinge vor sich gegangen wären. Stern be st reitet derartige Verhandlungen, während sein Komplice Besprechungen solcher Art zugibt. Aber welche Ausländer und ausländischen Häuser angeblich hinter den Verschwörern stehen, ist bisher nicht geklärt worden und dürste wahrscheinlich auch nicht geklärt werden, weil diese Verschwörer zu- nächst nur in der Phantasie der Sowjetbehörden bestehen. Wie rein das Gewissen der Sowjetregierung in dieser Beziehung ist, ergibt sich daraus, daß die entsprechenden Dinge nicht öffentlich, sondern heute oder morgen in einer Geheim- sitz un g erörtert werden sollen. * Schon der Beginn des Prozesses zeichnet sich durch sine Fülle von Rätseln aus. In der gedruckten Anklageschrift sind alle Stellen, die sich auf die angeblichen ausländischen Hintermänner be- ziehen, durch Gedankenstriche ersetzt. Dafür soll darüber nur in einer Geheimsitzung verhandelt werden. Warum dieses Theater? Wenn die auf Wassiljews Ge° ständnissen beruhenden Behauptungen über ausländische Auftraageber wahr sind, dann läge es doch im höchsten Intereesse der Sowjetunion, diese Hintermänner öffentlich zu entlarven und endlich Beweise für die seit Jahren von Moskau behauptete sowjeffeindliche Tätig- keit gewisser ausländischer Regierungen vor aller Welt zu erbringen. Warum statt dessen diese Flucht in die Dunkelkammer? Offenbar doch nur, weil diese„Beweise" einer öffentlichen Nachprüfung nicht standhallen und sich sehr bald als GPU.-Märchen erweisen würden, erdichtet zur Erbauung der bolschewistischen Gläubigen in Rußland, Deutschland und der übrigen Well. Dieser Verdacht liegt um so näher, als sich die Anklage auch auf Angechen von Menschen stützt, die die GPU. l ä n g st er- schössen hat. Mit solchen toten„Kronzeugen" läßt sich alles mögliche anfangen, nur eines nicht: man kann denkfägie Menschen nicht zwingen, an die Wahrheit derartig konstruierter Anklag«- schriften zu glauben. Freilich gibt es einen anderen, lebenden Belastungszeugen, nämlich den Mitangeklagten Wassiljew, einen von der Sorte, die in allen derartigen GPU.-Prozessen seit Iahren auftauchen: das ist der Angeklagte, der alles aussagt, was Krylenko von ihm hören will und sogar noch mehr. Diesmal scheint aber eine ern st hafte Panne eingetreten zu sein. Der Angeklagte Stern, der offensichtlich nichts mehr zu verlieren hat, widerruft seine Geständnisse aus der Vorunter- suchung bezüglich seiner angeblichen Anstiftung durch Wassiljew und schreit in den Saal hinein, daß ihm die GPU. diese Geständnisse durch „nicht europäische Methoden" erpreßt hat. Er habe die Tat allem und auf eigene Faust begangen. Der Bericht der offiziellen russischen Telegraphen-Agentur unterschlägt diesen grassierenden Berzweiflungsauf- schrei eines Mannes, der wohl enffchlossen ist zu sterben, aber sich nicht noch in seinen letzten Stunden zum Werkzeug einer Justiz- komödie im Interesse eines Regimes machen will, das er aus tiefster Seele haßt. Aber aus den Berichten bürgerlicher Korrespondenten erfährt man diesen Ausruf doch. Wie die Sache enden wird, läßt sich schon jetzt unschwer prophe- zeien: Stern, der vielleicht seinen Kopf gerettet hätte, wenn er brav alles über feine„ausländischen Hintermänner" zugegeben hätte, wird jetzt nach diesem Widerruf und nach der Enthüllung der Foller, t>är er ausgesetzt war, bestimmt erschossen werden. W a s s i l- j e w wird der Form halber zum Tode verurteill und irgendwohin abgeschoben werden, wo er„reumütig" an dem„sozialistischen Aus- bau" der Sowjetunion wird mitarbeiten dürfen unter der Bs- dingung, daß er das Maul hält über die Rolle, die er als„An- geklagter" in dieser gangen Affäre gespielt hat. Mörder in der Razi-Partei Wohin die politische Verwilderung führt— Oer Mord an der Sechzigjährigen Politische Verwilderung und kriminelles Handeln hausen nahe beieinander. Die Uebergäng« sind hier fließend. Kein Zufall, daß gerade bei den Nationalsozialisten und der SA. selbst unter den führenden Persönlichkeiten so viele Vorbestraft« ihr Unwesen treiben. Kein Wunder auch, daß der Lljährige T., der am 31. No- vember v. I. in der Stephanstraß« seine Tante, die öOjöhrige Frau Sch. tötete, Nazi war. Wie ein Symbol ist e», daß er den ersten Würgeoersuch an der allen Frau ausgerechnet mit der Kell« vornahm, die er als Mitglieo der NSDAP, angeschafft hatte, an- geblich, um sich vor Ueberfällen zu schützen. Als die Kette nicht genügte, erwürgte der Unhold die Sechzigjährige mit den Händen. Heute steht T., wegen Mordes angeklagt, vor dem Land- gericht l. Cr ist ein kräftiger Mensch, spricht aber so leise, daß man ihn kaum oerstehen kann. Man weiß nicht: ist es Reu« wegen der unmenschlichen Tat, ist«s die Schande vor der Lage, in die er sich gebracht hat, oder tun ihm seine Eltern leid, die ihm unzählige � Male verziehen und nichts unversucht gelassen haben, aus ihm einen ordentlichen Menschen zu machen. Schon als kleiner Junge ent- � wendete er den Eltern wiederholt Geld: er war der Jüngste von sechs Kindern, die Mutter verwöhnte ihn. Auf der ersten Stelle hielt er es bloß ein Jahr aus, auf der dritten entwendete er 200 M., in der vierten hielt er es drei Jahre aus. Er war unterdes als Achtzehnjähriger Mitglied der NSDAP, geworden. Anfang 1930 lernte er auf seiner Arbeitsstelle ein junge- Mädchen kennen, das viel Geld brauchte; der Angeklagte mißbrauchte das Vertrauen. das man ihm entgegenbracht«, entlockte einem Arbeitskollegen 1800 M., schenkte einen Teil davon seiner Freundin, gab den Rest seinem Freund zur Aufbewahrung und fuhr nach Hamburg. Er wurde verhaftet, bekam vier Monate Gefängnis und wegen einer Hamburger Zechprellerei«ine Strafe von zehn Tagen; diese wollte er nicht absitzen, sondern er entwendete seinen Eltern 200 M., mietete sich bei einem befreundeten Studenten ein; in sieben Tagen war das Geld verjubelt. Am 31. November begab sich der Angeklagte in die Wohnung seiner Tante Sch. in der Stephanstraße. Der Neffe kam ihr un- heimlich vor. Während sie zu einer Nachbarin ging, um sie zu bitten, daß sie zu ihr komme, entwendete der Angeklagte in der Wohnung ein Portemonnaie, und kaum war die Tante zurück, da warf er ihr von hinten die N a z i k e t t e um den Hals. Beide stürzten zu Boden, die Tante schrie:„Kurt, was mach st du, l a tz l o s l" Die Kette riß, der Angeklagte packte die alle Frau an der Kehle und erwürgte sie. Er wischte ihr wll dem Taschentuch vom Gesicht das Blut ab, durchwühlte die Schubfächer des Vertikos nach Geld, fand keines, und nahm eine Anzahl Schmucksachen an sich. Die Nachbarin, die trotz ihres Klopfens und Klingelns keinen Einlaß fand, holte einen Polizeibeamten, der sich an der Haustür postierte. Der Angeklagte össneie plötzlich die Wohnungstür, lief an den Frauen vorbei: die Tante sei ohnmächtig, er wolle einen Arzt holen, lief mit den gleichen Worten an dem Beamten vorbei und verschwand. In seiner Wohnung schrieb er an seine Eltern, indem er sich als Täter bezeichnete, offenbarte sich seiner Freundin, die ihm das verstörte Wesen anmerkte, verbrachte mit ihr noch den Abend in intimem Verkehr, und wurde am nächsten Morgen in der Wohnung der Freundin verhaftet. Nächtliche Schlägereien. 69 Kessnahmen— Lleberfall auf Reichsbanner. 3n der vergangenen Nacht kam es in verschiedenen Stadttellen wieder zu blutigen Schlägereien, bei denen es mehrere verletzte gab. In mehreren Fällen versuchten Hakenkreuzler über Reichsbannerleut« herzufallen, die von der Kundgebung in den Tennishallen kamen. Die Angriffe wurden energisch zurück- gewiesen: mehrer« Reichsbannerangehörig« erlitten Verletzungen. Ein besonders hinterhältiger Ueberfall wurde auf dem Hochbahn- Hof Gleisdreieck auf den 21 Jahre alten Studenten und Reichsbannermann Rudols Schulze aus Pankow verübt. Mehrere Nazis schlugen aus Sch. ein und brachten ihm erhebliche Kopf- Verletzungen bei. Der Uebersallene mußte in das Urbankrankenhau- gebracht werden. Di« nationalsozialistischen Rowdys sprangen in «inen abfahrbereiten Zug und entkamen.— Auf dem Bahnsteig?. des Bahnhofs Treptow provozierten Nazis mehrere Reichs- bannerleute, so daß es zu einem Handgemenge kam. Sechs Haken- kreuzler wurden festgenommen. In der B r u n n« n st r a ß«, Ecke Usedomstraße, prügelten sich Nazis und Kommunisten. Zwei an der Schlägerei Beteiligte wurden verletzt. Di« Polizei vorhaftete vier Kommunisten und sechs Nationalsozialisten.— Die Nachforschungen nach den Tätern, die gestern abend im Verlauf einer halben Stunde annähernd 20 Litfossäulen in Brand st eckten, sind bis- her ergebnislos verlausen. All« Polizeibeamt«, die in den folgen- den Nächten Streifen- und Patrouillendienst machen, sind angewiesen worden, auf die Plakatsäulen besonders zu achten. «i? Insgesamt wurden in der letzten Nacht 69 Personen — 38 Hakenkreuzler, 24 Kommunisten und 7 Parteilose— festgenommen. Ein Teil ist bereits in der Nacht wieder entlassen worden, 33 befinden sich noch im Gewahrsam: sie werden fast aus- nahmslos dem Schnellrichter zugeführt werden. Nationaisozialistisches Affentheater. Uns wird geschrieben: Im Anschluß an die Lustgartenkund- gebung der Nazis am Montag zog ein größerer Trupp SA.-Leute mtt Musik nach dem Kleinen Tiergarten in Moabit. Es handelt sich vorwiegend um junge Leute, die zum großen Teil in Hemdsärmeln mit Mütze und Sturmriemen einhermarschierten. Im Zuge wurden Hakenkreuzfahnen mitgeführt. Die Moabiter Arbeiterschaft ließ sich durch das Auftreten der Nationalsozialisten nicht provozieren. Was besonders empörend auf die Arbeiterschaft wirkte, war die Tatsache, daß die Nazis unter den Klängen des alten Sozialistenliedes„Brüder zur Sonne..." anmarschierten. Es zeugt von de? geistigen Armut der Nationalsozialisten, dieser von der Schwerindustrie ausgehaltensn„Arbeiterpartei", wenn sie sich zu derartigem geistigen Diebstahl herbeilassen. Darüber tonnte man unter den Arbeitern, die Zeuge des Naziaufmarsches wurden, manches hören. Viele wandten sich ab mit den Worten: Dieses „Affentheater" kann man nicht mit ansehen. Nichter für Hindenburg. Der Republikanische Richterbund erklärt: Wählt Hindenburg! Nur seine Wahl gewährleistet die Aufrechterhaltung von Verfassung und Recht. Der Reichsoorstand des Repudlikanischen Richterbundes: Freymuth, Senatspräsident: Großmaiui, Reichs- nerichtsrat; Günther, Ministerialdirektor; Kämpffe, Karo, Land- gerichtsräte; Kroner, Oberverwaltungsgerichtsrat; May, Oberstaats- anmalt; Weiland, Amtsgerichtsdirektor. Philippinen in 8 Jahren selbständig? Mit 306 gegen 47 Stim- men Nahm das Repräsentantenhaus ein Gesetz an, nach dem die Philippinen nach Ablauf von 8 Iahren ihre Unabhängigkeit er- halten sollen. Der Entwurf geht nunmehr dem Senat zu. Es ist zu erwarten, daß Präsident Hoooer das Veto gegen das Gesetz einlegen wird. Schah von Persien geht leer aus. Seine»Beleidiger" freigesprochen. Die Gerichtsgroteske, die sich durch Willen Seiner Majestät des Schah von P ersten Riza Chan, in Moabit abgespielt Hot, nahm für ihn ein wenig rühmliches Ende: Seine„Beleidiger" wurden nach sehr kurzer Beratung sämtlich sreigesprvchsn. Die inkriminierten Artikel, hieß es in der ösfentlichen Urteilsbegründung, enthielten keine Beleidigungen, sondern nur kritische Aeußerungen, die innerhalb des Rahmens des Zulässigen lagen. Die einzelnen Ausdrücke, die dem Schah aus die Nieren ge- gangen sind, dürfen nicht wiedergegeben werden. Das der Presse auferlegte Schweigegebot ist zwingend. Auch sollen kein« neuen „diplomatischen Verwicklungen" herbeigeführt werden. Soviel wurde aber in den Couloiren des Gerichts bekannt: diese Ausdrück« waren nicht schlimmer als sie auch sonst von der deutschen Presse verschiedenen europäischen Diktatoren gegenüber gebraucht werden. Der Schah von Persien hatte aber Strasantrag gestellt: die Staats- gewalt erachtete den§ 103, der eine Strasversolgung bei verbürgter Gegenseitigkeit vorsieht, sür gegeben: so kam es zur gestrigen Gerichtsgroteske. Ist aber überhaupt nach dem persischen Strafgesetzbuch die Gegenseitigkeit bei einer ähnlichen Beleidigung des deutschen Staatsoberhauptes in Persien gegeben? Das war die Frag«, um die sich, wie aus der Urteilsbegründung zu ersehen war, in der nicht öffentlichen Gerichtsverhandlung hauptsächlich der Streit gedreht haben muß. Das alle persische Strafgesetz vom Jahre 1908 bedroht mit Strafe die Beleidigung sowohl persischer, als auch aus- wärtiger„Sultane". Das Pressegesetz von 1926 bedroht mit Strafe die Beleidigung des persischen„Staatsoberhauptes". Erst am 11. Mai 1931, nach Erscheinen des fünften inkrimmierten Artikels der Berliner persischen Zeitung„Pejkar" wurde in Persien ein neues Strafgesetz angenommen, nach dem auch die Beleidigung auswärtiger Staatsoberhäupter mit Strafe belegt wird. Di« Urteilsbegründung sagte demgemäß: Wegen des Inhalts der ersten fünf Artikel konnten die Angeklagten nicht bestrast weichen, weil das persische Strafgesetz bis zum 11. Mai 1931 überhaupt leine Gegenseitigkeit verbürgte. Daß das deutsch« Staatsoberhaupt kein „Sultan" ist, besagt der einfache Menschenverstand. Um das zu wissen, braucht« man keine Sachverständigengutachten. Wer selbst der vom Staatsanwalt aus dem Auswärtigen Amt herangeholte Sachoersländig« ließ nicht ohne Ironie durchblicken, daß der im persischen Strafgesetz erwähnte„Sultan" nicht identisch ist mit dem Präsidenten der deutschen Republik. Di« beiden Redakteure der deutschen Zeitungen muhten freigesprochen werden, weil ihre Artikel vor dem 11. Mai 1931 erschienen sind. Die Angeklagten Wehner und Wolf waren nur wegen pressegosetzlicher Uebertretungen zu 60 M., sür die im Nichtbeitreibungsfalle sechs Tag« Hast treten, zu verurteilen, weil sie in den ersten beiden Nummern nicht den Per- leger angegeben hatten. Landgerichtsdirektor Steinhaus zog für fein« Person in aller Oesfentlichtert folgenden Schluß aus der Verhandlung: Ich glaube nicht zu optimistisch zu urteilen, wenn ich sage, daß diese Angelegenheit hiermit wohl ihre endgültige Erledigung gesunden hat... Riza Chan war schlecht beraten, das Auswärtige Amt nicht minder. Der Leidtragende in der ganzen Sache ist die deutsch« Justiz. Man täte übrigens gut, die Ausweisung des Diplom- inaenieurs Alavi aus Preußen rückgängig zu machen. Balkonszene im Lustgarten. Ein pfeiskonzert und sein Presseecho. Der Polizeipräsident von Berlin pflegt bei Veranstaltungen im Lustgarten, gleichviel von welcher Seite sie ausgehen, einen hoch- gelegenen Balkon des Schlosies auszusuchen, um von dort aus die Ausführung seiner Anordnungen zu überwachen. Als er dies auch gestern, bei der Hiller-Dersammlung tat, wurde er von einem wüsten Pfeifkonzert empfangen. Bei dem gegenwärttgen Stande der politischen Manieren wäre ein solcher Vorgang an sich kaum besonders auffällig. Wenn aber ein Blatt wie die„Deutsche Allgemeine Zeitung", das sonst stets den Bornehmen zu markieren liebt, den Polizeipräsidenten jetzt aus diesem Anlaß angreift, so verdient das doch registriert zu werden, Man stelle sich einmal vor. ein rechts st ehender Polizeipräsident hätte eine sozialdemokratische Demonstration genehmigt und wäre dann bei der Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit von den Temon- stranten mit Pfeifen und Johlen aufgenommen worden— was würde wohl die Rechtspresse zu einem solchen Porgong gesagt haben? Hätte man dann auch in der„DAZ." gelesen, daß das Erscheinen des Chefs der Polizei eine„peinliche Demonstration" gewesen sei? Was soll man von einem Blatt halten, das gegen den Vertreter der staatlichen Ordnung, der weiter nichts als seine Pflicht tut, für johlende Straßenjungen Partei ergreist? Salaban kommi nach Wittenau. Auf Veranlassung des Berteidlgers des Falschmünzers Dr. S a l a b a n, Rechtsanwalt Dr. Julius Meyer l, hatte Ober- medizinalrat Prosessor Dr. Hommerich ein psychiatrisches Gutachten erstattet, nach dem Dr. S a l a b a n unzurechnungssählg sein soll und der z 51 Anwendung finden müsse. Die erst« Strafkammer des Landgerichts II hat nunmehr als Eröffnungskammer einem Antrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben und beschlossen, daß Dr. Sola- ban in der Hellanstalt Berlin-Wittenau für längere Zeit interniert und dort auf seinen Geisteszustand untersucht werden soll. Die Ueber- führung Dr. Salabans von dem Untersuchungsgefängnis Moabit nach Wittenau dürfte in den nächsten Tagen erfolgen. Sollte auch dort das Vorliegen des§ 51 bestätigt werden, so ergibt sich die juristisch interessante Frage, ob Frau Salaban überhaupt wegen Beihilfe zum Münzoerbrechen angeklagt werden kann, Sie dürft- sich dann lediglich wegen des Vertriebs von Falschgeld zu verant- warten haben, während der Haupttäter selbst strasfrei ausgehen würde. Dr. Salaban ist bekanntlich schon einmal in 5iamburg aus Grund des Z 51 in einem Betrugsverfahren außer Verfolgung gesetzt worden, Ezsrnin gestorben. Oer Außenminister Oesterreich-llngarns im Weltkriege. Wien. S. April. Der frühere österreichisch-ungarische Außenminister Graf Oitokar Ezeroin ist letzte Rächt in seiner wiener Wohnung im 60. Lebensjahre einem Herzschlag erlegen. l�uhrverhandlungen gescheitert. Tie hcwte im Reichsarbeitsministerium geführten Rachverhandluugen für den Ruhrbergban sind ergebnis- Ini geblieben. Die Entscheidung liegt nnnmehr beim Reichsarbettsmtnister. Wilhelm In Grohbothen bei Leipzig ist. wie bereits gemeldet wurde, in der Nacht zum Mcrnag der Naturwissenschaftler und Philosoph Wilhelm Ostwald, der Begründer der„Energetischen Weltanschauung" im 79. Lebensjahre gestorben. „Ostwald ist ein„Rigisch-Kind", auf das seine Vaterstadt schon jetzt nach seinen wissenschaftlichen Erfolgen stolz sein kann, und bo- rechtigt zu den kühnsten Erwartungen, wenn ihm ein entsprechender Wirkungskreis eröffnet wird. Ostwald ist aus der Chnosp-Kombi- Nation geschaffen, der die Bunsen, Helmholtz, Kirchhofs entstammen. Setzen Sie ihn ins richtige Fahrwasser, und der Erfolg wird emi- nent sein" Mit diesen Worten empfahl Profesior C. Schmidt, der Dor- pater Ch'emiker, seinen Schüler und damaligen Laboratoriums- asiistenten Wilhelm Ostwald dem Direktor des baltischen Polytechni- kums in Riga, als im Jahre 1881 Ostwalds Berufung als P.o- fessor der Chemie an das Polytechnikum in Riga in Frage kam, Das„Rigisch-Kind" hat die hohen Erwartungen, die sein Dorpater Lehrer an seine Entwicklung knüpfte, nicht Lügen gestraft, und die große geistige Fülle, die Ostwald im Laufe seines Lebens aus- gebreitet hat, darf man gut und gern als„eminenten Erfolg" an- sprechen Der„Nobelpreis für Chemie" den Wilhelm Ostwald im Jahre 1909 erhielt, war die wohlverdiente Anerkennung für die Weltbedeutung der gewaltigen wissenschaftlichen Arbeit des Chemi- kers und gewissermaßen die internationale Bestätigung seines Welt- ruhms. Weiteren Kreisen gilt Ostwald freilich vor allem als der kampffreudige Verfechter und Führer des Monismus und als Schöpfer der Energetik, der Lehre von der Energie und ihren Wandlungen. Hier baute Ostwald auf der festen Grundlage seiner naturwissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen Forschungen seine philosophische Gesamtauffassung aus und faßte diese in dem Energieprinzip zusammen. Im Mittelpunkt dieses Prinzips steht die imperative Forderung:„Vergeude keine Energie, sondern verwerte sie." Aus dieser Synthese zwischen dem naturwisienschaftlichen und philosophischen Wissen unserer Zeit ent- wickelte sich folgerichtig auch Ostwalds weiteres Eingehen auf die verschiedensten Lebensgebiete und Lebensprobleme: seine Bemühun- gen um eine Weltsprache und seine auf die internationale Organisation der geistigen Arbeit abzielenden Bestrebungen. Was nun fein eigenttiches Spezialfach, die Chemie, anbetrifft, so macht man sich kaum einer Uebertreibung schuldig, wenn man behauptet, daß erst seit dem Erscheinen von Ostwalds„Lehrbuch der allgemeinen Chemie" die physikalische Chemie als ein einheitliches, festgefügtes Lehrgebäude besteht, das der jungen Wissenschaft ein sicheres Heim und den Boden für ein gedeihliches Weiterarbeiten schuf. Dem jungen baltischen Professor am Rigaer Polytechnikum war es allein zu danken, daß der Blick der Fach- genossen ssch nicht mehr wie bisher ausschließlich den einzelnen chemischen Stoffen, sondern ihren Gesetzmäßigkeiten zuwandte. Bei dieser grundlegenden Arbeit, die den Boden für die neuen An- schauungen über die freien Jonen vorbereitete, fand Ostwald in van t'Hoff und Svante Arrhenius komgeniale geistesverwandte Mit- arbeiter. Wilhelm Ostwald, der am 2. September 1853 in Riga geboren wurde, ist eigenllich auf ganz ungesetzlichem Wege Chemiker ge- Ein toller Zensursireich. Eislers„Bauernrevolution" verboten? Ein überaus würdiges Gegenstück zum Verbot des Arbeiter- fllms„Kuhle Wampe" ist zu berichten: Die Polizei erschien dieser Tage in den Räumen der Universal-Edstion in Leipzig und beschlag- nahmte— in Aueführung einer Verordnung, die gemäß§ 2 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 10. August 1931 von Berlin aus erlassen worden war— das gesamte Roten- Material der Kompositionen O p. 1 4 und O p, 2 1 R r. 2 von Hans Eisler, weil ihr I n h a l t die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu stören geeignet sei. Man greift sich an den Kopf, wenn man das liest— und wenn man die Werke kennt, die plötzlich „lebenswichtige Interessen" des Staates bedrohen sollen, nachdem sie jahrelang von Tausenden, von Zehntausenden gesungen und an- gehört worden waren! Eislers Op. 24 enthält nämlich die„Kurze Anfrage" sowie die„B a u e r n r e v o l u t i o n", zwei Chöre, die im Jahre 1929 bei einem Festkonzert der Jnternatio- nalen Gesellschaft sür neue Musik in der Sing- a k a d e m i e seiner rein bürgerlichen Veranstastung also) vor einem Parkett berühmter Dirigenten und Komponisten aus aller Herren Länder(wie Strawinski, Milhaud usw.) als„neue Arbeitermusik" aufgeführt wurden und nicht etwa Anstoß, sondern Begeisterung erregten: die ferner am Leipziger Parteitag der deut- schen Sozialdemokratie erklangen, die zahllose Mitglieds- vereine des Arbeitersängerbundes öffentlich gesungen haben! Chöre, die allerdings eine Richtung neuer Arbeitermufik repräsentieren, gegen deren Verbot wir uns aus allen Kräften wehren werden! Der Verlag des Arbeitersängerbundes hat Chöre Eislers herausgebracht (sie gehören zu seinem meistgesungenen Material), die jeden Augen- blick mit demselben Recht und Unrecht verboten werden könnten wie die„Bauernrevolution". Wäre die Angelegenheit nicht symptomatisch und zutiefst tragisch, ihrer Hintergründe wegen— sie wäre zum Lachen: denn der Text der„Bauernrevolution" stammt aus dem Jahre des Heils 1525, und nun, nachdem er 407 lange Jahre überdauert hat, beginnt er plötzlich lebendig und gefährlich, unsittlich und vernichtungsreif zu werden?„Drauf und dran, setzt aufs Klosterdach den roten Hahn"— das ist(nach dem Wortlaut der Verordnung!) heutzutage geeignet, die öffentliche Ruhe zu stören? Wir sind weit davon entfernt, uns hinter der Ausrede zu ver- stecken, hier handle es sich um dem Alltag entrückte Kunst, Im Gegentell: hier handelt es sich um Werke, die für die ganze moderne Arbeitermusik charakteristisch sind, hier handelt es sich um einen Vorstoß gegen die Arbeitermusik überhaupt, die ja niemals der Ansicht sein konnte, ein politisch Lied sei ein.häßlich Lied: gegen die Arbeitermusik, die das„W ir wollen mit Tyrannen raufen" auch heute noch auf ihre Fahnen geschrieben hat. Wir können freilich keine Militärmärsche spielen und uns am Fridcrlcus Rex ergötzen, den wir sür den Geist der deutschen Republik ent- gegengesetzter halten als jenes prachtvolle Lied von„des Geyers schwarzem Hausen", der vor 400 Jahren für Recht und Freiheit aller verblutete. Tausendmal eher müßten die Parademärsche der Monarchie verboten werden, die heute Symbol des Faschismus geworden sind: die Parademärsche, mit denen wir„herrlichen Zeiten" entgegengeführt werden sollen— wenn wir es uns werden aefallen lassen, Hans Tehmer, der bisberige Dramaturg und Leiter der Pressestelle an der S l ä d t i s ch e n Over bai einen Ruf an die Rundsunkzeilschrift „Die Sendung" erhalten und im Einvernehmen mit dem Jniendanleu ttitgcttdtttttittt- Ostwald worden: denn nach Cilhard Milscherlich ist gewöhnlich in dem,„der sich zu früh, und zwar vor dem 16. Jahr, nur spielend mit der Chemie beschäftigte, später das Interesse für die Wissenschaft er- starben, und er wird nie ein Chemiker werden". Ostwald hat sich ober schon wohl früh und weit vor dem 16, Lebensjahr der Chemie verschrieben: ja, den Naturwissenschaften gehörte das Herz des Knaben sozusagen von den ersten Gehversuchen an. Nach voll- endetem Studium in Dorpat trat er 1875 als Assistent in das Physi- kalische Institut der Universität ein, an der er sich 1877 als Privat- dozent habilitierte, um 1881 dem Ruf als Professor an das Polytech- ttikurn seiner Vaterstadt zu folgen. Schon in Dorpat hatte er sich durch zahlreiche experimentelle Arbeiten über die elektrische Leit- fähigkeit organischer Säuren und den Parallelismus zwischen Leit- fähigkeit und chemischer Reaktionsfähigkeit, vor allem aber durch sein zweibändiges„Lehrbuch der allgemeinen Chemie" einen Namen gemacht. Auf Grund seiner Aufsehen erregenden Leistungen wurde er 1887 als Professor für physikalische Chemie nach Leipzig be- rufen. Hier entfaltete er als Lehrer und Experimentator eine von ungewöhnlichen Erfolgen begleitete Tätigkeit, deren Ergebnisse die von Ostwald und van t'Hoff begründete„Zeitschrift für physikalische Chemie" den Fachgenossen vermittelte. Nach- dem Ostwald als erster deutscher Austauschprofessor im Jahre 1905 nach Amerika gegangen war und ein Semester an der Havard- Universität Vorlesungen gehalten hatte, trat er nach seiner Rückkehr 1906 von seinem Leipziger Lehramt zurück, um sich mit unvermin- derter Arbeitsfreudigkeit neuen Wegen zuzuwenden, die ihn über die Thermosynamik zur Energetik führten. 1911 wurde Ostwald Bor- sitzender des Deutschen Monistenbundes und war für die Aus- breitung seiner Lehre und Anschauungen unermüdlich tätig, für die er in dem Werk„Das Christentum als Vorstufe zum Monismus" und in den„monistischen Sonntagspredigten" Freunde zu werbe« suchte. Kurz vor dem Weltkrieg nahm Ostwald auf Goethes Spuren, aber mit allen Kenntnissen moderner Wissenschaft ausgerüstet, die Grundlegung der Wissenschaft von der Farbe vor, und auf diesem Gebiet, das der Menschhest ein ganz neues Weltgefühl erschließen soll, schaffte er bis zu seinem Tode fort.„Die Farben- fibel",„Die Farbenlehre",„Die Harmonie der Farben",„Die Färb- schule",„Farbkunde" folgten rasch einander. Ostwald schuf auch die Farbtafeln, in der jeder Farbton mit einer Nummer bezeichnet wird und mit deren Hilfe rasch jede Nuance festgestellt werden kann. Ostwald hat auch die Natur und die Arten der Naturforscher zum Gegenstand eingehender Untersuchung gemacht. Seine „Großen Männer haben die Unterscheidung zwischen dem klassischen und romantischen Typ eingeführt. Er selbst war in seiner Vielseitigkeit, in der glücklichen Mischung theoretischer und praktisch- organisatorischer Veranlagung und seiner zu immer neuen Zielen ausholenden Unermüdlichkeit das Muster des strebenden Forschers, der durch die Arbeit am Fortschritt der Menschheit diente. Zum Tode Wilhelm Ostwalds spricht Prosessor Walter N e r n st heute abend um 6.55 Uhr in der Vortragsreihe als Stimme zum Tag. Hans Waßmann gestorben. In der letzten Nacht starb plötzlich Hans Waßmann, vom Schlag- fluß gettofsen. Die Nachricht bewegt alle Theaterfreunde tief. Waß- mann war ein großer Künstler, einer von den stillen Komikern, der privat zurückgezogen und ernst lebte, und sähig war, im Theater Lachstürme zu provozieren. Seine Kunst arbeitete stets mit ganz geringen Mitteln. Scheinbar griff er nur nebenbei in irgendeine Komödienhandlung ein, aber ihm gehörte oft die wichtigste Ausgabe: er sollte die Gegenseite zu dem allzu üppig stolzierenden Daseins- ernst zeigen. Man erinnert sich an Waßmanns größte Leistungen, die aller- dings schon über 20 Jahre zurückliegen. Damals spielte er den verlumpten Baron im Gorkischen„Nachtasyl", ein Sinnbild und Zerrbild der grotesken Schwermut. Waßmanns Shakespeare-Narren waren unübertrefflich. Spielte er in„Kabale und Liebe" den Mar- schall von Kalb, dann zeigte er alle Aufgeblasenheit einer lächer- lichen und entarteten Zeit. Die letzten Jahre verlangten derbere und aussälligere Komiker, laute Schreier, keine raffinierten Charakteristiker. Waßmann ver- suchte sich auch in diesem polternden Genre, in der groben Posse. Er mußte, einstmals eine Zierde des Deutschen Theaters, an kleineren Bühnen Unterkunst suchen. Wohl fühlte er sich niemals bei diesem etwas traurigen Broterwerb für die Seinigen. Wieder bestätigte sich die Wahrnchmung, daß die besten Komiker eigentlich von Natur einsame Menschen sind. Noch zuletzt hörte man die merkwürdige, gebrochen knurrende Stimme Waßmanns, als er im Großen Schau- spielhaus einen Altberliner Droschkenkutscher spielte. Es war nicht mehr der erfolggewohnte Künstler, der dort auftrat. Ein schon kränkelnder Mann war bemüht, das Letzt« aus sich herauszuholen. Der Künstler, der Tausende und aber Tausende fröhlich gemacht hatte, starb in Sorgen um das Los der Seinigen, die er treulich beschützte. Er hatte Grund, auch in Verbitterung zu sterben. H. Eine amerikanische Gedachinisausstellung. Der amerikanische Klub in Berlin hat im Ritz- Zimmer des Hotels Esplanade eine Ausstellung zur Erinne- rung an den amerikanischen Befreiungskrieg arrangiert. Sie soll bis zum Herbst geöffnet bleiben und wird wohl noch weiter ausgestaltet. Vorderhand zeigt sie 24 deutsche Zeitungsblätter, in denen der ganze Verlaus des Kampfes nachgelesen werden kann. Es sind die„L e y p z i g e r Z e i t u n g e n", deren Ouartseiten hier ousliegen. Diese Zeitung ist gewählt worden, weil es eine der besten politischen Zeitungen im damaligen Deutschland war und weil sie sehr ausführlich über die amerikanischen Vorgänge berichtete. Man kann aus diesen Blättern nachlesen— sie liegen unter Glas—. wie im Jahre 1774 die Bewegung ihren Anfang nahm, wie man die Teeschiffe versenkte, man kann den Ausstieg Washingtons ver- folgen und seine dramatischen Schicksale, Einmal heißt es sogar, er sei getötet. Die Zeitung läßt bei aller Unparteilichkeit der Nach- richten doch hindurchblicken, wie ihre Sympathie aus feiten der Rebellen ist. In diesen oergilbten Blättern treten die großen Er- eignisse der Zeit lebhaft vor unsere Augen. Der Pariser Friede bringt die Unabhängigkeit der demokratisch regierten Amerikaner. Die Begründung der Union mit ihrem ersten Präsidenten Washing- ton wird mitgeteilt, die letzte Nachricht meldet den Tod Washingtons. Auf einer farbigen Tafel wird die Entstehungsgeschichte der amerikanischen Flagge dargestellt. Abbildungen inter- essanter Regimentssahnsn sind wiedergegeben. Sehr häusig kehrt auf ihnen als Symbol der amerikanischen Freiheit die Klapper- schlänge wieder mit der Inschrift:„Tritt nicht aus mich!" Furcht vor Arbeitsbeschaffung? Oer dumme August gegen den Krisenkongreß. Der KPD. gefällt es nicht, daß der ADGB. einen außerordent- lichen Gewerkschaftskongreß einberuft, um die öffentliche Arbeits- befchaffung in Fluß zu bringen. Und zwar erstens deshalb nicht, weil es der ADGB., der Bund der freien Gewerkschaften ist, der durch diesen Kongreß seine praktische Tätigkeit zur Milderung der Arebitslosigkeit und damit zur Verminderung der Not der Arbeits- losen zum Ausdruck bringt, zweitens aber, weil die KPD. diesen Kongreß werde sabotieren, noch„sichren" und ihr Agitationsbedürf- nis dort nicht befriedigen kann. Die„Komiker" wissen, daß zu diesem Kongreß keine neuen De- legierten gewählt werden, sondern die zu dem Frankfurter Gewerk- schaftskongreß vor acht Monaten gewählten Delegierten zu dem außerordentlichen Kongreß noch einmal zusammentreten. Das hin- dcrt die KPD. nicht im geringsten, neben ihren Anstrengungen- in ihrer Presse und in den Betrieben zur Verdächtigung und cherab- setzung des Kongresses auch die Parole auszugeben, besondere Dele- gierte zu wählen.„Organisiert die Wahl der Delegierten durch die Mitgliedcrmassen!"— schreit die„Rote Fahne", trotzdem die gewerkschasts feindliche KPD. hier nichts zu„or- ganisieren" hat. Dem Betriebsratsvorsitzenden der AEG.-Treptow wird beispiels- weise unterstellt, daß er mit dem Bewußtsein zu dem Kongreß als Delegierter gehe,„daß dieser Kongreß keine Arbeit für die Erwerbs- losen schaffen wird, sondern nur den Mitgliedern und indifferenten Arbeitern Sand in die Augen streuen soll". Das zeigt, daß es den Thälmännern um eine sachliche Erörte- rung der Dinge nicht zu tun ist. Da der Gewerkschaftskongreß aber kein Zirkus ist, sind alle Clowns dabei überflüssig. Verschärfung der Weltwirffchastskrise. Bericht von Albert Thomas. Gens, S. April. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, weist in seinem Hauptbericht für die am 12. April zu- sammentretende Internationale Arbeitskonferenz an Hand ein- gehenden statistischen Materials auf die außerordentliche Verschärfung der Weltwirtschaftskrise in den letzten Monaten hin. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen wird für Ende lSZI mit 20 bis 25 Millionen geschäht: insgesamt seien gegenwärtig 60 bis 70 Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Ein Beweis für die Verschärfung der Wirtschaftskrise sei die Entwicklung der Großhandelspreise in den Hauptindustriestaaten. Der Rückgang des internationalen Handels wird in dem Bericht für 48 Staaten auf 63 Milliarden Goldfranken gegen- über 1929 berechnet. Ferner wird auf den außerordentlichen Rück- gang des nationalen Einkommens in einzelnen Län- dern hingewiesen. In den Vereinigten Staaten sei danach das nationale Einkommen im Jahre 1931 um 32 Proz. gegenüber 1929 zurückgegangen. Das naklonale Einkommen des deutschen Volkes wird auf 50 bis 60 Milliarden Mark im Jahre 1931 gegenüber 76 Milliarden Mark im Jahre 1929 geschäht. Thomas untersucht dann die Ursachen der Verschärfung der Weltwirtschaftskrise und hebt dabei hervor, daß die Regierungen infolge der Krise gezwungen worden seien, rücksichtslos Handels- politische Maßnahmen zu ergreifen. Ferner hätten die p o l i- tischen Unruhen des letzten Jahres wesentlich zur Ver- schärfung der Krise beigetragen. Die Wiederherstellung des internationalen Vertrauens sei von allergrößter Wichtigkeit. Oer Streik in Ikordwestböhmen. Nachwirkung der Massenkündigungen. Brüx, 5. April. Nachdem die Massenkündigungen durch das Eingreifen der Re- gierung unwirksam gemacht wurden und damit die Ursache des Streiks gegenstandslos geworden ist, war mit der Beendigung des Streiks zu rechnen. Allein die Arbeiter trauten dem Frieden nicht und befolgten die Losung, im Streik zu verharren. Zu heute ist eine Versammlung der Streikenden aus dem ganzen Kohlengebiet hier einberufen, wobei mit einer Teilnahme von 29 999 bis 39 999 Menschen gerechnet wird. Das Brüxcr Handelsgremium und der Bezirksverband der Gc- nossenschaften fordern in einer Kundgebung alle Kaufleute und Ge- werbetreibende auf, diese große Bergarbeiterkundgebung durch eine allgemeine Schließung der Läden zu einer Demonstration der Bevölkerung gegen den unerträglichen Grad, den Wirt- schaflskrise und Zlrbeitslosigkeit in diesem Gebiet der Bepublik erreicht haben, zu erweitern. Es wurden umfassende Sicherheitsmah- nahmen getroffen. Rundfunk am Abend Dienstag, 5. April. Berlin. 16.05 Das neue evangelische Choralbuch. Pfarrer Bachmann. 16.30 In einer amerikanischen Arbeiter-Hochschule(Gerhard Krebs). 16.50 Bücher über Politik und Parteiwesen.(Am Mikrophon: Graf H. Keßler.) 17.20 Unterhaltungsmusik. 17.45 Dr. Richard Lohmann; Das Problem Groß-Bcrlin. 18.10 Aus„Für eine schöne Frau..." von Günther Bibo und Oscar Felix. (Nach einem Lustspiel von Leo Lenz.) Musik von Walter W. Götze, 18.50 Die Funkstunde teilt mit... 18.55 Stimme zum Tag. 22.00„Die Stadt der Spione", von Karl Strecker.(Sprecher; Max Bing.) 22.25 Wetter, Nachrichten und Sport. Königswusterhausen. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 D. v. Mikusch-Buchberg; Pioniere und Abenteurer der Wirtschaft. 18.00 Mersmann: Wir bauen Melodien. 18,25 Prof. Dr. Schaeder: Die Religionen des Orients und das Abendland. 18.50 Englisch für Fortgeschrittene. 19.05- Reichssendung: Wien: Aus dem Großen Musik-Vercinssaal:„Die Schöpfung", von Joseph Haydn. Dir.: Robert Heger. 22.00 Kurd Kißhauer: Bei den Astronomen in Neubabelsberg. 3>onaubwidpläne und 3)onauflaalen Die Donaubundpläne Frankreichs haben erneut die Aufmerk- famkeit auf die Donaustaaten und ihre wirtschaftlich und politisch unhaltbare Lage gelenkt. Die Friedensschlüsse haben hier völlig lebensunfähige, die europäische Politik nur belastende Staaisgebilde geschaffen, denn die sog.„Nachfolgestaaten" Oesterreich-Ungarns sind nicht einfach selbständig gewordene Glieder der früheren Monarchie, sondern Staaten, denen die wirtschaftliche Basis für ihre Existenz weitgehend fehlt. Die Folge der damaligen Fehler sind ständig wiederkehrende Konferenzen, Pläne und Geldopfer zu ihrer Ueber- Windung. Wie sehr der weite Raum zu beiden Seiten der Donau in unorganische Staaten zerfällt, zeigen die ausgezeichneten landes- kundlichen Abhandlungen über Südost- und Osteuropa im„Hand- buch der Geographischen Wissenschaft"(herausgegeben von Professor Dr. Fritz K l u t e, Akademische Verlagsanstalt Athenaio», Potsdam, Subskriptionsoerlag 2,49 M. pro Lieferung). Die vorliegenden Lieferungen(39— 34) behandeln Ungarn(Prof. Prinz-Fünskirchen), Rumänien(Prof. Wachner-Kronstadt und Bulgarien(Prof. Burchard-Mllnster). Besonders zu erwähnen ist neben der bereits mehrfach hervorgehobenen photographischen und kartographischen Ausstattung des Handbuches die gute wirtschaftlich- und politisch?geographische Betrachtung der behandelten Räume. Das letzte Lob kann man leider nicht auf die Darstellung der Türkei(Dr. Ulrich Frey-München, Heft 1 und 2 von„Vorder- und Südasien")ausdehnen, im Gegenteil! So gut die naturwissen- schaftlich-geographische Behandlung des türkischen Raumes ist, so sehr läßt die Behandlung des Staates und der Wirtschast zu wünschen übrig. Der Abschnitt„Der türkische Staat"(S. 38 sg.) würde als Sammlung von Heldenanekdoten des„siegreichen Dit- tators" dem„Lokal-Anzeiger" Freude bereiten, hat aber mit Wissen- schaft nichts zu tun. Auch der Abschnitt„Wirtschafts- und Verkehrs- geographische Zusammenfassung"(S. 57) enttäuscht, zumal vorher kaum Wesentliches über Wirtschaft gesagt ist. Es ist zwar heute noch nicht Allgemcinforderung, daß tüchtige Geographen zugleich auch tüchtige W i r t f ch a f t s geogrophen sein müssen, ein Versagen auf diesem Gebiet ist also trotz guter geo- graphischer Leistungen verständlich. Aber in solchen Fällen sollten physikalisch-geographische Schriftsteller konsequent die Feder aus der Hand legen, wenn von Staat und Wirtschaft zu schreiben ist. Es ist verdienstvoller, diese Abschnitte einen Sachverständigen schreiben zu lassen, als seine eigene Landschastskunde und das ausgezeichnete Handbuch mit schlechten wirtschaftsgeographischcn Abschnitten zu belasten. Wilhelm Tietgens. Wetter für Berlin. Kühler und wechselnd bewölkt mit wieder- holten Regenschauern.— Für Deutschland. Weiteres Fortschreiten der Abkühlung nach Osten Jn> Norden und Osten noch Regen- schauer, im Süden und Westen Besserung. Verantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Glode. Berlin Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer Co., Berlin SW 66. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 5. bis 7. April PROGRAMM für die Zeit vom S, bis 7. April Potsdamer Straße 38 �(amscll Kitouche mit Anny Ondra.— Das verlorene Paradies mit Ida Wüst, Otto Wallburg:. W. 5. 7. 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 Zwei Groß-Tonfilme; Durchlaucht amüsiert sich mit lä�n Deyers. C». Alexander.— Dir Firma heiratet mit Charlotte Ander, R. A. Roberts. W. 5. 7, 9 Uhr Turmstraße 12 Stürme der Leidenschaft mit Emil.Linnings. Anna Sten.— Das reichhaltige Ton-Kabarett Nr. 6 mit Maria Ney, Max Ehrlich, Eugenia BiikoIa|cwe W. 5, 7. 9 Uhr Welt-Kinn. Woch. 6 45, 9.05 u. rf eil Ix l HU Sonntags ab 4.45 Uhr Alt-Moabit 99. Großtonfilm: XachtkoSonne mit Oskar llomolka, Offa Tsche- chowa.— Gntes Tonbeiprogr. A rf-nohnf Wochent. ab 6 Uhr **llUvHui Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 Zwei Großtonfilme: Jlein Freund, der Millionär mit II Thimiff. — Prlmanerehre(Boykott) mit Theodor Loos.— Tonwoche Kant-Lichtspiele Kantstr 54(aa der Wilmersdorfer Str.) Eine Nacht im Paradies mit Anny Ondra, Herrn. Thimig W. 5. 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage) Verlängert Viktoria und ihr Husar mit Friede! Schuster Michael Bohnen und Fräulein, falsch verbunden! mit Magdi. Schneider, Joh. Riemann Den ganzen Tag geöffnet! ■ testen» Primas-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Uraufführung des Tonfilms Der Fcldherrnhügsel von Roda Roda u. C. Rössler mit Elgra Brink, Betty Byrd, Ivan Pctrovich Jugendliche haben Zutritt W. 5.15, 7.15. 9.15 Charlottenhurg, Wilmersdorfer Str 53/54 Zwei in einem Auto mit Magrda Schneider, KarlLucw ig Bichl W. 5. 7. 9 Uhr U Unter den iinden p Die Kamera u/dc�u Täglich 3, 5. 7. 9 Uhr Verlängert! Bas Ende von St. Petersburg:. Moskau, wie es weint 11. lacht Franziskaner»auh%kin°orm Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) Zwei lustige Tonfilme 9. 12, 3. 6, 0 Uhr Schön ist die Manöverzeit mit Grell Theim r Paul Heidemann 11. a. 16.30. 1.30. 4.30. 7.30, 10.30 Uhr Ein Auto und kein Geld mit Bina Gralla Neueste Ton-Bild-Reportage Germania-Palast Schlüter-Theater u. Schlüterstr. 17. S. 3 U.: Jgd.-Vorst. Königin Luise mit Uenny Porten.— Gutes Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt Atrium Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Wochent. 7. 9� U. Sonnt. 5, 7. 9% U. Uraufführung: Sergeant X. mit Iwan Mosjukin, Trudc von Molo, Peter Voß Hermann Blaß. Regie W. Strijewski.— Tonfilmbeiprogramm W Schöneberg D Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Gr. Tonoperette: Zwei Herzen u ein Schlag mit Lilian Harvey — Gutes Tonbeiprogramm A Iham b ra Z™*: sSVÄ Hauptstr. 30.— Variete, Tonfilm 2 Schlager: Viktoria und ihr Husar mit Michael Bohnen, Friede! Schuster.— Die lustigen Musikanten mi> Fritz Karapers.— Beip ogramm- Bühne: Berta Patcal, Antipodin Kronen-Lichtspiele Rheinstraße 65. W. 7, 9 Uhr. Sbd., Stg. 6, 7. 9 Uhr Drei von der Stempelstelle mit Fritz Kampers, Evelyn Holt. P. Kemp.— Goethe(Sein Werdegang).— Jugendliche haben Zutritt 7a Ii Beginn tägl. 5, 7, 9 Uhr Zrclc stg 3 Uhr Jugendvorsteil. Potsdamer Str. 50 Der Strohwitwer mit Maria Paudler, Fritz Kampers.— Gutes Beiprogramm 1«tegl.t» W Titania-Palast Steglitz. Schloßsir. 5. EckeGutsmuthsstr. Einmal möcht Ich keine Sorgen haben mit Max Hansen, Ursula Grabley, Adele Sandrock, Fr. Grünbaum.— Gutes Tonfilmbeipr.— Jugendl. Zutritt W Mariendorf W Ms. f: Marlendorfer W. ab 6 ü. IftCL'Ll Tonlichtspiele So. ab 5 ü. Chausseesir. 305. Der Frauendiplomat mit Max Hansen.— Goethe- Gedenk Film, beide Teile Kur für*! w 7- 9 Uhr liUTTUTSl Stg. 5. 7. 9 Uhr Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Sonntag 3 Uhr: Jugendvorstellung Vater �teht auf Reisen mit Hans TVaßmann.— Gutes Tonbeiprogramm 7Vn/» Ii Täglich 5, 7, 9 Uhr 1 IVO II sigs 3 Uhr: Jugendvorsteil Berliner Str. 97. Gr. Tonlustspiel: Drei von der Stempelstelle mit Fritz Kampers, Paul Kemp-— Tonbeipr. > Neukölln 1 Mercedes-Palast s ab® u! Herraannstr. 212 Zwei Tonfilme: Mein Freund, der Millionär mit Herrn Tb in» ig.— Xiemandslund, Busch Primas-Palast u. Am Hermannplatz. Urtanstr 72/76 Mein Freund, der Millionär mit H. Thimig.— Eine Xacht im Grand-Hotel mit Martha Eggertli Kukuk Wochent. 6.30, 9 Uhr Sonnlgs. 3. 5, 7. 9 U. Koltbusser Damm 92 Eine Xacht im Paradies mit Anny Ondra.— Tonbeiprogr. — Bühnenschau.— Jugdl. Zutritt Wocht. 6.30, 9 Uhr LXCelSlOT Sonnt. 3. 5. 7. 9 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Zwei Herzen und ein Schlag mit Ulian Harvey.— Bciprogr. — Bühnenschau Stern, Hermannstraße 49 W. 6.30, 9 Uhr. Sonnt, ab 3.30 Uhr Di© verliebte Firma mit Eien Beyers.— Es wird geheiratet mit Szöke Szakall— Bühnenschau Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W ab 5�. So ab 3� U 2 Tonfilme: Eine Xacht im Paradies mit Anny Ondra.— Das Ende von Maradu • Sfl««en m Theater am Moritzplatz Wo. 6, 8.45 Uhr, Sonnt, ab 4.30 Uhr Der Stol?? der 3. Kompagnie mit H. Rühmann, Kompers.— Wie wohne ich gut u. billig. — Fasse dich kurz. B Südosten W EilmaaU Ara Görlitzer Bahnhof rilmeCR w ab 6'.A. 8tgs. ab 3 Der große Expeditions-Tonfilm Das Ende von Maradu. Ferner der lustige Tonfilm Strohwitwer mit Maria Paudler, Friiz Schulz Flora-Lichtspiele au"? com r W. 5.45, 7, 8.45 Uhr. Sonnt, ab 3 Uhr Zwei Herzen und ein Schlag mit Lilian Harvey.— Das verlorene Paradies Luisen-Theater ZgZL™ Reichen berger Str. 34. Holzapfel weiß alles mit Felix Brcssart Ferner die Ufaton-Operette Es wird schon wieder besser mit Daily Haas, Heinz Rühmann Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast s'L.f.VÄ Köpenicker Straße 12—14 Ben Hur in Tonfassung in der Hauptrolle Ranion Xovarr« Jugendliche haben Zutritt Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68 Beg. 4.45 U. Sonnt. 2.30 U. Jugendv. Drei von der Stempelstelle.— Der unbekannte Gast mit Sz. Szakall Trepto w-Stern wa rte Dienstag, abends 8 Uhr: Tiere sehen Dich an. Der bekannte Tierfilm von Paul Eipper W Baumscnulenweg A Lichtspielhaus Baumschulenweg 78 Der Draufgänger mit Hans Albers. Gerda Maurus.— Reichhaltiges Beiprogr.— Tonwoch© f7/,,Ä* Prenzlauer ffMulyStHltt Allee 56 Woch. 5 Uhr. Stg. 3 Uhr Jug.-Vorst. Die verliebte Firm' mit Fröhlich.— Bühne: Paul Godwin u Orchester.— Emelkatonwochc ■ 0,tan_ 9 Germania-Pa last Frankfurter Allee 314 Der große Film aller Zeilen: Bon Hur in Tonfassung Titelrolle: Rnmon Xavarro Jugendliche haben Zutritt Woch. ab 6.30 Uhr. Sonnt, ab 3 Uhr Luna-Palast 1°™;»bsuhr Gr Frankfurter Str. 121 Tonwoche Ein bißchen Liebe für dich mit Alexander, Thimig, M. Schneider.— Knall und Fall mit Pat und Patachon Schwarzer Adler Mknek» W. 5, 7, ca. 9 Uhr, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Vorck mit Werner Krauß, R. Forster.— Goethe-Film, Werdegang.— Tonbeipr.— Jgdl. Zutritt Viktoria- Theater s�ib au5 Frankfurter Allee 48. X 27 mit Marlene Dietrich.— Geheimni.H seiner Frau mit Emil JiMinings Frankenburg'tühnc Gr. Frankfurter Str. 74 W. 5. 7. 9 U. S. 3 U-: Jugendvorst. Die fremde Mutter mit Marie Dreßler.— Beiprogramm.— Große Bühnenschau Zentrum Z Babylon, am Bülowplatz W. 5 Uhr Stg. 2.30 Uhr: Jug.-V. Zwei. Schlager! Mein Freund, der Millionär mit Hermann Thimig Die Ehe (van de Velde). Sonnabend Nachtvorstellung: Mann, Weib in Afrika W Weu«tichtenberg" B Kosmos-Lichtspiele Lückstr 7C Tägl. 5. ca. 7. 8.45 U. So. 3, 5 ca. 7. 8.45 Uhr 2-Schlager-Progr.: Das Konzert mit Olga Tschechowa. Waller Janssen.— 24 Stunden aus dem Leben einer Frau mit Uenny Porten JPV* Frl.. Sbd., Stg ab 5, IXinO DUvCn sonst Beginn 6 Uhr Alt-Friedrichsfelde 3 Lügen auf Rügen mit Maria Solveg, Roberts. Hörbiger.— Tonbeiprogr.— Tonwoche Norden"b Alhamb ra W. 5. 7, 9 Uhr, Sonnt, 3. 5, 7. 9 Uhr Drei von der Stempelstelle. — Knall und Fall mit Pat und Patachon.— Jugendliche Zutritt Pkarus-Lichtspiele Möllerstr. 112 Täglich 5. 7, 9 U. Tonoperette: Mamsell Nitouche mit Anny Ondra.— Endkampf mit Hoot Gibson.— Tonfilm � Reiniekendorl'Ost(fr Beba-Lichtspiele Residenzsir. 124 W 6.45 u. 8.45 Uhr Stg. 5, 7. 9 Uhr 3 Uhr: Jugendvorst. Kaiserliebchen mit L. Haid, Hörbiger.— Japan, China u. die Mandschurei Palast-Theater Breite Str 21a. W. 7. 8.30 Uhr. Stg. ab 4.30 Uhr 2 Tonfilme: Schatten der Unterwelt mit Harry Piel.— Durchlaucht amüsiert sich mit Georg Alexander, Lien Beyers u. a. Tivoli Wochent 7. 9 U Sbd. u. Sonnt. 5 U Berliner Straße 27 Zwei Großionfilme: Die spanische Fliege mit Fr. Schulz.— Die Nacht ohne Pause mit S. Arno fl Tegel gfc Filmpalast Tegel ßahnh of- slraße 2 Wochent 6. Sonnt 4.15 U Sonntags 2 Uhr: Jugendvorslellung So n Windhund mit Ralph A Roberts, Adalbert. Riemann. — Gr. Tonbeiprogramm Filrnnftlncß Beg w 6' 8-30 LThr runipaiasi stgs. 414. 65->. u. Berliner Str 59 2 Tonfilme: Kopfüber ins Glück mit Jenny Ingo.— Zweierlei Moral mit Elga Brink. föeilage Dienstag, 5. April 1932 SkrÄbmA S/inlwxgtrße IburdsA ein Ulmm kam aus Seh In rn ffvnhmd S)inge, die Familie 2/iif in Ifloshau fah Das Märchen von der Familie 2 int in Moskau, die 750 Mk. monatlich verdient, in Fleisch, Schinken, Speck und Gänsebraten schwelgt und in eleganten Pelzen und Seidenröcken einherstolziert— mir haben dieses Märchen der„Roten l a hn e" schon niedriger gehängt. Heute möchten mir fragen, wofür hält die Redaktion der„Roten Fahne' ihre Leser eigentlich? Für ausgekochte Bourjois? Denn daß das Märchen von der Familie Zint nichts anderes ist als ein Appell an die Begehrlichkeit der Spießerherzen mird auch einem politisch Farbenblinden klar, menn er überlegt, daß Somjelrußland in einer typischen Gründerepoche lebt, in der die Masse zugunsten des Aufbaues darbt und hungert. Das ist eine Tatsadie, die sich nicht bestreiten läßt. Das Sduuel- gerleben der sagenhaften Familie Zint vollzieht sich also auf Kosten der breiten Masse— genau so, mie es sich der deutsche Kapitalist und Spießer wünscht. Die IV ir k lic h k eit allerdings sieht anders aus. Wir veröffentliditen bereits den Bericht eines deutschen Metallarbeiters, der monatelang in Sowjetrußland arbeitete. Hier lassen mir den Bericht eines Wiener Genossen folgen, den mir der Wiener„Arbeiterzeitung" entnehmen. Genosse Schreier hat 6 Monate als Techniker in Sowjetrußland gearbeitet. Wenn man die Grenzen Sowjetrußlands überschreitet, so hat man«inen imposanten und einen bedrückenden Eindruck zu- gleich. Man kommt in das Land der proletarischen Diktatur, man kommt in eine Welt, die ganz anders ist als in Europa, in eine Welt, in der überall gebaut wird. Neue Städte, neue Fabriken, die zum Teil ganze Stadtteile umfassen, mit eigenem Theater, Klubs, Kinos, Sportplätzen, Gemeinschaftsküchen und Magazinen. Für einen Europäer ist dies alles neu. Er kommt aus einer zusammen- blechenden in eine aufbauende Welt. Es ist nicht schwer, wenn man dies alles zum erstenmal sieht, grenzenlos begeistert zu sein. Aber wenn man längere Zeit in Rußland weilt, be- kommt man ein ganz anderes Bild. Das Bild der Wirklich- kcit, so wie sie in Rußland ist. Dieses Bild kann man allerdings nicht in vierzehn Tagen und auch nicht in einem Monat gewinnen. Die folgenden Zeilen sollen nun dieses Bild wiedergeben. Nicht himmelhohe Begeisterung, nicht voreingenommene Ablehnung, son- dcrn nur die reinen Tatsachen. Als ich mit meinen Genossen im September 1331 nach Sara- t o w in die neue Mähdrescherfabrik kam, waren die Bauarbeiten zum Großeil fertig, man begann die Fabrik einzurichten. Und es ist eine erstaunliche Leistung, in zwanzig Monaten eine ganze Fabrikstadt mit Kino, Theater, Klubs. Küchen. Magazinen, Schulen und. zum Teil Wohnhäusern auszubauen. A m e r i.k.a n i s m u s, T c m p o. Die ersten drei Tage, die jeder ausländische Arbeiter frei hat, benutzen wir zur Besichtigung der Umgebung. Saratow liegt an der unteren Wolga in der Nähe von P o k r o w s k, der Hauptstadt der deutschen Wolgarepublik. Mit der Straßenbahn fuhren wir in die Stadt. Und hier sieht man sofort die tiefere Kultur- st u f e. Die Stadt macht einen höchst unreinen Eindruck. Durch die überfüllte Straßenbahn muß man sich immer erst durchzwängen. Dabei tragen die Leute das Fleisch, Fische und sonstiges frei, ohne Zapier, unter dem Arm. Es dauerte geraume Zeit, bis wir unsere höflichen Sitten abgelegt hatten, um uns in der Straßenbahn durch- zusetzen. Die Menschen machen einen abgestumpften, un- reinlichen Eindruck. Und man begreift es, denn der russische Bauer, der etwa öl) Prozent der Bevölkerung bildet, war doch jahrhundertelang geknechtet und stand unter der Kulturstufe der europäischen Bauern. Man trachtet ja mit allen Mitteln, die Kulturstufe zu heben, aber kulturelle Prozesse können nicht von heute aus morgen vollzogen werden, sie brauchen Jahrzehnte. Die Masse macht einen müden und abgespannten Eindruck. Rationali- sierung... In Pokrowsk hatten wir Gelegenheit, eine T a b a k f a r m zu besichtigen. Wenn man die Lebensweise dieser Arbeiter gesehen hat, war man erschüttert, und man wird sie sich nur schwer vor- stellen, wenn man sie nicht gesehen hat. Tie Leute leben in schlechten Baracken auf bloßem Stroh, die Luft ist zum Schneiden. Ein Genosse ließ uns ein Mittagsmahl kosten, Schwarzbrot mit einer schwarzen Suppe, die wir nicht definieren konnten, und die keiner von uns hinunterbrachte. Und wenn man die Leute fragte, wie es ihnen gehe, so antworteten sie, wenn der Führer nicht dabei war:„Schlecht, Genossen, wir fürchten uns vor dem heurigen Winter, aber wir hoffen, daß uns der Fünfjahr- plan eine Besserung bringt." Freilich, die Kommunisten erklären, daß die Masse mit Bs- geisterung am Werke sei und mit Begeisterung Opfer bringe. Ich hatte allerdings während der sechs Monate keine Gelegen- heit, mich von dieser Begeisterung zu über- zeugen, weder in Charkow, noch in Moskau, noch sonstwo. Nicht einmal bei der Revolutionsseier. beim Aufmarsch. Hoffnung auf den Fünfjahrplan, ja— Begeisterung, nein. Nun die Saratower Mähdrescherfabrik selbst. Sie um- faßt, wie schon erwähnt, einen ganzen kleinen Stadtteil außerhalb der Stadt und beschäftigt 5000 Arbeiter, die in drei Schichten mit je siebenstündiger Arbeitszeit arbeiten. Der Ruhetag ist für alle ge- meinsam, jeder sechste Tag. Die eigentliche Fabrik, die äußerst streng militärisch bewacht ist, umfaßt die einzelnen Abteilungen, Zechen genannt, wie Eisenbereitungs-, Kombine-, Remoutc-, Elek- trozeche," die Modelltischlerei. Transformatorenstation, das Haupt- kontor, die Konstruktionsbüros, das Gewerkschaftsbüro und das Parteibüro. Die Gebäude find aus Eisenbeton nach moderner Art hergestellt. Bor allem fällt die große Zahl von Leuten auf. die in den Werkstätten und in den Büros stehen und sitzen und keine produktive Arbeit leisten. stdau der itsnus käufen, wo günstige Verbindungen vorhanden sind, zur Verfugung. Di« Mitglieder lernen unentgeltlich Schwimmen, treiben Gymnastik, den Winter über Handballspiel und Skilauf und machen billige Ge- meinschaftsfahrten in alle Gegenden. Erlernung des sportgerechten Paddelns, Beachtung der wasferpolizellichen Bestimmungen, Ver- günstigungen bei den Schleusen. Bootsunterkünften, Grenzübertritten sind Vorteile, die der organisierte Wasserfahrer genießt. Die Boots- baugruppe beendet in Kürze wieder einen Bootsbaukursus, bei dem eine ganze Anzahl Klinkerboote für 120 Mark das Stück fertig werden. Ueber alle Fragen des Kanusports wird ausführliche Auskunft auf der Monatssitzung der Kanuabtellung gegeben, die Mittwoch, 6. April, 20 Uhr, bei Germar, Charlottenburg, Kaiser-Friedrich- Straße 13, Ecke Grünstraße, stattfindet. Schriftliche Auskunft durch die Geschäftsstelle W. Neumann, Charlottenburg, Haeselerftr. 176. Der Verein unterhält Abteilungen für Männer, Frauen und die Jugend. Tennis-Rot rüstet In wenigen Tagen ziehen die Arbeiter-Tennissportter wieder auf die Plätze. Seit Wochen schon liegen Schläger und Kleidung bereit.— Tennis-Rot hat alle Vorbereitungen für die neue Spielzeit getroffen. Für Pfingsten wird das traditionell gewordene Vereinsturnier vorbereitet, das diesmal auf allen Plätzen des Stadions Weißensee stattfindet. Nach diesem Austakt geht es in die Serienspiele. Für nur drei Mark monatlich(dafür bekommt man die Platzbenutzung und die Bälle) kann man Tennis spielen. An- Meldungen nehmen entgegen: Abt. Eb-rlott«»buig: Plätze im Vollspark gungfernheibe. Anschrift: B. Peterscheck, Cbarlottenburg, Herschelstr. 8.- Abt. tzriedrichshain: Plätze im Friedrichshain. Hans Bühnte, NO. 18, SchneealäckchenZtr.. Mittwoch, 6. April, 20 Uhr, im Jugendheim Frankfurter Allee 805. Vergrößerungen.— Freie Foto-Vereinigung. Donnerstag, 7. April, 20 Uhr, Phyfilfaal der Schul« Panl. Ecke Wiefenstratze. Mitgliederversammlung. Hilfe für Schwerhörige. Uns wird geschrieben: Der Verein der Schwerhörigen„H e- phota", Berlin W 13, Fasaneiistr, 49, Gartenh,, besitzt eine Aus- tunftsstelle, deren ehrenamtliche, erfahrene Leiteriimen Rat in jeder Schwerhörigenfrage erteilen. Insbesondere helfen sie bei der schweren Wahl eines geeigneten Hörapparates. Die besten elektrischen und mechanischen Hörinstrumcnte können kostenlos und unverbindlich ausprobiert werden. Unbemittelte erhalten Zahlungserleichterun- gen, auch werden Ratschläge für die Beschaffung von Hörgeräter, zu besonders günstigen Bedingungen erteilt. Sprechstunden; Dienstag von 11 bis 13 Uhr und Donnerstag von 10.30 bis 19 Uhr, SA/ Sfaali Thcafcr Dienstag, den 5. April staatsoper Unter cen Linden 19 Uhr Irlsfan und Isolde HaatUduusnielliaui 'lendarmeDmark; 20 Uhr PeerGynl Schiller-Theater Charlotten burs 20 Uhr Oslern VoiHsbütine ruatar an BillowgltU « Uhr Hans Albert in , ,111:001" Vorsladtlecende von Fram Molner Re ie: K.H.Marl n Staat!. Sdilllir-iMec 8 Uhr Ostern Nähe Schies. Bhf. 5 8.8«. Stgi. 2,8.8�11. Tel.: E 7 Weiclucl 4031 £in Lied der Liebe Rose- itieater nli irankturtir Strala<3 «l. Wilctiui t 1 341, 8.15 Uhr Jelicbcn Geberl Thcstcr a-üsiiendortpiatz Falia» 705i VI» Uhr, Slg 4'/. Uhr TraminerNaclii Operette in 3 Akler v. LuJ.Woltl o. Karl Behl Musik von Hans Ma> Regle- Heina Saitenburg Rundlunkh halb.Pr Slgs. 414 Uhr kl. Pr -Garten- Deotsdies Tneater 8 Uhr Tor MiiWlMW v. Cerh.Hauptmann Regie M»x Reinhardt — Kleines rn.— Unier den Linden Gesüiiosseol Mit woch, 6. Apri 71/. Uhr Zum I. Male Qanovenehre 08. SCHAUSPIELHAUS Tägl-SlTS Nor r.ocfa 6 Tage! »v.uhr tASlNÜ-rüMIERs.uh, Lothringer Slrake 37. ■ iiMitiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiMinuiiMmiiiimrmamin Berlins nenestes Operetten-Theater! ««Reppina" Operette in 3Akten. Musik ron R.Stolz Etstkl Gesangskr. Neue Bütmenaussi üuischein l-4 Personen. Parken bu Pi. Pauteun 1— Mark Sessel IJSn Mark Sfädi. Oper Charioiienburt> tismarcksttaPe<4 Diensiag, 5 Api il l'urnus I I9JO Uhr Manon Pfahl, Tal�D, Bau- manü. Pechner Ende 22.30 Uhr Lct•Ttieatef Täglich'I, Uhr Oer gioSe Eilolg Morgen gohts uns gut! 6 Bilder von Hans Müller. Musik von Benatzk;. 8 Reinhardt-Inszenierung| MMM Ptagungf Restairant Berlins BETRIEB ATt KftIPIHSKlO