Morgenausgabe Nr. 162 A 02 49.3a(?rgüng Wöchentlich 75 Pf., MtZ:-.a1Uch3.2v M. (davon 87 Pf. monatlich für Anstel» lung ins L»ans) im voraus zahlbar. Vostbezug 3.S7 M. cinsck)ließlich so Pf. Ponzeitungs- und 72 Pf. Poftbestellge» l'ühren.-AuslandsabonnementS.ss Hb pro Monat; für Lander mit ermäßig» tem Tructfachenporto 4.6S M. Trr �PonvörJs* erscheint moch-.ntöfl- I'.ch zweimal. Sonntags und Montaqs einmal, die-Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem$iisl„Der Liöcnb", Illustrierte conntagsbeilag» .Volk und Seit"- berliner SolkSblatt Oonnerskag 7. April 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswäris 15 pf. Die einfvakt. Mtllimctcrzptlc 30 Pf. Reklgmezelle 2— M...kleine An- zeigen" das fettgedruckt..' Wort 20 Pf. (zulässig zwei fettgedruckteWorte.lcdl-s weitere Wort\0 Pf. Rabatt lt. Tarif. Worte über lb Buchstaben zählen siir zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter. zeile 25 Pf. Fgmilienanzeigen Milli- nieterzoile l6 Pf. 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Die Aufgabe der Frau sei nur „schön Zu sein u n d K i n d e r zu kriege»". Und Feder, der Theoretiker der Nazis, sagte es noch besser: Sic soll ..wieder ZNagd und Dienerin werden". ilud wie predigt ein anderer'Nazitheorelikcr Piddcr L ü n g iu seiner Abhandlung über den Nationalsozialismus? „Der Zlationalsozialismus lohnt nllc Gloichwacherci als widor- natürlich muß mirh auf das entschiedenste liieegegen und gegen den(yZcist der Leute wenden, die solche Flug- blättcv verteilen, um so mehr, alo Hitler selbst erklärt hat, er denke nicht daran, etwa gleich alle Notverord- nungen aufzuheben oder gar den Vcrsailler Vertrag zu zerreißen. Nur mit der Politik der Wahrheit und Klarheit werden wir in der Lage sein, die Grundlinien unserer Anßenpalstik, die wir Klsarn« Front morgen 6 Uhr abends Lustgarten Es spricht Hans Vogel begonnen haben, und deren Weg allmählich an den Punkt heran- geführt haben, wo schwerste Entscheidungen nicht nur für Deutsch- land, sondern für ganz Europa heoorftehen, überhaupt durchzuführen und eine Garantie zu dielen, daß in den nächsten Monaten auch Erfolc,: nach dieser Richtung hin erzielt werden tönnen. Wehe dem, der ein Experiment mit einer Währung macht in einem Lande, das eine Inflation ohnegleichen durchgemocht hat. Will»ran die Währung im Interesse des gefamien Volkes unbedingt stabil halten, dann kann man nirist mit Vcespecchungcn arbeiten, wie Herr Hitler, sondern man muß das Harte, Not- wendige tun. lind wenn Herr Hitler sich in Dresden dagegen verwahrt hat, er wolle ja gar keine Jnslation und wenn man von der Binnenmark oder vom Federgeld spricht, so ist das altes nichts anderes als ein Deckname für eine verkappte Inflation. Ich halle meine Behauptung aufrecht: Wenn die Nationolsozialiftische Partei a u ch n u r.5 P r o z. ihrer B e r s p r c ch u n g e» w a h r in a ch c- n wollte, dann wackelte das Gebäude der deutschen Mark innerhalb II Tagen und die Mark würde überhaupt ins Bodenlose hin- untersinke n. Ein Bolt. das zur Freiheit und Gleichberechtigung kommen will, muß noch schärfer und stärker Illusionen und Phrasen ablehnen, als ein Volk, das sich aus der Höhe der Macht befindet. Zu einem Politiker sei eben manches erforderlich, was über Versprechungen und Phrasen hinausgeht. Glücklicherweise sei uns in dem Reichspräsidenten von Hindenburg ein Mann gegeben, dcr alle Dinge klar und einfach sieht nnd der dem Ausspruch eines unserer größten Deutschen„Mehr sein als scheinen" besser gerecht werde als die Politiker dcr Kompliziertheit. Unsere Enkel würden es eines Tages nicht»erstehen können, daß es bei dieser Reichs- Präsidentenwahl einen zweiten Wahlgang gegeben hat. Der Kanzler ging dann zu den Verhandlungen mit Hitler»nd Hilgenberg über und erklärte, daß beide die Ehanee verpaßt hätten, die ihnen bei dieser Wahl geboten worden sei. Hitler habe sich in den Schlingen eines Mannes gefangen, dcr ihm zumindest an politischer Raffiniertheit und Taktik weit überlegen sei. Es müsse dahin kommen, im Interesse der deutschen Außenpolitik, der deutschen Wirtschaft und des finanziellen Kredits, daß Reichspräsident von Hindenburg am nächsten Sonntag eine viel größere Ztiinmcnzahl erhalte alo zuvor; vor allem aber in den Gebieten, wo er bislang norli im Verzuge getvcscn sei. Tics sei eine Ehrensache. Der Reichskanzler appellierte vor allem o n d i c Frauen, zur Wahl Hindenbnrgs beizutragen. Nach Beendigung der mit stürmischem Bestall aufgenommenen Rede begab sich der Kanzler noch in die Nebenvcrsammlnng, um auch dort noch, einmal zu sprechen. Um ViO llbr sprach Dr. Brüning in Weimar. Razikrampf mit„emsiVsiligen Verfügungen". Die erste gerichtliche Würdigung des Jtfljimofc- r i n( s, de» am Dicnslag der prcuszische 3nnenminist?r Sevc- ring der Oeffcnilichkeil übergebeu stalte, erfolgte am Mittwoch vor dem Amtsgericht Siel. Zur Verhandlung stand der An- trog Killers gegen den Kauylschristleiter der Kieler„Volks- Zeitung" W u r b s. dem durdi Gerichlsbelchlui; verboten werden soll, zu behaupten, dah Hille? den Bürgerkrieg vorbereitet habe. Putschanweisuugen erlassen uod den Zührcrn der SA. besohlen habe. Waffen und Lebensmittel zu requirieren und bei der Besetzung öffenllicher Gebäude auch die Sassen mitzunehmen. Das Artest wird am Donnerstag vcr- kündet. Der Beklagte betonte, dag ihm der Legaiilätsschwur Hitlers in dem Prozeß gegen die Ulmer Reichswehrosfiziere durchaus bekannt sei Ihm seien aber auch die zwei Entscheidungen des vierten Strai- senats des Reichsgerichts vom Februar und September 1931 bs- kennt, in denen die Illegalität mindestens eines Teils der National- soziallsten festgestellt worden sei. Bekannt sei ihm auch die Er- klärung Hitlers im Februar 1931 zu München, daß in seiner Partei nichts geschehe, was er nicht wisse und wünsche. Daran müsse man denken bei der Beurteilung des Boxhcimcr Dokuments, dessen Ber- fasser sich noch heute der Protektion Hitlers erfreue und vor allem bei der Beurteilung des Materials über die Ergebnisse der Haus- suchungen in Preußen und in Bayern. 5zitler mache sich durch seine Erklärung ohne weiteres verantwortlich für alles, was in seiner Partei geschieht. Er sei infolgedessen auch verantwortlich für die Bürqerkriegsvorbercitungen der Nationalsozialisten vor dem 13. März. Für jeden Publizisten entstehe nach den Enthüllungen des preußischen Innenministers die Frage, was mehr gelte: die von den Behörden beschlagnahmten Dokumente oder Hitlers Eid vor Iis Jahren. Jede politische Schlußfolgerung aus amtlichem Material werde unmöglich, wenn dem Antrag Hitlers stattgegeben werden sollte. Die Behanpinug Hitlers, dag er Illcgalttaten niemals m innre Batfei dulden werde, werde widerlegl einmal durch die Tatsache. daß die Verfasser der Voxheimer Dlizkdokumenke noch heule vn- bcskritlene Zührer der Nazis seien, aber auch durch den Mörder Heines, der sogar ein besonderes Paradepserd der NulionalsoZialisten sei. Nicht ein einziger der der Zllegalilöl überführten Nazis fei bisher aus der Partei ausgeschlossen worden. Diese Tatsache habe im Dezember 1931 den Reichskanzler bewogen. die Legalität der Naüoimisazialistischen Partei zu bestreiten. Das gleiche machten jetzt die preußischen und bayerischen Minister, so daß gegen deren unbestreitbare Beweise alle Legälitäts- beteuerungen Hitlers oerschwinden. Hitler sei voll verantwortlich für die Vorbereitungen der Nazis zum Bürgerkrieg und sein Antrag sei deshalb abzplchnen. ünleressant war feie Verteidigung des Anwalts von hillrr. der immer wieder aufgeregl schrie, daß dic Nationalsozialiststchc Partei die Echtheit der Doknmenlc und die Wahrheit der Enl- hüllunzen des Ministers Scvering bestreite. Viel schwere? als alles wiege der Eid Hitlers, der am Dienstag- abend von Berlin aus eine weitere eldesstutttichc Erklärung über- mittest habe, in der es heißt:„Ich, der unterzeichnete Führer der NSDAP., Adolf 5)itler, versichere solgendes an Eides ellütl:..." Und nun erklärt er, daß die Angaben der„Kieler Volkszeilnng" über dic Bürgerkriegsvorbcrcitungen falsch seien. Er sei legal, er bleibe legal und auch seine Partei sei legal. Das Urtci! über den Antrag wird am Donnerstag verkündet. Der dunkelste Punkt. Wer finaozieri dic putstharmee Hitlers? Das Material über die Putschvorbereitungen der Nationalsozialisten läßt den Umfang der braunen Armee des Herrn Hitler und die Größe ihres technischen Apparates einigermaßen erkennen. Dieser Umfang ist so erheblich, daß sich sofort die Frage ergibt: wer bezahlt diese Privatarmee? Die Offiziere dieser Prirplarmee, und es ist eine stattliche Anzahl, sind ziemlich hoch besoldet. Auch die S A.- L« u t e verursachen Kosten, soweit sie kaserniert sind, müssen die Kosten für die Laserney wie für die Verpflegung ausgebracht werden. Die kasernierten SA.-Leute erhalten neben der Erwcrbslosenunterstützung, die ein großer Teil von ihneu bezieht, noch Löhnung. Für die nicht kasernierten SA.- und SS.-Leute wird ein Entschädigungssatz bezahlt, wenn sie„Dienst haben". Dazu treten die Kosten des mili- türische» Apparates vom Stab im Braunen Hause bis zu den Stürmen herunter, die Kosten der B e r b i n- düngen usw. Dafür sind gewaltige Beträge erforderlich. Wir schätzen, daß monatlich zurFinan zierung der braunen Arme« mehrere M i l l i o n en Mark benötigt werden. Daneben laufen die großen Ausgaben der NSDAP, für die Wahlpropagauda. Die„Berliner Volkszeitung" hat gestern mitgeteilt, daß für den zweiten Mahlgang die NSDAP, durch Bermittluzig Thyssens drei Millionen Mark Industriegelder erhalten habe. Eine derartige Sub- vention würde jedoch noch nicht entfernt genügen, um die bxauue Armee zu finanzieren. So erhebt sich die Frage: welcher Geldgeber ist in der Lage, eine Putscharmee von solcher Ausdehnung zu finanzieren? In wessen Solde steht die braune Armee Hitlers? Wo kommen mitten in der schwersten Krise, deren Kenn- zeichen Kapitalmangel ist, die Kapitalien her, die in diesem Pulschunternehmen investiert worden sind, und welche Hoffnungen knüpfen die Geldgeber an diese Putsch- armee? Es wäre eine Aufgabe der Untersuchung beim Reichs- gericht, diesen dunkelsten Punkt im nationalsozia- listischen Putschtreiben aufzuhellen! Hitlers Verantwortung für die putschpläne. Köln. t>. April. sEigenbericht.) Die„Kölnische Zeitung" schreibt zu dem Ergebnis der Haus- stlchungen bei der NSDAP.: „Wer, unabhängig von Verfassungen, Parteigruppierungen und „Systemen", die moderne Staatskdee bejaht, muß folgerichtig zu dem Schluß kommen, daß Dinge, wie sie nach den Haus- suchungen in Preußen festgestellt worden sind, in Deutschland unter keinen Umständen geduldet werden können, soll die Nation nüht. innenpolitisch, außenpolitisch und wirtschaftlich in die größte Gefahr geraten. Wir wissen nickst, in welchem Umfang die Führer der Nationalsozialistischen Partei im einzelnen für alle diese Gesetzwidrigkeiten konkret verant- wortlich zu machen sind, dürfen aber wohl auf die Erklärung Hitlers hinweisen, daß nichts, in seiner Partei gc- schehe, von dem er keine Kenntnis habe. Sicherlich tann sich an den Rändern einer großen Partei manches ereignen, was den Verantwortlichen entgeht. Hier aber handelt es sich um Enthüllungen von solchem Umfang, baß die Führer der Zcational- soziaststifchsn Partei wohl kaum behaupten werden wollen, ihnen !e! die Tätigkeit der einzelnen Organisationen unbekannt. Im Gegen- keil: astes spricht dafür, daß die Maßnahmen der Partei einen zentralen Charakter tragen. Die öffentliche Sicherheit ver- langt in dieser Stunde, daß gegen alle Versuche, den Staat zu unter- höhlen, sich illegale Machtbefugnisse anzumaßen, nachdrücklichst. eingeschritten� wird. Die Entschuldigung, man habe lediglich gegen das andere System mobilmachen wollen, kann die Staat?- cutorität nicht gelten lassen, denn für die Aufrechterhaltung der Ordnung ist der Staat allein verantwortlich. Wir brauchen keine Privatheere. Wir leben im 29. Jahrhundert und nicht itT, Mittelalter. Welch« Maßnahmen im einzelnen notwendig sein werden, soll hier nicht näher untersucht werden. Van der Unter- suchung des Oberreichsanwalts wird wohl die Entscheidung abhängen. Verschwinden aber müssen die illegalen Versuche, die Souve- ränität des Staates zu zermürben." Wahn. Hitler, der Retter Ostpreußens, der wahre Sieger von Tannenberg. Man liest im„Angriff" von gestern abend die folgenden selten Schlagzeilen: „Adolf Hitler schützt Ostpreußen gegen Polen." „Hitler bei seinen Ostpreußen." „Königsberg grüßt den Retter Ostpreußens." Das ist nicht der Servilismus journalistische? Lakaien Hitlers, das ist vielmehr der schon ans Pathologische gren- zenhe Größentvahir Hitlers selbst. Den Beweis liefert die Rede, die Hiller in Königsberg hielt: „Per Reichskanzler wird am Sonnabend in Königsberg wphl reden über die Verteidigung der deutschen Grenzen im O st e n. Ich würde, wenn ich Reichskanzler war«, hier nicht über die Rettung des deutschen Ostens sprechen, da es keine Rettung gibt, wenn wir Deutschland nicht vor den regierende» Parteien retten. Man muß dem Kanzler -urufen:„Wenn du Ostpreußen schützen willst, dann schütze es in Berlin!" Aber den Kanzler treiben ja nicht Sorgen um die deutschen Grenzen hierher, sondern die Sorge um dic Parteien." Was hat der Oesterrcicher Hitler mit„seinen" Ost- preußcn zu tun? Wann hat er Ostpreußen gerettet und vor wem? Jetzt wird ein großes Geheimnis enthüllt: es war ein Irrtum, wenn die Welt früher geglaubt hat, daß Hindenburg bei Tannenberg gesiegt habe. In Wahrheit war es nicht Hindenburg, sondern Adolf Hitler, der im strengsten Inkognito die Schlacht geleitet und Ostpreußen gerettet hat! Wir erwarten eine ausführliche Darstellung davpn im „Angriff"! Die unglaubliche Belecdigung gegen den Reichskanzler, die in den dreisten Worten des Maulhelden Hiller liegt, wird, wie wir annehmen, vom Reichskanzler an Ort unli Stelle eine gebührende Zurückweisung finden. Im übrigen genügt es, darauf hinzuweisen, daß die Mllstärorganisation des Mannes, der sich selbst als Retter Ostpreußens bezeichnet, unter dem dringenden Ber- dacht des Landesverrats im deutschen Osten steht! Wann hört das auf? SA.-Gcneralappell in der Grenzmark. Schncidcmühl, 6. April.(Eigenbericht.) Wie Hitlers Privatarmee der deutschen Republik auf der Nase herumtanzt, wurde in der nördlichen Grenzmark wieder einmal erwiesen. In Prützenwalde, Kreis Schlochau, fand om Sonntag ein regelrechter Gcncralappcll der gesamten nordgrenzmärkischcn SA. statt. Ans dem Gute einer Frau Weise, bei der sich seit geraumer Zeit der SA.-Führer Marx aufhält, wurden die Sturmabteilungen planmäßig zu- sam m engezogen. Mit Motorrädern, Lastautomobilen, Personenautos wurden die Mannschaften herangeschasst. Wie mir an zuständiger Stelle erfahren, war dieser Transport nicht genehmigt. Die einzelnen Trupps waren in bekannter Weife ausgerüstet, das Gut war durch regelrechte Posten gegen Unbesugte gesichert. Eine auf dem Gute liegende große Scheune war vorher ausgeräumt worden. Im nahegelegenen Dorf waren bis in die späte Nacht vom Gut herüberschallende Kommandorufa und Trommelwirbel zu hören. Von einzelnen Teilnehmern erfuhr man nmhher, daß es sich um«inen großen Generalappell gehandelt habe, um die Brauchbarkeit der zusammerigezögonsn gesamten rund 500 Mann starken SA. für den„Ernstfall" festzustellen. Da? Treiben der Nazihorden wird hier im Grenzgebiet täglich un- erträglicher. Führer der Sturmabteilung in der Grenzmark Nord ist Reichstagsab geordneter K a s ch e. Dieser soll auch den „Appell" abgehalten haben. Alkes ganz legst? Slullzark, 6. April.(Eigenbericht.) Die in Reutlingen erscheinende sozialdemokratische„Freie Proste" teilt mit, daß in Reutlingen ain 11. Marz in der Autogarage eine? bekannten Mitglieds der Nazis Tafeln mit der Aufschritt „Brüder! Nicht schießen!" in der Größe von 60 bis 60 Zentimeter so fertig gemacht worden sind, daß sie entweder ge> tragen oder aus Wagen befestigt werden konnten. Das württembergische Landesorgan der Zen- t r u m s p a r t e i berichtet von folgendem Vorgang aus einer württembergischen Gemeinde:„Saßen da. drei Tage vor der Reichs- Präsidentenwahl, ein paar Bürger, darunter der Gemeindepfleger, beim Schoppen, als ein junger Naziführer. Neffe des Gemeinde- Pflegers, auf diesen zutrat mit den Worten:„Onkel, jetzt hast du noch drei Tage Zeit: wenn du dich nicht unserer Sache an- schließt, wirst du und der Schuitbeiß abgesetzt Schultheiß wird der S. und für deinen Posten ist der H. vorgesehen, also überleg es dir." Dieser Vorgang ist kennzeichnend dafür, daß die Nazis zum 13. Mär; überall die„Posten", von denen man sich eins Machtaus- Übung versprechen zu können glaubte, unter ihre Gesinnungsfreunde aufgeteilt hatten. Magges unierdrücki Reichsbanner. Tkur die Tiszis dürfen alles. Braunschweig. 6. April.(Eigenbericht.) Die Eiserne Front der Stadt Braunschweig hatte dem Polizeipräsidium mitgeteilt, daß sie hie Absicht habe, drei Schnell-La st wagen mit Reichsbannerlsuten zu bemannen, die Werbefahrten für den Reichspräsidenten von Hindenburg durch die Straßen der Stadt unternehmen sollten. Das Polizeipräsidium hat dic Ausrüstung dieser Wagen untersagt, trotzdem die Nationalsozialisten seit Mynaten mit solchen Wagen unterwegs sind. Die Wagen der Nazis werden auch als Uedersallwagen benutzt. Die Polizei gibt an, von den Fahrten der Nationalsozialisten offiziell keine Kenntnis zu haben, obgleich die gesamie Einwohnerschaft der Stadt Braunschweig als Zeuge aufgeboten werden könnte. Em energischer Trennungsstrich. Reichswehr boykottiert einen Hugenbers-Offizier. Der Lorsitzende des Nation alvcxbandes Deutscher Offiziere, Landesverband Thüringen, und da? geschtrstesührende Vorstandsmitglied des Landesverbandes Thüringen der DNPP., O b c r st l e u t n a n t a. D. Fleischhauer, har am 4. März an den Sohn und persönlichen Adjutanten des Reichspraiidenls» von Hindenburg einen r.zcnen Brief gerichtet, in dem Hindsnburgs Söhn u. a. gefragt wurde, ob er e? zulassen wolle, daß der Name Hindenburg eines Tages in her Geschichte als der Name des Mannes bezeichnet werhe, der trotz edelsten Wollens Deutschland in den Abgrund führte. Der offene Brief hatte damals eine Erwiderung van zuständige? Stelle zur Folge, in der es hieß, daß das Schreiben eine Reihe längst widerlegter Unwahrheiten über den Reichspräsidenten und seine Amtsführung wiederhole. Nunmehr richtete der Chef der Heeresleitung, Freiherr von H a m in e r st e i n, an die in Erfurt stationierte 3. Kavallerie- dioision unter Hinweis auf diesen ofenen Brief folgendes Schreiben: „Der Brief entlstilt unerhörte Unterstellungen und Anwürfe, die sich gegen den Herrn Rcichsprästdenten-Feldmarjchall. unseren obersten Befehls haber, und feinen Adjutanten richten. Tie in dem Brief zutage tretenden Auffassungen stehen im schrillen Gcgeistal; zu den Anschauungen, wie sie im alten Heer Geltung halten und wie sie von der neuen Wehrmacht übernommen sind und gepflegt werden. Ich bejehle, daß jeglicher Verkehr mit dem Oberst- leutnant o. D. Fleischhauer abzubrechen ist. Voran st al- tun gen, die mit Oberstleutnant a. D. Fleischhauer zusammenführen, sind zu vermeiden cder zu verlasse n." Das stt ein sehr energischer Trennungsstrich, der dann auch ein Wutgeschrei des Betroffenen und seiner Freunde hervor- gerufen hat. Oie Landesliste für Preußen. Der Landeswahlvorfchlag der Sozialdsmokrahichen Pyrtej für die Wahlen zum Preußischer Landtag am Tt. April 193.! trägt folgende Namen; 1. Otto Braun,?. Earl S e o e r i n g, 3. Albert G r z e s i n? l i. 4. Adolf Grimme, S. Otto H ö r f i n g, 6. Gertrud Hanna, 7. Prof. Benno C h a j e s, 8. Willy Drügemüller, 9. Dr. Sieg- fried Rosenfeld, 10. Auguit Schmidt-Bochum, 11. Josef Orlopp. 12. Josef Lang, 13. Elfriede Ryneck. 14. Theodor K o tz u r. 13. Kriminalrat K l i n g e l h ö l l e r, 16. Fritz W i l d u n g. 17. Max S i e v e r z, 18. Julius Schwarz- Saarbrücken. 19. Alwine Wellmann. 20. Walter Rsinhold, 21. Oha S ch a r f f ch w c r d t, 22. Polizeibeamter H i l d e b r a n d t, 23. Karl Müller- Hameln und 21. Max lZ i ll m st« r. Donautsnferenz beginnt. Londoner Beratungen der vier Mächte. London, 6 April.(Tigenbericht.) Am Pkillwochnachmittag fand die erste offizielle Sitzung der vierirachlekonscrenz stoit. Sic wurde um 17.Z0 Uhr beendel. Es wurden die Notloge der Donauländer und die nerschiede,.en Alöglich. keilen der Hilfe erörtert. Die Behandlung des Problems zruppierle sich um sieben Punkte. Der erste Punkt betnsst die Frage, welche Länder als Donau- lönder tili Sinne des Plans onzuiprechen seien. Es sollen einbezogen werden Oesterreich, Ungarn, dic Tschechoslowakei. Jugoslawien und Rumänien. Der zweite Punkt betrifft die Form, unter der die m Frage kommenden Länder aufgefordert werden sollen, miteinander Verhandlungen anzuknüpfen. Punkt drei bezieht sich aus die Zoll- Präferenzen, die sich die Staaten gegenseitig in Höhe von 10 bis 12 Proz. gewähren sollen. Der nächste Punkt bezieht sich auf das Verhältnis der übrigen Staaten zu dem Donaubund. Die anderen Punkte befassen sich mit der Frage von Anleihen, und zwar«mp- siehlt Punkt fünf die sofortige Gewährung von kurzfristigen A n> leihen an Oesterreich und Ungarn, der sechste die Kon- oersion aller bestehenden Anleihen der fünf Staaten in eine ein- hcitltche Anleihe mit niedrigerem Zinsfuß, und der siebente Punkt besaßt sich mit der internationalen Budgetkontrolle, mit welcher der Plan verknüpft ist. Irgendwelche Ergebnisse sind bisher noch nicht erzielt. Mon versucht, durch eine Auflockerung der Konferenz weUerzukommen und hat ein politisches Komitee eingesetzt, das die verschiedenen Seite., des Problems behandeln und in der sür Donnerstag nachmittag angesetzten Hauptsitzung berichten soll. Dieses Komitee ist jedoch mit der Konferenz weitgehend identisch. Außerdem werden die Regierungen einen Ausschuß von Finanzexperten, bestehend aus Leamton der Finanzministerien, zusammentreten lassen/ um den Bericht des Finonzkomilees des Völkerbundes einem Studium zu uitterziehen. Die Arbeiten dieses Ausschusses stehen außerhalb der Konferenz uno lein« Arbeit wird länger dcu-rn als die Konlerenz tagt. Von englischer Seite wird Sir Fred Leitbroß. der Wirtschaffeberater per Regierung, in dieses Komitee entsandt. Daß die Konferenz schon am Donnerstag beende! sein wird, wie verschiedene englische Zeitungen om Mittwochvormitiag annehmen, ist sehr unwahrscheinlich. Reuter erfährt von autorisierter Seile, daß die Konferenz einen sehr ermutigenden Verlauf genommen habe. Moskauer Gehenswürdigkeii: Familie Zint. »Und hier sehen Sie, meine Damen und Herren Ausländer, die deutsche Familie Zint, in Deutschland am Verhungern gewesen, seht hier in unbeschreiblichem Wohlstand.— Bitte nicht um jene Ecke zu sehen, dort ist der Jünfjahresplan leider noch nicht ganz durchgeführt." Großkampf in Ungarn. Verbot des Parteiorgans wird durch allgemeinen Buchdruckerstreik beaniwortei. Siurmszenen im Parlament.— Nie Arbeiterschast solidarisch. Die Moskauer Todesurteile. Vatsel um Zuda M. Stern. In Moskau ist, wie schon gemeldet wurde. Iuda M. Stern, der den deutschen Botschaftsrat von Twar- d o m s k i durch Revaloerschiisse verwundet hatte, zilm Tode verurteift worden. Na6i europäischen Begriffen wäre für einen Mordversuch, wie er hier vorliegt, nur eine hohe Frei- Keitsstrate in Frage gekommen, nicht die Todesstrafe. Das gleiche Urteil traf aber auch jenen geheimnisvollen W a s s i l- j e m, der auf Grund seiner eigenen Aussagen als der An- stister des Stern betrachtet wird. Wassiljew soll wiederum mit gewissen terroristischen Kreisen in Verbindung gestanden haben, deren Stützpunkt sich in Warschan befinden soll. Außer dem Namen des geheimnisvollen Wassiljew ist bis- her npr noch ein weiterer genannt worden, der des schon erwäbnten Lubarski, um den ein reicher Kranz von legenden gewunden worden ist. Nach deiusch-kommunistischer Behauptung soll dieser Lubarski polnischer Regierungsbeamtcr und Sozialdemokrat und eigentlicher Anstifter des Attentats sein. Wer das Verhältnis der polnischen Sozialistenpartei zur Negierung Pilsudski auf der einen Seile, zur Frage des in- dividucllen Terrors auf der andern«eite kennt, dem ist die Ilnsinnigkcit dieser Behauptung von vornherein klar. Wie wir der Pilsudsli-Regierung gegenüberstehen, die die(Bräucl von Brest-Litowsk und ungezählte andere ans dem Gewissen hat, brauchen wir nicht zu wiederholen. Sie in Schutz zu nehmen, falls sie bei dem Moskauer Attentat die Hand mit im Spiele gehabt haben sollte, hätten wir nicht den geringsten Anlaß. Odjektiverweisc muß jedoch sestgestellt wer- den. daß für eine etwaige 5loinplizität der Warschauer Rc- glerung auch nicht der Schatten eines Beweises vorhanden ist. Andererseits ist es eine unbestreitbare Tatsache, daß poli- tische Prozesse in Rußland nicht der Feststellung der Wahr- hcit dienen, sondern der Erzielung bestimmter politischer Effekte. Was schließlich die Berliner„Rote Fahne" über das Attentat zusammenschwindelt, ist so aberwitzig, daß es sogar den Moskauer Regisseuren zu dumm sein dürfte. Die..Rote Fahne" erinnert nämlich im Zusamnienhang mit dein Attentat an eine Reise Lobes nach Warschau und kommt zu dem Schluß, daß das Attentat auf den deutschen Diplo- mgten das Werk der 2. Internationale und ganz besonders der deutschen Sozialdemokratie gewesen sei. Uns fehlt an dieser Beweisführung nur noch eines: Da die„Rote Fahne" täglich schreibt, daß wir deutschen Sozialdemokraten die gc- horsamen Knechte der Brüning-Regierung seien, so bat offen- bar die deutsche Reichsregierung selbst auf ihren Botschastsrat schießen lassen! Man müßte sich wirklich für die 2lrbeiterklasse schäm e n, wenn es noch Arbeiter geben sollte, die den schmutzigen Blöd- sinn des kommunistischen Zentralorgans für bare Münze nehmen! Oer amtliche Text des Urteils gegen Stern und Wajsüieff. ZUoskau. 6. April.(TAegraphenagsiitur der Sowjetunion.) Tas Urteil des K ri e g s k ol le g i u ms des Obersten Gerichtkhoses der Sowjetunion gegen Stern und Wassiljcss lautet: „Hie gerichtliche Untersuchung hat ergeben: 1. Daß der polnische Bu-ger Wsewolod Ljubarsti. der IZZS M polnischer diplomatisch« Kurier aus Warschau noch Moskau fuhr, -iemeinl»m mit feiner Schwester S ch e l k a w a- Ljubarstaja, Boris ShuSorfti, Leo Liubatski und anderen Personen eine lonterrevolu- lionäre terroristische Gruppe orgam'iertc. Z Tötete das Mitglied der Gruppe Leo Ljubarfti am 16. August m Auftrage diesex Gruppe in Moslau den Oberinspektor der Roten Arbeiter- und Bauernarmee S ch a p o s ch n i k o s f durch einen Reooloerschuß. 3. Wurde aus Grund der Untersuchung wegen der Ermordung Schaposchnikofts ein Test de? Mitglieder der Gruppe festgestellt ">st> lstüst verurteilt, wahrend die übrigen Mitglieder der Gruppe ihre konterrevolutionäre terroristische Tätigkeit fortsetzten. 4. Beschloß die Terrorgruppe Wsewolod Ljudarfkis. die der Ansicht war, daß das wichtigste Mittel zum Sturz der Sowjetmacht die bewaffnete Jnteroenti on der kapitalistischen Länder gegen die Sowjetunion sei und daß die Intervention durch Per- sch'ochterung der außenpolitischen Lage der Sowjetunion verwirk- licht werden könne. Ende 1331 den deutschen Botschafter in Moskau von Dircksen zu ermorden und durch diesen Mord eine starke Verschlechterung der Beziehungen Deutschlands zur Sowjet- union und den Abbruch der diplomatischen Beziehungen herbei- zuführen. S. Beauftragte die Gruppe mit der Organisierung des terro- nstischen Aktes S e r g c i W a f s i l j« f f, der mit der unmittelbaren Ausführung des Terroraktes den ihm persönlich bekannten Stern betraute, der die sowjetfeindliche Ansicht Wassiljcsfs und der ihm Gleichgesinnten vollständig teilte. 6. Stern arbeitete gemeinsam mit Wassilsesf den Plan zur Aus- jührung des Terroraktes au?. 7. Begann Stern, nachdem er im Februar dieses Jahres in der Wohnung seines Schwagers einen Reoolver gestohlen hatte, mit der systematischen Beobachtung des Botschost-gebäudes und der Automobilfahrten, wobei er wiederholt Wassiljeff begegnete, der Stern Ratschläge und Weisungen über die Technik und Ausführung des Terroraktes gab. 8. Gab Stern an der Eche Leantjesfgasse-�chorzenstroßc, wo er auf hie Autos der deutschen Botschaft mit der deutschen Flagge wartete, auf den im Auto fitzenden deutschen Botschaftsrat von Twar- domski, den er für den Botschafter hielt, am 5. März 1933 alls dein Reogloer fünf Schüsse ab, die Herrn von Twardowjki außer einer leichten Verwundung am Hals eine schwere Wunde im Gelenk der linken Hand zufügten. Die Wahrheit über Liubarsky. Vorschau, 6. April.(Eigenbericht.) Gegenüber den Behouptungen aus Moskau, wonach der ei gebt- liche Anstifter dos Attentats auf den Botschastsrat»on Twardowski ein polnischer Beamter im Warschauer Außenministerium Wsewolod Ljudarsky sei, der der Polnischen S o z i a l i st i- s ch e n Partei angehöre, läßt sich auf Grund eingehender Er- kundigungen bei allen in Frag« kommenden Stellen folgendes fest- stellen: Ljubacsky ist gar kein Pole, sondern, wie übrigens sein Name und Vorname schon beweisen, ein Russe. Als russischer E m i- g r a n t lehte er in Warschau und war in früheren Ähren«ine Zeitlang aus Privatdienstvertrag bei der polnischen Tabak-Mo- n o p o l- Vorwaltung angestellt, ist als» niemals polnischer Staatsbeamter und erst recht nicht im Airßenministerium tätig gc- wesen. Wie das Gencraisekeelariat der PPS. auf das deflimmleste erklärt, Hai Ljubarfly niemal» auch nur einen Tag der Partei angehört und ist dort völlig unbekannt. Da er Russe ist, würde er auch gar nicht Mitglied irgendeiner polnischen Partei werden können. Der Nervosität der Regierung Sarolyi über die wachsende Mißstimmung im gauzea Lande, nicht nur im städtischen Proletariat, sondern auch unter den Kleinbauern, hat sie zu einer Aktion veranlaßt, deren weittragende Zolgeu sich innerhalb weniger Stunden auswirkten. Das sozialdemokratisch? Zcniralorgan ,.N e p s z a v a"(Volksstimme) wurde wegen angcb- Nchcr Aufreizung zum Klasscnhoß auf unbe stimmte Zeil verboten. Daraufhin legten sämtliche Budapester Buchdrucker i»e Arbeit nieder, so daß keineZeilun gerscheinen konnte, außer einem mit Hilfe der„Technischen Nothilfe" hergestellten amtlichen Nach- richtenblätlchen. Im ungarischen Parlament kam es zu großen Lärmszenen. Abg. F a r k a s verlas im Austrage der Sozialdemokraten eine Cr- klärung, in der er die Regierung Zkarolyi als die Fortsetzung der Regierung Bcthlcn bezeichnete. Die legten Maßnahmen zeigten, daß die Regierung einer Diktatur zustrebe, aber Paris. 6. April.(Eigenbericht.) Ministerpräsident To r d re u hat heute abend auf einem Bankett, an dem soft AM Personen teilnahmen, die Wahlkampagne mit einer großen Rebe eingeleitet, deren Tert nicht weniger nls 30 Schreib- maschinenjoiten umfaßt. Die Rede stellt einen U c b e r b l i ck über das Werk der abgelaufenen Legislaturperiode dar, das der Minister- Präsident nicht nur zu reästjertigen sticht, sondern auch als das de- deutcndste der französischen Porta mentsgcschichte bezeichnet, ein Urteil, das sicherlich van vielen als übertrieben angesehen werden wird. Stach einer kurzen Einleitung, in der aus die beiden wesent- lichstcn Schwierigkeiten der letzten vier Jahre, das Auseinandersallen der Regierung der nationalen Einiglest infolge des Austritts der Radikalen und die Weltwirtschaftskrise hingewiesen wird, geht Tardieu ans die Außenpolitik Frankreichs in dich« Zeit ein. Sie fei, so«klärt er, durch die Beschwörung neuer Kriegs- g e i a b r e n und die Organisation des Friedens charakterisiert. Dem Anschein nach sei die Lage, die die neue Kammer erbte, glänzend gewesen. Frankreich habe die briste Ztheinlandzonc besetzt gehalten, es habe die deutschen Eisenbahnen kontrolliert und auf(Snini) des Dawcs-Planes jährlich 7 Milliarden Franken empfangen, oon denen nur 2 Milliarden an England und Amerika zu zahlen waren. In Wirklichkeit sei die Lage heikel und bedrohlich gewesen. Es habe ihr die Garantie der Dauer gefehlt. Die Rheinland- b« f e tz u n g hätte 133.? aufhören müssen. Nachdem sie von den Amerikanern auigegeben worden war. fei sie auch von den anderen Alliierten aufgegeben worden. Der Dawcs-Plan fei gleichfalls inir von beschränkter Dauer gewesen, was jede Mobtsisierung der Schuldfordcrungen unmöglich machte, Frankreich habe bei Beginn der Legislaturperiode die Wahl zwischen drei Richtungen gehabt, nämlich zwischen negativem Nationalismus. kühnem Internationalismus, sowie festem und versöhnlichemDorgehen. Diese letzte Methode habe den Sieg davongetragen. Der verwegene Zuternatlonalismus fei van der Soziallstischen Partei empfohlen, aber niemals mit größerer Schärfe zurückgewiesen ivordcn, als durch die Antwort Briands auf eine Rede Blums| im Juli 1929. Eine derartige Politik des'Verzichts auf Widerstand, der Rheinlandräumung ohne Garantie, hätte Frankreichs Ansprüche ans die Reparationen in gefährlichcr Weise kompromittiert: sie hätte die Arbciterjchofk sei bereit, den ihr aufgezwungenen Kamps auszunehmen. Unter großem. Lärm der Linksopposition antwortete der Minister- Präsident mit der Beschuldigung, daß die Sozialisten nicht nur Klassen- aufwiegclung betrieben, sondern zu offener bewaffneter R c- o o l u t i o n aufreizten.- Dennoch scheust der Erfolg des Zcitungsstreiks dos Bürgertum bedenklich gestimmt zu haben.'Es wurden Verhandlungen eingelestet mst dem Ziele, den Streik sofort zu beenden und das Verbot der„Nepszapa" alzbald wieder ostszuhebev. Diese Lerhand- lungen verliefen erfolgversprechend, würden jedockz durch eine Maß- nähme des scharfmacherischen Jndustriellenoerbande? vv''- läusig durchkreuzt. Die Fabrikarbeiter wollten nämlich sin? Donnerstag vormittag einen halbstündigen Sympathiestreik für das Wiedererscheinen des Arbeiterblattes veranstalten. Diese Ankündigung haben die Industriellen mit einer a l l g e in e i>'> n Aussperrung beantwortet, worauf sich die Buchdrucker miede- rum solidarisch mst den Fabnkarbestcrn erklärten. Frankreich der 10 Milliarden beraubt, die es während der, Legislatur- Periode cinkassiort hat; sie hätte den vorherigen Verzicht aus das Saargebiet zur Folge gehabt. Wen» man die Lage der französischen Grenzen und die drohende tiikler-Lewcgung in Deulschland betrachte, werde man zu dem Schluß kommen, doß diese Politik nicht annehmbar war. Frankreich habe unter Poincarä, unter Labal und unter ihm, Tardieu, während Briand Außenminister war, eine«er» m i t t e l n d e Stellung eingenommen. Diese Politik sei von beiden Flügeln des Parlaments angegriffen worden. Die einen hätten sie der Schuwche, die anderen der Herausforderung bezichtigt. Die Beziehungen zu Deutschland hasten stets den Willen Frankreichs zu einer'Verständigung be- wiesen. Die Abschaffung der Kontrollmaßnahmen des Dames- Planes. die Herabsetzung der Reparationszahlungen um 20 Proz., bi« Räumung der 8. RheinlandzoNo fünf Jahre vor dem Termin, die Annahme des Hoovcr-Moratoriums. die direkt und indirekt von der Bank von Frankreich Deutsäsiand gewährten Kredite machten es ihm, Tardieu, überflüssig, darauf, näher einzugehen. Frankreich habe aber das Bswußtsein, nicht iinincr mit der gleichen Münze von Deutschland bezahlt worden zu sein. Daher seien Regierung und Mehrheit und sogar die radikale Opposition darüber einig gewesen, gewissen Theorien den Begriff Vertrag und Ach- rung der U n t c r s ch r i s t e n entgegenzusetzen. Tardieu wies auf den französischen A b r ü st u n g s v a r s ch l a g hin, der für die Organisation des Friedens die größte lonstruktive 'Anstrengung darstelle, die bisher in Genf gemacht worden sei. Wenn die Anregungen Frankreichs angenommen würden,. w c n n Frankreich wüßio, welche Verstärkung der Sicherheit daraus für jeden folgen würde, wäre es bereit, alle ip e>- teren Vorschläge auf Herabsetzung dcr Rüstungen wohlwollend zu prüfen.' Bei der Rechtfertigung.der Anleihen, die Frankreich an aus- ländisch« Regierungen gewährt h»t„ kam Tardieu wieder daraus zu sprechen, daß die sozialistische Partei der Regierung die A n- leihen an Ungqrn und Sit�islawlen vorgeworfen 1 habe, weil diese beiden Länder unter einer Diktatur leben. Daran knüpft er die Frage:„Weiß man denn nicht, daß unsere» deutschen Nachbarn gezwungen sind, unter dem Regime der Notverordnungen zu leben?" � Tardieu eröffnet den Wahlkampf. Die Hiiler-Bewegung als Argument der französischen Reaktion. ctuS'imsw&aj Cfyfas&eA�j Verkouf aow«ft Vormt Radio tferKauie| Tapeten Czillat. Kolonie- strafte 9 Phototäuber verzogen nach Ao. senthalärstrofte 19. Dort große Gelegenheitskäufe in Mar- kenkanieras und Zeißgläsern. > NZlimszelimsn s Nähmaschinen. große Auswahl. Mark 87,.— an. in Nundschiffchen und Centralbobbin 9ä,—. Machnow Wein- meisterstraße l4. Verliehen gewesene Möbel unter Preis.' Kainerling, Äasta nienaUee 5iZ(Ecke! 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Tel.: E7 We1ehsel4631 Ein Lied der LlcbeJ Theater a.noiien!]ortpiatz Pallas 7051 Si'iUhi.Stg IP. Uhr TrauraeioerNaelil Operette in 3 Akten r. löd.Wolff n. Karl Behr Musik von Hans May Regie: Heinz Saltcnbarp Rundfunkh halb.Pr Slfis. 414. L'hr kl- Fr. WM Theater 8 Uhr Vor SflöoeoBtiiergahg v. Oerh.Hauptmann Regie _ M Reinhaidl r-KIßiMesfö.—, Vnter dlc nencTariete-Bovuc mit Ehrlich tfalrnny. Morgan, SOndand. Theimer usw. BETRIEB KatPlHSKltJ I JUER0EN5 Alexanderplatz Heue Körij?tr;43 Abschrist. Bassel, den 30. März 10:42. Oeffentliche Sitzung der llchirn Strafkammer des Landgerid)t.'. Gegenwärtig: Landgcrichtsrat Dr. Eisenmann, als Bor- sttzender, Bergmann und Bürgermeister Bern- Hardt, B-rlneden. Jtaufmcnm Zohs. Becker, uit Schöffen. Referendar fröhlich, als UrkNndsdeamicr der Geschäftsstellc. 1* 149 31. Privatklagesack, c 1. des Geschäftsführers Theodor Glocke. 2. des Chefredakteurs Friedrich Stampicr. beide, im..Borwärts-Berlag" in Ber° liu SW. 63, Lindenftr. 3, Privatkläger, nertretcn durch Rechtsanwalt Dr. Julius Goldschmidt Ul in Bossel— gegen den Landwirt Reinhard Claus in Asmushausen, t�reis Rotenburg a. F., Beschuldigten, Verteidiger: Rechtsanwälte Dres. R.' v.. O. Freister, Äastcl— wegen Beleidigung. Zur Hauptverhandlung über die Berufung der Privatkläger gegen das llr- teil des-Amtsrichters in Rotenburg o. F. vom 23. September 1931 erschienen: 1. für die Privatklägcr: Rechtsanwalt Dr. Julius Goldschmidt III, 2. für den Angeklagten und die Recht-> anwälte Dres. R. u. O. Freister: Referendar Hamann, z.' ZL Stations- referendar bei den letzteren. Die Parteien s6)Iossen folgenden Vergleich: ..Der-.'lugcklogte erklärt, daß er die hier fragliche Aeuftcrung über' geldliche Unterstützung des..Vorwärts" durch den Bankdirektor Fakob Goldschmidt bzw. durch die non diesem vertretene„Dana!- Bank" nicht in der Absicht, die Privat- kläger zu beleidigen, gemacht habe, sott- dern daß er lediglich in Vertretung seines politischen Standpunktes dem geg- nmscheu Veriammlunasredner Broun bolz das vargebaltett habe, was er über die fraglichen Beziehungen des„Vor wärts" gelesen oder gehört habe. Ter Angeklagte will und kann nicht behaup- ten, daß der die Zeitung..Vorwäris" herausgebende Vorwärts- Verlag G. m. d. H. oder dessen Redakteure von dem Bankdirektor Jakob Goldschmidt oder von der„Dastat-Bank" geldliche Zuwendut: gen. insbesondere sald)L unter. vet Be- dingung erhalten haben, daß der„Vor- wärts" oder dessen Redakteure sich ihm gegenüber verpflichtet hätten, nichts gegen die?uden w schreiben. Der Angeklagte übernimmt die Kosten des Vor- Kahrens. Die Privattläger nehmen hiervon Kenntnis und und damit eittverstanden. Sie ziehen die Privat klage zurück, wemit die Aushebung des in dieser Sache er- gongenen Urteils des Amtsgericht' Rotenburg a. F. vom 33. September 1931 als erfolgt anzusehen ist. Die Privatklägcr sind berechtigt, diesen Bergleid) innerhalb eines Monats nach Zustellung einer Ausfertigung desselben in folgenden Zeitungen auf Kosten des Angeklagten einmal zu veröffentlichen: l. im„Vorwärts, 2. in de�„Hessischen Volksmacht", 3. im..Rotenburger Kreisblalt". (5s wurde verkündet: Beschluft: In der Privatklogcsachc Glocke und Stampfer gegen Glaus wird, nachdem die Privotklage zurückgenommen worden ist, das Verfahren eingestellt. Die Kosten des Verfahrens werden gemäß dem obigen Vergleich vom heutigen Tage dem Angeklagten auferlegt. gez. Drs Eisenmann. Fröhlich. Ausgefertigt: Kassel, den V. April 1932. äez. Unterschrift. Iustizangcstellter. als Urkundsbeamtec der Geichäft.-steve 7 des' Landgerichts. Rr. 162» 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oonnersiag, 7. April 1932 Heute Schulbeginn! Unvermeidliche Sparmaßnahmen wirken sich aus Die Oflerfenen sind voriilier. und heute früh beginnt der l'ntcrricht in den Berliner schulen. Das Berliner Ströhen- bild wird in den Tliorgenstunden durch die Se6>sjöhrigcn. die. sorgsam geleitet, mit oder ohne Tute, die Waltsahrt in den „Ernst des Lebens" antreten, ein besonderes Gepräg? erhalten. Leider haben die Not der Zeit und die unvermeidlichen Einsparungen im Etat des Staaies und im Etat der einzelnen Familien sich auch stark auf das Schulwesen ausgewirkt. Besonders deutlich wird dies bei den höheren Schulen Berlins. Die Schülcr- zahl ist stark zurückgegangen, und neben anderen Schulen sind auch noch die B i s in a r ck- R c a l j ch u l e und das Ä ö n i g st ä d t i s ch e Gymnasium geschlossen worden. Das Gerücht, daß auch die Realschule in Brig einginge, ist irrig. Sie wird nicht mit der Neuköllner Dürer-Oberrealschule zusammengelegt, sondern nur dem gleichen Direktor zur Leitung zugewiesen werden. ZNan halte nach dem Gcburtcnsahrzang mit eincin Rückganz um rund 25 Klassen der Serra gegenüber dem Vorjahre gerechnet. In Wirklichkeit aber wird der Aussall an Sexten nicht ' weniger als 53 gegenüber 1931 betragen. Die Wirtschaftskrise trägt | die Schuld, und es ist in diesem Zusammenhange beachtlich, daß die > einzelnen Klassen eine schwächere Besetzung aufweisen werden. Das j ist für den einzelnen Schüler gewiss nicht von Nachteil, aber als Zeichen der Zeit zu werten. Auch bei den anderen Klassen hat sich«ine bedauernswerte Z u- s a m m e n 1 e g u n g als notwendig erwiesen. Wohl treten in Berlin in der Auswirkung der Sporverordnungen mehr als hundert Lehrer an den höheren Schulen in den Ruhestand. Trotzdem aber werden noch weitere hundert festangestellte Lehrer überzählig. Bon ihnen treten etwa 30 Oberschullehrer endgültig in die Volksschulen über, etwa 30 Turnlehrer werden an Berufs- schulen verwandt werden. Diese Feststellungen sitrd bedauerlich, besonders wünschenswert aber wäre es, wenn die Volksschulen durch die Auswirkung der Notverordnungen möglichst wenig betroffen werden. Der Nachwuchs des Proletariats iit zum größten Teil auf ste angewiesen, und für ihn ist das Beste gerade gur genug. Fahrien nach den Gchlachifeldern. In den Reihen der ehemaligen Kriegsteilnehmer und Krieger- Hinterbliebenen ist seit langem das Bedürfnis vorhanden, die Ställen des furchtbaren Völkerringens im Westen und die dort sich weit dehnenden Gräberfelder und Kreuzwälder aufzusuchen. Diesem Bc- dürinis Rechnung tragend, veranstaltet der R e i ch s b u n d der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und K r i e- g e r h i n t c r b l i e b e n e n im Laufe des kommenden Somrnerhalb- jahrcs verschiedene G e d ä ch t n i s f a h r t c n zu den Schlachtfeldern und Kriegergräbern in Flandern und Frankreich. Die von Oer Abteilung für Kriegergräbergcdöchtnisfahrten des Rcichsbundes orgo- nisicrten Fahrten sollen insbesondere unseren Kriegcrhintcrbliebcncn unserer Gefallenen eine möglichst billige Gelegenheit bieten, einmal an der Grabstätte ihrer Lieben still zu verweilen, unsere im fremden Lande ruhenden Gefallenen zu besuchen und zu ehren und die Ehrcnvcrpslichtvng gegenüber den Gefallenen und ihren chintcr- bliebcncn im Volk" lebendig zu erhalten. An diesen Fahrten können neben den Mitgliedern des Rcichsbundes und deren Angehörigen zu den gleichen Vergünstigungen auch Freunde des Rcichsbundes und Angehörige von ÄriegsgcfaUcnen, die nicht dem Rcichsbund angc- hören, teilnehmen. Iin Verlauf« jeder Pilgerfahrt findet auf einem der grogen deutschen Kriegerfriedhöse eine gemeinsame Gedächtnis- seicr und Kranzniederlegung statt. In der Regel bietet sich dann auch für den einzelnen Fahrtteilnehmer ohne große Schwierigkeit Gelegenheit, den Friedhof und die Grabstätte aufzusuchen, um deret- willen die.Reife yon dein einzelnen Teilnehmer� unternommen wor- den ist. Nähere' A ü sst stn f t erteilt d'ie Abteilung sllr"'Krieg«r- gräbcrgedüchtnissahrtcn des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhintcrblicbenen in Aachen, Kapuziner- graben 13 oder die Geschäftsstelle des Gaues Berlin, Berlin E. 2, Rolanduser 6, 1 Tr.(täglich von 9— 5 Uhr, Sonnabends geschlossen). Spielplanändcrung im Staatlichen Schauspielhaus. Wegen mehrfacher Erkrankungen im Personal geht heute, Donnerstag, im Staatlichen Schauspielhaus stall der angetündigten Vor- stellung„Geschichte Gottfriedens von Berlichingen":„Florian Geyer" und im Staatlichen S ch i l l c r t h e a t er statt der angckün- digten Vorstellung„Elaoigo":„Di« Mitschuldigen" und„33 Minuten in Grllnebcrg" lyit Lucie Mannheim in Szeix. Um den Fasdtismus zu schlagen, hat jeder die Pflicht, am 10. April zu wählen. UnferJlreus gilf dem'.Kreis im erfleti Seid, dem'Humen Jfindenburg. SiastKrens im erfte&eld! iric am 10. April gnvühU rrird. Der zweite Gang der Reichgpräsidenten- w alil findet am kommenden Sonntag, dem 10. April, in der Zeit von 9 bis IS Uhr(9 Ihr vormittags bis 6 Uhr nadi- mitlags) in den dafür bestimmten Abstimmungsräumen statt. Die Abslimmungsräume werden von den Berliner Bezirksämtern durch Säulenanschlag bekanntgegeben. Aur die amtlich zugelassenen grünen Stimmzettel dürfen bei der Wahl verwendet werden. Neichsprasickenienwahl Zweiter Wahlgang. Freitag in den Lustgarten! Reichsbanner marschiert am(Schluß der Züge. Für die Kundizcbung der s<'isc»:nen Front am F r e i t a i g ge r c t tet werden. Nach einstündiger Löschtütig- tett ivav dir Brand-eingekreist und damit gleichzeitig auch die Gefähr für'die angrenzenden Grundstücke beseitigt. Die Entstehüngs- Ursache dürft« sich kaum scststellen lasse», da das Feuer mit solcher Gewalt gewütet hat, daß sämtliche Spuren restlas vernichtet scheinen. Das Verschwinden eines Knabe»« beschäftigt die Eharlottenburgcr Polizei. Der fünf Jahre alle Werner Thobecken aus der Camincr Straße 2 halte sich mit seinen Geschwistern aus der elterlichen Wohnung entfernt, um am cholzdamm in Charlottcnburg zu spielen. Dort wurde er vermißt. Die Kinder erzählten, daß sie mit dem kleinen Werner ans einem Bauplatz, gespielt hätten. Die Elten, suche» jetzt mit der Polizei nach dein Kind. dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. In Nikolsk-Ussurijsk gab es eine Zeitung, die sich „Ussurij-Land" nannte. An diese Zeitung halte ich einige Gedichte geschickt, die dort unter meinen Initialen gedruckt wurden. Als ich zum erstemnal Stadturiaub bekam, ging ich zur Redaktion und machte mich mit dem Redakteur bekannt. Offenbor Hot er Beziehungen zu Ofsizierskreisen gehabt und dort HeruinerzäHlt, er habe Gedichte eines Schützen der sech- zehnten Kompanie zum Abdruck gebracht— denn wie hätte diese Geschichte sonst zur Kenntnis des Regimentskomman- dcurs kommen können? Augenscheinlich hatte Tschaika deswegen eins auf den .Fut gekriegt. Erjietz in ich zu sich kommen und sagte:„Bitte, veröffentlichen Sie keine Gedichte mehr. Ich habe Un- «mnehmlichkeitcn deswegen gehabt." Mir blieb nichts übrig, als mich zu entschuldigen und! für die Zukunft Besserung zu geloben. Ich konnte nur ab- � solut nicht begreifen, worin ich mich vergangen haben sollte.! Die Gedichte waren rein lyrischer Art, wie das ja meinem Alter entsprach. Allenfalls mochte eine Schuld darin zu er- � blicken sein, daß sie vielleicht nicht sebr nicl taugten. Indessen»>ar die Sache, damit noch nicht abgetan. Zeh wurde zum Regimentskommandeur befohlen, dem Obersten Manzyfcrow. Ein aller, strenger Ofsizier mit brcitknochigem Geficht, eingefallenen Backen und schwarzem Bart, erinnerte er an Boris Godunow, wie Schaljapin ihn verkörpert. Ebenso wie»rein Bataillonskomamndeur legte er großen Wert auf einer streng militärische Ihaltung. ...Höker den Kopf! Roch höher! Roch höher! So ist es gut! Du hast eine gute.Haltung. Ich bin damit zufrieden. Aber ivas ist sonst mit dir los? Du läßt Verse drucken? Wer hat dir das erlaubt? Ra? hast du um Erlaubnis gefragt?" „Nein, Erter.hochwohlgcboren!" „Aber wie kannst du dich dann unterstehen, Verse zu machen? Na? Wer hat dir dos erlaubt?" „Ich schreibe seit meiner Kindheit, Euer Hochwohl- geboren." „Kindheit oder nicht Kindheit, bei mir im Regiment will ich jedenfalls so eine Wirtschaft nicht haben! Verstanden?" „Zu Befehl, Euer hochwohlgcboren." „Wegtreten!" Es ivar nicht meine Schnld, wenn das„Ussurij-Land" sich von da an ohne meine Ergüsse behelfen mußte. Dafür bekam ich dichterische Aufträge von Tschaika. Er wor eine lyrische und gefühlvolle Natur und pflegte zärtliche Briefe nach Wladiwostok an die Dame seines Herzens zu schreiben. Er bat mich, ihm ein paar Gedichte zu machen und gab mir sogar genau die Themen an. „Sehen Sic, da hoben wir also zum Beispiel vor meiner letzten Abreise von Wladiwostok miteinander in den Anlagen gesessen, bei Mondschein. Wenn�Sic das vielleicht ein bißchen ausmalen könnten... Sehen Sic, so in der Art einer Rück- erinnerung. Sie wissen schon, wie ich es meine." Und nun schrieb ich Verse für die Dome in Wladiwostok und paßte sie sorgsam dem Gesiihlsvorrat des Auftraggebers an: Ach, weißt du»ach, wie wir zuerst uns fanden und Lunas Silbcnchcin dein holdes Haupt umrann? Dustwolken stäubten illß von den Guirlanden— Im Garten war's. O, denkst du nach daran? ?!r>ch spür ich Lippen sich auf Lippen pressen. Des Gartens Duit... Ach. daß ich scrns bin! Mir ist so bang, du könntest wich vergessen. Die Tage schleichen mir wie öde Jahre hin. Di« Zeit vergeht, ich lehre zu dir wieder, zu deinen Füßen lieg ich dann wie einst. Ich schmiege selig wich an deine Rosengliedri. und spüre, wie auch du vor Glück und Rührung weinst. Einmal begegnete ich auf der Straße dem Regiments- kommandeur. Ich war sehr erschrocken, nicht so sehr meinet- wegen, als vielmehr mit Rücksicht aus meine unmittelbaren Vorgesetzten, die mir lange Zeit vor den übrigen Rekruten zum ersten Mal Stadturlaub gegeben hatten. Das hatte ich mir damit verdient, daß ich beim lieben der Ehrcnbezcugup- gen alle Fragen richtig und genau beantwortet, einwandfrei Front gemacht und salutiert hatte. Vor den» ersten Ausgang in die Stadt hotte mich der Feldwebel noch einmal, theore- tisch und praktisch geprüft:„Vor wem hast du Front zu machen?" „Vor meinem Kompaniechef, Bataillons- und Regiments- kommandeur und vor jedem General,.Herr Feldwebel." „Auf wieviel Schritt vor dem Offizier bleibst du stehen?" „Auf vier Schritt Entfernung, Herr Feldwebel." „Schön, also angenonunen, ich bin der Regiments- kommandeur und du kommst mir entgegen." Wir gingen aufeinander zu. Vier Schritte oor ihm blieb ich stehen und inachte in der vorgeschriebenen Art Front. „Ausgezeichnet, Raffel, sehr gut!" Und nun mußte ich gerade bei einem meiner ersten Aus- gänge dem Regimentskommandeur begegnen. Ich fiel beinab um vor Schrecken. Die Srraße war voll von Passanten. Ich fürchtete, ich würde die Prozedur des Frontmachens nicht exakt zustande bringe», um so mehr, als Manzyfcrow in diesem Punkt außerordentlich streng und anspruchsvoll war. Ich gab mir ein mägüchst forsches Ansehen, machte geräusch- voll holt und stand bereits auf eine Entfernung von siebe» Schritten wie eine Mauer da. Ich wairdtc deni Komman- deur den Kops zu. stand muckmäuschenstill und verschlang ihn mit den Augen. Manzyserow blieb stehen. „Welche Konipanic?" „Sechzehnte, Euer hochwohlgcboren!" „Guten Tag!" „Gesundheit wiinsche ich, Euer hochwohlgeborcn!" „Nimm den Kopf höher! Noch höher! Noch etwas höher! Ein sibirischer Schütze muß dreinschauen wie ein � Adler! Sa ist es recht! Rechts um! Ohne Tritt inorsch!" Nikolsk-Ussurijsk war ein schmutziges, staubiges, kstmmcr- lichcs Städtchen und unterschied sich bloß dadurch um, aii deren russischen Provinzstädten, daß man auf der Straße unter den Zivilisten nur selten einen Russe» sab. Meist . waren es Japaner, Ehinescn und Koreaner. Alle Wäscher waren Chinesen. Alle Friseure und Zuckerbäcker Japaner. Alle Fleischer Koreaner. In den engen Gassen des Ehinescn- markts lagen vor den Wohnbuden auf Tischen und Verkaufs- ständen allerlei Waren ausgebreitet: an deren Stellen warteten im Freien die Stühle der japanischen Friseure auf die Kunden, die sich auf der Straße rasieren ließe». Man konnte häufig beobachten, wie der Friseur sich die schwarzen haare des Kunden um dos linke Handgelenk wickelte und ihm da»» den seifcnüberschäumtcn Kopf rund um den Zopf herum glatt abrasierte.(Fortsetzung folgt.) Flugblattverbreitung Zigeunerschlacht. Wilde Schießerei bei einer„Iriedensseier". Auf einem freien Platz in der Londoner Straße waren während der Wintermonate etwa ein Dutzend Zigennerwagen zusammengeschoben worden. Der Stamm hatte die Nachborstänune zu einer Abschieds- und Friedensfeier eingeladen. Die Zi- geuncr hatten beschlossen, ihre Stände aufzugeben und jetzt im Sommer aus das Land zu ziehen. Die Abschiedsfeier wurde mit Alkohol kräftig begosien, und in der Nacht waren die Feiernden alle betrunken. Wie gewöhn- lich kam es jetzt zwischen den Männern zu einer wüsten Schlä- gcrci. Was ihnen in die Hände fiel, wurde als Schlag- und Hiebwaffe benutzt. Plötzlich zog einer eine Pistole und gab daraus mehrere Schüsse ab. Das schien dos Signal für die anderen zu sein. Auch sie zogen Waffen, und es entwickelte sich jetzt eine regelrechte Schlacht, bei der etwa SO bis 60 Schüsse abgegeben wurden. Aus den Nachbarhäusern schreckten die Anwohner im Schlafe auf und riefen das Ueberfallkommando und das 45. Revier um Schutz an. Als die Beamten anrückten, waren die Mitglieder der Nochbar- stämmc bereits geflüchtet. Der Hauptstamm, der die Feier ver- anstaltck hatte, oeronlaßte seine Mitglieder, sich in die Wagen zurück- zuziehen. Die Beamten konnten nur feststellen, daß eine ganze Anzahl. Männer und auch einige Frauen blutige Verletzun- gen aus der Schlacht davongetragen hatten. Aufsallend ist. daß keiner der Verletzten Schußwunden hatte! Es ist aber auch möglich, daß solche Verwundete in den Wagen oersteckt»nd vor den Augen der Polizei verbargen gehalten werden. Wie üblich, versuchen die Zigeuner bei der Vernehmung den Vorfall möglichst harinlas dar- zustellen. Gegen alle Beteiligten wird Strofbcfehl erlassen werden. Erpresfungsversuch an Barella. Sine Strafanzeige gegen Llnbekannt. Der Angeklagte Waffe»Händler Barella hat. wie im „Vorwärts" berichtet wurde, bei seiner Vernehmung am ersten Verhandlungslage erklärt, daß er vor dem Erscheinen des Artikels im„Berliner Herold" über seine Verfehlungen bei der Singakademie im Büro der Pinkerton-Dctektei Objekt eines Erpressungsversuchs geworden sei. Der„Berliner Herold" ersucht uns, mitzuteilen. daß keiner seiner Mitarbeiter je mit Barella in Verbindung getreten und daß dieser voraus sichtlich einem Betrüger in die 5) an de gefallen ist. Der„Berliner Herold" hat beim Berliner Polizeipräsidium aus Anlaß der Erklärung des Angeklagten Barella eine Strafanzeige erstattet mit der Maßgabe, die Vorunter- suchung auch auf die Pinkerton G. m. b. H. auszudehnen. Von dieser Strafanzeige ist dem Vorsitzenden in der Sache Barella gleichfalls Mitteilung gemacht worden. Aus der Gerichtsverhandlung gegen Barella ist im Zusammen- hang mit dieser Erpressungsaffäre noch zu berichten, daß der Rechts- anwalt Dr. Ball als Vertreter des„Berliner Herald" dem Gericht eine Abschrift der Strafanzeige überreicht hat, die zu- samnten mit einer gleichfalls überreichten Erklärung eines Herrn Gebhard von der Pinkerton-Detektei an Staatsanwalt Mit- telbach weitergegeben worden ist. Der Staatsanwalt er- klärte in der Sitzung, daß er in der Verhandlung zum erstenmal aus dem Munde des Herrn Barella von der an ihm versuchten Erpressung vernommen habe. Wäre das früher geschehen, so wäre ihm längst Schutz gewährt worden. Die Staatsanwaltschaft würde selbstverständ- lich die Angelegenheit aufs genaueste prüfen. Die Sache verspricht interessant zu werden. Wscllm van-Gogh-Sammlung Der Russe mit dem kostbaren Familienbesitz Die gestrige kommunistische Versammlung im Sportpalast mußte bereits bald nach Beginn von der Polizei wegen Unfriedlich- t e i t geschlossen werden. Ein Chinese, der keine Sprech- erlaubnis hatte, betrat gegen 20.30 Uhr die Rednertribüne. Von dem Polizeiofsizier, dem die Ueberwachung für die Versammlung übertragen mar, wurde die Versammlungsleitung daraufhin ver- warnt und auf den Verstoß gegen die Bestimmungen hingewiesen. Darauf enlsrand ein wüster Tumult und es hagelte Schimpf- und Niederruse auf die Polizei. Der Polizsioffizier schloß daraufhin die Versammlung. Auch eine nationalsoziolist'sche Versammlung, die gestern abend in den«äl«n des Kriegervereinshauses in der Chaussee- Der Bildersälschcrprozcß. in dessen Mittelpunkt der Kunsthändler Otto wacker steht— die eigentlichen htutermänner dieser wonslreafsäre haben es, w'e behaupte! wird, vorläufig verstanden. im Hinlergrund zu bleiben—, ist geeignet, die Phantasie anzuregen. Zahre hindurch werde» gesäischke Bilder für Zehn- lausende in alle Himmelsrichtungen verkauft— allein für ein Bild nach New Jork wurden 65 000 TU. gezahlt— sämtliche Kunsthand- langen, zahlreiche kunstsachverständige hegen nichl den geringsten Zweifel an der Echtheit der von-Gogh-Bilder. Die Sachverständigen sollen auch heute noch nicht ganz einer Bieinung über falsch oder echt sein, wer ist aber dieser Kunstmaler Otto wacker, der nun>n aller teute wund? Und wieso kam gerade er zu dem Segen der van Goghs. Der 32jährige Wacker stammt aus einer Düsseldorser Maler- smnilie-, sein Vater ist Landschaitsmaler, mich Vnider und Schwester malen, er selbst malt', nebenbei tanzt er auch und mit ihm seine andere Schwester. Schon als Zivölfjährigcr oerkaufte er die Bilder seines'Vaters,»ls Dreizehnjähriger leitete er feine Wanderaus- ftcllnng. Nach Ueberfiedlung der Eltern nach Berlin studiert« er hier im Alter von lö Jahren Slunft n n d Tanz und trat mit Erfolg im Bliith ner-Saal in allen spanischen Tänzen auf. Nebenbei, insbesondere nach dem Kriege, befaßte er sich mit Antiquitäten- und Bilderhmidel. Sein letztes Austreten im Jahre 1924 im Tlüthner- Saal bedeutete sür ihn aber den Ansang seines Aufstiegs. In der Gestast eines adligen Russen trat ihm das imorivartctc Glück entgegen. Dem Russen hatte es Wackers'panischer Tanz angetan. Er schlug ihm eine Toirrnce durch die Schweiz vor: aus der Tournee wurde nichts. Die geschästtichen Beziehungen jedoch, die aus der Freundschaft entstanden, wurden zwar durchaus feste, bleiben aber bis heute ungeklärt. Der geheimnisvolle Russe mit den von Goghs war eben der Borbesitzerder.ZOoanGoghschen Bilder, die feit 1027, noch imd nach, Wacker in Kommission gegeben wurden und durch ihn die Sammlungen van van-Gagh-Liebhabern bereicher- ten oder vielleicht auch nicht. Ueber den Name» dieses Russen, seinen Wohnsitz in der Schwei,;, über sein Alter, seine Familienverhällnissc u. a. m. will der Angeklagte nichts aussagen. Dem Vertrage, den er mit dem Russen geschlossea, log die ehrenwörtliche Bedingung zugrunde, seinen Namen nicht zu nennen. Und dabei bleibt er. Man hält ihm vor, daß in Rußland die ganze Affäre doch schon ohnehin längst bekannt sein müsse. Die Polizei und die Swats- anwaltschaft hoben zudem versprochen, das Ganze auf sich beruhen zu lassen med bei Namensnennung vollkommene Diskretion zu bewahren: der Angeklagie will es aber selbst gewesen sei», der in fernem Mißtrauen gegen die versprochene Verschwiegeichclt dem Russen abgeraten Habe, seineu Namen zu offenbaren. Die Briefe des Russen hat er verbrannt. Buch über die Zahlungen, die er dem Russen gemacht, und über die Darlehen, die er von diesem bekommen, hat er nicht geführt. Und doch existiert der Russe. Unter keinen Umständen war es der steckbrieflich verfolgte russische Betrüger mit dem adligen Namen Fürst Golizyn. Der Angeklagte ist um keine Antwort verlegen. Elegant, gewandt, mit tadellosen Manieren, niemals aus der Rolle fallend, windet er sich hin und her und breitet über alles den Schleier das Geheimnisvollen. waren d>c Bilder gefälschi und wer hat sie gefälscht? Die Frage» des Borsitzenden cnthollcn leise Andeutungen. Hat Ihr Bater nicht van-Gogh-Kopien gemacht? Nein, das liegt ihm nicht. Hat er Bilder restauriert? Ja. Hat er van Goghs restauriert Ja, etwa 16. Hat Ihr Bruder van-Gogh-Kopien hergestellt? Ja, mir zweimal auf meine Bäte, Weshalb baten Sic ihn darum? Ich liebte gerade die beiden van Goghs ganz besonders. Hat Ihr Bruder einmal eine Federzeichnung„Das Kornfeld mit Eypressen" bei de la Faille in?lmstcrdam erworben? Ja. Zu welchem Zweck? Ich habe die Federzeichnung süni Tage später weiterverkauft. Ei» „Kornfeld mit Eypressen" befindet sich aber uicker Wackers van Gogh- scher Sammlung. Der Angeklagte hatte in den Jahren, bevor er seinen schwunghaften Handel mit den van Goghs' begann, die ge- samte van-Gogh-Literatur erworben und gründlich durchstudiert.... Die Sachverständigen werden keine leicht« Arbeit hoben, Die K u nf t fachv c rstäkidi g c n und auch die anderen nicht, insbesondere die letzteren: der Leiter des Erkennungsdienstes der Zlmsterdomer Polizei, Garnier, der gerichtliche Chemiker aus Amsterdam, de Wild, u. a. m. Ueber die Psychopathologie des Angeklagten wird sich ober der Psychiater Prot. Kreuzfeld zu äußern haben. Vielleicht findet er den Schlüssel zu dem ungeahnten Aufschwung und ebenso jähen Absturz dieses Angeklagten. straße stattfand, mußte von der Polizei wegen unfriedlichen Verlaufs geschlossen werden. Einer der Veriaminlung-redner erging sich in beleidigenden Aeußerungen gegen den Reichskanzler. Die Ver- warnung des überwachenden Polizeiosfiziers wurde von den anwesenden Nationalsozialisten und SÄ.-Leuten demonstrativ mit schweren Beleidigungen und Bedrohungen beantworlet. Als sich der Tumult noch steigerte, wurde die Kundgebung sür aufgelöst erklärt. Finnlands erste? nasser Tag. Menschenreihen vor den Spritläden. Helsingsors, 6. April Die mit größter Spannung erwartete heutige Aufhebung des finnischen Alkoholverbots erbrachte gleich am ersten Tag eine Se»- s a t i o n. Zum erstenmal seit Einführung des Sllkoholverbots vor 13 Jahren war es nicht möglich, in den Restaurationen Spirituosen zu betommen. Diese eigenartige Tatsache beruht daraus, daß die Nestau- rateure und das Alkoholmonopol, das heute seine Tätigkeit begann, sich nicht über die Höhe der Ausschankpreise und Verdienste einigen konnten. Die Restaurateure stellten infolgedessen vorläufig den Epritverkauf ein, der während des Verbots überall im Land im Gang war. Der Jnnemninister und, der Chef der Heeresleitung haben Aufrufe er- lassen, in denen zur Besinnung gemahnt wird. Als die Verkaufs- stellen des Spritinonopols eröffnet wurden, standen schon überall lange Menschenreihen an. In dem Hauptgeschäft der Stadt erregte eine 70jährige Frau, die die erste Käuferin war, berechtigtes Auf- sehen und wurde von allen ausländischen Presse- und Filmphoto- graphen verewigt. Das Problem Groß-Berlin Verwaltungsmaschinerie der Viermillionenstadt— Reform der Bezirksverfassung? Der Pressechef der Stadt Berlin, Londlagsabgeordneler Dr. Richard L o h m a n n, sprach im Rundfunk über Berliner verwaltungsprobleme. Seinen interessanten Darlegungen ent- nehmen wir folgendes: Die Verringerung der Zahl der Bezirke wird augenblicklich leb- haster diskutiert als die Unzulänglichkeit der Bezirks- Verfassung, Und doch würde eine neue Bezirkscinteilung ohne Aenderung der Verfassung zu den groteskesten Zuständen führen. Wir würden dann z.B. Bezirksversammlungen von rund 100 Mit- gliedern erhalten, während weike Kreise von der völligen Enthehr- lichkeit dieser Schcinparlainente überzeugt sind. Und anderer- seiis wäre der Kern des Problems überhaupt nicht berührt: die Frage, wie man die Leiter der Verwaltungsbezirke, die Orts- dezerncnten, organisch mit den Leiten? der zentralen Fachgebiete, den Fachdezernenten, verbinden kann. Die jetzigen gemeinsamen Besprechungen zwischen Magistrot und Dezirksbürgermeistern sind ein Behelf, ober keine Lösung. Befürworter wie Gegner, einer Verfqssungsäudanmg testen wohl in ihrer Mehrzahl die Auffassung, daß der Verwaltungsapparat mindestens in der spitze und mindestens in einigen Bezirken für ihren Umsang und vor allem für den Umfang ihres Arbeitsgebietes zu groß ist Sehr wesentliche Meinungsverschiedenheiten gibt es aber darüber, ob man den Apparat ocrklemern oder die Bezirke vergrößern soll oder ob man gar beides tun kann, sowie darüber, ob man es schon jetzt oder erst später tun soll. Neuerdings scheint die Mehrzahl der Befürworter einer Zusammenlegung der Bezirke dahin zu neigen, die alten Grenzen als gegeben hinzunehmen und lediglich durch Zusammenfassung von je zwei oder drei Bezirken größer- Gebilde zu schassen. Man vermeidet auf diese Weise die technisch recht schwierige Verteilung einer Fach- Verwaltung, ihrer Akten und Vorgänge auf mehrere neue Bezirke. So oerschieden die einzelnen Vorschläge sind— sie schwanken zwischen sechs oder acht bis zu 12 neuen Bezirken—, so einig sind sie sich in der Tendenz, wirkliche Großbezirke, Großstädte mit mehreren hunderttausend Einwohnern, als untere Verwaltungs- einhcite» zu schaffen. Gegen diese Tendenz richtet sich der Haupt- sächlichste Widerstand der Gegner der Reform. Man zweifelt an der Zweckmäßigkeit solcher Großbezirke und verweist darauf, daß im Westen Deutschlands Städte mit ähnlich hohen Einwahnerziffern bereits vor das Problem der Dezentralisation ihrer Verwaltung gestellt seien. Durch eine Aenderung der Bezirksoersassung und-einteitung würde die Verwaltung entschieden verbilligt und vereinfacht werden. Die Verbilligung sieht man nicht nur in dem Fort- fall einiger hochbezahlter Etadtratsstellen. sondern in der Verein- fachung des gesamten Verwaltungsapparatez. Aehnliche Vorgänge in benachbarten Verwaltungsbezirken konnten in Zutunft einheitlich bearbeitet werden. Die Eingliederung der Bezirksbürgermeister in den Mogistrat würde eine wirkliche Eiaheiklichkeii der Verwaltung gewähr- lcisteu. Der Fortfall des Zweikammersystems würde eine er- hsbliche Vereinfachung und Arbeitsentlastung mit sich bringen. Der Geschäftsgang könnte beschleunigt werden. All dies wird von den Gegnern der Reform entschieden bestritten. Man glaubt, daß etwa fortfallende Stadtratsstellen durch eine größere Anzahl höherer Beamter wieder ausgeglichen werden würden und daß kaum eine der bestehenden Dienststellen entbehrlich sei, wenn man der Einwohnerschaft nicht unerträglich weite Wege zumuten wolle. Wie Seeleuie und Lufifahrer Wählen. Auch beim zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl können die Seeleute vor und nach dem allgemeinen Wahltag in den größeren deutschen Wohnstädten ihre Stimme abgeben. D>e See- mannzwahlen beginnen am 2. April und dauern bis 13. April. Die Stimmen werden täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags von, einem Abstinunungsvorstand entgegengenommen und in die Stimmurne gelegt. Die Stimmurne ist außerhalb her.Wahlzcit v e p s i e g e l t. wird von der Gemeindebehörde unter"Verschluß gehallcn und erst- mals am Wahltage geöfnet. Damit nicht festgestellt werden kann. wie die Seeleute gewählt haben, werden die Umschläge mit den Stimmzetteln am 10. April ungeöffnet vor Schluß der all- gemeiner» Adstimmungszeit in die Stimmurne eines allgemeinen Nachbarstimmbezirks gelegt und am Abend des allgemeinen Wahltags mit dem Gejamtinbalt dieser Urne ausgezählt. In ähnlicher Weise vollzieht sich die Wahl nach dem 10. April: doch wird das Wahlergebnis am letzten Tage, am 13. April, von dem besonderen Abstimmungsvonftand festgestellt und den Krciswahlleitern mitgeteilt. Ivetteraussichten für Berlin. Wechselnd bewölkt mit einzelnen Rcgenfällen. vorübergehend milder, lebhafte westliche Winde,— Juc Deutschland. Im Süden zeitweise heiter, im übrigen Reiche wechselnd wolkig und vielfach Regen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diele Rubri! nur an das Iugendl-kretariat Berlin SW 68, Lindenbrage 2. vorn 1 Treppe rechts, Abteilungsleiter, gebt den Berichtsbogen und das Mai-Programm ab. Be- rUcksichtigt bei der Re'ercntenanlorderung die Feiertage. Orchcstee der SAI. Seilte, punktlich 20 Ubr. Sesaimprobe im Zeichensaal der fttBlö., Kaiser-Friedrich.otraße(U-Bahn Rathaus Neukölln). heute, 19Vj Uhr, Abteilungsmitgliederversammlungen: Sasenheide: Wassertorltr. 4.— ttöpeuicker Biertel: Manleuffelstr. 7, vorn 1 Tr.— Südwesten 1 Lindenstr. 4.'BerbandsbUchcr mitbringen!)— Schöne» bera M: Hauptstr. iä.— Westend: Sportplatz Westend.— Zehlendors-Dahlcm: Waldschule, Schlieffenstraßc.— Tegel: Schänebcrzer Str. Z. 4- Norden: Lortzingstr. 10: Kampfliederabsnd.— Arnswalber Platz II: Schön» Tanket Str, 11:„Fabrtcnerlebnisse".— Falkplag I: Sonnenburget Str. 20; „Kampf um Preußen-.— Humannplatz: Gleimstr. 33—33:„3513., Schule, Eltcruhaus".—— Rorbastcn U: Danziger Str. 02, B. III:„Di- Stellung der Frau in Nutzland und Italien".— Schönhanlci Vorstabt: Eleimstr, 33—33: ...stampf um Preutzen".—»attbuller To,: Urbanstr. 107:„Das Recht der Iuocnd in der Familie".— Ztaraw: Frundsbcrgstr, 0:„Rutzland".— Bcistcnsee: vvtechch.-tvrobk im Stneum Pisioriusstt. 133—137.— Maricnborf.TeinpcN'ol: Alle erwerbslosen Senoffen nehmen an dem Schallplattenvortraq„Das deutsche Lied" teil. Beginn 14�- Uhr, Heim Götzitratzc. 20 Uhr Betettiming an ker Kundgebung in Lichtenrade bei Rosemann, außerdem zentrale Flugbiattver- brcitung. Werdebezück Mitte: 20 Uhr Heim Äöpenicker Str. 02: Probe des Mai-Fcst- lpicls, Werdtbc irk Tiergarte», Kingekreis: 10>„ Uhr Heim Bremer Str. 00— 70. Werbe beeirt Krcuzderg: 13 Zh Uhr Erwerbslosenzuiammenkunit Seim Neichen» bcrgcr Str. 00. ffl-il-'initft streu- derg, Schöneberg. Besten und T-ltowianal: Achtn-g, alle Musiker müssen zur Prob,(für die Iungroohlerkundgebung: am Sonnabestd, 0. April, im Heim Nostuenstr.> in Eharloltenburg erscheinen. Vorfrage, Vereine und Versammlungen LIKi Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold-. KSWfest Oieichllitsstelle: Berlin 3 14 Eebaittonstr 87—38 So' 2 ÄJUhT �teglii,(yrt-w-r-in): Donnerstag, 7. April. 17 Uhr. Antreten * L,chterf«l!-er Festsäle,, Zehlendorser Str. 3.— Zirinickeubors. Äamrrad» schuft IftlNickendorf-W-sti Donn-r-tag, 7. April, 20 Uhr, stam-rädschafl-pcr. ■------------ r.,—.- fpisten wollen, wenden sich an Same- Breslauer. Berlin TW, 08. Markgrafen» stratze 22.— Thar'ottenburg: Donnerstag. 7. April. Taalichutz TPD.-Berfamm» lung Türkisches Zelt. Anrreren 10 Uhr. Spielleute zur Stelle. Deutscher Friebea-bnnd. Donnerstag. 7. April. 20 Uhr, im Begetariichen Nestauranl. Äörhener Str. 40(nahe Patsbamer Viag), Borrrag und Bcrlesung des Schriftstellers Dosis stofftcr aus seinem Tonfilmwert„Wilhelm It.- mit au» schließender B-sprechung und Diskussion. SariZiiotjecber sisp-rziUo-Ui b-I 0 ru ppe R e i n t c k e n d o r f: Donnars- tag, 7. April, 191; Uhf. im Juiendheim LuidauerstraSa. Temo Ekzcrcoi. Gruppe Centro: Freitag, den 8. April, ly-z Uhr. im Metallarbeiter- Verbanishauz, L'nienstr. 83:83, Eingan Elsässer Str. Temo; gramatika vespero. Kinde, eruppe„Libereco-; Frei ast. den 8 April, 17-19 Uhr. in der Schule Danziger btraße. Temo; RaportoJ pri Pasko. Kehraus mit Hitler! Unsere nächsten Veranstaltungen: Donnerstag, den 7. April: 7. Kreis— Charlottsnburg- 19/4 Uhr im„Türkischen Zelt", Berliner Straße 53, öffentliche Kundgebung. Referent: Dr. Richard Lohmann, MdL. Spandau. 19'A Uhr in der Jubiläumsturnhalle, Moitkestraße, öffentliche Kundgebung. Referent: Kurl Heinig, MdR., Ernst Hildebrandt. 11. Kreis— Schöneberg. 19A Uhr, öffentliche Kundgebung in der Hohenzollernschule, Beiziger Straße Ecke Eisenacher Straße. Referent; Dr. Richard Mischler. 12. Kreis— Steglitz. IRK- Uhr in den„Lichterfelder Festsälen", Zehlendorfer Straße 5, öffentliche Kundgebung. Referent: Dr. Haubach. Dahlem-Dorf und Umgegend. 20 Uhr im Lokal Schilling am U-Bahnhof Dahlem.„Eiserne-Front-Kundgebung". Referent: Dr. Pähl. Lichtenrade. 20 Uhr bei Rohrmann, Hilbertstraße 19.„Eiserne- Front-Kundgebung". Referent: Stadtrat Carl Wermuth. 120. Abt.— Friedrichsfelde. 20 Uhr bei Tempel, Prinzenallee 45, öffentliche Kundgebung, Referent: Dr. Otto Friedländer. 121. Abt. Karlshorst. 20 Uhr im großen Saal des„Deutschen Hauses" am Bahnhof Karlshorst;„Eiserne-Front-Veranstal- tung." Referent: Erich Kuttner, MdL. 155. Abt.— Buchholz. 20 Uhr bei Kaehne, Berliner Straße 39, öffentliche Kundgebung. Referent: Fritz Schröder. Ehrich und Graetz. 1634 Uhr Betriebskundgebung bei Döhling, Treptow, Elsen- Ecke Kiefholzstraße:„Die Aufgaben der Hammerschaften". Referent; Max Heydemann. Holzmann. 16!- Uhr Betriebskundgebung im Lokal Götze, Hohenschönhausen, Berliner Straße 93:„Der Kampf um Reich und Preußen." Referent: Emil Barth. Potsdamer Bahnhof. 1634 Uhr im Lokal Dornbusch, Bülowstr. 58. Betriebskundgebung. Referentin; Luise Kahler, MdL. Sonnabend, den 9. Aprih 155. Abt.— Karow. 20 Uhr bei Meye, Dorfstraße 1, öffentliche Versammlung. Referent: Max Brinitzer. Männer und Frauen! Erscheint in Massen! etnfenbungcn für biete Rubrik sind e c 1 1 i n SW 68, i'lnbenfttaSt z. Groß-Verlin stets a» da« Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen recht«, zu richten Achtung, Gtadtverordnetenfraktion! Heute. 1K Uhr. nußerordentlidfe Fraktionssihung im Rathaus. Zimmer 109. » Beginn aller Veranstaltungen 1913 Uhr. snfern keine desondere Zeitangabe? t. Kreit. Äutfii» Bernflein:„Demokratie im Sturm* heute, 20 Uhr, In der Sophirn-Schule. Weinmeisterstraflr. t. Krei«. gm..Clnflum" finden bis zur Reichspräfldentenwahl taglich tt, 12U und 14 Uhr Kinouorfuhrnngen bei freiein Eintritt flatt. Alle erwerba. losen Parteimitglieder werden gebeten, an diesen Borfllhrungen teilzu nehmen und Indifferente mitzubringen. 6. Kreit,»onntag, 10. April, 11 Uhr, im gentralwahlbilro an bekannter Stelle. 7. Kreit. Heute, 15 Uhr, Zusammenkunst der erwerbslosen Parteimitglieder im Jugendheim Nosinenstr. 4.„Kampfe in alier und neuer Zeit", Referent Genosse Kaflenstein. 1«. Kreis Zehiendarf. Der Kursus Dr. Mönchen söllt am Freitag, 8. April, wegen der Demonstration aus. Fortsetzung am Freitag, 15. April, in der Zinnowald. Schule. 14. Abt. Die Genossen treffen flch Freitag um'0H Uhr in der Grenzstrage, Sumboldthain. Das Banner mutz um 16 Uhr in der Grenzstrahe am Gammelvunkt sein. 15. Abt. Heute Funktionärfltzung bei Obiglv, Ltralsunder Etr. 11. 22. Abt.«onnaltend. 9. April, Funktionarfltzsinng an bekannter Stelle. 06. Abt. Unsere Fluäblattoerbreitung ist heute. 18 Uhr. Treffpunkt Juristische Sprechstunde. Linoenstr. 8. 44. Abt. Sonnabend, 9. April, 19 Uhr, bei Ewald, Ekalitzer Str. 120, Funk- tionirrsitzung. *5. Abt. 4. Bezirk: 17 Uhr Flugblattverbreitung. 168». Abt. Heute. IL Uhr, Ausgabe oou Flugblättern, Handzetteln, Wahl. Material: Dammporstadt südlich der Bahn bei Eisner, Kaiser. Wilhelm. Strohe Z; Dammvorstadt nördlich der Bahn(Achtung, neues Lakglii bei Schulz, Bahnhofstr. 34. 144. Abt. Freitag, 8. April, Funltionörsitzung bei Schwarzer, Sabriel-Max. Straße 17. 117. Abt. Gruppe Klingenberg: Die Flugblativerbreitung findet«on fetzt ob vom Genossen Aedut, Äöxellicker Ehauffee 37, aus statt. 128. Abt. Heute, 20 Ahr. Iahlabend de» 4. Bezirks bei Zlober, Berliner Etr. 80. 139. Abt. Heiligensee, Echnlzendorf, Heute, Donnerstag, 7. Ävrtl, 20 Ubr, Mit- gliederverfammiung bei Hünerl, am Bahnhof Schulzendorf. Organisatorische Fragen. Arauenveranstaltung. 136. Abt. Heute, Donnerstag. 7. April. 20 Uhr. in der Lindauer Straße. Frauen- abend.„Frauenarbeit in den Parlamenten— Preuheumahl", Referentin Helene Sehmitz, M. d. L. Bezirksausschuh für sozialisfische Bildungsarbeit. Der Zentrolkursu»„Die Frau in der gesellschaftlichen Krise der Gegenwart" von Paula Äurgah fällt am Freitag, 8. Avril, wegen der Kundgebung im Lust- garten aus und wird, wie letztes Mal vereinbart, verlegt auf Dannerstag, 14. April, 19'. o Uhr. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde Groh-Berlin. Heute, 20 Ahe, Seminar im Rathans Renkölln. Schönebeeg! Heute, Donnerstag, 18 Uhr, Kreishelfersttzung bei He. noistu Peterson, Feurigstr. 66. Nenkölln, Abt. Sturmsalter Gruppenabend nach den Ferien aus- nahmsweise heute. Donnerstag, ab 17 Uhr in der Karl-Marx-Schule. Aufchliehend Hellerbesprechung.— Abt. Lichtkäwpsee: Wegen der Demonstration findet der Heimabend für Jung- und Rote Falken schon heute, Donnerstag, 17 Uhr, in der Baracke Ganghoferstrahe statt. Keeuzbeeg. Abt. Südwest: Wir tagen im Heim Porckstr. 11 wie folgt: Mon- lag von 17—19 Uhr Nestfalken: oo» 173-s— 19H Uhr Jung- und Rote Falken. Dienstag 18— 19 Nestrallen. Flöten. Mittwoch 17— 19 Uhr Restfalken. Donner«- taa 18—1916 Ahr Rote Falken. Freitag 18— Wh Uhr Iungfalken.— Abt. Reichenbeiger Viertel: Wir tagen im Heim Reichenberger Str. 66 wie folgt: Monrag 14— IS Uhr Restfalken. Dienstag 17'.?— 19 Uhr Instrumentalgruppe. Mittwoch 10—18 Ahr Jungfalke». Donnerstag 1714— 19Vj Uhr Rote Fallen. In iTufier �DTZenstunde des 3. April entschlief der Ingenieur-Chemiker leger Bronn Auf seinen Wunsch fand die Einäscherung in aller Stille statt. Wir bitten, von Beileidsbesuchen abzusehen Ida Uronn geb Altmann Fanny Jossifoff geb. Bronn Leo Mitmann ..AUifi/CurfSnui/ (| HaifUUA&t A. Wiatrak Nach/. Hugo Baumgärtner SO, Köpenicker Straße 75 O, Warschauer Straße gl S, Kotthusser Damm ioj N, Alte Schönhauser Str. 46 Steglitz, Bismarckstraße 64a llzMei Metallartisltei-VEM Vex>valtangs»icllc Berlin Kachrui Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schmied Aupst Kempf geb. 26 August 1803, am 26. Mälz gestorben ist Ani 1. Aprii starb unser Kollege, der Werkzeugmachrr Atdert kllllried geb. 21. März>839., Am 10 März starb infolge Unfalls unser Kollege, der Mafchinenschlofler Erwin Piaciitnayer Ehre ihrem Andenken! Die Beisetzungen haben bereits stattgefunden. Die OrtsvcT-JcaUunp. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 34. Abt. Am Montag. 4. April, verstarb unlere liebe Genossin Luise Sommer. Boxhageuer Str. 19—20. im öö. Lebensjahre. Ehre ihrem An, denken! Di« Beerdigung findet am Donnerstag, 7. April, auf dem Zentral- friedhof in Friedrichsfelde, 13 Uhr, statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Abteilungsvorstand. »1. Abt. Am 4. April verstarb unser Genosse Wilhelm Bartsch, 41. Bezirk, im 63. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Donners- tag, 14 Uhr, aus dem Friedhos Mariendorser Weg. HocArtr! ovo virirew riet 4!i!iik!likli ziikklLkI vvavllllvkii mzerc-r-mt-leO-?- 1,111«»! tu.rort'Wr" Md iroftdea aofiOTrdentlid) ülllly I SeutsdirttaMMH ümtnng! Adttand: VerweimnäsntU&iedcr! Am Freitag, dem 8. April 1932, keine Sitzung der Rittieren Orts- Verwaltung. vie Ortteertenltupg, Für unssrsn Schuhreporaturbetri eb Meister gesucht, welcher schon bisher in großem Reparaturbetrieb tätig war. Bewerbungen mit Zeugnisabschriften und Lebenslauf an: SALAMANDER Aktiengesellschaft Berlin C 2, Königstraße 46/47. WGwnJSfeÄ f Balkonschirm(Abb. 21 ca. 150 cm Durchmcssar, mit Knidc- Q Vorrichtung, zweifarbig Köper..... O// s/ Balkonschirm'Abb. 3) ca. 180 cm Durehmesser, mit Knick- Vorrichtung, zweifarbig , mit Knick- T Köper..... IZ/ZO Wulstsessel iAbb. s> grosses Format, Peddig, dicht,»Nir- � kos Rohr, solide Verarbeitung...../ Wäschetruhe« ort iah PoUtsnihc. ca. 47 cm lang, Stäcli A/fsJ Liegestuhl(Abb.*), mit bunt»« tzmug, modorn» Form, Q"T C 9bn» Z QfA mit Sonn.ndoch............. 7,/ J Sonn»ndad>U, 7 M Wäschetruhe(Abt?) a«polsl«rt und g»f0tt»rt, mit Ladt"7 CO robr-Oriffen......................•/, O V Verkauf soweit Vormi Mengenobgobe vorb»hol»en Aut Wunsch Kredit durch Kaufkredit A-G., Zürich 5iVr,8;i,V«';:t,,;fl,.,2,ilS clknNcuut Krude 8. Schills: Ovmtfjjfßll IUI (edjiufj.) Morikttos Geschichte holtc cxzmit doch liod, ein gutes Ende ge- fmidcii, und Marietta brauchte zu ihrem Glück nun nichts mehr als die Anerkennung des Bruders, daß ihre erste Schilderung keine schrecklich sündlrafte Lüge, sondern die ooUkonnnen richtig« Dar- srellnng der Tatsachen gewesen war. An, davon hatte sich Beppo nun selber überzeugt. Der erste Teil des Mittogsprogramms, den gewohnheitszemäß chiorietta zu bestreiten pflegte, war damit abgeschlossen. Icizt war Beppo an der Reche. Zu erzählen hatte er selten etwas. Seine Gedanken hatten keine Flügel, sondern duckten sich schwer und scheu am Boden. Sechst wenn er citinwl wirklich etwas erlebte, was ihm des Erzählens wert schien, so konnte er mir ungeschickt die Ereigniss- zusammenstellen, und erst Mariettas Phantasie webte die Geschichte daraus. Beppos Äunstfertigkeit lag aus anderem Gebiet. Schon wenn Beppo die Mauer zum See henuvterghrg, das war bewundernswert. Marietta war sicher: fein Kind hatte einen Bruder, der so, ohne Übcrl>aupt hinzusehen, die schwierigsten, lückenhastesten Stellen dieser schrecklich hohen Mauer zu überschreiten verstand. Aber Beppo konnte mehr: er konnte dort, wo die Mauer am breitesten mar, aus ihr Rod schlagen. Marietta wagte bei diesem Aichkick nicht zu atmen. Nicht, weil sie Angst Ix>tte, daß Beppo herunterstürzen konnte. Es wäre eine Krünkunz für dielen Bruder, ein Zweifel an seinen un- begrenzten Fähigkeiten, wollte man um ihn Angst haben. Nur ein so komisches Gesühl rieselte einem beim Zuschauen durch den Körper und es war dabei, als stecke man in einem Schraubstock. Eigentlich batte Marietta lieber, wenn Beppo nicht auf der Mauer Rad schlug. .heute würde er es sicher nicht tun. Es war so heiß und der See lag so glatt da: heute würde Beppo tauchen uitd schwimmen. Er hatte schoit seine Arbeitshose abgestreift und staird da in der kleinen rotweiß geringelten Badehose, die seine einzige Unterkleidung bildete. Nun ging er einige Schritte am der Mauerbrüstung vorwärts, die den Hotelgarte!» vom See abschloß. Marinetta setzte sich auf die Mauer und ließ die Beine zum Wasser herumerbaumelm Stolz blickte sie auf den Bruder, der in weitem Hechtsprung in das Wasser schoß. So schön wie er konnte das keiner von den Hotel- gasten, obgleich denen ein herrliches Sprungbrett zur Verfügung stand, und mir, weil die seinen Leute vom Hotel Beppo bewunderten, durste er dort von ihrer Mauer ins Wasser springen. Einmal Hotte ihn der Hausdiener wegjagen wollen und mit einer Anzeig« beim Präsekt gedroht, ober da lmtten Gäste Beppos Partei genommen. Marietta war sehr stolz aus den Bruder, der jetzt die Mauer von außen her wieder crkiettert hau« und sich gerade anschickte, zum zweitenmal zu springen.„Hollo", rief da eine Stimme vom Hotel, und dann klang es aus einem Kindermund:„Beppino!" Marietta zuckte zusammen. Nur wenn ihr« Zärtlühkeit für den Bruder besonders wild überschäuints, rief sie ihn mit diesem Kosenamen, der zwar ihrer Liebe für den Bruder, nicht aber seiner Würde entsprach. Ähre Augen suchten die Rnirrin. Da winkten von einem Balkon des Hotels eine Frau und ein kleines Mädchen, dos kaum älter zu sein schien als Marietta, und Beppo hatte sich ihnen zugewandt und winkte wieder. Plötzlich ein Aurus; ein Gegcmiand flog in weitem Bogen durch die Lust und klatschte im Wasser. Blitz- schnell sprang Beppo hinterdrein. Diesmal waren Mariettas flinke Gedanken doch nicht stink genug. Während sie noch mit beunruhigtem, bedrücktem Herzen ans der Mauer hockte und sich nicht einmal darüber klar war, ob sie ihre Augen aus das Hotel oder auf den See richten sollte, stand Beppo schon wieder triefend neben ihr und drückte ihr eine Drange, eine, große, leuchtend gelbe, wunderbare Drange in die Hand. Dann der- neigte er sich gegen den Balkon, von dem die Frau und das Kind wie zu einem gelungenen Sehauspicl klatschten. Marietta aber duckte sich über die Orange und verstand näht, weshalb sie sich nicht froher fühlte. Sonst ivar sie immer traurig, wenn die Atittagszeit tun war: doch heute freute sie sich, als Beppo zum Aufbruch mahnte. Sie reichte ihm, als sie beide unten an der Mauer standen, die Frucht. Beppo sah sie erstaunt an:„Aber sie ist für dich." Marietta schüttelte den Kopf. Sie wußte nicht recht, sollte sie sagen:„Ich Hab sie nicht verdient", oder:„Man gab sie dir", und so ichwiez sie. Da dachte Bcppo, daß ihr Tomos Kinder wieder eingefallen feien, und er sagte:„Morgen früh hole ich die Alpenveilchen, imd die Orange kannst du ganz allein essen: ick) habe überhaupt keinen Appetit dar- aus",»no der Satz war zuviel gewesen, denn er kam nun einen Augenblick nach dem Meister an den Arbeitsplatz und kriegte die Ohrfeigen, denen er am Morgen glücklich entgangen mar. Wer da- von erfuhr Marietta glücklicherweife nichts. Mit dieser Orange hatte ein kleines Wunder in Mariettas und Beppos Leben Einzug gehalten. Ein kleines mir: aber höchstens kleine Wunder sieigen ja in di« Wirklichkeit, große wohnen für immer und ewig nur in den Heiligentezenden. Dies aber war greifbar, wenigstens für jemand, der so gut schwinnncn konnte wie Beppo. Er durste setzt jeden Dag eine Frucht aus dem Wasi>r holen— mm denke, sine Orange!— die dann Beppo und Marietta gemeinsam ans der Mauer verzehrten. Nur an sedem dritten Dag verzichteten sie darauf: dann bekam die Mutter die ganze Frucht mitgebracht. Davon nahmen Beppo und Marietta auch nichts an; sonst hätten ihnen ihre Orangen aus der Mauer nicht geschmeckt. Mit voll- kommenem Genuß aß Marietta sie ja noch immer nicht, obgleich es sicherlich die wunderbarsten Orangen waren, die es übeihaupt gab, und die bestimmt sehr selten und sehr kostbar und eigentlich über- Haupt nur sür di« Bewohner eines so herrlichen Holelpatastes da wiiren. Vielleichl lag es sogar gerade daran, daß Marietta der Früchte nicht ganz froh werden tonnte, irgendwie schienen sie auszudrücken: wir sind nicht für dicht. Dazu kam, daß das fremde klein« Mädchen den Bruder stets„Beppino" n an nie, und diästr, statt wenigstens zu Marietta seine Entrüstung darüber zu äußern, lachte nur darüber. Äa, neulich hatte er sogar auf der Mauer am See vor der Kleinen Rad geschlagen, und Marietta hatte, das war nicht zu ändern und nicht wegzuleugnen, vor Angst gezittert, meil diese Mauer gar nicht sehr breit war und unten der kiese>see. Ein Sturz aus festes Land, und bestehe es aus noch so steinigem Boden, schien ihr dann doch ungefährlicher. Nein, Marietta wollte ganz gern auf die Orangen verzichten: menn nur diese beiden Fremden erst abreisen wollten. Natürlich konnte sie so dumme, unverniinstige Gedanken nicht zu dem großen, klugen Bruder äußern. Hätte man Beppo gefragt, ob ihm das Schwimmen nach den Früchten Spaß mache, so hätte er selbstverständlich„la" geantwortet. Nur zu seinem eigenen Bcrgnügen märe er nicht jeden Dag in den See gesprungen. Das kühle Bad bei der Hitz« mar zwar recht erfrischend: doch er war oft so müde von seiner Arbeit, daß er nichts anderes wünschte, als wie die übrigen Arbeiter in der Mittags- swnde räch zu essen und dann zu schlafen. Das heißt, er hätte nichts anderes gewünscht, wenn nicht Marietta da gewesen wäre, und es wäre ihm nie auch nur im Traume eingefallen, daß es angenehmer für ihn fein würde, Marietta käme nicht. Der Schivefter machte sein Springen und Schwimmen Freude, und darum sprang und schwamm er, und er war den Fremden dankbar, die diese Freude für Marietta nach mit Orangen belohnten, die wiederum Marietta Freude machten. Solange die Fremden bleiben würden, war Beppo entschlossen, jeden Dag dieses Bad im See zu nehmen, auch wenn cimnal kühleres und unfreundlicheres Wetter märe. Denn bliebe er einmal aus— überlegte er—, so fänden sie vielleicht um die Mittagsstunde einen anderen Zeitvertreib, und mit dem Orangensegen wäre es dann zu Ende. «- Marietta empfand ein geheimes Entsetzen, als nach einem gewikterdiirchtobten Morgen Beppo sich anschickte, in dem noch hc'tig bewegten See sein tägliches Lad zu nehmen. Die Wellen, die sich an der Mauer brachen, schufen den Eindruck einer gefährlichen Brandung. Daß sogar Hotelgäste sich in den See gewagt hatten, schien ihr allerdings tröstlich: auf jeden Fall aber hindert« diese Tatsache Marietta vollends an ledem Versuch, Bcppo von dem Bad zurückzuhalten. Doch die beiden Fremden schienen heute nicht zu kommen. Als sie sich nicht zeigten, löste sich langsam der Druck über Mariettas Herzen. Nun hatte sie gar keine Angst mehr um Bcppo. Der sprang, flacher und weiter als sonst, wenn er die Orangen cinsing, in den See hinaus. Ii, raschen Stößen kam er zurück zur Mauer, ein kleiner Kampf mit der Brandung, dann hatte er Fuß gefaßt, stand oben, stand neben Marietta.„Beppino", sagte sie zärfuich, und vom anderen Flügel des Holcls tönte eine helle Kirfderstimme dos Echo:„Beppino!" Von einem entlegenen Balkon winkten die Klein« und ihre Mutter, unb in weitem Bogen flog die tägliche Frucht ins Wasser. Bcppo lies aus der Mauer bis zu der Stelle unter dem Balkon; dann schoß er in den See. Vom Hotclbad erhob sich Lärm. Leute stürzten in den Garten. liefen aufgeregt ins Haus. Vom Bad aus kam man airf die Stell« zu, wohin Bcppo gesprungen mar und an der er mich immer nicht auftauchte. Die Menschen hielten sich schlecht in der Brandung ans- recht, aber wenn sie standen, sali man. daß ihnen hier das Wasi'cr mir bis zum halben Oberschenkel reichte. Das war Mclrictta, die den Ereignissen verständnislos, mit erschreckten Augen zusah, ein kleiner Trost. Beppo, Beppino konnte dort nicht ertrunken sein. Weshalb war er mir noch immer nicht zu sehen? Da brachte man ihn. Loblos hing er einem Mann im Arm. Dos war doch Blut am Kops? Marietta überwand ihre Scheu vor der Vornehmheit des'Hotels und ließ sich in den Garten hinab- fallen, rannte auf die Hotelhalle zu, in der man Beppo eben nieder- legte. Schreiend wari sie sich über bcn bleichen, stunmien Bruder, rief ihn mit allen Kosenamen, die ihr einfielen. Plötzlich bemcglcn sich seine Augen ein wenig: er fühlte wohl Marietta mehr als daß er sie sab. Er flüsterte:„Morgen hol ich wieder Orangen." Marietta verstand die Worte: sie wünschte dem kleinen fremden Mädchen den Tod. Ilorberl Jacques: 9n der Uidamerikmiiichen Als ob Mittelalter und gegenwärtigste Zeit sich mit lebendig gebliebenen Schnittflächen berührten, ist die Straße der südamerika- nischen Stadt stets durchrndelt vom Tragtier und vom Auto, in Peru und Ecuador bis zu malerischster Gegensätzlichkeit durch das Bild des Lamas als Tragtier gesteigert, das mit traumhaften Augen seinen Weg durch den Takt des Etraßenlebens sucht. Da Südamerika keine Lairdstraßen hat und erst seit drei Iahren hier und dort Autostraßen baut, übergeht es eine Phase in der Verkehrsentwickliing, die des Karrens, und wendet sich unmittelbar vom Reit- und Lasttier zum Auto und zur Flugmaschinc. Aber die Betätigung in technischen Dingen hält sich zum Teil noch etwa in der Verfassung des Gemüts eines Knaben, der sie zum Spiel ausnützt, und selbst in großen Städten sind Anlagen von elektrischen oder Telephonlcitungen zu sehen, die unfern technisch erzogenen Auge» wie eine Karikattir vorkommen. Mit der hemmungslosen L>ingabe naturncll>ercr Gemüter wirft sich die südamerikanische Stadt vor allem auf das Automobil, von dem einer der wichtigsten Bestandteile die Hupe zu sein scheint. Unter ihrem energischen Konzertieren fährt man stundcillang als Gast eines einheimischen Freundes durch die Straßen und um die Plaza de la Indepcndencia spazieren, und kreuzt seinen Weg mit Omnibussen, die ein unternehmender Geist mit Hilfe van Kisten- deckeln, Heiligenbildern, Aktphotographien und schwungvollen Namen — wie der Blitz, der Siegreiche— aus alten Ford-Gestellen ausge- zaubert hat. Die improvisierende Kraft dieser Leute bewältigt die Ausgaben, die an eine Verkehrslinie gestellt sind, bis der Omnibus infolge zu heftigen Chauificrens sich eines Tages an einer Straßen- ecke wieder in seine 5listendcckcl auslöst. Oft findet man in Südamerika plötzlich mitten im Land den Stumpen einer Autostraße, die zwei Städte miteinander verbindet. Es geht kein anderer Weg hin, wie nur der Saumpfad, und die Wagen werden auf dem Rücken von Indios in Stücken hingebracht. Diefe Transporte dauern oft wochenlang. Die wieder zusammen- gesetzten Kraftwagen lzaben dann«ine Strecke von 10» oder ISO Kilometer vor sich, über die sie nicht hinausbrechen können. Doch habe ich auch Automobile in Städten gesehen, zu denen und von denen nicht ein halber Kilometer Fahrweg führte. Nicht einmal im Innern der Stadt gab es Straßen, die befahrbar waren, außer die um den Platz in der Mitte. Diese Krafiwagen umkreisteil täglich ungezählte Male und unermüdlich und stundenlang nur den Platz, zeigten sich, ihre Besitzer und deren Entzücken an dem neuen technischen Gebilde. In den Küstenstädten rudeln die Krafiwagen zu Hunderte» und auf den Plätzen halten sich oft 60 bis 70 nebeneinander dem Fahr- liebhaber zur Verfügung. Knaben als reitende Meffenger-Boys traben auf Eseln an ihnen vorbei, die Beine gekreuzt auf dem Rücken des Tieres. Von überall her grölen, singen, deklamieren, posaunen, klimpern Grammophone aus den offenen Türen und Fenstern der Häuser. Wir sehen in diesen Städten, auf die die Tatkraft des weißen Unternehmungswillens losgelasien ist, über das Schilfdach der Hütte unvermittelt das Hochbaus aus Beton aufwachsen. Der Bahnhof, wo es schon Eisenbahnlinien gibt, gekört in einer natürlichen Besitz- nähme der Augen zur Straße. Denn wo wäre mehr und Neueres zu sehen als in einem ankommenden Zug? So erwartet ihn stets die ganze Stadt, läuft ihm entgegen, bespringt ihn, während«r noch fährt, und sängt ihn schließlich, wie in einem Netz einen Ball, in dichtgerammter Volksmenge auf, die zu schreien und zu jubeln beginnt. Hundert Händler haben sich rundum ausgetan. Man kann je nach der Gegend von der Zigarette über das Glas Chicha bis zur Wolldecke und zum im ganzen gebratenen Schwein alles bei ihnen kaufen. Die Siraßcnvcrkäufer entwickeln sich durch die ganze Stadl in einer unerschöpflichen Mannigfaltigkeit. Aber im„Mercado" lMarkt) steigert sich ihr Treiben zu einem ewigen Jahrmarkt. Von Menschen. Waren, Farben, Schreien, aus Kähnen Singen durchstrudelt, ist er stets der Höhepunkt der Stadt, Aufsaugsquclle aller Produktion, Akkumulator des ganzen Taktes städtischen Lebens. Er bringt den Indianer zum Neger, den Caboclo zum syrischen Händler, alles umtürmt von den schwersten, mastigen Früchten der Natur, von Fischen und Flcischviertrln, von Stoffen und Töpfereien, Sätteln und Hüten... Vögeln, Affen und Truthühnern... Als ein Pizzicato auf den Rausch der Sinfonie solchen Lebens hüpfen die hellen Stimmen der Kinder, die vom fünitcn, sechsten Jahre an aus der Straße ihren Lebenserwcrb ziehen oder als Vier- jährige schon in ihr als Stromer und Eckensteher Zeitvertreib suchen. Ich ging einmal mit dem brasilianischen Journalisten Vianna durch die Anenida Ria Braneo in Rio. Plötzlich blieb er stehen und grüßte mit lebhaften Handbewegnngen jenseits«inen Bekann- ten. der vor einem Cafe saß. Dessen Hände mir antworten und mir war nicht, als ob ich diese Hände sähe, sondern alz ob ich sie horte. Da sägte Vianna: „Mein Freund drüben teilte mir eben mit, daß er seit kurzem von Paris zurück sei und daß er schöne Wenteuer mit Frauen gc- habt habe." So spricht man in Südamerika über die Straße. Und überall in ihr sieht man, wie ein Ansteigen und harmonisches Zusammen- fallen von Tönen, die hieroglyphische Begleitung oder den bild- mäßigen Ersatz der Sprache durch die Musik der Hände. Das ist eines der stärksten Bilder in dem Bilderreichtum des Slraßcnlebens. Hemmungslose Großartigkeit, inenichentameradschafttiche Mitteilsam- keit,«ine Telegraphie, jedem Auge verständlich, eine Musik, hörbar jedem Ohr... ein ununterbrochenes Akkordspielen... ein Theater, das die Augen mit Sinnlichkeit vollschleudcrt. In diese schrankenlos immer breite„Oeffenttichkeit" schauen einige Fenster des Hauses hinein, in dem diese Menschen mit ihren Familien um den Polio, den Hof, wohnen. Mit starren Gittern vor den zwei Fenstern in einem schauererrcgenden Gegensatz, wie in einem Gefängnis, verbarrikadieren sie die weiblichen Mitglieder vor der Oesfentlichkeitt Was die Familie aber der Straße widerstrebend von ihren Mädchen spärlich freigibt, ist eine Körperlichkeit voll Süße, Spannung und Fremde. Noch eine besondere Merkwürdigkeit ist zu verzeichnen: die Straßen der südamerikanischen Städte haben nicht das gepreßt strudelnde Leben wie die der asiatischen. Sie gehen früh schlafen. und etwa in Ouito, der 5)auptstadt Ccuadars, find nach acht Uhr abends alle Cafes und Restaurants geschlossen. Die Straßen sind menschenleer. Aber mit zwei, drei Uhr nachts beginnt es in diesen Städten zu wandern. Friihauff'teher geistern umher. Zu welchem Zweck und Ziel, habe ich nie sicher erforschen können. Sind das vielleicht nur Spaziergänger, die di« Hitze des Tages scheuen? Sonst geht der Slldamerikaner eigentlich nie spazieren. weil er die Nattir fürchtet und haßt. Er tut das wohl wegen ihrer Triebkraft, die ihm unnütz Arbeit macht,»nd wegen ihrer mir Krankheit und Fieber geladenen Atmosphäre. Vielleicht auch nur. weil in diesen tropischen Gefilden Natur ja sehr billig ist? Ja, dies mag der Grund sein nnd die össcnilichen Anlagen scheinen es zu verraten. Mit geringen Ausnahmen wie der Praga da Republica in Rio de Janeiro(ein Park van märchenhafter Landschaftlichkett, aber immer leer) bestehen die städtischen Parks in der Hauptsache aus Marmorbalustradcn und die Wege sind mit Fliesen belegt. Ja, in Guayaquil sah ich am Fluß eine Parkanlage, bei der rna» überhaupt auf die Mitwirkung der Natur verznhtet nvü dic Blnmea gleich ans Zement in die Crde gegasten hatte. Die SEiegenherdeti mu.Paris Ein ebenso anmutiges wie seltsames Bild, das dem Pariser Straßcnleben eigen war, bildeten die malerischen Ziegenherden, die in Gruppen zu 20 und 30 frei herumliefen, geführt von einem Hirten, der auf einer schrillen Pfeife monotone Weisen blies, um seinen regelmäßigen Kunden anzukünden, daß sie sich mit frischer Ziegenmilch versorgen könnten. Sett vielen Jahren haben die Pariser dieses bukolische Idyll, das die Verwunderung jedes Frei»- den erregte, nicht mehr zu sehen bekommen. Der Polizcipräfckt hotte die Ziegen mit ihren Hirten aus dem Innern von Paris ver- bannt, weil er der Anficht war, daß für solche vierfüßigcn Passanten kein Raum in den verkehrsreichen Vierteln fei. 2lber die Pariser wollten auf ihre frische Ziegenmilch nicht verzichten und sie haben die Behörden solange mit Eingaben bestürmt, bis das Verbot auf- gehoben wurde. Jetzt hört man wieder di« Pfeifen der Ziegen- Hirten in den engen Gasten des Quartier Latin imd in der Nachbarschaft des Hotel de Ville, und würdevoll ziehen sie dahin, begleitet von ihrer folgsamen Herde und dem Hund, der die Ziegen sicher durch das dichte Gewimmel von Menschen und Wagen geleitet. Der Aufmarsch der Zicgenprozcsston erfolgt in den einzelnen Stadtteilen zu ganz bestimmten Tageszeiten und sie kehren zu ihren Stallungen außerhalb der Stadt zurück, bevor die Hauptverkehrszeiten einsetze». Harum fehen Vögel beffer als lUenfchen? Schon oft ist das überaus scharfe Gesicht verschiedener Vogclorten angestaunt und bewundert worden. Es scheint uns eine geradezu übernatürliche Leistung, wenn ein Faike, der in großer Höhe über dem Erdboden schwebt, dennoch die kleine Maus zwischen den Ackerschollen erkennt und mit sicherem Stoß die Beute ergreift. Man hat nun bei einer ilntersiichung der besonders scharfsichtigen Roben- v ö g c l festgestellt, daß diese außerordentliche Leistung auf einer Eigentümlichkeit des Vogelauges beruht. Die Vögel werden nämlich durch große Lichtungen nicht geblendet. Während ein Mensch bei einer hellerlcuchtetcn Häuserfront durch die Fenster hindurch in den dunklen Zimmern nichts erkennen. lonn, well sein Auge bei Vorhandensein einer großen Lichttncnge nur auf„Hellsehen" eingestellt ist, können dos die Rabenvögel ohne weiteres. Sie sind auch imstande, längere Zeit direkt in die Sonne zu sehen— was für das menschliche Auge schwere Schädigungen zue Folge haben nniidc—, dabei sehen sie aber zugleich auch die Vorgänge im tiefsten Schalten. Wenn sie also in die Sanne sehen und es tritt dabei ciwa unter dem dunkien Dachbalken ihres Wohnkäfigs ein Insekt aus. so wird dieses sogleich bemerkt und gesangen. Das sind Fähigkeiten, an die mir Menschen mit unserem immerhin auch recht vollkommenen Sehorgan bei weitem nicht heranreichen können. Die wustc Sahara bedeckt eine Fläch«, die zwolsmal der Große Deutschlanos gleichkommt. Farnkräuter werden in den Tropen 16 Meter hoch. Der älteste deutsche Holzschnitt stammt aus dem Jahre 1123. Beraniwortlich sitr Polili': Lirtor Sch'sl: SSKtschull: 6. Nlingrlhöirr: CcircrttdiaftslittOTflurg; 3, Strincr: Fcuili.cN»!: In. dodi, Sckitsivsti! iolaltj und Sonfligro: Sfiü Sorltiili*;■älnjeipcn: Ttz. ftlerfc;(ümtlid) in Sccltn. i-tilnS: Sfiimätt». Jjetlcg fi. m. b.>>., Berlin. JTrmi: Dorwarts.ÄuchiZrüdcrK und Bcrlagsanstlitt Paul Cinger II.>5o.. Ä-rlii!©ö. bS, Lindenftraße i. ;*ictJo: LtUajtn, 7»r. 162 ♦ 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 7. April 19Z2 Minister Schlange rechnet ab. „Die wirtschaftlichen und politischen Scheuklappen der Landwirtschast." Rcichsmimstcr Kchlange-Schöningen, dcr Reichskommissar für die Oslhilfc. wandle sich geskern im Oslmarken-Rundfunk in längeren Ausführungen an die oskpreuhischc Bevölkerung. Die Worte des Ministers liehen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Mit besonderem Rachdruck wies dcr Minister auf die ungeheuren Opfer hin, die das verarmte deutsche Volk in seiner Gesamtheil für den Osten ausgebracht hat. Dcr Redner führte im einzelnen aus:„Mag man politisch stehen, wo man will, aber man mutz dcr Wahrheitdie Ehre geben, datz keine Regierung in Deutschland so entschlossen für die Rettung des Ostens eingetreten ist wie das jetzige Reichs- kabinett. Das Sichcrungsocrfahren gegen Zwangsversteigerungen ist ganz zweifellos einer dcr stärksten Eingriffe, die jemals zugunsten eines Berufsstandcs im Wirtjchait-leben eines kulti- vierten Aolkcs durchgeführt wurden. Kein A g i t a t i o n s- r e d n c r brauche darüber die Regierung zu belehren, datz damit die östliche Landwirtschaft noch nicht aus dcr Krise befreit sei. Nie- mand ober könne bestreiten, daß damit zunächst einmal dcr ab- iolute Verfall von rund 60 000 Agrarbetrieben aufgehalten worden sei. Der Weg zur Gesundung könne nicht von heute auf morgen kommen, sondern nur in langwieriger, zäher Arbeit. Und auch dann nur, wenn die Landwirtschaft ollmählich selbst anfange, die Dinge nicht nur parteipolitisch zu sehen, sondern fach- lich mitzuarbeiten. Die Umschuldung könne natürlich nur für die Betriebe, die nach sonierungssähig seien, in Frage kommen. Bei den anderen Betrieben wende jene Siedlungspolitik im großen Stil durchgeführt, die der Osten brauche und die z. B. auch ein Antrag dcr Dcutschnationalen im Provinziallandtag van Pommern vor eini- den Tagen gefordert hatte. Der Minister erklärte hierzu, er nehme es als selbstverständlich an. datz der Antrag nicht nur aus agita- torischen Gründen erfolgt fei. Eine Hauptsorge lder nächsten Zeit sei es, sowohl Gcnossenschaf- len wie Handel und Gewerbe im Osthilfe gebiet wieder s l o t t z u- machen. Auch müsse man auf einen besonderen Schutz der Landwirtschaft bedacht sein, damit die Grundlagen einer gesunden Sozialpolitik erholten bleiben. Alan könne heuie nur mit der Arbeiterschaft gemeinsam leben oder gemeinsam zugrunde gehen. Die gemeinsame praktische Arbeit zum Wiederaufbau würde um so eher Früchte tragen, wenn dcr agrarische Berufsstand aufhört, politisch und wirtschaftlich mit Scheuklappen durch die Welt zu laufen. Der Landwirtschaft in dcr ganzen Welt geht es keineswegs bester als dcr deutschen, und es ist doch so, datz es in Deutschland nicht etwa den Landwirten allein schlecht geht, sondern dem ganzen Volke. Wie mutz es aber aus das ganze Volk wirken, wenn eine ver- wilderst Agitation in dem Augenblick behauptet, die Reichsregicrung sähe dem verfall des Ostens tatenlos zu. wo die Regierung eben im Begriff ist, 600 Millionen Mark zur Entschuldung und Ernlesicherung in die Ssklichc Landwirtschaft hineinfliehen zu lassen. Denn die Landwirke dieser verwilderten Agitation so urteilslos wie bisher ver- sollen, so graben sie sich damit nur ihr eigenes Grab. Kleiner Verlust bei Hüttenwerk Kayser. Beschäftigung noch befriedigend. Die Hüttenwerke Wilhelm Kayser-Riederschönc- weide A..G. schließt das Geschäftsjahr 1931 mit einem Verlust von 217 000 M. ob. während im vorhergehenden 3ahr eine D i v i- d e n d c von 6 Proz. ausgezahlt wurde. Anter Verwendung des Gewinnvorlroges von 1930 in höhe von rund 144 000 M. ver- ringert sich der Verlust aus knapp 73 000 M. Trotz der zerrütteten Verhältnisse auf dem Metallmarkt haben die Betriebe des Unternehmens auch im letzten Jahr noch b c- friedige nd arbeiten können. Nur die weitere Verengerung der Preisspanne zwischen Alt- und Neumctall— ein wichtiger Betriebszweig des Unternehmens ist die Verhüttung von Altmetall— hat sich natürlich ertragsdrückend fühlbar gemocht. Die zur Zeit vorhandenen Auftragsbestände sichern den Betrieben für absehbare Zeit Beschäftigung. Die Verluste sind 1S31 im wesentlichen durch die Kundschaft entstanden, da ein industrieller Grohkunde zusammenbrach und ferner ein Liefervertrog, aus den das Werk bereits größere Vorschriftszahlungen geleistet hatte, nicht zur Aus- führung gelangte. Oer Vergleichsvorschlag von Junkers. Einjähriges Moratorium beantragt. Professor Junkers hat am Mittwoch bei dem Amtsgericht Dessau den Pergleichsvorichlag eingereicht. Von den Junkers-Werstn wird hierzu eine Erklärung veröffentlicht, wonach Professor Junkers für die Firmen Forschungsanstalt Hauptbüro Iunkers-Werk«, Junkers u. Ca. und Kaloriefcrwerk ten Vergleichsoorschlag eingereicht hat. nachdem die Mehrheit der Gläubiger ihr Einverständnis mit der Eröffnung des Vergleichsverfahrens gegeben hat. Die übrigen Werke des Iunkcrs-Konzerns, die Flugzeugwerk A.-G. und Motoren- bau G. m. b. H. werden vermutlich noch im Lause dcr Woche glcich- falls den Vergicichsantrag stellen. Der Pergleichsvorschlag von Professor Junkers sieht einen Zah- lungsaustchnb lMoratorium) von einem Jahre vor, und zwar soll der vom Gericht ernannte Glaubigerausschutz in dieser Zeit Ein- blick in die Geschäftssührung erhalte» und die Abwicklung des Moratoriums überwachen. Diese Schonzeit soll dazu bs- nutzt werden, die Perhandlungen über Zuführung neuer Betriebs- mittel obzuschkietzsn und die verschiedenen Reformmatznahmen zur Auswirkung zu bringen, bevor die notwendige Sanierung sowie die Festsetzung der Vergieichsquoten erfolgt. Auch S>. Adam legt Vergleichsvorschlag vor. Di« Inhaber des bekannten Berliner Koushouses S. Adam haben jetzt ihren Gläubigern den schon seit längerem er- warteten Pergleichsvorschlag unterbreitet. Nach einer Meldung de? „Konfekrionnr" ist in dem Dergleichsnnrichlag vorgeiehen, samt- ltchc Vermögenswerte ocr Firma unter Aufsicht eines Treu- � Kreuzer als Menetekel. Oie Lehren aus Kreugers Bitanzfälschung.— Internationales Bilanzrecht und Sozialismus. In einem deutschen Blatt erschien eine Artikelserie über Jvar Kreugcr, in der auch verstickst wurde, die wahre Ursache des Selbstmordes aufzudecken. Diese Ursache soll„Vcrzweif- l u n g an dcr Menschheit" gewesen sein. Auch sonst entstanden um die zweifellos ungewöhnliche Persönlichkeit von Kreugcr scn- timcntalc Legenden. Diesen Legenden war nur ein kurzes Leben gegönnt. Dcr vorläufige Bericht der Revisionsfirma Pricc Waterhousc and Co. läßt das Schicksal von Kreuzer in einem ganz andern Licht erscheinen. Schon die Bilanz der A. B. Kreugcr and Toll für 1030 war gefälscht, und die Schuld an der Bilanz- fälschung trug Jvar Kreuzer selbst. „Es steht außer Zweifel", heißt es im Bericht der Revisions- firma,„daß die Bilanz der Gesellschaft per 31. Dezember 1930, obwohl sie mit den Büchern übereinstimmt, doch ein vollkommen unrichtiges Bild dcr wirklichen finanziellen Lage gibt. G c- mäß den personlichen Direktiven von Ingenieur Kreugcr wurden in den Büchern Eintragungen vorgenommen, wodurch einerseits die Forderungen der Gesellschaft an Jvar Kreuzer sowie nahestehende Gesellschaften beseitigt wurden, und andererseits die eigenen Schulden der Gesellschaft an andere nahestehende Gesell- schaften verschwunden sind, oder Buchaktiva in bedeutenden Beträgen neugeschaffen wurden... Diese Buchmanipulationcn scheinen sich auch aus die Gewinn- und Verlustkonten der Gesellschaft erstreckt zu haben. Durch fiktive Posten wurde eine bemerkenswerte Erhöhung des Gewinns für das Jahr 1930 geschaffen." Es handelt sich also um Fälschungen der primitivsten und schlimmsten Art. die am wenigsten durch eine„Verzweiflung an der Menschheit" erklärt werden dürfen. Trotzdem wäre es, glauben wir, falsch, jetzt Jvar Kreugcr, dessen persönliche Eigenschaften so ge- rühmt wurden und seinem Konzern �viel Vertrauen gewannen haben, nachträglich als einen ordinären Betrüger darzustellen. Das mar Jvar Kreuzer sicher nicht. Freilich nicht aus Liebe zur Mensch- heil, aber auch nicht blaß aus nackter Geldgier versuchte dieser erfolg- reichste der Kapitalisten unserer Zeit mit ollen und schließlich mit ausgesprochen strafbaren Mitteln sein Werk zu halten. Indem er gegen die ungeschriebenen Gesetze verstieß, diente er dem wichtigsten ungeschriebenen Gesetz der Gesellschaft, die.selbst ihr Handeln durch jene geschriebenen Gesetze geordnet hatte,— dem Gesetz der kapiia- listischen Macht. Kreugcr führte einen vcrzweifelien Kamps um die Erhaltung seiner Alachtstellung. die zugleich als höchste Offenbarung der kapitalistischen Genialität erschien. Neben der strengen bürgerlichen Moral und neben den Vor- schristen des Strafgesetzbuches gilt in dieser Gesellschaft als oberste Norm der Erfolg. Die Sieger werden nicht vcrur- teilt. Verbrecher ist, wer scheitert. Wenn man das Enlstehxn der- großen Vermögen genau untersuchen und nach den strengen Grundsätzen des Rechts und dcr Moral prüfen würde, wie viele der ungekrönten Könige dcr kapitalistischen Welt würden dieser Prüfung standhalten? Der ungekrönte König Jvar Kreuger schien auf seinem Wege zur Macht seine Sauberkeit erhalten zu haben: um die errungene Machtstellung zu retten, ist er ein Bilanzfälscher gc- worden. Die kapitalistische Wirtschaft wird durch das Streben nach Gewinn getrieben. Auf den Höhen der kapitalistischen Welt er- scheint dieses Gewinnstreben als Machtstreben.„Mehr Gewinn" muß nicht immer„mehr Luxus" bedeuten, aber immer, solange der Kapitalismus besteht„m ehr Mach t". Es sind Beispiele von Kapi- talistcn bekannt, die persönlich sehr bescheiden, ja nahezu asketisch lebten. Von brennender Machtgier und vom Stolz der Machthaber erfüllt waren sie alle. Dieser Stolz scheint es nicht zu erlauben, daß eine erlittene Schlappe offen zugestanden wird. Ein solcher Macht- Haber findet nicht einmal den Mut, der Tatsache Rechnung zu tragen, daß sein Unternehmen nicht absolut krisenfest ist. Das Schicksal solcher Persönlichkeiten kann psychologisch ungc- mein interessant sein, es kann einem Dichter und Soziologen einen ungewöhnlich dankbaren Stoff bieten. Man darf aber nicht den ganzen Stoff den Psychologen und den Dichtern überlassen, da es sich um Dinge von ganz großer praktischer Bedeutung handelt. Der Selbstmord Kreuzers hat schändliche Nachwirkungen für die Wirtschaft dcr ganzen Welt gehabt. Es sei hier daran erinnert, daß durch diesen Selbstmord dcr günstige Eindruck der ersten deutschen Präsidentenwahl sofort zunichte gemacht wurde. Die Enthüllungen über die Bilanzfälschungen bedeuten eine neue Vertiefung der Per- trauenskrise, und ihre Wirkung kann sehr nachhaltig werden. Wie kann man erwarten, daß die Angst vor dcr Festlegung des gesparten Geldes in Kapitalanlagen überwunden wird, wenn allmählich der Eindruck entsteht, daß die Erzeugung falscher Bilanzen zum wichtig- stcn Zweig der täpitalistischcn Produklion geworden ist? Zu wem darf man Vertrauen haben, wenn sogar kreugcr die ganze Welt belogen hat? Dieser Zustand stellt schon an sich eine vernichtende Kritik der kapital! st ischen Wirtschaft dar, zumal er offensichtlich aus den mächtigsten Triebkräften des kapitalistischen Handelns cnt- steht. Die Wiederbelebung dcr Wirtschast läßt sich aber nicht bis zur Beseitigung des Kapitalismus vertage». Es ist unmöglich, den Kapi- talismus zu einer krisenlosen Wirtschast zu gestalten, und dcr Weg aus der gegenwärtigen furchtbaren Not muß durch die U e b e r- windung dcr Vertrauenskrise führen. Es klingt vielleicht zu nüchtern, muß aber ausgesprochen avcrden, daß die Lehren aus dem Fall Kreugcr eine grundlegende Aendcmng dcr Publizität dcr kapitalistischen Unternehmungen notwendig machen— und nicht nur in diesem oder jenem Lande, sondern international. Der Kreugcr-Konzern war keine An- gelegenhcit eines einzelnen Landes. Sein Zusammenbruch wirkt in der Wirtschaft dcr ganzen Welt. Seine Bilanzfälschungen verschärfen die internationale Aertraucnskrifc. Daraus ergibt sich die Forde- rung nach einer internationalen Vereinbarung über die Publizitätsvorfchriften, die eine wirkliche Durchleuchtung dcr Lage der Unternehmungen sichern müssen und über die Orga- nisation einer wirksamen Kontrolle, da ohne solche Kon» trolle die besten Barschriften nur ein Fegen Papier bleiben würden. Indem wir eine solche Reform im Rahmen der kapitalistisäien Wirtschaft verlangen, sagen wir auch heute mit allem Nachdruck, daß eine vollkommene Heilung der unerträglichen Uebel dcr gegonwär- tigcn Wirtschaft in diesem Rahmen nicht erzielt werden kann. Jvar Kreuzer hat selbst sein eigenes Todesurteil ausgesprochen und voll- streckt. Es ist die Aufgabe der Arbeiterbewegung, da- für zu sorgen, daß das Vermächtnis Jvar Kreuzers zum Todes- urteil für den Kapitalismus wird. „Ein Trauerspiel für Schweden." Llnabsehbare Kolgen der Bilanzfälschung. Die Mitteilungen dcr llntersuchungskommission über die Bilanz. fälfchungen Jvar Kreuzers haben auf die schwedische Oessentlichtcit vernichtend gewirkt. Aber auch außerhalb Schwedens Hot dcr Bericht der llntcrsuchungskommisjion wie eine Bombe eingeschlagen, obwohl schon die erste Verlautbarung der Sachverständigen die Möglichkeit für kommende peinliche Enthüllungen offen ließ. In der schwedischen Ocsfcntlichkcit ist der Eindruck um so nieder- schmetternder, als sich in den letzten Tagen eine gewisse B e- r u h i g u n g in der Kreugcr-Angolegenheit durchgesetzt hotte. Hierzu hatte im wesentlichen auch die jetzt beschlossene Stützungsaktion dcr schwedischen Regierung für die Skandinaviska Bank in Höhe von 21Z Millionen Schwcdenkroncn beigetragen. Die Bc- kanntgabe der umfangreichen Bilanzfälschungen hat jedoch zu einem neuen scharfen K u r s st u r z dcr Krcugcr-Werte an der Stack. holmcr Börse geführt. Nach einer Aufstellung der„Schwedischen Finanzzeitschrist" betragen die Wcrtvorluste an der Stockholmer Börse seit dem Ausbruch der historisch gewordenen New Tarker Börseukatastrophe im Oktober 1929 mehr als 3,1 Milliarden Kronen. Allein seit Jahresbeginn sind infolge des Krc»gcr-Zu- sammcnbruchcs Wcrtverluste von 1,18 Milliarden Kronen entstanden. Maßgebende schwedische Zeitungen glauben, daß das gesamte Vermögen der Kreugcr u. Toll AG.- der Zentral- gcscllschast des Konzerns, als verloren anzusehen ist. Die Eni- wicklung dcr Krcugcr-Angelegenhcit wird als ein wahres Trauerspiel für Schweden bezeichnet und die gesamte Presse ist sich darin einig, daß nur rücksichtslose Aufdeckung und Klarlegung dcr Verhältnisse noch Schlimmeres verhüten kann. häudcrs und eines Gläubigerbeirats zu liquidieren. Die Ab- stoßung der einzelnen Vermögenswerte erfolgt durch die bisherigen Inhaber Otto und Fritz Adam unter Aufsicht des Treuhänders. Nach dem Pergleichsvorschlag werden die kleinen Gläubiger mit Forderungen bis zu 100 M. voll entschädigt. Der Erlös aus den Vermögenswerten wird sodann in der Weise ausgeschüttet, daß die vom Verfahren nicht betroffenen Glaubiger gleichfalls voll entschädigt werden. Die übrigen vom Bcrfahrcn betroffenen Warengläubiger erhalten sodann«ine Quote von 30 Proz. inner- halb zwei Wochen nach Inkrafttreten des Vergleichs. Nach deren Befriedigung werden die Hypothekengläubiger, soweit sie bei 0er Verwertung dcr Grundstücke noch Ausfälle erlitten haben, entschädigt. Mehrerlöse werden gleichmäßig auf sämtliche Gläubiger ausgeschüttet. Rock) keine Sonierungsbeschlüsse bei Emclka. Die Mönche- n e r Lichtspielkunst A.-G.(E m e l k a) hat. wie wir bereits berichtet haben, im letzten Geschäftsjahr 1930/31 weiter« schwere Verluste erlitten, so daß unter Auflösung der Rescruc» ei« B c r l u st von 3,14 Millionen Mark verbleibt. Von dem Kapital von 5 Millionen ist also weit mehr als die Hälfte verloren. Auf der Generalversammlung erklärt« der Aufsichtsrats- Vorsitzende ous kritische Anfrage» wegen des wiederholten Wechsels des Mehrheitsbesitzcs der Aktien— zur Zeit befindet sich die Aktien- Mehrheit in den Händen des Franzosen Kohan—, daß eine vollkommene und restlose Klärung im Sinn« des deutschen Charakters der Gesellschaft in nächster Zeit«intreten würde. Ueber die gegen- wärtige Betriebsloge wurden ziemlich optimistische Erklärungen ob- gegeben, u. a. soll 0er Berleih mit gutem Gewinn arbeiten. Di« entscheidende Frage der notwendigen Sanierung dieses Filmunternehwens ist jedoch»och nicht geklärt und dürfte erst auf der außerordentlichen Generatoersommliing. die in vier Wochen ein- berufen wird, zur Debatte stehen. Die Lage bei Hamburg- Süd. Neue Veichssubvention in Höhe von 25 Millionen Mark. Jetzt wird bekannt, daß die erste R e i ch s s u b v c n t i o n für die Schiffahrt in Höhe von 77 Millionen ZNark nickst ausreichen wird, um auch noch die Bilanzen dcr H a m b u r g- S ü d a m c r i k o n i- schen D a m p f s ch i f fa hr t s ge s e l l scha st und der Hansa zu bereinigen. Man spricht von einer bevorstehenden Erhöhung der Rcichsbüroschaft für Schissskredite um 2 Z Millionen M a r k, die diesen beiden Gesellschaften zugute kommen sollen. Zunächst hat die Reichskreditgesell schast der Hain- burg-Süd einen lleberbrückungskredit von einer Alillion Mark gegen Schiffshypotlstken einräumen müssen, damit dcr Betriebs- v e r l u st des letzten Jahres ausgeglichen werden kann. Die Hom>- burg-Süd hat aber erst im Jahre 1931 zwei neue Schisse in Betrieb genommen, die etwa 23 Millionen Mark kosteten, wofür die neuen Kredite notwendig werden, zumal aus den früheren Jahren nicht unerhebliche Schulde» vorhanden find. Wir halten es für selbstverständlich, daß eine Rcichshilfc in irgendeiner Form erst dann gewährt wivd, wenn die Aktionäre das ihrige zur Bilanzbercinigung beigetragen hoben. Unerläßlich ist, daß die Inhaber der Schutzaktien die a u s st c h c n d c n 75 Proz. ihrer Aktienbctciligung(7,5 Millionen Mark) nochzahlen und daß das Aktienkapital in dem für Hopag-Lloyd vorgesehenen Ausmaß herabgesetzt wird. Verlängert« Vergbausubvcntionen. Die Befreiung der im Steinkohlenbergbau unter Tage beschäftigten Arbeiter und An- gestellten und ihrer Arbeitgeber von dcr Bcitrogspflicht zur Arbeitslosenversicherung ist über den 31. März bis zum 30. Juni 1932 verlängert worden. Albert Thomas' Appell. Ein sozialpolitischer Weltbericht. Der Völkerbund hat die Welt enttäuscht. Die Stimmen aus Genf stoßen daher auch in der Arbeiterschaft heute auf viel Miß- trauen und Unmut. Wenn Genf noch nicht völlig bei den Arbeitern abgewirtschaftet hat. dann verdankt es das nur dem I n t e r> nationalen Arbeitsamt und vor allem dessen Direktor Albert Thomas, dem unermüdlichen Vorkämpfer für eine bessere Welt. Sein neuer sozialpolitischer Welt- b e r i ch t, der soeben kurz vor dem Zusammentritt der I n t e r- nationalen Arbeitstonferenz in Gens erschienen ist. ist ein Dokument von besonderem Wert. Bei den Kritikern der Internationalen Arbeitsorganisation hat es nie an Vorwürfen gefehlt gegen die angebliche Erfolglosigkeit der Bemühungen Albert Thomas' und seines Amtes, insbesondere in der lSckämpsvng der Arbeilslosigkeit. Demgegenüber stellt Thomas fest, daß das Amt auf diesem Gebiet nach langen und harten Auseinandersetzungen, und vor allen Dingen nach einer eingehenden wissenschaftlichen Durchforschung der Ver- Hältnisse, Vorschläge gemacht hat, denen zwar kein voller Er- folg beschieden war, deren Jnitiativ-Wirkung in den ein- zelnen Ländern aber nicht bestritten werden kann. Durch die Arbeiten des Internationalen Arbeitsamtes hat der Gedanke von der ZUnwendigkest einer Arbeitslosenversicherung und einer öffentlichen Arbeitsvermittlung wesentlich an Boden gewonnen. Für die organisierte Arbeiterbewegung war es von größtem Wert, daß sich das Internationale Arbeitsamt in seinen Arbeiten— sehr im Gegensatz zu den in Genf mitwirkenden Unter- nehmervertretern— eindeutig zur 40'Stilnden.Vochc als Ardeilszeitgrenzc bekastnt hat. Bor ollem aber hat die Idee der i n t e r n a t i o- nalen öffentlichen Arbeitsbeschaffung, die von Albert Thomas ausging, in allen Ländern der Well ein gewolliges Echo gefunden. Aber noch zögern die R c g i e r u n g e n. den vom Jnternatio- nalen Arbestsamt vorgezeichneten Weg zu beschreiten. Weil die den Gesetzen der kapitalistischen Wirtschaft gehorchenden Regierungen wissen, daß die Einreichung solcher Pläne gleichbedeutend wäre mit einer öffentlichen Anerkennung der Tatsache, daß nur nationale und internationale Planwirtschaft aus der Krise der Privatwirtschaft herausführen können. Daß hier die eigentlichen Grunde der Verzögerung liegen, kann man auch in dem Bericht des Direktors trotz der Mäßigung, die sich Albert Thomas in seiner Srellung naturgemäß auferlegen muß, sehr gut zwischen den Zellen lesen. Thomas weist mit Recht darauf hin, daß mit sozialpolitischen Mitteln allein die Krise nicht überwunden werden kann. Fruchtbare internationale sozialpolitische Arbeit hat die baldige Inkraftsetzung wirtschafts- und finanzpolitischer Beschlüsse zur Voraussetzung, die nicht im Rahmen der Zuständigkeit der Internationalen Arbeitsorganisation liegen. Leider stoßen die sozialen Notwendigkellen beim Völkerbund auf eine zu große Zurückhaltimg. Auch hier unterscheidet sich die Internationale Arbeitsorganisation, in der die Arbellerschaft in allen Organen mit- bestimmend vertreten ist, sehr vorteilhaft von den Völkerbunds- organen, in denen in der Tat die bezopften Diplomaten und die oft geradezu unverständliche Prestigepolitik ihrer Regierungen den Aus- schlag geben. Wandel schaffen kann hier nur eine wesentliche Stärkung des Einflusies der organisierten Arbeiterbewegung in den einzelnen Ländern. Mut und Geist sprechen aus dem Bericht des Direktors vor allem auch dort, wo er die Notwendigkeit einer organisierten Wirtschast und einer inter- nationalen Zusammenarbeit aus kollektiver Grundlage beleuchtet. Die Ansätze zu einer kollektwistischen Organisation in wirtschafllicher, sozialer und geistiger Beziehung keimen und sprießen überall. Selbst kapitalistisch orientierte Regierungen wie die deutsche Reichsregierung können sich solchen Notwendigkellen nicht mehr entziehen. Daß die organisierte Arbeiterbewegung, insbeson- dere Gewerkschaften und Genossenschaften, zum richtigen Funktio- nieren kollektioistischer Grundsätze in Wirtschaft und Gesellschaft die erste Voraussetzung sind, wird in dem Bericht an zahlreichen Bei- spielen aus verschiedenen Ländern klar zum Ausdruck gebracht. Zweifellos führt der Weg zu dieser Neuordnung der Dinge, die allein dos Problem des Ausgleichs zwischen Pro- duttion und Derbrauch zu lösen vermag, über Genf— trotz aller Mängel und Rückschläge, die augenblicklich zu verzeichnen sind. Einen wertvollen Anfang sieht Albert Thomas in der A b r ü st u n g s- k o n f e r e n z. die schon«inen Erfolg darstellt, wenn sie zu einer Beschränkung der Rüstungen führt. Ein Abbau der geradezu erschreckenden Rüstungslast von jährlich nahezu 20 Milliarden Mark wäre ein erster wichtiger Schritt zur Kräftigung der Sozialetats und Verringerung der Steuerlast. Helfi den Kranken! Rot durch Rotverordnung. Wo und wie der chebel zur Besserung des Schutzes der Kranken- versicherten angesetzt werden muß, zeigt folgende Schilderung von sachkundiger Seit«: Auch heute nach Erlaß der Notverordnungen kann Hausgeld selbstverständlich nur gezahlt werden, wenn der Versicherte Aufnahme im Krankenhaus gefunden und dl» Kaste die Kosten übernommen, hat. Die anderen Kranken erhalten kein Hausgeld, sondern Krankengeld. In dieser Beziehung hat die Notoerordnung keine Aenderung gebracht. Eine Verschlechterung bedeutet aber die Beslim- mung. daß die Leistungen durch die Verordnung vom Dezember auf die Regelleistungen beschränkt worden sind. d. h. also, daß Krankengeld für Krankheitsfälle, die erst nach dem 31. Dezember 1931«intreten, nur noch im Betrage von SO Prozent des Grundlohnes und das Hausgeld nur in der Hohe des halben Krankengeldes gezahlt werden kann. Dos Sterbe- g e l d darf ebenfalls nur noch das ZOfache des Grundlohnes betragen. Die Kranksnhilfe wird nur noch für die Dauer von 26 Wochen gewährt. Auch die Krankenhilf« beschränkt sich jetzt ledig- lich auf die 205 und 205a der Reichsversicherungsordnung. § 205b der Reichsversicherungsordnung, laut dem die Satzung beim Tode des Ehegallen oder eines Kindes und sonstiger An- gehörigen ein Sterbegeld zubilligen konnte, wenn diese Angehörigen mll dem Verstorbenen in häuslicher Gemeinschaft gelebt hallen und überwiegend von ihm unterhalten worden waren, ist durch die Ver- ordnung vom 8. Dezember 1931 außer Kraft gesetzt worden. Die den Familienangehörigen im Z 205 der Reichsversiche- rungsordnung zugesicherte freie ärztliche Behandlung kann jetzt nur noch für die Dauer von 13 Wochen gewährt werden. K r a n k« n h a us k o st e n für die Angehörigen oder ein Zuschuß zu diesen Krankenhauskosten können von der Kaste nicht mehr gewährt werden. Auch«inen höheren Prozentsatz der Kosten der Arzneien und kleineren Heilmittel sowie Hilfsmsttel, Stärkungs- und anderer als kleinerer Heilmittel, als im st 205 der Reichs- Versicherungsordnung vorgesehen, darf die Kasse nicht mehr gewähren. Das alles bedeutet natürlich für die Versicherten einen erheb- l: ch s n Nachteil, während die Kasten durch die Einschränkung dieser Familienhilst einen entsprechend großen Vorteil nicht haben. Das Hauptgewicht sollte jegt von den Kassen auf eine inten- sioe ärztliche Behandlung der Kranken gelegt werden, um eine Verkürzung der Dauer der Arbeitsunfähigkeit l)«rbeizu- führen: denn letzten Endes kommt es ja doch darauf an, den Ver- sicherten nach Möglichkeit ihre Gesundheit zu erhalten oder sie ihnen im Falle der Erkrankung baldmöglichst wieder zu verschaffen. Im übrigen dürfen Mehrleistungen auch heute noch ge- mährt werden, wenn die Kaste mit dem Beitragssatz von 5 Prozent auskommt. Da» würde zweifellos möglich sein, wenn die Zersplitterung in der Ärankenoersichcrung nicht so groß wäre. Solange es aber gestaltet wird, daß sich von den bestehenden großen oder größeren Kassen noch immer wieder ganze Gruppen von guten Risiken abzweigen, wird man die Leistungsfähigkeit in der Krankenoersicherung nicht heben, sondern immer mehr schwächen. Das trifft insbesondere aus die Kasten zu, in denen die meisten weiblichen Mitglieder verbleiben. Hier wäre der Hebel zunächst einmal anzusetzen, aber nicht nur beim Gesetzgeber, sondern auch bei den Versicherten und vielleicht auch bei den Vorständen der Kasten selbst. Oamenhutfabrikanten für Lohnabbau. Gegenforderungen der.Hutarbeiter. Die D a in e n h u t i n d u st r i e in Deutschland gehört un- widersprochen zu jenen Wirtschastsgruppcn, die an einem hohen Realeinkommen der breiten Massen der Bevölkerung interessiert sein müssen. Denn nur wenn die breite Masse Löhne erhall, die zu mehr reichen, als zum allcrdürftigsten des Lebens, wird der einzelne sich mehrmals im Jahr einen Hut kaufen und seinen Angehörigen ein- oder zweimal im Jahr das Geld zum �ut- kauf geben. Dieses ABC. der guten Wirtschaftskonjunktur sollte nun eigent- lich allen geläufig sein. Die Damenhullabrikanten aber haben die Kündigung des Lohn- und Manteltarifvertrages unter unmißverständlicher Darlegung eines weiteren Lohn- a b b a u e s ausgesprochen. Wirtschaftlich gibt es keine Begründung für weiteren Lohn- obbau. Ein Hut, für den heute der Fabrikant 1,80 M. bis 2 M. erhält, kostet den Fabrikanten unter Einbeziehung eines bedeutenden Unkostenprozentsatzes etwa 20 bis 25 Pf. Lohn. Unter Berück- sichtigung der Materialkosten und eines bedeutenden Spesenfatzes bleibt dem Fabrikanten noch ein ganz passabler Verdienst, wenn auch nicht verkannt werden darf, daß der Konsument für oben kalkulierten Hut 4 M. und mehr zahlen muh. Wenn aber der Lohn nochmals um 10 Proz. gesenkt wird, so macht das«ine„Preis- fenkungoonZPf. Die Damenhutarbeuerschaft hat sich mit den neuen Lohnabbauwünschen der Fabrikanten befaßt. Sie wird diese Wünsche nicht nur durch die Berufung auf das Wort des Reichskanzler» zu er- ledigen versuchen, der in der amtlichen Begründung zur 4. Not- Verordnung von der schicksalhaften Verbundenheit von Löhnen und Preisen sprach. Die Hutarbeiter haben da» Wort so aufgefaßt, daß. wenn die Preise nuht im gleichen Maße gesenkt würden wie die Löhne, eine„neue Situation" entstehen würde, also die Löhn« wieder erhöht werden müßten. Di« Löhne sind seit Llnfang Dezember 1931 tiefer gesenkt worden als die Preise. Darum haben die Hutarbeiter den Damenhut- fabrikanten folgende Forderungen überreicht: 1. Der Manteltarifvertrag soll wieder so hergestellt werden, wie er vor dem g. Dezember 1931 war. 2. Der.n Ausführung der Verordnung vom 8. Dezember 1931 auf 95 Pf. festgesetzte Lohn soll auf l M. in der Stund« erhöht werden. 3. Die Hut- orbeiter behalten sich vor, bei den Verhandlungen zu den übrigen Positionen des Tarifvertrages noch entsprechende Anträge zu stellen. Die 5iutarbeiter sind der Meinung, daß ein Kanzlerwort einen Sinn haben muß. Doch werden sich die Hutarbeiter nicht allein auf die Regierung oerlassen. Sie werden den Unternehmern zu zeigen wissen, daß der Unvernunft Grenzen gesetzt sind dort, wo die organisierte Arbeiterschaft Maßnahmen als gegen ihr Lebcnsinter- esse gerichtet ansieht! Schlagt den Kaschismus! Eiserne Front der RahrungSmittel- und Getränkearbeiter. Am Sonntag hielt der Gau Arandenburg-Grenzmark-Pommern des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeller im Ver- liner Gewerkschaftshaus eine Gaukonserenz ab, auf der die Gauleitung Rechenschaft ablegte über ihre Tätigkeit im vorigen Jahr. Der Gauleiter Genosse Hetzscholo gab den Delegierten«inen Ueberblick über die vielen Schwierigkeiten, die im vorigen Jahre be- sonders auf tarifpolitischem Gebiete im Gau zu überwinden waren. Die Unternehmer standen auch in diesem Organisationgebict im Auf- stellen von Abbaufordcrungen den Berliner Unternehmern nicht nach. Soweit nicht durch die staatlichen Schlichtungsinstanzen und die Zwangsmaßnahmen der Reichsregierung der Kampf gegen das ab» bnuwütige Unternehmertum illusorisch gemacht wurde, gelang es der Organisation in vielen Fällen, dem'tlbbaufanatismus Grenzen zu ziehen. In der M i t g l i e d« r b e w e g u n g ist insolge der langan- haltenden Krise ein empfindlicher Rückschlag eingetreten. Im gesamten Gaugebiet hat die Organisation gegenüber dem Schluß des Jahres 1930 rund 16 Proz. Mitglieder verloren, so Daß das Jahr 1931 für den Gau einschließlich Berlin mit einem Bestand von 21 246 Mitgliedern abschloß. An die finanzielle Kraft des Verbandes wurden im norigen Jahre außergewöhnlich hohe Aniorderungen geiiellt. Trotz spar'amster Verwaltung stiegen dt« Ausgadcn im Gau gegenüber 1930 um 23 760 M.: allein für die Unterstützung der invaliden Aerbanvsmitglieder munden 252 471 M. aufgewendet gegen nur 141 714 M. im Jahre 1930. Die Delegierten anerkannten die Bemühungen der Organisation zur Sicherung der in den Vorjahren eroberten Positionen sowie die finanziellen Leistungen des Verbandes vollauf. Freudigen Wider- hall fand die Aufforderung des Genossen Hetzschold, all« Kräfte zur Stärkung der Ei sernen Front aufzubieten und nichts un- versucht zu'lasten, am 10. und 24. April dem Faschismus eine so schwere Niederlage beizubringen, daß er seine Hoffmingen auf das Dritt« Reich endgültig zu Grabe trägt. Zusammenbruch der KpO. bei Siemens Massenflvcht vor Thälmann. Am Dienstag sollte eine Riesenkundgebung der Koinmu- nistischen Partei zugunsten Thälmanns im Lokal von Weidner, Sternfeld, für den gesamten Siemens-Konzern stattfinden. Trog der großen Ankündigung, trotz Musik, Sprechchor und Ulbricht als Redner waren nur 92 Männlein und Weiblein erschienen, also rund OL Prozent der Belegschaft. Selbst Zellenmitglieder hatten die Flucht vor der Kandidatur Thälmanns ergriffen. An Stelle von Ulbricht erschien ein gewisser P e s chj! e vom Einheitsverband. Psschke meinte, daß ihm als ehemaligen Siemens- Ardeiter der schwache Versammlungsbesuch erklärlich sei. Der ein- zelne fühle sich durch die Größe der Werke und die in den Mauern herrschende Ausbeutung erdrückt. Gegen die Entlastungen halte er ebenfalls ein Rezept aus dem Karl-Liebknecht-Haus mttgebracht. Die Entlassenen sollten am nächsten Tage genau so zur Arbeit gehen, als wenn nichts passiert sei: man solle dann mit Hilse des Streiks gegen die Entlastungen Front machen. Als ehe- moliger Siemens-Arbeiter weiß Pefchke, daß es dort Kommunisien gibt, die das Kunststück fertig bringen, zu„streiten" und gleichzeitig zur Arbeit zu gehen, als ob nichts passiert wäre. Die Siemens-Velegschaft wählt am 10. April nicht Hitler noch Thälmann, sondern H i n d e n bu r g. Sin„ttassenbewußier Arbeiter" der KpO. Oder: Oer Hauptfeind ist die freie Gewerkschaft. In Nr. 67 der„Roten Fahne" gießt ein Schmutzfink der RGO. die üblichen Dreckkübel aus in einem Artikel, überschrieben:„Terror- seldzug der Schuhmacherreformisten gegen klassenbewußte Arbeiter —„Eiserner" Schurkenstreich". In diesem Artikel wird die freche Behauptung aufgestellt, der Schuhmacherverband habe eine„unerhörte Kampagne bei der Firma Leiser Schuhreparaturwerkstatt ge- führt", und H ö r g vom Schuhmacherverband habe sich mit der Firma Leiser in Verbindung gesetzt, und darauf sei plötzlich die Eni- lassung eines Arbeiters erfolgt. Von der„Roten Fahne" wird der entlassene Arbester, ein ge- wisscr Otto Koch, als ein„klassenbewußter" Arbetter hingestellt. Dos Blatt scheint nicht zu wissen, Laß dieser Arbester bei der Firma Leiser eingestellt wurde im unmittelbaren Anschluß an den o e r- lorenen RGO.- Streik im Januar 1931 und daß er sich öffentlich rühmte, der RGO. eins ausgewischt zu haben. Mit solchen„Klassenbewußten" wird die„Rote Fcchne" nicht viel Ehr« machen können. Die Belegschaft der Firma Leiser hat es jedenfalls in ihrer Mehrheit abgelehnt, für solche Subjekts ein- zutreten. Nur drei jetzt wegen verbandsschädigendem Verhallen aus dem Schuhmacherverband Au-geschlostene, die bei Leiser Mttglieder des Betriebsrats waren, glaubten für den ebenfalls ausgeschlossenen K. einÄeten zu müssen. Für die KPD. ist aber offenbar jeder will- kommen, vorausgesetzt, er stänkert gegen die freien Gewerkschaften und natürlich auch gegen die Sozialdemokratisch« Partei. * Heule Schuhmachervers ammlungi Um 17 Uhr tagt heute im Gewerkschaftshaus«in« Mttglioderoersainmlung des Zentralverban- ves der Schuhmacher. Es wird über den diesjährigen Derband-tag gesprochen und die Kandidaten dazu aufgestellt. Ferner werden die Delegierten zur Bezirkstonferen, gewählt. Da in der Zahlstelle er neut linientreue KPD.-Leute mit den Parolen der RGO. gegen die freien Gewerkschaften wirken, ist es nötig, daß alle auf dem Boden ! ver freien Gewerkschaften stehenden Kollegen dies« Versammlung besuchen. Wir fordern auf, als Kandidaten zum Verbandstag die Kollegen Wilhelm und Keller zu wählen. Als Delegierte zu? � Bczirkskonfercnz werden die Kollegen Schüler, S e k a cz e k, Ho?- ! ler und S ü ß in Vorschlag gebracht. Otto Ortlnavn. der Bevollmächtigte der Berliner Ortsoerwal- tung des Cesamtvcrbande?. feiert heute sein 25jShrig«s Jubiläum als Gewcrtsclxsstsangcstellter. Als ihn die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn vor 25 Jahren wegen seiner gewerkschastlichcn Tätigkeit maßregelte, ahnt« sie nicht, welchen großen Dienst sie da- mit seiner Gewerkschaft, dem Deutschen Transportarbeitcrverdanb. leistete, dem damit die Gelegcnhett gegeben war, Ortmann ganz in seine Dienste zu nehmen. Wir denken nicht daran, etwa Ortmanns Tätigkeit heute schon einer eingehenden Würdigung zu unterziehen Dazu ist Ortmann noch viel zu jung, trotz der 30 Jahr», die er On Dienste der Arbeiterbewegung steht. Für heute also mir unser« herzlichsten Glückwünsche. Genosse Karl Hetzschold bittet uns. mstzuteilcn. daß es ihm bei de? unerwartet großen Zahl von Bekundungen treuer Freundschaft. ehrender Anerkennungen und Aufmerkjamkesten anläßlich seines OLK Gcburtstages uirmöglich ist, jedem einzelnen zu danken. Dies geschieht hierdurch auj da» herzlichste. I SPD..Ä»gcstelUeiifraitio>i bn SBS. nnb NordlLdbah«: Tic®toolf?n treffen sich zu» Temunftratuiu um Ircitag lO1,. Uhr Horn- Cit■gottfitr. n- ■■ 1 1- Achtung. Sistrne"tont nnd SPS. der Schrrlbetrlebe»! Zur V-r- ;; anstal-nng in«»s! garten am Freitag um 17 Uhr twlfcu sich all« Sc- noftcn iiod Auhänger unserer Bcftrebuazen an Sclonntei Stell« fcki»» 1 ! um llty Uhr. Der Lorsland.|. .......—---———,———-------'- Ghete B�Freie Gewerkschafts-Lugend VsrUn Heul« um IL r Uhr tag«n d!« Grupvlu: SSbostlut 5!ug«ndl>»im-»«ichen- dergcr Srr. 6ö. HelmMpicchiutg.— Tculpelhot: ljogrndhelm Luz-um Scrmaninsir. 1— 0. Ter Zugang erfolgt durch dcn Euigang©üjifttaj« auf der hinteren Seite der Schule. Heimbesprechung. Berdandoduch mitbringen. — Roabir: Jugendheim Lehrter Str. 18—19...Di« modern« Arbeirerbewegun t' — Staaten: Jugendheim 17. Botleschnle. Dartentzadt, Airchplatz, Sndhaltesh ue Äutobuo 81. Hiimbetprechnng. Riickdlick auf d!e Ofterfabrt.— Schönhou!»» Tor: Jugendheim Ticckslr.>8. Heimdeforea'Ung. ,.FG2. iu Wert und 11, Id."— Land« berge» Plan: guzcnicheiui Diestümegerstr.!>. Reihennortragt„Velko. unrlschaff.!.— Lichtenberg: Jugendheim Doffefir. 92.„Das BetriebsrZtezesctz." — Rc ii-Lichtenberg: Jugendheim wunlerstr. II. Sieihenvortraa:„Zlrdettersiihrer: Lassallo— Engel?— Ui.irx".— Tesunbdrnnucn: Jugendheim Zioic Schul«, Eotcn» burger Str. 2... H-imbesprechun.g.— Schlneweide: Jugendheim Laufcner Str. 2 iRvteo Zimmerl...Im Westen nicht- Neues."— NSgcnick: Jugendheim (brilnauer Slr. ö(Ltähe Bhs. S»ff.blersfeld). Seimbesgreckung.— Zngendgrupoc de, Verbandes der Stahrniigsinittel. und«Selräntcarbeiter: Neue Schönhauser Slrahe 4— a. Heimabend. Unsere lllädela gestalten den Abend aus.— E.wert. lchaftshau«! Jugendheim Suaclufer 21—22, Saal ll. öeimbesnrechung. Namvf- licderadend.— Achtung! Am Freitag um 18 Uhr Aufmarsch der„S-s-rnen ■Jronf im Lustgarten. Di- Sprechstuna« fällt au«. Djfc �»aendsiruppb des'Zetttrawerbandes k>er Angestellten Vr? Heut«. Donnerstag, suchen folgende Veranstaltunzen statt: Paulo»'- öiiedcrfchZuhauseu: Jugendheim Sörschstr. ll sgroste» Zimmerl. Schofl- niattenvortrag-..Lutz der Völler", Zicfcrenl- Polemon».— Sforhen: Jugend. beim Lergingltr. 12. Str üben neue Kampflieder.— Osten: Jugeubhetm der Schule rjum:; Str. Ii. Aussvracheodmd:..lheaetunaritfrag«''. der chewerk. schasteu".— Trcgtow: Jugendheim der Schule Mldenbruchstr. 22(Zugang um der chraetzstrasi« in Dregtcwl. Brrtrag:..Die uolilifche Arblitcrbeweauna Amerikas" Äeferen!: Ktebo.— Dt«„Freie Angestebtenhank e. S. m. u. k>" tagt heute von 20 bis 22 Uhr im Berboudshaue.— Zimballtraining um 16*; Uhr auf dem Lnorlglatz Lichtenberg, ztormannen. Eck» Ruscheftroße.