BERLIN Sonnerstag 2. April 1932 10 Pf. Nr. 163 ES 81 49.Zahrgang ErsckieinttSglich außerEenntag«. Zuglrick Ädendautgabe de«.Vorwärts� BetvSsvret« fit beide All»gaben 7ö Pf. pro Woche. 3,2ö M pro Monat (taron fi7 Pf. monatlich für Zustellung in« Hau«) im vorau» zadldar P o st b e j u g 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postieitungs« und 72 Pf. Pestdestellgebüdrea. ff\£iH0asd& «BietjfnsreU;£le duf.allije MIlltmctericlle Zo T(, fiid.mricilt 2.— W Ermäßigungen nach Tarif Doßichcckianlo: ZZormärls-D-riag>z. M.b.H.. Berlin Rr. 37 536.- Lee Verlag behält«Ich das Rech» der Ablelinung nicht gcncbmer Anjetge» vor' Siedaktton und Ervedilion! Berlin SW 68. Lindcniir. 3 Srrnsdrecher! Dönboff(A 7) 292—297. Nazi- Bluttat in Leipzig Drei Sozialdemokraten von Hitler-Banden schwer verletzt Leipzig, 7. April. lpcstern erbend in der achten«tunde kam es im Vor- ort M o ck a u zu einer schweren Ich lägerei zwischen Nationalsozicrkisten und«ozialdemokraten, wobei von den Nazis nrehrere scharfe«chüsse abgegeben wurden. Zwei»ozialdemok raten trugen S t e ck- schüsse im Bein davon und mußten ins jtrankenhans eingeliefert werde». Bei einem zufällig vorüberfahren- den Personenkraftwagen wurden eine Zcheibe und ein Reifen zerschossen; der Fahrer blieb unverleht. Zwei an der Zchieperei beteiligte Nationalsozialisten wurden festgestellt, fe'iner von ihnen hat ebenfalls so schwere Verleitungen davongetragen, das» er ins LerankenhauÄ gebracht werden mußte. Fn der W o h- nung des anderen wurden drei Gewehre, ein Seitengewehr und verschiedene Munition gefunden. Ter Äiann wurde von der Politische» Polizei festgenommen. lieber die neueste Bluttat werden uns noch folgende Einzelheiten berichtet: Es mochte tiisz nach 19.30 Uhr gewesen sein, als mehrere Grup-- pen Reichsbannertameraden und Angehörige des SPD.-Schutzes auf dein Heimweg die Friedrichshagener Straße in Mockau passierten. An einem Gartenzaun lehnten im V e r st e ck mehrere Nazi s. Sie wurden rechtzeitig erkannt und zur Rede gestelll. Doch die Wegelagerer hatten bereits die Finger am Abzugsbiigel des Schießeisens und dachten nicht daran, zu verduften. Sie blieben weiter im Dunkeln am Gartenzaun stehen und ließen auch die den Reichs- bannerkameraden folgenden Gruppen des SPD.-Schutzes an sich vorüberziehen. Kauni hatten die letzten Angehörigen des SPD.- Schutzes die Hitler-Bnben hinter sich, da krachten schon die ersten Schüsse. Mehrere oer Geschasse gingen Zwar fehl, dock) einige der Schusse trafen Angehörige des SPD.-Schutzes. Drei der Republi- kaner wurden verletzt, davon zwei schwer. Der 32 Jahre alte Buch- drucker Rettig erhielt einen Oberschenkeldurchschuß, der 24 Jahre alte Maschinenarbeiter Albin Strunz einen Oderschenkelsteckjchuß, ein dritter Genosse einen Streifschuß. Die beide» Schwer- verletzten wurden mit dein Rettungsauto der Feuerwehr ins Krankenhaus gebracht. Reichbanner und SPD.- Schutz bemühten sich sofort, der Täter habhaft zu werden. Zwei der Strolche, die feige aus dem Hinterhalt geschossen hatten, gelang es zu fassen. Es find die Nationalsozialisten H o r st B ä u m- l e r und Arthur Breitz. Bäumler ist 17 Jahre alt, Breitz 24 Jahre. Der dritte der Hitler-Buben entkam. Die National- sozialisten gingen mit ihrcin Trommelfeuer aufs ganze. Bon dem mörderischer» Kugelregen wurde sogar ein Privatauto getroffen. Ein Geschoß durchschlug eine Scheibe, das andere den Hinterreisen des Kraftwagens. Von den Insassen wurde glücklicherweise niemand verletzt. In der Wohnung der Erneuerer Deutschlands wurde in einem Kleidergeschrank ein gebrauchsfertiges Infanterie- g c w c h r, Modell 98, gefunden. Auf dem Boden, versteckt in zwei Säcken, mehrere Karabiner, eine größere Menge Munition und ein Seitengewehr. Ein zweiter feiger Lleberfall. Leipzig, 7. April.(Eigenbericht.) Auch in Connewitz haben Hitlers Braunhemden in nächt- licher Stunde einen Uebersall verübt. Hitlers„rauhe Kämpfer" kamen gegen 22.�0 Uhr aus dem„Eiskeller". Ecke Pegauer- und Auerbachstraße begegneten ihnen, die ungefähr 80 Mann zählten, vier Reichsbanncrkamcraden, die stadtauswärts gingen. Kaum hatten die Hitlerbanditen die Reichsbanuerleutc erblickt, da umzingelten sie dies« uird schlugen ohne irgendwelchen Wortwechsel erbarmungslos auf sie ein. Wie immer hatten die Nazi- strolche trotz Verbotes Schultcrricincn und Koppel mit starken Metallschlössern bei sich. Diese Dinge benutzten sie als Waffen gegen die Reichsbannerkamcraden. Nachdem sie zwei ihrer Opfer zu Fall gebracht hatten, bearbeiteten sie diese mit den Füßen. Blutend tagen die Reichsbannerkameroden ohnmächtig am Boden. Nun erst ließ das braune Gesindel von den Opsern ab und stürmte NN Laufschritt dem Kreuz in Connewitz zu. Einem der Reichs- bannerkameraden gelang es, die Polizei zu verständigen, die schließ- lich mit einem Streifenwagen erschien. Inzwischen hatten sich die Nazis in alle Winde zerstreut. Eiserne Front morgen 6 Uhr abends Lustgarten Iufiiz für Hitler. Die„Einstweilige" als Zeffel für kritische Glossen. Kiel, 7. Zlpnl.(Eigenbericht.) Das Amtsgericht Kiel erließ heute vormittag entsprechend dem Antrage Hitlers gegen den Hauptschriftteiter der„Schles- wig-Holsteinischen Volkszeitung" Wurbs eine einstweilige Verfügung, in der der Zeitung. �. oerbole» wird, zu behauplen, daß hiller den Bürgerkrieg bis ins letzte vorbereitet habe und daß seine iputschabsichl dahin ging, Waffen und Lebensmittel zu requirieren, össentliche Gebäude zu besehen und die Kassen mitzunehmen. Das Gericht erklärt« in seiner Begründung, daß das Beweismaterial der letzten Tage den.Verdacht rechtfertige, daß bei nicht wenigen örtlichen Organisationen der NSDAP, illcgaie und reuo- lutianäre Bestrebungen im.Ganze sind. Es müsse aver angenommen werden, daß Hitler diesen Bestrebungen fernsteht. Dafür spreche sein Zeugencid in dem Prozeß gegen die Ulmer Ossiziere und auch seine neuerliche eidesstattliche Versicherung, die Hitler ini Hotel Kaiserhos zu Berlin adgcfaßt habe. Seine in öffentlichen Reden gemachte Angabe, daß nichts ohne sein Wissen in der Partei geschehe, könuc nicht gegen ihn gedeutet werden, denn hier handele es sich offenbar nur um— selbstbewußte Redewendungen! Hitler wird nunmehr binnen sechs Tagen oor dem Landgericht zu Kiel gegen den verantwortlichen Redakteur der„Volks- zestung" klagen müssen und dann auch nicht verhindern können, daß sowohl er als auch die Vertreter der preußischen Re- gierung als Zeugen vor Gericht werden erscheinen müssen, Haut den Lukas! EHERNE FRONT Schlagt Hitler, wählt Hindenburg! Gevering in Hamburg. Kundgebungen der Eisernen Front. hainburg. 7. April. Mit zwei großen Severing-Kuydgcbungen rich- tete gestern die Eiserne Front den letzten Appell an die Hamburger Wählerschaft zur Wiederwahl Hindenburgs. In der Hauptvenamm- lung bei Sagebiel sprach vor dem Minister der Hamburger Polizei- senator Schön felder, dessen Ausführungen über das Reichs- banner starke Beachtung fanden. Das Reichsbanner, die Schutztrupps der Republik, sagte Schönfelder, ist eine Armee von Männern, die das W a f f e n ha n d w e r k nicht lieben, es aber aus dem Kriege kennen. Die Regierung braucht nur den 2lrni zu erheben. und es steht zum Schutze der Republik bereit, Schönfslder forderte im weiteren Verlauf seiner Rede Maßnahmen des Reiches c> e g e ii d i e S A, Es gebe kein zivilisiertes Land der Erde, daß eine solche Privatarmee dulde. Es sei höchste Zeit, daß das Reich eingreife i die Länder könnten in dieser Hinsicht allein keinen Wandel schasseil. Minister S e» e r i n g, von Reichsbannerlente» in den Saal getragen, wurde mit einem Beifallssturm empfangen. Seine einstünditze Rede war erneut eine eingehende Auseinandersetzung mit der Person Hitlers und seiner Partei.'Nach dem Erfolg des 13.: März, führt er u. a. aus, liege die große Gefahr darin, daß die H i n d e n b u r g- W ä h l e r in Selbstzufriedenheit verfallen. Es gehe jetzt oder nicht um einen größerei» Erfolg am Sanntag, sondern darum, daß man am 24, April zeige, daß nicht nur der Zauber eines Namens und einer Persönlichkeit, sondern .'publikanische Erkenntnis die Wahl bestimnil. Die Republik und die Republikaner hätten lange geschlafen, es sei ein Verdienst des Nationalsozialismus, die Republikaner munter- gemacht zu haben. Zugleich gebe Hitler seinen Gegnern heute die besten Waffen gegen sich selbst in die Hand. Der Widerspruch zwischen seinen früheren Forderungen und den Aeußerungen im Kmckerbocker- Interview sei nie mehr sortzuwischen. Hitler spiele heute die Rolle des Schreiners im RUpelspiel des„Sommernachtstraums". Vor der Masse m"!!«« er den Löwen. Vor der Zluslandspreise beteure er, er sei gar kein Löwe. Deutschland wählt Hinden- bürg, erklärte Severing, weil es p a l i t i s ch e Stabilität haben will und muß. Stühe! rust zur Selbsthilfe auf. München, 7. April.(Eigenbericht.) 3» seiner Etalsrede wandle sich der bayerische Innenminister Dr. Stühe! im Landlage heule mit aller Schärfe gegen den Wahllerror der Nationalsozialisten. Er versichert?, daß die Wahlfreiheit unler allen Umständen geschützt und jeder Terrorakt im Seime erstickt werde. Vor allem werde am 10. April und 24. April nicht gestattet sein, daß„Alarmbereit- schaflen" zusammengezogen werden, obwohl die Regierung wisse, daß nirgends in Bayern derartige Umsturzversuche gelingen könnten. Zum Schluß richtete der Minister einen ungewöhnlichen Appell zur Selb st Hilfe an die Bevölkerung. Als ipotizei- minister müsse er öffentlich aussprechen, daß es besser wäre, wenn ein großer Teil der Bevölkerung nicht immer noch der Polizei ruse, sondern selbst durch b c sl i m m l e und unerschrockene Maß- nahmen, also durch ein gewisses Maß von Zivilcourage die neu- modischen und undeulschcn kampfsillcn des Rechtsradikalismus zurückweise. 6VA490 Berliner suchen Arbeit. Ende März 5525 weniger als Mitte März. Der Arbcitsmorkl im Bezirk des Landesarbeilsamls Branden- bürg weist in der Zeit vom lö. bis ZI. März cinc geringe Besserung auf. Die Zahl der Arbeitsuchenden ging von Sbb ZSg auf SM 403, mithin um 13 947 Personen zurück. 3o der Berliner Metollindustrie wurden einige Betriebe stillgelegt und damit eine größere Anzahl Arbeilskräsle, darunter sehr viel weibliche, arbeitslos. 3m Laugewerbe wurden neue größere Lauvorhaben fast gar nicht in Angriff genommen. Der Aprilumzug bot zwar eine gewisse Beschästigungsmöglichkci», brachte jedoch keine Entlastung des Arbeitsmarktes. 3n Berlin werden 1 2 8 7 2 4 Arbeitslose von der Arbeits- losenverslchernng untersiühl, 15 7 2 4 6 von der Krisen- f ü r s o r g e und 2 31 5 0 2 sind Wohlfahrlserwerbslose. Aus 1000 Einwohner kommen in Berlin 32,0? Hauptuater- st utzungsempfönger in der Arbeitslose!, verstchcrung und Zg.lS Unterstühle iu der Srisensürsorge. Brandenburg hat 229 333 Arbeitsuchende, die Grenzmark Posen- '-Pestpreußen 18 578. Lon der Arbeitslosenversicherung werden in Brandenburg 72 817, in der Grenzmark 3223 Personen unterstutzt. In der Zirisensürsorge stehen in Brandenburg 61214, in der Grenz- mark 6328. Wohlfahrtserwerbslose hat der Bezirk Brandenburg ohne Berlin 60 285. Wenn nach den Vorschlägen des Langnamoereins die Arbeits- wiUigtcit der Arbeitslosen und die Bedürftigkeit der Unterstützten geprüft würden, könnte zwar nicht ein einziger Arbeitsloser da- durch in Arbeit gebracht werden, doch könnten ein paar hundert Prüfer angestellt werden. Den Unternehmern, die derartige Vor- schlage machen, müßten jedoch die Kosten dafür auferlegt werden. Oer„Stabsches". Partei der„sittlichen Erneuerung". Die Mitteilung Hitlers, daß sein„Stabschef" R ö h m trotz seiner bekannten Neigungen und trotz der kompro- initiierenden Briefe, die er geschrieben hat, Führer der S A.- I u g e n d bleibe, veranlaßt das Berliner Z e n- t r ü m s o r g a n, die„Germania", zu folgenden Fest- stellungen: „Wenn sich Hitler von Röhm nicht trennen will, so wirft dies ein sehr bezeichnendes Licht auf den G e i st, von dem die Nazipartei der„sittlichen Erneuerung" beseelt ist. Zlber in einer Partei, die -dem Fememörder Heines die Ehre eines Reichstags- Mandats verleiht, die demnächst den Fememörder Schulz in den Preußischen Landtag schickt und auch sonst in der Be- urteil, png der moralischen Qualifikationen führender Persönlichkeiten der Partei eine große Weitherzigkeit zeigt, ist schließlich auch Platz für Herrn Röhn,. Wenn also Hirlcr erklärt, daß Röhn, sein Stabs- chcf bleibt, nämlich der Stabschef seiner Privatarmee, dann darf man immerhin hoffe», daß dieses Amt durch die g e- p l a n t e n st a a t l i ch c n M a h n a h m e n sehr bald ohne Sinn und Inhalt sein wird." Man sollte meinen, daß diese Meinung Allgemeingut der politischen Kreise wäre. Aber weder die Rechtsparteien noch vor allem die protestantischen Pfarrer, die für Hitler die Trommel rühren, nehmen an der Röhmosexualität irgend- einen Anstoß! SA. sucht Llnterkunst. Nazikaserne in der Martgrafenstraße wieder geschlossen. Die SA.-Kaserne der Nazis in der M a r k g r a f e n st r. 11 hat sehr schnell ein unrühmliches Ende gcnommeu. Bereits gestern mußten die SA., und SS.-Druppes das hau» wieder ver- lassen und sich vach einer anderen Bleibe umsehen. Da» Polizei- Präsidium wird natürlich darauf achten, daß die hakenkreuzler nicht wieder nach der hedemanuslrahe zurückkehren. I: näher dcr Termin der Reichspräsidentenwahl rückt, cüic um so lebhaftere Tätigkeit entfalten die Links- und Rechtsradikalen. wenn sie nachts durch die Straßen ziehen. Gleichzeitig ist aber auch die Polizei aus dem Posten. Verstärkte Schupo-Patrouillen und Beamte der Politischen Polizei in Awil schenken diesen Schmier, und Malhalonnen ihr« besondere„Aufmerksamkeit". So konnten iu der vergangenen Nacht wieder 30 Personen festgenommen werden, die bei ihrer„Tätigkeit" überrascht wurden. Am Filmwerk G o e r z. an der Peripherie Berlins, kam es heute früh zu einer schweren Schlägerei zwischen Kommunisten und N a t i o n a l s o z i a l i st« n. Mit allen möglichen Gegenständen hieben die Gegner auseinander ein. Vier Beteiligte wurden so er- heblich verletzt, daß sie in Vinzenz-Krankenhaus gebracht werden mußten. Um 1 Uhr nachts kam es in Spandau zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen politischen Gegnern. Ein« Gruppe von Nationalsozialisten überfiel hier zwei Kommunisten, die erhebliche Verletzungen davontrugen und ins Krankenhaus Spandau gebracht werden muhten. Die Täter entkamen. Meydenbauer gestorben. Einer von den zwölf Männern um Hilgenberg Der frühere Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium, Dr. M e y d e n b a u e r, ist am Herzschlag gestorben. Viel hat man von Meydenbauer nicht gehört, und ein großes Licht war er auch nicht. Er war ein kleiner Mann, ohne Ideen und dement- sprechend, solange er im Amt war, ein exakter Bürokrat. Aber der Mann war gewichtig, als er aus dem Amt heraus war. Denn er repräsentierte ein System. Cr war einer jener zwölf Männer um H u g e n b e r g, die das berühmte Zweck- vermögen verwalteten, das Hugenbergs Macht darstellt. Diese zwölf Männer um Hugenberg haben sich schon in der Vorkriegszeit zur Beeinflussung der Ministerien die Bälle zugespiell und waren für die Ostpolitik des Reiches ein Staat im Staat. Hugen- berg hat mit ihnen den Schcrl-Vcrlag aufgekauft, den Ver- lagsoerein gegründet, aus dem später die berüchtigte Wirtschafts- Vereinigung wurde. Als Nebenregierung im Reich hat sich diese Gruppe ans dem alten System in das neue System herübergerettet, und sie spielt noch heute eine entscheidende Rolle bei allem, was unter dem Namen Hugenberg zur Wiederaufrichtung der politischen Reaktion in Deutschland unternommen wird. Meydenbauer war Hilgenbergs Arbeitnehmer und treuer Diener auf dem langen Wege von Krupp zu Scherl, von dort zur Ostbank und schließlich zur Telegraphen-Union und zur Ufa. Der pensionierte Ministerial- direktor Dr. Meydenbauer war schließlich zweiter Aufsichtsratsoor- sitzender der Ostbank für Handel und Gewerbe, Aufsichtsratsmitglied an der Ufa und in dem Deutschen Kreditverein AG., alles Unter- nehmungen des Hugenberg-Konzerns. Scheringer vor dem Reichsgericht. Oer Nazileutnant als Kommunist. Leipzig, 7. April. Unter dam Borsitz van Reichsgerichtsrot Dr. Laumgarten begann heute vormittag unter großem Andrang von Publikum und Presse vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts die Verhandlung gegen den Zbjächrissn Reichswehrleutnant a. D. Richard Scheringer wegen Lorbereitung zum Hochverrat und Unter- stützung einer staatsfeindlichen Verbindung. 'Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekenne, er- klärt« der Angeklagte Sch«Inger- Wie kaim man mich fragen, ob ich mick) schuldig fühle, nachdem ich meine Gesinnung öffentlich kundgegeben habe, wegen derer ich hier stelz«? Bei Erörterung des Lebenslaufs des Angeklagten kam zur Sprache, daß Scheringer, der in Aachen gebore,, ist. sich bei der so- genannten Schwarzen Reichsmehr anwerben ließ und sich auch am Kü striner Putsch beteiligte. Schließlich kam er zur Reichswehr, wo er am 1. Februar 1928 Leutnant wurde. Gegensätze Cngland-Frankreich einerseits, 3 London. 7. April. Reuter meldet. Wie in später Abendstunde verlautet, hat sich auf der heutigen Sitzung der Viermächtekonferenz eine Meinungsverschiedenheit zwischen Frankreich und Groß- britannien einerseits und Deutschland und Italien andererseits her- ausgestellt. Der Erste Ausschuß der Konferenz, dcr aus de» Dele- gationsführern besteht, wird sich morgen früh bemühen, diese Meinungsverschiedenheiten auszugleichen. Die beiden zur Diskussion stehenden Fragen sind: 1. Muß Bulgarien in die Donau- söderation einbezogen werden und 2. sollen die Donauländer für sich Verhandlungen führen'? Die Vertreter Frankreichs und Großbritanniens find dafür, die in dcr Viermächtekonferenz er- arbeiteten Porschläge der Konferenz der Donaustaaten vorzulegen, während die deutschen und die italieniichen Vertreter es für not- wendig hallen, eine Vollkonscrenz der neun beteiligten Staaten einzuberufen. Die deutschen und die italienischen Ver- trcter sind der Ansicht, es sei wenig wahrscheinlich, daß eine rich- tige Lösung auf einer Konferenz der Donaustaatcn allein gefunden werden könne und daß ein dort ausgearbeiteter Plan Oesterreich und Ungarn im Vergleich mit der Kleinen Entente schwerer b?- lasten könnte. Die Vorschläge für eine den Donaustaaten zu ge- währende Hilfe bewegen sich, was Frankreich und Groß- britannien anbelangt, im Rahmen finanzieller Unter- stützunge»! soweit Italien und Deutschland in Frage kommen, sind sie auf Zollerleichterungen abgestellt. Die Aussichten der gegenwärtigen Londoner Verhandlungen werden in der Presse verschiedenamg beurteilt. Am p e ss i- m i st i s ch st e n äußert sich das Blatt dcr Arbelteropposition, der „Daily H e r a l d", dcr schreibt, wahrscheinlich werde nichts an- deres übrig bleiben, als die Erörterung der Meinungsverschieden- hellen bis zur Genfer Zusammenkunft in dcr nächsten Woche zu verschieben. Ueber die Verhandlungen sagt das Blatt, der deutsche Standpunkt sei ungefähr der gleiche gewesen wie dcr ita- Kritischer Tag in Ungarn. Ausdehnung des Streiks. Budapest. 7. April. Der heutige Tag wird nach Ansicht eiagewelhler kreise die Enischeiduug iu der inuerpolilischen Lage bringen. Die Sehergewerkschafl. die den Streik, der ursprünglich süc 24 Stunden geplant war, nunmehr schon 46 Stunden durchgeführt hat, wird heule ihre Verhandlungen weilersühren, von deren Ans- gang es abhängen wird, ob der Streik länger dauern wlrd oder ob es zu einem Friedenssckstuh kommt. Zu der hauplsladl erwarlel man mit.Spannung den verlaus der heutigen Demonstratio- neu der Arbeilerschasl, die bekanntlich von der Pollzei verboten wurden. Neben dem Streik der Setzer beginnt auch der Streik aus andere Industriezweige überzugreifen. So slod die Dockarbeiter der beiden Donauhäfea tu den Streik getreten. Auch die Bau- a r b e> l e r der iulernalloualen Mustermesie haben Demonslroliooen veranstaltet, so daß sie von der Polizei zerstreut werden wußten. Die Arbeiterschaft der Fabriken, die heute tasolge des bekannten Beschlusses des Zuduflrieverbaodes deu ganzen log über feiert, dürste sich nach sozialdemokratischen Versichernngea d i s z i p l i- niert verhallen, so daß Zusammenstöße mit der Polizei nicht zu befürchten sind. Von den Zeitungen ist heute früh nur das Nolblatt der Legierung erschienen, dessen Leitartikel eine ausfallend scharfe Sprache gegen die Sozialdemokratie führt und sie beschuldigt, Anarchie und blutigen Bürgerkrieg vorzubereiten. Kein„Rumtopf"! Dingeldey wird von Hugenberg abgewiesen. Der oolkspartelllche Führer. Dr. Dingeldey, hat in einem offenen Brief an Hugenberg den Vorschlag gemacht, eine ge- meinsame Landesliste der Rechtsparteien zu vereinbaren. Hugen- berg selbst hat auf diesen Dorschlag noch nicht geantwortet. Doch da sein« ganze Presse die Anregung des Voltsparteilers mll schärfstem Hohn zurückweist, scheint dies« Antwort bereits festzustehen. Es bleibt dabei, daß jedes der vielen Parteichen, die zwischen Nazis und Zentrum eingeklemmt sind, am 24. April den Schaden für sich allein besehen wird. Straßers eiserne Stirn. Eine unsterbliche Wahllüge über Gehaltsabbau in Preußen. Der„Amtliche Preußische Pressedienst" schreibt: Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun hatte bereits vor dem ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl in einer„Amt- lichcn Entgegnung" aus Grund der Notverordnung an eine nationalsozialistische Zeitung in Essen erklärt, daß die tendenziösen Behauptungen über einen neuen Gehaltsabbau für die preußischen Staatsbeamten, der angeblich sofort nach den Wahlen erfolgen solle, frei erfunden seien. In dieser Entgegnung, die außerdem durch de» „Amtlichen Preußischen Presiedienst" und durch den Rundfunk gleichzeitig der gesamten Oeffcntlichkeit mitgeteilt wurde, hieß es zum Schluß: „Nach diesen Feststellungen wird sich jede erneute Aufstellung der Behauptung von geplanten Gehaltskürzungen nack) den Prä- sidentenwahlen als eine bewußte und tendenziöse Un- Wahrheit charakterisieren, gegen die mit den erforderlichen ge- setzlichen Mitteln eingeschritten werden wird." Pressemeldungen zufolge hat dcr nationalsozialistische Reichs- tagsabgeordnete Gregor S t r a ß e r in Kassel trotzdem wieder die Behauptung aufgestellt, daß am 26. April eine neue Notverordnung der preußischen Regierimg eine zehnprozent' ge Gehaltskürzung und eine unerhörte Kürzung der Renten und Arbeitslosenunterstützungen bringen werde. Diese Behauptungen sind durch die oben zitierten amtlichen Feststellungen des preußischen Ministerpräsidenten hin- reichend als Wahllügen gekennzeichnet. Die weiteren Folgen ergeben sich aus der Ankündigung des preußischen Ministerpräsiden- ten von selbst. Roch eine Razilüge. Em HindenburgS Verfassung Seid. Uns wird mitgeteilt, daß im Kreise Striegau dos Ge° riicht verbreitet wird, Hinidenburg könne nicht mehr gewähll werden, weil in Deutschland nur eine Person unter siebzig Jahren einen Eid leisten dürfe. Hindenburg sei über 70 Lahre und dürfe den Eid auf die Verfassung nicht mehr leisten. Den Nazis ist nichrs zu dumm, um es der Bevölkerung zu unter- in London lie nischs, nur daß er vielleicht noch etwas deutlicher zum Ausdruck gebracht worden sei.„Time s" sagt, ein Gegensatz in den An- sichten sei unleugbar und Zugeständnisse und Annäherungen seien unbedingt notwendig. Aber alle Parteien seien sich bewußt, daß eine Aktion dringend erforderlich sei. Dcr Ton dcr gestrigen Erörterungen sei harmonisch gewesen. Benesch über OeuWiands Stellung. Prag, 7. April. Außenminister B e n c s ch erllärte heute im Außenausschuh des Senats über die Donaufrage, daß Deutschland und Italien m i t Recht ihre wirtschaftlichen Interessen zu schützen suchen, aber es werde sich zeigen, ob sie Polllik auf weite Sicht und mit größerem Horizont machten, oder ihre unmittelbaren Interessen nur im engen und nationalen Sinne auffaßten. Wenn früher die Habs- burger Monarchie als Wirtschaftsganzes in keiner Weife die In- teressen der beiden Mächte bedroht habe, so könnte dies um so weniger durch die Präserenzen geschehen. Als Ziel der Prüfe- renzen bezeichnete Benesch die wenigstens teilweise Wiederher- stellung des früheren wirtschaftlichen Zusammen- Hanges zwischen den süns Staaten, soweit diese Staaten es zulassen. In dieses Unternehmen müsse Geld hlueiugesteckk werden. Wir werden aber nichts sanieren, wozu unsere Kräfte nicht ausreichen. Uns liegt daran, daß in das Donaubecken Geld kommt. England und Frankreich können als einzige für Finanz- transaktwnen Geld zur Bsriüzung stellen: Die richtige Methode wäre es, daß diejenigen, die einem Lande am nächsten sind, sich zuerst verständigen und dann die übrigen Staaten heranzögen. Darum haben wir uns z u n ä ch st mll der Kleinen Entente und Oesterreich und Ungarn verständigt und wissen, daß sie nicht da- gegen sein werden. breiten. Für wie töricht müssen sie doch den deutschen Wähler halten! In ihrem Drange nach Parolen, die den politischen Gegner schädigen sollen, merken sie nicht, wie sie sich selber ohrfeigen. Hindenburg war 1923 über 70 Jahre alt und hat den Eid auf die Verfassung geleistet und ihn, was die Hauptsache ist, auch gehalten. Deshalb wlld Hindenburg wieder gewählt! Rumänien unter Wasser. Vermutlich 50 Todesopfer. Bukarest.?. April. Die Nachrichlco aus dem Ueberschwemmungrgebiet lauten imm beunruhigender. Neben dem ungeheuren, ans mehrere Millionen gl schätzten Sachschaden wächst auch die Zahl dcr Menscher opseri etwa 50 Personen dürsten umz Leben gekomm? sein. Aus allen Teilen des Landes laufen Berichte über die ur bcschrclbllchen Szenen der Verzweiflung ein. Wiederholt ist es z> schweren Ausschreitungen der verzwcifellen Bevölkerung gegen die Behörden gekommen, die für den M a n g e l an L e l t u n g r- mikteln verantwortlich gemacht werden: so in einer Gemeinde be Mormarosch-Szigct, wo dcr Notar, der Dorspfarrer und der Oberlehrer samt ihren Familien vor den wütenden Bauern flüchten mußte«. Auch die eingreifende Gendarmerie wurde tällich o». gegriffen. Nur dem energischen Verhalten des Präsektcn ist es zi danken, daß die Unruhen keine weiteren Folgen hallen. Infolge des Hochwassers sind etwa 40 Eisenbahnlinie! außer Verkehr gesetzt, doch konnte die Weiterleiwng der Fe- züge wieder ermöglicht werden. Die Stadt Soroka tLesiarabienj is infolge der Ueberschwemmungen zum größten Teil zerstört. Theater und Eisenbahn. Ausgabe von ermäßigten Theaterrückfahrkarten nach Berlii Die Reichsbahndirektion Berlin hat zum Besuch der Berliner Theater ab heute ein« Fahrpreisermäßigung eingeführt. Die Ermäßigung wird in Höhe von 30 Proz. auf- den Personenzugsahrpreis für die Rückfahrt gewährt, wenn der Besuch dcr Staatsoper Unter den Linden, des Staatlichen Schauspielhauses, des Schillcr-Theaters, der Städtischen Oper in Charlottenburg, der Volksbühne, des Deutschen Theaters, des Großen Schauspielhauses, des Theaters am Nollendorffplatz oder des Theaters am Schilf- bauerdamm, die den Reichsbahnfahrgästen auch ihrerseits eine beträchtliche Ermäßigung gewähren, nachgewiesen wird. In die Ermäßigung sind nur die Orte einbezogen worden, di noch nach Theaterschluß in einer angemessene!. Zeit wieder erreicht werden können. Die Fahrkartenausgaben geben täglich(die Fahrkartenausgaben der Strecke Oranienburg— Fürstenberg in Mecklenburg nur Sonnabends und Sonntags) von 12 Uhr ab auf Verlangen zu jeder Fernfahrkariz zum gewöhnlichen Fahrpreis nach Berlin einen Ausweis zur Er- langung der Fahrpreisermäßigung zum Theaterbesuch kostenlos ab. Gegen Vorlage des von der Fahrkartenausgabe abgestempelten Aus- weises gewähren die genannten Theater die in besonderen auf den Bahnhöfen aushängenden Bekanntmachungen angegebenen Er- Mäßigungen auf die Kasienpreise. Die Berliner Fahrkartenaus- gaben geben bei Vorzeigung des mit der Eintrittslarie versehenen und vom Theater abgestempelten Ausweises für die Rückfahrt nacl Theoterschluß eine Fahrkarte zum halben Personenzugfahrpreis au- Schnell- und Eilzüge können gegen Zahlung des vollen tarifmäßige Zuschlags benutzt werden. Ueber die näheren Bestimmungen ur über die Spielpläne geben die Fahrkartenausgaben Auskunft. Die„Danat" zieht um... Ein eigentumlicher Zug bewegte sich in den Heilligen Morgen- stunden— bevor das Berliner Geschäftsleben erwachte— durch hie B e h r e n st r a h e. Zwei Möbelwagen, die an der Behren-, in der Nähe der Mauerstraße beladen worden waren, fuhren lang- sam die Straße hinunter und hiellen am Franz-Josef-Platz vor dem Gebäude der Dresdner Bank. Unter allen Vorsichtsmaßregeln wurden sie entladen. Schon während des Aufladens, während der Fahrt und des Zlbladens waren kräftige Mäimergestalten zu beobachten, die alle auffallenderweis« die Hände in den Mantel- tafchen hielten. Es handelte sich dabei um einen Stab Bankdeteklioe und Kriminalbeamte, die den Transport begleiteten und gegen et- waige Ueberiälle zu sichern hatten. Es ereignete sich aber kein Zwischenfall, so daß die 220MillionenMorsuugefährdet ihr neues Ziel erreichten. Die beiden Möbelwagen find je zweimal gefahren. In ganz iurzer Zeit war das Geld im neuen Hause umergebracht. Abschluß der Lehrertagung. Aufruf zum Kampf um Preußen gegen die Reaktion. Die Tagung der Zl r b e i ts g e m c i ns dz a f t sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands besprach am legten Tage neben organisatorischen Fragen auch den Kampf gegen den Nationalsozialistischen Lehrer- bund und die Vorbereitung der Elternbeirats- wählen in Preußen und einigen anderen Ländern. Der Tagung lagen gedruckte Dokumente vor, nach denen die Zugehörig- kcit zuni Nationalsozialistischen Lehrerverband die Mitglied- s chaft bei der NSDAP, voraus setzt. Es wird also in Zukunft möglich sein, daß nationalsozialistische Lehrer ihre Staats- feindlichkeit durch ihren Lehrerocrband tarnen können. Zu den Elternbciratswahlen wurde beschlossen, daß alle Kräfte angespannt werden müßten, um im Sinne des Schulaufbaus vor- wärts zu kommen. Folgends beiden Resolutionen wurden zur Preußen wähl und zu den Verhältnissen in Braunschweig angenommen i „Der chauptausschutz der Arbeitsgeineins chaft soz-aldemokra- tischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands dankt dem preu- ßischen Minister für Wissenschaft� Kunst und Volksbildung, unserem Genossen Grimme, für sein energisches Eintreten für den sozialen und freiheitlichen Ausbau des preußischen Schul- und Bildungswefens. Der Hauvtousschuß ist sich dessen bewußt, daß die tiefgreifenden Abbaumaßnahmcn, die in erster Linie die Eni- Wicklung der Arbeiterklasse lreffeu, im wesentlichen Folgen des ver- larenen Krieges und der Mißwirtschaft des kapitalistischen Systems sind. Cr weist' alle Entstellungen und Verleumdungen, mit denen die Gegner den sozialdemokratischen Minister zu belasten suchen, als durchsichtige politische Manöver zurück und fordert alle sozial- demokratischen Lehrer und Lehrerinnen auf, sich in dem Kampfe gegen reaktionäre Machenschaften vertrauensvoll und kampfbereit hinter die partcigenössisckzsn Minister im Preußenkabinett zu stellen. Mit der Parole unserer Partei treten wir entschlossen und siegesbewußt in den preußischen Wahlkampf em." „Der Hauptausschuß der Arbeitsgemeinschaft sozialdcmokra- tischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands nimmt mit Entrüstung von den Willkür- und Gewaltmaß nahmen des nationalsozialistischen Regiments In Braun- schweig, insbesondere von dem unerhörten Terror gegen die weltlichen Schulen und die sozialistischen und dissidentischen Lehrer und Lehrerinnen, Kenntnis. Er dankt den parteigenösfischen Leh- rern und Lehrerinnen für ihre Opserwilligkeit und Treue in diesem Kampfe. Der Hauptausschuß fordert die gesamte sozialistische Lehrerschaft auf, sich einmütig und mst Energie in die Eiserne Front zum Kampf gegen die schwärzesten Formen der kapita- listischen Reaktion, den Faschismus,«inzureihen. Gerade im An- stürm der Reaktion bekennen wir uns um so eindeutiger zu der klassenbewußten Arbeiterschaft in Partei und Gewerkschaft und zu unserem Kampfziel, dem Sozialismus." Die Tagung schloß mit dem einmütigen Willen, alle Kräfte auf den Kampf gegen den Faschismus und für den Sozialismus cinzu- stellen. Rur ein Orchester in Berlin? Das Schicksal des Sinfonieorchesters!. Daß der Plan einer Zusammenlegung der beiden Orchester Berlins, des Philharmonischen sowie des Sinfonie- orchesters erwogen wird, ist durchaus nichts Neues: es ist ein Versuch der Stadt Berlin, um die Suboentwnierung zweier Orchester herumzukommen und einen Teil der städtischen Zuschüsse einzusparen. Mögen auch die in dieser Hinsicht geführten Verhandlungen in ein akutes Stadium getreten, sein: die in einem Teil der Presse per- breiteten illachrichten darüber sind vollkommen verfrüht. Weder über eine Beteiligung der Reichsrundfunkgescllschaft an dem neuen Ein- hcitoorchester, noch über Unterbringung eines Teiles der Mitglieder des Sinfonieorchesters in der Städtischen Oper und im Rundfunk läßt sich sicheres sagen. Es steht nach nicht einmal fest, ob es zu der Verschmelzung der Orchester kommen wird, bei der ja das Berliner Sinfonieorchester zu bestehen aufhörte, was in jeder Hinsicht schade wäre. Berlin braucht zwei Orchester, darüber kann gar kein Zweifel bestehen. Sollte es aber doch dazu kommen ldie materielle Notlage der Stadt könnte auch dies Umvahrscheinliche wahrscheinlich machen), dann ist wohl als der früheste Zeitpunkt dafür der Beginn der nächsten Saison anzunehmen: wenigstens bis dahin wird das Sinfonieorchester seine notwendige und segensreiche Tätigkeit weiter ausüben. Bild und Gchrist. Eine vergleichende Ausstellung der Iuryfreien. In der Iuryfreien(Platz der Republik 4) ist ein geistreicher Gedanke, frei noch dem Werk Max Seligers„5)andschrift und Zeich- nung", verwirklicht worden. Man sieht Zeichnungen, Aquarelle, Graphiken von Künstlern und daneben je ein oder zwei Hand- geschriebene Schristseiten von dem gleichen Autor. Der Nachdruck ist von Dr. Otto Ralss in Braunschweig, der das Ganze zusammen- gestellt hat, mst Recht auf die Kunst der Lebenden belegt worden: sie sind ausgezeichnet ausgewählt, man sieht mit Vergnügen Kost- proben von unseren besten und interessantesten Künstlern, Deutschen wie Franzosen, Russen, Italienern usw. Die Toten sind mit Re- � Produktionen vertreten, von Dürer und Raffael bis zu van Gogh i und Franz Marc reicht ihr Kreis: die Aelteren dem Werk Max � Seligers entnommen. Nun ist es merkwürdig, daß die Proben aus dem Buch meist überzeugender ausfallen als die der Lebendigen. Man erkennt da den gleichen graphischen Schwung in der Hand- schrist und in der Federzeichnung, der Sinn der Ausstellung ist hier glänzend getroffen, es ist ein wahres Tummelseld sür Schriftdeuter und Stilanalytikcr. Bei den Lebenden überwiegen leider die weniger schlüssigen Techniken des Aquarells und der Graphik: mit Pinsel, Radiernadel oder gar Holzschnistmesser„schreibt" man keines- wcgs in demselben Schwung wie mit der Feder. Aber von diesem, wahrscheinlich durch das vorhandene Materiol bedingten, Regiefehler abgesehen gewährt die Ausstellung für jeden unerschöpflichen Ge- nuß und Anregung.__ P- k. sch. Der Müochencr Schristsleller Dr. Mar Kemmerich, der durch seine Bücher„Kulturkuriosa" und„Die Geschichte der menschlichen Dummheil" bekannt wurde und schließlich beim Okkultismus landete, ist im Aller von 56 Jahren gestorben. Sein letztes Werk war„Die Brücke zum Iensests". Der Slaalliche Beethooen-Preiz ist auf Dorschlag des Äura- toriums von der Preußischen Akademie der Künste dem Komponisten Max von Schillings verliehen worden. Kamps um den Stenographic. llatmichl. Der Deutsch« Stenographenbund hat in seiner letzten Pertreterversammlung in N ü r n- berg sich mst der Frage des Fortbestandes des turzlchriitlichen Unterrichts belaßt. Es wurde gesordert. den Slenographieunterricht an höheren Schulen als obligatorisches, mindestens aber als lehr- planmäßig festgelegtes sakullotiocs Unternchtzstjch einzuführen oder baldigst wieder auszunehmen. Top Theater der Zchauspirter, imter Leitung von Leo Reux und Svip r enschow, spictt von Lreitag ab w- Theater de« Wiste»» Worra Stuart von Schiller mit Lgnet Strand und Tilla Durieur. Diktatur des Flecktyphus A. Oewjatkin zum Gedachinis Stalins„trockene Guillotine" arbeitet gut: erst vor wenigen Wochen erlag in der russischen Verbannung dem Flecktyphus Genosse Jakob Kaplan, einer der ästesten Mitkämpfer des jüdischen Arbeitcrbundes(„Bund") in Rußland, bewährter Sozial- demokrat, dessen kristallklare Lauterkeit und Seelengröße selbst den Bolschewik! die Achtung abrang, dem sie nichtsdestoweniger(oder vielleicht gerade deshalb) seit dem Jahre 1922 keinen Tag Freiheit mehr gönnten. Und heute bringt unser Nachrichtendienst die erschütternde Kunde: Alexander D c w j a t k i n ist in seiner„Minus"-Verbannung in Uljanowsk im Alter von 48 Iahren vom Flecktyphus hingerafft worden. Alexander Dewjatki», der blonde Riese mit den bärenstarken Prolctarierpranken, die unermüdliche unbeugsame Frohnatur, der glänzende Organisator, der mutige revolutionäre Kämpfer und Führer der Moskauer Buchdrucker in der Zarenzeit, der arme Setzerlehrling, der sich aus eigener Kraft im ewigen Kampf gegen die lstot, gegen die zarische und sodann die bolschewistische Polizei zum gebildeten Marxisten und Politiker von Format empor- gearbeitet hat. Pionier der Gewerkschaftsbewegung in Rußland, gestählt durch den revolutionären Kampf gegen den Zarismus, wurde Dewjatkin in den Jahren nach der Revolution Vorsitzender des Vkoskaucr Buchdruckerverbandes. Als die Bolschewiki diese„menschcwistische Festung" erobern wollten und im Winter 1919/20 in sämtlichen Betrieben Moskaus mit allen Mstteln der Diktatur und des Presie- Monopols einen Hetzeseldzug von unerhörter Schärfe gegen die alte Verwaltung veranstalteten, beantworteten die Moskauer Buchdrucker den kommunistischen Angriff mit einem erdrückenden Vertrauens- votum für Dewjatkin und seine Freunde: 7000 Stimmen erhielt die sozialistische Liste, 2000 die kommunistische bei der Urabstimmung in den Betrieben, die seitdem nie mehr von den Diktatoren gewagt wurde. Und über 5000 Moskauer Buchdrucker füllten den Saal im Juni 1920 und jubelten den sozialistischen Rednern zu. als unter dem Vorsitz von Dewjatkin ein Empfang für die erste englische Arbeiterdelegation(Tom Shaw, Turner u. a.) veranstaltet wurde, der zu einer wuchtigen Demonstration gegen den bolschewistischen Tcrrorismus wurde. Gleich darauf wurde das Verbandsbüro durch bewaffnete Horden von Kommunisten besetzt, die ganze Verwaltung verhaftet und de? Verband unter völliger Mißachtung der freien Willens- äußerung der Arbeiter von nichtgewählten bolschewistischen Koni- missären verwaltet. An diesem Tage begann auch der Golgathaweg Dewjastins und seiner Freunde. Di« ersten Jahre verstrichen zwischen Gefängnis und neroenzermürbender illegaler Tätigkeit. Darm kam das Jahr 1925, als die bolschewistische Geheimpolizei(GPU.) der erfolglosen Jagd nach Dewjatkin müde, seine schwer tuberkulöse Tochter als Geisel verhaftete. Dewjatkin läßt sich verhaften, als aber seine Tochter trotzdem nicht befreit wurde, erklärte er einen H u n g e r st r e i k, der insgesamt 24(vierundzwanzig) Tage dauerte. Seitdem wanderte Dewjatkin aus einem Gefängnis in dos andere, aus einem Verbannnngsort in den anderen, mit sechs bis zehn Papierrubel pro Monat von der„Arbeiterrcgierung" fürstlich „unterstützt", faktisch dem nackten Hunger und der quälendsten Rot ausgeliefert, bis er in Uljanowsk, dem früheren Simpirsk, landet. Und da kam Stalins bewährter Bundesgenosse, der Flecktyphus, und bemächtigte sich des geschwächten Körpers Dewjatkins und be- freste die bolschewistische Diktatur von einem ihrer gefährlichsten Gegner, wie er sie schon früher von Baturski, Astrow, jetzt Kaplan. und so vielen anderen Sozialdemokraten bcsreit hat. die in die ver- feuchten Gefängniss« und Verbanuungsorte geworfen wurden. Flecktyphus, dieses Sinnbild der K U l t u r l o s i g k c i t und asiatischer Rückständigkeit, das selbst ini zorischen Ruß- land mir selten, in den Zeiten einer Hungersnot auftrat, nun als ständiger Gast im Lande des„sozialistischen Aufbaus": Fleck- typhus, das Symbol des Hungers und der Unterernäh- r u n g, an der Schwelle des zweiten„Fünfjahresplans" im Lande der„rapid steigenden Lebenshaltung der Masten": Flecktyphus als Hinrichtungsmethode, als„unblutige" Guillotine für klassenbewußte Proletarier im Reiche der„proletarischen Diktatur", in Uljanowsk, der Vaterstadt Lenins! Welcher Wahnsinn! Man werfe uns keine„Uebcrtreibung". keine„ungerechte Verallgemeinerung" vor. Schon seit Jahren werden wir nicht müde, darauf hinzuweisen, daß in dem bolschewistischen Terrvrwahnsinn gegenüber den gefangenen Sozialisten„System" ist. Zu Hunderten und aber Hunderten werden die Opfer dieses unmenschlichen Systems gezählt. Mit der gleichen Post, die uns die Hiobsbotschost von dem Tode Dewjatkins brachte, ist ein Bericht über die Lage vieler anderer Verbannten gekommen. Da ist die bald sechzigjährigc Ljubow R a d t s ch e n t o, die Gattin und Mitkämpferin des Mit- begründers der russischen Sozialdemokratie, verbannt in eine weit- abgelegene kirgisische Siedlung in de» Steppen von Kasakstan, wo sie in einem kirgisischen Zelt, ohne Verbindung mit der Außenwelt, ohne jegliche Berdicnstmöglichkeiten und Arbeit,»ntcr den größten Nahrungssorgen ihr Dasein fristen muß. Da ist der bekannte sozial- demokratische Publizist Ver, halb erblindet, nach acht Jahren Per- bannung und Gefängnis, nun wieder nach Obdorsk(2000 Kilometer von der nächsten Eisenbahnstation im äußersteir Norden Sibiriens) verbannt, ohne Geld, ohne Arbeit, ohne warme Kleider, in einer Kammer ohne Fenster wohnend. Da ist der sozialdeinotratisckie Redakteur K a tz, an den Folgen einer(n der turkestanischcn Ver- bannung geholten tropischen Malaria schwerkrank und taub gc- worden, in einer neuen Verbannung, ohne Erwerbsmöglichkeit und ohne Mittel zu einer Kur. Da ist Vers Frau, die mit einem kleinen Kind auf den Armen aus einem Berbannungsort in den anderen herumgetrieben wird. Da ist Rosa M a l k i n, krebskrank, ohne Mittel, um sich behandeln zu lasten. Die GPU. weiß genau Bescheid Sie kennt all« diese Nomen und Personen. Sie unternimmt aber mit vollem Bewußtsein nichts, um die Lage der Leidenden zu erleichtern. Das ist die Diktatur des Flecktyphus! Ihr ist der tapfere Alexander Dewjatkin erlegen! R. Abraraowitscli. Charles Rudolph:„Ganovenehre". Kleines Theater. Fräulein Stüven, Fräulein Costa, Heidemann und Fischer-Köppe bilden ein Notstandskollektiv. Sie nennen sich, damit das Kind einen Namen hat,„Junge Komödie". Die Notstandszigcuncr be- ziehen von einem Autor, der sich englisch gibt und in Wirklichkeit ein alter Theaterroutinier ist, ein ZuhäUer-, Dirnen- und Ganovenstück, in dem ausschließlich die Herrlichkeit der Unterwelt dramatischer Gegenstand ist. Man erwarte nicht, daß sich sozial« Einblicke er- geben. Man erwarte nicht die Tragik der scheußlichen Wirklichkeit. Alan findet mr Romantik und Schilderungen von Unterweltsidyllen, die sich in gar nichts von sonstigem hausbackenen Schund unter- scheiden. Der Zuhälter wird zwar erschossen, da er sich gegeir die Statuten seines Verbrecherbundes verging, ober die Umstände dieses Heldenstückes entspringen mir der verdorbenen Kitschphamosie des Dramatikers. Alles in allem staunt man, daß die Leute im Parkett so vertraut mit dem besonderen Ganooendialekt sind. Sie ersosscn jede Pointe und Anspielung, als wenn sie innerlich ganz aus diesen Dialekt cingestinuitt seien. So wird dem Stücke, dos außer einigen wirksamen Szenen nur Dummheit bringt, ein geradezu enthusiasti- scher Erfolg bereitet. M. H. „Die Krau, die jeder sucht." Rose-Theater. Die Tochter gehört zum jungen Mann und die Mutter gehört zum angejahrten Herrn: so und nicht umgekehrt will es die Ordnung der Natur, und so uno nicht umgekehrt will es Ludwig Hirsch- f c l d. der Autor, auch wenn er uns zuerst den angejahrten Herrn als Verlobten der Tochter vorstellt und die Mutter zeitweise eine gehencheite Neigung sür den jungen Mann bekunden läßt. Natür- lich haben die vier, um die sich alles dreht, alle möglichen Sorgen, die sonst nicht gerade typisch sind, und bloß die eine Sorge nicht, die sonst einigermaßen verbreitet ist: die Existenzsorge. Aber da wir uns in einem Lustspiel bejinden und in einem dazu, das in allen anderen Partien streng aus Konvention hält, muh diese Extra- vaganz schon erlaubr sein. Im übrigen hat für Ludwig Hirschfeld das Zeitalter der Jugendtcrrorisierung nunmehr sein verdientes Ende erreicht: die junge Generation schneidet bei ihm gegenüber de? alte- ren sehr schlecht ab und die komische Alte wird durch die komische Jugendliche ersetzt. Recht gut waren die Rollen der abgeklärten Dame im mittleren Alter und oes abgeklärten Herrn in den besten Mannesjahren be- jetzt: mit Lili E i s e n l o h r und Arnim Schweizer. Das Publikum war mit allem restlos einverstanden. H. E. „Volkerschicksale". planetanvm. Obwohl die Weltsilmpraduttion nur verhältnismäßig wenig Werke von Bedeutung hervorgebracht hat. gehen heute die besten stummen Filme sang- und klanglos verloren. Um so bcgrüßcns- werter ist darum die Zusammenstellung des Fllms„P ö l k e r s ch i ck- s al e". Aus verschiedenen Filmen wurde«in emheitlicher Reisebericht, der von den Völkern zwischen Großem und In- dischem Ozean erzählt. Man wird in interessanten Streifzügen durch Melanesien, Neuguinea, Sumatra, Java, Vorderindien, Hinter- indien und China geführt. Wir betrachten die reinlichen Malaien, di« Melaneper, die aus Neuguinea Papua heißen, die Hindus und die Chinesen. Wir stelzgp sie in der Eigenart ihrer Rosse und ihrer Kultur. Für fast olle diese Völker kam das Schicksal übers Meer. Und in China quillt das Volk aus den Straßen der Städte auss Meer hinaus. Es gibt nirgendwo auf der Welt soviel Boote, wie in China, und doch möchte wohl selbst die eifrigst« Berliner Wasser- rotte nicht eines dieser Hausboote armer Chinesen habe». Lebt doch ein Kuli gar zu erbärmlich. In China ist das namenlose Elend gar zu augenfällig. In Java sieht man nichts von der Not. Ihm kann Holland. das dort zu ungeheurem Reichtum kommt, großspurig seinen Stempel aufdrücken, weil auf die billigen Arbeitskräfle der Eingeborenen noch Verlaß ist. Das ist in Indien nicht mehr der Fall. England hat dort als demonstrative Bekundung seiner Macht Regierungs- paläfte gebaut. Sic haben wohl alte Baustile, aber nicht den Hunger aus dem Land vertrieben. Den Menschen mangelt es oft am Aster- notwendigsten. In vielen Bildern sieht man sie am Spinnrad sitzen, und dieses klein« Rädchen drosselt einem Weltreich seine sich gcivattsam erschlossenen Einfuhrmöglichkeiten. Landschaftlich ist es zuweilen paradiesisch schön zwischen Großem und Indischem Ozean, aber die meisten Völker leiden Not. Ihre Leidensfähigkoit ist bald erschöpft und Unruhe flackert auf. Di« ist nicht mehr einzudämmen: denn die Welt mutz zu einer neuen Wirtschaftsordnung kommen. e. b. Abenieuerfchicksal als Hörspiel. M. Felix Mendelssohn: Glen Kidston. Fünfzehnjährig kam der Seekadett Glen Kidsttm in den Weltkrieg. Man nahm es damals mit den Altersangaben nicht so genau. So stand das Kind Glen Kidston auf dem britischen Kreuzer„Abu- kir", der am 22. September 1914 mit der„ftodge" und„Cressy" auf Minen stieß und versank. Nahezu 2000 Menschen fanden den Tod. Glen Kidston gehörte zu den wenigen, die gerettet wurden. Für den Knaben scheint der Krieg nun vollends zum großen Abenteuer zu werden, das ihn immer wieder geheimnisvoll anzieht, ihn immer wieder in Lebensgefahr wirft, immer wieder heil daraus hervor- gehen laßt. An 9000 Tote fordert die Schlacht am Skagerak. Glan Kidston, der an ihr als Leutnant teilnimmt, bleibt am Leben. Er wird Commander. Beim Friedensschluß ist er 19 Jahre alt, durch Erbschaft Pfundmillionär. Der Krieg hat ihm ein grausiges Lebensziel gegeben, dem er sich und sein Geld weiht: das Spiel mit Hein Tode. Alle Schnylligkettsrckorde im Flugzeug, Motorboot. Auto sucht er zu brechen. Immer wieder hat er lebensgefährliche Unfälle, die Teilnehmern an seinen Fahrten den Tod bringen. Kidston bleibt selbst pon jeder schweren Verletzung verschont Da, bei einem kleinen, harmlosen Flug, den er in Südafrika unternimmt, packt ihn sein Schicksal. Glen Kidstan stürzt ab, ist tot: mit ihm sein einziger Be- gleiter, sein einziger Freund. Kidstan wurde 32 Jahre all. Dys ist ein Leben, dessen Reportage, dessen Ausdeutung sich wohl lohnt. Dieses irrsinnige Hpiel mit dem Tode, dieses sinnlose Einsetzen van Leben und Möglichketten, die so viele wertvolle Ziele hätten finden können— wodurch wurde es«ittfelselt/ Durch den Aberglauben eines durch zu srühcs Kricgscrlcbnis gefühllos gewc»r- denen Kindes? Durch die Hoffnungslosigkeit eines Mannes, der in seinem Reichtum keinen Sinn finden kann? M Felix Mendels- sahn, der aus diesem Schicksal ein Hörspiel machte, versuchte nicht, aus diese Fragen eine Antwort auch nur anzudeuten. Nur dos flache Abenteuer dieses Lebensablaufes stellte er hin. Ein« vortrsff- iichs Regie— im Programm angegeben war Alfred Braun— und sehr gute Sprecher— an der Spitze Fritz K o r t n c r als Glend Kid- ston: doch auch Ernst Busch verdient besonders erwähnt zu werden gaben der Ausführung einige Geschlossenheit. Di« Szenen bei dem Autorennen waren allerdings viel zu breit. Tc*. Lohnkündigung im Malergewerbe. Sie Unternehmer wollen richtig„einstufen". Der ReichsbunÄ des Deutschen Maler- und Lackiererhandwerks hat den Reichslohntarifvertrag in der durch die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 veränderten Form zum 30. April gekündigt mit der Begründung daß die zur Acit geltenden Tariflöhne für eine Anzahl ckdn Lohngebieten als unrichtig eingestuft und für alle Lohn- gebiete im Deutschen Reich als weit übersetzt bezeichnet werden müßten. Z�heinschiffahrisstreik. Von den holländischen Transportarbeitern beschloffen Amsterdam, 7. April. Kaum ist der seit Mitte Dezember in der Textilindustrie Twentes geführte Streik beendet, und schon ist ein neuer Streik auf den Rhein- schleppdampsern proklamiert worden. Die Unternehmer wollen die Löhne um 15 Proz. kürzen. Verhandlungen sind gescheitert. Der frcigewcrkschastliche und der christliche Transportarbeiterverband riefen zum Streik auf, für den etwa 900 Mann in Frage kommen, wovon der größte Teil sich nocki auf Fahrt befindet. Die in den Ruhrhäsen liegenden Besatzungen sind mit der Bahn nach Rotterdam zurück- gefahren. Oas Land des Generalstreiks. „Fern im Eüd das schöne Spanien." Die anarchistischen und kommunistischen Generalstreikmacher haben in Spanien gute Konjunktur. Das Analphabetentum unter der Arbeiterschaft, in Verbindung mit klerikalen und sonstigen reak- tionären Machenschaften, kommt ihnen dabei trefflich zustatten. Weder das Land, die junge Republik, noch die Arbeiter können dabei etwas gewinnen. Jetzt werden wieder aus mehreren spanischen Städten General- streik- gemeldet, so u. a. aus Moron. In San Lucar und Barra- meda ist zur Verstärkung der Guardia Civil eine Abteilung Soldaten aus Algeciras eingetroffen. Die Kaufläden sind auf ausdrücklichen Befehl der Behörden trotz des Streiks geöffnet. SPD.'Araktionsvorfihende der BVG. Handzettel für die große Kundgebung in den Kammersälen sind sofort im Vetriedssckretariat abzuholen. Das Betriebssckretariat. JLJt. JCmibeu: ChfiUoph Coliimbus 5). H. H o u b e n S im Volksverband der Bücherfreunde erschie- neue historische Erzählung„Christoph C o l u m b u s" gehört in die Reihe jener populärwissenschaftlichen Literaturprodukte, die ge- schichtliche Ereignisse vergegenwärtigen und verlebendigen wollen und die zu diesem Behufe dort, wo die dokumentenbezeugte Wahr- hcit Lücken zeigt, die spekulierende Dichtung an ihre Stelle treten lassen. Dein Historiker vermögen solche Publikationen naturgemäß kaum etwas zu geben, aber für Spezialisten sind sie ja auch nicht bestimmt, sondern für Publikum, dem es mit Recht nicht auf abso- lute Verbürgtheit aller Einzelheiten ankommt und das dem Autor, wenn er nur die historische Generallinie einhält, gern belebende Ausschmückungen erlaubt. Das Bild, das Houben von Columbus und dem Geist seiner Zeit gibt, hat nicht den, meistens gefährlichen, Ehrgeiz, originelle und überraschende Deutungen zu offenbaren: es entspricht verbrci- teten Anschauungen. Columbus erscheint als kühner und beschla- gener Seefahrer mit großen Inspirationen, dessen sonstige Geistes- Haltung ober nicht aus dem Rahmen des damals lieblichen heraus- fällt. Er ist ein Frömmling und unterwürfiger Diener des spanischen Königshofes, immerhin unterscheidet er sich insofern vorteilhaft von oll dem habsüchtigen und grausamen Geschmeiß, das auf dem von ihm gefundenen Wege aus Spanien in die neue Welt segelt, als er wenigstens einen Schimmer kolonisatorischen Geschickes beweist und in der Politik gegenüber den Eingeborenen stets die gemäßigte und tolerante Tonart vertritt. Freilich: auf Bekehrung der Rothäute hält auch er: auf ihre Bekehrung zu einer Sorte Jnquisitions- christentum, das in ein friedfertiges und gesegnetes Land, in ein wahrhaftiges Paradies, die Hölle europäischer Laster bringt. Dem Buche zum Vorteil gereicht haben würde die Beigabe einer orientierenden Karte, die die Stationen der Entdeckungsreisen ver- dcutlicht. Hans Bauer. Rundfunk am Abend Donnerstag, 7. April. Berlin. 16.05 Aktuelle Abteilung. 16.30 Faßbaendcr-Robr-Trio. 1. Haydn; Klaviertrio C-dur. 2. Mozart: Sonate für Violine und Klavier ,F-dur. 3. Haydn: Klaviertrjo Q-dur. 17.30 Junge Menschen berichten, wie sie ihren Beruf fanden. 18.10 Ludwig Klitzscli und E. W. Abraham: Wie sieht es in der Filmindustrie aus? 18.40 Aktuelle Abteilung. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Unterhaltungsmusik. 19.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Aus alten Jahrgängen der„Gartenlaube." Ein heiteres Funkstück von Walter Gronostay. Mitarbeit von Friedrich Raiffcrschcidt 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Funkorchester. Dir.: Erich Orthmann. 1. Paul Moffer: Konzert für Cello und Orchester(Adolf Steiner). 2. Hugo Wolf: Penthesilca, sinfonische Dichtung.' 22.00 Räuscher; Zeitungsschau. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 16.00 Lehrer Walthcr Auras: Heimatmärchen in der Landschule. 17.30 Hans Watzlik: Der Böhmerwald. IS. 00 H. E. Riebensahm: Leichte und neue Klaviermusik. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Weiter für die Landwirtschaft. 19.00 Rudolf Mirbt: Die Verneinung der Persönlichkeit in Sowjet-Rußland. 19.30 Dr. phil. O. Rabbcthge: Machfruchtbau. 20.00 Leipzig; Unterhaltungskonzert. 20.30 Leipzig;„Orpheus 1930/31." 21.20 Hamburg: Vierhundert Millionen durchbrechen die Mauer. Wetter für Berlin: Unbeständig und sehr kühl mit wiederHollen Schauern, frische westlickxe bis nordwestliche Winde.— Für Deutschland: Ileberall kühles, unfreundliches Wetter mit Schauemieder- schlügen, namentlich an der Küste noch starke Wesrivinde. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Beranlwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin: Anzeigen: Th. Slniko Berlin. L erlog: Vorwärts Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanftalt Paul Linger& Co., Berlin LW 68, LIndenstr. il. Hierzu 1 Beilage. W'Hjjf - Garten- Staats Theater Donnerstag, den 7. April staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Der Zigeunerliarofl StaatLSdiauspieltaus lendarmenmarkt 20 Uhr Florian Geyer Kroll-Theat. an Platz der Republik l.SinfoDiB-Xoni. Leitung: Otto Klemperer Schiller-Theater Cbarlottenburp. 20 Uhr lytsii hierauf 33 Minuten In Grünetzern Ig«. SCHAUSPIELHAUS Tägl.8 U. 1 Nor noch 4 Tage!______> plA�a iKähe Schles. Bhf- 1 ISo.8�.8tg5.?.S.8' U.. 1 Tel.; E 7 Weichsel«311 1 Ein Lied der Liebe I VoiKsiiühne Theater am EQIowplat; 8 Uhr Hant Aibers in „Liliom" Vorstadtlegende von Franz Molnar Re�ic: K.H.Martin Staat!. Sdnller-Ilieater 8 Uhr MiftliQldip Hierauf: 33 Minuien In Griinetzcrg Theater a.noilendoripiatz Pallas 7051 SVi Uhr.Stg. 4V» Uhr Traumeinerliaelit Operette in 3 Akten v.LDa.WoIff o. KarlBchr Musik von Hans May Regie: Heinz Saltenburg Rundfunkh halb.Pr Stgs. 41/4 Uhr Kl. Pr. Slädf.Oper Chanonenburt: dismarckstraße 14 Donnerstag, 7 April Turnus i 2d Uhr Hacbefti Kcinmar, Bindernagel. Ändrcseo. Gottlieb Ende 13 Uhr Beatidiei imiki 8 Uhr Vor Sooimterpg v. Gerh.Hauptmann Regie Max Reinhardt Rose- 1 Realer j«Se fräBlfarter SlreBe 131 iei. Weite k 7 3422 8.15 Uhr Die Frau, die jeder sudil —Kleines TD.— Unter den Linden Merkur 1624 Täglich SV* Uhr EasovEn Eilig. 8 ReiniiardMnszenierunti g 8V, uhr CASlNO-THEATERsv.uh. Lothringer Strafte 3 7. Berlins neuestes Operetten-Theater! „Pepplna" Operette in 3 Akten. Musik von R.Stolz Erstkl Oesangskr. Neue Biihnenausst üuischem 1-4 Personen: Parken 5« Pts Fauteuil 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark. Ii BETRIEB K KEMPIKSKltj original- Befema Palentmatratzen/ Ruhebetten Couchs mit Betema-Federung Paicnt-Drchbeti(D.R.P.) ein Grift- ein Bett, sowie das neue Holzbett mit öefcma-Fedcrnng sind vollkommen geräuschlos!— Kein Elnllcgen. Für schwerste Belastung. Ueberau erhaltU 20 Jahre Garantie. Borl.Federmatratz.-FabriH. Koppenstr. 13 Großdestillation zom weißen Hirsch yiillerslru$e 106, tckc 3>rinactislrafie Frühstücks tube- Mittagstisch 40 PF. 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April 1932 SfrUM) Sftnhtrtigr.ße Jj& Vrti&ark J}cy*te Eine jeiigemäße(faettaefttung/ Von Jh, Einbt fieotg Stange Wenn man eine Lehre aus der Geschichte ziehen kann, so viel- leicht Sie. wie menig Lehren die Menschheit wirklich aus der Gc- schichte gezogen hat. Wie wäre es z. B. anders möglich, daß nach den Ersahrungen, die man zu den verschiedensten Zeiten mit den Legalitätsbcteuerungen noch nicht arrivierter Diktatoren gemacht hat, solche Beteuerungen doch immer wieder geglaubt werden? Und wie wäre es anders inöglich, daß über den wahren Charakter der Diktatur, über ihren immanenten Zwang zur Abenteuerpolitik auch nur Unklarheit bestehen könnte? Von den vielen Beispielen eidbrüchiger und abenteuernder Diktatoren mag nur eines hcrousgegrisfen sein, das in unserem Volk vielleicht noch nicht ganz vergessen ist und das für unsere heutige Situation geradezu verblüffende Hinweise bietet. Gemeint ist N a p o- l e o n III. Gewiß, vieles an ihm ist ganz zeitbedingt urd einmalig. Schon die Herkunst seines Nimbus von seinem größeren Oheim»nd die ganz andere Struktur des damaligen Frankreich. Aber immerhin, wie charakteristisch jener Zug des abenteuerlichen Beginnes, des mißglückten Putsche?, der seinen Urheber geradezu mit tödlicher Lächerlichkeit zudeckt! Dann jenes verbissene Festhalten an dem Ziel des persönlichen Ehrgeizes, diese Beharrlichkeit, die auch Gesangen- schast nicht zu dämpfen vermag, und jenes im Grunde unerwartete Eingreifen größerer geschichtlicher Mächt«, das Hereinbrechen von Erschütterungen und Kr i s e n, die die Erinnerung an die lächerliche persönliche Vergangenheit geradezu auslöschen und un- geahnte Möglichkeiten bieten zu neuer Agitation, Zeiten, die mit ihrer inneren Wertunsicherheit für den schon eine günstige Chance bedeuten, der sich nur mit der nötigen Eindringlichkeit als Retter anzubieten versteht. Louis Napoleons erster Schritt zur Macht: die Präsidentschaft. Ganz legal erwählt und ganz legal regierend, mit Beteuerungen über Beteuerungen vor dem Par- lanient, nicht nach höheren und anderen Zielen zu streben, als es Gesetz und Wille der Mehrheit bestimmen. Und dann auf einmal jener Tag des furchtbaren Erwachens, der Staatsstreich, insgeheim bis ins Letzte vor- bereitet mit Hilfe der Maschinerie, die nun einmal durch die Hände eines Präsidenten läuft. Militär und Bürokratie. Jener blutige 2. Dezember, der das Pariser Proletariat aus Jahrzehnte hinaus zu Bode» wirft. Aus denr Präsidenten ist der Diktator ge- worden. Friedensbeteuerungen, selbstverständlich, richtet er ans Ausland. Aber Ursprung aus der Gewalt zwingt dazu. sich ihrer weiter zu bedienen. Zunächst in der Form der gewalt- samcn Vermögenskonsiskationen.„E'cuit Je preimer vol de I'Aiglc" aben. Er drohte mir: „Warten Sie nur, wir sprechen uns im Dritten Reich!" Als ich ihn später um Auskunst bat, behauptete er, ich hätte mit dem Finger an die Stirn getippt. Dabei habe ich in der Tat nur den Zeigefinger an den Hutrand gelegt... Aus Wut schiebt mir Pg. Müller jetzt manchmal den„Angriff" durch den Türschlitz. Ich lese ihn sehr aufmerksam. Nach beendeter Lektüre gebe ich das Blatt Herrn Müller zurück, aber ich schiebe es nicht heimlich durch den Türschlitz, sondern ich klingele und warte, bis Herr Müller persönlich oder sein Töchlerchen Armgard erscheint. „Besten Dank!" sag: ich dann.„Im übrigen habe ich verschie- dene Stellen mit einem Rotstist gekennzeichnet." Der Zeitungsdienst läßt seit dieser Zeit noch. Nur wenn beson- ders sensationelle Schlagzeilen das Blatt zieren, bekomme ich es durch den Türschlitz zugesteckt. Zum Beispiel, wenn wieder einmal „Ein SA.-Mann von Rotmord gemeuchelt" wurde. Wenn ich dann im Hausflur mit Herrn Müller darüber spreche und ihm andere Zeitungsmcldungen entgegenhalte, die den Fall wesentlich anders beurteilen, weiß er nur ein Wort:„Journaille!" Kurz vor der ersten Reichspräsidcntenwahl machte Müller große Einkäufe. Mir fiel es auf. Es konnte ihm doch wirklich nicht so schlecht gehen. „Komisch! Sie kaufen bei Judeir?" stellte ich ihn einmal vor der Wohnungstür, als er mit Paketen beladen heimkam. „Jawohl!" erklärte er mir zynisch,„alles auf Abzahlung vom Juden. Und wissen Sie, warum? Im Dritten Reich brauchen wir an Juden nichts mehr zu bezahlen. Alle Schulden werden gc- strichen." „Wann ist denn die erste Rote fällig?" forschte ich mitleidig. „Das lassen Sie nur mein« Sorge sein", meinte er gut gelaunt. Doch ich fürchte, daß Herr Müller in einem halben Jahr nun tatsächlich den Offenbarungseid wird leisten müssen... Seit der preußischen Polizeiaktion gegen die Nationalsozialisten geht man Herrn Müller am besten aus dem Wege. Er kocht. Mit einem Bein steht er gewissermaßen schon vor dem Schnellgericht, mit dem anderen steht er vor den Dicristihncn seiner SA.-Kneipc. Seine Verhetzung, von seinem Parteidlatt systematisch geschürt, hat einen Grad erreicht, der für eine„W o ch e der langen Messer" durch- aus genügen würd«. Heute aber habe ich etwas Lustiges, etwa? unfoglmr Komisches, für die ganze Gattung Bezeichnendes erlebt: ich stand zufällig mit Müller vor einer„Vorwärts"-Filiale und las einen Bericht über Wafsenfunde in SA.-Heimen. „Verfluchte Schweine!" knurrte Pg. Müller aufgebracht. Ein Mann, der neben Müller stand, sah ihn darauf sofort scharf an. Das gefiel Müller nicht. „Verfluchte Schweine!" wiederholte er herausfordernd. „Ich würde an Ihrer Stelle den Mui»d nicht so weit aufreißen, wenn man einen Kopf kleiner ist als die Nachbarn, deren Gesinnung man nicht kennt", meirrte der andere ganz gemütlich. Müller geriet in Wut. „Es konrmt nicht immer auf den Kopf an, sondern auch aus die Faust!" schrie er und fuchtelte mit seinem Arm dem andern unter der Nase herum. „Weg da!" brüllte der Mann und hieb den Arm zur Seile. Im nächsten Augenblick sielen die Schläge. Ich muß der Wahrheit die Ehre geben: Müller schlug sich gut. Und ich muh weiter gestehen: ich hätte ihn gern unten gesehen, doch er lag oben. Aber im Grunde war das gleich, denn sie standen wieder auf, um sich erneut zu schlagen, und als Müller bereits von einem Faustschlag über dem Auge blutete, entdeckte er endlich das Abzeichen, das sein Gegner ganz versteckt am Rockrevers trug. Es war ein Hakenkreuz. „Mensch!" schrie aufgeregt Müller und vergaß, Deckung zu nehmen. Er wollte wohl.Heil Hitler!" schreien, bekam aber im selben Augenblick einen Kinnhaken, der ihn für einige Zeit besinnungslos machte. Als er am Boden lag und der andere sich in aller Ruhe die Kleider reinigte— er hatte ein ruhiges Gewissen, da er angegriffen worden war— trat ich an ihn heran. „Verzeihung!" sagt« ich sanft.„Sie haben«inen Pg. verdroschen." „Donnerwetter!" fluchte der Mann. Er sah erschrocken aus den sich langsam Ausrichtenden. „Mein herzlichstes Beileid. Es muß sehr schmerzlich für Sie sein!" sagte ich nach und reichte dem Betroffenen die Hand. Er nahm sie geistesabwesend.„Worum hat er denn vorhin aus uns geschimpft?" fragte er verwundert. „Er hat natürlich auf die Marxisten geschimpft!" klärte ich ihn auf.„Aber Sie dachten... und er dachte..." „Na, da hätten Sie doch«ingreisen sollen, wenn Sie mein Ab- zeichen früher gesehen als unser Pg.?" Ich trat vorsichtshalber ein paar Schritte zurück, lüftete höflich den Hut und verabschiedete mich:„Verzeihung, ich selbst bin Marxist." Haben Sie vielleicht, lieber Leser, am nächsten Tage eine Notiz: „SA.-Mann van Kommunist niedergeschlagen", im„Angriff" gc- lesen? Ich habe leider die betrcfsenku: Nummer nickst zur Hand gehabt. Utax JteCCai HiiCerßußen in ÖCd£n$Cand Hitler-Buben im alten England des Jahres 1640? Nein, einen Hitler gab es damals noch nicht. Aber jene Hintermänner eines Hitler, die Fürsten und Fllrstenknechte, die Großgrundbesitzer und Kapitalgewaltigen— die gab es damals wie heute. Und diese Hitler- Buben, sie benahmen sich damals wie heute und sie benehmen sich heute wie damals. Auf das Recht pfeifen sie, weil sie nicht daran glauben, daß sie ihre unrechte Sache auf rechtlichem Wege durch- führen können, lind so versuchen sie es mit Hinterlist und leeren Versprechungen, versuchen es— und trauen auch diesem Mittel nicht recht: als letzte Rettung, als einzige Rettung halte» sie im Hinter- halt die nackte Gewalt, die illegale Gewalt. T h o in a s C a r l y l e, der Geschichtsschreiber und erste Prophet Goethes in der angelsächsischen Welt war es, der 1844 in Frazcrs Magazine— er mußte sich damals als Zeitungsschreiber sein Brot verdienen— die Frage aufwarf, wie 1640 das Lange Parlo- mcnt, das Fundament der englischen Volksfreiheit und Volksherr- schaft, das 1649 den wortbrüchigen König Karl I. hinrichten lieh, gewählt wurde. Die Männer von 1640, die am Beginn eines Bürgerkrieges standen, hatten Größeres zu tun, als Berichte darüber für die Nach- weit niederzuschreiben. Nur der Oberrichter von Sufsolt, einer Gras- schast im flachen Südostengland, Sir S i m o n d s D' E w e s, sah sich zusammen mit dem Schupo von Jpswich, Samuel D u n c o n, gezwungen, genaue Berichte über den Verlauf der Wahl abzufassen, um sich vor dem Wahlprusungsausschuß des Parlaments zu ver- leidigen. Systematische Schiebung warf beiden die unterliegende Llönigspartci vor. War doch der Wahlausgang niederschmet- ternd für die Reaktionäre: 1422 reaktionäre Stimmen gegen 4380 volksfreundlichc in jener kleinen Landstadt, deren Junkerpartci ganz richtig sah, daß das typisch sei für die ganze Reichstagswahl, und die Junker haben niemals und nirgends etwas von Schonung ihrer Gegner gewußt. Sie verstanden sich nicht nur vortrefflich auf persönliche Raufhändel, sondern hatten in ihrer zahlreichen Dienerschaft willenlose Mordhelfer, bereit zu jedem Putsch. Der festen Absicht von Sir Simonds und Samuel Duncon, ihre lautere Amtsführung mit gesetzmäßigen Mitteln bis zum äußersten zu verteidigen, verdanken wir ihre Berichte über die denkwürdige Wahl vom 19. und 20. Oktober 1640. Sir Simonds hatte die gegnerischen Angriffe um so mehr zu erwarten, als er sich selbst in seinem Wahlorts Sudbury für die Lifte der zukünftigen Republikaner hatte aufstellen lassen. Er harte wohl bei dem allgemeinen Unwillen über des Königs Tyrannei die klare Einsicht, wie der Wahlkampf verlaufen würde. Den Jun- kern aber waren die kleinlichsten und unlautersten Mittel recht. Sie waren, die Saumseligkeit der Volksfreunde ausbeutend, vor und während der Wahl die Angreifer, Demonstranten. Wahlkontrolleure, vorzeitige Siegverkünder, die Wahlverleumdcr, Wahl- Hetzer und Putschisten. In den ganz gewiß sorgfältig ausgearbeiteten beiden amtlichen Berichten findet sich nicht die leiseste Andeutung, daß man den Wahlmännern der künftigen Volkspartei dieselben Vorwürfe machen kann. Wenn wir nicht von Thomas Babington Macauloy, Schottlands großem Geschichtsschreiber, über den Volks- haß gegen die Anmaßungen der.Königspartei genau unterrichtet wären, so müßten wir uns nach diesen parteilosen Berichten über die Oktoberwahl eigentlich recht wundern, woher der große republi- konische Wahlerfolg eigentlich kam. Eine englische Wahl damals bot ein uns ungewohntes Bild: Zunächst war's eine öffentliche Volksversammlung unter freiem Himmel, hier auf gewissen abgeernteten Aeckern vor dem Ackerbürgcrstädtchen, eine für die Wahlleiter nicht geringe Anforderung bei dem rauhen, stürmischen Oktobertage. Denn vom frühen Morgen bis zum Dunkelwerden wurde die beiden Tage über gewählt von jedem männlichen Ortsinsassen, der Wahlrecht hatte, d. h. Grundbesitzer war und Steuern zahlte und sich im Voll- besitz der bürgerlichen Ehre befand. Da war am ersten Wahltage das Gedränge groß, die Leute aus den umliegenden Weilern wollten abgefertigt fein, am zweiten kamen nur wenige Nachzügler, doch die bestallten Beamten und Schreiber mußten ausharren bis zum späten Abend ohne jede Mahlzeit, wegen der heftigen junkerlichen Proteste gegen die vernünftigen Vorschläge der Demokraten, man möge doch eine Mittagspause einschieben. Und doch halten die Junker anderthalb Stunden am Morgen des ersten Walsttages allein das Feld beherrscht: ihre Wahlgegner waren nicht erschienen, fast unglaublicherweise vom Wahlleiter über Ort und Stunde des Wahlbeginns nicht unterrichtet, und die Junker ließen alle Mittslder Wahlwühlerei spielen, trugen ihren Wahlkandidaten im Triumph unter der Volksmenge herum, war- f e n den für die Gegenpartei aufgestellten W a h l t i s ch zu Boden, trampelten darauf herum, trompeteten ihren Sieg aus, verlangten für sich 4 Schreiber, während der noch nicht erschienenen Gegenpartei ein Schreiber sogar fehlte, für den zum Ersatz joner Schupo Duncon durch den Wahlleiter später eingesetzt wurde. Wenn die Wahlkandidaten bei der örtlichen Wahl nicht selber anwesend waren, tonnten ihre Wähler für sie ihre Stimme nicht abgeben. Die Wähler aber muhten erst von der Ortsobrigkeit vereidigt werden und dann in die Wahlliste, die für jeden Wahlkandidaten einzeln aufgestellt wurde, am Wahltage in ihrer Gegenwart van den be- stallten Wahlschreiborn mit Vor- und Zunamen und voller Adresse eingeschrieben werden, was bei dem fürchterlichen Gedränge um die Wahltische herum für die Geduld der Wähler und die Selbstbehcrr- schung von Wahlhelfern und Wahlleitern keine kleine Ausgabe war. Die Wahlleiter standen dazu unter der ständigen, peinlichen Aufsicht von Mitgliedern der mächtigen Junkerpartei, die selbst da Ausstel- lungen und Einwendungen gegen das Wahlverfahren trotz ihrer offensichtlichen Wahlbcvorzugung anzubringen wußten, wo kein recht- lich Denkender sie auch nur ahnen konnte. Nachdem die Junker am Abend des ersten Tages mit dem Ver- halten des Oberrichtcrs Sir Simonds ersichtlich ganz zufrieden gc- wesen waren, und wir können überzeugt sein, daß der gewissenhafte fromme Mann ihnen keinen Schaden getan hat, eher seiner eigenen demokratischen Sqche. machten sie ihm die Hölle heiß am zweiten Tage vom frühen Morgen on mit ihren Beschwerden, Klagen und Drohungen bis zur Dunkelheit, denn ihr Eifer fiir des Königs Sache hatte schnell herausgefunden, wie übel es für ihre Partei- ziele im ganzen Lande stand. So entstanden jene beiden amtlichen Urkunden über die Wahl, die die baldige Niederlage des Königstums. vorausahnen ließ. Nach- dem die beiden Dokumente lange still und verborgen in Ipswichs Amtsschränken geruht hatten, kamen sie nach der Gründung des Britischen Museums in London dorthin, wo Carlyle sie der Ver- gesfenheit entrissen hat. Mag ihre Geschichte allen Freunden der deutschen Republik ein Antrieb sein, den übermütigen Lzitler-Bubcn vonheute rechtzcitigdasHandwerk zu legen. Einheitsfront— Ja! Aber nicht mit den Kommunisten Nicht zul«tzt die bevorstehenden Wahlen sür den Reichopräsiden- len uiu> zu den Parlamenten in mehreren Ländern haben dem Arbciter-Turn- und Sportbund Gelegenheit gegeben, in einer 40 Seiten starten Broschüre authentisches Material zur Politisierung der Arbeitersportverein« durch die K o in m u n i st i s ch e Partei gesammelt herauszubringen. Ueber zehn Jahre dauert nun bereits die Spalter- und Minierarbeit der Kommunisten: wenn sie, statt Erfolge zu erzielen, im Arbeiter-Turn- und Sportbund vollständig abgewiirischastet haben, so ist das der Beweis für den gesunden politischen Sinn der bundestreuen Ar- beitersportler, die sich, einer Moskauer Parole zuliebe, ihre Organi- fotion nicht zerschlagen lassen. Wir lassen im folgenden einige der markantesten Zitats und Aussprüche kommunistischer Zeitungen und Führer folgen, damit unsere Genossen bei der Werbung während der Zeit vor den Wahlen gewappnet sind. Als 102l im Bund noch alles in Fluß war, stand den Kommu« nisten, die sich damals noch als getreue Anhänger und Mitglieder gerierten, noch das offizielle Bundesorgan sür ihre Geistesblitze zur Verfügung. Damals, am 23. März, legte We y e r- Berlin neben Lieste, der kommunistische Hauptmacher im Bund, folgendes Bekenntnis in der„Arbeitor-Turnzcitung" ab: „Für die Arbcitersportbcwegung kommen sür uns Äommu- »isten die Leitsätze und Statuten der Kommunisti» s ch c n Internationale in Frage. Auf Seite HZ der Internationalen Kommunistischen Leitsätze steht sinngemäß sür die Arbeitersportbcwegung: In Anbetracht des Heranströmens gewal- ligcr Arbeitermasten in die Arbeitersportorganisotionen müssen di« Kommunisten in allen Ländern in diese Organisationen eintreten, um aus ihnen bewußte Kampforganisotionen zum Sturze des Kapitalismus und für den Kommunismus zu machen." Danach wurde denn auch in den Vereinen, Verbänden und Spitzenorganisationen getreulich gearbeitet. In Berlin war in- zwischen<1923) ein Zweigbüro der in Moskau 1921 gegründeten „Roten S p o r t- I n t e r na t i o n a le" aufgemacht worden, in dem die Fäden zusomnienliefen. Fraktionen mußten überall gebildet werden, in dem Zweigbüro bekam man Auskunft und Anweisung, wie die Minicrarbeit, die Agitation gegen die„reformistischen" Führer und schließlich die Uebersichrung der Vereine und Verbände in die RSI. ausgeführt werden sollte. Noch 1924 glaubten die Führer der Bundestreuen an die Möglichkeit einer ehrlichen Zu- sammenarbcit mit der RSI., die als taktisches Manöver, wie sich l Aer erst später klar erwies, von den Kommunisten gefordert wurde. Vundesoorsitzender Genosse Geliert erklärte auf dem Bundestag 1924 in Kassel: „Wir stehen nach wie vor aus dein Boden der V e r st ä n d i- g u n g und der gemeinsamen Arbeit der Sportinternatio- ualen untereinander. In diesem Sinne ist auch die Frankfurter Konferenz zu verstellen. Wir wollten die Verständigung, wir wollten die Zusammenarbeit, aber nur auf der Grundlage der gegenseitigen Achtung der beiden Internationalen." Doch bald bewiesen die kommunistischen Drahtzieher in Deutich- land und Moskau, woraus es ihnen ankam. Auf dem 5.„Weltkongreß" der kommunistischen International« wurde laut„Prawda" vom 23. Juli 1924 eine Entschließung angenommen, in der es hieß: „Die Taktik der Einheitsfront ist nur eine Methode der Agitation und die reoolurionärc Mobilisation der Massen." Und M a n u i l s k i erläuterte diesen Grundsatz vor oein Ple- num des Exekutivkomitees der Kommunistischen International« 1929 so: „Die Einheitsfronttaktik ist der unoersöhilliche Kamps gegen die reformistischen und sozialdemokratischen Organisationen. Die Einheitsfront ist weder eine Koalition mit der Spitze jozialdemo- lratischen. noch eine Politik der Verständigung mit ihren Führern von nuten." In Berlin In Berlin war der Arbeiter-Turnvercin„F i 6, t e" der Herd der kommunistischen Umtriebe und das Sammelbeeken für die Saboteure bundestrcuer Arbeit. Gleich nach dem Kriege faßte der Verein den Beschluß, daß n u r K o m m u n i st e n und Unabhängige F u n k t i o n ä r p o st e n bekleiden dürfen. Damit waren die Sozialdemokraten zu Mitgliedern zweiter Klasse gestempelt. Von „Fichte" aus ging der Angriff zum Bund über. Das Burdesvor- standsmitglied Ä o p p i f ch stellte bereits auf dem Bundestag 1919 sest, daß eine dort eingebrachte Entschließung, wonach sich die Bundesmitglicdschast zur zeitigen Diktatur bekennen sollte, die Kon- sequenz hätte, baß in Zukunft nur solche Diktahuranhäiiger Mitglied des Bundes sein können. Die Kommunisten bekräftigten diese An» schouung Koppijchs denn auch in einem Nachsatz zur Entschließung. in dem, klar genug für jeden, gesagt war: „Demgemäß kann nur der in Zukunst Mitglied des Arbeiter- Turne rbundcs sein, der aus dem Loden vorgezeichneter politischer Klchtl'nien steht." Das war sogar eine Perschärftmg des oben bezeichneten Be- schlusses von Fichte-Berlin, und heute ist die Frage angebracht, ob Fichte ob solcher Anweisungen van der Linie„bolschewistische Selbst- kritit" zu üben gezwungen wurde. Was 1919 in Kassel aus dem Bundestag bezweckt wurde, faßte damals Genosse W i l d u n g zu- sammeii(Protokoll Seite 44): „Und nun behaupte ich, die Resolution, die uns gestellt ist, die sich aus den Boden der Diktatur des Proteiariats stellt, ist nicht gesteht im Interesse der Arbeiterturnbcwegung, sondern st« bedeutet einen Vorstoß der politischen Parteien in das Lager des Arbeiter-Turnerbundes. Man will versuchen, im Ar- beiter-Turnerbund, in dieser immerhin schon recht stolzen Organi- sation der Arbeiterschaft auf sportlichem Gebiete, sein« Ziele zum Durchbruch zu bringen, seine politischen Ziele." Lrstens kommt es anders... Obwohl die Kommunisten auf dem Kasseler Bundestag in einer hofsnungelosen Minderheit blieben, ließ man nichts unversucht, die Arbeitersportorganisationen zu erobern. In einzelnen Vereinen ge- lang es hier und da. im großen ganzen aber hielten di« Mitglied- schasten treu-um Bunde: sie wehrten sich besonders gegen die Poli- tisierung der Vereine im einseitigen, kommunistischen Sinne nach den\ Anweisungen der Moskauer Gewalthaber und ihrer deutschen Papa- j geien. So kam man zu einer anderen Form des Kampfes gegen die � Reformisten. S i n o w j e w sagte weiter, es müsse jetzt auf U m- wegen gekämpft werden, di« langwieriger und schwerer seien, und das sei das Neue an der Taktik der Komintern! Fieberhaft wurde am Ausbau der Zellen undFraktionen gearbeitet. Sie i-nterstonden noch der Broschüre„Die Reorganisation der KPD. 1923" r:r Partei: jedes Parteimitglied war zur Teilnahme an der FriiUwnsarbeit verxsltchrell Es war die Zeit vor dem Bundestag 1928 in Leipzig, wo endlich, endlich fest zugegriffen wurde. Kap- p i s ch erklärte damals in einer ausgezeichneten Red« gegen di« kommunistischen Wühler: „Um die Einheit dem Bund zu erhalten, sind wir Sozial- demokraten bis zur Selb st Verleugnung gegangen. Wir haben auf den Turnabenden unser Parteiabzeichen abgelegt, um künen Anlaß zum Krach zu geben. Wir haben die Kommunisten, obwohl sie Uns auf das gemeinste beschimpsten, imnier noch als Bundesgenossen angesehen und geachtet. Aber jetzt ist dos Maß voll." Mit großer Mehrheit wurde dann ein Antrag angenommen, in dem es hieß: „Do alle bisher ausgesprochenen Mahnungen und Verwar- nungen des Bundes fruchtlos geblieben find, erklärt der 15. Bundes- tag, daß der Arbeiter-Turn- und Sportbund zu der KPD. und deren Einrichtungen keinerlei Beziehungen mehr auf- rechterhölt."— Und auch folgender Antrag:„Gegen Teile der Organiiation oder gegen Mitglieder des Bundes, die in Gemein- fchaft oder Auftrag der KPD. oder deren Einrichtungen gegen den Bund arbeiten, soll der Bundesvorstand mit allen statutarischeit Mitteln vorgehen, um dem organisa- tionsschädigenden Treiben gegen unseren Bund und seine Ein- richtungen endlich ein End« zu machen." Damit war der Weg frei für die Beseitigung aller Elemente, die den Bund und die einzelnen Vereine zum Tummelplatz politischer Leidenschaften machen wollten. Abermals: Neue Taktik Wollte man also den Arbeitersport bisher von innen heraus erobern, so änderten die Kommandeur« ihre Taktik zum anderen Male. Nur die offene Spaltung kann!« sie aus der Sack- gösse, in die sie geraten waren, retten. Wenige Monate noch dem Leipziger Bundestag erklärte L o s o w s k i nach der Zeitung des „Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes" auf einer Tagung der „Roten Gcwerkschastsinternationale":"- „Zawahl, unsere Anweisungen bedeuten Spaltung, wir be- sinden un» in einer Sackgasse, aus der wir nur durch die Spaltung der reformistischen verbände herauskommen." Ulbricht, der Vertreter der deutschen Kommunisten aus dem 10. Plenum des Ekki 1929 in Moskau, arbeitete das schärfer heraus: .Dm Unterschied zur Taktik in der 2. Periode besteht iMS Wesen unserer fetzigen Taktik darin, die K ä m o s e der Arbeiter van vornherein selbständig zu organisieren und die organisierten wie die unorganisierten Arbeiter für die selbständige Kampfführung zu gewinnen. Das selbständige Hineinsuhren der Arbeitermosfen in die Kämpfe durch die kommunistischen Parteien ist das entscheidende Charakteristikum der jetzigen Periode. Die Arbeit in den Massenorganisationen geschieht.zu dem Zweck, die Arbeitermassen für umere selbständige Kämpfführung zu gewinnen. Wir müssen den Transmissionsricmen zer- schneiden, d. h. die Reformisten isolieren. Unter diesen Bedin- gungen besteht die Anwendung der E i n h e it S sronttaktik vor allem darin, durch Schaffung selbständiger Kampsorgane, durch Einberufung von Delegiertenkonferenzen auf der Basis der proletarischen Demokratie