Morgenausgabe Nr tI2 A 52 49. Jahrgang Wöchentlich 75 monatlich 3.2» M. (davon ö? Pf. monatlich für Zustel' Ii mg ins Haus) im voraus zahlbar. Voftbezug 3.S7 M. einschließlich 60 Pf. Po'tzeitungs- und 72 Pf. Postbestellge- bühren.Auslandsabonnements.esM. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 4.05 M. Ttz„Ponvarts- erscheint Wochentag» lich zweimal. Eonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel..De? Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage »Volk und Zeit" Verttner Vottsvlatt Mittwoch IX April 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. f?te ein I o a lt. Mllltmeterzetle 30 Pf. Netlamezerle 2.— üll„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Vf. (zulässig zweifettgedruckteWotte»,iedes weitere Wort!0 Pf. Rabat: lt. Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Millimeter. zeile 25 Pf. Familienauzeiaen Milli- meterzeile 10 Pf. Anzeigenannahme im s)au ptge schüft Lindenstruße ll. wochentäglich von 8'/, bis l? Uhr. Der Verlag behält sich dasNecht der Ab- lehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Äenttawesan der Sozialdemokratische« Oavtet Deutschlands! N e d a k t i o n und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Rernfpr. Dönhoff fA 7) 292— 297 Telegramm-Adr. i Sozialdemokrat Verlin Vorwärts-Verlaa G.m.b.H. Poltscheckkonlo: Berlin 3? 536.—!vallkkon!o:BankdcrArl?«llcr.ÄngeIicllicn u»d Beamlen, Lindenstr. 3 Di B.u Disc.-Gel., Dcpoülelil., IeruI�Iemcr Elr. 65'tw. Deutschland will Arbeit! Gewerkschaftskongreß im Reichstag. Die Privatwirtschaft versagt, der Staat muß handeln! Mitten in den jdjiDcrfleu politischen Äampfen tritt heute im Reichstag der außerordentliche Kongreß der freien Gemerkfäiaften Deutschlands zusammen. Die Tages- ordnung dieses Kongresses besteht in einem einzigen Punkt: der Frage der Arbeitsbeschaffung. Wie die Arbeitslosen zu neuer Arbeit, die Betriebe zu neuen Aus- trägen kommen, das ist die Sorge, die jeden Deutschen heute beschäftigt. Die gegenwärtigen politischen Kämpfe werden mit im- geheurer Spannung, Wucht und Erbitterung geführt. Das beispiellose Toben politischer Leidenschaften, wie wir es er- lebe», wäre nicht denkbar ohne die Verzweiflung, die die er- merbsloscn Arbeiter, Angestellten und Beamten und die in- folge Auftragsmangels verdurstende kleine und große Jndu- strie erfüllt. Die Lebensbasis der Massen ist so schmal, die m Falle einer feindlichen Invasion seine Privatarmee von der Grenze abziehen und den Bürgerkrieg gegen Deutsche er- ösfnen. dann stellen sich alle„Nationalen" schützend um ihn und schlagen auf denjenigen las, der den geplanten Landes- verrat vor der Oeffentlicküeit brandmarkt. Das ist der richtige Nationalismus! Mit echter Liebe zu Land und Volk bat es nicht das geringste zu tun! Und mit der Wahrheit erst recht nicht! Armer.Hilgenberg! Gehauste Lieblosigkeit aus dem Braunen Haufe. Der„Angriff" meldet an der Spitze seiner gestrigen Ausgabe: Ein vcrlreler der„Times" halle gestern eine Unterredung mit Adolf hiller. Der Führer l>c zeichnete dabei die Bemühungen zur Bildung einer ..»creikigte» deullchnolioimlW«. nalianalsozialisilschea Fronl" als uberslüsfig, da die Koilonalfozialislcn setzt annähernd die gesamte nationale OpposUkrn darstellten. Seit Jahr und Tag verfolgt nun der arme H u g e n° b e r g den angebeteten Adolf mit einer geradezu unappetit- lichen Zudringlichkeit. Er hat sich nie etwas anderes dafür geholt als Fußtritte. Gr mit seiner Presse deckte und ver- tuschte jedes Verbrechen der Hakenkreuzbande von der ardi- »ären Messerstecherei bis zum Hoch- und Landesverrat. Aber usas er dafür erntet, find nur Obrfeigen. Man würdigt ihn nicht einmal mehr der direkten Ansprache, sondern läßt ihm. die für chn bestimmten Impertinenzen via London durch ein englisches Blatt zugehen Dafür ist Huggnbsrg bereit, den Nazis die H e r r f ch a f t in Preußen in die Hände zu spielen! Das preußische Bolk müßte wirklich von allen guten Geistern verlassen sein, wenn es nicht am 2-1; April einen dicken Strich durch diese Rechnung machte! Schlagt Hitler-Hugenberg!— Wählt Lraun-Severing! Glückwünsche an Hmdenburg. .Der Reich-präsident empfing gestern den Arbeitsausschuß der A««nigten Hindeiiburg-Ausschüsse und sprach ihm seinen Dank für die bei Durchführung der Wahl des Reichspräsidenten für ihn ge- leistete graße Mühewaltung aus. Ferner empfing der Reichs- Präsident den Oberbürgermeister Dr. 6 ahm und sprach auch ihm seinen Dank für die bei Borberciwng der Kandidatur und der Wahl geleisteten Dienste aus. Der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarg-Rot-Gold hat dem Reichspräsidenten folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: „Das deiüsche Volk hat sich mit absoluter Mehrheit für Ihre Wiederwahl entschieden. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund deutscher Kriegsteilnehmer und Republikaner, entbietet Ihnen, Herr Reichspräsident, freudige und herzliche Glückwünsche. Das Reichsbanner ist überzeugt, daß es in Ihrer neuen Aiiitspariodc ge- lingen wird, die Staat und Wirtschaft zerstörenden Kräfte der Bersassungsfeind« völlig niederzuwerfen und damit den Weg zu neuem Aufstieg und zur Ueberwindung der entsetzlichen Wirtschaftsnot freizumachen" Dem Reichspräsidenten sind ferner Gluckwunsche nan einer großen Anzahl von Staatsoberhäuptern, von den Staats- und Mi- n-lterpräsidenten deutscher Länder, von Provinzen und Städten, von ,?pitzenorganisatlonen und Perbänden sowie viele taufende privater Kundgebungen zugegangen. �,-13 Milliarden Reichsdesizii. Oer Stand der Reichsfinanzen im Februar. Die Einnahmen im ordentlichen Haushalt betrugen>.m Monat Februar nach dem jetzt vorliegenden Bericht des Reichs- finonzministeriums SS?, 6 Millionen, während die Ausgaben nur um 0.3 Millionen Mark höher logen. In den abgelaufenen elf Monaten des Finanzjahres das im Mörz endet, wurden an Zollen und Steuern insgesamt 8004.8 Millionen Mark eingenommen, mährend die Ausgaben des Reichs in per gleichen Zell 8101,3 Millionen Mark betrugen. Der Fehlbetrag im laufenden Jahr hält sich demnach also mit%,5 Millionen Mark auf uerhältnismätzlg niedrigem Stanks Der aus dem norhergehenden Jahr übernommene Fehlbetrag >'on 1.03 Milliarden vermindert sich infolge der Säiulden- ülgutzg auf 643,3 Millionen Mark, also um rund 286 Millionen. Einschließlich dieses übernommenen Defizits schließt der ordentlich« Haushalt Ende Februar mit einem Fehlbetrag von 742 Millionen Mark ab. Im außerordentlichen Haushalt ergab sich von April bis Je- bruar bei Ausgaben in Höhe von 133.8 und Einnahmen von V"-> Millionen Mark ein Fehlbetrag oon 126.0 Millionen Mark, der unter Einrechnung des aus dem Vorjahre übernommenen Deiij'ts bis auf 385,3 Millionen Mark steigt. Das Sesamldeflzll Im oidenl- lichen und anherordeoillcheu Haushalt beträgt also Ende Februar 1190,3 gegen 1162,3 Mllioneu Mark im Zannar- Pommern und Ostpreußen. Kein Anlaß für reaktionäres Triumphgeschrei. Dn sogenannten Glanzstucke unter den Wähler folgen der Olationalsozialisten sind der Wahlkreis I Ostpreußen und Per Wahlkreis VI Pommern. Dabei wird verständlicher- weil« Don den Fabrikanten der Iubelhymnen übersehen, wie es schon bei früheren Wahlen in diesen beiden Kreisen ausgesehen hat. Wahr- scheinlich liegt dieser Mangel an Erinnerung auch daran, daß die schwülen Dichter der Nationalsozialisten die politische Geschickte des jungen Deutschland überhaupt nicht keimen. Nach Abschluß der Inflation hatten wir in Deutschland im Zustande der tiefsten wirtschaftlichen Depression und der neu fixierten Kriegsschuldevlast des Dawes-Planes am 4. Mai 1024 Reichstags- nwhlcn. Im Wahlkreis I Ostpreußen wurden damals 1 024 000 gültige Stimmen al'gegebsn. Bei der Präsidentenwahl am 10. April sind in Ostpreußen 1 124 000 gültige Stimmen abgegeben worden-, auch die Wählerzahl ist in der Zwischenzeit gewachsen. Damals wurden für die Deutsch nationalen und die Böl- tischen in Ostpreußen 487000 Stimmen abgegeben.?lm lO. April sind für Hitler— das ist die gleiche Front— 493 0 00 Stimmen abgegeben worden. Im Wahlkreis VI P o in rn c r n wurden am 4. Mai 1924, wenige Wochen nach Abschluß des Dawcs-Planes, bei 893 000 gül- tigen Stimmen rund 481 000 für die Deutschnatio» nalen und die Völkischen abgegebei' Zbe beiden Bruder der reaktionären Front hatten also schon damals in Pom- mern die absolut« Majorität. Am 10. Zlpril 1932 wurden in Pommern 972 000 gültige Stimmen abgegeben, davon entfielen 310 000 Stimmen auf Hitler. Auch diesmal wieder die absolute Majorität für die reaktionäre Front, die jetzt aus National- fozialisten und Dcutschnationalen besteht. Dos Entscheidende bei dem Vergleich der Ergebnisse für die Wahlkreise Ostpreußen und Pommern ist also, daß dort gegeiulber 1924 Wahlberechtigte und Wahlbeteiiigte am 10. April 1932 steh wesentlich vermehrt hatten, davon hat aber die real- tivnäre Front nur ganz unwesentlich profitiert. Sie hat nur in sich eine Wandlung erfahren. Aus dem ehemals großen deutschnationalen Bruder und dem kleinen völkischen Hosen- nwg ist ein großmäuliger Hitler entstanden, der den klein- gewordenen Hugcnbcrg mit dem Stöckchen zum Gehorsam zwingt. Die reaktionär« Flut selbst ist also auch m fenen Wahlkreisen, die beute als Glanzstellen des nationalsozialistischen«ieges aufgemacht werden, in Wirklichkeit nicht zur Sturmflut geworden, in jeisen beiden Wahlkreisen stand die reaktionär« Well« schon vor acht Jahren den Vernünftigen bis an den Hals, aber das Entscheidende ist das Gleiche geblieben, die Bernünstigen blieben auch in Ostpreußen und Pommern mit dem Kopf über jener Welle, und auf den Kops kommt es an, denn in ihm fitzt der Verstand. Tardieu gegen LlGA.-Vorfchlag. Frankreich für Beibehaliung der Angrifsswaffen. Genf. 12. April. sLigeoberichi.) 3n der Generalkommission der Abrüstungskonferenz lehnte heute vormittag Tardieu jede Abschaffung von sogenannten Angriffs- waffen ab. Alle Waffen könnten zum Angriff und zur Verteidigung zugleich benutzt werden. Er bestand aus Frankreich» Vorschlag. durch Organisierung de» Friedens die Anwendung der Waffen zu regeln. Nur durch Ausstattung de» Völkerbundes mit überlegenen Rüstungen könne der Angriff oerhindert uud der Krieg ausgeschaltet werden. Damit bewies er den unerschütterlichen willen der sranzö- fischen Regierung, mit dem Völkerbund die Ueberlegenheit der gerüsteten Staaten unbedingt ausrecht zu er- tz a l t e n. Zu Beginn der Sitzung führt« Ditwinow den Beschluß zur Eni- scheidung van Grundsragen zurück auf die Formel: Sind di« v«r> sammelten Staaten bereit, ihre Rüstungen wenigstens teil- weise in wirksamer Weise zu vermindern? Werde die Frage, wie bereits die Tatalobrüstung, ebenfalls verneint, dann könnte das Scheitern-der Konferenz auch nicht durch ablenkende Beschlüsse über moralische Abrüstung, Sicherheit oder selbst Ab- schaffung dieser oder jener Waffenart verschleiert werden. Zur Ent- scheidung dieses Prinzips schlug Lilwinow die Aenderung des Artikels 1 des ÄonoeistionselUwurfs vor, der lauten solle: ..Die Teilnehmer uerpfllchten sich zur Durchführung einet materiellen Vermindung ihrer bestehenden Rüstungen nach dem Prinzip der Steigerung und der Vroporlion laut den Zestsehungen im vorliegenden Abkommen." Für die Heeresstärke schlug er drei Gruppen vor: 1. Un< berührt sollen bleiben Armeen bis 20 000 Mann. 2 Bermindert sollten worden Armeon bis 30 000 Mann um 3 Proz., bis 100 000 Mann um 25 Proz., bis 130 000 Mann um 30 Proz., bis 170000 Mann um 40 Proz. Armeen il b e r 200 000 Mann sollten um 60 Proz. herabgesetzt werden. Die gleichen Prinzipien mühten zur See und in der tust angewandt werden, wobei die bereits abgerüsteten Staaten außerhalb dieser Abmachungen bleiben müßten. Dazu komme dos Prinzip der Gleichberechti» g u n g sowie das Verbot jedes Militärbündnisses. Gibsons Vorschlag nehme er an. Man dürfe aber die Abschaffung gewisser Waffen nicht isoliert behandein. Tardieu begann mit einer sarkastischen Polemik gegen das Prinzip der qualitative» Rüstungsverminderung. Frankreich habe dafür ebenfalls Vorschläge gemacht in ollen Waffengattungen. Dahin führten zwei Wege: Abschaffung gewilser Waffen oder, wie Frankreich vor- schlage, diele Waffen der internationalen Macht zur Ver- fögiing zu stellen. Man habe ober verschiedene Ausdrücke für diese Waffengattungen angewandt, die nur schwer bestimmt zu definieren seien. Angriff sei eine politische Sache. Für Frankreich stelle sich die Frage, ob es richtig sei, alle genannten Waffen für Verteidiger und Angreifer abzuschaffen, oder sie gemeinsam zu verwenden. Wolle man den Krieg reglementieren, so käme man zur Aufgabe de, beiden Haager Konferenzen. Dort habe sickz gezeigt, daß das unmöglich fei. Man müsse zu«wer Regelung der Waffen kommen, nicht einfach zu ihrer Abschaffung: zu einer Kontrolle und zu Sanktionen gegen den Verstoß. Man müsse für alle. Waffen die gleiche Methode anwenden. Entweder seien olle Waffen nötig oder alle mühten unterdrückt werden. Sobald man eine Grenze festsetze, köime man die Technik nicht verhindern. nach dem Taschcnkrcuzer dos Toscheoflugzeug. die Toschcnbombe und Taschenkanone mit größter Wirkung zu bauen, und mit den landwirlschaftstchen Trattaren könne man leicht und schnell Tanks improvisieren. Die Grundfrage sei: Alle Abschossunoen könnten nicht die An- gerechtigkeit aus der Welt schaffen. Dalier sei Frankreich für das Vorbeugen und Pas Itiuerprücken des 5rri«ges durch Ausstattung der internationalen Macht mit der Ueberlegenheit über jede Anorii's- Möglichkeit. Jede Verteidigungswafsc könne als Angrlfsswaffe ver- wandt werden. Frankreichs Vorschlag, das wirksamste Kriegsmaterial dem Völkerbund zur Verfügung zu stellen, ent- spreche allein dem Sinn der Abrüstung und der Organisierung des Friedens, bester als di« Abschaffung gewisser Waffen. Frankreich wolle, statt Verteidiger und Angreifer zu berauben. die'Abrüstung erreichen durch gemeinsame?lnwcndung jeder Rüstung gegen den Ängreiser. Die Macht müsse bleiben zur Unterstützung des Gesetzes für alle. Man wüste am Pakt feschalten und nicht improvisierte und unerproble Lösungen anheimstellen Da? sei die Pflicht der Konferenz und nichts anderes. OoNaulanSer-Hilfe vertagt. Aepokung euf den Mai verschoben. Genf. 1Z. April. �Eigenbericht.) De? Lolkerbundsrat hat die Beratung des Berichtes der Finanz- kommifsion über die Hilfe für die Donauländer auf seine nacktste Tagung im Mai verschoben. Inzwischen sollen die Sachoer- ständigen der vier Mächte, die an der Londoner Konferenz beteiligt waren, praktische Vorschläge ausarbeiten unter Milhilse des Finanz- komitees und der technischen Organe des Völkerbundes. Zu Beginn berichtete Tardieu als Ratsvorsitzender über die Londoner Konferenz. Danach seien die Mächte einig gewesen für rasche Handlung. Nach Regelung der finanziellen Frage müßten die bstrefienden Regierungen selbst Maßnahmen für einen wirtschaftlichen Ausgleich ergreifen. Um Zeit für das Gutachten der Sachverständigen der vier Großmächte zu gewinnen, müsse d>e Beratung des Berichtes des Finonzkomitees auf die nächste Rats- tagung verschoben werden. Simon- England und G r o n d i> Italien scki lassen sich dem an und versprachen rascheft Arbeit. Vo n B ü l o w- Deutschland wandte sich besonders gegen Uebertreibungen der Schwierigkeiten zwischen den Mächten in London. Es sei unmöglich, in so kurzer Zeit die Fülle der technischen Fragen völlig zu lösen. Ohne Zweifel werde eine gute Lösung gesunden, zu der Deutschland sein Bestes beitragen werde. Tardieu schloß mit der Feststellung der Ucberemstiwnwng in London über die Ursachen der Not der Dovauftaaten und ihre Ab- Hilfe. Bei allen Regelungen werde jede der vier Regierungen ihr«) volle Freiheit für die Konferenz oon Lausonne behalten. Die frei- willige Ausschaltung des Rates zugunsten der Regelung nur durch die vier Großmächte wurde dann einstimmig in einer Resolution festgelegt. Ein preußenfilm. Anschauungsunterricht über staotspolitische Arbeit. Im Berliner Mozartsqal fand am Dienstagabend vor dicht be- letztem Hause die Uraufführung eines Preuße st, Films statt. „Haushalt" ist das Stichwort dieser Bild- und Tanfolge. die dem Slammlischpolitiker sowie allen Feinden des Volksstaotes piel Mißbehagen bereiten dürfte. Um so mehr wird jeder dielen Film be- grüßen, dem es um Herzen liegt, daß am 24.?lpril nicht das Schlag. wort und die Phrase über dos Geschick von Peruhen bestimmen sollen. In der Ersenbahn sitzen zwei dieser Bier dank revolutionäre und vertreiben sich die Zell, indem stc über das System schimpfen. Zu- fällig stoßen st« ober auf einen Mitreisenden, der die Bruder kennt unh ihnen mit barer Münz« auszahlen kann. Dieser Kenner zeigt, welch gewaltige pasitive Aufbauardeit das Preußen der republikanischen Koalition in den bisherigen 13 Jahren geleistet bat. Die Republik muhte ein durch vier Iakre Krieg und Niederlage -errütt-'teK i/nij völlig herabgeimrtlcha'tstez Lqnd übernehmen. Aber kein Gebiet der ostentlichen und xr-oaten Wirtschaft, ob Industrie. ob Schisfahrt oder Landwirts cho st. das Nicht von diestm neuen Preußen betreuj worden wäre. Gewaltige Siedlungen, Woh- nün zsneub autss und fruchtbares, dam Meer oder dem Sumpf abgerungens Neuland tauchen auf, frei wird der Rhein und selbst der verstockteste Gegner von Brann und dem.System" nihrt die Hände zum Beifall, wenn diese Bilder vorüberziehen. Gewiß lastet die entsetzliche Wirtschaftskrise auch auf Preußen, drückt Staat und Land und hemmte, den Aufbau.„Aber ist diese, die gesamte Welt heimsuchende Krise die Schuld Preußens?".fragt der Mitreisende seine beiden Gegner.„Liegt es in Preußens 5)ond, die Menschheit von dieser Last zu befreien?" Weiter rollen die Bilder: Schulen, Ilniversitätsemrichtungen, Sportplätze und neue Krankenhäuser werden sichtbar. Und wenn sich in diesen modernen sozialen Anstalten die Kinder tummeln, wenn sie singen, lachen und musizieren, dann dankt der spmUane Jubel der nuigerisseiien Zuhörer nicht nur für die gelungenen Zlufnahmev. sondern auch für dieses Werk des neuen Preuße» und feiner Führer. Taten und nicht hohle Azitationsphrasen zeigt dieser Film, der ganz besonders bei den oon den radikalen Parteien verhetzten Wählern«in vorzüglicher Astschauungs- und Ausklärungsunterricht sein wird. Di« Regierung von k-üdafrika wird dem Parlament--in Gesetz norleZsn, wonach neben Englisch und Holländisch IBunschi auch Deutsch zur Amcssprachs gemacht, alle bis Ends 1931 Zugewan- betten eingebürgert und künftig die Embürgerungsfrist von 3 auf S Jahre herabgesetzt'wird.' �' Stimme der Wahrheit. Bovsrnkommer zerpflückt Agitotionslügen. Mönche«. 1Z. Apr� iE»güii!>»rich».'> In« gemtffeiiXofen Dolldotthstzsr com pr-ingen im Bauern auf dem Land«, daß e» der Landwirtschaft noch ni« so schlecht ergänzen fei wie„unter dein zegemoartizen System". Als aerlsfens Demagogen spekulieren sie auf die Unkenntnis und Vergeßlichkeit der Menschen. Ln Anbetracht dessen ist e°> demerkensmert, was ein sosdsn von der Vansrisckien Landesbauern kämm er, ein« gewitz unverdächtigen Stelle, veröfsentlichier Bericht über die Lage der bayerischen Landwirtschast ku sagen hat. Räch diesem Bericht wurden i-m vorigen Lahr in Bayern 971 bäuerlich« Anwesen zwanzsoersteigerk. eine erschreckend hohe Zahl. Aber das ist alles schon einmal in viel schlimmerem Austrwh dagewesen. 3 m Lahre 15 3 0— so stellt der Bericht fest— gerieten unter ganz» liä) anderen politischen Verhältnissen in Bayern 3 7 3 9 Anwesen unter den Hammer. Auch in anderer Hinsicht ist der Bericht der Bayerischen Landesbauernkammer recht interessant, da er für den Berichtsmonat März salt in allen Zweigen der Landwirtschast ein« Besserung seststellt, von der man venrünstigerweise nicht zu glauben braucht, dag sie ausschließlich nur aus Bayern begrenzt ist. So wird festgestellt, daß aus den Viehmärktcn der P r e i s a b st u rz ganz eindeutig zum Stillstand gekommen ist, daß aus den Kälbermörkten die Preistendenz im März eindeutig nach auswärts ging, daß die Getretdeniärkt« bei befriedigenden Preisen durchweg stabil lagen, und daß aus den landwirt- schastlichen Arbeitsmärkten eine stärkere Nachfrage vornehmlich nach jüngeren Arbeitskräften herrscht, was nicht ausschließlich nur aus die Frühjahrsbestellung zunickzu- fuhren sei. Oie Abstimmung im Landiag. Rur drei fehlen im Rcgierungslager. Die Abstimmung über den Antrag auf Abänderung der Ge- schäftsordnung des Preußischen Landtags Hot»ach den amtlichen Feststellungen folgendes Ergebnis gehabt: Es sind 22 7 Ja-Karten abgegeben worden, und zwar von den Regierungsparteien und von dem früheren k o m m u» n i st i s ch e n Abg. König- Berlin, der jetzt bei keiner Partei ist. Nein-Karten gaben die Abg. Frau Dr. F r a n ke n t h a l(Soz. Arbeiterpartei) und der Abg. Gebhardt(Komm. Opp.) ab. Als eine ungültige Stimme wird die Abstimmung des Abg. Langer- Oberhausen(DBP.) gezählt, der versehentlich gleichzeitig eine Nein- und eine Ia-Karte abgegeben Hot. Der Abg. M a a ß e n(Ztr.) hat sich der Stimme enthalten. Es fehlten beim Zentrum die Abgg. Dr. L i n n e b o r n und von Pape» und bei der Deutschen Staolsportei der frühere Flnanzminister Dr. H o p k e r- A s ch o f s. Das„geordnete" Ideal. Hitler-Schwah und— Wirklichkeil. Im Mittelpunkt der Schablonsnred« Hitlers zur Präsidentenwahl stand der schon mehrfach zitiert« Satz: ..Im Roormber 1918 haben d-e heutigen MaANchob«? ein geordnetes großes Reich übernommen." Die Berhältnisis in Deutschland mutzten danach bis zum Zu- ammenbruch im November 1918 geradqzu paradiesisch gewesen sein. Die Wirklichkeit sah aber...7 Ein neues Beispiel statt vieler: Bor dem Kriege gab es kein« Unterstützungen als ässentliches Recht. Wer in Not geriet und die Armenpflege in Anspruch nehmen mußte, der verlor seine politischen Rechte, wurde also mn Staatsbürger zweiter Klasse degradiert Es gab auch kein« staatliche Arbeitslosenunterstützung. Rur die Gewerkschaften leisteten ihren Mitgliedern bei Erwerbslosigkeit Hitse, und einig« Gemeinde» hatten ein sehr beschränktes Unterstützungs- oder Versicherungssystem eingeführt. Beim Ausbruch des Weltkrieges ging die Zahl der eiM»srb°.los(m Arbeiter und Angestellten rapide in die Höhe, auch zahllos« Gewerbetreibend« gerieten in die größte Not. Es mutzte iür diese Opfer des Krieges etwas geschehen, wenn nicht die patno- tische Hochstimmung ebenso schnell wieder verschwinden sollte, wie sie gekommen war. Auch die Stadt Berlin, aus deren Verwaltung damals die werktätige Bevölkerung tnsolge des Dreiklassemnahlrechis nur geringen Einfluß hotte, setzte Unterstutzungen fest. Und die sähe» so aus: Angestellte und Arbeiter sowie kleinere Gewerbetreibende und Angehörige fteier Berufe, die außerstande waren, sich und ihre Familie zu ernähren, konnten eine Unterstützung erhalten. Sie betrug„für Personen, welche den Unterhalt von Kindern bestreiten, fünf Mark, für die übrigen vier Mark wöchentlich. Man mußte aber seit dem 1. Juli 1914 m Berlin wohnen und 14 Tage lang ohne Bcsäiäftigung sein, bevor man in den Genuß dieser Unter- üützung kommen tonnte. Ausgeschlossen von der Unterstützung war I-der. der irgendeine andere Unterstützung, eine Rente oder«ine Pension bezog. Unverheiratete Personen erhielten Speisemarken, die aus die Unterstützung angerechnet wurden. Geradezu sürstlich war die Besoldung der zum Militär eingezogenen Staatsbürger. Die„Gemeinen" erhielten. wenn sie unbsritten waren, 9,99 Mark, die Berittenen 11.49 Mark im Monat, solange sie noch nicht im Felde waren. Sie hatten zwar freies Quartier und freie Derpflsgung. aber für ihre sonstigen Be- dürsnisse standen ihnen im ganzen pro Tag nur 39 bis 49 Pf. zur Vernigunz. Die Besoldung der Ossiziere war sclbstocr- sstindlich um ein Vielfaches höher als die der„Gemeinen", und wenn sie in öfteiulicken Diensten standen, so liefen ihre Bezüge wahrend der ganzen Kriegszeit weiter. Bei alledem darf man nicht vergessen, daß die Kaufkraft dieser geringen Unterstützungen sehr niedrig war. Denn mit dem Ausbruch des Krieges begannen di« Lebensmittelpreise wahnsinnig in die Höhe zu klettern und auch di« Fest- letzung von Höchstpreisen vermocht« das Anschwellen der Teuerung . nicht zu verhindern. Mit dem. was da»„geordnete große Reich" ftjr seine Hilf»- bedüritigen leistete, vergleiche man die Unterstützungen und Renten, big die verarmt« Republik gewährt. S>« sino gewiß noch sehr ver- besierungsdedurfttg: aber glaubt ein normal denkender Mensch, daß die Arbeitslosen und die kleinen Gewerbetreibenden selbst nur d'e vier oder fünf Mark wöchentliche Unterstützung des„geordneten" Kaiserreichs erhalten werden, wenn erst einmal Hitlers„Drittes Reich" über uns kommen sollte? Dee kommunistische Antrag auf Sicheruog der Wahisreiheit der Kommuuisteu. der die letzte Sitzung des Landtags beschäftigl«, wurde ohne Debatte gegen die Stimmen der Kommunisteu abgelehnt. Die revolutionäre Llngeduld. vi« kommunistische„Welt am Mbenb" gesteht, baß ein Teil ttr Kommunisten aus.ueoolosionärer AngedMb" für Hitler gestimmt habe. �eute, haltet's mich fest, sonst... . falt ich ihm schon jetzt um den Hals.' Herriot antwortet Tardieu. Er weicht Leon Blum aus. Paris. 12. April.(Eigenbericht.) Der ftmizösische Wahllamps ist jetzt im vollen Gange. Di« zwei wichtigsten Kundgebungen waren bisher die groß« Programmred« Tardieus in Paris und die Antwort des Soziolistensührers Leon Blum am Sonntag in seinem Wahltreis Narbonne. Blum hatte in seinen Ausführungen aus die Möglichkeiten einer Z u- sammenarbeit zwischenSozialistenund Radikalen im künftigen Parlament hingewiesen, indem man eine Linksmehrheit für wahrscheinlich hält. Er hatte dabei zum erste mml von der Möglichkeit nicht nur einer bloßen Unterstützung von außen, sondern sogar einer Koalttionspolitik innerhalb der künftigen Rc- gierung geiprachen, vorausgesetzt, daß man sich über brei Haupt- punkte einig«: 1. Sofortige und wesentliche Herabsehung der IRUitärau». gaben. 2. Einrichtung einer staatlichen Versicherung gegen all« Ge- sahren wie Arbeitslosigkeit, Unwetter und dergleichen. Z. Verstaatlichung der Privatversicherung und der Eisenbahn. gesellschaslen........... Heute abend hat nun der Fuhrer her Radikalen, Herriot. in Lyon aus beide Reden geantwortet, in der Hauptsache jedoöi ous Tardieu. Er wies einleitend die Beschuldigung des Ministerpräsidenten zurück, daß die Radikalen im Jahr« 1928 das von Poineore gebildete Kabinett der nationalen Einigkeit durch ihren Austritt gesprengt hätten. Dieses Kabinett habe nach dem Ausdruck | Powcares nur. eine begrenzte Ausgabe gehabt, nämlich die Stabili- si.-rung der Finanzen und der Währung. An dieser Allsgabe hätten die Radikalen ohne Hintergedanken und ohne Vorbehalt mitgearbeitet und den mit den Rechnparteien abgeschlossenen Pakt strikt eingehalten, obgleich die Einiglest durch die gehässige Halbing der Rechtsparteien sehr schwierig gemacht worden sei. Mangels einer nationalen Einigkeit wäre«s aber, so meint« Herriot. möglich gewesen, alle Republikaner zu einigen. Alle in dieser Rich- tung unternommenen Versuche seien aber an der Shlidarität der Rechten und des Zentrums gescheitert. Frankreich habe also vier Üahre lang unter einem Kartell der Rechten gelebt. Herriot ging dann nacheinander aus die Außenpolitik, die Innenpolitik und die Finanzpolitik der Reehtsregiemmg ein. Aus außenpolitischem Gebiete, sagt er, trage die Rechtsmehrheit die volle Verantwortung für alle Handlungen. Wenn Tardieu erklärt habe, baß 1928 alles angefangen, ober nicht beendet worden sei, so muff« man darauf erwidern, daß jetzt noch Ablans der Legislaturperiode die Lage noch schlimmer sei und daß man noch mehr als 1928 von. jenem stadileu Frieden entfernt sei. den alle Franzosen wünschen.(Beifall.) Von ein»? Liquidation des Reparotionsproblems sei ober keine Red«. Es genüge, aus die bevorstehende Laufanner Konferenz hinzuweisen, di« viellaicht die gefährlichst« sein werde. die Frantrcich je erlebt habe. Frankreich sei also in bezug aus die Schulden gewissermaßen der Gnade der Vereinigten Staaten ausgeliefert. Iva» Deutschland anbetrifft. habe Frankreich für die frühere Räumung des RheinlanÄss, für die Herabsetzung der Reparationszahlungen und die Zlbschaffung der Kontrollmahnabmen des Dawes-Plancs nur mittelmäßigen Dank geerntet. Wenn die Radikalen auch die Beschlüsse der R«- gierungen in diesen Punkten billigen, so müßten sie sich doch mit Besorgnis fragen, was die Zukunft bring-» werde. All« Probleme seien wieder von neuem ausgeworfen, mchtp sei geregelt. Dazu sei Frankreich haute so gut wie ganz in der weit isoliert. Es beiludet sich in der schmierigen Lage, daß es mir aus di« Länder zahlen könne, die es genötigt sei, zu unterstützen. Frankreich braucht eine exakte, geduldige und weniger um Gesten als um über- legte Handlungen besorgte Außenpolitik. Nachdem Herriot dann noch die Innen- und die Finanzpolitik der Reckitsrcgierungen kritisiert hatte, kam er in dem Schlußteil seiner Red« aus die Haltung der Radikalen vor und nach den Wahlen zu sprechen. Die erwartet« Antwort aus die von Leon Blum in seiner letzten Wahlrede gestellten Bedingungen für«In Zusammen- gehen zwischen den Radikalen und den Sozialisten noch einem Siege der Linksparteien blieb aber au?.� Herriot begnügt« sich mit der etwa» vagen Erklärung, daß die Unabhängigkeit der Radikalen Partei durch Auffordarungeu von keiner Seite! «ingeschränkt werden könne und daß di« Republik eure starke s Regierung brauche� die auf all« wahren Demokraten und Friedens- freunde gestützt ist. Er schloß mit den Worten:„Ich wende Mich an alle diejenigen, für die die Republik nicht nur eine Name ist, sondern eine Wirklichkeit, ein Regime der Gerechtigkeit und Brüder- lichkeit, an alle diejenigen, die dem Kartell der Rechten ein Ende machen wollen, llch begrüße den Sieg der Linksparteien, der uns erlauben wird, in der nächsten Kammer eine solide Nehrhejt der wahren Republikaner zu. bilden." Aus diesen Erklärungen kann mo» wenigstens schließen, daß die Radikalen nicht van vornherein gegen jede Zusammen- arbeit mit den Sozialisten sein werden. Das Giftgas der Heimwehr. Oer Fabrikant verhaftet. Die zeitlich unbegrenzte Vertagung der Verhandlung wegen der Waffenheschlagnohme im Arbesterheim Wien XVI(Ottaring) ist erfolgt, um aus Antrag, des Verteidigers Abg. Dr. Cisler sestzu- stellen, wieviel Anzeigen wegen der H» i m w e h r r ü st u n g e n bei den.Behörden-eingegangen-find, ohne daß irgendetwas daraus ge- schehen ist. Di« Verteidigung fuhrt nämlich ins Feld, daß die sozuil- demokratische Arbesterschast durch die Hsimwehrrüstungen bedroht ist und daher berechtigt sein müsse, ihre Verteidigung vorzubereiten. Der Grazer Universstätsprosessor a. D. Dr. Rödler, aus dessen 5>eimrv«hrarienal Dr. Eisler Handgranaten und C h e m i k o- lien zur Gistgasherstellung aus den Richtertisäs aeftell! hat, ist nun verhaftet, seine Werkstatt versiegest worden, da das Wiener Gericht die Gcazer Staatsanwaltschaft aus diese»— ihr längst bekannten— Rösler-Betrieb aufmerksam gemacht hat. Diese Prozeßverlagung bringt die Antimarristcn um einen ver- meintlichen Wahlschlager für den 24. April. Der Ober von Saarbrücken. Mit vier Faschiflen gegen öas ganze Stadtparlgment. Saarbrücken. 12. ZIpril.(Eigenbericht.) Die Stadtverordnetensitzung von Saarbrücken hat dem Ober- bürgarmeister Dr. Neil es mit mehr als drei Vierteln aller Stimmen aus Antrag der Sozialdemokratie und des Zentrums ihr schärfstes Mißtrauen ausgesprochen. Die Ursache liegt in der Nichtachtung des Oberbürgermeisters gegen die Stahtvertretung und den von ihm provozierten scharfen Gegensatz zwischen ihm und der Bürgerschaft, gegen die Brüskicrung und Provozierung der Parteien und gegen die Verletzung der Aommunaldemokrotie. In seiner Entgegnung griss Dr. Neikcs die Haltung s o z i a l d e m o- k r a t i s ch« r Oberbürgermeister, so L c i n c r t- Haimover, Scheide mann- Kastel und H e i m c r i ch- Mannheim gehässig an, wurde ober von der großen Mehrheit der Acrsqmmlung zurecht- gestaucht. Zu Herrn Neikes stand schließlich nur noch der einzige Nazi- Stadtverordnete und in halber Mißbilligung dje drei Deutschnationalen. Der außerordentlicki unsachliche Kamps, den Dr. Neikes auch in dieser Sitzung wieder gegen die Stadiperordneten sübrt«, hat abermals bewiesen, daß er nicht geeignet ist, aus diesem wichtigen Ercnzlandposten zu stehen. Aeyer Konflikt China-Zopan. Japanische«! Konsulat befetzt. Schanghai. 12. April.(Ag. Intern. Preß Union.) In Hend schau ist das Gebäude des japanischen Konsulals von chinesischen Soldaten besetzt worden.' Das Verlangen noch Räumung des Konsulats ist bisher unberücksichtigt geblieben. Das japanische Außenministerium hat den Konsul in Hankau angewiesen, die chinesischen Behörden um diese Rä»mung zu ersuchen. Sollte diesem Ersuchen nicht nachgekommen werden, so ist ein II l t t m a t u m zu erwarten, in dem militärische Mahnabmen angedroht werden. Tibet und die Mandschursi. Tjchangftchuu. 12. April. Amtlich wird gemeldet, daß in Tschangtschun Vertreter von Tibet eingetrossen sind, di« von Puyi in feierlicher ?ludienz empfangen wurden. Di« glätter in Eharbin und Tschang- tschun erkl-Wn, daß dieser Besuch zu einer Annäherung Tibet z und des mands6)unschen Staates fuhren soll Tibet gehörte früher nominell zu China, steht aber heute mehr lütter englischer Aussicht. Lautsprecher-Propaganda. Gin Iiunderlaß des preußischen Ministers des Innern. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, weist der preußische Minister des Innern in einem Runderlah an sämtliche Polizeibehörden darauf hin, daß im Interesse einer einheitlichen Handhabung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen gegenüber der im Wahlkampf im steigenden Maße angewandten Propaganda mit Lautsprecherwagen die Vorführung nichtgewerblicher Musik- oder öprechdarbietungen allgemein durch dos Gesetz weder verboten noch genehmigungspflichtig gehalten ist. Diese Darbietungen stehen innerhalb der- Schranken der allgemeinen Gesetze unter dem Ver- fassungsrechtsschutz des Artikels 18 Abs. 1 der Reichsversassung. In dem Erlaß weist der preußische Minister des Innern daraus hin, daß folgende allgemeine gesetzliche Vorschriften im Einzelfalle zur Anwendung kommen: 1. Vorschriften in den örtlichen Straßen- oder Verkehrspolizei- Verordnungen, durch die das Fahren mit Lautsprecher, oder anderen Rcklamewagen auf öffentlichen Straßen aus vcrkehrspolizeilichen Gründen verboten oder genehmigungspflichtig gemacht ist. Wo eine solche Genehmigungspilicht eingeführt ist,'liegt die Entscheidung über den Antrag über Ertellung der Genehmigung bei der für die Durchführung der Verordming zuständigen Polizeibehörde. 2. Zur Anwendung können ferner kommen die Borschriften des öifentlichen Vcrfanimlüngsrechts, wenn sich bei Anwesenheit der Lautsprecherwagen über die üblichen Zuhörer hinaus Menschen- ansammlungen bilden, die ihrer Art und Statur nach als Bcrsamm- lung anzusehen sind. Ist die Menschenansammlung um einen Lautsprecherwagen als Versammlung zu betrachten, so finden die Vorschriften der Anordnung vom?>l. Oktober 1931 über das Verbot oon Versammlungen oder Umzügen unter freiem Himmel An- Wendung. 3. Die Vorschriften des K i der Verordnung des Reichspräsi- dentsn zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1931 können im Einzelfall zur'Anwendung kommen, wenn es sich bei dem Laufsprecherwagen um einen Lastkraftwagen handelt, auf dem eine Lautsprecheranlage aufmontiert und der außerdem mit Jahr, und Bedienungspersonal mit mehreren Personen besetzt ist, oder wenn der Lautsprecherwagen vom Lastkraftwagen mit mehreren Insassen begleitet wird. Wenn Anträge auf Genehmigung von Lautsprecherwagen-Pro- paganda gestellt werden, so ist zunächst zu prüfen— so heißt es in dem Erlaß weiter—, ob die bestehenden Bestimmungen die Er- teilung einer Genehmigung oder die Vornahme einer sonstigen Amtshandlung überhaupt erforderlich machen. Notfalls find die Antragsteller an die zuständige Polizeibehörde zu verweisen. Ge- setzlich nicht notwendige Amtshandlunge»(Genehmigungen, Bescheinigungen usw.) sind zu unterlassen. ____ 1 Zweckschwindel aufgedeckt. Amtliche Hstichtigsiellung einer Sensationsmeldung. In einem Artikel„Parteiwirtschaft� erhob die„Berliner Börsen- Zeitung" in ihrer Nummer 164 ein« Reihe schwerer Vorwürfe gegen den Landforstmeister Borggrcoe und die Preußische Forst- Verwaltung. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, bat der preußische Ministerpräsident aus Grund der Zweiten Notver- ordnunz der„Berliner Börsen-Zcitung" folgende Amtliche Eni- gegnung zur Verösfentlichung auferlegt: 1. Es ist unrichtig, daß Landfavstmeister Borggrcoe auf besonders hohe Einpfehlunge» in das Preußische Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten einberufen wurde. Richtig ist, daß er bereitä vor Kriegsbeginn durch den damaligen Ober- laiidforstmcifter von Freier für die Einbsrusung vorgesehen war. Da Borggrevc vom' August 1914 bis WeihNbchten 1918 oft Kriegs-• freiwilliger im Felde stand, konnte seine Einberufung erst nach skiner Rückkehr aus dem Kriege eriolgen. 2. Unrichtig ist, daß La ndforstmc ister Barggreve mit der Bc- sövdevimg- sinnes Bruders, der»och Aachen in das besetzte Gebiet versetzt wurde, etwas zu tun gehabt hat. 3. Zu den?liisfühningen über den Einschlag und Abtransport des EiilenftaKholzes im Regierungsbezirk Frankfurt a. d. O. in den Iahren 1924 bis 1926 wird folgendes richtiggestellt: Der Einschlag nnd Abtransport der Eulenftaßhölzer erforderte besondere Maßnahmen, da die Stoatssnrstvcrwaltung mit der ihr zur Verfügung stehenden Organisation diese ungeheuren Halzm engen in der gebotenen kurzen Zeit zu bewältigen, nicht in der Lage war. Es wurde daher ein Teil des Einlchlags einem Unternehmer— nicht etwa einem Holzhändler— übertragen, wodurch die Holz- aufarbeitung schnell und reibungslos durchgeführt worden konnte. Der Abtransport des Holzes konnte den Käufern nicht überlassen bleiben. Die Straßen hätten den Masscntraneport nicht aus- j geholten. Kalkulationen ergaben, daß die Anlage von Bahnlinien crsovderlich war. Die Reichsbahnverwaltung lehnte die Anlage ab. Di«'Anlage wurde daher einer Gesellschaft übertragen. An die Gesellschaft wurde später ein Betriebskastenzuschiiß gezahlt, um ihr die Durchführung der Absuhr zu ermöglichen. Dieser Zuschuß betrug nur einen geringen Bruchteil der Aufwendung, die erforderlich gewesen wäre, wenn der Fiskus den Betrieb in eigen« Regie übernommen hätte. Ein Verlust ist für den Forstsiskus nicht entständen. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags hat im Sommer 192b ein« Bereisung der E-ulcnsraßgebict« vargeiwnunen und die Maßnahmen der Regierung gebilligt. Erobert Preußen! Unsere nächsten Veranstaltungen: Mittwoch, den 13. April: 106. Abt.— lehannisthaL 191$ Uhr in der„Autoklause", Fried- richstr. 6, öffentliche Kundgebuna. 131. Abt.— Niederschönhausen. 191- Uhr im Schloß Schönhausen, öffentliche Versammlung Bergmann SeestraSe. 16 Uhr im Schrader-Haus, Liebenwalder Straße 36, Referat; Genosse Hermes. Betriebsfremde haben keinen Zutritt. Spinntleff-Fabiik Zehlendorf, ZeiB-lkon Filmwerk, Sendlinger Optische Werke, Gustav Lohse, Goedicke, Situmuls, Teltower Kunststein-Werke, Deutsche Asbest-Werke, Bio-Malz- Patermann. 1616 Uhr im„Weißen Schwan", Teltow, Ruhls- dorfer Platz,„Die Gewerkschaften im Abwehrkampf gegen den Faschismus". Lufthansa, Dapag, Spandauer AFU-Arbeiter. 161$ Uhr im Lokal Richter, Staaken, Spandauer Straße 112. Orenstein& Koppel. 1616 Uhr im Lokal„Alpenfranz",„Eiserne- Front-Kundgebung". Referent: Emil Barth. Referenten: Luise Kahler, MdL., David Steuer, Hermann Harnisch, MdL., Karl Weiner, MdL., Georg Klaussncr, MdL Donnersiag, den 14. April: 1. Kreis— Mitte. 1916 Uhr im„Hackeschen Hof", Rosenthaler Straße 40-41.„Eiserne-Front-Veranstallung". S. Kreis— Wedding. 191- Uhr in den Pharus-Sälen, Müllerstraße.142, öffentliche Kundgebung. T.Kreis— Charlottenburg. 191$ Uhr, öffentliche Versammlung in de; Nürnberger Str. 63. 17. Kreis— Lichtenberg. 191- Uhr, öffentliche Kundgebung in der Schulaula Lichtenberg, Schlicht-Allee. 1S9a. Abt.— Tegel, Freie Scholle. 20 Uhr, Frauenwerbever- anstaitung im Schollenkrug, Hermsdorfer Straße. Mitwirkung der„Roten Rebellen". Referentin; Frieda Licht vom ZdA. Tungwähler-Kundgebung für die Bezirke Prenzlauer Berg, Pankow und WeiOensee. 1916 Uhr im Gartensaal des Saalbaues Friedrichshain, Am Friedrichshain,„Die lugend im Preußerkampf". Redner: Dr. Ernst Fraenkel. Kaufhäuser des Zentrums. Kundgebung der Angestellten und Arbeiter. 191- Uhr in den Arminsälen,, Kommandantenstraße 58-59. Politisches Kabarett„Die Roten Funker". Referent; Siegfried Aufhäuser, MdR. Aktiengesellschaft für medizinische Produkte, Sauerstofffabrik Tegeler Straße, Schering• Kahlbaum, Gummiwarenfabrik Schwarz, Batterie- und Elemente-Fabrik Schmidt, Standart Lack-Werke, Berliner Tapeten-Fabrik:„Eiserne-Front-Ver- anstaltung". 161$ Uhr im Gesellschaftshaus Triftstr. 63,„Die Gewerkschaften im Abwehrkampf gegen den Faschismus". Staat). Porzellan-Manufaktur, Vereinigte ehem. Werke Charlottenburg, Kali-Chemi-Werke Charlottenburg, Clangor: „Eiserne-Front-Veranstaltung". 161- Uhr im Tiergartenhof, Berline. Straße am Bahnhot Tiergarten,„Die Gewerkschaften im Abwehrkampf gegen den Faschismus" Schwartzkopf.„Eiserne-Front-Veranstallung", 16 Uhr bei Leuschner, Ackerstr. 110 Bezirksamt Wedding. 16 Uhr in den Pharussälen, Müllerstr. 142. BVG. 1916 Uhr, Eiserne-Front-Veranstaltung, im großen Saal der Kammersäle, Teltower Str. 1-4. Autofabag. 161- Uhr im Lokal„Zum alten Kammergericht", Lindenstraße 11-12. Betriebskundgebung. Referent: Emil Barth. Afü-Arbclter vom Prenzlauer Berg. 19 Uhr im Altersheim, Danziger Straße 62,„Eiserne-Front-Kundgebung". Referent; Max Hoydemann. Referenten: Robert Breuer, Hermann Harnisch, MdL., Dr. Richard Lohmann, MdL., Siegfried Aufhäuser, MdR., Karl Hanebuth, Max Fechner, MdL., Otto Ortmann, Franz Künstler, MdR., Dr. Richart Mischler, Albert Grzesinski, MdL. Freitag, den 1 S. Aprii: 2. Kreis— Tiergarten. 1916 Uhr, öffentliche Kundgebung im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. 5. Kreis— Wadding. Zwei Kundgebungen im kleinen und großen Saal der Atlantiksäle, Behmstraße am Bahnhof Gesundbrunnen. Steglitz. 191$ Uhr im Gymnasium Steglitz, Heesestraße. 14. Kreis— Neukölln. 191- Uhr im großen Saal der„Neuen Welt" Baumschulen wog.„Eiserne-Front-Veranstaltung", 1916 Uhr im Lyzeum Baumschulenstraße. 109. Abt.— Friedrichshagen. Oeffenlliche Kundgebung im großen Saal des„Geselischaftshauses", Friedrichstraße 137. 111. Abt.— Bohnsdorf. 20 Uhr bei Madry,„Vier lahreszeiten", öffentliche Kundgebung lungwähler-Kundgebung für die Bezirke Wedding, Reinickendorf. 1916 Uhr in der Hochschulbrauerei See- Ecke Amrumer Straße,„Die lugend im Preußenkampf". Referent: Erich Schmidt. Heilstätte Harzberge. 20 Uhr bei Otto, Harzbergstr. 78. Gaswerk Lichtenberg, Kraftwerk Klingenberg. 16 Uhr im„Flußbad Lichtenberg". Versorgungsbehörden. 191- Uhr in den Germania-Sälen, kleiner Saal, Chausseestr. 110. Fuhrhöfe t bis 4, Hauptwerkstatt und Stadtfuhrpark. 19 Uhr im Lokal Stock, Warschauer Platz, Bogen 12. Referent: Emil Barth. Siemens-Plania-Werke in Lichtenberg. 1616 Uhr, Hammerschaftsversammlung im Lokal Schünemann, Möllendorfstraße 54-55. Referent: Max Heydemann. Städtische Arbeiter Bezirksamt Wilmersdorf. 20 Uhr bei Kulka, Lauenburger Straße 21, Ecke Uhlandstraße.„Eiserne-Front- Veranstaltung". Referent: Max Fechner, MdL. Referenten; Otto Meier, MdL., Marie Kunert, MdR., Erich Raddatz, MdL., lockel Meier, Karl Wermuth, Kurt Löwenstein, MdR., Johannes Stelling, MdR., Ernst Brandenburg-Magdeburg, MdL., Ernst Hildebrandt, Max Brinitzer, Georg Mader- holz, MdL., Paul Mielitz. Sonnabend, den 16. April: T.Kreis— Charlottenburg. 2316 Uhr, Nachtvorstellung im „Tauentzienpalasf", Tauentzien- Ecks Nürnberger Str. Vorführung der Filme„Kameradschaft" und„Kiekebusch erobert Preußen". Ansprache. 8. Kreis— Spandau. 1911 Uhr, öffentliche Kundgebung in Cladow, Cladower Hof(Roske). 85. und 86. Abt.— Tempelhof-Mariendorf. 191- Uhr, öffentliche Kundgebung im„Birkenwäldchen", Tempelhof 108a. Abt.— Cöpenick. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung im Lokal Pirsthel in Cöpenick-Nord. IIS. Abt.— Schmöckwitz. 191- Uhr im Lokal„Zur Palme", öffentliche Kundgebung. 151. Abu Bezirfc Kleingärten Berlin(Blankenfelde-Rosenthal- Nordend). 20 Uhr, öffentliche Kundgebung in der„Sportklause", Referent: Genosse Reinhold. lungwählerkundgebunq für die Bezirke Kreuzberg, Charlottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Zehlendorf, Schöneberg. Steglitz. 1916 Uhr im„Piccadilly", Schöneberg, Ebersstr. 80 „Die lugend im Preußenkampf". Redner: Ludwig Diederich. Es wirken mit„Rote Rebellen", Gymnastikgruppe der Arbeitersportler Schöneberg. Referenten; Georg Maderholz, MdL., Erich Raddatz, MdL, Karl Hetzschold, Kurt Löwenstein, MdR., Dr. Richart Mischler. Sonntag, den 17. April: 8. Kreis— Spandau. 16 Uhr, öffentliche Kundgebung in Gatow bei Walter Krause. 107. Abu— Alt-Glienicke-Falkenberg. 15 Uhr, Kundgebung der „Eisernen Front" im Deutschen Haus, Alt-Glienicke, Grünaue' Straße. 152. Abu— Blankenburg. 181- Uhr, öffentliche Versammlung bei Klug, Dorfstraße. Referenten: Georg Maderholz, MdL., Max Heydemann, Karl Litke, MdR. nüSiiiiiiru.Frauen! Erscheintin issen! Aus der Partei. Der Parleilag der lelfischen Soffaldcmoftafic hatte 380 Delegierte. Die Partei zählte am Jahresschluß 234 Sektionen lim Vor- jähre 210) mit 11095 Mitgliedern(10 653). JDcr Verband der Jugendlichen, die„Darba Iaunottre", hat 62«ektionen mit 2012 Mitgliedern, gegen das Vorjahr eine Steigerung um 2l Sektione-! und S08 Mitglieder. 33(22) Proz. der Parteimitgliedschaft sind Frauen. Die Partei besitzt 13 Zeitungen und Zeitschristen. Zur Po- litik der Partei vertrat der Porteivorsigende M e n d e r s den Stand. piinkr, daß jetzt van einer Beteiligung an der Regierung keine Rede sein könne, was aber der Korreserent Zeetens bestritt. Der Partei tag erklärte schließlich, daß im Kampf für die Gegenwartsfarderun- gen der Arbeiterklasse und des arbeitenden Volkes die Partei nur in Ausnahmefällen sich an einer Regierung mit nichtsozialistischen Par- ieien beteiligen könnte, auch nur dann, wenn die Partei in einer solchen Regierung über eine sichere Mehrheit verfügte nnd weim die Durchsübrung ihrer Forderungen durch die Regierungsplattsorm sichergestellt werde. Der Bericht über den DZiener Songreh der SA3. ist jetzt er schienen. Es ist ein Band von 896 Seiten, der nicht nur die Ver- Handlungen des Kongresses wiedergibt, sondern auch eine Darstellung des ganzen Seins und Arbeitens der Soffalistischen Arbeiterinter- nationale bringt und durch I. H. W. Dietz Nachs., Berlin, zu be- ziehen ist. Preis broschiert 12 Mark, in Halbleinwand 14 Mark. (Gcwerlschaftlichcs siehe'2. Berlage.) Verantwortlich für Polttik: Victor Schiff; Wirtschuft:<&. Aliugelhöfee. Gcwertschaftsbewegunq: A. Steiner: Feuilleton: Dr. John Gchikowski; Lokalem nnd Lonstigcs: Frig Karstadt; Anzeigen: Th. Slo�e: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwarts.Perlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Duchdrucker?: und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstrotz? 3. Hierzu 2 Beilagen. 0- WERTHEIM Seefische Ostseedorsch 3 pfuad 0.25 KabeljaU ohne Kopf, Pfund 0.12 Rotzungen..... Pfund 0.20 Schellfische.... Pfund 0.28 Grüne Heringe 3 pfd 0.28 Zander gefroren...Pfund 0.36 Zander fnsth..... Pfund 0.45 Frische Bleie fO Pfund■ MB Leb. Plötzen Pfund Leb. Schleie /[R Pf uu d hlw Leb. Karpfen Leb. Hechte CQ Pf uu d BW Pf. Pf. Pf. Pf. Pf. Räucherwaren Bücklinge u Sprotten 0.24 Flundern u. Seelachs 0.32 Räucherladisi stuck, ptd 1.20 Spickaale..Pfund von an 1.50 Matjesheringe 3 stüA 0.25 Oelsardinen SdüscdvmO.SS Fettheringe 2dos 0.73 TTtsrll- Ctrl kU»Ua,«ps. Hering in Geiec. W IS�vEl i aäriOllUCn Bismarckherin�e. Kmn«ard Bismarckheringe, Kronsardinen, V, Dose 33 Pf,, Vi Dose 5i pi. Ar. 172* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 13. April 1932 Bern und die Arheitsbeschanng. Tigiieh i Million mark für woMakrtszuncko. Im Osten wie im Westen Deutschlands wirkt sich Sie Wirtschaftskrise katastrophal aus. aber auch im Herzen Deutsch- l a n d s ist es nicht besser. Wenn wir uns Berlin mit seinen 4H Millionen Einwohnern betrachten, von denen rund 600 000 arbeitslos und jeden Tag auf der Suche nach Arbeit sind, bekommen wir «in erschütterndes Bild von dem Umfang und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Die Berliner Industrie gehört mit zu den bedeutendsten in Deutschland. Denken mir an die Glühlampenindustrie und ihre technische Entwicklung. 1018 stellte ein Arbeiter pro Tag 10 Glühlampen her; heute beaussichligt er eine Waschine, die in zwölf Stunden 37000 Lampen herstellt. Wo sollen da noch auf die Dauer bei ISstündiger Arbeitszeit die Arbeiter bleiben? Dabei ist der Berliner einer der fleißigsten Menschen der deutschen Bevölkerung. Der Ausdruck Tempol Tempo! ist in Berlin und ganz besonders bei der Arbeiterschaft zum ständigen Begleiter geworden. In der Nachkriegszeit hat sich trog des vielen Schimpfens auf Berlin doch alles in die Hauptstadt Deutschlands geflüchtet. Die Industrie und der Handel des Westens, ja selbst des Südens Deutschlands haben hier Vertretungen errichtet. Nur wenige Ee- werkjchaftszentralen haben es bei Errichtung von Vertretungen be- lassen. Damit sind auch neu« Arbeitskräfte angesogen worden. Nicht nur aus dem Osten Deutschlands, sondern auch aus dem Westen und Süden. Die Bevölkerungszunahme trotz Geburtenstill- stand» rsfp.-rückgangs betrug bis zum Jahr« 1030 bis zu 80 000. Erst in den Jahren 1930 und 1931 ist eine kleine rückläufige Berne- gung eingetreten. Diese Bevölkerungszunahme hat das Elend noch vergrößert. 153990 Wohnungen fehlen' Die Wohnungsbedürfnisse konnten nicht befriedigt werden. Die Hälfte der für diese Zwecke eingezogenen Hauszins» steuern floß in den Ausgleichsfonds. Nicht weniger als rund 113 000 Haushaltungen haben keine eigene Woh- u u n g und weitere 40 000 leben in unzureichenden Kellerwohnungen, so daß man mit rund 1S3 000 fehlenden Wohnungen rechnen muß. Wenn trotzdem viele Wohnungen leer stehen, so ist das ein Zeichen des Niedergangs. Die nach Berlin zuziehenden Arbeiter bevölkern die Laubengelände. Müßig, die Wirkungen dieser Zu- stände auf Sitte und Anstand zu schildern. Die außerordentlich stark propagierten Randsiedlungen haben nichts an der Wohnungsnot noch an der Arbeitsmarktlage geändert. Auch der moralische Erfolg ist ausgeblieben. Der Wohnungsbau ist aber eine Heroorragende Maßnahme zur Beeinflussung des Arbeitsmarktes. Nicht unwichtig zur Beurteilung der Loge ist die Aus» Wirkung der Arbeitslosigkeit. Folgende Clendszahlen wollen beachtet werden: Von etwa 600 000 Berliner Ar- beitslosen erhalten 138 000 mit 77 000 Zuschlageempfängern Arbeitslosenunterstützung und rund 143 500 mit 106 000 Zuschlags- empfängern Krisenunterstützung. Insgesamt gibt es Aö 000 Haupt- v erstützungsempfänger finit 183000 Zuschlagsempfängern: Rund ? 72 000 Erwerbslosen' Zvohlfahrtsewpsänger mit 185 000 Zu- schkagsempsängern sind vorhanden. Täglich eine Million für Wohlfahrtszwecke. Im Jahre 1931 hat die Stadt Berlin 365 Millionen für Wohlfahrtszwecke, also 1 Million pro Tag, ausgegeben. Auch nur drei Viertel dieser Summe für produktive Arbeiten aus- zugeben wäre eine gute Arbeitsbeschaffung. Die Finanzlage der Stadt bringt aber auch im lausenden Jahr eine weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage. Das beweist folgendes: Man hat Berlin von vielen Seiten große Vorwürfe ge- macht, daß es auf mqnchsn Gebieten ein« zu großzügige Politik getrieben hat: beispielsweise auf dem Gebiet des Verkehrswesens. Sehr mit Unrecht. Wer bis zum Jahre 1920 nach Berlin kam, der konnte auf dem Gebiet des Verkehrswesen» etwas erleben. Der Bau der Untergrundbahnen auch in die Wohnviertel der arbeitenden Bevölkerung war bei dem gesteigerten Straßenverkehr eine Notwendigkeit. Die Pläne um die Erweiterung der Untergrundbahn gehen noch weiter. Bei einer Finanzierungs- Möglichkeit könnte hier für Arbeitsmöglichkeit vieles geschehen. Wie steht es mit anderen öffentlichen Arbeits- befchaffungsmöglichkeiten? Beim Hochbau hat die Stadt im Jahre 1929 noch 53 Millionen etatmäßig verausgabt. Im Jahre 1931 ist dieser Etatposten auf 12 bzw. 10 Millionen gesenkt worden. Im Tiefbau liegen die Dinge ähnlich. Von 50 Mll- lionen im Jahre 1929 auf 21 Millionen im Jahre 1931, so daß ins- gesamt von 103 Millionen nur etwa 30 Millionen übrigbleiben. Wenn das auf Jahre hinaus so weiter gehen sollte, würde mit diesen Summen der Verfall der Bauten nicht aufgehalten werden, ge- schweig« denn neue Arbeiten in Angriff genommen werden können. Für 299 Millionen Mark Arbeiten sind da? Aehnlich liegt es bei den Berliner Städtischen Werken. Schon allein die G a s w e r t e wären in der Lage, für etwa 10 bis 15 Millionen jährlich neue Arbeiten zu vergeben. Wären noch die etatmäßigen Mittel von 1929 vorhanden, so könnten allein bei den Kämmereibetrieben 100 Millionen für Arbeits- b e s ch a f f u n g ausgegeben werden. Die städtischen Gesellschaften könnten gleichfalls für 100 Millionen Arbeiten vergeben. Das wären etwa 20o Millionen Mark, die die Lag« des Arbeitsmarktes! wesentlich beeinflussen würden. Leider ist es nicht möglich, eine genaue Statistik über B e- triebsstillegungen zu erhalten. Aber im letzten halben Jahr sind nicht weniger als 43 Betriebe gänzlich und 16 7 B e- triebe teilweis« stillgelegt worden, in denen rund 100 000 Menschen beschäftigt wurden. Am meisten sind hiervon die Betriebe der Metallindustrie betroffen. Erinnern wir uns an die Firma L o r j i g, jowie an die jlillgelegten Betriebe Schwarzkopf-Maffsi in Wildau, an die Stillegung der G e n e r a l- M o t o r s G. m b. H. und nicht zuletzt auch an die Zusammenlegung der Banken. Trotzdem die polnischen Wanderarbeiter in der Landwirtjchast ausgeschaltet werden, haben wir große Arbeitslosigkeit in der Land- und Forstwirtschaft. Die siedlungsfähigen preußischen Ostprovinzcn Brandenburg, Pommern, Grenzmark und O st- n r e u ß e n leiden unter dem starken Rückfluß der Industriearbeiter: sie sind nicht mehr in der Lage, größere Massen auszunehmen. Unter diesen Umständen mutz die Regierung neben einem großzügigen Arbeitsbcschaffungsprogramm die Arbeitszeitverkürzung durchführen. Man darf hoffen, daß das Reparationsproblem schnellstens geklärt und die Vertrauenskrise beseitigt wird. Aber wir müssen verlangen, daß die Regierung sich nicht darauf allein verläßt. Die angedeutete technische Entwicklung bedingt eine Ver- kürzung der Arbeitszeit, weil die Industrie nicht mehr in der Lage ist, bei dem heutigen Produktionsapparat und bei 48stündlger bzw. noch längerer Arbeitszeit dem ganzen Volke Arbeit zu geben. Wcnn es in Berlin trotz der großen Bemühungen der Nationalsozialisten und Kommunisten, Unruhe zu stiften, nicht zu Unruhen gekommen ist, dann liegt das an der rühmenswerten ge- werkschaftlichen Disziplin der Arbeitslosen. Die Regierung sollte aber auch in der Arbeitslosen-Versicherung und deren Organisation in Berlin den Bogen nicht zu überspannen. Gang durch die Noi Cxegenseiiige Hilfe im Kleinen. „Was machen alle die Menschen hier?, fragt mich' erstaunt mein Begleiter, ein ausländischer Staatsangestellter, als wir das große Haus des Bezirksamts Wedding betreten. Unaufhör- lich gleiten die Ströme der Kommenden und Gehenden aneinander vorbei. Vor dem Paternosterfahrstuhl stehen sie Schlange. Wer zu wenig Geduld oder zu viel Angst hat, klettert die Treppen hinauf. In den Gängen und Warteräumen ein Gewimmel von Männern und Frauen. Manche haben ihre Kinder mitgebracht, denn zu Hause ist ni«!.nand, der auf sie aufpassen könnte. In den Amtszimmern werden Auskünfte eingeholt, Anträge gestellt, Verhandlungen ge- führt. Zuweilen wird man Zeuge eines zornigen Redestroms. Mit unendlicher Geduld versuchen die Beamten die Erregung zu dämpfen. Alle diese Menschen sind in Not. Früher waren es vereinzelte, heute sind es Massen. Die abgetragene Kleidung zeugt davon, die Gesichter sprechen darüber. Gequält und gehetzt wird die Sprache. Das ewige Einerlei der Wartenden. Wir besuchen ein anderes Gebäude, in dem die Wohl- fahrtsempfänger betreut werden Es ist eines der vielen Asmtcr der gleichen Art, die über die ganze Stadt.verstreut sind. Ein großes Jndustriegebaude: ein Hos hinter dem andern. Nur aus wenigen der vielen gabriksäle dringt noch der Lärm der Arbeit. Ohne Pause ist auch hier die Not auf ihrer Wanderung nach Hilfe. Wo früher die Motoren summten, Drehbänke oder Hobelmaschinen dos Lied der Arbeit sangen, sind jetzt Büroräume eingerichtet worden. Aus der vorübergehenden Maßnahme ist längst ein« Dauereinrichtung geworden. In den W a r t e r ä u m e n sitzen und stehen Tausende von jungen und alten Leuten, Gebrechliche kommen an, Krüppel, kränkliche Frauen. Die Wartezeit ist lang, denn der Andrang ist zu groß. An Hunderten von Tischen sitzen Angestellte. neben sich die Leute, die Anträge auf Unterstützung, aus eine Sonderzuweisung stellen oder irgendwelche anderen Angelegenheiten regeln wollen. Bürokratische Schroffheit ist hier nicht am Platze. Die Paragraphen der Gesetze und Verordnungen müssen durch ver- ständnisvolles Eingehen auf den Einzelfall vermenschlicht werden. Wer wird einmal das hohe Lied von den„Bonzen" singen, die in dieser schweren Zeit, bei sehr niedrigem Einkommen, die gemeindlich« Wohlfahrt so ausführen, daß sie nicht zur Plage wird? Bon der Masse zu den Einzelnen. Ein Wohnung, be- stehend aus einem Zimmer von stipa 3X4 Meter. Im Hofe einer Mietskaserne, selbst um die Mittagsstunde noch dunkel und trübe. Mann, Frau und Sohn hausen hier, alle drei ohne Arbeit. Der Vater ist Unfallrentner, er wird wohl niemals mehr eine Beschäftigimg finden. Mehr als den vierten Teil der Unter- stützqng oerschlingt die Miete. Aber bei astedem ist das Schlimmste noch nicht der Mangel an Nahrung, an Kleidung, die Dürftigkeit des Wohnen». Es ist die Dauer der Arbeitslosigkeit, die am härtesten auf den Arbeitern lastet. Wen man auch spricht, es ist immer der Ruf nach Arbeit, der aus jedem Wort schreit. Die Unterstützung und die Wohlfahrt können niemals die Arbeit ersetzen. Das war auch eine von den Erwägungen, die zur Schaffung von Gemeinschafts- küchen der Erwerbslosen führten. Wir-besuchten eine dieser Einrichtungen in der Uferstraße, nicht weit von der Kösliner Straße, die zu den ärmsten Gegenden der Reichshaupt st adt gehört. Es ist nicht allein, daß in diesen Gemeinschaftsküchen die Erwerbslosen ihre Unterstützungen zu- sammenlegen, um durch Einkauf im Großen befondero Vorteil« zu erzielen. Das Wesentliche ist der Gedanke der Solidarität, der hier lebendig wird: In der gegenseitigen Hilfe und vor allem in der Zusammenarbeit. Es stehen keine großen Kapitalien zur Ver- fügung und deshalb sind die Räume ziemlich beschränkt. Aber trotz- | dem konnten darin auch einige klein« Werkstätten unter- gebracht werden, in denen die Erwerbslosen ihre Kleidung und ihr Hausgerät in Ordnung bringen. Wenn auch diese Art der Beschäftigung nicht den vollen Ersatz für die berufliche Arbeit bieten kann, so scheint sie uns doch cincs der besten Wittel zur Ueberwiudung der durch längere Arbeitslosig- keit hervorgerufenen niedyrdrückenden Stimmungen zu fein. Die Leiter der Gemeinschaftsküchen begnügen sich nicht damit, die leid-' lichen Bedürfnisse der Erwerbslosen zu befriedigen. Hier wird ihnen auch geistige Anregung geboten; sie hören Einzel vor» träge und sogar ganze Kurse, finden also Gelegenheit zu weiterer Fortbildung. Leider hat diese neuartige Einrichtung in Berlin noch nicht die allgemeine Förderung gefunden, die sie durch- aus oerdient. Gewiß soll es Grundsatz bleiben, daß die Erwerbs- losen diese ihre eigene Angelegenheit selbst regeln. Es darf keine kost- spielige Verwaltung geben, bei der Ausrüstung und im Beirieb wird man sich mit dem Notwendigsten behelfe» müssen. Bei alledem reichen aber doch die Mittel der Erwerbslosen für die ersten An- fchaffungen von Kochkesseln, von Einrichtungsgegenständen und Werkzeugen nicht aus. Hier muß die werktätige Hilfe derer einspringen, die noch über ein gesichertes Einkommen verfügen. An die Arbeiterorganisationen wird man in dieser Zeit keine Anforde- rungen für solche Zwecke mehr stellen können. Aber die Einzelnen, so sehr sie auch bisher schon ihre sozialen Verpflichtungen erfüllt hahpn mögen, werden doch bedenken müssen, daß ihre Opferbereit- schast an denen nicht vorbeigehen darf, die seit Jahren aus der Arbeit geworfen sind und die nicht wissen, ob sie jemals wieder zum Nutzen des Ganzen werden tätig sein können. Ein Gang durch die Not beweist immer wieder, wie unendlich schwer unendlich viele Menschen leiden müssen. Slber zugleich zeigt sich, wie doch auch das Elend zu gemeinsamem Handeln führen kann. Aber diese Solidarität wird nur ein Behelfsmittel bleiben können. Es muß endlich Arbeit für die feiernden Millionen geschaffen werden! Wtonfan J&££&e£lmna0 jdcmäß&t nach! UJer bezahlt die Zugaben? Zuerst natürlich der Fabrikant und dann- der Raucher! Wer sonst? IDttrum hat nun die gute, seit 37 Jahren in der Gunst der Raucher stehende die kein ort ei Gutscheine, U/erim�rken oder Stickereien bringt, in Rmcherkr eisen sich trotzdem ihre Beliebtheit erhalten? Weil sie volles Format und vollen Tabahmerf gibt. Im Kampf um di Geheimrat Justi hält Wackers Wenn man onn Gogh zum Leben zurürtrufen könnte, ihn noch Moabit bringen und fragen wollte, ob die Wackcrschcn Bilder von i h m herrühren, es erginge ihm vielleicht so wie Max Lieber- m a n n. Eines Tages kani zu ihm einer feiner Verehrer mit einem Bilde, das fein Signum trug. Der Mann wollte wissen, ob das Bild echt sei. Max Liebermann zuckte mit den Achseln: Gehen Sie zum Graphologen: ist mein Signum echt, so ist dos Bild von mir. Van Gogh, Jahre hindurch von einer heimtückischen Geistes- kronkheit verfolgt, von innerer Unruhe unstet von Ort zu Ort ge- jagt, immer wieder auf der Suche nach neuer Maltcchnik, und schließlich� in der Irrenanstalt als letztes Asyl, noch in der Geistes- kronkheit ideale Kunstwerke schaffend, war er zu Lebzeiten von nie- mand geachtet und anerkannt! seine Bilder wurden erst nach seinem Tode„große Mode". Es ist ei» Unfug, sagte Meicr-Graefe gestern im Gerichtssaal, für solche Bilder derartige Preise zu zahlen: 200 M., wie ich siir solch ein Bild gezahlt habe, das war es wert. Die Leute ober, die nicht wissen, wo das Geld lassen, schrauben die Preise hin- auf, und die Staatlichen Museen sind gezwungen, die Summen zu zahlen, wenn sie das eine oder andere Bild eines berühmten Malers für die Gesamtheit des Volkes erwerbe» wollen, Aus van Goghs Krankheit scheint aber die Verteidigung für den Angeklagten Wacker sozusagen Kapital schlagen zu wollen. Sie be- absichtigt den Nachweis zu führen, daß der Maler in kronkhaitem Zu- stände auch Sachen malen konnte, Wiederholungen früherer Themen, die derart schwach waren, daß sie jetzt für Fälschungen gehalten werden. Der Direktor der Nationalgalcrie, Gchcimrat Justi, fegte aber eine derartige Argumentation mit einer chandbcwegung fort. Ein genialer Maler bleibt sich selbst in krankhaftem Za- stände treu. Sämtliche wockerschcn van Goghs, erklärt er, sind ohne Aus- nähme gefälscht. Und an chand von Vergleichen an echten und gefälschten Bildern gleichen Sujets wies er an Einzelheiton nach, daß die Wackcrschcn ' Bilder unmöglich von der Palette des gleichen Malers sein können wie die echten van Goghs. Bildergalerie van Gogh Bilder für gefälscht Justi verharrte bei seinem Standpunkt trotz des entschiedenen Widerspruchs, auf den er bei so hervorragenden Kennern der van Goghs wie den 5zolländcr Bremmer und Scherjon stieß. Diese Männer, die fast 40 Jahre lang sich mit van Goghs beschäftigt, die wiederholt im Hause der Witwe des Bruders des verstorbenen Malers die Bilder studiert haben, lehnten Justis Betrachtungsweise ab. Die Mitte zwischen diesen entgegengesetzten Polen nahm Meicr-Graefe ein. Auch er kommt zu dem Ergebnis, daß alle Bilder gefälscht seien, Wohl ist er in bezug auf viele Bilder von Zweiscln erfüllt: aber nach alledem, was er an Wacker erlebt hat. ist der Verdacht in ihm so groß, daß er sich nicht mehr ent- schließen kann, auch nur eines der Bilder für echt zu erklären. Wohl, sagte er, habe er bei der Witwe von Theo van Gogh außer- ordentlich schwache Sachen des Malers gesehen, Sachen, die noch schwächer waren als die Wackerschen Bilder. Diese haben bestimmt viele van Goghsche Qualitäten, und der sie gemalt, ist ein origineller Künstler. Aber etwas ist in den Bildern, das ihn jetzt veranlaßt, sie als gefälscht zu bezeichnen!, es fehlt in ihnen„so ein Nerv". Sein Gutachten schloß Meicr-Graefe mit dem Satz: Irren ist menschlich. Der gerichtliche Sachverständige Rosenhagen, der über die van Goghschen Bilder so viele falsche Gutachten erstattet hat, erklärte, daß, soweit seine—„natürlich beschränkte"— Kenntnis van Goghs ausreiche, er einige von den Bildern für echt halte. Heute folgen die übrigen Sachverständigen. Verteidiger und Staatsanwalt hoben beantragt, auch den Maler Professor Eugen Spiro und von König als Sachverständige zu hören... MWUWMMpMeil! Noute, Mittwoch, 13. April, Uhr, im Saalbau Friedrichshain— Ansprachen: Gertrud Hanna, M. d. L., Helene Schmitz, H. d. L., Käthe Kern Pol. Kabarett: Das Kleeblatt— Musik und Gesang Ein neffer pg. VerHilst seinem Gesinnungsfreund zu Gefängnis. Wegen des seltenen Vergehens der Wahlfälschung hatte sich vor dem Schnellgericht beim Amtsgericht Mitte der 28jöhrige Angestellte Bremer zu verantworten. Die Bcgleitum- stände der Angelegenheit waren gleichfalls recht ungewöhnlich. Bremer, der der NSDAP, angehört, traf am letzten Sonnabend einen Parteigenossen namens Kaufmann, der ihm erzählte, daß er am Wahlsonntag nicht in Berlin sei, Kaufmann bat ihn aus diesem Grunde, für ihn den Wahlakt zu vollziehen. Bremer ging darauf ein, begab sich dann mit einer Legitimation Kaufmanns am Wahlsonntag in dessen zuständiges Wahllokal und wählte unter falschem Namen, Da der wirkliche Kauf- mann aber von der Kriminalpolizei gesucht wird, hatten sich Kri- minalbeamte in das Wahllokal begeben, um ihn von der Wahlurne weg festzunehmen, Ihr Erstaunen war nicht gering, als sich her- ausstellte, daß an Stell« von Kaufmann ein anderer erschienen war, um unter dessen Namen zu wählen, Uo kam die Wahlfälschung heraus und Bremer wurde verhaftet und ins Polizeipräsidium ge- bracht. Der Staatsanwalt beantragte gegen B, eine Gefängnis- strafe von 6 Monaten mit der Begründung, daß in diesem Falle das höchste Recht des Staatsbürgers mißbraucht worden fei. Bezeichnend fei ober auch, daß Kaufmann einen Par- teigcnossen vorgeschoben habe, um sich selbst der Festnahme zu ent- ziehen, und daß er sich nicht gescheut Hobe, einen anderen in eine Falle zu locken. Das Gericht verurteilte Bremer zu einer Ge- fängnisftrafe von drei Monaten, Sprechchor für proletarische Feierstunden. Donnerstag, den 14, April, 2l> Uhr, Uebungsstundc im Gesangssaal der Sophicnschule, Weinmcistcrstr, 16/17, dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. Sein höchster Traum war der, Bursche beim Kompanie- chef zu werde», aber der Posten war schon besetzt, was Bylin aufrichtig betrübte, weil er den Frontdienst und das ganze Kaserncnlcben verabscheute. Bei seiner Fixigkeit und seinen wirtschaftlichen Talenten wäre er in der Tat ein geradezu klassischer Bursche gewesen, der es verstanden hätte, seine Ge- schäfte glänzend zu besorgen, ohne damit den Zorn seines Vorgesetzten zu erregen, Bylin erläuterte seinen Landsleuten, daß man beim Militär nur als Bursche einigermaßen angenehm leben könne. Die Kameraden widersprachen: „Lieber sich in der Front abschinden, als 54indermädchcn spielen." „Da kommst du vielleicht zu so einem, der dir alle Stunde eins in die Fresse gibt. Sind die Stiefel einmal schlecht ge- putzt, gleich kriegst du einen Stiefel an den Kopf." Aber Bylin gab sich nicht geschlagen. Der Traum von dem„besseren" Leben verließ ihn nicht, und er sah ihn in einer besonders glücklichen Kombination vor sich: er mußte Bursche sein, und zwar aus jeden Fall bei einem anständigen, unverheirateten Offizier, das heißt also bei Tschaika. Von diesem Traum lebte er. Bylin kannte eine Menge Lieder und führte ausgezeichnet mit seinem hohen kräftigen Tenor, nur daß er sehr übertrieb, wie das in den ukrainischen Dörfern ja häufig gemacht wird. Die übrigen fielen mit ihren kräftigen, aber bis zur äußersten Grenze der Leistungsfähigkeit angestrengten Stimmen ein und sangen prachtvolle ukrainische Lieder voll Wärme und Innigkeit. In den Pausen zwischen den Liedern erzählt Bylin aus seinem Dorf: „Ja, hei uns wird schön gesungen! Die Mädels singen, Keuerwd in der Waschküche. Selbstmord einer lebensmüden. Die Feuerwehr wurde am Dienstag mittag noch der Dorf- straßc 9 in Mariendorf gerufen, wo auf dem Boden in der Waschküche ein Feuer ausgebrochen war. Die Tür zur'Wasch- küche mußte aufgebrochen werden und den Eintretenden bot sich ein entsetzlicher Anblick. Auf dem Boden lag eine völlig v c r- kohlte Frauenloichc. Die Tote wurde als die im gleichen Hause wohnende 43 Jahre alte Frau Marie Donath rekog- nosziert. Ob es sich um einen Unglücksfall oder um einen Selbstmord handelt, konnte bisher nicht mit völliger Sicherheit festgestellt werden. Man neigt aber zu der letzteren Auffassung, weil die Tür zur Waschküche sorgsam abgeschlossen war und Frau D. bereits vor anderthalb Jahren einen Selbstmordversuch unter- nommen hatte. Das Feuer konnte in kurzer Zeit gelöscht werden, Gemütliche Zauber. „Nichts für ungut, Meister, aber die Arbeitslosigkeit.. ' Die früheren Fürsorgezöglingc F„ S. und U, aus Berlin hatten sich zu zahlreichen Autodiebftählen verbunden, die sie im Westen Berlins und in der Potsdamer Umgebung ausführten. Mit den auf der Straße gestohlenen Wagen machten die Diebe ausgedehnte Spazierfahrten, um dann die Wagen herrenlos auf Chausseen stehen zu lassen, nachdem vorher die Gummireifen abmontiert waren. Eines'Abends kamen die jugendlichen Diebe im gestohlenen Auto bei einem Bäckermeister in Strausberg vorgefahren. Mit schwarzen Masken vor dem Gesicht betraten die drei das Geschäft des Meisters, hielten ihm den Revolver vor und erklärten:„Geld her oder wir als wäre es eine einzige! Und die Burschen genau so. Abends kommt alles zusammen und singt bis in die Nacht hinein. Solche Lieder wie bei uns gibts in der ganzen Welt nicht mehr." „Was du dir einbildest, Bylin., Solche Lieder wie bei euch singt man in der ganzen Ukraine. Aber er bildet sich ein, das gibts bloß bei ihm zu Hause." Unsere Kompanie hatte Bereitschaftsdienst, das heißt, wir hatten uns auf besondere Anforderung zur Verfügung zu halten. Gleich nach dem Appell kam aus der Schreibstube der Vefehl, ein Wachkommando in den Wald zu schicken: es galt die Bewachung der Leiche eines Schützen von unserem Regi- ment, der sich erhängt hatte. Der Wald war drei bis vier Werst vom Lager entfernt. Unter den paar Leuten, die unter dem Kommando eines Unteroffiziers ausgeschickt wurden, war auch ich. Als Wachlokal wählten wir uns ein Försterhäuschen, eine halbe Werst von der UnglückssteUc entfernt. Bis wir dort waren, war es vollständig dunkel geworden. Der Förster, der den Selbstmörder entdeckt hatte, führte den Wachhabenden und den Posten vor Gewehr zu dem Baum, an dem der Leichnam hing. Dort zündete» sie ein Feuer an und ließen den Posten vor Gewehr allein. Zurückgekehrt, erzählte der Förster, wie er beim Reviergang den Soldaten bemerkt hatte. Es war kein angenehmer Gedanke, nachts im Walde zwei Stunden lang nebe» einem Selbstmörder stehen und auf Ablösung warten zu müssen. Meinen Vorschlag, einen Doppelposten aufzustellen, lehnte der Untcroffizicr als regle- mentswidrig ab. Plötzlich hörten wir, rasch hintereinander, mehrere Schüsse. Der Wachhabende kommandierte:„An die Gewehre!" Wir ergriffen die Gewehre und folgten im Laufschritt dem Unteroffizier, der zu dem Posten vor Gewehr hinstürzte. Un- unterbrochene Alarmpfiffe gellten uns entgegen, Als wir keuchend anlangten, sahen wir, daß alles noch genau so war wie vor einer Stunde. Der Tote hing am Baum, schwer und langsam schau- kelnd, und hielt den Ast durch sein Gewicht nach unten ge- bogen. Das Lagerfeuer glomm trübe und rauchig und bc- leuchtete schwach die Bäume, den Toten und den Posten vor Gewehr. Rodin stand in abergläubischer Verehrung der Wach- Instruktion immer noch genau da, wo der.Wachhobende ihn hingestellt hotte, zwischen dem Feuer und dem Toten, Der Untcrofsizier beleuchtete mit seiner Taschenlampe das schießen!" Als eine Verwandt/: des Bäckermeisters laut um HtfffS schrie, liehen die Banditen von ihrem Plan, Geld zu rauben, ob, gingen auf den Bäckermeister zu, schüttelten ihm treuherzig die Hand und erklärten:„Nichts für ungut, Bleister, aber die Arbeits- lofigkcit hat uns dazu getrieben." In Potsdam verübten die Diebs dann mehrere Einbrüche und auch in Berlin. Das Potsdamer Schaffengericht verurteilte sie wegen fortgesetzten schweren Diebstahls, versuchten Raubes, und zwar F., der vielfach oorbestrait ist, zu vier Jahren Gefängnis, II. zu drei Jahren Gefängnis und S. zu einem Jahr Gefängnis. Strafaussetzung wurde abgelehnt. Die Waffen, unter anderem auch Gummiknüppel, wurden ein- gezogen.'_'.... Finsternis über Chile. �mmer noch Aschenregen/ SOOtXI Menschen auf der Fluchs. Argentinien scheint am Vorabend einer großen Kata» strophe zu stehen. Alle Meldungen deuten darauf hin; die lebten besagen, daß mindestens acht Vulkane in Tätigkeit sind und das, der gewaltige Aschenregen unvcr- mindert fortdauert und bereits Montevideo, Salta und Vahia Vlanca erreicht hat. Eine dichte Aschcnwolke lagert über Argentinien und die Sonne vermag diese Wolke nicht zu durchdringen. Tic Lavastromc der ver» schiedcnen Vulkane haben bereits große Strecken guten Ackerlandes vernichtet. Hilfszüge, die aus Mendoza ab- gingen, mußten infolge des Aschenregens wieder um- kehren. Tauscndc von Menschen sind infolge Einatmens der«chwefelgafe schwer erkrankt, Zchntauscnde sind auf der Flucht. Tie Regierung hat bereits Hilfskolonnen organisiert, die«auerstoffbehältcr mit sich führen. ES sind alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, um die 8V 000 Bewohner der Provinz Mendoza durch Eisenbahnzügc abzutransportieren. Santiago(Chllc), 1?. April, Infolge der ungeheuren Vulkanausbrüche in Südamerika geht ein ununterbrochener Aschenregen über Argentinien und Chile nieder. Am meisten leiden Stadt und Bezirk vtm M a la r gu e in der Provinz Mendoza. Die Erde hat sich dort auf weite Strecken hin gespalten. Die E r d r i s s e ziehen sich auch unter der Stadt hindurch, so daß ernste Gefahr für die Häuser besteht. Die Einwohner sollen aus der Srädt entfernt werden. 80 000 Menschen befinden sich auf der Flucht, Die südlichen Vorstädte von Santiago sind von dem Aschenregen vollkommen eingehüllt. Sämtliche Züge, die nach den, Süden fahren, sind mit Flüchtlingen überfüllt. Im Gebiet von T a l c a verspürte man während der Nacht drei weitere Erdstöße. Große Flammen schlagen aus den Kratern des Descabczada Grande und des Descabezado Chico hervor. Die Ein- wohner von Molina, Curico und San Fernando ver- lassen ihre Heimstätten. Auch San Vice nie, Rcngo und Rancagua werden geräumt. Der argentinische Astronom Hart- mann vom Laplata-Observatoriuni versichert, daß die Aschewolkcn innerhalb von 48 Stunden Europa erreichen könnten. In Argentinien bedeckt eine dichte Aschedecke die weite» Ebenen der Pampas und die Städte. Zunächst betrachteten die Einwohner von Buenos Aires das ihcrmcderfallcn der Asche mit Neugierde. Allmählich wurde jedoch der Aschenregen so dicht,, daß sie von Schrecken erfüllt wurden. Während des ganzen Tages herrscht fast völlige Dunkelheit in den Straßen. Auch die Decks der Schiffe sind von einer feinen Ascheschicht bedeckt, Zwei Jahre Gefängnis für Barclla. Die Strafkammer des Landgerichts I untex Vorsitz von Land. gerichtsrat Prof. Dr. Mannheim verurteilte den früheren Hof- büchsenmacher und gerichtlichen Sachverständigen Max Barclla wegen fortgesetzter Untreue und Unterschlagung sowie fortgesetzten Betruges zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren Gesang- n i s. Neun Monate wurden auf die Untersuchungshaft angercch- nct. Der Haftbefehl wurde aufrechterhalten. Barella hatte be- kanntlich als Kassenwart der Berliner Singakademie 305 000 Mark und als Schatzmeister des Vereins deutscher Jäger 8000 Mark ver- vntreut und das Bankhaus Delbrück. Schicklcr u, Co. um annähernd 105 000 Mark geschädigt, i m Gesicht des Postens. Die starr aus de» Untcroffizicr gcrich. teten Auge» verrictc» ein grenzenloses Entsetze», das Gesicht war blaß, fast bläulich, der Unterkiefer hing locker und die Zähne schlugen gegeneinander wie bei einem Hunde, der Fliegen fangen will. „Warum hast du geschossen? Bist du verrückt geworden, was? Kennst du deine" Instruktion nicht? In welchen Fällen hat der Posten vor Gewehr die Wache zu alarmieren? Rodin klebte die Zunge am Gaumen. Er brachte kein gescheites Wort heraus. Der Unteroffizier tat so, als lege er dem Vorgefallenen keinerlei Bedeutung bei und als sei die Feigheit Rodins an allem schuld. Er bestimmte inich zum Pastenstehen. Aber nach langem Hin- und Herredcn entschloß er sich endlich doch zur Ausstellung eines Doppelpostens. Bylin und ich blieben zurück. Wir hatten uns die Taschen- lampe ausgebetcn. Anfangs gab Bylin sich den Anschein größter Vergnügt- heit. Unter allerlei Redensarten beleuchtete er mit der Taschenlampe das Gesicht des Toten, ein junges Gesicht mit kaum wahrnehmbarem, weichem Flaum auf der Oberlippe. Es war vom Tode verzerrt. Der offene Mund und die schwarze heraushängende Zunge»ahnten ihm jede Achnlich- keit mit einem Mcnschcngcsicht. Es war ein furchtbarer Anblick. � Aber allmählich welkte Bylin hin, und seine Stimmung sank beträchtlich:„Sicher ein Rekrut. Hat's nicht ausgchalten. Schwaches Herz. Gehetzt habe» sie ihn. diese Teufelsbagagc, gehetzt bis in die Grube. Die Mutter sitzt jetzt zu Hause und lauert auf einen Brief. Die Landsleute schreiben: Unser Grizka ist nicht mehr da, hat sich im Walo an einen Baum ge- hängt. Na, da wird die Mutter weinen,.. So ein ver- rückter Hund, verrückter." Während Bylin mit dem Toten parlierte, sammelte ich Reisig und brachte das Feuer wiederum Gang Es flammte auf und tauchte in seinen rötlichen«chein die Bäume, den hängenden Soldaten, das Unterholz und das dunkelgrüne Gras zwischen den Bäumen. Wie freudlos und verschattet muß einem das Leben erscheinen, wenn man es mit zweiundzwanzig Jähren hin- werfen kann! Das Wochifeucr begann, niederzubrennen. Bylin schlummerte im Stehen. (Fortsetzung folgt.) Allgemeine FlugnianverbreUimg SM Sonnabend, dem 16. iwd Sonnlaü, flem 1 2. april von den bekannten Stellen/ alle fienossinnen, Genossen, arbcllersportler und arbeiterjugend beteiligen sidi Cr hatte das letzte Wort nicht. Neuaufrollung des Brandstistungsprozesses Strecker. Vor d«m Reichsgericht fand unter dem Vorsitz von Senatspräsident Witt die Reoisionsverhandlung des Prozesses gegen den Schriftsteller Karl Strecker wegen Brandstiftung statt. Strecker hotte bekanntlich im Sommer des vergangenen Jahres feine Villa in Klein- Machnow in Brand gesteckt und war vom Schwurgericht in Po-sdam wegen Bron-d- ftiftung zur Mindest strafe von l Jahr Zuchthaus ver- urteilt worden. Ms Revisionsgrund führten die Verteidiger des Angeklagten in der Revifionsverhandlung die Tatsache an, daß Strecker in der Verhandlung vor dem Potsdamer Gericht nach dem Plädoyer seiner Verteidiger ohnmächtig wurde und deshalb nicht das letzte Wort hatte, so daß eine Verletzung des§ 257 der Strafprozeßordnung vorlieg«. Trotz des Widerspruchs des Reichs- anwalts Feifenberger hob dos Reichsgericht das erstinstanzliche Urteil wegen der Nichterfüllung dieser Formalität auf und verwies die Sachs zur erneuten und abermaligen Verhandlung an das Schwur- gericht Potsdam zurück. Infolge des Umftandes, daß die Staatsanwalischajt Potsdam Strecker unter seiner angegebenen Adresse in Gormisch-Parten- lirchen nicht auffinden konnte, mußte die Ladung zur Leipziger Reichsgerichtsverhandlung durch öffentlichen Aushang zugestellt werden. Das hott« weiter die Annahme zur Folge, daß Strecker geflüchtet sei. Er hält sich aber zur Zeit in Auerbach an der Vcrostraßc auf und seine Adresse ist der Staaisamvaltschait bekannt. Immer neue Oevisenaffären. Dankkommissionäre und Dnefmarkenhändler verhaftet. Die Zollfahndungsstell« Bcrlin-Brandenburg beschäftigt sich schon wieder mit einer neuen Dcviscnafsärc, bei der es sich um den un- erlaubten Verkauf von ausländischen Effekten in Deutschland in 5iöhe von 150 000 M. handelt. Di« Beteiligten an vieser Affäre, zwei Berliner Bankkommifsionär« namens Katz und chirfchbcrg, wurden Ende voriger Woche von Beamten der Zollfohndungsstelle festgenommen: der Bernohmungsrichter hat jetzt gegen beide chaft- bcfchl wegen Verdunkelungsgefahr erlassen. In der Wohnung chirschbergs wurden 22000 M., außerdem bei verschiedenen Banken weitere M000 M. beschlagnahmt. Auf Antrag der Staatsanwalt- fchaft I werden dem Bernehmungsrichter noch zwei weitere Bank- lommifsionäre vorgeführt werden, gegen die ebenfalls der Staats- > nwolt Erlaß eines Haftbefehls beantragt hat. Die beiden Bank- l t-nmissionäre Raber und G e r st n c r sollen ausländische Effekten im Werte van 100 000 Mark veräußert und sich dadurch gegen die Dcniscnvcrordnungen vergangen haben. Eerstner soll aber bereits geflüchtet sein. ♦ Die Staatsanwaltschaft I hat gegen den Berliner Brief- in.-rkcnhändler Ernst Stock ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dem Händler, der übrigens auch sein B r i c s m a r l e n a l b u m im Werte von c i n c r M i l l i o n Mark ins Ausland gebracht haben soll, wird vorgeworfen, ohne Genehmigung der Devisenstelle :wei Wechsel über 87 000 M. und 100 000 Schweizer Franken ins 'Ausland gesandt zu haben. Ob eine strasborc Handlung des Brief- markcnhändlers vorliegt, wird zur Zeit noch geprüft. 68 proz. Verlust bei Gerson. lOie Glaubiger möchten die alte Firma am Leben erhallen. Im Lehrcrocreinshaus tagte die erste Gloubigeroersammlung der Firma Gcrson. Der große Saal war vollkommen gefüllt, es herrschte aber eine sehr ruhige Stimmung und die übergroße Mehr- zahl der Gläubiger war dafür, daß die Firma, mit der sie zum Teil jahrzehntelang gearbeitet hoben, erhalten wird. Es wurde ein Gläubigerausschuh von 13 Personen gewählt, der versuchen soll, in diesem Sinne zu wirken. Von dem Vertreter der Vcrtraucnsstclle für die deutsche Textilwirtschaft wurde hervorgehoben, daß es sich hier im Gegensatz zu manchen anderen Fällen der neuesten Zeit um einen Konkurs handle, bei dcm nichts passiert sei, was das Licht der Oeffentlichkcit zu scheuen Hobe, und daß die Inhaber der Firma die Opfer einer Entwicklung geworden seien, die sie nicht verschuldet hätten. Ob die Firma weitergeführt werden kann, wird von dem Verhalten der Gläubigerbanken— Berliner Handelsbank, Stadtbank und Dresdner Bank— abhängen, an die der Appell gerichtet wurde, so wie ihnen vom Reich geholfen worden ist, nun auch ihrerseits im Interesse der Ge- sundung der Wirtschaft die Weitersührung der Firma durch Eni- gcgenkommen zu ermöglichen. Interessant war noch die Feststellung, daß eine Sinzohl früherer Angestellter Teile ihres Gehalts bei der Firma haben flehen lassen, und zwar, wie ein Vertreter der Firma erklärte, nicht auf Wunsch der Firma, sondern aus eigenem Antrieb: eine Wcrksparkafsc im eigentlichen Sinne habe nie bestanden. Dem Gläubigcrausschuß wurde ober nahegelegt, diese Forderungen für bevorrechtigt zu erklären. Gelingt es nicht, die Firma weiterzuführen, so werden die Gläubiger mit einem Verlust von 68 Proz. zu rechnen haben, d. h. sie werden nur 32 Proz. ihrer Forderungen herausbekommen. Nazi gegen SAI. Als gestern abend gegen 22 Uhr eine Gruppe der Sozia- listischcn Arbeiterjugend die Turnhalle in der Wie- leffstrahc in Moabit verließ, wurde sie an der Ecke Bremer Straße von einer Nazihorde überfallen. Als die Nazis sahen, daß es sich bei unseren Genossen zum Teil um Jugend- lichc handelte, denen sie sich körperlich überlegen glaubten, gingen sie zum Angriff vor und bearbeiteten die jungen Menschen mit Koppeln und horten Gegenständen. Als sie aber merkten, daß sich unsere Gc- nassen kräftig zur Wehr setzten, gaben sie schrille Alarmsignale, und sofort stürzte«ine weitere Kolonne aus einem Verkehrslokal der Nationalsozialisten in der B r- d o w st r a h e. Jetzt meinten die Nazis, als ausgesprochene Uebermacht ihren Heldenmut betätigen zu können, sie wurden aber durch Polizei, die der Lärm alarmiert hatte, gehindert. Einige Schreckschüsse genügten, um die Horde ausein- anderzujogen. Drei der Täter konnten fistiert werden. Mehrer« unserer jungen Genoflen erlitten blutende Kopfverletzungen. Erfreulicherweise ist eine ernste Ver- letzung nicht zu verzeichnen. Wiener profesior erschoffen. Ohrenarzt Sr. Alexander das Opfer eines Attentats. Aus Wien wird gemeldet: Am Dienstagmittag wurde vor feinem Wohnhaus in der Aljen- flraße der weltbekannte Ohrenarzt Prof. Dr. Gustav Alcxan- der von einem Fremden, der aus ihn zutrat, durch drei Revolver- schüsse ins herz getötet. Professor Alexander stand im 53. Lebensjahre. Der Täter konnte sofort festgenommen werden. Es soll ein aus Skalka in der Tschechoslowakei zugereister 5l jähriger Schncidergchilse Soukop sein. Er behauptet in wirrer Rede, Professor Alexander habe ihn um sein Brot gebracht. Aus Universitätskreisen erinnert man daran, daß kurz vor dem Krieg bereits ein Attentat auf Professor Alexander, unter ganz ähn- lichen Umständen verübt worden war und zwar schoß einer seiner Patienten auf ihn. Professor Alexander Hot 300 wissenschaftliche Arbeiten, zumeist über das Labyrinth, sowohl vom anatomischen wie vom physiologi- schen Standpunkt geschrieben. sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Linsendungen für diese Rubrik nur on das �ugends-kretariat Berlin SV 63. Liubenstraße 2, vorn l Treppe rechts. Die Wauder-Auskuuftsstelle ist am Freitag, dem Zö. April, von 17—19 Ahr, im Jugendheim, SW., Lindcnstr. 4, vorn T. geöffnet. Frauen' Uhr Saalbau Friedrichshain. Werbebezirk Kreuzberg: Probe zur Maifeier um 19?� Ahr Arbanstr. 167. Alle gemeldeten Genossen müssen erscheinen. Werbebezirk Schöncberg: Filmmatinee am Sonntag, dem 17. April, 11 U l�hr, in den Alhambra. Lichtspielen. Hauptstr. 29. Programm„Kameradschaft-"(ein Grofttonfilm). Spre.chäior, Lieder. Trickfilm. Eintritt 50 Pf., Kinder 25 Pf. Genossen aller Bezirke und eingeladen. Werbebezirk Neukölln, Sprcchchor: Aeben pünktlich 19 Ahr Ganghofer- straße.__ Vorträge, Dereine und Versammlungen Zieickzsbanncr„Schwarz-Rol-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastionstr 37—38. Hot 2 Tr Wilmersdorf(Drtsverein). Kamerad Friedrich Steuer sen. ist ver. storben. Beisetzung Donnerstag, lt. April, 15% Ahr, auf dem Wil. mersdorier Waldfriedhof in Stahnsdorf. Alle dienstfreien Kameraden haben teilzunehmen.— Aintersportabteilung. Unser Klubabend findet nicht mehr Mittwochs, sondern Donnerstags statt. Donnerstag, lt. April, 20 Ahr, Versammlung und Vortrag im Klubheim im Stadion an der Avus. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Posen. Groß'Berlin, e. D. Die nächste Monatssitzung im April d. 3. fällt aus Dafür veranstaltet die Ka» thrciner G. m. b. H' am Donnerstag, dem lt. April, 20 HA Ahr. in der Kindl- Brauerei, Berlin. Neukölln. Hermannftr. 21-1—219. eine Kathreiner-Tafel— Kaffee und Gebäck— mit anschließendem Film-, Musik, und Gesangsvorführungen und geselligem Beisammensein. Vereinigung ehem. Kriegsgefangener, Berliv-Güden. Donnerstag, 14. April, 20 Ilhr. bei G. Krüger. Grimmstr. l. Freie Ratiauale Schülerschaft. Arbeitsgemeinschaft Gruppe Berlin-West. Don- nerstag, 1-1. April. 17 Uhr, im Jugendheim Svreeftr. 30, spri6)t Dr. Wilhelm Nowack über das Thema:„Kampf um Preußen". Freie Arbeit�r-Stenographenvereinignng Groß'Berlin. Reichskurzschriftkurfe für Fortgeschrittene. Norden I: Fugendheim Willdenowstr.»(nahe Bahnhof Weddmg). 150 bis 200 Silben Redeschrift jeden Freitag ab 19U Ahr.— Norden TT: Gemeindeschule Schul str. 99. 60 bis 100 Silben jeden Montag ab 191:, Uhr.— Nordosten: Gemeindeschule Senekelderstr. 6. 60 bis 100 Silben jeden Dienstag ob 20 Ahr.- Neukölln: Karl. Marr-Schule, Kaiser.Friedrich-' Straße 2 OK— 210. 50 bis 100 Silben jeden Dienstag, 140 bis 220 Silben Rede. ichrift jeden Donnerstag, 100 bis 140 Silben jeden Freitag ab 19U Ahr.,— Alle Mitglieder beieiligen sich am Wettschreiben am Sonntag, dem 17. April, 9 Ahr. in Neukölln, Karl-Marrs.Schule. Weitere Auskunst erteilt Otto Weng. lioefer, Vorsitzender, Velten in der Mark, Wilhclmstr. 10». Zu allen Kursen sind Gäste willkommen. I.onttkellov klnglisb ltebslinx ciub Bülowstr. 101: Heute abend S1� Uhr spricht Mr. W. W. Mann über das Thema;„Piisma House4,— an Advcnture in Spiritual Economics.__ Spori. Kennen zu Strausberg. Gouzrascn-Hiirdciircnncn: 1. Till Culcnspicgol(Bus6?kcl: 2. Äili; Lall, 11:10. Drei lieitti. Giclsborscr Jagdrennen: I. Rnrnna IWolssi: 2. Bergangcvhcit: 3. Eintracht. Tat«: 113:10. Platz: 10, 10:10. Ferner lief: T alpbin. Onast-fZlachrennen: 1. Priester(Hayne-n 2. Lcennua: 3. Castar. Toto: 10:10. Platz: 12, 11, 15:10. Ferner licscn: Altcnstcin, Surya, Petersilie, Auteuik, Wcltwanderer. Plnmenthal-Fagdrcnnen: I. starenkind lHauserp, 2. Trumpskönig: :!. Meerinödchen. Tota: 21:10. Platz: 17, 13:10. Ferner licicn: Eaeur d'Zllmee, Staraste. Eggersdarlcr Jagdrennen: 1. Zicsta(Müschen): 2. Frunddbcrg: 3. Lili- put. Taw: 31:10. Trei liefen. Willcndors-FIachrennen: 1. Lycomedctz IHayneH: 2. Pnm: 3. Martina. Tata: 18:10. Platz: 12. 20: W. Ferner liejeu: Impuls. Laster. Waldmciiter-Sludglcich: I. Irripopen lItorosla): 2. Patriarch: 3.!>as bek. Tota: 20:10. Platz: II, 15. 17:10, Ferner liefen: Tarnschild, Forna, Sternkarte. Osram, Blauer Papel, Zouucnstrahl, Sicgwart, Henvill. Toppclwette: Priester— Siesta 76:10'. Am II April verlchici>,4mch- kurzem Krantenlager durch.ir>er»ich!ag unter lieber Vater, Schwiegervater und Onlel Kurl Lutztin im 77. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen vcick» ZUIe»» geb. Butzin. Höchstestr. 4Ä. Die Einäscherung findet am Freitag, dem Ib. April. N Uhr. imKrematorium Baumschulenweg, Kiejvolzstraße, statt. M\m Metallarbeiter-VerliaDil Vcrwaltongtslcllc Berlin Todesanzeige Ten Mitgliedern»nr Nachricht, dotz unser Kollege, der Anschläger Rodert Stolzenburg am S. April an Krebs gestorben ist. Die Einäscherung findet am von- nerstag, dem 14- April, noch- mittags 2-. Ahr, un Krematorium Gcrichtstraßc statt Ghrc seinem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Die OrtsverwaHnn*. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme beim Heimgänge unserer lieben Mutter und Schwiegermutter Martha Kemnitz sagen wir ollen Bekannten sowie den Genossinnen und Genossen der 20. Ab- teilung unseren herzlichsten Dank Familie Oll und Herbert Kemnitz. quo Schubert anBH Neukölln nna Bergstraße 1 59 Optik/ Bandagen Lieferant sämilldicr Krankenkatden Grell Cameinberi Sie führende narke CrbdHIicb In allen Leben»- mittel' and Feinkottftescfa&Hen niedrigen Preisen Wußten S]e das noch nicht? Dann ist's höchste Zeit, daß Sie sich davon überzeugen— Oranien5tr.40 Am OrtnibnoUtZ Chausseesir. 113 Könlsslraße 33 Balm s mild«'»itinhot tm B»iidh.4lcnr,a«rtl«ti Ka0 gern« gehört werden. Wir bekamen für unsere Ständchen kleine Münzen und etwas zu essen und dursten in der Scheune schlafen, nachdem man uns durchsucht hatte, ob wir auch teme Streichhölzer besaßen. Die Mädchen lächelt»» uns an und einmal..gab ihm eine von ihnen einen Kuß.„Er sieht ja so unschuldig- aus,"- jagte sie-, Mein klein«? Freund.adsr schmeckte de». Kuß mit der Zunge nach und machte«in beglücktes Gesicht. Aber die Männer boten uns Bier an und riefen uns zu:„So, nun mal was Saftigesl" Und in unbekümmerter Unschuld sang mein Freund zu der Melodie, die ich etwas schuldbewußt klimperte, anderen Jungens gehört hatte. Di« Mädchen schlichen dann beiselle in den Schatten der Bäum» und kreischten an den besonderen Stellen laut aus. An solchen Tagen hatten wir die größten Einnahmen. Dann setzten wir uns absslls an einen Tisch und tranken ein Glas Bier, das uns der Wirt schenkte, und sannen in die monderfüllt« Nacht. Die Erde strahlle die Wirme des Tages zurück und wir fühlten uns wunderbar geborgen. Es kamen aber auch Tage, an denen wir nicht vor dem Wirts- Haus singen und in der Scheune schlafen konnten. Auf dem Dorfe wird im Sommer goarbellet, bis die Finsternis sich über die Erda legt, da bleibt dann keine Zell mehr, um ins Wirtshaus zu gehen. An solchen Tagen bezogen wir Freiquartier bei Mutter Grün und standen zeitig morgens auf, wenn uns die Kall« die Glieder zucken machte. Aber wir fühlten uns glücklich in unserer Freihell. Unser« Gedanken galten nur dem Heute. Unsere Kameradschaft war un- getrübt von Sorgen bis zu dem Tage, an dem wir uns der Gegend wieder näherten, von der unsere gemeinsame Wanderung aus- gegangen war. „Warum gehen wir hierher?" fragte er mich, nachdem er sich mehr als fünf Monate lang meiner Führung anvertraut hatte. Es fiel mir schwer, ihm zu antworten. Aber ich wollte ihm auch nicht länger verschweigen, daß wir uns in einigen Tagen trennen müßten. Schon waren die Nächte zu lall, um noch im Freien schlafen zu können. Immer länger dauert« es, eh« unsere Kleider nach einem Regen wieder trockneten. Bald würde der Wind nicht mehr erfrischend unsere Stirne kühlen, sondern uns in eisige Källe hüllen. Ich wollte nun zurück in die Stadt, um zu arbellen. Aber was sollt« mit dem Jungen geschehen? Fast fühlt« ich mich schuld- bewußt, obwohl ich wußte, daß ich ihm zu einem herrlichen Sommer und zu einer Freihell verholfen hatte, die zwar reich an Cntbehrun- gen gewesen war. aber die er gleichwohl nicht würde vergessen können. Denn das Quellwasier und die Stückrüben der FrscheS swd unvergleichlich« Genüsse gegenüber den-zerezellen Mählzellen der Gefangeirschast. .Lieber kleiner Freund", sagte ich ihm.„dein Ausllug in d'e Freiheit muß jetzt zu Ende sein. Wir müssen uns jetzt trennen. denn ich habe nicht den Mut zur absoluten Freihell, ich habe nicht die Kraft, vollkommen mll meiner bürgerlichen Existenz zu brechen. Es ist nicht meine Absicht, eine Flucht aus der Zell zu unternehmen. Ich will vielmehr mll meinen kleinen Kräften helfen, daß wir alle mehr Freihell erringen. Ich stärke mich in diesem Kampfe, indem ich den Zauber der sommerlichen Freiheit aussuche, damit ich mich zwischen den großen Steinmauern der Zivilisar-on und Kulrur nicht verliere. Wir vergesien die glühenden Ideale unserer Jugend zu rasch in den aufreibenden Bemühungen um die Sicherung unserer Existenz. Nur allzuleicht verfallen wir den Lockungen einer ver- gehenden Kultur und werden zu Renegaten unserer Uederzeugungen. Siehst du. mein Freund, darum such« ich die Freihell immer wieder dort aus. wo sie heute am reinsten besteht: auf der Landstraße, unter den Vagabunden, den Philosophen der Landstraße" Meine philosophischen Betrachtungen worden meinen kleinen Freund wohl kaum überzeugt haben. Aber ich erzählle ihm van den unbarmherzigen Wärtern der Asyle, die den müden.Schläfer auch im Winter frühzellig in die Kälte hinauslreiben. Und er erinnert« sich auch an die ersten drei Tage des Hungers und der Einsamtell in der Freiheit. Wenn er inzwischen auch gelernt hatte. das Mllleid der Frauen zu wecken, so glaubte er doch meinen Versicherungen, daß man chn«'.nes Tages aufgreifen und zurückbringen würde. So kamen wir vor der Anstall an, aus der er vor einem halben Jahre entflohen war, um die Freihell kennen zu lernen. Er ging wieder zurück, ausrecht wie einer, den man nicht mehr beugen kann. „Wenn du es im nächsten Sommer nicht mehr aushallen kannst da drin", sagte ich ihm noch, als er schellte,„dann schreibe mir." Da hörte ich den Pförtner kommen und ging davon. An der Biegung der Straße wandte ich mich um. er winkt» mir zu wie ein Versprechen. Jetzt, während der ersten verfrühten warmen Tage, den falschen Versprechungen des Frühlings, muß ich an ihn denken, an den kleinen Kameraden, der die Freihell kennenlernen wollte. 3»iioi: 3)er Saboteur Ich saß bei Klims Mutter, um mich zu verabschieden, und wartete auf meinen Freund Klim. Meme Arbeit in Moskau war beendet. In zwei Tagen wollte ich die Sowjetunion verlassen und endlich nach Deutschland zurückkehren. Klims Mutter bat mich, wenn ich erst wieder in Europa sei, ihren ältesten Sohn zu besuchen. Dieser Sohn war 1919 aus Ruß- land gsslohen, durch ganz Europa gezogen und nun in England ansässig, hatte ein kleines Geschäft, eine Frau und zwei Kinder Die Photos der Enkelkinder hingen über dem Bette der alten Frau. In Gedanken weilte sie fast ausschließlich bei ihrem Aellesten in England. Ihr» ganze Sehnsucht war, auch dorthin zu kommen. Aber die Sowjet» gaben ihr keine Ausreiseerlaubnis, und der Sohn aus England durste nicht nach Moskau kommen. Nun sollte ich ihn besuchen und ihm Grüße von Mutter und Bruder bringen. „Sagen Sie ihm die reine Wahrheit über unser Leben hier; sagen Sie ihm. daß alle unsere Briefe Lügen sind, daß wir lügen müssen wenn uns das Leben lieb ist!" Sie zeigte mir seine legten Briefe. Er schrieb, daß er sich über die Entstellungen und Verhetzungen in den englischen Zeitungen ärgere, die behaupteten, es ginge der Bevölkerung in der Sowjetunion elendiglich schlecht, und er freue sich, aus den Nachrichten von zu Hause immer wieder zu hören. daß gerade das Gegenteil wahr sei, daß es der Mutter und dem Bruder gut ginge. Die alte Frau erklärte mir den Widerspruch, der offensichtlich zwischen der Tatsache der wirklichen Hungersnot. fflamld SpHrner:€j1M Affe fitrbl Erlebnis im abeffinifchen Jiochtrald Es war einer jener prachtvollen Hochlandsmorgsn, die durch ihre Frische und Klarheit auf Seele und Körper wie ein wunder- sames Bad wirken. Der Himmel war so blau, wie er es nur in Afrika zu sein vermag, und die Sonne schüttete ihre belebenden, jubelnden Strahlen auf die erwachende Erde. Ich ging mit meinem Gewehr in das nahe gelegene„Gusreza- Wäldchen", um wieder einmal mein Glück zu versuchen. Wie oft schon u»«' ich mit der festen Absicht ausgezogen, einen Guercza zu erlegen. Bisher aber ohne Erfolg. Das Jagdfiebsr hatte mich gepackt', ich mußte einen dieser wunderschönen, schwarzweihcn Affen mit ihrem seidig-glänzcnden Fell, die mich schon so lange zum besten hielten, zur Strecke bringen. Nach halbstündiger Wanderung auf einem kleinen Reitpsad, der durch mannhvhes windbestrichenes Gras führte, erreichte ich die Kossobaumwaldunz. die sich den Berg hinauszog. Der Wald war bereits munter und orchestertc seine afrikanische Sinsonie. Ein Heidenlärm an allen Ecken und Enden. Der Wind raschelt« in Yen Blättern. Würzig und rein roch die Lust, lieberall regte sich Leben, unsichtbar und doch nahe. Riesenhast« Laubbäume, deren beeranartige schwarze Früchte im Morgenschein schimmerten, wurden von mächtigen Schlinggewächsen bis hinaus zu den Gipfeln umrankt, und bildeten, untereinander verbunden, ein unlösbares Gewirr. Der Pkad wand sich steil hinan. Hin und wieder scheute eine Gazelle flüchtig vorüber, nur für Sekunden sichtbar. Plötzlich fiel etwas schwer und dumpf neben mir in ein dichtes Gebüich nieder. Erschreckt sprang ich zurück und wollte nach meiner Büchse greisen, als ein riesiger Guereza,«in junges Aefslein an der Hand führend, das sich neugierig nach mir umsah und wild-lüsterne Grimassen schnitt, über den Weg rannte Im Nu waren beide ver- schwundcn. Trotz meines Ingrimms hätte ich diese» Mutterglück nicht vernichtet. Des Gewehr schußbereit vor mich hinhaltend, schlich ich wellsr. Auf einer kleinen Woldlichtung, die von Vaumriesen umstanden war, legt« ich mich neben ein Gsbüsch auf die Lausr. Es war mein alter Stammplatz. Auf diesen Bäumen pflegten die Affen ihre Konfe- renzen abzuhalten! mit erregtem Stimmausyand, aber durch die Blätter unsichtbar. Me oft hatten sie mich von da oben herab ge- srozzelt, in ihrer boshast-mitleidigen Neugierde herunterseixend, und im nächsten Augenblick wieder verschwunden. Mitunter war ich von ihnen sogar bombardiert worden: mit Rindenstücksn, Aesten, Früchten, Steinen...- Diesinql hat!» ich mich stüher eingefunden: der„Sitzungssaal" war noch schwach besucht. Ich mochte so eine halbe Stunde regungslos gswartet haben. al» sich plötzlich auf einem Baume, gerade mir gegenüber, in einer Höhe von vielleicht zwanzig Metern, die Zweige auseinanderbogen und ein Guerezakopf. vorsichtig herablugend, zum Vorschein kam. Seine schwarzen kleinen Asugelein spähten funkelnd auf die Lichtung nieder. Sie hatten mich noch nicht erblickt. Ich rührte mich nicht. Ich befand mich in einem jener Zustände äußerster Spannung, wo Körper und Geist, unter absoluter Ausschaltung alles übrigen, nur auf ein Ziel gerichtet sind. Jetzt war der Affe etwas weiter aus dem Blattwerk heraus- gerückt. Seine Blicke hatten mich noch immer nicht getroffen. Er kratzte sich gerade emsig unter dem Arm. Völlig geräuschlos hob ich das Gewehr Langsam, ganz lang- sam. Und legte an. Meine Lzönde zitterten etwa?.(In gefährlichen Situationen passierte mir da« nie: diesmal aber, vielleicht infolge meiner verärgerten Erpichtheit auf diese Affen, und vor allem, das glaube ich heute, wegen ihrer Menschenähnlichkeit.) Ich nahm mich fest zusammen und zielte und schoß. Ein erschütternder Aufschrei! Gleich darauf ein unendlich wehes, klagendes Stöhnen! Und— plumps— pluistps— fiel der getroffene Affe herunter, sich mehrmals mit letzter Kraft an den Aesten anklammernd. Dann lag er am Boden, unweit des Stammes. Er hatte die Größe eines zwölfjährigsn Kindes. Im allerersten Augenblick war ich nur von Hiegesgesithl und befriedigter Rache erfüllt. Jetzt aber, als ich den großen, halbtoten Asten sah, der, auf dem Rucken liegend, unausgesetzt stöhnt« und sich mit den Händen wie ein Ertrinkender in die Luit verkrallte, trat augenblicklich ein Ge> sühlsumschwunz in mir ein: mit einem Mal empfand ich grenzen- loses Mitleid mit dem gequälten Geschöpf, und ängstliche Scheu. Ich zog meinen Revolver und näherte mich dem wimmernden Tier. Zuckend drehte er sein kluge», schmerzvsrzerrtes Gesicht mir zu und sah mich mit seinen todesvqllzn Augen bittend, hilflos und jenseitig- erstaunt an: etwa» wie ein ferner Vorwurf lag in ihnen. Fürchter- lich drang das Stöhnen aup seiner Kehle. Ich konnte den Anblick nicht länger ertragen, setzte den Revolver an seinen Kops und wollte abdrücken. Da hob dep sterbende Affe seine Pfote und legte sie, kalt und feucht, auf mein« Hand. Die erlöschenden Augen flehten mich an. Ich fuhr entsetzt zurück. Dann aber ermannt« ich mich und drückte los. Die noch immer erhöhen« Hand fiel ins Ära?, über dos Blut in die warme Erh« rieselte. Als ich nachher aufstand, um mein Gewehr zu holen, das ich an einen Baum gelehnt hatte, war es fort, lftoch heute weiß ich nicht, wer es mir gestohlen hat. Vielleicht war es ein Guereza..? die ich täglich sah. und den brieflichen rosigen Schilderungen liegen mußte. 1921— der Sohn war gerade ein halbes Jahr in Enz- land— wurden Klim und feine Mutter von einem Geheimpolizisten zur GPU(Politischen Polizei) geholt.„Sie erhalten Geld aus England", sagte der Leiter der Polizei.„In welchem Verhältnis stehen Sie zu dem ausländischen Geldsender? Für welche dunklen Zwecke erhalten Sie diese Summen?" Em peinliches Verhör setzte ein. Die Mutter hatte 5 englische Pfund erhalten, die die Post der Polizei auslieferte. Nach langen Erklärungen und Beantwortungen der unmöglichsten Fragen entließ man Mutter und Sahn, nachdem d'c GPU. endlich den Gegenwert der 2 englischen Pfund in Rubeln ausgezahlt hatte, allerdings zum bolschewistischen Zwangskurs: 46,50 Rubel. Die Kaufkraft des Rubels lag damals um 35 Pfennig Nun schrieb die Muster noch England, der Sohn möge nichts mehr von seinem sauer verdienten Lohne schicken: sie hätten überhaupt keine Unterstützung nötig. Die Wahrheit, daß die Politische Polizei solche Schwierigkeiten macht«, verschwieg sie wohlweislich, denn jeder Brief wurde von der Zensur geöfsuel und. gelesen Und. dem- Sowjetbürger,' der das Regime lrttisierte!.— Glücklich über die gesunden Verhältnisse/ die- die, Mutter stchilherte.,, schickte der Tob« leidenschastliche Briese, in denen er schrieb, daß er alle bürgerlichen englischen Zeitungsberichte, die aus Neid die Wahrheit über Nuß- land entstellten, bekämpfe. Er sei nun Anhänger der Sowsetidee geworden und lebe und wirke für sie in Europa. Und ich hatte nun die Aufgabe, dieses Wahnbild zu zerstören: ich mußte ihn von der Wahrheit überzeugen und die nackten Tatsachen von der Not der Mutter und des Bruders berichten.— Dann kam Klim aus der Fabrik. Schweigsam, verstimmt, ganz anders als sonst. Cr aß seine Kartoffelsuppe und starrte vor sich hin. Endlich erfuhren wir den Grund: Entlassen! Langsam und schwerfällig erzählle er: Es sei wieder eine Liste in der Fabrik herumgereicht worden, die zum„freiwilligen" Veitrag eines Rubels zum Bau eines Zeppelins aufforderte. Klim, der vor der Revo- lution den väterlichen Fabrikbetricb'geleitet hatte, verdiente jetzt alz„Bourgeois" und ungelernter Arbeiter nur 69,32 Rubel. Aber für die legten 14 Tage hatte er noch keinen Lohn erhalten, weil kein Geld da war, und so könnte er nichts zeichnen Er besaß nur noch 80 Kopeken. Jeden zweiten Tag kam eme andere Liste zum „freiwilligen" Zeichnen von Beiträgen. Nun war e? schon das drillemal. daß er nichts gab. Am Schichtende wurde er fristlos entlassen, als„Vetämpfer des Fünfjahrplans", als„Betriebsstörer" Mit der Arbeit verlor er auch die gewerkschaftliche Mitgliedschaft und damit zusammenhängend— das Schlimmste— die Lebens- mittelkarten. Ein so zum Feind des Fünfjahrplan» Gestempelter ist aus der Gemeinschaft ausgestoßen, denn meistens bekommt er vorläufig keine Arbcll und somit keine Lebensmittel, Nun halle Klim mit einem Freunde, mll dem er schon ein halbes Jahr in der Fabrik zusammen gearbeitet hatte, sich des öfteren über die vielen Nachteile de» Plans ausgesprochen, und sein Freund hatte ihm recht gegeben als«r meinte, man müsss sich doch eigentlich wundern, daß alle russischen. Menschen für den Plan geopfert würden und sich nicht gegen seine Brutalität wehren könnten. Auch daß sie von ihrem geringen Lohn ungefähr noch durchschnittlich 40 Prozent freiwilligen Stiftungen zum Ausbau zuführen müßten. Dieser Freund, der Klim geschickt auszufragen oerstanden hatte, war«in EPU.-Mitglied. und nachdem er aus dem Munde des Staatsfeindes genügend belastendes Material erfahren hatte, zeigte er ihn an. Um 6 Uhr war Klim nach Hause gekommen. Um 7 Uhr holten ihn drei Beamte der GPU. ab. Die alle Mutter bekam Schrei- krämpse. Ich konnte rechtzellig in das Zimmer de» Nachbars ent- wischen, um durch die Anwesenheit eines Ausländers nicht noch Klim» Situation zu verschlimmern Die drei GPU.-Leut« durch- suchten alle Schubladen und nahmen die Briese des Bruders aus England, die alle zensiert waren, als Indizien mit, um Klim als Saboteur überführen zu können. Vor 14 Tagen hörte ich auf Umwegen, daß man Klim nach zehntägiger Untersuchungshaft steigelassen hatte. Aber er sollte zur Holzfäller«! und. Verladerei auf ein Jahr weit hinter Archangelsk verschickt werden. Wer die russischen Verhältnisse kennt, der weiß, daß für«inen freigelassenen Saboteur solch« Wiederemreihung in die Arme« der Arbeit einer Verurteilung zur Zwangsarbeit gleichkommt. Es finden sich kein« Freiwilligen für Sibirien. Um wieder' Lebensmittelkarten für die Mutter zu bekommen,, mußte Klim diese Arbeit annehmen, Da» ist einer aus Hunderten von gleichen, sich täglich ereignen- den Fällen, die heute in' Rußland zur Durchführung des Fünfjahre?- planes angewandt werden. Nr. 122• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 13. April 1932 Arbeit— nicht nutzlose Subventionen. Alles für die Nutzung der brachliegenden produktivkräste!/ von Prof. e. Lcdercr. Wir verwenden in Deutschland jährlich direkt und indirekt Hunderte von Millionen für die Erhaltung und Stützung von Wirt- schastszweigen, die ohne diese Subsidien aus den öffentlichen Kassen nicht weiterbestehen könnten. Rücksichten auf die Industrien und aus die Erhaltung der Beschäftigung sind es. welche ein immer wachsendes Subventionssystem allmählich entstehen ließen. Die Subventionen nehmen die verschiedensten Formen an: Direkte Unterstützungen, niedrig verzinsliche Darlehen, auf deren Rückzahlung ernstlich nicht gerechnet wird, öjfentliche Bestellungen— Investitionen, die jedenfalls im Augenblick nicht nötig sind und deren Rentabilität in der Zukunft mehr als fraglich erscheint. Auch die Zölle sind hierher zu rechnen. Die großen Beschaffungspro- gramme der Reichsbahn zum Beispiel sind zum guten Teil auf die Wünsche der Industrien zurückzuführen, deren Betriebe auf Reichs- bahnlieferungen eingestellt sind. Da eine rasche Aufsaugung der Arbcitsloseu im kämmenden Sommer leider noch nicht zu erwarten ist, müßte alles Bemühen auch daraus gerichtet sein, die össentlichen Mittel so zu verwenden, daß sie der Bedarfsdeckung der Erwerbslosen zu- gute kommen. Heute werden viele Millionen fiir Investitionen verwendet, die nicht oder noch nicht notwendig find(z.B. im Verkehrswesen), oder es werden Waren auf Lager hergestellt(Branntwein), oder es wird der Export subventioniert(Viehexporte). Es wäre ohne weiteres möglich, mit denselben Mitteln, das heißt ohne eine zu- sätzliche Belastung der öffentlichen Haushalte, die Produktion von Erwerbslosen für Erwerbslose zu finan- zieren und derart die Zahl der Arbeitenden zu er- höhen und die Versorgung der Erwerbslosen wesentlichzuverbessern, Der Gedanke einer Gegenseitigkeitshilfe der Erwerbslosen, wo- bei diese ihre Arbeit zur Verfügung stellen, um Gebrauchsgütcr für sich und andere Erwerbslose zu erzeugen, ist ganz spontan an vielen Orten aufgetaucht. So in den Erwerbslose nküchen, in den verschiedenen Reparaturwerkstätten, schließlich sogar in einigen Stadtrandsiedlungen, wo Erwerbslose(nicht nur Bau- nrbeiter) in gegenseitiger Hilse aus Baumaterial, das ihiren die Stadt zur Verfügung stellt, ihre Häuser errichten und die Baukosten derart aus ein Drittel der normalen herabgcdrückt hoben. Es wäre nun durchaus möglich, diesen Gedanken der gegen- seitigen Hilfe zur Aktivierung der brachliegenden Produktwnskräfte zu benutzen. Man brauchte nur die leerstehenden Be- i r i e b e(gegen«ine Vergütung an die Unternehmer für die Ab- Nutzung der Apparate) anzufordern, und es könnten in diesen Be- trieben arbeitslose Arbeiter und Angestellte, die ihre Unterstützung Mz e bisher w c i t e r b c z i c h e n. er keinen L o h n lt'd e r G ehakt c r ffäkköir wür d c n, G c b ra u ch s g ü t e r erzeugen, insbesondere Kleider, Wäsche, Schuhe, Hausrat, aber auch Nahrungs- mittel bestimmter Art. Diese Gebrauchsgüter müssen dann an die so Beschäftigten und die Ar- beitslosen ohne Entgelt verteilt werden, um eine Störung des Marktes zu vermeiden. Würden olle Waren solcher Produktionen verschenkt, so bleibt die Waren- menge, die auf dem Markt gekauft werden kann und gekauft wird, gleich groß— es werden höchstens gewisse Verschiebungen in der Zusammensetzung der Nachfrage eintreten.(Diesen Gedanken babe ich bereits einmal früher, aber nicht in Verbindung mit dem Suboentionswesen, erörtert. Er ist jetzt durch die Beharrlichkeit der Arbeitsloscnziffern noch dringlicher geworden.) bedenken, die keine Einwände sind. Gegen diesen Plan wurde eingewendet, daß die Arbeitslosen als Käufer ausfallen würden, wenn sie Gebrauchsgüter gratis zugeteilt erhielten. Das ist nicht richtig. Denn die Unterstützungen der Ar- beitslosen sind ja so knapp bemessen, daß die G c s a m t n a ch- frage der Arbeitslosen sicher nicht zurückgehen wird. Auch etwaige Verschiebungen in der Gestaltung der Nach- irage— wie sie überdies immer auftreten— werden kaum fühlbar fein. So hatten zum Beispiel die Sammlungen der W i n t e r- Hilfe eine möglichst reichliche Gratisverteilung von Schuhen, Wäsche, Kleidern usw. an die Arbeitslosen zum Ziele, und mit Recht befürchtete niemand von der Winterhilfe eine Beeinträchtigung des Geschäftsganges. Eine solche Produktion von Erwerbslosen für Erwerbslose ver- anlaßt natürlich gewiss« K o st« n. di« auf etwa fO Proz. des Detaitverkaufspreises der Waren zu veranschlagen sind. Zunächst müssen die Rohstoffe, manchmal auch Halbfabrikate(z. B. Garn) gekauft werden, sonstige Materialien sind erforderlich, manche Rc- paraturen können nicht im Betrieb ausgeführt werden usw. Je mehr aber in einem solchen System Betriebe aller Produktions- stufen in Gang komm«n, um so stärker würde der Anteil der notwendigen Barkostcn sinken. Selbst wenn man aber mit 40 Proz. rechnet, könnten etwa mit einer Auswcnbung von 50 Millionen Mark Gcbrauchsgüter im werte von l?5 Millionen Mark erzengt und an die arbeitenden Erwerbslosen und darüber hinaus an alle bedürftigen Erivccbswjen verteilt werden. Diese Gcbrauchsgüter im Werte von 125 Millionen Mark sind reiner zusätzlicher Nutzeffekt. Dabei ist zu beachten, daß die Aufwendung von 50 Millionen Mark zur Ausstattung einer solchen Produktion mit Rohstoffen. Halbzeug usw. auch als Ar- beitsbeschaffungssonds Wirkt— noch wirksamer als die bisher gegebenen Subventionen. Nur andere Betriebe werden es z. B. sein, deren Erzeugung erweitert wird. Der Bejchäjtigungs- grad in der Dolkswirtjchafl, die Erzeugung von Konsumgütern für regulär Arbeitende, verringert sich nicht. Der Unterschied gegenüber der bisherigen Bcrwenduiig der Sub- ventionen besteht nur darin, daß di« Mittel die produktioiis- technische Grundlage für Erwerbslose schassen, die Gebrauchsgüter für sich und andere herstellen können, während heute dieselben Mittel nur zu Investitionen führen, deren Unterbleiben niemand vermissen würde, als die subventionierten Industriezweige selbst. Sollen wir weiter ins Endlose Lokomotiven, Waggons usw. herstellen, die niemand braucht, anstatt Leder, Baumwollgarn. Holz, Glas, Bau- Material usw., woraus dann Erwerbslose für sich uiid andere Er- werbslose Kleider, Schuhe, Wäsche, Hausrat produzieren würden? Das Feld einer derartigen systematischeu Produktion von Erwerbslosen für Erwerbslose ist groß: außer der erwähnten Erzeugung vokl industriellen Berbrauchsgütern könnten einbezogen werden: die Hochseefischerei(deren Dampfer großenteils aufliegen), die Erweiterung der Fleisch- pr o d u k t i o n zur Wursterzeugung(heute wird die Viehzucht sub ventioniert, um den Export zu erleichtern), Kartoffelankauf (anstatt für Brennereien). So ließe sich aber auch die land- wirtschaftliche Produktion in diese Pläne ein- schalten. Ich glaube, daß schon heute in Deutschland Ansätze aller Art zu solchen Arbeiterorganisationen vorhanden sind. So greifen in manchen Städten die Küchen über die Bereitung von Mahlzeiten hinaus, durch Errichtung von Heimen, van Rcparaturwcrt- statten usw. Das Bedürstiis, produktiv für sich zu arbeiten, ist eben bei den Erwerbslose», überall vorhanden. Die Idee dieses kollektiven, gegenseitigen Arbeitsdienstes erfreut sich in manchen Arbeiterkreisen einer gewissen Beliebtheit, um so mehr würden sie ihre Kräfte für die Erzeugung von Gebrauchsgütern zur Bersügung stellen. Wenn jetzt, wie berichtet wurde, arbeitslose Rad- fahr« aus Material, das die Gemeinden zur Bersügung stellen, viele neue Radfahrwege anlegen, worum sollen nicht ebenso mit össentlichen Mittein, die heute, volkswirtschaitsich gesehen, verschleu- dcrt werden, Schuhe und Kleider für Erwerbslose produziert wer- den? Gerade wenn wir für längere Zeit mit einer strukturellen Arbeitslosigkeit zu rechnen haben, und wenn inzwischen der Ma n g e l in den Haushalten der Erwerbslosen immer dringe nocr wird, so ist es auf die Dauer unerträglich, daß die brachliegenden Arbeits- und Produktivkräfte nicht zur Versorgung der Erwerbslosen selbst benutzt werden sollen. Räch den Berechnungen, die angestellt wurden, könnten z. B. in einem vierteljährlichen Turnus mit dem Betrog von 50 Millionen Mark etwa 100 000 Arbeitslos« beschäftigt werden und für sich uno andere Erwerbslose produzieren. Irgendwelche Bedenken von seilen der gciverksäias Uchcn llohn- Politik wären meines Erachlens gegen eine solche Gegenseitig- keikshilse nicht zu erheben. Denn die Arbeit erfolgt ja nicht in einem kapitalistischen Be- trieb. Kein Unternehmer könnt« unter Hinweis auf die Betriebe feine Arbeiter aukfordcrn, zu niedrigerem Lohn oder gegen Belastung der Erwerbslosenunterstutzung zu arbeiten Denn di« Arbeiter könn'cn ihm mit Recht crwibern, daß sie dazu bereit wären, wenn er seinen Betrieb zur Verfügung stellen und die Waren an die Arbeitslosen gratis verteilen würde. Das ist ja der springende Punkt und dadurch unterscheidet sich dieser Plan von den fatalen Vorschlägen der Unternehmer, die eine Erzeugung für den Markt durch Lohnsenkung forcieren wollen. Das werden die Gewerkschasten immer mit Recht ablehnen, aber sie werden wobt keinen Einwand dagegen erheben, daß Arbeitslose für sich selbst und andere Erwerbslose in leerstehenden Betrieben wichtige Ge- brauchsgüter erzeugen— derart den Bann brechend, der beute die Werktätigen van den Produktionsmitteln trennt. Die Neubaumieten herunter! praktische Vorschläge der Frankfurter Forschungsstelle für Wohnungswefen. Je tiefer die Löhne und sonstigen Einkommen sinke», desto un- tragbarer werden die Wohnungsmieten. Diese Erkenntnis hat die Reichsregierung zu, einer generellen Mütcnjenkung gezwungen, die in der Notverordnung vom 8. Dezember vorgeschrieben wurde. B e- fonders unerträglich sind aber für den Großteil der Mieter die Mieten der Neubauwohnungen, in denen immerhin heute schon ungefähr 17 Proz. der ganzen Bevölkerung wohnen. Denn die Mieten der Neubauwohnungen sind fast durchweg wesentlich höher als die der Altwohnungcn, ihr Anteil am Einkommen ist dank der Lohnsenkungen, der Kurzarbeit und der Arbeitslosigkeit in vielen Fällen untragbar hoch. Während aber die Mieten der Altwobnungen generell uin 10 Proz. der Friedens- mieten, also ungefähr 7 bis 8 Proz. der Gegenwartsmieten gesenkt wurden, wurden die Neubaumieten im Durchschnitt nur u m 5 bis8 Proz. ermäßigt. Das lag an einer ganzen Reihe von Bcstimnmngcn der Notoerordnung, die die Vorschriften über die Zinssenknng in vielen Fällen ganz oder fast ganz illusorisch mochten. Damit ist eine ausgesprochene Notloge der Ncubaumieter entstanden. die nach schleunigster Abhilfe drängt. Es ist das Verdienst des Frankfurter Genossen E r n st Kahn, die Ocffentlichkeit eindringlicher als es bisher geschehen ist auf diesen schweren Notstand hingewiesen und Wege zur Abhilfe aufgezeigt zu haben. Unter Führung Kahns wurde vor einiger Zeit in Frank- fnrt oin Main die Forschungsstelle für Wohnungs- wesen ins Leben gerufen. Dieses Institut hat es sich zur Auf- gäbe gemocht, alle Fragen der Wohnungswirtschast eingehend zu studieren und zu prüfen,„wie ein gesundes Wohnungswesen im Rahmen des ökonomisch Möglichen gefördert»verden kann". Als erstes Untersuch ungsergebnis legt die Forschungsstelle der Oeffentlichkeit ein Schriftchen von Ernst Kahn vor:„Möglich- keilen und Grenzen der Mictscnkung in den Neubauwohnungen" (Soeietäts-Veriag, Frankfurt a. M). Kahn schildert in dieser Bro- schüre mit sprechenden Ziffern die Notlage, in die die Ncubaiiinicter aus Arbeitnehmerkrciscn durch die Verringerung ihres Einkommens geraten sind, und weist nach, waruin sich die Bestimmungen der Notverordnung als unzulänglich erweisen mußten. Dabei spielt es keine Rolle, ob seine Annahme, daß un- gesähr die Hälfte der ersten Wohnungsbauhypotheken von der Zins- scnkung gar nicht ersaßt wurden, richtig ist oder nicht. Wir möchten die Ziffer für überschätzt hallen: dies ändert ober an der Feststellung der Unzulänglichkeit der Mictscnkung nichts. Wichtige positive Dorschläge. Kahn begnügt sich aber nicht mit diesen negativen Feststellungen, sondern untersucht in sehr gründlichen und nüchternen Aussührun- gen, welche Möglichkeiten einer weiteren Senkung der Neubaumieten heute noch bestehen, und gelangt zu einer Reihe sehr wichtiger Ergebnisse. Zunächst schlägt er vor. daß die Notverordnung bzw. ihre Durchführungsoerordnungen noch in einigen Punkten verschärft oder geändert werden mühten. Dabei will er an den Grundgedanken der Notverordnung durchaus fest- halten und hütet sich davor, eine weitere zwangsweise Zmssenkung yder ciye Atzsdehnung der Zmssenkung aus Auslandsschulden zu vcrloiiMtz. Er fordert nur, daß die Z i ns senk u v g aus un- echte Au s 1 a n d-j fch u 1 d c u— wo der Gläubiger in Wirklichkeit ein Inländer ist— und auf jene Hypotheken ausgedehnt wird, bei denen die Verzinsung nur scheinbar 6 Proz. betragen hatte, in Wirklichkeit aber— infolge niedriger Auszahlungskursc— wesent- lich mehr. Ferner sollen die Durchführungsbestimmungen zu lencm Punkt der Notverordnung geändert werden, in dem den H y p o- thekenschuldirern eine Tilgung in Pfandbriefen gestattet wird. Diese Durchsührungsverordnung war ausschließlich von den Interessen der Hypothekenbanken diktiert worden, und die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat bereits im Februar einen entsprechenden Aenderungsantrag gestellt, um den Hausbesitzern und Wohniingsgescllschaften die Möglichkeit weiterer Miciscnkuiige» zu verschaffen. Bisher ist aber diesem Antrag nicht entsprochen worden. Schließlich regt Kahn neben einer Reibe anderer Maßnahmen an, die Abschreibungssätze auf den H a u s b e s i tz zu ermäßigen(durch Anwendung der Methode der'Abschreibung mit Zinseszinscn). Voraussetzung dafür wäre freilich in allen Fällen, wo Tilgungshypochckcn gewährt wurden, die Herabsetzung der Tilgungsraten für die Hypotheken. Der Rcichsarbcits- minister hat, mie man vor einiger Zeit hörte, die Spitzcnargani- sationcn der Institute, die Rcalkrcdite vergeben, zu Schritten in dieser Richtung aufgefordert. Man hat aber nichts davon gehört. wie diese'Aktion verlausen ist. Kahn kommt zu sehr optimistischen Schätzungen über die A u s- Wirkung seiner Vorschläge. Aber selbst wenn man auch bei diesen Schätzungen Abstriche für notwendig halt, so würde bei der un- bestreitbaren Nolloge der Ncubaumieter jedes Prozent weiterer Miet- sentung schon ins Gewicht fallen. Deshalb muß diese wich- tige Aufgabe endlich von der Regierung cner- g i s ch in A n g r i s f g e n o m in e n werden. Der Weg, den sie zu gehen hat, ist ihr von Kahn deutlich gewiesen worden. In» Interesse eines großen, von den'Auswirkungen der Krise besonders schwer getroffenen Teiles der arbeitenden Bevölkerung ist zu fordern, daß sie nicht mehr zögert, ilm zu beschreiten. Leichie Belebung im Maschinenbau. Im März hat sich nach dem Bericht des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstolton bei der Inlands- und Auslandskimdschait durch vermehrte Anfragen ei» etwas stärkeres Interesse gezeigt. A»lch der A u s t r a g s e in g a n g hat sich gegenüber dem Tiesstand des Januar und Februar ein wenig gebessert. Der an der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden gemessene Beschästigungs- grad lag jedoch noch immer unter 30 Prozent der Leistungsfähigkeit. Auch haben die neuen Aufträge die Menge der fertiggestellten Lieferungen nicht ausgleichen können, so daß die Auftragsbestände im ganzen weiter rückläufig sind. KaftnBongtn für Stell SulirU fi-S eeclia SD KZ. cwdeuktraße 3. Verlust bei denTriumphwerken. parl u n g s- Unfähigkeit zu erklären. Zugleich wurden im Laufe des vcr- gangenen Monats S a n i e r u n g s v o r s chl ä g e der beteiligten Banken bekannt, die auf eine Zusainmenstreichung des rund 8 Mil- lionon Mark betragenden Kapitals im Verhältnis 8: 1 hinausliefen. Die Zahlungseinstellung und diese Santerungspläne hattet» zu einem schweren Konflikt zwischen den beteiligten Banken und einem Groß- aktiönor, Zllbert Ottenheimcr, in Köln, geführt, da dieser Aktionär den Zwang zur Erklärung der Zahlungsunfähigkeit und zu einer Zusammenlegung des Kapitals in der vorgeschlagenen chöhe nicht anerkennen wollte. Jetzt veröffentlicht die Verwaltung einen neuen weitaus schärferen Sanierungsplan," welcher der Generalver- fammlung, die Ende April zusammentritt, vorgelegt werden soll. Dh». Berwoktung beantragt eine Zusammenstreichung her 900 000"M Barzugsaknonen im Verhältnis 20; 1 und der 7,2 Millionen Mark Stammaktien im Verhältnis 40:1. Letzteres bedeutet, daß eine 100-Mark-Aktie auf 2,50 M. heruntergestempelt wird. Zugleich soll zur Weiterführung des Betriebes von den Banken dem Unternehmen neues Betriebskapital zugeführt und eine neu« Ka p it a l e r h ö h u n g auf l.g Milioncn Mark vorgenommen werden. Der Betrieb an sich ist durchaus gesund. Für die heutige Zeit ist ein verhältnismäßig befriedigender Auftragsbestand vor- landen. Beschästiot werden in dem Unternehmen zur Zeit noch rund 10 00 Arbeiter und Angestellte, für die bei dem gegenwärligen Beschäftigungsgrad Wbaumaßnahmcn nicht vor- gesehen sind. Die Ursache der Zahlungseinstellung liegt darin, daß ein« Anzahl großer Äuitden, die für gekaufte Lastwagen Wechsel gc- geben hoben, faul geworden sind. Unsinnige Lnteressentenwünsche. Leht auch Zölle auf Zinkerze? Wie wenig die Interessenten in ihren Zollwünschen auf das Interesse der G e s a m t w i r t s ch a f t Rücksicht nehmen, dafür liefen, neuestens die Zinkproduzenten ein geradezu groteskes Beispiel. Vor zwei Monaten forderten sie Zölle auf das Fertigprodukt Zink— zwei Drittel des deutschen Bedarfs müssen eingeführt werden—, wobei besonders das Interesse der Lohnhütten(die Überseeische Erze verhütten) betont wurde. Jetzt wird auch auf die Einfuhr von Zinkerzen ein Zoll gefordert, also aus die Einfuhr von Roh- stofstm, die m Deutschland verarbeitet werden sollen. Da» Ganze läust im wesentlichen auf eine Subvention von zwei Gesellschaften, von Stolberg und Gieschc, hinaus. Bei G i e s ch e liegen die Dinge besonders interessant: Die Erze werden in Deutsch-Oberschlesien gewonnen, aber in Polnisch-Oberschlesicn verhüttet, da der Bau der Magdeburger Hütte nicht erfolgt ist. Das in Polen erzeugte Zink wtrd aber stets zollsrei(Deredclungs- verkehr!) nach Deutschland gebracht werden. Die verarbeitende In- dustrie soll bei der Aussuhr Rückvergütungen erhalten— wie problematisch solche Verrechnungen sind, zeigen die Avi-Verträge sür Eisen. Die bessere Beschäftigung der Zinkindustric bei Bestehen von Zinkzöllen würde di�rch eine weit größere Arbeitslosig- k c i t in der verarbeitenden Industrie übertroffon werden. Deshalb sind Zölle sowohl auf Zink wie auf Zinkerze unbedingt abzulehnen. Aichoiteud leichte Belebung der kohienjördcruug. I» der Woche vom 27. März bis 2. April hat sich die seit mehreren Wachen an- ballende l« i cht« Belebung im Steinkohsenbergbau fortgesetzt. Die arbaitstägliche Kohlenförderung, die in der erste.» Febrnarwochc einen Tiefstand von 220 555 Tonnen erreicht und sich in der ersten Märzwoche auf soft dem gleichen Stande mit 222 125 Tonnen gehalten hatte, ist bis Ende März auf rund 248 700 Tonnen gestiegen. Es ist also in der genannten Zeit eine Steigerung der Produktion um 12,7 Proz. eingetreten. Dogegen ist di« Koksproduklion nach wie vor katastrophal niedrig. Die Besserung in der Stcinkohlensprderung kommt auch in einem starken Sinken der eingelegten Feierschichten zum Ausdruck Seit An, fanq Februar sind die Feierschlichten arbeitstägltch von 264 520 bis n-s 137 860 gesunken. Die Bestände der Zechen konnten dagegen noch nicht gelockert werben. Etner Abnahme der Kohlen- vorrate steht eine Zunahme der Kolsbestände entgegen, so daß die aesqmten Lorräte nach wie vor 10,1 Millionen Tonnen betragen. ». it. Beginn alle« Veranstaltungen 1 9H Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe? ttrert. Donnerstag. 1■' Apitl, Sitzung des engeren greisvorstandes mit den Abteilungsleitern bei Alua. ftrei«. Donnerstag, lt. April, 10 Üb-, in de» Anbroostes-tälen. Anbr«««. strotze Zt. Arsi-mltgtiederocrsarnmlnng...llniere Arbeit-» prentztsch-n e-ndtaq.- Referent;«rick Sntinei, zy. b. L. Mitwirding des Männer. >bors griebrichshain. Politische Satire. «til«. Die fiir Eonniag. It. April, noizesehene ältlich« Denionitiation findet nicht statt. Am Sonnabend, dem 1k. April. U Nhr. findet im Z.au«nr>°noalast. Tauentz'.en. Ecke Nürnberger Stratze.-ine Nachtnorstellunq statt. Borsubrung der Filme:„«iomeradschafN' und„Aiekebusch erobert Preutzen". Anspuoche. garten tum Preise non 50 Pf. sind bei den Ab. ieilungskäfnerern und«ezrrkssiikrern zu hoben. Ar«,«. Heute, Mittwoch, 13. April. Arcirmttftliebernersammlnng im«ik. ioriagartcn. ÄUheimroue ttl. Nefereat: Erich Auttncr, M. d. L.„Er- »reiz ReÄölln. Am Donnerstag. Ii. April, tS Uhr. findet-in« Abiel. r______ Y.: i._ f..(____ JC______:__.T> Ctfae&MvXMVM /yX j« 18. 20, . Uhr, im Heim Aanncr Sir. 42, zu Berliner Ulk. Trio u. a. wirken mit. flreiü. Donnerstag. 14. April, 15 Uhr. im Lpzeum Wcitzensee. Eingang Varkstratze, Zusammenlunit ber erwerbslosen Parteimitglieder.„Der sozia. lisiische Mensch." Neserent! Dr. Ütto Manchen. «reis. Donnerstag. Ii. April, 15 Uhr. Zusammenkunft der erwerbslosen Parteimitglieder in Wittenau, Neue Schul«, Jugendheim.„Arbeiislase und Preiitzenwahien." Neierent: Hans Marx. 6. Abi. Heute, Millwoch. 13. April, bei Dobrohlaw, Swinemilnder Str. 11. 3uiammcnkun>i der iiingeren Parteimitglieder.„Keschichie Set Partei." Ncferent: Erich Dendicke... ,4. Abt. Heute. Mittwoch, 18. April, 20 Uhr..gahlabende in den bekannten Lokalen. Die Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder findet nicht ftatt. 18. Abt. Heute Zahlabendc in den bekannten Lokale». 21. Abi. Heute Zahlabende in den bekannten Lokalen. 44. Abi. Heute. Mittwoch, 13. April, Miigliederoersammluna in der Schulaula Mariannensir. 47.„Erobert Preußen." Referent: Sottlieb Reese. 45. Abi. Heute. Mittwoch. 13. April. Zahlabend der Sruope Groß bei Sommer, Wiener Slr. 20.„Die Bedeutung der Preutzenwohlen." Referentin:(Se- nolsin Maria Hirsch. 48. Abi. Freilaa. 15. Avril, ffunkiionärversammlung im bekannten Lokal. Alle Bezirizsührcr müssen unbedingt erscheinen. 57. Abi. Donnerstag, 14. April, 20 Uhr, Funktionärsttzung im Jugendheim Rosmenstr. 4._ 74. Abt. Siedlung. Heute, Mittwoch, 13. April, 20 Uhr, Fnnkiionarsstzung tm Waldhaus. Spandauer Strafte. 74a. Abi. Heute. Mittwoch, 13,'April, 20 Uhr, erweiterte Funkiionarsstzung bei Schneider, Potsdamer Sir. 25. 88. Abi. Freitag, 15, Aoril, 1715 Uhr, holen Bezirksführer und erwerbslose Pariciaenossen Einladunaszeiiel vom Senosscn Eampler ab. 80. Abi. Donnerstag, lt. April, Funktionärsttzung bei Erommeck, Sander. strafte 10. 08. Abi. Donnersiaa. 14. Aoril, 20 Uhr. Funktionärsttzung bei Teich. 105. Abi. An der Veranstaltung der 10«. Abteilung in Johannisthal am 13. April nehmen unsere Genosten nicht teil. 117. Abt. Heute, 10 Uhr, Zusammenkunft der erwerbslosen Parteigenossen. 134. Abt. Heute. Mittwoch, 13, April, 20 Uhr, Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder bei Sonnet.„Das Arbeiisbcschasfungsprogramm." Refe. reni: Vau!»chafser. 130. Abi. Freitag. 15. Anril. 20 Uhr. Sitzung des Bildungsausfchuffes beim Genosten Senilchel. Aroscr AUec 120. 141. Abt. Freitag. 15. April, bei Soffmann, Edelweiftsir. ä. Funktionärsttzung. Wegen wichtiger Tagesordnung haben alle Funktionäre zu erscheinen. Bezirksausschuß sür sozialistische Bildungsarbest. Der Kursus der Genossin Kurgaß..Die Frau in der geseNschaftlichen Krise der Gegonviart" findet nicht Frcitaa. 15. April, sondern am Donnerstag, dem 14. April, 19U Uhr, in der ArbeiterbUdungsfchule statt. Bezirksausschuß sür Arbcitcrwohifahrk. 7. Kreis(l-harlottenbura. Freitag, 15. April, 19i£ Uhr, Sitzung der Arbeiter-- Wohlfahrt im Jugendheim Rostncnstr. 4. Arbeitsgemeinschsst der Ktnderfreunde Groß�Nerstv.. ftnmz Reftfalk-niastel» heute. 10U Uhr, i« her. Grschäst-stell-, Stedar. ' i§ strafte 2 5 Krttüberg. Heut-.. 17 Uhr. Sprechchorvrobe füx die IZatfntx tet «j-JI Partei im He�m Wassertorstr. 4. Der LnstrumentaRrets sowie d'e- MM Falken für. die Hundsnnlprobe kommen nm 17�. Uhr tm Heim �■' tiordftz. 11 jus am uifeU-__ �.... Eha?lstieuburq. Donnerstag, 14. April. Ufer, Kursus mit den -----.--— �. i— 23. Apnl. erwünscht.„ Schducber.g« Alle Falken sind gu der Filmmatinee am lsonntag. dem 17. April, in den Achambra. Lidstspielen in SchöneberZ. Hauptstr. 8v, ern- geladen. Karten im Vorverkauf bei Genossen Riech, Warrliurzstr. 37. Genos'en Peterson. Feurigstr. 63, Genossen Diederich. Stubenrauchstr. 89. Lprr zergen den Großtonfrlm..Kameradschaft". Erwachsene Ä) Pf., Kinder 25 Pf. Reuköllv. Probe zur Marseier heute. 17 Uhr, Schule Donaustr. 126. Sonn- tag. 17. April, Fahrt der Roten-Falken.Gruppen des Kreises. Flötenkursus ,ur Nestfalten am Donnerstag in der Karl-Marx-Schule. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei- Organisation 47. Abi. Am 10. Avril verstarb unser lieber Genosse Paul Still'. Elisabethufer 88—30, im Alter von 78 Sahren. Ehr- seinem Andenken. Der Verstorbene hat schon fein« Pflicht unter dem Sozialistengesetz für die Parier erfüllt. Einäscherung Donnerstag, 14. April, laZZ Ahr, tm jirematorimn Baum schulenweg. Ilm rege Beteiligung wird gebeten. 00. Abt. Am Sonntag, dem 10. April, verstarb im 81. Lebensi-hr« der Genosse Fritz Steuer, Lauenburger Str. 7. Beerdigung Donnersteg, 14.�?lprr-. I3-VZ Uhr. auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof, Stahnsdorf. Um reazt rege B-teiliauna wird gebeten.._ ,,.... 101.«bt. Allen Mitgliedern zur Senntnrs, dag Genosse Kurt Schau,«äpe- Nicker Landstrafte 40, er» 20 Jahre alt. bei dem Bootsunglück am 7. April aui dem Wcrbcllinsee, zulammen mit anderen jugendlichen Erwerbslosen- ertrunken ist. Ehre seinem AiGenken. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 14. April, 20U Uhr. im Zremaiorium Baumschulenwez statt. Um rege Be. teiligung bittei der Abteilunqsvorstand. III. Abt. Unser langjähriger Genosse, der Gastwirt Otto Schade, ist v'r- starben. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am Freitag. dem 15. April, 10 Uhr, im Krematorium Eerichtstrafte stoti. Rege Beteiligung wird erwartet. llZeileraussichien sür Verlin: Kühl und veränderlich mit ein- zelnen Schauern.— Für Deutschland: Im Nordosten trübe und regnerisch mit Tempcraturrllckgang, im übrigen Reiche lühles und unbeständiges Wetter, im Westen und Süden beginnende Besserung. Direkt'Schnh zeigt Benheilen. In der neueröffneten Filial« im Berolinahaus am Alexanderplatz zeigte die Firma „Direkt- Schuh" im Rahmen einer Modenschau ihre neuesten Modelle für die kommende Saison. Mannigfaltig ist die Art der Verarbeitung und des Leders: streng modern ist der geschnürte Schuh in Braun. Schwarz, Eidechse, Wildleder und den verschiedenen Kom- binationen von Chevreauxleder und Wildleder, Chevreaux mir Eidechse usw. Die Verarbeitung bietet sür jedermanns Geschmack und Fußbeschaffenheit genügende Auswahl. Wer den bequemen Trottcurschuh mit flachem Absatz bevorzugt, findet hier sehr hübsche Modelle, dann geht es über den halbhohen Hocken bis zum mv- dernen, hochgestelzten, spindeldünnen Riesenabsatz, der den Vorsuß entsprechend winzig erscheinen läßt und so eine graziöse Fußform darstellt. Die Preisgestaltung aller Schuhwaren ist nach Möglichkeit der heutigen Wirtschaftslage angepaßt. Besonders preiswerte Mo- dellc finden sich unter den Herrcnschuhen, hier kann man wirklich sür ganz geringes Geld ganz gute Ware kaufen, und auch hier bietet sich dem Käufer reichhaltigste Auswohl. Trinkt Fachinger. Staotl. Fachinzen hat einen reinen, ungemein Milse,! Wohlgeschmack, beherbergt ferner eine mäßig- Menge natürlicher� Kohlensäure unl> eignet sich daher ganz vorzüglich als tägliches Eesundheiiswasser. MAX raiNI�RI JT- 3VvSa7S,lERllNÜ Die Schöne Helena vonjaques Offenbach IN NEUER FASSUNG Jarrnila Novotna/ Max Hansen/ Paul Graetz Urs. van Diemen/ Priedel Schuster/ La Jana Gerd Niemai/ Steph. Ballarini/ H. von Meyerinck Arpad n. Kaiman latabar/ Nim Theilade Raul Lauge/ Harry Frank/ Irma Overhoff Musikal. Einrichtung: E. W. Korngold Textneugestaltung: E. FriedeU, H. Sasomatm, A. P. Herbert Tünte: Leoni d Maasine) �am Addphi- Tb«««r Choreogr, Binstud.: Rupert Doonc j London Bühnenbilder: Ernst Schutte Kostüme: Ladislaus Czenel Techn. Leitung: Franz Dworsky Musikalische Leitung; Prof. E. W. Korngold /' Gen.-Musik dir. Manfred Gurlltt VORVERKAUF HAT BEGÖNNE Nl PREMIERE 19. APRIL 8 UHR IGROSSES SCmUtSPIELH�UtS W■■■■**■■v'/-:'U Uhr IrauineioerBaeM Operette In Z Akten r. LaiWollk v. Kwl Bei,, Hnsik von Hans May Regle; Heist Saluninrt Rundfunkh halb.Pr S'.gs. 4% Uhr kl. Pr Irsing-Ttieaicr Heute S1'» Uhr f rlk« v.Th cllrnann Kurt Vespe. jnnn Morgen gehts uns gut! Donotnlag; Prejitirt Maria Stuart «ziivZtM. Tlüolliiriiui GROSSES SCHAUSPIELHAUS Wegen Vorbereitung zur Mzsx- Reinhardt- Irazenierung „Die schöne Helena" blselnoctalleSIIcb 18. April jeschlofien Promiere: 19. April. »■/.uhrCASINO-THEATER�uh, Lothringer Strafte 37. iiiiiiiiiiiiiiiniiliiiiiiiiHiHiiiiniinp Berlins neuestes Operetten.Ttzcater! „Reppina" Operette in 3 Akten. Mnsik von R.Stolz Erstkl. Oesangslcr. Neue ßühnenausst dutschem 1-4 Personen: Parkett 50 PL, Fameuil 1.— Mark. Sessel 1.50 MarK Staats Theater MittTocb, den 15. April staatsoper unter den Linden Wi Uhr Die Hochzeit des f iaaro SlaitlidiaDSDlenaiii LndimnBiiti. 20 Uhr Zum 25. Male Die endlose Straße Schiller-Theater Cbarlottenburg. 20 Uhr Cyrano von Bergerac 1IUit5t6i-5.Bhi.5ll Sis, StzuZ, 5,8- U.Tll.Et Wui 4031. Bin Lied der Uebe stast. Oper Charlafteaborg SismarckstraBe 2« Mittwoch, 13. Apill Turnus II Frlederaanu Fach Fidestcr. Sllvaiint. j Schiroch, Outimanr. Anfang 20 ohr i Ende 2450 Uhr Tb. in Adiinlspalast riflich SV« Uhr Kithe Dorsch GuttafOrSndgens im Liselott' Sin5sjiilv.EtolSöiiad(e Theater desWestens Heute 8 Uhr Premier« OAS rSPlEL Gretl' SlecBk in Ebekarussell Homöopathie� Kiereo-, Blase«., lebet-, Oaüeo-. M»r«o-. Di.-m-.ll looere«. iietreoi.» lieaw»Knzhtr. v Bchonfll.llflr!«. laWSCr i 0-2, 4-7, Ztx.II j BreitKreutZ' bervouagsod bewarf M jon DaMtan Asthma-Pulver dirno. Broodiial- katanl). Vof- stbleiiüüDg der AtTnungs-OrBaoe Aer s tlteb empfohlen— Viele teusehd Dankschrelben Zu beziehen dmch die Apotheken in Packung von Z/>i Mk. Zwecks EinlOhrprie erhllt Jeder Leidende durch das General-Depot Apotheke am Schle«. Tor. porlsn SO 4«. Kkalltzier Str. gegen Abgabe dieses Inserats I Probe cpd Prospekte«crntiB nnd uaTerbtndilch. um sich vom Erlolg zu überzeugen. Bestandteile auf der Packung. Nicht nur Arbeitsbeschaffung! Pflege der Kauffrast— Arbeitsstrecknng— Regulierung der Wirtschast. Lh ist wehr als«m glücklicher Aufall, daß dem Außer» ordentlichen Kongreß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, der heute im Deutschen Reichstag stattfindet, unmittelbar die Besprechungen des Reichs- ardeitsministers mit den Vertretern der Verbände der Unter- nehm« und der Arbeiter und Angestellten vorausgingen. Aüde itsb efchcmimg zur Ueberwindung des Wien Punktes, auf den? sich das Wirtschaftsleben befindet, ist nützlich und notwendig. Dar. über gibt es grundsätzlich keinerlei Mcinungsdifferenz. Aber wenn man die Notwendigtest der Arbeitsbeschaffung anerkennt, dann darf man darüber nicht vergessen, was uns in diese Not der Massen- arbeitslofigkeit gebracht hat. Vergäße man es, beharrtc man auf den Fehlern der Vergangenheit, dann würde auch die umfangreichste Aktion zur Arbeitsbeschaffung verpuffen, ohne eine dauernde Wirkung zu hinterlassen. Es ist unbestritten, daß die internationalen Schulden- und Reparationsabmachungen die Krise verschärft haben, wie sie die Ueberwindung der Krise erschweren. Aber sie sind nicht die Ursache der Krise. Diese Krise hat dieselben Ursachen, die zu den vorl>ergehenden Krisen geführt haben. Die gegenwärtige Krise unterscheidet sich von den früheren Krisen— neben der Verschärfung durch die Kriegsfolgen— quantstatio und qualitativ insofern, als der gesamte Produktions- und Derteilungsapparat heute unendlich viel rascher und intensiver arbeitet als früher. Technische und organi- satorische Umwandlungen, die stüher Jahrzehnte erforderten, sind in wenigen Jahren durchgeführt worden. Das erforderte aber einen ungeheuren Kapitalaufwand, der auf Kosten des Lohnanteils h e ra u s g e w i r tsch a s t e t wurde. Die ungeheure Steigerung der Produktivität lieh also die Kauf- krast in immer steigendem Abstände hinter sicst Dadurch wurde die ganze sogenannte Rationalisierung unrentabel. Um die Rentabilität der Betriebe zu sichern, mochte man aus dem ersten Fehler ein S y st e m: man ging zum direkten Lohnabbau über. Da- mit ist die Krise zur Krise des kapitalistischen Systems geworden. Wir wissen nicht, welche Richtlinien der Reichsarbeitsminister den Schlichtern am kommenden Freitag geben wird. Aber wenn diese Richtlinien nicht dahin lauten, die zerstörte Kaufkraft der Ar- bester und Angestellten wieder aufzubauen und der ungeheuer gc- steigerten Produktivität allinählich wieder anzugleichen, so wird kein Arbeitsbeschaffungsprogramm, so umfangreich es auch sein kann, zur Ueberwindung der Krise führen. Ein zweites ist aber noch notwendig: die Steigerung der Pro- duktioität ist so gcwallig, daß an die Wiedereinrcihung der Arbeitslosen in den Produktionsapparat nicht zu denken ist, wenn nicht gleichzeitig eine Verkürzung der Arbektsdauer zu- nächst auf äv Stunden je Woche vorgenommen wird. Diese Arbeitsbeschaffung ist«ine soziale und polstifche Pflicht, dl« nicht mehr vernachlässigt werden darf, wenn man die Radikalisie- rung der Massen nicht noch weiter treiben will, Arbeitsbeschaffung ist das Gebot der Stunde. Arbeitsbeschaffung ohne systematischen Wiederaufbau der zerstörten Kaufkraft, ohne bessere Verteilung der Arbeitsmöglichkcitcn würde schon morgen wieder wirkungslos werden. Aber alle diese Mittel würden noch nicht hinreichen, die Krise zu überwinden, wenn man nicht endlich dazu übergeht, d e n W i r t- schastsprozeß planmäßig zu regulieren. Es darf nicht weiter gestattet werden, das Volksvcrmögen zu vergeuden in einer Wirtschaft der Großmannssucht und des Größenwahns. Es darf nicht weiter möglich fein, mit einem ungeheuren Aufwand an Kapital, das an anderer Stelle notwendig gebraucht wird, Praduk- tionsanlagen zu schaffen, die stillgelegt werden müssen, noch ehe sie richtig funktioniert haben, Arbeitsbeschafsung ist das Gebot der Stunde. Wollen wir aber «in Wer? von Dauer schaffen, dann muß die A r b e i t s b e s ch a s- fung begleitet werden von einer Politik der Pflege d c r K a u s- krast, der besseren Verteilung der Arbeit und der planmäßigen Regulierung der Wirtschaft. Gemeindearbeiter wehren sich. Reichsfiuanzmmister will SilS 000 Arbeitern nochmals den Lohn kürzen. Die Tarifkommissionen der Gemeindearbei- t e r und der kommunalen Straßenbahner nahmen am Dienstag iin Varbandshause des Gesamtverbandes gemeinsam Stet- lung zu den Kündigungen der Mantel- und Lohn- t a r i f e. Von den Kündigungen werden über 315 000 Ge° meindearbeiter und kommunale Straßenbahner ersaßt. In den Verhandlungen wurde nochmals festgestellt, daß durch die vier Lohnkürzungen im Jahre 1931 und durch Ar- beitszeitosrkürzungen, Beseitigung von Mehrarbeit, Entlassungen und Pensionierungen das Lohnkonto der Gemeindebetriebe allein für diese Gruppen ummchrals30Proz. verringert worden ist. Besonders herausgestellt wurde, daß die treibende Kraft bei den Lohnkündigungen das Reich«ßna»zini«tfteriu»n und das Reichsarbeits- Ministerium— das zuständige Ministerium siir Lohn- und Tarif fragen— vollständig in den Hintergrund gedräugt ist. Durch die Kündigung der'Manteltarifverträge wird ein« weitgehende Herabsetzung der Leistungen dieser Verträge beabsichtigt: ferner die Herausnahm« bestimmter Gruppen, so des Gesundheitswesens und der Parkarbeiter aus diesen zentralen Verträgen. Alfa sozial« Reaktion auf allen Gebieten. Die Vorschläge des Verbandsvorstandes über die ein- zuschlagenden Gegenmaßnahmen fanden« i n st i m m i g e Villi- g u n g der Kommissionen. Die nachstehend« Entschließung, die den einmütigen Abwehrwillen der Gemeindearbeiter und Straßenbahner zum Ausdruck bringt, fand einstimmige An- nähme. „Die am 12. April 1932 in Berlin gemeinsam tagenden Reichs- tarifkommissionen der Gemeindearbeiter und kommunalen Straßen- bahner im Gesamtoerband nehmen mit Entrüstung davon Kenntnis. daß die Bezirksarbeitgeberverbände auf Anweisung des Reichs- arbeitgeberverbandes die bestehenden Lohntarifverträge zum 30. April 1932 gekündigt haben. Trotzdem die Lebenstage der Arbeitnehmer der Städte und Gemeinden im Jahre 1931 durch Lohnkürzungen erheblich verschlechtert wurde, sollen die Stunden- löhne mit Wirkung vom 1. Mai 1932 erneut gekürzt werden. Die Tarifkommissionen erklären, daß eine weiter« Belastung durch Lohnkürzungen für die Gemeindearbeiter und kommunalen Straßen- bahner— auch nach den Erklärungen des Reichs- a r b e i t s m i n i st e r s am 17. August 1931 und dem Schiedsspruch vom 1. November 1931— oölliguntragbarist. Jede weitere Lohnsenkung wird den schärfsten Widerstand der Gesamtkollegen- schaft hervorrufen. Von der Reichsrogierung fordern die Reichstarifkommissionen, den§ 7 Ziff. 4 der zweiten Gehaltskürzungsverordnung aufzu- heben, well durch die mehrmaligen Lohnkürzungen und den weiteren erheblichen Einkommensverlust, durch Beseitigung aller Mehrarbeit und Verkürzung der regelmäßigen Arbeitszeit diese Bestimmung als erfüllt anzusehen ist. Des weiteren nehmen die ReichstärsttoniMlssionen davon Kenntnis. daß die Reich smanteltarifverträge für die Gemeindearbeiter und kommunalen Straßenbahner ebenfalls vom Rsichsarbsitgeberoerband zum 30. April gekündigt sind. Tie Reichötariskowmijsiouen erklären schon heute. daß eine weitere Verschlechterung des sozialen In- Halts dieser Verträge nicht kampflos hingenommen wird. Vom Berbondsvor stand wird gefordert, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß die drohend« Verschlechterung der Lebenslage für die Mitglieder des Gesamtverbandes abgewehrt wird. Aufgabe der Mitgliedschaft muß es aber sein, diesen Kampf für Erhaltung ihrer Recht- einheitlich und geschlossen zu führen und für den Ausbau des V«rba>id«s tatkräftig«inzutreten. Eiserne Disziplin und geschlossenes Handeln ist dringender denn je dos Gebot der Stunde." Unmöglicher Lohnabbau! (Schä'rfffer Widerstand der Gewerkschaften angekündigt. Zur Vorbereitung der am kommenden Freitag nach längerer pause wieder stattfindenden Besprechungen des Reichs- orbeitsministertums mit den Schlichtern über lohn- politisch« und arbeilsrechtliche Fragen haben— so wird amtlich mllgeleilt— am Dienstag wie übltch getrenalc Aussprachen der Sachbcraler de» vlimflerlum» mit Vertretern der Spiheaverbändc der wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeltgeber und der Arbeit. nehmcr über ihre wünsche zu den Beratungsgegensländcn statt- gefunden. Die Besprechungen waren vertraulich. Der Bundesausschuß des ADGB-, der am Dienstag im Berltner Gewerkschaflshau» getagt hat. nabn, auch zur Aus- spräche im Ministerium über die Lohnsrage Stellung. Einmütig wurde in Aebereiastimmung mit dem Lohnpolitischen Ausschuß des ADGB. jeder weitere Einbruch in de« Lohn als un- möglich abgelehnt. Auch gegenüber dem versuch des Reichs- orbeitsministertums. die Löhne der hauptsächlich für den Binnen-, markt arbeitenden Berufe noch mehr als bisher dem allgeraelnen Lohnodbon onMpasien. wurde schärfster Widerstand der Gewerkschaften angekündigt. Arbeitskonferenz beginnt. Eröffaonasrede Maheims. Genf. 12. April.(E'gimbericht.» Die 16. International« Arbeitskonferenz wiwde am Dienstag von dem Lorsitzenden des Verwalbmgsrate» M a- he im» Belgien«tt.einer längeren Begrüßungsrede an die 47 vertretenen Nationen«Sstnet. An der Konferenz nehmen 32 Ber» treter von Regierungen. 3? von Unternehmern und 81 von Ar» betterorzamsationen teil Maheim erinnert daran, daß bis jetzt inszesamt 480 Ratiftkatio- nen internationaler Abkommen erfolgt sind. Er besprach darauf die pier Tagssordmtngswnkte von denen die teilweij« Reotfe» der Konvention über den Unfallschutz der Schiffsverladearbciter eine rein tech''jche Revision darstelle zur Erleichterung der Ratifizierung und Aiuvendung. Die drei anderen Punkte bedeuteten eine Verstärkung oder Vervollständigung der internationalen Gesetz- gcbung. Die Aufhebung der Arbcitsvermittlungs- faiiros gegen Bezahlung stamme nnn der 1919 angenommenen Äonoention über die Arbeitslosigkeit, die die Errichtung öffentlicher und unentgeltlicher Arbeitsämter vorsehe. Die jetzige Konferenz habe zu entscheiden, ob nicht die Zeit gekommen sei, die damals nur empfohlene Aufhebung der bezahlten Arbettsver- mittlung durch eine Konvention zu ersetzen. Die Errichtung einer Versicherung gegen Invalidität. Alter und Tod solle den Kranz der bestehenden sozialpolitischen Abkommen vervollständigen. Endlich könne das Abkommen über das Mindest- zulassungsalter von Aiiidarn zur Arbeit in nicht industriellen Be- rufen in der vorgeschriebenen zweiten Lesung angenommen werden. Zum Vorsitzenden der Konserenz wurde einstimmig der kana- i bische Regieruiigsvcrtroter Robertson gewählt. ! Besser machen ist schwer. Warum die Möbelt ransportarbeiter nicht streiken. Ende Januar stinimte die„Rote Fahne" ein Freudengeheul dar- über an, daß die bisher in der Mehrheit„reformistische" Vranchen- lestung der Möbeltraiisportarbctter restlos von„O p p o s i t i o- nellen" besetzt worden sei, auch in der L o h n k o m m i s s i o n hotte nunmehr die„Opposition" die absolute Mehrheit. Kurz nach diesem Sieg machte die REO. in dieser Vranchc zum Streik mobil. Die„Opposition" wollte zeigen, was eine Harke ist! Es sollten die Positionen wiedergeholt werden, die von der früheren reformistischen Große Kundgebung der BVG. Am Doniwstag, dem 14. April, 19� Uhr, spricht im großen Saal der Kammerfcäl6,Toltower Str. 1/4 Poliieiieipiilsident Genosse Grzcalnski Uber: Der Kamel um Preußen. Brauchenleitung unter dem Druck der Verhältnisse„feige" preis- gegeben worden waren. Die REO. propagierte die Forderung: Erhöhung des Wochen- lohns für ständige Arbeiter von 53 aus 03 Mark, des Tagelohns der unständigen Arbeiter von 10,30 auf 12,50 Mark und Abschaffimg des sogenannten Wagenmetergeldcs. Sie ließ in verschiedenen von ihr einberufend Versammlungen Streikleitungen wählen, setzte auch schon den Beginn des Streiks fest, kurzum traf olle Vorbereitungen, die zu einem richtigen RGO.-Streik notwendig sind. Die Situation war allerdings für einen Streik die denkbar günstigste, denn noch in keinem Jahr der Nachkriegszeit hatte das Möbeltransportgewerbe soviel Aufträge wie diesmal für die erste Aprilwoche. Die„Rote Fahne" kündigte mehrmals denStreik an, der Streikbeginn wurde aber i in in e r wieder oerschoben, bis endlich— die Umzugszeit vorbei uno damit auch die günstigste Streiksituation verpaßt war. Warum hat die RGO. ihre Strcikdrohung nicht verwirklicht? Ganz einfach, weil ihrer Parole weder die„revolutionäre" Branchenleitung der Möbeltransportarbcitor, noch diese selbst Folge geleistet haben. Die Brauchenleitung hat offenbar nicht nur die Auf- träge der Spediteure, sondern auch die große Zahl von imorgani- sierten arbeitslosen Transportarbeitern in Rechnung gestellt, stir deren Solidarität sie sich nicht verbürgen konnte. Diese Uebcrlegimg wurde von der KPD. und ihrer RGO., wenn es sich nicht um ihre Gesinnungsfreundc handelte, bestimmt als Feigheit und grenz e q l ü f e r Verrat gsbrandlßarjkt werdeil. So aber hülst sich die kommunistische Presse, tue noch bis vor. kurzem fast jeden Tag den Streik der„revolutionären" Möbeltransportardeiter angekündigt hatte, � in beredtes Schweigen, dessen Verlegenheit die abgmndiirc Verlogenheit der RGO. verkündet. Wasser in den Kreudenbecher der NGO. Der Schuhmacherverband gegen KPD-Lügen. Vom Zentraloerband der Schuhmacher wird uns geschrieben: Von einem„riesigen M i t g l i e d c r v e r l u st des Zeiural- Verbandes der Schuhmacher" erzählt die Koininunistenpresje ihren geduldigen Lesern. Sie behauptet, daß der Zcntralvcrband durch seine„reformistischen Führer" bis auf 35 000 Mitglieder heruntergewirtschaftet worden sei. Die Zahl ist falsch. Im Jahre 1922 waren in der Schuhindustrie rund 111000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Im Jahre 1931 dagegen nur noch 67 700, das sind 43 300 oder rund 40 Proz. weniger. Im Jahre 1922 hatten wir im Jahresdurchschnitt nur 1,25 Proz. Arbeitslose, im Jahre 193l dagegen 30,5 Proz.. wozu nach 43,5 Proz. Kurzarbeiter kommen. Die Zahl der Voll- beschäftigten betrug in der Schuhindustrie im Jahresdurchschnitt l93l nur noch rund 15000 oder 26 Proz. Die Zahl der Mitglieder betrug im Jahre 1922 oller- dmgs 116 000. am Schlüsse des 4. Quartals 193l ober nicht 35000, wie die KPD.-Presse lügt, sondxrn, wie jeder au» der verösfentlichten Abrechnung ersehen kann, 5 9 51 7. Gegenüber T«fe€ksfyrs 'lemWslfmsrkl auf 3 Siücl jo T Si««ofen Mut fcoben,?1» diesem billigen P/eise uns ry ve�ouen. Sie werde«»tounen, dgß eine so hervoivogende Quaütif in dieser Preisläge uberhoujpi miglicK ist. Wir benutzen die Vorteile des T�bak- skufje� ouf der ganzer» Linie, om einen Hodnt-ßeVord an Qualität und Preis zu bieten. dein Rückgang der ZäJjl der Beschäftigten und der großen Zahl non Arbeitslosen und Kurzarbeitern hat sich also der Zcntralverband der Schuhmacher außerordentlich gut gehalten. Wenn die Kommunistenpreise behauptet, wir hätten»ach unseren eigenen Angaben nur noch 45 000 Mitglieder, diese Zahl sei aber inzwischen wohl aus 35 000 zurückgegangen, so beweist das nur ihre Verlogenheit oder ihre grenzenlose Dummheit. Sie errcch- net— wie es scheint— die Mitgliederzohl von 45 000 aus der Be- rechnung der Delegierten zum Verbandstag. Jeder Gewerkschafter ober weiß, daß bei der Berechnung der Delegierten nur die b e- zahlten Beitragsmarken zugrundegelegt und 13� bezahlte Beiträge gleich einem Mitglied pro Quartal gerechnet werden. Nach der so errechneten Mitgliederzohl erfolgt die Berech- nung der Zahl der Delegierten, während natürlich in der Abrech- nung alle Mitglieder, auch diejenigen, die insolge Kurzarbeit nur alle Ii Tage oder drei Wochen einen Beitrag zahlen, sowie die arbeitslosen Mitglieder, mitgerechnet werden. Wenn die Kommunisten sagen, die Verbandsleitung trage die volle Verantwortung für die Elendslage der Schuharbeiter und für den Rückgang der Organisation, dann kann man mit demselben Recht die KPD für den Ausbruch des japanisch- chinesischen Krieges verantwortlich machen. Und wenn die Kom- munisten oerlangen, daß die„O p p o s i t i o n" in allen Zahlstellen oppositionelle Delegierte aufftellcn und diese Delegierten dem Rcichskomitce der REO.'Industriegruppe Leder melden soll, dann kann man dazu nur sagen, daß die RGO. im Zentralocrband der Schuhmacher nur sehr wenig zu melden haben wird und von ge- wählten Delegierten jedenfalls gar keine; denn die Rote Gewerk- Ichastsopposition hat im Zentralverband der Schuhmacher so grüno- lich abgewirtschatet, daß von ihr nicht mehr viel übrig geblieben ist. Gtreii um das Aaziheim. Die Mariendorfer Sektion sleitung der NSDAP. ist vor dem Arbeitsgericht verklagt. Sie hatte ein„Heim" für ihre Parteianhängcr in Mariendorf, Chausseestr. 293 eingerichtet und ein Ehepaar Dornbusch mit der Bewirtschaftung des Lokals betraut. Wie der Sektionsleiter Dumke versicherte, war das„Heim" eine ideelle Sache. Aber für das klagende Ehepaar war es eine durchaus mate-rielle Angelegenheit. Sie konnten doch von der nationalfazialiftisäien Idee nicht leben, also wollten sie durch den Betrieb des Nozihcims ihren Unterhalt er- werben. Damit war es aber nichts, denn die SA.-Leute benutzten das„Heim", wie Frau Dornbusch erzählt, als Wärmehalle, wo sie sich den ganzen Tag herumdrückten, ohne etwas zu verzehren. Die Hoffnung der Frau Dornbusch, durch einen Mittagstisch für andere Besucher des Lokals etwas zu verdienen, wurde dadurch ver- eitelt, daß die„Frauenfchoft der NSDAP." die Küche für sich in Anspruch nahm, um dort Mittagessen zu 50 Pf. für die SA.-Leute zu bereiten. Der Kläger Dornbusch verlangte von der« Sektionsleitung der NSDAP. 9 0 0 Mark mit der Begründung, der Scktionsleiter Dumke habe ihm ein monatliches Einkommen von 200 Mark aus dem Wirtschastsbctrieb gcronticrt. Dumke beschwor, eine solche Zusicherung nicht gcinacht zu haben. Dann mochte Frau Dornbusch mehrere Zeugen namhaft, die bekundeii sollen, daß die Leitung der NSDAP, de» Boykott über ihr Lokal verhängt und chr dadurch Schaden verursacht babc. Meine Zeugen— so bemerkte Frau Dornbusch mit einem bezeichnen- den Blick auf Dumte— schwören keinen Meineid. Diese Zeugen werden im nächsten Termin auftreten. Freie Gewerkschafts-Iugenö Verlin .eute, Mittwoch, 13. April, 19� Uhr, toqcn die Gruppen: Südwestcu: .ugendheim Dvrckstr. 11(Fabrikgebäude). Geschichte der Arbeiter- berveguug.—"Schoneberg: Jugendheim Hauptstr. 1b«'Gartenhaus). Wo und warum organisieren sich die Lugendliäicn?— Spandau-Neu siadt: Jugendheim Lindenufer 1. Gewerkschaften und Innung.— NordrivZ: Jugendheim Gonnenburger Sir. 2l). Das lustige Buch— die lustige Schallplatte.— Wcifceitsec: Jugendheim Weißensee Parkstr. 36. Gewerkschaften und �Reichs- hl.— Arnswalder Platz: Jugendheim Rasten Präsidentenwahl.— Arnswalder Platz: Jugendheim Nastenburger Str. 1-;. Unsere Gruppe.— NeutöVn: Jugendheim Bcrgstr.(Hof). Kreismrtglieder. uersammlung.— Flughafen: Jugendheim Flughasenstr. 6« Nl-Dahn Boddin straße). 5lreismitgliedervcmmmlung.— Humboldt: Jugendheim Graun- Eae Lortzingstraße. Gewerkschaften und Wirtschast.— Schillerpar!: Jugendheim. Schule Schöningstr. 17. Sexualleben.— Tegel: Jugendheim Tegol. schone- berget Str. 4. Gewerkschaften und Klassenkampf.— Baumschulen weg: Jugendheim Vaumschulenrveg, Ernststr. 16. Der Krise nkongreß der Gewerkschaften.-- Gesamtverband, Fachgruppe Friseure: Jugendheim Engelufer 24— 2 b gang B, parterre. 19*4 Uhr Lichtbildervortrag:..Haartrachten der guten alten Zeit"(Biedermeierzeit)'.— Südkreis: Jugendheim Bcrgstr. 29. Kreismiigueder. Versammlung.— Werbeversammlung am Donnerstag, dem 1!. April, tu Steglitz, Flcmmmgstr. 1. Fritz Repter- ein Heimatdichter. Referent: Rachow.— Heute tagt die Berficherungsgesellschait Sorgenfrei A.-G. von 16 bis 18 Uhr im Verbanüshaus, Zimmer 24. wir ülzorzsu�sri f<Ör>n6n, ctass urissr �rOS2Sr> S ♦JUBfL'4ilI4iS>'iRKiUF alles bisher Gebo+ene üben+ro-Ffen hai DAMEN- T__ L„„ J_„ gularWäscheslolf, mitSticfc.r.i /-> CQ lagnemaen«nd moüv............. siodcU,Oo Nachthemden Ä.m:.bM:i.ck,9rs,idt 1,15 Nachthemden 1,65 Q /»U 1 1**1 a f Charm«usef extra schwer, mit breit. 1"7 C oemuprer aoswochscloaren Gummiband, St. I ,/%J Milanese, feinfädige Ware, grosses O A C ............. Stück C..L. I. Milanese, feinfä oemuprer Farbsortiment. 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