BERLIN WttVoK 13. ApN'l 1932 10 Pf. 123 B 87 49. Lshrgong Erfch eint tSglich außer M M£f»«»etgexpret«: eit aRarimiOE?,«!« so«, Z-Slei-d Abc-s-uzg-tk dtt.Bs-w-rt»' f»l U Bt t ä MM MB i" R-kl«m-j?!l- 2.-« EnA-tzw-i-gm tiao larif'VüfM.tsHvv.tc'. htiCr SlaMabtB 75®f. rro Botte. 3�5® er»!Kisau%."/ j. X// f f**.»Äm»8n»«tt.Betta«(8. au». Betlte«t.»636.-©n SSetlaj (laccn>.7 mMMtlid) iär Boteuan« tn*««aO fa» Mtaa« Ii«* /TT§ i fs /t£&/lt MI fbV jMM€äJL. W»Ü«4«kö Seit tnr aWrtnan« atdi! atntSmrr Süuf.st«»c»' UtlMr D- a 8 c,»« Z.S7 nnschli-ßllch« vf.»oOieitaazt.> mm PH<4 KüI iT e v e r l u g und G r z c s i n s k i. auch Reichstagsprafideut Lobe werden bei ihrem Erscheinen durch lebhaften Beifall begrüßt. Die Rcillisregierung ist durch Arbcitsminister S kegcrwald und Wirtschafksminister W a r m b o l d ver- treten, auch der preußische Zinanzminister Dr. Klepper ist anwesend. Zahlreiche Mitglieder der sozialdemokratischen Rcichstagsfraklion wohnen den Berbandlungen bei. Zu Beginn feiner Eröffnungsansprache teilt L e i p a r l mit. daß der Reichskanzler, der fein Erscheinen bc- flimmk zugesagt hatte, zu seinem große» Bedauern daran verhindert ist. Au seiner Stelle wird Arbcitsminister Stegerwald sprechen. Da der Kongreß ein reiner Arbeits- kongreh ist. hat auch der Rcichstogspräfident Lobe auf feine Begrüßungsansprache verzichtet. Der Kongreß dankt ihm für die lleberlassung des Tagungsraumes nnd zugleich auch für feine vielfache rednerische Unterstützung der gewcrkschast- lichcn Zordcrungea. Die Eillleitungsworte sprall?, oft von Beifall unter- brachen, der BundeSvorsihende Theodor Leipart: Die Oellentlichkrit ist allmählich abgestumpft gegenüber der furchtbaren Tatsache, daß über 6 Millionen Deutsche arbeitslos stich, während unter den unmittelbaren und mittelbaren Folgen dieser wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe eine noch unendlich viel größere Zahl von Menschen zu leihen hat. Auch die verantwort- lichcn Stellen verhallen sich gegenüber dieser unier innen- wie außenpolitischen Gesichtspunkten drängendsten Frage der deutschen Politik allzu passiv. Um so nachdrücklicher müssen die Gewerkschaf- ten den Ruf nach Arbeit für die Arbeitslosen erheben. Eine Politik der wirtschaftlichen Verständigung im übernatio- nalen Rahmen wird durch tiefgreifende politische Widerstände er- schwert, die auf den Krieg und auf den Verlaillcr Vertrag zurückgehen und die Wirkungen der Weltwirtschaft- knie unheilvoll verscharfen. Trotzdem, nein, gerade deshalb haben die Gewerkschaften sich immer wieder für die weltpolitische Verständigung eingesetzt. sind sie für eine mternatwnale Kredilvereinbaruug als fmonzielle Grundlage einer großzügigen Arbertsbeschasfung eingetreten. Aber die aktive Förderung internationaler Maßnahmen zur Linderung und Behebung der Arbeitslosigkeit, deren Durch- führung nur langsam zu überwindenden Schwierigkeiten begegnet, entheben die Reichsregierung und alle Stellen, die mit Der- antwortungsbewußtfcin an einer Dosierung der Wirtschaft' ichen Ver- Hältnisie arbeiten, nicht von der Verpflichtung, auch im Rahmen der nationalen Mrkschaflspolltik die Arbe'isbeschassima anzubahnen. Die Deflation-Politik der Reichsregierung war gegen die eigenen Volksgenoflen. insbesondere gegen die großen Schichen| der Arbeiter und Angestellten, von einer bis an die äußerste Grenze des Erträglichen geheirden Rückfichtslostgkeit. Bei allem Verständ- n!s für die außenpolltischcn Argumente der Reichsregierung haben die Gewerkschaften diese Politik entschieden bekämpft. Der rigorose Abbau der sozialen Leistungen und der Abbau der Löhne führen unweigerlich zu einer Verelendung der breiten Volksmassen, sie ze stören nicht nur die Kaufkraft und damit eine der Vorau-setzun- gen der Belebung der Wirtschaft, sie untergraben die Grundlagen der staatlichen Ordnung, sie steigern die inuerpolilischen Spannungen. Diese Wirkungen treten um so unvermeidlichsr ein, wenn nichts geschieht, um durch Mittel, die keine besonderen Auswendun- gen. sonde.n nur Entschlußkroit erfordern, die Not zu lindern. iftichis ist trotz der wiederholten dringenden Mahnungen der Gew rk-] sch asten geschehen um durch spftematisch«. gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit die Arbeitslosigkeit zu verringern. Arbei'sbefchaffung und Verteilung der Arbestsgelegenheit sind aber untrennbar ver- bunden. Es ist ei» Skandal, daß»och immer regulär über •4K Stunden gearbeitet Wird, dasi noch immer vielfach Uebcrstuudciiarbeit geduldet wird, daß noch immer Leute, die Pensionen beziehen, audere» Arbeitsplätze Die Wahlbombe Z« einer Gcheidemann Äcrwmmlunq in lndwigs- bürg brachten die Nazis eine Bombe zur Epplosioö. \-\\V'4 I 1 T ' W i'-iu* •v.j"tJ Die Razi-Legalität ist auch in diesem Wahlkomps auf schwurreifer Höhe! weguehwrn, daß keiu ernsthafter Vcrsoch unternom- meu worden ist, die Frage des Toppclverdiencrtitms zu lösen. Vi-lc Zehntausende würden Arbeitsmöglichkesten finden, wenn dieser Skandal aufhört, weitere Zchnwusende würden wieder in den Produktionsprozeß eingeschaltet werden können, wenn endlich die allgetjieine gesetzliche lst-Stunden- Woche eingeführt würde. Der Reichsarbeitsminister hat im September eine Nower- ordnung über die Verkürzung der Arbeitszeil in Aussicht gestellt. Sie ist bis heute noch nicht erlassen worden. Der Ruf nach Kostensenkung hat dafür um so mehr Gehör ge- funden. Dauernd wurden mit staatlicher Hilfe die Löhne ge- senkt mit der Begründung, daß dann olles bester werden würde. Tatsächlich ist nichts besser geworden. Dos wisien auch die Arbeitgeber. Trotzdem haben sie zum 30. April fast alle Tarisverträge gekündigt. um weitere Lohnkürzungen durchsetzen zu können. Neu« Schieds- spräche liegen vor, die den Arbeitern nochmals einen Lohnabzug von 10 Proz. aufzwingen. Der Kongreß erhebt entschieden Protest gegen diese wider- sinnige Politik, die zur völligen Bernichbmq der deutschen Wirtschaft führen muß. Bon Notoerordnung zu Notverordnung ist die Zahl der Arbeitslosen gewachsen. Das darf nicht so weiter- gehen. Es ist fast ein Wunder, daß da» deutsche Volk nach allem, was ihm zugemutet wurde, diesen Winter überstanden hat. Di« Disziplin und moralische Kraft der Arbeiterschaft verdient die hvcltstc Achtung und Bewunderung. Aber Entsagungen und Opfer müssen eiidlicl) eine Grenze haben. Noch hofft die Masse dcr organisierten Arbeiter, daß es den Ge- werkschaften mit Hi's« von Staat und Neichsregierung gelingt, dem Massenelend zu steuern, die Krise durch Arbeftsbeschassung zu lin- der«, eine Belebung dar Wirtschaft anzubahnen. Soll dieses Der- trauen auch noch zerstört werden? Das darf nicht fein, nicht um der Gewerkschaften, sondern um. des Staates und des- Volles willen. Man hat gesagt, eine Arbeftsbeschassung großen Stils sei mit Rücksicht auf die außenpolitischen Interessen unmöglich. Man hat besonders darauf verwiesen, Frank eich werde daraus den Schluß zichen. daß Deutschland noch nickt so arm sei. Indessen, dieser Hinweis kann nicht gelten. Hm Mittelpunkt der französischen Politik steht die Sicherhcftsfrage. Die Gewerkschaften stellen daher vor oller Welt die Fragec Dient co der Sicherheit Frankreichs, dient es der ernstgemeinte« Befriedung Europas und der Welt. lueuu infolge der steigenden Arbeitslosigkeit und der wirtschaftlichen Verelendung immer weitere Kreise der Bevölkerung, besonders auch der arbeitslosen Arbeiter, der Verzweiflung und dem Politischen VadikaliSmus verfallen? Kann also Frankreich im Ernst Folgerungen für sei»« weder wirtschaftlich noch moralisch gerechtfertigten Reparationsansprüch« ziehen. wenn Deutschland die letzten noch vorhandenen Finanzreserven für die Beschaffung von Arbeit aufwendet zu dem Zweck, dem weiteren Fortschreiten der Verzweiflung des politsichen Radikalismus zu begegnen? Keinerlei übertriebene Rücksicht auf außenpolitische Interessen darf daher die Reichsregierung veranlassen, die umniitekbare Hnan- griffnahme der großen Aufgab« der Arbeftsbeschassung hinauszuschieben. Arbeftsbeschaisung ist unter innen« wie auhenpolftischen Gesichtspunkten die zentrale Aufgabe dcr deutschen Politik! (Lebhafter anhaltender Beifall.) Das Büro des Frankfurter Kongresses mit Brandes. Oswald Schumann und Theodor L e i p a r t als Vor- sitzenden wird darauf wieder eingesetzt. Es folgt das Referat Wilhelm Eggerts über die Notwendigkeit der Arbeitsbeschaffung. Wir berichten über diesen Teil der Verhond- lungcn in der Beilage. Nach der Rede Eggerts wurde ein Schreiben des Reichskanzlers verlesen, worin er sein Fernbleiben mit dringenden Dienstgeschllsten begründet und bedauert. Er wünscht dem Kongreß eindrucksvollen Verlauf zum Nutzen der dcul- fchen Volkswirtschaft und der deutschen Arbeiterschaft. Neichsarbeitsmimster Stegerwa-d unterstreicht diese Mitteilung des Reichskanzlers noch und fügt hinzu, daß das Fernbleiben des Reichskanzlers keineswegs etwa mit dem Veratungsgegenstcmd des Kongresses zusammenhänge upd beruft sich dann auf seine Rede aus dem Frankfurter Gewerkschafts- kongreß:- Wir sind weder optimistisch noch zu pessimistisch gewesen Dcm haben wir es zuzuschreiben, daß wir mft den Mfttcln für die A.rbcftslnsenunterstützung noch so ausgekommen sind. Ein Haupt- iaktor für jede Besserung ist die außen- und i n n e n p o l i- tische Beruhig nn g, also ein befriedigender Ausgang der im Juni vor Ablauf des Hnooer-Freijahres abzuhaltenden Reparation-'- konferenz, ebenso wie die geistige Gesundung im Innern. Dafür wird nun naäz der Reichspräsidentenwahl die' P reu ß e n w a h l von größter Bedeutung sein. Den Wendepunkt in der Weltwirtschaftskrise erwarten viele für die zweite Hälfte 1932, in England und Amerika ober rechnet man vielfach dawft erst siir das Hahr 1933.(Unruhe.) Als Hauptursach« des Schrumpsungsprozesses kann ich nicht die Gehaltskürzung ansehen Diese war unerläßlich, um unseren Etat in Ordnung zu hakten. Bei einer solchen Kürzung der öffentlichen Personalausgaben um 214 Milliarden Mark konnte auch die Privat- Wirtschaft mft ihren Löhnen nicht unbeteiligt bleiben. Warum habe» sich so viel« Großuotcrnohwer bei dcr Reichs- Präsidentenwahl für Hiller erklärt? IBell sie durch eine zwei!« öuslallon ein zweileg mal ihre Schulde« los zu werde« hoffe«. (Lebhafte Zustimmung.) Auch nur gefällt vieles an den Notoerordnungen nicht. Aber ohne diese Notverordnungen wären wir heut« in einer Inflation, gegen die 1923 nur ein schwaches Borspiel gewesen wäre. Der Minister verteidigte dann seine Haltung in der Arbeitszeitsrag« gegen den Vorwurf, urfter dem Druck der Unternehmer gestanden zu hoben.. Die Bankensanierung sei nicht aus Liebe zu den Aktionären erfolgt, sondern im Jntcresic der dreiviertel Millionen Koiften- inhalier, von denen die Wefterbeschästigung großer Arbcftermassen obhing Die von Eggert ausgezählten Arbeftsgelegenhcften erkennt der Minister an. Er betont, daß die Kosten auf keinen Fall durch eine Hnflation„aufgebracht" werden dürfen, dagegen wäre selbst Nichtstun noch das ttsinere Uebel.(Zwischemwfe.) Aber natürlich bleibt Nichtstun außer Betracht Bei den zu beschaffenden Arbeiten, so meint Stegerwald weiter, werde man neben der Geltung der Tariflöhne doch auch den freiwillig«, Arbeitsdienst heranziehen und sogar erweitern müssen, aber so, daß das Geltungsgebiet der Tarif« nicht bedroht werde. Stegerwald erklärte wefter, daß er kqine Möglichkeiten sähe, im Lause des nächsten Jahrzehntes die deutsche Reiftenverficherung wefter ausbauen zu können. Man müsse den Rentenbezichern ein Stückchen Land zuweisen, durch dessen Bebauung sie sich einen Frauen rar ein loziaies PreuBen! Heute, Mittwoch, den 13. April, IS'- Uhr, im Saaibau Friedrichshain-- Ansprachen halten die Genossinnen Gertrud Hanna, MdL., Helene Schmitz, MdL. und Käthe Kern Naturalzuschuß zur Reute beschaffen können.(Widerspruch.) Die Rcicheregierung Habe bereits sichere Finanzierunzspläne für eine verstärkte Siedlung. besonders für eine Verstärkung der städtischen Vorraumsiedlung, ebenso auch für den Straßenbau und für Wohnungsreparaturen. �Zur Frage der Arbeitszeitverkürzung erklärte Sieger- wald, daß die Reichsrcgicrung nochmals Besprechungen zwischen den Unternehmern und Gewcrlschastcn herbeiführen wolle, und, falls diese Besprechungen ergebnislos bleiben sollten, eventuell durch eine Rot Verordnung die Arbeitszeit verkürzen werde. An ein« ollgemeine Lohnsenkung nach dem 39. April würde weder im Reichsarbcitsministeriunr noch in der Reichsregierung gc- dacht. Für das Gros der Arbeiter seien die Löhne nicht mehr zu boch. Es seien aber noch einige Angleichun gen notwendig. lchestiger Widerspruch der Delegierten.) Diese Ungleichungen sollen aber nicht das Signal sein für einen allgemeinen neuen Lohn- obbau. Minister Stegcrwald schloß seine Rede mit der Versicherung. daß für die Arbeitslosen von der Regierung alles geschehen solle, was geschehen kann, ohne die deutsche Währung zu gefährden. Als erster Redner in der Diskussion sprach der Vorsitzende des Deutschen Vaugewerksbundes, Genosse Bernhard. Keine DRuhe in Spanien. Synvikalisten machen Rebellion. Madrid, 12. April. !on Granoda erklärten die Syndikalisten zur Durchsetzung ihrer Forderung auf den S e ch s st u n d e n t a g den Generalstreik. Streikende warfen sieben Bomben, von denen eine in einer Kirche explodierte und erheblichen Sachschaden verursachte. Ferner rissen sie Gasleitungen auf und legten Feuer an. In einem Dorfe bei Granada wurde ein mit streikenden Ar- beitern besetzter Autobus von einer Polizeiabteilung angehalten. Es folgte ein Feuergefecht! ein Toter und vier Schwerverwundete bleiben auf dem Platze. In Valencia, Barcelona und C a st e l l o n streiken die Elcktrizitätsarbeiter. Der Betrieb wird durch Militär- und Marine- abteilungen aufrecht erhalten. Nazi-�aufstudenten. Vier Monate Gefängnis wegen eines rohen Lleberfalles. Bei der Verteilung der chindenburg-Plaketten am Sonnabend, dem 9. April, abends gegen b Uhr, kam es in der Gneisenaustraß«, Ecke Bärwaldstraße zu einem bedauerlichen Zwischenfall. Der Ge- nasse Busch wurde von Nazis überfallen und erhielt«inen Schlag ins Auge und einen M c f s e r st i ch i n s G e s i ch t. Als Täter wur- den die Studenten Schweden und Jakobs verhaftet. Gegen beide wurde Anklage vor dem Schnellgericht erhoben und sie wurden zu 4 Monaten Gefängnis ohne Bewährungsfrist und Strafaufschub verurteilt. Zwei Nazizeugen leisteteten den christlichen und die Zeugen Büschs den weltlichen Eid. Das paßte merkwürdigerweise dem Rechtsanwalt nicht, und es genügte ihm auch nicht, als ihm der Vorsitzende sagte, daß in der vorhergehenden Sitzung 4 Nazis den weltlichen Eid geleistet hätten. Er konnte es einfach nicht verstehen, denn im Buch Nazi-Rosenbergs stehe ausdrücklich, daß der Nationalsozialismus der Jugend dos Christentum wiedergeben wolle. Dabei weiß heute jedes Kind, daß das Hakenkreuz ein uraltes heidnisches asiatisch- indisches Abzeichen ist, das sich bei den germanischen Nazis ganz besonders schön ausnimmt. VerzweiflungstateinesGeschäfisführers Mann. Zmv und Kind durch Gas getötet. Magdeburg, 13. April. Bei einer unvermuteten Revision bei der Allgemeinen Orts- kroukenkasje in S e e h a u s e n in der Altmark, wurden größere Unterschlagungen des Geschäftsführers Paul Kaiser festgestellt, die bis zum Jahre 1928 zurückreichen. Kaiser, der in seiner Wohnung in Ptagdeburg verhastet wurde, gestand seine Verfehlungen«in und wurde, da kein Fluchtverdacht vorlag, zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Bald darauf wurden er, seine Frau und sein zweijähriges Töchterchsn in der Wohnung tot aufgefunden. Kaiser hat durch Einatmen von Gas Selbstmord verübt und seine Frau und sein Kind mit in den Tod genommen. Wer klagt gegen Vram und„Svrivärls"! Wegen der Behaupwng landesverräterischer Absichten Vom Wachtposten erschossen. Würzburg. 13. April. Der Reichswehr-Obergesreite Hans Richter kam in der Dienstagnacht zu spät vom Urlaub zurück. Er wollte über die Mauer der Kaserne steigen und wurde dabei von dem Posten der Maschinen- gewehrkompanie angerufen. Als er nach wiederholtem Anruf nicht antwortete, gab der Posten, der annahm, daß es sich um einen Ein- bruchsversuch handelte, seiner Dienstvorschrift entsprechend, Feuer. Richter wiirdc auf der Stelle getötet. Zum 69. Geburtstage Prosejfor Sandkuhl». Oberbürgernwistee Dr. Sah ni übermittelte Professor Hermann S a n d k u h l zur Vollendung des(50 Lebensjahres namens der«tadt Berlin herzliche Glückwünsche. Schnltnabe tödlich verunglückt. Als der achtjährige Lunge Bertram Fuhrmann aus der Kaiser-Frtedrich- Straße in Neukölln gestern gegen 19 Uhr am Treptower Park 39 über den Fahrdamm gehen wollte, wurde er von ctnem La st kraft wogen gepackt und zu Boden geworfen. Man brachte dos Kind zu einem Arzt, doch war«ine Gchirnerfchüue- rung, die der Knabe erlitten hotte, so schwer, daß er schon noch kurzer Zeit verstarb. Deller sür Verlin: Teils heiter, teils wolkig, strichiveife Nacht- fräste, aber bähere Tagestemperoturcn.— Für Deutichland: Im Süden und Osten ziemlich heiter bei ansteigenden Trpstciicperatureri, aber nachts vierfach Bosensrösie. im Westen Eintrübung mit auf- l ornmende c lKeg en neigung. Adolf Hitler beauftragte— wie TU. aus München meldet— den Rechtsanwalt Dr. Frank II München, gegen den Ministerpräsidenten Braun und gegen den verantwortlichen Schriftleiter der Berliner Tageszeitung„B o r w ä r t s" Strafantrag zu stellen und Pribatklngc zu erheben wegen der Behauptung, Hitler und seine Partei verfolgten landcSvcrrätcrische Absichten. Die Absicht Adolf Jjitlers, eine Klärung der ungeheuerlichen Dinge, die sich in der NSDAP, abspielen, auf dem Gerichtswege herbeizuführen, erscheint auf den ersten Blick sehr begrüßenswert. Und was den„Vorwärts" betrifft, so können wir versichern, daß er sich zu diesem Zweck sehr gerne zur Verfügung stellt. Wir haben gegen Hitler und seine Partei den Vorwurf erhoben, daß sie Absickzten verfolgen, deren Ausführung vollendeten Landesverrat im Kriege bedeutet. Diesen Vorwurf hallen wir vollinhaltlich aufrecht und sind bereit, vor Gericht den Wahrheitsbeweis für ihn zu erbringen. Allerdings können wir nicht die Hoffnung hegen, daß das so rasch geschehen wird, wie wir wünschten. Denn erstens erfordert die von Hitler beliebte Verbindung Braun-„Vor- wärts", daß zunächst einmal die I m m u n i t ä t O t t o Brauns von zwei Parlamenten, dem Reichstag und dem Landtag, aufgehoben wird. Zweitens kommt in Betracht, daß in derselben Sache ein Verfahren wegen hoch- und Landesverrat schwebt, vor dessen Erledigung der Beleidi- gungsprozeß nicht stattfinden kann. Uebrigens haben wir schon gestern dargetan, daß e� fraglich ist, ob die Handlungen, die Hitler und seiner Partei vorgeworfen werden soweit Landesverrat in Frage kommt—„mit dem Strafgesetzbuch zu erfassen sind. Unser Vorwurf geht dahin, daß die Absickst besteht, im Falle eines gewaltsamen Eindringens fremder Truppen in deutsches Reichsgebiet die 521. nicht etwa den Ein- dringlingen entgegenzustellen, sondern sie im Gegenteil von der Grenze abzuziehen und mit dem Ziel,„das System" zu beseitigen, ins Innere zu kommandicreu. Wenn die Propagierung und Vorbereitung soldzer Pläne strafrechtlich nicht erfaßbar sein sollte, so wäre das mir ein Beweis dafür, daß eine Lücke in der Gesetzgebung besteht. Keineswegs könnte aber aus einer Einstellung des Verfahrens wegen Landesverrats der Schluß gezogen werden, es sei dadurch nur das allergeringste von unseren Vehauv« tungen erschüttert. Wir wiederholen, daß wir zu diesen Behauptungen stehen und daß wir jederzeit bereit sind, vor Gericht den Beweis zu erbringen, daß sie den Tatsachen voll entsprechen. Oingeldey gegen die SA. Der volksparteiliche Reichstagsabg. D i n g e l d e y hat gestern in Breslau u. a. folgendes ausgeführt: Die Sehnsucht des deutschen Volkes nach Wiedercrstarkung des deutschen Wehrwillens ist sehr zu begrüßen, aber der Wehrwille darf sich nichi gegen dos eigene Volk richten. Es kann nicht Aufgabe eines Parteiführers fein, sich eine eigen« Prioatarmee zu halten. Wenn nur ein Teil der Behauptungen des preußischen Innemninisters wahr ist, dann ist ein Takbcstond gegeben, den der Slaal, der seine Autorität nicht freiwillig ausgeben will, auf die Dauer nicht dnlden kann. Herr Dingetdey bezieht sich mit seinen Ausführungen auf eine vertrauliche Konferenz, in der Severing die fraglichen Dinge viel ausführlicher dargestellt und besser mit Dokumenten belegt hat. als Otto Braun das in einer öffentlichen Der- sammlung tun konnte. Grand» gegen Tardieu Für die amerikanischen Forderungen— Konkrete Ausführungsvorschläge Gens, 13. April.(Eigenbericht.) Der italienische Außenimnistcr(Brandi sprach sich heute eben- falls eindringlich für die Ausschaltung der Angrissswoffen aus, wo- durch sofort vier wichtige Ergebnisse erreicht würden: Diese Ans- schaltung verstärke die Verteidigungskraft der Staaten und ihre Sicherheit. Sie mache den Angriff schwieriger und riskanter. Sic schaffe günstige Tatsachenbedingungen für das Funktionieren des Völkerbunds- und des Äcllogg-Paktes und liefere die besten Bc- dingungen, um zu einer wirklichen Herabsetzung der Rüstungen auf die niedrigste Grenze zu gelangen. Nur so könne man die erste Etappe des Weges erreichen. Sie in Angriff zu nehmen, heiße, auf das Ergebnis losgehen, das die Welt von der Konserenz verlange. Tardieu könne theoretisch recht habe» mit der Schwierigkeit der Definierung der Angriffswafsen. Aber man habe ein praktisches Problem im Lichte der Erfahrung und des gesunden Mensche nver st ondes vor sich, und der sage jedem, daß die wirksamsten, mörderischsten und beweglichsten Massen mit dem größten Aktionsradius am geeignetsten für den Angriff feien. Was die Erfahrung betreffe, so sei die aus dem Weltkrieg zu frisch, als daß man sie Hobe vergessen können. Zum mindesten niüsse man sich erinnern, daß diese Erfahrung die genauen Bezeich- nungen geliefert habe, die dazu geeignet waren, den Teil 5 der Friedensverträge aufzustellen. Italien habe daher in seinem Vor- schlage der qualitativen Rüstungsbeschränkung der Tatsache Rechnung getragen, daß praktisch bereits ein Abkommen bestehe, das die Be- Zeichnung spezieller Angriffswafsen gestatte. Ebenso liefere diese Bezeichnung das französische Memorandum über die Waffen, die dem Völkerbund zur Verfügung gestellt werden sollen. Aus das Mißtrauen einer Verletzung von Verträge» könne man sich nicht berusen, um keinen Vertrag abzuschließen. So gut ein Staat die Abschaffung verletze, so gut könne er auch die Verpflichtung ver- letzen, durch die er seine Rüstungen dem Völkerbund zur Verfügung stelle. Nur das Vertrauen kann Grundlage von Verträgen sein. Grandi schlug als praktische Maßnahmen ei» System der Vernichtung von Angrissswassen noch Gruppen und in bestimmten Zeilabschnitten vor. Die Artillerie einschließlich Pumition muß in drei Gruppen gleicher Kaliber eingeteilt werden, wobei mit den größten Kalibern anzufangen sei. Das gleiche gelte für Tanks einschließlich Ersatz- teile. Linienschiffe, Flugzeugmulterschifse und U-Voole mühten vor dem ZI. Dezember jedes Zahres nach Zatrusilrelen der Konvention abgerüstet, ausrangiert und zerstört sein im Vrozentsatz der Gesomtionnage, die in jedem Lande in jeder Kategorie bestehe bei Znkrastlreten der Konvenlion, entsprechend der sür die Erfüllung der Zerstörung dieser Tonnage festgelegten Anzahl von" öghren! ebenso proportionelle Vernichtung nach Prozenlsähen der Lustmocht in einer bestimmten Anzahl von fahren für Vombenflugzeuge mit Interna iicnaler Organisierung und Kon- krolle der Zivilluftfahrt. Die chemischen Kriegsmittel müßten sofort vernichtet werden. Ter Vorschlag sieht auch eine Kontrolle der Fabrikation aller Waffen vor. Diese eine Methode müsse natürlich noch durch anderes ergänzt werden. Brasilien, Uruguay und P e r s i e u spräche» im I wssentlichen für Gibsons Vorschlag. Tewsik Ruchdi Vey-Türke» vertrat das System der Gleich öcrechtlgung und der Weg- nähme der Angrifsswaffcn. Neu war sein Antrag aus Jnternatio- nalisicrung der Waffen- und Munitionsherftellung. sowie ihrer internationalen Verteilung und Kontrolle. Gibsons Vorschlag sei ein erster praktischer Schritt. Zum Schluß unterstützte er Nachdruck» liehst Litwinows Antrag auf proportionelle Abrüstung. Ziiarinkovitsch-Jugosiamie» versteckte sich zunächst hinter Pro» z e d u r f r a g c n für die Behandlung des ameritanischen Antrags. Dann sprach er für eine radikale Abschaffung des chemischen Krieges. Die Ausschaltung der schweren Artillerie sei indessen eine Ungerechtig- keit gegen die Staaten ohne Kriegsindustrie. Man müsse die schwere Artillerie in Reserve stellen, um sie mit Erlaubnis des DölterbuiGes gegen einen Angreifer verwenden zu tonnen. Nicht nur Zerstörung und Anwendungsoerbot der Angriffs- waffen können helfen, sondern auch Sanktionen gegen die Per- letzung des Vertrages. Zum Schluß brachte er einen kontreten An- trag ein, der im ganzen eine Modifizierung des Prinzips des � direkten Verbots und der qualitativen Abrüstung darstellt. Das Ergebnis der heutigen Aussprache in der Generaitmnmes- ! film der Abrüstungskonfereizz war die schneidende Polemik j Grandis gegen die gestrige Spiegelfechterei Tar- ! d i e u s. Wieder hat das bis an die Zähne bewaffnete faschistische i Italien aus Gegnerschaft zu Freinkreich und aus finanzieller Not ; die Rolle des Kämpfers für die Abrüstung gespielt. Für die Arbeit der Konferenz sind Grandis weitgehende Vorschläge sehr gut, i einerlei, aus welchen Motiven sie erwachsen sind. Die völlige Isolierung Tardieus dokumentierte sich heute weiter, da selbst Marinkowitsch-Jngoslawien nur in sch? versteckter Form Tartrious Standpunkt teilweise zu uickerstützen wagte. Hilferufe in der Nachi. üngeliärler Vorfall auf dem Müggelsee. Aus d«,» Müggelsee spielte sich in der vergangenen Nacht ein geheimnisvoller Vorgang ob, der die Berliner Kriminalpolizei beschäftigt. Gegen Kl Uhr hört« ein Passani in der Röhe des Freibades Müggelsee vom Walser her verzweifelte Hilferufe eines Mannes. Fast ein« Viertelstunde long waren die Schreie zu hören. Eine Mystifikation schien ausgefchlossen, da die Hilferufe von mehreren Seiten zur gleichen Zeit vernommen wurden. Dia alarmierte Feuerwehr und das Feuerlöschboot suchten das Wasser längere Zeit ab, ohne jedoch etwas Verdäch igss zu entdecken. In den Vor- Mittagsstunden wurden die Nachforfchungen unter Hinzuziehung der Zeugen fortgesetzt. Di« Frage, ob es sich um einen UngkückelaU. Selbstmord oder möglicherweise um ein Verbrechen handelt, muß natürlich offen bleiben. verbotene Stohlhelmzeilschrlsl. Die in Nürnberg erscheinende Wochenschrijt„Im Gleichschritt" wurde auf die Daner von zwei Monaten verboten. Die Wochenschrift..Im Gleichschritt" wird von dem Hauptmann a. D. Adolf Heiß, dem fränkischen Dtahl-> helmsührer, herausgegeben. OieLteberläufer von Braunschweig Vergebliche Ableugnungsversuche durch die kommunistische Partei -19 Wahllisten in Preußen. Nie �.aadeSwahlvorfchläge amtlich festgestellt. Am Mittwochvormittaa fand in Verlin unter dem Bor- sitz des Präsidenten des Preußischen Statistischen Landes- amtes und Landeswahlleiters Dr. Saenger eine öffentliche Sitzung zur endgülligen Fe st legung der Landes- wadlvorschläae für die Preußenwahlen statt. Es wurden folgende 19 Landeswahlvorschläge für gültig erklärt und zugelassen: 1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands, 2. Deutschnational« Dotkspartei, 3. Preußisch« Zentrumsportei, 4. Äommunifthd)« Partei Deutschlands, 5. Deutsch« Volkspartei, 6. Nationale Front deutscher Stände lReichspartei des deutschen Mittelstandes(Wirtschaftspartei), Deutsches Landvolk, Junge Rechte), 7. Deutsch« Staatspartei. 8 Nationalsozialistische Deutsche Ardeiter-partei(chitler-Bevxgung), 12. Deutsch-Hannoversche Partei, 14. Christlich-Sozialer Volksdienit, 18. Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, 19..Höchstgehalt der Beamten 5000 M. Für die Arbeitslosen und bis setzt abgewiesenen Kriegsbeschädigten. 20. Radikale Partei(Bewegung für gesetzlich« Geburtenregelung und Wohlstand, srüher radikale deutsch« Staatspartei), 21. Nationale Minderheiten in Deutschland, 22. Partei der'Erwerbslosen:„Für Arbeit und Brot". 23. Deutschs Einheitspartei für wahre Volkswirtschaft, Idealistische Bewegung Deutschlands. 21. Deutsch« Volksgemeinschaft(Völkisch-revolutionäre Wirtschaftsbewegung). 23. Nationale Opposition der Vereinigten Reichsbankgläubiger und Markgeschädigten, 2ö. Menschheitspartei. Die vorstehend nicht aufgeführten Nummern sind in deiu.cimtlichen Wahloorschlag nicht enthalten. Abgelehnt wurde ein von der„Deutschen Steuerzahler- schutzpartei" in Osffriesland eingereichter Landeswahlvor- schlag, der in keiner Weise den gesetzlichen Erfordernissen entsprach. Die Landeslisten werden heute abend im„Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger" veröffentlicht werden. Die lange Liste enthält so verrückte„Wahlvorschläge", daß auch der'fanatischste Anhänger der Wahlfreiheit wünschen muß. solche Erfindungen schon vor dem amtlichen Druck der Listen auszuschließen. Man braucht nur die Titel der Num- mern 19. 20, 23, 25 und 2ft anzuführen, um leicht zu er- kennen, daß hier Querulantentum unter politischer Maske auftritt. Dem Unfug sollte endgültig gesteuert werden. Zeppelin zurückgekehrt. Zriedrichshaseo. 13. April. Las Lustschiff„Graf Zeppelin" traf heute früh, kurz nach 8 Uhr. von seiner zweiten Südamerikasahrt über Fried- r i ch s h a f« n ein. Um 8.22 Uhr erfolgte die Landung glatt. „Fünf von derZazzband." Eapitol. Ich weiß nicht, wie viele von unseren Leserinnen schon wäh- rcnd einer Aarietäprobe aus Engagement aus heiterem Himmel in die große Pauke gefallen sind und dadurch den Direktor sofort zum Abschluß eines Vertrags gebracht haben. In unserem Film geschieht dies Wunder. Die vier Jazzbaudkünstler sind davon sehr entzückt und hüten sich, dem Direktor zu erzählen, daß aas ein sreundlicher Zufall war. Sie haben die größte Mühe, die junge Dame, die irgendeinen technischen Austrag im Variete durchzuführen hatte, für ihre Nummer zu gewinnen und zu dem halsbrecherischen Kunststück zu verleiten. Wie sie sie umflirten, sich ihretwegen prügeln und dann, als sie sie fest zu haben glauben, des lieben Friedens wegen »ur noch als Kameradin behandeln. Wie sie darüber empört ist, aus eigene Abenteuer ausgeht, im Schwips in einen Automobildiebstahl verwickelt, kurz vor ihrem Austreten verhastet wird und erst im letzten Augenblick durch den in sie verliebten Ailtomohilbesitzer wieder befreit wird, das ist der etwas dürftige Inholt des Films. Inzwischen hoben die vier sich natürlich einen Ersatz besorgt, der aus da» Fallen geaicht ist uno prompt das Kunststück ausführt. Das zu spät gekonmiene Paar steht oben auf der Leiter und schaut zu, sie hat jetzt«in Engagement auf Lebenszeit. Dieser Artistenspaß, der schon in einer im Staatstheatcr auf- geiührten Komödie ausgenutzt wird, wird von Erich Engel auf die gefälligste und heiterste Art verfilmt. Es ist wirklich ein Gewiß. mal aus dem üblichen Rohmen des Films herauszukommen und auch ein« Musik zu genießen— sie ist von dem silmerprobten Theo Mackeben—, die einem nicht an den unmöglichen Stellen Schla- ger aufdrängt und sich mehr auf die musikalische Untermolung des Ganzen aus ist. Die fünf von der Jazzband sind frische junge Leute, nicht mehr. Das ist kein Schaden. Jenny I u g o, das Paukenmädchen, ist herzhaft natürlich, gor nicht starmäßig, sie hat entschieden zugelernt. Sie sieht nicht mehr bloß gilt aus. Sonst ist noch Theo Schall als flotter Liebhaber zu nennen. Diele gute Chargen! Im ganzen ein sehr netter Film, bei dem man sich auss beste unterhält._«• Carows Lachbühne. April-Programm. Erich E a r o w, der beliebte Berliner Vorsladtkünstlsr und Volks komiker vcrabichiedete sich gestern als Bursche des Herrn Feld- webel in einer aus Liebe und Verwicklung gegrbeiteten Burleske von der Presse und dem treuen Stammpublikum. Die von Chgrlie Chaplin geweihte Lachbühne am WeinhergSiveg schließt nämlich Ende April bis zum Herbst ihr- Kcllerpsorten. Dos neu« Pro- gramm Halle seine Höhepunkte nicht zum wenigsten in den Haus- sängern, die in einer Offcnbachschcn Himmelsszon« und in einem Quintett mit alten Schlagern sehr wirkungsvoll unter der Regte Carows auftraten. D»? Faktotum Fredy Stegs legt- eine östliche Stallmagdszene hin. Außerordentlich schlagfertig und unterhqltiam erwies sich der Blitzdichter Richard Schwarz. Hade? Lob verdient neben einer Spitzentönzerin und klassischer Schule der chgrakte- ristische Negertänzer Tito, der große Äloss« ist. Z. f.. Lorenz A.-S.. Tenwelhof. SPv.-Fraklloo. Fraktions- vertzAnunlung«n Donerstig, ll. April 1932, 161- Uhr, im Lokal Korujj, Ordensmeister-, Ecke Berliner Straße. Wichtige Tigee- ordmmz. Mrgttedsbuch legitimiert. Der Fniktürnsoorstand. Die Berliner„Rote Fahne" besitzt die Dreistigkeit, das Ueberlaufen von braunschwcigifchen KPD.- Funktionären zu den Nazis zu„dementieren". Das Zentralorgan der Thälmänner glaubte bisher den schlechten Eindruck der talsächlich erfolgten Desertion aus den Reihen der KPD. verwischen zu können. Demgegenüber stellen wir auf Grund genauester Mitteilungen aus Braunschweig fest: In«chöningc» sind 10 bisher aktive kommu- nistischc Funktionäre zu den Nazis übergelaufen. Es handelt sich um aktive Kommunisten, die»och bei der Rcichspräsidcntcnwahl am 13. März gebrüllt hoben:„Hitler verrecke!" Heute sind sie bei der Schönin- ger SA., von der sie eingekleidet und mit ihren Familien verpflegt morden sind. Fn Blankenburg am Harz haben sich, nach einer Meldung der dortigen Nazipartcilcitung, 12 kommunistische Funktionäre und Mitglieder zur Aufnahme in die NSDAP, angemeldet. Ein Teil von ihnen ist bereits in der lebten Mitgliederversammlung der Nazis präsentiert worden. Unter deuen, die sich zur Anmeldung bereitfanden, befindet sich auch ein pro- minentcr, von der KPD. gcmaßregelter Funktionär, der auf Geheiß der Nazis erst einmal ein Fahr Karenz- zeit durckzmachen soll. Aehulich« Verfallserscheinungen der KPD. sind ans Langelsheim, aus Schöppenstedt und aus Wolfenbüttel gemeldet. Der Ableugnungsversuch der„Roten Fahne" wird durch die Taffachen Lügen gestrast. Die neueste Methode der „bolschewistischen Selbstkritik" scheint darin zu bestehen, daß man zunächst alles abstreitet. Schließlich wird uns die„Rote Fahne" noch erzählen, daß die KPD. am 10. April Stimmen gewonnen habe! Verbrecherheim Klaggeflan. Totschläger steckbrieflich verfolgt- in Vraunschweig sicher! Brauns chweig, 13. April. sEigenbericht.) Kriminelle Elemente treiben sich im Reich des Herrn Klagges herum und bleiben in der SA. dem Zugriff der Behörden verborgen. Das betveist wieder einmal die Verhaftung des Berliner SA.-Mannes D o m n i k. Dieser ist im vorigen Jahr vom Berliner Schwurgericht III Gruß an Roda Roda. 3u seinem 60. Geburlstag. Roda Rodas schönstes Buch spielt nicht«ff dem Balkan, sondern in dessen weiland lustigster Filiale und heißt„S ch w a b y l o n". Es gibt die vollkonmiem! Naturgeschichte der Stadt, die, che sie am Geist unterging, uns allen Heimat mar: „Du aber, München: All« Zäune möchte ich mit deinem Lob« detünchen." Dicht vor diesen Versen aber widmet Roda Roda, heute längst münchenflüchtiger Bürger Berlins, dieser künftigen Heimstatt das andere Ritorncll: „-Hauptstadt von Preußen! Nie wirst du mich wiederschn, Berlin— ich Schwör es bei Zeusen." Berlin braucht es nicht tragisch zu nehmen. Der konsequente Roda Roda, Oesterreichs fleißigster Satiriker, hat auch erklärt, daß in Oesterreich Satiriker überflüssig seien, und«ine Rede zur Politik mit dem lapidaren Satz geschlossen:„Und schließlich ist, was ich sagte, auch nicht meine Meinung." Roda Roda ist sicherlich der produktivste deutsche Schriftsteller. Einen Schrisfftellcrei-Besitzer hat ihn Väterchen Rößler genannt, von dem wiederum Roda Roda die hübscheste,, Schwanke aus die Nach- welt gerettet hat. Aber dieser Vielschreiber wird niemals schwatz- hast, und seine Maschine hat ihn der unverwechselbaren Handschrist nicht entwöhnen können. Roda Roda hat unter seinen unzähligen Veröfsentlichungen auch einmal«in„Kondensationslexikon" drucken lassen, und Kondensation ist sein Kuiistgrisf, sein Berufsgeheimnis. Man darf hier wirklich von einem Kunstgriff, einem Griff nqch der Kunst, und von sehr ernsthafter Kunstwürdigkeit reden. Dieser Roda Roda, der echtestes Oesterreich vertritt und ein unerschöpflich schöpferischer Plauderer ist, ist doch in der Art seines Plauderns wieder völlig unösterreichisch. Cr l>andhabt die Anekdote nicht wie die Ahnherren des Wiener Feuilletons, sondern wie jemand, der bei Kleist und Hebel sehr aufmerksam in die Schule der alten Sachlichkeit gegangen ist: in einem mustergültig prallen Deutsch ohne Zierate, in sehnigen Sätzen ohne Fett und aus einer stossbcsesienen Sparsamkeit heraus, der man die Angst anzuhören meint. Schmuck könne jemals an Schinock anklingen. So schafft er am sausenden Webstuhl der Zeit und ergreist sie, ehe sie rasch von hinnen fahren kann. Roda Roda hat weite Gefilde der südosleuropäischen Landschaft litcratursähig gemacht. Ihm gebührt das Ehrenbürgcrrecht in jeder Menschcnsiedlung der Nachfolgestaaten. Freilich hat er am!, gesagt: „Aus die Staatsform kommt es weniger yn als auf die Menschen, die sie erfüllen" und hat einmal, zwecks Förderung der Weltweisheit, die Einführung dreier haßfreier Tage im Jahr vorgeschlagen. Ein Spaßmacher von besonderer Art. Der meisterliche Stilist Roda Roda liebt es nicht, wenn die Selbstverständlichkeit stilistischer Fell- und Fcinarbeit betont wrid. well der anständige Mensch sich ja auch seines gewaschenen Halses nicht eigens rühmen solle. Frzne Graetz. „Fliehende Schotten." Hin lldet-Iclm. Di« uralte Vogelstraße nllaufwärts fliegt ein großer fremder Bogel. Ud«t steuert ihn. Er läßt di« Pyramiden unter sich, den NU mit seinen langsamen Segelfahrzeugen und die gegen alle technischen Neuerungen schon gleichgültig gewordenen Kamele einer Karawane. Unermüdlich zieht der Gigant am jziminel weiter über das Keniogebiet noch dem früheren Deutsch-Oftasrika am Fuße des ! 5tiliinandjaro. Der Schollen des Flugzeuges huscht unter ihm über wegen Totschlags zu IVj Jahren Gefängnis v er u r t e i l t worden. Er flüchtete und wurde st e ck- brieflich gesucht. Seit Monaten hielt er sich in Braunschweig aus. wo er Dienste bei der SA. verficht, wo er sich täglich meldete und aktiv an der Propaganda für die Rcichspräsidentcnwahl teilnahm! Die Polizei mußte erst von rcpüblikamscher Seite aus den Verbrecher aufmerksam gemacht werden, che sie zur Verhaftung schritt. Diese erfolgte während einer Nazikundgcbung in der Stadt Braunschweig. Die Kulturschande von beute. Grimme über den Gelbstspiegel-Mann. Königsberg, 13. April.(Eigenbericht.) Die ostpreußische Sozialdemokratie eröffnete am Dienstag mit einer Massenkundgebung in der Königsberger Sladthalle den Wahl- kämpf. 2ln Stelle des preußischen Ministerpräsidenten Braun, der durch die Einberufung des Landtags am Erscheinen verhindert war. sprach Kultusminister G r i m m c. Er führte u. a. aus:„Der Kampf um Preußen, in dem wir jetzt stehen, ist nicht nur«in Kampf um Preußen, es ist ein K a m p f um Deutschlands Schicksal, ein Kampf um Leben oder Tod der Nation. Wir stehen vor dem Endkamps zwischen der politischen Verminst auf der einen Seite und£)iller aus der anderen Seite, zwischen dem System der opfervollcn, opferbereiten und phrascnwsen Arbeit auf der einen Seite und dem System des bald kindlichen, bald gewissen- lasen, aber immer lärmenden Losredens und Losversprechens auf der anderen Seite. Auf der einen Seite die schwere Arbeit des Staates, um das Stürzen des Gebälks der Wirtschaft zu verhindern, auf der anderen Seite nichts, buchstäbtich nichts an politischer Leistung, als ein Wechsel auf die Zukunst. In vollem Ernst sage ich, der ich als Minister vor Ihnen stehe, der verantwortlich für die Höhe der deutschen Kultur ist: daß das Volk der Dichter und Denker mit einer der besten Literaluren der Welt hinter einem Wann herläuft, besten geistige und ver- worrcne Selbstbesplegclung aus jedem feiner Löhe unerträglich spricht, daß dieser Wann nicht schon längst durch ein schallender Gelächter um seine Wirkung gebracht, daß dieser Wann ernsi genommen worden ist, das iverden spätere Geschlechter nicht begreifen. In Ostpreußen läßt sich Hitler als Retter des deutschen Ostens seiern. Es gibt nun zwei Retter Ostpreußens: einen Retter in der Geschichte und einen in einem ärztlichen Hzandbuch für politischen Größenwahn."(Langanhaltendcr stürmischer Beifall.) die Erhe dahin und der allgemeine Schrecken rast mit ihm um die Walle. Ein Krokodll geht hochbeinig ins Wasser, NUpferde tauchen unter, Giraffen galoppieren in ihrem cigemümlichcn Paßgang auf und davon und Strauße, Zebras und alle möglichen anderen Herdentiere flüchten in ungeheuren Massen. Langgezogene Staub- wollen zeichnen ihre Spuren. Als dann noch der zweite Metall- pogel kommt und der inzwischen verstorbene Klaus v. Suchocki die Tiere auch Lnstigt, wird die Raserei etwas zu viel für die Tiers und für das Publikum. Zur Abwechselung tami man sich noch an manchem Fanülienidyll ergötzen, sowohl bei Löwen wie bei E!e- sanken. In diese interessanten Bogclperspckiivberichte ist eine Spielhand- lung hineingeschmuggelt. Und da es nun im Film ohne Kitsch scheinbar nicht geht, muh eine Ftugschülerin Udet nach Afrika noch- fliegen. Sie stürzt ab. gerät unter helfende Neger und wird von Udet gerettet. Das wäre noch erträglich, wenn die Dame nur nicht, nach der letzten Mode frisiert und noch dem Geschmack von Nacht- lokalbesuchern zurechtgemacht durch die herrliche Natur stolpern würde. Das ist schon schlimm, ober bedenklich ist es, daß durch diese mondäne Einlage die Leistungen der Flieger und der Kamcrqleute hcrabgemindet werden. Auch ist eine Löwenjagd höchst überflüssig. Wissen wir doch alle, daß die gefilmte Großtierjagd in Afrika nach- gerade das modische Vergnügen des Snob ist. Wer heute Geld hat, kann seine Großmutter mit aus Löwenjagd nehmen. Udet wurde bei der Premiere im U f a- P a o i l l o n am Nollendorfplatz zu Recht freundlich begrüßt. e. b. Oer Kittelsche Chor jubiliert. Im Frühjahr 1W2 hatte sich eine Anzahl musizierfreudiger Frauen zu einer von Bruno Kittel geleiteten Ehorvcreinigung zusammengeschlossen, die bald zu einem gemischten Chor erweitert wurde: bereits vier Jahre später vermochte dieser Chor die Neunte Sinfonie zu singen und sich damit den Platz im Berliner Musikleben zu erobern, de» er bis heute aufs ehrenvollste zu behaupten wußte. So seiert der Bruno Kittelsche E h o r in diesen Tagen das Fest dreißigjährigen Bestehens und kann mit Swlz auf drei Jahrzehnte mühe- und segensreicher Arbeit im Dienst der schönsten Kunst zurückblicken. In richtiger und lobenswerter Erkenntnis dessen, daß prunkvolle Feiern nur schlecht in unsere Not- und Elendszeit passen, wurde auf eigen« Festveranstaltungen verzichtet, wurden Dolkskonzerte dazu auserfehen, das Jubiläum zu begehen. Bruno Kittel, der unermüdliche und verdienstvolle Organisator der Vereinigung— er wurde dieser Tage als Lestcr einer Chortlasse a» das Sternsche Konservatorium berufen—, dirigierte im ersten dieser populären Iubilaums-Volkskonzerte Beethovens dlUw solemnis(Sonntag folgt unter Leitung Prüwers die Neunte Sinfonie). Bon den Solisten Adelheid Arnhold, Maria Peschken, Robert Brost»nd Fred Driisen unterstützt, ehrte er sich selbst durch eine würdige Wiedergabe des ungeheuren Werks. A. W Klaus vringshcim in Japan. Klaus Pringsheim I>atte mit der wpvn: scheu Effmuftübrung von Gustav M Uhlers V. Sinfonie in Tokio sensationellen Erfolg. Die Akademie veranstaltete Pringsheim zu Ehren ein Bankett, bei dem Direktor Norisugi aus ihn einen Trinkspruch in deutscher Sprache ausbracht« und der Hofsnung Ausdruck verlieb, daß es dem deutschen Dirigenten gelingen möge, das Prchester der Mustkotademie auf die Höhe der ersten europäischen und amerikanischen Orchester zu bringen. In seiner Erwidenmg erklärt« Pringsheim, daß er mit einer solchen Wiedergabe des Wahkerschen Werks stolz vpr dos anspruchs- vollste deutsche Konzertpubsikuni treten würde, und sprach seine lieber- Zeugung aus, daß dys javanische Volk berufen sei. auch auf dem Gebiet einer frenidländischen Kunst, wie der deutschen Musik, zu höchster Vollendung zu gelangen. ?t« Barlesungen an der Bertualtungä-Älaiiemi-, die wie hiKstr an der Univcrsitat gehalten warben, beginnen am IS. April l93'2. Reben dem Gewerkschastskongreß. „Was haben Sie Sevischen«Sewerkschasten getan?" W�arholl wmü« hier angedeutet, in welcher Weise die Ee- werkschastsseinÄ« im kommunistischen Lager auch gelegentlich des außerordentlichen Gewerkschaftskongresses ihrem Haß die Augel schießen lassen. Wenn ober das Zcntralargan der ÄPD. behauptet, die Gswork- schastsführer hätten jetzt erst ihr cherz für die Erwerbslosen entdeckt, wenn es die Frage anfwirst, was die deutschen Gewerkschaften getan haben, um den Erwerbslosen Arbeit zu verschaffen, so brauchten wir nur die Gegenfrage zu stellen, was denn die KPD. getan hat, umden Erwerbslosen Arbeit zu geben? Sie Hot zwar alles versucht, um die Erwerbslosen mit Phrasen zu füttern, sie hat die Arbeitslosenversicherung bekämpft und dafür „Fürsorge" gefordert, aber nicht das geringste getan, um den Erwerbslosen zu helfen. Bevor an ein von Nußland aus geleitetes Parteigebilde in Deutschland, wie die KPD., zu denken war. haben die Gcwerk- schaftssührer, haben die G e w e r ksch a f te n sich der Arbeitslosen angenommen und nicht nur Notflandsarbciten und Arbeitslosenunterftlltzniig vom Reich, Staat und Gemeinden g e- fordert, sie haben selber Unterstützungseinrichlungen gc schaff san, Sammlungen vorgenommen, um ihren arbeitslosen Genossen zu helfen. Die Gewerkschaften im ADGB. hoben im Lahre 1929 nicht weniger als 45 231497 Mark und im Jahre 1939 gar 77 739 533 Mark allein an Arbeitslofe»unter- stützung gezahlt. Für das Jahr 1931 liegen die gesamten Berichte noch nicht vor. Dazu kommt K r a n k e n u n t c r st ü tz u n g in Hohe von 27 274 79? bzw. 22347119 Mark, abgesehen von den Mil- lionanausgohen für Lnvalidenunterstützung, Rotfallunterstützung und Sterbegelder, die im Jahre 1929 über 11 Millionen Mark, im Jahre 1932 über 17 Millionen Mark betrugen. Ist dos alles nichts? ZlZas bat dagegen die KPD. mit ihrem , Voten Einheits"-Sp!ittcrverbändchen für die Arbeitslosen geleistet? Sie haben nicht einmal den guten Willen gezeigt, den Arbeitslosen praktisch zu helfen, fondern lediglich versucht, wie sie es noch heute tun, die Notlag« der Erwerbslosen für chre Agitation auszuschlachten und damit insbesondere zur Verhetzung der Arbeitslosen wie der Arbeitenden gegen die freie» Gewerkschaften. Zahlen beweisen, nicht„revolutionäre" Phrasen. Wenn die Wegbereiter des Faschismus mit der Kraft der prols- tarische» Klosse gegenüber der Weltwirtschaftskrise renommieren, dann muß daran erinnert werden, daß die KPD. es ist mit ihrer NGO., die diese Kraft gespalten und zersplittert hat und ihre ganze gewerkschaftliche Tätigkeit lediglich darin besteht, die Arbeiter und Angestellten gegen die Gewerkschaften aufzuhetzen. » Es ist der zweite außerordentliche Gewertschaftskongreß der heut« in Berlin tagt. Auch der erste außerordentliche(der siebente) Gewerkschaftskongreß wurde in Berlin abgehalten, und zwar am 2-5. und 25.?lpril 1919 im Gemerkschaftshous. Der damalige außerordentliche Kongreß befaßte sich mit dem Entwurf einer Reich- s- Versicherungsordnung, wozu in Referaten über Krankenversicherung, Unfallversicherung, See-Uirfallvcrsicherung, Jnvaliden- l Versicherung, chmterbliebenenversicherunz und Mutterfchaftsversiche- s niTtg Stellung genommen wurde. Unter anderem war damals geplant, die Beitröge zu hol» b i« r e n, um den Einfluß der Arbeiterschaft in der Verwaltung der Krankenkassen auszuschalten. Für diesen Fall bes6)loß der Kongreß. die Gewerkschaftsbeiträge um den Betrag zu erhöhen, den die Arbeiter infolge der verminderten Beitragszahlung ersparen,„die dadurch er- zielten Mehreinnahmen sollen dazu verwandt werden, den Einfluß, der den Arbeitern in der Verwaltung der Krankenkassen genommen wird, durch erschärften gewerkschaftlichen Kampf auf wirtschaftlichem Gebiete zu erweitern, um so den der Arbeitcrilassc durch die Reichs- versicherungsordwtng zugefügten Schäden auszugleichen". Wenn auch die Reichsvcrsicherungsordnung nicht nach den Wünsche» geschaffen wurde, zur Halbierung der Llrmrkenkassenbeiträg« kam es n i 6) t. Rundfunk am Abend Mittwoch, den(3. April. Berlin. 16.30 Ordiesterkonzert. 17,45 Joseph tlayda. Oratorien mit Schallplatten. Jullns Kapp. Am Miarophon: Dr. 1S-Ö5 Joachla Ma�B liest thdbtaaeee. 1&20 Chorgesänse. 18.40 Ing. Boehner; Viertelstunde TediDtk 18.55 Die Funk-Stuade teilt mit... "19.00 Stimme zum Ta«. 19.10 Umertaltungsmuslk, 1950 Oscar Bie: Für die Oper io der Proviju;! 30.00 Landestheater Sdineidemülil:„Martha". Oper voa Fiötoxr. 20.45 Stadttheater Magdeburg:.Die verkaufte BrattC* Komische Oper von Fricdricb Smetana. 3155 Stadtticater Grcüswald:„Kadja". Oper 1» vier Akten von Rolf Laückner. Musik von Eduard Könneke. 33.30 AVetter, Nachrichten und Sport, Tanzmusik, Königswusterhausen. 16.00 Dr. Kurt Jcserich: Die pädagogische Bedeutung des frehrtlllgen Arbeitsdienstes. 16..30 Hamburg: Konzert 17.30 Dr. Boyeas: Wer soll siedeln? 18.00 Robert Kernried: Das Orchester und seine Instromocte. 18-30 Dr.-W, Hoff mann-Harnisch; Wilhelm Busch, 18.55 Wetter für die Landwirtschaft 19.00 Dr. Erich Welter: Ende des Kapitalismus? 19.30 Dr. Hoch: Das neue preuliische Dienststrafrecht, 20.00 Hamburg: Konzert 20.45 Hamburg: FuukbuJdiguag für Wilhelm Busch. BeraittworU. für bie Redaklion:«ick. Bernstein. Berlin:-Antigen: Th. Sloöe, Berlin Lorlza:. Vorwärts Verlag E. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Bu6?. druckerel und Verlogsanftalt Paul Singer A Co., Berlin SD 65. Eindenstr. u. Hier.;« 1 Beilage. Staat» fe. Thealer Mittwoch, de» 19. April staatsoper unior den linden 19', v Uhr Die Boclueli des Ftaaro StBtLSteüieilieu! uctitjannesmartL 30 Uhr Zum 25. Male Die endlose Straße Schiller-Theater Cbarlottenburg. 20 Uhr Cyrano von Bergerac mmmmmmmmJ Winten • Garten• 0.15 übr Flora 3434 Hauten ertaub', l>io uoae Variete- Bcvuc ..fünf Im Kä�ewaseu'* mu 1 Ha linay,>i organ.| Theimer. S�dnelaud usw. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Wogen Vorbereitung zur Max- Reinhardt- Inezenlorung „Die schöne Helena" blscüuchlUSlkh 18. April geschlossen Premiere: 19. April. VolKsütiline Tiieater am Sülastlaiz 8 Uhr Xamrail Kasper Volkss tick von PaulScburck Regle: Oüntlicr Stark Slaafl. Sdiillo-üieater 8 Uhr Cyrano von Bergerac Theater a.noiien(ior(p!at2 Pallas 7051 Vh Uhr.Stg.A'.'i Uhr IraüineiöEPKaelit Operette in 3 AKter v. lud.Wolff o. Karl B«hr Musik von Hans May Regle: Beim SaltrolMirg Rundfunkh halb.Pr 5�5. 41h Uhr kl. Pr Rose- ineater ir?B3 FMsHnrißr SlraBa 13? Ich Veicktai E? M7 6 und 9 Uhr Bie Frau, die jeder sudn SMdt.Oper Charluttenburg liismarckstraEe Z« Mittwoch, 13. Apiil lurnus II Friedemann Med Fldesser, Salvatlni, Sch irar.h.Gu ti man n Anlang 20 clri Ende 23�0 Uhr Am 10. Avill. nachmittags 5 Uhr. ctttidilief nach kurzem, schwerem Lndon mein lieber Mann, unser guier Aaler Arnder. Schwager und Onkel, der (Kastmir! Otto Schade im Atter non 60 Jahren In. tiefer Trauer im Namen aller Himervliedenen Kstks,lns Schade Berlin-Tegel. Berliner Straße.7. den 12 Ävril ISß2- Die EinS cherung findet am Freitag. IS. Ayrrl. imrmittag» 10 Uhr im firematotuaa Eerichtttraße ftaü Weddingplatz, MOllcrsiraßc 171 Prennaucr Allee 204 v ,uhr CASINO-THEAIER�. uo». Lothringer Strafte 37, iiuiiiiiiiiiiiuiKiiiMiuiutininiii PL&ZA — Kleines in.-», Unter den Linden Merkur 1624 Täglich 8V< Uhi ÜaiDSEBffl!!. Berlins neuestes 9perettcn-nieater! Operette in 3 Äbten. Mnsik von 8. Stolz Ersikl Gesangskr. Neue Bühnenausst üntschein 1—4 Personen; Parkett 50 Pt. Pauteutl I.~ Mark. Sessel. 1-50 Mark. i500C>s><>i3<>vK>0<>0<>i><>i>Oi>C>OOiIf<>0<>CK>s> � Caffe Schöneberg K � OonncFftiag, den t4. April;& ? Große Frühjalirs-Moden- und Wäschescliau J? führender Firmen.— Keherett— Gr.tts-V erUr-nnK ch Kapeiie WINKLER spielt zum Tanzt K O Eintritt frei! (Bezirk tfuden-Weften l©s@ph Schulz Berlin. Citcdüaer Sir. 80 am Moclibahnhof PriuzenstraBe touei.'arel tor Ketier, Mieren eic SPEZIALITABTt Maschinen-Pappschcrenmesscr ■coc Heuer ffder Art »unser flelsdivciKani A. Sdtiinemann Wrandelslraee 36 Feilster- und QebäudfrReinlgungs Gesellschaft m.b.H. Achtung! Achtung! Berlin S036,SchlesischeStr.42 Fernruf: F8. Oberbaum 3553-54 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbelten z Bohner- una Oeimaschinen/ Staubsauger/ Vertreter- .■----=r besuch jederzeit unverbindlich HUZI GROS SDESTI LL ATI O N Prinzesstnnenskrasss 17 wmmma ft.-n Morllzplatz„»»«> Karl Zacher Nadtt. Iis- und aiisiasifiisdic FrfidUe € 25. DirducnslralK: 48 49 T eie 0Iiob< weideBdamm cz Ofss Tedel c 8 lOZi BieMe Dr. med. Sdsft�ler» giftfreie Heilwelse in Groß- Berlin, vertreten durch den Bio- rhcmUchen Verein Groß. Berlin e. V., Geschäftsstelle Berlin C. 2, Neue Promenade 2. Feinsprecher: D.I. Norden 0383. 17 OOO Mitglieder Aufnahmegebühr I.— Mk, Monatsbeitrag 0.70 Mk. einschl. Todesfall-Unterstützung 60 Beratungsstellen in Groß- Berlin Institui für Licht- und physikalische Be- hand.ung. Höhensonne, Massagen usw. Man fordere Prospekt durch unsere Geschäftsstelle. DeoHlanillelloiverordnuno in«.Ucb ond Käsegcsch�-fttiD zti bAbeo. 10� Krttgerdrack so. 16. HOpeniAer sir. 40/41 liefert DracKsacbeD aller Art VOLCK& GNÄDIG Reparatur-Werkstatt mit eigener Schwei Baniage für grapb. Maschinen Rotations-, Tiefdruck- und Otfsetmasch neo Umzüge kompletter Druckereien tSerlin SW Ol, Gitschiner Str. 15 Tel.: F. 1, MpU 3677,— Nachtanruf; O 5, Südring 323 uno RingfreieTapetenffabrik Hermann Nenner S 14, Hauptgeschäft u. Zentrale; Alte Jakobstr. 81/82 «etUnee JUialea: W», Patsdamer Str. 32 a ffeie Süißotofttafie) O 27. B umenftt. I iCä« Dl-xanderktrai«) $ 59, ftottbuffrr Damm 29/30(am HermannPlaK) NW 21, Turmstraße 31 N«», mchanhau tt Tür? 122(a. Stadtd. u. Hdchb- Narhrlngi N 20, Badltr 17 kam Bahnhof Teiunddrunnrnl Tharlotteuburg 3. Tchloßftr 30.31(am Sophie-Ghariottt-PIaß) /ichtenberg, Frankfurter Bilde 231 Boisham(Brandenburg- Ecke Waiienftraße) ksdrtlr l» ktlttlersäort, Krei* Nieder burnlm. Sauklciapnerel fiedrich HSdicke Be- und Entwässerung /■ Sanitäre Anlagen SW 48, Friedrichstr. 24 H.S.-.T.-f.fi malerhotte Berlin Q.m.tosM. «ORHäLS HALEREIOENOSSENSCHAFT GEGROHDET 1912 N 018, LANDSBERGER ALLEE 38-39 FERNSPR.. E 4 ALEXANDER• 6623— 30 ALLE MALERARBEITEN MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Paul Zillen, Elehlro-BedariG. ml H. Berlin. Schiffbauerdamm 15 Ultraphon- und Orchestrola- Schallplatten und Apparate-Vertrieb Bln.- Tempelhol Gennan!aAlr.l43 Tel.! s.üdriB" ZS«> August Krauss Spczial-Bauaaslührungen: Drahtputz--. Zug' und Bildhaucrarbcih r 2341 F 2. Neukölln 4669. Bufler-Ieinze FUl€Bl«sn In«aUden StcacfRdetfien EleKiro-notore Ankerwlcke'el, Hepar inrwerk, Pröf- itatlon, Rejcrremofore, Stömn�shUte| Georg WorösKÄ'l TcL I Fl Moritzplate 36 tl Karl Liepe, Malermclslft i�in.•Tegel, Egldystr. 19a(Freie Scholle) Tolaption: Tegal 6S6 Aosfülmmn sämfl. Malerarbeilen sowie Tapezieren von Zimmern.242; Wisdie wasc. e n alütenweiü Damplwascbwerke gReibedaoz& Co., G.m.b. H., Tempelhoi ESHärioi 5526—»JiWrui 0698 Vorwärtsn-Leser. kauft bei unseren Inserenten! (Beilage Mittwochj 13. April 1932 SprÄbpnö SjuUauigaße Jet\£>fväeU Oer Zwang zur Arbeitsbeschaffung Eggerts Rede auf dem Gewerkschaftskongreß Im Mittelpunkt der Tagung des außerordentlichen Gewerkschaftskongresses. über dessen Eröffnung wir an der "Spihe des Hauptblattes berichten, steht die tiefschürfende Rede des stellocrtretenden Lundcsvorsitzcndcn Wilhelm Eggert über Ois Notwendigkeit der Arbeitsbeschaffung. Eggert führte aus: In der Weltwirtsck�aftskrise ist in ab- sshbarer Zeit eine Wendung zum Besseren nicht zu erwarten. Der deutsche AapitaUsims hat sich unfähig errnkssen, eine snlcha Wendung I-erboizusichren Der jetzige Zustand von- fast 7. Millionen Erwerbs- lasen in Deutschlaich kann aber-weder volkswirtschaftlich, noch stoats» politisch länger ertragen werden. Durch das Zusmninentreffen der Jildustrietri.se nnt der Agrarkrise fehlt in der Weltwirtschaft ein gesundes Teilgebiet, von dem ans das Krise ngebiet gestiitzt nnd wieder„angekurbelt" weichen könnte. Die Weltmirtschast.ist in ihrer Goiaintheit betroffen. Das. kapitalist.iscke-Wirtschästssysteni versagt. Darum mutz die. Sffcntkiche- Hand Arbeit schaffen. Das gegeisseitigc Mißtrauen der Völker ist durch die weit- politischen Spannungen, wieder gewochsen. Durch die langen u?i- fnichtbarsn Verhandlungen in der Abrüftimgsf rage, dos ungelöste Reparationsproblein, die Ereignisse im Fernen Osten, das. noch urwollkoinniene Wirken des Völkerbundes, und die Känkpfe um Diktatur od« Demokratie innerhalb der Völker Europas. Die Vereririgten Staaten haben ihre Auslandsemiffionen von •i Milliarden im Zeitraum 1927/29 auf eine Biertelmilliardc Dollar nn L-afire 1931 ocrnnndert. Frankreich hat sein« Kredite auch von England in großem Umfang zurü-kgezogen und dadurch weitere Weltwirtischaftliche Gefahren geschaffen. England, das im Welthandel fuhrt, löste im September v. I. sich von der Goldwährung las und chm folgten schnell auseinander 21 andere Staaten/ Beunruhigt durch dies« Entwicklung, in. Singst um die Gestaltung ihrer Handels- bilanzen, haben dl« Staaten, kcfondsrs m Europa, sich vom'Aus- lande ljmtbelspokitisch noch stärker. abgeriegelt, Schutzmaßnahmen getroffen, die nur das Gegenteil dessen erreichten, was sie bezweckten. 2m Verlans der Krise ist die industrielle Wcllproduk.io« von 15 Ländern, die sieben Achtel des Welthandels beherrichen, um ein volles Drittel im Jahre ISZl herabgesunken. Am schwersten hat Deutschland gelitten. Der Index seiner ffidu- str iollen Produktion sank von 198 im Jahre 1929 aus 36,1 in der Gegcinvart. sein Slnteil an der industriellen Wcltproduktion ist seit 1928 von 12 aus 9 Prozent gesunken. Ein allgemeinex.Deslatchusprozeß�der Welstvirtschasl, c», Arbeitslosenheer von Lä Aiillionen Menschen, der. Zusammenbruch von. Gutererzeugung und Gütcrvcrbrauch, Steilerausfalle und Hanshalts- desizite in fast allen Staaten— das ist die Bilanz des Niedergangs der kapitalistischen Wirtschaft. Soll.diese Lawine des Leidens und des Elends, der Zerstörung aller Werte hemmungslos weitcrrollen? .Kommt die Arbeiterklasse dadurch etwas schneller zu dem ersehnten Ziel einer planvoll geregelten sozialistischen Wirtlchaft? Die das glauben, können für die Nlinderung der Not der Arbeitslosen nichts Entscheidendes tun, sie dürfen sich für Arbeitsbeschaffung überhaupt nicht einictzen. Für diese Wundcrgläubigen ist die Hossnung auf Sieg am größten, wenn das Elend und die'Not der Arbeiterklafsc am schwersten sind.(Lebhafte Zustimmung.) Die Führer der knpilelislischcn Wirtschaft wissen weder ein noch ans. Sie machen es sich in Deutschland besonders leicht. Sie versuchen die Beranrworwug von sich abzumölzcn, indem sie unausgesetzt er- erklären, schuld an der Krise in Deutschland sei die deutsche Lohn- und Sozialpolitil. Sie fordern Freiheit der Wirtschaft, d. h. der Staat soll sich nicht um die Wirtschaft künmiern; aber zugleich neh- meu sie dauernd und ausgiebig in allen möglichen Formen die Hilfe des Staates in Anspruch. Zwischen den Revolutionsrom aalikern und den, Untcrnchmcrtum mutz die SlrbcifcrRoffc sich durchkäinpsen und dabei den llmban der kapitalistft'chen Wirtschaft in eine planmäßige Bedarf sdcckungsnnrtichasl erzwingen.(Beifall.) Angcsicht? des Versagens der Privatwirtschaft muß der Staat die Wirtschaft regeln. und lenken. Wir sind bei unseren Vorträgen für die Arbeitsbeschaffung von dieser Ilelxrzeugunq ausgegangen und waren uns dabei durchaus bewußt, daß Deutschland- sich in- einer weit ungünstigeren Lage befindet als etwa die Vereinigten Staaten oder England. Daher muß die Arbeitsbeschaffung in den Grenzen der finanziellen Möglichkeit Deuffchkands bleiben, und die Arbeiten müßten oollswirtfchaMch rentabel sein, d. h. Wert« schoffen, deren Ertrag eine Rückzahlung der aufgewandten Kosten ermöglicht. Die ganze Aktion muß oolkswirtschastlich eirnvandsrei sondiert fem. Verzinsung und Tilgung der Kredite so gesichert werden. daß die Währung in keiner Weise bedroht ist. Als besonders geeignet für die Arbeitsbeschaffung sind anzu-> sehen:"- 1- Die Erhaltung und Derbeiscrung des Straßennetzes/ 2. Hochwasssrschutzarbeiten. 3. Kleinwohnungsbau. 1. Hausreparaturen. � 5. Aufträge der Reichsbahn. 6. Austräge der Reichspost. 7., Zweckmäßige Siedlungsarbcitsn. S. Landwirtschaftliche Bodenoerbesserungen. Etwa eine Million ZI r b c i ts k r ä f t e sollen aus ein Jahr bei diesen Arbeiten zusätzlich beschäftigt werden/ wofür rund zwei Milliarden Mark erforderlich wären. Diese Begrenzung ist nicht willkürlich/ sondern gegeben durch die Gesanitverhältnisss der Volkswirtschaft, in deren Rahmen sich die Arheftzbeschafflmg selbst» verständlich bewegen mutz. Di« Wiedsrbeschäftigirng einer Million Menschen schallet eine zusätzliche Kaufkraft in den wirtschaftlichen Kreislauf ein. Das wird belebend auf eine Reihe Derbrauchsgüter» industrien wirken. Zugleich werden die B a u fto ffi n d u st r i e n eine Belebung erfahren. Neue Anstellungen in der Wirtschaft werden erfolgen, so daß die Sluswirkungen der Arbeitsbeschaffung ihren unmittelbaren Nutzetfekt verstärken. Aus dies« Wesse kann der Schrumpfungsprozeß abgebrochen werden. D's Wirt- schaft wird eine Atempause bekommen. Es werden sich bessere Be- dingungcn für die weitere Zlbwicklung der Konjunktur bilden. Das Wichtigste aber ist, daß die Wendung dem Volk das Vertrauen in sich selbst, in seine Kräfte und in seine Zukunft wiederzugeben vermag. Die Aufbringung der Mittel ist keineswegs unmöglich. Es muß sagar geprüft werden, in welcher Wesse noch die öffentlichen Haushalte zur Finanzierung bellragen können. Stenermillcl aus der Hanszins- und aus der Rcichsfluchtsteuer müßten für die Arbeits- beschaffung verwendet werden, ferner die Ersparnisse der Reichs- anstalt an Arbeitslosenunlerstützung(infolge der Wiederbeschäftigung van Arbeitslosen), des«eiteren die von den Wisderbeschäftigten aufzubringenden Steuern,- sowie ihre Beiträge für die'Arbeitslosen- Versicherung. Endlich muß eine NollstÜMliche Arbeit sbrscchas f unfiisanle i(zc aufgelegt und so ausgestaltet werden, daß sie die gehorteten Gelder aus dein Strumpf herausholt. Soweit die SMeihestücfe nicht ans dem Kopllolmarlt untergebracht sind, sollten sie den Banken als Unterlage für eine Zwischenfinanzierung der Arbeitsbeschaffung dienen, und zwar so, daß die mit den Arbeiten betrauten Unterneinner Wechsel auf die zu gründenden KrMtnshmergosellfchaften der Arbeits- beschaffung ziehen. Die Banken diskontieren diese Wechsel, wobei ihnen die Anleihestücke als zusätzliche Sicherheit dienen. Die Banken können diese Weckssel bei der Rcichsbank rediskontieren. Der Status der Rcichsbank wird sich durch die Annahme dieser..Produktwns- Wechsel" nur verbessern, weil diese Wechsel sicherer und besser sind als viele Papiere, mu denen sich gegenwärtig die Reichsbank ob- finden muß. Die zu bildenden Krcditnchinergesellschaften übernehmen die Borcmtwortimg für die Rückzahlung der auiaenommencu Kredite. Reichsbahn und Post sind ohnehin kreditfähig. Sämtliche Träger der Arbeilsbcschasfung müssen in eine„Zcn- lralstelle für Arbellsbeschaffung" zusammengefaßt werden, ln der die Gewerkschaften, ebenso wie in allen Arbcitsbeschaffungs- orgonisationcn, vertreten sein müssen. Zugleich muh eine wirkliche, scharfe, anftliche Preisüberwachung auf allen Gebieten einsetze» und inährend des ganzen Jahres bestehen, um jede spekulative Preisbildung zu unter- binden. Die Preisüberwachung kann nur erfolgreich sein in Bcr- bindung mit einer dein Sinn und dein Zweck der Arbeitsbeschaffung angepatzteit Zoll- und Kartcllpolitil. Um die Arbeit au' möglichst viel Arbeitskräfte zit vKrtcilen, iputz die allgetzieiue gesetzliche vierzig- ständige-Arbeitswoche durchgeführt werden. Die Regierung muß ihre passive ftoUnng in dieser wichtigen Frage ausgeben. Die Gewerkschaften können in der gegen- wärtigen Siloalio» allein den schreienden Mißstand nicht beseitigen. Das kann nur die Gesetzgebung und sie muß es, wenn Gesellschaft und Staat nicht unheilbaren Schoden nehmen sollen.(Lebhafte an- haltende Zustimmung.) Solche Arbeiten müssen den Vorzug erholten, bei denen der Lahnanteil sowohl im Vorprodukt als auch in der letzten Ausführung möglichst groß ist. Selbstverständlich muß tarifliche Entlohnung eintreten: dann es handelt sich um die Schaffung zusätzlicher Kaufkraft. Darum ist auch im allgemeinen, im Rohmen der Arbeitsbeschaffung für den„srcsioilligcn Arbeitsdienst" kein Raum.(Sehr wahr!) Es dürfen nur wirklich zusätzliche Arbeiten für den freiwilligen Arbeitsdienst in Betracht gezogen werden, die sich für Jugendliche, als ungelernte Arbeitskräfte, besonders eignen, dagegen für ältere verheiratete Ar beller ohnehin nicht in Frage kommen. Die Unter- suchung des Reichswirtsäiastsrates hat für die Arbeitgebiete, die sich im allgemeinen mit unserem Plan decken, eine Kreditsumme von l 139 bis 1819 Millionen Mark und eme Arbeiterzahl von 513 999 bis 863 999 ergeben. Der Plan des Reichswirtschaftsrates-enthält kein Wort über den Äleinwohnungsbau, ist übervorfichüg formuliert, bejaht ober doch klar und unzweideutig die Notwendigkeit der Ar- bcitsbeschaffung und Uzre Finanzierungsnwglickzkeiten. Der Referent bespricht dann eingehend das Eftenl» der Arbeitslosen. Von den nahezu sieben Millionen Arbeitslosen sind über zwei Millionen üb e r 39 Wo ch e n o h n e Arbeit.(Hört, hört!) Sllis»mnchen Gemeinden, z. B. aus dem Weftdr wald ,-wird ge- meldet, daß auch ältere Arbeitslose bettelnd herumziehen, weil in» selge der fehlenden Unterstützung, die die Gemeinden nicht mehr leisten können, bitterste Not besteht.(Hört, hört!) Die zerrüttete ZÜirtschost ist heute nicht mehr imstande, den Arbeiternachwuchs ordnungsgemäß heranzubilden.- Hunderttausende junge Menschen werden gleich nach Beendigung der Lehtzeit arbeitlos und verlieren in dieser langen Zeit die in der Lehrzeit erworbenen, in der eigent- lichsn Praxis noch nicht erprobten Kenntnisse. Bereits gibt es auch zehnt ausende arbeitslose Lehrlinge, deren Betriebe geschlossen sind. Weitere Zehntaiisende, können ihre Ausbildung nicht zum Abschluß bringen, weil ihnen der Lehrmeister keine Beschosti- gung bieten kann. Sammellehrwerkstätten und ähnliche Einrichtungen könnte» in geeigneten privaten und öffentlichen Betrieben, Berufs- und Fach- schulen errichtet werden. Aber nur weniges ist bisher geschehen, ja das Derufssckiulwelen wird besonders stark abgebaut. Die stieg ierumg hilft der I u d u st r i c unausgesetzt, SutUientinueu gehen alljährlich in viele hundert Mil- Tinnen. Die Sanierung der tSrotzbankcn aus öffentlichen Mitteln kältete fast eine Milliarde, die i Q st tz i 1 f e 1939 durch verlorene Zuschüsse und Kredit- gewährnng mit fragwürdiger Rückzahlung 89 Mil- lionen, die Cfthilfc 1931 sogar 99 Millionen. Die Preiserhöhungen durch landwirtschaftliche Zölle werden ollein 1939/31 aus 2 Milliarden geschätzt. Die Reichsgarantie für etwaige Verluste bei Rußlandausträgcn beträgt 79 Praz. Reform der Kzaus�insfteuer und Abbau der Mietgesetzgebung begünstigt den ! Häiisbesitz..Der Kleinhandel ist dmch das Verbot der Errichtung von Woreuhäitsern in den Mittel-- und Kleinstädten bedochll'worden. 'Nun Hot die Arbeiterschaft, haben.besonders die Arbeitslosen das Recht, Forderunge it zu stellen. In ihrem Namen richtet dieser Kongreß an die Regierung die Forderung, dieselbe offene Hand zu hoben, die sie dem Unternehinerttim gegenüber hatte. Man sage uns nicht: Arbeitsbcschasfimg schottere an der Fman- Zierungsmöglichkeit oder Arbeitsbeschaffung bedeute Inflation! Unter Führung der Reichsregierung und der zuständigen Ministerien sollen sich die Vertreter der in Frage kommenden Körperschaften besonders unter Hinzuziehung von Vertretern der Gewerkschaften zusammensetzen, und die Fragen der Arbeitsbeschaffung, ihre Finan- zierung und. Durchführung im einzelnen regeln. Das kamt und muß geschehen, und es muß gelingen, in der Zusammenarbeit oller Kräfte, die guten Willens sind, das Unglück der Arbeitslosigkeit in Deutschland zu- mildern.(Lebhafter, anhaltender Beifall.) Zn der Grenzmark. Ein Bericht vom Wahlkampf. Von einem Genossen wird uns geschrieben: Es ist Montag, der 1.?lpril. Ick; steige am Bahnhof Friedrich- straße' in den D-Zug nach SchnÄidsmühl— Königsberg. Auf der Suche nach einem Platz, treffe, ich Bruno. Schönlank. Es stellt sich heraus, daß er fiir das Reichsbanner auf Ag-itation nach Flötenstein fährt— ich fahr«»ach Prechlau, das. nur 18 Kilometer von. Flötensteiii entfernt ist. Nachdem wir uns darüber verständigt haben, daß beide Orte nicht in Kitaurs Welt-Atlas verzeichnet jmd. wurden wir auf. eine Dam« aufmerksam, di-e sich dann als Genossin vom Gesamtverband zu erkennen gibt: ein wunderbares Gefühl, schon in einem Bahnabteil die Aktivität dcrEisernenFront zu spüren: Reichsbanner, Gewerkschaften, Partei sind durch uns drei vertreten. 19 999 K a m e ra d e n, K o l l e g e n und Genossen tragen die Fahne des Kampfes gegen den Faschismus durch das deutsche Land.... Unbewegt siegt dieses Land un Strohlcngtanz der Frühlings- scume. Der Bauer führt mit sicherer Hand seinen Pflug. Wir ent- fernen uns zusehends von dem aufgeregten tempo-erfüllten Berlin... In Prechlau kmnrne ich nach 16 Uhr an; Prechlau ist ein Graß- darf von etwa 2999 Einwohnern unwest der polnffchen Grenze. Der Ortsgruppenvorsteher des Reichsbanners' hott mich von der Balm ab. Um 8 Uhr spreche ich vor 290 Prechlauer Wählern: es find viele Nazis darunter, aber- sie benehmen sich ganz manierlich, gelegent- lich ein harmloser Zwsschenrus, den ich ausnehme. Ich spreche üh«r die Ursachen der Wettwirtschastsirsse, nber Reparati-onslasten und deutsche Wirtschaft, über deutsche Agrarpolitik und dann ausführlich über Demokratie und Faschismus. Ein nationalsozialistischer Dis- kuffionsredner gi-bt sich vergeblich die Mühe, den„Sozial-isnms" seiner Partei zu retten, sein mu t loses und fast kindlich- trotziges„Heil Hitler" geht in dem brausenden Gelächter der Versammlung unter. Ich führe lange Gespräche nnt unseren durchweg er w.e r b s- losen Genossen, die all« Krffen- bzw. Wohlfahrtsunterstützung beziehen. Sie führen einen mutigen Kampf auf dem vorge"- schob enen Posten unserer Bewegung. Sie hoben kein Geld — ich muß die Miete für den Bersammlungsranm zahlen, sie j möchten gern eine Reichsbann er-Kapelle gründen, aber � ohne Geld ist das unmöglich.(Sie bitten mich, mit Hältermann und, Neidhardt darüber zu sprechen.) j Am nächsten Abend muß'ich in N e'u g u t h referieren. Das ist ein Dorf acht Kilometer von Prechan entfernt. Zwölf. Reichs- baninftkameradon ans Prechlau begleiten mich. Wir fahren auf Rädern: kleine schivarzrotgoldene Fähnchen lassen die Landbevölke- mitg, die uns begegnet, Mmid und'Nafe aufsperren.'Auch in Neu- .guth sst die Versammlung stark besucht, die anwesenden' National- sozialsten wagen hier noch, nicht einmal einen schüchternen Zwischen- ruf. Nach der Versammlung nock; eine kurze Aussprache mit dem einen oder änderen Versämmlungsteilnehmer, dann steigen wir wieder aus die Räder.. die jetzt mit den brennenden Laternen ge- s-penstig. aussehen, llnfer-e Kampflieder singend fahren wir aus den nächtlichen Wegen. Am nächsten Tag geht es mit der Bahn nach dem drei Halle» stellen-- entfernten Pollnitz. Viele Genossen- brachten mich zur Bahn: ich fahre ungern weg. In Pollnitz spreche->ch abends. vor siebzig Männern und grauen. Der gleiche Eindruck: aufmerksame und dankbare Zuhörer:- von dan-'n man sicher ist, daß-sie ernste sachliche Aufklärung vcrontwortunas- bewußt wettertragen. Nach drei Tagen gewissenhafter Beobachtung darf man doch wohl schon einige ftefte Linien der Erfahrung ziehen: wer müssen viel mehr als bisher aufs Land: und vor allem nicht nur kurz vor den Wahlen. Die Landbevölkerung e m p s i nde t es als 11 n r e ch t, daß man sich ihrer erst j e w e i l s v o r d e � Wahlen erinnert. Wir müssen die Landbevölkerung über alle Fragen der Politik, insbesondere der Wirt- schaftspolitik auf- dem lausenden halten: in Ab- ständen von vier bis acht Wachen müssen diese kleinen Orte von ge- schulten Rednern bereist werden. Auch die berühmten Redner unserer Reichstagsfroktion sollten einmal die kleinen Dörfer systematisch besuchen. Es wäre schon von großer Bedeutung, wenn diese Genossen in den Kreisstädten(z. B. Schlochmi) gelegentlich sprechen wollten. Ein großer Teil der Landbevölkerung würde so erfaßt werden können. Ich bin überzeugt, daß dies eine ungeheure agitatorische Wirkung erzielen würde. Und noch etwas: Wir inüssen� mehr, mtt guten Spiel- filmen agitieren: die Landbevölkerung kann sich in Aersämm- ttmgen kaum mehr ein Glas Bier leisten: das hall viele vom Besuch zurück. Ein guter Spielfilm(z. B.„Der Hauptmann von --Köpenick"), von einem'gucken Referat Umrahmt, würde die besten Wirkungen erzielen.... Ich breche hier ab: in einer Biertslstunde geht mein Aug, der mich nach Sampohl bringt: zu treuen Menschen, zu neuen Erfahrungen... Die Radfahrer haben Schuld! Wenn noch nicht überall Radfahrwege angelegt werden konnten So ganz unrecht Hat der„Berliner Verein für Radfahrwege" nicht: die Fahrzeuge haben i>cn Fahrdamm und die Chausseen, der Reiter die Reitwege(sogar in Berlin sehr viele!), der Fußgänger den Bürgcrstcig. Nur der Radfahrer muß sehen, wo und wie er sich hindurchschlängelt! Und das, obschon das Fahrrad doch eigentlich das Berkehrsmittel der schaffenden, nicht gerade aus Rosen gebetteten, großen Masse der Bevölkerung ist. Seit sechs Jahren besteht der Verein: er schmeichelt sich, mit dazu beigetragen zu haben, daß in dieser Zeit die anfänglichen i Kilometer Radfahrwege auf 42» 5iilometcr in Berlin onge- wachsen sind. Und jetzt geht er aufs ganze. Im Grunewald will er Radfahrwege schaffen, damit auch dort die Ritter von der ,'ebalc wissen, wo sie hingehören. Man bedient sich dabei der frei- billigen Arbeitsdienstpslicht, dieser Vielumstrittenen. Dreißig jugendliche Erwerbslose, die ohne Unterstützung sind. treil in der Familie noch nicht die dringendste Not herrscht, sind am �Zert. um mit shacken und Schaufeln, mit Karren und Stampfern Radfahrwege zu schaffen. Sie treten nicht als Lohndrücker auf, ob- wohl sie für den Tag nur 2 M. an Entschädigung erhalten. Sie leisten zusätzliche Arbeit, d. h. Arbeit, die sonst nicht ausgeführt werden würde. Den Lohn, wenn man es so nennen will, zahlt die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Erwcrbslofcnoersicherung: die Kosten des Materials muh der Verein selbst bestreiten. Aber da liegt der Hase im Pfeffer. Merkwürdigerweise sind die Bestrebungen des Berliner Vereins für Radfahrerwege noch nicht ollen Radfahrern eingegangen. Viele Einzeloereine und auch einige Verbände verschließen sich den Bestrebungen noch, so daß der Verein mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen Hot. Dabei sind die Be- dingungen, die er für die Mitgliedschaft— und damit für die allen Radfahrern zugute kommenden iliadfahrcrwcge— stellt, außerordentlich leicht: Wenn jeder Radfahrer einen„Jahresring" für ü» Pf. er- wirbt, bekommt der Verein nach seiner Rechnung eine Summe zusammen, die ihm die Materialbeschaffung möglich macht. Er rechnet dabei mit ZO»»»» Radfahrern in Berlin, die den nicht nennenswerten Beitrag von jährlich ö» Pf. zahlen könnten. Aber wie ge- sagt, die Rechnung Hot ein Loch, well eben nicht alle dabei sind. Einige Bezirksämter in Berlin kommen dem Verein sehr weit cnt- gegen, dii�Liergartcnverwaltung ober, die viele Kilometer Reit- wege unOTrnlten muß, auf denen sich die in Berlin gewiß niäst zahlreich vorhandenen wohlhabenden Reiterslcute vergnügen können, hat bisher die Schaffung von Radfahrwegen rundweg abgelehnt. Dabei wäre es wirklich nur recht und billig, wenn man beispiels- weise auf der Charlottenburger Chaussee die Radfahrer von dem mehr als gefährlichen Fohrdamm herunternehmen würde. Be! der Besichtigung der Arbeiten im Grunewald hielt Ober- förster S ch m o o k noch einen kleinen Vortrag darüber, wie nach seiner Meinung sich die Besucher im Grunewald verhalten müßten, damit der Wald Wald bleibt. Wenn z. B. des Vormittags um �11 Uhr ein Waldbrand ausbricht, der viele Morgen des müh- sam erhaltenen Baumbestandes vernichtet, und wenn man dann feststellt, daß sich bereits um diese Zeit wandernde Besucher auf einem offenen Spiritusfeuer Kartoffeln kochen wollten und dabei den Wald- brand verursachten, so kann man einiges Erstaunen nicht unter- drücken. Feuer, brennender Spiritus, glimmende Zigarrenstummel gehören nicht in den Wald. Die meiste Sorge machen dem Berliner Oberförster die zigarettenrauchendcn Damen Er ist an sich kein Feind dieser emanzipierten Zeitgenossinnen, aber sie sollten das Zigarettenrauchen im Wald unterlassen, denn sie sind beim Fortwerfen der Stummel die leichtfertigsten. Selbst auf die wandernde Schuljugend müssen die Forstbeamten aufpassen. Da hat sich die Försterei mit vieler Mühe eine kleine Baumschule ge- schaffen, in der Laubholz zum Einfassen der Chausseen und als grünes Unterholz gezogen wird. Das dauert doch immerhin ver- schicdene Jahre, bis die Bäumchen verwendungsfähig geworden sind. Neulich muß der Oberförster feststellen, daß viele Akaziensprötzlinge ausgerupft sind. Eine Schulklasfe, die, man sollte es kaum für mög- lich halte», in Begleitung eines Lehrers war, hatte sie zu Ruten ver- arbeitet und die dann schließlich am Bahnhos Grunewald sortgc- morsen. So war vieler Jahre Arbeit vernichtet. Als ein Besucher gestern die Frage an den Oberförster stellte, wie man es ermöglichen könne, daß die schon vorhandenen Radfahr- wege auch wirklich nur von Radfahrern benutzt werden und nicht von Fußgängern, wußte Herr Schmook auch keine Antwort. Den Fußgängern, meinte er, ist der Grunewald offenbar noch nicht groß genug! Sie verkauften sich und den Sport GroHe Schiebungen bei den bürgerlichen Fußballern Daß es mit der A m a t c u r f r a g e in der bürgerlichen Sport- bewegung bereits seit Jahren nicht ganz stimmt, haben wir schon immer behauptet und auch stets bewiesen. Wir konnten nachweisen, daß Tennisspielern und Schwimmern, Fußballspielern wie Rod- fohrern, Leichtathleten ebenso wie Ringern und Boxern Geldzu- Wendungen gemacht, oder daß von ihnen Geldsorderungen gestellt wurden, die sich mit dem Begriff Amateur nicht vereinbaren ließen. Bisher wurden unser« Behauptungen von den beteiligten Verbänden nicht bestritten, irgendwelche Mahnahmen zur Abhilfe aber auch nicht unternommen. Erst in letzter Zelt, als sich auch die bürgerliche und die Fachpress« damit beschäftigten, konnte man einer Untersuchung nicht mehr aus dem Wege gehen. Die Untersuchung- fichrenden Kommissionen taten dann sehr erstaunt, als sie merkten, in welchen Sumpf von Korruption sie gegriffen hatten. Die Fälle Ladoumegue und N u r m i sind in frischester Erinnerung. Bei den Schwimmern konnten wir feststellen, daß der bürgerliche„Schwimm-Sport-Club 1880" einen der besten Arbeiter- klinstspringcr namens Greulich mit Geld und dem Versprechen, ihm eine Stellung zu beschaffen, für sich gekapert hat. Daß es bei den bürgerlichen Fußballern die schmutzigste Wäsche gibt, ist allgemein bekannt— nur beim Vorstand des Deutschen Fußballbundes nicht. Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen und dem ewigen Streit über die Höhe der sogenannten Spielspesen zu regeln, wurde seinerzeit den Spielern für jedes Spiel 7,A) M. bewilligt. Daß dieser Satz von fast keinem der führenden Vereine beachtet wird, ist ebenfalls bekannt— nur beim Deutschen Fußballbund nicht. Spielerwandcrungen, so nennt man es, Sklaocnkäufe müßte es heißen, sind daher an der Tagesordnung. Und wenn das nicht genügend einbringt, dann versucht man es eben mit Spielvertäufen. Schon oft sind solche„Geschäfte" abgeschlossen worden, ohne daß man die.Läufer" oder die„Verkäufer" belangen könnt«. Jetzt steht ober ein Spieloerkauf greifbar fest: Der Neu- köllnor Fußballklub Südstern, der der Oberliga angehört, wollte dem 1. Fußballklub Neukölln sein Spiel gegen den Fußballklub Blau-Weiß für den Betrag von öö» M. verkaufen, das heißt: Südstern verpflichtete sich Blau-Weiß unter allen Umständen zu schlagen, damit der 1. Fußballklub Neukölln in der Oberliga bleibt, von dem Erlös sollten die S ü d st e r n s p i e l e r je 30 M. erhalten, während die Verhandlungsführcr den Restbetrag ein- stecken wollten. Der 1. Fußballklub ließ sich darauf nicht sofort ein. Er meldete die Angelegenheit dem Verband Brandcnburgischer Ball- spielvereine, der daraufhin einen Vertreter zur zweiten Verhandlung, auf die die Neuköllner zum Schein eingehen sollten, entsandte. Und hier beginnt die Schutd des VBB.-Vvrstandes. Statt daß der Vertreter in voller Oeffcntlichkeit an den Verhandlungen teil- nimmt, um die Wahrheit der Anschuldigungen festzustellen, ver- st eckte er sich hinter einen Schrank, von wo er dann all- Aeuherungen abhören konnte. Die Neuköllner sagten nicht ja und nicht nein, sondern drückte» sich um den Kern der Sache wie die Katze um den heißen Brei. Südstern spielte gegen Blau-Weiß. ge- wann und bekam kein Geld! So weit die festgestellten Tatsachen. Wäre es für den gesamten Fußballsport nicht besser gewesen, der VBB.-Vorstand hätte sofort bei Bekanntwerden eine strenge Untersuchung eingeleitet und. sobald sich nur die geringsten Anzeichen bemerkbar gemocht hätten, dem Verein Südstern bis zur vollständigen Klärung jede Spiestnöglichkett zu nehmen? Bor«inigen Tagen fand nun die Verhandlung statt, bei der die Angelegenheit niedergeschlagen wurde. Der VBB.-Vorstand begründete seinen Spruch damit, daß eine Bestrafung Südsterns in der vefstntlichkeit unliebsames Aufsehen erregen würde(!). was der ganzen Fußballdewcgung schaden könnte. Ja. glaubt denn der Vor- stand, daß durch das Bekanntwerden solcher Machinationen und die stillschweigend« Duldung durch den Vorstand des VBB. der Fuß- ballbewegung gedient ist? V.W. Efy Abend Fraucniurncn Siebenundneunzig blaubehoste, mit weißem, ärmellosen Hemd und den Vcreinsinitialcn darauf genälst— so repräsentierten sich die Fraucnabteilungen ün Rahmen der 70-Jahrseier des „Volkssport W e d d i n g" gestern bei dem Frouen-Turn- und Gyinnastikabend. Mehrere hundert Besucher waren Zeuge der Arbeit im Dienst« der Bolksgesuirdheit, die weibliche werktätige Bewohner boten. Anmut, weibliche Eigenart trat in besonderem Maße bei den Schritt-, Hüpf- und Laufarten nach Musik zutage. Gewandtheit und Mut verkörperten die Hebungen an den Geräten, die für den An- fänger wie für den Geübteren zeigten: Ja, das kann ja ein jeder mitmachen. Und so soll es ja auch fein! Spiele, ob mit dem Medizin- ball oder ohne, Kreisspiele auf dem Fußboden, im Lauf oder in kombinierter Form, zeigten hier, wie wahr die aufklärenden Worte des Begrüßenden waren. Frohsinn nach des Tages Last und Müh' zu erwecken, das wurde unter Beweis gestellt. 42 Jahre Frauen- turnen in Berlin— 1890 und 1932, welcher Unterschied! Die Aus- stcllung, die ebenfalls in der Pankstraße 18 gezeigt wird, versinnbild- licht auch dos mit am besten in der Kleidungsfrage. Damals der lange, hindernde Rock, lustdicht abschließend den Körper, der Lust, Licht und Sonne verlangt. Die Ucbergänge sind Beweis nach diesem 'Verlangen und die Anfangs geschilderte Bekleidung von heute ein nicht niehr wegzudenkender Bestandteil des Arbeitersports im Maß- slab des Frauenturnens, und das ist gut so. Vorwärts, weiter so! „Aas Alpenflüssen und Vergeshöh'n" ist der Titel eines Licht- bildervortrages, den die Freien Foltbootfahrer Berlin, Gruppe Nordosten, als Auftakt für die diesjährige Poddelsaison am Donners- tag, 14. April, in der Aula der weltlichen Schule, Danziger Straße 23. veranstalten. 100 Bilder sollen von den Schönheilen des Faltbootsporics erzählen. Freunde des Foltbootsports sind herzlichst eingeladen._ Kleiner Sport von überall Um die ostdeutsche Loxmeisierschasl: weißwasser schlägt Liegaih. Zum fünften Male standen sich in Weihwasser die beiden Endrunden- gegner„Hansa"-Weißwasjcr und„Eiche"-Liegnitz um den Titel eines ostdeutschen Gruppenboxmcislers im Arbeiter-Athleten-Bund Deutsch- lands gegenüber. Die beiden Stoffeln lieferten einen harten Kampf. den die Mannschaft aus Weißwasser wieder zu ihren Gunsten cnt- scheiden konnte, Eiche unterlag mtt 4:12 Punkten. Der Berliner Kreismeister„Lichtcnberg-Fricdrichsfelde 04" konnte sich in diesem Jahre noch nicht durchsetzen, in der Zwischenrunde verloren die Berliner ihren Kampf in Licgnitz. da sie in drei Gewichtsllasscn mit lieber- gewicht antraten und so sechs wertvolle Punkte schon auf der Waage an die Siegermannschaft abgeben mußten. Die Vorrundenkämpfc um die Bundcsmeisterschaft beginnen in der nächsten Zeit. Ringkämpfe im Zirkus Busch. Bor vollem Hause rangen gestern als erstes Paar Bognar-Ungarn gegen Kawall-Berlin. Der Kampf, von dem man sich etwas mehr versprochen hatte, blieb unentschieden. Im zweiten Tressen konnte nach flottem Kampf der wachse Weinert nach 7 Minuten durch Hüstzug einen hübschen Eriolg über Brückner- Breslau buchen. Den dritten Kampf bestritten Trinkgeld-Bayern und Sasorski-Polen. Auch dieser Kampf blieb unentschieden. Darauf traten zum Entschcidungskampf Equatore-Jtalien und Paßmann- Lettland an. Dos Ergebnis war ein flotter, an spannenden Mo» menten reicher Kampf. Er nahm ein dramatisches Ende. Paßmann sührte schnell hintereinander zwei Ueberwürse aus. Bei dem letzten fiel er so unglücklich, daß er sich die Sckultcr verletzte. Paßmann versucht- noch einige Minuten den Kampf fortzusetzen, mußte aber nach einigen Minuten den Kampf aufgeben. Gcsanttkampsdaucr 54 Minuten. Im letzten Treffen des Abends machte Grüneisen- Schweiz mit dem Ukrainer Omeltschenko ziemlich kurzen Prozeß. Er besiegte ihn nach 8 Minuten durch einen schnellen Ucberwurf. Die Kämpfe für heute sind folgende: Belar Nagy-Ungarn gegen Rauer-Esttand, Brückner-Breslau gegen Naber-Ostpreußen. Bognar- Ungarn gegen Schachschneider-Berlin. Badurski-Polen gegen Weinen- Sachsen und im Entscheidungskampf Trinkgeld-Bayern gegen Sandor Nagy-Ungarn. » Mit der Skihose in die Kirche! In einem N-men Ort bei Warschau ereignete sich am Ostcrsonntag ein Vorfall, der eine Bc- leidigungskloge gegen den dortigen Pfarrer zur Folge hatte. Während des Gottesdienstes nämlich betrat eine ahnungslose Ausflüglerin, eine Lehrerin aus Warschau, die Kirche, angetan mtt einer— Skihose. Der Pfarrer wollte seinen Augen nicht trauen. Eine solche Entweihung der Kirche, in der sonst die Frauen nur in langen, feierlichen Kleidern erschienen, hotte er noch nicht erlebt. Kein Wunder, daß er sofort den Gottesdienst unterbrach und mit schelten- den Worten die tollkühne Ausflüglcrin aus der Kirche wies. Die war jedoch nicht geneigt, sich widerspruchslos einen.Hinausschmiß gefallen zu lassen und klagte gegen den Pfarrer wegen Beleidigung. Und so kam es zu einer von sportlichen Kreisen stark besuchten Ver- Handlung vor dem Gericht. Aber schon zu Beginn der Verhandlung gab der Richter dem alten Pfarrer zu verstehen, daß von einer Entweihung der Kirch- keine Rede sein könne, denn nicht auf die Kleidung, sondern auf die Gläubigkeit komme es an! Die Kirche stehe jedem offen, ob er im Festanzug oder im Skidreß erscheine. Der Deklagte gab darauf zu, daß er gegen die sportliebende Lehrerin zu weit gegangen war, entschuldigte sich in aller Form und bat. von der Durchführung des Prozesses abzusehen. Die Klägerin war damit einverstanden und so konnte der Prozeß um die Skihose gütlich beigelegt werden. Zrcicc Zt«rperlult»rkreis Kreuzbeeg! Miüweäi, 1?. Avrkt, Ütts—!2 JITir, Nacktliadcn mit(Siimnaftif im ötaStbai» SJaotroatMitaljc. Somttog. 17. April. Arbeitsteg auf dcm Tonseegeländc. Werlzeug, Kammer und gangen, mit« bringen. Treffpunkt S llhr Eörlitzcr Bahnhof. Fahrt bis Aiiniasmusterhaufen. Radfabre: Irefien(ich um 8>c Uhr Hermannplah Ecke Berliner Stroh«. Freie F-ltb»»tsohrcr Berlin. Sufammenlilnfte Donnerstag, lt. April, Z» Uhr. Kruppe Südosten: Große Frankfurter Str. Iii...Im Fluge um die Welt», Lichtbildervortrag.— Gruppe Roedosteu! Werbcabcnd. Schulaula Don- zlger Str. 2.1...Auf Alpenflilssen und BergesbSh'n», Lichtbilderoortrog.— Gruppe Norden tagt bis auf weiteres leben Freitag, 20 Uhr, Willdenowstr. 5. Nächste gufammenfunft Freitag, 15. April. Filmabend der Bolksfürsorge. flGB. Bezirk Stralau: Donnerstag. Ii. April, 20 Uhr. Hanbballernßi'ng ollenbach, Alt-Stralau b. Vortrag über..Neue Kairdballreaeln".— Ander. bezirk: Donnerstag, li. April. 2v Ubr, Sißung im Torkrug, Sochdahn Schlefisches Tor. Sountags Arbeitsdienst im Bootshaus und Nudertraining. Hät seh Ecke des„Abend" aiuaiiiuiuuiimuiPUuituuiaauiimMiiuiiUQiBiuuHiiitiiLUiinminuiüUKuiüusiiiii Diamanträtsel. Fa I|!|i|i!K L|L L| L M MsMl I N N N j N 1 N| N j N; N I N| N; N 1 N; 0 f "olT: R| R; R I'r- r"' R! r' r Die Buchstaben sind so in die Felder zu verteisen, daß Wörter folgender Bedeutung enisielien: 1. Nebcillaut; 2. Költeprvdvkt-, 3. Himmelskörper: 4. Kleidungsstück: b. Fahrzeug für den Winter: 6. Waffcrfghrzeug: 7. Verantwortungsvoller Beruf-, 8 Kampiorgani- fation: 9. Test der Insel Rügen: 1». Stadt in der Lausitz: 11. Werk- zeug: 12. Verständigungsmutel: 13. Temperatur: 14. Nebenfluß der Donau: 15. Nebenlaut.— Sind die Wörter richtig gefunden, so ist die mittlere Senkrechte gleich der mittleren Waagerechten. ho. Kapselrätsel Erna. Star. Dill, Geld. Asten. Rotdorn. Spant. Ku'lde. Siesta. Kraut, Sturm. Den vorstehenden Wörtern sind je zwei aufeinander- folgende Buchstaben zu entnehmen, die, richtig aneinandergereiht, ein Sprichwort ergeben. � ak. 3456 Magisches Dreieck. Die Buchstaben a assaaee iistllmmnnsstt richtig eingesetzt, ergeben senkrecht und waagerecht die gleichen Worte.— Bedeutung der Wörter: 1. Stadt in Frankreich: 2. englische Insel im Mittelmeer: 3. ungarischer Frauen» name: 4. griechischer Buchstabe: 5. Ausruf: ö. Konsonant. S. Zahlenrätsel 5 Spanische Landschaft Sunda-Insel weiblicher Vorname französischer Physiker männlicher Vorname Handwerker Stadt in Holland Fahnenflüchtiger Norne der Vergangenheit Lärm Mcermuschel. ah. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Parole: Braun-Seve- ring: 8. Rosenpart: 8. Austrolia: 10. Orleanift: 11. Taxameter: 12. Ltr.: 13. Ort: 14. Statin; 16. Reiter; 18. und 19. Bebel, Liebknecht 20. Ar: 22. Gtarte; 23. Ilhlond: 24. Res: 28. Raa; 29. Ein- kommen; 30. Eichsjeld: 31. Regierungerücktrttt.— Senkrecht: 1, Proletarier; 2. Aorta: 3. Bai: 4, Aktivierung: 5. Naturbutter; 6. Niere: 7. Gartenstadt: 14. See: 15. TBE-: 17. Tea: 20. Arter; 21. Regie: 2ä Sang: 26. Brei: 27. Hall: 29. er; 30. er.• Rätielgleichung: A= Orgel, B— Anis, C— Sita, D— ort, X— Organisation. Aerwandlungsrätsel: Sonne Senne— Seine— Seide— Heide. Geographisches Silbenrätsel: 1. Griechenland: 2. Ilrcl: 3. Altona: 4. Tiber: 5. Eriesee; 6. München: 7. Abessinien; 8. Lyon; 9. Amelaild,— Guatemala.