Morgenausgabe Tir. 174 A 88 49. Jahrgang Wöchentlich 75$ t, monatlid) 3,25 m ( davon 87 Pf. monatlich für Zustel lung ins Haus) im voraus zahlbar. Bostbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Boitzeitungs- und 72 Pf. Boftbeftellge bühren. Auslandsabonnement 5,65 oto Monat; für Länder mit ermäßig tem Druckfachenporto 4,65 M Der Borwärts erscheint wochentäg lich zweimal, Gonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Dez Abend". Jllustrierte Sonntagsbeilage Bolt und Zeit" Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 14. Apríl 1932 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die efutpalt. Millimeterzeile 30 Bt. Reklamezeile 2. M. Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 20 Pf. zufüffig zwei fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 10 Bf. Rabatt It. Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter. zeile 25 Pf. Familienanzeigen Milli. meterzeile 16 Bf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ahlehnung nicht genehmer Anzeigen nor! Bentralorgan der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Vostschedkonto: Berlin 37 536.- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Fernspr.. Donboff( A 7) 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Beamten, Lindenstr. 3 Dt. B. u. Disc.- Gef., Depofitent., Jerusalemer Str. 65/66. SA. verboten! Schließungen, Verordnung des Reichspräsidenten. Durchsuchungen, Beschlagnahmen im ganzen Reich. Der Reichspräsident hat am Mittwochabend auf Grund des Artikels 48 zur Sicherung der Staatsautorität die Auflösung der SA. und SS- Formationen verfügt. Die Verordnung hat folgenden Wortlaut: Auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfaffung wird folgendes verordnet: § 1. Sämtliche militärähnlichen Organisationen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, insbesondere die Sturmabteilungen( SA), die Schutzstaffeln( SS.), mit allen dazu gehörigen Stäben und sonstigen Einrichtungen, einschließlich der SA- Beobachter, SA- Reserven, Motorflürnie, Marinestürme, Reiferfiürme, des Fliegerforps, Kraftfahrtorps, Sanitätskorps, der Führerschulen, der S2- Kafernen und der Zeugmeiftereien werden mit sofortiger Wirkung aufgelöst. § 2. 1. Die zur Zeit der Auflösung im Besitz der aufgelösten Organisation oder eines ihrer Mitglieder befindlichen Gegenstände, die dem militärähnlichen Zwede der Organisation gedient haben, oder zu dienen bestimmt gewesen find, können polizeilich sichergestellt werden. Auf Verlangen des Reichsministers des Innern muß dies geschehen. 2. Gegen die polizeiliche Anordnung ist die Beschwerde im Dienstaufsichtswege zulässig. Eine auf Verlangen des Reichsministers des Innern angeordnete Sicherstellung kann nur mit seiner Zustimmung abgeändert werden. 3. Schadenersatzansprüche megen Verlustes oder Beschädigung sichergestellter Gegenstände sind ausgeschloffen, sofern nicht der Schaden durch vorsätzliches Handein verursacht ist. § 3. 1. Wer sich an einer Organisation, die auf Grund dieser Verordnung aufgelöst worden ist, als Mitglied beteiligt oder fie auf andere Weise unterstützt oder den durch die Organifation geschaffenen organisatorischen Zusammenhalt meiter aufrecht erhält, wird mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft. 3eite. ähnliche Einrichtungen aufgelöst werden, in denen Mitglieder der| Instrumente der Spielmanns- und Musikzüge, Feldküchen, aufgelösten Organisationen wohnen, ist dafür Sorge zu tragen, fallen. Die Polizeibehörde hat ihnen zu diesem 3wed entweder daß diese Personen nicht der Obdachlosigkeit ver eine angemessene Räumungsfrist zu sehen, die ihnen die Erlangung einer anderen Unterkunft gestattet oder im Benehmen mit den Bean= hörden der öffentlichen Fürsorge dafür Sorge zu tragen, daß sie eine andere Unterkunftsmöglichkeit erlangen und für eine gemessene Uebergangszeit ihren Lebensunterhalt bestreiten fönnen. § 2. Der polizeilichen Sicherstellung gemäß§ 2 der Verordnung unterliegen insbesondere sämtliche zum Dienstanzug der SA. gehörenden Bekleidungs- und Ausrüstungs gegenstände, einschließlich der Abzeichen. wie sie im einzelnen auf S. 105 ff. der Dienſtvorschrift für die SA. aufgeführt sind. Der Sicherstellung unterliegen ferner die Fahnen und Standarten sowie alle sonstigen Gegenstände, die den mili. tärähnlichen Zweden der Organisation gedient haben oder zu dienen bestimmt waren, wie z. B. Flugzeuge, Kraft. zu dienen bestimmt waren, wie z. B. Flugzeuge, Kraft fahrzeuge sonstige Mittel zur Bewerkstelligung des Nach richten und Relaisdienstes, Sanitätsmaterial. beauftragt: Groener, Reichswehrminifter. Der Reichsminister des Innern mit Wahrnehmung der Geschäfte * Das jetzt verkündete Verbot der Privatarmee des nationalsozialistischen Führers kommt für den Eingemeihten nicht mehr überraschend. Zwar haben gewisse Intereffentenfreise noch während der letzten Tage und Stunden in der Oeffentlichkeit und noch mehr hinter den Kulissen ihre Einflüsse geltend gemacht, um die längst notwendige Entscheidung zu verhindern. Aber vor der klar erkannten sta a tlichen Notwendigkeit mußte selbst dies geschäftige Treiben wirkungslos verpuffen. Weder Entrüstung noch Begeisterung ist am Blake, wenn man der Tatsache des Verbots gegenübersteht. Höchstens das Wort: 3hr fommt zwar, doch ihr tommt spät! Die Dinge, auf die sich die verbietende Verordnung bezieht, Das Braune Haus besetzt. Bayern greift scharf durch. München, 13. April. Das hiesige Braune Haus ist heute nachmittag von der Landespolizei besetzt worden. Die Zugangsstraßen zum Braunen Haus sind abgesperrt. Klagges macht sich mausig! Berbot in Braunschweig noch nicht durchgeführt. Der braunschweigische Naziminister& lagges erläßt gegen die Verordnung des Reichspräsidenten eine geschwollene Erklärung. Er profeffiert aufs schärffte", er ist so dreift, die Verordnung als ungerecht zu bezeichnen, weil sie sich nicht auch gleichzeitig gegen die militärischen Organisationen der Eisernen Front richtet", und als Folge„ eine Verschärfung der politischen Kämpfe" anzufündigen. Tatsächlich ist auch in Braunschweig im Laufe des gestrigen Tages noch nicht das geringste erfolgt, um die Berordnung durch2. Neben der Gefängnisstrafe fann auf Geldstrafe er- zuführen. 3a, in der SA.- Schule in Kreiensen war das Verbot gestern abend- wenigstens offiziell noch gar nicht bekannt. fannt werden. 3. Gegenstände, die nach der Auflösung der Organisation für die Zwecke der aufgelösten Organisation oder der Ersatzorganisation gebraucht oder bestimmt sind, können eingezogen oder unbrauchbar gemacht werden, auch wenn sie weder dem Täter noch einem Teilnehmer gehören. 4. Sann keine bestimmte Person verfolgt oder verurteilt werden, so kann auf die Einziehung oder Unbrauchbarmachung selbständig erkannt werden. § 4. 1. Diese Verordnung triff, mit Ausnahme des§ 3, mit ihrer Verkündung in Kraft;§ 3 trift mit dem zweiten Tage nach der Verfündung in Kraft. 2. Die zur Durchführung dieser Berordnung erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften erläßt der Reichsminister des Innern. Die Durchführung der Auflösung. Auf Grund des§ 4 Abs. 2 der Verordnung des Reichspräfidenten zur Sicherung der Staatsautorität vom 13. April 1932 ( Reichsgesetzbl. I S. 175) wird hiermit verordnet: § 1. Someit bei der Durchführung der Auflösung der im§ 1 Der Berordnung bezeichneten Organisationen S. Seime oder Herr Groener hatte erst vor wenigen Tagen eine Unterhaltung mit dem braunschweigischen deutschnationalen Minister & üchenthal. Ueber diese Unterhaltung ließ er melden, daß er mit Herrn Küchenthal in allen Fragen einig fei. Wir nehmen an, diese Einigkeit bezieht sich auch auf die Selbstverständlichkeit, daß flagges, falls er der Verordnung des Reichspräsidenten Widerstand leistet, einzusperren ist. Die braunschweigische Polizei wird, wenn sie von der Despotie dieses sonderbaren Ministers befreit ist, wieder im Sinne der Verfassung und des Gesetzes tadellos funktionieren, wie sie es aus der Zeit, in der noch Sozialdemokraten in der Regierung saßen, gewöhnt ist. Auf alle Fälle ist es Pflicht der Reichsgewalt, dieses Schöppenstädter Rebelliönchen binnen 24 Stunden zu liquidieren. Große Funde in Hessen. Darmstadt, 13. April. H Bei der Polizeiaktion anläßlich des Verbots der SA. und SS. wurden, wie von maßgebender Stelle mitgeteilt wird, die SA. Unterkunft im Braunen Haus, ein weiteres SA. Heim und das Heim der Hitlerjugend geschlossen. In Darmstadt und Umgegend wurden beschlagnahmt: cin Flugzeug, mehrere Autos und Motorräder, eine Menge vollgepadter Tornister mit eisernen Rationen, Feld- und Telephon: geräte, Verbandpädchen und Sanitätsmaterial, Militärmäntel mit chselklappen des Artillerieregiments 61 und größere Mengen mili. tärischer Ausrüstungsstüde( Spaten, Feldflaschen, Brotbeutel usw.). Sichergestellt wurden zahlreiche Handfeuerwaffen sowie Hiebund Stichwaffen aller Art, sowie Schriftstücke und Urkunden. Im Augenblick finden noch aussuchungen in den Privata wohnungen von SS.- und SA.- Leuten statt. Tränengas in Hamburg. Hamburg, 13. April. Bei der Durchsuchung des Gaubüros der NSDAP. wurde fest gestellt, daß die unteren Räume des Büros unter Tränengas gejetzt waren. Umfangreiches Material murde beschlagnahmt und 20 Personen, darunter 7 Abgeordnete der Hama burgischen Bürgerschaft, und ein Reichstagsabgeordneter sistiert. Tumulte in Breslau. Zusammenrottung von Nazis. # Breslau, 13. April.( Eigenbericht.) Im Anschluß an die Schließung und Durch iu chung des Braunen Hauses sowie der übrigen Schlupfwinkel der Nazis kam es am Mittwochabend in Breslau im Innern der Stadt zu umfangreichen Zusammenrottungen meist jugendlicher Nationalsozialisten. Die Polizei mußte mehrfach eingreifen und rücksichtslos vom Gummiknüppel Gebrauch machen. Dabei wurden mehrere Unruhestifter und leider auch Unbeteiligte leicht verletzt. Im Mitternacht hielten die Tumulte noch an. Ueberfall auf Arbeiterjugend. Die Naziangreifer verhaftet. Die Spielfruppe Junge Hammerschaft der Sozialistischen 2rbeiterjugend weißensee und Hohenschönhausen wurde am Mittwoch abend gegen 11% Uhr von über 50 Nationalsozialisten überfallen, die aus Häusern, Restaurants und dem nahegelegenen Naziheim( Albertinenstraße) über 6 Burschen und 3 Mädel herfielen und mit Koppeln und Totschlägern auf sie einhieben. Diese ganze Aktion war wohl vorbereitet und wurde mit dem Schlachtruf„ Seid 3hr auch verboten durchgeführt. Durch das Eingreifen der Weißenseer Schuhpolizei wurden die Nationalsozialisten festgenommen und der Abt. IA im Polize präsidium zugeführt. find nicht erst feit heute und gestein befannt. Die Errichtung und Durchorganisierung der Pripatarmee Hitlers hat langer Sahre bedurft. Immer wieder ist auf die Gefahr für das Leben des Staates hingewiesen worden, die sich aus dieser organisatorischen Nachäffung der Wehrmacht ergeben mußte. Leider sind die Kreise der Reichsregierung, deren Eingreifen schon wegen der Einheitlichkeit der Durchführung der Aktion nötig mar, erst so spät zur Erkenntnis der Rotwendigkeiten gefommen, daß es fast fann zu fpät er scheinen mochte. Die Gemalttaten der SA- und SS. Formationen, die längst zu einer Lanbplage geworben maren, gaben ja nur das äußere Bild. Die ernste Gefahr bestand aber in der rein militärischen Organisation mit allen mili tärischen Dienstbezeichnungen", in der Nachahmung auch des äußeren militärischen Drills, in den Stäben", den ,, Dienstbefehlen" und was derlei schöner Dinge mehr sind. Wie oft haben die„ Stäbler" vom Braunen Hause und die Unter stäbler in der Broning nicht der Deffentlichkeit versichert, daß Die Fruppen" fest in der Hand der Führer" seien! Ganz pie in den Berichten irgendeines Nicolai non dazumal! Die Begründung der Verordnung. Zur Gicherung der Staatsautorität. Amtlich wird mitgeteilt: Die Sturmabteilun Dapon abgesehen waren bei den aufgelöften Organisationen gen und Schukoffeln und sonstige militär. zahlreiche fdmer miegende Ordnungswidrigkeiten ähnliche Organisationen der NSDAP. schon ähnliche Organisationen der NSDAP. sind und lebergriffe festzustellen. Diese haben größte Beunheute durch eine Verordnung des Herrn Reichsbräft. ruhigung in meitefte Balkatreise getragen. Bolizeiliche denten auf Grund des Artikels 48 her Reichsverfassung und gerichtliche Stellen sind mit der Prüfung von umfangaufgelöst worden. Die Reichsregierung hat braucht aber nicht abgemartet zu werden, da die Auflösung der reichem. Material béjaßt. Der Ausgang dieser Verfahren it immig empfohlen. dem Herrn Reichspräsidenten diese Maßnahme ein Organisationen aus staatspolitischen Gründen erfolgt und von dem Ergebnis der Untersuchung, ob und und in welchem Umfange strafbare Handlungen einzelner begangen worden sind, völlig unabhängig ist. Erst jezt angesichts des drohenden Berbois hat der Ober- Olaf Hitler höchstselbst dem Korrespondenten des eng lischen Daily Expreß" versichert: Die Auflösung dieser Organisationen ist gemäß den Grundgesehen des staatlichen Lebens notwendig, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhal. ten und die Staatsautorität vor weiteren schte. ren Beeinträchtigungen zu bewahren. Die genannten Organisationen find, wie bekannt, in allen äußeren Dingen bis in Kleinigkeiten den militäri schen Formationen nachgebildet. Sie stellen ein Privatheer dar, ein Parteiheer, menn auch zum Teil unbe Benn die Regierung meine G. aufföfen sollte, dann mürbewaffnet. Hunderttausende sind bei unbedingter Befehlsgebundenheit fie mich der Berantwortlichkeit für dieselbe entheben. Ich würde dann dieje 400 000 2ann nicht mehr wie bisher unter meiner Kontrolle haben und könnte nicht dafür verantwortlich gemacht werden, mas sie im Einzelfalle tun werden." Hitler gibt damit ohne Umschweise zu, daß er bisher mit vollem Recht verantwortlich gemacht worden ist für alles, was seine Banden im Einzelfalle" getan haben! Wir haben daran nie gezweifelt, obschon der ..Führer" sehr oft versucht hat, auf dem Wege der einstweiligen Berfügung die öffentliche Feststellung seiner Verontwortlichkeit zu unterbinden. Aber es ist ganz klar, daß eine militärisch so durchorganisierte Armee, wie die SS. und die SA. gemeinsam darstellen, für jeden Staat, der sie die SA. gemeinsam darstellen, für jeden Staat, der sie duldet, gefährlich) werden kann, selbst dann, wenn ihre Legalität so fidher märe, wie die Zahl der für sie geleisteten Eide gros ist. Diese Eide haben jedoch nur das Gewicht des Feder- Geldes. Und die vielseitige Legalität des Herrn Röhm fann trog aller geleisteten oder angebotenen Eide nicht die Tatsachen aus der Welt schaffen, daß hier eine von Hitler felbst auf 400 000 Mann geschätzte Landsknechtsarmee ihre volle Herrschaft über das friedliche deutsche Volk auszudehnen im Begriff war. 3weifellos haben sich zahlreiche Idealisten in piesen ,, Iruppen" eingefunden, die ehrlich glauben, damit der Ration oder dem, mas sie dafür halten, einen geschicht lichen Dienst zu ermeisen. Aber ebenso zweifellos und zudem durch zahllose Berhandlungen erpiesen ist die Tatsache, das sich Scharen übelster Abenteurertypen mit verbrecherischen Steigungen bei Hitler Stelldichein geben durften. Wenn Dieser zusammengewürfelte und nur durch den Haß gegen has System demokratischer Selbstverwaltung zusammengehaltene militärisch gedrillte Haufen jeht aufgelöst und seiner Birtungsmöglichkeit enthoben wird, so ist das nur eine längst überfällige Selbstverständlichtait, wobei die besonderen ( anbesperräteris en Borbereitungen, non benen hier schon gesprochen murbe, zunächst eine Nebenrolle spielen bürfen. Es ist sicher nicht von ungefähr, wenn schon die An fündigung, daß das Reichstabinett sich mit dem Verbot der Brinatarmee ernsthaft beschäftige, eine Flut Don Barnun gen" und Gegenminen gerade von jenen Kreisen auslöste, die der Schmerindustrie nicht fernstehen. Die gesamte fogenannte Rechtspresse so genannt, nicht weil sie das Recht in den Vordergrund stellt, sondern meil sie einen Rechtsturs zugunsten der Kapitalsintereffen pünscht stellt sich wieder einmal schüßend por die Schutzstaffeln" und Sturmabteilungen", als ob sie ihre eigene Erfindung mären! Dabei wird mit dem mindigen Gerede jongliert, als ob das Berbot diefer Privatarmee ein Bahlmanöper und eine Beeinträchtigung der Werbetätigkeit der Nationalsozialisten darstelle. Nichts ist falscher als das! Die Hitler- Partei wird als politische Organisation nicht berührt. Sie soll wie jede andere politische Partet für ihre 3iele und ihr Brogramm falls solche vorhanden sind werben fönnen. Aber auch nur wie jede andere Partei. Bisher hatte sie vor allen anderen das angemaßte Recht voraus, die Hohl heit ihres geistigen Rüstzeugs durch ihre Gewalt baufen zu verdecken. Durch das Berbot diefer Gewalthausen tonn endlich die Gleichberechtigung der Parteien wiederhergestellt werden, nachdem sie solange gestört war. Staatliche Berbote und ihre Durchführung fönnen immer nur legte Mittel sein. Aber sie sind notwendig, wenn das Gefüge des Staates selbst bedroht ist. Reine Staatsform. Das hat jogar Herr Dingelben erkannt, tann es dulden, daß ein organisierter Staat in Staate entsteht mit dem Anspruch auf eigene Befehls- und Stommanbagerpolt. Die Reichsregierung hat daher jetzt nur das längst Notwendige endlich getan. Es ist zu hoffen, daß dieser späte Schritt nicht ohne Erfolg bleibt, besonders daß die zielsichere und energische Durchführung auch in allen deut schen Ländern sofort und einheitlich erfolgt. Es wäre ein unverantwortlicher Fehler, wenn man dulden wollte, daß die Verbotenen sich unter neuen Namen wieder festsetzen und fagen mir etwa in Braunschweig illegalen Unterschlupf finden fönnten. Was getan werden muß, muß ganz getan merden! Und menn auch die Fäden Hülers noch so weit reichen mögen man erzählt sich, daß im Braunen Haus in München schon am Dienstag ein Rundschreiben des Reichsinnenminifters an Die Länderregierungen vom gleichen Tage befarint unb an englische Korrespondenten weitergegeben war lo fann das nicht hindern, daß die Republit noch die stärkere ist und daß sie um ihres Bestandes millen hart und unerbittlich sein muß. Auch, und nicht zuleßt wegen des Anfehens, bas sie von den Staaten und Böllern der Welt in Anspruch nehmen will Bir glauben, daß die Berordnung vom 13. April als eine geschichtliche Tat dem deutschen Reiche und Bolle von Rugen fein mirh zum Teil mit fasernenmäßiger Unterbringung in Aktionsgruppen gegliedert, die wie militärische oder polizeiliche Mannschaften auftreten tönnen und aufgetreten sind. Auch ohne schwere Waffen fönnen solche Gruppen jederzeit Gewalthandlungen durchführen und Teile der Bevölkerung unter den Drud eines Zwanges stellen. Schon das Vorhandensein einer solchen Kampforganisafion, die einen Staat im Staate bildet, ist eine Quelle steter Beunruhigung für die friedliche Bürgerschaft, die im Schuhe der Gesetze ihrer Beschäftigung nachgeht. Die Maßnahme der Auflösung dient der Staatserhaltung selbst. Sie entspringt einer streng überparteilidhen, nach allen Seiten gleiches Maß anwendenden Einstellung der Reichsführung. Es geht nicht um Parteien nder Regierungen, es geht um den deutschen Staat felbst. Heine Reichsregierung fann es dulden, daß irgendeine Partei den Versuch macht, einen Staat im Staate zu bilden und fich Machtmittel schafft, durch die sie in der Lage wäre, unter Umständen ihre Ziele auch mit Gewalt durchzusehen. der Auflösung verfallen, weil er eine Gefahr für die AufrechtAuch der Rote Frontkämpferbund ist im Jahre 1929 erhaltung von Sicherheit und Ordnung geworden war. Wenn der Staat seine oberste Autorität als Hüter des Gesetzes, als Schüzer friedlicher Staatsbürger vernachläffigt, so ist er in Gefahr, der Anarchie zu verfallen. Dieser ernste Gesichtspunkt verdient in der gegenwärtigen Notzeit höchste Beachtung. Wir müssen in den tommenden Monaten gegen die Wirtschafts not mit tatEs ist ausschließlich Sache des Staates, eine orga- fräftigen Mitteln angehen; wir müssen in schicksalhaften außennisierte Macht zu unterhalten. Sobald eine solche Macht von pri politischen Verhandlungen um Lebensrecht und Freiheit Dater Seite organisiert wird und der Staat dies duldet, besteht be fämpfen. Die erste Bedingung für das Gelingen der Rettungsreits Gefahr für Ruhe und Ordnung. Die ruhigen Bevölkerungsaftion ist das Bertrauen des deutschen Volkes in die Festigkeit treise tönnen eine solche naturgemäß einseitig und parteimäßig auf einer staatlichen Berhältnisse. gestellte Organisation nicht ertragen. Die Entwidlung führt folgerichtig zu 3usammenstößen und legten Endes zu bürgerfriegsähnlichen Zuständen. Bei einer solchen Entwic lung würde der Staat die Achtung, die er für seine verfassungsmäßigen Einrichtungen, insbesondere für Militär und Polizei fordern muß, verlieren. Legalitätserklärungen abgegeben worden. Selbst wenn Nun find von den Führern der aufgelösten Organisationen solche Erklärungen völlig ernst gemeint sind und hinter ihnen der Bille steht, an der Gefeßmäßigkeit festzuhalten, so ist doch un zweifelhaft, daß in einem Rechtsstaat die Gewalt lediglich bei den verfassungsmäßigen Organen des Staates felbft organisiert fein darf. Jebe private Gemaltorganisation fann deshalb ihrem Wesen nach feine legale Einrichtung sein. Es besteht auch die Ge fahr, daß eine folche, nach allen ihren Einrichtungen und Bor ichriften auf den Stampf im Innern eingestellte Organisation eines würde. Tages die Partei selbst in die 311egalität hineinreißen Die Führer dieses Privatheeres müffen, gerade in dem Bestreben, militärisch zu arbeiten und hierbei Besonderes zu leisten, die Partei notwendigerweise mit der Staatsführung und den Machtmillein des Staates in konflikt bringen. Das deutsche Volk lebt unter einer freiheitlichen Verfassung. Freiheit fann aber nicht gedeihen ohne Ordnung. Im Interesse der Ordnung muß volle Klarheit darüber geschaffen werden, daß in Deutschland der Staat und nur der Staat mif fester Hand Recht und Gefeh aufrechterhält. der großen Mehrzahl der Länderregierungen einig. Die Reichsregierung weiß sich in der Auffassung der Lage mit Sie ist fest entschlossen, auch in Zukunft gegen jeden Versuch, einen Staat im Staate zu bilden, ohne Ansehen der Person und der Bartei mit allen Machtmitteln des Staates rüdsichtslos einzuschreiten. Die Auflösung der militärähnlichen Organisationen der NSDAP. soll nach den Anweisungen des Reichsministers des Innern ohne härte durchgeführt werden. Die NSDAP. felbst wird durch die Berordnung nicht berührt. 3hr steht im Rahmen der Gefeße die gleiche Betätigungsfreiheit zu wie allen anderen Barteien. Ueber allen Barteien aber steht das deutsche Vaterland. Seinem Wohl zu dienen, ist der oberste Grundjag des Herrn Reichspräsibenten und der Reichsregierung! 73: Preußen für Arbeitsbeschaffung. Otto Braun auf dem Gewerkschaftsfongreß. Auf dem außerordentlichen Gemertschaftstongreß, über dassan Debatte mir auf der vierten Seite berichten, nahm auch, lebhaft begrüßt, das Bort Preußischer Ministerpräsident Otto Broun: Buständig für das Arbeitslosenproblem ist das Reichsarbeitsmini sterium, und da ich streng an den Reffortgrenzen festhalte, hatte ich zuerst Bedenken, hier das Wort zu nehmen. Wenn aber der DGB. dadurch dessen Bedeutung hervorhebt, so glaube ich doch, diesen Koneinen eigenen Kongreß megen des Arbeitslosenproblems abhält und greß im Namen der preußischen Staatsregierung begrüßen und einiges dazu sprechen zu sollen. Die preußische Staatsregierung hat mit steigender Besorgnis die Entwicklung unseres Wirtschaftslebens verfolgt und in den Grenzen ihrer Zuständigkeit und nach Maßgabe der ihr zur Berfügung stehenden Mittel fich bemüht, zur Müberung der Arbeitslosigkeit beizutragen. An der Subventionierung von Privatunter nehmungen bireft oder durch Bürgschaftsübernahme ist vielfach auch der preußische Staat beteiligt. Ich habe in jedem folchen Falle erhebliche Bedenken zum Ausdrud gebracht, und wenn wir es doch getan haben, so nicht zuletzt, um hic Arbeitslosigkeit nicht noch antpachsen zu Jassen. Liegen uns falde Subpentionsanträge vor, so zumeist nicht von den Direktoren oder Inhabern, sondern es sind die Borfizandan der Betriebsräte, die Bertreter der Arbeiter und Angestellten, die bei uns darauf brängen, durch eine Subvention die Aufrecht erhaltung des Betriebes zu ermöglichen, weil sonst wiederum Tausende arbeitslos würden. Gewiß find manche, dieser Sub pentionen ziemlich unwirtschaftlich, aber für die drei bis piertausend Arbeiter eines solchen Berkes und mitunter für die Cristenz einer Industrie ist in motorischer Beziehung so aufgebläht, so leistungsganzen Gemeinde ist das eine Lebensfrage.( Sehr wahr!) Unsere fähig geworden, daß wir sozusagen die ganze Welt versorgen könnten, wenn sie unsere Erzeugnisse in Anspruch nähme. Da das aber nicht der Fall ist, fommt es darauf an, uns zunächst einen gefunden Innenmarkt zu schaffen Es hat sich eben doch gezeigt, daß das Borgehen gewisser Wirtund weiter auszuführen, was der Auslandsmarkt aufnehmen tann. shaftsführer, die auf Grund ihrer individualistischen Einstellung das Brimat für den Brinatbetrieb forderten, uns doch sehr arg in die Enge geführt hat. Wenn wir jetzt fehen, wie manche dieser Wirts schaftsführer entkleidet aussehen( heiterteit), ich meine ohne den Nimbus, den die fapitalistische Breife immer un fie gemoben hat der größten Unternehmer, für den Herrn das Bündholzkonzerns, mann mir danten an die afrologe, die erft jüngst für einen geforieben worden find. und wenn man les faht, pas er qush nights waiter als ein sientlicher Fälscher und Betrüger gewefen ift. der freilich mit großem agemut auf Kosten der anderen losgemirt fchaftet hat dann muß man fich doch fagen, wenn einzelne Wirt schaftsführer heute noch so auf dem hohen Pferd fizen, so würden vielleicht, wenn alle Kunzerne, industrielle und landwirtschafts fidic, chrliche Bilanzen aufmachen würden, manche dieser genialen Wirtschaftsführer sich als etwas anderes entpuppen, als wofür sie bisher gegolten haben.( Große Heiterkeit und lebhafte Zustimmung.) Arbeiter beschäftigendes Bert. Der Unternehmer hat fein Interesse Gerade jezt berät die Reichsregierung über ein mehrere tausend es weiterzuführen. Er will es verschrotten und würde dann immer noch ein paar Millionen behalten. Nun verlangt er, daß man ihm diese Summe bezahle, wenn er das Werf weiterführen felle. zu lassen und zu schließen.. Aber arbeiterpolitisch muß man sich solle. Bolkswirtschaftlich wäre es richtig, das Werk verschrotten fragen, ob es richtig ist, auch diese Leute arbeitslos zu machen. Man wird also vielleicht 2 Millionen Zuschuß zahlen, um von einigen tausend Leuten die demoralisierenden Wirkungen der Arbeitslosigkeit fernzuhalten. . Bei der Größe des Problems, bei dem Umfang der Arbeitslosigkeit ist ihr allein auf dem privatfapitalistischen Wege nicht beizutommen. werden. Aber wir sehen doch eine Raufalität( ursächlichen Zu Bei der Größe der Not muß mit öffentlichen Mitteln eingegriffen fammenhang) zwischen Wirtschaft und Staatsfinanzen. Die Wirtschaftstrise segt nicht nur die Kauftraft der Bevölkerung herab, sondern auch ihre Steuertraft, fie trifft also unmittelbar die Staats finanzen. In dem Maße, mie die Wirtschaftskrise sich verschärft und die Arbeitslosigkeit steigt, gehen die Einnahmen der öffentlichen Hand zurüd, aus denen doch öffentliche Arbeiten bestritten werben follen. Der Staat tönnte, wenn die Wirtschaft gesund wäre, tausendwerden. Aber weil es so schlecht geht, wird viel von ihm gefordert, mal mehr leisten, ja, er würde gar nicht in Anspruch genommen und gerade deshalb ist er meniger imstande, diese Forderungen zu befriedigen. Das gilt auch für die öffentlich bewirtschafteten 3meige. Sie halten sich heute noch besser als die Privatwirtschaft, aber sie find auch nicht unberührt geblieben von der Krise und können audy gefaßt murden und die wir alle wünschten. Da aber etwas genicht die Leistungen entfalten, die bei ihrer Schaffung ins Auge [ chehen muß, so muß eben wirtschaftlich tertiple Arbeit geschaffen werden. Aber maher die Mittel dafür nehmen? Die ganze Entwidlung hat ja gezeigt, daß das ährungsproblem nicht so sehr ein ftärfarem Maße ein pinologisches ift. Gine Maßnahme, die in finanztechnisches oder wirtschaftspolitisches, sondern in sehr viel England, daifen Benölkerung noch feine Inflation but gemacht hat und noch einen gemiffen Ribalt ficht, fi perhältnismäßig rubig ausgemirft hat, würbe ganz anders in Deutschland aufgenommen werben, das eine verniojtende Inflation durchgemacht hat. Stan Bmte die Wirkung gar nicht voraussehen, unb jeber nerarimork liche Politiker oder Wirtschaftsführer wird sich hüten, einen Schritt zu tun, der unter Umständen die Schleusen aufmacht.( Sehr mahr!) Gleichwohl sage ich, mit den sechs Millionen Arbeitslosen kann das nicht so weitergehen! Wirtschaftlich geht es nicht, aber noch viel schlimmer ist der demo ralisierende Einfluß der Arbeitslosigkeit. Die jungen Leute kommen aus der Lehre in die Stempelstellen und erliegen dem Einfluß des Nichtstuns, ohne sich weiter ausbilden zu tönnen. Wenn auf den Straßer diese halbwüchfige Jugend fortgejezt mit Messer und Schlagring sich gegenübertritt, so ist das nicht nur auf die verbrecherische Agitation zurückzuführen, sondern auf das Nightstun, das sie dafür erst empfänglich macht. Deshalb muß die öffentliche Verwaltung alles tun, und unter Umständen auch etwas riskieren, um die Mittel zu wirtschaftlich notwendiger Arbeit der brachliegenden Arbeitsträfte in öffentlichem Interesse aufzu= bringen. Zur weiteren Anfurbelung der Privatwirtschaft ist vor allem internationale rebitmirtschaft notwendig, damit wir aus der jetzigen Berwicklung herauskommen. Es handelt sich nicht nur um das Reparationsproblem. Für mich ist dieses gelöst dadurch, daß Deutschland absolut nicht zahlen kann.( Beifall.) Das haben auch alle diejenigen, die als zahlungsfüchtige Verständigungspolitiker verfchrien murden, immer gesagt: es tommt der Zeitpunkt, wo auch der Blindeste sieht, daß nicht gezahlt werden fann. Aber die Brivalkredite sind viel wichtiger. Eine fruchtbare internationale Kreditgestaltung tann nur zustande kommen, wenn einmal diejenigen, die über das Geld verfügen, das uns fehlt, zur deutschen Wirtschaft und Politik das Vertrauen haben, daß alles ordnungsmäßig geht und sie ihre Zinsen bekommen. So lange aber bei uns die Selbstzerfleischung und die Bernichtung der Volksfraft weitergeht, so lange kann dieses Vertrauen zu Deutschland im Ausland nicht auflommen. Nun hört man das Schlagwort, mir müßten uns wieder groß hungern. Der das ausspricht, meint dabei immer den anderen. ( Große Heiterfeit.) Großhungern kann man sich nicht. Wenn mir alle barfuß gehen wollten und in Bapphemden wie in der seligen Kriegszeit herumlaufen, dann könnten wir schließlich auch noch die letzten unserer Fabriten schließen. Ber foll aber dann die Arbeits lofenunterstützung zahlen? Und wenn das Bolt nur Kartoffeln und Salz haben sollte, wie sollte es das erlangen? Das A und O der Birtschaft ift: Nur von einem gesunden leistungsfähigen Innenmarkt aus können wir zum Leistungsfähigen Weltmarkt kommen und fruchtbringend exportieren. Drückt man aber die Löhne immer weiter, um zu exportieren, so zerstört man den Innenmarkt und außerdem errichtet das Ausland gegen folche Interbietung Dämme. Die haben auch ihre Arbeitslosen und warten nicht darauf, daß mir sie mit billigen Waren überfchwemmen. Gewiß dürfen mir uns nicht isolieren, aber mir dürfen auch nicht durch immer weiteren Lohnbrud, durch den man unsere Leiftungsfähigkeit zu erhöhen glaubt, das Gegenteil erreichen. Sobald die innenpolitischen Entscheidungen getroffen und die außenpolitische Regelung vorgenommen ist, werben wir mit aller Kraft das Mcbeitslosenproblem angreifen müssen. Nach meiner Ueberzeugung ist das nur möglich durch eine ganz radikale Berkürzung ber Arbeitszeit- ba gehe ich noch weit über Ihre 40- Stunden- oche hinaus!( Beifall.) Nachdem die Maschine dan Menschen die Arbeit abgenommen hat, tann boo) der Wensch nicht so weiter schuften wie vorher, noch dazu ohne zu missen, wo bas Brobult bleibt. Bei der Verkürzung der Arbeitszeit merden Opfer auf allen Seiten verlangt. Aber ich sehe darin die einzige Möglichkeit, den Menschen die Lust an der Arbeit wieberzugeben, damit auch die Lust am Leben und die Möglichkeit, aus der Situation zu entfliehen, in die uns der unselige Krieg mit seinen Folgen hineingebracht hat!( Stünnischer, langanhaltender Beifall.) Zeddy verteidigt sich. Aber seine Argumente flingen sehr matt. Gestern abend sprach im Sportpalast von den Kandidaten zur Reichspräsidentenmahl des 10. April der Mann, der eine noch schme rere Niederlage als Adolf Hitler erlitt: Teddy Thälmann, der Führer der Kommunisten. Gleich der Anfang seiner fast zweistündigen Rede brachte einen mertwürdigen und bezeichnenden Zwischenfall. Er teilte nämlich der Versammlung mit, daß„ bie bürgerliche Regierung Brüning- Groener im Einverständnis mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg die SA. und SS. des Braunen Hauses für das ganze Reich verboten habe". Stürmischer Beifall jehle ein. Thälmann blidte verduit, denn das war gegen feine Rechnung gemejen. Mit gemundenen Rebensarten versuchte er barzulegen, daß diese Maßnahme der Hindenburg, Groener und Severing für das revotutionäre Proletariat nicht das geringste zu bedeuten babe, benn einmal handele es sich um das Bemühen, einen Wahlschlager zu haben, und zum anderen hätte die vereinigte Reation non Hinden burg bis Severing sich zu dieser Maßnahme nur entschlossen, um Hitler die Begalität zu sichern unb bie Nationalsozialisten regie Hitler die Begalität zu sichern und die Nationalsozialisten regie rungsfähig zu machen. 3u Ehren der Versammlung set festgestellt, daß Thälmann hier mit feinen Applaus fand. Diese Ausführungen wurden mit Schweigen angehört, denn offenbar fagte der richtige und gesunde proletarische Klasseninstinkt den Versammelten, daß dieses notwendige und im Interesse der Arbeiterschaft liegende Verbot der Hitlerschen Privatarmee nicht zum wenigsten ein Berdienst der preußischen Staatsregierung Braun Sepering ift! Schafft Arbeit! Die Entschließung des Krisenfongresses. Der Reifenfongreß der freien Ge- volkstümlichen Arbeitsbeschaffungsanleihe, werkschaften Deutschlands. der am Mittwoch die so auszugestalten ist, daß fie die von der Bevölkerung gehortelen in Berlin tagte, nahm nach arbeitsreicher Gelder anzicht. Sigung die folgende Entschließung an: I. Die Massenarbeitslosigkeit und das foziale Elend im Lande haben ein Ausmaß erreicht, das den Staat verpflichtet, unter Aufwand feiner ganzen Kroft dem Schrumpfungsprozeß der Wirtschaft entgegenzuwirken und den aus der Produktion ausgeschalteten Arbeitskräften wieder Beschäftigung zu verschaffen. Der Kongreß richtet an die Reichsregierung die Forderung, unverzüglich Anordnungen zur Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten und zur Vergebung öffentlicher Aufträge sowie zur Förderung geeigneter Bribataufträge zu treffen, in einem Umfange, daß eine fühlbare Entlastung des Arbeitsmarktes eintritt. Zu diesem Zweck müssen solche zusätzlichen Arbeiten in Gang gebracht werden, die wirtschaftlich nühlich sind und von deren Kostenaufwand ein möglichst großer Teil auf die Löhne entfällt. In erster Linie kommen hierfür in Betracht Straßenerhaltung und Straßenbau, landwirtschaftliche Meliorationen und Siedlungen, Hochwasserschuh, fleinwohnungsbau und Unterhaltung des vorhandenen Wohnraumes, Aufträge der Reichsbahn und der Reichspost. Soweit die Anleihestücke noch nicht in vollem Umfange auf dem Kapitalmarkt untergebracht sind, sollen sie den Bauten als Unterlage für eine 3mifchenfinanzierung der Arbeitsbeschaffung dienen. Um die Sicherheit der Berzinsung und Rüdzahlung der Kredite zu erhöhen, müssen nötigenfalls besondere zwedverbände der Schuldnerförperschaften gebildet werden. Durch scharfe Preisüberwachung in Verbindung mit einer zwedmäßigen Zoll- und Einfuhrpolitik muß jeder spekulativen Preisbildung vorgebeugt werden. Die einheitliche und beschleunigte Durchführung der Arbeitsbeschaffung ist einer mit ausreichenden Befugnissen ausgestatteten Zentralftelle zu übertragen. Ihre Aufgabe ist zugleich, das Berfrauen für die Arbeitsbeschaffungspolitik im Julande wie im Auslande zu verstärken. der Gewerkschaften zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, insbesondere Der Kongres wiederholt im übrigen die früheren Forderungen gejezliche Beschränkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf höchstens 40 Stunden und Stärkung der Massenfauftraft. Der Kongreß fordert alle Volfsgenossen auf, die Dringlichkeit der Arbeitsbeschaffung zu erkennen und alle Kräfte für ihre Durchführung einzusetzen. II. Unbeschadet aller Bordringlichkeit der Arbeitsbeschaffung erklärt der Kongreß es als eine gleichfalls unerläßliche Aufgabe der Reichsregierung, aus den fatastrophalen Erscheinungen und Vorgängen auf dem Gebiete der Wirtschaft die Folgerungen zu ziehen, die Dolf und Staat in Zukunft vor gleichen Erschütterungen sicherstellen. Die Wirtschaftsführung des privatkapitalistischen Systems hat nach den Erfahrungen der letzten Zeit das Vertrauen weitester Volksfreise verLoren. Bei der Durchführung der Arbeiten müssen die beschäftigten Arbeitskräfte den üblichen Tarif: John erhalten; die Arbeitszeit darf höchstens 40 Stunden in der Woche betragen. Der Kongreß verkennt nicht die Schwierigkeiten, die der Finanzierung der Arbeiten entgegenstehen. Die Lage erfordert jedoch, daß die Anstrengungen zu ihrer Ueberwindung gesteigert werden. Alle noch auftreibbaren Mittel, auch gewiffe Steuermittel, wie die durch die Reichsfluchtsteuer erfaßten Beträge und die Hauszinssteuer, ſind vorübergehend zur Arbeitsbeschaffung zu verwenden, ferner die beträchtlichen Summen der durch die Wiederbeschäftigung von Arbeitslosen ersparten Unterstützungen fomie der von den Wiederbeschäfligten aufzubringenden Steuern und Beiträge zur Arbeitslosenverficherung. Darüber hinaus unterstützt der Kongreß die Forderung der werkschaften für den notwendigen Umbau der Wirtschaft erneut der sozialdemokratischen Reichsfagsfraffion nach einer Ein Jahr spanische Republik. Zum 14. April, dem Zage ihrer Proffamation. Von Oda Olberg. Bor einem Jahr tam die Nachricht vom 1 m sturz in Spanien, verblüffend, trotz aller Borzeichen. Aber in die Freude mischte sich damals ein leichter Beigeschmad von Stepfis. In ganz Europa hebt die Reaktion das Haupt, bedroht der Faschismus Freiheit und fortschritt, hängt sich die Arise wie ein Bleigemicht an den Aufstieg der Massen unb da soll auf einmal in Spanien bie überall in die Defensive gebrängte Demokratie die Offensive ergreifen? Und foll fie siegreich durchführen, ohne Blutvergießen und Gepalttat? Zum Optimismus dieser Annahme schienen die Erfahrungen, die die anderen Länder im eigenen Hauje machten, nicht zu ermutigen. Aber die Kleingläubigen haben nicht recht behalten. In einem Jahre hat sich Spanien eine Verfassung gegeben, hat die Trennung von Staat und Kirche durchge führt, hat rund zehntausend neue Schulen geschaffen nicht auf dem Papier, sondern in Wirklichkeit, meist im ersten Bierteljahr von 1932 einen Gebarungsüberschuß von 185,65 Millionen Beseten auf, legt Hand an eine großzügige Agrarreform und wird noch im laufenden Jahr aus gedehnte Gelände durch rationelle Beschleunigung der seit langem im Bau befindlichen Bewässerungsanlagen aubaufähig und fruchtbar machen. All das ist geschehen, ohne daß man sich durch Ausnahmegejeze oder Diktatur freie hand geschaffen hätte, durch friedliche Zusammenarbeit verantwort licher Parteien. Man hat dem spanischen Volk nicht einen fertigen neuen Staat geschenkt, wie man einem Kinde längst vorbereitete Gaben unter den Weihnachtsbaum legt. Es sieht ihn aus Debatten und gegenseitigen Zugeständnissen seiner Vertreter entstehen und folgt den Verhandlungen seiner Cortes mit einem Interesse, das allein hinreichend wäre, um die neue Republik auf ein ganz anderes Niveau zu rüden als die Monarchie, diese elende Monarchie, an der in den letzten Jahren nichts Interesse erweckte, außer den Mitteln, sie zu stürzen. Der Einfluß des Staates, feine Aufsicht und seine Mitwirkung in der Wirtschaft müssen beschleunigt ausgebaut und verstärkt werden. Der Kongreß beauftragt den Bundesvorstand, die Forderungen der GrRegierung vorzulegen und sie mit stärkstem Nachdruck zu vertreten. rechts und von links hätten ihr eine ,, glorreiche Niederlage" und eine prinzipientreue Opposition" verziehen, nicht aber ein prattisches Eingreifen, nicht aber das in die WagschaleWerfen tatsächlicher proletarischer Macht. Das tönnen Monarchisten und Syndikalisten unserer Partei, die 116 Abgeordnete im Barlament hat und in deren Gewerkschaffen. 280 000 Arbeiter organisiert sind, nicht verzeihen. Freilich hätte unsere Partei, wenn sie sich auf Grund ihrer Macht gar nichts zugetraut und gar nichts zugemutet hätte, der anarcho- syndikalistischen Kritit nicht die Flante geboten, aber die Verfassung märe dann anders ausgefallen. Die den Sozialisten am nächsten stehende Partei der Ripatal fozialen hätte mit ihren 60 2bgeordneten nicht zum Gammelpunkt der Linisdemokraten werden können, sondern wäre mahrscheinlich selbst in den Banntreis der bürgerlich- radikalen Frattion Lerrour gezogen worden, hinter ederen 90 Da putierten die Interessen des nordspanischen Industrialismus stehen. Es ist gar nicht zu ermessen, was eine Verantwortungsfeigheit der einzigen Partei mit einem festen Programm und einer flaffenmäßig abgegrenzten Gefolgschaft für die werdende Republik für Folgen gehabt hätte. Was an Idealismus in der Revolution zum Ausdruck gekommen war, wäre gleichsam förperlos geblieben, und die Republik als Berwirklichung eines praktischen Klasseninteresses hätte sich vielleicht gegenüber den ebenso praktischen, aber bereits fonsolidierten Klasseninteressen, die unter Monarchie und Klerys auf ihre Rechnung tamen, gar nicht behaupten fönnen. Sicher wird es nicht die anarcho- syndikalistische Bewegung sein, die die sozialistische Partei in Spanien veranlassen wird, aus der Koalition zu treten, in der sie heute der Linken das Uebergewicht gibt über die Rechte, ebensowenig, wie die sogenannten„ Höhlenmänner", die Monarchisten und Klerifalen das zustande bringen werden. Von der Last der Verantwortung für die Regierung wird sich unsere Partei selbst befreien, sobald sie sicher ist, daß die gleichgerichteten anstrengungen der Reaktion und des Linksradikalismus die Republik nicht zu meit nach rechts brängen werden. Und gerade die Ultrarevolutionären mer den am wenigsten Grund haben, sich über den heute von ihnen geforderten Uebergang der Sozialisten zur Opposition zu freuen. Denn die ihrer vornehmsten Aufgabe, der Bildungsund Organisationsarbeit unter den Massen, ganz zurüdgegebene Partei wird in einem Regime der Freiheit mit den Traumgebilden des Anarchismus aufräumen. Gewiß ist es nicht die soziale Republit, die in Spanien geschaffen wurde, sondern eine bürgerliche oder, vielleicht richtiger, eine politische Republik. Nicht die soziale Grundlage des Staates ist verschoben, sondern die politische, Der Borstoß der Demokratie, der am 14. April 1931 in aber meder sind es vorwiegend bürgerliche Elemente, die diese Verschiebung zustande gebracht haben, noch braucht der durch Spanien begann, hat den stolzesten Hoffnungen recht gegeben. sie ermöglichte Fortschritt vorwiegend dem Bürgertum zugute Die mit dem Stimmzettel vollzogene Revolution schafft zu kommen. Die Tatsache, daß die sozialistische Partei sich heute in ernster, schwerer Arbeit ihre Golddeckung: die heute die stärkste Partei in Spanien ist, wird nicht heranziehung der breiten Massen in das öffentliche Reben. ohne Einfluß sein auf den politischen Bau, den man dort auf Daß man eine Monarchie vertreibt, macht noch feine Reführt. Wenn es findisch wäre, bei dem heutigen Stande der publit. Man muß eine Demokratie an ihre Stelle setzen. wirtschaftlichen Entwidlung und bei dem heutigen Bildungs- und an dieser zweiten Aufgabe der Revolution grade der Massen in Spanien von einer Revolution die Verarbeitet heute die sozialistische Partei in Spanien. mirtlichung des Sozialismus zu erwarten, so ist es nicht weniger findisch, das, was die Revolution vermirtlichen fann, gering anzuschlagen und des proletarischen Interesses für uniert zu halten. Wie aber ist die Niederlage Thälmanns vom 10. April zu er flären? Das ist, wenn wir Teddys Argumenten folgen, fur dht bar einfach. Die hinter Hindenburg stehenden Barteien mit der flaffennerräterifchen Sozialdemptratie an der Spige und 2dolf Hitler haben sich be must gegenseitig in die Hände gearbeitet. ie anders hätte die Sozialdematratie bie Millionen ihrer Anhänger für den Generalfeldmarschall mobili- Unsere spanische Partei hat weder das eine noch das fieren tönnen, wenn sie nicht das Schredgespenst Hitlers an die andere geton. Sie hat nicht den geschichtswidrigen Bersuch Wand gemalt hätte? Und wie hätte Hitler 18 Millionen Stimmen gemacht, aus der absoluten Monarchie in den Sozialismus befommen tönnen, wenn er nicht unzählige damit einfing, daß er 3u springen, und hat nicht den ihr von der Geschichte ongeauf das Gintraten der Sozialdemokratia für Hindenburg hinmies? 3 springen, und hat nicht den ihr von der Geschichte ongeFun, mir fönnen aus den beiden Thälmannschen Fragestellungen botenen Versuch unterlassen, in dem neuen politischen Gefüge den erfreulichen Schluß ziehen, daß an der Riederlage der so viel Sicherungen proletarischer Interessen einzubauen, Rommunisten Dom 10. April unter allen um als möglich ist. Für den Tagestampf hat sie sich damit die # tänben bie perruchte Sozialdemokratie schuld ist denkbar unbequemste Lage geschaffen. Ihre Gegner von 3 Der Reichsparteivorstand der Radifaldemokratischen Partei hat zu den preußischen Landtagswahlen einen Aufruf an die Mitglieder gerichtet, in dem die Barole, Braun und Sepering müffen bleiben" ausgegeben und erflärt mird, ba die Zeit für die Schaffung einer eigenen wirklich einflußfähigen parlamentarischen Bertretung noch nicht gekommen fei, fordern mir unsere Mitglieder und Freunde auf, zu den tommenden Landtagswahlen die Bartei zialdemokratische Partei. 3 mählen, die neben uns in der Cifernen Sepnt stehe, die SoCimber Nachfolger. An Stelle des parstorbenen Genossen Heinrich Bimbers tritt der Gemertschaftsangestellte Genosse Robert Daum, Wuppertal, in den Reichstag ein Raus aus der Misere! Der Gewerkschaftskongreß für Arbeitsbeschaffung. Im Reichstag war gestern das Parlament der Gewerkschaften| mir fönnen nicht untätig so lange marten, der Staat muß endlich dés Algemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes versammelt, um aus seiner Bassivität heraustreten und zu einer aktiv konstruktiven die Regierung und die breiteste Oeffentlichkeit zu zwingen, zur leber- Politik übergehen. Die Arbeitszeit muß auf mindestens 40 Stunden mindung der Wirtschaftskrise endlich energische Maßnahmen zu in der Woche herabgesetzt werden. Vor allem muß die Reichsbahn treffen und sich für sie einzusehen. auf diesem Gebiete vorangehen. Den Weg zur notwendigen VerIn seiner Eröffnungsansprache hat Leipart mit harten und staatlichung der Großindustrie weist der bekannte Antrag der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. unerbittlichen Worten die Wirklichkeit gekennzeichnet, die Unterlassungsfünden und die Fehlgriffe der Reichsregierung aufgezeigt und verlangt, daß damit jetzt endlich Schluß gemacht wird. In einem breit angelegten Referat hat Eggert ein Bild der frostTosen Wirtschaftslage entrollt und daraus die sich aufzwingenden Schlußfolgerungen gezogen. Die Debatte, von tiefstem Ernst und von dem vollen Bewußtsein der Berantwortung für die gesamte Arbeiterklasse getragen, hat diese Darlegungen in vielen Punkten vertieft und unterstrichen. Außer diesen Reden, deren durchschlagende Argumente ihre Wirkung nicht verfehlten, find noch zwei Ansprachen besonders hervorzuheben: die des Reichsarbeitsministers Steger mald im Namen der Reichsregierung und die des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun. Stegerwald sprach zwar im Namen der Reichsregierung, aber man hörte nur zu deutlich den zwischen Finanz- und Wirtschaftsminister eingeengten Ressortminister. Mit vielen Vorbehalten umrahmt stellte er ein schüchternes Arbeitsbeschaffungsprogramm in Aussicht und außerdem weitere, von der Lösung der Finanzfrage abhängige Maßnahmen. Aber nicht deshalb darf man Herrn Stegerwald Vorwürfe machen. Er hat nicht mehr versprechen fönnen, als das Reichskabinett beschlossen hat. Und denkt man an die zuständigen Ressortminister, den Wirtschafts- und den Finanzminister, dann wundert man sich höchstens, daß der Reichskanzler, über dessen staatsmännische Begabung fein Streit besteht, sich noch nicht entschlossen hat, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Was aber den Reichsarbeitsminister selbst betrifft, so hat man nur mit Kopfschütteln seine Auffassung von der Zukunft der Sozialversicherung und von der weiteren Wirtschaftsentwicklung vernommen. Als christlicher Gewerkschafter mochte es vor 25 Jahren hingehen, die Wirtschaftspolitik aus der Perspektive eines fleinen Handwerkers zu betrachten. Unsere Zeit des laufenden Bandes verlangt andere Erkenntnisse. Um so erfrischender wirkten die ungefchminkten Ausführungen Stto Brauns. Hier sprach ein fluger, weitschauender Staatsmann, der nichts verspricht, mas er nicht zu halten vermag, der aber das, was er vermag, auch nötigenfalls mit brutaler Entschlossenheit durchführt. Sier sprach ein Sozialist sein Urteil über die kapitalistische Mißwirtschaft, ohne diplomatische Schnörkel, mit der geraden Deutlichkeit, die der Situation angemessen war. Hier zeichnete der verantwortliche Regierungschef, was auf dem Wege der Wirtschafts-, der Lohn- und Arbeitszeitpolitik zu geschehen hat. Und mit einem Schlage war das Gesicht des Kongresses ge= ändert. Raus aus der Misere! Das war der Schrei und der zu einem Willen gehämmerte Gedanke, der nunmehr zur lebendigen Tat werden muß. Nach dem Reichsarbeitsminister sprach auf dem außerordent Lichen Kongreß der freien Gemerkschaften der Vorfizzende des Baugewerksbundes, Reichstagsabgeordneter Bernhard: Es ist eine Fabel, daß die Bauarbeiterlöhne an den hohen Baupreisen schuld seien. Die Bauarbeiter fragen fich schon: Wie tief muß denn unser Lohn sein, damit er vor dem Herrn Reichsarbeitsminister Gefallen finde?" unzählige Bau arbeiter haben heute Stundenlöhne zwischen 50 Pf. und 1 Mart. Das Ministerium und die Schlichtungsstellen müßten die hohen Gesundheits- und Unfallgefahren ebenso wie die doppelte Haushaltsführung und die Fahrtausgaben bei den Saisonarbeitern mehr berücksichtigen. Statt al er die Arbeiter vor dem Lahnabbant zu schützen, regt der Minister die Unternehmer zu Tarifbrüchen geradezu an.( Lebhafte Zustimmung.) Jahrzehntelang bestehende Tarife haben Sie, Herr Minister, faputtgemacht. Mit dem Lohnabbau werden Sie die Wirtschaft nicht in Gang bringen. Die Bauarbeiterlöhne stehen heute bereits auf dem Niveau von 1926, also reden Sie nicht von 1927. Herr Minister, versuchen Sie doch endlich wieder einmal den Gewerkschafter in Ihnen zu finden!( Lebhafter Beifall.) Schluß mit dem Lohnabbau! Die Grenze des Erträglichen ist überschritten. Gebrauchen Sie Ihre Macht, aber treiben Sie damit keinen Mißbrauch! Schmidt- Bochum( Bergarbeiter): Der Privatbergbau hat nicht nur wirtschaftlich, sondern auch technisch versagt. Seine Fehlspekulationen und Fehlinvestitionen haben ungeheure Summen nulos verschlungen, wie z. B. auf dem Schacht ,, Emald", der nach voll ständiger Neuanlage still gelegt worden ist. Zur wirtschaftlichen Zerstörungsarbeit fügen die Unternehmer nun auch die politische durch die Finanzierung des Faschismus. Bei der großen Allgemeinbedeutung des Bergbaues muß er in die Hand der Nation übergeführt werden, wozu bereits in den Staatsbetrieben wertvolle Ansätze bestehen. Wir fordern die Verstaatlichung des Bergbaues auch, um endlich den Widersinn der überlangen Arbeitszeit abzuschaffen. Die Einführung der 40- Stunden- Woche im Bergbau wird die Arbeitslosigkeit ver mindern zum Wohle der Gesamtheit.( Beifall.) Lengersdorf( Gesamtverband) polemisiert gegen Minister Stegerwald, der einen Zusammenhang zwischen den Folgen Schaffen Sie die 40- Stunden- Woche, dann erst wird die weit des Pfundsturzes und dem deutschen Lohnabbau konstruiert hat. verbreitete Meinung schwinden, daß vorher noch weitgehende LohnLürzungen geplant sind. Die Arbeitslosen wollen praktische Arbeit der Regierung für die Arbeitsbeschaffung sehen, wenn sie wieder Vertrauen geminnen sollen. Dazu muß es nun doch endlich tommen durch die vielen Appelle und auch durch den heutigen Kongreß. Außer Rußland hat Deutschland die größte öffentliche irtschaft mit niedrig bemessen 50 Milliarden Kapital, im Vorjahr 13 Milliarden Umsatz und höchstens 8 Milliarden Schulden. Hier sind doch Mittel zur Arbeitsbeschaffung vorhanden! öffentlichen Wirtschaft ermöglicht, bei Rückschlägen der Konjunktur Wir brauchen eine Einrichtung, die durch Zusammenfassung der größere Mengen Arbeitsloser mit Hilfe früher aufgespeicherter Kapitalreserven zu beschäftigen. Zu diesem großen Umbau der Wirtschaft soll das, was wir jetzt als sofortige Hilfe fordern, eine Borstufe sein.( Lebhafter Beifall.) Arndt- Dresden: Die Lage der sächsischen Industrie vom Unternehmerstandpunkt aus hat der Herr Reichskanzler ja auf der Berfemmtung des Berbandes Sächsischer Industrieller tennengelernt. Selbst bei Wiederkehr des Konjunktur dürften fünf Sechstel der sächsischen Glasarbeiter außer Arbeit bleiben, da ein Fünftel der möglichen Produktion den dann noch vorhandenen Bedarf deden kann. Die sächsische Industrie schrumpft nicht nur, sie stirbt ab. Dagegen hilft tein Lohnabbau. In ganzen Landstrichen find höchstens noch 10 Proz. der Arbeiter beschäftigt und zum großen Teil auch nur mehr Kurzarbeiter. Die Absaysd, wierigkeiten sind durch die Handelspolitik der Regierung noch verschlechtert worden. Die Entwidlungsgleichheit" von Beamtengehältern und Arbeiterlöhnen hätte man auch durch Arbeitszeitverkürzung erreichen können, aber man hätte damit die ungeheure Vermehrung der Arbeitslosenzahl verhindert. Seit der Zeit, wo der Reichskanzler und der damalige Reichswirtschaftsminister den sächsischen Industriellen den Lohn abbau zugesagt haben, ist die Zahl der Wohlfahrtsempfänger noch stärker gestiegen als die der Arbeitslosen. Und die Gemeinden preifen auf dem legten Loch. Arbeitsbeschaffung ist das Mittel zur leberwindung des politischen Raubrittertums; nicht aus reaftionärer Gesinnung oder aus bolichemistischem Wunderglauben haben lung, die es auch einmal mit Marktschreiern versuchen will, obwohl die Leute im Bogtland so gestimmt, sondern aus purer Berzmeif: fie ihnen nichts glaubt.( 3uftimmung.) anderer Stelle veröffentlichen, erhielt das Wort der Vorsitzende Nach dem preußischen Ministerpräsidenten, dessen Rede mir an des Holzarbeiterverbandes, öffentliche Art eiten großen Umfangs in Gang zu bringen. Er hat Frizz Tarnow: Albert Thomas bemüht sich seit Jahr und Tag, aber die größten Schwierigkeiten, die Beteiligung der einzelnen Staaten und die Aufbringung der Mittel zu besorgen, denn überall fehlt es daran und überall stehen sich die Anhänger und die Gegner des Privatkapitalismus gegenüber. Minister Stegerwald hat unter den nsicherheitsfattoren auch die innere Politik angeführt. Ich glaube allerdings, mit mehr Energie hätte die Regierung schon viel von diefer Unsicherheit beseitigt.( Sehr wahr!) Wir dürfen nicht auf eine selbsttätige Konjunkturmende hoffen, wenn wir den Dingen freien Lauf lassen. Gewiß, der Umbau des Systems bringt Erschütterungen. Wenn aber das bestehende Wirtschaftssystem Aenderungen verhindert, die allein neue Lebensmöglichkeiten schaffen können, dann bleibt nichts übrig, als das System zu ändern. Wann wird man endlich die längst bestehende Verordnung gegen mirtschaftliche Preisbildung anwendeit? Oder will man etwa Bauarbeiten an den Freiwilligen Arbeitsdienst" pergeben?( Seiterkeit) Da ich persönlich immer ziemlich viel mit den ArbeitsbeschaffungsDas ist gar nicht so unmöglich, denn schon wird der freie Arbeitsplänen zusammengebracht worden bin, erkläre ich: Reiner unter markt durch den freiwilligen Arbeitsdienst bedroht. Wir protestieren auf das nachdrücklichste gegen ein derartiges Vorgehen, das nur die Arbeitslosigkeit vergrößert.( Zustimmung) Wohnungen für Minderbemittelte zu erschwinglichen Mieten hat in der Nachkriegszeit fein Land in Europa ohne öffentliche Hilfe erbauen können. Nach den beträdtlichen Anfängen auf diesem Gebiet ist bei uns schon wieder ein Rückmarsch angetreten worden. Die bayerischen Regierungspräsidenten melden bereits, daß die Tuberkulose wieder im Vorbringen ist. In diesem Augenblick stellt man den öffentlichen Wohnungsbau ein und cibi den Hausbesitzern ein steuerliches Millionengeschent, während man sonst im jeden Pfennig Steuern hartnädig fämpft. In diesem Kapitel spüren wir den Einfluß der Wirtschaftspartei. Der Mangel gesunder und billiger Wohnungen ist noch enorm. Die Sanierung der Altstädte ist höchst dringend, 16 000 Siedlungshäuschen ist ein lächerlich geringer Anfang; fie müßten aber auch so gebaut werden, daß nicht sofort Reparaturen notwendig werden, und aus einem Material, das unserem Klima angemessen ist. Schajsen wir doch keinen Gürtel unzufriedener Menschen um die Großstädte herum! Bringen Sie, Herr Minister, die deutsche Bauwirtschaft wieder in Gang! Reißen Sie hunderttausende Bauarbeiter wieder aus dem Elend und tun Sie damit eine staatspolitische Tat, indem Sie diesen Menschen den Glauben an den Staat wiedergeben. Arbeit ist das Kernproblem unseres heutigen Lebens. Es muß uns gelingen, die Hunderttausende mieder in die Produktion einzubeziehen und aus ihrer Not herauszuführen die Arbeiter und in erster Linie die Bauarbeiter.( Lebhafter anhaltender Beifall.) Metz( Metallarbeiterverband): Wir wissen, daß uns von den traurigen Begleiterscheinungen des Kapitalismus nur die sozialistische Planwirtschaft endgültig befreien kann. Wir müssen deshalb auf die Umformung und Umbildung des heutigen Systems hinmirken. Wir haben die größte Energie darauf zu richten, daß bereits in dem heutigen Wirtschaftsleben fehlerhafte Konstruktionen beseitigt werden, die die Hauptschuld an dem Massenelend tragen. Die Arbeitslosigkeit ist international, und darum ist planmäßige Wirtschaftsführung in allen Staaten notwendig. Deshalb ist auch eine europäische Wirtschaftseinheit längst fällig. Aber der Weltwirtschaftskrise zu isolieren. Wir alle halten die Autarkie uns bildet sich ein, wir tönnten Maßnahmen finden, um uns von für eine ganz hirnverbrannte Idee. Jeder von uns meiß, daß es in Deutschland vielleicht Bevölterungsschichten gibt, die in einem autarken Deutschland eine Lebensmöglichkeit finden, daß dazu aber nicht das Gros der Industriearbeiterschaft gehört, für die der Zu fammenhang mit der Weltwirtschaft eine unerläßliche Voraussetzung ihrer Eristenz ist. Keiner von uns möchte Wege gehen, die die wäre noch keine wirtschaftspolitische Aktivität und kein Ersatz dafür. Inflation herbeiführen könnten. Ein Bekenntnis zur Inflation Die öffentliche Arbeitsbeschaffung ist unser Notprogramm. Aber wir sagen zugleich, daß ohne Einfügung der Wirtschaft in die Ge jellschaft unsere Zukunft dauernd trübe bleiben müßte. Die Zeit Jahre hinaus. Ohne Eingreifen der öffentlichen Hand kommen der großen privatwirtschaftlichen Institutionen ist vorbei auf viele mir nicht weiter.( Beifall.) nanzministerium piel mehr zuständig zu sein als das ArbeitsSpliedt( ADGB.): Für Arbeitsbeschaffung scheint jetzt das Fiministerium, was sehr unerfreulich ist. Mit aller Schärfe betonen wir die Aufrechterhaltung einer wirklichen, nicht nur faschierten Arbeitslosenunterstügung. Selbst nach all diesen ungerechtfertigten Einschränkungen versieht sie noch ihren 3med, den Arbeitslosen wenigstens vor allzu schnellem herabgleiten in die Verzweiflung zu schützen. Auch die Wohlfahrtsunterstützungen dürfen nicht zur wertlosen Formsache herabgedrückt werden.( Beifall.) Thimig( Fabrikarbeiter) bespricht die schwere Notlage der foge: nannten ungelernten Arbeiter, der Wander- und der feramischen Arbeiter, wobei er besonders die Ausfuhrminderung durch die Agrarpolitik des Herrn Schiele bespricht. überhaupt andere Zustände in Deutschland haben. Was heute MiEine einige Arbeiterklasse würde freilich eine andere Regierung und nister Stegerwald über Lohnkürzung gesagt hat, war zweideutig; mo sind denn heute noch die zu hohen" Löhne, die gekürzt werden sollen? Land verteidigt, als es noch feinen Hitler gab, und sie wird es auch Quallow- Ostpreußen: Die ostpreußische Arbeiterschaft hat ihr fun, wenn es ihn nicht mehr geben wird; sie wird bis auf den Leten Mann einstehen für Republik und Demo fratie. Der Redner schildert dann den furchtbaren Ridgang der Produk tion, des Handels- und Güterverkehrs, das Elend der ländlichen Arbeitslosen und die Erschöpfung der Finanzkraft der Gemeinden in Ostpreußen. Statt Unterstützung erhalten ländliche Arbeitslose von reaktionären Amtsvorstehern Beschimpfungen und Schlimmeres noch. Persönliche Bereicherung aus der Osthilfe ist straflos geblieben. Wir wollen keine Subventionspolitif, sondern Arbeit! Scheffel( Eisenbahner): Die sinkenden Einnahmen der Reichsbahn haben schon zu einer außerordentlich scharfen Drosselung der lassen werden. Dabei ist von Arbeitsmangel nicht entfernt die Rede. Aufträge geführt, und jetzt sollen gar weitere 44 000 Arbeiter entUm nur die notwendigen Reparaturen zu machen, fönnte man 70 000 Arbeiter mehr bei 40stündiger Arbeitszeit beschäftigen. Das= selbe gilt für den Oberbau. An notwendigem Material fönnten Riesenaufträge vergeben werden. Die 75 000 Brüden, die Tunnels usw. brauchten noch viel Reparatur, genug Bahnhöfe wären längst schon umzubauen, die Elektrifizierung zu erweitern u. v. a. m. Die Arbeitszeit in Werkstätten, Güterböden, Bahnerhaltung usw. geht bis 57 Stunden, die Schichtzeit einschließlich Bereitschaft fogar 67 bis 93 Stunden!( Entrüstungsrufe.) Kreuger( Landarbeiterverband): Bei dem Programm der Befämpfung der Not in der Landwirtschaft hat man die Landarbeiter vergessen; ihr Vorhandensein hat sich offenbar bei den maßgebenden Stellen noch nicht genug herumgesprochen. Zum Dank für die Staatshilfe machen die Agrarier Steuerstreif. Auch die Umschuldung bringt Arbeiter ums Brot. Das Gesetz verspricht den Siedlern Geld, aber die Behörden machen Schwierigkeiten, es ihnen zu beschaffen. ( hört, hört!) Die Umschulung junger Industriearbeiter auf Landarbeit ist Unsinn, ebenso die Vermittlung oberschlesischer Arbeitsloser nach Gegenden, wo genug Arbeitskräfte vorhanden sind. Damit ist die Debatte erschöpft. Eggert( Schlußwort) stellt den einigen Willen des Kongresses für Arbeitsbeschaffung fest, wofür die ganze Kraft der Gewerkhat zugejagt, was möglich ist, dafür zu tun. Wir fügen hinzu: ist schaften und der Partei eingesetzt werden soll. Minister Stegerwald das nicht mit dem kapitalistischen System möglich, so muß es ohne dieses System gehen. Es gibt für uns jetzt nur die Parole: heraus aus diesem Glend!( Lebhafte Zustimmung.) Durch 1931 ist Deutschland allerdings ohne Inflation gekommen nur dank der Tapferkeit des deutschen Volkes und der in der Arbeiterbewegung tätigen Arbeiterschaft. Wir übertreiben nicht und sprechen feine großen Worte. Aber wenn es uns nicht gelingt, in den nächsten Wochen und Monaten den Arbeitsmarkt wesentlich 3erleichtern, so steuern wir in einen Herbst und Winter hinein, dessen Ausgang niemand vorhersagen kann. aber das, daß wir nicht mehr lange zusehen fönnen. Bereits schließen Wenn mir Herrn Stegerwald sagen, das Maß ist voll, so heißt eine große Anzahl Firmen ihre Werke, montieren ihre Maschinen ab, um mit ihnen und einigen Arbeitern in England neue Produftionsstätten zu schaffen, meil sie in Deutschland keinen Ausmag sehen. Das Reichskabinett weiß genau darum, da kann man uns aber nicht weiter vertrösten wollen, sondern es muß anerkannt werden, daß wir in der zwölften. Stunde der Ereignisse stehen und keine Zeit mehr zu verlieren ist. Heute ist es ja so, daß die öffentlichen Betriebe thre Aufträge ver geben, wenn die Industrie gut beschäftigt ist, aber ihre Aufträge stoppen, wenn der Niedergang einfegt. Genau das Gegenteil wäre die Aufgabe planmäßiger Wirtschaft. Die Zentralsteue für Arbeitsbeschaffung darf keinesfalls durch Reſſorteifersüchteleien verzögert werden.( Lebhafte Zustimmung.). Durch die Annahme der Entschließung beauftragen Sie uns, bei der Regierung vorstellig zu werden mit unseren Forderungen, aber zugleich auch für den Umbau der privatkapitalistischen Wirtschaft in eine höhere Ordnung zu arbeiten. Angesichts des Sintens unserer Ausfuhr muß es die Aufgabe der Lohn- und Gehaltspolitik sein, den inneren Markt zu stärken. In Anlehnung an ein Wort von Lassalle sagen wir: Wir wollen jetzt nicht schauen nad) lints, wir wollen jetzt nicht schauen nach rechts Arbeitsbeschaffung, das ist die Forderung der Zeit. Und mit Alle Kraft wollen wir fortan aufbieten, damit eine wirtschafts dieser Forderung werden wir durchdringen. Not und dieses Elend vermeidet, die das deutsche Volk in den letzten ordnung Platz greift, die diese unerhörten Erschütterungen, diese eineinhalb Jahren durchgemacht hat eine Wirtschaftsordnung. in der jeder, der Menschenan: lig trägt, ein menschenwürdiges Dasein führen kann.( Stürmischer Beifall.) Nach einstimmiger Annahme der Entschließung, die mir an ununterbrocherier Verhandlung beendet. anderer Stelle wiedergeben, ist der Kongreß nach fast fiebenstündiger Borfihender Schumann spricht den Bertretern der Regierungen und den anderen Gästen sowie dem Reichstagspräsidenten den Dank aus, und fährt fort: Wenn die drohende Bürgerkriegsgefahr nun zweimal hintereinander gebannt worden ist, so ist das der geschlossenen Abwehr durch die organisierte Arbeiterschaft zuz schreiben. Nun steht vor ihr noch der schwerste Kampf für die Aufrechterhaltung Preußens als Vormacht der deutschen Demokratic. Wir fordern von der Regierung, daß fie allen verfassungsfeindlichen Bestrebungen auf das entschlossenste enigegentritt. Im Hinblick aber auf die wichtige Entscheidung in Preußen schließen wir, anders als sonst unsere Kongreise, diesen Tag mit dem Ruf: Die deutsche Republif, der Freistaat Preußen und die organisierte deutsche Arbeiterschaft, sie leben hoch! Alles im Saal und auf der Tribüne hat sich erhoben und bringt ein donnerndes, dreifaches Hoch aus! Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Heute, Donnerstag, 14. April, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Südosten: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Das lustige Bud) die lustige Schallplatte. Tempelhof: Sugendheim, 2nzeum Germaniaftr. 4-6. Der Zugang erfolgt durch den Eingang Gözstraße, auf der hinteren Seite der Schule. Wir beteiligen uns alle mit unseren Eltern an der Kreiswerbeveran= staltung in Steglig. Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Lustiger Abend mit Martha John. Staaten: Jugendheim ber 17. Boltsschule, Gartenstadt, Kirchplay. Endhaltestelle Autobus 31. Friedel Hall mit der Lustigen Reihe". Schönhauser Tor: Jugendheim Tiedstr. 18. Warum Eiserne Front?- Lands berger Plag: Jugendheim Diestelmeyerstr. 5.§ 218. Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Der blühende Rattus. Reu- Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Die Mädels gestalten deat Abend aus.- Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Str. 2. Aufgaben und Ziele der FGI. Schöneweibe: Jugendheim Laufener Str. 2( Rotes Simmer). Lustiger Abend. Röpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5( Nähe Bahnhof Spindlersfeld). Lustiger Abend mit Gutheit. Gewerkschaftshaus: Jugendheim Engelufer 24-25, Goal 11. Die französische Fremdenlegion. Jugendaruppe des Berbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter: Jugendheim Neue Schönhauser Str. 4/5. Der neue Aufstieg. Jugendgruppe des Deutschen Bekleidungsarbeiterverbandes: Jugendheim Sebastianstr. 37-38. Bunter Abend. Allen Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Jugendkollege Karl Ratete, Berlin- Weißensee, Roelfestr. 164, bei dem Bootsunglüd am 7. April auf dem Werbellinsee, zusammen mit anderen Erwerbslojen, ertrunken ist. Ehre seinem Andenken. Die Beisekung findet heute, Donnerstag, 15 Uhr, auf dem Gemeindefriedhof Weißensee, SchönFG3. sind mitzubringen.) straße, statt. Rege Beteiligung erwartet die Jugendzentrale.( Die Wimpel der Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten feint Heute, Donnerstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Rorden: Jugendheim Lorgingstr. 19. Arbeitsgemeinschaft: Unser Verband Siel und seine Einrichtungen. Leiter: Boer. Pantow- Niederschönhausen: Jugendheim Görschstr. 14( großes Zimmer). Ausspracheabend: Reuzeitliche Erziehung. Leiter: Rachow. Often: Werbefeier in der Aula der Voltsschnie Frankfurter Allee 37. Beginn 20 Uhr. Eintritt 25 Pf. Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3. Vortrag: Die sozialistische Bewegung als Kulturbewegung. Refcrent: Schmidt. Die Freie Angestelltenbant c. 6. m. b. S. tagt heute von 20 bis 22 Uhr im Verbandshaus. Fußballtraining um 16% Uhr auf dem Sportplatz Lichtenberg, Normannen- Ede Ruschestraße. Berantwortlich für Politit: Bictor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schifomsti; Lofales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts.Budbruderet Hierzu 2 Beilagen. Sie fordert Ausrottung der landesverräterischen Bestrebungen und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin G23. 68. Lindenſtraße 3, derer, die sich national nennen. Rr. 17449. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Polizei räumt auf mit SA. Großaktion zur Durchführung des Verbotes. Außer den bekannten offiziellen Büros der SA. und SS. Aolt die Polizeiaktion gleichfalls den zahlreichen verlappten Dienst stellen in Privatwohnungen. Nirgends wurde den Begewesen wäre. amten Widerstand geleistet, der ja auch in jedem Falle völlig zwecklos Am reichhaltigsten war noch das Ausrüstungslager der braunen Bürgerkriegshorden in der Hedemannstraße. Hier wurden in der sogenannten Feldzeugmeisterei" größere Funde gemacht. Offenbar ist es den Nazis hier nicht gelungen, diese Bestände rechtzeitig und heimlich fortzuschaffen, da die Polizei die Nazistraße schon seit Tagen ständig unter scharfer Beobachtung hält. Gegen 21 Uhr lagen von etwa 35 Stellen Meldungen und teilweise Einlieferungen ständen im Berliner Polizeipräsidium vor. Den beschlagnahmten Uniform- und militärischen AusrüstungsgegenAlle Beamten der Politischen Polizei sind seit den Nachmittagsstunden bis auf den letzten Mann auf den Beinen; auf alle Fälle sollte die Aktion bis in die späten Abendstunden restlos beendet sein. Auf Grund des gestern nachmittag nach der Kon-| SS.- Leuten feineswegs überraschend und die Burschen machten gar ferenz der Innenminister aller deutschen Länder im fein Hehl daraus, daß man die Polizei eigentlich schon in den Reichsinnenministerium erfolgten Verbotes der Morgenstunden des Dienstags erwartet habe. nationalsozialistischen A. und. hat das Berliner Polizeipräsidium wenige Stunden darauf als Exekutivbehörde an etwa 200 Stellen Berlins Polizeiaktionen zur schnellen Durchführung dieser Maß nahme vorgenommen. Gegen 6 1hr nachmittags wurde sowohl die Zentrale der NSDAP. in der Hedemann straße, wo sich bekanntlich früher die Büros der SA. befanden, von Polizeibeamten besetzt und durchsuchungen vorgenommen, als auch derartige Maßnahmen in den Räumen der 27 SA. Heime sowie in den Wohnungen der Standarten, Sturm- und Sturmbannerführer der SA. und den fünf Bezirksgeschäftsstellen durchgeführt. Die Aktion hatte den Zweck, das Material der verbotenen SA. und SS. und die Ausrüstungsgegen stände dieser Organisationen zu beschlagnahmen, um so ein Weiterbestehen unmöglich zu machen. In der Hedemannstraße wurde die sogenannte Zeugmeisterei, die Verkaufsstelle für Ausrüstungsgegenstände usw. der SA., von der Polizei verschlossen und ver siegelt, ebenso wurden die dort befindlichen Büros des sogenannten Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps das nach Ansicht der Polizei eine Sonderformation der SA. darstellt, gleichfalls polizeilich verschlossen. Die Durchführung der Aktion. Schlag 17 Uhr setzte die Aktion der Berliner Polizei gegen die SA. und SS. in Berfolg des Verbotes des Reichspräsidenten in allen Stadtteilen ein. Mehrere Dutzend Schnell patrouillen sowie eine Reihe von Lastautos setzten sich mit 175 Beamten der Politischen Bolizei sowie der gleichen Zahl Schupobeamten zur gleichen Zeit in Bewegung. Zunächst wurden die wichtigsten Geschäftsstellen der SS. und SA. besetzt. Das vorgefundene Material wurde beschlagnahmi, insbesondere munden die militärischen Ausrüstungsstücke, wie Feldflaschen, Spaten, Hemden, Mützen, Abzeichen, Koppelriemen ufm. erfaßt. An den meisten Stellen war das Ergebnis recht mager, die Berliner Hafenkreuzler hatten seit Tagen mit dem Berbot und seinen Begleiterscheinungen gerechnet und aus diesem Grunde, alles, was nicht niet- und nagelfest mar, nach bisher unbekannten Ber= stecken abtransportiert. Die Polizei erschien den SA- und Drei Familientragödien... Zehn Todesopfer an einem Tage. Die Geschäftsstellen und Nazifasernen find inzwischen versiegelt worden. In den Abendstunden fanden sich vor den Kasernen und auch in der Hedemannstraße fleine Trupps SA. Leute ein, die es beim Erscheinen der Polizei jedoch bald vorzogen, schnell zu verschwinden. Die Aufmerksamkeit der Berfiner Polizei wird sich in den nächsten Tagen in besonderem Maße auch auf die Nazi- Berkehrslokale richten, da unter allen Umständen erreicht werden soll, daß die SA.- Trupps endlich gänzlich von der Bildfläche verschwinden. Der Geist" der Berliner GA. Bei der Schließung eines SA.- Heims in der Fasanen straße fanden die Polizeibeamten an Schränken und Wänden sinnvolle Inschriften vor, die beweisen, mes Geistes Kinder die„ Erneuerer" Deutschlands sind. Die Verse beginnen mit ,, Heil Hitler!" und dann heißt es: Die SA. ist eine Formation, Welche bekämpft Judengehutsche und Marristenforruption. Möge dieses Gesindel uns verbieten in allen Eden, Uns fönnen sie..... Der zweite ,, Sinnspruch" lautet folgendermaßen: Die SA. ist auf dem Marsch, Brüning, Severing und Gesindel Bald kommt die Zeit, wo eure weichen Birnen Rollen in den Dred. Mit Hitler Heil! die stets auf dem Posten stehende SA. West. München, 13. April. Wie die Polizeidirektion mitteilt, sollte am Mittwoch ein 44 Jahre alter verheirateter Kaufmann vor dem Strafgericht erscheinen. Da er jedoch nicht erschien, wurde in der Wohnung Nachschau gehalten, die ergab, daß er sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Alter von 13, 12 und 9 Jahren mit Leuchtgas vergiftet hatte. Es handelt sich um das Kaufmannsehepaar Karl und Josefine Lehnert. Gladbach- Rheydt, 13. April. Dresden, 13. April. Eine furchtbare Entdeckung machte am Mittwoch kurz nach 7 Uhr ein Kraftwagenführer, als er in einem Fahrradgeschäft in der Stephanienstraße etwas faufen wollte. Als niemand zur Bedienung erschien, ging der Kraftwagenführer in die Stube. Dort sand er Im Stadtteil Giesenkirchen hat am Mittwoch ein erwerbsloser den Geschäftsinhaber, dessen Frau und Tochter erschossen auf. Krimi- etma 50jähriger Arbeiter feinen achtjährigen Sohn und dann sich selbst erschossen. Die Tat ist auf unglückliche Familienverhältnisse zurücknalbeamte stellten fest, daß der Fahrradhändler seine Ehefrau und zuführen. Die Frau hat sich vor einiger Zeit aus dem Fenster ihrer Tochter und sich selbst erschossen hat. Eheliche Zerwürfnisse sind Wohnung auf die Straße gestürzt, wobei sie lebensgefährliche Verder Grund zur Tat. legungen davontrug. Zusaminer 40] ROMAN S.Rosenfeld bruch Aus dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. Die Schatten um uns wurden dichter. Im Wald tam ein Wind auf. Die Bäume rauschten. Ich weckte Bylin. Der Baum, an dem der Soldat hing, bog sich im Winde. Die Leiche schwang wie ein ungeheures Perpenditel meit nach beiden Seiten aus, wurde vom Feuer in rosiges Licht getaucht, verschwand gleich darauf wieder in der Dunkelheit... Wir hörten ein Knistern und Rascheln, als würde in der Nähe Reisig fleingemacht. Bylin war die Lust zu weiteren Späßen Dergangen. Das Feuer war heruntergebrannt. Die Dunkelheit, die Windstöße, die nächtlichen Waldgeräusche, der Selbstmörder, der unentwegt über unseren Köpfen schaufelte, das alles wirkte herzabdrückend. Bir kauerten bei dem kaum noch glimmenden Feuer nieder und fürchteten uns schon vor dem Augenblid, wo wir aufstehen mußten, um neutes Reisig zu holen. Aber jetzt drangen bald wirkliche Schritte und lebendige Stimmen zu uns. Die Ablösung fam. Bylin lebte plötzlich auf und begann wieder mit seinen Wizen: Herr Unteroffizier, ich melde gehorsamst, daß der Tote während meiner Wache vom Baum gesprungen und in den Wald gelaufen ist... ,, Und was hängt da am Baum?" " Ja, also, der Lote war in der Eile, da hat er seine Hosen und Stiefel am Baum vergessen." In der Morgenfrühe erschienen die mit der Untersuchung des Falles Beauftragten, und der Leichnam wurde endlich abgenommen. Der Selbstmörder erwies sich als ein junger Soldat von der dreizehnten Kompagnie, der dort die gleiche Rolle gespielt und es ebenso schlimm getroffen hatte wie Tjurin bei uns in der sechzehnten. Schläge, Strafen, Verfolgungen, Spott und Hohn waren vom ersten Rafernentage an sein Teil und hatten ihn bis zu jener Verzweiflung geführt, die nur noch einen einzigen Ausmeg fennt. Ueber den Selbstmordfall wurde die reglementsmäßige Untersuchung vorgenommen. Es war ein ganzes Gemälde von Rechtlosigkeit, Willkür, Grausamkeit und Tyrannei, das da aufgerollt wurde. Aber damit hatte es auch sein Bewenden, die Schuldigen wurden nicht zur Berantwortung gezogen, sondern ruhig in ihren dienstlichen Stellungen belassen und konnten also meiterwüten, ärger als zuvor. Bald darauf ereignete sich ein zweiter Selbstmordversuch. Ein junger Soldat von derselben Kompagnie beschloß. seinem Leben ein Ende zu machen, während er vor dem Munitionsdepot Posten stand. Er griff zu einem in der alten Armee recht verbreiteten Mittel. Da es angesichts der Länge des Gewehrs nicht möglich war, einen gewöhnlichen Schuß gegen sich selbst abzugeben, so zog er sich den rechten Stiefel aus, stemmte das Gewehr mit dem Kolben gegen den Boden, mit der Mündung gegen seine Brust, jezte die große Zehe auf den Abzug und gab auf diese Weise seinen Schuß ab. Offenbar war dabei der Gewehrlauf abgerutscht, denn die Kugel schlug durch die Brust in die Schulter und zerschmetterte sie. Er kam mit dem Leben davon, aber es war anzunehmen, daß er ein Krüppel bleiben würde. Während er schwerverletzt im Lazarett lag, wurde er zweimal vernommen, weil er wegen eigenmächtigen Verlassens seines Postens und versuchten Selbstmordes zur Verantwortung gezogen werden sollte. Nicht lange danach wurden abermals einige Leute von der dreizehnten Kompagnie dem Kriegsgericht übergeben. Indessen war die Stunde der Vergeltung für Grigorjem bereits nahe. Das Regiment mar bei Gefechtsübungen im offenen Gelände, unweit des Lagers. Jede Kompagnie war in ihre zwei Halbtompagnien geteilt und je zmei dieser Halbkompagnien befehligte der Feldwebel, die andere einer der zug führenden Portepeeunteroffiziere. Sowohl der Portepeeunteroffizier als auch der Feldwebel lagen ein paar Schrift vor ihren Halbkompanien und gingen beim Sprung auf, marsch- marsch!" mit einer ihrer Gruppen vor. Dazwischen liefen sie beim Angriff auch einzeln für sich ein Stückchen vor. Dann warfen fie fich zur Erde, hoben vor sich mit Hilfe ihres Schanzzeugs, Spaten und Beilpide, eine fleine Bertiefung aus und stellten sich so eine Art Dedung her; gingen sie mit der ganzen Halbtompanie vor, so 3ogen fie ihre Formation zu einer langen, weiträumigen Schüßen| I Donnerstag, 14. April 1932 Aschenregen hört auf. Dichter Nebel und Schwefeldünste. Buenos Aires, 13. April. Der Aschenregen hat hier aufgehört, jedoch herrscht dichter Rebel 3n Mendoza ist die Temperatur ungewöhnlich niedrig. Aus Malargue verlautet, daß die Luft stark mit Schwefelgeruch geschwängert ist. Röfliche Wolken bedecken den Himmel. Infolge der großen niedergegangenen Aschenmenge fonnten die zu Hilfe gesandten Caftiraftwagen nicht vorwärts kommen. 31Der Naturwissenschaftler Professor Marrero in Buenos Aires erklärte, die Asche, die seit 36 Stunden zu Boden falle, setzte sich hauptsächlich aus unlöslichen kalitieselsalzen sammen, die für die Begetation zwar unschädlich seien, aber die auf die Weiden zu liegen komme, dann würde das Vieh kein FrischSchleimhäute reizten. Wenn der Aschenregen andauere und die Asche futter mehr zu sich nehmen. Professor Marrero jagte außerdem, die vulkanische Tätigkeit in den Anden dürfte andauern und vielleicht zu einem neuen Ausbruch führen. Auch über Buenos Aires beginnt der Himmel, der von dichten Aschenwolken bedeckt war, sich etwas aufzuklären. Der Aschenniederschlag verringert sich über dem Vulkangebiet, das 640 Kilometer breit und 1120 Kilometer lang ist und in dem acht Krater in Tätigkeit sind. An mehreren Stellen machen Flugzeuggeschwader Beobachtungen. Die Lage um Mendoza beffert sich zusehends. Da, zahlreiche Personen die von Schwefelgasen erfüllte Luft eingeatmet haben und unter Vergiftungserscheinungen erkrankt sind, haben die Behörden und das Rote Kreuz große Mengen von Sauerstoff- Flaschen nach Mendoza und Malargue geschickt. Ban Goghs Fingerabdruck. Die Röntgenaufnahmen der Wacker- Bilder. # Heute kommen im Wacker Prozeß die letzten Sachver ständigen zu Worte. Wohl selten hat der fleine Schwurgerichtsjaal in Moabit ein derartiges Zuhörerpublikum zu Gast gehabt wie Tag für Tag in dieser Verhandlung. Namhafte Künstler, Kunstschriftsteller, Kunstsammlung und Kunstfenner verfolgten mit größter Spannung die Vorgänge. Dem Laien war es aber mitunter ganz wirr im Kopfe von den widersprechenden Meinungen der Kunstfapazitäten. Verständlicher wurde ihm die verworrene van- GoghAngelegenheit, sobald es sich um das rein Kriminalistische handelte. So hörte er sich z. B. mit größtem Intereffe den Streit der Leiter des Erkennungsdienstes in Utrecht und Berlin an. Der erstere, Herr Garnier, hatte an einem van- Gogh- Bild des Herrn Scherjon einen Fingerabdruck entdeckt, der wenigstens in sechs Merkmalen mit Fingerabdrücken übereinstimmte, die er auf zweifellos echten van Goghs feststellte. Da aber Fingerabdrücke in frischer Farbe nur während der ersten zwei Tage entstehen können, van Gogh aber feinen Diener besaß, so fonnten sie nur von ihm selbst herrühren. Der Leiter des Berliner Erkennungsdienstes, Kriminaltommiffar Müller widersprach jedoch diesem Standpuntt; erstens kenne man überhaupt nicht emen van Goghschen Fingerabdrud. und zweitens könne die Identität zmeier Fingerabdrücke nur bei einem Susammentreffen von zwölf Merkmalen als feststehend erachtet werden. Der Fingerabdruck auf dem Scherjonschen Bilde veranlaßte aber den Kustos der Nationalgalerie, Dr. Thormaelen, diesen Wackerschen van Gogh nicht unbedingt für gefälscht zu halten. Dagegen fam er auf Grund seiner eingehenden Studien der van Goghschen Briefe zum Ergebnis, daß sämtliche anderen Wackerschen Bilder unecht seien. Unterstützt wurde diese Ansicht durch die äußerst aufschlußreichen Röntgenaufnahmen von denjenigen Bildern, die in der Hauptsache den Streitpunkt der Sachverständigen ausmachten. Der Vergleich der Röntgenaufnahmen von diesen Bildern mit den tette auseinander und ließen das Feuer gegen den Feind eröffnen. Schüßen-, Gruppen- und Salvenfeuer. Unter dem immer wiederholten Vorlaufen, Sichniederwerfen, Sicheingraben und Schießen waren die beiden Halbtompanien schon ziemlich nahe aneinander herangekommen. Feldwebel Grigorjews Halbkompanie lag in langgezogener Schüßenkette eingegraben da. Er selbst sprang auf und lief geduckt vor. Ihm folgten, angefangen vom rechten Flügel, einer nach dem andern, die Mannschaften. Plötzlich warf Grigorjem beide Arme in die Luft, ließ sie gleich wieder fallen und faßte sich an den Unterleib. Er lief noch einige Schritte weiter, blieb dann stehen, sank in die Knie, beugte sich vornüber und fiel mit dem Gesicht auf die Erde. Die Müze glitt zur Seite und blieb neben ihm liegen. Die Leute rannten zusammen. Grigorjem regte sich nicht mehr. Die Soldaten standen um ihn herum. Irgend jemand veranlaßte das Kommen einer Schwadron des Nertschinster Kosakenregiments, das sein Lager in unserer Nähe hatte. Im Handumdrehen war die dreizehnte Kompanie von den Kojaken umzingelt, entwaffnet, gefangen genommen. Der Regimentskommandeur erschien mit seinen Adju tanten. Oberst Manzyferom betrachtete den Leichnam. Ob es nun Manzyferows Neigung zu effektvollen Phrasen und Posen war oder ob er als alter Schüze wirklich eine Art Freude an der Sicherheit des Schusses hatte, jedenfalls blieb er vor der dreizehnten Kompanie stehen und sagte mit seiner lauten Kommandostimme: Ein verfluchter Hund, der Schüße! Der Schuft hat glänzend geschossen! Genau in den Nabel hat er ihn getroffen, der Hundefohn! Das sind schon Schüßen bei mir im Regiment! Alle Achtung vor dem Halunken, hol ihn der Teufel! Also sofort mit der Untersuchung beginnen." Und mit dem grampollen Gesicht des leidenden Boris Godunow entfernte er sich in Begleitung seines Adjutanten. Die Gewehre der zweiten Halbkompanie wurden zur Untersuchung fortgeschafft. Als des Mordes verdächtig murden vier Mann in Haft behalten: der Unteroffizier Nikitin und drei Schüßen. Das Sachverständigengutachten ergab folgendes: Aus sämtlichen Gewehren der Halbkompanie waren blinde Schüffe abgegeben worden; einzig aus dem Gewehr des Unter offiziers Nikitin war scharf geschossen worden. ( Fortseyung folgt.) Röntgenaufnahmen der zweifellos echten van Goghs aus der Nationalgalerie ergab, daß sie von verschiedenen Malern gemalt sein mußten. Der holländische Sachverständige de Wild nannte diese Röntgenaufnahmen die Skelette des Bildes. Die beiden im letzten Augenblick als Sachverständige zu gelassenen bekannten Maler, Eugen Spiro und von König wurden sich auch nicht ganz einig in der Beurteilung der Bilder. So erklärte Eugen Spiro, daß er die Echtheit des van Gogschen Seemanns aus der Nationalgalerie anzweifeln würde, wenn nicht Beweise seiner absoluten Echtheit vorhanden wären. Dagegen hielt er eine fleine Landschaft für echt, die Geheimrat Jufti als Fälschung abgelehnt hatte. Der Maler von König wollte seinerseits das Scherjonsche Bild unbedingt für echt gelten lassen. Auch das angezweifelte Bild des Seemanns könnte echt sein, meinte er, während Spiro es für gefälscht erklärte. Es ist eine eigentümliche Sache um Bilderbegutachtung. Just i sagte z. B. von einem Selbstbildnis, es sei das schlechteste, das er je gesehen habe, während der Holländer Bremmer meinte, man fönnte es den besten Bildnissen eines van Hal zur Seite stellen. Von einer Landschaft meinte Justi, es sei nur eine Schupos geben Fußgänger- Lehrstunde. Berliner, lernt richtig auf der Straße gehen!- Das Unterrichtsauto. der Berkehrsinstruktion gestellt und es gerne übernommen, neben Vor allem hat sich die Schupp bereitmilligst in den Dienst ihrem ohnedies schwierigen und anstrengenden Straßendienst auch noch Fußgängerlehrstunde" zu erteilen. Ueberall, an den verschiedensten Plägen, vornehmlich den belebten Straßenkreuzungen, verteilen Beamte der Schutzpolizei die gedruckten Fußgängerregeln im Westentaschenformat und geben dazu, auf daß die Belehrung „ Schmirage", während der Holländer Bremmer von einer ,, wunder- schüler. Der Schupomann sieht sofort mit psychologischem Scharf nicht gar zu troden ausfalle, launige Details an die Publikumsblid, ob sein ,, Schüler" den gedruckten sowie den gesprochenen Lehrstoff" tapiert hat oder nicht, im letzteren Falle wird die Sache noch einmal wiederholt. vollen Farbenfinfonie" sprach. Verschwinden eines Ehepaares. Ein geheimnisvoller Abschiedsbrief. Das geheimnisvolle Verschwinden eines Ehepaares, der 31 Jahre alten Frau Ella Martens und ihres um ein Jahr älteren Mannes Waldemar, das in der Wiclefstr. 51 in Moabit wohnt, beschäftigt die Kriminalpolizei. Bei der Polizei lief ein Brief ein, in dem der Ehemann mitteille, daß er und seine Frau in der Nähe von Trebbin im Kreise Teltow sich das Leben nehmen werden. Die sofort angestellten Nachforschungen der Kriminalpolizei und der Trebbiner Ortspolizei haben bisher noch zu feinem Ergebnis führen fönnen. Trotz eifrigster Suche mit Hunden fonnte man eine Spur der beiden Leute nicht finden. Zu dieser mysteriösen Angelegenheit werden folgende Einzelheiten befanni: Am 6. Februar 1930 tötete die damals 29 Jahre alte Frau Ella Martens ihre 60 Jahre alte Schwiegermutter Witme Minna M. in ihrer gemeinschaftlichen Wohnung in der Waldstr. 18. Die Tat war äußerst unglücklichen Familienverhältnissen entsprungen. Im Jahre 1929 hatte der Sohn gegen den Willen der Mutter seine Frau Ella geheiratet. Infolge der Wohnungsnot blieb das junge Baar bei der Schwiegermutter wohnen. Zwischen den beiden Frauen entstanden fortwährend Reibereien. Am Tage vor der Bluttat feierte die alte Frau ihren 60. Geburtstag, und die Tochter fühlte sich durch das Benehmen der alten Frau zurückgesetzt. Der Mann versuchte den Streit zu schlichten. Am folgenden Tage fam es, als der Sohn und Mann nicht zu Hause mar, zwischen den beiden Frauen wieder zu Streitigkeiten. Die junge Frau Martens packte die alte Frau in ausbrechender Wut mit den Fäusten an der Kehle und würgte sie. Durch einen unglücklichen Zufall stürzten beide zu Boden, und die alte Frau starb. Wie die Sektion später ergab, war ihr durch den würgenden Griff der Kehlkopf gebrochen worden. Die junge Frau benachrichtigte von dem Vorfall ihren Mann, der die Polizei herbeirief. Frau Ella wurde festgenommen und gestand die Tat ein. Sie behauptete, daß die Kränkungen der Schwiegermutter der Anlaß zu ihrer But gewesen feien. Das Gericht verurteilte die junge Frau zu einem Jahr Gefängnis. Sechs Monate mußte sie verbüßen, vier wurden ihr auf dem Gnadenwege erlassen. Der Polizei hatte der Ehemann nun mitgeteilt, daß alle Verwandten und Bekannten die Tat seiner Frau nicht vergessen können. In der letzten Zeit fet es ihnen auch finanziell immer schlechter gegangen. Obgleich er seine Stellung noch habe, fönnten sie ihre Berpflichtungen nicht mehr erfüllen. ziellen Nöten gefunden hätten. Im Rahmen der augenblidlich stattfindenden Fuß-| rasch, als ob nichts gewesen wäre, erstmal davon, worauf sich der gänger- Woche" wird auf verschiedenste Art und Weise Menschenfnäuel, etwas enttäuscht, wieder zerstreute. Nach furger das Publikum mit den Fußgängerregeln vertraut 3eit fehrte es wieder, inzwischen hatten ein paar ganz Helle auch gemacht. schon den Zusammenhang erraten, und nun postierte sich alles, Verkehrswacht Berlin- Brandenburg ergriff nun im Wageninnern aufmerksam lauschend, um den Verkehrsinstruktor. Der Leiter der das Hörrohr und schmetterte im liebenswürdig- tategorischen Imperatip seine Befehle an das Publifum. Gehorsamst blieb alles bei Signal Rotes Licht" stehen, als die Scheibe auf gelb rückte, ward erstmal das vorschreitende Beinchen in Position gesetzt, und grün belichtet schob die Karamane ruhig und gefütet nach der anderen unbedingt von Angesicht sehen mußten, ward vor dem gesamten Seite. Ein paar ganz hartnäckig Neugierigen, die den Instruktor Schülerpublikum eine leine Rüge zuteil. Nachdem der Berkehrs lehrer den Fußgängern nachdrücklichst die Lichtbeachtung ins Gehirn gehämmert hatte, verwies er nochmals auf die ungeheure, stets wachsende tägliche Unfallziffer und die Gefahr der Gefängnisstrafe für jeden, der durch Unachtsamkeit einen Unfall verschuldete. In weiterer Folge wird dieser praktische Straßenunterricht auf dem Potsdamer Plaz, in der Friedrichstraße, am Halleschen Tor, in der Charlottenstraße usw. fortgeführt. Im Büro der Berkehrswacht steht das Telephon überhaupt nicht mehr still, besonders das Ausland interessiert sich sehr für diese einzig in ihrer Art dastehende Einrichtung. Zur weiteren Aufklärung wird praktischer Verkehrsunterricht durch Demonstration, ausgeführt vom Lautsprecherauto des Ver= fehrsunterrichts autos aus, abgehalten. An der Tauenzien Ecke Nürnberger Straße, ein Verkehrspunkt, der im Jahre 1930 allein eine Unfallzifer von 159 Berletzten aufwies, begann der prattische Straßenverkehrsunterricht; dieser wirfte sich erst einmal dahin aus, daß das Verkehrsunterrichtsauto zum Verkehrshindernis" wurde. Obzwar ein Auto in der Tauenzienstraße, selbst menn es einen aufmontierten Lautsprecher besißt, doch nicht allzuviel Aufsehen erregen dürfte, gestaltete sich die Anfahrt des Demonftrationswagens zu einem außerordentlichen Ereignis. Binnen zwei Minuten war das Auto von einer rapide anwachsenden Menschenmenge umringt, und was lag näher, als daß diese nebst dem Bürgersteig auch den Fahrdamm besetzte und sich den Teufel um herannahende Gefährte und um die für der Menschen Wohl funktionierenden Lichtsignale fümmerte. Das Auto fuhr also daraufhin Die Verkehrsregeln für Fußgänger wurden in einer Auflage von einer Million im Westentaschenformat gedruci und gelangen schon jetzt jeden Tag durch Schupos auf den Straßen fostenlos an das Bublifum zur Berteilung. In den Betrieben an die Angestellten, in den Schulen an die Schüler, in den Kaufhäusern merden sie den Kunden ins Eintaufspaket beigepact. Außerdem ist jeder Schuppposten verkehrstechnisch bestens informiert und gibt auf alle diesbezüglichen Fragen auf Wunsch Information. Ende des Sinfonie- Orchesters.forgnis der Befangenheit begründet erſcheine, weil Hoffmann fich Philharmonifer sollen einen Teil der Mitglieder aufnehmen. Der Magistrat beschäftigte fich mit der Frage des Zuschusses zu den beiden Orchestern, dem Philharmonischen und dem Sinfonieorchester. Die Lösung soll darin gefunden werden, daß der Mitgliederbestand des Philharmonischen Or dhe fters aus Mitgliedern des Sinfonieorchesters auf 103 erhöht wird. Die Versorgung der übrigen Mitglieder des Sinfonieorchesters soll sichergestellt werden. Der bisher für beide Orchester gezahlte städtische Zuschuß, der 1930 586 000 Mart, 1931 noch 368 000 Mart betrug, wird sich auf diese Weise sehr wesentlich verringern lassen. Zur Ausarbeitung des Bertrages zwischen der Stadt und dem Philharmonischen Orchester, der bei den Haushaltsberatungen der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt werden wird, wurde ein Unterausschuß des Magistrats eingesetzt. Schneidertag mit Kleiderappell. Ein halbes Jahr Gflaref- Prozeß. Mit der 85. Sigung hat der Stlaret- Prozeß in der gestrigen Bervor sechs Monaten, am 13. Ottober 1931, seinen Anfang nahm. Zu zu dem Beschluß, dem Antrage stattzugeben, da die Behabe. Das Gericht beschloß aber, ihn als Zeugen zu vernehmen. mit ihm ohne Hinzuziehung seines Verteidigers in Verbindung gesetzt Hitler- Rowdys vor Gericht. Berletzte Reichsbannerleute als Rebentläger.- Ber schleppungsverfuche der Nazi- Berteidigung. Vor dem Schnellschöffengericht Berlin- Mitte hatten sich vier Hitler- Rowdys wegen schweren Landfriedensbruches und gefährlicher Körperverlegung zu verantworten. Von den Angeklagten, dem 19jährigen faufmännischen Angestellten Radsat, dem 36jährigen Kapellmeister Knoch, dem 28jährigen Angestellten Sturz und dem Arbeiter Petrich, sind nur drei zur Stelle, der vierte befindet sich wegen eines Knöchelbruchs im Krankenhaus. Die vier Angeklagten find gemeinsam mit ihren Gesinnungsgenossen am Freitag, 8. April, bewaffnet mit 2atten und knüppeln über Reichsbannerleute hergefallen, die sich am Bahnhof Bellevue versammelt hatten, un von dort aus zur Demonstration der Eisernen Front nach dem Luftgarten zu marschieren. 2350 Ein Trupp Reichsbannerleute, der sich auf dem Wege zum Bust or Beide hätten sie nun beschlossen, gemeinsam in den Tod zu gehen. Eie behaupten, daß sie nirgends einen Ausweg aus ihren finanWie verlautet, ist das Ehepaar zuletzt von dem Bahnwärter Dollzählig erschienen, zur Erörterung der in Garderobe bestehenden eilte im Sturmschritt, bewaffnet mit Latten und Knüppeln zum auf dem Bahnhof Trebbin gesehen worden. Es war am Montag gegen 11 Uhr abends, als es dort eintraf. Der Zug nach Berlin war bereits abgegangen. Die Eheleute unterhielten sich nun mit dem Bahnwärter und flagten ihm ihr Leid. Später gingen die beiden wieder und von da an fehlt jedes Lebenszeichen von ihnen. Die Verzweifelten sind sicherlich in den angrenzenden Wäldern umhergeirrt. Die Feststellungen in Berlin ergaben, daß sie hier am Freitag vergangener Woche die Wohnung verlassen hatten. Beide hatten sich ihre besten Kleidungsstücke angezogen handlung eine Dauer von einem halben Jahr erreicht, da er gerade gestern waren auf Veranlassung des Vorsitzenden sämtliche Angeklagte Buwendungen an die angeklagten Beamten. Als erster Zeuge wurde der frühere Zuschneider der Sklarets, Gallen, gehört, der nach seiner Aussage bei dem Angeklagten Luding, Bürgermeister Kohl, Stadtamtmann Satolofski, Stadtrat Gübel und Stadtrat Degner Maß für Anzüge usw. genommen hat. Gäbel und Stadtrat Degner Maß für Anzüge usw. genommen hat. Besonders belastete Gallen den angeklagten Buchprüfer Luding, der zur Zeit der Anfertigung des Anzuges drei bis vier Wochen lang jeden Tag bei Leo Sklaret im Büro gesessen und dort an den Geschäftsbüchern gearbeitet habe. Gallen hat beobachtet, daß die alten Bücher dann zusammengepackt und auf den Boden gebracht wurden. Die Anflage wirft bekanntlich Luding vor, daß er mit Rücksicht auf die bevorstehende Prüfung der Bücher durch das Finanzamt Anweisungen für die Herstellung neuer frisierter" Bücher gegeben habe. Luding bestritt durch seinen Berteidiger, zu der betreffenden Zeit bei den Gilarets gewesen zu sein, als der Borsigende auf das daraus gerade in der kritischen Zeit eine Seite herausgerissen war. Der Zeuge Gallen bestritt auf das entschiedenste, daß er es getan habe, ebenso der Buchhalter Tuch, der das Maßbuch zulegt hatte. Leo Silaret: Da werden wohl andere Namen dringestanden haben, die nicht drinstehen wollten. Das ist eine Vermutung von mir, ich saß ja in Untersuchungshaft. Unerwünschte Wahl- Reklame. Politische Reflame an städtischen Gebäuden verboten. Oberbürgermeister Dr. Sahm hat durch eine eilige Rund- Maßbuch der Stlarets zurückgriff, machte er die Feststellung, daß verfügung an alle Berroaltungen, Bezirksämter und städtische Gesellschaften angeordnet, daß die Benuhung städtischer Anlagen und Einrichtungen einschließlich derjenigen der städtischen und überwiegend städtischen Gesellschaften zu politischer ( Wahl-) Reklame grundsätzlich nicht mehr zuzulassen ist. Ferner ist in jeden neu abzuschließenden Pacht-, Miet- oder ähnlichen Vertrag die Bestimmung aufzunehmen, daß dem Mieter, Pächter usm die Anbringung politischer( Wahl-) Reflame an den ge= mieteten.( gepachteten usw.) Gegenständen untersagt wird, desgleichen die Duldung solcher Reklame durch etwaige Untermieter, linterpächter usro.; bestehende Verträge dieser Art, die entweder ein folches ausdrückliches Verbot nicht enthalten oder gar diese Art aus drückliche Reklame gestatten, sind bei Verlängerungs- oder sonstigen Verhandlungen dahin abzuändern, daß das Berbot mit alsbaldiger Wirkung in Kraft tritt. Die gegen Bezahlung erfolgenden Anschläge an den Säulen und sonstigen Anschlagflächen der Beret werden von dieser Regelung natürlich nicht betroffen. Als dann der Borsigende an den als Sachverständigen erschienenen Schneidermeister Rofahl einige Fragen richtete, verlangte Rechtsanwalt Pindar von dem Sachverständigen Auskunft darüber, auf wessen Veranlassung er geladen sei Kofahl erklärte, daß er auf Beranlassung von Stadtbankdirektor Hoffmann erschienen sei und erwähnte auch auf weitere Fragen, daß er für diesen ein Gutachten über die Qualität der bei Keller u. Furch angefertigten Garderobe erstattet und dafür von Hoffmann 60 M2. erhalten habe. Rechtsanwalt Dr. Pindar lehnte hierauf unter Bezugnahme auf den Sachverständigen Drerup, der bekanntlich abgelehnt worden mar, weil er mit den Angeklagten Stlaret fonferiert hatte, den Sachverständigen Kofahl wegen Besorgnis der Befangenheit ab. Das Gericht tam nach furzer Koche besser! Koche billiger! verlange gratis das Sanella Kochbuch Über alle deutschen Sender: Jeden Freitag vormittag Sanne und Ella plaudern im Radio garten befand, geriet in einen Zusammenstoß mit Nationalsozialisten. ihren Weg zum Lustgarten fort. Das Nazialarmkommando aber Die Reichsbannerleute sezten nach Erledigung des Zwischenfalls Nazialarmkommando aber Bahnhof Bellevue und fiel über die Reichsbannerleute her, die hier ihren Abmarsch zum Tiergarten abwarteten und von dem eben gewesenen Zusammenstoß feine Ahnung hatten. Mehrere Reichsbannerleute wurden verlegt. Das Ueberfallfommando der Schutzpolizei nahm vier Nationalsozialisten fest. polizei nahm vier Nationalsozialisten fest. In der heutigen Verhandlung beantragte Rechtsanwalt Joachim, die verlegten Reichsbannerleute als Nebenfläger zuzulaffen. Staatsa anwaltschaftsrat Dr. Wagner stimmte diesem Antrag zu. Rechtsanwalt Dr. Triebel als Berteidiger der Angeklagten mibersprach der Zulassung der Verlegten als Nebentläger, er beantragte außerdem die Ueberleitung der Sache in ein ordentliches Verfahren, da er beabsichtige, mehrere Dugend Zeugen vorzuladen. Das Gericht ließ die verletzten Reichsbannerleute als Nebenfläger zu, lehnte den Antrag des Rechtsanwalts Dr. Triebel auf Ueberleitung der Sache ins ordentliche Verfahren ab und vertagte die Verhandlung zweds weiterer Vorbereitung auf Dienstag, den 27. April. Rechtsanwalt Dr. Triebel fündigte die Ladung von mehr als fünfzig neuen Zeugen an. Amtsgerichtsrat efenberg erflärte, er beabsichtige nicht, einen zweiten KurfürstendammProzeß aufzuziehen Die Königstadt- Lichtspiele, Schönhauser Allee 10-11, find von der Firma Blumann u. Grünberg, seit Jahren als Besißer der Kosmos- Vichtspiele, Lichtenberg, bekannt, übernommen worden, und werden am 15. April, 7 Uhr abends, wieder eröffnet. Als Eröffnungsvorstellung bringt die Direktion„ Mädchen in Uniform". Ein größerer Teil der Darsteller wird persönlich anwesend sein und Emilie Unda wird einen Prolog zur Eröffnung sprechen. Einen megilanischen Vollsabend veranstaltet das Anti- Kriegsmuseum, Parochialstr. 29, in seinen Räumen am Freitag, dem 15. April, 20 Uhr. Der merikanische Dichter B. Traven hat der Büchergilde Gutenberg original merikanische Schallplatten zur Verfügung gestellt, die vorgeführt werden und zu denen Erich Knauf verbindende Worte spricht. Ernst Friedrich spricht merikanische Novellen. MSN 47-90 Lanella MARGARINE VON DER MARGARINE- VERKAUFS- UNION, ABTEILUNG KOCHBUCH, BERLIN C 2. BURGSTR. 24 Für ein soziales Preußen. Ueberfüllte Frauenkundgebung im Friedrichshain. " Unter dem Stichwort Frauen für ein soziales Preußen hatte| Jugendherbergen wurden überall errichtet, jugendfürsorgerische Maßder Bezirksverband Berlin die Frauen zur Sundgebung in nahmen betreuen sämtliche Jugendlichen in ganz Preußen. In der den Friedrichshain aufgerufen. Lange vor Beginn war der Justizverwaltung wurde der humane Strafvollzug ein Riesenjaal überfüllt. geführt: foziale Gerichtshilfe und Gefangenenfürsorge leisten Großes auf diesem Gebiete. Der Wohnungsbau murde großzügig angefaßt, seit der Inflation wurden in Preußen anderthalb Millionen Woh nungen hergestellt. Diese Liste könnte auf allen Gebieten ins Unendliche ausgeführt werden. Wenn wir diese Errungenschaften behalten und weiter ausbauen wollen, dann müssen wir Preußen behalten, dann müssen alle Frauen Braun und Severing wählen. Die Kundgebung wurde durch den Einzug einer Gruppe Sportlerinnen unter dem jubelnden Beifall der Anwesenden eröffnet. Das politische Kabarett„ Das Kleeblatt" führte Parodien und Sketchs vor. Theo Mare sprach zündende Berse. Dann begrüßte die Ges noffin Sydow die zahlreich erschienenen Frauen und erteilte der Genoffin Hanna, Mitglied des Landtags, das Wort. Genossin Gertrud Hanna führte aus: 2m 10. April haben 19 Millionen Wähler entschieden, daß sie nicht gewillt sind, sich einer reaktionären Diftatur zu unterwerfen. Die Reaktion ist geschlagen, aber noch nicht besiegt. Am 10. April ging es um mehr als um die Reichspräsidentschaft. Es ging darum, was die Reaktionäre Deutsch lands schon beim Voltsentscheid propagiert hatten: Holt die roten Fahnen nieder, wir wollen unser altes Preußen wieder! Der alte Saz: Wer Preußen hat, der hat das Reich! gilt heute mehr denn je. Im alten Preußen war die Grundlage der Macht der Reaktion das bestehende Wahlrecht oder besser Wahlunrecht. Noch 1908 hat die Sozialdemokratie auf 599 000 Stimmen nur 8 Abgeordnete gehabt, mährend die Konservativen und Freitonservativen auf 354 000 Stimmen 152 Abgeordnete befamen.( Lebhafte Entrüstung und Hört, hört!) Dazu tam noch das Herrenhaus, für das es überhaupt kein Wahlrecht gab. Bom Minister bis herunter zum Nachtwächter mar alles tonservativ. In den obersten Verwaltungsbehörden saßen fast ausnahmslos Ablige. Arbeitslosenversicherung gab es nicht, Arbeiterschutz nur in geringem Maße. Weite Schichten der Bevölkerung besaßen tein Koalitionsrecht, das waren die Landarbeiter und Hausgehilfen, für die noch die Gesindeordnung herrschte. Erst von der Sozialdemokratie wurde das neue Preußen geschaffen, und darum wird die Bartei von den früheren Nuznießern der Unterdrückung der Arbeiterschaft gehaßt und aufs schärffte bekämpft. Es gilt für uns heute alle Kräfte mobil zu machen, zu werben für die Partei, die den Frauen die Möglichfeit zur Mitarbeit gegeben hat: für die Sozialdemokratie!( Lang anhaltender Beifall.) Dann nahm die Landtagsabgeordnete Helene Schmit das Wort: Das Schicksal Breußens ist das Schicksal der Arbeiterschaft. Unter der Regierung Braun- Severing ist trotz des verlorenen Krieges, trotz Rot und Elend eine ungeheure Arbeit ge leistet worden. Da sind die großzügigen Maßnahmen in der Wohlfahrtspolitik: die Säuglingssterblichkeit fonnte gegenüber der Borkriegszeit von 17 Proz. auf 6 bis 7 Proz. herabgesetzt werden. Durch den Ausbau der Krankenkassen und großzügige gesundheitliche Maßnahmen in den Schulen wurde die Volksgesundheit gehoben. Gerade für die Jugend ist Großes geleistet worden, Kampf ist die Parole! Der Bezirk Prenzlauer Berg eröffnete den Kampf für die Preußenwahl mit einer glänzend besuchten öffentlichen Kundgebung in der Schulaula in der Gleimstraße. Die Aula bat nicht Raum für alle Erschienenen. Der Referent des Abends Genosse Dr. Mischler führte in seiner Ansprache aus, daß es die Treue der Arbeiterschaft zu ihren aus ihren Reihen hervorgegangenen Führern ist, die die sicherste Gewähr für die Ausgeftaltung eines sozialen und demokratischen Freistaates Preußen bietet. Hitler drängt jezt danach, in Preußen an die Macht zu gelangen, damit er all den Leuten, die bei ihm auf Anstellung dienen, auf Kosten der preußischen Steuerzahler Bosten verschaffen fann. Einmal an die Macht gefommen, wären die Nazis zu jedem Berrat bereit, um sich dadurch länger an der Macht zu erhalten. Wie sie Südtirol preisgegeben haben, würden sie auch andere Landesteile verraten. Ernsthaft vernichten wollen sie nur die deutsche Arbeiterklasse. Preußen ist seit 1918 eine Hoffnung der Arbeiterschaft. 3war muß diefer Staat noch andere soziale Formen annehmen, aber das würde nie der Fall fein, wenn die Reaktion im Frelstaat Preußen an die Regierung fäme. Dieser furze aber scharfe Wahlkampf fordert von allen So zialdemokraten Opfermut und Entschlossenheit. Im Interesse der Arbeiterflaffe muß die Reaktion am 24. April vernichtend geschlagen | Kleine Anzeigen ( Lebhafter Beifall.) Zum Schluß sprach Genossin Käthe Kern: Welches Schicksal hat die Arbeiterschaft in einem reaktionären Preußen zu erwarten? Deutschnationale, Nazis und Voltspartei fonnten sich zwar bei der Aufstellung der Kandidaten nicht einigen; aber sie sind sich absolut darin einig, daß in Preußen die früheren reaktionären Gewalthaber wieder ans Ruder kommen sollen. Die Nazis denken ja nicht daran, den Sozialismus aufzubauen, die Produktionsmittel zu vergesellschaften. Das sind Vorspiegelungen für die Arbeiter. Aber wenn es gilt, Farbe zu be= kennen, dann drücken sie sich. Bei allen diesen Herrschaften finden wir die prominenten Vertreter der Hohenzollern. Es ist ganz schön, wenn man eine zahlreiche Familie hat, dann kann man überall dabei sein. Hitler und die Nazis schwindeln den Frauen vor, daß sie ihnen wieder das Glüd am häuslichen Herd verschaffen werden. Aber wir sehen ja im faschistischen Italien, wie dort die Arbeiterschaft verelendet ist und die Frauen Arbeiten verrichten müssen, die ihnen in Deutschland durch die Arbeiterschutzbestimmun gen verboten find. Wenn wir ein faschistisches Deutschland be= tämen, dann müßten Arbeiter und Arbeiterinnen zu menschen unwürdigen Bedingungen arbeiten. Wir müssen deshalb alles aufbieten, um die Frauen über den arbeiter und frauenfeindlichen Charakter der Nazis aufzuklären.. Wir fordern alle Frauen auf, am 24. April mit der Sozialdemokratie Braun und Severing zu wählen. Zum Schluß ihrer Rede gab die Genoffin Kern noch bekannt, daß der Reichspräsident die SA.- und SS.- Formationen der National sozialisten endgültig verboten habe. Nicht endenwollender Beifall drückte die Zustimmung der Versammlungsbesucher aus. Die roten Transparente an allen Seiten des Saales. die zahlreichen roten Fahnen, die die Rednertribüne umsäumten, drückten die Siegesstimmung der Massen aus. Tausende Frauen waren hier versammelt, einig in der Abwehr des Faschismus und beseelt von dem Gedanken, in Preußen die Demofratie zu erhalten. Den Willen aller drückte ein Riefentransparent an der Frontseite des Saales aus:„ Frauen und Mädchen, wählt am 24. April Sozialdemokraten!" werden. Der Sieg muß und wird auf unserer Seite sein! Für die Sozialistische Arbeiterjugend legte der Jugendgenosse Erler ein Treugelöbnis ab. Diese imposante öffentliche Rundgebung fand unter Beteiligung sämtlicher in der Eisernen Front" zu= jammengeschlossenen Organisationen statt. " 1 Die Köpenider Parteigen offen eröffneten am Dienstagabend mit einer Rundgebung in Uhlenhorst den Wahlkampf für die preußische Landtagswahl. Die Versammlung mar außer ordentlich gut besucht. Auch bürgerliche Gäste waren recht zahlreich erschienen. Genosse Professor Dr. Nölting sprach über die Wahlen zum Preußischen Landtag. Zunächst durchleuchtete er die HitlerBewegung gründlich in scharf zugefpigten, von Sarkasmus durchfeßten Wendungen. Den anwesenden Kleinbürgern zeigte der Redner die Berlogenheit der Hitler, Goebbels und Konforten und ihr widerspruchsvolles sogenanntes Programm, das für alle Bevölkerungsschichten große unlösbare Versprechungen enthalte. Sodann geißelte er ihre Terroratte und Verbrechen und ihre Gefahr für ein geordnetes Staatswesen. Im zweiten Teil seiner Rede legte Genosse Nölting im einzelnen dar, was von der Sozialdemokratie in Preußen geleistet worden ist. Breußen müsse im Deutschen Reich der stählerne Block bleiben, an dem die nationalsozialistische wie die bolfchemistische Flut sich brechen muß. Der Borsitzende Mante schloß mit der Aufforderung, in den nächsten zwölf Tagen alles daranzusetzen, damit bei der Preußenwahl ein voller Sieg errungen wird. wirkungsvoll und billig Überschriftswort 20 P., Textwort 10 Pt. Wiederholungsrabatt: 5mal 5%, 3mel 7%, 12 mel 10%; 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20%, 10000 Worte 25%. Annahme durch dan Verlag, Lindenstr. 3( 9-5 Uhr), sämt!. Vorwärts- Filialen u. Ausgabestellen, sowie alle Annoncen- Expeditionen Verkäufe Tapeten Möbal Radio Nadio, Fabriknene Fahrräder 33- Kaufgesuche 35,-, 45,-. Machnow, WeinmeisterGebrauchte Fahrräder 15,-. 1 Schlafzimmer, echt Mahagoni, Schrant 2 Meter, Bauart, Verliehen gewefene moderne Möbel unter Preis. komplett 690, Sprechmaschinen, straße 14. Stillat. Rolonie Ramerling, Rasta. 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Ein Automobil mit fieben Perfonen, darunter 3mei ägyp tischen Staatsbeamten und einem Offizier, stürzte heute in einen Kanal. Sämtliche Infassen tamen ums Leben. Photomotivwanderung durch Alt- Berlin. Leiter Fachlehrer Schrader. Treffpunkt: Sonntag, den 17. April, 10 Uhr, U- Bahnausgang Inselstraße. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten am 10. d. M. die Eheleute Wilhelm Baeder, Belle- Alliance- Str. 83. Genosse Baecker ist seit 1901 Vorwärts" Leser und langjähriges Parteimitglied. Parteinachrichten Berita SW 68. Lindenstraße 3. Einsendungen für diese Rubrik find für Groß- Berlin stets an bas Bezirkssekretariat 2. Hof. 2 Treppen rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! 3. Kreis. Die jungen Genossen unseres Streises werben hiermit aufgefordert, am Sprechchor zur Maifeier teilzunehmen. Nächste Probe Sonnabend, 16. April, 8% Uhr, im Heim Willdenowstr. 5. 5. Kreis. Heute, Donnerstag, 14. Aprit, Kreismitgliederversammlung in den Andreasfestsälen, Andreasstr. 21. Unsere Arbeit im Preußischen Landtag." Referent: Erich Kuttner, M. b. 2. Mitwirkung des Männerchors Fried richshain. Politische Satire. Arbeiterbildungsschule. Kursus Reese fällt heute aus. Teilnehmer besuchen die Kreismitgliederversammlung. Azbeiterwohlfahrt. Erwerbslosenzusammenkunft im Heim Tilsiter Str. 4-5 am Freitag, dem 15. April, 15 Uhr. Unterhaltung, Spiel und Lesen. Ab 20 Uhr in der Schulaula Petersburger Str. 4 Feierstunde. 7. Kreis. Die Karten zur Nachtvorstellung müssen Freitag, 15. April, 20 Uhr, im Jugendheim Rosinenstr. 4 abgerechnet werden. • 27. Abt. Freitag, 15. April, pünktlich 19½ Uhr Funktionärsigung im Sportrestaurant. 30. Abt. Freitag, 13. April, Funktionärtigung bei Bohst, 2nchener Straße. 31. Abt. Freitag, 15. April, 20 Uhr, Funktionärsigung bei Goldschmidt. Die Bezirksführer melden die benötigten Fahnen und Transparente an 53. Abt. Freitag, 15. April, 20 Uhr, Funktionärsigung bei Lug. Die Zahlabenbleiter Taben die Bezirksführer ein. 78. Abt. Freitag, 15. April, 20 Uhr, Abteilungsfunktionärsigung bei Schmidt, Ebersstr. 18. Borbereitung zur Preußenwahl. 79. Abt. Freitag, 15. April, 20 Uhr, Funktionärsigung bei Reh, Siegfriedstraße 6. 80. Abt. Freitag, 15. April, 20 Uhr, Funktionärsigung bei Gürlich. Bor bereitung für die Preußenwahl. Borher 18% the Borstandssitzung mit den Bezirksleitern. 85. Abt. Achtung! Die Handzettel für unsere Kundgebung am Sonnabend, dem 16. April, find von den Speditionen abzuholen und sofort zu verteilen. 95. Abt. Heute, Donnerstag, 14. April, 20% Uhr, erweiterte Vorstandssitung bei Reil, Prinz- Handjern- Str. 38. 99a. Abt. Heute, Donnerstag, 14. April, 20 Uhr, wichtige Sigung der Abteilungsleitung, der Bezirksführer und Bezirtstaffierer im Einfa- Büro. 108. Abt. Heute, Donnerstag, 14. April, 20 Uhr, Funktionärversammlung bei Stippekohl, Schönerlinder Str. 5. 124a. Abt. Sonnabend, 16. April, 20 Uhr, kurze Besprechung der Funktionäre beim Abteilungsleiter, Winklerstr. 71. 128. Abt. Heute, Donnerstag, 14. April, außerordentliche Funktionärsizung ant bekannter Stelle. Sozialistische Studentenschaft Berlin. Am Freitag, dem 15. April, spricht im Bund, Albrechtstr. 11, Gartenhaus, 2 Treppen, Genoffe Profeffor Gumbel( Seibelberg), über: Sowjetrußland". Am Sonntag, dem 17. April, veranstalten wir eine Lastwagenpropagandafahrt. Alle Genossen, die daran teilnehmen können, melden fich umgehend schriftlich beim Genossen Baum im Bund, Albrechtstr. 11. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Charlottenburg. Berichtigung! Wir sind Freitag nicht 15% Uhr, fondern um 16% Uhr im Seim. Sonnabend Rasperlevorstellung im Wohlfahrtssaal Königin Elifabeth- Str. 6. Beginn 17 Uhr. Ale Kinder der Parteigenossen treffen sich dort. Abt. Sohenschönhausen. Donnerstag regelmäßig von 17 bis 19 Uhr Heimabend Fecienwalder Str. 6. Eterbetafel der Groß- Berliner Partei Organisation 1. Abt. Am 11. April verstarb an einer Lungenentzündung fern seiner ungarischen Heimat unser langjähriger Parteigenosse Adalbert Nagy. Sein Audenten werden wir ftets in Ehren halten. Beerdigung am Donnerstag, 12 Uhr, auf dem Friedhof Neukölln, Mariendorfer Weg. 38. Abt. Am 12. April verstarb Karl Buzin, Höchste Str. 48, im Alter non 76 Jahren. Genosse Buzin hat schon unter dem Sozialistengefes feine Pflicht für die Partei erfüllt. Ehre seinem Andenten. Ginäscherung Freitag, 13. April, 11 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung erwartet der Abteilungsvorstand. " Haarglanz bedeutet Haar- Hygiene. Wie hält man sein Haar gesund? Durch regelmäßiges Nachspülen mit Schwarzkopf Haarglanz nach jeder Kopfwäsche! Denn Schwarzkopf- Haarglanz strafft das erweichte Haar wieder er adstringiert es und er entfernt die alkalischen Rückstände aus dem Haar er neutralisiert es. Das Haar wird fest und elastisch, es leuchtet in reinem Glanze: Schwarzkopf- Haarglanz ist sein Verjüngungsbad.„ Haarglanz" liegt jedem Beutel SchwarzkopfSchaumpon bei. Weiße Packung 20 Pfg., grüne ExtraPackung und Extra- Blond mit Schaumbrille 27 Pfg. LLOYD 10 PFENNIG LLOYD LLOYD 4ZIGARETTEN MARTIN BRINKMANN A.G. ZIGARETTENFABRIK BREMEN TRUST UKONZERNFREI. REIN DEUTSCHES UNTERNEHMEN Wie fann man Entlassungen verhindern? Allgemein bekannt ist. dak fait in iedem Fabrikbetrieb während mehrerer Monate im Jahre unerläßliche Arbeitspausen eintreten, welche zwangsweise zur Entlassung guter Arbeitskräfte führen. In der Bekleidungsindustrie ist es gerade die Zeit des Jahres, in welcher das Publikum seinen Kleiderbedarf einfauft. Die bekannte Herrenkleiderfabrik Wagner, am Bahnhof Jannowißbrücke, Alexanderstr. 23, hat als eine der ersten Fabriten Berlins einen Weg gezeigt, wie diese Arbeiterentlassungen vermieden werden tönnen. Um die Pausen auszufüllen, hatte sich diese Fabrik entschlossen, ihre Erzeugnisse direkt an den Berbraucher zu liefern. Früher lieferte die Fabrik nur an Spezialgeschäfte. Jahr für Juhr gingen Tausende Anzüge und Mäntel nad) allen Zeilen Deutschlands, und jept unter Ausschaltung des Zwischenhandels direkt an den Verbraucher. Der Riesenerfolg der Herrenkleiderfabrik Wagner übertraf alle Erwartungen. Die Fabrit war feilweise mit Arbeit derart überhäuft, daß zahlreiche Rei einstellungen erfolgten, und erwiesen sich die bisherigen Fabriträume sogar zu flein. Am 1. April hat die Fabrit neue Räume beziehen müssen. Das Geheimnis dieses Erfolges waren nur die billigen Preise für wirkliche Qualitätsmare. Gin reinwollener vierteiliger Sportanzug mit 3 Hofen toftet nur mt. 33.Ein reinmollener Straßenanzug aus dem jest so beLiebten grauen Rammgarn ebenfalls nur 35.-. In Diefer Fabrit festet der teuerste einzug aus ganz eplem Material nur 63,- tart. Age Schichten der Bevölkerung faufen in der Fabrik, hohe Beamte und Staufleute, wie Arbeiter und Angestellte. Für ganz Bermpöhnte gibt es eine Maßabteilung, in welcher Anzüge und Mäntel aus hochwertigen Maßstoffen mit 2 Anproben zu Einheitspreisen von 50,-, 70,-, $ 5, und 95,- nach Shren Maßen angefertigt werden. Jeder einzelne, pb Gehalts, oder Lehnempfänger, muß mit feinem fover verdienten Geld rechnen, Deshalb gibt es für Alle nur eine Parole: Wagner, Alexanderstraße 23. Erobert Preußen! Unsere nächsten Veranstaltungen: Donnerstag, den 14. April: 1. Kreis- Mitte. 19% Uhr im ,, Hackeschen Hof", Rosenthaler Straße 40-41, öffentliche Kundgebung. Jungwähler- Kundgebung für die Bezirke Wedding, Reinickendorf. 19% Uhr in der Hochschulbrauerei See- Ecke Amrumer Straße ,,, Die Jugend im Preußenkampf". Referent: Erich Schmidt. 3. Kreis Wedding. 19% Uhr in den Pharus- Sälen, Müller- Heilstätte Herzberge. 20 Uhr bei Otto, Herzbergstr. 78. straße 142, öffentliche Kundgebung. Gaswerk Lichtenberg, Kraftwerk Klingenberg. 16 Uhr im ,, Flußbad Lichtenberg". Versorgungsbehörden. 19% Uhr in den Germania- Sälen, 7. Kreis kleiner Saal, Chausseestr. 110. Charlottenburg. 19½ Uhr, öffentliche Versammlung in de: Nürnberger Str. 63. 17. Kreis Lichtenberg. 19% Uhr, öffentliche Kundgebung in Siemens- Plania- Werke in Lichtenberg. 16% Uhr, Hammerder Schulaula Lichtenberg, Schlicht- Allee. 139a. Abt. Tegel, Freie Scholle. 20 Uhr, Frauenwerbeveranstaltung im Schollenkrug, Hermsdorfer Straße. Mitwirkung der ,, Roten Rebellen". Referentin: Frieda Licht vom ZdA. Jungwähler- Kundgebung für die Bezirke Prenzlauer Berg, Pankow und Weißensee. 19% Uhr im Gartensaal des Saalbaues Friedrichshain, Am Friedrichshain ,,, Die Jugend im Preußerkampf" Redner: Dr. Ernst Fraenkel. Kaufhäuser des Zentrums. Kundgebung der Angestellten und Arbeiter. 19% Uhr in den Arminsälen, Kommandantenstraße 58-59. Politisches Kabarett ,, Die Roten Funker". Referent: Siegfried Aufhäuser, MdR. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur on das Jugendfekretariat Berlin E 68. Lindenstraße 2, vorn 1 Steppe rechts. Werbebezirksleiter! Gorgt dafür, daß die Handzettel für unsere Jungwählerversammlung am Montag, dem 18. April, vom Sekretariat abgeholt werden. Proletarisches Orchester: Heute, pünktlich 20 Uhr, Gesamtprobe im Zeichenfaal der Karl- Marg- Schule, Neukölln, Kaiser- Friedrich- Straße( U- Bahn Rathaus Neukölln). Arbeitsgemeinschaft Abraham: Die Einäscherung des verunglückten Genossen Rurt Schau findet heute, 20% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg stati. Die Wanderauskunftsstelle ist morgen von 17 bis 19 Uhr im Jugendheim, GB., Lindenstr. 4, I, geöffnet. Jungwählerkundgebung: Die Jugend im Preußenkampf heute, 19% Uhr, im Gartensaal des Saalban Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23. Referent: Genosse Dr. Ernst Fraenkel.( Für die Werbebezirke Prenzlauer Berg und Pankow.) Morgen, 19% Uhr, in der Hochschulbrauerei, See- Ede Amrumer Straße. Referent: Genosse Erich Schmidt.( Für die Werbebezirke Wedding und Reinickendorf.) Heute, Donnerstag, 14. April, 191 Uhr: Norden: Lorgingstr. 19. Bunter Abend. Andreasplak 1: Beteiligung art der Kreismitgliederversammlung der Partei. Hasenheide: Bassertorstr. 4. Probe zum Einführungsabend. Rövenider Biertel: Manteuffelftr. 7, v. I. Heiterer Abend. Rottbusser Tor: Urbanstr. 167. Mitgliederversammlung. Südwesten: Lindenstr. 4. Rüdblick Ausblid. Schöneberg III: Sauptstr. 15. Heimabend. Westend: Sportplaz Westend. Religion, Kirche und Staat. teglik 1: Besuch der Gruppe Zehlendorf. Zehlendorf- Dahlem: Waldschule, schaftsversammlung im Lokal Schünemann, Möllendorfstraße 54-55. Referent: Max Heydemann. Städtische Arbeiter Bezirksamt Wilmersdorf. 20 Uhr bei Kulka, Lauenburger Straße 21, Ecke Uhlandstraße. ,, Eiserne- FrontVeranstaltung". Referent: Max Fechner, MdL. Referenten: Otto Meier, MdL., Marie Kunert, MdR., Erich Raddatz, MdL., Jockel Meier, Karl Wermuth, Kurt Löwenstein, MdR., Johannes Stelling, MdR., Ernst Brandenburg- Magde- Schlieffenstraße. Tagespolitik. Tegel: Schöneberger Str. 3. Seguelle Fragen. burg, MdL., Ernst Hildebrandt, Max Brinitzer, Georg Maderholz, MdL., Paul Mielitz, Kurt Heinig, MdR. Städtisches Obdach. 20 Uhr, Betriebskundgebung bei Kufittig, Jablonskistraße 9. Referent: Genosse Schoodt. 7. Kreis Aktiengesellschaft für medizinische Produkte, Sauerstofffabrik Tegeler Straße, Schering- Kahlbaum, Gummiwarenfabrik Sonnabend, den 16. April: Schwarz, Batterie- und Elemente- Fabrik Schmidt, Standart Lack- Werke, Berliner Tapeten- Fabrik: ,, Eiserne- Front- Veranstaltung". 16% Uhr im Gesellschaftshaus Triftstr. 63 ,,, Die Gewerkschaften im Abwehrkampf gegen den Faschismus". Staatl. Porzellan- Manufaktur, Vereinigte chem. Werke Charlottenburg, Kali- Chemi- Werke Charlottenburg, Clangor: ,, Eiserne- Front- Veranstaltung". 16% Uhr im Tiergartenhof, Berline. Straße am Bahnhof Tiergarten ,,, Die Gewerkschaften im Abwehrkampf gegen den Faschismus". Schwartzkopf. ,, Eiserne- Front- Veranstaltung", 16 Uhr bei Leuschner, Ackerstr. 110 Charlottenburg. 23% Uhr, Nachtvorstellung im ,, Tauentzienpalast", Tauentzien- Ecke Nürnberger Str. Vorführung der Filme ,, Kameradschaft" und„ Kiekebusch erobert Preußen" Ansprache. Eintrittskarten sind zum Preise von 50 Pf. bei den Funktionären zu haben. Spandau. 19% Uhr, öffentliche Kundgebung in Cladow, Cladower Hof( Roske). Bezirksamt Wedding. 16 Uhr in den Pharussälen, Müllerstr. 142. BVG. 19% Uhr, Eiserne- Front- Veranstaltung, im großen Saal der Kammersäle, Teltower Str. 1-4. Autofabag. 16% Uhr im Lokal ,, Zum alten Kammergericht", Lindenstraße 11-12. Betriebskundgebung. Referent: Emil Barth. Afü- Arbeiter vom Prenzlauer Berg. 19 Uhr im Altersheim, Danziger Straße 62 ,,, Eiserne- Front- Kundgebung". Referent: Max Heydemann. Referenten: Robert Breuer, Hermann Harnisch, MdL., Dr. Richard Lohmann, MdL., Siegfried Aufhäuser, MdR., Karl Hanebuth, Max Fechner, MdL., Otto Ortmann, Franz Künstler, MdR., Dr. Richart Mischler, Albert Grzesinski, MdL. Freitag, den 15. April: 2. Kreis- Tiergarten. 19% Uhr, öffentliche Kundgebung im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. 3. Kreis Wedding. Zwei Kundgebungen im kleinen und großen Saal der Atlantiksäle, Behmstraße am Bahnhof Gesundbrunnen. gaps. Steglitz. 19% Uhr im Gymnasium Steglitz, Heesestraße... 14. Kreis Neukölln. 19% Uhr im großen Saal der ,, Neuen Welt". Baumschulenweg. ,, Eiserne- Front- Veranstaltung", 19% Uhr im Lyzeum Baumschulenstraße. 109. Abt. Friedrichshagen. Oeffentliche Kundgebung im großen Saal des Gesellschaftshauses", Friedrichstraße 137. 111. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr bei Madry ,,, Vier Jahreszeiten", öffentliche Kundgebung. 8. Kreis 85. und 86. Abt.- Tempelhof- Mariendorf. 19% Uhr, öffentliche Kundgebung im ,, Birkenwäldchen", Tempelhof. 108a. Abt. Cöpenick. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung im Lokal Pirschel in Cöpenick- Nord. 113. Abt.- Schmöckwitz. 19% Uhr im Lokal ,, Zur Palme", öffentliche Kundgebung. 131. Abt. Bezirk Kleingärten Berlin( Blankenfelde- RosenthalKarow: Frundsbergstr. 9. Kampflieder. Werbebezirk Mitte: Gefchloffene Beteiligung an der Kundgebung der Eisernen Front. Hackescher Martt, Rosenthaler Str. 40-41. Werbebezirk Bedding: Die Genosfinnen und Genossen werden gebeten, sich am Maifciersprechcor zu beteiligen. Nächste Probe am Sonnabend, 16. April, 20% Uhr, Seim Willdenowstraße 5. Gleißner. Werbebezirt Often: Kreisübungsabend zum 1. Mai. Leitung: Martin Werbebezirk Kreuzberg: Erwerbslosenzusammenkunft um 15% Uhr im Heim Reichenberger Str. 66. Werbebezirk Reukölln: Mädelkursus im Heim Steinmezstr. 114. Gute und schlechte Literatur. Berbebezirk Oberspree: Funktionärversammlung um 20 Uhr im Heim Niederschöneweide, Berliner Str. 31( alle Gruppen- und Werbebezirksfunttionäre). 20 Uhr. Werbebezirk Müggelsee: Borstandssigung in Köpenid, Grünauer Str. 5, Werbebezirk Reinickendorf: Reinickendorf- West, Seidelstr. 1, 19% Uhr, engere Werbebezirksvorstandssigung. Werbebezirk Brenzlauer Berg, Alt. Bez. Nordost: Morgen, 20 Uhr, Werbefeier und Kundgebung, Danziger Str. 23. Redner: W. Marogle. ,, Rote Rebellen" ,,, Rote Rotte", Streidhorchefter. Att. Bez. Rord: Sonntag, 20 Uhr, Kasinofestfäle, Bappelallee 15, Werbefeier und Kundgebung. Redner: H. Bald. mann. ,, Der Querschnitt" ,,, Rote Rebellen", Streichorchester. Genosse Wollmann rezitiert. Untoftenbeitrag je 20 Pf., Erwerbslose 10 Pf. Nordend). 20 Uhr, öffentliche Kundgebung in der Sport- Vorträge, Vereine und Bersammlungen klause", Referent: Genosse Reinhold. Jungwählerkundgebung für die Bezirke Kreuzberg, Charlottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Zehlendorf, Schöneberg, Steglitz. 19% Uhr im Piccadilly", Schöneberg, Ebersstr. 80. ,, Die Jugend im Preußenkampf". Redner: Ludwig Diederich. Es wirken mit ,, Rote Rebellen", Gymnastikgruppe der Arbeitersportler Schöneberg. Fuhrhöfe 1 bis 4 Hauptwerkstatt und Stadtfuhrpark. 19 Uhr, Kundgebung bei Stock, Warschauer Platz, Bogen 12. Referent: Genosse Schoodt. Referenten: Georg Maderholz, MdL., Erich Raddatz, MdL., Karl Hetzschold, Kurt Löwenstein, MdR., Dr. Richart Mischler, Sonntag, den 17. April: 8. Kreis- Spandau. 16 Uhr, öffentliche Kundgebung in Gatow bei Walter Krause. 13. Kreis Tempelhof. 11% Uhr in Tempelhof, Tempelhofer Tivoli, Bertiner Straße 97, Film- Matinee Der Hauptmann von Köpenick" und Die Wiener Arbeiter- Sport- Olympiade". Ansprache: Paula Kurgaẞ. Eintritt für Männer 50 Pf., für Frauen 25 Pf. 107. Abt. Alt- Glienicke- Falkenberg. 15 Uhr, Kundgebung der ,, Eisernen Front" im Deutschen Haus, Alt- Glienicke, Grünauer Straße. 132. Abt. Blankenburg. 18% Uhr, öffentliche Versammlung bei Klug, Dorfstraße. Referenten: Georg Maderholz, MdL., Max Heydemann, Karl Litke, MdR. Männer und Frauen! Erscheint in Massen! Theater, Lichtspiele usw. Staats Theater Donnerstag, den 14. April Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Ein Maskenball Staafl.Schauspielhaus Gendarmenmarkt. 20 Uhr. Schiller- Theater Charlottenburg. 20 Uhr Egmont Ostern 8.15 Uhr Winter Garten Flora 3434 Rauchen erlaubt Die neue Varieté- Revue ., Fünf im Käsewagen" mit Ehrlich. Halmay, Morgan, Theimer, Söneland usw. Städt. Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Theater a. Nollendorfplatz Pallas 7051 Donnerst, 14. April 8% Uhr, Stg. 4 Uhr Turnus II Götterdämmerung Bindernagel, Bartmann, Hofmann. Destal, PLAZA Amerling, Schirach SCALA PLAZA Tägl. 5 u. 8% Uhr HORACE GOLDIN WINSTONS Tauch- Revue Rud. Nelson Mary Losself Hans Sommer The Joyers usw. Lessing Theater Heute 18 Uhr Premiere des Theaters der Schauspieler NäheSchles.Bhf. 50.815, Sigs. 2, 5, 81 U.Tel.: E7 Weichsel 4031. Ein Lied der Liebe Metropol- Theater Täglich 8 Uhr Anfang 18.30 Uhr Ende 23.30 Uhr Kleines Th. Unter den Linden Merkur 1624 Täglich 8 Uhr Traum einer Nacht Operette in 3 Akten Lud. Wolff u. Kari Behr Musik von Hans May GROSSES SCHAUSPIELHAUS Wegen Vorbereitung zur Max- Reinhardt- Inszenierung 99 , Die schöne Helena" bis einschließlich 18. April geschlossen Premiere: 19. April. Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Deutsches Theater 8 Uhr Vor Kamrad Kasper Sonnenuntergang Volksstück von Paul Schurek Regie: Günther Stark Staatl. Schiller- Theater 8 Uhr v. Gerh.Hauptmann Regie: Max Reinhardt -Theater in der Stresemannstr. Täglich 8% Uhr Ostern Heinz Rühmann in Regie: Heinz Saltenburg Theater Rundfunkh. halb.Pr desWestens Stgs. 44 Uhr kl. Pr. Täglich 8% Uhr GASTSPIEL Der Mustergatte Schwank in 3 Akt Th. im Admiralspalast Gretl' Slezak Inferate im Täglich 8% Uhr Käthe Dorsch Gustaf Gründgens in: Cart Götz in Ganoven Ebre. Liselott Zirkus Aimee in Vorwärts Ehekarussellichern Erfolg! Singspiel v.Eduard Känneke HAUS VATERLAND Operette von Curt 8 Uhr CASINO- THEATER 8, Uhy Götz, Musik von Benatzky Lothringer Straße 37. Rose- Theater Berlins neuestes Operetten- Theater! Peppina"" Große Frankfurter Straße 132 Tel. Weichsel E 7 3422 815 Uhr Maria Stuart Die Frau, Agnes Straub, Tilia Durieux die jeder sucht Operette in 3 Akten. Musik von R. Stolz Erstkl. Gesangskr. Neue Bühnenausst Gutschein 1-4 Personen: Parkett 50 Pl. Fauteuil 1. Mark, Sessel 1.50 Mark. KURFÜRST 7460 Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Reichsbanner ,, Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G. 14. Gebastianstr. 37-38, Hof 2 Tr. Wilmersdorf( Ortsverein). Die Beisetzung des Kameraden Steuer findet heute um 13% Uhr( nicht 15% Uhr) auf den Baldfriedhof Wilmersdorf( Stahnsdorf) statt. Mitte. Donnerstag, 14. April, Saalschus. 1., 5., 6. Rameradschaft Hackescher Hof; 3. und 4. Kameradschaft Arminhallen. Wedding. Freitag, 15. April, 20 Uhr, Schufo- Abend, Putbuffer Str. 3. Renköln- Brig. Freitag, 15. April, 18% Uhr, Antreten zum Gaalschutz im Bor. raum der ,, Neuen Welt", Hasenheide. Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Berlin. Geschäftsstelle: P. Schneider, Berlin NO. 5%, Hufelandfir. 31. Männerchor Friedrichshain. Heute, Donnerstag, 19% Uhr, Mitwirtung DIGIF bei der Wahlfundgebung der SPD., 5. Kreis, in den Andreasfestsälen. Webungsstunde Freitag wie üblich. Am Sonnabend, 16. April, Bierteljahrsversammlung um 20 Uhr in den Fortunasälen, Strausberger Str. 3. Erscheinen aller Sangesbrüger ist Pflicht. Deutscher Friedensbund. Donnerstag, 14. April, 20 Uhr, im Begetarischen Sestaurant, Röthener Str. 46( nahe Potsdamer Plaz). Aussprache über den Böllerbund. Gäste milltontment. Sozialistischer Esperanto- Bund: Gruppe Centro: Freitag den 15 April, 19 Uhr. Metallarbeiter- Verbandshaus, Linienstr. 83-85( Eing. Elsässer Straße) Kvaronjara- Kunveno I., Parolado de K- do- Sproeck: Esperanto- gazetaroEsperanto liberaturo. Erscheinen aller Genossen Pflicht.- Kindergruppe Libereco": Freitag, den 15. April, 17-19 Uhr, Schule Danziger Straße. Temo: Legado el„ Amikecon". Wetteraussichten für Berlin: Teils heiter, teils wolfig, strichweije Nachtfrost, aber jöhere Tagestemperaturen. Für Deutschland: Im Süden und Osten ziemlich heiter bei ansteigenden Tagestemperaturen, aber nachts vielfach Bodenfrost, im Westen weiter Eintrübung, später auch Regenfälle. Achtung, Achtung! Sanne und Ella, die lugen Hausfrauen, sprechen int Radio, aber fie halten teinen Tangweiligen Vortrag, sondern sie unterhalten sich über praktische Küchenerfahrungen. Auch Sie können zuhören und sich davon überzeugen, daß Sanella- Margarine auch die einfachsten Speisen kräftig und schmackhaft macht. Einfamilienhaus Deutscher Metallarbeiter- Verband 4 Zimmer, 2 Mansarden, überdachte Veranda, Warmwasserheizung, Garten, 15 Min. v. Bahnh., zu vermieten. Besichtigung ab Sonnabend, den 16. April, nachmittags 4 Uhr. Johannisthal, Weststr. 11. Achtung! Achtung! Verwaltungsmitglieder! Freitag, den 15. April 1932, abends 7 Uhr, Sigung der Mittleren Ortsverwaltung. Die Ortsverwaltung. . Willst du reisen?- Ja! Kannst du reisen?- Nein! Denn Reisen ist teuer, und dein Geldbeutel ist leer. Aber eines kannst du gewiß tun: das neue Reisebuch des Bücherkreises lesen: Erich Grisar: Mit Kamera und Schreibmaschine durch Europa Bilder und Berichte. Mit vielen Fotos. Großformat. Halbleinen. Kein Buch für romantische Träumer und Schönheitssucher, sondern für Gegenwartsmenschen, die wissen wollen, wie die Völker jenseits unserer Grenzen arbelten und leben. Preis nur 4.30 RM( für Mitglieder Sonderpreis) Verlag Der Bücherkreis GmbH, Berlin SW 61 Zu beziehen durch: Der Bücherkreis G. m. b. H. Berlin SW 61, Belle- Alliance- Platz 7 Am 12. April, abends 7 Uhr, entschlief nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater, Schwiegervater, Bruder, Ontel, Schmiegersohn und Schwager, der Schriftfegerinvalide Oswald Tschachtschal In tiefstem Schmerz Else Tschachtschal, Walter Tschachtschal und Frau Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 16 April, mittags 121 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Am 11. April verfchied nach furzem Krankenlager unser lieber Bruder, Schwager und Onkel, der Gastwirt Gustav Ramm im 51. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen Neukölln, Eriftr. 10. Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 15. April, nachmittags 3% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt J. Andermann Ges. m. b. H. N34, Memeler Str. 50, Fernspr. Königstadt 3290/91 Eiergroßhandel Import NZ Export Rosenthaler Hof Rosenthaler Str. 11-12 3 Säle, 6 Vereinszimmer 20 Versammlungen und Festlichkeiten vorn: Familien- Restaurant und großer Mittagstisch Nr. 174 49. Jahrgang 20 2. Beilage des Vorwärts So siedelt Preußen! 1931 hat Preußen das Vierfache des königlichen Preußen von 1913 gesiedelt! Das Preußische Statistische Landesamt veröffentlicht die endgültigen Siedlungsergebnisse für 1930 sowie ein abgekürztes vorläufiges Ergebnis für 1931. Beide Jahre zeigen ein weiteres lebhaftes Anwachsen der Siedlungstätigkeit. Während in den ersten Jahren nach der Inflation nur 1500 bis 2500 Siedlerstellen jährlich begründet wurden, mit einer Gefamtfläche, die stets um 20 000 Heftar lag, beginnt mit dem Jahre 1927 der Aufschmung: 1928 murden bereits über 3500 Stellen, 1929 rund 5000 Stellen, 1930 rund 7500 Stellen und 1931 ziemlich 8000 Stellen geschaffen. Die Zahl von 10 000 Neufiedterstellen, die für 1931 als Programm aufgestellt war, fonnte nicht ganz erreicht werden, da die glatte Finanzierung infolge der Finanztrife ab Mitte vorigen Jahres nicht gesichert blieb. Der Fortschritt in der Stellenzahl ist nicht etwa durch Förderung der Kleinsiedlung erreicht worden; die Kleinsiedlungsstellen haben im Gegenteil abfolut und relativ an Bedeutung verloren. Infolge dessen stieg auch die Gesamtfläche der Siedlungen von einigen 20 000 Heftar in den ersten Jahren nach der Währungsbefestigung auf rund 75 000 im Jahre 1930 und rund 82 000 Hektar int abgelaufenen Jahre. Besonders wesentlich ist die starke Bermehrung der typischen Bauernstellen, gegenüber rund 3000 Fällen mit mehr als 10 Heftar im Jahre 1930 wurden es 1931 rund 4000. Auch die Anliegersiedlung weist gegenüber den letzten Jahren eine erhebliche Vermehrung auf. Ueber 6500 Landwirte erhielten im Jahre 1930 Landzulagen von insgesamt 14 440 Hektar, und 1931 find es rund 10 000 Landwirte mit 20 000 5eftar. Unter den Siedlungsprovinzen steht Ostpreußen an erster Stelle mit 2165 Neusiedlerstellen im Jahre 1930 und 2256 im Jahre 1931. Bei den Anliegersiedlungen steht Ostpreußen ebenfalls an der Spize, doch spielen hier noch die beiden Schlesien eine bedeutsame Rolle. Sowohl gegenüber der Borkriegszeit als auch gegenüber den ersten Jahren nach der Stabilisierung zeigt das preußische Siedlungswesen einen außerordentlichen Aufschwung. Troh Finauznot und Krise hat Preußen im Jahre 1931 ungefähr das Bierfache gesiedelt wie das wohlhabende Preußen von 1913. Wie heißt es bei Hitler und bei Hugenberg?„ Das sozialistische Preußen hat für die Landwirtschaft nichts getan!" Erst nachmachen, Herrschaften! Stillstand in der Sowjetindustrie. Droht eine neue Arbeitslosigkeit? Donnerstag, 14. April 1932 die Produktion bei gleicher Arbeiterzahl zunehmen müssen. Im Transport wird diese 3ohl fogar finfen. Der Verwaltungsapparat wird verkleinert in bezug auf Menschen, vergrößert in bezug auf die zu erfüllenden Aufgaben. Steigende Leistung bei gleicher, zum Teil sinkender Zahl von Arbeitskräften heißt, da die Steigerung nur zum fleineren Teil durch technische Rationalisierung zustandetommt, vermehrte Berausgabung von Menschenkraft. Weittragender ist aber noch die zweite Konsequenz. Die russische Bevölkerung nimmt Jahr für Jahr um etwa dreicinhalb Millionen 3u. Jedes Jahr braucht die Landwirtschaft infolge der fortschreitenden Mechanisierung weniger Arbeitskräfte. Und jetzt wird die Industrie für den Zuzug dieser zu einer Arbeit trängenden Massen gesperrt. Mit anderen Worten: Die Gefahr der Arbeitslosig= feit, die für immer gebannt schien, muß sich von neuem erheben. Es ist noch nicht abzusehen, welche Aenderungen in der Wirtschaft der Sowjetunion vorgehen müssen, soll sie dieses, vielleicht des schwierigsten der Probleme, mit denen sie zu rechnen hat, Herr werden. Das bankrotte„ System. Generaldirektor Bosch- 3G.- Farben über den Kapitalismus In der französischen Wochenschrift„ Bu" veröffentlichte Prof. Dr. C. Bosch, Heidelberg, Vorsitzender des Vorstandes der IG.Farbenindustrie, 2.-G., Frankfurt a. M., einen Aufsatz über Das deutsche Industrieproblem". In seinen Ausführungen über die ökonomische Rationalisierung stellt Bosch den Bankrott des weltwirtfchaftlichen Kapitalismus folgendermaßen unter Beweis: ..Ein reibungsloses Funktionieren einer Volkswirtschaft ist bei dem heutigen Zustand der innigen Verflechtung mur möglich, wenn, international gefehen, alle Teile reibungslos arbeiten fönnen. Es genügt also nicht, wenn die Industrie gut organisiert, gut geleitet ist und über einen guten Arbeiterstamm verfügt. Es gehört dazu felbstverständlich eine regelmäßige, übersehbare 2 bsag möglich teit und als Zwischenglied ein feinnerviges, gesichertes Kredit system. Der technische Fortschritt hat deshalb heute einen so schweren mirtschaftlichen Bruch erlitten, meil die legte zelwirtschaften, nämlich die Sicherung der geminnbringenden internationalen ökonomischen Zusammenarbeit ausbleibt. In Rußlands Industrieaufbau häufen sich die Schwierig| Steigerung der Zahl der Arbeiter und Angestellten in den fünf Krönung der organisatorischen und technischen Entwicklung der Einfeiten. In Partei und Gewerkschaften wird das Auftreten Jahren, jeweils im Verhältnis zum Vorjahr: neuer Arbeitslosigkeit diskutiert, deren Fehlen in Sowjetrußland durch den Induffricaufbau begreiflich bisher der Glanzpunkt der kommunistischen Agitation war. -Das Berschwinden der Arbeitslosigkeit in der Sowjetunion murde bis vor furzem vom offiziellen Rußland bekanntlich damit ertlärt, daß man sagte, die industrielle Reservearmee sei eben durch die ungeheuer wachsende Industrie aufgesogen worden. Da der Plan immer zunehmende Produktion vorjehe, da immer neue Betriebe entstünden, sei es unmöglich, daß es jemals wieder zu einer Arbeitslosigkeit tommen fönne. Der Bedarf der Industrie an Arbeitern, sagte man, sei so gewaltig, daß man sich die nächsten Jahre nicht wie in Europa mit der Frage beschäftigen werde, mo= hin mit den Arbeitslosen, sondern: moher mit den Arbeitern. Zum Glück habe diesem Arbeitermangel die Umwälzung in der Landwirtschaft abgeholfen. Die Schwierigkeiten, ertlärte Stalin, seien nur vorübergehend. Die Kollektivierung der Bauernwirtschaften, die rationelle Arbeit in den Kollektiven, bejon ders aber die Mechanisierung der Landwirtschaft müssen, so rechnete man, eine große Menge von Arbeitskräften im Dorf freisetzen, daß es nur einer richtigen Organisation bedarf, um diese im Dorf überflüssig gewordenen Hände der Industrie zuzuführen. Eine große Ueberraschung gegenüber dieser bisher vertretenen Auffassung bietet die russische Presse, in der neuerlich von einer möglichen Arbeitslosigkeit geredet wird. Auf den lokalen Parteitonferenzen, bald auch schon auf zentralen Tagungen mußten sich die Regierungsvertreter sehr energisch gegen Gerüchte menden, die von einer bevorstehenden Arbeitslosigkeit spredjen. Das Gewerkschaftsorgan„ Trud" beteuerte am 21. Januar, es handele sich um haltlose Berleumdungen der Opportu niften. In der Sowjetunion fet die Arbeitslosigkeit ein für allemal liquidiert. Diese Liquidierung sei eine Folge der Kollektivierung in der Sowjetwirtschaft. Eine Folge der Kollektivisierung! Vor einem Jahr las man es anders. Als wir damals darlegten, daß die Reservearmee in Wirklichkeit gar nicht verschwunden sei, sondern nur durch die Eigenart der Kollektiven zeitweilig im Dorf unsichtbar festgehalten werde, in dem Augenblick aber mieder merde in Erscheinung treten müssen, wo sich die Arbeitsorganisation in den Kollektiven rationell gestal ten werde, da murden wir von der Sowjetpresse als Berleumder" bezeichnet. Rollettivierung und Verschwinden der Arbeitslosigkeit haben, so behauptete sie, miteinander gar nichts zu tun. Die Auf gabe der Kollektiven sei es, der Industrie die Arbeitskräfte zu liefern. Sie seien dazu bestimmt, feinen Mangel an Arbeitern aufkommen zu laffen. Jetzt aber ist alles auf einmal ganz anders. Nun ist der Sinn der Kollektiven, feinen Ueberfluß an Arbeitern in der Stadt entstehen zu lassen. er= Bor einem Jahr: die Kollektiben liefern die Arbeiter, die die Industrie braucht. Jetzt: die Kollektiven binden die Arbeitslosen. 3mar soll auf dem Land meiter mechanisiert werden. Während aber vor Jahresfrist und zwar mit vollem Recht martet wurde, daß dadurch immer neue Arbeitskräfte freigesetzt werden, soll jetzt das Gegenteil eintreten. Die Kollektiven sind nicht länger das große Reservoir, aus dem die Industrie schöpft. Sie sollen nunmehr den Abfluß aus diesem Reservoir in die Städte und die Industrie sperren. Wie sie das tun sollen, ist unerfindlich. Aber daß sie es tun müssen, ist zu einer zwingenden Notwendigkeit geworden durch den neuen Kurs, der in der Industrie eingeschlagen wird. Die Produktion der Somjetindustrie stieg in den ersten Jahren des Fünfjahrplans rascher, als es dieser selbst vorgesehen hatte. Allerdings verlangsamie sich das Tempo der Steigerung. Während die Produktion im Jahre 1931 nach den Kontrollziffern für dieses Jahr um nicht weniger als um 44 Prozent hätte steigen sollen und sogar der ursprüngliche Fünfjahrplan mit 22 Broz. rechnete, machte die wirkliche Steigerung 20 bis 21 Pro3. aus. Dennoch bleibt diese Produktionssteigerung sehr groß. Noch viel größer ist aber die Zunahme der in der Industrie be= fchäftigten Arbeiter und Angestellten- und das ist sehr unmillkommen vom wirtschaftlichen Standpunit. Was ein Glanzstüd in der kommunistischen Propaganda im Westen ist, ist in Rußland selbst ein Gegenstand somerster Sorge für die Wirtschaftsführer. Die Industrie beschäftigte 1927/28 rund 3 Millionen( 3.072 400) Menschen. 1932/33, in legten Jahr des Plans, sollten es vier MilTionen( 4 080 000) sein. Das wäre eine Zunahme um ein Drittel ( 32,8 Proz.). Der Plan renete mit folgender prozentualer | 1928/29 1929/30 1930/31 1931/32 1932/33 um Prozent 4,3 6,4 5,9 6,1 6,5 ( Zahl der Beschäftigten)( 3204500)( 3 409 300)( 3 609 900)( 3829 500)( 4080 100) Die Wirklichkeit hat diesen Plan vollständig über den Sau fen geworfen. Wenn in den ersten Jahren das Verhältnis des Ist zum Soll noch einigermaßen erträglich war, so ist es in den beiden letzten Jahren unerträglich geworden. Die Schere zwischen Produktion und Arbeiterzahl tlafft weit auseinander. Die ,, Ueberfüllung" des Plans in Bezug auf die Zahl der Beschäftigten ist einer der schwersten Schläge, die der Plan unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit erhalten hat. Wenn auch die Zahlen des ursprünglichen Plans wegen der inzwischen erfolgten Zusammenlegung des Wirtschaftsjahrs mit dem Kalenderjahr nicht mehr ganz genau gelten bis 1930 galt als Wirtschaftsjahr die Zeit vom 1. Oktober bis 30. September, so zeigt der nachstehende Bergleich, mie außerordentlich die Planziffern überschritten worden find. 1930... 1931... " " " Planwidrige Zunahme der Beschäftigten der Industrie. Plan Wirklichkeit 5,9 Proz. 22,6 Proz. Steigerung. . 6,1 32,5 1931, also in jenem Jahr, da die Produktion noch lange nicht so groß mar, wie sie nach dem Plan 1933 sein sollte, mar die Zahl der in der Industrie Beschäftigten gegenüber 1927/28, dem ersten Planjahr um 77,3 Broz. gestiegen. Sie sollte 1933 nur um 32,8 Proz. höher sein als 1927/28. Sehr harte Maßnahmen. Diese Ziffern verlangen und verdienen die allersorgfältigste Betrachtung. Sie machen verständlia, mas rud" schreibt: Einer der wichtigsten Faktoren des Wachstums der Arbeitsproduktivität wird in diesem Jahre die ganz harte planmäßige Regulierung der Zahl der Arbeiter und Angestellten sein. Der Hauptzug des Arbeitsplans für 1932 wird der allerentschlossenfte Umfchwung in bezug auf die Aufnahme neuer Arbeiter und Angestellter sein. In der Industrie, die dem Obersten Volkswirtschaftsrat untersteht, wird die Zahl der Arbeiter im Durchschnitt 1932 um ein tleines höher sein, als im letzten Vierteljahr 1931. Die Zahl der Arbeitskräfte bei den Eisenbahnen wird heuer im Verhältnis zu der Zahl, die im letzten Quartal 1931 beschäftigt war, um etwa 30 000 verkleinert. Entsprechend dem Plan zur Verkleinerung der Berwaltungsausgaben wird die Jahl der Angestellten bei ſtaatlichen und öffentlichen Aemtern verringert. Die cinzige Gruppe, die auch in diesem Jahr rasch zunehmen wird, find die Lehrlinge. Was dieser Plan bedeutet, ist klar. Auf der einen Seite wird Statt auch hier zu rationalisieren und veraltete Zoll- und proteftionistische Maßnahmen über Bord zu werfen, ist man plötzlich in märtigen Hochstand der Wissenschaft in allen zivilisierten Ländern der Welt den entgegengesetzten Weg gegangen. Bei dem gegen fann man sich nur denken, daß politische Gründe dafür maßgebend maren. Auf jeden, Fall hat man aber damit erreicht, daß die Welt heute vor einem wirtschaftlichen Trümmer haufen steht. An einzelnen Stellen unserer Erde türmen sich Vorräte von Rohstoffen und Nahrungsmitteln, wie Metall, Wolle, Baumwolle, Katan, Kaffee, Zucker, Getreide, an, die an anderen Stellen auf das Notwendigste gebraucht würden. Riesige Gebiete mit vielen Millionen Menschen leiden unter drückender Hungersnot aus Mangel an Nahrungsmitteln, während ihre Antipoden megen der Unverfäuflichkeit ihrer erzeugten Nahrungsmittel ebenfalls dem wirtschaftlichen Ruin entgegentreiben." Lotteriegewinne an Ausländer. Der Reichswirtschaftsminister hat die Devisenbewirtschaftungsstellen angewiesen, Anträgen auf Auszahlung von Lotteriegeminnen an im Ausland oder im Saargebiet ansässige Personen nur zu entsprechen, wenn einwandfrei nachgewiesen ist, daß die Geminnlose auch solchen Personen wirklich gehören. Bei Staatslotterien fann dieser Nachmeis nur durch eine Erklärung des Lotterieeinnehmers cuf Grund seiner Eintragungen in das Spielerbuch geführt werden. Bei Privatlotterien, denen für dieses Verfahren die Hamburger Staatslotterie gleichsteht, ist der Nachweis durch einwandfreie, von der staatlichen Aufsichtsbehörde bescheinigte Aufzeichnungen der Lotterieeinnehmer zu führen. Starter Umjatrüdgang bei der Emil Köfter A.-G. Der Umjag der Emil Köster Deutsche Beamten Einkaufs A.-G., Hamburg, ist von 80 Millionen Mark im Jahre 1930 auf 60 Millionen Mark im Jahre 1931, also um rund 25 Proz., zurüc gegangen. Die Mehrheit des 10- Millionen- Kapitals befindet sich im Besitz von Jakob Michael. Die Abschreibungen auf Inventar und Grundstücke sind von 1,1 auf 0,7 Millionen Mark ermäßigt worden. Eine Dividende( im Vorjahr 6 Proz.) wird nicht verteilt. Es sollen auf die übrigen Aftiven die Forderungen find Don 36,2 auf 24,2 Millionen Mark zurückgegangen Rückstellungen vorgenommen sein, die aber nicht ausgemiesen werden. Die Schulden der Gesellschaft sind von 38,8 auf 27,3 Millionen Mark zurückgegangen. Graf kaldreuth im Reichswirtschaftsrat. An Stelle des ausgeschiedenen Freiherrn von Richthofen ist der Präsident des Reichslandbundes, Graf Eberhard von Kaldreuth, als Mitglied des Vorläufigen Reichsmirtschaftsrats berufen worden. Senft endlich den Weizenpreis! Die Landwirtschaft wird mit der bisherigen Politik selbst geschädigt. Die Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats veröffentlicht die Ergebnisse der am 15. März vorgenommenen Erhebung über die in den Händen der Landwirtschaft befindlichen Getreidevorräte: Die Roggenbestände haben sich im letzten Monat um 430 000 Tonnen verringert. Es sind demnach noch 1,2 Millionen Tonnen Roggen insgesamt vorhanden. Ein Vergleich mit dem Vorjahr ist beim Roggen nicht möglich, da damals die von der Regierung geforderte Roggenverfütterung große Mengen Roggen in Anspruch nahm. Zusammen mit den Beständen der Deutschen Getreide handels- Gesellschaft an Russen- Roggen fann man aber die Gesamtvorräte als in app ausreichend bis zur neuen Ernte bezeichnen. Bei den Weizenbeständen war die Abnahme der Vorräte im letzten Monat etwas geringer als im entsprechenden Monat des vorigen Jahres. Die Landwirtschaft hat ihre Lieferungen ständig verringert, was zu erheblichen Preissteigerungen führte. Aber es ist auch zweifellos ein Rüdgang des Weizen verbrauchs cingetreten, der durch die Ueberteuerung des Beigens hervorgerufen ist. Da insgesamt bei der Landwirtschaft nur noch 770 000 Tonnen Weizen lagern, von denen nur 560 000 Tonnen verfaufsverfügbar sind, bleibt die Notwendigkeit einer schleunigen Neuregelung der Weizenein. fuhr sehr dringlich. Es muß endlich Schluß damit gemacht werden, daß man die Beschlußfajfung über die Sentung des Weizenzolles und Vermahlungszwanges andauernd vertagt. Auch im Interesse der Landwirtschaft selbst müßte jegt den Steigerungen des Weizenpreises Einhalt geboten werden. Sämtliche Mühlen berichten, daß im letzten Halbjahr der Weizenmehltonsum infolge der Schwächung der Verbrauchertauffraft immer mehr und mehr abgenommen hat. Auch in der Weizenproduktion nähern wir uns dem Zustand, in dem die deutsche Landwirtschaft durch Produktionserhöhung in die Lage gekommen ist, den Bedarf fast völlig selber decken zu fönnen. Damit wird sich der Zollschutz immer weniger auswirken, und allein die Kauftraft der Verbraucher wird, wie es jetzt beim Fleisch der Fall ist, den Weizenpreis beſtimmen. Die Landwirtschaft hat aber ein dringendes Interesse daran, nicht durch eine Ueberhöhung des Weizenpreises den Konsum, zu drosseln und damit sich selbst die Absatzmöglichkeiten zu verringern. Also schleunigst Senkung des Weizenzolles und des Versorgung 23 er mahlungszmonges, damit die sichergestellt und Preissteigerungen unterbunden merden.. Eugen Smaimarf: 3er Hitlergattg der„sCUani&' %um 20. 3ahresiag am 15, April Sschs Tags ösiltef bta Fahrt der„Titanic" ohne jsnen Zwischenfall. Es wurde Sonntag, den 14- April. Mit Volldampf fuhr die „Titanic" durch die sternsntlare, eiskalte Nacht. Die Gefchwurdia- keitsmeffer zeigten 21 Knoten, die Schiffsschrauben arbeiteten mit dem Maximum von 78 Umdrehungen in der Minute. Vergebens hatte man den Kapitän Smith vor treibenden Eisbergen gewarnt: Bruce Jsmay, der Präsident der White Star Linie, bestand auf schneller Fahrt, die„Titanic" sollte einen neuen Rekord schaffen, sie sollte den Deutschen und der Eunard den Rang ablaufen im Kampfe um das Blaue Band des Ozeans: der größte Dampfer der West sollte auch der schnellste sein. 1400 Passagiere hatte die„Titanic" an Bord, neben 1000 Mannschaften und Offizieren. 7 Millionen Briefs in 3S00 Postsäcken lagen in den Posträumen. Millionenwerte waren dem Schi'f anvertraut: allein die 29 Juwelensendungen, di« in einer besonderen Stahlkammer mitgesührt wurden, repräsentierten einen Wert von mehr als 7 Millionen Mark. Dos Meer mar spiegelglatt. Im großen Salon der ersten Klasse spielte die Musik die neuesten Onestepschlager. Man verab- schiedete sich von der Reise mit einem Ball: es sollte ja die letzte Nacht auf hoher See werden, die„Titanic" befand sich bereits auf der Höhe von Cap Race. New Dock war nicht mehr weit, am Mon- tag oder spätestens am D'.enstag sollte man ankommen. Im Rauch- salon spielte man Karten. In der Bar trank man seinen. Whisky. Auf den Decks flirteten die jungen Leute, in Plaids gehüllt, denn die Rächt war kalt, eiskalt. Der Kapitän Mr. Smith saß mit einigen Passagieren im Rauch- salon: auf der Kommandobrücke stand der erste Offizier. Mr. Mud- lock. Der Ausluger meldete ihm, daß das Schiff sich einem großen Eisberg nähere, aber Mr. Mudlock kümmerte sich nicht viel darum. Wä» sollte wohl ein Eisberg diesem Titanen aus Eisen uni) Stahl anhaben? Mr. Mulock änderte den Kurs nicht. Es wäre schade gewesen um jede Minute. Rur die Scheinwerfer der„Titanic" traten in Tätigkeit, sie tasteten mit grellen Lichtkegeln die Rächt ab. Ihre Strahlen prallten plötzlich blenoend grell auf«in« weiß« Riesenmasse, die auf der Steuert ordseite aufgetaucht war. Da er- schrak Mr. Mudlock. Einen solchen Eisberg hatte er niemals im Leben gesehen. Dreihundert Meter hoch ragte dre gleißend weiße Mals« des Titanen aus den Fluten hervor: des anderen Tstansn, der nicht aus Eisen und Stahl bestand, den nicht Menschengeist, sondern Gotteshand erbaut hatte. Der Eisberg war näher als Mr. Mudlock dachte. Viel näher. Und Mr. Mudlock griff nach dem SteuertelUgraphon, während unten im Salon b«frockl« cherren und Damen in Balltoilette den letzten Schlager Londons tanzten. Es war aber zu spät.... Ein Stoß erschütterte das ganze Schitf— die zwei Titanen waren aneinandergepra?t. Mr. Mudlock hart» vergessen, daß man einem Eisberg lehr weit aus dem Weg« gehen muß, denn der aus dem Wasser ragende Teil macht nur ein Zehntel des Riesen aus. Reun Zehntel lauern unter Wasser auf den Unvorsichtigen. Auf diesen unter Wasser liegenden Teil des Eisriesen war die„Titanic" aufgefahren. Der Koloß von 4ö Millionen Kilogramm Eisen uno Stahl erzitterte— aber die Passagiere hatten kaum etwas geipurt. Bis der Stoß zu den Luxuskabinen vorgedrungen war, hatte sich der Anprall schon sehr stark abgeschwächt. Vorn aber, am Bug und an den vorderen Decks, war die Vernichtung vollkommen. Der Bug des Schiffe» war zerquetscht. Die vorderen Decks waren aufgerissen. Das ganze Vo derteil des Schiffes glich»in«r unkenntlichen Stahl» masse. Di« wasserdichten Schotten waren sämtlich aufgerissen. Die Bodenplatten zerrissen pn« Pqpier, viel« Tonnen gespalteten Eises waren auf die vorderen Verdecks gestürzt und das etsige Wasser strömt« unaufhaltsam in das Schiff hinein. In den Salons, den Gesellschaftsräumen, wo der Stoß noch er- heblich stärker zu verspüren geweien war als in den Kabinen, spran- gen die Menschen auf. Doch die Offiziere beruhigten sie. Man hohe einen� Zusammenstoß mit«inem Eisberg gehabt, erklärten sie, aber das Schiff fei unsinkbar. Sie glaubten es wohl selbst, daß das Schiff nicht sinken könne. Als Kapitän Smith fünf Minuten nach dem Zusammenstoß— der Anprall erfolgte 11 lihr 45 Minuten— in die Marconikabine trat und die beiden Telegraphisten aufforderte, chllfe zu rufen, lächelte er.„Wir sind mit einem Eisberg zusammen� gestoßen." sagte er,„halten Sie sich bereit. Rotsignale zu geben.. Die zwei Telegraphisten— sie benahmen sich später wie chelden— machten Witze, als sie die Taste des Radiotelegraphsa herabdrückten. um das erste Notsignal hinauszufunken:.Cquä... Come quickly danger... Kommt schnell, Gefahr'." Doch zehn Minuten später kam Kapstän Smith wieder. Leichenblaß. Lächelle nicht mehr. Und stöhnte: „Schicken Sie 505!... Sehr, sehr schnell, wir sinken!" Das war um Mitternacht. Unten glaubte man noch daran. daß das Schiff nicht sinken könne. Es wäre auch unfaßbar gewesen! Ein Eisberg? Die Musik spielte weiter, man tanzte weiter, man spielte weiter, uird durch die Luken konnte man sehen, wie der weiße Titan in der Fern« verschwand. Oden arbeiteten aber die beiden Telegraphisten verzweifelt. Das Signal 505, das Signal der letzten Verzweiflung,„5a.ve our Souls,"„Rettet unsere Seelen," zuckte unaufhörlich aus den Antennen der„Titanic" durch die Nacht, zuckte durch die Wellen des Aechers, erreichte zuerst den Lloyddampt'er „Frankfurt", dann die„Virginian". die„Parisian". die„Carpa- thia" und das Schwesterschiff der„Titanic", die„Olympic". Die „Corpathia" lag der Unfallstelle am nächsten. Siebzig Mellen weit. Fünf Stunden Fahrt. Aenderte sofort den Kurs und steuerte auf die„Titanic" los. Von einer anderen Seite ellte die„Olympic" heran, die von New Jork nach Europa unterwegs war. Fünf Stun- den gast es noch zu harren. Es war nicht mehr möglich. Um halb ein Uhr erscholl das Kommando:„Alle Passagiere an Deck!" Bis dahin hatte niemand an eine ernste Gefahr glauben wollen. Da war das fatale Kommando erschollen. Man sah, daß die Boote klargemacht wurden. Und da sahen die Passagiere erst, daß das Wasser bereits an den unteren Decks zu lecken begann. Da brach die Panik aus. Alles wollte sich auf die Boote stürzen. Und da stellte ftd) heraus, daß in den Booten kaum ein Drittel der Menschen, die sich an Bord befanden, Platz finden konnte. Die 16 Boote des Schiffes hätten für 1178 Menschen Platz geboten, aber vier Boote waren durch den Anprall fortgerissen worden Es waren nur noch zwölf. Vor jedem Boot stand ein Offizier. Ein neues Kommando erscholl:„Alle Mann zurück! Frauen und Kinder zuerst!" Das Schiff neigte sich bereits bedenklich nach vorn. Rettungs- gürtsl wurden verteilt. Frauen und Kinder wurden eingebootet. Um eis letzten Boote entstand ein fürchterlicher Kampf. Mit Messern kämpfte man um die Plätze. Schüsse krachten. Dann wurde auch das letzte Boot hexabgelassen, und mehr als 1600 Men- fchen blieben, dem sicheren Tode preisgegeben, auf dem sinkenden Schiff zurück. An der Reling stand ein altes Ehepaar. Man wollte die aste Frau in«in Rettungsboot heben. Sie weigerte sich jedoch ganz entschieden, ihren Gasten zu verlassen,, sie umarmte ihn, küßte ihn. Manche versuchten aus Planken und Brestern Flöße zu bauen, um die Hunderte kämpften. Hunoerte sprangen mit Rettungsgürteln versehen in das eisige Wasser. Der Kapstän ver- sammelle die Musikkapelle am Heck des Schiffes und ließ den Choral „Näher mein Gast zu dir" spielen. An den Booten hörte man noch die Musik und den Gesang der Todgeweihten Dann— es war um 2 Uhr 20 Minuten— stieg die„Titanic", die bis dahin wie sin schwimmender Feenpalast in voller Beleuchtung auf dem Wasser gelegen hast«, plötzlich stell in die Höhe, stand eine Minute lang fast vertikal, das Heck ragte in die Luft empor, die Maschinen stöhnten aus. Dos eisige Wasser haste die Kessel erreicht. Das furchtbare Krachen von Detonationen erdröhnt«, aus den Schloten schössen Funken und Flammen. Wie Fliegen klebten die Zurückgebliebenen am Schiffskörper. Dann erloschen plötzlich alle Lichter und das Schiff schoß kopfüber in die Tiefe hinab I Da Bin ich auf dem Laufenden: Die Auswahl überlaß man mir, ( Sribelle!" Hier malmten feine Kiefer wieder, hier war öle teenge Läefw» d'ensrei aus den Augen gewichen, die wieder tückisch funkesten.! „Die Auswahl der Opfer Überlasse mir! Das versiehe ich besser! Also, das mst dem Herrn Direktor Martmkost ist aus! Heute abend steigt das scharfe Ding. Das Auro bringt uns an die Grenze. Ich wünsche, daß du aufmerksam bleibst. Empfehle mich, meine Aller- gnädigste!" Ein Vormittag wie alle anderen Vormsttage.,. Doch ohne die lähmende Unruhe, ohne die nervenpeitschende Hast für Jribelle. Sie weiß, was sie zu tun hat. Litam-Lstanoff ist fori- gegangen. Für alle Fälle muß ein Ferngsfprädz für den Herzog fingierl werden, falls er sich nichl für die schöne Frau imeressiert. Das erfordert Vorberestungen, tonst die Privatdelektive nichts von einem „verbrecherischen Anschlag" merken! Inbelle ist nun allein. Sie nimmt den Telephonhörer von der Gabel, läßi sich mst Direktor Martinkost verbinden... „Wann kann ich Sie.... wann kann ich dich sprechen, mein Liebster! Es ist wichtig, ja äußerst wichtig!"�„Sofort, gnädi..„ sofort, mein Liebes, gleich, natürlich. An der t>all.?„Rein, nicht in der Hall, bist«, im Musiksalon!" Sie haben sich erst nach dem gestrigen Tango zum erstenmal„Du und Du" gesagt!--------------- --- Drei Stunden später sitzt Anbelle' im Zug. Reben cht sitzt Erwin Wartintost. „Liebling." flüstern Jribelles korallig gelackte Lippen,„warmn bist du so still! Sag doch was! Sag mir. daß du mich liebst, daß du mir immer, hörst du. immer gut sein wirst! Sag mir, mein Liebster, daß ich Ruhe finden werde bei dir... öagejttir. du Bester. daß Lstain-Litanoff von dir der Polizei angezei Sie bricht jäh ab. Martinkost ist aufgesprungen. „Komme mir nur nicht mst der Polizei." sagte er hystensch er- regt,„damit will ich nichts zu tun haben! Hör mal. Jribelle, und nun paß mal scharf auf: ich bin ein Kollege des Perfiosssnen Aa, ja, mein Süßes, auch' ich gehe auf die Bürsch! Auch mich suchen die Behörden! Auch ich war im Hotel wegen dieses Herzogs von Counon' Ach. dein Lstain-Lstanoff, der Stümper, hat sich schwer verrechnet! Der Herzog, haha, ist nämlich gar kein Herzog, haha, sondern hiht ebenfalls ein Kollege von uns, auch ein Hochstapler, seine Koffer sind geisillt. na. rate mal. womst, mein lierzchen. mst Feldsteinen, ja ja! Ich habe schon dafür gesorgt, daß die Konkurrenz dieser beiden Herren für die nächsten Jahre aus dem Wege geräumt ist! Heule abenp machen sie die neuerliche Bekanntschaft mst den Armbändchen auz Stahl! Run patz mal auf. Jribelle, jetzt werde ich dir mal in knappen Zügen meinen neuesten Plan entwerfen! Es geht diesmal'ums Ganze! Und du wirft„mir helfen!" Gerdland: As« gofcflUpf Sie war entschlossen, Schluß zu machen, die kleine Jribelle. Sie konnte nicht mehr, sie war am Rande ihrer Gräfte... Gehatzt von Stadt zu Siadt. die Rächte in rasenhen Expreßzügen, stet» auf der Flucht vor den Behörden... Die große Dame, die schöne Frau, an- g«tan mst verwirrender Eleganz, umgeben von einem Schwärm jugendlicher Ehaxweure, überall und doch nirgends... Auf den Rennplätzen von Baden-Baden und Auteull, in den Cercles priores von Cannes und Biarritz, in den Golfklubs von Wannsee und in den Tennisklubs von London, bei Roofgarden-Parties über dem brodeln- den Traffic Chikagos und bei den Wasserskijörings in Miami, überall da, wo sich Plutokratie mit Aristokratie Stelldichein gab, überall da war Jribelle heimisch und doch namenlos fremd, überall da war sie begehrt und doch eine Namenlose, eine Oulsiderin, denn sie war ja ein Lockvogel, eine Spitzelin, eine Spannerin. Ja, Jribelie war die Freundin Litain-Litanvffs, des Hochstaplers, dieses Hasardeurs groß- ten Formats. War sein Kettenäffchen, sein Geschöpf, das einem Wink seiner kästen, tückischen Augen parierte, das unter seiner stummen Drohung erzitterte, und bündisch ergeben auf ein Wort des Lobes wartete. Jetzt konnte sie nid�l weiter auf diesem Wege, jetzt wollte sie sich nicht weiterschleisen lassen von Verbrechen zu Verbrechen, sie wollte nicht mehr mit pochendem Herzen, mit stockendem Puls, fieberhaft ge- rötet unter der Blaßschmink», wollte nicht mehr dergestalt zerrissen in der Halle sitzen, mit gleichgüstigen Leuten belanglose Geipräche führen, um ihm die Ausführung eines Verbrechens zu erleichtern oder um ihn rechtzestig zu warnen oder um fein Alibi zu„fixen"... Jribelle, die mädchenhafte, fcheuäugige, schmalhüftige und zarthäutige Frau, Jribelle, die Helferin Litoin-Litanoffs. liebte... Sie war sich durchaus nicht klar über dies Gefühl zu einem anderen, das mit vehementer Gewalt von ihr Besitz ergriffen hatte... Rur dies wußte sie: es mußte aus fein zwischen ihr und Lstain. Sie wußte es fest dem gestrigen Abend, fett dem Tango, getanzt mst jenem anderen, fremden Manne, getanzt im Pavillon des Hotels. Sie wußte noch mehr! Sie kannte das höhnst che Grinsen Litanoffs, mst dem er sie auf ihr un- oormetdliches Schicksal hinwies, wenn sie sich von ihm trennte: Ge» fängnis, lange Jahre hindurch Treppensdzeuern... Sie kannte seine Flüche, oh, sie wußte um seine brutalen Schläge. Marlinkost hieß dieser andere. Erwin Martinkost! Und Jribelle ttäunste seit diesem Tango einen aussichtslosen Traum von Glück an seiner Seite... Die Tür des Hotelzimmers wurde geöffnet. Jribelle fuhr zu- sammen. Aber es war der Zimmerkellner. Er rollte das Frühstück heran. Es duftete nach Kaffee und Toast, nach frischem Honig und nach Blumen. Ja. Blumen, sie standen in einem kristallenen Kelch auf dem Teewagen. Blumen von Erwin Martinkost. Jribelle atmete tief auf. Und draußen lachte die Sonne und draußen auf der Terrasse war wohl er, dem sie entgegenfieberte... Zum erstenmal nach Jahren nahm Jribelle das alles wieder mst wachen Sinnen wahr. Sie liebkoste die schmiegige Seide des Pyjamas und die Brokatblumen des Teagowns. Sie rannte vor dem erstaunt hantierenden Kellner vorbei an das Fenster und riß es west auf und stank mst vollen Zügen die Morgenluft. Sie stürzte sich in einen Taumel voller Zu- verficht und Hoffnung. Wenn sie LUatn-Litanoff der Polizei preis- geben würde, wenn sie alle Kapstaloerbrechen aufhellen würde, gewiß würde sie straffrei ausgehen und könnte nach all der Haft und den Treibjagden auf das Freiwild„Litam-Litanoff und Komplicin" wieder ein Mensch sein. Alles würde sie tun für Martinkost. Ach, sie konnte verzichten auf das Leben einer mondänen, interessanten Frau, wahrhaftig, sie könnt« verzichten auf geistreichelnd-blöde Konversation > mit degenerierten Tastergreisen und Dandys, den zu rupfenden Opfern des Falschspielers. Sie war dessen so müde.. Ein hartes Wort trieb sie empor. Litain-Litanoff war mit feinen schleichenden Pantherschritten eingetreten! Seine Befehle waren kurz und knapp. Sie kannte seine Art zu sprechen! „Heute abend," so malmten die Kiefer,„heute abend, mein Gold- lind, kommt der Duo du Counon hier an! Heut abend, mein Gold- k:nd, landen wir den Coup, der uns mal wieder rausreißt aus dem Schlamassel! Du weißt, was zu tun ist! Du kennst deine Aufgabe! Empfang des Herzogs in der Hall. Du hast dafür zu sorgen, daß der Stubben höchstens zehn Minuten nach Unterbringung seiner Koffer im Fürstenzimmer das Appartement bestitt! Mellei-ht ein Cocktail vorher an der Bar! Ro, du verstehst mich!" Litain-Lstanosf wandte sich zum Gehen. Er war schon an der Tür. da drehte er sich noch einmal um. Sein harter Mund war jetzt weibilch weich, weinerlich verzogen, wie immer, wenn er autzerberus- lich, sozusagen privat zu Jribelle sprach. Dann malmten die Kiefer nicht, dann lallte dies« Zunge schwerfällige Sätzgebilde... „Du." sagte er, mst wcherlich-neckilch erhphenem Zeigefinger, »du du, kleiner Schelm, hast wohl von dir aus einen auf dem Kieker, willst dich wohl selbständig machen. Süßeste! Na, sei ohne Sorge, mein Goldkind, dein Stubben, dein Herr Erwin Martinkost hat nichts. An. 3Kurl Sloerfcke: Gehen wir einmal au einem warmen Frühltngsaüend hinaus ins Gartenrsvier der Vorstadt und stellen wir uns bei einer alten, vernachlässigten Hecke an. um zu sehen, was der Zufall uns an Tter- beobachtungen beschert. Lange regt sich nichts. Aber dam, lenlt ein eigentümliches Geräusch im trockenen Bodenlaub unsere Aufmerk- samkest auf sich, und wenn wir schärfer Hinblicken und uns recht still verhalten, sehen wir. wie ein kugelrundes Bürfchlsin aus dem Gsnist zum Vorschein kommt, mit seinem spitzen Schnäuzchen nach allen Sesten hin schnüffelt und alsdann mst gleichmäßig trippelnden Schrsttchen feinen ersten Revierganz antritt. Das Auge blickt g« freundlich ufld gutmütig, und der die ganze Oberseite bedeckencke Stachelpanzer sagt uns sofort, daß wir einen Igel vor uns haben. der sich jetzt einmal ansehen will, wie denn eigentlich die E-gend nach dem Winter ausschaut. Sein ganzes Aussehen verrät uns. daß er ein recht gemütlicher und treuherziger Gefell fein nmß, und damst steht auch sein ganzes Benehmen durchaus im Einklang. Bor allem wollen wir nicht vergessen. daß er einer der größten und nachhaltigsten Wohltäter der Gärten ist und sie eifrig von allerlei lästigem Ungeziefer säubert. Man sollte nicht glauben, daß der so tollpatschig einhertroitendc Gesell ein ganz gerissener Jäger ist und daß er sttsbespndere im Mäusefang geradezu Großartiges leistet. Wenn er daneben auch mal zufällig an einem nützlichen Getier sich vergreist, vielleicht gar an jungen Küken, und dann allerdings nicht mehr geduldet werden kann, fo hat dies im allgemeinen doch herzlich wenig zu besagen. Großartig sind dagegen seine mit Mut und Geschick vollführten Kämpfe mst den giftigen Kreuzostern, die er leidenschaftlich gerne frißt und mit ebensoviel Genuß hinunterschluckt wie etwa ein Fein- schmecker eine Spargelstange. Die Kämpfe, die ich zwischen Igel und Kreuzotter beobachten konnte, endeten stets mst dem Siege des Igels, aber eine andere Frage ist die, ob dieser wirtlich giftfest ist. Die Sache spiest sich nämlich so ab, daß der Igel zwar die Mehrzahl der Bisse geschickt mst seinen Stacheln auffängt, daß er aber doch auch ab und zu einen Biß abbekommt, woraus er sich aber wenig macht. Geschieht es aber mehrmals kurz hintereinander, so verliert er offenbar die Lust an diesen Zweikämpfen. Erst wenn dann einige Zest oergangen ist, wird er wieder zu dem alten, mutigen Kämpen. Es scheint also, als ob der Igel tatsächlich einen Giftabwehrstoff besitzt, der sich aber rasch verbraucht, so daß der Panzerheld einige Zest hindurch ungeschützt ist und dies auch sehr gut weiß. Er kann deshalb neue Kämpfe nur dann aufnehmen, wenn sich der Abwehr- stoff wieder ergänzt hat. Den meisten Gefahren und Angriffen entzieht sich der Stachel- beld dadurch, daß er sich zu einer Kugel zusammenrollt und assos Mögliche mst sich geschehen läßt, ohne dem Feind eine onfaßbare Stelle zu bieten. Freilich gibt es Mistelchen genug, ihm trotz alledem zu Leibe zu rücken Namentlich Fuchs und Hund sind seine Tod- feinde und können über den Gegner vor Wut außer sich geraten. Im ganzen aber führt unser stachliger Freund ein rechtes Philister- leben, das sich zu einem wahren„Glück im Winkel" steigern kann, sobald erst hie Jungen das Licht der Welt erblickt haben. Es gibt nichts Drolligeres als eine spielende Igelfamilie. Die allerliebsten Jgelchen sehen anfangs weih aus und erscheinen fast nackt, da die Stacheln erst später zum Vorschein kommen. Eine Atom-Waage. Ein 2 Tonnen schweres Instrument ist notwendig, um ein Atom zu wiegen, ein so winziges Körpsrchen, das 800 000 von ihnen erst unter einem starken Mikroskop sichtbar find. Eine solche Atom-Waage, die als„Massen-Spektrograph' bc- zeichnet wird, ist von Dr. Kennest) T. Bainbridge in seinem Labo- ratorium zu Swarchmore in Pennsyloanien erbaut worden. Die große Schwere wstd hautpsächlich dadurch bedingt, daß der Apparat einen der stärksten Magneten der West enthält. Die in der Maschine erzeugte Hitze ist so groß, daß beständig für Wasserkühlung gesorgt werden mutz. Aber dieses mächtige Wertzeug ist eins der feinsten Untersuchunghinstrumente, die je erfunden wurden. Mst seiner Hilfe können Atome von verschiedenem Gewicht, sogenannte „Isotopen", aus einem Element aussortiert und mst größter Ge- Neuigkeit gewogen werden. Man hofft m Amerika, mst diesem neuen Apparat den bisher fast unzugänglichen Kern des Atoms eingehender erforschen zu können.