BERLIN SomierM« 14. April 1932 10 P?. Jtr.175 B 58 49. Lahrganc? ErsSeinttSqlich außerEssatag«. Zugleicv Abendausgabe des„Vorwärts Bezvgsvrets fn: beide Ausgaben Tb'Vf. uro Wocbe. 3J& M pro Mona: (laron 8?']>f monatlidj rar Zustellunz ws HauS) kn voraus tabibar D ottdezug 3L7 M. einschließlich 60 vPf. Poftzcitungs« und 72 Lf. VoilbcfltUitbütrctt Auzetgssvrets Die ewsvaMge MtNmcteeeeU, 20 Pkw. Seklamezeile 2.— M Er«äßtguugeu nach Tarif'Poftichttökonto: •�orwärtSi Verlag G. m. b. H.. Berlin Stx 37 536b- Oer Verlzg behält nch das Recht der Ablehnung nicht geuedmer Anietge» vor> Radaktts« und Elvedtti on: Bertt» LW68. Lt»denl4r. Serufv recher? Dönbo5 MS— 297 Oer Schlag hat gesessen! Nach der Auflösung der braunen Armee/ Eine Weltsensation! Der Schlag gegen die Privaiarmee Hit- lers hat gesessen! Die lauten Schreier in der Rechtspresse sind heute sehr gedämpft, man fühlt, wie sie ihren Zorn hinuntergeschluckt haben. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung", das Organ der Hapag und der Reichsbahn, das mit Reichsgeldern faschistische Propaganda betreibt, kreischt: „D e r S t a a t steht links!" Sie meint damit den Reichspräsidenten und die Reichsregierung. Wir können das nicht gerade finden— aber wo steht der, der die Reichsregierung für lüiks hält? Von der anderen Seite kreischt die„Rote Fahne": „S A.- Verbat zwischen Groencr und Hitler abgekartet." Hitler müßte demnach flehentlich gebeten haben, ihn von der SA. zu befreien, und eigentlich stünde unter der Verordnung des Reichspräsidenten der Name Hitler... Dies Märchen hat gestern schon Teddy Thälmann im Sportpalast erzählen wollen, aber kaum waren ihm die Worte entfahren:„SA. und SS. durch Hindenburg verboten", da setzte ein Veifallsorkau ein, der die Märchen Thälmanns und damit die Märchen der„Roten Fahne" im Entstehen totgeschlagen hat. Nach der„Roten Fahne" müßte der Beifall geradezu 5)itler selber gegolten haben, weil er selber die SA. aufgelöst habe! Aber was sagt Hitler, was unternimmt er? Er tut das, was er immer tut, wenn eine Entscheidung fällig ist. Er wohnt i m K a i s e r h o f in Berlin, und dann fabriziert er eine Verlautbarung. Darin ver- sichert er der SA., er verstehe ihre Gefühle, dann hetzt er einiges gegen Groener, Braun, Severing. Grzesinski, Stützet, Brüning usw., dann versichert er der SA., sie sei wirklich aufgelöst, und schließlich beteuert er, daß er sein Letztes hergeben werde für den Äampf. Solange er noch im Äaiserhof wohnt, ist er sicherlich noch nicht bei semem Letzten angelangt! Die Auflösungsaktion in den Ländern geht inzwischen weiter. Es werden noch weitere Konsequenzen gezogen wer- den müssen! Aus dem engen Kreis der Beamten, die die Auflösungsoerordnung bereits am Dienstag kannten, ist ein Akt des Verrats und der Spionage geübt worden. Die Ver- ordnnng ist dem Braunen Haus mitgeteilt worden, das sie wieder einer englischen Zeitung Zugeleitet hat, so daß die Ver- ordnung noch vor ihrem Erlaß in London verösfentlickst werden konnte. Hier muh Ordnung geschaffen werden! Oer Osas schickt Llnterhändler. Tie Verordnung über die Auflösung der Hitler- Zlrtncc ist gester« n«>4, mittag einer Konferenz aller Innen minister der deutschen Länder bekannt- gegeben und dort besprochen worden. R a ch dieser 5ton- ferenz versuchte Herr tüoering int Austrage seines Csass Hitler mit dem Rcichsinnenminifter über die Rus- führungsbeftimmungen zu sprechen. Minister Groener erklärte jedoch, das, er mit einem Beauftragte» einer Partei über diese Frage nicht spacche« könne »nd ließ ihn an die Länderregierungen verweisen. Trauerfiimmung in München. Vcrlegenhe'ssgcreSe der„Führung". lllünchen, 11. April.(Eigenbericht.) Die heutige Ausgabe des„Bälkischeii Beobachter" Iaht auf eine sehr gedrückte Stimmung bei der R a z l f ü h r u n g schließen. Das Verbot der Braunen Armee mird nur sehr zurück- haltend besprochen, zunächst in einem Au-rirf Hitlers, in dem es heihr:„Gebt den augenblicklichen Wachthabern keinen Anlaß, unter irgendwelchen Vortmnden die Wahlen aussetzen zu können. Wenn ihr eure Pflicht erfüllt, imrd dieser Schlag des Generals Groener durch unsere Propaganda tausendfach auf ihn selbst und seine Vundesgenofsen zurückfallen." In einem Leitartikel beschränkt sich Rofcnberg auf die{jeststellur.g, daß man dem Nationalsozialismus feinen Kampfeswillen nicht ausbrennen.könne, auch wenn man ihm das braune Hemd mrbictet und die Wehr» organifcrfinn austöst. Vorsicht, Adolf! Oein Sitz wackelt! Die Parteibüros der Nationalsozialisten wurden inzwischen von der Polizei wieder freigegeben. Dagegen wurde» die R e i ch s f ü h r c r s ch u l e, die zuletzt nrit- etwa 70 Mann auswärtigen Hitler-Truppen belegt war, sowie die„R e i ch s z e u g- meisterei Süd" geschlossen. Ihre Eingänge werden von Polizei bewacht. Krawall in Kiel. Kiel. 14. April.(Eigenbericht.) Eine nalionastotzialistische Beriammlung in der Rordostseehall« mutzte am Mittwoch von der Polizei wegen schwerer Be- fchimplungen der preußischen Regierung und Ler- waltung aufgelöst werden. Die erregten SS.- und SA.-Mann- fchaftcn durchzogen lärmend die Stadt und verfolgten emzeln' gehende Republikaner. Mehrere Rrichsbannericiüe wurden verletzt. Eine Anzahl Nationalsozialisten zertrümmerte durch Steinwürfe die Fenster des Gewerkschafts- Hauses. Die Polizei, die mit starkem Uebersallkommaltdo zur Stelle war, rieb die Nazihaufen auf und nahm etwa ISO Per- hastungen vor. Klagges will nicht. Keine Spur von Auflösung der SA. in Vraunschwcig. Brannsckzweig. lt. April. fEigcnbcrirfst.j (Sagen hie zahlreichen SA.» und SS.-Hetme und Kasernen, hie im Lande Brannichwcig existieren, ist b i ö- her von der Regierung nichts unternommen Morden. Die staatliche Polizei hatte bis heute vormittag vom Ministerium keinerlei Anweisung, um gegen die Unterknnftsstättcn der Ratio nalsozialiftc» vorzugchen. In der Stadt Braunschweig sind die SA.-Heimr bis- her l>on der Polizei noch nicht geschloffen worden. Di« Leitung der politischen Polizei des Braunschweiger Polizeipräsidiums hat noch keinen offiziellen Auftrag erhalten, gegen die nationalsozialistischen Kasernen vorzugehen. Das gleiche Bild bietet sich in Ngolfenbüttel. Tort sind am Mittwochabend eine ganze Anzahl Per- sonen» und Lastkraftwagen beobachtet war- den, die unbeleuchtet fuhren und auch kein Schlußlicht zeigten, als sie Material aus der SA.-Kaserne forttransvortierten. Wenn die Polizei jebt dazu übergeht, diese SA.-K.aserne z» schließen, wird sie nichts mehr finde«. Fn Helmstedt ist bisher auch noch nicht gegen dir SA.-Kaserueu vorgegangen worden. Auf der Straße patrouillierte heute morgen noch der SA.« Posten auf und ab. Tie Helmstedter Polizei hat. anstatt das SA.-Heim zu schließen, es für richtiger gc- halten, eine für heute abend angcfebte Demo n st r a- tion der Eisernen Front zu verbieten. Auch die SA.-»nd SS.-Schnlen in Kreiensen sind bisher noch nicht geschlossen worden. Tic dort an- wesenden ortsfremden Nationalsozialisten haben den Ort noch nicht verlassen. Klagges hat dem Reichsinnenministcr erklärt, das: die Verordnung auch in Braunschweig ordnungsgemäß durchgeführt werde. Das Reichsinnenministertiun ver- weift darauf/ daß das auch bisher schon immer geschehen sei. Oie Aktion in Baden. Karlsruhe. 14. April. haul.'siiiteilung der Vresjestelle beim Sloatsminislerium wurden gestern in Laden die zur Auflösung der SA. und SS. uobveudigen volizeilichen Maßnahmen im ganzen Lände durchgeführt. Die SA.- Heime wurden geschlossen. Irgendwelche Schwierigkeiten haben sich nirgends ergeben. Dos bei den Haussuchungen gefundene Liatcrial nrnrdc sichergestellt und wird zur Zelt gesichtet. Das ,/Wohlfahrisheim". Breslau. 14. April. Eigenberichr.) Die Polizeiaktion gegen die SA. und SS. ist in Schlesien nicht ganz einheitlich durchgeführt worden.?n Schweidnitz ver weigerte der zuständige oberste Polizeiverwalter die Schli» tzung des Braunen Hauses unter der Begründung, datz es sieh hier nicht um ein SA.-Heim, sondern um ein„Wohlsahrks- Institut" der NSDAP, handele. Die Stellungnahme der Srhwciö- nitzer Polizei verwundert um so mehr, als allgemein bekannt ist, datz das dortige Braune Hans die tizpifche Einrichtung einer SA Kaserne mit Wachtstuben usw. ausweist. In Breslau haben randalierende Trupps von Nazis, wahr- scheinlich um ihren Aerger über das Verbot der SA und SS. Luit zu machen, die in der Breslauer Innenstadt gelegene Gau- g c s ch ä f t s st e l l c des Reichsbanners in der letzten Nacht mit Steinwürfcn bombardiert. Dabei wurde eine grotze Fensterscheibe durch einen halben Ziegelstein zertrümmert.' Verletzt wurde niemand. Der„Motorfturm". Harburg. Wilhelmsburg, 14. April.(Eigenberiäp.) Bei den gestern sofort nach Bekanntwerden des SA.-Berbotes in Harburg-Wilhelmsburg durchgeführten Haussuchungen konnte noch erhebliches Material sichergestellt werden, obwohl auch der hiesige Sturnibamiführer bereits zwei Tage vor der Notverordnung des Reichspräsidenten vom Brauneu Hause durch G c h c i m k u r r i e r unterrichtet und ausgelordert war, die Standarten wegzuschaffen. Das aufgefundene Material ergänzt noch dos bei der allgemeinen preußischen Polizeiaktwn gefundene sehr weseiM lich. Bor allem ist ein Befehl derInspektion des Motor ll u r m s sehr interessant, wonach am 24. April die Stürme und Staneln angewiesen sind, olle in außerpreußischem Gebiet wohnen. den Pg.s nach Preußen zu befördern, damit sie dort wählen können. .Wehgeschrei der österreichischen Hakenkrcuzler. Wien, lt. April. Das Verbot der nationalsozialistischen Formationen wird in der heutigen Wiener Presse eingehend und ausführlich besprochen. Die liberale„Neue Freie Presse" begrüßt das Verbot. Mit dem 'Wahne Hitlers, sich als Machtsaktor in Deutschland jetzt schon eta- blicren zu können, sei es vorbei. Das G e s p e n st des Bürger kr iege s sei gestern verscheucht worden. Der Befriedung der Bevölkerung sei ein großer Dienst erwiesen. Die sozioldemokro- tische„Arbeiterzeitung'' begrüßt die Auslösung der Nationalsozialist!- schen Schutzarmee gleichfalls auf das freudigste. Die Hillerische „Deutsch-österreichische Tageszeitung" nennt die Maßnahme«inen ungeheuren Rechtsbruch in der deutschen Staatsgeschichte. Der Sieger von Tannenberg habe sich unter dem Druck der Mar- löten dazu verstanden, mit einem kalten Federstrich jene Organ'- satüm der Hunderttausenden zu verbieten, die ihr GM und Blu' für das geliebte Vaterland zu lassen bereit seien.(Siehe Lauenbur-cr H!il«r-Rede! Red.) Das Bild der Börse. ?ientenmarkt ausgesprochen freundlich. Die heutige Börse zeigte ein sehr sestcs Aussehen. Man ist davon überzeugt, daß sich die Wiederaufnahme des Börsenverkehrs noch der siebenmonatigen Pause gut einspielen wird, da die Börse heute entschieden gesünder ist als im September vorigen Jahres. Die Mitteilungen über die bevorstehend« Farben-Divi- d e n d e gaben dem Änrse der JG.-Farben-Aktien einen starken Austrieb. JG.-Farben gab heute von vornherein der ganzen Börsen- tendenz eine feste Stütze. Der Kurs erhöhte sich von 87:)i bis auf 90 Vi. Ucbcrraschend war auch die Kurssteigerung bei Schultheiß, dessen Kurs sich von 43 Vt bis auf' 481 i erhöhte. Auch Neichsbahnvorzugsaltien konnten ihren Kurs von 70 bis auf 71% Proz. verbessern. Der übrige Aktienmarkt zeigte gleichfalls überwiegend feste Tendenz. Der R e n t e n m a r k t erfuhr heute eme starke Belebung durch die verhältnismäßig sehr niedrigen Kurse der sostuerzinsUchen Papiere. Diese Kurse regten vielfach zu neuen Käufen an, so daß sich aus dem Rentenmarkt durchschnittlich Kursbesserungen um V2 bis 1 Proz. bei sehr lebhaftem Geschäft durchsetzen konnten. // Ostmarkenrundfunk. Was Gott tut, das ist wohlgetan. Der Ostmarkenrundfunk hatte vor der Präsidentenwahl den Acchcr mit Siegesmärchen jeglicher Art erschüttert— für Hitler, wie sich die Leitung des Ostmartenrundfunks insgeheim dachte. Am Montag beging er Adolfs Begräbnis. Nachdem der Ansoger mitgeteilt hatte, daß Hindenburg mit absoluter Mehrheit zum Reichspräsidenten gewählt worden war, daß die ijitler-Sonne des Dritten Reiches also immer noch nicht aufgegangen sei, begann an- schließend das übliche Schallplattenkonzert mit dem wunderschönen Choral„W as Gott tut, das ist wohlgetan.'" Damit dürfte sich auch so mancher ostpreußische Hitler-Wähler in echt christlicher Bescheidenheit über seine eigene politische Dummheit hinweggctröstct haben. Lieber vier Millionen Rundfunkteilnehmer. Die Zahl der Rundsunkteilnohnier in Deutschland l)at die Bier- Millionengrenze überschritten. Am l. April 19Z2 waren 4 168 440 Rundfunkteilnehmer angemeldet. Darunter befanden sich 3S6 837 Arbeitslose, Blinde, Schwerkriegsbeschädigte usw.. denen die Zah- lung der Gebühren erlassen ist. Am 1. Januar betrug die Teil- nchmerzahl 3 980 822, davon waren 283 690 gebührenfrei. Im ver- gangcncn Vierteljahr sind mithin 114 711 gebührenpflichtige und 72 877 gebührenfreie Rundfunkanlagen hinzugekommen. polen gegen die Kommunisten. 70 Verhaftungen in Warschau. Warschau, 14. April. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Maifeiertag weisen die polnischen K 0 m m u n i st e n wieder verstärkte Agitations- tätigkeit auf. Im Laufe der letzten Tage hat denn auch die Warschauer Polizei mehrere Razzien vorgenommen und mit einem Schlage siebzig führende Kommunisten ver- haftet. Bezeichnenderweise befindet sich unter ihnen auch ei» Mitarbeiter der Mostauer Auhenhandelsvertretung in Warschau, ein gewisser Lew. Bei dem Verhafteten wurden zum Teil große Geldsummen, die in einzelnen Fällen zehntausende Mark erreichen, in polnischer und ausländischer Währung gefunden. Cs wurde festgestellt, daß der verhaftete Lew die Geldsendungen aus R u ß l a n d vermittelt hatte. Im Laufe der nächsten Zeit sollen noch weitere Haussuchungen und Verhaftungen in Warschau und in der Provinz folgen. Keine Toten im Vulkangebiet. Millionen Tonnen Asche niedergegangen.- Wertvolles Düngemittel? Buenos Aires. 14. April. .Hoch immer liegt über einem großen Teil Argentiniens dichter Rauch, untermischt von Aschenwolken. Der Aschenregen hat dagegen aufgehört. Der letzte Aschennicderschlag wird von der Grenze zwischen Argentinien und Uruguay gemeldet. Es steht nunmehr fest, daß bei den vulkauausbrüchen keine Menschen umgekommen sind. Man befürchtet eino Schädigung des Viehs durch die in der Aichs enthaltenen Chemikalien. Andererseits wird aber gehofft, daß sich die ßide AschensGicht als wertvolles Düngsmittel für die Kulturen auswirkt. Di« Geologen schätzen, daß sich die ganze Asche, die während der Ausbrüche niedergefallen ist, aus mehrere Mit- lianc« Tonnen belänst, Setbsc in Paiagonien und aus der Äas verschwundene Ehepaar gefunden Tagelang im Forst umhergeirrt/ Erschöpft und blutend aufgesunden Volkssport" und„Hitlerjugend" Noch zwei Verbote. Durch das verbot der SA.- und SS.-Organisatiooeu ist auch der berüchtigte„v 0 l k s s p 0 r t"-v«rein, der unter Führung de« Grasen helldorss stand, der Auslösung verfallen. Beamte der Berliner Schuhpolizei haben gestern bereits die Bäume des „Vereins" im Bozihaus in der Hedemannstraße durchsucht und noch Beschlagnahme noch vorhandenen Materials die Zimmer versiegelt. Der„Volkssport"-Verein stellte nichts anderes dar, als eine getarnte Exerzierocreinigung der Berliner SA. Die Oefsentlichkeil war ans dos selisame Treiben dieses„Sportvereins" durch die Abhaltung größerer Uebungen in der Gegend um Dallgow-Döbcrih aufmerksam geworden. « Aull) die Hitler-Zugend ist verboten worden. Dieses Verbot kommt zunächst nur für G r 0 ß- B e r l i n in Frage. Die Hitler- Zugend untersteht dem sogenannten„Stabschef" der SA. Sie erscheint deshalb als eine der mililärähnlichen Einrichtungen der hitler- varlci. Rechtzeitig getürmt! Dresden, 14. April. Wie verlautet, war die Dresdener sogenannte„Feldzeug- meisteret" der nationalsozialistischen Formationen am Ferdinand- platz bereits vor der polizeiliäzen Schließung von den National- sozialisteu geräumt worden. Di« Waren, Bücher und Akten waren in etwa zehn Automobilen fortgeschafft worden. Die Polizei fand lediglich einige restliche Waren- bestand c, die von ihr sichergestellt wurden. Die Nummern der Automobile, mit denen die Nationalsozialisten den Abtransport be- sorgt hatten, sollen der Polizei teilweise bekannt sein. Die Polizei fahndet nach dem Verbleib der sortgcschafstcn Waren. In einer Straßenbohnwarlehalle der Streike heiligensee— Tegel wurde gestern nacht das feit Togen vermißte Ehepaar Martens aus der widesstroße 51 in Moabit aufgefunden. Frau Martens log b l u t ü b e r st r ö m t aus dem Boden der Halle, ihr Mann kniete neben ihr und hielt eine Pistole in der Hand. Durch das Dazwischentreten von Stroheobahnangestell.en wurde weiteres Unheil verhütet. Frau Martens wurde in das Paul-Ger- Hard-Slist in der Müllerstrahe gebracht, wo sie schwer daniederliegt. Der Mann ist in Haft genommen worden. Gegen 2 Uhr fuhr nach ein Mannschaftswagen die Strecke ab. Als die Straßenbahn in langsamem Tempo an einem der Warte- Häuschen vorbeikam, hörte ein Schaffner im Innern des Warte- raumes lautes Stöhnen. Die Straßenbahn hielt und als mehrere StraßenbahnangesKllte in die Wartehalle eintraten, entdeckten sie eine Frau, die b l u t ü b c r st r ö m t aus dem Boden lag. Neben ihr kniete ein Mann, der zunächst wirre Antworten gab, dann plötz- lich behauptete, seine Begleiterin Hobe sich einen Schuß beigebracht, während er sich vor der Halle auigehalien HoIk. Die Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus gebracht, während der Manu auf dem nächsten Polizeirevier vernommen wurde. Hier stellte sich zur Ueberraschung heraus, daß man das Ehepaar Martens gesunden hatte, das seit Tagen vermißt wurde. Die beiden Leute hatten sich, wie berichtet, aus ihrer Wohnung entfernt und in einem Brief an die Polizei mitgeteilt, daß sie in der Nähe von Trebbin aus dem Leben scheiden werden. Unglückliche Familienverhältnisse seien der Grund zur Tat. Wie wir bereits mitteilten, hatte die junge Frau ihre Schwiegermutter nall) deren 60. Geburtstag bei einem Streit so unglücklich gewürgt, daß sie tot zu Boden sank. Die Angehörigen konnten Frau Martens diese Tat nicht verzeihen und schließlich kamen die Eheleute überein, in den Tod zu gehen. Wie M. bei seiner Vernehmung erzählte, seien sie beide tagelang umhergeirrt. Mehrfach hätten sie ihre Selbstmordabsichten hinausgeschoben, ganz verzweifelt seien sie nach Heiligensee gelangt, wo sie in der kalten Nacht in dem Wartehäuschen Unterschlupf ge- sucht hätten. Seine Frau habe als erste den Entschluß gesaßt, sich zu töten. Ihm selbst habe dann aber der Mut gefehlt. M. wird zunächst noch In Hast behalten. Im Bett verbrannt. Eine 57jährige Iran hilflos umgekommen. Zm hause Steinstraße 15 in der Nähe des Alcxanderpiahes ereignete sich in den heutigen vlorgenstunden ein schweres B r a a d u n g l ü ck, bei dem die 57 Zahre alte Frau Luciano A l- brich ums Leben kam. Frau U. leidet seit Jahren an einer schweren Krankheit und ist ständig bettlägerig. Kurz nach 5 Uhr begab sich der Mann der Kranken, der Brauereiarbeiter in Schöneberg ist, an seine Arbeits- stelle. Regelmäßig gegen?i8 Uhr erscheint eine Bekannte der Fa- milie Ulbrich, die auch die Wohnungsschlüssel hat, um nach dem Rechten zu sehen. Als die Frau heute früh die Tür aufschloß, schlug ihr starker Brandgeruch entgegen. Aus deni Schlafzimmer drangen stickige Rauchgase, so daß der Frau nichts weiter übrig blieb, alz die Feuerwehr zu alarmieren. Die Beamten konnten das Feuer schnell löschen, Frau Ulbrich fanden sie oder nur noch als Leiche vor. Das Bett war völlig verbrannt; die Unglückliche war hilstos in den Flammen umgekommen. Nach der polizeilichen Untersuchung muß Frau U. nach dem Fortgang ihres Mannes ein Licht, das auf einem kleinen Tisch neben dem Beil stand, angezündet haben. Dabei ist die Kerze umgefallen und hat das Bett entzündet. Die Leiche ist beschlagnahmt worden. -1- Ein weiteres Brandunglück ereignete sich auf dem Hof des Städtischen R e t t u n g s a m t s in der Auguststrahe 9. Dort war der 46jährige Chausseur Johannes Müller an dem Motor eines Krantentransportwagens beschäftigt. Aus noch ungeklärter Ursache entstand plötzlich ein Vergaserbrand und M. wurde durch Stich- flaiiimen am Kopf und an den Händen schwer verletzt. Der Vcr- unglückte fand im Virchow-Krankenhaus Ausnahme. SA.- Verbot— Weltsensation? Englands presse rühmt Hindenburg Lovdan. 14. April. Das Verbot der nationalsozialistischen Sturmabteilungen wird in der gesamten englischen Presse lebhaft begrüßt. Die „Times" widmen dem Ereignis einen Leitartikel mit der Ueber- fchrist:„E i n mutiger Schritt". Das Blatt ist der Ansicht, daß die Maßnahme keineswegs zu früh erkolgt ist und bezeichnet die Gründe für das Vorgehen als überzeugend. Außer- halb Deutschlands I>abe es Erstaunen erregt, daß die deutsche Regie- rung solange zögerte, bis sie sich gegen diese flagrante Herausforderung ihrer Autorität wandte. Die Reaktion auf diesen mutigen Säzritt werde zeigen, ob die Regierung nicht nur den Willen, son- dern auch die Macht lzabe, zu regieren.— Auch der„D a i l y Tele- graph", der aus die Borgänge in Braunsäiweig hinweist, meint. man müsse abwarten, ob das Vorgehen des Reichspräsidenten recht- zeitig genug erfolgt sei.— Die„News Chronicle" ist über- rascht darllbe»r'daß die Mahnahme s 0 mühelos und voll- ständig l)at durchgeführt werden können. Das Blatt zieht daraus den Schluß, daß die SA. unpopulär gewesen sein müsse.— Der„Daily Expreß" bezeichnet Hindenburgs Mut als großartig. Die Berechtigung seiner Maßnahmen sei nicht ab>- zustreiten. Die Existenz einer unabhängigen Armee, die der Kon- trolle des Staates nicht unterstehe, sei eine offene Heraus- forde rung für die konstitutionelle Autorität. Für Hitler sei nun der Moment höchster Krisengesahr, aber auch größter Möglich- leiten gekommen. „M 0 r n i n g p 0 st" erklärt, daß der Beschluß der deutschen Regierung die erste Frucht des neuen Bertrauens nach der Wieder- wähl Hindenburgs darstelle. Er sei ein Tri u m p h für S e 0 e r i n g. „Daily Mail" sagt, es sei eine wundervolle Leistung ge- wefen, eine solche Macht, wie die nationalsozialistische Armee, die nunmehr ausgelöscht worden sei, aus die Beine zu stellen. Der sozialistische„Daily Herald" spricht von einem großen Schlag für Hitler, glaubt aber, daß dieser sich in gewisser Hinsicht über die Auslösung freuen werde, da die SA.-Mit- glieder von der Partei bezahlt, gekleidet und gespeist worden seien und daher eine große finanzielle Belastung bedeutet hätten. In Krankreich trauern die Nationalisten. Paris, 14. April.(Eigenbericht.) Tie Verordnung des Reichspräsidenten zur Auflösung der nationalsozialistischen Kampssormationen hat in Paris im allge- meinen einen sehr günstigen Eindruck gemacht. Unter dem Titel „Eine glückliche Geste" schreibt die radikale„Ere Rouvelle": „Unsere U e b e r 11 a t i 011 a l i st e n, die von dem geringen Erfolg Hitlers begeistert sind, erhalten heute zu gleicher Zeil wie die Hitler-Bewegung einen s ch r c cl l> ch e n Schlag. Eine große Nach- richt trifft aus Deutschland ein, eine Nachricht, dcren Bedeutung man nicht genug unterstreichen kann. Reichspräsident von Hindenburg hat einen Beschluß gefaßt, der dos Schicksal Deutschlands una Europas ändern muß. Die 19 Millionen Deutsche, die il>re Stimme Hindenburg gegeben hauen, sind also nicht, wie die Rechtspresse behauptet, verkappte Nationalisten. Sie sind wirkliche Repu- blikaner, die ihre Republik gegen die faschistischen Drohungen verteidigen wollen. Und der alte Feldmarschall, den man als Mil- taristen hinstellte, ljat wieder einmal bewiesen, daß er den Treueid hält, den er auf die Weimarer Verfassung geleistet hat. Hindenburg hat geschworen, die junge deutsche Republik zu verteidigen, und er verteidigt sie. Seine ganze Loyalität, sein ganzer Mut waren nötig, um zu wagen, eine so ernste Maßnahme in einer Zeit zu treffen, in der es so bequem gewesen wäre, mit dem Strom zu schwimmen und den Sturm wüten zu lassen. Aber wie werden die Nazis auf diese Verordnung reagieren? Kann man nicht befürchten, daß sie sie benutzen werden, um sich als Märtyrer hinzustellen und daß diese Maßnahme nicht den Norwand zu ernster Unruhe, das Vorspiel zur Anarchie sein wird? Wir glauben das nicht. Deutschland ist ein Land, das nichts jo sehr wie die Schwäche haßt. Die Deutschen lieben den Gehorsam. Sic sind Hiller gesolgl, Weier ihnen als Führer erschien, weil er Befehle gab, ohne Diskussionen oder Kritiken zuzulassen. Aber heute haben sich die Dinge geändert. Man kann sicher sein, daß Braun und Severing dcr Verordnung des Reichspräsidenten Respekt verschaffen werden. Die preußische Polizei, deren Leitung in den Händen der beiden Minister liegt, würde im Notsall eingreifen. Die P r e u ß e n w a h l e n vom 24. April nehmen heute ein anderes Aussehen an. Es gibt zahlreiche preußische Dörfer, die unter dem Terror der Hitler-Banden lebten und nur für Hüter stimmten, um sich nicht Repressalien auszusetzen. Nachdem die Nazis entwaffnet find, werden sie jetzt in voller Freiheit wählen können. Die Politik der Vernunft und der Versöhnung wird in Deutschland am 24. April triumphieren, und die iranzösi'chen Wähler werden am 1. Mai mit einem freudigeren Herzen ihre republikanischen Stimmzettel in die Urnen werfen." Das nationalistische„Echo de Paris", dem die Vor- ordnung des Reichspräsidernen natürlich nicht in seine Politik paßt, sucht(wie Thälrnann in Deutschland!) sie nur als eine Scheinmaß- nähme hinzustellen. Das begründet es damit, daß die Wahlen vom 10. April die wachsende Macht Hitlers gezeigt und die deursäie Regie rung vor allem auf der Abrüstungskonferenz in eine schwierige Lage gebracht hätten, so daß die Regierung bei einem Weiterbestehen der Prioatarmee Hitlers die größte Mühe haben würde, die aus- ländiichen Staaten von den friedlichen Dispositionen ihres Landes zu überzeugen. Insel Juan Fernando fiel dichter Aschenregen. Auch aus dem bra- silianifcheii Staat Rio Grande do Sul wird eine Aichenschicht von 3 Zentimeter Höhe gemeldet. Der vielfach unterbrochene Eisenbahn- verkehr konnte wieder aufgenommen werden, erleidet jedoch große Verspätungen. In vielen Orten hat während 60 Stunden ununter- brachen Licht gebrannt. Der amtliche Stimmzettel. 2i Wohlporschläge für die �andtagswohl.- Für uns gibt es nur Liste i! Im Rathaus trat heute der Kreiswahlausstchuß zur Prüfung uud Festsetzung der bei dem Kreisloahlleiter des Wahlkreises 2 Berlin eingereichten Kreiswahlvo» schlage für die Wahl zum Preuß tscheu Landtag am 24. April 1932 zusammen. Der Sitzung folgte die Sitzung des Verbandswahlausschuffeb zur Entscheidung über die Zulassung der erklärten Berbtudungcn von Kreiswahluorschlägen innerhalb des SLahlkreiöverbanbeö Brandenburg l. Zniernaiionale Arbeiiskonfersnz. Die Internationale Arbeilskonferenz hat noch Erledigung sor- maler Angelegenheiten, der Wahl des Präsidiums und der Blldung der Komiiiisstmien, heute mit der praktischen Arbeit begonnen. Die auf dem Programm dcr diesjährigen Konferenz stehenden Fragen, die sich u. a. aus künstige internationale Vereinbarungen über die Invaliden-, Alters- und Hinterblibanenversiche- rung, die Abschaffung der gewerbsmäßigen Stellenver- mittlungsbüros, die Kinderarbeit in nichtgewerblichen Betrieben beziehen, sind besonderen Ausschüssen überwiesen worden, die heute ihre Arbeiten aufnehmen. Zum Vorsitzenden des Ausschusses für die Invaliden-, Altere- und Hinterbliebenenoersicherung wurde dar deutsche Delegierte Mnisterialdirektar Dr. G r t e s e r vom Reichsarbeitsministerium gewählt. Mutier mit vier Kindern verbrannt. Lei einem Graßkeuer in einer dicht bevölkerken Arbeiter- g e g e n d im Osten Jtero Jorks kamen sechs Personen, darunter eine Mutter mit ihren vier Kindern, in den Flammen ums Leben. Vom 10. zum 34. April. £>ic Aussichten für die Preußenwahlen. Da die Reichswahlkretse die innerdeutschen Landesgrenzen viel fach überschneiden, war es nicht sofort noch der Reichspräsidenten- wähl möglich, die Wahlzifsern für Preußen gesondert anzugeben. Diesen Umstand machte sich die Rechte zunutze, um das Gerückit auszustreuen, die preußischen Zahlen seien für sie viel günstiger als die Reichszahlen, ihre Wahlaussichtcn in Preußen mären daher auch viel besser, als die Rcichszahlcn vennutcn ließen. Inzwischen sind die genauen Ziffern für Preußen vom Reichs- wahlleiter festgestellt worden. Sie ergeben, daß die Differenzen un- wesentlich sind. Die Stimmenzahlen verteilten sich am 10. April nämlich folgendermaßen: Reich Preußen chindenburg 19350612— 53 Proz 11 152 468— 51,8 Proz, chiller.... 13117160- 36,8„ 8 201271- 37,1„ Thälmann. 3 706 388— 10.2, 2111 565— 11,1„ Danach hat in Preußen wie im Reich eine Mehrheit von rund 63 Proz. sich gegen eine nationalsozialistische Partcidiktatur ausgc- sprachen. Es wäre jedoch grundfalsch anzunehmen, naah diesen Zahlen sei der Weimarer Äoctlitdon der Sieg ohne weiteres sicher. Denn in den chindenburg-Sliinmen steckt eine unbekannte Anzahl solcher, die bei der Preuhenwalzl wieder einer oder der anderen Rechts partci zufallen werden. Andererseits entsprechen die 37,1 Hitler-Stimmen nicht den Anteil der Nazis, auch von ihnen wird ein Teil zu den Deutschnationalen, den Voltsparteilern und den Kommunisten zu- rückfluten. Die Zahlen der Reichspräsidentenwahl lassen somit noch nicht erkennen, wie sich die Kräfte zwischen der Weimarer Koalition und den wpasitionellen Rechts- und Linksgruppcn verteilen werden. Auch muß man abwarten, wie sich die ncueingctretencn Tatsachen — das kommunistische Ueberläufertum zu Hiller, das Verbot der SA. usw.— auswirken werden. Man kann nur sagen: Die Eni- scheidung über Preußen ist am 10. April noch nicht gefallen, sie wird vielmehr in härtestem Ringen bis zum 21. April erkämpft werden müssen. Es gilt jetzt alle Kräfte anzuspannen, damit die Sozialdemokratie vor allen anderen Parteien und die bisherige Regierungskoalition vor allen anderen Gruppierungen ihren Vor- sprung behält! Tagung der SeseMast fiir innere Mdizin Kreislaushormone/ Künstliche Höhensonne/ Pneumothorax Mit der diesjährigen Tagung feiert die Deutsche Gesellschaft für innere Medizin ihr üOjähriges Bestehen. An der Wiege dieser bedeutendsten Bereinigung der medizinischen Forschung standen große Männer und große Entdeckungen. Ein Arzt wie Ernst von Leydcn hielt aus der ersten Tagung am 20. April 1882 das erste Referat und nach ihm sprach Robert Koch iiber die Entstehung der Tuber- tulose. Eine gewaltige Entwicklung liegt schon äußerlich zwischen 1882 und 1932. Die Mitgliederzahl der Gcscllschast stieg von 133 aus 1200. Zwölf Vorträge wurden während der ersten Tagung gehalten, und mehr als hundcrtfünfzig waren es schon vor einigen Iahren. Tiefgreifend aber ist die Wandlung der Forschung. In der Festsitzung erinnerte der Vorsitzende, Prof. Marawitz, daran. wie glücklich die Zeit der 80cr Jahre für die ärztliche Wissenschaft gewesen ist. Damals brachte noch die einfache Beobachtung am Krankenbett sost täglich große Entdeckungen. Damals begann der Siegeszug der Bakteriologie. Dann aber gewonnen allmählich die Ergebnisse der crpcrimentcllen Forschung und die Arbeit in den Laboratorien immer mehr das Ilcbcrgewicht, und heute ist es schon ein ganz besonderes Glück, wenn ein Forscher am Krankenbett eine Entdeckung macht. Die eindrucksvollste Veränderung gegenüber der Zeit vor fünfzig Jahren ist zweifellos die Verbesserung der Krank- heitscrkcnnung. Ein zweiter großer Idcenkreis der modernen Cnt- Wicklung der medizinischen Forschung ist die Rückkehr zu Hippokrates, dessen Gedanke der Einmaligkeit jedes Krankhcitsgeschchens heute, allerdings in einer neuen Fassung, wieder aufgegriffen wird. Erb- lichkeits- und Konstitutionsforschung beginnen eine immer größere Rolle zu spielen. Man fragt nicht mehr allein:„Was hat dieser Patient für eine Krankheit?" sondern auch,„Was ist er für ein Mensch?" d. h.: Wie ist er beschaffen und wie ist sein Organismus als ganzes zu beurteilen? Die Verhandlungen des ersten Tages standen unter dem Ge- samtmotiv der Erforschung der Kreislaufhormone. Auf ollen Kongressen der medizinischen Wissenschaft spielen heute die Hormone eine führende Rolle. Die alte jzumoral-Pathologie, die Lehre von der„Wirkung der Säfte", wurde vor fünfzig Jahren von Virchows Zellenlehre verdrängt und wird nun ihrerseits wieder durch eine neue„Säftelehre", nämlich die Hormonforschung, beiseite gerückt. Die Anfänge derselben gehen zurück in das Jahr 1891, wo Oliver und Schäfer aus Extrakten des Ncbennierenmarks und des Hypophysenhinterlappens einen Stoff gewannen, das A d r e m a l i n. das in die Blutbahn eingeführt, den asthmatischen Krampf der Bronchien beseitigt. Seitdem hat man systematisch alle Organe und Gewebe des Körpers auf ähnliche Stoffe durchsucht und Hormone der verschiedensten Art gesunden. Es ist jedoch, wie der erste Vor- tragende, der englische Phormokologc Prof. D a l e, ausführte, nicht gelungen, weitere Gebilde mit einer ähnlichen Produktion von Kreis- laufhormonftoffen zu finden. Die wichtige Frage, ob die Reaktionen des Blutkreislaufs, die bei krankhaften Zuständen auftreten, mit Hilfe des Nervenapparats oder durch Hormonwirkung Zustandekommen, hat in jahrelanger Arbeit der Frankfurter Kliniker Prof. V o l h a r d untersucht, der auch über die Ergebnisse seiner und seiner Schule Forschungen berichtete. Die Gehirnblutung— Apoplexie genannt— entsteht nicht durch ein Zuviel, sondern durch ein Zuwenig von Blut im Gehirn und durch den dadurch bewirkten Sauerstoffmangel. Gerade gegen Sauerstoffmangel ist das Gehirn besonders empfindlich. Bei dieser Unterernährung des Gehirns mit Sauerstoff entstehen gefäß- erweiternde Stoffe. Auch die hochgradige Ueberfüllung des Gehirns mit Blut bei Kohlcnoxyd- und Morphiumvergiftung, die gleichfalls häufig Schlaganfälle im Gefolge hat, kommt in ähnlichcr Weise durch Sauerstoffmangel des Gehirns zustande. In der Diskussion und in weiteren Einzclvorträgcn wurden die praktischen Konsequenzen behandelt. Bisher haben sich die großen Erwartungen, die sich auf die zahlreichen Organpräparate stützten, noch nicht erfüllt; es scheint als ob die Praxis hier noch be- trächtlich hinter der Theorie zurück ist. Eine Riefenhöhenfonne. Vor einigen ZZionaten gab der Direktor des„Instituts für Arbcüsphysiologia". Prof. Dr. Atzlcr, die Anregung, allen den Menschen, die infolge ihres Berufs fühlbor Mangel an natürlichem Sonnenlicht leiden, durch Bestrahlung mit künstlicher Sonne zu helfen. Bergorbeiter, Nachtwächter und Schiffshcizcr, sie alle haben nicht nur eine bleiche Hautfarbe, das Kennzeichen des Lichtmangels, sondern ihr Blut zeigt auch die typischen Schäden der„Bleichsucht": zu wenig rote Blutkörperchen, Sauerswffmangcl usw. Dia Schwierig- keit, größere Menschen niafsen, um die es sich doch immerhin hier handelt, mit künstlichem Licht zu bestrahlen, scheiterte bisher an der Kostspieligkeit und der Kleinheit der üblichen Quarzlampen. Nun ist es gelungen, ein neues Gerät von ganz ungewöhnlichen Ausmaßen zu bauen, einen Quarzbrenncr von nicht weniger als 80 Zentimeter Länge herzustellen, der eine Lichtstärke von 25000 Kerzen entwickelt. Wenn man mehrere solcher Riesensonncn in großen 5?allen aufstellt, so wird es möglich fein, Hundertc von Menschen gleichzeitig zu bestrahlen. Erfolge des Pneumothorax. Schon vor mehr als hundert Jahren wurde gelegentlich beob- achtet, daß bei Lungenkranken, bei denen durch Zerfall eines Tuberkuloseherdes in der Nähe der Lungenoberfläche eine Oeffnung nach dem Brustraum entstanden war, Luft aus den oberen Luft- wegen, den Bronchien, in den Hohlraum zwischen Lunge und Brust- rand eindrang. Merkwürdigerweise fühlten sich Patienten, die dieses Unglück hatten, häufig sehr viel besser als vorher. Vor 50 Jahren ging dann die medizinische Wissenschaft dazu über, künstlich dasselbe herbeizuführen. Man ließ absichtlich Luft in den Brustkorb ein- strömen und in zahlreichen Fällen konnte man auch tatsächlich eine Besserung oder sogar eine Heilung feststellen. Prof. Brauer- Hamburg, der über seine Arbeiten auch referierte, darf wohl als der wissenschaftliche Begründer der neuen 5ieilmelhodc gelten, die heute ein wichtiger Teil der Tuberkulose- sorschung ist und im Mittelpunkt der wissenschaftlichen VerHand- lungen des zweiten Kongreßtages stand. Der„Pneumothorax" kann sowohl einseitig wie doppelseitig ausgeführt werden. Entschei- dcnd ist dabei, daß durch den Gasdruck von außen her das Lungen- volumen verkleinert wird. Während man früher durch Einführen großer Luftmengen einen hohen Druck erzeugte, hat Prof. A s c y l i gezeigt, daß der Pneumothorax bei geringem Druck günstiger wirkt. Das erhebende Fazit der Vorträge und Verhandlungen ist zweifellos, daß auch bei schweren Fällen der Lungentuberkulose die medizinische Wissenschaft heute begründete Heilungsaussichten bieten kann. So agitieren wir! Plakate sur Preußen ira hl an den Cßerliner JCilfaßfäulen. Adolf, der gebändigie. Seine Reklameanschläge sagen es. An den?lnschlagfäuleit klebt heute wieder ein ellenlanges Nazi- plakat, von oben bis unten phrasenhafter Schmus. Der erstaunte Leser prallt zunächst gegen jolgende Schlagzeilen: Wer hat gesiegt? Adolf Hitler! Sucht er fassungslos nach Erklärung dieses Rätselz, so stößt er auf folgendes Bekenntnis: Hier steht starker deutscher Wille! Hier stchk gebändigte, polilifche Kraft! Der Verfasser dieses Plakats, will uns scheinen, hat Propheten- gäbe gehabt.___ Arbciterbilduvgsschule. I. Kreis Mitte. Der Kursus Bernstein fäll, aus und wird forlgesetzt am 28. April. Versammlung der Züdisch. Sozialistische', Arbeilcrorganisotion Poale-Zion haute. Donnerstag. 11. April, in Beth-Aw, Kurfürsten- dämm 61, vorn 1. Etage, pünktlich 8.'- Uhr. Resarent: Genosse E m o n t s(Allgsineiner Verband der Bankangestellten). Thema: „Die Frage der gewerkschaftlichen Organisierung der jüdischen Angc- ft-llten". Oefsentlicher Dortrag. Gäste willkommen. Wetter für Verlin: Bewölkungszunahme mit auffrischenden südlichen Winden. Weitere Milderung. Keine nennenswerten Niederschläge.— Für Deutschland: Im Westen und später auch in Mitteld-uiichland Regen. Im Süden und Nordosten noch ziemlich I heiter und trocken. Nachts Frost. Im Südosten rrube mit Regen- l flergung. i „ßhe-Kanissell." Theater des Westens. Ein Schwankoperettcnlibretto ohne dranratische Einheit, aus Einzelifzenen zusaminengesetzt, aus Einzeleinfällen recht und schlecht zusaimnengeslickt— das ist gar nichts Neues, das ist schon hundertmal dagewesen. Neu ist hier nur der Mangel: nicht etwa an Originalität, so>ü>ern an bescheidenstem handwerklichen Können, an jenen, Der- antwortmigsgefühl, das den Künstler jeden Genres von den, Dilettanten scheidet.„Man nehme" die ältesten Kalauer, die vor- braiichtesten Situatimrswitze, die penetranteste Scntiineittalität— dann erhält in in, wenn man Unglück hat und unbegabt ist, jene Reche toter Punkte, jene Orgie an Peinlichkeit und Langeweile, die „Ehe-Karusiell" genannt wird. Di« Librettisten heißen Kurt Brauer und Hugo Wiener, der Komponist, Egon Neu mann mit Namen, ist chnen im ganzen und großen kongenial. Seine Musik ist von be- merkenswerter Nioeaukosigkeit. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, zwei Chansons noch keine Operette, auch wenn sie etwas besser sind als all das andere. Die Aufführung? Siegfried B e r i s ch ist ein guter Komiker, Harri) P a y e r ein mittelmäßiger Tenor und Held, in manchen nur zu seltenen Momenten hat er ein wenig wienerisch« Eharm«— ansonsten drehte sich alles um Margarete S l o z a k. Tochter des großen Leo Slozak, der ihr seine wunderbare Gesangstechnik leider nicht zu vererben vermochte. So hat sie ein paar hoho und kraft- volle Töne, ober keine Mittellage, keinen Lagenausglcich, die Stimme sitzt nicht richtig, klingt noch viel zu ungeschult, und merkwürdig verbraucht dabei. Sie ist weder anmutig noch charmant, hat aber sehr viel Temperament und eine ausgesprochene Bühnenbogabung (als Ninon, im Prestissimo-Tempo französisch parlierend war sie sehr amüsant). Nur wird sie sich das nächste Mal— es scheint der Fall gewesen zu sein— eine bessere Rolle ans den Leib schreiben lassen müssen: er verdient es. A, W. Oer Kampf um den Körper. Racktheit und �örperkuliur. Im größten Theater Berlins, im ausverkausten Großen Schauspielhaus, sprach Adolf Koch vor seinem Publikum, unter dem sich Vertreter zahlreicher Behörden und Presselcute aus aller Herren Länder befanden, über Wesen und Willen der Natt- kultur, über Sinn und Ziel« dieser immer mehr anwachsenden Bewc- gung, die durch die darauffolgenden gymnastische» Vorführungen besser charakterisiert wurden, als durch olle Worte Auch hier geht es um„Gymnastik als Kampf"— aber nicht um sie allein, hier geht es zugleich um Seelisches: aus lnur sehr! scheinbarer) schrankenloser Frelhest wächst neue Gebundenheit und! Verbundenheit, ein neuartiger Gemeinschaftssinn, der bei aller Na-> türlichteit größer« Achtung und zarter« Rücksichtnahme fordert und fördert, als si« bisher geübt wurden; Seelisches, dos— in panthe- istischer Einstellung zum All Grundlage eines neuen Ethos sein will und sein kann. So wenig Nackttulrur allein dem sinnlosen� Dasein der Massen Sinn verleihen kann, soviel vermag sie insbesondere der proletarischen Jugend zu geben, so begrüßens- und unterstützungswcrt ist die Ar- beit Kochs, des unermüdlichen Vorkämpfers der Bewegung und ssiner Kö r p e r k u l t u r s ch u l e, die unter vielfach idealistischer und unentgeltlicher Mitarbeit von Lehrern und Acrzten für ein Minimum an Geld, ein Maximum an Licht, Lust, Sonne, an Bader», Gynmastikunterricht und Schulung bietet; die auch'Arbeitslosen die Teilnahme ermöglicht, soweit es nur angeht. Kinder und Jugendliche, Mädel und Jungen, alte Herren und Eemeinschaftsgruppen— sie alle zeigten gymnastische Uebungen per- schiedenster Axt, gespannte und gelöste, einfache und schwierige—, sie alle standen in vollkommener Nacktheit im Licht der Schein- werser; keine ausgesucht schönen Leiber, keine Tänzerinnen und Bild- haucrmodelle, durchschnittlich gewachsene Stadtnienschcn, alt? und junge, dicke und dünne, alle aber i» heiligem Ernst bei der Sache, bei ihrer nicht geringen Sache: sich den gesunden, starken und nutur- verbundenen Körper wiederzuschafsen, den ihnen die Zivilisation genommen hat, den sie brauchen(den wir alle brauchen), um— der starke Geist wohnt nur im gesunden Körper— den Fluch der Zivili- sation zu überwinden— für eine sozialistische Kultur der Zukunft. W. Hermann Sandkuhl SO Zohre att. Am 11. April 1872 in Bremen geboren, sing Sandbuhl als Stubenmaler an, besuchte dann verschiedene Zlkademien und reiste viel im Ausland. Seit 1909 in Berlin ansässig, ist er der Oeffent» lichkeit wohl erst nach dem Kriege in stärkerem Maße bekannt geworden, vor allem durch seine sozialen Motive und einige religiöse Bilder, die neue Ideen durch Beimischung sozialer Elemente entwickeln, so vor alle», Fresken in einer Schöneberger Kirche und im Konsistorium von Schncidemichl. Auch durch Wiederbelebung der alten Sgrasffto-Technik suchte er monumentale Wirkungen (Friedhoskapelle in Zehleniors, Steglitzer Rentnerheim). Ei» großes und bleibendes Verdienst um die deutsche Kunst hat Sandkuhl sich erworben durch Gründung der I u r y f r e i e n K u n st s ch a u Berlin. Seit 1910 hat diese Bereinigung unter seiner energischen und weitsch.iuendcn Leitung in steigendem'Maße das Berliner Kunstlebe» besruchtet: es ist die lebendigste Stätte vorwärtsweifendsr und ideenreicher Kunstpflcge geworden. „Elaoigo" in Paris. Das staatliche Odean-Theatcr und die „Gesellschaft der Freuicho des Odeou-Theaters" ehrten am Mittwoch das Gedächtnis Goethes und zugleich das Beoumarfchais' durch ein« Galaaufführung von„Elaoigo" in einer neuen sranzösifchen Bearbeitung. Durch die Anwesenheit des Ilnterrichtsnünisters und des Senatspräsidonten erhielt die Feier offiziellen Eharakter. I» der Volksbuhn« inszeniert Arthur Moria R a b S n a l t Bruno ffrankz Komödie ,.D t u r m im W a s s« r g l a t", die mit Hanli Nies« am 2. Mai zur Aufführung gelangt. Die Bühnenbilder entwirft Julius von Borsody. Die«remiere der Schmier«.„Die Perl« von Sovoy". am Kuriürsten- dämm 1S3, ist auf Sonnabend, g'ä Uhr, verschoben. Zugunsten notleidender ffilmkomharsen findet Sonnabend, nachts Iii- llhr, im Nfa-Polast. Utrechier Slraße. ein:'Aahlvorltcllung des „Zigeunerbaron i>" start. Bund Eine WUHelm-Busck-Feier voranstaltel der Groß-Beüim Bortragö- ,d Freitag, 8'. Mann wurdest in der Umgebung von Brüx zusammengezogen. Auf der Stratze noch Komotau verfuchteii die Demonstranten den Gendarmerie- und Kavolleriekordon zu durch- brechen. Als ein Beamter aus einem Gasthaus tclcphomsch Verstärkung herbeirief, wurde er von Demonstranten mißhandelt und am Kopf verletzt. Die aus Äomotau am drei Lastautos heronoilcndo Gendarmerie wurde von den Demonstranten mit Steinen beworfen. Aus einem Wagen wurden die Gondarmen aus Revolvern beschossen. Sie gaben darauf etwa acht bls zehn Schüsse ab, wodurch vier Demonstranten schwer verletzt wurden. 45 Gendarmen wurden durch Steinwürfe leicht verletzt. Ein städtischer Polizist erlitt schwere Vor. lctzungen, ein zweiter wurde schwer mißhandelt. Die Automobile der -Gendarmerie wurden van den Demonstranten aus Komotou zer- tiüinmert und verbrannt. Auch in Kopitz kam es zu Zusammenstößen. Mittwoch nachmittag kam es auch in der Stadt B r ü r sechst zu Zusammenstößen. Die Demonstranten errichteten eine Barrikade uiüz griffen die Gendarmerie an. Die Gendarmen gaben zwei Salven ab, durch die zwei Demonstranten auf der Stelle getötet und sechs Demo». stranlen schwer verletz! wurden. Die„Rate Fahne" meldet unter der lleberschrist„Generalstreik und Varrikadenkämpse in Böhmen", daß. die„Demonftrationsfrei- hcit isn erbitterten Straßcnkampf mit tläzechifchem Militär er- vbert" sei. Die Lohndruckschraube. Äeutsche Tcxttlerlöhne drücken die englischen. Tie Unternehmer in der englischen B a u m w o l l i ndu st r i e planen eine weitere�erabjetzungderLöhnc. Zu diesem Zweck lzaben bereits Besprechungen mit den Vertretern der Gewerk- säzasten in Manchester stattgefunden, doch ist es sehr unwahrscheinlich, daß. die Arbeiter freiwillig mit einer wcstcrcn Lohnkürzung cinvcr- standen firtd. Die Konkurrenz treibt den Keil des Lohndrucks von einem Land zum anderen. Es ist offenkundiger Betrug, den deutschen Arbeitern vorzumachen, wenn sie sich mit verschlechterten Löhnen begnügten, bekämen sie mehr Arbeit, weil so ihre Unternehmer den Auslands- markt billiger beliefern könnten. I nnt« dem Untertitel„MolygrnS empflnbfam« Reiffs 5» I sammengefaßt sind. Sieburgs„Rote Arktis" gibt uns keinen Einblick in die großen geographisch-politischen Veränderungen, denen das Nördliche Eis- meer und das Nordpolgcbiet seit der Ausbreitung des Weltflug- Verkehrs unterworfen ist. Der plötzliche politische Wert, den dieses bisher verlassenste Gebiet der Erde durch die. Möglichkeit kommender | Flugstrecken über Eröillcurd und den Nordpol erhalten hat, läßt die„Mutterländer" dieser Eiswüsten nicht mar erhöhte Anstren- ! gungen um ihre Ausnutzung machen, sondern er hat auch schon zum � Streit um den politischen Besitz geführt. Mrwegen und Danemark führen einen erbitterten Rechtsstreit um die Ostküste Grönlands, dessen Ursachen, Veranlassung und bisherigen Fortgang uns Prof. Jon S k e i e in einer kurzen Studie„Die Grönlandfrage" um- fassend erzählt.(Verlag Georg Stilke, Berlin.) Wilhelm Tietgens. 'zg- Rundfunk am Abend Kommunisten spielen Generalstreik. Zm Ostrau-Karwincr Kohlenrevier. Älöhrisch-Ostrau. Ich April. Die kommunistische Bergarbcstcrarganisation hielt am Mittwoch in Peterswald eine Versammlung ob, die gegen die Prag er Ab- i m a ch u n g c 11 zur Beilegung des Konfliktes über die Moffenent-; lafsungen im Bergbau Protest erhob und sie ablehnte. Es wurde! beschlossen, Donnerstag früh den Generalstreik auf allen Gruben des Oslrau-Karwiner Reviers zu erklären. Friedrich Sieburg: ä)ie rote Jlrhlis Wie noch erinnerlich, hat der russische Eisbrecher„Malygin" während der großen Nordpolfahrt des Lustschisfes„Graf Zeppelin" eine Touristenfahrt ins Nördliche Eismeer unternommen, deren an- gekündigter Höhepunkt die Begegnung und der Poftaustaufch zwischen beiden Fahrzeugen war. Es ist das erstemal, daß eine Vergnügungsreise in Gebiete außerhalb des regelmäßigen Schiffs- Verkehrs ging, und sie wär sicher voll der stärksten und eigen- artigsten Erlebnisse. Von diesen Reiseerlebnissen erzählt uns Friedrich Sie- bürg in seinem Fahrtbericht„D i e r 0 t c.Arktis, Malygins empfindsame Reise"(Societäts-Vcrkag, Frankfurt a. M.). Bilder aus Somjrtrutzlaiid und Eindrücke über dortige Verhällnisse sind eingestreut, die von höchstem Interesse sind. Im Lordergrund stehen aber die politischen Auseinandersetzungen, die Sie- bürg mit den jungen Kommunisten, begeisterten Vertretern Sowjet- rußlands, während der Tage der Einsamkeit im Eismeer hatte. Und diese Auseinandersetzungen sind geradezu sqmbölhast. Der geistreiche Schriitstellcr aus Westeuropa, hoffnungsloser Jndwldua- list, mit der vielhunderijährigen Tradition uitd Dekadenz einer überfeinerten Kultur belastet, erlebt auf der als Flucht vor sich tstlbst gedachlen Reise den unerhört brutalen und naiven, aber zu- kunstsgläubigcn Ausbruch der Jugend eines unoerbrauchien oft- europäilch-asiatischen Volkes. Diese grundlegenden Gegensätze, wochenlang in die Enge eines einsamen Schiffes zusaminengedrängt, dem aber durch tägliche Funk- und Radioberichtc die Kämpfe der Erde nachfolgen, die Gegensätze nach stärker aufpeitschend, haben gewissermaßen alle Fragen des individuellen und gesellschaftlichen Seins der Menschen aufs tiefste aulgewühlk und zu erneuter Ab- grenzuua geführt. Hieraus entstanden in geisireichen Reflexionen und klingender, farbkräftiger Sprache die Berichte, die mit Recht I)onuerstoK, den 14, ApriL Berlin 16.05 Dr. med. Georg Zehden: Fieber eine Krankheit? 16.30 Kammcr-Sinfonie-Orcbestcr, Dir.: Edvard FendJer. l. 0. F. HindelJ Ouv. ru„Esther". 2. Jos. Haydn: Klavierkonzert G-dur.(Dr. V. Ernst Wölfl. Flügel.) 3- Christian Cannabich: Sinfonie B-dnr. 17.50 H. J. Jarctrki: Von der bildenden Kunst. 17.40 Wie man flüssige Luft macht(Prot- Dr. H. ReichenbadO 18.00 Griechische Volkslieder. Für drei Männerstimmen und Volksinstrumcntt. Bcarb. und gesetzt von Grete von Zieritz. Ensemble Granatis. 18.3-5 Prof. Dr. Sievers: Wilhelm Busch. 18,55 Die Funk-Stunde teilt mit... 19.00, Stimme zum Tag. 19. 10 Tanzabend. 20.50 Tages- und Sportnachrichten. 21.00 Breslau: Der letzte Zeuge. 22.15 Wetter, Nachrichten und Sport 22.30 Kabarett der Komiker: Rufen Sic Herrn Plim! Operngroteske von Kurt Robitscbck und Marcellus Schiffer. Musik von Mischa Spollansky. Könfsswusterhaosea. 16.00 Stud.-Dir. Dr. Herbert Holtorf: Studenten und höhere Schule. 16.50 Berlin: Konzert 17.30 D. Mumm: Die heutige Rechtslage der Kriegsbeschädigten oud Hinterbliebenen. 18.00 Wir bauen Melodien. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. Anschließend: Dr. Michd Ansky; Gegensätze der neuesten Entwicklung der Sowjet-Union. 19.20 NicoL Nicolaisen: Künstliche Düngung nnd Qualitätserzeugung im Gemüsebau. 20.50 Tages- und Sportnachrichten. 21.00 Amerika: Aus dem Park vor dem„Weißen Haus** ia Washington: Konzert der Eiitckapellc der Amerikanischen Armee am„Pau- amcrika-Tag". 21.20„In dritter Lesung angenommen." Lehrspid von Hans Zelten u. Max Borg. 22.10 Wetter, Nachrichten und Sport. �cronliDortl. für die ülcbaHioa: Rich. Bernstein. Berlin; ÄnZeigen: Tb. HFocke. Berlin Berlug: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Bortvcn:- Buch- druckerei und Verlagsanftalt Paul(Singer& Co.. Berlin(SD 68. Liuder.-str. d, Sier�n 1 Beilage. �(Befchäflte-Jlnseiger (fögzixfc Jloxden'Cften Tapeten Linoleum TaF»e'en�a&?s Hussack NO, Wörther Straße 30 Fler-Oro�Siandiun�l , Beza�sqocllc fSr KaotiDcn M. Z I E R L E R SO. 1«, Cöp-nickerStrsae 67 Telefon. F 7 Jannowitz l%u. Vcrlanurv in „fiarUülrjnsßrlst das Beslc!" „M. s. eaäeSlos!** Tür den iMcn it kauft man g u t und preiswert Hölc, Mützen, Ohcrherodcn, Ki Awatten, sowie alle modernen Herrenartikel im Spezialgeschäft Jstuil lUenarl Köpenick, Schlo�stra�c 17. FläriüMtier fieisdihensum Hermann Pohle Palisadenstr. 29 Strausberger Str. 34 Unser gemeinwirtschaftliches Unternehmen bietet die größten Vorteile bei installationenu.dem Bezüge von Beleuch tungskörpern, Radio ü.and.elektrotechn, Q.M.B, n. Bedarfsartikeln BERLIN SO 36, ELISABETH-UFER 5-6 BERLIN-TENPELHOF, ATTILASTit. 10 BERLINER ELEKTRO HOTTE H ARBEITER! Deckt eurer» Bedarf In Eisenwaren, Werkzeugen, Haus- u.Küchengeräten bei ERN�T XA/IF�F Berlin O 34, I M I VV I C. 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Mayer Braun und Brüning haben in diesen Tagen, mit dem..Nationalismus" der heute noch sogenannten„Nationalsozialistischen Arbeiterpartei" abgerechnet, einem Nationalismus, der die Nation im Stich lassen roill, wenn es irgendwo an der Grenze zu einer ernsten Auseinandersetzung kommt, loeil man— um mit Adolf II i 1 1 e r /n sprechen— die Kämpfer nicht für das System opfern will.. IVas ist national, was ist Nation— es ist notwendig, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Die pcrtitiwjc Unreife des deutschen Menschen ist schon fast.sprichwörtlich gemordeii. Wäre'es sonst nchglich, daß- am 1». April mehr als 13•'Millionen SMimen für Adolf Hitler odgogeden werd 11 konnten? Än keinem Land mit einer festen pstitischen Tradition kalte die nationolsozichistrsche BcWegung diesen Umsang annehmen iännen. Es mNerliegt wohl auch honte im Kreise der National- sozialiste» keinem Zweifel mehr, daß das„Nationale" in dieser Leinccjnng stärker detont wird als das„Sozialistische". Hitlers Äertrauchcit mit der Schwerindustrie dürfte ja hier die letzte Klarheit geben: gleichwohl ist die Bedeutung des Nationalen, so wie sie in der Hitler-Bewegung angewairdt wird, keineswegs ein- d e u t i g geklärt. Man sichlt sich als die ,.n a t i o n a l e" Oppo- sition gegen das offenbar doch Vaterlands f e i n d l i ch e„System": man will zwar jetzt nicht mehr sofort den Aoung-Plan.„zerreißen", auch das„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen" ist widerrufe:: worden. Offenbar beansprucht aber hier eine Partei, die alleinige Trägerin der nationalen Idee zu sein. Es ist nur selbstver- ständlich, daß andere Parteien diesem behaupteten„Nation-Patent" sehr entschieden widersprechen und es sich— wie der Kanzler Brüning— auis entschiedenste verbitten, über das Vaterländische, das Nationale Belehrungen zu empfangen. Auch die Sozial- demokratic hat Herrn Ioiei Goebbels auf feinen Borwurf, daß sie„die Partei der Deserteure" sei, hefrig widersprochen und es wäre in jener denkwürdigen Relchstagssißung beinahe iricht beim Wider- sprechen geblieben. Ist jedoch in diesen Auseinandersetzungen der sachliche Gehalt dessen, was unter Naiion zu verstehen fei, eindeutig geklärt? Die Entwicklung der Nachkriegszeit zeigt, daß Idee und Wirklichkeit der Nation eine neue und starke Betonung erhalten l)ak, der sich keine Partei— nur dies sollen die obigen Bemerkungen zeigen— entziehen kann. In Italien hat der Faschismus im Namen der Nation die sozialistische Arbeiterbewegung niedergeworfen, in Ruß- la nd. herrscht der nationale Bolschewismus, im fernen Osten känlpsen China und Indien um chre nationale Bcsrerung. in Eng- lanb hat sich Macdonald im Namen der Nation von seiner Partei uetrenw, die er durch-Jahre-hindurch geführt hat, Frankreichs i«ue' WeUmachtstelwng- ist eindeutig national ausgerichtet uni> auch das republikanische Deutschland steht im Zeichen einer cnt- sch: ebenen Nationalisierung. Freilich muß man hier sehr sorgfältig zwischen Wort und Sache unterscheiden. Eine natio- nale Haltung beweist sich nicht durch Worte: Tic dcntschc«ozialdcinokratic hat sirhcrlich das Wort„national" seltener flebrnvcht, als sie national gehandelt hat. Allein aus das Objekt, Sc Faktum der Nation oder des Nationalismus kommt es an. 'Was ober wollen wir unter Nation verstehen? Wir könnten diese Frage nnt einer Erklärung des Wortes beantworten, was aber t um weiterführen würde. Unsere Frage nnih vielmehr anders gestellt werden: Wie tonnnt e?, daß sich heute das politische Well- > cichehen entscheidend an der Nation als Geschehenseinhort orientiert? Hat sich das uceltgeschtchtliche Geschehen immer in der Geschehens- ciichest„Nation" vollzogen? Keineswegs. Die antike griechische Geschichte war von der Ein- l cit der Stadt, der Polls, bestimmt. Die lokale Begrenztheit und Il-.berschaubarksik der antiken Polls, abcr auch RÄhtssormen oder der atr eine Stadtgottheit bezogene Kult machen den griechischen Stadt-Staat zu einem mit einer modernen Nation unvergleichbaren sozialen Gebilde. Ebenso zeigt die Entwicklung des Imperium Röiuanuin, des römischen Reichs, keine nationalen Züge. Die Bürgergemeinde der Stadt Rom bestimmt die Einheit der politischen Organisation und diese geschlossene Gruppe erliebt einen universalistischen Herrscha'tsansprucd, einen Anspruch aus Weltherrschaft. d->r im christlichen Mittelalter erhalten bleibt, wenn er auch auf andere Träger übergeht: Papsttum und Kaisertum wer- de» die Träger der mittelalterlichen universalisllichen Herrschaft. Die Kreuzzüge sind die Bestätigung, daß die K irche die ent- schaidende, reale politische Macht in den Kämpfen zwischen Kaiser und Papst bleibt. Die territorialstaatliche Opposition, das eigennützige Bestreben dar Herzöge und Fürsten, in ihren Ländern auf Kosten. des Reichs unabhängige Herrscher zu bleiben, zerschlägt das christliche Imperium. Dynastische Interessen schassen geschlossene, zenlcalistische Staatswesen. Bon einer nationalen Gruppienmg oder Ausrichtung des politischen Geschehens keim nicht die Rede lein. Die Ausbiisung des territorialen Königtums findet im Zeitalter des Absolutismus seine Vollendung. Sicherlich bildet dieser Zentralisntus— man denke nur an Frankreich— die homogene Einheit der rnoticrricn Nation vor. 'Aller erst in der große« französischen Revolution wird die Nation im Gegensatz zu,n absolutistischen Ztaat zum Zentrum des volitisctzcn Gesrhehen-s. wind die politische Herrschast der Nation an einem völlig neue» Prinzip orientiert. Auch die Wortgeschichte des Begriffes„Ration" bestätigt diese Entwicklung. Das Wort, Motion" strmmrt aus dem Lateinischen TAtio(geboten werden) und bezeichnet ursprünglich eine A b- itammungsgemeinschast im Sinne einer Tierart, s cd och keineswegs als' Mstamnttpnzsgsmeinschall eines Volksstammes. Im kirchlichen Mittelalter»iiÄ das Wort„Ration" für Gruppierungsn aus Konzilien uich Universitäten verwandt. So ur.vaßt die deutsch« Nation z. B. aus dem Konzil zu Konstanz die mrzarische, polnische »md fkanbiumvische Gersklichkeik. Ratio ist frn Mittelalter ein Zmeck- verband, eine Berwaltungsemheit, jedenfalls keine repräsentative politische Einheit. In Luthers Schrift„An den ckiristlichen Adel deutscher Ration" wird Nation im Unterschied zu Volk gebraucht: Notion(Bischöse und Fürsten) wird die polftilch aktive und herrsch ende Einheit. Im 18. Jahrhundert übernimmt das aus- steigende Bürgertum das Wort Nation, um sich vom„Volk" (peuple), zu dein es Oben noch gehört hat, zu unterscheiden und, was von besonderer Wichtigkeit ist, zn d i st a n z i e r e n. In 5er Französischen Revolution wird dann die heutige Bedeutung des Wortes „Ration" als' große einheitsstiftcltde politische Gemeinschast festgelegt. Jede„Begründung" des politischen und geschichtlichen Fak- tums der Nation, die allein Merkmale wie Sprache, Blut, Rosse, Bode», Klima usw. aneinanderreiht, ist ebenso unzureichend wie die sickjektwistische und nu>stischc Boraussetzung eines„Volksgeistes", der der Geschichte gleichsam vorausgehen soll. Tic u;odcr»c Nation ist das Resultat einer historischen Entwicklung, wie es der bedeutende französische Forscher Ernest Renan ein- mal ausgesprochen hat. Eine Soziologie der modernen Nation nmß demnach auf den g«?«a i ch t l i ch e n Entwicklungsprozeß der Nationbildung zurückgreiien. Heinz O. Ziegler geht in seinem Buch„Die m o d e r n e N a t i o n"(Berlag Mohr, Tübingen, 1931) diesen Weg, der allein zu einer sachgemäßen Klarstellung von Idee uird Wirklichkeit der Nation führen kann. (hin weiterer Artikel folgt.) SoWs so in Preussen werden f Flüchtige Au fxeichnung aus Neapel I9&Z Von 0*F, Heinrich Um die Mittagszeit schlendert man gern durch die alten Gassen Neapels,. die um die Piazza Dante herum liegen und von der Via Roma abwärts nach dem Hafenviertel sichren. Händler schreien den Üblichen Salm: jetzo: Orangen, Zitronen. Gemüse, Fische. Brot, Fleisch. Es ist eng und schmutzig, weil vieles zur Erde fällt und nur wenig aufgehoben wird. Die Sonne Süditaliens--. Sie sah Jahrtausende hindurch icher Gereäste und Ungerechte, wanderte über das Forum Ro- manum wie über den Palazzo EHigi, sie strahlte über dem freien Italien wie über dem protzenden Rutenbündel. Das aber prangt in symbolischer Vereinigung mit dem Beil in Miniaturausgabe auf der Brust so manchen Italieners, der die Freiheit verkaufte, ehe er sie befaß. Am besten ißt man zu Mittag in den kleinen Kneipen, die unscheinbar für Fremde und wenig verlockend, irgendwo in die Häuser- wände eingenistet, warten. Was gibt's? Fischsuppe, Salat von Blumenkohl, gerostetes Huhn, Gorgonznla und zum Schluß eine saftige Catania-Orange. Ich- esse. mtt zwei Neapolitanern zusammen an einem der kleinen, weißgedeckten Tische. Es schmeckt ihnen scheinbar ebensogut wie mir. Vielleicht war diese über das Weinglas hinüber freudig festgestellte Genugtuung der Beginn unseres Gespräches. Jedenfalls brachte— o Freude— der eine von ihnen ein paar deutsche Vokabeln angeschleppt. Er sprach sie mit großer Mühe und strahlte, daß ich sie verstand, denn er hatte den Brenner nordwärts noch nicht überschritte», sondern die stuere Sprak bruchstückweise aus Büchern gestemmt. Nun klapperte sie in einem nur weichere Laute gewohnten Munde wie ein schlecht geöltes und darob flockendes Räderwerk. Nichts hätte das heitere Wortgeplänkel, die Freude am gegen- seitigen Verstehen gestört, wenn nicht zwei F äs ch i st e n vom Nebentische aus geäugt hätten: aha, ein Ausländer, zwei sogar (denn die blonde Dame neben mir stammte schwerlich aus Palermo). An die Neugierde der uniformierten Beglücker Italiens ist man gewöhnt: also: iß weiter'und laß sie glotzen. Doch dabei darf es nicht bleiben. Sie stehen auf. treten Hera» und nun erheben sich auch die beiden Neapolitaner, Worte hin. Worte her. Ausweise werden hervorgekramt, Brieftaschen durch- j sucht, Fragen gestellt, Antworten gegeben. Die Gäste schielen. Der Kellner vergißt zu bedienen. Donna Maria kommt aus dem qualmenden Küchenwintel. Wird sie reden? Sie redet nicht. Zllles ist still. Nur die zwei Herren vom Fascio verhören chre kleinen, ach so kleinen Landsleute. Was mag denn los sein? Haben die fröhlichen Gegenüber was ausgesressen? Werden sie gesucht? Ick) frage vorsichtig. Verstohlen wird mir ein Zeichen gemacht: ich möge mich gedulden bis nachher. Eine zieinlirh ängstliche Geste war es. Endlich ist das Verhör beendet. Die Faschisten verlassen die zerstörte Gemütlichkeit des kleinen Raumes und verschwinden im Freien: das Gewühl der Straße verschlingt chre wehenden Mäntel. Als ob jemand auf einen verborgenen Knopf gedruckt hätte, Fetzen die Gespräche wieder ein. Ich bin natürlich neugierig und begleite die beiden später ein großes Stück die Via Roma abwärts. Jetzt entdecke ich bei dem einen dos faschistische Abzeichen.— Noch merkwürdiger... „Nun sagen Sie mir, was sollte das alles?" Sie sehen sich um: nein, es hört niemand zu. „Weil wir habe» zusammen gesessen mit Altsländern." Der andere nickt, die Mundwinkel spöttisch verzogen:„Ja, das ist alles!— Die Freiheit Italiens!" Und auf meinen Einwurf, daß er doch— dem Abzeichen nach — Mitglied der faschistischen Partei sei, ein müdes Abwinken mit der losen. Hand:„Ich bin Kaufmann. Wenn ich das nicht mit- mache, kann ich in einem Jahr meinen Laden schließen. Vielen ist es ia gegangen,-die sich zuerst-weigerten.-Nach zwei Jahr««- öffnet man die Listen... dann ist es zu spät. Gewaltsamer Boykott tötet." Was ick) schon lange geahnt, hier wurde es mir bestätigt: nicht alle sind Anhänger des Dnee, die mit seinem Zeichen aufwarten. Es werden sogar Hasser unter ihnen sein. Verärgert über die Blamage seines Vaterlandes vor einem Ausländer fuhr er fort: „Aber glauben Sie nicht, daß ich mit Erfolg gesegnet bin, weil ich zur faschistischen Partei gehöre. Das ganze Jahr über muß ich „spenden", für ein Denkmal, für ein Kraftwerk, ein andermal für die Lnslflotte, und wenn ich am Ende Bilanz ziehe, dann bleibt mir nichts mehr übrig, nichts!" Wir unterhalten uns noch eine Weile An den Galerie Um- berto trennen wir uns.-Auf dem weiten Wege zur Piazza Amadea stellte ich Vergleiche an. Kein Wunder, daß ich iwrdwärts geriet: Dort leben Menschen, die sich die gleichen Fesseln schmieden und obendrein erfreiii zuschauen, wie das Eisen schon glüht, wie es zäh gebogen wird, zur Klammer geformt... Einmal erkaliet, öffnet es nie mehr den erdrückenden Ring, in dem alles, was sich Meirsch nennen darf, verkümmert und ver- dirbt.. „La�ciatc'ogni speranza" schrieb Dante über das Tor zur Hölle.„Laßt alle Hoffnung fahren" müßten auch wir als furcht- baren Spruch wählen, wenn wir statt die Freiheit zu ver- leidigen, einem Phantom auch nur«inen Zoll breit Platz ließen! ASs Großstädter aufs Zand Kürzlich veranstaltete die Berliner Fimkftunde«in äußerst inter- «ssantes Zwiegespräch zwischen einem S i e d l e r b a u e r n und einem g r o ß st ä d t i s ch e n Freunde der Siedlerbewegung über das Thema:„Als Großsta-dtarbeiter aufs Land". Die Diskussion sollte der Verständigung und Zusammenarbeit von Land- und Stadtlevölkcrung dienen und im besonderen die Schwierig- feiten, Ziele und Erfolge der Umsiedlung von Stadtarbeitcrn zu bäuerlichen Siedlern auszeigen. Der Siedlervertreter, selbst früherer Industriearbeiter, hat nach längerer Arbeitswsigkett mit Hilfe der auf dielem Gebiete erfolgreich arbeitenden preußischen Staatsregierung den Weg au's Land ge- wagt. Er. schilderte in klarer und überzeugender Form, welch schwere Saiten und Entbehrungen zu überwinden gewesen seien, welche körperliche, geistige und seelische Umstellung es erfordere, plötzlich umzulernen, um sich als Bauer im neuen Berus zu behau p- len und einen wirtsclfafllich rentablen Betrieb auszubauen. Aber«r meinte, daß es.sich wohl lohne, auch eine Zeitlang auf die Freuden her Großstadt, aus viele Erholungs-, Bergnügungs. und auch nebenberufliche Bildungsmöglichkeiten verzichten zu müssen: trotz härte- ster Arbeit bedeute es bei' der heutigen Krisenzett ja unendlich viel. auf eigener' Scholle zunächst einmal Wohnung und Brot zu haben und von dem zermürbenden Schicksal der Arbeitsloskg- keit und des Stempelnmüsfens befreit zu sein! Stark. betonte er auch, daß der Weg vom Inditstriearbeiter zum! Bauern Zwar auch«lue. wirtschaftliche Umstellung des Arbeitsbewußt-| («ins mit sich bringe, da man sozusagen vom Berbraucherstandpunkt\ zum Erzeugerstandpunkt hinüberwechsle. Aber das begünstige auch j eine bewußte und organisch ernf zubauende Z u s a rn m c n a rb ei t■ zwischen S.t a d f und Land, weil man die Sorgen und Erfahrungen des ästen Berufs nicht vergessen werde. Die Erkenntnisse au- der früheren disziplinierten und solidarischen Mitarbeit in der A r b e i t e r o r g a n i s a i i o n, in der G e w e r k s ch a f t brauchten nicht verneint und verleugnet zu werden-, vielmehr laise sich aus diesen Erfahrungen heraus' eine.fruchtbare g e n 0 f s c»schüft liche Zusammenarbeit der S i e dl ergcin« i» schaf- ten gestalten. Bon hier aus führten daim auch bald die' Wege zur praktifcheim Verbindung mit' der Stadtbevölkerung. Beide Redner bejahten die Notwendigkeit des weitere»'Aus- baues der ländlichen Bolkshochschulbildung, des ländlichen fachlichen Fonbilditngsschnlwesens. Besonderer Wert müsse auch auf die Or- ganisierung ständiger, im Orte selbst regelmäßig- erreichbarer Vera- tung der Landbevölkerung in landwirtschnstlichen, behördlichen, steuerlichen und wirtjclzafllichen Fragen gelegt werden. Es ist erfreulich, daß die Berliner Funkstunde derartig national» wie sozialpolitisch wichtigen Auseinandersetzungen ihre Hilfe zuteil ux-rden läßt..Der Rundfunk ist. gewiß mit- dazu, berufen, auch Cer praktischen Verständigung von Land- und Stadtbevölkerung zur Klärung aller wirtschaftlich und kulturell bedeutsamen Probleme zn dienen. In dieser Woche werde.» ja innerhalb der Vortragsreihen für- Erwerlslos«' speziell- Siedlerfragen behandelt. Hoffentlich wird dieser' Weg' weitergegangen. Zlussprachen über die ländwirtschait- liche Preisbildung,' über Absätzorganilation. Qualiiätsproduktion wurden sicher Anklang finden Die K l e i n b a u e r n s ch a f t hat ein Interesse daran, den Kontakt mit der Großftadt nicht zu ver- licrcu und n1rl7ergebra'Hte>"übe?lebte' Gegensätze,' besonders zur pro- latarijchen Stadtbevölkerung, zu überbrücken. Arbeiter- und Bauern- schaft müssen dem.Ziele einer kameradschaftlichen,. geistigen m:!' wirlschastlichen Zusammenarbeit zusteuern. Die Wassersportsaison beginnt Die Freien Segler und die Arbeiter-Ruderer fahren an Wenn man den Winter auch nicht als besonders l>art bezeich- nen kann, so daaerte er dafür uin so länger. Aber die wenigen warmen Tage der legten Woche haben an den nahenden Frühling erinnert und nun herrscht ans den Bootsplägcn der'Arbeiterseglcr reges Treiben, um die Instandsetzung der Boote pünktlich zu vollenden. So mancher hat sich die Ausgaben für Lack und Farbe in diesem Jahre buchstäblich vom Munde absparen müssen, macht doch die Erhaltung des schwer erworbenen Bootsmaterials sorgfältige Pflege notwendig. Die ineisten Boote befinden sich jetzt schon im Wasser, denn am kommenden Sonntag findet schon die erste offizielle Beronstaltung des„Freien Scglcr-Verbandes" statt. Der Kreis Berlin hat am 17. April sein Ansegeln in Gestalt von Geschwadcrsahrten. Die Vereine der Gruppe W e st starten um W> Uhr aus dem Tegeler See, aus der Unterhovel und aus dcnt Wannsoe. Im Osten versammeln sich die Vereine der Obcrspree vor dem Bootsplatz des Segclklubs„Fratrrnitas" in Köpenick zu einer Gcschrvaderfahrt auf der Dahme und dem Seddinsec. Die Vereine der Müggel treffen sich um WA Uhr aus der Müggel. Uebcrall wird die Flagge des Freien Segler-Bcrbandes, der rote Ball im weißen Felde, am Sonntag das Feld beherrschen. Schwer haben die Vereine in diesem furchtbaren Notwinter gekämpft, um trotz der Arbeitslosigkeit eines großen Teils ihrer Mitglieder das schwer erworbene Vercinseigenlum und das für jeden einzelnen unersetzbare Bootsmateriol zu erhallen. Erfordert doch der Segelsport von seinen Anhängern weit mehr Opfer als jede andere Sportart. Trotz dieser Sorgen durste die Propaganda nicht ruhen. Wenn es gelang, während der Wintermonate sechs Vereine für den Freien Segler- Verband neu zu gewinitcn, io darf man mit diesem Ergebnis zufrieden fein. Während die bürgerlichen Vereine überall einen Verlust von Mit- gliedern zu beklagen haben, gebang es dem Freien Segler-Verlrand nicht nur in allen Vereinen seine Mitgliederzahlen zu erhalten, sondern seit Schluß der vorjährigen Segclsaison neue Vereine zu gewinnen. Fürwahr ein glänzendes Zeichen für die Wcrbetraft des Arbeitersportes. Ausgenommen wurden folgende Vereine' Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold, Scglergruppc, Bootshäfen in Köpenick, Wcndcnschloß- straßc 122, und Tegel, Uscrstr. 1; cheiligcriseer Segelclub e. 25., Bootshafen: Neuenüorfer See; Freie Segler Krüpelsee, Bootshafen: Krllpelsee: Segclclub„Havel", Bootsl)asen: Neue Schleus« bei Rathenow: Segelclub„Wiling", Bootshafen: Tegel. Bernaucr Straße, am Wasserwerk: Freier Wassersport-Verein Elbe, Boote- Hafen: Harburg-Wilhclmsburg, und Dresdener Sogelverein, Boots- Hafen: Dresden. Mit diesen neuen Stützpunkten vereinigt der Freie Segler-Verband 54 Vereine, eine stattliche Flotte, der sich i» dieser Segelsaison hoffentlich noch mancher hinzugefcllen wird. der Havel-Rudervereine Der Zug Havel der Rcichsbanncr-Wassersport- abtcilung veranstaltet zusammen mit dem Nudervercin Butab, dem Ruderverein Collegia, den Freien Schwimmern Charlottenburg, der Havelaktionsgruppe Potsdam, der Freien Kanu-Union und dein Wasserspoxtverein Nowawes am Sonntag, 17. April, das A n- fahren. Die' gemeinsam« Abfahrt beginnt vom Vootshaus des Rudcrvcreins Butab ii? Tiefwerder um 10 Uhr. Bor dein Bootshaus des Ruderoercins Collegia in Gatow wird kurz Haltgeinacht und Collegia schließt sich dem Zuge an. Von hier aus erfolgt die Weiter- fahrt zum Großen Fenster, wo die Havelaktionsgruppe Potsdam und der Wasfcrsportverein tzdowawcs sich einfinden. Es wird kurze Zeit Rast gemacht. Ein Kamerad wird eine kurze Ansprache halten. Anschließend erfolgt die Rückfahrt nach Ticfwerder. Die Havel- aktionsgruppe Potsdam und der Wassersportverein Nowawes verabschieden sich und fahren in Richtung nach Potsdam, während die aichercn Vereine Richtung»ach Tiefwerder nehmen. Im Restaurant Schulz in Tiefwcrder, Tiefwerderftr. 5, findet gegen Abend ein Bei- fammenscin statt. Alle Republikaner sind höflichst eingeladen. Der Rudervercin Collegia hat seine Saalveranstaltung in den Dienst der Werbung für die Preußen wähl gestellt und wird im Zeichen der Eisernen Front im Gasthaus zur Linde in Gatow mit den Gatowcr und Spandauer Parteigenossen eine großzügige Werbeveranstoltung durchführen, bei der Genosse Land- tagsabgeordneter M aderholz im Rahmen literarischer Dar- bietungen sprechen wird. Hierzu sind ebenfalls alle Gewerkschafls- und Parteigenossen eingeladen. Die diesjährige Frühlingsanfahrt des republikanischen Deut- scheu Reich sautoklubs findet in allen Ortsgruppen des Reichs gleichmäßig am 17. April statt. Die Ortsgruppen Berlin, Stettin, Frankfurt a. d. O. und Fllrstenwaldc, die zum Bezirk 1 Brandenburg-Pommern zusammengeschlossen sind, veranstalten die Frllhlingsanfahrt nach K ü st r i n zugleich als konstituierende An- fahrt der Sportgemeinschaft Brandcnburg-Pommcrn. Die gemein- same'Abfahrt der Motorräder erfolgt vom Rudolf-Wilde-Platz pünktlich um 8 Ilhr früh unter Leitung des Vorsitzenden des Motor- radkartells im DR'AC., Bredig. Ilm 9 Uhr erfolgt sodann eben- falls am Rudolf-Wilde-Platz(Schöneberger Rathaus) die Zlbfahrt der Kraftwagen unter Beteiligung des Präsidiums und unter Füh- rung des Vorstandes der Ortsgruppe Berlin. Die Fahrt führt über Müncheberg-Scelow nach Küstrin, wo überall Begrüßungen durch Klubkameraden, die sich der Kolonne anschließen, erfolgen werden. Für Küstrin ist ein gemeinsames Mittagessen vorgesehen, in dessen Verlaus Vertreter der Stadlverwaltung und der sportlichen Organ!» sationen Begrüßungsansprachen hallen werden. Die Nachmittags- stunde» sind den Teilnehmern der Fahrt freigegeben, um sich enl- weder an örtlichen Veranstaltungen in Küstrin zu beteiligen oder aber die Stadt zu besichtigen. Die Rückfahrt eriolgt über Buckow, wo die Kaiieetaiel vorgeiehen ist. Am Abend zwangloses Bei- sainmenfein in den Klubräumcn des DRAC., Charlottenburg, Hardenbcrgstr. 10. Was der Sport bringt Arbeitersporthches aus aller Welt und anderes Das Wasserballspicl in Deutschland. Nach den neuesten statisti- schcn Erhebungen spielen im Arbeiter-Turn- und Sparlbund Deutschlands insgesamt 1004 Mannschaften Wasserball. Sie verteilen sich im Reich auf folgende llliannschasten: 184 jcinderwasserballinann- Mannschaft«», 142 Männer-.V-Mannschaitcn, 383 Männer-V-Mann- schaftcn und 03 Pushballmannschosten(Frauen). Die Zahl der ge- meldeten Wasserballspicle bclles sich für das Jahr 1031 auf 3635, davon sind 02 Meisterschasts-, 806 Serien- und 4740 Frcundschasts- spiele. Das ergibt einen starken Spielbetrieb der Schwimmer, bei dem zu bedenken ist, daß«in sehr großer Teil dcr Schwimmvercine ihren Uebungs- und Spielbetrieb nur im Sommer durchführen kann. Großer Erfolg der Arbe'leralhlclen in Belgien. In den letzten Jahren hatte der Deutsche'2lrbeilerathletenbund mit den belgischen Arleiterathleten wiederholt sportlich« Beziehungen angeknüpft, die sich jetzt in crsrculichcist Maße auszuwirken beginnen. Dem Fach- ausschuh für Schwerathletik dcr Sozialistischen 2lrbeilersportintcr° nationale wird mitgeteilt, daß sich in Antwerpen 12 Ringsportvcr- eine vom bürgerlichen Verband losgesagt und dem belgischen Ar- bcllcrsport angeschlossen haben. Der Arbeiterathtctcnbund Deutsch- lands ist bereits dabei, eine Ringermonnschast aufzustellen, die gegen ein« erstklassige belgische Mannschaft am 7. und 8. Mai kämpft. Arbeitersport in Palästina. Der palästinische Arbeiiersportver- l'.ind berichtet über großen Mangel an Turnhallen und schreibt: „Wir haben jetzt die Möglichkell, mit einer Anfangssuunne von etwa 200 bis 300 Pfund ein Haus des Hapoel zu bauen, das eine moderne Turnhalle und 3 bis 4 Zimmer enthält. Diese geringe Summe genügt für den Ansang, da alle Gewerkschaften uns mit Geld und Arbeitsleistung beim Bau helfen werden. Außerdem haben uns die Arbeitsausschüsse von Haifa und Tel-Zloiv Bauplätze geschenki. Die Errichtung von Turnhallen in den Städten Jeruia- lein, Haifa und Tel-Auiv ist jetzt für uns eine Existenzfrage, da die bürgerlichen Sportorganisationen in diesen Städten großartige Turn. hallen errichicten. hollenlrain'ng der Leichtathleten betitell sich der drllte Werbe- abend des Vereins Volkssport Wedding im Rahmen seiner Siebzig- sahrscier. Ilm 20 Uhr werden heute die Sportler und Sportlerinnen in der Lessinghalle, Pankstr. 18, antreten und durch lcichtathletische Darbietungen für den 2Z«rein werben. Zlus dem Programm mit Massengymnastik, Sportmassage, Medizinballübungcn werde» die Hoch- und Weitsprungkonkurrenzen und die Rundenstasetten beion- Hers hervorragen. Spiele aller Art sargen für Abwechslung. Uebungszeiten sink» Montag» von 20—22 Uhr für Frauen und Freitags von 20—22 Uhr für Männer und Jugendliche in dcr Turn- Halls Pankstr. 18. D«r Berliner veweguogschor wirbt unter dem Motto„Aus- druck und Ziel" am Donnerstag. 21. April. 20 Uhr, im Saalbau Neukölln, Bergstr. 147, mit einer großen Bühnenschau unter der Mitwirkung des Orchesters der SAJ. Das Programm bringt Er"st«z und Helleres auf dem Gebiets ber inodsrnen Bewegung-- gestaltung. Eintritt 0,50 M. für Erwachsene und 0,25 M. für Jugendliche und Erwerbslos«. Neue Phvlogruppcn im Osten und ln Neukölln. Die Arbeiter- Pbolo-Gilde eröffnet in dem Jugendheim Frankjurter Allee 307 und im Neuköllner Jugendheim, Bergstraße 20, neue Untergruppen, die die Bezeichnungen Osten und Süden tragen. Osten tagt jeden Mitt- wach von 30 bis 22 Uhr, Süden jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr. Interessierte Photoamateure sind zu den Abnibe» willkommen. Weitere Gruppen bestehen in Tegel(jeden Montag, 20 Uhr, Jugendheim Schöncbergcr Straße) und Lindeuhof(jeden Montag, 20 Uhr, Dunkelkammer, Eythstr. 48). Die Freie Photo- Vereinigung tagt jeden Donnerstag, 20 Uhr, im Physikzimmer der weltlichen Schule, Pank-, Ecke Wiesenstrahc. „Republikanischer Rlolorradclub". Auch in diesem Jahre nehmen wir Gelegenheit, auf den Republikanischen Motorradclub Berlin E.V. hinzuweisen, der dem Deutschen Rcichs-Äluto-Club angeschlossen ist. Diese Interessenvertretung republikanischer Motorradfahrer bietet neben Ausarbeitung von Touren, Beratung in technischen und juristischen Angelcgenlieiten auch äußerst günstigen Versicherung»- schütz. In sportlicher Hinsicht wechseln Freundschasts-Ausfahrtcn mit Geschicklichkcitsprüfungcn und anderen sportlichen Beranstaltungen in bunter Reihenfolge. Trotzdem wird bei jeder Veranstaltung Rück- ficht aus die heutige Wirtschaftslage genommen, so daß jeder daran teilnehmen tänn. Sitzungen jeden 1. Donnerstag im Monat im Restaurant Gewerksthaftshaus, Cngcluscr 24/25. Bei den Ringkämpfen im Zirkus Busch siegten gestern Ba- durski-Polen über Weinert-Sachsen. Raucr-Estland über Bela Nagy- Ungarn, ferner Schachschncider-Bcrlin über Bognar-Ungarn. Ueber Brückner-Breslau kam der Ostpreuße Räber zu einem ciiwrucks- vollen Sieg. Im Entscheidungskomps warf Sandor Nagy-Ungarn den Bayer Trinkgeld aus beide Schultern.— Heute, Donnerstag, kämpfen: Trinkgelo- Bayern gegen Zimmermann- Rheinland, Bela Nagy-Ungarn gegen Schachschneidcr-Berlin, Naber-Ostpreußen gegen Barothy-Ungarn. Ferner steht der Entscheidnngskainps Kowall- Berlin gegen Bognar-Ungarn und da- Zusammentreffen Grüneisen- Schweiz gegen Paßmann-Leitland aus oem Programm, sofern die am Bortage erlittene Verletzung des Letten ihn nicht am Kampie verhindern sollte. In diesem Falle wird Grüneisen gegen einen anderen erstklassigen Bewerber kämpfen. Dürgerlicbe gegen Bürgerliche Die Konkurrenz am Telephon Mit welchen Mitteln die Vertreter bürgerlicher Sportvereine gegen ihre Kameraden aus anderen Vereinen kämpfen, nur um hohe Einnahmen bei Spielen zu erreichen, zeigt eine Gerichtsver- Handlung, über die uns wie solgt berichtet wird: Im Januar sollte in Gießen aus dem Platz der bürgerlichen „Spielvereinigung 1000" ein Spiel zwischen dem Platzvercin und einer Mannschaft aus dem nahen Friedbcrg ausgetragen werden. Es war vorauszusehen, daß diejes Spiel großes Interesse bei dcr Bevölkerung finden würde und man rechneie mit einer hohen Ein- nahme. Doch mit des Geschickes Mächten ist nun mal kein ewiger Bund zu flechten— die Fricdberger Mannschaft traf an dem be- treffenden Sowuag nicht zur festgesetzten Zeit ein. Darüber große Ilcberraschung und Aufregung bei den 1000er. Man tclephonierte nach Friedbcrg und erhielt zur Antwort, die Mannschaft sei ja vormittags tele phonisch abbestellt worden...! Nun erstatteten die 1000er, höchst erbost über diesen Streich, Anzeige bei dcr Polizei. Im anlllichen Polizcibericht wurde gcsagl: „Die aus Grund einer Anzeige hin sasort aufgenommenen polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß das Gespräch mit Fried- bcrg wegen dcr Absage des Spiels am Lormittag von dem Warte- soal 1. und 2. Klasse des hiesigen 5)auptbahnhofs aus geführt wurde. Der iin Verdacht stehende Führer des Gesprächs wurde von dein Kellner der Bahlchofswirtjchast. der die Anmeldung des Gesprächs erledigte, mit Bestimmtheit wiedererkannt. Auch ein weiterer Zeuge bekundet, daß er den ihm persönlich Bekannten zur fraglichen Zeit in der Bahnhofshalle gesehen habe. Der Beschuldigte, der einem anderen Gießener bürgerlichen Sportverein an- gehört, stellt ober die Führung des Gesprächs und seine An- Wesenheit in der Bahnhofshalle in Abrede. Die zum Abschluß gekommenen Akten werden der Amtsaiiwaltschaft zugeleitet..." Bor wenigen Tagen fand nun die Gerichtsverhandlung statt. Dcr Amtsanwalt Halle sogar zwei Sünder vor sich aus der Aiiklagc- dank sitzen, denn es Halle sich inzwischen herausgestellt, daß noch einer an diesem Streich beteiligt war. Ferner kam ans Tageslicht, daß beide Vor st ands Mitglieder in i'hrem Berein sind. Sie waren nun wegen Betrugs angeklagt, da die An- klage behauptete, sie hätten durch das Telephonmanövcr die Platz- einnähme ihrem Verein sichern wollen, der am gleichen Tage ein Spiel angesetzt hatte. Deshalb gingen sie ans Telephon und be- stellten den Verein aus Friedberg ab. Das Gericht verurteilte die beiden Vorstandsmitglieder, die bis zum letzten Augenblick leugneten. zu 80 und 50 M. Geldstrafe. Dazu kommt noch die schon an- gekündigte Schadcnsersatzrechnung. Waldlaut der Foli�e! Mit Start und Ziel aus dem Platz des SC. Charloticnburg in Eichkamp brachte die Berliner Schutzpolizei am Mittwoch ihren Frühjahrs-Waldlauf verbunden mit dcr M e> st e r s ch a f t über 10 Kilometer. Sieger blieb Hauptwachtmeistcr Brau ch (Bereitschaft Treptow). Der bekannte Langstreckler siegte in 32:00 vor Wachtmeister Tanke(Bereitschaft Kreuzberg) in 32:33,5, Buh k (Polizeischule Brandenburg) in 33:03 und Psarr(Bereitschaft Zeh- lendors) in 33:11. Als Fünfter und zugleich Erster der Junioren passierte Haubanh(Westend) in 33:17 das Ziel. vom Steg. Sic Mannschaflsfahrcr und Prindtbootfahrcr trctcil um 9 Uhr im Zmotshausc an. Abends im Laotshaus Kcisammcnscin.(Sästc herzlichst will- lamme». FTSS. Vcrlraltungoausschuhfizunq heute, A Uhr, KrcisgcschSitsstcllc, Clsiincr krir.»i-1». Freie na»». Union Krob-Lerlin e. P. Frcita.?. tä. April, 20 Uhr. Mitzlieder» vcrsaininlung.„Zur c-ichc", Neukölln, Zaiser-Friedrilli. Ecke Eoalcllrahe. Mit- atiedcr werden auipenomme».— IS Uhr Lorftandsuzung dcr Abtetluna Ober- lprc? ebenda.— Abt. Hauet! Eannlag. 17. April, Anpaddeln. Treffpunkt S Uhr im Lootshau» Fleiildcr. Spandau.(Sütelstr. 7ö. Loolsstande find noch frei. Mitglieder und Mannschaftsfabrer werden noch aufgenommen. Freie Luderoercinignng tvlll. Sitzung 17. April. StrandschloH Oberschönc- weide. Naiscrklr. t. Anrudern l7. April Ncn.Heringodors. Nach dem Anrudern ständiger Troinlngsdctrieb im Joalohaus. MilgUeder werden noch in den Frauen-, Jugend, und Männerabteilungen aufgenommen. Rudcrocrrin Sollegio. Freitag.>7. April. 7U Uhr. Fahrtenonfetzunq Zum Sonntag, anschlicitcnd Vortrag Uber Ruderlechnik. Sonntag. 17. April, find alle t!,enossen um S Uhr auf dem Lootsplatz. Freie Schwimmer Srog-Lerlin, Gruppe Nculoll». Die zum Sonnabend, Iii. April, angesetzte lSrüppenversammlung fällt aus. Touristcnvercin„Die Aaturfrenadc". Donnerstag, tt. April. Abt. Tier» garten! Lehrter Str. IS— ltz(Zimmer 1). Bolkslicdcrabend.— Abt. Arbeitsgemeinschaft Lindeuhof: Heimabend fällt aus, dafiir Besichtigung dcr Natur» tundlichen Ausstellung mit Lichtbilderoortraa in dcr vefchäftsilelle Johannis- strafte 1ö. l9 Uhr.— Freitag, lü. April. Photoarbeitsgemeinschait Sleukdlln: Z-crgstr. 20.— Motoarbeitsgemcinschgft Osten: Frankfurter Allee 907.— Falt- baolablcilunz: Iohanniostr. tü. Botanisches für Zaltbootler(Lpi. Lampatiaki. — Linclaplotz-Echdnhauirr Vorstadt: Lortzing- Ecke Eraunstratze. Bon deu Zei-- altern der Erde(Lichtbildervorirag).— SUdost: Manteuffelstr. 7. Seilcrc Nezi- tationen(F. Hofemannl.— Shartottenburg: Spreeftr. llll.— Britz: Ehausice- strghe 18(Nathgusl. Aus Nürnbergs Gefchi-Hlc und Sagenwelt.— Treptow: Slfenftr. 3. Münk auf Schallplatten.— Mrntag, 18. April. Malarmeinschoit: Manteuffelstr. 7.— Photostammgruppc: Johannisstr. 1ü. Wettbewerb: Wintcrbilder. ASU. Hellao. Zrauenuersammlung Donnerstag, lt. April, im Anschluß am Badcabend bei Sachse, Lindawcr Straße. Die Borstandsfitzung findet Freitag, i-~~ mm" WWM statt. am Freitag fällt ___________ WU._.__________..._________ HWWU nstcin, Oberbaum« brücke. Freunde und tSästc herzlich wittkommcn. Arbeiter. Sport-Negelllub„Larwärts". Trainingsabend feden Freitag. 20 llhtz, Sporthalle Alrraudriuenstr. IU7. Gäste herzlich willkommen. lürllppenjngendtag der I. und 2. Gruppe des z. Bezirks. Alle Lugend. abteilungen treffen sich Sonntag. 17. April, tv'f Uhr. am Bahnhof in Staaten. Von da gemeinsamer Marsch nach Dallgow. Fahnen nnd Aimpcl nicht per. gcsscn. Staaken ist erste und Dallgow zweite Station hinter Spandau. §las!§ iM. Theater Donacrstag« den 14. April staatsopor unter den Linden 20 Uhr Ein MasKenbail StMilitoscieta uebniciairti. 20 Uhr Egmoni Sdiilief-Theater Ctirloit/Mjburj. 20 Utu Osicrn »Garten- 6.15 iw Flau 3434"iiiditn iriiuiii nie oeue Vnrlcte-Bevuc „runr im Kll»ewai:en" mit llhrlich. Huliuu.v. Morean, Tliejmer, Sitnolanil usw. PtA2A IKihsSthiäi.Pnl. u.S11, St9i.!.5,8,»lI.Tll.:E7 WttoJ(Dil. Ein U«ii der Liebe _ Kleines TD.—< Unter den Linden Merkur 11-21 Täglich SV. Uhr IMMM ...üb, CAMN9'THEAlEK«,'.ui>' Lothringer Sti-at« 17. Berlins neuestes Operetten»Theater! „Reppina** Operelte In 3 Akten. Musik von R.Stolj LrltKI tjesingskr. Neue EOhnenausst Juischsin i-■) Personen, fartzeli so Hl. Stzuteust t— Mark Sessel i..V' Mark GROSSES SCHAÜSPIEHAÜS V/egen Vort>Qr©ltgng Z'jr Max» Relnhercit.-ln55:anl©runo „Die schöne Helena" blzelncclltievNch 16. April gcecblossen Premiere: 19. April. voiKsnimne Tlxaier an SOlawalcU 8 Uhr Kamrail Kasper VoIkSS'Uck von Paul Schüret Regle; Güoilier Stark Stall SdiiUel-lliMlif 8 Uhr Ottern Stadl. Oper Charluttenburtz dlsmarckstialle 34 Donnerst, 14. Api II Turnus II CiStter- dätutnerung BiääcrMjel, üarimaiii, holnnnL Dest)!, insrliDg. Sdiira4 Anlanj ISJO Uhr Ende 73..» Uhr Theater mollendoriplatz Pallas 7051 rv« Uhr,£tj iv. Uhr TpauMPfiaelit Opcreiie in 3Akier i.luD.Walll».Karl Sei» j Musik von fians Mav Regle: UciuSaltcobarg jRundfunkh. halb.Pr iät» Uhr kl. Pr. Rose. Theater IrtSi fuait.rtu Slreia 131 tu. Wiidn« t 1 342/ S" Uhr Die Frau. die Jeder sudn mmtm «ZW» ipupng� Restai'miit Berlins Homöopathie Nieren-. 3 isu-, l'ber-, Oalleo-,.Magen-, Dann-. Innere u. Nerven!.| äkc/an.>1 Unzair. 0 Bghpniii.iiiirta.IeVJvl io-i.«-7.stMi SlellWWlW) fioica in f iidilä| JUiclten auch bis IS Monats-Rsfen tiaSuizfa