Morgenausgabe «.Safjrsanä A 90 WijchenIIich?Z Pf., mnnotlich M » 87'Bf. monatlich für SuftrU lang ins Hau?) im rorons zalilbar. Boftbcjug 3,97 W. einschließlich 60 Bf. Bmlzeitungs- und 79 MPostdestellge» t>ühren.i!lualandsabl>nnement»,SZ:üt. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto<6S M. „Bonrärls� crschew! wochentäg- lich zweimal, Eomltags und Montags einmal, die Adendousqabe Kr Berlin und im Handel mit dem Titel ,,Dee i", Illustrierte Lonnlaasbeilaa« .Boll und Zeit". Abend", $ WM Nerliner VottSblatt Eonnobend 16. April 1962 Groß-Äerlin 10 ps. Auswärts i5 ,pf. �ic c f n 1 p a 1 1 MilluneterzeUe»0 Pf. Rsrklamezeile 2.- M„kleine j�ei�en" das fettgedruckte Wort'�0 Pf. �zulässig zwei fcttgedrnctteWorte'.jed' s weitere Wort 10 Pf. Nabatt!t. Tarif. Worte Uder 1.) Buchstaben zahlen für zwei Worte. Arbeitsmartt Millimeter« zeile 25 Pf. Familien anzeigen Milli« '.neterzeile 10 Pf. Anzeigenannohme im vauptaeschäft Lindenftraße lt. wochentäglich von v'/, bis 17 Mir. Ter Perlog behält sich dasRecht dcr Älb« lehnung mchtgenehmerAnzeigen vor! Jentvalovgan der Sozialdemokvatistven Partei Deutschlands N e l> a k t i o n und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 �ccnlpr.. Töltholl(A T) 293—£97. Telegrainm.Zldr.: Sozialdemokrat Scrltu. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. PostlchcckkoMo:Berlin37öZK.— Bankkonto; Baukdcr'Arbeuer.Äilgcflklli«»«nd Beamleit.Littdcnslr.J. Dt.B.u.DlKc.-Ecj., Depolitenk., Ierlljalcmcr Str. vö-i-ij. sA.-Spionage in der Polizei Polizeisunksprüche bespitzelt.— SA. soll illegal sortgeseht werden. D a r m st a d i, 15. April sLiqenbcrichlj. Amtlich wird mitgeteilt: Wenn der sächsische Landtagsabgeordncte der ftSDAP. Sludentkowsky dieser läge, nach dem verbot der SA., in einer Leipziger Versammlung mitgetcilt hol. es könne niemand wisse», ob sich die SA.-Zvitglieder nicht in Form irgendeines Kegel- klubs weiter zusammenschlirszen, so ist in chessen komplettes Material gesunden worden, aus dem hervorgeht, das, die Zortsührung d e r S A. u n d S S. in dieser illegalen Jorm bereits bis ins kleinste durchorganisiert Ist. Der Polizei ist ein groszes Paket Geheimmaterial der hessischen SS.-Zührer in die Hönde gesallen, in dem sich über ganz Hessen verteilt zahlreiche Geheimadressen und Angaben darüber befinden, wie die SA. in den einzelnen'Vrlcn als G e s a n g- vereine, Kegelklubs. Skalklubs oder Box- und Sportvcreiue weiter zu desleljeu gedenkt. Auhcrardentlich ausschluszrcich für die systematische Bespitzelung und für dle Verleitung zum Verrat van Dienstgeheimnissen hoher und höchster Amtsstellen sowie der Polizei durch SA.- uud SS.- Funktionäre ist ein Dokument, dos ebenfalls bei den Aktenstücken eines hohen SS.-Aührers gesunden wurde. Es ist der Brief des Für Recht und Verfassung! Ein Rundschreiben des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Unmittelbar nackz der Verordnung des Reichspräsidenten über die Auflösung der SA- hat die Bundeslcitung des Reichs- ba.iners S6)warz-Rot-Gold das folgende Rundschreiben an olle G a u v o r st ä n d c des Reichsbanners gerichtet: .iiamcraden! Durch Verordnung des Herrn Rcichsprosidcntcn ist die nationalsozialistische Partei-Armce ausgelöst worden. Damit fällt für dos Reichsbanner die Notwendigicil fort, weiter in dein Äcreitschastszustand zn bleiben, der uns durch die Angrifss- Vorbereitungen der Nationalsozialisten aufgezwungen war. Die Lundcslcitung ordnet demgemäj; an: Im ganzen Reichsgebiet sind alle außerordentlichen Schutzmaßnahmen ans zu- hebe ii. Mit dein FortiaU der unmittelbar drohenden Angrisjs- gefahr Haren die besonderen Funktionen aus, die der S ch u f o und den S a n d e r s o r m a t i o n c n übertragen wurden. In der Hand- habung des Saalschutzes ist. wo es die örtlichen Lechöltnissc gestatten, das Hauptgewicht auf die propagandistische tilusgc- staltung der Äcrsauimlungcn zu legen. Verlrauen schasst Vertrauen! Das ganze Auftreten des Reichs- banners muß wie bisher unmißuerstandiich zum Ausdruck bringen, daß wir uns de m Staats willencinordnen, die Staats- o u t o r i t ä t stärken und stützen. Mehr noch: es kommt darauf an, bis in die Reihen unserer Gegner die Ileberzeugung zu tragen, daß das Reichsbanner niemals Staat im Staate sein wollte und sein will, daß wir nie daran gedacht haben und nicht daran denken, gegen Recht und Verfassung unsere �ielc mit Gewalt durchzusetzen. A! i t der Wohl des Herrn Reichspräsidenten von hindenburg i st ein Sieg für Verfassung und Demokratie e r st r i t t e n, die Gefahr des unmittelbar drohen- den Bürgerkrieges von Deutschland genommen. Unser Kampf um den inneren Frieden Deutschlands ist nicht umsonst gewesen. Die Phrase von der Republik und den Republikanern, die sich nicht zu wehren verstehen, ist abgetan. Setzt das Werk der inneren Befriedung Teutschlands fort, inerbt für republikanische'.Vtchrhcitcn in den Ländcrparlamenten, die am Ä4. April neu gewählt werden! Unsere ganze organisatorische und propagandistische Kraft setzen wir nunmehr ein für die eine große Aufgabe dieser Zeit: der Reichsregierung und allen, die guten Willens find, zu helfen, d i e furchtbare Wirtlchastsnot zu überwinden. Die angeordneten Maßnahmen find durchzuführen, ungeachtet des Umstandes. daß die bcfchlußfasscndcn Körperschaften des Reichs- banners mit Rücksicht auf die Ländcrwahlen erst nach dem 21. April zusammentreten rönne». Wir werden, getreu unsere» Bundessatznngen, weiterhin unsere Pflicht gegen Volk und Staat erfüllen. Die Bundesleitung. 5. A. gez.: holterwimn. Zicichstagsabgeorducleu Weitzel, Oberführer der Gruppe V West der SS. in Düsseldorf, in dem den SS.-Führcrn der Wortlaut wichtiger preußischer Polizcisunksprüche, die noch einem nur wenigen Personen bekannten Geheimschlüfsel gefunkt wurden, übertragen mitgeteilt wird. Es handelt sich um die Funksprüche??6. verlin Ar. 8?, 12. III. 1525 und ssd Pr. III Warle 131 vom Ii. III. 1735. Der Brief, der ofsenkundig auch an die anderen dem Oberführer unterstellten Stellen lief, lautet: „Anliegemd Abschrift eines Telegramms des Ä)ti- nisters Scvcring zur Kenntnis. Tas gleiche Telegramm sandte ich heute sämtlichen Gauleitern zur Kenntnis und iveitercn Veranlaffung. Alles Nähcrc hierüber am Samstag, gez. Weibel. Ter SS.-Gruppenführer West." Schließlich ist für den Eharatier der SS. noch folgendes kennzeichnend. Es wurde eine Reihe von ledernen Aklentafchen bei den höheren Führern beschlagnahmt. Bei diesen Aktenmappen war kaum eine, ans der nicht beim Oesfncn eine scharf geladene Pistole hcronssiel. Die Bekanntgabe des Rundschreibens ist eine Antwort auf dos stzstematische Bestreben der Rechtspresse, das Reichs- banner mit der inzwischen verbotenen Burgcrkriegsarmee Hitlers aus eine Stusc zu stellen. Alles und neues Preußen. Für Glcidtöeredifiünnü der Arbeltersdiafl. Die Deutschnationalen schreien:„Die parteipolitische Stellenbesetzung in Preußen beglückte folgende Parteibuchinhaber: der frühere Steindrucker Braun wurde Ministerpräsident, der frühere technische Angestellte lüdemann Finanzminister, der frühere Schlosser S e v e r i n g Minister des Innern, der frühere Eisendreher Kürbis Oberpräsident von Schleswig-Holstein, der frühere Holzarbeiter(Korbmacher) Noske Oberpräsident von Hannover usw. usw. So sind Hunderte von roten Bonzen nur mit Hilfe ihres Parteibuches in amtliche Stellungen gekommen, zu denen ihnen jede sachliche Vorbildung fehlte." Die Sozialdemokratie bekennt mit Stolz: Wir haben in der Verwallund das Monopol von Adel und lunherlnm debrodien. Wir haben einen Anfang mit der Gleichberechtigung der Arbeiterschaft in der preußischen Verwaltung gemacht. Wir wünschen, daß in Preußen die breiten Massen der Arbeiterschaft zur Staytsleitung herangezogen werden, so daß aus der formalen Gleichberechtigung die Mitarbeit der Arbeiter in allen Funktionen des Staates herauswächst. Die Sozialdemokratie bekennt sich dazu, daß sie Männer aus dem Voibe, die nur die Volksschule besucht haben, die aber ihre Qualifikation zur Bekleidung maßgebender Verwaltungsämter durch ihre Tätigkeif im ehrenamtlichen Dienste für Gemeinden, Gewerkschaften und in Parlamenten erworben haben, zu Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten, Landräten und Mi- nisterialbeamten gemacht hat. Das henfide System will im Gegensatz znm alten Prenpen die Heranziehung aller Kräfte des gesamten Volhes. Am 24. April wird darüber entschieden, ob die Arbeiterschaft weiter gleichberechtigt im Staat sein soll oder nicht Wer für die Gleichberechtigung ist, muß die Führer der preußischen Sozialdemokratie wählen; Oflo Braun u.CarS Severin� | Kulturpolitik in Preußen. Zum preußischen Wahlkampf. Vor» I-oopolcl«Teßner. Mehr als je können wir Sozialisten daraus hinweisen, daß wir in größtein Ausmaße von jeher Kulturpolitik getrieben haben. Zu einer Zeit, in der die Nationalsozialisten mit Bild, Schrift und Rede für ihre Wunschziele kämpfen, können wir mit Kraft und Klarheit ihnen die großen Ideen entgegensetzen, die sich in der sozialistischen Bewegung nüchtern und machtvoll verkörperten. Nicht nur der klingenden Phrase können wir mit abwehrender Haltung begegnen, den Gefühls- rausch verworrener Romantik mit nüchterner Kritik zur Be- sinnung bringen. Wir können gerade unsere Jugend darauf hinweisen, daß unsere Bewegung auf Gedanken aus- gebaut ist, die von großen Männern nicht nur erträumt, son- dern durchdacht worden sind. Nicht schwärmerische Gefühls- impulse haben unsere sozialistische Weltanschauung aufgebaut. An der Wiege des Sozialismus standen Wissenschaft, nüchter- ner Berstand und Erkenntnis. Und nur, ivenn das Gefühl sich vom Verstand kontrollieren läßt, kann es auf die Dauer schöpferisch werden und Wirklichkeit aufzimmern. Sehr deutlich wollett wir unserer Jugend sagen, daß die Sozialdemokratie niemals eine reine Lohnbewegung gewesen ist. Es ist nicht wahr und eine dreiste Vor- leumdung. wenn man gerade den Jüngeren weismachen will. daß sich der Sozialismus als„rein materialistische Bewegung" mir um das leibliche Wohl seiner Arbeiter kümmere, höhere Ansprüche des seelischen und geistigen Lebens aber unberück- sichtigt lasse. Man könne— so sagt man unter den jüngeren Menschen— für das Essen nicht dauernd begeistert sein— und aus diesem Grunde habe der Nationalismus mit seiner Gefuhlsbetontheit vor der Weltanschauung der Sozialdema- kratie einen größeren Vorsprung. Aber die Gefühlswerte jener reaktionären Paraden wir- ken auf den ruhigen Betrachter wie Kitsch— und gerade der Künstler fühlt sich berufen, die Pathetik von großtönenden Worten zurückzuweisen, mit denen der Nationalsozialist seine Gefühle nicht nur ausspricht, sondern sie marktschreierisch plakatiert. Er will mit hohen Worten betäuben, er will„gewinnen", mit Gefühlen Politik und Geschäfte machen. Um so entschiedener werden wir Sozialdemokraten uns an die„heilige Nüchternheit" zurückerinnern, die gerade deutsche Dichter von deutschen Kunst- und Gefühlswerten ge- fordert haben. Von einer solchen„heiligen Nüchternheit" sind die Ideen der Sozialdemokratie. Jeder Mensch, der sich an ihnen be- geistert, kann sie mit nüchternem Verstände nachprüfen. Die Sozialdemokratie trieb nicht nur Lohnpolitik, sondern eben von jeher Kulturpolitik. Sie verlangte nicht nur Brot. sondern auch„Spiele"— nicht nur als billige Volksvergnü- gungen, sondern als Befriedigung eines geistigen Triebes, den sie von jeher in jedem Menschen der Masse voraussetzte. Ge- rade dieses ist ja der entscheidende Grundzug der Sozialdemo- kratie, daß sie der Masse nicht nur ein Dasein, sondern ein menschenwürdiges Dasein verschaffen will. Sie sucht in der Masse den Menschen herauszuspüren, ihn zu pflegen, seine Anlagen durch Verbesserung seiner Lebensbedingungen heranzubilden und zu entwickeln. Ein tiefer Glaube an das Gute im Menschen ist im Sozialismus eingewurzelt. Sozia- lismvs ist Wille zur Menschenbildung und Menschenver- edlung. Mensch: das ist für uns nicht nur der Leib, für den wir Notdurft und Nahrung im ausreichenden Maße sicher- stellen wollen, sondern das ist gleichzeitig auch„des Menschen höchste Kraft", die wir bei jedem einzelnen in der Masse vor- aussetzen und für deren Befreiung wir kämpfen. Darum lehnen mir für die Masse jede Form van Unterwerfung ab, jede Form von Unselbständigkeit und Hörigkeit. Wir wollen nicht von den Menschen die Unterwerfung unter einen„Führe r", weil wir Ausgabe der eigenen Urteilskraft, Aufgabe der Selbständigkeit überhaupt eines Menschen für unwürdig halten. Wir verabscheuen die Massensuggestion. Das eigene Urteil ist es, das wir auch im notleidenden Arbeitslosen wachrufen wollen. Weil wir die höchsten Gaben des Menschen bei jedem in der Anlage voraussetzen, darum wollen wir auch weitgehendste Ausbildimg dieser Anlagen jedem Menschen ermöglichen. Darum fordern wir freie Bahn für den Tüchtigen. Darum wollen wir, daß eine hochwertige Schulbildung nicht nur der besitzenden Klasse vorbehalten bleibt.... Um den Menschen in seiner Geistigkeit zu veredeln, darum sorgen auch wir für die Pflege von Universitäten, deren z w e ck h a f t e n Besuch wir einem jeden— bei entsprechender Veranlagung � ermöglichen wollen. Um de» Menschen auch der Masse heranzuzüchten— daruin bauen mir oi<$üJ)igen und schmucken öffentliche Plöge mit naturhast empfundenen Kunstmcrüen— nicht mit Neitordarstellungen van„Herrenmenschen", die schon durä) ihren Aufputz in ihrer volksfremden Ausnahmestellung gekennzeichnet sind. Und weil wir den„Menschen" überall in der Masse wachrufen, darum haben wir auch die ehemaligen H o f t h e a t e r mit der staatsumwälzung überall in wirkliche Lolkstheatcr umzuwandeln versucht. Auf diesen Bühnen konnte noch vor dem Kriege die Stimme des Volkes nicht laut werden. Für die sozialen und menschlichen Dramen eines G e r h a r t Hauptmann war in den Hosthcatarn- kein Platz. Auch hier wurden oolksfremde fjistoric. Glanz und Vorrcchtsstellung von Fürsten und die Wohlhabenheit von Bürgern zur Darstellung gehracht. Und auch da. wo man— bei K l e i st etwa— auf ahigemein menschliche Probleme stieß, wurde mehr has Ge- fühksmomcnt des Hohcnzollerischsn, Nationalistischtn heraus- gestellt. Es ist nur ein Zeichen der Zeit, und ein alarmierendes Zeichen, wenn sich unser freiheitliches Staatstheater als Volks- theater nielst mehr hat halten können. Hier zuerst kam es zu einem bedenklichen Sieg der K u l t u r r e a k t i o n. Man mag es in den Zeitungen nachlesen, wie die Rechts- opposition Staatsthcaterkrisen und Eingaben im Landtags arrangierte, als die Berliner Staatsbühnen noch ganz auf der Höhe standen. Zu einer Zeit, als Schauspieler und Re- gisseure letzte Kräfte hergaben und letztmögliche Leistungen formten, haben deutfchnationale und volksparteiliche Abgeord- netc in den Parlamenten interpelliert und ihre kunstfremden und parteipolitischen Gesichtspunkte ihrerseits ins Eigenleben der Staatstehater getragen. Nicht wir, sondern unsere Gegner haben erstmalig das Theater politisiert. Denn unser Theater war ein reines Gesinnungstheater, ganz jenseits der Jntcr- essen einer parteipolitischen Propaganda. Niemals haben wir Tendenzstücke gespielt. Niemals haben wir � an den Staatsbühnen etwas anderes als reine Kunst geben wollen, die zwar immer der künstlerische Ausdruck unserer Weltanschauung ge- wesen ist. Wir sind den Mitteln der Kunst und der Kunst selbst treu geblieben, als man Tendenz und parteipolitische Propadanda von uns forderte. Aber man hat unserem Staatsthcater den Kampf angesagt, weil man auch unsere Kunst als den Ausdruck unserer„menschlich" gerichteten Welt- anschauung hat bekämpfen wollen. Weil man das Theater zur Propaganda für„Subordination", Militarismus und Interessen des überwundenen Feudalismus benötigte. Trotz aller Widerstände werden wir uns nicht beirren lassen. Wieder und wieder hat die Sozialdemokratie ihren Gedanken zum Siege verholfcn. Schon vor dem Kriege hat sie mit Bildungsvereinen und Organisationen der Volks- Kühnen allen reaktionären Bestrebungen wirksame Kultur- politik entgegengesetzt. Allen Rückschlägen zum Trotz legen wir uns in die Front, und an Volksbühnen und öffentlich-rccht- lichen Theatern(Landestheatern) werden wir weiterhin die- fenige Kunst pflegen und fördern, für die wir uns aus Grün- den unserer Weltanschauung einsetzen. Wir Sozialdemokraten haben seit der Staatsumwälzung überall in die kloinen Städte und auf das Land wertvolle Theaterkultur getragen. Wir haben die Erenzbezirle des deutschen Landes dabei besonders bedacht Wir hasten dort kur ein bedrohtes Deutschtum gewirkt, indem wir uns dort für deutsches Dolksempfinden auch von der Bühne her ein- fetzten- Dafür kämpfen wir auch weiterhin! Nicht für em nationalistisches Empfinden, sondern für ein deutsches Volks- empfinden, eine deutsche Kulturggsinnung, die in der So- zialdemokratischen Partei ihre beste Schützerin und Vorkämpferin gefunden hat! Sündenbock Thä'lmanu. Heinz Neumann sägt. Die schipsre Niederlage der KPD. am 10. April hat in Moskau nicht geringes Entsetzen verursacht. Semjetrimdsunk und Presse beschönigen zwar nach Kräften dos Resultat, aber eine Moskauer Sendung hat doch zugegeben, dah das Ergebnis für Thälmann beschämend sei und wir durch taktische Fehler erklärt werden könne. Moskau sagte, dag olle- verhindert werden müsse- was jetzt vor der Prcugenwahl die Wahl- und Propagandaarbeit der KPD. stören könnte. Aber nachher werde noch über die Arbeit der deutschen Kommunisten für die Präsidentenwahl sehr viel zu reden sein. Dazu erfährt man, daß in Moskau die Stimmung für die deutsche Komintern-Abteilung und für T h ä l m a n n nicht sehr günstig ist. Im Kreml war man ja schon immer mit der Arbeit der Komintcrn-Leitung sehr unzufrieden. In der letzten Zeit ist sehr deutlich zu bemerken, wie die Sowjetprosse und der Sowjet- rundsunk Heinz Neumann lobhudeln, während über T h ä l' mann kein gutes Wart zu hören ist. Neumann, der die Nichte Stalins geheiratet hat und als der besondere Liebling Stalins gilt, soll sich nach dem Wahltampf nicht sehr anerkennend über die Arbeit Thälmanns geäußert haben, während Thälmann jetzt durch Erklärungen für die Sowjetprsss« und den Sowjetrund- funk versucht, seine Niederlage zu entschuldigen. Sehr aufschluß- reich war jedenfalls folgender Satz eines Redners im Maskauer Rundfunk:„Der Parteiapparat der KPD. muß erneuert wer- den, um schlagfertiger zu sein!" Die Geschichte von Goebbels Wagen. Oie Hauptsache für Hitler und Goebbels. Gestern telephamerlen die»Herren Hitler und Goebbels gemeinsam beim Reichsinnenmi niste e G r o e n e r an und führten in höchster Aufregung Beschwerde. Worüber? Ueder das Verbot der SA.? Mit Nichten— viel Wichtigeres war geschehen, was den Herren viel mehr am Herzen lagt Unter wilden Ver- wünschungen behaupteten sie, di« Polizei l>abe den Dlagen des Herrn Goebbels beschlagnahmt, nun ständen sie ohne Wagen da. Sie fragton Herrn Groenor, was sie denn nun tun sollten! Dem Vernehmen nach soll Herr Groener geantwortet haben:„Nehmen Sie eine Taxe!" Bor dem traurigen Schicksal, zu Fuß gehen zu müssen wie gewöhnliche Sterbliche oder eine Autodroschke nehmen zu müssen, blieben die Herren Hitler und Goebbels indessen bewahrt. Das Auto des Herrn Goebbels tand sich an, es war überhaupt nicht beschlagnahmt worden Reue Razi-Brutalitäten. Gegen fingende Arbeiter. Breslau. 15. April.(Eizenberichl.) 3n Kicbencichen, Kreis Löwenberg lSchleiien), kam cs in einer ösfenUIchen Wahlversammlung der Sozialdemokratischen Partei zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Reichs- bannerleuten und Mitgliedern der SA. Alz kurz vor Beendigung der Kundgebung von der Mehrzahl der Besucher die„Znicrnationalc" angestimmt wurde, brache» die anwesenden Nationalsozialisten ohne jeden Anlaß eine schwere Schlägerei vom Zaune, in deren verlaus zwei Rcichsbanaerkamcradcn und ein SA.-Mann erheblich verletzt u"d die Saaleinrichlung zertrümmert wurde. Neue Llnruhen in Äreslau. Breslau, 15. April.(Eigenbericht.) Die natioualsozialisktschcn Tumulte in der Innen. stadt dauerten auch am Freitag an. Ununterbrochen fuhren Wagen und polizclslreisen durch die Straßen. Immer wieder bildeten sich Ansammlungen, insbesoiüicce in der Nähe des ehemaligen Braunen Hauses, so daß die Polizei des öfteren zum Einschreiten gezwungen war. Die Nazi-Bowdics brüllte» und tobten ln den Straßen umher, belästigten friedliche Posiauten und gingen, wenn sie sich in der Uebermachl befanden, sogar gegen Polizeibcamle tätlich vor. Forlgejeht entwickelten sich Schlägereien, so daß die Polizei auch am Freitag in der Abwehr mehrmals den Gummiknüppel benutzen mußte. Der Breslaucr Polizeipräsident hat am Freitagabend an die Bcuöltcrung der jchlcsischen Hauptstadt die dringende Bitte gerichtet, sich an den unerlaubten Ansammlungen nicht zu betetliacn und den insolgc der nun schon seit Mittwach andauernden Unruhen stark über. anstrengten Polizetbea-nien In ihren Bemühungen um Aufrecht erhol. lung der Ordnung nicht hinderlich zu sein. Das Verbot der Hitler-Lugend. Hamburg hak am Freitag die H i t l c r- I u g c n d als ein« Unterorgonifation der SA. der Nationalsozialistischen Deutschen Ar- bciterporiai oerboten. In Preußen ist die Hitler-Ipgerck» bisher nur in Berlin ose- boten. Ein allgemeines Verbot ist jedoch bald zu erwarte:,. Krach im Oldenburgischen Landtag. Am Freitag kam es im Oldenburgifäzen Landtag bei einer Debatte über die SA.-Auftöfirng zu Tumultszenen, so daß die Sitzung unterbrochen werden mußte. Eine Warnung an die Nazis in Kiel. kiel. 15. April. Das Polizeipräsidium Hai aus Anlaß der Ruhestörungen durch ehemalige SA.- und SS.-Lcuie der Kreisleitung der NSDAP. »-.ttgcteilt, daß weitere Veranstaltungen der N«DAP. nur unter der Voraussetzung zugelassen würden, daß die Kreisleitung für ein diszipliniertes Verhalten ihrer Mitglieder auch nach beendigter Veranstaltung die Verantwortung übernehme. Die A u f l�ö f u n g der SA. und SS. befreie die Leitung der NSDAP. nicht von der Verantwortung für das. was die An- gehörigen der ehemaligen SA. und SS. bei oder im Anschluß an Parteioeranstaltungen unternähmen. Vaterlandsverrat. Nicht Entgleisung, sondern System! Im„Angriff" lesen wir im Fettdruck den folgenden Aus- fpruch von Adolf Hitler:„So wenig eine Hyäne vom Aase läßt, so wenig ein Marxist vom Vaterlandsoerrat." Die Illustration zu diesem Satze liefert die Lauen- burger Rede des Herrn Hitler, die ausgezeichnet zur Wahlpropaganda der Nazis in Ostpreußen paßt. Hitler hat diese Rede abzuleugnen versucht. Sie kann nicht abgc- leugnet werden, vielmehr liegt in dieser Stellungnahme System. Wir lesen in den„Briefen nach Ostdeutsch- l a n d", herausgegeben van der Nationalpolitifchen Arbeits- gemeinfchaft: „Noch fchlirmner ist der Ausspruch eines nationalsozialistischen Redners D a r g e l, der nach einem Bericht der„Weichsel-Zeitung" bei einer Versainmlung in Marienburg sagte: „Tie Nationalsozialisten sind jederzeit bereit, mit Gut und Plut ihre Heimat zu schützen— aber nur unter der Führung Adolf Hitlers." Diese Ansicht wird sicher nicht von der Masse der Zcational- fqtziastfchn geteilt. Dann sie ist das Unnattanälst«, was man sich ichqrhäupt denken kann. Was würden die Natlonalsozioliftsn sagen. wann etwa der katholische Volksteil Deutschlands 1914 erklärt hätte: wir wollen nur dann für Deutschlaich kämpfen, wenn der kacholifckzc König von Bayern deutscher Kaiser wird." Diese„unnationalste" Halbing ist n i ch t eine Entgleisung eines Redners. Sie ist System, und dies System hat Hitler in Lauenhurg sanktioniert. Die Rede des Herrn Dargel zeigt, daß es ein System ist. und was infolgedessen von der natio- nalen Zuverlässigkeit der Nazis zu halten ist! Hiiler will klagen. Nach langwierigen Beratungen im Hotel Kaiserhof hat Hitler den Rechtsanwalt Lustgebrune beauftragt, auf dem Klägewege gegen die Auflösung der SA. vorzugehen. Er behauptet, Hindenburg habe die Verfassung oerletzt. Lektion für anmaßende dichter. ÄasOberlandesgericht in Celle gegen die Lustizin Hanvover Tas Lbcrlandesgericht in Gelle hat dem Hannover- schen Landcsgericht als Pernfungsinstanz eine schal- lende Ohrfeige verscbt. Es hat am Freitag auf die von Rechtsanwalt Tr. Katz-Hanopver veranlagte Be- rufnng das gegen Noske ergangene unhaltbare Urteil des hannoverschen Landgerichts aufgehoben und ausdrücklich festgestellt, daß von einer Willkürhand- lung Noskcs keine Rede fein könne. Tas Lberlandet-- gericht hat außerdem die Auffaffung Kdnfikes und des preußischen Innenministers bestätigt, daß der Rccht-chieg ausgeschlossen ist, da es sich um einen reine» Hoheitsakt Noökcs gehandelt habe, über de« die ordentlichen Ge- richte nicht zu entscheiden haben. Reichsgericht gegen Klagges. „Lolkefreund"-Verbot war zu Unrecht erfolgt. Lrauuschroeig. 15. April.(Eigenbericht.) Der braunschweigische Nazi-Minister K l a g g c s hat neuerdings auch vom Reichsgericht eine Abfuhr erhalten, die er sich sicherlich merken wird. Am 16. März wurde der braunschweigischc„Volkssrcund" von Klagges auf vier Wochen verboten. Dieses Verbot wurde seinerzeit aus Grund einer Beschwerde des„Volksfreund"- Verlages vom Reichsinnenminister aufgehoben. Das Reichsgericht hat diese Aus- Hebung bestätigt und zur Zahlung der Kosten des Verfahrens den braunschweigischen Staat verurteilt. Klagges hatte das Verbot des„Volksfreundcs" wagen ongeb. lichcr Gefährdung, der öffentlichen Sicherhett und Ordnung aus- gesprochen, die er in folgendem Satz eines vom Braunschweiger ..Volksfreund" veröffentlichten Artikels erblickt:„Es wird alle» dar- auf ankommen, die neuen Formationen der deutschen Arpeiterschost und der republikanischen Verbände so zu stärken, daß es im Ernst- falls gelingt, die Rebellen gegen Staat und Ordnung auch ohne den gleichzeitigen Einsatz der staatlichen Machtmittel niederzu- knüppeln." Dazu bemerkt das Reichsgericht in jeiuer jetzt schriftlich vor- liegenden Verfügung:„Der Auffassung des Herrn Klag- gcs kann nicht beigetreten werden. Der beanstandete Satz darf nicht für sich ollein betrachtet, sondern muß in dem Z u- sammenhang gewürdigt werden, in dem er steht. Der letzte Absatz de- Artikels lautet:„Roch ist die Aufgabe der Eisernen Front lcincswegs gelöst. Es wird alles darauf ankommen, die neuen Formationen der deutschen Arbeiterschaft und der republikanischen Verbände so zu stärken, daß es im Ernstfalle gelingt, die Rebellen gegen Staat und Ordnung auch ohne den gleichzeitigen Einsatz der staatlichen Machtmittel niederzuknüppeln. Wir Republikaner wollen nicht, daß der Kampf zweier Systeme aus der Straße entschieden wird, aber niemand kann»ns verwehren. zu dem gleichen Mittel zu greifen, wenn die inachtpolitische Führung des Staates versagt und die Gegner der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung sich anschicken, eine gewaltsame Entschci- dung herbeizuführen." In diesem Zusammenhang kann der beanstandete Satz nur dahin ausgelegt werden, daß die Eiserne Front c r st dann in Aktion zu treten beabsichtigt, wenn„der Ernstfall eintritt, dos heißt, wenn die politische Führung des Staates versagt und die Rebellen gegen Staat und Ordnung eine gewallsaine Entscheidung herbeiführen wollen". Die Aktion der Eisernen Front soll also durch Ereignisie bedingt sein, von denen c- fraglich ist. ob sie in der Zukunft«intreten. Eine sofortige Maß- nähme gegen den polttischen Gegner wird nicht in Aussicht genommen. Soweit Vorbereitungen zum Zwecke der Stärkung der Eisernen Front als nötig bezeichnet w-rden oder soweit, solche Bor- berettungen durch den Artikel beim Segner veranlaßt werden, ge- schieht auch das noch dem Sinne des Artikels nur wegen des etwaigen„Ernstfalles". Der§ 2 Absatz 2 Ziffer 2 der Verordnung vom 19. August 1931 hat aber nur eine gegenwärtige Ge- fährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Auge. Schon aus diesem Grunde kann das Verbot nicht als begründet crochiet werden, ganz abgesehen von der Frage, ob in dem Komps gegen einen den Staat bedrohenden Angreifer und in der Vorbereitung eines solchen Kampfes eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt." Kamerad Hitler. Seme Klage gegen das ,Hamt»»rgcr Echo" war cin Nemfall Hamburg. 15. April. In dem Rechtsstrett Adolf Hillers gegen den Verlag des sozial- demokratischen.„Hamburger Echo" wegen verbotswidriger Ver- breitung de- Artikels„Kamerad Hitler" verlündete die Zivil- kammer II des Landgerichts Hamburg am Mittwoch einen Beschluß. Hitler hatte durch den nationalsozialistischen Rechtsanwalt Dr. Kurt Engels vor dem Erscheinen des'Artikels am 27. Februar eine einst* meiligc Verfügung des Landgerichts erwirkt, die dem„Echo" unter Androhung einer Geldstrafe oder Haststrafe verbot, den Artikel gl verbreiten. Diese Verfügung wurde am selben Tage um 13 Uhr dem Verlag des„Echo" zugestellt. Glei6>zeitig lieferte der Verlag um 14.39 bzw. 15 Uhr Zeitungen an Großabnehmer aus. Durch Einschreibbrief« verständigte dann der Verlag die Großverteiler. daß die Zettung mtt dem Artikel nicht mehr verkauft werden dürfe. Dies« Einschreibbriefe erreichten die Empfänger erst am 29. Fe- bruar. nachdem die Zeitungen natürlich größtenteils verkauft worden waren. Daraufhin stellte Rechtsanwalt Dr. Kurt Engels in Ver- folg der einstweiligen Verfügung Strafantrag gegen oen ver- ontworttichen Schnfttefter des„Hamburger Echo". Braun«, und die Beplagsfirma Auer u. Co. In dieser Sache beschloß jetzt die Zlyllkammsr II des Amtsgerichts, den Strafantrag gegen Braun« in vollem Um sang zurückzuweisen. Auer u. Eo. wird auferlegt, innerhalb einer Wach« bestimmte Fragen des Gericht» zu beantworten und unter Beweis zu stellen. Razi-Nreher berichtigt. Der nationalsozialistische Abgeordnete Dreher schickt uns zu Behauptungen des kmnmumjtifchen Rechtsanwalts O b u ch im Scheringcr-Prozeß die folgende K-ll-Borichtigung: „Es ist unwahr, daß ich den Gcbührenvarschuß voii..7.M9 M. in Empfang genommen habe, ahne an die Rücksenduna zu denken." Wahr ist, daß der Gcbühyziioorschuß von?>VV; M. am 4. April? Stunden nach Empfang von mir persönlich a,:i dem Postamt I Ulm a. d. D. an den Rechtsanwalt Oduch, in Esten, laztt Postquittung eingezahlt wurde. Kommunist und Nazi mögen sich bmrdesbriäderlich darüber aus- einanderfetzen, wer recht hat. IlatBci, Mehrheit im belgischen Heer. Von den belgischen Re- kruten diele,;. Jahres haben 21 325 die flämische. 15 68� die fran Zösische und 276(aus Eupen und Melmedy) die deutsche spräche für den uttlltärischen Unterricht gewählt. Erst verleumden, dann kneifen! Ttozi-Noufmann fürs Gericht krank.- Aber gefund genug zu einem Angriff auf die Polizei. Der Reichstazsabgeordnetc Karl Kaufmann isl eine Kcrde der Nationalsoziolistischen Partei. Als verairtwortlicher Schrift- leiter der..NoPonalsozialiftifchen Blatter" wurde er vcim Schöffen- geeicht Oranienburg wegen übler Nachrede in Beziehung auf den preußischen Ministerpräsidenten Braun zu 1000 Mark Selb» st r a f e oder zu 100 Tagen Gefängnis verurteilt. Herr Gregor Straßer hatte in einem Artikel über die Haltung Brauns in der Panzerkreuzcrfrage gegen ihn den geschmackvollen Anwurf vorge- bracht, er habe höchst wahrscheinlich seine noblen Passionen wie Reiten, Jagen und dergleichen mehr daher, daß seine'Ahntrau wohl das Gefallen eines preußischen Junkers gefunden habe. Die d r c i Monate Gefängnis, zu denen Herr Gregor Straßer für dielen Geistesblitz rechtskräftig verurteilt worden ist, hat er als Reichstogsabgeordnetcr nacki nicht abzubüßen brmuhcn. Das Urteil gegen Kaufmann ist aber nach nickst rechtskräftig, er hatte B e- r u f u n g eingelegt, gestern stand Termin an. An Stolle des Angeklagten war sein Anwalt Dr. Triebet er- schienen. Der Vorsitzende gab bekannt, daß der Antrag der Ver- teidigung aus Vertagung der Verhandlung vom Gericht a b- gelehnt und der Angeklagte davon telegrophisch noch Hamburg in Kenntnis gesetzt worden sei. Auf Alstrag des Staatsanwalt- fchaftsrats Dr. Stehnig verlas der Vorsitzende don vom Verteidiger am 1-l. April eingegangenen Antrag auf Vertagung der Vcrhand- litna. Es hieß darin, Kaufmann sei an Grippe schwer er- krankt, lieg« zu Bett und könne nicht zum Termin erscheinen. Ein Krankheuszeugnis, ausgestellt vom Hamburger Arzt Dr. Loch- maim, bestätigte die Angaben des Verteidigers und äußerte sich unter anderem dahin, daß der Patient vor 14 Tagen weder termin- noch reisefähig sein würde. Staat-anwältschaftsrat Dr. Stehnig machte darauf dem Ge- richt die Mitteilung, daß er am Dannerstag. dem 14. April, nach Eingang des Schriftsatzes der Verteidigung, sich mst der Ham- burger Polizei in Verbindung gesetzt und in Erfahrung gebracht babe, daß Kaufmann am Abend des 13. April, also nach Ausstellung des ärztlichen Zeugnisses über feine Grippekrankheit, bei der Beteiligung am Gasangriff gegen die mit der Räumung des Gaubüras der NSDAP, in Ham- bürg befaßten Polizei f e st g e n o m m c n worden fei. Auf diese Mitteilung hin habe er. der Staatsanwalt, einen Amtsarzt in Ham- bürg beauftragt, den Angeklagten auf seinen Gesundheitszustand zu luitexsucheil. Kaufmann habe sich aber geweigert, sich untersuchen zu lassen. Es liege eindeutige Satiotqgc des Gerichts vor. Kauf- mann? Ausbleibon sei nicht entschuldigt, seine Berufung sei zu ver- werfen. Wegen des unrichtig ausge st eilten Gesund- heitszeugnisses habe er den Oberstaatsanwalt ersucht, gegen Dr. Lochmann ein Verfahren einzuleiten. Rechtsanwalt Dr. Otto Landsberg als Nebenkläger schloß sich für dT Ministerprösidente» Braun dem Antrage des Staats»«- waltschastzrat Dr. Stehnig an und fügt« hinzu, daß Kaufmann es verstanden habe, die Verhandlungen in der ersten Instanz sechs- mal ausfliege» zu lassen. Er setze sein« Tattik such jetzt fort.____ Wie öle GA. Terror übte.> Erfahruagea des Lougöeutfchen Ordeus. Der Jungdeutsche Orden veröffentlicht seine Erfahrungen bei der Wahlpropaganda für Hindenburg. Wir entnehmen den Berichten folgendes: „Am Altonaer Hauptbahnhof, wo die Volksseele wieder eimnal ins Kochen geraten war, hatte sich bald ein johlender Razihaufen um den Wagen geschart. Die Anwesenheit der Polizei bielt diese Edelinge in Schach, doch bald ereille mich das Geschick. Auf einem unserer näckstten Halteplätze wurde ich beim Flug- blattverbreiten van der 5iitlcr-Meute aus dem Wagen gezerrt und mit Fäusten bearbeitet. Durch iNassplister meiner Brille erhielt ich mehrere Schnittwunden im Gesicht, und unter dem Ruf„Mahraun ist ein Schweinehund!" wurden mir wuchtige Kinnhaken verpaßt. Nach diesem Auftakt begann am kommenden Montag die Reise nach dem nördlichen Hannover. In Tostedt rannte ein brüllender, wildgewordcner SA.-Mann(früher Kommunist, jetzt wütender Hitlerist!) mit gezücktem Messer um den Wagen herum, ein geeignetes Objekt für seinen Blutdurst suchend. Die Polizei nahm sich seiner an. Die Bruderschaft Braun schweig setzte sich trotz schärften Naziterrors durch Lastkraftwagen für Hindenburg ein. Die wehen- den Sturmfahncn des Jungdcutfchen Ordens erregten die höchste Wut der Nationalsozialisten. Besonders Frauen ge- bördcten sich hysterisch. Hitler-Jungen verfolgten das Auto mit Rädern und riefen Freundlichkeiten hinaus wie:„Im Dritten Reich werden wir mit euren Köpfen Fuß- ball spielen" u. a. Bor der S A.- 5z a u p t g e s ch ä f t s st e l l e, not Bruchtorwall, stürzten auf ein Pfeifensignal SO Mann SA. in M i l i t ä r in ä n t c l n heraus, die versuchten, die Leincwand mit den Aufschriften und die Sturmfahnen an sich zu reißen. Es gab eine Schlägerei, bei der die Bespannung des Wagens mit Auf- schriften für Hindenburg zwar zerrissen wurde, alle Sturmfahncn aber in der Hand der Jungdeutschen blieben. Ein jungdeutsches Kampfauto wurde in O b e r- 5? i l v c r s- h e i m(Rhein-Heffen) von einer nationalsozialistischen Uebermacht uberfallen. Die Nationalsozialisten warfen mit Flaschen und anderen Gegenständen durch die Autofenstcr hin- durch. Bruder Klein aus Wiesbaden wurde vom Wagen getrennt und zu Boden geschlagen. Die ärztliche Untersuchung stellte fest: der ganze Körper zeigt Spuren rohe st er Miß- ha n dl u n g. Kurz vor der Wahl setzte die Bruderschaft 5) e l d r u n g c n einen besonderen Lastwagen zur nochmalig ei, Bearbeitung des Kreises E ck a r t s b c r g a an. Auf der Fahrt wurden 25 Ortschaften bearbeitet. Die Nationalsozialisten versuchten die Propa- ganda für Hindenburg mit allen Mitteln zu stören. In Donndorf wurden zwei Kleber, welche auf den Leitern standen, durch«in von einem SA.-Mann geführtes Auto umgerissen. Der Großmeister der Bniderschojt Heldrungen crtitt dabei einen Beinbruch. In Schillingstedt wurden die Jungdcutfchen von mit Schaufeln, 5)acken und Spaten bewaffneten SA.- Banden überfallen. In 40 Orten ereigneten sich Z u s a m m c n st ö ß e e r n st e- rer Art. In fiinf Orten(unter 8500!) mutzte die angesetzte Aktion aufgegeben werden, da eine große Uebermacht von Gegnern die Wciterarbeit hinderte. In einem Falle wurde die ganze Wagcnbesatzuiig verprügelt und das Werbe niate- r i a l entwendet. In zwei anderen Fällen wurden Ordens- .. llva beim Verteilen von Flugblättern mißhandelt. An sieben üifax wurden b«v Kolonnen ntit St'eiNen beworfen und mehrere Leute verletzt. In der Gegend von Ilmenau wurde ein« WägeNbesatzung mit Steinwürfen geradezu überschüttet. Im g a n- en sind 7 Mann schwer, 10 Mann leicht verletzt. Im Kaiserhof. „Für die obdachlos gewordenen GA. werden Strohlager vorbereitet. Für MICH und MEIN Gefolge bestellen Sie hier im Hotel Kaiferhof die gewohnten Zimmer." Herren und Knechte. Stroh auf Zement für SA.— tiefe Teppiche für den Gauleiter. Fraciksurl a. 211., 15. April.(Eigenbericht.) In Frankfurt wurde bei der Schließung der SA.-Kasernen allerlei Material ans Tageslicht gefördert. Es gewährt be- zeichnende Einblicke, in die Mentalität der jetzt aufgelösten Hitler- Armee. Die Nazilandskncchte mußten in tälten Fabrikräumen auf Stroh, das über Zementbodcn ausgestreut war, nächtigen. Jedes Obdachlosenasyl ist als weitaus bessere Unterkunft zu betrachten. In einer Nazikascrne waren unter der Flagge eines„Sport- kurfus" 00 SA.-Leute untergebracht, die besonders kärglich ver- pflegt wurden. Diejenigen Teilnehmer des Sportkursus, die öffent- liche Unterstützung bezogen, waren verpflichtet, diese Unter- stützung an den Führer des Kursus abzuliefern. Die miserable Unterkunft und das kärgliche Esten wurden also aus der Tasche der SA.-Leute bzw. aus Wohlfahrtsmittcln bezahlt. Das Zimmer des Reichstagsabgeordneten und Naziganleitcrs Sprenger im Frankfurter Braunen Haus läßt von der Arm- seligkeit der Razikafernen nichts ahnen. Dieses Zimmer, dos ständig durch eine besondere Wache vor der Tür gesichert war, wurde jeden Generaldirektor eines kapitalistischen Konzerns vor Neid er- blaffen machen. Tiefe Teppiche bedecken den Vohen, hochhsrrfchaft- liche Möbel staffieren den großen stucküberlodenen Raum. Herr Sprenger faß dazu natürlich an einem wundervollen Sekretär. Ein Fund vedrient besonders erwähnt zu werden, weil er eine geradezu grausige Geschmacklosigkeit illustriert. Beschlag- nahmt wurde u. a. auch ein Stqpcl auf Borrot gefertigter Kranz- schleifen mit der gedruckten Aufschrift: Dem taten Kameraden... NSDAP. Hitler bot also seinen Getreuen anstatt eines warmen Bettes und eines ordentlichen Mittagessens lediglich die Aussicht auf eine rate mit dem Hakenkreuz geschmückte fabrik. mäßig engros gefertigte Kranzschleife, in die nur nach der Name eingesetzt zu werden brauchte. /.Ihr politischen Schweine werdet mitgehängt." Oormstadt. 15. April(Eigenbericht). Unter dem im Braunen Haus in Darmstadt gefundenen Material befand sich auch ein Brief, dessen Absender der Gaufachberater für Kricgsbeschädiztcnsragen in der Gauleitunz der NSDAP. Hessen, der Nationalsozialist Wcygold ist. Der Empfänger des Briefes ist der bekannte nationalsozialistische Führer Oberlindober-München, Mit- glied des Reichstags. In diesem Schreiben beschwert sich der Schreiber über d a s T r e i b c n d e r S A. und SS. im Braunen Haus. Es heißt darin u. o.: „Wenn man diese Menschen hört, so glaubt man, daß die G«- schichte mit dem Dritten Reich eine Angelegenheit des Konditors fei, der auf Bestellung eins backt. Herrgott, hoben wir da noch eine Erziehungsarbeit vor uns, bis da nur einmal bei den sogenannten Führern die geistigen Grundlagen vorhanden sind. Wenn man sich aber mit diesen Menschen über Dinge unterhält, die über das Fressen, Sausen und Schlafen, möglichst mit einer angenehmen Nebenbeschäftigung hinausgehen, so erhiflt man höchstens die Antwort:„lieber was für Blödsinn ihr politischen Schweine euch den Kopf zerbrecht! Das bißchen wird von uns geschmissen und dann werdet ihr mitgehängt. Denn euch brauchen mir doch nicht. Die SA. macht das olles ganz allein." Nach deren Meinung fängt also dos Dritte Reich mit einem großen Aushängen derer an, die der SA. nicht angenehm sind. Da freue ich mich jetzt schon drauf, und hier in Hessen ist diese Stimmung durch die letzten„Taten" noch verstärkt morden. 5lier Muß man raus, wenn man den Glanbcu an die Mission des deutschen Volkes nicht verlieren soll." Am Schluß des Briefes werden die SA.-Leute als Laus buben, Kindsköpfe und Egoisten sowie als Wurme r bezeichnet, die alle positive Arbeit der Noziführer anfressen. Die KaiserhofORechrnrng für Hiiler. Klageantrog auf Unterlassung der Behauptung dcr Fqlschvng v'e von der„Well am INonlag" kürzlich vecöfscilllichle Bech- nung des Holels„Der kaiferhof" über 4 0 4 8 Warf für den Zlufcnt- halt Adolf Hitlers und feiner Begleitung war von notionnlfozialifti- scher Seite als Fälschung bezeichnet und auch von der hokeldirektlon abgestritten worden. 3n der Presse der IISOAP. wurde angekündigt. daß hiller das genmmlc Blonlagsblatk wegen dieser verafsentlichung verklagen werde. Die„Welt am Blonkag"- keilt nun mit. l�ß sie, nachdem nach nnnmchr 12 Tagen ihr eine solche Klage nicht zugestellt worden sei. jetzt ihrerseits gegen Hitler und Dr. Goebbels Klage mit dem Antrag erhoben habe. beiden Beklagten zu verbiete,,, die erwähnte Veröffenl. lichung des Bloltrs, das für die Richtigkeit feiner Behauptungen den Wahrheitsbeweis antreten will, als Lüge zu bezeichne». Die 14. Zivilkammer des Landgerichts I Berlin wird sich im Wai mit diesem Fall zu besckiäftigen habe». Das Gericht verwarf die Berufung des Nazi-Kauf- mann mit der Begründung, daß es fein Ausbleiben für unentfchul- digt holte, ein privatärztliches Attest genüge für das Gericht nicht. um so mehr, als das eingereichte durch die Beteiligung des An- geklagten am Gasangriff gegen die Polizei nickst mit dem wirklichen Gesundheilszustoiid des Angeklagten im Einklang stehe. Zym Schluß wäre noch zu bemerkest: Der inkriminierte Ar- tlkcl ist erschienen am 15. März 1028. Also vor mehr als vier Jahren! Ein Beweis mehr, wie notwendig die Nüwer- ordnung war, die der Staatsanwallschaft die Möglichkeit gibt, �ter- ortige Beleidigungsprozesse im Schnellverfahren zu erledigen. Das Gericht war im Verlauf der ersten Instanz sogar einmal gezwungen, Kaufmann zu verhaften. Paul Lobe in Hof. �wei überfüllte Versammlungen. hos i. Bay.. 15. April.(Eigenbericht.) Der Reichstagspräsident Paul Löbe sprach in 5)of in Bayern in zwei großen überfüllten Versammlungen, er wurde von den Ve narnrnO mqsteiln ehmeni außerordentlich herzlich begrüßt und stürmisch gefeiert. Beide Ver- sanrmllingen gestatteten sich zu einem großen Erfolg und zu einem gewaltigen Ereignis für die an der Nordoste ckc Bayerns liegende Stadt 5)l>f. Paul Lobe erittnertc an die großen Leistungen der Sozialdemokratie, die sie nach dem Zusammenbruch 1018 in Zustrmmenarbeit mit den anderen Parteien, die mit ihr koaliert waren, vollbrachte, die auch besonders in der Außenpolitik den einzigen gangbaren Weg der Verständigungspnlstlk zeigt«, den auch jade andere Pariri beschreiten mußte, wenn sie verantwortungsbewußte Politik treiben wollte. Er rechnete mst den hohlen Phrasen der Nationalsozialisten gründlich ab, indem et da? Wderßanige ihrer Vechtrechmtges Aar kenn�ichoetn. Brüning in Gens. Seine Besprechungen mit den Staatsmännern. Senf. 15. April.(Eigenbericht.) Reichskanzler Dr. Brüning hol am Freitagabend vgch seiner Ankunft in Genf die deutsche Brcssc empfangen. Er keilte mit. daß er nicht die Absicht habe, in die öfscntlichc Debatte der Abrustungskonsercnz einzugreifen. Der Zweck und Zeitpunkt seines Besuches gelte vielmehr den Besprechungen mit den Staatsmännern über entscheidende Fragen der internationalen politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, die sich immer mehr miteinander verknüpften. Für die Entwicklung Deutschlands sei die Wahlcntscheidung im Rcichspräsidcntcnwahlgang so wichtig gewesen, daß er persöntich sich verpflichtet gefühlt habe, in den wahlkompf einzugreisen. Rur deshalb sei er nicht früher nqch Genf gekommen. Seine Aufenthaltsdauer sei noch unbestimmt, doch werde er so lange bleibe», als es die Verhandlungen über Reparationen und Donavwirlschastssragen erforderten. Bölkerbundsrat und Oonauhilfsaktion. Die am Freitag geführten Verhandlungen des Völker- bundsrats- über die Finanzlage der Donaustoaten zeigte» wiederum eindeutig, daß die Lösung des Reparation?- Problems die Voraussetzung für jede ipirtschaftlich« Besserung darstellt: Besonders Bulgarien und Griechenland erklärten, daß mst den bisherigen Cinzelmaßnahmen ohne eine grundlegende Aenderung nichts mehr erreicht werden könne. In einer öffentlichen Sitzung behandelte der Rat am Freitag die vorläufige Finanzhilfe für Oesterreich. Ungarn, Bnl- g a r i e n und Griechenland. Den einzelnen Landern wurden Empfehlungen zur Reorganisation ihrer Wirtschaft erteilt und Kredit« in Anssicht gestellt. DasHerzheilbad der Welt, cfv!____ W S�Slk<ÄÄ 9 ÄD«*' DÄ Gleich gute Heilerfolge bei beginn. Arlerlenverkalkung, MuiKel- und Gclenk- ' Mg BB Ml Hl Ml jV�MB e|b 9 B|y*WHj SSFe HB HaRfHl rheamatitmu*, Gicht, Bronchi ti», Rückenmarks' und Nervenleiden. ■ iXimJilra' MH�BS bS|h9b'�rW WW�M �»9! Kohlensäurerddic Kochs nlzthcrmcn. 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Sic muten an wie ein Gruß aus einer Vergangenheit, die ihre Schatten- feiten hatte und die dennoch zur „guten alten Zeit" wird. Der Borortzug fährt vom S ch l e f i f ch e n Bahnhof nach Strausberg. Hier wandern wir nach Osten, bis wir noch einem halben Ztiiomctcr die Chaufscc Heu- nikendorf— Strausberg erreichen, die durch die Strausbergcr Vorstadt führt. Aber schon nach einer Viertel- stunde bei der Gaststätte Landhaus weist ein Schild uns nach rechts ins idyllische Annatal hinunter, das trog der in den legten Jahren hier ent- ftandcnen Siedlungsbautcn feine Gigcnart und landschaftliche Schön- heit erhalten hat. Hier unten gleitet das Bäckcrflieg in sanftem Lauf nach Süden zum S t i c n i g s e c. Unser Weg führt an steilen Usern vorbei nach iUIomclcm zur Schlagmühle, die seit Jahr- zehnten in ein beliebtes Gasthaus umgewandelt wurde. Leider ist dos alte Mühlrad völlig zerfallen. Nur der Name erinnert noch an den lustigen Schlag des Mühlbetriebcs. Hinter dein Wirtshaus, das vor ollem in heißen Sommertagcn schattigen Aufenthalt bietet, führt der Weg über das Fließ hinweg, am Forsthaus Schlag vorüber am immer mehr verlandenden H e r r c n s e e entlang. Herrlicher Hoch- wold nimmt den Wanderer auf. Nach etwa 2 Kilometer erreichen wir den Höhepunkt des ganzen Annotals, die alte Heger- inühl e.(Siehe Bild.) Wundervoll ist diese alte Mühle, die sich naturlich ebenfalls längst in ein beliebtes Ausflüglerlokal umgc- wandelt hat, zwischen Hügeln und Wiesen in die herrliche Landschaft •J)ie ullr OCegermühlp. Der Keuerkamps am Stellwerk. Einer der Täter festgenommen. Auf dem Gelände des Anhalter Gülcrbahnhofs kam es vor einigen Tagen, wie wir berichteten, zu einein schweren Fenerkamps zwischen Bahn Überwachungsbeamten und postdicbcn. Bei dem kugclwcchscl wurde der sünszigjährigc Bahnüberwachungsbeamtc Max Spruch durch einen Brustschuß niedergestreckt. Der verlegte Beamte liegt noch immer im Krankenhaus schwer danieder. Aus dem Anhalter Bahnhof waren wiederholt Diebstähle vor- gekommen, und trog aller Sicherungsmaßnahmen gelang es den Dieben, die offenbar zu einer Spczialistenbandc gehörten, immer wieder. Beute zu machen. Zwei Beamte hatten sich eines Nachts in einem O-Zug-Wagen versteckt, und als sie bereits mehrere Stun- den dort verweilt hatten, sahen sie zwei Männer heranschleichen. Giner der beiden drang in den Wagen ein, und als er sich plöglich zwei Beamten der Bah» gcgcnübcrsah, gab er sofort Feuer. Ins- gesamt feuerte der Täter sieben Schüsse ab. Spruch brach bewußtlos zusammen, und während sich sein Kollege sofort um ihn kümmerte, konnten die Verbrecher ungehindert fliehen. Die Uebcr- wachungsbcamtcn vermochten von den mutmaßlichen Tätern jedoch eine genaue Beschreibung zu geben, und gestern wurde einer der beide», ein llZjähriger Richard S. festgenommen. S. streitet zunächst die Tat noch ab: da er aber der Polizei wegen ähnlicher Vergebe» bereits bekannt ist, dürfte es bald gelingen. ihn zu überführen, falls er nicht vorher doch noch freiwillig ein Geständnis ablegt. Apotheken-Sountagsdienst. �Gs ist vielfach die Annahme verbreitech doh die an Sonntagen diensthabenden Apotheken bei Inanspruchnahme einen' besonderen Prcisaufschlag erheben, wie er nach ä Uhr abends in Gestalt der Nachttare berechnet werden muß. Die Annahme ist irrig. Bis 8 Uhr abends sind auch an Sonntagen die Verkaufspreise der dienst- habenden Apotheken nicht erhöht. Dem Vater Arbeit! Den Kindern Brot! Alle Kraft für den Sieg der Liste Braun-Severing Arbeiter, Angestellte und Beamte wählt Liste 1 Sozialdemokraten! Werbt für den„Vorwärts" gebettet. Friedlich ruht noch das alte Mühlrad auf der hölzernen, Welle, die die schäumende Wasserflut in früheren Tagen langsam drehen ließ. Leider wird auch dieses alte Rad zerfallen und dann nicht mehr ersetzt werden. Man hat kein Geld mehr in dieser Krisenzeit. Trotzdem sollten die Wirte so etwas wie technische Denkmalspflege treiben. Auch der Großstädter von heule sieht gern noch ein Mühlenrad. Der Gegensatz zu der treibenden Hast moderner Technik wird ouge- nehm empfunden. Wir wollen aus- spannen und sind gern bereit, für einige Stunden die Gegenwart zu vergessen. Von der Hegermllhle kann man abseits der Chaussee zur alten Stadt am Stroussee wandern, deren Be- such immer wieder dos Charakter- bild einer märkischen Kleinstadt ver- inittelt. Schon im 13. Jahrhundert hatte Strausberg Stadtrechlc. Als Crinnerung an diese alte Zeit ragen heute noch der Altlandsbcrger Tor- türm und Reste der einstigen Stadt- inauer auf. Das frühere Domini- kancrklostcr wurde in eine Er- Ziehungsanstalt umgewandelt. Von Strausbcr g- Stadt führt eine Fähre zum anderen Ufer. Von hier aus hat man einen wun- dervollcn Blick auf die alte Sied- lung. Ein herrlicher Waldweg führt noch etwa 3 Kilometer zur Spitz- >n ü h l c, die einst das schwache Gc- sällc zwischen Fänger- und Bötzscc ausnutzte. Wer gut zu Fuß ist, kann von hier nach eine Wanderung »och Alt-Landsberg entweder über Buchholz oder durch die Alt-Landsberger Forst in südwestlicher und später in westlicher Rich- tung anschließen und von hier nach Hause fahren. Man kann auch durch den Wald am Bötzsce entlang in südlicher Richtung noch Eggersdorf und von hier zum Bahnhof Strausberg wandern. Weg- längen: Bahnhof Strausberg-Stadt— Strausberg 6 Kilometer: Strausberg über Spitzmühlc— Eggersdorf nach Bahnhof Strausberg 9 Kilometer, Strausberg— Spitzmühle— Alt-Landsberg 12 Kilometer. Die Noi der Gemeinden. Sinkende Sicuereinnahmen.— Steigende Wohlfohrtö- lasten.— Beratungen des' Städtetages. Der Vorstand des Dculschcn Slädlclages trat gestern zusammen, um zu der vcrschärsten sinanziellen Notlage der Gemeinden Stellung zu nehmen. Verlins Oberbürgermeister Dr. Sah m berichtete in der Sitzung über die Unterredung, die er zusammen mit dem Slodtkänimcrcr 2l s ch mit dem Reichskanzler Dr. Brüning hatte. Die Reichsregierung ist nunmehr über die cußcrordentlich ernste Situation, in der sich alle Gcmeinden und Gcmeindcvcrbände befinden, genauestens unterrichtet, zumal auch der Präsident des Städtetages, Dr. B! u l e r I, über das gleiche Problem eine eingehende Aussprache mit dem Reichssinanznünister Dietrich hatte. Die letzten Monate haben gezeigt, daß selbst die pessimistischsten Schätzungen über die zu erwartenden Einnahmen aus Steuern und öffentlichen Werken noch bei weitem zu hoch angesetzt waren. Aus der anderen Seite ist die Zahl der Wohlsahrtserwerbs losen so stark gestiegen, daß es jetzt unmöglich erscheint, die Lasten der Wohlfahrtsfürsorgc den Gemeinden weiterhin ohne wirksame Hilfe aufzubürden. Die durchschnittliche Zahl der Wohlsahrls- erwcrbrloscn ist seit dem 1. Oktober vorigen Jahres um mehr als 60 pro;, gestiegen, und dabei hat das Reich den Zuschuß für die Wohlsahrtserwcrbslosenlostcn gegenüber dem Vorjahre noch weiter gesenkt. Das System der Fürsorge für die Erwerbslosen bedingt es, daß die Zahl der von den Gemeinden zu betreuenden Wohlfahrts- erwerbslosen auch dann steigt, wenn die Erwerbsloscnziffcr an sich zum Stehen gekommen ist. Beschlüsse wurden in der gestrigen Sitzung noch nicht gesaßt. Der Vorstand des Städtetages wird heute noch einmal zusammen treten, um sich über die Vorschläge einig zu werden, die der Reichs rcoierung zur Behebung der schliinmsten Finanznot der Gemeinden unterbrcitei werden sollen. Schreckenstat eines Bettlers. Einer Frau das Auge ausgestochen. Im Hause Irenen st raße 2a in Lichtenberg spielte sich gestern nachmittag ein furchtbarer Vorsoll ab! Ein Aeltler stieß mit einer Messingstange durch dos Guckloch einer Wohnungstür und stach einer 26 Zahre alten Frau Gertrud Z. das linke Äuge aus. Gegen 15 Uhr weilte Frau Z. ollem in der Wohnung. Als es klingelte, blickte die Frau durch das Guckloch und sah einen Bettler stehen. Im selben Augenblick wurde von draußen eine Messingstange durch das Guckloch gestoßen. Die Spitze der Stange drang der Ahnungslosen in die linke Augenhöhle, so daß das Auge aus- lief. Auf die furchtbaren Schmerzcnsschrcie der armen Frau ergriff der Rohling die Flucht. In wilden Sätzen stürmte er die Treppe hinunter. Hausbewohner, Passanten und zwei Polizei- beamtc, die gerade des Weges kamen, nahmen die Verfolgung des Mannes auf. In wilder Jagd wurde er endlich an der Eisenbahn- brücke an der Strecke Lichtenberg— Friedrichsfelde gestellt. Nach .kräftiger.'. Gegenwehr wurde er überwältigt und nach seiner Per- uehnrung auf dem nächsten Polizeirevier ins Polizeipräsidium gc bracht. Wie sich nachher herausstellte, hatte sich der Täter, ein wohnungsloscr 34 Jahre alter Kurt W a ch n e r, darüber geärgeri, daß er bei seiner Bettcltour im Hause Jrenenstraßc nirgends etwas erhalten hatte. In seiner Wut riß er dann eine Messingstange vom Treppenläufer los und stieß sie mit großer Wucht durch das Guck loch. Die Schwerverletzte fand in der Augenklinik der Charite Ain »ahme. Pom nicdersausenden Balkcu erschlagcu. Auf dem Hof des Grundstück- Ringstraße 16 in Friedenau ereignete sich ein schwerer Unfall, bei dem der 61 Jahre alte Bau- arbeiicr Gustav Zieger aus der Sachsenwaldstraßc 3 um- Leben kam. Z. war mit mehreren Arbeitskollegen mit Abrüstungsarbeiten beschäftigt. In Höhe des dritten Stockwerks löste sich plötzlich aus noch unbekannter Ursache ein Balken und sauste in die Tiefe. Zieger wurde so unglücklich getroffen, daß er mit einem schwere» Schädelbruch ins Auguste-Viktoria-Krankenhans gebracht werden mußte, wo er kurze Zeit nach seiner Ausnahme starb. Die Sonsumgenossenjchast Berlin und Umgegend lädr für kom Menden Sonntag, den 17. April, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr zur Besichtigung ihrer umsangreichen Anlagen in Lichtenberg. Rittergutstraße 16/30, ein. Sachkundige Führer durch die umfang reichen und vielseitige» Betriebe stehen in genügender Zahl zur Verfügung. TüeM? uns da* Jatewsse deaffiauch&ti am Mehden stehen mujk verzichten wir darauf, unsere Juno durch Beilegen von Zugaben in Form von Wertmarben, Gutscheinen oder Stickereien zu verteuern/ "Z/v, '■ r"nct enthält den vollen Tabahmert, wie Sie ihn verlangen können! Gestalten der Nacht. Fledderer an der Arbeit.— Fünf Jahre Zuchthaus für Straßenräuber. Der 29jährige„Ardeilcr" JH., wegeil schweren Straßenrandes vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte, macht den Eindruck eines Menfchen. den eigentlich nur eine Bagatelle auf die Anklagebank gebracht hat. Der Antrag des Staatsanwalts auf 2 Jahre 9 Mo- natc Gefängnis nahm er mir sehr ungläubig hin. Um so größer war aber seine Bestürzung, als das Gericht über den An- trag des Staatsanwalts hinausging und ihn zu 5 Jahren Zucht- Haus verurteilte. S o hatte er sich die Sache nicht gedacht. Wenn man am H a l l c s ch e n Tor vorbei zum Tempel- Hof er Ufer kommt, so begegnet man immer wieder den trauri- gen weiblichen Gestalten, die da auf der Straße ihrem wenig schönen Erwerb nachgehen. Man stößt auch auf Männergestalten, die Harm- los herumlungern, und nur das erfahrene Auge merkt zwischen den weiblichen Gestalten an der einen Ecke und den männlichen an der anderen Ecke eine gewisse Wechselbeziehung. Eine Wechselbeziehung, die durchaus nicht harmlos ist. Das sollte em bOjoHriger Transportarbeiter eines Abends an seinem Leibe erfahren. Er hatte sich im Kino einen kitschigen Film angesehen, es war nach 11 Uhr ge- worden, zu spät, um seine Frau von Bekannten abzuholen, bei denen sie zu Besuch war. Ein wenig angesäusell, ging er langsam die Bellc-AUiance-Straßc entlang, als er von einem der weiblichen Wesen angesprochen wurde. Weshelb denn nicht einen kleinen Seitensprung machen? dachte er bei sich. Aber als vorsichtiger Mann ging er nicht sofort mit. versprach wiederzukommen, begab sich in ein Restaurant, trank hier noch ein Glas Bier und steckte das Geld, das er für den nächsten Morgen zur Miete zurechtgelegt hatte, in die innere Westentasche und ließ'im Portemonnaie nur einige Mark. In dem mälüierten Zimmer des Mädchens kam es wegen der Bezalsiung zu Differenzen. Kaum war er mit dem Mädchen unten, als er ganz unerwartet einen Schlag erhielt:„Geld her, oder ich schlage dich tot." Blutüberströmt fiel der 6(ijährigc zu Boden, wurde mit Fußtritten bearbeitet, seine Uhr wurde ihm von der Kette gerissen, das Geld aus der inneren Westentasche. Als er sich blutüberströmt erhob, waren Mädchen und Kumpan fort. Der alte Mann mußte ms Krankenhaus gebracht werden, fein Nasenbein war gebrochen, das Auge beschädigt, es fehlten ihm mehrere Zähne. Noch heute kann er den Arn," schwer bewegen, leidet an Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Seine Frau hatte ihm den Seitensprung verziehen, sie führte den über Nacht zum Jnoo- liden Geschlagenen an den Zeugentisch. Der Räuber wurde eine halbe Stunde später in einem Lokal verhastet, die Polizeibeamten am Halleschen Tor kannten ihn von früher. Die Uhr seines Opters fand man noch bei ihm, das Geld war schon fort. Näuber im Humboldihain. Fünf Jahre Gefängnis für schweren Straßenraub er- hielt der Maurer Rodenberg. Ein Landmann, die Brieftasche voll Geld, läßt sein Gepäck auf der Bahn und begibt sich auf einen „Nachtbummel" durch Berlin. In einem Lokal in der Brunnen- straßs hält er jeden, den es danach gelüstet, frei und wirft mit 29-Mark-Schcinen um sich. Zwei Zechgenasscn fordern ihn zu einem Bummel auf. führen chn zum 5)umboldthain. halten ihm dort Revolver vor, der Maurer Rodenberg versetzt ihm einen Kinn- haken. Uhr, Ring, Geld und Gepäckschein wandern in die Taschen der Räuber Als R. auf dem Bahnhof eine falsche Beschreibung des Gepäcks gibt, wird er verhaftet. Den Gepäckschein habe er von dem. Besitzer erhalten, erklärt er. Unterwegs in der grünen Minna erzählt er aber einem Fahrtgenossen, wie er den Landarbeiter fertig gemacht habe. Der Fahrtzcnosse hält nicht dicht, olles Leugnen Hilst dem R. nicht. Unter Einbeziehung einer Strafe von 3 Jahren Gr- fängnis wegen zweier früher begangenen Raubübcrfälle wird er zu S Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Oegeners Luxuswohnung. Die sparsame Mutter soll alles bezahlt haben. In der gestrigen Verhandlung des Sklarek-Prozesscs erfolgte die Zeugenvernehmung über die Zuwendungen an den Stadtrat Dcgcncr, die er nach der Anklage von den Skia- rets zum Teil in barem Gcldc, zum Teil in Kleidungsstücken er- halten haben soll. Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten zunächst ein Schreiben vor, das kürzlich bei der chaussuchung bei Mar Sklarek beschlag- nahmt worden ist und das auf den Sklaretschcn Grundstückskauf Bezug nimmt. In diesem Brief schreibt Dcgencr unter anderem: „Sichert Euch die beiden neu entstehenden Eckgrundstücke.?ch werde mit meinen schwachen Kräften alles tun, um die denkbar günstigsten Bedingungen herauszuholen. B.< Stadtrat Busch) ist noch der letzten Aussprache bereit, mit uns zusammen zu marschle- re», wir könnten ja einen gemeinsamen Schlachtplan beraten." Im Mittelpunkt des Interesses stand die Vernehmung der Ehefrau des Angeklagten Dcgener. Der Angeklagte hatte bei seiner Ler- »ehmung sowohl in der Voruntersuchung wie auch im Prozeß den Empfang von Barzuwcndungcn in Abrede gestellt und behauptet, daß seine Wohnungseinrichtung, die 29 999 Mark gekostet hat, aus Mitteln gekauft worden sei, die er von seiner alten Mutter erhalten habe. Die Staatsanwaltschaft vertrat demgegenüber den Standpunkt, daß die alte Frau, die eine Gast- Wirtschaft besaß und sie ini Jahre 1919 vertaufte, wohl kaum mehrere tausend Mark aus der Inflation gerettet haben könnte, wogegen auch der Umstand sprach, daß sie längere Zeit im Ma- gistrat als Aufwartefrau beschäftigt war. Degcner hatte diesen Einwand der Anklogebehörde aber mit der Erklärung zu entkräften versucht, daß er selbst als Redaktionssckrctär(Degener war lange Zeit Sekretär in der Redaktion der„Roten F a h n e". Red. d. ,.B.") sein Geld zum Teil in Dollars erhalten und auch seine Mutter das Geld wertbeständig angelegt hätte. Vors.: Wie paßt eigentlich Ihre luxuriöse Einrichtung zu dieser bescheidenen Wirtschaftsführung? Zeugin: Luxuriös ist die Einrichtung nicht. Sic ist nur gut und dauerhaft, denn sie soll ja für das ganze Leben halten. Vors.: Die Einrichtung hat 29 999 Mark gekostet. Sic haben sich auch beispielsweise Ihr Badezimmer vollkommen mit Fliesen auslegen lassen und für Belcuchtungsgegenständc 1W3 Mark angeblich bezahlt. Die Rechnung lautet allerdings auf den Namen Sklarek. Zeugin: Das geschah nur, weil wir dadurch 29 Prozent Rabatt erhielten. Der Vorsitzende hielt Frau Degcner dann weiter vor, daß sie von den Sklareks ein Tafclservice für 12 Personen im Werte von 1299 Mark erhalten habe, was sie als eine„Aufmerksam- k c! t" von Leo Sklarek bezeichnete. Die Mutter des Angeklagten Degner, auf deren Zeugnis er sich auch berufen hatte, hatte dem Gericht mitgeteilt, daß sie wegen ihres Alters nicht erscheinen könne und von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch mache, so daß man die sparsame und geschäftstüchtige Frau nicht selbst zu hören bekam. Die Verhandlung wurde dann auf Montag vertagt. „Küßi, so ofi ihr wollt!" pariser Gericht proklamiert Kußfreiheit. An einem der ersten schönen Frühlingstage saß im Jardin des Plantes in Paris ein junges Pärchen. Die beiden unterhielten sich zuerst ruhig miteinander, dann umarmte der Jüngling plötzlich das Mädchen und überschüttete es mit einer wahren Lawine von K ü ff e n. Die anderen Besucher des Gartens sahen zuerst belustigt, dann immer ärgerlicher der Kußszene zn, die kein Ende nehmen wollte. Schließlich beschwert sich ein empörter Nachbar bei einem Schutzmann und dieser erstattete gegen das Pärchen Anzeige. So kamen die beiden wegen Erregung öffentlichen A e r g e r n i f s c s vor das Gericht. Und dieses fällte noch einem ein- gehenden Verhör mit den Angeklagten und den Zeugen folgendes Urteil:„Die Angeklagten werden freigesprochen. Es steht einem französischen Bürger oder einer französischen Bürgerin frei, sich so o i t küssen z u lassen, als sie wollen und zwar an jedem Ort, der ihnen paßt. Das Küssen ist durchaus keine un- sittliche Handlung. Diejenigen, die daran Anstoß nehmen, bleibt es überlassen, den Kopf zur Seite zu wenden." Der galante Polizeirichter, der dieses denkwürdige Urteil aus- gesprochen hat, wünschte noch dem jungen Paar viel Glück. Einige iran.zösische Zeitungen berichten über diesen Fall in großer Auf- machung und stellten befriedigt fest, daß das Polizcigericht für die persönliche Freiheit des Staatsbürgers eingetreten sei. Das Aiieniat auf Dr. Luiher. Vernehmung von Schlafwogenführer und'Zugschaffner. In der Untersuchung der Luther-Attentäter Dr. Rössen und Kertscher hat die Staatsanwaltschaft I gestern den Schlafwagen- schaffner und den Zugführer des Baseler Zuges, mit dem der Reichsbantpräsident von Berlin abreiste, als Zeugen vernommen. Die beiden Beamten waren erst gestern von der Fahrt nach Berlin zurückgekehrt. Es handelt sich bei ihnen um die ersten eigentlichen Tatzeugen, die von der Staatsanwaltschaft gehört wurden, und man wird nun nach ihrer Darstellimg des Vorfalls voraussichtlich auch noch Dr. Luther selbst nach seiner Rückkehr vernehmem um auch von ihm eine genaue Schilderung des mißglückten Anschlags zu erhalten. ..Jnfolgedejien.wird auch hie Entscheidung, ob die Attentäter vor dos Schnellgericht kommen oder ob gegen sie entsprechend dem Antrag ihres Verteidigers Voruntersuchung eröffnet werden soll, erst nach der Vernehmung des Reichsbankpräsidcntsn fallen. Deutscher Frcidenkerverbond. Für den heutigen politischen Kabarettabend im Orpheum, Hasenhcidc 32/38, in dem u. a. Werner F i n ck, Balcska G e r r, Rest Langer, Rudolf Platte, Werner S a u l, Ilse T r a u t s ch o l d, die Jugendgruppe im DFB. und das Kcimmerorchester des Deutschen Musikerverbandes unter Leitung von Paul Müller mitwirken, sind Eintrittskarten wegen lieber- füllung an der Abendkasse nicht mehr zu haben. Wir ersuchen alle Funktionäre, die noch umlaufenden Eintrittskarten sofort einzu- ziehen und an die Bezirksgeschäftsstelle zurückzusenden. Die Ver- anstaltung beginnt pünktlich um 19.39 Uhr. Mi der Schneiderschere erstochen! Verhängnisvoller Ausgang eines Streites. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm ein Streit, der sich gestern abend zwischen dem 61 Jahre alten Schneidermeister Oskar H e i l in a n n aus der Weserstrahe 30 in Lichtenberg und seinem Untermieter, einem Zljährigen Landwirt Helmut Lemke, entspann. Lemke kehrte gegen 21 Uhr etwas angeheitert noch Hause. Beim Hantieren in der Küche des Wohnungsinhabers soll nun L. einige Teller mutwillig zertrümmert haben. Der Schneidermeister eiste hinzu und stellte Lemke zur Rede. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel, der zunächst damit endete, daß L. auf Hellmann ein- drang und ihn am Halse würgte. Der alle Mann machte sich jedoch von der Umklammerung frei und eilte in die naheliegende>t?tube, wo er eine Schneiderschere ergriff, um sich gegen weitere Mißhandlungen seines Mieters zu schützen. Tatsächlich kam es zu einem erneuten Handgemenge, in dessen Verlauf Heilmann mll der Schere auf Lemle einstach Er traf so unglücklich die Hals- s ch l a g a d e r. daß Lemke verblutete, noch bevor der alär- mierte Arzt zur Stelle war. Der Schneider bleibt im Gewahrsam. bis feine Angaben genau nachgeprüft find. Die Inhaber der Firma Hermann Tieh schreiben uns: Aus An- laß des.ZOsährigeu Geschäftsjubiläums unserer Firma sind uns aus allen Teilen der Bevölkerung Deutschlands und des Auslandes Glückwünsche in einer so übergroßen Zahl zu- gegangen, daß es uns unmöglich ist, allen denjenigen, die der Gründer und unserer in sreundschaftlichcr Weise gedacht haben, per- sönlich zu danken. Wir haben daher diesen Weg gewählt, imsercn innigsten und wärmsten Dank dafür auszusprechen. Platzkonzert der Reichswehr. Am Sonntag, dem 17. April, findet in der Zeit von 12— 13 Uhr ans dem Platz westlich der Staate- oper ein Platzkonzert des Trompetcrkorps der 3.(Preußischen) Fahr- abteilung stakt. �us dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. Unser Bataillon vereinigt sich mit den übrigen. Voran die Regimentskapelle. Aber vor dem Ausmarsch findet noch ein Bittgottesdienst statt„um die Verleihung des Sieges an die rechtgläubige und christusliebende Kriegerschaft". Und dann marschiert endlich staubumwölkt das Regi- ment in langer Kolonne dem Bahnhof zu. Auf dem Bahnhof drängt sich die Zivilbevölkerung. Uns Soldaten geleitel niemand, wir haben hier keine Verwandten, keine„Nahestehenden". Aber die Offiziere, Feldwebel, Kapi- lulanten haben ihre Familien hier, und alle begleiten sie auf den Bahnhof. Lärm, Geschrei, Gedränge, Weinen. Lachen. Auf den Gleisen stehen lange Züge. In den Waggons find zu beiden Seiten je zwei Mehrstöckige Pritschengeftelle und Gewehrständer angebracht. In jedem Zug gibt"es Wogen zweiter Klaffe für die Offiziere. Wir steigen in nistere Wogen. Mit einein Schlage ist es eng und stickig, obwohl die Türen offenstehen. Der Waggon ist voll. Gewehre, gerollte Mäntel, Säcke. Pakete nehmen allen Raum weg. Plötzlich riecht es nach Kaserne, nach Umformstoff, Leder, Schwarzbrot. � Plötzlich steht vor der Wagenrechc meine japanische Freundin. Hinter ihr wird ein Korb mit gesüßtem Weißbrot und Kuchen angeschleppt. Sie traktiert die ganze Kompagnie. Für Tschaika, den Feldwebel und mich hat sie Torten mitgebracht. Ihre Lippen versuchen zu lächeln, ihre Augen füllen sich mit Tränen, das Zittern ihres Kinnes ist von einer kinder- haften Komik. Ich starre auf die Tränen, die ihr über die Wangen laufen, ich starre auf ibr zitterndes Kinn und denke daran, daß ick) dieses liebe Gesicht nie mehr wiedersehen werde. Aber ich werde nie vergessen, wie diese zierUche Frau mit den dichten, schwarzen Haaren und den Gokdfunken in ihren schwarzen Augen an mir gehangen hat. „Einsteigen! In die Waggons! Jeder an seinen Platz!" Die Lokomotive pfeift, ruckt an, die Waggons quietschen, und der Zug setzt sich langsam in Bewegn.ng. Die Soldaten schreien hurra, vom Bahnsteig wird mit Mützen und Tüchern gewinkt. Viele laufen noch ein Stück neben dem Zuge her. Der Bahnhof gleitet langsam zurück und verschwindet. Frühmorgens Aufenthalt auf einer kleinen Station. Wir schlängeln uns aus den Waggons. Aus der läaglichen, nach unten gebogenen Röhre des runden Wasserbehälters schießt ein inächtiger Wasserstrahl. Unmöglich, sich zu waschen. Man hält die Hände hin, das Wasser spritzt nach allen Sellen, näßt alle Umstehenden. Leicht angefeuchtet, nur oberflächlich ge- waschen, laufen wir mit Teekesseln und'KochgesHirren zum Heißwasserbehälter. An den Waggons drängen sich Scharen von Chinesen und verkaufen weiße Semmeln. Sie schreien mit ihren hohen durchdringenden Stimmen. „Sem— mel! Sem— mcl! Ssöne Sem— mel!" Bylin ist munter und lebensfroh wie ein junger Hengst. Er schreit, singt lacht. Der klare, sonnige Morgen, das kalte Wasser, feine Jugend und sein angeborener Optimismus machen ihn ganz wild und ausgelassen. Der Feldwebel kommt an unfern Waggon. „Guten Tag, Rasfell!" „Gesundheit wünsche ich,.Herr Feldwebel!" „Na, wie ist kne Reise? Ganz hübsch, was? Melde dich auf der nächsten Station beim Kompaniechef. Er hat nach dir gefragt." „Zu Befehl, Herr Feldwebel!" Tschaika hatte sich einen ganzen Packen niedlicher An- sichtskarten gekauft und bat mich, ihm ein paar Gedichte„von unterwegs" zu machen. Tschaika ist ein klein wenig rot geworden, spürt eine oewisse Vsfangcnheit. kann sich aber diese Bitte nicht ver-! kneifen. Um so mehr, als es doch nicht angeht, nachdem man: einer Dame regelmäßig Gedichte geschickt hat, urplötzlich damit aufzuhören. Ich verfertigte die Gedichte in einem populär lyrischen Stil, etwa im Genre der üblichen Liebcsromane. Das war nicht sehr schwierig und vor allem'-e/riedigte es Un dar st- aus, und offenbar auch feine Angebetete. Meine Versuche, das sentimentale Element wegzulassen und den Gedichten eine etwas frischerc und zeitgemäßere Form zu geben, wies er freundlich und höflich zurück. C h a r b t n. Mir ist, als seien erst wenige Tage ver- gangen, seit ich auf dem Wege nach Nikolsk hier durchkam. Stadt nach Stadt. Station nach Station huschte damals vor- über. Jetzt ist es genau wie damals, nur die Reihenfolge ist die umgekehrte, als lasse ein betrunkener Mechaniker einen Filmstreifen rückwärts laufen. Die Soldaten wachen auf, sehen die hohen Häuser, die Kirchenkuppeln und schreien im Chor: „Ach, die Kirchen, diele Kirchen! Hols der Teufel! Und diese Bordells erst, diese Bordelle!" Dieser Witz war Gemeingut des Regiments geworden. Irgend jemand hatte ihn einmal hingeworfen, nn) jetzt muhte er beim Anblick jeder Stadt unter allen Umständen äugen- blicks wiederholt werden. War Bylin ausgelassen und vergnügt, so war Tjurin mürrisch und bekümmert. Tagelang saß oder lag er in seinem Winkel, soweit die anderen ihn in Ruhe ließen. Lyliu zog ihn gelegentlich ohne Bosheit auf und hänselte ihn. Wie er sagte, sollte er es nicht zulassen, daß Tjurin sich vor Trübsinn umbrächte. „Tjurin, he, Tjurin! Hörst du nicht, daß ich mit dir spreche, du Fettwanst? Tjurin! So antworte mir doch!" „Na, was ist denn los?" „Weißt du auch, wohin du fährst? In den Krieg! Du sollst kämpfen. Du kannst doch alle Griffe so schön, nicht? Gewehr zum Sturm— rechts! stich! Eins, zwei! Direkt dem Deutschen in den Bauch! Dann noch einen und schon wieder einen! Kriegst ein Kreuz, kommst als 5)eld nach Hause!" Der Zugführer wollte hierzu auch etwas bemerken: „Bis dieser Dickbauch sicki umdreht, bat er sich ja mit dem Hintern auf sein eigenes Bajonett gesetzt, daß ihm alles Wasser abgeht. Das wird eine schöne Geschichte!" Rodin sieht alles mit größerer Zurückhaltungan: „Diese ganze Schaukelei hat keinen Sinn. Wenn wir hinkommen, ist der Krieg schon zu Ende. Wir treiben uns ein bißchen herum und fahren zurück. Aher Kriegsjahre werden im Dienst doppelt gezählt. Das heißt, wir kommen angefahren, und dann geht's auch schon nach Hause! Das ist der ganze Krieg. Können uns auch bei den Deutschen be- danken.' Wir nähern uns einem riesigen Dorf. Rein, eher schon einer Stadt. Die Soldaten drängen siäi an die Ausgänge. Ein Fluß glänzt auf. Es ist die Baljaga oder die My- kyrta. Wir kommen an den Peterswerken vorüber, Bezirk Werchne-Udinsk, transbaitalisches Gebiet. (Fortsetzung folgt.) Alldemehie Hndblaflvemrelteiid am Sonnafttncl. dem ib. aad üanmx. flem 17. Hisril von den ocHacn'en sietlea/ S ie ken«4§mnen. Genossen, SrNeilersvortier und Arbenerlugenst üeieiiigen siM Werbeabend in der Freien Scholle. Einen großen Erfolg l> rächte eine Werbeveranstaltinig des Arbeiler-Sport- und-Änlturlartells und der sozialdcmolratifchcn Frauengruppe in der Siedlung Freie Scholle bei Tegel. Der Schollenkrug war dicht gefüllt, gespannt folgten die Werfainmelteu den eindrucksvollen Ausführungen der Genossin Frida Licht vom ZdA. Sie rief die Frauen auf, der Sozialdemokratie, der Liste B r a u n- S e o e r i n g, am 24. April die Stimme zu geben. Die Darbietungen der Gruppe der„Roten Rebellen" fand lebhafte Zustimmung. Musik umrahmte das Programm. In einer an- feuernden Schlußansprache forderte die Versammlungsleiterin von den Frauen, den Sirenengesängen der Nazis und Kozis nicht zu folgen. Gerade die Frauen denken mit Entsetzen zurück an das „wohlgeordnete" Reich, das Hitler empfiehlt. Das Schlangestehen und die Unterernährung des Kriegs haben wir nicht vergessen. Wir fordern ein soziales Preuße» der Freiheit und der Menschen- würde Mit einem Hoch auf die Partei schloß die gelungene Ver- anstaltung. E'ner von den alten Lämpsern, Genosse Linus Kleinert, Verlin-Üichterfelve. Luifevtstr. 3(5, 83. Abt., beging gestern seinen 7ö. Geburtstag. Im Jahre 188!) Müalied der Partei im 3 Berliner Wahlkreis geworden, war er Mitbegründer der Ar- beiter-Bildungsschule und deren jahrelanges Mitglied. Er hat in all den Jahren stets für die Ziele des Sozialismus in Partei und Gemerkschait gearbeitet. Wir wünschen ihm ausrichtig einen frohen und gesunden Lebensabend. Billiger Sonnabend im Zoo. Am heutigen Sonnabend, dem 1b. d. M., kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten von 2 Uhr nachmittags ab nur 50 Pf. für Erwachsene und 35 Pf. für Kinder bis zu 10 Jahren: dieselbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. Welleraussichten für Berlin. Wolkiges und wärmeres Wetter ohne Niederschläge von Bedeittung, östliche Winde.— Für Deutsch- lond. Im Westen und Süden nach vielfach regnerisch, im iWrigen Reiche etwas Besserung bei höheren Temperaturen, später wieder von Nordosten her einsetzende Abkühlung. Diutt« St.,3ng. Sobsancc Adolph, Mitglied des Borstendes der Bor- Xinet Kraft, und L'�cht-Aitiengefellschaft und der Berliner Stodtisäie Clettrizi- tätawerkc A..G.(Bewag) begeht am 17. April seinen 50. Geburtstag. SozialisiiMeArbetterWendGroß-Verlm Gtalcniuttgcn für diese Rubril nur cm das Sugtnbfrtrttariat Berlin 6S BS, Lindcnstratze 2, vorn 1 Treppe rechts. Ccffcntlicfic JuNgwahlcrvcrsaurntlung SUnioa, 18. April, 19i.-, Uhr, im großen Saal der S-rmoni-pr-chtsöl«. Eh-asscestr. 11» cu-Bohn Stettiaer B-h>lhos>, Vortrag!„Die Iagead im Nreußeotamps-. Refereat! Dr. Äart Lö-aensteia. N. d. R. ★ Abteilungsleiter! Reicht umgehend den Berichtsdogen und dos Mai- progromm ein.... Zlagblattoeedreitaag heute und..morgen. Alle, jstgnvhintteqt und. Genossen. beteiligen sich und stellen sior. den Zuständigen Psttteiadtkilungen. zur Per-' fugung. heute. Sonnabend. 1ö. April: Wcdding(R.-F.): Treffpunkt zur Fahrt nach lle�dors 17 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Süden: Treffpunkt zur Jungwäblerkundgebung!8 Uhr „Äole Elte". Morgen Fahrt.. Treffpunkt 7 Uhr ebenbort.— Gtcgtife I;. Treffpunkt zur Iungwählerkundgebung 18� Uhr Ratbaus.— Arnswaldcr Plag II: Margen Treffpunkt zur Fahrt um 8 Uhr Bezirksamt. Werbebczirk Wedding: Iii'- Uhr Baden Gerichtstraße. 20' � Uhr Eprechchor- probe Willdenorostr. 3. Werdebc-irk Müggelsee: Kursus mit den Kindcrfreunden in der Jugend. Herberge Erkner. Aussprache über die Zusammenarbeit. Treffpunkt 17 Uhr Bahnhof Köpenick. Radfahrer 17 Uhr Bahnhof Friedrichshagen. Nachzügler in der Jugendherberge. — M l I I 1 I ij I Erobert Preußen! Unsere nächsten Veranstaltungen: Sonrabond, den IS. Qzseil: 7. Kreis— Chariottenburg. 2S!4 Uhr, Nachtvorstellung im „Tauentzienpalast", TauenUien- Ecke Nürnberger Str. Vorführung der Filme„Kameradschaft" und„Kiekebusch erobert Preußen" Ansprache. Eintrittskarten sind zum Preise von 50 Pf. bei den Funktionären zu haben. C.Kreis— Spandau. 19'A Uhr, öffentliche Kundgebung in Cladow, Cladower Hof(Roske). £5. und Ct. Abt.— Tempethof-Mariendorf. 1?Z� Uhr, öffentliche Kundgebung im„Birkenwäldchen", Tempelhof 108a. Abt.— Copenick. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung im lokal Pirschel in Cöpenick-Nord. 115. Abt.— Schmöckwitz. 19A Uhr im lokal„Zur Palme", öffentliche Kundgebung 151. Abt Bezirk Kleinsllrten Berlin(Blankenfcldo-Roscnthal- Nordend). 20 Uhr, öffentliche Kundgebung in der„Sporl- klause", Referent: Genosse Reinhold. JungwShlcrkundgebung für die Bezirke Kreuzberg, Chariottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Zehlenderf, Schöneberg, Steglitz. 19H Uhr im„Piccadilly", Schöneberg, Ebersstr. 80. „Die Jugend im Preußenkampf". Redner: Ludwig Diederich. Es wirken mit„Rote Rebellen", Gymnastikgruppe der Ar- beitersporller Schöneberg. Fuhrhöf« 1 bis 4 Kauptwerkstatt und Stadtfuhrpark. 19 Uhr, Kundgebung bei Stock, Warschauer Platz, Bogen 12. Referent: Genosse Schoodt Referenten: Georg Maderholz, MdL., Erich Raddatz, MdL, Karl Hetzschold, Kurt löwenstein, MdR., Dr. Richart Mischler. Sonntag, den 17. April: S.Kreis— Spandau. 16 Uhr, öffentliche Kundgebung in Gatow bei Walter Krause. 15. Kreis— Tempelhef. 115- Uhr in Tempelhof, Tempelhofer Tivoli, Berliner Straße 97, Film-Matinee„Der Hauptmann von Köpenick" und„Die Wiener Arbeiter-Sport-Olympiada". Ansprache: Paula Kurgaß. Eintritt für Männer 50 Pf., für Frauen 25 Pf. 107. AbL— Alt-Glienicke-Falkenberg. 15 Uhr, Kundgebung der „Eisernen Front" im Deutschen Haus, Alt-Glienicke, Grünauer Straße. 152. Abt.— Blankenburg. 18H Uhr, öffentliche Versammlung bei Klug, Dortstraße. Referenten: Georg Maderholz, MdL, Max Heydemann, Karl Litke, MdR. Männer und Frauen! Erscheint in Massen! FraueRlein soziales Preufiei! Donnerstag, den 21. April, 19H Uhr, Mehenzollern« schule, Schönecerg, Belziger Ecke Eisenacher Strafte: OeffenlSiche SCundgebung für den Berliner Westen Ansprachen: Maihilde Wurm, M.d.R., Paula Kurgaft. Mitwirkende: Die roten Rebellen u. Arbcilsgemein* schaft Schöneberger Mönnerchor u. Liedertafel West. Parteinachrichten furGroß-Berlin F-jgrj P Iuvgwählerkundgebuna„Die Jugend im Preuftenkamps" heute, D Uhr, im Restaurant Piceadilln, Gchöneberg. Ebersstr. SW. Referent: R Ludwig Diederich.„Rote Rebellen", Gymnastikgruppe der-Arbeiter. � suortler Schöneberg. Es beteiligen sich die Werbebezirke 5lreuzbcrg, � Ej| Schöneberg, Westen und Teltawtanal. M Mf Äuaevd in Eiserner Front' Kttndaebung am Dienstag, dem 19. Ävru, [•-] 19U Uhr. in den Andreasfestsälen, Andreasstraye. Referenten: Dr. Aurt h- \ i Löwenstein, M. d. R., und Crich Schmidt. Es beteiligen sich die Werbe- m i: bezirke Osten, Oberspree, Müggelsee und Lichtenberg. IL? MTII fficrbcbcjitl R-iitick-ndort: Dic auf de» 17. April«crlchobene Wcrbeieier tan» umständehalber nick>t stottfinde». Die Kaue» niiissc» bis spätestens 1. Mai au die einzelnen Adteilungslcitcr zuriiclgcgcbcn werden. Erträge, Vereine und Versammlungen G Reichsbanner„Schtvorz-Rok-Gold. «c!chä«ts stelle: Berlin S ii Scbastionstr S7—»S So» 2 Tr Tcmpeldof(Ort.'.verein). Sonnabend, Id. April, 181) Uhr, Sag!. — schuh Birkenwäldchen.— Waiiersportobteilunq. Zog stöpeniii. E"nnlaa, 17. April, Anfahren nach der Alien Beeliner Schweiz. Sämtliche Riegen treten um ll Ubr im Bootsbau- an. Abends im Bootshaus gemütliches AetsaMmeniciu.— RUmersdors(Ortooerew). Sonntag Autofahrt. Antreten S Uhr Fehrbellincr Platz. Bereinigung der Freunde von Religion und Bulterfricdcn. Sonnabend, Id. Avril. 20 Uhr, in der Aula der»aiscr.Frirdrich-Schulc, Cbarlottcnbnrg, am Saviangvlatz. Knesebectsteatze, Lichtbilderoorlrag. Genosse Bredow von: ZdA. töricht über das rot: Wie» und Tirol. Schallplaltcn bringen Tiroler d>eim'tliedcr. Untere Jugendlichen führen Volkstänze vor. Eintrittsgeld M Pb, für Aroci slofe 20 Pf. Freire'ßtöft Gemeinde. Sonntag, U Uhr. Pappelallee lä, Vortrag des Herrn Prof. Dr. A. Rolenbeig: Europa vor 100 Jahren(nach Heines Briefen ans Paris). Gälte willkoMmcu. Reichspereinianng ehem. Krieaeqefangenrr. Ring Groß-Berlincr Ortsgruppen. Sonntag, t7. April, IC Uhr. im großen Saal der Germaniapracht- fäle. Berlin R. t. Ehauileestr 110...Ärieg-gefanaenen-Mederfehensfeier". Ansprache Kamerad Erwin Barfanti Mitwirkende: Snstrumeniolklub 00. Berliner »inderchor. Schaufpicler jürausbaucr. Margarete Walkatte, Ilo Berti, und dre fünf Erncstos. Bcreinstombola. Ab 20 Uhr Festball. Aepublitanirche Rednerverciniouaa. Montag. 20 Uhr. Vortrogsabend mit Dielusston im Alle» Aslanier, Anbalter Str. 11. Es spricht Genosse Stern- berg über:„Arteitsbcschaffung". Gäste willkommen. Einsenvungen für diese Rubrik find Berlin SÄ 68, Lindenstraße lt. stets au da» Bezirtssekretartal :. Löf. 2 Treppen rechts, zn richten Beginn aller Beranstattungen ly'/i Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! 7. greis. Sonnabend. 10. April, 2VA Uhr, Nachivorstellung im Tauentzic». palaft, Tauentzienstr. 10. Parteigenosse» und eingeführte Gäste tonnen no.ch Rarten zum Preise von 00 Pf. im Vorraum erhalte». 7. und 8..greis. Heute, 17 bis 18 Uhr, juristische Sprechstunde im Jugend. heim Rosinenstr. 4. Gelegenheit zum ttircheuaus tritt! 11.«reis. Sic Ainderfreuube oeianstollcn am Sonntag, dem 17. April, Uli Uhr. in der Alhambra. Hauptstr. Z0, ein Filmmatinee. Es läuft der Film:„»ameradschaft". Elntrittskartc« zum Preise»an 00 Pf. für Er. woibsene, 2:> Pf. für»indcr, sind bei de» Aindcrfrenndefituktionären und an der Nasse zu Hoden. Dic Poeteigcnossiiinen und-genossen werden gc- beten, die Veranstaltung zu uuterslutzc». 17.»reis. Dic Genossinnen und Genosse» beteiligen sieh heule an der Kund. aebung der 8.>. Abteilung im Birleuwäidchcn. 17. Kreis. Dic Abtcilungsleücr werden zwecks(Information gebeten, heute, Sonnabend, ab 14 Uhr, nach der„Borwärts".Spcdition Boxhagrncr Straße zu kommen. t i> 5-k�LÄSt�crdS�Fff����-�t i> �, pg i Achtung, Abtelluugslciteiinuen! Dienstag, 40. April, stehen im p Frauenfelreiariat Franenbroschüren zur Preußcnwahl zur Verfügung. Wir bitten dic Avteilungslelterinnen. uns entweder sosort tclcpbonisch oder schriftlich mitzuteilen, an welche Adresse wir dic Franenbroschürc» schicken'sollen oder ob dic Vroschllrc» im Sclrctoriat von einer Genossin abgeholt werden. Das Fraucnsekretariat. smmmmmi u t I 8. Abt. Die erwerbslosen Genossen treffen sich heute, UVi Uhr, bei Rückert, SIeiiimetzstr. 0ka. 0. Abt. Ffugbloitvcrbreilung Sonnabend, 18 Uhr, Sonntag, 0 Uhr. bei Sübncr. 47. Abt. Die Flugbtotiverbreilung findet am Sonnabend ab 17 Uhr von de» Zohlabendiokolcn ons statt. 01. Ad,. Sonnabend. 17 Uhr. Sonntag, 0 Uhr, Flugblattoerbrcitung von den bekannten Lokalen aus. Alle Parteigenossen helfen. 02. Abt. Sonnabend, 17 Uhr. Sonntag, 0 Uhr, Flugblattvcrbrcilung. All- Parisimilglieder treffen sich bei Wolters, Kaiscriu-Augusta-Allec 02. 78. Abt. Die Flugblattverdrcitung findet am Sonnabend, dem 10. April, von IS Uhr ab, und am Sonntag, dem 17. April, von 0 Uhr ab flall. Für tkn l. Bezirk vom Lokal Wandlle. Bahnstr. 2ä, für den 2. Bezirk von KUllmcr, Sauvtstr. 8. für den Bezirk von Schmidt, Ebersstr. 18, und für de» 4. Bezirk von Ehrist, Ebersstr. 40. aus. 81. Abt. Hondzetiel für die Versammillng können in der Spedition Pelziger Straße adgeholt werde». 80. Abt. Flugblattverdrcitung des 4. Bezirks vom Lokal Pommcrcning, von 1V llhr an..„.,, 8». Abt. Sonnabend, 18 Uhr, Flugblattverbreitung von den gahlabend, lokalen aus. fcl. Abt. 108. und 109. Bezirk. Heute, ab 18 Uhr, Flugblattverbreitung im Bärwinkel. 96. Abt. Tie BezirksfÜlircr holen heule ab 18 Uhr Flugblätter von der„Vor, wärts"-Sped>tion«iegfricdstr. 1 ab. Das Bahtmateriol ist PPM Ab. teilungslciter abzuholen. S0a. Abt. Britz. Gruppe junger Sozialdcuiolralcn. Heute. Sonnabend, 20 Uhr, in der(idealhalle, Hannemannstraße, politisch-iatirifchcr Abend. Im An- ichlutz Tanz. Alle Parteigenossen sind eingeladen. 100. Abt. Rudow. Sonntag, SV: Uhr, alle G-ncssinnckl und Genossen zur Flug. blattoerdrcitunq Bandastr. 46, beim Genosse» Hoffmeisser. 100. Abi. Heute ab 18 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. 108. Abt. Flugblatlausgobe heute zwischen 17 und 18>,4 Uhr im Parieiheimz Schletzstr. 27. Ave Verteiler werden ersucht, dic Flugblätter dort ab- zuholc». s 148. Abt. Heute, 20 Uhr, bei Marc, Reue Bahnhofflr. 28, wichtig« Funk. tionärsitzung. litt. Abt. Heule ab 18 llhr Flugblattverbreitung von Bartz, Mdllendors. straße 40, aus. 120. Bdt. Sonntag, 17. April, 11 Uhr, kurzr, wichtizr Lorstandsfltzttttg bei Gallas. Arbcilsgemcinschafi der Kinderfreunde Groß-Berlin. MM Mitte. Heute, 2ll Illzr, Helfersitzung im Ougendheim Kopenicker otrasic 92. Dic Elternoblcute der Abteilungen kommen schon um ' 19 llfyr in demselben Heim zusammen. Neukölln. Montag, 18� bis 19Vj Uhr, Besprechung der NostfaIke,?M Helfer in der Baracke Ganghoferstrasie. Ib. und 17. April 5lreis- ..-- Nestfalken-Fahrt nach Rüdersdorf. 1,30 M., Brot. Decke und Schlaf- wm sact mitbringen. Treffpunkt heute, iö Uhr. Lahnhof Neukölln. Rote-Falken-Kreisfahrt(mit den Äriger Gruppen) morgen, Sonntag. Treff- punkt 8 Uhr Bahnhof Neukölln. Falkenkleidung erscheinen. Wimpel und Instrumente mitbringen. Heute. Sonnabend, Singeprobe für den 1. Mai um 17 Uhr im Heim Äanner Straße für die Iungsalten und Roten Falten, der Abteilung Jungvolk, Bauvolk und der Gruppe Kurt(Lisner und Stunnfalte« Aöt. Sturmfalke. Heute. 16 Uhr. alle Falken im Vortragssaak Äanner Straße. Lichtenberg, Abt. Rote Stürmer. Treffen zur Fahrt Sonntag, 17. April, 8V2 Uhr, Bahnhof Stralau-Nummelsburg. Karzentra,das neue Standardkaufhaus derKarsiadtAG. Das Kaufhaus Linde mann u. E o.. Turmstraße, ein dem Karstadt-Konzern Angeschlossener Betrieb, hat eine völlige Umwand- lung erfahren, Sie bezieht sich weniger auf das rein äußerliche Bild— ein paar Haustischler besorgten die ganze Jnneneinrich- tung—, sondern vielmehr auf ein völlig neues Bertaussprinzip auf Grund verlilligtcr Einkaufsbcdingungen, die naturgemäß eine verringerte Preisgestaltung im Gefolge haben. Das neue Kaufhaus Karzeutra, das erste in seiner Art, dem in Kurze weitere acht Filialen im Reich folgen sollen, suchte und fanö neue Wege, die siarl geschwächte Publitumskaufkraft zu heben. Es handelt sich hier nicht um ein typisiertes Verkaufsprinzip mit Einheitspreisen, sondern um eine auf Grund strengster Kalkulation durchgesührtc Lagergestaltung. Es wurde das sogenannte SortiineutZgeschäft eingeführt, d. h,, daß jedes Berkausslager Ware innerhalb einer begrenzten Auswahl vorrätig Hut, wobei naturgeinäß das Haupt- gewicht auf unbedingt preiswerte und doch qualstativ wertvolle Ware gelegt wurde. Die einzelnen Artikel bewegen sich also in einer nach oben stark begrenzten Preisspanne, worunter die Aus- Wahlmöglichkeit nicht leitet, nur eben zwangsläufig stark herab- gemindert wird. Man kann also für billiges�Geld— teure Artikel werden überhaupt hier nicht aufgeführt— Stoffe, Wäsche, Haue-- Haltartikel, Hüte, Lebensmittel, ja," sogar Schildkröten und chinesische Nachtigallen erstehen. Durch diese komprimierte Lagcgcstaltung ist dem Hause eine günstige Einkaufsmöglichkeit der Waren geboten. die aus der anderen Seite wieder dem Publikum zugute kommt. Wer gern mäkelt und lange wählt, lvird hier entschieden nicht auf seine Rechnung komnien, denn die Verkäuferin kaun eben nicht bis ins Uferlose Auewahlobjckte herbeischleppen, ein Prinzip, von dem ii'an sich ein« für beide Teile günstige Lösung verspricht. Die Ware ist soweit als möglich in offenen Behältnissen ausgestellt, so daß sich der Käufer rasch über seinen gewünschten Kauf orientieren kann. Auf dem Gebiet der Preisreduzierung ist das Möglichste geleistet, es gibt schicke Baskenmützen von einem Groschen auswärts, Seidenkrawatten für noch nicht eine halbe Mark, und wer eine bedächtig spazierende Schildkröte oder eine der lüstig zwitschernden Nachtigallen erwerben will, der bekommt auf eine Mark noch einen Groschen retour. Es ist alles auf das einfachste, sparsamste und übersichtlichste gestattet. Die Verkäuferin kassiert und packt ein- aller unnötige Äuswand wurde vermieden und lediglich dem Prinzip des preiswerten Mastenumtaste- R-cknuva netr-n-',, Bier endlich liUligcr! Dicsc Parole, dic bereits uor einiger Fcit anläßlich der Bidrppcisseulung ausgegeben wurde, hat ssch ugnucchr auch auf den Per. kauf von Flaschenbier auegewirk». Jedermann dann sich jetzt wieder seine Flasche Bier leisten, denn sie kostet nur»ach 20 Pfennig. Di« eltbekannte Ziaarren-dmpartfirma Otto Baenickc eröffnet Sonnabend, 18. April, vielfachen Anregungen zufolge eine Zweigniederlassung am Potsdamer Pietz, Eile Potsdamer Straße, wodurch sich der Raucherwell dic Ge- Icgenheit bietet, die gesamte Auswahl der atlgemcin geschätzteu Poeuickc-Zi. garreu auch an diesem Brennpunkt des Verkehrs zu laufen. m. tlSe niöbm: ffinihenau und die£iebende Zu Beginn des letzten Äriegsjahees, im Februar Iblv, erhielt ein damals Njähriges junges Mädchen, Lore Karrenbrock, eine Sendung Walthcr Rathenaus. Sie umschloß sein Werk„Mechanik des Geistes" und einige ergänzende Briefzeilen von seiner Hand. Es war die Antwort auf einen Brief und einen Aufsatz, die sie selbst wenige Tage zuvor an den damals öljährigcn Rarhcnau gesandt hatte. Er organisierte die Rohstoffabterlung des preußischen Kriegsminists- riums, er war völlig beschlagnahmt von Tagesarbcit und Zukunfts- entwürfen, von palitifch-wirtfchaftlichen und philosophischen Werken, aber sein feines, hellhöriges Ohr vernahm trotzdem den Anrui des jungen Menschen, der sehnsüchtig auf Antwort, aus irgendeinen Widerhall wartete. Seit diesem Februortag strömte ein Briefwechsel zwischen ihnen, der nur gelegentlich von persönlichen Begegnungen unterbrochen wurde, lieber vier Jahre hindurch kreuzen und begegnen sich diese Briese, die weit über olle persönlichen Beziehungen hinausgehen und von allgemein menschlicher Bedeutung sind. Von Ansang an ist eine Spannung, ein Konfliktstoss da. Das junge Mädchen verehrt und liebt den fast um dreißig Jahre Aellercn, der sie auch geistig unge- hcuerlich überragt. Rathenau fühlt und weiß um diese bcdingungs- lose, sehnsüchtige Liebe, die er nicht beantworte» kann und will. Aber als Mensch, dessen ethisches Grundgcsetz auf gleicher Höhe steht wie sein Schaffensdrang, vermag er etwas anderes: Er kann verhüten, baß dieses junge, im Werden begriffene Mädchen zerbricht und ver- zwciselr. So wirke» seltsame, scheinbar einander entgegengesetzte Kräfte an diesen Bnescir. In der Sache selbst schließt Ralhenau, der geistig Führende, nicht den geringsten Kompromiß: Niemals erweckt er ftosf. nungen, niemals spricht er ein unklares, doppeldeutiges Wort aus. Sic bittet ihn um Arbeit in seinem Sekretariat, sie sieht ihn an, sie als seine Helferin, die für ihn sorgen dürfe, in sein Haus ouszu- nehn.cn. Beides lehnt er ab. Aber die Form, in der diese Absage- briese geschrieben sind, wirken in ihrer Zartheit und der tiefen Menschlichkeit, die wie cin dunkler Strom durch alle Gedanken zieht, nicht zurückstoßend, sondern wie eine Erwiderung der Gaben, die sie ihm, überströmend, sendet: Rosen, Bücher, eigene Gedichte, Hand- arbeiten und dos Beste, was sie zu geben hat, sich selbst. „Ich weih, daß Sie leiden und fühle Ihr Leiden mit Ihnen", ja lautet einer dieser Briefe.„Seien Sie gütig gegen dies Leiden, es wird gegen Sie gütig sein. Durch Wünsche mehrt es sich nur und durch Unwillen. Durch Milde schläft es ein wie ein Kind.— Ich selbst erwidere Ihre IKeigung mit herzlicher Sympathie. Ich weiß, diese Erwiderung ist arm, sie ist viel zu arm für Ihr reiches Herz. Es wäre mir ein tiescr Schmerz, wenn Sie dies betrübte. Vergessen Sie nicht, daß cin Mensch, der zwar nicht ist, was Sic glauben, doch an Ihrem Leben und Fühlen von Herzen Anteil nimmt." Aber immer wieder erneut sich die Spannung, vertieft sich der Konflikt. Es ist der Kampf zwischen dem Schaffenden und der Liebenden. Für die Liebend« ist die Liebe Mittelpunkt des Daseins, Lebenscrsüllung. Sie hat nur den einen Wunsch, für de» Geliebten da zu sein. Der Schaffende aber lebt auf einem anderen Gestirn, er gchorckit anderen Gesetzen. „Sic können nicht für mich da fein, in dem Sinne, wie es die Menschen verstehen. Ein Motor, wie ich bin, brauch: wenig Oelung. Die wird ihm von irgendeiner Hand gegeben. Er läuft seine Zeit, solange die Feuerkräfte reichm, die ihn ernähren. Wenn Sic für mich da sein wollen, so können Sic es nur, indem Sie für sich da sind..." Nietzsches großes Wort, der Hinweis auf sich selbst, auf die eigene Kraft und Lebensgestaltung— hier, in diesen Brieten wird es zur lebendigen Tat, die nie ermüdet.„Wir sind nicht geschaffen um ' unseretwillcn, nicht, uin in uns oder unseren Gefühlen auszugehen, sondern um aus uns herauszutreten und Hand anzulegen— wo es fehlt." Einer der Höhepunkts des gesamten Briefwechsels ist ein Echreilien, das Rathenau sich in einer Julinacht abrang. Es bildet die Antwort auf einen verzweifelten Brief der Freundin, deren innere Vereinsamung keinen Ausweg mehr wußte. Raihenau findet diesen Verzweiflungsruf bei seiner Rückkehr nach Berlin, als er todmüde, abgekämpft, enttäuscht und verbittert sein Arbeitszimmer betritt. Immer schwieriger, immer ausreibender ist seine Arbeit gc- morden, und schon ballen sich Haß und Intrige um ihn zum ent- scheidenden Todesstoß zusammen. Aber auch jetzt quält er sich Zeit ab, um einen Menschen wieder aufzurichten. Müde, traurig fließen die Worte aus feiner Feder. Aber er bleibt sich selbst treu in dem, um was es hier geht. Trotz alles Mitfühlens weich: er keinen Fuß- breit zurück. Groß und scharf umrissen zeichnet er die Freundin noch einmal sein Inneres, seine Stellung zu Liebe und Ehe, die Ein- siellung des Ich zum Du, nicht wie es der Mensch des Durchschnitts, sondern der von einer großen Aufgabe Erfüllte in sich verarbeitet Hot:„Wenn Sie doch fühlten, wie groß die Sendung derer ist, die nicht von Erfüllung gesättigt werden können. Wir verschenken uns nicht, indem wir uns an unsere Wünsche verschenken... Bereini gung gibt es nur im Bereich der Sinne, und auch die ist flüchtige Täuschung. Die Seelen aber stürzen hintereinander her wie die be- wegtcn Sterne und können doch ihre Bahn nicht verlassen und bc- gegnen sich nicht." Es ist das tiefe Selbstbekenntnis einen Einsamen, der in selbst gewählter Einsamkeit und gleichzeitig in innerer Freiheit lebt und schafft, die feste Uoberzeugung, daß der Mensch enttäuscht iverdc» muß, der immer nur aus der Quelle des Du schöpfen will. Rur die Quelle, die in der eigenen Seele strömt, ist unversiegbar, nur die Treue zu sich selbst kann zum Ziel führen.„Es ist dos eine, das eoie für mich tun können: Geben Sic Ihrem Leben einen Inhalt außer- halb Ihrer selbst uich der Sphäre Ihres leidenschaftlichen Fühlens. „Um einen Menschen kämpfen"— hier liegt das Unauflösliche. Das Wort stammt aus einer Sphäre, die nicht die unsere ist. Kämpfen kann man nur in sich." Immer jagender wird der Puls dieses Lebens— man fühlt durch seine Briefe hindurch den nervösen, sich überschlagenden Rhythmus einer Tätigkeit, die sich immer lastender auf die Schultern des Reichsaußenministers Rathenau legt. Und doch nimmt er sich immer wieder die Zeit, kurz zu schreiben, zu danken, auszurichten. Tief in der Rächt, fast erdrückt von der Sorge um Deutschlands Zu- lunfi, von Verdächtigungen und Haß umspült, greift er zu den mystischen Dichtungen Hölderlins, erinnert er sich an Beethovens letzte Schöpfungen, die er, todgeweiht, niederschrieb und findet Krait und Widerhall, den er weitergibt an die Freundin. Sic ahnt nicht, als fein letzter Gruß, am lll. April 1922, sie erreicht, daß für den Ab- sender die große Stille, die auch dem kühnsten Scholien folgt, unmittelbar bevorsteht, daß Walthcr Rathcnou todgeweiht ist, wie die Großen, in deren Werke er sich abschicdnehmcnd versenkt. Sechs Jahre später starb auch Lore Karrenbrock. In ihrem Testament vermachte sie Rathenaus Briefe, ihren wertvollsten, teuersten Besitz, der Walther-Rathcnau-Stiftung und fügt Aufzeichnungen von ihrer Hand über persönliche Begegnungen und Gespräche bei. Was zwei Menschen Jahre hindurch verband, ist Allgemeingut ge- worden. Es ist mehr als das. Es ist das Dermächlnis einer Ge sinnung, die gebändigte Kraft und unumstößliche Ethik als Mark- steine ausrichtete, der Ruf eines Toten ön die Lebenden. Mäx Xiebermann erstähU Berlin vor 80 Jahren: in der Burgftraß« stehen statt der Bönc und der Geschästspaläsle noch schlichte Wohnhäuser. Wo heute der Bahnhof Börse liegt, plätschert cin Spre-arm. Ein großer freier Park umgibt das Schlößchen Monbijou, vor dem eine Schildwache patrouilliert und den haltenden Hofequipagcn Ehrenbezeugung er- weift.„Manchmal, wenn ich heute vom Kaifer-Friedrich-Mufeum da hcrübersehe, frage ich mich, ob mich meine Erinnerung nicht täuscht. Aber es stimmt wohl." Mar Licbcrmann, der Fünfundachtzigjährigc, erzählt Taufenden von Schulkindern aus feiner Jugend. Wenn seinen Zuhörern kluge Erzieher und wache Sinne zuteil wurden, so spüren sie, daß ein bedeutender Mensch zu ihnen spricht. Auch wenn sie den be- rühmten Maler' Max Liebermann noch kaum dem Namen nach kennen. Sa abseits vom eigenen Ich, mit so echter, selbstverständ- lichcr Bescheidenheit kann nur der aus seinem Loben erzählen, dem es sich handelnd erfüllt hat. Ein Mann, dem sein Werk Weltruhm errang, leitet den Be- richt über sich selber mit der verlegenen Frage ein:„Hat es Sinn, davon zu erzählen?" Und dann beginnt er ein wenig steif und ungeschickt, und im Erzählen wird er wieder zum Kind. Nicht von Begabung, von Genialität ist da die Rede, nicht von großen Ge- fühlen: nur von den Dingen und Menschen, die diese Jugend be-: stimmten. In Charlotienburg am Knie, einem Gasthaus und einer großen Wiese gegenüber, liegt das Landhaus des Großvaters, der in seinem Garten eigenhändig den Spargel sticht. Dieser Garten reicht bis an die Spree. Es gibt darin zahme Rehe und einen großen Hllhnerhof. Die.Kolikutta-Hühncr, die der Großvater an- geschafft hat, haben noch Seltenheitswert, und Mar und seine Brü- der sammeln im Walde für sie Maikäfer als Leckerbissen. Im Winter wohnt der Großoatcr, der Knmmerzienrat Liebermann, in der Sta-Zt in der Nähe seines Geschäfts, im Sommer in diesem Landhaus. Während des sich lange liiiizögcrndcn Umzugs von der Burgstraße noch der Behrcnstraße 48 leben die Eltern von Max Liebcrmann mit ihren Kindern ebenfalls hier draußen. Max kommt in die Kiipp'chule, dann in die Dorothecnstädtiiche Realschule, später in das Friedrich-Werdcrsche Gymnasium, an dem er ISjähriq sejn Abiturientenexamen mit dem Prädikat„genügend" ablegt. Der bescheidene Ton von Max Lieberinanns Erzählung wird in diesem Schulbcrichl noch bescheidener. Der Batcr mußte immer unzufrieden mit den Zeugnissen sein, den» Max sollte cin- mal Ehemi« studieren und seine Leistungen in Roturwissenschasten und Mathematik waren und blieben schlecht, ganz im Gegensatz zu denen seiner beiden Brüder.„Aber sitzengeblieben bin ich nie," fügt Professor Max Liebermann entschuldigeird ein. „Schön war es immer, wenn es Ferien gab:" das kann man nun ja wohl begreifen, wo man weiß, daß Max Liebermann cin so unzulänglicher Schüler war. Dann fuhren die Kinder noch Schlc- sie», wo die Familie Liebermann Eisenwerke besaß, und Mar durfte in den Werkstätten seinem Drang nach lzanßuxrkUchcr Betätigung ungehindert nachgehen. Der Loter richtet? dem Zehnjährigen sogar in dem Hause am Pariser Platz 7, das die Familie nun bewohnte, eine Tischlerwerkstatt ein. Besondere Marksteine dieser Jugend? Im Haust Behrenstraße rauchte Max die getrockneten Blätter der alten Nußbäume, die auf dem großen Hos standen, und wurde davon jeden Nachmittag zum Entsetzen der nichtsahnendcn Eltern sterbenskrank.„Der Hausarzt meinte schließlich, die schlechte Luit der Schuistuhcn sei daran schuld." Iii der Lust hängt cin wissendes Lächeln um eine Jungenintrige gegen diese Schulstuben: aber nur dos Ende verrät Max Liebermann:„es gab vom Vater mächtig was raus." Im Haufe Pariser Platz fliegt das Zeugnis, das schlechte, dem Vater noch nicht vor- gelegte Zeugnis, fort, aus dem Fenster. Wie war das wohl? Ein kleines Gruseln, eine große Erleichterung, einige nicht übermäßige Anstrengung, es einzufangen? Uebcr diest Einzelheiten geht Max Liebcrmonn verlegen hinweg, ober dos große Kind Professor Lieber- mann hat eine so belebte Atmosphäre hingestell:, daß der Be- schauer mehr sieht, als was die scharf gezeichneten Konturen ihm zeigen. Doch cin rühmliches Abenteuer wird nicht verschwiegen: Max laust Schlittschuh, bricht sich beide Arme, verbeißt seine Schmer- zen bis zum nächsten Tag, um am Abend die Tanzstunde nicht ver- säumen zu müssen. Es war eine Heldentat. Max ist stolz darauf. Wie er Maler wurde? Zufall, nichts als Zuioll. Es verdient schließlich nicht Lob, sondern Tadel, wenn man seine Professoren in die Mathcmatikhcfte zeichnet, statt sie durch wohlgelöste Auf- gaben zu erfreuen: das alles würde Fleiß und Begabung des Schü- lcrs Max Liebermann beweisen. Es ist ein besonderes Glück, wenn man eine so schöne Mutter Hot, daß man noch als FUnfundachtzigjähriger einen weichen und zärtlichen Klang in der Stimme bekommt, wenn man von ihr spricht. Die Malerin, die die Mutter porträtiert, entdeckt das Zcichcntalcnt des zwölfjährigen Koben, der nun an den beiden schulfreien Nach- Mittagen, am Mittwoch und Sonnabend, in das Schülcrotelicr des Historienbilder- und Pferdemalers Professor Knrl Eteffeck gehen darf.„Ob ich dort etwas lernte und wos, weiß ich nicht mehr." Aber das Treiben im Atelier gefiel dem Knaben, und der Professor, der von seinem Ausriit gestiefelt und gespornt hercinkom und on den Zeichnungen der Schüler verbesserte, Hot auf ihn einen unaus- löfchlichen Eindruck gemocht. Doch dann zwingen Schule, Tanz- und Reituntcrricht wieder zum Aufgehen dieser Zeichenstunden. Erst als Max das Vcrsetzungszcugniz nach Obcrsckunda. das „Einjährige", hat. erklärt er dem Vater, er wolle Maler werden. Der Batcr hat nichts dagegen, aber auf jeden Fall soll der Sohn bis zum Abiturium die Schule besuchen.„Mein Vater dachte sich wohl, daß ich in den drei Jahren schon vernünftiger werden würde." Max Liclermann machte dos Abiturium. Aber er wurde doch Maler.„Zufall", sagt der Fünfundachtzigjährige in das Mikro- phon. Noch der Entlassung aus der Schule traf Max Liebermann Karl Stesseck auf einem Spazierritt im Tiergarten. Slefscck fragt, was er tue.„Absolut nichts!" Stcsfcck nimmt ihn mit in sein Atelier. Licbcrmann malt zum ersten Male in Oel, porträtiert ein Pferd. Slesirck gesollt dos Bild, er zeigt es dem Samak? hochdee rühmte» Gustav Richter, der dadurch i» die Unsterblichkeit eingehe» wird, daß er mit zu den ersten gehörte, die Max Lieberinanns Bc- rufung zum Moler erkannten. Lieber Max Liebennann, es hatte Sinn, daß Sie den Kindern von Ihrer Jugend erzählten. Wenn der Schulfunk der Dculschen Welle doch recht oft seinen Hörern so berühmte Menschen als so be- scheiden und so einfach und dabei als so anschauliche Plauderer enthüllen könnte! Rruüc E. Schulz, fßei den WindblüUem Die Haselsträucher und Erlen sind die ersten, an deren blatt- losen Zweigen die hängenden Blütenkätzchen sich öffnen: später folgen die Birken. Auch Pappeln und Weiden treiben dann bald ihre goldgelben oder purpurnen Kätzchen, die in dichtem Pel; bc- haarten Raupen gleichen. Tie Kätzchen sind unscheinbar und duften nicht, weil es noch an Insekten fehlt.'Allerdings, wenn sich die Blütezeit in die ersten warmen Tage hinein ausdehnt(alle die Frühblüher hoben je nach den Wettervcrhältnisscn eine ungemein lange Blütezeit!), bleib: gelegentlicher Inlcktenbesuch nicht aus. Die Staubpallcn sind ein willkommenes Futter, zumal es außer- ordentlich nahrhaft ist in einer Zeit, die sonst nichts bietet. Der Pollen unserer Haselnuß enthält etwa 4 Proz. Fett; die viel später blühende Kiefer hat darin 16,56 Proz. Eiweiß und 10,63 Proz. Fett! Man weiß wohl auch, daß die Weidenkätzchen unter gesttz- lichem Schutze stehen, da ihre Blütenpolle» die erste Nahrung der Bienen sind. Die winbllltigcn Pflanzen aber benötigen im großen und ganzen den Insektenbesuch zur Bestäubung nicht, und alle Kätzchenträger sind ja Windblütler, d. h. sie sind auf den Wind als Vermittler der Befruchtung angewiesen. Auch die später blühenden Windblütler, wie die Eichen. Buchen, Birken, Pappeln, Nußbaum usw., die ab und zu von Insekten beflogcn werden, können ihrer ganz enlralen. Im Gegenteil, es ist besser, das leichtbeschwingte Gesindel bleibt weg. denn es nützt nicht nur nichts, sondern richtet bloß Schoden an, weil es die Pollen frißt und immer mir die mann- lichen Blüten besucht. Es ist schon ein seltener Zufall, wenn einmal ein mit Pollen bcladencs Insekt(sein Pelz ist ja immer über und über mit Blütenstaub bestreut) in einer weiblichen Blüte Bestäubung bewirkt. Die Windblütler vertrauen also, wie schon aus dem'Namen hervorgeht, ihr kostbarstes Gut dem Winde an. Dieser lustige Geselle ist natürlich cin sehr unzuverlässiger Liebesbate. Deshalb mußte die Natur besondere Loriorge tresien, daß die männlichen Pollen-- körner bei so unsicheren Verhältnissen ihre Bestimmung nicht ver- fehlen. Das hat sie vor allein dadurch getan, daß sie die auf Wind- bestäubung angewiesenen Gewächse ungeheure Mengen von Blüten- staub erzeugen läßt. Er wird oit in wahre» Wolken durch die Luit getrogen. Ferner Hot die Natur dafür gesorgt, daß Sie Pollen- körner i» der Tai staubsein sind, van winziger Größe und federleicht. Zum dritten sind sie im Gegensatz zu den Pollen der insektenblütigen Pflanzen, die mit raffinierten Halt- und Klcbevorrichtungrn aus- gestattet sind, ganz glatt, so daß sie sich nirgends verankern können. wen» sie nicht gerade ins Wasser fallen, sondern leicht wieder auf- geweht werden. Auch kcincilci Klebstoff darf ihnen anhaften: als trockener Pulverstaub schwebt die ungeheure Meng« der winzigen Pollenkörner oui den Flügeln des leisesten Lufthauches dahin. Billionen solcher Blütcnstöubchcn gehen trotz aller Anpassung gleich- wohl zugrunde und dennoch sichert die enorme llcbcrproduktion den Erfolg der Befruchtung. 'Jfie der Qejüng der töycl entUeJH Die Lauiäüßerungen der Vögel sind der roslexartige Ausdruck van Gefühlen, Stimmungen und Affekten, die sie bewegen. Solche Laute sind die Lock-, Warn-,'Angst- und Schreckrufe, aus denen sich der Gesang als zusammenhängende Folge von Tönen herausgebildet \ hat. Die Lockrufe werden zu Warnrufen, indem sie lauter ausge- stoßen und raichcr wiederhalt werden, sofern beide nicht voneinander ver-chiedcn sind. Die umgebende Vogelwelt wie die übrigen Tiere verstehen die Rufe. Da der eigentliche Gelang meist nur dem Männchen und der Paarungszeit eigen ist, dient er offenbar der Anlockung und Bezauberung der Weibchen, die selbst die Sanges- kunst nicht ausüben. Sowohl nach den Tages- als auch noch den Jahreszeiten zeigen die Vögel in der Ausübung ihrer Kunst cin regelmäßiges Verhalten. Die Frühsänger beginnen schon bald nach Mitternacht, jedenfalls bei der Morgendämmerung zu singen und die verschiedenen Arten halten dabei cinc zienilich regelmäßige Reihenfolge ein. Die Amsel nimmt den Gelang schon im Februar wieder auf: zuerst allerdings klingt er noch unbeholfen, bis dos Organ wieder eingeübt ist. Im Mai er- reicht das Bogeltonzert seinen Höhepunkt und verstummt ollinähiich im Juli, beim Eintritt der Mauser. Die Tongcbung ist verschieden nach Arten, oft nach Gegenden innerhalb der Arten, aber auch nach Individuen. Eine sehr häufige Erscheinung ist das Spotten, indem die Sänger irgendwo gehört: Laute, Geräusche und Tonsolzcn ihrem eigenen Lande einsiechlen. Der Storch, die Spechte und andere sind Instrumentalmusiker. Beim Vortrag ist der ganze Bogelkörper beteiligt und es wird hierfür meist ein hervorragender Platz gewählt. Bekannilich singt die Lerche im Flug. Die Rufe und der Stimmcharakter jedenfalls sind angc- boren: bezüglich der Melodien scheinen in dieser Hinsicht individuelle Unterschiede zu bestehen und oit das Vorbild von Arlgenoisen nötig zu sein. Die Erscheinung des Spottens bekundet den Einrluß der Nachahmung. Alle Lautäußerungen der Vögel hoben große fug- gestive Wirkung schon auf die Jungen. In erster Linie Paarungsruf ist der Gesang aber auch ein Mittel zur Unterscheidung der Individuen voneinander, wie er dazu dienen kann, einen abfälligen Eindringling in ein besetztes Brntreoier fernzuhalten. Beim Hcrbstgesong und beim Gesang der jungen Vögel handelt es sich um Betätigung des Spiclinftinkts und Ein- Übung für das spätere Leben. Die Blumenfenster von herkulanum. Der„Mattino" in Neapel, der in der legten Zeit Icbhofr für die Schaffung einer einheimischen Blumcnzuchtindustrie eingetreten ist, hat von dem bekannten Leiter der Ausgrabungen in Pompeji und Herkulanum. Prof. Majuri, eine Zuschrift erholten, die daraus hinweist, daß damit on eine alte Tradition des Landes angeknüpft w.iirde. Während heutzutage in Neapel Blumenschmuck der Fenster und Balkonc ganz ungebröuch lich ist und die großen Hotels ihren Bedarf an Blumen von der Riviera zu beziehen pflegen, hatten in den vom Aschenregen des Besuv verschütteten Stödten auch die Acrmstcn ihren Garten und ihre Blumen. Wie Mamri mitteilt, hat er bei den legten Grabungen in Herkulanum festgestellt, daß die Brüstungen der Fenster Lorrichtunqcn ausweisen," um Blumenerde unterzubringen. Wir dürfen uns also die Fenster von Herkulanum im Schmuck von Rosen, Nelken und Veilchen vorstellen. T'crantwortlich für Politik: Bktor Schiss; Wirtschaft:®.«lingrlhös-r: Erwerkschaslsbewegunq: s. Stcincr! ssruilleton: Dr. Ioh» Schilowsli: Lokales imN, � m, v-,. r. rn.- z.„. i r;.. cn__,-_ Hierzu i Beilagen. �r. 128* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 16. April 1932 Falsche Front des Handwerks. Warum das Handwerk mii den Arbeitern und Angestellten gehen muß. Das Handwerk ist durch die anhaltende Wirtschaftskrise in stärkste Mitleidenschaft gezogen. Es ist wohl kaum zu hoch ge- griffen, wenn man die Zahl der öffentliche Unterstützung in An- spruch nehmenden„selbständigen" Handwerker aus 20 Proz. schätzt. Es liegt auf der Hand, daß sich diese Entwicklung bei weiterem Anhalten der Krise, neuen Lohnabbauten und etwaigen weiteren Kürzungen in der sozialen Fürsorge noch bedeutend ver- fch l i m m e r n muß. Wird doch das Handwerk durch jede Schwächung der Kaufkraft der breiten Massen der Lohn- und Ge- haltsempfänger infolge der dadurch bedingten Auftragsrückgänge in stärkstem Maße sofort mitbetroffen. Daraus ergibt sich für das 5iandwcrk das uubcdingte 3nlercsse an einer Lohn- und Sozialpolitik, deren Ziel es ist, eine Stärkung der kauskraft der Konsumentcnmassen herbeizuführen. Betrachtet man aber die Stellung, die das Handwerk bisher in diesen Fragen eingenommen hat, so läßt sich nicht verkennen, daß es in seinen weitesten Kreisen von der Erkenntnis dieser Zu- sammcnhänge noch weit entfernt ist. In völliger Verkennung seiner eigenen Interessen und Lebensnotwcndigkeiten Hot dos Hand- merk jede Wirrfchafls- und Sozialpolitik, die zu einer jtoufkraft- srcigerung der breitesten Vcvölkerungsschichten hätte führen müssen. mit erbitterter Hartnäckigkeit bekämpft und sich darin zum Sklaven der Industrie gemocht, ohne zu sehen, daß dieses gleichbedeutend war mit einer wirtschaftlichen S c l b st- kastrierung, deren Folgen es jetzt deutlich zu spüren bekommt. Anstatt sich tatkräftig im eigenen Interesse mit für eine gesunde Lösung der sich ergebenden sozialpolitischen Aufgaben einzusetzen, bat es sein« Kräfte in einer negativ eingestellten Kritik erschöpft und sich zudem in ein« wirtschaftliche Vereinsamung hineinmanövriert, in der es sich selbst zerreiben muß. Diese von den Organisationen des Handwerks bedauerlicher- weife eingenommene falsche Frontstellung, die den eigene» Lebens- interessen absolut entgegengesetzt ist. ist an zahlreichen Fällen scblagend zu beweisen. Es fei hier nur auf die blinde Gefolgschaft hingewiesen, die das Handwerk in der Frage der staatlichen Wohnungs- und Hauswirtschast den dagegen anrennenden Rechtsparteien leistete. Anstatt mit ollen Kräften dazu beizutragen, daß mit Hilfe der staatlichen Zwangs- Wirtschaft eine Nicdrighaltung der Mieten für private und gewerbliche Räume durchgesetzt wurde, stimmte es entgegen den Interessen seiner sich zu mindestens 95 Proz. aus kleinen M leiern zusammensetzenden Angehörigen für jede Lockei img derselben und erreichte damit lediglich, daß vielen Handwerkern infolge der darauf folgenden hohen Mieten die wirtschaftliche Existenz vntergraben wurde. Ob es sich um das Arbeitsschutzgesetz, die Arbeitslosen- oder Invalidenversicherung oder sonst eine sozialpoli- tische Frage handelte— ganz gleich, das tyandwcrk licsz sich unter der falschen Führung seiner Organisationen in jedem einzelnen Falle zum Sturm- back der Interessen des Großkapitals niochen und sich rücksichtlos von diesem ausnutzen, Das Handwerk hat in ollen diesen Fragen den sicheren Instinkt vermissen lassen, der es an die Seite der Arbeiter- lchoft hatte führen müssen. Es ist eine Tragik für das Handwerk, daß es noch nicht die Kraft gefunden hat, sich von einer toten Tra- dition zu befreien und sich auf den Boden der wirtschaftlichen und sozialen Realitäten zu stellen. Der Grund dafür ist nicht zuletzt in dem Umstände zu suchen, daß es den Organisationen gelungen ist. dem Handwerker mit dem Schlagwort von der drohenden „Verproletarisierung" Scheukloppen anzulegen, die ihn hindern, den richtigen Weg zu beschreiten und zu erkennen, daß ihm diese„Ber- proletarisierung" einzig und allein durch das ausbeutende Kartell- und Monopolkopital droht, das ihm täglich mehr den Boden für seine wirtschaftliche und kulturelle Existenz entreißt. Gerade die Angst vor dem Verlust einer eingebildeten höheren sozialen Stellung, die es ober in Wirklichkeit gar nicht mehr besitzt, ist es, die das Handwerk van der Erkenntnis ob- schließt, daß es seine wirtschaftliche Existenz nur dann wird bc- haupten können, wenn es bereit ist, sich rückhaltlos an die Seite der Arbeiterschaft zu stellen, von deren Kaufkraft es lebt. Das Haupthindernis auf dem Wege zu dieser erforderlichen Um- und Einstellung des Handwerks bildet einmal eine durch die wirtschaftliche Entwicklung weit überholt: und den hculigen Anforderungen in keiner Weise mehr gerech» werdende Gcwerbcgesetzgebung und zum anderen, in weit schlimmcrem Maße, ein« Organi- s a t i a n s b ü r o k r o i i c. die für die Ersordorniss«, die das heutige Wirtschaftsleben mit seiner Brutalität auch an das Handwerk stellt, nicht das geringste Verständnis aufzubringen ver- mag und zwischen Handwerk und Konsumentenschoft eine Mauer errichtet hat, die sich für dos Handwerk immer schädigender erweisen muß. Es hat sich im Handwerk eine Syndikusclique festgesetzt und der„Führung" bemächtigt, die ihre ganze Aufgabe darin er- blickt, durch„Organisieren", Konferieren. Protestieren und Kriti- sicrcn ihre„Doscinsnotwendigkeit" dem mit auch heute noch größtem Respekt vor diesen„Handwcrkerführcrn" dastehenden Handwerks- incistcr zu„beweisen" und ihn zu überzeugen, daß nur sie in der Lage sind, seine. berechtigten Belange" zu vertreten. Von einer lebendigen Verbindung zwischen dem Handwerk und seinen Organisationen kann überhaupt keine Rede mehr sein. Eine durchgreifende Neugestaltung des gesamten Orgonisations- wcsens im Kzondwcrk ist daher dringend erforderlich. Es gilt, Männer in die Führung zu bringen, die in der Lage find, die Interessen des Handwerks wirklich zu erkennen und die einsehen, daß das Handwerk im Kampfe um seine Existenz an die Seite der Arbeiterschaft gehört, mit der es sich zu gemeinsamer Abwehr wirtschaftlicher und sozialer Reaktion ans Gedeih und Verderb verbinden muß. Nur dann kann es hoffen, für sich noch einmal wieder ein« wirtschaftliche B c s s c r st c l l u n g zu erzielen, die aber, wie immer wieder be- tont werden muß, nur über den Weg einer wirtschastlichen Hebung der breiten Massen der Lohn- und Gehalts- empfänger möglich ist. Ebenso noiwendig aber wie die große organisalarische Umgestaltung ist es. daß auch jeder einzelne Handwerker schon von sich ans zu dieser Neugestaltung beiträgt und aus seiner Erkenntnis der sich zwangsläufig ergebenden Zusammenhänge heraus die Konsequenzen zieht und bei den kcmmcndcn Wahlen seine Stimme der Partei gibt, die mit den Zlrbeitcrinteresscn zwangsläufig auch die Hand- werkerinleresien vertritt: der Sozialdemokratischen Partei! Starke Schwmpfung des Außenhandels. Aur S90 Millionen Mark Gesamtumsah.- Erhöhter Exportüberschuß. Zn der jetzt veröffentlichten Außenhandelsbilanz für den Wonot War; kommt die wirtschaftliche Situation Deutschlands und die Aus- Wirkung der internationalen Abfpcrrungspolitik kraß zum Ausdruck. Dos deutlichste Kennzeichen hierfür ist die weitere scharfe Schrumpfung des Gesamtumsatzes Im Außenhandel, der nunmehr einen Tiefstand von Säg Millionen in den Einfuhr, und Aus- fuhrumsätzen zusammen erreicht hol. Di« erheblich«' Steigerung des Exportüberschusses von 86 auf t52 Millionen Mark— einjckstießlich der Reparalivns- jachlicstrungen beträgt der Ausfuhrüberschuß im März 163 gegen 97 Millionen im Februar— kann nicht als ein günstiges Zeichen bewertet werden, da die Stärkung des Exporiüberschusfes nicht aus einem Anwachsen der Ausfuhr, sondern durch einen unerwartet scharfen Sturz der Einsuhr hervorgerufen ist. Normalerweise wäre im Berichtsmonat eine saison- mäßige Steigerung der Ausfuhr zu erwarten gewesen, die jedoch infolge der scharfen Drosselungsmaßnahmen im Auslände nichi statu gefunden hat. Mengenmäßig hat sich der Export oui den: Stande des Februar gehalten, jedoch ist wertmäßig infolge weiterer Preisrückgänge der deutsche Export van 537,7 auf 527 Mlllio- ncn(einschließlich Reparntionslieserungenf gesunken. i in März 1932 Anssuhr ohne Scuarationi--Scunroiion«- Eillsuhc codjltrferunncu EachUeierungcn -Sinr: Mär, Mill NM Mill NM Mick. NM 1. Lebende Tiere...... 2,1 1,6 2. Lebensiniltel und Getränks. 112,8 15,b 0,0 3. Nohltosf« u. halbserlige Waren l'-b.-l 88.8 4,0 3. Fertige Waren..... 60,3 41U.0 7,0 Zusammen 1— 1.■ 363,6 516,0 11,0 5. Gold und Silber..... 30,9 83,6— Wenn auch im Frühjahr regelmäßig ein Rückgang der Einsuhr stattzufinden pflegt— besonders gehen die Lcbensmittelimporte zurück—.(n ist doch der scharfe Sturz der Einfuhr im März um rund 17,5 Proz. du r ch o u s anormal. !Nit nur uoch ZVZ.S Millionen Ma-ck Gosamlcinsvhr ist im 7Närz ein Tiefstand cereichl. mir ihn der drutschs Außenhandel in diesem Jahrhundert noch nicht zu ocrzcichncu gehabt Hot. Hervorgerufen ist diese kotastrophale Schrumpfung einmal durch die De oiscn not in Deutschland, die mit der Kürzung der zu- geteilten Importdcvisen zwangsläufig die Einfuhr erschwert, und zum anderen kommt hierin die B c s ch ä f t i g u n g s l o s i g k c i t der deutschen Industrie zum Ausdruck. Di« Einfuhr ausländischer Rohstoffe, die schon seit dem Sommer vergangenen Jahres mit weniger als 300 Millionen Mark monatlich einen außerordentlich niedrigen Stand aufwies, ist im März bis auf 188,4 Millionen Mark gesunken. Der Ilmfang der Rohstoffcinfuhr ist ober das beste Barometer für den Beschäftigungsgrad in der ver- arbeitenden Industrie Deutschlands so daß sich in diesem anhalten- den Schwund die Einfuhr ausländischer Rohstoff« am deutlichsten die Schärfe der deutschen Krise mit ihren mehr als sechs Millionen Arbeilslosen in diesem Frühjahr widerspiegelt. Die Einsuhr ist im Bcrichtsmonat gegenüber dem Februar uni 77 auf 364 Millionen gesunken. Im einzelnen geht dieser Rück- gang zu Lasten der Rohstoffe mit einer Mindereinsuhr von 42 Mil- lionen, der Lebensmittel mit 20 Millionen und der Fertigwaren mit rund 15 Millionen Mindcreinfnhr. Eine leichte Zunahme der Importe ist lediglich aus Rußland. Argentinien und Holland zu ver- zeichnen. Die Zerstörungen, die die Krise in ihrem nunmehr fast drei- jährigen Verlaus im deutschen Außenhandel angerichtet hat. worden ans folgender Tabelle ersichtlich. So betrugen im Monats- durchschnitt """uhr iollcs in i'iinioncn Mark) 1929....... 2245 1121 1124+ 3 1930....... 1869 866,1 1003+ 137 1931....... 1360,5 560,6 799,9+ 240 Zalt./MärzZ2 950,2 414,7 535,4+ 120,7 Danach ist also seit dem Beginn der Krise im Jahre 1929 der Gesamtumsatz des deutschen Außenhandels, Einfuhr und Ausfuhr zusammengerechnet, im Monatsdurchschnitt um fast 6 0 Proz. gesunken. Die Einfuhr ist in der gleichen Zeit um 63 Proz. und die Ausfuhr um 52 Proz. geschrumpft. Der Export an F e r t i g f a b r i k a t e», die den weitaus wichtigsten Teil der dem- scheu Ausfuhr bestreiten, ist um 49 Proz. gefallen. Natürlich bot , der Erdrutsch aller PcajH der jeU 1920 staygejunden hat und bis jetzt noch nicht zum Stillstand gekommen ist, an dieser Zusammen- pressnng der Außenhandelsumsätze wesentlichen Anteil. Aber be- sonders im Verlaufe des letzten Jahres hat das Umsichgreifen der Krise auf alle Länder und ihre Verschärfung in den Hochkapita- lisiischen Industriestaaten zu einer unheimlichen Aushöhlung des Welthandels, gemessen an den umgesetzten Warenmengen, geführt. Welches System ist schuld? Die Hiniergründe für die Milllardenpleiie in LlSA. Die Weltkrise bringt es an den Tag, was an den in fetten Jahren zu Halbgöttern gemachten„Wirtsch-oftssührern" ist. K r e u g e r hat sich als wahrhsst genial erwiesen, leider nur in der Tätigkeit als Bilanz- und Obligationenfälscher. Jetzt wird der internationalen Finanzwelt ei» neuer Stoß versetzt: eine der größton amerikanischen Höidinggesellschastcn, die Insull Utility Investments I n c o r p r r a t i n>> ist in Konkurs gegangen. Holdinggesellschaft— das ist die Gesellschaftsform, durch die das Finanzkapital seine lölacht vervielfältigt. Eine Holdinggesellschaft erwirbt Teile des Kapitals von Fabrikationsgesell- schaflen mit dem einzigen Zweck, sie zu beherrschen(sie zu ihren„Tochtergesellschaften" zu machen). Die Holdinggesellschaft bestimmt die Geschästspolitik(Austräge!) und die Gewinnverteilung. Hier in diesem Falle ist eine ganze Pyramide von Gefell- schaften übereinander getürmt worden. Die Spitze war die In- full-Gefellschast: darunter andere Holdinggesellschaften, so die M i d d l e W e st Utilities En.(die ihrerseits die E l c k i r i z i- t ä t s g e s e l l s ch a f t e u von nicht weniger als 4400 Gemeinden in 29 Staaten beherrschte) und die M i d l a n d Uni- tcd E o.(die die Vcrsargunasgcsellschasten s ü r 7 0!) Gemein- den kontrolliert). Um diese Machtposition zusommciizubringe», kaufte die Insull an den Börsen Aktien und Beteiligungen unter Be- Nutzung hoher Kredite für 23 2 Mill. Dollar(fast eine Mil» liarde Mark) auf. Perhängnisvollerwcise war der Zeitpunkt der Käufe gerade der der höchsten Börsenhausse(an eine» Rück, schlag glaubten die Wirtschaftsführer in Zlmcrika ebensowenig wie in Deutschland!), heute aber sind alle dies? Alben gerade noch 27 Will. Dollar wert, so daß die Insull einen Verlust von 205 Will. Dollar oder 860 Will. Wark erlisten ha'. Jehl war die pleite nickst mehr zu vermeiden.—• Die Leidtragenden werden die Banken, die die Kredite gaben, und etwa 90 000 Aktionäre(!) sein. Die Auswirkungen dieses größten amerikanischen Kon- kurfcs lasten sich noch nicht überbücken. Die abhängige Dachgejell- fchaft Miödle West Utilities Co. mußte ebenfalls in Kon- kurs gehen. Von dem 72jährigcn Leiter des Konzerns, Sa» muel Insull, der als P r i v a t s c k r c tä r Edisonz seinen Weg machte, wird versichert, daß die Betriebsgesellschasten n n- berührt bleiben werden, daß sie also für die Schulden der Dach- gcsel>sck)aftcn nicht auszukommen hätten. Nun— das ist eins Frage der finanziellen und juristischen.Konstruktion. Eine Ge- s a h r für die Betriebsgesellschasten, die meistens ihre Finanz- gefchäst« über die Dachgesellschaft machen müssen, besteht jeden- falls— eine Warnung für die deutsche Oesfentlichkeit, nicht die lebenswichtigen Berforgungsbctricbc in privatkapitalistische Hände gelangen zu lasten! Welches System ist schuld an diesem Konkurs, an dieser Be- drohung der Versorgung von Fctzntausenden von Städten, an diesen Verlusten von zahlreichen Kleinaktionären, die ihre Ersparniste in den Aktien dieses berühmten Konzerns anlegten? Es ist der privat- kapilalismus, dem die Versorgung der Bevölkerung mii Gas, Wasser und Elektrizität gerade gut genug ist, damit zu spekulieren und Wachtintcresscn zu verfolgen, vergeblich werden sich die Nazis und ihr schwerindustricllcr Anhang bemühen, diesen Tatbestand zu oerfälschen! Henschel arbeiiet Wieder. Iseueinstellung von 1500-2000 Arbeitern und Ancesteilten. Die größte deutsche Lokomotivsabrik, die Henschel u. Sohn A.-G. in Kassel, d'e im Januar ihre Betriebe stillgelegt hatte, wird am 9. Mai sämtliche Kasseler Betriebe wieder erossncn. Die Zwischenzeit ist zur Umstellung des Werkes benutzt worden. Eine Mitieilung der Verwaltung besagt, daß sür die Leistungs- fähigkeit der vorhandenen drei Werke einstweilen eine aussichtsreiche Beschäftigung nicht zu erzielen sei. Man will sich daher möglichst auf zwei Werke beschränken. Seit der Stillegung im Januar sind eine Anzahl Aufträge angesammelt worden, und zwar auch von der Reichsbahn einige neue Lokomotiven außer dem vertraglich vorliegenden Iahresauftrag bestellt worden. Nach der Anlaufperiode kann mit einer Beschäftigung von 1500 bis 2000 Arbeitern und Angestellten gerechnet werden. Auslandsaufträge liege» nicht vor, da die vereinzelten Lokomotivprojekte meist von England und der Tschechosioivakei zu hoffnungslosen Preisen her- eingenommen wurden. Widerstandsfähige Maschinenkonzerne. Dividendenzahlung bei Woif-Buckau und binde's Eismaschinen AG Der Aussichtsral des führenden miiteldeutschen Maschinen- konzcrns Wols-Vuckau A.-G. hat beschlossen, bei einem Reingewinn von 764 411 III. sür das Geschäftsjahr 1931 eine D ivi. de»de von 5 proz. auszuschütten. Im vergangene» Jahr wurden bei 1,44 Millionen Mark Reingewinn 10 proz. an die Aktionäre gezahlt, von dem 12-MiIlioncn-Mark-Kapital wurden zwei Miilionen eigener Aktien eingezogen, wobei sich ein Buchgewinn von 105 000 M. ergibt, der dem gesetzlichen Reservefonds überwiesen wird. Auch der E>» m a s ch i n e n- K o n z e r n(Gesellschaft für Linde's Eismaschinen A.-S. Wiesbaden), der in Deutschland und im 'Auslande ein weitverzweigtes Fabrikalionsiietz besitzt, kann sür dos Kriscnjahc 1931 eine, wenn auch stark gekürzte Dividende von 5 Proz. gegen 15 proz. im vorhergehenden Jahre verleilen. ver Reingewinn ist von 3,19 aus 1.29 Millionen gesunken. Die Geschäftsberichte beider Unternehmungen stehen noch aus. Der vergleich be! Junkers. Zwischen den Vertretern der Gläubiger und der Bermaitimg von Junkers ist in den Verhaus- lungen der letzten Tage eine grundsätzliche Verständigung erziel! morden. Für Junkers Motorenbau G. m. b. H. und die Flugzeugwerke A.-G. ist ein gerichtlicher Vergleich so gut wie gesichert. Nnch endgültigem Abschluß der Verhandlungen mit den Gläubigern wer- den vermutlich schon Anfang der kommenden Woche die notwendigen Anlröge von Junkers mc Eröffnung des gerichtlichen Per- gicichsoersahrciis gestellt werden, Kampf gegen die Krise. Heute Weltkonferenz der Gewerkschaften. Jii* und die unZqheu'-e Lchv«« d-r MltMirt« schift�kriss, itirm?/itSdvuck ei» KS'ZlMmn«n-K«ex ypn AcheMosen ist- iaht kemen Ramn mchr für die HoffnMA, doß tK einem einzelnen Lyn�» nelinzen könnte, sich ov? der UiNftiiching Jvcr Krise mit eigner Kraft zu losen. Nur großzügige inter« n g t i o n q l e MahNShnen können eine Ueberivindung der Krise bringen. Ter Jntel'.notipnqtc GeweMchaftodund, die über yroMt pi; ch u n g und Z u s o m m« n s a f f u n g d° r Forderungen und Anftxsn, UN gen der Gewerkschasten alker Lände? mit dem iel her Stärkung und Pcrbreiterung der internationalen i Aktionen im Kampf um Aebeitsbeschasfnng, gcfctUtfsic tKinführung der«0 hat ein» gew'sie Sensation gegeben, ol? bei d-r Dahl am 10. April sich herouestellte. daß eine wesentlich« Anzahl der Wahler. fit« am 13. März für Th ä l m a nn gestimmt hotten, am ir>. Apri, ch i t l e r ihre Stimme gegeben haben. In den Betrieben, wo einer den anderen kennt und einer den anderen politisch und gewerk. schaftlich zu beeinflussen bemüht ist, ist die Ileberraschung crlieblich geringer gewesen. Do kennt man die Leute, die einstmals in einem gewerkschafts- feindlichen Jndifseventismu» bebarrten oder sogar offen sich zu den «Kelben bekonnten und die nach der Renoffion pkötzlicki ganz nach l-nkzi liefen. Von diesen sind inzwischen wieder piele zu ihrer ersten Liebe zurückgekehrt, natürlich unter dem Schein des Renolutionans. mus. Cin kommunistischer Abgeordneter hatte im Reichstag ja aus« gesprochene ,.Die Unorganisierten sind hundertmal revolutionärer als die Drgomsierten." Mit solchen und ähnlichen Aussprüchen und Parolen bot die K.P�>. d«n geistig Unsicheren und moralisch Schwankenden den Weg zu chitle? gebahnt. Es ist nach gar nickst so lange her, da mußten w>r melden, daß tn einem Berliner Großbetrieb der Ar- bester raisvorfitzende, de? auf der Liste der REO. gewählt worden ist. nunmehr der S p i tz e n k o n d i-d o t der Rational. sozialisten in demselben Betrieb» ist. Wenn man die G e w« r k s ch a s t» p o l, t i k der NSDAP, und her KPD. miteinander vergleicht, so kann man feststellen, daß sie einander so ähneln, daß auch der Gnahrene sie leicht miteinander verwechseln kann. Auch die politisch» Phraseologie der beiden Parteien, die beide gegen die Demolrati« und für die Diktatur sind, ist so nah miteinander perwaistst. daß es dem, dam es nur auf Phrasen ankommt, nicht schwer fallen kann, von der einen zur anderen Partei hinüber zu wechseln. Und es ist gewiß nicht das Rowdytum, es sind gewiß nicht die Argumente der Gewalt an Stelle der Gewalt der Argumente, die dos 5h», überwechseln vom Kpmmuniswu« zum Faschismus und umgekehrt etwa erschweren kömsten. Wer seine Freud« am Schlagring, am Revolver und am feststehenden Dtesser Hai, wird sich in der KPD. ebenso wohl fühlen wie in der NSDAP. Es gibt aber unter den bisherigen Anhängern der KPD. ehrliche Sozialisten, die. meist ohne offiziell Mitglied der KPD. zu sein, bei Wahlen einen kommunistischen Stimmzettel abgeben, in den Gewcrl« schosten..Opposition" machen, weil sie ehrlich davon überzeugt sind, daß die KPD. eine revolutionäre Partei ist. Es sind Arbester, denen an der 5?altung der sreien Gewertschoitelst und der Sozioldemc. k ratischen Partei ihre Nedachtigkeit und Vorsicht mißfallt, dieses stets wache Bewußtsein der Verantwortung für das Schicksal der Arbesterklasse. Gerade dieses Bewußffsin der Verantwortung für das Schicksal der Arbeiierklass« macht sie zum gehaßtesten Feind der gesamten Reaktion, zum Träger der Republik und zum unbeu-zsamen Verteidiger der demokratischen Freiheit. Alls diese wcscistlichen Merkmale einer wirklichen Arbeiterpartei fehlen der KPD. vollständig. Es ist die Aufgabe und die Pflicht unserer Genossen, in den Betrieben und in den Gewerkschasten in diesen entscheidenden Stunden vor der Preutzenwahl ihren Kollegen, die bisher kommumftijch gestimmt haben, diese Tatjache in Ertnne- rung zu rufen. Eine Partei, die als Ergebnis ihrer Agitation es zuwege bringt, daß in einer Entscheidungsschlacht ein großer Teil ihrer Anhänger zum Todfeind der Arbeiterklasse überläuft, hat damit das Recht verwirkt, sich als revolutionäre Arbeiterpartei auszuspielen. Ihre hemmungslose Demagogie, ihre aus persönliche Verleumdung hinzielenden bewußten Lügen sind v cht revolutionär, sondern urreaktionär. Sagt es ihnen! Brauereckonflikt beigelegt. .'.s>er Ansiriff auf die Hv-Gtunden-Woche abgelehnt. Der Arbeitszeitkonslikt in den Berliner Brauereien ist letzt durch eine Verhandlung der Tarifgewerk- jchaften mit dem Verein Berliner Vrauereien beigelegt worden. Die Zurücknahme der Wsssenkündigungen im Schultheiß- Pqtzenhoscr- Konzern und in der Bötzow-Brauerei hatte die Organisation der Brauereibesitzer in eine peinliche Si- tuation gebracht. Für etwa die Hälfte de? Berliner Brauerei- arbeiter war durch die Zurücknahme ihrer Kündigungen das Ar- bsitszestdittat gegenstandslos geworden Anstatt: NUN aber aus dem Schelten, des Vorstoßes gegen che Fünftagewoche die vernünftige Konsequenz zu ziehen und auch dte Übrigen Brauereien anzuweisen, die praktisch bereits hinsallig gs- wordenen Belegschaftskündiaungen ebenfalls zurückzuziehen, Hot sich der Verein Berliner Brauereien durch eine geradezu lächerliche Er- ktäruim gegenüber seinen Mitgliedern und den Gewerkschasten aus der Affäre gezogen. Zur Zurücknahme der Kündigung des Kurz- arbcitsahkommens, die zum 12- April ausgesprochen war, hat er sich ebensowenig bereit erklärt, wie dazu, die Betrieb», die noch nicht die Belegfchaftskündigungen rückgängig gemacht haben, zur Zurück- nähme dieser Kündigung zu perpftichten. Aber, fügen die Braue- reien hinzu, sie seien berest,„von einer anderweitigen Einteilung der Vierzigstundenwoche zunächst abzusehen". Weiter wird die Ber- pflichtung zu Verhandlungen mit den Gewerkschaften für den Fall anerkannt, daß entweder der Verein der Brauereien oder eine ihm angeschlossene Brauerei diese„anderweitige Einteilung" vor- zunehmen beabsichtigt. Die Spitzenfunktionäre der stetgewerkschaftlich organisierten Berliner Brausreiarbetter nahmen gestern abend in einer stark besuchten Konferenz im Kewerkschaftshaus zu diesem Verhandlung»- ergebnis Stellung. Mit Befriedigung wurde festgesiallt. daß e» den Organisationen gelungen ist, das Arbestszeitdikiat der Brauerei- bejitzer abzuwehren. Die Funktionare brachten wiederholt zum Auedruck, daß sie auch in Zukunft alle Kräfte aufbieten werden, um die Wiederaufhebung de? Bierzigstundenabkommen? zu ver- hindern Bauschiedsspruch abgelehnt. Von beiden Parteien. Der vor kurzem gefällte Schiedsspruch für das Ber- liner Baugewerbe, der eine«eu« Lohnkürzung von Ist Proz. ab 1- Mai vorsieht, ist von den Arbettern und den Unternehmern abgelehnt worden. Die Ablehnung durch die Arbeiter ist ohne weitere» einleuchtend. Die Unternehmer haben abgelehnt, weil ihnen der Lohnabbau noch nicht weit genug geht, die Laufduuer zu lang ist und schließlich, weil sie hoffen, von den Tariflöhnen ganz loszukommen. Abwehr trotz Krise. Hkrousfordening seitens der �vchdrvckunternehmer Im Berliner Buchdruckgewerbe hat sich das erste Quartal 1322 durch Generalangriffe der Uiuernehmer aus die Arbeitsbedingungen und Löhne in den meisten Betrieben ausgezeichnet. Zum größten Tell konnten die Angriffe aber abgewehrt werden. Bei den Manteltarifver Handlungen setzten die Unternehmer ihre Angriffe fort. Sie stellten Antrage, die eine cheraussorde- rung sür die Buchdruckereiarbeiterschast bedeuteten, so daß die Verhandlungen scheiterten und bis zum IE. April vertagt werden muhten. Verschärfend wirkte die gleichzeitig« Kündigung des Lohntarifs. Der Gau Berlin des Buchdrucker-Verbandes zählte am Schluß des Quartals IS 730 Mitglieder. Allein in diesem Viertel- jähr wurden 95 Mitglieder inwalide. Die Zahl der Arbeits- losen betrug trotz der Wahlarbeiten 6519. Für Ausgesteuerte und Gemaßregelte wurden im ersten Quartal 133 000 Mark ausgegeben. Mit der Firma Ullstein ist eine Vereinbarung ge- troffen worden, wonach je 60 junge, arbeitslose Buchdrucker nach den Anweisungen des Verbandes in der Schule der Firma einen vierteljährlichen Kursus durchmachen. Es haben sickz da- für freiwillig Arbeitslose gemeldet. Der Verbandsvorstand hat mit Zustimmung aller Gauvorstände den in diesem Jahre fälligen Ver- b a n d s t a g auf Anfang 1933 verlegt. Diese Mitteilungen lagen dem Bericht des Gauvorstehers Braun in der Generalversammlung der Berliner Buchdrucker am Donnerstag im Gewerkschaftshaus zugrunde. Braun berichtete ein- gehend über die Tarifperhandlungen und kritisierte dabei scharf das Vorgehen der Unternehmer. Der Redner wies ferner auf die Not- wendigkeit der Bildung der Eisernen Front hin Und ermahnt» alle Buchdrucker, am 24. April für die svzialdemvs kretisch«! List« Braun-Severin g zu stimmen. Uebe? den Krisenkongxsß der fr sign Gewexk. s ch a f t e n gerichtete Lierath. Er schloß seine Ausführungen mit der Ausforüarulig. daß bis gesaust« Arbeitarschaft de» Buch' druckgewerbes oerpflichtet sei, an ver Bsrwtrklichwg der Beschlüsse des Kongresses nsttzuorhelt.sn. Noch längerer Aussprache wurde »in« kommumstische Eistschließung abgelehnt, Pst undmchfichr- bar« Maßnahmen zu den Tarifverhandlungan fordert». Zu? Frage der Maifeier wurde gegen wenig« kammunistffche Stimmen folgende Entschließung angenommen: „Ln Ansrkennung'deo Grutchsatzes. daß die würdigst Form der Maifeier d'e pvlligeArh«itsrvh«fft, verpflichtet die Generalversammlung, trotz der vom Gauoprstand gellend gemachten Bedenken, alle Berliner Kollegen, vom 1. Mast 6 Uhr frü'i. bis Z. Mai, 6 Uhr früh, dieArbsitruhenzulalson" Der 1. Mai fällt in diesem Jahr« bekanntlich auf einen Sonn, tag. Durch den vorstehenden Beschluß wird das E r s ch» tu e n von Montagzeitungen unterbunden, die in der Sonn, tagnacht hergestellt werden müßten. Zum Schluß stimmte die B-r- sawnstuug einigen Ausschlüssen wegen pcrbanhsschödigendcn Verhaltens mit großer Mehrheit zu- GdA. und Hugenöerg. Wer ifi in der lolftipcliftt reottionörer? In der Druckerei des EdA.. der BoU-G. m. b-ch. am Schiffbaucrdainm, wird seit einigen Wochen eine Lohnpolitik verfolgt, die inst den gewcrlschaftlichen Grunbsotzen. die von dieser chirfch. Dunckcrscho» Angestelltenorgauisatirm in der OeffenUichkeit sonst vertreten werden, schlecht vereinbar ist- Iie Druckerei beschäftigt etwa 225 Buchdrucker, Setzer uiüZ sonstige graphische Arbeiter und Arbesterinnep, die fast ausnahmslos fr«i>zey,srkschastltch organisiert sind. Vor einigen Wrchcn stellte die Geschoitsleitiutg an die Gesamtbelegschaft das Ansinnen, in einen SOprozentigen Abbau der übertariflichen Zu» lagen emzuwilligen, sowie m eine Verlängerung der A r» bsitszeit auf 1 8 Stunden wöchentlich für diejenige!! Arbester, die auf Grund besonderer bctrtebltcher Abmachungen bisher immer nur 45 Stunden gearbestet haben. Räch der Zurückweisung dieses Ansinnens durch die Gesamtbelegschaft erfolgt« deren rast- lose Kündigung, v'-e aber wieder zurückgenommen wurde, als sie in Wüstung trat In der darauffolgenden Woche wiederholte die Geschäfts« lcitung diesen Vorstoß, wobei sie allerdings ihre Forderung auf Ztz Prozent Abbau der übertartflichen Lölzne„ermäßigte", hinsichtlich der Verlängerung der Arbestszell aber bei ihrer ersten Forderung bcharrtc. Die zwischen dem Betriebsrat und den Vorstandsmst gliedern des GdA. gepslogenen Verhandlungen zur Beilegung des Lohnlonslikts führten zu leiner Annäherung. Die Belegschaft ver- hielt sich natürlich auch den neuen Abbaufordsrungen geg-nübcr ablehnend- Gestern, Frestag, hat nun die Geschaftsimhing, offenbar um die Belegschaft allmählich mürbe zu machen. IL Mann gekun- digt, worauf de? übrige Tell der Belegichaft mit der Gagenkündigung geantwortet hat. Beide Kündigungen, die von der Ekschaftsleitung und die von der Belegschaft ausgesprochenen, wer- den am Frestag nächster Woche wirksam. Es bleibt abzuwarten. ob es der Vorstand des GdA. dem die Druckerei gehört, zu einem offenen Konslikt in diesem Unternehmen kommen läßt. Auch dem GdA- dürfte e? bekannt sein, daß ein ähnlicher Konflikt vor kurzem zum Beispiel in der Firma Scherl beigelegt worden ist. Der bei Scherl vereinbarte Abzug der übertariflichen Verdienste betrug im' Höchstfälle 12.'-- Prozent. Will der GdA. etwa den Reaktionär' Hugenberg noch übertreffen?__ Einigung Im Brüxer Bsrgarbeiisrsireik. Am Frestag kam es nack) mehrtägigen. Bsrhandlungsn im Präger Arbastsministerium zu einer Einigung im Brüxer Berg- arbeiterstmk. Di« wichtigsten Bestimmungen des EmigungsproLakolls sind: Die Einstellung des Betriebes der Grube„Humboldt" wird bis End« 1932 vertagt. Neue Bergarbeiter werden grundsätzlich nicht aufgenommen. Die Zahl der Arbeiter wird nur durch natürlichen Abgang, wie Tod, Pensionierung und dergleichen herabgesetzt. Bis Ende 1932 darf der Stand der Belegschaft nur dann in großem Umfange herabgesetzt werden, wenn ein« Schicht nicht einmal drei Tage in der Woche voll beschäftigt ist. Die endgültige Entscheidung über solche Entlassungen trifft da» Bergamt. Den streikenden Arbeitern wird ein Generalpardon gewahrt, von dem nur solche Ar- bester ausgeschlossen sind, die sich am 18. April nicht zur Arbeit melden, oder die sich grobe Gewalstätigkeiten haben zuschulden kommen lassen. Die Vertreter de? Gewerkschaften und der Arbestgeber erklärten sich mit diesen Bedingungen einverstanden, die Kommunisten ver- weigerten die Unterzeichnung. Am Sonntag finden gesonderte Be- ratungen der einzelnen Bergarbeiterverbänd« statt, von denen die Genehmigung des Verstages und die Einstellung des Streiks ab- hängt._ Achtung, erwe'bslose Holzarbeiter! In der Tischlerschiil» Straßmannstraße finden vom IS. April bis 30. Juni unentgeltliche Kurse im Zeichnen sowie in der Kalkulation statt. Meldung dort- selbst täglich von 8 bis 12 Uhr und von 5 bis 7 Uhr. SPD-ZNetallarbciler! M-üt-g. 18 u Ui>r M"-i>kestSt», Aais«r-Will>».tm-St». A, Verls««. Uaj cilcr«'BS.-äJstUUatS'Uet Safic-atiniing- J.(SltlbtnßnaVn« zve Sr»»e»!»«lam»il»»«. J. Ätellvrasehme ,ni tonsaU dcr(Srn'tca?». paU'Jsn. 3- Ver»tu»z bei anttifl*. 4. eteSsagnalsiae«na» Be,»»sd,. t«a. 5. Bcrlrfitnqe s