" Nr. 176. BiertelErscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit Neue illustr. Sonntags- Beilage Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. Norwärts 13. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Staum 40 Pf., für Vereins- und Berfammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist au Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Sensprecher: Amt 1, te. 1508 Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Ein Idol Donnerstag, den 30. Juli 1896. " 10 Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3: " · 10 291000 9. 42 prozent. Anleihe von 1887 78 682 000 m. zu 85,80, heutiger Kurs 56,40, Verlust ca. 29 pCt. 22817780. 41/2 prozent. Anleihe von 1888 108 Millionen Mark zu 90 pCt., heutiger Sturs 56,40, Verlust ca. 381/3 pt. Es hieße den Raum des Vorwärts" über Gebühr in An- Im ganzen haben die Aktionäre somit feit Bespruch nehmen, wollten wir hier auch nur in furzen Zügen ein stehen der Gesellschaft 62 662 800 Mart ant Kapitals der Bourgeoispatrioten. Gesammtbild von der fruchtbringenden" Thätigkeit des Jubilars einbuße erlitten. Man kann demnach, einen Ausspruch eines Die„ Berliner Neuesten Nachrichten" feiern den Direktor der entwerfen. Wir können uniso eher darauf verzichten, als z. B. englischen Nationalökonomen variirend, sagen, daß das Kapital Diskontogesellschaft Adolf v. Hansemann, einen der ver- über die Rolle, welche das Justitut des Gefeierten bei der An der Aktionäre die Mine des Emissionshauses gewesen und daß dientesten und hochangesehenften Bürger Berling" anläßlich seines Tage der Gelder für den Invalidenfonds gespielt hat, Franz in diesem Sinne sicher dessen Leiter das Wort„ Nimm Hack' und in der Neuen Zeit" das siebzigsten Geburtstages in einem schwungvoll geschriebenen Mehring Wissenswerthefte Spaten, grabe selber, die eigene Arbeit macht Dich groß" bereits mitgetheilt Feuilletonartikel, aus dem wir nachstehende Säße zitiren. hat. des- wunderbar erfüllt hat. Aus dem reichen Repertoir der Gründungen Wir beschränken uns nur einige Episoden aus dem Weite Kreise nehmen an diesem seltenen Feste, das ja halb darauf, thaten- und Emissionen der ersten Bank lassen wir nun die Emission dieser Blüthe immer nur einer kleinen Zahl von Erdenbürgern beschieden ist, reichen Leben der Gesellschaft zu be der Argentinischen Anleihen folgen. Der lluge" Herr Hanseaufrichtig Antheil, um so freudiger, als Geheimrath v. Hanse- richten, die zu ihren werthvollsten Erinnerungen" zählen. Be- mann, dieses schmückende Beiwort legen ihm seine Berehrer bei, mann die Feier auch in einer für seine Jahre seltenen ginnen wir mit dem Schooß und Schmerzenskinde der Diskonto war so vorsichtig, den Prospekt, der eine Schilderung der Fülle von Rüftigkeit und Gesundheit begehen fann. Aber gesellschaft, der Union, Att.- Ges. für Bergbau und Hüttenbetrieb Finanzen dieser Republik enthielt, von seinem Justitute nicht mals ein Beweis, daß Arbeit gefund erhält; denn sein in Dortmund. Im Jahre 1872 emittirte die Diskontogesellschaft unterzeichnen zu lassen, um einen Regreß gegen letzteres erfolglos Leben, das wir hier in kurzen Zügen schildern wollen, 39 600 000 m. Aktien dieser Gesellschaft in Stücken zu 600 m., au machen, er schob die Nationalbant in Buenos- Ayres vor, welche 38 Millionen später La B. genannt wurden. Am diese Formalität erfüllte und begnügte sich für die Diskontogesellschaft ist keineswegs in heiterem Genuß an ihm vorübergegangen, wovon 38 Millionen später La B. genannt wurden. wurde der Nominalbetrag der Stücke mit der bescheidenen Rolle einer Substriptionsstelle. Die Aeltesten sondern eins der arbeitsreichsten, das bei geistiger und so hoch 15. Februar 1875 verantwortlicher Thätigkeit überhaupt möglich ist. Wohl herrscht von 600 auf 400 M. reduzirt, wodurch die Aktionäre der Kaufmannschaft nahmen an dieser Schiebung feinen Anstoß im Volfe, namentlich in den sogenannten„ arbeitenden Klassen", einen Verlust von 13 200 000 Mark erlitten. Zu dem und ließen es zu, daß ein den deutschen Gesezen nicht die Meinung vor, daß für jene begüterten Schichten die Existenz dadurch auf 26 400 000 m. herabgesetzten Kapital wurden als unterworfenes überseeisches Bankinstitut die Vernur ein behagliches Wohlleben sei; gerade Hansemann's Lebens- dann 37 500 Stück 6 pet. Stammprioritäten à 400 M. antwortlichkeit für die Angaben des Prospekts übernahm. Das gang ist dazu angethan, das Gegentheil zu erhärten" 2c. 2c.= 15 000 000 M. neu emittirt, sodaß das Rapital sich auf selbe stellte 1891 seine Zahlungen ein. Es wurden emittirt: 5 prozent. Anleihe von 1886 41 164000 M. 3zu Das Mittelalter hat uns eine Neihe von Mustern echt vor- 41 400 000 m. erhöhte und zwar alles in Stücken zu 400 M. Im 90 pet., heutiger Kurs 65 pCt., Verlust nehmer Patriziergestalten hinterlassen, die segensreich für ihre Jahre 1878 wurden diese auf 300 m. herabgesetzt, was auf den 25 pCt. oder Baterstadt und weit darüber hinaus gewirkt; Gestalten, Betrag von 41 400 000 m. einen Verlust von 10 350 000 m. norrig und unbeugsam wie die alten Stein ergiebt. Es verblieb 1878 ein Rapital von 31 050 000 m. Es eichen, aber wie diese fest wurzelnd in ihrer Beit; wurden nun neue Attien herausgegeben 77/78 2 000 400, 78/79 Bahnbrecher für deren Bedürfnisse. An diese 3 695 000, 79/80 8 393 700, 80/81 4058 700, 82/83 3 000 000 n., Vorbilder aus der mittelalterlichen Blüthezeit unserer in Summa 21 148 200 Mart. Das Gesammtkapital von 86 000 000 m. Städte reiht sich für unsere Tage würdig und ehren- 52 198 200 M. wurde alsdann durch Zusammenlegen von vier voll Adolf in Summa 69 108780. An ihm hat sich Aktien in 3 auf 38 867 400 m. reduzirt und voriges Jahr Adolf von Hansemann an." das Wort Nimm Hack und Spate, grabe selber, die 9000 Stück Vorzugsaktien à 1500 M., in Summa 13 500 000 m. neu Der Sachverständige der preußischen Regierung, der 1870 eigene Arbeit macht dich groß" voll erfüllt. Folgt eine Be emittirt. Aus dem Zusammenlegen der Attien, auf dessen einen Preis von 85 pGt. für eine 5 prozentige Norddeutsche Bundes schreibung des Lebenslaufes, aus der unsere Leser die nachstehen. Details wir nicht näher eingehen wollen, reſultirt ein Berlust anleihe zu hoch fand, findet 16 Jahre später einen solchen von den Ausführungen interessiren werden:„ In den Kriegsjahren Nr. 3 von ca. 18 200 000 m., mithin im ganzen ein solcher von 90 pet. für ein Anlehn der Argentinischen Republik angemessen. 1866 und 1870 vermochte die Diskontogesellschaft den vater- rund 363/4 Millionen Mart. Während die Kapitalisten, welche im Kriegsjahre Vertrauen zum ländischen Interessen bereits große Dienste zu Teisten Welche Dividenden haben nun die Aktionäre dieser Gesellschaft Vaterlande bewiesen, einen Gewinn von 15 pCt. und gute und der Rückblick auf die Zeit gehört zu den werthvoll- bezogen? 1872/78 12 pt., 1873/74 bis 1878/9 0 pCt., 79/80 Verzinsung ihres Kapitals erzielten, haben die Subskribenten auf ften Erinnerungen ihres Leiters. Der französische Strieg ers 2 pet., 80/81 21/2 pt., 81/82 4 pt., 82/83 5 pSt., 83/84 1 pt., die 1886 er argentinische Anleihe, die dem faft untrüglichen forderte bedeutende Finanzoperationen die Regie 11/4, 1/8, 1/ 8,2, 3, 4, 2, 1, 1, 1, 0, 0. Bei näherer Betrachtung finden Seherblicke" Hansemann's folgten, den vierten Theil ihres rung nahm die Mitwirkung der ersten Banten und wir, daß die Dividenden von 21/2, 4 und 5 pCt. in den Jahren Kapitals verloren und nur einen geringen Theil der zugesagten Bankhäuser dafür in Anspruch. Irrthümlich ist wieder 80/ 81-82/ 83, in denen Neu- Emissionen von Aktien stattfanden, Zinsen erhalten. In neuester Zeit sind es vor allem zwei Ge holt behauptet worden, daß die Bantiers das ungenügende gezahlt, also augenscheinlich künstlich herausgerechnet wurden. schäfte des„ leitenden" Bankinstituts, die unliebſames Aufsehen Resultat der Emission der Nationalanleihe bei Ausbruch des Von 1883-95, alfo in 12 Jahren, wurden 1511/12 pCt. Dividende erregten. Der Bau der Venezuelanischen Eisenbahnen und das Welche Unsummen baran Krieges verschuldet hätten. Es sei hier einmal die Gelegenheit gezahlt oder per Jahr durchschnittlich 1/3 pet. Die Attien notiren Popp'sche Druckluftunternehmen. wurden und noch in Gefahr sind, darüber benußt, mit diesem Irrthum vor der Deffentlichkeit aufzuräumen. heute ca. 47 pct., hierzu sind aber große Summen nicht zu verloren der Bei der Berathung der Bedingungen jener Emission im Finanz- plaziren, da der Kurs künstlich von der Diskonto- Gesellschaft ge- giebt Rechenschaftsbericht Diskonto Gesellschaft Was ministerium waren Adolf Hansemann und Paul Mendelssohn halten wird, welche sich mit Zustimmung der Aeltesten der Kauf- feine Auskunft, ihr Leiter scheint ihr Leiter scheint den Spruch: Bartholdy hinzugezogen, der Preis wurde jedoch ohne Rücksicht mannschaft des Kniffes bedient, das Effekt, das durchschnittlich er kläglich verschweigt, zeigt uns der Meister des Styls" auf die übereinstimmende Ansicht dieser beiden Sachverständigen 11/3 pet. in 12 Jahren Dividende erbracht und die letzten sehr beherzigt zu haben. Einen Zipfel des Schleiers dieses hoch und den Verhältnissen nicht ent 2 Jahre gar kein Erträgniß geliefert, mit 6 pet. laufenden Zinsen Geheimnisses lüftet die neueste Bilanz der Diskonto- Gesellschaft fprechend festgesetzt, so daß das unausbleibliche Resultat der handeln zu lassen. Durch diesen Umstand wird die Hauffe- Spetu- insofern, als daraus hervorgeht, daß der ganze Gewinn von Substription berechtigte Unzufriedenheit erregte, bis die Schlacht lation darin sehr begünstigt, die Baisse- Spekulation sehr erschwert. 20 Millionen Mark, den diese durch die Fusion mit der Nordbei Wörth den Mißgriff zudeckte." Aber ein warmes Herz Da allem Anschein nach auch für das laufende Geschäftsjahr deutschen Bank in Hamburg erzielte, zu Abschreibungen und Db jedoch damit diese eine offene Hand für die nationalen Interessen feine Dividende vertheilt werden können, weil den Aktien Reserveſtellungen verwendet wurde. und patriotischen Bedürfnisse" hat dieser Sachverständige ftets 13 500 000 M. Vorzugsaktien mit einer Vorzugsdividende von Unternehmungen fanirt" wurden, vermag niemand zu sagen. bethätigt". Dem Fürsten Bismarck ist er auch nach 1890 in 5 pet. vorangehen, so kann man den inneren Werth der ersteren Was aber außer jedem Zweifel steht, ist, daß treuer und dankbarer Verehrung unentwegt zugethan ge- als Spielmarke mit höchstens 331/3 pet. veranschlagen, was auf erste Institut am Blaze zwei Jahre hindurch Dividenden blieben". 38 869 200, einen neuen Verlust von 25 912 800 ergiebt. vertheilte, während es in Wirklichkeit mit einem erheblichen und selbst ich, würde mir auch das Leben gewährt, um Sage mir, ehe ich Dir antworte, willst Du, wenn auch über den untergegangenen Ruhm meines dunkeln Geschlechts Tod, Qualen, ein ganzes Leben von Sorgen die Folge zu trauern, dürfte ich mir erlauben, jemanden zu lieben, dieser Licbe wären, bereuen, daß Du geliebt haft? Ist das zu sehen, in dessen Adern das Blut seines Mörders rollt? der Fall, so kennst Du nicht die Liebe, die ich für Dich D, ich bin unglücklich! sehr unglücklich! Diese Gedanken rauben mir fast die Besinnung!" Und die Hände verzweifelnd ringend, weinte Irene bittere Thränen. und 34] " Rienzi. " Der lehte der römischen Volkstribunen. Roman von Edward Lytton Bulwer. Weißer als der Marmor zu seinen Füßen wurden die Wangen Adrian's. Es dauerte lange, ehe er antworten konnte, und es geschah jetzt mit erzwungenem Lächeln und zitternder Lippe. „ Scherze nicht so, Irene! Die letzte! Das ist kein Wort Aber höre mich, Herr!" für uns!" " liebter!" " Weshalb so talt? nenne mich Adrian! Freund! GeGut denn, Seele meiner Geele! rief Irene leidenschaftlich, höre mich! Ich fürchte, daß wir in diesem Augenblicke an einem Abgrunde stehen, dessen Tiefe ich noch nicht ermeffe, die uns aber für immer trennen könnte! Dir ist das wahre Wesen meines Brudes bekannt, und Du verkennst ihn nicht, wie so viele. Lange schon hat er Pläne entworfen, und, die Stimmung des Boltes ergründend, den Weg zu einer großen Unternehmung gebahnt. Aber jetzt( Du wirst ihn nicht verrathen er ist Dein Freund!") " fühle." der " = das „ Nie, nie kann ich bereuen!" erwiderte Frene, an Adrian's Britst sich schmiegend. Vergieb mir!" Adrian selbst fühlte sich durch das ihm vorgehaltene Aber ist wirklich," sagte Adrian kurze Zeit nach Gemälde tief erschüttert, wenn auch die Ahnung solcher Er- diesem Liebeszwist, ein so auffallender Unterschied zwischen eignisse sich ihm oft dunkel aufgedrungen hatte. Da er dem früheren und dem jezigen Benehmen Deines Bruders? übrigens die Pläne Rienzi's durch keine wirkliche Macht Woher weißt Du, daß die Zeit des Handels so nahe ist?" unterstüßt sah, und noch nie Zeuge der gewaltigen Kraft Weil er jetzt ganze Nächte mit Menschen aller Klassen er liest einer moralischen Revolution gewesen war, so glaubte er sich einschließt; er vernachlässigt seine Bücher nicht, daß ein Aufstand, zu dem Rienzi das Bolt anreizen nicht mehr, aber wenn er allein in seinem Zimmer ist, Seit zwei möchte, für die Dauer erfolgreich sein könne; und Adrian geht er, mit sich selbst sprechend, auf und ab. fühlte sich mächtig und einflußreich genug, um in einer Nächten wurden auch viele Waffen in unser Haus gebracht; Stadt, wo die Gerechtigkeit der Selbstsucht dienen mußte, und ich hörte, daß der Anführer der Männer, die sie trugen, selbst für das größte aller Verbrechen für bewaffnete ein, unter dem Volke wohlbekannter Niese, sich den Schweiß Insurrektion gegen den Adel- Verzeihung für Rienzi zu von der Stirne wischend, sagte:" Die werden bald tüchtig erhalten. Als er sich dieser Gedanken erinnerte, fand er gehandhabt werden!" den Muth, Frenen zu trösten und zu beruhigen, aber es gelang ihm nur theilweise. Frene, der Zukunft ihre Gedanken zuwendend, schien zum ersten Mal taub für die Stimme ihres Geliebten. Ach!" sagte sie, welches Ende kann diese Liebe, der wir uns so blindlings hingegeben haben, selbst im besten Falle, nehmen? Du darfst Dich mit mir nicht verbinden; und ich, wie thöricht bin ich gewesen!" ,, Und Dein Bruder! Ich würde mein Leben für ihn hingeben! Sprich weiter!" " Jetzt aber," fuhr Frene fort, nähert sich die Zeit für die Ausführung jener Unternehmung, welche sie auch sein möge. Ich weiß nicht genau, welcher Art, aber ich weiß, So komme denn zur Besinnung, Irene," sagte Adrian daß sie gegen den Adel gerichtet ist, gegen Deinen Stand, stolz, theils vielleicht wirklich aufgebracht, theils infolge selbst gegen Deine Familie! Wenn sie gelingt- o, Adrian seiner Kenntniß des weiblichen Geschlechts, liebe einen dann bist Du selbst vielleicht in Gefahr- und mein andern, und mehr nach den Vorschriften der Lebensflugheit, Name wird wenigstens mit den Namen Deiner Feinde ver- wenn Du willst; vergiß Dein Gelübde gegen mich und einigt sein. Mißlingt sie so ist es der Untergang meines halte es für ein Verbrechen, zu lieben, und für eine Thor Bruders, meines tühnen Bruders. Er wird der Rache oder heit, treu zu sein!" der Gerechtigkeit, nenne es wie Du willst, zum Opfer fallen. Grausamer!" erwiderte Jrene stammelnd, sprichst Du Dein Verwandter tann sein Richter sein, ihn verdammen; im Ernft?" " Waffen? bist Du dessen gewiß?" fragte Adrian bringend. Nein, dann ist unter diesen Plänen mehr verborgen, als ich mir dachte! Aber," fügte er dann mit beruhigendem Tone hinzu, da er bemerkte, wie ängstlich Frene ihn beobachtete ,,, aber geschehe, was da wolle, glaube mir, nieine süße Liebe, daß, so lange ich lebe, Dein Bruder durch die Wuth, die er gegen sich aufruft, nicht leiden soll, noch) daß ich, wäre er auch unserer alten Freundschaft nicht eingedent, Dich weniger lieben werde.". ,, Signora! Signora! Kind! es ist Zeit! wir müssen gehen!" rief jetzt Benedetta, indem sie aus dem Gebüsch hervortrat. Die Liebenden trennten sich; zum ersten Mal war die Schlange in ihr Eden gedrungen, sie hatten zum ersten Male von anderen Dingen sich unterhalten, als von der Liebe. ( Fortsetzung folgt.). " 1 " # Verlustsaldo abschloß, und daß es dem Aufsichtsrathe und den T Syndman( der geistige Leiter der Sozialdemokratischen Tanarchistisch, für ungiltig erklärt werden, ebenso ein. 1otches aus Direttoren Zantièmen bezahlte, während sie von Rechtswegen Federation, jener Organisation, die in Taktik und Grundsäßen Genf, trotz Widerspruches der betreffenden Delegirten" Runges denen namentlich den Aktionären für ihr topfloses und leichtsinniges Gebahren zu sich mit der deutschen Sozialdemokratie ziemlich deckt): Er könne Genf und Sanftleben Zürich, Ersatz des ihnen verursachten Verlustes verpflichtet wären. So über die Züricher Resolution ein unparteiisches Urtheil ersterer den anarchistischen Charakter abzuschwächen versucht. Rumänien sendet 1 Delegirten. Bulgarien zählt hat die Direktion im letzten Jahre an die 5 Geschäftsinhaber abgeben, er sei nicht dabei gewesen, aber er halte die Aufrecht1892981 M. Tantième bezahlt, wovon Herr Geheimrath Hansemann erhaltung dieses Beschlusses für absolut nothwendig und in über- 4 Delegirte, die aus 34 Orten von Arbeiter Organisationen für seine Person mit ca. einem Drittel partizipiren soll. Dieser wiegender Mehrheit theile die englische Delegation diese Auf- Mandate haben. Aus Rußland sind nach dem Berichte Blechanow's ,, verdienteste und hochangesehenste" Bürger Berlins und österreichisch- fassung. Wir sind nicht hier, um Theorien zu diskutiren, ungarische Generalkonsul, diese Gestalt, knorrig und unbeugsam sondern um zu arbeiten. Gegen Tom Mann meint er, allerdings 8 Delegirte anwesend, von denen 6 die sozialdemokratische vertreten, auch verschiedene Arbeiter wie die alten Steineichen", findet, es sei würdig und ehrenvoll", seien die Gewerkschaften eingeladen, aber auch die Sozialisten, Arbeiterpartei vertreten, darunter ca. 630 000 M. in einem einzigen Jahre aus den Taschen der nicht aber die Anarchisten, die in jeder Beziehung Organisationen in Rußland seien Aktionäre in die unergründlichen eigenen hinüberzuleiten. Und zu den Sozialisten in grundsätzlichem Gegensatz stehen. Die auch die Petersburger Arbeiter, die jüngst den Riesenkampf auf der Staatsanwalt, werden manche unserer Leser ausrufen, sieht Anarchisten seien auch keine Gewerkschaftler; wo sie Zutritt zu genommen gegen die zariftische Unterdrückung und die kapitalistische diesem Treiben ruhig zu? Habet Nachficht; erwidern wir den- diesen verlangen, sei es nur, um sie zu ruiniren. Man spreche Ausbeutung. Ein Mandat habe für ungiltig erklärt werden müssen, felben, mit diesem diesem vielgeplagten Beamten, die bösen von. Toleranz, gewiß, hier, wo die Anarchisten in Minderheit weil es nicht von von einer Arbeiterorganisation ausgestellt sei, Sozi machen ihm das Leben ohnehin so schwer. Wie- feien, wollen sie angeblich diskutiren. Aber in Paris habe sondern nur von einer Gruppe junger ideologischer Studenten in Der Arbeiter" herausgeben, hinter viel Anklagen wegen unbefugter Veranstaltung öffent- Merlino seinerzeit ganz offen erklärt, die Anarchisten seien Bern, die zwar ein Blatt: licher Kollekten, wegen Verrufserklärungen, wegen Majestäts- nur gekommen, um diese Milch- und Wasserpolitik der Sozial- dem jedoch keine Arbeiter ständen. Das schaffe unter Umständen beleidigungen mußte er er erheben, welchen Scharfsinn mußte demokraten unmöglich zu machen. Und Ordnung und Toleranz! schlimme Konsequenzen. Der Rongreß stimmt dem Antrag der er anwenden, um insbesondere lettere in Aeußerungen zu Gestern habe man es gefehen, wie es damit bei den Anarchisten russischen Delegation zu. finden, in welchen der gemeine Menschenverstand trotz aller Mühe aussehe! Gestern hätten sie alles gethan, um diesen Aus Frankreich sind 123 Delegirte anwesend, von denen nichts zu entdecken vermochte. Sobald er diese Untergräber der Kongreß und seine Arbeiten zu stören! Und so sei es überall nur 120 Mandate haben, trotzdem sollen alle 123 Delegirte gesellschaftlichen Ordnung unschädlich gemacht haben wird, wird und immer! Niemals habe selbst das elendeste Bourgeois- Zutritt erhalten. Jaurès erklärt dies daher, daß einzelne er, daran zweifeln wir nicht, das Treiben der Geschäftsinhaber blatt die Sozialisten je so niederträchtig und schamlos bekämpft Abgeordnete einfach ihr Mandat als Legitimation ansahen. der Diskontogesellschaft durch die Lupe des Gesetzes be- und verleumdet als die anarchistische Presse. Und von der Mit Gewerkschaftsmandaten hätten sich die Anarchisten aller trachten und die Verlegung des letzteren, wenn erst festgestellt, Würde solle man ganz schweigen. Wo sei gestern diese Würde Schattirungen in die französische Delegation eingefchlichen. empfindlich ahnden. Daß Hansemann dem Fürsten Bismarck in geblieben, als die Anarchisten den würdelosen Versuch gemacht, Der Schluß des Berichts über die dritte Sigung ist uns bei darkbarer Verehrung auch nach 1890 zugethan geblieben", wird nie- zum Gaudium der Feinde der Arbeitersache diesen Kongreß durch Schluß der Redaktion noch nicht zugegangen. mand Wunder nehmen, der die schöne Seele des letzteren kennt, haben ihr Benehmen zu entehren! Und mit solchen Elementen soll man fich doch beide als Bahnbrecher für die Bedürfnisse der Zeit" diskutiren! Nein, deshalb habe auch die englische Delegation mit erwiesen. Wenn auch über das Verdienst, das sie sich bei dieser 228: 104 Stimmen sich ausgesprochen für die Zurückweisung der Thätigkeit erworben, die Meinungen getheilt sind, differiren Anarchisten, die nicht um zu arbeiten, sondern um zu standaliren lettere viel weniger über den Verdienst, den sie sich hierbei er- gekommen seien. rungen. Derjenige des Herrn v. Hansemann!- wird nach unserer Ansicht zu niedrig- mit 60 Millionen Mart, also ungefähr in der Höhe des Verlustes der Aktionäre der Dort munder Union beziffert. Gleich dem Verehrten hat der Verehrer sein Herz niemals mit großen Werken der Humanität beschwert, vergebens wird man nach erheblichen Zu wendungen des letzteren an gemeinnüßige und wohlthätige Stiftungen suchen; dagegen soll er auf seiner Besizung auf der Insel Rügen eine eigene Kapelle sich errichtet haben, in der er gelegentlich vor Gott dem HERRN seine Gebete verrichtet. Internationaler Arbeiter- und Gewerkschaftskongrek. London, 28. Juli 1896. 3weite Sigung. der London. 29. Juli( Privatdepesche des Vorwärts). Hyndman referirt über die Mandatsprüfung, er tabelt das langsame Arbeiten und die mangelhafte Organisation derselben. Geprüft sind die Mandate von 14 Polen, 7 Desterreichern, 1 Czechen, 1 Ungarn, 1 Kroaten, 7 Dänen, 2 Schweden, 12 Italienern, 6 Spaniern, und 1 Portugiesen, 13 Holländern. Die Mandate von Nieuwenhuis und seinen Anhängern wurden als Mandate von antiparlamentari schen Sozialisten anerkannt. 47 Mielen huis( Holland) wendet sich in breiter und Nieuwenhuis( Holland) wendet sich in breiter und aus führlicher Weise gegen die Züricher Resolution, die so zweidentig gewesen, daß sie sofort wieder eine Erklärung nothwendig gemacht habe. Wenn Hyndman die Anarchisten beschuldigt habe, Die Minorität der französischen die Verhandlungen stören zu wollen, so habe er höchstens damit verlangt Anerkennung seine Angst verrathen, es könnte das Konzil der er grennung von ihrer et Sektion, die unter anarchistischer margistischen Kirchenväter gestört werden. Mit Flagge marschirt, sie wollen nicht die Verantwortung Annahme der Züricher Resolution sei jede Meinungs- für deren Haltung und Beschlüsse tragen, sie verlangen und Bewegungsfreiheit aufgehoben; das geschehe Vertretung in den Kommissionen, da sie sonst an den Verhand Praxis freilich schon längst; die spanische Delegation spanische habe das Mandat einer Eisenbahnarbeiter- Gewerkschaft lungen nicht theilnehmen können. Miller and soll diese Forderung faffirt, blos weil der Delegirte ein Anarchist; ebenso die begründen. Er wird aber durch große Unruhe der Anarchisten, die trotz Aberkennung der Mandate noch immer im Saale sind, Deutschen das Mandat einer Konsumgenossenschaft. Politische Aktion, und parlamentarische Aktion jei nicht gleichbedeutend, gestört. Der Fabier Shaw tritt Millerand entgegen. Singer über die erste könne man getheilter Meinung sein, lektere werde appellirt an die Gerechtigkeit und Ehre der Kongreßtheilnehmer. Hierauf spricht von den Anarchisten bekämpft, die, insoweit sie kommunistische Miller and nochmals unter großem Beifall. Shaw beharrt auf seinem Standpunkt. Anarchisten seien, auch als Sozialisten gelten wollen, ob denn Miller and nochmals unter großem Beifall. Reclus, Krapotkin nicht Sozialisten feien. Dann tönne man auch von Liebknecht behaupten, er fei fein Sozialist. Keine Fraktion habe das Recht, den Sozialismus zu monopolisiren- Die Franzosen haben gestern in ihrer Delegation mit 57 andernfalls solle man doch blos von einem Kongreß der par- gegen 56 Stimmen gegen die Resolution betr. die Nichtzulassung lamentarischen Sozialisten sprechen. der Anarchisten sich entschieden. Darauf wollte die Minorität sofort den Kongreß verlassen sie hat nach reifticher Uebereegung entschieden zu bleiben und das folgende Manifeft erlassen: Für die heutige Sigung hat das Geschäftsordnungs- Komitee die nöthigen Vorbereitungen zur Verhütung von Ruhestörungen und zur Sicherung einer ruhigen Debatte getroffen: bis zur Erledigung der streitigen Geschäftsordnung sind die Gallerien für das Publikum geschlossen; damit ist die Absicht der Anarchisten Damit ist die Diskussion geschlossen. In der Abstimmung vereitelt, von den Gallerien auszu ,, demonstriren". Für denSaal selber stimmen die Delegirten nach Nationen ab. Es stimmen für den find Ordner aufgestellt worden, um eine systematische Störung, Bunkt 11, d. h. die Züricher Resolution und damit den Auswie sie gestern die anarchistischen Holländer, Franzosen schluß der Anarchisten 18 Nationen, dagegen 2, 1 Stimmund Italiener planmäßig ausgeübt hatten, für den Fall der enthaltung( Italien). Dafür sind Deutschland( einstimmig), Wiederholung unmöglich zu machen. England( 223 gegen 104), Belgien( einstimmig), Amerika, An stelle Cowey's, des gestrigen Präsidenten, von dem die Australien, Schweiz, Rumänien, Serbien( fehlt), Bulgarien, " Justice" heute nicht mit unrecht urtheilt, er habe der nöthigen Rußland, Polen, Desterreich, Böhmen, Ungarn, Dänemart, Strenge den Störenfrieden gegenüber ermangelt, übernimmt Norwegen, Schweden, Spanien und Portugal, dagegen sind Frank heute Singer die Leitung des Kongresses. Die Streitfrage reich( mit 57 Stimmen gegen 56) und Holland( mit 9 gegen war bekanntlich die Abstimmung über, Punkt 11 der Geschäfts- 5 Stimmen), Italien enthält sich der Abstimmung, weil gleich ordnung: viel Stimmen für und gleich viel dagegen abgegeben sind. Nach Verlesung einer Reihe von Zustimmungsadressen frägt Cornelissen( Holland) an, wie es mit der Zulassung der antiparlamentarischen Kommunisten stehe. Diese Frage wird der Mandats Prüfungskommiffion überwiesen, unbestrittene Auffassung des Kongresses sei, daß Mandate der Gewert schaften von der Abstimmung unberührt bleiben. Um 3/41 Uhr vertagt sich der Kongreß bis auf 3 Uhr nach mittags. Dritte Sigung. " Es wird kein Amendement und keine Diskussion zur Geschäftsordnung oder zur Tagesordnung später als am Montag zugelassen." Mit der Annahme dieses Punktes kommen all die zahllosen Unteranträge in Wegfall und außerdem ist damit die grundlegende Stellungnahme des Kongresjes gegenüber den Anarchisten gegeben: Die Züricher Beschlüsse über die Zulassung treten definitiv in kraft. Daher der Versuch, bei diesem Punkt die Kraftprobe vorzunehmen. Um 11 Uhr wird die Sigung von Singer eröffnet mit der Mittheilung, das Bureau sei der Meinung, wir seien zum Arbeiten hier; wir hätten weder Luft noch Zeit an unfrucht baren Geschäftsordnungs- Debatten zu verschwenden oder an Diskussionen über Fragen, welche von den Arbeitern aller Länder bereits überall entschieden seien. Das Bureau werde feiner Polizeihilfe von außen bedürfen( wie gestern in einer etwas unglücklichen Wendung der Präsident angekündigt hatte), sondern durch Drdner im Saale ruhige Aussprache sichern. Üm jeden Anschein einer Vergewaltigung irgend einer Gruppe zu vermeiden, schlage das Bureau vor, sofort in die Diskussion des Punkt 11 der Tagesordnung einzutreten, zwei Rednern für und awei gegen mit je 10 Minuten Redezeit das Wort zu ertheilen und dann zur Abstimmung zu schreiten( mit der selbstverständlichen Abänderung, daß statt Montag es heißen müsse: nach der Abstimmung). Nahezu einstimmig tritt der Kongreß diesem Vorschlag bei. Hierauf nimmt der Bizepräsident Keir Hardie( der frühere Bergarbeiter Abgeordnete und jetzige Herausgeber des Labour Leader" und Leiter der Unabhängigen Arbeiterpartei) das Wort, um zur Toleranz zu mahnen auch jenen Gruppen gegenüber, die zur Frage der parlamentarischen Aktion eine andere Stellung einnehmen. Um 3 Uhr eröffnet Singer die Sigung mit dem Vorschlage des Bureaus, nach Prüfung der Mandate die Sigung zu vertagen bis morgen Nachmittag 2 Uhr, um den verschiedenen Kommissionen Zeit zu geben, ihre Arbeiten zum Abschluß zu bringen und so den Kongreß in die Lage zu sehen, endlich an die Erledigung der Tagesordnung zu gehen, nachdem zwei volle Tage der Geschäftsordnungs- Berathung und der Mandatsprüfung geopfert worden seien. Nach Erledigung einer Anzahl geschäftlicher Angelegenheiten beginnt die Prüfung der Mandate. Klara Bettin berichtet über die deutsche Delegation. 46 Mandate, in öffentlichen politischen oder gewerkschaftlichen Versammlungen ertheilt, wurden ohne weiteres für giltig erklärt; 6 anarchistische Mandate tafsirt, weil sie nach Auffassung der deutschen Delegation im Widerspruch- mit den Zulassungsbestimmungen seien. Dieselben geben genügenden Spielraum für alle Meinungen, die in bezug auf das Biel übereinstimmen. Wenn die Anarchisten heute plößlich die politische Attion anerkennen, so ist das, als wenn man sagt, ihr dürft Waffen tragen, aber ihr dürft sie nicht gebrauchen. Landauer Berlin protestirt gegen diesen Beschluß der Deutschen, erklärt die Anarchisten für Sozialisten, fie wollten ebenfalls Abschaffung des Privateigenthums und geht des längeren auf die Geschichte und Bedeutung der Züricher Resolution ein mit Argumenten, die bereits am Morgen wiederholt Landauer will nochmals reden, seine anarchistischen Freunde schreien dazwischen und stören die folgende Debatte, bis der Vorsitzende ihnen unter dem Beifall des Kongresses die Ausweisung durch die Ordner androht. * London, 28. Juli. Genossen! In der gestrigen Sitzung der französischen Delegation zum internationalen Kongreß hat der Sozialismus eine Schlappe erlitten. 57 Stimmen gegen 56, eine Roalition von Konservativen, wie der Buchdrucker Reufer, mit Anarchisten wie Malatesta hat sich dafür entschieden, daß das Proletariat der politischen Aktion sich enthalten könne und solle. Das wäre die Abdankung des sozialistischen Frankreichs, ein Selbstmord der Arbeiterklasse und deshalb müssen wir das reaktionäre Manöver der Majorität und die Gefahr, die daraus erwachsen tann, flar stellen. Wir haben nie einen Zweifel darüber aufkommen laffen, daß wir energische Anhänger der gewerkschaftlichen Attion find, wir sind davon überzeugt, daß die Arbeiter sich gewerkschaftlich zusammenschließen müssen, um ihre wirthschaftlichen Interessen zu vertreten, und so oft die kapitalistische Ordnung Konflitte zwischen Unternehmern zwischen Unternehmern und Arbeitern heraufbeschworen hat, haben wir unsere Pflicht gethan. Aber wenn die Arbeiter darauf verzichten, die politische Macht zu erringen, wenn sie der Bourgeoisie das gouvernementale Schild nicht entreißen, womit sie ihre ökonomischen Privilegien beschüßen, wenn sie die Bourgeoisie nicht politisch expropriiren, um sie nachher auch ökonomisch expropriiren zu können, dann werden sie immer ohnmächtig bleiben und der Macht ihrer Herren sich nicht entwinden können. Daß die Regierungsleute die Proletarier von der politischen Affion ablenken, das ist begreiflich; begreiflich ist es auch, daß die Anarchisten unter Beihilfe einiger Nur- Gewerkschafter bedacht sind, den Sozialis mus zu desorganisiren und das Proletariat in die vollste Ver wirrung zurückzuwerfen... Wir müßten uns aber für Mitschuldige halten, wenn wir durch unser Stillschweigen auch nur einen Augenblick den Glauben aufkommen ließen, daß wir diese Entwaffnung des arbeitenden Frankreichs, diese Verstümmelung des sozialistischen und revolutionären Frankreichs zulassen wollten. Dies der Grund, weshalb wir aus der franzöfifchen Sektion ausgetreten sind und weshalb wir mit der Scheinmehrheit brechen, wie wir morgen auch aus dem internationalen Kongresse ausscheiden werden, wenn, was wir freilich für unmöglich hatten, er die politische Aktion nicht für nöthig erklären und so den Sozialismus seinen Todfeinden ausliefern würde. Politische Meberlicht. Es hat in der Jaurès( französischer Abgeordneter für Carmaux): Wir alle sind vom Geist der Toleranz und Brüderlichkeit erfüllt, aber vorgebracht worden. gerade deshalb müssen wir den Züricher Beschluß in seinen Fischer Berlin ist der Meinung, der Kongreß werde wesentlichen Theilen aufrechterhalten und die Nothwendigkeit der hoffentlich nicht jetzt abermals die Frage aufrollen lassen, die durchdimis ortoit Berlin, 29. Juli. politischen Aktion betonen. Wenn wir die kapitalistische Gesell- die Abstimmung am Vormittag bereits entschieden worden sei. Das Oberverwaltungsgericht in Bertin hat die schaft umwandeln wollen in die sozialistische, so brauchen wir Die Situation sei flar; die Anarchisten find nicht eingeladen; dazu die politische Macht, die Macht des Staates, und deshalb der Kongreß hat außerdem jetzt noch ausdrücklich erklärt: wir Hoffnungen nicht enttäuscht, welche die Stumm Patrioten müffen wir sie erkämpfen, fie für die Arbeiterklaffe erobern. wollen mit den Anarchisten uns nicht in userlose Diskussionen auf seine Weisheit gesezt haben. Wenn wir für die politische Attion eintreten, so setzen wir damit über ihre Theorien einlassen; wir haben nichts Gemein- Rolberger Strandschloß- Affäre als letzte die Bedeutung des gewerkschaftlichen und wirthschaftlichen fames mit den Anarchisten. Nach solch' deutlicher Stellung Instanz die Hergabe des Strandschlosses" zu einer Rampfes nicht herunter. Redner wies auf die Bedeutung der nahme, nach solch ausdrücklicher Erklärung: der Rongreß will sozialdemokratischen Versammlung durch den Bürgermeister Gewerkschaft Wahrung zur der Tagesinteressen Der Bürgers hin, mit Euch Anarchisten nichts zu thun haben, sollte auch für sie als einen staatsgefährlichen Akt verurtheilt. auf die Kämpfe für Löhne, Arbeitszeit u. f. w.; auf die Frage des Zutritts eine Frage des politischen Ehrgefühls sein. meister von Kolberg war, wie erinnerlich, vom Regierungs die Bedeutung in bezug auf Weckung der Talente, Erziehung und Die Diskussion wird geschloffen, da nur je ein Redner für präsidenten mit einer Strafe in Höhe von 90 M. belegt Schulung der Maffen. Ohne politischen Kampf ist aber der und gegen sprechen soll. Mit Ausnahme eines Theils der und auf seine beim Oberpräsidenten dagegen erhobene Be französischen Arbeiter in der jüngsten Zeit nur zu bitter erfahren deutschen Delegation zu. gewerkschaftliche Kampf oft geradezu unmöglich, das haben die Holländer und Franzosen stimmt der Kongreß dem Antrag der und auf seine beim Oberpräsidenten dagegen erhobene Bes schwerde kostenpflichtig abgewiesen worden. Das Obermüssen. Die Bourgeois haben die politische Macht dazu benutzt, verwaltungsgericht in Berlin, bei dem der Bürgermeister die gewerkschaftlichen Kämpfe unmöglich zu machen, die gewerk gegen den Oberpräsidenten eine Klage anstellte, hat nunmehr schaftliche Organisation lahm zu legen. Nicht verzichten sollen zu ungunsten des ersteren erkannt, indem es die Maßnahmen Die Arbeiter auf die politische Macht, sondern den Parlamender Regierungsorgane bestätigte. In der Begründung des tarismus aus einem Werkzeug der Prellerei au einem Werkzeug Pete Curran( Gasarbeiter- London) berichtet über Eng- Urtheils wird gesagt: der Befreiung der Arbeiterklasse machen. land; im ganzen 475 giltige Mandate: 185 Gewerkschaften, Wie der unterzeichnete Gerichtshof mehrfach ausTom Man( Sekretär der Unabhängigen Arbeiterpartei) 120 Sozialdemokratische Federation, 115 Unabhängige Arbeiter, gesprochen hat, verlegen die Beamten, auch die spricht gegen Punkt 11. Er selber sei kein Anarchist, sondern 22. Fabiergesellschaft, 5 einzelne sozialistische Gesellschaften, mittelbaren, die Pflichten ihres Amtes, wenn Kollektivist, aber er wünsche engste Berührung mit allen 3 Arbeitertirche, 18 Parlamentarisches und 12 Organisations fie die Bestrebungen einer politischen Kämpfern für soziale Reformen und soziale Befreiung. Er komitee. Nur i Mandat sei für ungiltig erklärt worden. Partei, welche Die Grundlagen der be. appellirt insbesondere an die Gewerkschaften; fie sollen fich Belgien hat 24 Delegirte der Arbeiterpartei gewählt, von stehenden Rechts- und Staatsordnung grund. erinnern, mit welchen Mitteln ihre Väter haben tämpfen müssen, denen 19 anwesend sind. fäglich betämpft, bewußt unterfügen oder nur um den Boden für ihre Arbeit, ihre Agitation sich zu Aus Amerita find 6 Delegirte anwesend: je 1 für die fördern. Geschieht dies von seiten eines Beamten, so zeigt erobern. Er erinnere fich noch lebhaft der Zeit, als sie klein und Sozialistische Arbeiterpartei, Algemeiner Gewerkschaftsbund, fich dieser zugleich des Vertrauens in eine den Aufgaben seines schwach waren, wie sie da von den alten großen Parteien ver- Kalifornischer Gewerkschaftsbund Arbeiterbund Washington, Amtes entsprechende Führung desselben unwürdig." leumdet, beschimpft, geheht worden seien dieses Beispiel sollen Bierbrauer und selbständiger Miethstutscher. Letzteres Mandat Wir hatten nichts anderes erwartet. Wir finden aber wir nicht nachahmen. Er wolle nicht glauben, daß es hier wird beftritten, vom Kongreß aber für giltig erklärt. auch in dem Erkenntniß über unser Erwarten hinaus noch Anarchisten gebe, die blos gekommen seien, um zu stören( Wider Für die Schweiz führt Greulich an, daß 12 Delegirte vers eine treffliche Illustration zu der Frage, was einen Beamten spruch), aber auch dann wären wir start genug, Ruhe zu er- treten den: Grütliverein( 14000 Mitglieder), Sozialdemokratische in Deutschland seines Amites unwürdig macht. Nach Gerichtszwingen. Der Kongreß soll sich auf einen höheren, edleren Partei( 5000), Gewerkschaftsbund( 10 000), Uhrmacher( 3000), Standpunkt stellen; er soll niemand seiner Meinung wegen Buchdrucker( 1500), Eisenbahnangestellte( 16 000), Metallarbeiter erkenntniß ist der Kolberger Bürgermeister für ein deutsches zurückstoßen! Freier Raum für jede Meinung! ( 2000), Schneider( 600). Ein Mandat aus Zürich mußte, weil Amt unwürdiger als der Assessor Wehlan. Damit find wir zufrieden. Auch das Obcrverivaltungsgcricht in Berlin arbeitet für uns.— Vollständig kindisch in ihrem Sozialdemokratenhaß nmd alimälig die„Po st", das Organ der Berliner Anarchisten und König Stumms. Sie läßt sich durch das Strandschloß- Urtheil des Oberverwaltungsgerichts zu folgendem anstacheln: „Eine Frage aber wirft sich angesichts des Urtheiles des Ober- Verivaltungsgcrichts von selbst auf: wie ist es mit dem Grundgedanken desselben und mit der Staats- cinbeit vereinbar, daß ein akliv an der sozialdemo- kraiischen Slgiration betheiligrer Mann noch ein Lehramt an einer königlichen Universität bekleidet, und daß eine Ein- richtung, wie die Reichskommission für Arbeiter- statistik, beibehalten wird, bei der die autoritative Mit- Wirkung eines Sozialdemokraten in dem Staatsorganismus nicht zu vermeiden ist?"— Wir ivolleu indcß durchaus nicht gut dafür sagen, daß dieser Ausbruch kindischen Hasses nicht über kurz oder lang anderen Leuten zu einer ernst zu nehmenden Attacke auf die Reich-Zkommission für Arbeiterstatistik den Anstoß giebt. Heute ist alles möglich! Aber iveshalb denn Halt machen bei der Reichskommission für Arbeiterstatistik? Da sind noch der Reichstag, so und so viele Landtage und Stadt- verordnetenversammlungen,„bei denen die autoritative Mit- tvirkuug der Sozialdemokratie nicht zu vermeiden ist". Also weshalb koinmt die„Post" nicht völlig heraus mit der Sprache, daß auch diese Institutionen beseitigt werden müssen? Die Stumm-Bediener schämen sich doch nicht etwa? Das wäre denn doch neu!— Mit Mitthcilungc» über die Schandthate» Schröders ist jetzt die Presse gefüllt, so daß es im höchsten Maße auffallend sein müßte, wenn man im hiesigen Kolonial- amte gar nichts von dem Auftreten dieses Ehrenmannes gewußt haben sollte. Dies wäre fast ebenso befremdend für unsere Verwaltung als der entgegcngesetze Fall, daß man die Thaten des Schröder gekannt habe, aber ans unerklär- lichen Gründen gegen ihn nicht vorgegangen sei. Der Jameson'sche Ranvzug nach dem Transvaal hat, wenn auch spät, in England seine gesetzliche Sühne erhalten durch das Schwurgerichls-Urtheil, das Jameson und drei andere Trnppcnführer zu 5 bis 15 Monaten Gefängniß verurtheilte. Das Urtheil ist milde, wenn mau es mit den Urtheilen in kontinentalen Staaten vergleicht, in denen selbst Dinge, die in England garnicht bestrasr werden können, z. B. eine scharfe Kritik staatlicher Einrichtungen und beamteter Personen, bereits mit Strafen heimgesucht werden, die manchmal über das Strafmaß hinausgehen, das Jameson selbst für seinen frevelhaften Zug zu theil geworden ist. Doch auf die Höhe der Strafe kommt es nicht an. Es genügt vollkommen, daß ein eng- lisches Gericht Verurtheilung des Raubzuges ausgesprochen hat. Aus dem Resümee des Lord-Oberrichters ist folgendes hervorzuheben: Gegenüber der Behauptung, daß die Expedition nicht auf den Umsturz der Regierung von Transvaal abgezielt hätte, machte er geltend, daß Jameson mit dem Einfall eine Aenderung der in Transvaal geltenden Gesetze im Interesse anderer Per- sonen gewaltsam herbeizuführen gesucht habe, daß die Expedition somit gegen einen befreundete» Staat gerichtet gewesen sei. Betreffs des Briefes des Reformausschusses an Jameson führte der Lord-Oberrichter aus, der Brief hätte sich auf eine politische Schwierigkeit bezogen, in welcher der Ausschuß eine politische Ungerechtigkeit erblickt hätte, nämlich die, daß die Uitlanders des gerechten Antheils an der Gesetz- gebung des adoptirteu Landes beraubt würden. Die Jury müsse erwäget«, warum der Reformausschuß sich nicht lieber an den Vertreter der Königin in Kapstadt oder Pretoria oder direkt an das Kolonialamt als an den Verwalter einer Haudelsgesellschast gewendet habe. Der fHauptschuldige, der im Hinterhalt den ganzen Uebersall angezettelt hat, Herr Cecil Rhades, harrt iudeß noch immer seines Richters. Die englische Regierung hat bisher keine Schritte gethan, um ihn zu belangen. Da- gegen hat er selbst es für gerathen gehalten, einer etwaigen Vorladung zuvorzukommen. Aus London wird nämlich gemeldet: Mit Rücksicht auf den Ausgang des Jameson-Prozesses hat der Anwalt der Chartered-Company, Hawksley, dem Anwalt beim Schatzamte brieflich mitgetheilt, daß Cecil Rhodos bereit sei, nach London zu kommen und sich selbst der Liegierung zur Verfügung zu stelle», falls seine gerichtliche Ver- folgung gewünscht würde. Die englische Regierung wird schwerlich noch zögern können, eine solche Vorladung ergehen zu lassen.— Chronik der Majestätöbeleidigungs- Prozesse. Wegen Kaiserbeleidigung war Genosse W a g e m a n n vom „Saals. Volksbl." zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Das Reichsgericht hat jetzt das Urlheil aufgehoben und zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht zurückgewiesen.— Wegen Majestätsbeleidigung wurde in Stettin der Reisende James Groß aus Berlin verhastet. Deutsches Reich. — Ein schwerer Unglücksfall hat unsere Kriegs- flotte getroffen: Nach eineni Telegramm ans Tschifu ist während eines Taifuns am 23. Juli das Kanonenboot„Iltis" zehn Meilen nördlich Southeast Promontory untergegangen. Zehn Mann der Be- satzung sind gerettet, alle übrigen, einschließlich der Osfiziere, um- gekommen.— Eine weitere Depesche meldet: Das Kanonenboot„Iltis" strandete am 23. Juli abends g Meilen von Schantung-Fire. Das Schiff ist verloren. Die ums Leben gekommenen Offiziere sind: Der Kommandant Kapitänlieutenant Braun, der erste Offizier Lieutenant z. S. von Holbach, die Lieutenants z. S. Fraustädter und Praffe, Assistenzarzt l. Kl. Dr. Hildebrandt und Obermaschinist Hill. Zahlmeister Loh befand sich zur Zeit in Tschifu. Folgende Mannschaften sind gerettet: Mosloehner, Westpunkt, Priebe, Kühl, Habeck. Kiel, Zimmerling, Langenberg, Voight, Mayfarth, Ofbruik, Labe. Die letzten vier Namen stehen in ihrer Schreib- weise noch nicht genau fest. Der Bau des Kanonenbootes wurde im Jahre 1S79 beendet; nachdem es einige Probefahrten gemacht hatte, wurde es im Jahre 1öS0 in die ostasiatischen Gewässer entsandt, wo es mit einer kurzen Unterbrechung bis zu seinein Untergange verblieb. Im chinesisch- japanischen Kriege hatte es die Ausgabe, die Deutschen zu schützen und mußte anläßlich des Angriffs meuternder Chinesen ans ein deutsches Schiff gegen ein chinesisches Fort auf Formosa von seinen Kanonen Gebrauch machen. Die gegenwärtige Besatzung(Mannschaft) des„Iltis" hat Deutschland am 26. März lööö verlassen und würde im Juni 1LS7 in die Heimath zurückgekehrt sein. Der Kommandant hat erst in diesem Frühjahre das Kom» maudo übernommen, die übrigen Offiziere sind im Lause des Jahres I89S hinausgegangen. Von der Gewalt des Sturmes, der dem„Iltis" den Unter- gang bereitete, wird man eine Vorstellung erhalten, wenn man sich vor Augen hält, daß das Schiff ein Deplacement(Raum- gehalt) von 489 Tonnen hatte und über eine Damvfkrafl von 340 Pferdestärken verfügte. Das Schiff war 42,4 Meter lang, seine größte Breite betrug 7,6 und sein Tiefgang 2,9 Meter. Auf der ostasiatische» Station befanden sich früher die beiden Kauonenboote„Wolf" und„Iltis";„Wolf" ist zurückberufen und zur Zeit auf der Werft in Danzig einer Reparatur unter- warfen; nach Beendigung derselben sollte es wieder nach Ost- asten gehen; für diesen Zeitpunkt war dann die Rückbeorderung des„Iltis" in die Heimath ins Auge gefaßt.— — Der Maximal-Arbeitstag im Bäcker- g e werbe bildet den hauptsächlichsten Berathungsgegenstand der Generalversammlung des Zentralverbandes der Bäcker- Innungen Deutschlands, die 17. und 13. August in Breslau abgehalten wird.— — Begnadigung von Schutzleuten. Aus Münzen- Gladbach wird unterm 23. Juli gemeldet: Die früheren Schutz- l e u t e Buchen, und M o ck von hier waren von der Straf- kammer in Düsseldorf wegen Körperverletzung im Amte zu je fünf M o>i a t e n G e f ä n g n i ß verurtheilt worden. Diese Strafen sind auf dem Gnadenwege in Geld st rasen von sünszig Mark umgewandelt worden.— — Nicht-sächsisches aus Sachsen. Das Zwickauer Landgericht hat den nicht sozialdemokratischen Redak- teur Läwmerhirt in Treue», der wegen Beleidigung des dortigen Stadtraihs augeklagt war, freigesprochen, da das Gericht der An- ficht war, daß der Angeklagte als steuerzahlender Einwohner und und als Redakteur berechtigt gewesen sei, Mßstände in der städtischen Verwaltung zu besprechen und zu kritisiren.— Wir sind begierig ob in Prozessen gegen unsere Parteigenossen diese sehr vernünftige Auffassung auch zur Geltung kommen wird.— — Die oldenburger Landtagswahlen sind auf den 15. Oktober festgesetzt worden; vom 24. bis 27. September finden die Wahlen von Wählmännern statt.— — Zur Nachwahl in Mainz. Genosse Joest ver- öffentlicht an der Spitze der„Mainzer Volks-Zeitung" folgende Erklärung: An meine Wähler! Als am 6. Mai 1893 der deutsche Reichstag wegen Ablehnung der Militärvorlage aufgelöst wurde, erklärte ich in einer an dem- selben Tage stattgehabten Fraktionssitzung, daß es meine Zeit nicht erlaube, nochmals ein Mandat für den deutschen Reichstag anzunehmen. Dieses Vorhaben wurde jedoch mit dem Be- merken bekänipst, daß jeder auf seinem Posten bleiben müsse und jede Fraktion habe Mitglieder, die nur selten an den Sitzungen des Reichstages theilnehmen könnten. Ich entschloß mich nunmehr, und nachdem auch die Mainzer sich auf diesen Standpunkt stellten, zur Annahme der Kandidatur. Ein Jahr nach meiner Wiederwahl erkrankte meine Frau, die mir im Geschäfte eine unersetzliche Stütze war; diese Erkrankung endigte mit dem herbsten Verlust, der mich treffen konnte, und bin ich seit dem Tode meiner Frau in allen geschäft- lichen Dingen, die ich nicht selbst erledigen kann, auf fremde Hilfe augewiesen. Ich sehe mich nunmehr veranlaßt, meine schon seit Monaten ineiue» Parteigenossen kundgegebene Absicht, fäiumtliche mir übertragene Mandate niederzulegen, zur Aus- führung zu bringen. Indem ich meinen Wählern für das mir geschenkte Ver- trauen danke, theile ich denselben mit, daß mit dem Erscheinen dieser meiner Erklärung auch den amtlichen Stellen die nöthige Mitlhcilung geworden ist. Im Anschluß hieran erläßt der Parteivorstand Mainz fol- gende Aufforderung: Parteigenossen! Die oben begründete Mandatsiiiederlegimg«INseres lang- jährige» Vorkämpfers wird einen heißen Wahlkampf hervor- rufe». Außer den ohnehin fälligen Neuwahlen zum Hefsischen Landtag wird eine Reichstags- Ersatzivahl für den Wahlkreis Mainz- Oppenheim stattzufinden habe». Daß dabei von vornherein alle Kräfte angespannt werden müssen, um unserer guten Sache zum Siege zu verHelsen, darüber müssen sich alle klar sein. Die Gegner werden alles aufbieten, um uns das 1890 ruhmvoll eroberte Mandat zu entreißen. Aus denn, Ihr Gesinnungsgenossen in Stadt und Land, tretet ein für Euer höchstes politisches und menschliches Jnter- esse! Helft alle, alle mit. die Ihr es ehrlich meint mit dem Recht und der Freiheit, mit dem Glück und dem Fortschritt des Volkes! Thue jeder Einzelne feine Pflicht! Hoch die Sozialdemokratie! Der Parteivorstand Mainz. Schweiz. — Die Unruhen in Zürich nehmen einen bedenk- lichen Charakter an. Heute liegen aus Zürich folgende Depeschen vor: Gestern Abend von 8 bis II Uhr fand ein gewaltiger Tumult im Außenquartier Wiedikon statt. Ein von 70 Italienern bewohntes Haus wurde vollständig ausgeräumt, eine italienische Wirthschaft gänzlich demolirt. Die Polizei wurde mehH»ch ver- f:ärkt und mußte von ihren Revolvern Gebrauch machen. Es anden zahlreiche Verletzungen statt, ein Bürger wurde tödtlich verwundet. Die ersten Schüsse wurden vom Publikum abgegeben. Auf dem Kasernenplatz sammelte sich gleich- zeitig eine große Menge und es entstand ein unbeschreiblicher Lärm. Zwei Fenster der Kaserne wurden eingeworfen. Das Militär nahm viele Verhaftungen vor. Augenblicklich herrscht Ruhe. Der Regierungsrath beschloß, die Züricher Jnfanteriebataillone 70 und 71, sowie Kavallerie sofort einzuberufen. Aus Bern wird telegraphirt: Der italienische Gesandte hat, ohne wegen des Züricher Krawalls Reklamationen anzubringe», dem Bundesrathe die Er- Wartung ausgesprochen, daß die Behörden der Schweiz die Italiener schützen werden. Das italienische Generalkonsulat in Zürich suchte bei der Gesandtschaft in Bern um Instruktionen nach�uud verlangte bei den Behörden Schutz des Lebens und Eigenthums der Italiener. Die Behörden zeigten»ach jeder Richtung Entgegenkommen.— Der Züricher Justizdirektor berichtete heute Nachmittag dem Bundesrath, die Ruhe sei in Außersihl wiederhergestellt, weitere Störung werde nicht erwartet. Der Bundesrath er- widerte, über das Züricher Rekruten-Bataillon könne nicht weiter »erfügt werde», weil die Mannschaften zu kurze Zeit im Dienste ständen; wenn weitere militärische Hilfe nothwendig wäre, so folle die Züricher Regierung Kantonslruppen ausbieten. Nach einer Mittheilung der Sladtpolizei. wurden heute die Ver- hafteten, etwa 80 an der Zahl, alle verhört, 35 bis 40 derselben sind bereits in Freiheit gesetzt. Weitere Freilassungen werden abends erwartet.— Das Gerücht von dem Tod eines Polizisten und Arbeiters wird für völlig unbegründet erklärt. Nachmittags sammelten sich etwa 1500 Personen vor der Kaserne, in welcher die Gefangenen waren, an. Eine Kompagnie Rekruten räumte den Platz. Mehrere Personen wurden dabei in die Sihl gestoßen, ein Unglücksfall ist jedoch nicht vor- gekommen. Frankreich« Paris, 28. Juli.(Eigener Bericht.) Ministerielle Tisch- reden gehören bekanntlich in Frankreich zum Regierungs- Handwert. Herr Meline entledigt sich aber dieser Re« gierungs-Anfgabe mit einem seine Anhänger beunruhigenden Eifer. Jede weitere„große Rede" läßt ihn und seine Politik kleinlicher und lächerlicher erscheinen. In seiner letzten Rede zu Saint-Die verstieg er sich zu Iben, originellen Gedanken, daß die parlamentarische Opposition nur dann Existenzberechtigung habe, wenn sie ihr eigenes Programm in die Tasche steckt, um an der Verwirklichung des Ltegierungsprogramms mitzuarbeiten. Andernfalls sei das Regieren Unmöglich. Ferner plauderte der Ministerpräsident mit waldnrsprünglicher Naivetät den geheimen Gedanken der Bourgeoispartei aus, daß die Radikalen, geschweige denn die Sozialisten, nie und nimmer nach der Regierungs- macht streben dürften. Das Regieren sei eben das Monopol der Geldsack- Republikaner.--- Die ministerielle Presse stimmt selbstverständlich dieser Auffassung rückhaltfos zu. Zugleich giebt sie aber dem naiven Redner deutlich zu verstehen, daß er, Meline, mit der Geldsackpartei nicht nothwendig identisch sei. Vor allem, heißt es z. B. im„Temps", müsse die Regierung auf die R e n t e n st e u e r verzichten, widrigenfalls würde ihre Existenz in Frage gestellt werden. C a l v i g n a c, der willkürlich verhastete Bürgermeister von Carmaux, wurde obendrein wegen Beleidigung seines Unter- geben«», des Polizeikommissärs, der ihn verhastet hatte, vor das Toulouser Gericht verwiesen. Die Prozeßverhandlungen haben gestern begonnen. Es hat sich nun herausgestellt, daß die Ver« Haftung ein zwischen dem Präsekten und Kommissär abgekartetes Spiel war. Der Vorsitzende ist derselbe Tcndenzrichter, der kürzlich das Recht zu gunsten Resse'guier's beugte. Das Ver» langen des wüthenden Staatsanwalls, Carmaux endgiltig von Calvignac zu„befreien", dürste also erfüllt werden. Belgien. — DieProvinzial wähle» haben auf gruud amtlicher Ermittelungen haben folgendes Ergebniß geliefert: Es waren 326 Provinzialräthe in III Wahlbezirken zu wählen. Ohne Wahl- kämpf wurde» 98 Provinzialräthe und zwar 92 Klerikale und 6 Liberale in 39 Wahlbezirken gewählt. Um die übrigen 228 Sitze wurde gestritten. Gewählt sind 163 Provii�ial- räthe und zwar 112 Klerikale, 42 Liberale und 9 Sozialisten. Zur Stichwahl kommen 65 Sitze, mii die sich 52 Liberale. 41 Klerikale, 37 Sozialisten bewerben. Benierkenswerth ist, daß die meisten Stichwahlen in den Pro- vinzen Lüttich und-Hennegnu stattfinden, und zwar 31 in der Provinz Lüttich und 16 im Hennegau. Bis jetzt haben die Katholiken 6 Sitze, die Liberale» 4 Sitze und die Sozialisten 2 Sitze gewonnen. Die Zusammensetzung von vier Provinzial- räthen steht schon heute fest: Ostflandern: 73 Klerikale, 15 Liberale, Westflandern: 73 Klerikale, 3 Liberale, Limburg 44 Klerikale und Luxemburg 33 Klerikale, 11 Liberale. Bei den übrigen fünf Provinzialräthe» entscheidet erst das Ergebniß der Stichwahlen über ihre Zusammensetzung.— England. London, 23. Juli. Einer Blättermeldung zufolge l e h n t e Lord Salisbury das Gesuch des Prinzen von Wales um Erhöhung der Einkünfte des letzteren ab. Rußland. — Erfolge in den Balkan st aaten. Nach in Petersburg vorliegenden Meldungen verlautet, daß die russische Sprache vom nächsten Schuljahre ab in Montenegro. Serbien und Bulgarien als obligatorischer Lehrgegenstand eingeführt werden wird.— Griechenland. — Ein gemeinsames Vorgehen der Groß» mächte gegen die Regierung, welche die aufständischen Be- wegungen i» der Türkei nnterftützt, wenn sie dies auch offiziell ableugnet, soll bevorstehen. Die Wiener„Politische Korrespondenz" meldet aus Konstan- tinopel einig« zuverlässige Daten über die Unterstützung der Aufständischen auf Kreta seitens Griechenlands. Ilm 21. d. M. landete ein griechisches Schiff mit Freiwilligen bei Rhodolos, worauf an die Christen in den»inliegenden Ortschaften Waffen und Munition verlheilt wurden. Am 23. d. M. landete» griechische Frei- schärler in San Nicola bei Canea und griechische Segelschiffe mit Freiwilligen, Waffen und Munition für Kreta an anderen Stelle». Hieraus erhelle, daß griechischerseits eifrig auf die Weiterverbreitung des Ausstandes nach der bisher ruhigen West- Hälfte der Insel hingearbeitet iverde. Diese Vorgänge hätten auch Vorstellungen der Mächte bei der griechische» Regierung veranlaßt.— Amerika. — Ein wichtiges zollpolitisches Ereiguiß wird aus Mexiko gemeldet: Am 1. Juli ist ein Znsatz zur Konstitution der Republik Mexiko in kraft getrete», laut ivelchem die von den Einzelstaaten und Provinzen seither erhobenen Zölle fortan in Wegfall kommen. Die Wichtigkeit dieser Reform kann kaum überschätzt werden. Mexiko umfaßt«in Gebiet von 765 600(englischen) Quadratmeilen mit einer Bevölkerung von zwölf Millionen Seelen. Im vorigen Jahre wurden fabrizirte Waaren im Werth« von 200 000 000 M. aus dem Auslände importirt, wovon mehr als die Hälfte aus de» Ver. Staaten bezogen wurde», doppelt so viel wie aus England, Deutschland und Frankreich zusammen genommen. Der größte Hemmschuh für«ine gedeihliche Ent- Wickelung des Exportverkehrs nach Mexico, die endlosen Zoll» Plackereien, ist jetzt mit einem Schlage hinweggeräumt. �ttrkei�MlWfzvilfzken. Die deutsche Gesellschaft für ethische Knltur veröffent. licht eine Erklärung zu gunsten unserer im Essener Meineidsprozeß verurtheilten Parteigenossen. Es wird darin durch eingehende Besprechung der Zeugenaussagen und der sonstigen Vorgänge in der Gerichtsverhandlung die Unwahrscheinlichkeit dargethan, daß die Verurtheilten schuldig sind, und als weitere Begründung dessen wird aus der Kölner Gerichtsverhandlung gegen unseren Genossen Hofrichter angeführt, daß das Gericht zu dem Resultat gekommen ist, die Veranlassung, wodurch Schröder zu Falle gekommen, sei nicht aufgeklärt. „In dieser ErklärungderKölner Strafkammer," sagt die genannte Gesellschaft,„trete» die vorerwähnte» Unsicherheiten der Grund- lagen für die Essener Schwurgerichts-Entscheidimg aufs neue »»verkennbar zu tage, und es hat sich in der That in der ganzen Kölner Verhandlung aufgrund einerReihe von Zeugenaussagen, von denen auch mehrere aus den Kreisen der Mitglieder der christlichen Bergarbeilervereine herrühren, aufs deutlichste die Möglichkeit eröffnet, daß die Aussagen von Schröder und Genossen sogar von dem wirklichen Sachverhalt bei weitem nicht so entfernt geblieben sind, wie es in dem Ergebniß der Essener Verhandlungen an- genonmien worden ist. Unter diesen Umständen glauben die unterzeichneten Mitglieder der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur, getreu den von ihrer Gemeinschaft übernommenen Pflichten, sich an die weitesten Kreise des deutschen Volkes mit der Aufforderung wenden zu sollen, auch ihrerseits die Angelegenheit ernstlich zu erwägen. Wir bitten diejenigen, welche zu einer mit der mlserigen übereinstimmenden Ansicht über dieselbe konunon, dies uns kundgeben zu wolle». damit diese Zustimmungen zu der vorstehenden Erklärung nicht blos in die Oeffentlichkeit, sondern auch an die zuständige Stelle zebrächt werden können, um dort inständigst zur Erwägung zu stellen, ob es nicht gerechtfertigt ist, gegen die unglücklichen Ver- urtheilten des Essener Prozesses baldigst Gnade wgstei, zu lassen, und dadurch zugleich dem Gewtfsen und Gerechtigkeitssinn vieler Beruhigung zu gewähren." Es handelt sich also um ein G n a d eqg esu ch an den König. Die Erklärung der Gesellschaft ist bereits unterzeichnet i »«« b«n Herren Direktor Professor Dr. Döring(Berlin)) Geheimer Negierungsrath Professor Dr. W. F o e r st e r (Berlin), Fabrikbesitzer und Stadtverordneter Dr. I. Ginsberg (Berlin). Mitglied des Reichstages Dr. H. Pachnicke(Berlin), Dr. R. P e n z i g(Charlottenburg), Dr. Arthur P f u» g st (Frankfurt a. M.), Rechtsanwalt Dr. Rothe(Berlin), Frau Jeanette Schwerin(Berlin), Frau Marie Stritt (Dresden), Prof. Dr. Ferd. T ö n n i e s(Hamburg), Professor Dr. W. Wislicenus(Straßburg), Dr. Paul Artmann von der juristischen Fakultät zu Berlin, Jnstizrath und Notar Hans Zt i em ey er, Dr. ju,-. B i c t o r N i c m cy e r, Rechtsanwälte in Essen und anderen Angehörigen der bürgerlichen Gesellschaft. Weitere Zustinimungserklänmgen bittet die Gesell- schaft an Herr» Dr. P e n z i g in Charlottenburg, Knesebeckstr. 6, zu sende».— I". der heutigen Zeit der Sozialistenhatz berührt es sympathisch, daß Angehörige der bürgerlichen Gesellschaft sich noch der Mcnschenpflicht erinnern, einzutreten für Unglückliche, die nach unserer Ueberzeugung durch einen Fehlspruch ins Zuchthaus geschickt wurden. Aber die Begnadigung, die geheischt werden soll, giebt unseren schuldlose» Parteigenossen nicht die bürgerliche Ehre wieder, die sie zu beanspruchen haben; aus demselben Grunde schon verzichteten die Berurtheilten ans das Anrufen der königlichen Gnade. Wir und sie können unsere Hoffnung nur auf das Wiederaufnahme- verfahren setzen, das bereits beantragt ist. Wo, wie beim Essener Prozeß, die Thatsachen so laut sprechen, daß «in Fehlspruch gefällt wurde, da kann sich— nehmen wir an— kein Gerichtshof der Pflicht verschließen, dem Begehren nach Wiederaufnahme des Verfahrens zu entsprechen, und daß dieses zur Freisprechung unserer braven Genossen führen muß, dessen sind wir sicher. Die gerichtliche Anerkennung der Schuld- losigkeit eines Berurtheilten aber wiegt für diesen die Be- gnadigung hundertfach auf. Ucbcr den Geist, der die H a l l i s ch e G e n e r a l- V e r- f a M m l u n g des Verbandes deutscher Buchdrucker beherrschte, äußert sich K a r l H ö g e r, der Verbandsvorstand der ö st e r r e i ch i s ch e n Buchdrucker, welcher in Halle als Gast anwesend war, in einen Situationsbericht im österreichischen Aerbandsorga»: „Den einzigen Vorwurf konnte Gasch mit Fug und Recht erheben, daß der Verbandsvorstand(auch nach unseren österreichische» Begriffe») zu konservativ vorgegangen. Zlber hierin war gerade Gasch mitschuldig, denn noch vor wenigen Monaten(es ging dies aus der Verlesung von Briefen an Döblin hervor) halle sich Gasch mit diesem Konser- vatismus vollständig einverstanden erklärt, und wir wundern uns dessen gar nicht, denn wir haben gefunden, daß ein Großtheil unserer deutschen Kol- legen leider noch sehr konservativ ist— noch viel, viel konservativer wie der Verbands- v o r st a n d selbst." Dieses Urtheil Höger's, der nebenbei bemerkt zu unseren ältesten österreichischen Parteigenossen gehört, klingt etwas anders, und wie wir glauben, den Thatsachen entsprechender, als das Urtheil, dem wir vor einigen Tage» i» unserem Hamburger Bruderorgan„Echo" begegneten, das ersichtlich von einem Theilnehmer der Hallenser Versammlung herrührte und nach weichem die Delegirten in Halle fast nur aus Parteigenossen be- standen haben sollen. Wir halten solche Schönfärberei für falsch. Man soll sich nicht Freunde andichten, wo man sie nicht hat, und nicht Hoffnungen erwecken, die im Falle der Roth nur Ent- täuschungen bringen. Soziale Mebevilchk. Teu Bnreaukratismns im preußischen Eisenbahnwesen charakterisirt, wie er leibt und lebt ein B e t r u g s p r o z e ß, der von der preußischen Eisenbahnverwaltung gegen einen Arbeiter angestrengt ist, weil, wie Dr. Engel's Zeilschrift„Der Zonentarif" mittheilt, der Arbeiter die Fahrkarte nach einer Station benutzt hat, nicht um zu fahren, sondern um den Bah»steig zu betreten. Eine Karte für letzteren Zweck kostet bekanntlich 10 Pf., die Fahr- karte des Arbeiters kostete aber blos 5 Pf. Wenn die preußische Eisenbahnverwaltung auf Gebieten, wo das viel»öthiger wäre, ihren Scharfsinn auch nur entfernt so anstrengen würde, wie hier, wo es sich darum handelt, dem Käufer einer Fahrkarte das selbstverständliche Recht zu be- schränken, den Bahnsteig zu betreten, es wäre z. B. in den Ver- kehrsverhältnissen der Bahnen und in den Lohn- und Arbeits- Verhältnisse» der Bahnangestellten im Handumdrehen der so noth- wendige Wandel geschaffen. Die Zeitschrist„Zonentarif" unterzieht denn auch das Ver- fahren der Eisenbahnverwaltung der gebührenden Kritik und führt dann aus: „Eine der grundlegenden Bestimmungen des geltenden Rechts lautet:„Wer Gebrauch von seinem Recht macht, verletzt niemanden." Da nun unzweifelhaft jeder, der eine Fahrkarte besitzt, gleichviel von welchem Werthe, unbestreitbar das Recht hat, den Bahnsteig zu betreten, ob er fahren will oder nicht, so verstehen wir nicht: erstens, wie es möglich war, daß die Eisenbahnverwaltung einen Strafantrag stellen konnte; zweitens, wie ein Staatsanwalt diese Klage annehme» konnte; drittens, wie eine Anklagekamuier dazu gekomnien ist, die Klage zuzulassen und eine Hauptverhandlung anzuberaumen. Die Schuld, ivenn überhaupt eine Schuld vorliegt, trägt ausschließlich die Eisenbahnverwaltung, die für die größere Leistung(Betreten des Bahnsteigs u n d eine Fahrt) einen geringeren Preis fordert als für die kleinere Leistung. Auch lautet ein Grundsatz jeder Rechtswissenschaft: Wer das Recht hat, das Größere zu thun, hat auch das Recht, das darin enthaltene Kleinere zu thun. Aber die Eisen- b.rhn-Verwaltung weiß das alles besser! Hoffentlich wird sie durch den Richter belehrt, was in Deutschland wirklich Recht ist. Im allersonderbarsten Lichte erscheint aber die Anklage, wenn man weiß, daß die Klägerin an anderen Stellen, z. B. auf Berliner Bahnhöfen, in den Automaten mit der Ausschrist„Bahnsteigkarlen" gewöhnliche Fahrkarten ver- kauft, die zur Fahrt bis zur fünften Station berechtigen. Und hierauf wollen wir den Vertheidiger des angeklagten Arbeiters besonders aufmerksam machen." Die Buchdrucker-Jnnung i» Dresden hat den Beschluß gefaßt, daß künftig die jungen Leute, die sich dem Buchdruck- gewerbe widmen wollen, einer ärztlichen und einer p ä d a g o- g i s ch e n Prüfung zu unterziehen sind, bevor sie als Lehrlinge angenommen werden. Anhalt ist in bezna auf daS Koalitionsrecht auch eine„schone Gegend". In Harzgerode sollte eine Filiale des Deutschen Schneiderverbandes gegründet werden. Auf die vorschriftsmäßige Anmeldung der Filiale ging der Be- scheid ein, die Filiale sei auf grund des anhaltischen Vereins- gesetzes von 18S2 untersagt. Na, wenn»ich, denn nich, sagen die Harzgeroder Schneider gemüthsruhig und organisiren sich unter dem Banner, das ein V e r t r a u e n s n> a n n hält. Bayerisches Fabrikinspektorat. Zu der gestrigen Notiz ist nachzutragen, daß auch das Fabrikinspektorat für Unter- Stanken einen neuen Assistenten erhalten hat. Es ind im ganzen 5 neue Assistenten angestellt, und zwar je einer in Oberdayern, Ober- um> Unterfranken, in Schwaben und in der Pfalz. GvtvevKflljafiliches. Achtung, Lederarbeiter(Portefeuiller) k Der bedeutungsvolle Augenblick ist gekommen, wo die Leder- arbeitet Berlins sich in Bewegung setzen, um ihre an das Weber- elend des Eulengebirges erinnernden wirthschaftlichen Verhälb »isse etwas zu verbessern. In der sehr stark besuchten Versamm- lnng voin LS. d. M. wurde beschlossen, daß die Kollegen in den Geschäften, wo bis spätestens Sonnabend die Forderungen nicht bewilligt sind, mit aller Kraft in den Streik ein- treten sollen. Jetzt, Kollegen, ist es Eure Pflicht, mit allen gesetzliche» Mitteln Mann für Mann und Schulter an Schulter zu kämpfen, um zu beweisen, daß Ihr nicht gewillt seid, unter den bisherigen Zuständen weiter zu leben und an Euch selbst wird es liegen, daß der Zeitpunkt bald kommt, wo wir ausrufen können: Sieg auf der ganzen Linie! Durch die Einigkeit der Kollegen, sowohl der Werkstuben- wie der Hausarbeiter, ist es bereits gelungen, bei folgenden Firmen mit unseren Forderungen durchzudringen: Gutt mann, R» n g, Weiß u. K ü n d i g e r, Marschall, S i in o n s o h n, Sommer u. Schwarz. Die Arbeit nieder- gelegt haben gestern die Kollegen bei L o t h u. W e i l a n d, Dresdenerstr. 88/89, P ü s ch e l, Dresdenerstr. 38, und K e ß n e r, Moritzftr. 5. Wir ersuchen also die Kollegen, die noch Forderungen stellen wollen, solches im Laufe der Woche zu thun und das Ergebniß der Lohnkommisston zu übermitteln. Die L o h n k o m m i s s i o n. (Vertreter derselben sind von morgens 9 bis abends im Restaurant von Th. M e tz n e r, Oranienstr. 184, anwesend.) Sämmtliche arbeitersreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Au die Arbeiterschaft Berlins? Wie bekannt, entließ die Direktion der Berliner Packet- fahrt-Aktien- Gesellschaft am Montag, den 15. Juni, ca. 89 ihrer Angestellten mit der Begründung, daß sie mit ihnen keinen Kontrakt mehr abschließe, weil sie theilweise ihre Schuldigkeit nicht gethan und ferner im Betriebe in„auf- fälliger" Weise für den Verband der Handelshilfsarbeiter agitirt hätten. Die Direktion verwahrte sich ganz entschieden dagegen, die betreffenden Personen wegen ihrer Betheiligung an der voraufgegangenen Lohnbewegung gemaßregelt zu haben. Wie weit diese Behauptung auf Wahrheit beruht, wird wohl zur genüge folgende Auskunst beweisen, welche über einen der entlassenen Angestellten von der Direktion gegeben worden ist. Die Auskunft lautet: „Auf Ihre Anfrage vom L3. d. M. theilen wir Ihnen ergebenst mit, daß wir den p. t...... als einen ehrlichen, nüchternen und fleißigen Menschen empfehlen können, dem wir auch in Behandlung der ihm anvertrauten Pferde nur das beste Zeugniß ausstellen können. Seine Entlassung mußte zu unserm Bedauern erfolgen, weil er sowohl schon in früherer Zeit, als auch bei der letzten Lohn- bewegung unseres Personals sich in hervorragender Weise an der Ülgitation betheiligte, seine Kameraden aufhetzte und auch in öffentlicher Versammlung die Leitung der Gesellschaft in ganz ungebührlicher Weise angriff. Hochachtend Z Berliner Packelfahrt- Aktien- Gesellschaft. Die Direktion: von L i n d h e i in." Dieses Selbstkonterfei genügt zur Kennzeichnung der so human sein wollenden Direktion. Nicht nur, daß man den Arbeiter trotz Ehrenwort entläßt, man hindert ihn durch eine solche Aus- kunst auch noch daran, sich anderweit Arbeit zu verschaffen. Außerdem entspricht die Auskunft nicht einmal der Wahrheit, speziell der letzte Sah ist, gelinde gesagt, ein starker Jrrthum. Die öffentliche Versammlung der Delegirten zur Berliner Gewerkschaftskommission vom 19. Juli 1896 beschloß nunmehr, in den Gewerkschaften dahin zu wirken, daß der Berliner Packet- fahrt-Zlktiengesellschaft so lange keine Briefe, Karten k. zur Bestellung übergeben werden, bis dieselbe ihren Angestellte» die- jenigen Vergünstigungen zu theil werden läßt, welche ihnen durch Ehrenwort, gegenüber der Kommission sowohl als auch vor dem Berliner Gewerbegericht zugesichert worden sind. Wir fordern nunmehr die Arbeiter Berlins auf, diesen Be- schlich zur vollen Durchführung zu bringen und uns so in dem Kampfe gegen die Uebergriffe des Unternehmerthuins zu unter- stützen. Des weiteren machen»vir auf die Beschlüsse aufmerksam, die betreffs der Berliner Privatpost gefaßt worden sind. Der Vertrauensmann der Handels-Hifsarbeiter. I o h. H o s f m a n n. An die Metallarbeiter Bcrlius i Morgen sind es 13 Wochen, seitdem sich unsere Kollegen aus Anlaß der Maifeier im Ausstande befinden. Ihre Haltung ist vorzüglich. Dem Unternehmerthum ist es bis auf den heutigen Tag nicht gelungen. Streikbrecher in genügender Zahl auf- zutreiben. Die Arbeit drängt mit jedem Tage mehr, sodaß die Aussicht, den Kampf zu grinsten der Arbeiter zu beenden, immer näher rückt. Angesichts der günstigen Lage des Ausstandes und ivegen der großen Opfer, die die Aus- ständigen bisher gebracht haben, beschlossen die Vertrauensleute der Berliner Metallarbeiter, am I. Angnst den verheiratheten Aus- ständigen wiederum 19 M., den ledigen SM Extra-Unterstühung zu gewähren. Wir richte» daher an alle beschäftigten Metallarbeiter die Bitte, die Sammlungen unermüdlich f o r t z n- setzen. Kollegen, die Kühnemänner möchten unter allen Um- stände» unsere Organisation vernichten, trage daher jeder Metall- arbeitet dem Beschluß, wöchentlich S9 Pf. zu zahlen, Rechnung, und es wird uns gelingen, die Sache zu gunsten der Arbeikr beizulegen. Ferner machen wir bekannt, daß sämmrliche F» r»> e r und Gießerei- Arbeiter der Firma Franz Sperner, Mathieustr. 18, weil sie Arbeite» für gesperrte Firmen herstellen sollte», die Arbeit eingestellt haben. Ter Zuzug ist nach allen schon bekannten Werkstätten fernzuhalten. Die Arbeiterpresse Deutschlands ersuchen wir, darauf hinzuweisen, daß die Unternehmer Arbeit für gesperrte Firmen unter falscher Firma außerhalb Berlins anfertigen lassen wollen. Also Vorsicht! Der Vorstand des Berliner Metall- arbeiter-Verbandes. Achtnng, Zimmerer! In dem Baugeschäft von Möbius in Charlottenburg haben an der neuen Brücke ans dem Holzplatze von Zimmermanir u. Sohn die Zimmerer am Dienstag die Arbeit niedergelegt, weil die Sstündige Arbeitszeit nicht eingehalten ivird. Wir ersuchen unsere Berufsgenosse», dies zu be- achten. Alles andere in der nächsten Nummer des„Vorwärts". Die Lohnkomniffsion der Berliner Zimmerleute. Achtung, Maurer Berlins! In dem diesjährigen Lohn- kämpfe habt Ihr bewiesen, daß es Euch ernst war, den Neun- stundentag zu erringen. Um nun aber diese Errungenschaft auch für die Zukunft aufrecht zu erhalten, ist es nöthig, gegenseitig Fühlung zu behalten, und da hat der Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins die Morgensprache eingejührt, welche jede» Sonntag Vormittag in den bekannten Zahlstellen stattfindet. Außerdem werden die Mitglieder aufgefordert, ihre Wohnung bei den Hilfskassirern anzugeben. Der Vorstand. Der Streik der Präger bei der Firma Priester u. Eyck in Berlin ist nach vierwöchigem Kamps zu gunsten der Ar- beiler beendet. Chirurgische Branche. Der Streik bei der Firma F r o m h o l z i» B e r l i n ist zu gunsten der Arbeiter beendet. Zur Steinseherbewegnug wird uns geschrieben: Die alber st ädter Steinsetzer haben ihre Lohnfordernng voll- /tändig durchgesetzt. Als die Unternehmer sahen, daß es den Arbeiter» mit ihrer Forderung wirklich Ernst war, ließen sie den anfänglichen'Widerstand fahren. I» Hamburg sindl die Differenzen wegen der Ueberlandarbeit immer noch»ichi be- seitigt, zedoch habe» sich trotz der augenblicklichen Geschäftsflaue noch keine Arbeiter gefunden, die diese Arbeiten unter dem auf- gestellten Tarif auszuführen bereit wären. Infolgedessen haben einzelne Unternehmer ihre Bereitivilligkeit erklärt, unter gewissen Bedingungen mit der Arbeiterschaft zu unterhandeln. Vorläufig ist aber noch streng für Fernhaltung des Zuzuges zu sorgen. Dasselbe gilt für Oschersleben und Querfurt. In Halle a. S. sind die Steinsetzer ebenfalls in die Lohnbewegung eingetreten. Sie verlangen: vom I. August ab 42� Pf- Stundenlohn, vom I. Mai 1897 ab 45 Pf.; Ueberstunden sollen mit S9 pCt., Nachtarbeit mit 199 pCt. Aufschlag bezahlt werden. Die Arbeiter verpflichten sich bei Annahme dieser Forderungen seitens der Unter- nehmer vor dem Jahre 1999 keine Lohnerhöhung zu forderu, wenn sich die Unternehmer ihrerseits verpflichten, bis dahin keine Lohnherab- setzung vorzunehmen. Falls die Unternehmer ein Eingehen aus diese Forderungen ablehne», wird es wahrscheinlich am 3. August zur Arbeitseinstellung komme». Es ist deshalb auch von Halle a. S. bis auf weiteres Zuzug fern zu halte». In der Schuhfabrik von Engelhardt u. Co. in Kassel haben sämmtliche Zwicker ihre Utägige Kündignng eingereicht. Sie ersuchen, den Zuzug streng fernzuhalte». In Leipzig haben, wie unser dortiges Parteiorgan berichtet, in der Buchdruckerei von Grumbach 29 Maschinen- »i e i st e r die Arbeit eingestellt, weil einer ihrer Kollegen entlassen wurde als Antwort auf seine Weigerung, Ueberstimden zu arbeiten. In de» Druckereien von H i r s ch s e l d und A u g u st Pries habe» die Setzer die Arbeit eingestellt, beziehentlich gekündigt, weil ihnen die Vortheile des neuen Tarifs vor- enthalten werden sollen. Die letztere Druckerei sucht im Tageblatt Nicht Verbandsmitglieder als Ersatz für die in Kündignng stehenden Arbeiter. Bei Hirschfeld sind 8 Setzer stehen gebliebe». In Chemnitz haben wegen Maßregelung eines Kollegen 23 Arbeiter und 1 Arbeiterin der N a d e l f a b r i k von E b e r s b a ch u. Kühn die Arbeit niedergelegt. Anfragen ec. sind zu richten an Robert Krause, Chemnitz, Oststr. 36, 3.— Ferner haben in Chemnitz die Former der Firma Rudolf B a r t h e l die Arbeit eingestellt, weil sie sich einen Lohnabzng von 162/z pCt. nicht wollten gefallen lassen. Sämmtliche Arbeiter der Brauerei Währiug in Wien stehen im Ausstand wegen Maßregelung von acht Kanicraden und wegen Aufoklroyirung einer ungesetzliche»(!) Arbeitsordnung. Zuzug ist fernzuhalten. Tie streikenden Weber in Prostnitz in Mähren ersuchen die Textilarbeiter Deutschlands dringend um Unter- stützung. An dem Ausstande sind, wie uns von dort mitgetheilt wird, zirka 1299 Arbeiter betheiligt, wovon drei Viertel für Familienangehörige zu sorgen haben. Wer rasch hilft, hilft doppelt!— Daß die Weber des ge« nannten mährischen Ortes thatkräftigste Sympathie verdienen, wird man ans der Mittheilung entnehmen, daß sie bei meist 18—29 stündiger Arbeitszeit täglich kaum 39—49 Kreuzer verdienen, weil sie alle Vorarbeiten, die anderwärts der Unter« nehmet besorgt, selbst und zwar ohne Bezahlnng ausführen müssen. Sendungen sind zu adressiren an den Sekretär der österreichischen Gewerlschaftskonimissio», Genossen H u e b er Wien VI, Kopernikusgasse 12. Vom schweizerischen Bierboykott wird uns aus Zürich geschrieben: Der Bermittelungsvorschlag der St. Galler Arbeiter- union ist von de» 3tingbra»ern abgelehnt worden, desgleichen die neuerdings vom Winterthurer Stadtpräsidenten G e i l i» g e r. Präsident der Verwaltungskommission des städtischen Ardeils- Nachweises und des Einigungsamtes angebotene Vermittlung. Dieses Verhalten läßt unseres Erachteus nur zwei Schlüsse zu, nämlich daß erstens der Boykott die großen und terro- risirenden Ringbrauereien noch nicht sehr empfindlich ge- schädigt hat und daß zweitens die großen Ringbrauer die kleinen Brauereien, welche sie auf bauernsängerische Art in den Ring gezogen, nun auch durch den Boykott ruiniren wollen. Di« 33 großen Brauereien mit mehr als 19 999 Hektoliter Jahresproduktion partizipiren nämlich an der gesammten schweizerischen BierprodukUon mit 3/5, die 275 mittleren und kleineren Betriebe dagegen nur mit 2/s, woraus das erdrückende Uebergewicht der erste«» deutlich hervorgeht. Nach Angabe des Brauerrings sind insgesammt 199 Ar- beiter ausgesperrt, wovon 61 verheirathet. Darunter befinden sich 165 Ausländer und angeblich nur 25 Schweizer. Die Zusammen- stellung ist sehr geschickt, wie die ganze bisherige Preßbearbeitung seitens des Brauerringes. DieAufmerksamkeitdes Publiknms wird aus chauvinistischen Erwägungen auf die 165 Ausländer —„Schwaben"— abgelenkt. Daß dieAushungerung der letztern eine niederträchtige Schandthat»ind der erster» nicht minder, wird auf diese Weise verschleiert; ebensowenig wird erwähnt, daß die Plätze der Ausgesperrten wieder ausschließlich mit ausländischen Brauergehilfen besetzt sind, daß eine Anzahl schweizerischer Brauereibesitzer Ausländer und daß die Ausländer ebenfalls Konsumenten des schweizerischen Bieres sind. Aus Antwerpen berichtet die„Kölnische Zeitung" in der ihr eigenen Weise: Der von englische» Agitatoren in Antwerpen angeregte internationale Verband der Hafen- arbeitet soll hauptsächlich der gleichzeitigen Veranstaltung von Ausständen in England, Holland und Belgien dienen und bei Zlrbeitseiustellungen in den beiden ersten Ländern den Schiffen die Möglichkeit benehme», ihre Ladung in belgischen Häfen zu lösche». Der monatliche Beitrag der Verbandsmitglieder ist auf 25 Cts. festgesetzt. Mehrere Ver- samnilungen der Hafenarbeiter auf öffentlichen Plätzen wurden polizeilich aufgelöst. Nun ist die Schauernachricht fertig, die dem deutschen Philister wohl wieder das übliche Gruseln vor internationaler Verbindung der Arbeiter beibringen wird. Der internationale HasenarbeiterfVerband betrachtet selbstverständlich den Streik nicht als Selbstzweck, sondern lediglich als letztes Mittel zum Zweck. Was er will, das ist die Verbesserung des Arbeitsverhältnisses, und daß dazu gerade bei den Hasenarbcitern der Nachbarstaaten England. Holland und Belgien gemeinsames Handeln nöthig ist, bedarf keines Beweises. Die organistrteu Marine- nud Dockarbeiter Grost- britanuieus fordern Erhöhung der Hafenarbeiler-Löhne. Für den Fall, daß sich die Unternehmer zu nichts verstehen, soll in 14 Tagen die Arbeit niedergelegt werden. Der Ausstand �würde zirka 1 Million Arbeiter unlfassen. Der Streik der Schiffswerft-Arbeiter in H e l s i n g ö r (Dänemark) wurde gestern durch eine Uebereinkunft, welche die Lohnsätze für einen längeren Zeitraum feststellt, beeiidet. Tie Bergleute in Newcastle bei Sydney i» Australien streiken seil mehreren Wochen wegen schlechter Bezahlung. Depeschcen und letzke Nachrichkvn. Brünn, 29. Juli.(W. T. B.) Die Stadl Wallachisch- Klobuk, in der Bezirkshailptmannschast Ungarisch- Brod, ist zur Hälfte abgebrannt. Haprc, 29. Juli.(W. T. B.) Ein von Lyon ko»i»>ender Anarchist namens Marie Berthe wurde hier verhaftet. London, 29. Juli.(W. T. B.) Das Unterhaus nahm nach fünfstündiger Debatte ohne Abstimmung die dritte Lesung der irischen Bodengesetznovelle an. Das Oberhaus nahm die erste Lesung deselben Novelle a». Athen, 29. Juli.(W. T. B.)(Meldung der„Agence'Havas".) Ein Bericht des Koi»ma»dauten des Kriegsschiffes„Lnwis" an den französischen Konsul bestätigt die Nachrichten über die Grau- samkeiten, welche die Muhamedaner in der Provinz Heraklewn verübt haben. Die Muhamedaner plünderten,»»iteislützt von türkischen Soldaten, 4 christliche Dörfer, entweihten die Kirchen und mißhandelten 13 Christen. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey, Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Hier»,, 1 Beilage. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 176. Kongrek. Sigung vom 24. Juli. Sigung vom 25. Juli. = : das Bureau 811 ver= Donnerstag, den 30. Juli 1896. 13. Jahrg. Dies Des Internationaler Metallarbeiter- Weißenfels reifte Göße wieder nach Hamburg, wo er nach Bolizei der Ansicht, daß es sich um die Veranstaltung bei der städtischen Sparkasse in Weißenfels hinterlegte. Von der Hand Billets an Freunde und Bekannte abseßen, ist die Verabredung mit Meta Fuchs zusammentraf. Unverzüglich schiffte einer öffentlichen Luftbarkeit" handelt und hat den Vorfich das Paar nach Amerifa ein.- Juzwischen war im Bankhause ständen vieler Vergnügungsvereine Strafmandate in der Bleichröder das lange Ausbleiben des Göße aufgefallen. Höhe von fünf Mart zugehen lassen. In den Straf= Nach Erstattung der Berichte von Bischof Hamburg und Sehr bald erschien auch im Bureau der Rentier Wahl, dem nach mandaten heißt es:" Sie haben am als Vorstand des Nather- Berlin wird der Antrag angenommen, bei zukünftigen dem Eingange der Glaaßen'schen Quittung die Anzeige zu Vereins N. N. einen Sommernachtsball unter Ausschluß der Kongressen die Berichte vorher gedruckt vorzulegen. gegangen war, daß sein Auftrag nunmehr ausgeführt war. Deffentlichkeit in dem Balllokale von N. veranstalten wollen und Der 4. Punkt der Tagesordnung:„ Die Organisationsfrage", Wahl war natürlich wenig erbaut von der Transaktion und dies bei dem zuständigen Revier angemeldet. Die Deffentlichkeit veranlaßt eine rege Diskussion. Es wird eine Kommission ebensowenig waren es die Inhaber des Bankhauses Bleichröder, blieb jedoch, da jedermann gegen Erlegung des Eintrittsgeldes eingesetzt, welche zu den Punkten: 4. Organisationsfrage; denen es nunmehr flar wurde, daß Göße ein Betrüger war. Die von 50 Pf. zugelassen wurde, nicht ausgeschlossen." 5. gegenseitige Unterstützung bei Streiks; 6. Reiseunterstützung; Kriminalpolizei wurde sofort in Kenntniß gefeßt. Nach längerem letztere bestreiten nun die Vereine, da am Abend der Festlichkeit 7. Internationales Sekretariat die geeigneten Vorschläge zu Bemühen ermittelte die Polizei, daß Göße in Begleitung der teine öffentliche Rasse eingerichtet gewesen ist, machen hat. In die Kommission werden gewählt Hobson, Meta Fuchs nach Amerika gereist war und sich in Philadelphia sondern die Billets schon vorher verkauft waren. Infolge Elbers, Segiz und Vogelsanger. aufhielt. Hier war Göße in verschwenderischer Weise auf dessen werden sie gegen die ihnen zugegangenen Strafgetreten, denn als er nach einiger Zeit in einem dortigen Hotel mandate jetzt den Klageweg beschreiten und zwar erforderlichenDen Vorsitz führt Braun Paris. Die Kommission be verhaftet wurde, fand man nur noch einen verhältniß- falls durch alle Instanzen hindurch. Die Wirthe richtet über ihre Berathungen. Danach bleibt das mäßig geringen Betrag von der von ihm veruntreuten aber, denen die Polizei mit Entziehung der Tanzinternationale Informations- Bureau bestehen. Jede Bereinigung Summe vor. Die Auslieferung machte wenig Schwierigkeiten. erlaubniß gedroht hat, werden auch ihrerseits zunächst beim Tann sich daran betheiligen. Jede Organisation ordnet ihre Da Meta Fuchs mittellos war, mußte sie in Philadelphia zurück- Polizeipräsidium in dieser Angelegenheit Beschwerde Angelegenheiten selbst, ohne Beeinflussung durch das Bureau. bleiben, Göze mußte in Begleitung zweier Polizeibeamten die führen und dann event. ebenfalls richterliche Entscheidung be Im übrigen gilt die Resolution des Züricher Kongresses. Von Rückreise nach Berlin antreten. antragen. Merkwürdig ist es bei der ganzen Angelegenheit, daß Etreits und Aussperrungen ift i m Die Anklage lautet auf schwere Urkundenfälschung und Be- jenes Vorgehen der Polizei nur Bereiche sändigen; es hat alsdann die Gewerkschaften zu informiren trug. Er hat dem Rechtsanwalt Wronker seine Vertheidigung 47. Polizei- Reviers stattgefunden hat, zu welchem der westund eventuell zur Hilfe auszufordern. Gelder hierzu sind durch übertragen. liche Theil der Hasenhaide gehört. das Bureau zu vermitteln. Die Reise- Unterstützung ist zu regeln Um 1/2 Uhr wurde der Angeklagte zur Verhandlung vorIn den Aschinger'schen Bierquellen versteht man sich zwischen den Verbänden der einzelnen Länder, da in Frankreich geführt. Thränenden Auges gab er auf Befragen des Vor- auf die gründliche Ausnutzung der Arbeitskräfte. Uns gehen und England fast niemand nach dem Ausland reist. fizzenden, Landgerichts- Direktors Oppert, feine Schuld zu. Er daüber folgende Mittheilungen zu:„ In Geschäften z. B. FriedrichDie Vorschläge werden vom Kongreß afzeptirt. Der Sit fei mit einem austömmlichen Gehalt beim Bankhause Bleichröder straße 88, Hackescher Markt zc. hat der Zapfer um 1/29 Uhr andes Bureaus wird von der Schweiz nach England verlegt. als Registraturbeamter angestellt gewesen. Seine Haupt zutreten, um 9 Uhr wird das Lokal geöffnet und ist der Mann Ueber die Höhe des Beitrages wird festgesetzt, daß jede Organisation thätigkeit habe darin bestanden, die einlaufenden und aus- ununterbrochen bis nachts 1 Uhr ohne auch nur 5 Minuten Bauſe eine einmalige Zahlung von 1 Pfd. zu zahlen hat. Pro Tausend gehenden Briefe einzutragen. Dadurch habe er Kenntniß von dem thätig; nun beginnt das Kasse machen und nachdem sind noch die organisirter Metallarbeiter sind pro Jahr 5 Schilling an das Inhalte der Korrespondenz erhalten und u. a. auch erfahren, daß der Fässer zu kontrolliren, so daß der Zapfer um 2 Uhr nachts das Bureau abzuführen. Als Sekretär des internationalen Infor- Rentier Wahl, in Küstrin ein sehr hohes Depot beim Bank- Geschäft verlassen kann. Zum theil sind die Leute verheirathet. mationsbureaus wird Hobson Sheffield gewählt. haus Bleichröder hinterlegt hatte. Der Angeklagte schilderte sind ihre Wohnungen entlegen, so können sie häufig erst gegen Zu Punkt 9, Ceneralstreit wird nach kurzer Diskussion eine dann den von ihm ausgeführten Gaunerstreich in einer Weise, 1/23 Uhr das Bett aussuchen. Von Glück kann der Zapfer reden, Resolution angenommen, welche erklärt: Der Generalstreit ist zur die sich mit obiger Darstellung deckt. Sein Verhältniß zur Meta wenn er in ca. 3 Wochen einen freien Tag hat; es kommt jedoch Zeit unmöglich, da die Organisation in den meistern Ländern viel Fuchs entschuldigte er damit, daß er seit Jahren mit seiner Ehe- vor, daß auch 5 Wochen vergehen. Gläserspüler, Verkäuferinnen zu schwach ist; es soll ein Aufruf erlassen werden, welcher die Arbeiter frau in Unfrieden lebe. In Philadelphia habe er zunächst für und Mamsells haben 1-2 Stunden Mittagspause. Sonst auffordert, sich zu organisiren, um früher oder später in den die deutschen Werthe amerikanische gekauft. Nach seiner Verhaftung in entspricht die Arbeitszeit der vorher geschilderten der Zapfer. Generalstreit eintreten zu können. Dem nächsten Kongreß wird Philadelphia konnte dem Angeklagten bis zu feiner Auslieferung die Dann müssen aber nach Schluß von den Mamsellen auch noch diese Frage zur weiteren Berathung überwiesen. Verfügung über seine Mittel nicht sofort entzogen werden. Er die Büffets resp. der Küchenraum, wenn die Bezeichnung für Zu Punkt 10: Achtstundentag und Minimallohn, wird be- ließ seine Geliebte nach dem Gefängnisse bringen und theilte ihr einen solchen Winkel, wie solcher als Arbeitsraum für 17 Stunden schlossen: Das internationale Sekretariat hat Erhebungen über mit, daß er 60 000 m. an einem bestimmten Ort vergraben dient, geeignet ist, in Ordnung gebracht werden. Einer Mamsell, die Löhne und die Lebenshaltung der Arbeiter zu veranlassen habe. Das Geld liege in einem Blechkasten, der wieder in die sich einen Ruhetag nach ununterbrochener Thätigkeit von zwecks Schaffung einer vergleichenden Statistik über die Ver- einem Holzkasten eingeschlossen war. Von Meta Fuchs 6 Wochen erbeten hatte, wurde von seiten des Prinzipals be hältnisse der verschiedenen Länder. Das Resultat ist dem nächsten habe der in Philadelphia wohnhafte Anwalt Büttner deutet, ,, wenn es ihr nicht paßt, soll sie gehen!" Das Gehalt Kongreß vorzulegen. von dem vergrabenen Schatz erfahren und diese Kenntniß eines Bapfers der benannten Filialen beträgt 50 M. monatlich Alsdann wird beschlossen, alle 2 Jahre einen internationalen zu einem Betrug benutzt. Büttner war von dem An- und freies Essen, Mamsell 40 M., Verkäuferin 20 M., Gläsers Rongreß abzuhalten. Das Bureau tann jedoch einen solchen geklagten beauftragt worden, mit allen Kräften dahin zu wirken, fpüler 25-35 M. Es wäre dringend zu wünschen, daß diese früher einberufen, wenn zwei Nationen dies beantragen. daß das von der deutschen Regierung gestellte Auslieferungsgesuch Uebelstände schleunigst abgestellt würden. Rugler Baris regt zum Schluß einen Austausch junger abgelehnt wurde. Er hatte auch einen Erfolg in Aussicht gestellt, Arbeiter an, zur Erlernung der Sprache, zur Kenntniß der aber dabei eine größere Summe verlangt, die er angeblich zur Be- Eine gefährliche Straße, namentlich für Droschkentutscher, Sitten, Gebräuche und der Organisation der Arbeiter anderer stechung der amerikanischen Beamten verwenden wollte. Der ist die fleine Straße in Schöneberg, die von der Monumenten Länder. Angeklagte will ihm zu diesem Zwecke 4000 Dollars gegeben haben. Straße an der Kaserne des Eisenbahn- Regiments vorüber, nach Das Protokoll ist von den Sekretären der drei Sprachen Als Büttner dann die Stelle erfahren habe, wo der Schatz ver- der Kolonnenstraße führt. Im Wegemesser für die Berliner auszufertigen; die Drucklegung erfolgt durch das Internationale graben war, habe derselbe sich mit Meta Fuchs zur Nachtzeit Droschken ist dieselbe mit Farbenabschnitten eingezeichnet, muß Sekretariat. dorthin begeben, die Riste mittels eines Spatens ausgegraben daher als eine öffentliche betrachtet werden. Das Befahren dieser Zum Schluß dankt Hobson dem Genossen Andreas und sich den Inhalt angeeignet. Dafür sei Büttner später ver- Straße wird indessen durch den militärischen Kasernenposten ver hindert. Der Uebelthäter, der das nicht beachtet, hat ein polizeiScheu London, der auf dem Rongreß als Uebersetzer haftet und bestraft worden. fungirte. Als einziger Zeuge wurde der Vorgesetzte des Angeklagten, liches Strafmandat zu gewärtigen. Anders ist die Sache aber, Rugler Paris spricht dem bisherigen Sekretär Vogel- der Bankbuchhalter Schüler vernommen. Bei der Berhaftung sobald ein Rutscher einen militärischen Fahrgast aufzuweisen fanger- Winterthur für seine Thätigkeit den Dank des Kongresses des Angefagten seien noch etwa 22000 Dollars( Soll wohl hat. In solchem Falle kann derselbe ungehindert die Straße aus. Hierauf wird der Kongreß geschlossen. Mt. heißen. Red.) im Besitze des Angeklagten gefunden passiren. Nimmt aber trotzdem ein Kutscher, durch die Era worden. Nachdem vor kurzem vom Konsul Meyer in Philadelphia fahrung gewißigt, Anstand, die Straße zu befahren, so läuft er eingegangenen Bericht dürfte das Haus Bleichröder etwa wiederum Gefahr, eine Anzeige wegen Fahrtverweigerung zu die Hälfte der unterschlagenen Summe zurückerhalten. Der erhalten. Im öffentlichen Verkehrsinteresse erscheint es daher Advokat Büttner sei wegen der Strafthat, deren ihm der An- dringend geboten, besagte Straße entweder für jedermann geflagte bezichtigte, nicht bestraft, sondern freigesprochen worden. freizu geben oder sie gänzlich zu sperren. Prozek Göke. Die Beruntreuung eines Angestellten in dem Banthause S. Bleichröder beschäftigte heute die erste Der Staatsanwalt beleuchtete das Verhalten des An- Es scheint genützt zu haben. Die Klagen über das zuFerienftraftammer des Landgerichts I. Die That erregte derzeit geklagten in den grellsten Farben. Milderungsgründe seien dringliche Benehmen von Soldaten des 3. Garde- Regiments wegen des Raffinements, mit der sie ausgeführt war, sowie nirgends zu finden. Der Angeklagte habe alles in den Staub Frauen und Mädchen gegenüber, welche an der Kaserne in der wegen der übrigen begleitenden Umstände Aufsehen. Aus der getreten, was einem Manne von Ehre und Gewissen von Werth Wrangelstraße vorübergehen, wurden in den letzten beiden Tagen Untersuchungshaft wurde der Kaufmann Ernst öße vor fein mußte. Er beantrage gegen ihn das zulässig höchste Straf- nicht mehr laut, da den Soldaten das ungehörige Treiben in der geführt. Er ist am 25. April 1856 zu Wernsdorf, Kreis Weißenmaß, fünf Jahre Zuchthaus und zehnjährigen Umgebung der Kaserne streng untersagt worden ist. fels geboren, evangelischer Konfession und Fahrten " " Einnahmen " " Erstes Jahr: 30,7 Millionen, 6,89 Millionen Mark Zweites 34,5 7,5 Drittes 38 8 Fahrten und Einnahmen hatten im letzten Jahre vor der Ginführung des Zonentarifs betragen: noch hrverlust. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Wronter, ver- Der Berliner Zonentarif. Die drei ersten Jahre, in nicht bestraft. Die Anklagebehörde hat folgendes Material gegen suchte, dem Angeklagten mildernde Umstände zu erwirken. Die denen im Berliner Vorortsverkehr der Zonentarif be ihn zusammengestellt: Göße war seit dem Jahre 1891 bei dem Außerordentlichkeit des Falles liege in der Höhe des Objekts. steht, haben, wie das„ Berl. Tagebl." mittheilt, folgende StufenBauthause Bleichröder angestellt. Er bekleidete dort eine Ver- Aber es handle sich doch blos um Geld. Ohne Geld könne der Mensch leiter der Fahrten und Einnahmen ergeben: trauensstellung und erfreute sich der vollen Zufriedenheit seiner leben, aber nicht ohne Ehre. Und werde denn ein Mensch, der Chefs. Auch sein Familienleben er war Vater von drei einem anderen in heimtückischer, verleumderischer Weise das Kindern soll ein mustergiltiges gewesen sein. Da treuzte ein weib- höchste Gut, die Ehre, raube, ins Zuchthaus gesperrt? Man liches Wesen seinen Weg und wurde die Ursache, daß Göße auf Ab- möge ferner erwägen, daß es dem Angeklagten nicht allzu schwer wege gerieth. An einem Augusttage des vorigen Jahres, als er sich gemacht wurde, den Betrug zu begehen. Der Vertheidiger fam nach dem Geschäftsschluß auf dem Nachhausewege befand, lernte zu dem Schluß, daß eine empfindliche Gefängnißstrafe für den er ein junges Mädchen, namens Meta Fuchs kennen. Göße Angeklagten eine ausreichende Sühne sei. wurde dermaßen von dem Mädchen gefesselt, daß er alle seine Der Gerichtshof berieth kaum eine Viertelstunde. Das Pflichten als Gatte und Bater vergaß und nur noch von dem Urtheil lautete auf vier Jahre 3uchthaus und fünfWunsche beseelt war, vollständig mit ihr zufammenleben jährigem Ehrverlust. Bei dem Raffinement, welches der Angezu können. Er faßte den Entschluß, mit ihr nach Amerita zu flagte an den Tag gelegt, bei den niedrigen Motiven, die ihn zu fliehen. Vorher mußte er aber für die nöthigen Mittel der That trieben, sowie bei den übrigen begleitenden Neben sorgen und da reifte in ihm der Plan, folgendes Gaunerstückchen umständen könne von der Zubilligung mildernder Umstände keine auszuführen: Es war ihm bekannt, daß der in Küstrin wohn- Rede sein. Der Angeklagte erklärte, sich bei dem Urtheil behafte Rentner Karl Wahl bei dem Bankhause S. Bleichröder ruhigen zu wollen, ein Depot von über einer Million Mark in vierprozentigen preußischen Konsols hatte. Ebenso wußte Göße, wie seine Chefs, daß Wahl in Hamburg Verwandte Namens Claassen hatte. Am 29. August v. J. sandte Göße von Küstrin einen an das Bankhaus Bleichröder gerichteten Brief, der mit Karl Wahl" Lokales. 23,4 Millionen beziehungsweise 6,46 Millionen Mark. Erwägt man, daß der Vorortszonentarif namentlich für die nächstgelegenen, also auch am häufigsten besuchten Vororte sehr wesentliche Verbilligungen herbeigeführt hat, in vielen Fällen bis auf ein Drittel des früheren Fahrpreises, so muß der Erfolg ein außerordentlicher genannt werden. Interessant find auch folgende Zahlen, die sich aus den obigen ergeben. Eine Einzelfahrt foftete im Durchschnitt des ersten Jahres 22,4 Pfennig, des zweiten Jahres 21,7 Pfennig, des dritten Jahres 21 Pfennig. Eine Warnung vor einem Londoner Schwindler verDie juristische Sprechstunde fällt am Freitag und Sonn- Schellenberger, der früher zusammen mit einer Therese öffentlicht der Reichs- Anzeiger":" Gin gewisser Theobald unterzeichnet war. In diesem Briefe wurde das Bank- abend dieser Woche aus. Keller unter der Firma„ Lerne, Erwerbe, Genieße" von London haus S. Bleichröder ersucht, 100 500 m. vierprozentige preußische Von Genossen des 2. Berliner Reichstags- Wahlkreises aus einen schwunghaften Stellen und Heiraths. Konsols aus dem Depot des Wahl an Herrn E. Claaßen in ist ein Bolt 3 fest für Montag, den 3. August, in der schwindel betrieben hat, versendet neuerdings unter der Be Hamburg, Weststr. 3, zu senden. Göße überzeugte sich von dem neuen Welt arrangirt worden. Billets sind in allen mit zeichnung Der Freund und die Freundin an allen richtigen Eingang dieses Briefes und ebenso davon, daß der Plakaten belegten Handlungen und bei den einzelnen Genossen Orten"" und unter der Adresse M. Beck oder T. Berger, Darin enthaltene Auftrag zur Ausführung gelangen follte. Es zu haben. Näheres sagt die Annonce am Sonntag. 17, Lichfield Grove, Church End, Finchley, London N., nach gelang ihm dann, den vom Bankhause Bleichröder an Die Parteigenoffen des vierten Berliner Reichstags- Deutschland Zirkulare, worin er sich zur Verwittelung von Wahl geschriebenen Bestätigungsbrief, sowie den an Claaßen Wahlkreises werden darauf hingewiesen, daß die Spedition des Heirathen und von Stellungen gegen Einsendung eines mäßigen in Hamburg gerichteten Avisbrief und endlich das von Vorwärts" 2c. fich in Regie der Partei befindet. Pflicht eines Honorars erbietet. Es muß um so dringender davor gewarnt ihm gefälschte Auftragsschreiben zu entwenden. Vor der Ab- feben Parteigenoffen in diesem Wahlkreise ist es, nur von dieser werden, mit Schellenberger in eine Geschäftsverbindung zu treten, sendung des Werthspackets an Glaaßen erbat er sich einen Ur- Stelle den Vorwärts" und den sonstigen Bedarf an Partei- als dieser in Deutschland und der Schweiz wiedeholt laub und reiste nach Hamburg, wo er einige Stunden früher literatur zu entnehmen. Abonnements werden an folgenden wegen Betrugs und Unterschlagung eintraf, als das Werthpacket. Er logirte sich dort unter Stellen angenommen: Im Osten beim Spediteur Robert bestraft ist und die gerichtliche Verfolgung von Ersatzdem Namen„ Claaßen" in einem in der Weststraße 3 engels, Fruchtstr. 30, Hof 1 Tr.; im Süd- Osten beim gelegenen Gasthof ein. Da er am folgenden Tage, dem Spediteur Frit Thiel, Stalizerstr. 35, v. part., sowie an den 30. August, den Briefträger verfehlt hatte, fuchte er diesen am sonstigen, den Parteigenossen bekannten Stellen. Morgen des 1. September auf dem Hauptpostamt auf. Er legitimirte sich dem Beamten gegenüber mit dem erwähnten Moabit. Heute, Donnerstag, den 30. Juli, abends 8 Uhr, Avisbrief der Firma L. Bleichröder. Auf grund desselben erhielt findet bei Schmidtke, Stromstr. 28, eine öffentliche Voltser gegen eine mit, Hamburg, den 1. September 1895, E. Glaaßen" versammlung statt. Um zahlreiches Erscheinen der Frauen und geleiftete Quittung das Werthpacket ausgehändigt. Darauf fertigte Mädchen bittet die Einberuferin. er mit verstellter Handschrift ein mit E. Elaaßen unterzeichnetes Bestätigungsschreiben an und sandte dasselbe an das Bankhaus Gegen die ftrenge Kontrolle, welche die Polizei seit anfprüchen, ganz abgesehen von der Rostspieligkeit eines in England zu führenden Prozesses, schon daran scheitern würde, daß gegen Schellenberger, bevor er Deutschland verlassen hat, ein Entmündigungsverfahren wegen Geistes. trantheit eingeleitet worden ist. Vermißt wird seit Dienstag, den 21. d. M., die Schülerin Emilie Voß. Sie war bekleidet mit grauem Rock, blaner Blouse, rosa Unterrock, schwarzen Strümpfen und Knöpfstiefeln. Mittheilungen sind zu richten an Wagner, Bartelstraße 3, 3 Treppen. Bleichröder in Berlin. Alsdann fuhr er nach Berlin zurück und einiger Zeit über die in den öffentlichen Lokalen des westlichen verfaufte die 100 500 Mart Konjols bei Karl Heinke, Unter den Theiles der Hafenhaide stattfindenden Privatfestlich- Weil er feine alte Mutter nicht mehr ernähren konnte, Linden. Er reiste zunächst nach seiner Heimath Weißenfels. teiten ausübt, werden jetzt sowohl die Gastwirthe als auch hat der 22 Jahre alte Handlungsgehilfe Hans Gruecke aus Dort muß ihm wohl zum Bewußtsein gekommen sein, daß er die Vorstände der Vereine die Entscheidung der Geder großen Hamburgerstr. 31 sich zu erschießen versucht. Der auch Pflichten als Vater habe, denn er kaufte hier für jedes richte anrufen. Da bei solchen Festlichkeiten die Mitglieder junge Mann war längere Zeit schon außer Stellung und es seiner Kinder ein Spartassenbuch über 1500 Mart, die er zahlreicher Vergnügungsvereine zur Deckung der Unkosten unter gingen ihm schließlich jegliche Mittel nicht nur zu seinem eigenen Unterhalt, sondern auch zur Unterstützung seiner greisen Mutter, die in der Luckenwalderstraße wohnt, aus. Er nahm sich das so zu Herzen, daß er sich gestern. Dienstag, abends gegen 9 Uhr. aus einem Revolver eine Kugel in die Brust jagte. Hausbewohner hörten den Knall und holten die Polizei; ein Schutzmann brachte den Schwerverletzten mit einer Droschke in ein Krankenhaus. Große Anfregnng verursachte gestern Vormittag die Fest- Kahme eines fein g e k l e i d e t e n H e r r n in der Char- lottenstraße. am Gendarmenmarkt. Der Herr betrat das Hand- schuh- und Kravattengeschäft von M. Hecken, ließ sich Schlipse vorlegen und verlangte, nachdem er seine Wahl getroffen, noch Handschuhe zu sehen. Die Verkäuferin mußte die Leiter besteigen, um das Gewünschte herunter zu holen. Diesen Augenblick be» nutzte der Kunde, um die Ladenkasse herauszuziehen und mit ihr und den ausgewählten Kravalten schleunigst das Weite zu suchen. Die Verkäuferin eilte schreiend hinter ihm her, wobei sie von dem Diebe einen Schlag ins Gesicht erhielt. Ein Hausdiener, welcher den Vorfall beobachtet hatte, nahm sofort die Verfolgung auf. Es gelang ihm auch, den Dieb festzuhalten, obgleich derselbe versuchte, sich mittelst eines Dolches von seinem Angreifer zu befreien. Glücklicherweise kam ein Schutzmann hinzu, der den sauberen Patron zur Wache brachte. Die Verkäuferin suchte indessen das auf der Straße umherliegende Geld wieder auf. Eingcbrochcu wurde bei dem Briefträger Wilhelm V o g u n, Raupachstraße 3, am Montag während der Mittags- zeit von 12— 1 Uhr in höchst dreister Weise. Frau Bogun hatte sich um die gedachte Zeit nach dem Hofe begeben, um ihre» Stubcnteppich zn klopfen. Vom Hofe aus sah sie zwei junge Leute die Treppen nach ihrer Wohnung emporsteigen. In Sorge um ihre zwar verschlossene, aber unbeaufsichtigt gelassene Wohnung folgte Frau Bogun den beide» Männern. Als sie aber bemerkte. daß sich dieselben in ein höheres Stockwerk begaben, kehrte sie beruhigt zu ihrer unterbrochenen Thätigkeit aus dem Hofe zurück. In ihre Wohnung zurückgekehrt, fand sie dieselbe mittels Nach- schlüffels geöffnet vor. Diebe hatten während ihrer kurzen Ab- rvesenheit derselbe» einen Besuch abgestattet und alles Werthvolle mitgehen heißen. Unter den gestohlenen Sachen: Uhren, Ohr- ringe. Fingerringe, Braches, Geld:c., befindet sich auch eine Granatbroche, welche den Buchstaben C darstellt. Leider sind auch Sachen einer Mitbewohnerin der Wohnung verschwunden. Von den Dieben fehlt noch jede Spur; doch vermuthet man, daß die vorerwähnten beiden jungen Leute die Thäler sind. Von Herrn Ii. Katzler erhalten wir folgende auf eine Notiz in Nr. 174 des„Vorwärts" bezügliche Zuschrift: Ich erkläre hiermit, daß Graf Ed. Pückler sich niemals und an keiner Stelle verpflichtet hat. meine Schulden zu begleichen. die von meiner Frau dahingehende Gläubigern? gegenüber am 23. d. M. angeblich gemachte Aeußerung beruht auf einem völligen Jrrlhum, der ivohl nur veranlaßt war, daß Graf Pückler es freundlicherweise übernommen hatte, meine Verwandle» von den» gegenwärtige» Stande meiner Verhältnisse in Kenntniß zu setzen. Den LS. Juli löSS. Günther von Katzler, Rittmeister a. D. Oltznipia-Rieseutheater. Gestern erfolgte die Eintragung der Liquidation der Olympia- RieseiUheater- Gesellschaft in das Handelsregister. Um etwaigen Mißdeutungen entgegen zu treten, macht die Direktion dieser Bühne daraus aufmerksam, daß dieser formelle Akt aus den Betrieb des Olympia-Riesentheaters. dessen Ausfilhrungen von Bolossy Kiralfy's„The Orient" bis zum An- fang des Monats Oktober ununterbrochen täglich zweimal statt- finden, keinerlei Einfluß übt und nur deshalb erfolgt, um die Ausschüttung des Gesellschaftsvermögens zur gesetzliche» Frist bewirken zu können. Nadfahrcrunfälle. Gestern Nachmittag gegen 3 Uhr kam die Linieustraße entlang vom Oranienburger Thore her der Kauf« mann Helbig auf einem Zweirade. An der Einmündung der Ackerstraße gab er vorschriftsmäßig das Glockensignal, wurde aber im nächsten Augenblick von einem schnell um die Ecke biegen- den Schlächterwagen ersaßt und zu Boden geworfen. Die Folge des Sturzes war ein Bruch des linke» Unterarmes. Der auf dem Bocke sitzende Schlächtergeselle hieb auf das Pferd ein und entkam nach dem OranienbnrgerThor zu. Herr H. begab sich mittels Droschke nach seiner in der Schönhauser Allee belegenen Wohnung. Gleich- falls am gestrigen Tage, abends gegen 6 Uhr fuhr ein junger Bursche, der 16jährige Tischlerlehrling Mattusch an der Nord- seite des Wörtherplatzes mitten in eine Schaar auf dem Fahr- dämm spielender Kinder. Ein etwa 4 jähriges Mädchen, sowie ein etwas größerer Knabe wurden umgeworfen, kamen aber ohne nennenswerthe Verletzungen davon. Der rücksichtslose Bursche, welcher zwar kurz vor der Kiuderschaar geläutet hatte, jedoch bequem hätte ausweichen können, hatte sich beim Sturz mit dem Rade don Fuß verstaucht und die Hand ausgerissen. Man brachte ihn zunächst zu einem Heilgehilfen, welcher ihn verband, sodann wurde er aber an das nächste Polizeiremer abgeliefert.� Polizei-Bericht vom 29. Jnli. Gestern früh wurde in der Kaiser-Wilhelmstraße die 68jährige Handelsfrau K a r o l i n e Schulz geb. Schönitz von einem plötzlich scheu werdenden Re it- p ferd e das von einem Soldaten gesührl'wurde, geschlagen und im Gesicht so schwer verletzt, daß sie nach dem Lazarus-Krankenhause ge- bracht werden mußte.— In der Zossenerstraße gerieth vormittags der 14 jährige Sohn des Tischlers Pfingsten unter die Räder eines Schlächter Wagens, deffen Führer übermäßig schnell und aus der linken Seite der Straße fuhr, und erlitt einen Bruch des Knöchelgelenks. Der Kutscher setzte seine Fahrt fort, ohne sich um den Verletzten zu künmiern.— Die vierjährige Tochter des Maurers S t a b e n o w lief in der Pallisadenstraße gegen einen vorüberfahrenden Schlächter wagen, wurde überfahren und am Oberschenkel erheblich gequetscht.— Mittags wurde vor dem Lause Mehnerstraße 6/7 der 71 jährige Handelsmann Selig Cohn durch eine Droschke, deren Führer sich nach Angabe der Zeugen mit seinen Fahrgästen unterhielt, überfahren und am Oberarm schwer verletzt. Er wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht.— Nachmittags fand in der Schützenstraße ein Znsammenstoß des elektrischen Wagens Nr. 10 der Linie Leipzigerstraße— Kairo mit einem Geschäftswagen statt, wobei zwei Fensterscheiben des elektrischen Motorwagens zertrünmiert wurden; Personen wurden nicht verletzt.— In der Mauerstraße fand abends eine Schlägerei statt, bei der der 3ljährige Monteur Adolf Luttosch eine Verletzung am Kopfe davontrug.— Beim Aufstellen eines Bockgerüstes vor dem Hause Adalbertstr. 67 fiel der Dachdecker Karl K i tz i n g auf den Bürgcrsteig hinab und zog sich außer einer leichten Verletzung im Gesicht eine Verrenkung des linken Hand- gelcnkes zu.— In der Landsberger Allee, vor dem Böhmischen Brauhause wurde der 75 Jahre alte Kausmann P i n k u s Abraham söhn vom Schlage getroffen; er starb bald daraus. — Heute Nacht brach in der Gerberei von Scheffel auf dem Grundstück Prinzenallee 82 Feuer aus, das den Dachstuht sowie dort lagernde alte Maschinentheile zerstörte. Aus den Nachbarorte». Friedenau-Stcglitz. Da die Zeitungsspedition für diese beiden Ortschaften in Parteiregie übergehen soll, werden die Genossen wiederholt dringend ersucht, sich in die für diesen Zweck an folgende» Stellen ausgelegten Listen einzuzeichnen i Friedenau: Jordan, Schmargendorser- und Lauter- ftraßen-Ecke; W e i n e r t, Handjery- und Rönnebergstraßen-Ecke. S, B e r n s e e, Kirchstr. 15, v. 4 Tr. bei Frau Till.— t e g l i tz: Fr. S ch e l l h a s e. W. N ä h r i n g, Ahornstraße; A. Ost, Düppelstr. 29; W. Tieke. Albrechtstr. 125; P. Günther, Marksteinstr. 9; W. Gärtner, Schloßstr. 8; C. S u d r o iv, Düntherstr. 4, 4 Tr. D i« K o m m i s s i o n. Charlottcnburg. Wiederum bringen wir den Genossen unsere Partei-Spedition in Erinnerung. Bei Be- stellungen auf den„Vorwärts",„Volksblatt", Wahren Jakob" u. s. w. wolle man nur diese berücksichtigen. Im Auftrage: Der Partei- Spediteur G. Scharnberg, Pestalozzi» straße 27. Rixdorf. Ein erhebliches Schadenfeuer brach am Mittwoch Morgen gegen 4 Uhr in der Holzbearbeitungs- Fabrik von Butterweich in der Bergstraße aus. Nur mit großer An- strengung gelang es der Freiwilligen Feuerwehr, daß Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Wie der Brand entstanden, konnte noch nicht festgestellt werden. Ueber einen Ziisaminenstosi von streikenden Bau- arbciter» mit Schutzleuten in Schönebcrg verbreitet eine hiesige Lokalkorrespondenz einen Bericht, den wir unter Vor- behalt wiedergeben, da wir bisher nicht haben ermitteln können, was daran auf Wahrheit beruht. Der Bericht lautet: „SchwereAusschreitu n gen gegen Schöneberger Polizeibeamte sind am Sonnabend von einer Anzahl streikender Bauarbeiter begangen worden. Dieselben hatten sich gegen Abend vor einem an der Kyffhäuscrstraße belegenen Neubau versammelt, auf welchem, obgleich über ihn der Streik verhängt war, doch eine Anzahl von Leuten arbeitete. Sie wollten dieselben zwingen, ebenfalls zu streiken, und gingen sogar, als jene sich dessen weigerten, gegen einzelne von ihnen mit Thät- lichkeiten vor. Infolgedessen sahen sich die Leute genölhigt, von der Schöncberger Polizeiwache am Nollendorfplatz Hilfe herbeirufen zu lassen, worauf denn auch der diensthabende Wachtmeister mit zwei Beamten vor dem Neubau erschien und die Streikenden aufforderte, ihrer Wege zu gehen. Sie weigerten sich jedoch, Folge zu leisten, und setzten überhaupt den Beamten solchen Widerstand entgegen, daß diese schließlich vier der ärgsten Aufwiegler verhafteten und zur Wache abführen wollten. Kaum aber waren sie mit denselben einige Schritte eut- fernt, als ihnen niehrere schwere Mauersteine nach- gesaust kamen, deren einer so heftig den Kopf eines Beamten traf, daß ihm der Helm zu Boden fiel. Und ehe die Beamten noch Zeit hatten, sich wieder umzuwenden, flog jenem ein zweiter Mauerstein abermals milsolcherWuchtgegendcnHinterkopf, daß er sofort blutüberströmt ohnmächtig zusammenbrach. Hierauf sprang derselbe Mensch, der den Stein geworfen hatte, noch auf den am Boden liegenden Beamten zu und wollte ihm mit einem Todtschläger ins Gesicht schlagen. Doch wurde er hieran durch das schnelle Einschreiten der beiden anderen Beamten verhindert, welche ihn jetzt festnahmen und nebst einem zweiten Rädelsführer zur Wache brachten, von wo aus beide am nächsten Tage dem Untersuchnngsgefängniß in Moabit überwiesen wurden, um sich mit ihren Kumpanen, welche ebenfalls festgestellt worden sind, wegen Landfriedensbruchs unter er- s ch w e r e n d e n Umständen zu verantworten. Der zu Boden geschlagene Beamte, welcher eine bedenkliche Schädel- Verletzung erhalten hat und ins Krankenhaus geschafft werden mußte, ist von dem Vorfall um so schwerer betroffen, als er nicht nur sechs kleine Kinder hat, sondern auch seine Frau gerade gegenwärtig mit einem siebenten Kinde in den Wochen liegt." Sollten die hier behaupteten Thatsachen wahr sein, so ist das Benehmen der Streikenden aus das schärfste zu mißbilligen. Derartige Gcwaltthätigleiten schädigen nur ihre Urheber und die Sache, der sie dienen wollen. Den Gegnern der Arbeiter- bewegung geben sie einen willkommenen Anlaß zu neuen Hetzereien. Ucbcr die Vergewaltigung einer Fran in der Haide zwischen Ostend und S a d o w a wird berichtet: Gestern begab sich gegen Mittag die ungefähr 28 Jahre alte Frau M., die in Ostend wohnt, während des Tages aber in einer Berliner Druckerei arbeitet, auf dem durch die Haide führenden Weg von Ostend nach Sadowa. An der völlig abgeschiedenen Stelle bei der Rohrlake trat ein Mann an sie heran und that ihr, ehe sie sich wehren konnte, Gewalt an. Auf ihre Hilferufe ergriff er die Flucht und entkam. Ein Militärgefaugener(Prüßmann), welcher am vorigen Donnerstag ausdemFestungsgesängnißinSpandau entwichen war, am nächsten Tage bei Nauen indeß wieder ergriffen worden ist, hat in seiner Zelle einen Selbstmord- v e r s u ch gemacht, indem er sich mittels eines Handtuches er- hängte. Er wurde aber noch rechtzeitig abgeschnitten. Auf der Havel ist dieser Tage ein V e r g n ü g u n g s» d ampfer, der von Berlin eine Fahrt nach den Seen der Unterhavel unternommen hatte, in schwere Gefahr gerathen. Als das Schiff auf der Heimkehr spät abends die Charlotten- brücke in Spandau passirte, mußten die Brückenklappen hoch gezogen werden. In demselben Augenblick wollte aber ein Viehhändler aus Friedrichsberg über die Brücke fahren und der Vorschrift zuwider hatte er seine Pferde zu schnellster Gangart angetrieben, wobei er nicht mh, daß die Brückenklappen offen waren. Der mit großer Schnelligkeit herankommende Wagen wäre nun unfehlbar in die Tiefe aus den dicht mit Fahrgästen besetzten Danipfer gestürzt, wenn nicht hart am Rande der Oeffnung der B r ü ck e n w ä r t e r, die entsetzliche Gefahr erkennend, sich den Pferden ent- gegen geworfen und sie zum Stehen gebracht hätte. Er hat dadurch eine furchtbare Katastrophe abgewendet. Maffenhnftcs Fischsterbe» ist seit einigen Tagen i n d e r Spree zu beobachten. Zahlreiche Fischer sahreu in Hand- kühnen umher und sammeln die todlen Fische. Da dieselben zur Nahrung bestimmt find, kann nicht dringend genug vor Ankauf todter Fische gewarnt werden. WitternngSiibcrstcht vom 29. Jnli 1896. Wetter-Prognose fiir Donnerstag, den SO. Juli 1896. Kühler, zunächst meistens trübe und regnerisch bei schwachen westlichen Winden; nachher aufklärend. Berliner Wetterbureau. Getvevbu-ZUtsPtvlUmg 1896» Eine Klage gegen die Verwaltung der Stufenbahn sollte gestern vor dem hiesigen Gewerbegerichr verhandelt werden. Ein plötzlich zur Entlassung gekonimener Beamter stellt an die Gesellschaft Gehaltsansprüche auf sechs Wochen. Das Gewerbe- gericht erklärte sich zur Erledigung dieser Klage für unzuständig, weil die Stusenbahn dem Eisenbahn-Gesetz unter st eht und muß aus diesem Grunde die Klag» vor dein Amtsgericht verhandelt werden. Ans der Kolonialabthcilung wurde gestern Mittag um 1 Uhr wiederum ein Massai-Neger mittels Lück'schen Krankenwagens nach der Charitee überführt. Derselbe soll jedoch angeblich nicht durch den Klimawechsel erkrankt, sondern von einem anderen inneren Leiden befallen sein. Durch ein scheu gewordenes Pferd wurde ein schwerer Unglücksfall gestern Mittag um 1 Uhr vor dem Portal In. der Ausstellung herbeigeführt. Dort war ein Geschäftswagen an- gefahren, von welchem Waaren verladen und in die Ausstellung hineingetragen wurden. Einige spielende Hunde brachten das Pferd plötzlich zum Scheuen."Es rannte, den Kutscher, der das Thier am Zaum ergriffen hatte, mit sich schleifend, die Chaussee nach dem Bahnhof zn entlang. Bei der wilden Fahrt schlug der Wagen um, die Stränge rissen, und das der Last nun ledige Pferd schleuderte den Kutscher zu Boden. Hierbei erlitt dieser, abgesehen von Verletzungen im Gesicht, auch innere Schäden und mußte, nachdem er auf der Sanitätswache einen Nothverband erhalten, sich später nach einem Krankenhause begeben. Das Pferd wurde am Bahnhof Treptow zum Stehen gebracht. Ter Diebstahl einer Brieftasche mit 11000 Rubeln war jüngst als auf der Ausstellung verübt gemeldet worden. Die Verliererin soll eine Moskauer Danie gewesen sein. Den mutb- maßlichen Tieben glaubt man jetzt, wie ein hiesiger Bericht- erstattcr meldet, in Posen auf die Spur gekommen zu sein, und zwar hat man dieserhalb zwei Damen in Verdacht, welche Ende voriger Woche in einem Hotel in Posen logirtcn und sich als„aus Helgoland" stammend in das Fremden- buch eingeschrieben hatten. Die Damen machten beträchc- liche Einkäufe, welche sie mit Ivo-Rubelscheinen be- glichen. Kurz nach Eintreffen der„Helgoländeriunen" in Posen traf ein Herr aus Berlin ein, der sich in einem anderen Hotel einlogirte. Wie jedoch ermittelt wurde, hat dieser Herr nach zwei Tagen zusammen mit d-u beiden Damen obige Stadt wieder verlassen. Man vermnthet nun, daß die drei Personen von Posen aus verschiedene Rich- hingen eingeschlagen haben, um wahrscheinlich, wenn über die Affäre Gras gewachsen ist, später wieder in Berlin zusammen- zutreffen und die„Früchte ihrer Arbeit" dann in aller Ruhe ge- nießen zu können. Gevichks �Jeikung. Ein frecher Ladeudicb und Einbrecher stand gestern in der Person des schon vielfach vorbestraften 22jährigen„Arbeiters" Karl R o n t k e vor der 7. Ferien-Straskammer des Land- gerichts I. Der Angeklagte betrat am Abend des 8. Oktober v. I. den in der Stralsunderstraße 23 belegenen Keller der Grün- kramhändlerin Frau Kern und machte sich hinter dem Laden- tisch zu schaffen. Frau Kern, die sich im Nebenzimmer aufhielt, hörte ein verdächtiges Geräusch und eilte in den Verkaufsraum, wo sie den Angeklagten in knieender Stellung fand. Sie ließ ihn sofort festnehmen, weil sie der Ueberzengung war, daß der Angeklagte ihre Ladenkasse berauben wollte. Letzterer bestritt dies energisch und gab auf der Polizei uud auch in der gestrigen Verhandlung folgendes phantasiereiche Stücklei» zum besten: er hätte sich für 10 Pf. ein Stück Seife kaufen wollen; am Ladentisch sei das 10 Pfennig-Stück aber seine» Fingern entglitten und aus die Erde hinter den Tisch gerollt. Gerade als er sich bückte, um es zu suchen, habe Frau Kern den Verkaufsraum betreten und ihn sofort als Dieb fest- nehmen lassen. Den ihm zur Last gelegten Einbruch verübte der Augeklagte in einer Juninacht dieses Jahres. Hier war er ge- ständigerweise durch das offene Fenster in die Parterrewohnung des Dr. E. in der Viktoriastraße eingestiegen und hatte sich die auf dem Tische und den Stühlen liegenden Gegen- stände, drei silberne Becher und einen Anzug, angeeignet. Dr. E. hatte den Einbrecher jedoch bemerkt, sprang ihm, als er die Flucht durch daS Fenster ergriff, nach und übergab ihn der Polizei. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten beider Straf- lhaten für überführt und beantragte 2 Jahr 3 Monat« Zuchthaus und 3 Jahr Ehrverlust. Der Gerichtshof billigte ihm jedoch noch einmal mildernde Umstände zu und erkannt« auf 2 Jahr 3 Monate Eesängniß und 3 Jahr Ehrverlust. Wegen Unterschlagung im Amte stand heute der P o l i z e i- Wachtmeister Wilhelm H a r t l e b vor der ersten Ferien. ftrafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte war im Polizei- bureau an der Müller- und Seestraßen-Ecke angestellt, einem Revier, welches vorwiegend von der arbeitenden Bevölkerung bewohnt wird und in welchem die Polizeibeamteu nach Angabe des Angeklagten mit Arbeilen überhäuft sind. Aus diesen Um« stand will der Angeklagte auch die Handlungen zurückgeführt wissen, welche die Staatsanwaltschaft als Unterschlagung auf- faßt. Am 7. November v. I. erschien in dem erwähnten Polizeibureau der Slraßenreiniger T. und bat den Angeklagten, 40 M. an sich zu nehmen. T. gab an, daß sein Bruder vor einigen Tagen wegen Verdacht des Diebstahls in Hast genommen sei. Derselbe habe ihm kurz zuvor 40 M. zur Aufbewahrung gegeben und da er annehme, daß das Geld nicht ehrlich er- worden sei, wolle er es bei der Polizei abliefern. Der Angeklagte lehnte die Annahme des Geldes ab mit dem Bemerken, daß T. es direkt beim Polizeipräsidium einliefern möge. Während der Mittagsstunde erschien der Anklagte mit einer blauen Dienstmappe unter dem Arm bei T. und erklärte, daß es doch besser sei, wenn ihm das Geld ausgehändigt werde, damit er es dann dem Präsidium weitergeben könne. T. gab die 40 M. heraus und brachte dabei Notizen zu Papier. Längere Zeit daraus erschien die Frau in dem Bureau, welche von dem Bruder des T. bestohlcn worden war. Sie bat um Rückgabe des Geldes, welches, wie sie gehört habe, auf dem Polizeibureau hinterlegt worden sei. Der An- geklagte erklärte bei dieser Gelegenheit wie bei späteren Anfragen der Bestohlenen, daß er von dem Gelde nichts wisse. Schließlich kam die Sache zur Kenntniß der Vorgesetzten des Angeklagten. Als dieser amtlich vernommen wurde, entsann er sich plötzlich des Vorfalls. Das Geld müsse noch in der Schublade seines Tisches liegen, die Angelegenheit sei ihm vollständig aus dem Gedächtnisse entschwunden. Bei Durchsuchung des Tischkastens wurden auch die 40 M. gefunden. Ter Angeklagte hatte sich aber kurz zuvor in auffälliger Weise bei der Schublade zu thun gemacht und es wurde angenommen, daß er das Geld erst kurz zuvor hineingelegt. Ein zweiter verdächtiger Vorfall war einige Wochen vorher zur Sprache gekommen. Eine Droschkenkutschers-Ehesrau hatte im Bureau eine Uhr abgeliefert, die in dem Wagen ihres Mannes liegen geblieben war. Der Angeklagte hat die Uhr angenommen und das Protokoll dazu geschrieben, aber nur das Schriftstück ist beim polizeilichen Fundbureau eingegangen, die Uhre fehlte. Es ist ermittelt worden, daß ein fremder Mann eine gleiche Uhr bei einem Pfandleiher hatte versetzen wollen. Auch hier wird dem Angeklagten zur Last gelegt, daß er sich die Uhr angeeignet hat. Er bestritt beide Strafthaten. Er habe thatsächlich ver- gessen, daß er die 40 M. von T. in Empfang genommen. Die Uhr habe er nebst dem dazu gehörigen Schriftstück auf eine Bank im Bureau hinter sich gelegt, es hätten dort noch eine größere Anzahl Gegenstände gelegen, die vom Wagen des Polizeipräsidiums abgeholt werden sollten. Bei dem starken Verkehr im Bureau habe sich leicht einer der Besucher die Uhr aneignen können. Durch die umfangreiche Beweisaufnahme wurde der Angeklagte besonders im ersteren Falle stark belastet. Der Staatsanwalt hielt ihn in diesem Punkte auch für zweifellos überführt, während das Verschwinden der Uhr nicht genügend aufgeklärt sei. Wegen der Unterschlagung beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten neun Monate Gefängniß und zweijährigen Ehrverlust. Der Gerichtshof trat den Ausführungen des Staatsanwalts bei, sprach den Angeklagten in betreff der Uhr frei und erkannte wegen des ersten Falles auf sechs Monat« Gefängniß. Dem Angeklagten wurde ferner die Befugniß abgesprochen, während zweier Jahre ein öffentliches Amt zu bekleiden. Und welches? Herr Samuel Grabowski, Winterfeldstr. 8 und eunewigstr. 21, ersucht uns, mitzutheilen, daß er nicht identisch, noch verwandt oder bekannt ist mit dem in unserer Dienstagsnummer in der Gerichtsnotiz„ Den Bock zum Gärtner" erwähnten Mann gleichen Namens. nach " શ Eine öffentliche Versammlung der Metallarbeiter, die Fabrikanten energisch sträubten, wurde der Passus gesetzt, am 28. Juli in Marienbad tagte, beschäftigte sich mit den daß den Arbeitern auf Wunsch Einsicht in die Kalkulations Arbeits- und Lohnverhältnissen in den Maschinenfabriken von bücher zu gestatten sei. Als die Fabrikanten auch darauf nicht Küstermann, Roller, König u. Rücken und der Großen Berliner Pferde eingehen wollten, ließ man auch diesen Punkt fallen, hielt aber bahngesellschaft. Wie Faber anführte, werden in den genannten an der Forderung fest, daß keine Maßregelung stattfinden solle. dienen sollen, fast gar nicht beachtet und insbesonders in sanitärer herabgesetzten Forderungen sind Betrieben die gesetzlichen Vorschriften, die zum Schuße der Arbeiter was auch die Fabrikanten anerkannten. Die solcher Gestalt einer Reihe vollständig ingnorirt. Die Löhne sind, bei fleineren Fabrikanten unterschrieben, während die großen der in diesen Betrieben noch üblichen 10 stündigen und sogar noch nach wie vor jede Verhandlung mit der Kommission längeren Arbeitszeit, äußerst minimale. Troß der hohen Divi- ablehnen. Diese Abmachungen wurden der Versammlung zur an die Aktionäre zahlt, erhalten die im Wagenbau be ohne Widerspruch angenommen. gebeutet und von von In den realid? Borsigender Ab. Meitund Umgegend. Menderungen Versammlungen.nl bende, welche die Berliner Pferdebahn- Gesellschaft Distusfion vorgelegt und von den anwesenden Selbſtändigen Ueber die Gewerbegerichte und die Stellung der Frauen schäftigten Arbeiter nur 30, 32 bis 35 Pf. Stundenlohn. nunmehr die Frage, ob man nach diesem Resultat den GeneralDie Versammlung diskutirte zu denselben sprach am Dienstag in einer vorwiegend von Frauen besuchten Volksversammlung Rechtsanwalt Heine. Der Die versprochene Lohnzulage, auf die die Arbeiter so lange streit aufheben und den partiellen Streit durchführen solle. Redner wies darauf hin, daß das Verlangen nach Laien gewartet haben, soll allerdings am 23. Juli ausbezahlt worden Nach eingehender Debatte wurde beschlossen: Streit ei einzutreten. Die Selbständigen vergerichten eine alte Forderung der liberalen Parteien ist, die ein; doch nur an solche, so wurde behauptet, die es verstanden partiellen bei den Fabrikanten, die noch nicht aber, wie ſo manche andere, von diefen längst auf- baben, mit den Meistern Freundschaft zu balten; hingegen pflichteten sich, gegeben und der Sozialdemokratie übernommen ist. find andere, welche bereits fünf und sechs Jahre daselbst bewilligt haben, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, als bis die beschäftigt sind, leer ausgegangen. leer ausgegangen. Gin we Der Vortragende führte weiter aus, daß namentlich die Fach- beschäftigt finde Ein weiterer Miß- betreffenden ihre Unterschrift gegeben haben. Die Arbeiter und juristen die entschiedensten Gegner der Laiengerichte seien, die stand in diesem Betrieb ist der, daß bei der Berechnung der Arbeiterinnen gaben das Versprechen, jeden Fall, in dem fich, soweit solche gegenwärtig bestehen, angeblich nicht bewährt Affordarbeiten wiederholt Irrthümer zu ungunsten der Arbeiter ein Selbständiger diesem Beschluß zuwiderhandelt, der komhaben sollen. Bei einem Rückblick auf die historische Ent- vorkommen und diese dann gezwungen find, einen vollen Monat mission anzuzeigen. Regge empfahl den Selbständigen, während wickelung der Rechtspflege zeigte der Redner, daß bei den alten auf den zu wenig bezahlten Lohn zu warten. Die dafelbft giltige des Streits feine Arbeiter und Arbeiterinnen von anderen Völkern, namentlich den Römern, die Rechtsprechung ausschließlich Arbeitsordnung verbietet das Sammeln von Unterschriften und Kollegen einzustellen und den Arbeitern nach Möglichkeit ihre von Volksrichtern ausgeübt wurde, daß auch in Deutschland bis Geldern zu irgend welchen Zwecken. Außerdem ist das Handeln mit alten Pläge zu erhalten und die Arbeitsstelle jetzt nicht au zur Zeit der Reformation die Gerichte durch Laien besetzt waren Bier, Schnaps, Eßwaaren 2c. verboten, trotzdem teine Kantine wechseln. Ferner wurde beschlossen, daß die Streifenden, welche und erst nach dieser Zeit von den zu größerer Macht gekommenen vorhanden ist, sodaß die 264 dort beschäftigten Arbeiter bei ihrer am Donnerstag die Arbeit wieder aufnehmen, für diese Woche cbsoluten Fürsten die Rechtsprechung den Berufsjuristen über- schweren Arbeit keinerlei Erfrischungen bekommen fönnen. Bei feine Unterstüßung mehr erhalten. Die nächste Versammlung Tregen wurde. Gegen diesen Zustand habe sich dann in Frank- der Firma Küstermann muß derjenige, der einige Minuten findet am Sonntag Vormittag 9 Uhr statt. lich verspätet, einen halben Tag ausseßen, was umsomehr ins Arbeiter- Sängerbund Berlins und umgegend. reich eine starke Bewegung für Wiedereinführung der Laien Gewicht fällt, als der daselbst übliche Lohn an sich schon sehr mann, Basewalterſir. 3. Alle Menberungen im Bereinskalender ſind zu richten gezichte geltend gemacht, die zur Folge hatte, daß an Friedrich Kortum, Manteuffelstr. 49, v. 2 Tr. v. 2 der französischen Revolution eine Art Gewerbe- niedrig ist. Weiter wurde behauptet, daß mehrere Arbeiter nur 16 M. gerichte eingeführt und unter Napoleon I. auch auf deutsche für dieselbe Arbeit erhalten, wofür andere 21 M. bekommen. In der im Bereinstalender sind zu richten an Karl Stiller, Kleine FrankfurterGebietstheile verpflanzt wurden. Redner erinnerte ferner daran, Fabrik von König u. Rücken herrschen ähnliche Zustände. ftraße Nr. 7, 1 Tr. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. daß auch in Preußen und speziell in Berlin, schon auf grund die sanitären Verhältnisse werden als sehr mißlich bezeichnet. Ane Buſchriften, ben Bund betreffend find zu richten an: Hermann cires Gesetzes von 1849 und später auf grund der Gewerbe- unter anderen sind Waschvorrichtungen garnicht vorhanden gahn, Schönhauser Allee 177 c. Didnung des Norddeutschen Bundes Gewerbe- Schiedsgerichte, die d und die Klosets sollen sich in einem einem unbeschreiblichen an. Schönbauter en Zustande befinden. Der Redner kritisirt sodann das ollerdings von den heutigen Gewerbegerichten unter anderem da kolonnensystem, durch das die Arbeiter doppelt cause Vermischtes.) durch verschieden waren, daß in denselben keine Arbeitervertreter werden faßen, errichtet wurden. Dann wurde das Gesetz von 1891 erforderte zum Schluß die An- Hamburg, 28. Juli. Vor dem hiesigen Landgericht begann lassen, welches die Rechtsprechung in die Hände von Laien legt wesenden auf, alle Mißstände der Agitationskommission heute die Verhandlung gegen die Gründer der des Deutschen Metallarbeiter Verbandes bekannt zu geben, und damit eine alte Forderung der Liberalen verwirklicht. Nachdem sich die dann Handelsbant" in Hamburg, nämlich gegen die Makler die weiteren aber herausgestellt, daß die so eingerichteten Gewerbegerichte in Schritte veranlassen wird. In Reszta und Homann, den früheren Bankbeamten Kampmann und der Diskussion, an der fich Kurgas, vielen Fällen zu ungunsten des Unternehmers dem Arbeiter recht Schlegel den Privatier Scharien wegen wiederholten versuchten Betruges geben, macht sich ein starker Widerwillen gegen die Einführung Arbeiter von und andere betheiligten, wurde bas Verhalten der bezw. Beihilfe. Die Verhandlungen, zu denen 42 Zeugen geladen von Gewerbegerichten geltend, wo solche noch nicht bestehen. der Roller'schen Fabrik getadelt, die eine find, dürften mehrere Tage in Anspruch nehmen. Der Redner bespricht nunmehr die Vorzüge, welche die Laien Landpartie nach einem gesperrten Lokal veranstaltet haben gerichte gegenüber dem Berufsrichterthum haben und führt und zum festen Zusammenschluß in der Organisation auf Frau damit beschäftigt, Wäsche auf der Bleiche au 3des näheren aus, daß zwar in den rein formalen und tech die Vertreter der anderen Firmen betheiligten sich, trob Besichtigung der Leiche ergab sich, daß die Frau durch einen Der anwesende Fabrikant, Herr Küstermann, und zu breiten, als sie plötzlich todt zu Boden fiel. Bei der nischen Dingen die Juristen selbstverständlich besser bewandert fcien, als die Zaien, daß ber Borzug der letterellt des Referenten, Eine Resolution, in der sich die Schuß getödtet worden war, der von einem der benachbarten bestehe, daß sie dem Gesetze freier gegenüberstehen, wie der Berufs Anwesenden verpflichten, um die Mißstände zu beseitigen, dem Häuser aus abgefeuert sein muß. Der Schütze war bisher nicht Deutschen Metallarbeiter- Verband beizutreten, wurde gegen einige Stimmen angenommen. Zum Schluß wurde über den Streik in der Fabrik pon Karl Schöning berichtet und die Anwesenden Ein Grubenunglück ereignete sich auf der Zeche„ Friederika" bei Der Schachthauer aufgefordert, die Ausständigen in jeder Weise kräftig zu unter anderen mit der Reparatur des Schachtes beschäftigt; nach BeSteger war wit endigung der Arbeit wollte er mit dem Friedr. Hosbe nach oben fahren, gerieth dabei aber zwischen Korb und Einſtrich und wurde in gräßlicher Weise zu Tode gequetscht. Die Leiche stürzte dann in die Tiefe. Der Schwager des Verunglückten, der Steiger Kramer, holte die Leiche mit Gefahr für das eigene Wien, 29. Juli. Gestern Abend entgleisten bei habe die Kommission gemeinsam mit Böheimtirchen( Niederösterreich) die Maschine, zwei Personeneifrige Agitation die bis jetzt ihnen vorenthaltenen Rechte zu einer Anzahl der erringen. Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage bisherigen Forderung einer prozentualen Lohnerhöhung ab- und ein Gepäckwagen des Wien- Pariser Schnellzuges. folgte eine furze Diskussion. Zum Schluß nahm die Versamm zusehen und statt dessen für das Dutzend Mützen, das Drei Reifende wurden leicht verletzt. lung eine Resolution an, in der gegen die Ausschließung der bisher mit 1,50 m. bezahlt wurde, einen Aufschlag von 15 Pf. Wien, 28. Juli. Hier find infolge der seit mehreren Tagen Frauen von den Gewerbegerichts- Wahlen protestirt und die Ge- zu fordern, auf solche über 1,50-3 M. 20 Pf. und über 3 M. anhaltenden großen Hize mehrere ibfchläge mit tödtlichem währung des Wahlrechts auch für andere Körperschaften ver- 25 Pf. Bulage zu verlangen. Anstatt der Forderung des Aus- Ausgange vorgekommen. Eine Frau verfiel auf offener Straße langt wird. hanges der gezahlten Löhne, gegen den sich die in Tobsucht. = der Aufforderung Vorsitzenden und ftüßen. " Untersuchung ist im Gange. wo derselbe den thatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht. Ein Mangel sei es allerdings, daß die Frauen sowohl von dem aktiven wie paffiven Wahlrecht zum Gewerbegericht ausgeschlossen seien. Vor Erlaß des Gesetzes von 1891 gingen die Berliner Behörden mit dem Gedanken um, den Frauen die Theilnahme am Gewerbe- Schiedsgericht zu ermöglichen. In Sachsen hatten In einer Versammlung der selbständigen Mühen die Frauen bereits das Wahlrecht, was ihnen aber durch das macher, die am Mittwoch Vormittag stattfand und auch von Gesetz von 1891 genommen wurde. Es sei nicht einzusehen, Arbeitern und Arbeiterinnen sehr zahlreich besucht war, berichtete warum die Frauen, die doch auch gewerblich thätig seien, und Thomson über die mit den Fabrikanten getroffenen vor also das gleiche Interesse wie die Männer an der Rechtsprechung läufigen Vereinbarungen folgendes: Um die Bewegung nicht Leben heraus. in gewerblichen Streitigkeiten haben, von der Wahl aus- unnöthig in die Länge zu ziehen und wenigstens etwas geſchloſſen, fluid. Ge bleibe tem anderer Weg, als durch herauszuschlagen, Der Gastwirthin Frau Minna Stiebeck, Buttmannstraße 9, zu threm Möbel- Verkauf heutigen die Glückwünsche und ein dreifaches Hoch!!! 2928b Die Stammgäfte. C. M. O. P. W. N. H. K. W. P. H. T. 0. M. R. B. W. S. R. F. A. W. O. Sch. Todes- Anzeige. Am 28. 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Die Reise durch die Lester Monat unter Direktion Gewerbe- Ausstellung. Adolph Ernst. Anfang 8 Uhr. Charley's Tante. Schwank in drei Akten von Brandon Thoma3. Repertoirftück des Globe- Theaters in London. Vorher: Die Bajazzi. Anfang 1/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Der Sommer- Garten ist geöffnet. Central- Theater. Alte Jakobstr. 39. Direttion: Richard Schultz. Wiedereröffnung Sonnabend, den 1. August 1896. Bum 254. Male: Eine tolle Nacht. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von W. Mannstädt und J. Freund. Musit von Julius Einödshofer. Anfang 7/2 Uhr. Alt- Berlin. Bei günstiger Witterung nachmittags 4, 6 und 8 Uhr: Drei grosse historische Umzüge. Altdeutsches Musikkorps. Kapellmstr. Streller. Wiener Elite- Kapelle à la Strauss Kapellmeister Fischer. Sänger Gesellschaft ,, Flora", 20 Personen, in Bierländer Kostümen. Eintritt bis 5 Uhr 50 Pf., später 25 Pf. Sonnabend: Große BlumenJunmination. Kaufmann's Variété. Budapester Boen- u. 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