BERLIN Montag 18. April 1932 10 Pf. Ar. 181 • B 91 49. 3a!?raaiu. Allzetge«vret« Ct«»msvalttge Millimelerjelle 30 rt Reklamezeile 2.— M Ermäßigungen nach Tarif PoNscheckker.tr Lorwärts- Verlag G.m.b.H.. Berlin Rr 37.)?v.- T'er Verlar behält sich das Recht der Ablehnung nicht genebmer Anzeigen eor Redaktton und Erpedttton Berlin SW tktndenNr Fernsprecher: Döndoft(A 7) 292—297 Lrscheinttigltch außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts''Bezugspreis fü> beide Ausgaden 7s Pf. pro Woche. 3,25 M pro Mona? ldaoon �7 Pf. monatlich für Zustellung ms Haus) im voraus ladlbar Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs und"2 Pf Postbestellgebübren SfuUautyfajße x/e6 Groener und das Reichsbanner Kein Anlaß zum Stellungswechsel Eine alteHugenbergsäulegeborsten Oer Deutsche Creditverein stellt Zahlungen und Tätigkeit ein Von zuständiger Seite wird gegen die Versuche gewisser Rechtsblätter, einen Gegensatz zwischen dem Reichspräsi- denten und dem Reichsminister Groener zu konstruieren, aus das Entschiedenste Verwahrung eingelegt. Abgesehen davon, daß der Groenersche Artikel„Mein Standpunkt" vor dem Empfang des Hindenburg-Briefes geschrieben war, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dag für den Reichsminister Groener keinerlei Veranlassung bestand, nach Bekanntgabe dieses Briefes seinen Artikel etwa zurück- zuziehen. Im übrigen wird weiter betont, daß an keiner Stelle des Hindenburg-Briefes die Forderung eines Verbotes des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold erhoben worden ist. Es wurde lediglich um Nachprüfung des dem Reichs- Präsidenten über andere Organisationen als die SA. zuge- leiteten Materials ersucht und um Stellungnahme des Mi- nisters hierzu geben. Maßgebend für die von der Reichsregierung verfügte Auflösung der SA. war der Gesichtspunkt, daß diese sich als ein Staat im Staate herausgebildet hatte, wie schon seit langem bei den zuständigen Stellen besorgt wurde, und wie durch das kürzlich beschlagnahmte Material klar er- wiesen worden ist. Höliermann in Breslau. Das?zeichsbanner bleibt was es war. Breslau, 18. April.(Eigenbericht.) Der Bunbesoorsitzende des Reichsbanners, Hölter mann, richtete bei einem Appell an die Kameraden des Ortsoereins Breslau des Reichsbanners Schroarz-Rot-Gold folgende Worte: „Ich danke den fchlefischen Kameraden für die bisher von ihnen geleistete opfermütige Arbeit. Schwere Angriffe werden jetzt gegen uns erhoben. Auch diese Angriffe werden an unserer Disziplin scheitern. Lange Jahr« hindurch hat man von gewisser Seite unseren Bund als wertlos hingestellt. Seit vorgestern aber sind wir eine ungeheure militärische Organisation. Wir hegen aber durchaus nicht den Ehrgeiz, eine militärische Organisation zu sein, wir haben nicht die Absicht, einen Staat im Staate zu bilden. Es geht uns lediglich um den inneren Frieden Deutschalnds. Die Funktion, die wir uns aufgegeben haben, hören in dem Augen- blick auf. wo der Gegner aufgelöst ist. Wir bleiben war wir eigent- lich sind, eine Vereinigung ehemaliger republikanischer Kriegsteil- nehmer und deren Söhne. Wir bleiben was wir immer sein wallten. eine freiwillig« Organisation, die den Staat verteidigt und dort für ihn eintritt, wo es not tut. Wir haben in den letzten drei Monaten einen Angriff auf den Staat abgewehrt. Raziüberfall auf Veichsbannerleute. Breslau, 18. April.(Eigenbericht.) Am Sormtagvormittag wurden auf dem Königsplatz in Bres- lau acht Reichsbannerleute von etwa 100 National- sozial! st en überfallen. Die Reichsbannerleute wurden niedergeschlagen und mit Schlagringen und Stahlniten in brutaler Weise mißhandelt. Alle acht trugen erhebliche Verlegungen davon. Kreugergeld für Hitler? Es soll eine Quittung existieren.- Hiller bestreitet. Stockholm, 18. April.(Eigenbericht.) Da» Zentralorgan der schwedischen Sozialdemokratie stellt fest, daß die Durchsicht der von kreuger hinterlassenen Papiere ergeben habe, daß dieser Betrüger nicht nur den Faschismus in Spanien, sondern auch Hitler in Deutschland unterstützt habe. Es seien - eine Quittung über 5 Millionen Peseten von König Alfons und eine Quittung über 100000 Mark von Hitler ge- fuüden worden. ★ Hitler läßt dementieren. Man wird abwarten müssen, was die Prüfung der Kreuzer-Papiere ergibt. Die Deutsche Ereditverein A.-G., die in Berlin und Essen ihre Tätigkeit ausübte und dem Hugenberg-Konzern angehörte und heute noch nicht absolut fernsteht, hat ihre Zahlungen eingestellt. Die Bankleiter haben sich an ihre Kundschaft gewandt, um eine ruhige Abwickelung der Geschäfte zu erreichen. wobei man hossl, daß Verluste vermieden werden können. Eine Fortführung der Geschäfte ist nicht beabsichtigt: das Bankunternehmen soll liquidiert werden. Ob V e r l u st e schon im Augenblick vorliegen, ist unbekannt: wir hallen es aber für wahrscheinlich. Der Deutsche Creditverein war viele Jahre lang ein sehr wichtiges Glied des Hugenberg-Konzern s. Wenn jetzt behauptet wird, der Creditverein stehe Hugenberg fern, so ist Hugenbergs Wunsch hier unverkennbar, Auswirkungen dieser Pleite auf die kommend« Preußenwahl möglichst auszuschließen. Hoch bis in die allerletzte Zeil waren Mitglieder des Zwölf- männerkreises um Hugenberg im Aussichlsral des Deutschen Eredilvereins. Die'jetzigen Inhaber der Aktienmehrheit, die Brüder Droste in Westfalen, sind dem Hugenberg-Kreis aufs engste verbündet, und Gottes Segen bei Schückigruber oder: Die Goldguellen der Aazis die Loslösung vom Hugenberg-Konzern in den letzten Jahren ist nur äußerlich erfolgt. Um so inniger war die Verbindung des Deutschen Creditoereins mit der Hugenberg-Macht in den Iahren feit 1324. Von 1324 bis 1330 war der Deutsche Creditverein sogar ein sehr wichtiges Machtinstrument im Rahmen der unsichtbaren Herrschaft, die Hugeiiberg in Deutschland ouszuübep versuchte. So- lange es nämlich der Schwerindustrie gut ging, solange die junge Saat der Hugenberg-Reaktion in Deutschland eine reiche Ernte versprach, solange war der Deutsche Ereditverein die Lankoerbindung aller wichtigen Leute der schwerindustriellen und großagrarischen Reaktion. Besonders die Generaldirektoren des Westens, V ö g l e r, Thyssen, Kirdorfs usw. ließen vom Deutschen Creditverein ihre privaten Aktienkäufe und Aktienspekulationen durchführen, und zwar in einem Umfang, daß der Deutsche Creditverein in den Jahre 1924— 1923 auf den deutsch«, und ausländischen Börsen eine große Rolle spielle. Tatsächlich hat der Ereditverein von 1322— 1928 einmal 8, zweimal ! 12 und einmal 10 Proz, Dividende auf sein Iv-Millionen-Aktien- kapital ausgezahlt. Als es mit der Schwerindustrie gefchäft- lich abwärts ging, hat sich Hugenbergs Interesse am Deut- schen Creditverein tatsächlich auch verringert, Hugenberg gab den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden, den er inn« hatte, auf, ließ nur einige seiner Freunde im Zlufsichts. rat zurück, und die Aktienmehrheit ging an die westfälischen Freunde Droste über. Unter neuer Leitung bemühte sich das Bankhaus dann u in neue Geschäfte: es besitzt h«ute das Aktienkapital von 1 Mil- lion Mark der Zentralbaufparkaffe, für die der Deutsche Creditvcr- ein die Garantie zur Hypothekenauszahlung übernahm. Das erwies sich als ein Fehlschlag, denn die letzte veröffentlichte Bilanz von 1330 zeigt nach der Herabsetzung des Aktienkapitals von 10 auf b Millionen Mark nur 9 Millionen Mark Kreditoren und in, ganzen 13 Millionen Mark Forderungen. Bon einem eigentlichen Geschäft konnte also kaum mehr die Rede sein, so daß sowohl die Jahlungs- Unfähigkeit als auch die Liquidation des Unternehmens heut« nahe- liegen müssen. Der deutsche Ereditverein war von jeher ein ullrareaktionärcs Unternehmen mil stark politischem Einschlag. Es war 1883 mit genossenschaftlichen Zielen gegründet, gewähr, Kredite an Angehörige von Armee und Marine, stand in enger Verbindung mit dem Luisenorden und kam dann unter dem Einfluß Hugenbergs, der 1923 aus der Bank eine Aktiengesellschaft machte. Wir begreifen sehr wohl, daß Herr Hugenberg auch von dieser Pleite gern abrücken möchte. Als die Deutsche Landbank A.-G. so weit war, wollte Hugenberg es bc- kanntlich auch nicht gewesen sein. Jedenfalls zeigt das Schicksal des Deutschen Creditvercins von neuem, daß, wer mit Hugenberg zu tun hat, kein Glück hat. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Hugenbergs ganzes Lebensinteresse will die Wiederherstellung alter, längst vergangener, leistungsunfähig gewordener Berhältnisse, was unvermeidlich auch auf seine wirtschaftlichen Unternehmungen zurückwirken muß, Ob Hugenberg heute noch der Beherrscher des Deutschen Credit- Vereins ist oder nicht, spielt keine Rolle. Der Mann, der mit seiner den Faschismus stärkenden Politik Deutschland und Preußen retten zu wollen vorgibt, hat von neuem seine vollständige Unfähigkeit erwiesen und zugleich dem deutschen Volke und den preußischen Wählern gezeigt, daß. wer mil hugenberg und seinen Freunden geht, auch Deutschland neuen Abgründen entgegenführl. ,Äoter�Volksen«sche«d gescheitert Flasko der sächsischen Nazis und Kozis Dresden, 18. April.(Eigenbericht.) Der von den Kommunisten eingeleitete, von Deulschnalionalen und Zlazis unterstühle Volksentscheid aus Auflösung des Landtages ist gescheitert. vergleicht man das Ergebnis dieses Volksentscheids mit der Reichspräsidentenwahl, so erkennt man den starken Rückgang: Wahlkreis 17. April 10. April 13. Aiär, Leipzig...... 290 406(417 847)(418 394) Sresden-Bauhen.. 414 099(545 437)(568 766) Chemnitz-Zwickau.. 613 537(735 124)(779 710) Znsgesamt.. 1 318 042(1 698 408)(1 766 87oT Blau sieht zugleich, daß es vor allem der Wahlkreis E h e m n i h- Zwickau ist. der am stärksten radikalisiert ist. In der Stadt Dresden wurden abgegeben 132 132 Ja- Stimmen, 3 041 Nein-Stimmen, im ganzen also 132173 Stimmen. 1120 Stimmen waren ungültig. Es haben sich am Volksentscheid ungefähr 26 Prozent aller Stimmberechtigten beteiligt. Bei den Präsidentenwahlen wurden für Hitler und Thäl mann zusammen 179 982 Stimmen abgegeben. Die ungarischen Sozialdemokraten haben die unterdrückte „Repszaoa" durch das„Namenlose Blatt" ersetzt, das aber konfis- ziert wurde. Ebenso ging es dem nächsten Derjuch,«in Mugblatt als Vellage der wissenschaftlichen Parteizeitschrist zu oerbreiten, Gaswolke über Aarburg. Sieben Erkrankte auf einem Dampfer. Harburg, lS. April. Auf dem bei den Landungsbrücken in Harburg liegenden Dampfer„Courier" der harburger Dampffchissahrlszefelljchask wurden gestern morgen gegen 7 Uhr sieben Personen der 23e- sahung und ein Passagier durch Ei n a i m e n von Gas unwohl. Die Erkrankung, die eine lähmende Wirkung auf die Atmnngsorgane Halle und kiuslenre>z und starke Kopfschmerzen ver- ursachte, nahm keinen ernsteren Charkter an. Die Ursache war eine st a r k e G a s w o l k e. die bei nördlichem winde aus Richtung Harburg. Wilhelmsburg kam und sich aus dem Dampfer niederschlug. Sämtliche Melallleile aus dem Dampfer, besonders die Messing- und Kupserteile waren mit einer weißen Schicht überzogen. Die harburger Polizei gibt über den Vorfall folgenden Bericht: Zlm Sonntagmorgen kurz vor 7 Uhr spürten mehrere Personen der Kesahung des Hmitburg-Harburger Dampfer„Courier", der an der hiesigen Anlegebrücke lag, plötzlich einen schweselartigen säuer- lichen Gasgeruch, der bei ihnen Hustenreiz und ein U e b e l- befinden hervorrief. Bei einigen Personen stellten sich auch Kopfschmerzen ein. Nach Verlaus von zwei bis drei Minuten war der üble Geruch verschwunden. Ernste Erkrankungen sind nicht ersolgt, weswegen die betreffenden Personen ärztliche Hilfe nicht in Anspruch nahmen. Der Geruch war durch den Wind aus Richtung über Wilhelmsburg herübergezogen. Obwohl sofort Ermittlungen angestellt wurden, konnte die Ursache des Gasgeruchs, der übrigens auf verschiedenen Teilen des Dampfers einen Niederschlag hervorgerufen hat, nicht festgestellt werden. Die Fest- stellungen werden durch dl« Polizei und die Gesundheitsbehörde Hamburgs und Harburgs fortgesetzt. Deutschland fordert Abrüstung. Nadolnys Erklärung auf der Wellkonferenz. Gens, 18. April.(Eigenbericht.) Aus der Abrüstungskonferenz vertrat heute als erster Redner Botschafter N a d o l n y- Deutschland das Prinzip der.Rüstungsoer- Minderung auf das tief st mögliche Niveau. Der deutsche Bor- schlag entwickelt in Anlehnung an die deutsche Abrüstung die Me- thoden zu ihrer allgemeinen Durchführung. Eine unbedeutende oder nur scheinbare Abrüstung oder eine Stabilisierung der Rllstun- gen aus ihren jetzigen Stand könne keinesfalls als Verwirklichung der Aufgabe der Konferenz angesehen werden und liefe dem Geist und Buchstaben des Artikels 8 des Bölkerbundspaktes zuwider. Innerhalb dieses Prinzips der Herabsetzung könne man der besonderen Lage jener Länder Rechnung tragen, deren Armee nicht das Minimum erreiche, das im Artikel 8 vorgesehen sei. Kein Staat könne die Berantworiung aus sich nehmen, der not- wendigen allgemeinen Herabsetzung zu widersprechen durch den Versuch, ihr seine eigenen Rüstungen zu entziehen. Das beste wäre die Erreichung des Zieles mit einem Schritt; werde aber Ab- rüstung in Etappen vorgesehen, so müssen nicht nur die ersten, son- dern auch die folgenden Etappen und das Endziel f e st g e l e g t werden. Die Fristen müssen so kurz wie möglich sein. 3e größer und entscheidender die herabsehung ist, die beschlossen wird, um so stärker wird die finanzielle Erleichterung und die politische Entspannung für die ganze Well sein. Das Beispiel Deutschlands beweise, bis zu welchem Grad man in sehr kurzer Frist abrüsten könne. Für die Methoden zur Fest- setzung der Rüstungen eines jeden Staates seien die russischen und türkischen Vorschläge sehr geeignet. Da Deutschland die sichere Grundlage des Artikels 8 für die herabsetzungsmethode nicht ver- lassen wolle, könne es sine rein mechanische Herabsetzung nach de mrussischen Borschlag nicht annehmen Nadolny schloß: Deutschland ist der Meinung, daß die Idee einer einfachen Begrenzung der Rüstungen ausgeschaltet werden muß und daß es u n e r l ä ß- l i ch ist, energisch die Rüstungen aus das Niedrigstmögliche Maß herabzusetzen. Ist diese Herabsetzung einmal beschlossen, so muß ihre Durchführung in einer bestimmten und möglichst nahen Frist erfolgen. Bezüglich der Methode beruft sich Deutschland auf den Artikel 8 des Völkerbundspaktes, wonach die besonderen Be- dingungen jedes Staates berücksichtigt werden müssen. Die Aufstellung der Ziffern muß erfolgen nach einer so einfachen Methode, wie sie Artikel 3 gestaltet. Nur so kann nach deutscher Ansicht die Konferenz ihre Aufgabe erfüllen, die in der allgemeinen Abrüstung besteht. Ainnisch-Mazedonien. Wieder ein pdlitiker verschleppt. helsingsors, 18. April. In den f ühen Sonntagmorgenstunden wurde der sozialdemo- kratische Abgeordnete Dr. N i k k o Erich, der Bruder des früheren Ministerpräsidenten und jetzigen Stockholmer Gesandten, in einem Hotel in hammerfors von fünf Bewaffneten aus dem Bett geholt und in einem Kraftwagen entführt. Am Sonntagmittag erschienen die Entführer bei dem Amtmann in Virdois, nördlich von Hammer- sors und lieferten Erich unversehrt wieder ab. Sie wurden sofort verhaftet. Anscheinend hatten sie die Fahrt für erfolglos angesehen, da die Polizei im ganzen Lande alarmiert und die Entführung im Rundfunk bekanntgegeben war. Es war Dr. Erich, dessen Vortrag in Mäntsäla Lappoleute im vorigen Monat verhindert hatten, woraus dann der Faschistenaus- stand wurde. Man glaubt, daß die Entführer Leute aus Mäntsäla sind. Landtagswah! in Oldenburg. Voraussichtlich am 9. Mai. Oldenburg, 18. April.(Eigenbericht.) Der in Oldenburg von den Nazis und K o m m u n i st e n gemeinsam betriebene Volksentscheid aus Auflösung des Land- tags ist geglückt. Insgesamt wurden abgegeben 125 365 Ja-Stimmen, 5796 Nein-Stimmen und 1079 ungültige Stimmen. Das ist nicht die Hälfte der Stimmberechtigten, aber zur Auflösung in Oldenburg genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Nazis und Kozis mitsamt ihren Trabanten vermochten nicht die Stim- m e n aufzubringen, die sie bei der Reichspräsidentenwahl gemeinsam erhalten haben Sie brachten beispielsweise im März rund 45000 Stimmen mehr aus als jetzt beim Volksentscheid. Die Neuwahl des oldenburgischen Landatgs erfolgt Voraussicht- lich am 9. Mai. Raziblälter beschlagnahmi. Die Polizeidirektion München hat die««tionalsozialistische..Mllnchener Wacht" mit sämtlichen Kopf- blättern beschlagnahmt, da in einem Artikel der R e i ch s p r ä s t- dent beschimpft worden sei. Auch Ersahblakt der„Rolen Zahne" verboten. Der Berliner Polizeivräsident hat die Tageszeitung„Die Nachrichten" mit sofor- tiger Wirkung bis zum 11. Juni 1SZ2 einschließlich verboten, da das Blatt als Ersatz der durch Verfügung vom 14. April verbotenen „Roten Fahne" angesehen wird. Verschleuderte Veamtengelder Der Skandal der Veamtenbank vor Gericht- Verbrecherische Leichtfertigkeit Der skandalös« Zusammenbruch der B e a m t e n b a n k hat seinerzeit unter der gesamten Beamteirschaft ungeheure Beunruhi- gung hervorgerufen, heute könnt« endlich auf Grund der Rotver» ordnung vor der Strafkammer unter Vorsitz �.es Amtsgerichtsrats Mannheimer die auf viele Tage berechnet« Verhandlung gegen die Kaufleute Weber und Traumann, gegen den Makler h ö p f n e r, gegen den Geschäftsführer B u ch w a l d und den Kunst- maler Kende seinen Anfang nehmen. Es wird den Angeklagten Bilanzverschleierung, Be- trug und Untreu« vorgeworfen. Die Beamtenbank war eine Genossenschaftsbank; die Genossenschaftler waren Beamte. Ueber die Bank erhielten sie ihre Gehälter. Die Bank durfte nach den Satzun- gen nur bestimmte Bankgeschäfte abwickeln. Im Gegensatz zu den Statuten der Bank machte sie aber Geschäfte, die schließlich zu dem Zusammenbruch mit einem Berlust von mehreren Millionen Mark für die Genossenschafter führten. Zu diesen„Geschäften" gehörte besonders die Lombardierung von Gemälden. Das erste be- liehen« Gemälde gehörte einer Frau Schwarzenberg; es war ein Leonardo da Vinci, gegen dessen Echtheit von kunstsachverstän- diger Seite ernste Bedenken laut wurden. Trotzdem erhielt Frau Schwarzenberg nach und nach 137 000 Mark. Der Leonardo da Binci sollte in Amerika mit 2 Millionen Mark verkauft werden. Aus dem Geschäft wurde nichts, die Bank verlor an der Manipu- lation 340 000 Mark. Andere Bildergeschäste folgten; sie waren von dem Angeklagten Traumann in Vorschlag gebracht; hochange- sehene Potsdamer Persönlichkeiten sollten aus ihre kostbaren Ge- mälde Darlehen erhalten. 37 Bilder wurden von der Beamtenbank lombardiert, und zwar für 548 000 Mark. In Wirklichkeit gehörten diese Bilder aber gar nicht den hochangesehenen Potsdamer Person- lichkeiten. Sie wurden vielmehr vom Angeklagten B u ch w a l d zum speziellen Zwecke der Lombardierung bei Kunsthändlern getaust. Bezahlt wurden sie mit dem Gelbe, das als Darlehen von der Bank erschlichen worden war. Von diesen ganzen Geschäften erfuhr der A u f s i ch t s r a t der Bank erst viel später. Wegen Verschwendungssucht entmündigter Prinz. Die Bilderangelegenheit zog aber noch weitere Kreise. Ein Prinz von hohenlohe-Oehringen erklärte sich bereit, die 37 Bilder für 2 Millionen Mark zu erstehen. Ein Vertrag wurde geschlossen, dem Prinzen ein hoher Diskontkredit eröffnet. Das war 1926. Erst 1928 stellte es sich heraus, daß der Prinz wegen Ver- schwendungssucht entmündigt war. 2% Millionen Mark waren dahin. Sieben von den„kostbaren� Gemälden konnten noch vor Zusammenbruch der Bank für etwa 9000 Mark in England verkaust werden, 16 weiter« Gemälde nach dem Zusammenbruch der Bant für 7000 Mark bei der Versteigerung. Auch andere Bankgeschäfte spielen in den Prozeß hinein. So zum Beispiel ein Darlehen an einen Droschkenbesitzer in höhe von 300 000 Mark, ein Aktienverkauf an den bekannten Michael, bei dein die Bank gleichfalls ungeheure Verluste davontrug. Mit einem Worte: wieder waren es die Genossenschaftler, die für die un- genügende Bankenkontrolle ihre haut zum Martte tragen mußten. Otto Braun rechnet ab Gegen deutschnationale Korruptionisten Kiel, 18. April.(Eigenbericht.) Der preußische Ministerpräsident Otto Braun sprach hi«r am Sormrag in einer Wahltun dgebung. Bor weit mehr als 30 000 Zuhörern zerriß er die Lügengeweb« hugenbergg und Hitlers. Mit beißendem Hohn fertigte Otto Braun zunächst h u g e n- b e r g ab, der dieser Tage in Kiel behauptet hatte, daß sich im neuen Preußen di« Korruption unter die Fittiche des Marxis- mus geflüchtet hätte. „Das ist— so führte der Redner aus— nicht ganz falsch. In der Tat sind die zahlreichen deutsch» nationalen und nationalsoziali st is-chen Schmarotzer, die die von ihnen fehlgeleiteten Unternehmungen, Genossenschaften und Banken in den Abgrund führten, und Taufende und aber Tau- sende von Sparern, Genossenschaftlern. Bauern und Siedlern geprellt haben, immer und stets zur Regie- rung des neuen Preußen geflüchtet, wenn sie die ihnen anvertrauten Millionen verwirtschaftet hatten." Man habe den Politikern in der Rechtspresse jahrelang die so- genannten Wirtschaftsführer als Vorbilder vorgehalten. Jetzt erwiesen sie sich auch denen als kleine Schäden, die den Vergleich leichtsinnig geglaubt hätten. Eingehend behandelte Braun dann den Versuch gewisser Kreise, den Reichspräsidenten zu einem Verbot des Reichsbanners zu bewegen. Das Material, das angeblich geeignet fei, das Reichs- banner der SA. gleichzustellen, dürfte soviel wert sein wie etwa die italienischen Obligationen Jvar Kreugers. Ganz unmöglich fei das Verlangen, wegen einer falsch verstandenen Unterteilung das Reichs- banner zu verbieten. Das Reichsbanner sei spät, vielleicht zu spät als Abwehrorganisation gegen die Terrorbanden der anderen ge- schoflen worden. Erst durch das Reichsbanner sei vielerorts die verfassungsmäßig gewährleistele Dersammlungssreiheil sichergestellt worden. Auch Reichskanzler Brüning hätte in Königsberg seine letzte Rede für den Reichspräsidenten nicht mit Ruhe zu Ende führen können, wenn nicht da» Reichsbanner gewesen wäre. Man übertreib« nicht, wenn man sag«, daß ohne das Reichsbanner während der Reichspräsidentenwahl der Terror der Staatsfeinde un- erträglich geworden wäre. Es jetzt dafür zu verbieten, fei ein« felt- same Unparteilichkeit.„Die Forderung ist so unsinnig, als wenn jemand verlangen wolle, es müsse um der Parität und um der Un- Parteilichkeit willen mit dem Verbrecher, der von einem Polizisten eingeliefert werde, auch der Polizist eingesperrt werden." Wie er aus der Presse erfahre, habe Herr von Winterfeldt an ihn einer, offenen Brief gerichtet, in dem er frage, ob dem preußischen Ministerpräsidenten die Waffenlager des Reichsbanners bekannt feien. Er antworte darauf, daß ihm solche Waffenlager unbe- kannt seien. Wenn sich indessen im Besitz des Reichsbanners tat- sächlich einige Waffen befinden sollten, so seien die Besitzer genau wie jeder andere Staatsbärger zu behandeln. Woraus er aber schon jetzt hinweifen möchte, sei, daß die SA. nicht wegen Waffenbesitzes verboten worden wäre, sondern ihrer ganzen Organisation und ihrer Zweckbestimmung wegen. Hitlers Privatarmee fei Staat im Staate gewesen, mit Stäben, Intendanturen, Feldgeugmeiftereien usw. Rur dieses Armeecharakters wegen und ihrer Bestimmung zum Bürgerkrieg s«i die SA. verboten worden. worüber am 24. April das preußische Volk zu enlscheldcn habe. sei ziemlich einfach. Entweder sei es gewillt, mit Hitler und seinen Desperalos in den Abgrund zu taumeln oder mit der Sozialdemo- kralischen Partei und der Führung des neuen Preußen in harter Arbeit aufwärts zu kommen. Die Wöhlermasien mühten der Well zeigen, daß Deulschland zwar viel, daß es Gut und vlut verloren habe, aber nicht den Verstand. And jetzt sei zu entscheiden über ein Preußen, in dem der Dilettantismus eines Scharlatans, der Größen- Wahnsinn eine? Diktators oder ein Preußen, in dem der Wille des Volkes oberstes Gesetz ist. Severing in Paderborn. Paderborn, 18. April. In einer Kundgebung der Sozialdemokratischen Partei hob gestern der preußische Innenminister Severing die Leistungen Preußens auf dem Gebiete der Verwaltung, Schule, Justizpflege und Siedlung hervor. Seit 1920 gebe es in Preußen eine Schutz- polizei, die der sicherste Garant für Ruhe und Ordnung sei. Das deutsche Volk wolle nicht noch einmal einen Bürgerkrieg erleben. Die SA. und SS. bleibe aufgelöst, well Preußen ein ausgeglichenes Staatswesen brauche. Zum Schluß sorderte der Minister auf, den haß nicht gegen politisch Anders, denkende zu richten, sondern auch in ihnen Volksgenossen zu«r- blicken. Bootsunglück bei prenzlau. Bier Ruderer der Freien Turner schast ertrunken. Prenzlau, 18. April. Aus dem Unler-Uckersee bei Prenzlau ereignete sich am Sonnlagabend ein schwerer Bootsunfall, bei dem vier Personen er- tranken. Infolge des hohen Wellenganges kenterte ein Dierer mit Steuermann der Freien Turnerschasl Prenz- l a u, und alle süns Personen stürzten ins Wasser. Aus dem See befanden sich zur Zeil des Unfalls kaum Boote. Rur ein Paddler Halle den Unfall bemerkt, paddelte an die Unfallstelle heran, und es gelang ihm durch geschicktes Manövrieren, einen der verunglücklen zu r e l l e n und ans User zu bringen. Ein iveilerer Turner konnte zwar lebend ausgesischl werden, starb aber nach der Rettung. Von den andern drei Turnern fand man keine Spur mehr. Sie sind ertrunken. Sämtlich« Verunglückte stehen im Atter von 15 bis 20 Zahren. Zufolge der hereingebrochenen Dunkelheit mußte die Suche am Sonntag abgebrochen werden. Ein Ltnglücksfchuß. Sekundaner durch Karabinerkugel getötet. In der K o l o n n e n st r a ß e in Schöneberg wurde gestern ein tragischer Unglücksfall entdeckt. Als die Eltern des 17 Jahre alten Obersekundansrs Siegfried L. gegen 1 Uhr nachts in ihre Woh- nung zurückkehrten, fanden sie ihren Sohn tot aus dem Stuhl sitzend auf. Neben dem Stuhl lag am Boden ein K a- r a b i n e r. Ein sofort herbeigerufener Arzt stellte fest, daß der junge Mann einen B r u st s ch u ß erhalten, der das herz getroffen hatte. Die alarmierte Reservemordkommission stellte fest, daß der junge Mann einem bedauerlichen Unglückefall zum Opfer gefallen war. Er hatte sich den Karabiner hervorgeholt, einen Patronen- rahmen hineingesteckt und anscheinend Schießversuche gemacht. Dabei muß er sich selbst getroffen haben. Der Schuß war sofort tödlich. GmiMliidenils! Handwerker! Klelnkairlleute! Wohin soll der Weg gehen? Wollt Ihr aus Eurem Elend heraus? Wir wollen Euch den Weg dazu weisenl Erscheint zu der großen OUenflUhcn Versammlung heute, Montag, 18. April 1932, abends 8 Uhr, in den Sophien-Sälen, Berlin, Sophlenstr. 18, in oer Uber die Frage: Wer hilft dem Mittelstand wirklich? referiert werden soll. Referenten: Landtagskandidat Max Heydemann. Berlin, Paul Plottke, Vorstandsmit Med d. Ei heits- verbandes der Handel- u. Gewerbetreibenden Wir bitten alle Kleingewerbetreibenden an der Versammlung teilzunehmen. Einheitsverband der Handel- u. Gewerbetreibenden, Ortsgruppe Berlin Bezirksverband der SPD. 1. kreis Mitte. Die Funttionärinnensitzung fällt wegen der Kreisoorstandssitzung heute aus. Die Abteilungsleiterinnen treffen sich um 19 Uhr bei Dobrohlaw und empfangen Material. 21. Abt. Ausgabe des Propagandamaterials heute 18 Uhr in der Geschäftsstelle. 8Z. Abt. heute abend außerordentlich« Funktionärsitzung Wellerberlchl für DerNn: Teils heit«r, teils wolkig, ohne Niederschläge von Bedeutung, nur schwache Winde.— Für Deutschland: Im Westen und Süden ruhiges Wetter mit etwas höheren Tage-temperaturen. Im übrigen Reich teils heiter, teils wolkig, nur im Nordosten einzeln« Schauer. Bevorzugte Wahlplakate. Eine Anfrage an die Berel. Schon während der beiden Wahlgänge für den Reichsprästden- ten wurden wir öfters darauf aufmerksam gemacht, daß in der Berliner Anschlag- uno Reklamewesen G. m. ch. in der Leitung oder im Personal starke nationalsozialistische Ein- f l ü s s e wirksam sein müßten. Denn alle Plakate der National- sozialisten seien ganz besonders günstig plaziert, während man andere groß� Gruppen vernachlässige und zurückstelle. Der groteske Zwischenfall mit dem Bruch des Ofterfriedens durch den Berek-Direktor Martin schien diese Auffassung zu bestätigen. Trotz- dem haben wir mit der Sprache zurückgehalten, weil wir oie an sich unbestreitbare Tatsache der Bevorzugung aus einen Zufall zurück- führen zu dürfen glaubten. Jetzt vor den Preußenwahlen zeigt sich aber die besonders wohlwollende Behandlung der N a t i o n a l s o z i a- l i st e n in einer so ausfallenden Weise, daß längeres Schweigen einer Duldung des Mißstanves gleichkäme. Wer bei- spielsweise mit der vielbenutzten Linie 3 der Berliner Straßenbahn vom Westen nach dem Südwesten Berlins fährt, dessen Blick fällt am heutigen Montag bei jeder Litfaßsäule aus große nationalsozia- listische Werbeplakate. Immer sind die Plakate der Nationalsozia- listen der chauptverkehrsseite zugewendet. Das kann nincht mehr Zufall sein, dem muß«ine Absicht zugrunoe liegen. Die Berek hat in den letzten Wochen in so starkem Maße einen Stein des Anstoßes dargestellt, daß endlich ein« Bereinigung alz unbedingt notwendig erscheint. Sozialdemokratische Lichtreklame ärgert den Gegner Alle Republikaner und Sozialdemokraten freuten sich in den letzten Tagen, wenn sie durch die Frankfurter Allee kamen. Dort leuchten nämlich von Anbruch der Dunkelheit an oie sehr wirkungsvoll angebrachten Wort«:„Wählt Liste 1 Sozialdemokra- ten!" Um so größer ist der Aerger der Gegner, den sie in gelegent- lichen Schimpfereien erkennen lassen. Am Sonnabendabend er- loschen plötzlich mehrere Buchstaben. Vermutlich ist durch Beschädigung der Lichtleitung die Stromzufuhr uMerbrochen worden. Die Schadenfreude oieser„Tapferen" ist selbstverständlich nur von sehr kuzer Dauer, und die eindringliche Mahnung wird zur Freude aller oerständigen Staatsbürger weiter, soweit dies möglich ist, oei suchen, die Köpfe der Träumer vom Dritten Reich und der„ungeduldigen Revolutionäre" von der KPD., die Herrn Hitler Handlangerdienste leisten, zu erleuchten. Beseitigt die Not? Manifest der Gewerkfchasts-Internationale an die Arbeiter aller Lander! Intelligenz und Wirtschastskrise. Oer Bund geistiger Berufe. Die Wirtschaftskrise setzt einen großen, stet- noch wachsenden Teil derjenigen Intelligenz frei, der bisher an den Früchten der Wirtschaft in bescheidenem Maße teilnehmend sich nach oben orientierte und grundsätzlich konservativ eingestellt war. Die wirt- schaftliche und soziale Katastrophe kann für die Intelligenz die Rück- gewinnung ihrer inneren Freiheit und soziale Ausklärung bedeuten. Sie wird dann erkennen, daß die herrschende Gesellschasts- und Wirtschaftsordnung die gleiche Unfähigkeit in der Bewirtschaftung der geistigen wie der materiellen Kräfte beweist. Von diesen Grund- gedanken ging Gustav W y n e k e n in seinem Vortrag aus, mit dem er einen öffentlichen, vom„Bund geistiger Berufe" veran- stalteten Abend„W iderftand gegen Verelendung und Kulturabbau" einleitete Als Gegenwartsaufgaben der In- telligenz sieht er ihre. Selbstbewußtwerdung, den Kampf gegen die Bedrohung der Freiheit durch Diktatur und die Schaffung eines neuen Bildungssystems. Der Architekt Richard Linneke wies daraus hin, daß die Wirtschaftskatastrophe einer auch künstlerisch sehr fruchtbaren Eni- wicklung unseres Bauwesens ein jähes Ende bereitet habe, die ihren Antrieb in hervorragendem Maße von den gemeinnützigen Bau- genossenschaften erhalten habe Die Ausführungen des Ingenieurs Franz B o e n i n g gipfelten in der Forderung nach einer Planwirt- schaft, die den Bedarf der Massen durch die Arbeit der Massen decke. Anschließend an diese Referate gab Hermann Budzislawski die Einrichtung von fünf Arbeitsgemeinschaften durch den Bund geistiger Berufe bekannt, von denen sich drei mit ökono- mischen Fragen im engeren Sinne, die �vierte mit den Aufgaben der naturwissenschaftlichen Berufe in der Wirtschaft, die fünfte mit der Eingliederung der künstlerischen Berufe in die Gesellschaft be- schäftigen sollen. Die ganze Veranstaltung und auch die von dem Bund heraus- gegebenen Grundsätze zeugen von dem ernsten Willen, sich ohne Standesdünkel und Kastenvorurteile mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen der Gegenwart auseinanderzusetzen, und sie gedanklich zu durchdringen unter Ablehnung aller verschwommenen Gefühle und leerer Suggestionen Wir Sozialisten können diese Bestrebungen zur Selbstbesinnung, diesen Appell an die Vernunft nur begrüßen. Um so bedauerlicher war es, daß die Kommunisten durch unsachliche, vor keiner Verdrehung zurückschreckende Aus- führungen in der Diskussion eine Art von„Marxismus" zutage forderten, der nur abschreckende Wirkung haben konnte. E. A. B. „So ein Mädel." Nose-Theater. Das Töchterlein des Herrn Profesior» hat„gespickt". Das be- deutet in diesem Fall, es hat ein Extemporale des Primaners Hosf- mann ohne dessen Wissen berichtigt. Da nun der Herr Professor die Mutter des Primaners heiraten will, obwohl der Rektor der Schule sehr ehefeindlich ist, entstehen allerlei Verwicklungen, als deren Höhepunkt die Geständnisse des Herrn Professors, der Frau Hofsmann, des Primaners Hoffmann und der Tochter des Professors herausgearbeitet sind, die alle angeben, das Extemporale gefälscht zu haben Hans Sturms und Moritz Färbers Lustspiel, das einst „Das Extemporale" hieß, ist also eine gut bürgerliche Angelegen- heit. und man spielt drei Akte hindurch Herzblättchens Zeitvertreib. Gespielt wird, wie das im Rose-Theater eigentlich stets der Fall ist, sehr gut. Annemarie E n d e r l e ist so frisch und drollig, daß man an ihrem Backfisch seine helle Freude hat(nur ist der Backfisch selbst inzwischen ausgestorben). Waldemar Pottier wirkt un- bedingt echt als Primaner, und glänzend ist Hilde H o f e r als Auf- wartefrau. Sie ist immer so ganz bei der Sache, daß man selbst ihre kleinsten Rollen nicht schnell vergißt Han» Rose spielt den olkoholfreudigen Kastellan, Paul Rose führt die Regie. Cr hat es leicht mit abgebrauchten Mitteln— der eine stottert, der zweite spricht durch die Nase und der dritte ist leicht angesäuselt— Lach- Wirkungen zu erzielen. Das getreue Publikum feierte die Darsteller uahezu beisallewütig. e- b. Genf, 18. Aprll.(Eigenbericht.) Der Internationale Gewcrkschaftskon- g r e st hat nach eingehender Aussprache das Büro des i Internationalen Geioerkselzastsbundes beauftragt, das Ergebnis des Kongresses in einem M a n i f e st an die Arbeiter aller Länder zusammenzufassen. Das Manifest hat folgenden Wortlaut: „Angesichts der Wirtschaftskrise, die sich von Tag zu Tag ver- schärst und in allen Ländern mit Heftigkeit ohnegleichen wütet, hat der Internationale Gewertschastsbund die Notwendigkeit und die Pflicht gefühlt, eine internationale Gewerkschaftskonferenz einzube- rufen, nicht nur um die Stellung der Arbeiterschaft gegenüber den bedauernswerten Fragen festzulegen, welche die Krise aufwirft, son- den, vor allem um mit Kraft den Willen aller Gewertschastsorgani- sationen zu betonen, sich in einer gemeinsamen Aktion mit gemeinsamen Zielen zu vereinen. Diese Konferenz wurde soeben, am 16. und 17. April, in Genf abgehalten und vereinigte nicht weniger als 82 Vertreter von Gewertschaftsorganisationen aus 28 Ländern in allen Erdteilen. Sie war in Aussprache und Folgerungen eine imposante Manifestation der Einheit, die in dem Willen, den Wünschen und den Mitteln zum Wollen in allen Teilnehmerorganisationen besteht. Die Konferenz hat nicht nur den Forderungen und dem Aktionsprogramm des JGB. einmütig zugestimmt, sondern auch ausdrücklich diese Uebereinstimmung und die internationale Soli- daritöt festgestellt durch Beauftragung des Büros der Konferenz, in ihrem Namen einen Appell an alle Arbeiter der Welt zu richten, Wr Verwirklichung ihrer Anstrengungen und energischen Durchsetzung der Verwirklichung jener Arbeiterforderungen, di« im Programm des JGB. ihren Ausdruck finden. von der Größe und Tiefe der Krise und Arbeitslosigkeik und angesichts der Unfähigkeit des Kapitalismus zu ihrer Uebcr- Windung wird die Durchführung der vom organisierten Well- Proletariat aufgezeigten und geforderten Lösungen immer dringender und gebieterischer. Unter allen von der Konferenz geforderten Lösungen müssen die Arbeitszeitverkürzung auf 40 Wochenftunden, die Auf- rechterhaltung der Löhn« und die Steigerung der Konsumkraft der großen Masse besonders hervorgehoben werden. Im Vordergrund der sofortigen Maßnahmen muß auch ein ausgedehntes Programm nationaler und internationaler Arbeiten stehen, das den Millionen Arbeitslosen Arbeit zu geben vermag Ein« Organisation und strenge Kontrolle der internationalen Kreditpolitik verbunden mit einem unerbittlichen Kampf gegen die unsinnige Verschwendung der Rüstungen mutz die nötigen Mittel für die Verwirklichung der gesamten Forderungen sichern. Zugleich muß anerkannt werden, daß die Besserung der Wirtschaftslage nicht eintreten kann, solange die großen politischen Fragen, Repa- rationen und internationale Schulden keine befriedigende Lösung gesunden haben und die verantwortlichen Staaten nicht geneigt sind, entschlossen und unter Mithilf« der Arbeiterorganisationen den W->g einer methodischen Organisierung der großen Wirtschaftszweige und des internationalen Austausches zu beschreiten. Diese unerläß- liche Umwandlung erfordert eine gleichzeitige Entwicklung des öffent- lichen Einst, lffss aus alle wichtigen Zweige des Wirtschaftslebens und der wirksamen Kontrolle durch die demokratischen Organe der Ge- samtheit. Die Konferenz hat ebenfalls den einmütigen Willen betont zum Kampf für alle Maßnahmen zum Schutz« und zur Erleichterung für die Massen der Bevölkerung, welche Opfer der Krise sind Die Ar- beitstosen müssen überall und ausnahmslos m den Genuß der Arbeitslosenversicherung kommen. Die Angrisse aus die soziale Gesetzgebung müssen energisch zurückgeschlagen werden. Die Arbeiterorganisationen müssen überall und ohne Einschränkung ihre Aktion zur Verteidigung und zum Schutz« des Proletariats ent- wickeln können. Die Koalitions- und Meinungsfreiheft sind unter den Attionsmitteln der Arbeitertlasie diejenigen, die jeder wahrhaften Besserung der moralischen und materiellen Arbeits- und Lebens- bsdingungen der Arbeiterklasse zugrunde liegen. Im vollen Bewußtsein ihrer Verantwortimg und ihrer Pflichten erinnert die Konferenz alle Arbefter der Welt darn, daß es mehr denn je die Pflicht aller Gewerks chaftsorganisatio- n e n ist, national und international die genannten Forderungen solidarisch zu erstreben, ohne Rücksicht auf die besonderen und zeitlich bedingten Interessen der einen oder anderen. Dem kapitalisti- schen Block muß im Namen des höchsten Interesies der Arbeiterklasse der proletarische Block entgegengesetzt werden. Die Parole der Arbeiteraktion, die jetzt mehr denn je erklingen muß, lautet: vereinigt euch in der gemeinsamen Aklion zur Verwirklichung der gemeinsamen Forderungen, die allein geeignet sind, die jetzige Lage zu bessern! „Spinne im Aeh." Verliner Theater. Das Reißerstück, mit dem Fulton O u r s l e r und Lowell Brentano die USA.-Bühne beglücken, soll sogar eine Tendenz haben. Verulkt werden die Detektive, die des Verbrechers beste Feinde, aber auch durch ihre Dummheit seine besseren Freunde sind. Ein tüchtiger Hallunke steckt natürlich durch seine Pfiffigkeit alle Schlauheitsmaschinisten in die Tasche. Diese Detektive arbeiten ja nur nach Schema E und unterliegen deshalb stets der ange- borenen Spitzbubenphantasie. Und zu dieser Satire kommt noch, daß die Wunderneigung der nüchternen jjankees gekitzelt werden soll. Ein Hokuepokusmann, ein Zauberer und Hellseher benimmt sich ebenso schlau wie die patentierten schweren Jungen. Und jedes- mal ist auch hier das alleinige Opfer und der allein Gefoppte der Policeman. So kommt auch etwas zustande, was man die Moral des Reißers nennen könnt«. Es soll gesagt werden, daß trotz aller Krise für das begabte Individuum, mag es auch Sing-Sing-wllrdig oder tollhausreif sein, noch ein Ausbruch aus der bürgerlichen Zwangsjacke möglich ist. Mit einem Wort: die große Chance wird stets dem Outsider ge- geben. Die Erfolgreichen werden immer die Schlagzeilenhelden, di« Lautsprecherhalbgötter sein. Zu dieser Tendenz kommt schließ- lich noch ein sehr grobkörniger Tingeltangel-Zirkus- und Ka- schemmenhumor, der Witz wird filtriert durch honigsüßes Gemüt und bitterböse Schnauze. Gewiß, es wird auf der Bühne auch je- wand erschassen, aber auch dieser Mord geht sehr vergnüglich zu. Außerdem hat man die Genugtuung, daß der Erschossene als ein widerwärtiger Rauschgiftschmuggler entlarvt wird. Also muß der schlimmste Strolch dran glauben, und es kommt immer wieder die Anständigkeit zu ihrem Recht, und zu ihrem Recht kommt auch die strenge Prohibition, und gezeigt wird, was für ein gutes, wenn auch gesährliches Geschäft der Schmuggel ist. Dem vielseitigen Reißer läßt sich unter solcher soziologischen Betrachtung manche gute Seite abgewinnen. Er ist zwar gemacht nach einem nun schon verramschten und verruchten Rezept, doch er amüsiert manchmal. Etwas Merkwürdiges geschieht: Obwohl wir Berliner weniger Gold als die New-Borkcr haben, haben wir mehr Geschmack. Deshalb werden wir etwas abgestoßen von dieser Theatermanier. So viel naive Verbrecherromantik geht den Berliner Moralisten und Theaterfreunden über die Hutschnur. Sie geht auch über die Kräfte der routiniertesten Schauspieler. R i e m a n n als Zauberer, Wall- bürg als genasführter Detektiv, Frau Valetti als verschrobener Theatertrampel, Georg Vogel als Hellsehermedium, Hans D e p p e als blöder Ganeff, sie spielen alle zu grausig für das Grausige, zu munter sür das Muntere, zu wild für das Wilde. Sensations- gepalter oder Ssntimentalitätsgesäusel, grenzenlos verschleimt, das ist der Stil. Schon am Eingang des Theaters hängen die schreien- den Plakate, die Logenbrüstungen sind knallig überklebt. Di« Billett- knipserinnen sind überneckisch verkleidet. Die Tempopeitsche wird geschwungen. Trotzdem schleppt sich alles hin. Die Satire wird lahm. Der Witz wird zäh und zahm. Umgangen werden die wahre Satire und der wahre Witz, damit die Zuschauer ja und ja nicht aus ihrer Steuerzahlerschläsrigkeit allzu häufig aufgescheucht wer- den. Man kennt solchen Schwindel, solche Barbarei und Banalität: Kitsch, Kitsch, allerniedrigsten Kitsch. d.i. H. Kabarei''vormiitaa m der Vokksbüdne. Von der gestrigen Kabarettmatinee in der Volksbühne gilt in noch höherem Maße, was schon von den vergangenen galt: bei teilweise ausgezeichneten Einzelleistungen zeigt das Ganze doch kein Gesicht. Es fehlt die ordnende, aussondernde Hand, die diese Sonntagvormittage von ihren allzu großen Stilunterschiedllchteiten befreit. Um den krassesten Fall herauszugreifen: Es geht natür- ' lich nicht an, daß unmittelbar nach dem diesmal ganz besonders kämpferischen und anklägerischen Ernst Busch zu den Klängen einer Jazzkapelle das(übrigens auf offene Ablehnung stoßende) schmalzige W o l g a l i e d aus dem Zarewitsch gesungen wird. Un- verständlich ist auch, wieso der im Vortrag gewiß hervorragende Josef Plaut es für angebracht hielt, ausgerechnet eine Militär- Humoreske zu bringen, die um 1900 herum einmal aktuell gewesen sein mag, und der temperamentvollen und in ihrer männlichen Derbheit so köstlichen Ell! G l ä h n e r wäre zu empfehlen, solche patriotische Billigkeiten wie die Deutsche Michcl-Äpotheose zu meiden. Aus dem übrigen Programm seien Ilse T r a u tz s ch i l d mit ihren Zille-Miiieu-Chansons und der begabte Schnellkarikatu- rist Werner S a u l hervorgehoben. Frank Günther konferen- zierte mit viel Witz und sehr sympathisch. H. B Oer Festakt der Philharmoniker. proqrammrede fairtwänqleret Der offizielle Festakt anläßlich des Svjährigen Bestehens des Philharmonischen Orchesters, der Sonntagvormittag im blumen- und kranzgeschmückten Oberlichtsaal der Philharmonie stattfand, be- gann mit einer(von Franz Veit geleiteten) Bläserserenade Mozarts; ihr folgte die Festreden. Lorenz Höber(Vorstand des Philharmonischen Orchesters) begrüßte im Namen des Sgjährigen Geburtstagskindes die Anwesenden, insbesondere die Veteranen des Orchesters, die Vertreter der Behörden und Gesandtschaften und feierte Furt- wängler(der in seiner Rede wiederum da» Orchester pries)— die anderen Redner sprachen Hymnen auf beide. Fritz Klein verftat die deutsche Presse Geheimrat Friedländer überbrachte Grüße und Glückwünsche der Brahms-Gesellschaft, Oberbürgermeister Sahm sprach für die Stadt Berlin und teilte— sicherlich zur Freude aller — mit, die Zukunft des Orchesters könne nach den letzten Be- ratungen der Stadtverordneten als gesichert angesehen werden. Die Glückwünsche des Reichspräsidenten und der Reichsregierung über- brachte Staatssekretär Zweigert, der Furtwängler eine seinen Namen tragende Goethe-Medaille mit einer von Hindenburg unterschriebe- nen Verleihungsurkunde überreichte. Als letzter ergriff Furtwängler selbst das Wort: er sprach weniger allgemein, weniger hymnisch und unverbindlich als seine Vorredner, ernster und nachdenklicher. Es war der Versuch einer Besinnung über die neue Zeit und ihre soziologischen Grundlagen, über neue Musik und neue Interpretation Wenn ihm da auch nicht vergönnt war, Neuland zu finden. Gültiges oder gar Endgültiges zu formulieren,— das ernste und eindringliche Streben, die Zu- fammenhänge zu erkennen, sich klar zu werden, wo so wenige nur klar zu sehen vermögen: dies allein ehrte ihn(der es mit dem Takt- stock wahrlich leichter hat) mehr als die schönen— meist Goethe ent- lehnten— und gewiß auch erhebenden Worte der anderen. Furt- wängler sowie Otto Müller, der langjährige Vorstand des Orchesters. wurden zu Ehrenmitgliedern der Philharmoniker ernannt Ein Fortschrill In der Tuberkulosefürsorge. Während»och im Jahre 192S nach den Berichten der deutschen Tuberkulosefürsorge- stellen rund 31 Proz. der deutschen Osfentuberkulösen nicht ein eigenes Bett hatten, hat sich dieser geradezu unglaublich anmutende Zustand stetig verbessert. Im Jahre 1930 waren nur noch 4 Proz. nicht im Besitze eines eigenen Bettes. D. h.: von ungefähr III 000 Ofsentuber- kulösen hatten 4481 kein Bett für sich allein. Da« Berliner Sinfonieorchester bleib« in seiner bisherigen Form auf alle Fälle bis zum 30. September d. I. bestehen. Die Geschäfte des Or- chesters werden bis dahin ohne Einschränkung weltergcführi. Da» Russische Institut sllr Deutschlandkund« veranstalte! eine neue Bor- iragsrcihe. U. a. haben folgende deutsche und russische Gelehrte und Schritt- steller ihre Mitwirkung zugesagt: Prof. A. Kronseld. Arno Nadel. Felix Stössinger. Dr. I. Brutzku», Dr. A. Hackel. Dr. M. Schaar,. Pros. Graf Zubow, Dr. G. Wirschubskl, Dr. E. Haskin. Dipl.-Ina. W. Tigranow, N Bclozwctow, Dr. B. Pincs. Die Vorträge finden Fasanenstr. 23 statt. Heut«, abend» 8.80 Nhr, spricht Arno Nadel über:„Höhepunkte d e- d e u t I ch e n L Y r i k". Eintritt frei. Schiedsspruch gegen Buchdrucker. Verschlechterungen des Manteltarifs� Das am 16 April wieder zusammengetretene tarifliche Zentral- schlichtungsamt fällte in später Nachtstunde einen S ch i e d s- s p r u ch, der eine Reihe von Verschlechterungen des alten Manteltarifs bringt und mit diesen verschlechterten Arbeitsbedingungen den Tarif bis zum 3 6. April 1333 ver- längert. Die Bezahlung der Schichtarbeit wird gekürzt, wodurch den Schichtarbeitern eine Lohnkürzung bis zu 1,83 Mark pro Woche erwächst. Die Zuschläge für regelmäßige Sonntags- arbeit werden von 93 aus 7 5 P r o z. herabgesetzt, die Ueberstundenausschlögc bei Kurzarbeit auf nur noch 13 P r o z. bemessen und die Lehrlingskoslgelder für die letzten drei Lehrjahre je nach der Ortsklasse um l,32 bis2,43 Mark pro Woche herabgesetzt.(Die Lehrlingskostgeldsätze sind, da sie sich in Prozentsätzen vom Gehilfenlohn bemessen, bereits im Bor- jähre gleich den Gehilfenlöhnen um 18 Proz. gekürzt worden, Kurzarbeit soll künftig mangels einer Vereinbarung mit einer Ausnah mekündigungsfri st von drei Tagen angesagt werden können, Die bedeutsamste Verschlechterung liegt jedoch in der Bestim- mung, daß auch für die Vollarbeitcr der Urlaubslohn im lausenden 3ahre„in Anbetrocht der Rot- zeit" nur noch mit 73 Proz. ausbezahlt werden soll, während die Kurzarbeiter den Urlaubsschein wie schon bisher nur anteilig nach Maßgabe der geleisteten Kurzarbeit erhalten jedoch ebenfalls nicht über 73 Proz, des Vollarbeiterlohns hinaus Die Zahl der Urlaubstoge bleibt in alter Höhe bestehen, Trotzdem die Schlichter erklärten, daß sie fühlbare materielle Verschlechterungen über den Weg des Manteltarifs nicht eintreten laßen wollten, haben sie, wie in der mündlichen Begrün- d u n g ausgedrückt, die vorstehenden Veränderungen für notwendig gehalten, um dem Gewerbe„eine etwas größere Beweg- l i ch k e i t" zu schaffen. Am einschneidendsten ist die Kürzung der Urlaubs- bezahlung auch für die Vollarbeiter u m 3 3 P r o z,, die an- scheinend aus allgemeine Richtlinien des Reichsarbeitsministeriums bezüglich der Verlängerung von Tarifverträgen zurückzuführen sind, womit einseitig nur wieder den Arbeitern die Erholungsmöglich- krten außerhalb ihres Arbeitsortes erheblich erschwert oder gänz- lich unmöglich gemacht werden, Aufs schwerste betroffen dürften von solchen Verböserungen der tariflichen Urlaubsbestimmungen, die gerade im Interesse der arbeitenden Bevölkerung geschaffenen billigen Wold- und Wassererholungsstätten, die Ferienheime usw. sein. Die Unternehmer werden voraussichtlich dem Schieds- spruch zustimmen. Die Erklärungsfrist läuft am 23, April ab. Da die Unternehmer trotz der Mahnung der Schlichter ihre Lohn- tarifskllndigung nicht zurückgezogen haben, werden om 23, April auch noch Verhandlungen über das am 33, April ab- laufende Lohnabkommen zu führen sein, Streik im Kuhrgewerbe? Die Arbeiter zur Gegenwehr entschlossen. Das Lohnabbaudiktat der Berliner Fuhrherrninnung ist bei den Arbeitern des Schwer- und Leichtfuhrgewerbes auf den schärf- sten Widerstand gestoßen. Die Arbeiter denken nicht daran, sich nochmals 15 bis 16 Proz, Lohnabbau gefallen zu lassen, nachdem ihnen im Laufe von 1Ä Iahren schon 2 2 bis 28 Proz. Lohnabbau aufgebürdet worden sind. Die Kutscher haben keine Lust, außerdem noch die Pferde ihrer Unternehmer umsonst süttern und pflegen zu gehen, wofür ste bis jetzt 3,63 M. pro Woche erholten haben. Das Lohnabbaudiktat der Fuhrherrninnung ist so ungeheuerlich, daß sich viel Fuhrunter- nehmer scheuen, es ihren Arbeitern zu unterbreiten. Di« Fuhr- Unternehmer, die ihren Arbeitern den Beschluß der Innung auf- zwingen wollen, sind die altbekannten Scharfmacher im Berliner Fuhrgewerb«, wie zum Beispiel die Firmen Johann Knauer, Schöneberg, Georg Schultz, Weißensee, A. Tabbert, Mühlen st raße, und einige andere. Die Funktionäre der im G e s a m t v e r b a n d organisierten Arbeiter des Schwer- und Leichtfuhrgewerbes haben am Sonn- tag beschlossen, in den Fuhrbetrieben, die auf der Durch- sührung des Diktats bestehen, die Arbeit«inzustellen, um dadurch oie Zurücknahme des Lohnabbaudiktats zu erzwingen. Heute, Montag, soll in diesen Betrieben durch die Funktionäre noch ein letzter Einigungsversuch gemacht werden, so daß mit den Arbeitseinstellungen erst Dienstag früh zu rechnen ist. Zu der Gesamtlage nimmt eine Volloersammlung der sreigewerkschaft- lich organisierten Arbeiter dieser Branche am Donnerstag in den Residenzfestsälen Stellung, Oer Streik in Nordwestböhmen. Er soll fortgesetzt— oder abgebrochen werden. Brüx, 18. April. Wöhrend die freien Gewerkschaften sich für die Annahm« des Proger Abkommens mit dem Arbeitsministerium einsetzten, beschloß eine Bergarbeiterkonferenz am Sonntag mit 758 Ver- tretern von 75 Schächten, den Streik mit allen Mitteln fortzusetzen. Das Prager Abkommen habe keine hinreichende Sicherung. Die Streikleitung erklärte jedoch heute, falls wider Erwarten die Arbeiter am Montag die Arbeit doch wieder aufnehmen sollten, die Streikleitung den Streik abbrechen würde. Zur Beschlußfassung über die Ereignisse des Montags wurde für Diens- tag eine neue Konferenz einberufen. Für die Stimmung unter der Arbeiterschaft ist das Ergebnis der nationalistischen Besprechung bezeichnend In der Sitzung wurde beschlossen, die Bergarbeiter zur Arbeitsausnahme aufzufordern. Dieser Beschluß erfolgte aber bei Stimmenthaltung von 253 Ver- tretern mit einer Mehrheit von 53- 6 Stimmen. Em Streikbegrabnis. Der große Trauertag in �riix. Rundfunk der Woche Siedlungsprobleme vor dem Mikrophon Der erste der von der Berliner Funkstunde veranstalte- tcn Vortragszyklen für Erwerbslose„Aus Arbeit und Leben'" versuchte, die gegenwärtige Entwicklungsphase der Technik in ihren Auswirkungen aus Arbeitslage und Arbeitsmarkt aufzuzeigen. Der zweite Zyklus„Siedlung" beschäftigte sich mit dem Problem, wie sich die freigewordene Arbeitskraft zweckmäßig und sinnvoll an- legen laßt. Siedlung erscheint manchem Arbeitslosen heute nur als Versuch, einen Ausweg zu finden aus der wirtschaftlichen und seeli- schen Not, mit der er und seine Familie ringen, manchem aber auch als die große Hoffnung, der Aufstieg zu einem glücklichen, befreiten Leben. Was ist Siedlung in Wirklichkeit, wie sieht sie dort aus, wo sie bereits konkrete Gestalt angenommen hat, wie sieht sie für die Menschen aus, die in ihr leben? Wer kann überhaupt zur Siedlung kommen, wer kann Siedler werden? Gartendirektor Ludwig L e s f e r, der die Sendefolge leitete, begann sie folgerichtig mit der Klärung dieser letzten Frage. Die Darbietung„W eg zur eigenen Scholle" führte in die Siedler-Beratungs stelle Berlin. Die Dialoge waren für den Zweck der Funksendung konstruiert, und man hörte das aus jedem Satz heraus. Trotzdem waren sie gut, denn sie waren in den wesentlichen Punkten anschaulich und frei von Ueberflüssigkeiten, Der Hörer erfuhri siedeln kann, wer durch Herkunft oder Beruf mit der Landwirtschaft verbunden ist. Das ist die wichtigste Voraussetzung, obgleich in den Stadtrandsiedlungen auch sür jene Platz geschaf'en werden soll, die aus großstädtischen Verhältnissen und Lebensbedin- gungen zur eigenen Scholle streben. Mit Lust und Liebe lassen sich die sür diesen Kleinbetrieb notwendigen Kenntnisse schon aneignen � doch die richtige ländliche Siedlung, die den vollen oder doch den halben Lebenserwerb einbringen soll, erfordert gründlichere Vorbildung— und im allgemeinen ein B e- triebskapital von mindestens einigen tausend Mark. Zlber selbst dies beides genügt noch nicht. Wenn Bauern- Wirtschaft heute rentabel sein soll, so muß sie im Familien- betrieb bewirtschaftet werden. Das erfordert vor allen Dingen eine entsprechende Bereitschaft und Vorbildung der Frau, da diese einen wesentlichen Teil der Arbeit, vor allem die Sorge für das Vieh, übernehmen muß. Die Größe der Wirtschaft ist nicht nur vom vor- handenen Kapital abhängig zu machen, sondern vor allen Dingen von der Anzahl der arbeitsfähigen Hände in der Familie. Täglich kommen 23 bis 33 Menschen in die Berliner Beratung?- stelle, dazu schriftliche Anfragen in ungeheuren Mengen. Sehnsucht nach einer Heimat und Hoffnung aus eine Existenz sind wohl zu gleichen Teilen die Triebkräfte bei den meisten, die zur Siedlung streben. Die Siedlerfreude, der Wunsch nach Verbundenheit mit der Scholle ist ein wichtiger, unentbehrlicher Impuls für die schwere Arbeit des Siedlers. Das wurde anschaulich gemacht in dem Bericht ans einer Ttadtrandsiedlnng bei Brandenburg in der Mark. Einige hundert Erwerbslose haben sich hier ihre Häuser errichtet, ihre Grundstücke bestellt. In gemeinschaftlicher Arbeit ent- stand und entwickelte sich die Siedlung. Man half sich gegenseitig. baute die öffentlichen Wege und technischen Anlagen gemeinsam, um dadurch mit möglichst geringem Kostenaufwand auszukommen. Eartendirektor L e s s e r sprach vor dem Mikrophon mit einer fünfzig- jährigen Kriegerwitwe, die gerade dabei ist, den Boden für ihre» Hausbau auszuschachten; am 1. September will sie einziehen. Auch in der ländlichen Siedlung Bärenklau, in die die Sendung des folgenden Tages führte, ist die alleinstehende Frau vertreten. Auf einer zwei Morgen großen Landarbeitcrstelle wirtschaftet eine ehemalige Stenotypistin, die nach 23 Berufsjahren den Weg aufs Land suchte. V i e r I a h r e hat sie in dem Großbetrieb"Bärenklau als Gärtnerin gearbeitet, ehe sie sich selbständig machen konnte. Ein Maschineningenieur, dessen Frau kaufmännische Sekretärin war, sitzt heute auf einem vierzig Morgen großen Bauerngut, das er vor neun Jahren nach einjähriger landwirtschaftlicher Lehrzeit, die er ebenfalls auf Bären- klau durchmachte, übernahm. Die größten Bauernstellen in Bären- klau umfassen sechzig Morgen; Gärtnersiedler bewirtschaften sechs bis zehn Morgen, Landarbeiter und Handwerker bis zwei Morgen. Siebenhundert Morgen des ehemals 2233 Morgen großen Gutes sind so besiedelt; das Restgut wird im Rahmen eines Großbetriebes ver- waltet. Durch genossenschaftlichen Zusammenschkus; sind möglichst günstige Absatz- und Einkaufsmöglichkeiten für die Siedler erreicht. Die Tatsache, daß Menschen, die ursprünglich nicht dem Lande verbunden waren, hier in Bärenklau zur Siedlung kamen und erfolgreiche Siedler wurden, scheint zu den Auskünften der Siedlerberatungsstelle in einigem Gegensatz zu stehen. Aber Bärenklau ist schon eine verhältnismäßig„alte" Siedlung. In der gegenwärtigen Krisenzeit ist der Andrang zu Siedlerstellen außer- ordentlich gewachsen; wie sich in der Schlußaussprache mit einzelnen Hörern ergab, in einem Maße, daß zur Zeit keineswegs alle Wünsche nach Siedlungsland befriedigt werden können. Ii, folge- dessen bevorzugt man bei der Vergebung die besonders Geeigneten und vermeidet das Experiment. Leider ging aus der ganzen Sendungsreihc nicht hervor, wie, im ganzen gesehen, die Experimente vergangener Jahre ausgegangen sind. Dem Hörer mußte es ungerecht erscheinen, wenn er nur von einzelnen günstigen Ersahrungen in dieser Richtung hörte und dann erfuhr, daß Menschen ohne Beziehung zum Landleben heute kaum Siedlungsmöglichkeit finden. Ihm wurde nicht deutlich gemacht, daß der Betriebsingenieur und die Sekretärin, die m einem Jahr zum perfekten Bauernehepaar werden, zweifellos besondere Be- gabung und besonders starken Willen sür diese nicht leichte Um- stellung besaßen. Es wurde aus der Stadtrandjendung sowohl w e aus Bärenklau zuviel flächig-bildhafte. zu wenig die Tiefen und Hintergründe durchleuchtende Reportage gebracht. Gartendirektor Ludwig Lesse r ist ein glänzender Plauderer; seine Gespräche über Blumenzucht gehören zu den erfreulichsten Lehrstunden der Berliner Funkstunde. Seine Plauderkunst bewährte sich auch in dieser Sendung, wenn es galt, Bilder der äußeren Situation zu geben oder die notwendigen, aber nicht immer kurzweilig gehaltenen Berichte amtlicher Personen aufzulockern. Aber es fehlte ihm der Partner, der die Bewohner der Siedlung in ihren persönlichen Schicksalen vor das Mikrophon brachte. Denn diese Menschen sind für den Hörer eigentlich hier das wichtigste. Sie können ihm vielfach Ant- wort auf die brennendste Frage geben;„Könnte ich an ihrer Stelle stehen? Kann ich siedeln?" Was Gartenbau- direktor Lesser zeigte, schien eine Welt, in der jeder leben und fem Auskommen finden kann, wenn er ausgeweckt, gesund und arbeits- willig ist. Die Schwierigkeiten, die dem einzelnen immer wieder aus dem ungewohnten Lebens- und Arbeitsgebiet erwachsen, die einzelnen und die allgemeinen Sorgen des Siedlers traten in diesen Gesprächen nicht zutage. Es wäre günstiger gewesen, weniger Bilder, mehr Menschen in diesen Berichten zu zeigen. Die Fragen, die in der abschließenden Höreraussprache gestellt wurden, bewiesen das bereits. Nach Aeußerlichkeiten wurde überhaupt nicht gefragt. Dagegen erkundigte man sich nach Mög- lichkeiten zur Siedlerschulung, nach den M i n d c st- Mitteln, die sür die Siedlung notwendig sind, nach den Wirt- schasts Nöten des Siedlers. In dieser letzten Sendestunde konnte das alles natürlich nur mit kurzen Hinweisen beantwortet werden. Wie wirkungsvoll wäre es aber gewesen, wenn die Men- schen aus den Siedlungen selber davon berichtet hätten: wie sie dos notwendige Kapital zusammengebracht haben, wie sie mit schwierigen Zeiten in der Siedlung fertig geworden sind, ob und weshalb nach ihrer Meinung Siedler in ihrer Umgebung scheiterten. Doch soll man nicht zu anspruchsvoll sein. Mit diesen Sendefolgen wurde Neuland betreten, und man muß zufrieden sein, wenn auch vielleicht nicht der beste, wohl aber ein gangbarer Weg eingeschlagen wurde. Das aber war hier unbestreitbar der Fall; der Hörer, der sich für Siedlungsfragen interessiert, bekam Anregungen und Hinweiie, an welchen Stellen er sich eingehendere Auskünfte holen kann. Tes. Verantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Glocke Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. KSr Theater Montag, den 18. April Staatsoper unter den ünden 20 Uhr Cavalleria rusticana Bajazzi Staatl.Siiauspieüiaus jendarmraraarki 20 Uhr Die endlose Straße Kalo Kartmerkauf Schiller-Theater Charlottenbnrg. 20 Uhr Cyrano von Bergerac tCrtA(J£jP££lHtAJS\ Am Sonnabendnachmittag wurden in Brüx in Nordwest- böhinen die beiden Todesopfer bestattet, die bei dem Zusammenstoß streikender Bergarbeiter mit Polizei und Militär erschossen wurden.; Die Beteiligung an dem Trauerzug war ungemein stark. Die Schätzungen disferieren zwar zwischen 12 333 bis 14 333 und 21333 Menschen, lassen jedoch erkennen, daß es sich um eine machtvolle, würdige Demonstration der Bergarbeiterschaft Nordwestböhmens handelte, die durch die Uuternehmerdrohung mit Massen- entlassungen zum Massenstreik und zur Verzweiflung ge- riehen wurde. Sieben Musikkapellen begleiteten den Zug, der sich in voll- �|§ f �! kommener Ruhe.zum Friedhos bewegte, wo an den offenen Gräbern' 3 Ansprachen geholten wurden. Es kam zu keinerlei Zwischenfällen. DIE SCHÖNE HELENA Premiere Dienstag, 7 Uhr heute ooechiossen VolKsblihne Tbeater am ßOlowplatz 8 Uhr „Liliom" mit Hans Albers Staatl. SAiller- Thealer 8 Uhr Cyrano von Bergerac Staatsoper Unter den Linden � Uhr Cavalleria rosllcana Balazzl PLAZA (UhaSctleslsck.Baluili. So.ais.Stgs.e.S.Bii«. Til.;E7WelcaselMN DerVogelhändleri »v.uhr CASlNO-THEATERs'/i m» Lothringer Strafe 37. DüDtsdiet Theater 8 Uhr Vor SonoeouritergaDj] v. Gerh. Hauptmann Regie: Max Reinhardt Berlins neuestes Operetten-Theater! ««Peppiiia" Operette in 3 Akten. Musik von R.Stolz Erstkl. Gesangskr. Neue Bühnenausst IflPtrfinnl-ThfiStRr Gutschein 1-4 Personen: Parkett so PI. Fauteuil I.— Mark. Sessel ILO Mark. Täglich 8'/« Uhr Cnrt CBtat in Theater a.nollendorlplatz Pallas 7051 SV« Uhr.Stg. 4V« Uhr Traum einer Oaefil Operette in ö Akten v. LuiLWom n. Karl Bf In Musik»on Hans Maj Regie: Beinz Salteoborg Rundfunkh. halb.Pr Stgs. P4 Uhr kl. Pr. Slädf.Oper Mos Aimee Charlottenburg dismarckstraße 34. Montag, 18. Aptil Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Manon Pfahl. Tatra. Baumav). Peduni, Stiier, Hayor Anfang lOJO Lhr Ende geg. 22 30 Uhr Operette von Curt Götz, Musik von Benatzky Theater des Westens Täglich 8-/4 Uhr GASTSPIEL Oretr Sllezak in Ehekarussell Rose■ 1 tieater Snlt Frankfortw Straße 13? Tal. Wtidisel E 7 3422 8.15 Uhr Die Frau, die jeder sudit Tb. in Adniralspalast Täglich 8V, Uhr Käthe Dorsch Gustaf Gründgens in: Liselott* Singspiel».Eduard Könneke Lenins-Theater Täglich 8V« Uhr Das Theater der Schauspieler Maria Stuart Agnes Straub, Tllla Ourieux -ineaterin fler- Strescmannstr. Täglich 8V» Uhr ueimROlunann i: OerlHusteriatte Schwank in 3 Akt B esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwärts" und trotzdem n billig Q Schwerhörige hören sofort wieder mildern ärztlich empfohlenen OBIGINAL- AKUSTIK• APPARAT mit nenestem HieinhOrer; — Noch Besseres gibt es nicht!— Dentsdie Akustik Oesellsdiaft n. b. H. Aelteste u. führende Spezialfabrik Verkauf u. Vorführung; Berün-Wllmersdort, Riotzstr. 43 Berün, Kiostsrstr. 44 Reinickenaort-ost, Brienzer Str. 4 Verl.Sie Hauptkatalog 16 kostenlos Auf Wunsch Zahlungserleichterung original- Beiema Patentmatratzen/ Ruhebetten Couchs mit Befema- Federung Palent-Drehbctt(D. R. P.) ein Grift- ein Bett, sowie das neue Holzbett mit aefema-Federnng sind vollkommen geränscfalos I— Kein Einllegen. Für sefawente Belastung. Ueberali erhältl 20 Jahre Garantie. Barl. Fedormutratz.-Fabrik. Koccenstr. 31 ftnbnnehiile, Dtatinabfälle Quecksilber Sinn. Metalle, Silber« sdimelze(Eofbfdimtl. zerei. Cbtiftionat Siopcniietfltaftc 39 Lalteftelle Adalbert. ftrabe Pumpen lafairit Berlin Jf 84 r Slrafc 91. föellcsge Montag, 18. April 1932 L?rÄbr>ni> SfinJaiiifaße-Ju Urf&äsÜ Kampf um Preussen ist Kampf ums Reich! Die geheimen Pläne der Reaktion Von Wilhelm Tietgens „In durchaus richtiger Einschätzung der geringeren Bedeutung der Reichsgewalt auf dem rein innerpolitischen Gebiet hat die Sozialdemokratie alle ihre organisatorische Kraft und alle ihre personellen Machtmittel auf die Durchdringung and Beherrschung des preußischen Staatsapparates konzentriert. Wird ihr dieser durch einen poli- tischen' Umschwung weggenommen, dann bedeutet das innerpolitisch geradezu eine Revision des 9. N o- v e m b e r." (Deutschnationaler Abg. Lothar Steuer, in der Broschüre„Kämpfe um Preußen".) „Der Kampf geht um Preußen, wo in diesem Jahre die Machtentscheidang fällt. Voraussetzung für einen neuen Ausbau des Staates ist die Ausschaltung des staatsfeindlichen Sozialismus, über Preußen muß das Reich erobert werde n." (Hugenberg in der deatschnationalen Neujahrsparole für das Jahr 1932,„Tag" 1. Januar 1932.) Was die Reichstagswahlen vom September 1330 nicht gebracht haben, was auch die Reichspräsidentenwahl nicht brachte, das soll— so hofsen die Reaktionäre— die Preußenwahl bringen: Unter- drückung der Arbeiterschaft und Herrschost des Faschismus. Denn die Wahlen in Preußen sind mehr als cinfache Parlamcntswahlcn für eine abhänigige Länder- rcgierung, sie sind die Wahlen nn größten deutschen Land, in dem Freistaat der deutschen Republik, dem wie dem Reichspräs!- denten, der Reichsregicrung und dem Reichstag eine ebenso bedeu- tungsvolle Stellung im Gliedervau des Reiches zukommt. Es ist im allgemeinen wenig bekannt und wegen des kompli- zierten Ausbaues unseres Staatsapparates auch schwer verständlich, mit welchen Kompetenzen und mit welchen politischen Machtbesug- nissen Reich und Länder, vor allem Reich und Preußen nebenein- ander und zueinander stehen. Wir haben hin und wieder von Be- mühungen um Reichsreform gehört, ohne wohl im einzelnen den Wert eines solchen Umbaues— noch dazu in wirtschaftlichen umb politischen Notzeiten— einsehen zu können. Die Tagespolitik gab uns andere Sorgen und Aufgaben. Nun legt Dr. W a l t h e r Vogel, Professor der historischen Geographie und Staatenkunde an der Universität Berlin, ein Buch rfdr, das die„Deutsche Reichsgliederung und Reichs- reform in Vergangenheit u nd Gegenwart" zmsaininen- sossend und übersichtlich behandelt.(B. G. Teubner, Leipzig, 1332, mit 22 Kortenskizzen, geh. 5,40 M., geb. 6,80 M). Das Studium dieses Buches gerade in den jetzigen Wahlkämpfen ist von höchstem Wert. Es zeigt uns mit eindringlicher Deutlichkeit, daß Preußen das Zentrum des Reiches ist und von hier aus die Politik des Reiches maßgebend beeinflußt wird. Um diese Stellung Preußens zu festigen oder zu zerstören, je nach dem politischen Ziel der handelnden Gruppen, deshalb ist um Reichs- reform gekämpft worden, deren Fortgang ebensalls durch die Preußenwahl entschieden wird. So erhallen wir auch durch das Studium dieses aufschlußreichen Buches die Gewißheit, daß der Ausgang der Preußenwahlen von historischer Be- d e u t u n g sein wird. Entstehung des[Reiches. In einem kurzen— wegen der Bedeutung dieser Entwicklung vielleicht zu kurzen— Abschnitt gibt Bogel einen Ueberblick über den Aufbau des Reiches fall seinen Anfängen bis zur Weimarer Ber- foss-ung. Wir sehen, wie allmählich das Reich von Westen nach Osten wuchs, aber eine einheitliche Führung und Geschlossenheit nicht zu- stände kam, weil das Kaisertum über„Deutschland" hinausgriff und sich in Italien und gegen das Papsttum verlor. Währenddessen durchbrachen die deutschen F ü r st e n, durch eigene Interessen und eigene Machtpolftik geleitet, die Berwaltung und zerstörten die Einheitlichkeit des Reiches von innen heraus. Ber- suche, die unzähligen Splitter durch neue Kreiseinteilungen oder durch „Einungen" zu einem festen Reich zusammenzuschweißen, mutzten an den vielseitigsten Jnteressen scheitern. So konnte eine Reichs- bildung nur durch gewaltsame Ueberwindung dieser Einzelinteressen zustande kommen. Sie wurde lange Zeit hinausgeschoben, weil gleichzeitig zwei deutsche Staaten, O« st erreich und Preußen, diesen Versuch unternahmen, und zwar in eigenem Interesse, weil sie durch die erstrebt« Vorherrschast über die anderen deutschen Staaten an Macht gewinnen wollten. Diese höchst tragische Geschichte der deutschen Reichswerdung erhielt im 19. Jahrhundert einige ebenfalls traurig«, aber doch weiterführende Abschnitte. Napoleon brachte durch seine groß- zügige„Flurbereinigung" für das Deutsch« Reich eine wesentliche Vereinfachung. Die Entstehung neuer Königreiche und Großherzog- tümer erfolgte zwar nur nn Interesse des französischen Jmperialis- mus, dennoch verteidigen heute unsere deutschen„Nationalisten" die Selbständigkeit dieser Staatsgebilde mit dem Hinweis aus uralte Stammeseigentümlichkeit und eigene Geschichte! Der„Deutsche Bund", ein Meisterstück des Reaktionärs Metternich, brachte über die deutschen Staaten die Vorherrschaft Oesterreichs. B i s m a r ck s Patentlösung zerschlug diesen Bund und schloß Oesterreich aus der deutschen Staatengemeinschaft aus. Dafür gerieten die deutschen Staaten mit der Reichsgründung 1871 unter die Vorherrschaft Preußens. In dieser unorganischen Form wurde das deutsche Staats gebilde den Schöpfern der Weimarer Verfassung zum Neubau überliefert. Es gelang damals in den Wirren des großen politischen und wirt- schastlichen Zusammenbruchs nicht, ein harmonisches Reich autzu- bauen. Wohl ist die Weimarer Verfassung auf die Idee eines Ein- heusftaates aufgetxutt, aber ihr« Durchführung mißlang. Oer heutige Zustand. Das Studium der Wennarer Verfassung ergibt den Eindruck, als ob das Reich ein einheitliches Ganzes sei, das fein« innere Ge- wall auf die Länder zur besseren Ausführung der Berwaltung über- tragen habe. In Wahrheit ist die Reichsgliederung höchst kompliziert, unorganisch und kostspielig. Diese Tatsache ist bei Vogel leider nicht stark genug herausgearbeitet, weil das Problem Preutzen-Reich zu sehr im Vordergrund steht. Die deutsche Republik zerfällt noch immer in 17 verschiedene Länder. Insgesamt werden die 62 Millionen deutscher Staatsbürger von 6 5 M i n i st e r n und von mehr als 2100 Abgeord- n e t e n regiert! Frankreich hat dagegen bei 41 Millionen Ein- wohnern und 55 Millionen Kolonialbevölkerung nur 13 Minister und 911 Abgeordnete, Usamerika bei 123 Millionen Einwohnern nur 10 Minister und 435 Abgeordnete. Die Vielzahl der deutschen Länderparlamente allein kostet ohne Reichstag mehr als 11 Millionen Mark jährlich, die Länderininisterien ohne Reichsregierung schlucken 48 Millionen Mark! Wie ungleich zudem dos Verhältnis von Be- völkerung und Parlament ist, zeigt die folgende Gegenüberstellung. Nach dem Ergebnis der letzten Landtagswahlen kommen auf je einen Abgeordneten in Preußen rund 85 000 Einwohner, in Bayern und Sachsen etwas über 50 000, in Württemberg, Baden und Thüringen immerhin noch um 30 000 Einwohner, in Mecklenburg-Strelitz und in Schaumburg-Lippe aber nur rund 3000! Diese 17 deutschen Länder sind nun nicht, wie man es so gern wahr haben will, Wohnsitze geschlossen lebender deutscher Stämme, sondern sie sind zahlreich zersplitterte Gebietsteile, die von den ehe- inaligen Dynastien durch Erbschaft, Heirat, Tausch, Kauf und Krieg zuisammengeramscht worden sind. So besteht allein schon das Land B r a u ns ch w e i g aus 28 Teilen, die in Preußen zerstreut liegen und oft nicht größer sind als ein großer Acker. 1929 gab es noch insgesamt 178 vom Stammland getrennte Gebietsteile mit nahezu 2 Millionen Einwohnern. Dieses Durcheinander ersordert natürlich auch eine Umnenge von Verwaltungskosten. Nicht weniger verhängnisvoll als diese Zersplitterung und Viel- staoterei ist die Ungleichheit der einzelnen Länder. Schaumburg-Lippe hat nur 48 000 Einwohner, das ist die Bcvölke- rung einer Kleinstadt und weniger als die durchschnittliche Ein- wohnerzahl eines preußischen Landkreises! Neun Länder haben weniger als eine Million Einwohner, 12 Länder haben weniger Einwohner als die preußische Provinz Pommern, die von allen preußischen Provinzen, die kein Gebiet verloren haben, am schwächsten bevölkert ist. Die größeren der deutschen Länder, Baden und Württemberg, hoben weniger Einwohner als der preußische Regierungsbezirk Arnsberg, der längst nicht der größte ist. Württemberg wird von 1 Staatspräsidenten, 4 Ministern, 80 Abgeordneten und 61 Landräten regiert und verwaltet, Baden von 1 Staatspräsidenten, 3 Ministern, 88 Abgeordneten, 4 Re- gierungspräsidenten und 40 Landräten. Auf den preußischen Regierungsbezirk Arnsberg entfallen dagegen nur ein Regierungspräsident und 18 Landräte. Preußen umfaßt mit rund 38 Millionen Einwohnern zwei Drittel der ganzen Reichsbevölkerung. Es hat fünf- mal soviel Einwohner wie Bayern, das zweitgrößte Land, und 800mal soviel wie Schaumburg-Lippe, das kleinste Land. Der Schwerpunkt der Wirtschaft Teutschlands in Industrie und Landwirtschast wie überhaupt des ganzen Lebens liegt aus preußischem Gebiet. So ist die Verwaltung und die Politik Preußens also maßgebend auch für das ganze Reich. Sie wird aber äußerst erschwert durch den Ausbau unserer Staats- organisation. Die Reichshauptstodt Berlin ist z. B. Sitz der Reichs- regierung, zugleich aber auch Sitz der preußischen Regierung, die mit acht Ministern drei Fünftel desselben Reiches beherrscht, an dessen Spitze 11 Reichsministerien stehen. Eine ständige Ueber- schneidung ist daher unvermeidlich. Hinzu kommt noch die eigen- artige Verteilung der Machtbefugnisse. Die Reichsregierung hat für die Durchführung ihrer großen politischen Maßnahmen aus den wichtigsten Gebieten keine Exekutive, sie ist immer aus die bereit- willigste Mitarbeit der Länder angewiesen. Was das bedeutet, be- weisen tagtäglich die Reibereien zwischen Reichsregierung und braunschweigischer Landesregierung. Umgekehrt haben die Länder wohl die gesamte Verwaltung in Händen und kennen unmittelbar die Bedürfnisse und Verhältnisse der Bevölkerung, können ober nur geringfügigen Einfluß nehmen auf die Ausgestaltung der Gesetze, die auszuführen ihre Ausgabe ist. Seit Jahren ist beispielsweise die preußische Regierung bemüht, eine der Verfassung entsprechende Schuloerwaltung aufzubauen, muß aber immer wieder schei- tern, weil ein Reichsschulgesetz nicht zustande kommt. So ergeben sich fortlaufend die unliebsamsten Schwierigkeiten und Mißstände, die den Aufbau des Staates gefährden und seine Verwaltung hemmen. Was soll werden? Bei Würdigung aller Mißverhältnisse im Aufbau des Reiches steht das Problem Preußen-Reich, das man auch als Problem kleines Deutschland-größeres Deutschland(Oesterreich ist ja immer noch Ausland!) bezeichnen kann, im Vordergrund. Infolgedessen sind auch die vielfachen Bemühungen um eine Reform des Reiches zuerst immer auf diese schwierige Aufgabe gestoßen, aber ebenso immer an ihr gescheitert. Von den zahlreichen Reformvorschlägen bespricht Vogel die wichtigsten, deren Zielsetzung auch hier kurz an- gegeben werden soll. Von der Reichsregierung wurde 1927 eine Ländertonfe» renz zur Reichsreform«inberufen, die unter Borsitz des Reichskanzlers Dr. Marx im Januar 1928 in Berlin tagte. Als wichtigstes Ergebnis wurde— neben mancher Klärung der An- gelegenheit— ein Verfassungsausschuß eingesetzt, der in eingehenden Arbeiten die Möglichkeiten einer Reichsresorm prüfte. Nach den Hauptgedanken dieser Reichsreformvorschläge soll Preußen im Reiche ausgehen, d. h. die preußischen Ministerien sollen mit den Reichsmini st erien verschmolzen. die preußische Verwaltung von der Reichsver- waltung übernommen werden. Die preußischen Pro- vinzen sollen mit einigen Einschränkungen den übrigen deutschen Ländern gleichgestellt werden, nachdem die norddeutschen kleinen Länder mit den preußischen Provinzen vereinigt und die preußischen Regierungsbezirke aufgelöst worden sind. Aus diese Weise würden in ganz Deutschland Länder von ungefähr gleicher Größe entstehen, die als mittlere Verwaltungsinstanzen in der Art der heutigen Regierungsbezirke zwischen der zentralen Reichs- regierung und den lokalen Kömmunalbehörden zu arbeiten hätten. Allerdings besteht der gefährliche Unterschied, daß die alten s ü d- deutschen Länder eine eigene Regierung, eigenes Parlament und gewisse staatsrechtliche Hoheit behalten, während die nord- deutschen Länder„neuer Art" dies alles nicht erhalten, sondern durch die Regierung des Reiches und durch den Reichstag mitver« treten werden sollen. Es würden also zwei Arten Länder mit völlig verschiedenen Machtbefugnissen ent- stehen. Auch sonst liegen in diesem Plane bedenkliche Einzelheiten. Ein zweiter beachtlicher Refornrvorschlag konnnt vom„Bund zur Erneuerung des Deutschen Reiches", einer Organi- sation, die im Jahre 1928 von dem früheren Reichskanzler Dr. Luther gegründet ist und haute vornehmlich von dem früheren Reichsministcr Dr. G e ß l e r geführt wird. Die Gedanken dieser Reformen bewegen sich in der gleichen Richtung. Sie haben im wesentlichen nur den großen Unterschied, daß die als Länder neuer Art gedachten preußischen Provinzen hier als Reichsprovinzen auf- treten. Ganz Preußen, mit den nord de utschen Klein- staaten vereinigt, soll als Reichsland unmittel- bar unter der Reichsregierung st ehe n. Doch behält es bei diesem Vorschlag eine große Geschlossenheit, die bei dem ersten Vorschlag sehr schnell verloren gehen muß. Von den zahlreichen Vorschlägen privater, vor allem wissen- schaftlicher Kresse sei der Entwurf von A. Weitzel erwähnt, der unter dem Namen„Frankfurter Entwurf" bekannt geworden ist. Nach ihm soll Deutschland einschließlich Oesterreich in 13 etwa gleich große Reichsländer gegliedert werden, unter Berücksichtigung ihrer Zusalmnienhäng« in Wirtschaft, Verkehr und Kultur.(Diesen Entwurf stellt die Geographische Verlagsanstalt Ludwig Ravenstein, Frankfurt a. M., in einer Uebersichtskarte 1: 2 000 000 dar, verbunden mit eingehender Statistik.) Hugenbergs Wünsche. Während diese Vorschläge trotz aller Sonderinteressen eine ge- wisse Fortentwicklung zum dezentralisierten Einheitsstaat im Sinne der Reichsverfassung anstreben, gibt es noch Reformoorschläg«, die ausgesprochen reaktionär sind So zielen die Forderungen des deutschiiationalen Politikers Dr. H u g en b e r g ganz offen auf eine eindeutige Vorherrschaft Preußens über die anderen Bundesstaatcii hin. Alsdann wird in dieser Reichsreform die Abschaffung des Parlamentarismus gefordert durch Aufhebung des Artikels 54 der Reichsoerfassung. Die Streichung dieses Paragraphen würde die Ministerverantwartlichkeit vor dem Parlament beseitigen und damit dem Parlament jeden politischen Einfluß nehmen. Mit dieser grundlegenden Umgestaltung des Reichsaufbaues nach den Plä- nen Hugenbergs wäre in der Tat ein Zu st and er- reicht, der jede oolksstaatliche Weiterentwicklung der Republik im Sinne der Reichsverfassung un- möglich machen würde. Deutschland würde aufhören eine Republik zu sein, in der die Staatsgewalt vom Volke ausgeht. Bei den Vorschlägen Hugenbergs kommt die Gegnerschaft gegen die Parlamente sehr deutlich zum Ausdruck. Aber auch die anderen Vorschläge, die eine Auslösung Preußens im Interesse eines dezentralisierten Einheitsstaates wollen, bringen mehr oder weniger bewußt eine Rllckentwicklung des Parlamentarismus und eine Gegnerschaft gegen die Staatsgewalt des Volkes. Zwar wollen sie eine Vereinfachung und damit vielleicht eine Stärkung der Selbst- Verwaltung in den unteren und Mittleren Instanzen, aber in der großen Politik wird dem demokratischen Parlamentarismus ent- gegengewirkt. Vor allem bedeutet es stärkste Gefähr- dung des republikanischen und sozialen Fort- schritt s, wenn Preußen in seine Teile aufgelöst werden soll, denn das einheitliche republikanische Preußen ist heute der stärkste Garant der Weimarer Verfassung. Diese großen politischen Gegensätze kommen auch bei Vogel zum Durchbruch. Es ist dem um wissenschaftlich« Objektivität sich mühen- den Professor leider nicht gelungen, sein« antiparlamentarsschen Ge- fühle zurückzuhalten. Jetzt ist wieder der Kampf aufs schärfste entbrannt. Am 24. April soll Preußen, das Bollwerk der Republik, von der Re- aktion erobert werden. Das Buch Vogels, das bestimmt nicht im Interesse der Arbeiterschaft geschrieben ist, zeigt deutlich, was auch für die weitere Zukunft aus dem Spiele steht, wenn in Preußen die Reaktion siegt. Mit Preußen soll das Reich er- obert, durch den Preußensieg die Revolution rückgängig gemacht und die Sozialdemokratie. der„Marxismus" vernichtet werden! Dsk dies nicht am 24. April und niemals geschehen wird, dafür gilt es alle Kräfte zusammenzufassen. Der Sport des Sonntags Arbeiter-Fußball/ Handball/ Hodkey Adler 08 schläft Eintracht 6:2 Meisterschaftsspiel in zweiter Auflage? Das war die Frage, die die zastlreichen Zuschauer in Reinickendors stellten. Nun, es war alles andere, nur kein Meisterschastsspiel! Reinickendors ließ den Meister nicht erkennen Hätte der Schiedsrichter von Anfang an richtig durchgegriffen, wäre es zu den beobachteten unliebsamen Zwischenfällen nicht gekommen. Erst nachdem von jeder Mann- schaft ein Spieler die Zuschauer vermehrte, hielten sich die anderen Spieler ruhiger. Daß Adler gewinnen würde, stand eigentlich schon vorher fest. Die Pankower verfügen jetzt wohl über die eingespielteste Elf des Kreises. Schon nach einer Minute Spielzeit sah der erste Treffer im Netz der Reinickendorfer, dem in der 7. Minute der zweite folgte. Dann kam keine Mannschaft mehr so recht zum Schuß. Bald waren es die beiderseitigen Läuferreihen, die Erfolge nicht mehr zuliehen, bald die Verteidigungen. Erst nach halbstündigem Spiel konnte Adler den Vorsprung aus drei und nach weiteren drei Minuten auf 4 Tore erhöhen. Nach der Pause leisteten sich Adlers Stürmer einige Scherze, die die Mannschaft um mindestens vier Treffer brachten. Dann wachten die Reinickendorfer etwas auf. In der 50. Minute konnte der schnelle Linksaußen eine gute Vorlage zum ersten Treffer für Eintracht anbringen, dem der Halbrechte bald darauf den zweiten folgen ließ. Dieses zweite Tor für Reinicken- darf war eigentlich das schönste des ganzen Spiels. Damit war aber auch das Pulver der Reinickendorfer verschossen. Noch zweimal ge- lang ee den Pankowern, den gegnerischen Torwart zu schlagen und das Resultat aus 6:2 zu schrauben. Weitir« Resultate: Lichtenberg 2 gegen Lichtenberg I Ii«.— Nord gegen Baumschulenweg 10:1.— Wilmersdorf gegen Luckenwalde t 2:2.— Eiche. Növenick gegen Niillnischc� Heide u>:0.— ulormannia gegen Wacker so 5:0.— Butab gegen Vorwärts.Wedding 3:3.— Eintracht. Svondciu gegen Staaken 2:1. — Eicht-Äohnsdorf gegen Storkow 3:2.— Minerva gegen Teltow 2:3.— Honla 31 gegen Pankow 6:3.— Zweite Mannschaften: Lichtenberg 2 gegen Lichtenberg 1 1:0.— Staaken gegen Eintracht-Spandau 2:1.— Normannia gegen Wacker 33 7:0.— Wilmersdorf gegen Luckenwalde 1 3:2.— Friedenau gegen ZdA. 11:0.— Pankow gegen Honia 2:3.— Pankow 3 gegen Hansa 3 3:3. — Teltow gegen Minerva 3:1.— Adler 08 gegen Sintracht-Reintckendorf 3:1 — Aller 8 gegen Baumschulenweg 0:1,— Putab gegen Porwilrt» 8:1.— Vutab 3 gegen Potsdam 3 3:1.— Eiche gegen jtöllnische Heid« 3:2.— Eiche. Bohnsdorf gegen Storkown Führung, dem in der 0. Minute der zweite Treffer folgte. Sleich daraus ver- fehlt Osten das leere Tor. In der 8 Minute holt Nowawcs 2:1 auf. In der 13. Minute unentschieden 2:2. Nach weiteren 3 Minuten 3:2. Moabit gegen Wedding 0:2. Die erste Halbzeit verlies tarlos, da sich die Weddinger vor dem Tor Moabits festspielten. Erst in der 17. Minute gelang der erste Treffer und eine�Nlinute vor Schlug der zweite. Rowawes gege:' MM~~ W M vor dem Adpfisf. Moabit gegen Osten 4:1. Die Moabiter waren stets Herren der Situation. Sie waren im Vergleich zum Spiel gegen Wedding nicht mehr wieder zu er- kennen. Halbzeit 3:3. In der 13. Minute 4:3 und erst in der 15. Minute 4:1. Wedding gegen Reinickendorf 1:1. Während die erste Sptelhälfte torlos ver. lief, ginge» die Wcddinger in der 12. Minute in Führung. In der 17. Minute stellte Reinickendorf die Partie auf Remis. Rowawes gegen Moabit 2:2. Aus einem 3:2 in der ersten Halbzeit wurde »ach dem Wechseln ein 2:2. Beide Mannschaften spielten mit der Sonne im Rücken überlegen. Osten gegen Wcdding 1:3. Fast sah es au«, als sollte Osten diesen Kampf für sich entscheiden. Nach 2 Minuten gingen die Ostleute in Führung. Noch im Liegen konnte der Halblinke den Ball ins Netz befördern. Damit war es mit Ostens Kunst aber auch vorbei Die 4., die 0. und die 7. Minute bringen für Wcdding die Tore. Die zweite Spielhälfte blieb dann torlos. Moabit gegen Reinickendorf 1:2. Das schönste Spiel des Turniers. Das Resultat entspricht vollkommen dem Spielverlauf Die Reinickendorfer führten bis zur Pause mit 3:2 Toren. Unverdrossen griffen die Moabiter in der zweiten Halbzeit an. Der Erfolg kam dann auch in der 10. Minute. Der Rest der Spielzeit brachte bald diese, bald jene Mannschaft in Borteil. Rowawes gegen Wcdding 0:2. In der 3. Minute errangen die Weddinger den ersten Treffer, dem in der 14. Minute der zweite folgte. Ostes gegen Reinickendorf 0:1. Für die Reinickendorfer kam nur ein Sieg in Frage, wollten sie In der Spitzengruppe bleiben. Lange sah es ober so aus, als sollte dieser letzte Kampf ohne jeden Torerfolg ausgehen Da kamen die Reinickendorfer aber zwei Minuten vor Schluß doch noch zum Siegestreffer. Das Gesamtresultat lautet: Sieger Wedding mit 7:1 Punkten und 8:2 Toren. Reinickendorf ebenfalls 7:1 Punkte aber nur 0:2 Tore. Moabit 3:5 Punkte und 7:7 Tor«. Nowawe» 3:5 Punkte und 5:8 Tore. Osten 0:8 Punkt, und 4:11 Tore. Der Verein volksfpori Neukölln hatte sich zu seinem Werbetag eine Mannschaft aus Frankfurt verpflichtet. Wie vorauszusehen war, gewannen die Frankfurter hoch mit 10: 5 Toren, obschon sie gerade in der ersten Halbzeit schwer zu kämpfen hatten. Die Neuköllner legten ein sehr schnelles Tempo vor und lagen bald mit 2: 0 in Führung. Die Frankfurter ließen sich aber nicht aus dem Kontakt bringen. Planmäßig verlegten sie das Spiel in die Hälfte der Neuköllner. Beim Stande von 3: 2 wurden die Seiten gewechselt. Nach dem Wieder- anwurf blieben die Neuköllner zunächst nur mit einem Torunterlchied den Frankfurtern dichtauf. Aber beim Ergebnis 7: 5 ließen die Neu- köllner nach. Noch dreimal gelang es den Gästen, den Neuköllner Torwart zu überwinden.— Die Kaulsdorfer hatten sich die erst- klassige Mannschaft von Eiche- Köpenick verpflichtet. Mit nicht weniger als 9:2 Toren geschlagen, hatten sie das Nachsehen. EsuzthsII-Tiii-nier der Alfen Die Altersriegen der Berliner Arbeitersportler begannen am Sonntag mit den neuen Spielen. 18 Mannschaften stellten sich der Leitung. Besondere Anerkennung verdienen die Frauen der Freien Scholle Tegel, die auch mit dabei sein wollten. Ein Vorbild für die noch sehlenden! In Anbetracht dessen, daß der Wahlkampf schon mit ganzer Kraft eingesetzt hat und das Aprilwetter am Morgen noch sehr rauh war. ist der Besuch als sehr günstig zu bezeichnen. Nach kurzer Gymnastik begannen die Spiele. Hockey Dem Freien Hockey-Klub Spandau gelang es, den aussichts- reichsten Titelanwärter Volkesport Neukölln-Britz mit 2:1 zu schlagen. Die Neuköllner zeigten wenig Zusi'mmenspiel, so daß die Spandauer sich gut entwickeln konnten. Ihre Angriffe waren schwungvoll und von großer Durchschlagskraft, was den knappen Sieg als gerecht erscheinen läßt. Auch der ander« Meistcrschastz- anwärter Tennis-Rot konnte sich gegen Den Athieük-Sportklub nicht erfolgreich durchsetzen und spielte nur unentschieden 2: 2. Die zweiten Mannschaften vom Volkssport Neukölln-Britz gewannen gegen Freien Hockey-Klub Spandau 4: 2 und die Sportlerinnen des Volkssport Neukölln spielten gegen Tennis-Rot unentschieden 0:0. Der Nachmittag war dem Beisammensein in den Helmakhikfen der Vereine vorbehalten. Collegia hatte als Arbeiterverein an- gefichis der bevorstehenden Wahlen das Richtige getroffen: In Krauses Gasthof in Gatow fand in Gemeinschaft mit Parteimitglie- dern aus dem Ort und aus Spandau eine Feier statt, bei der die Ruderer mit einem Fahnenaufmarsch mitwirkten und der sozial- demokratische Landtagsabgeordnete Maderholz eine Ansprache hielt. Der Ruderverein„vorwärts" oersammelte gestern seine Mit- glieder zum Anrudern-Mit roten Wimpeln festlich geschmückt, setzte sich gegen Mittag eine starke Flottille zu einer Fahrt in die Stadt in Bewegung, die beim Publikum starke Beachtung fand und sicher ihren Werbezweck für die Arbeiterruderbewegung erfüllte. Der Nachmittag vereinte alle Mitglieder und Gäste bei fröhlicher Feier. Doch auch dem Ernst der Zeit wurde Rechnung getragen, und der 1. Vorsitzende Schreck ermahnte alle Genosien in eindringlichen Worten, am Sonntag, dem 24. d. M., jede Stimme für Braun- Severing abzugeben._ Der große Straßenlauf ASC. gewinnt den Straßenlauf Oeutsch- wuster hausen— Eich walde Auf der altbekannten Rennstrecke kam gestern zum zwölften Male die F r ü h j a h r s p r ü f u n g der Mittelstreckler der Arbeitersportler zum Austrag. Die Freie Turnerschaft Wildau buchte mit ihrer Veranstaltung einen weiteren Ersolg. Schon um 14 Uhr belebte sich die Laufstrecke. Lastautos setzten die Läuser an den einzelnen Wechselmarken ab. Geschästige Motorradfahrer flitzten die Strecke entlang, um die letzten Vorbereitungen zu tressen. Die Bevölkerung von Wusterhausen, Wildau, Zeuthen und Eichwalds erschien wieder in ungewöhnlich großer Zahl, man mcrtte, daß etwas Kefonderes los war. Die gemeldeten Mannschaften und Einzelläufer erschienen fast ausnahmslos am Ablauf in Deutschwusterhausen. 26 Mannschasten traten den 12 Kilometer langen Weg an. Lange Ketten der Rad- fahrer. Motorradfahrer und Beglettauto« begleiteten die Läufer, so daß es schwer war, sich durchzuwinden. Dennoch ging der Lauf glatt vonstatten. Recht erfreulich war die starte Beteiligung der Land- vereine. In geschlosienem Rudel wurden die ersten 1000 Meter be- wältigt. Dann zog sich das Feld langsam auseinander. Beim Start der Jugend auf der 3000-Meter-Marke, hatte ACE. das Kommando, dicht gefolgt von Rot-Weih und Ostring. Von Wildau aus führte Ostrtng fast auf der ganzen Strecke vor ASC. Nur für kurze Zelt konnte sich Rot-Weiß auf die zweite Stelle schieben. ACE. ließ jedoch die Führenden nicht aus den Augen, nahm mit dem vorletzten Läufer die Führung und beendete das Rennen mit knappem Vorsprung vor Ostring. Letztere werden wegen Teilnahme eines nicht startberechtigten Läusers nicht gewertet, so daß Moabit den zweiten Platz in der �-Klasse belegte. Im Hinterfelde veränderte sich mit den verschiedenen Wechseln da» Bild: nur der Eingeweihte hat näheren Einblick: da die Jugend mit von der Partie ist. Rot- Weiß stellte den Steger in der L-KIasse und bei den 2. Mannschaften. Von den E-Berelnen hatte Kroß-Besten die schnellste Mannschaft, während der Iugendlaus von ASV.-Neukölln gewonnen wurde. Kaum hatten die'letzten Stafetten da, Ziel erreicht, al» auch bereits die 12-Kilometer-Einzettäufer in Sicht kamen. Wiederum waren die von früheren Läufen schon bekannten Wassersportler in Front. Schulze lNeptun-Weißensee) gewann vor dem Vorwärts-Ruderer Czyschke und Jähnchen-Kaulsdorf. 12 030.M-tcr.Ltasctte: 1. ASC. 35:33:8: 2. Ret. Weiß 33:21:5: 3. Bolkzsvort Neulölln 37:15:2: 4. Wildau 30:51: 5. ASB. Reukölln: 0. Moabit 37:48:1: 7. Rot, Weiß 2 38:13:4: 8. Großbestcn 38:54:2: 9. Riederlebme: 10. Friedersdoii: 11. Z-Ulben: 12. Proles: 13. ASA. Neukölln 2: 14. ATE. 2: 15. Haide: 10. Moabit 2: 17. KSnigswustcrliausen.— SOOO.Meter-Iuzendstafette: 1. As?. Neukölln 23:3:8: 2. Rot-Weiß 29:35: 3. Pankow 29:38: 4. Wildau: 5. Mitten- walde: 0. Eichwalde.— Einzelläufer. 12 Kilometer: 1. Schulze lNeptun-Wemen- l«.) 41:48:8: 2. Eznlchkcber durch zähe Arbeit mit größte, n Opferwtllen bereite wieder eine nette kleine Flotte zusammenhaben. Auf der Friedrichshagener Seite wurde das imposante Bild, das der Müggel- je« mit seinen vielen weißen Schwingen zeigte, von zahlreichen Zu- schauern interessiert beobachtet. Man kann also feststellen, daß die Ostenvereine auch bei 4 Grad„Hitze" die Segel setzen zum Anfahren. Aber 4 Grad im Westen und 4 Grad tm Osten machen 8 Grad und da geht es dann schon! Rudern macht warml Die Ruderer und Kanufahrer aus den Vereinen Butab, Collegia, Freie Schwimmer Charlottenburg, Freie Kanu- Union und dem Reichsbanner genossen gegenüber den Seglern den Borzug, daß sie sich bei der Aueübung ihrer sportlichen Tätigkeit warm machen. Sie ließen sich denn auch gestern nicht abhalten. und machten gegen 10 Uhr die Boote klar. Die Vereine, die in Spandau-Tiefwerder liegen, trafen sich vor dem schönen Klubhaus des Butab und fuhren dann gemeinsam nach Gatow, wo sie von den Collegia-Leuten erwartet wurden. Ueber hundert Boote aller Gattungen waren zusammengekommen, die in dichten Scharen dem Großen Fenster unweit des Wannsees zustrebten. Dort traf man sich mit der Haoelaktionsgrupp« Schwarz-Rot-Gold und mit den Nowaweser Wosserfahrern. Do wurde es denn trog der niedrigen Temperatur bald sehr lustig. Das Ausbooten ging ahne Zwischen- fall vor sich, in jedem Fahrzeug fand sich doch einer, der das Herz hatte, mit nackten Beinen in das frühjahrskalte Wasser zu steigen. um seine Kameraden und Kameradinnen an Land zu tragen. Ge- nosse S z u m a n n- Collegia gedachte in einer kurzen Ansprache de» Tages und eröffnet« damit die Saison der Arbeiter-Ruderer und-Paddler auf der Havel. Die Dauersie�er Sawill ,Fünf Trümpfe" auf der Olympiabahn Für die Dauerrennen, die die Olympiabahn am Sonntag ver- anstaltete, waren Sawalt, Möller, die Franzosen M a r o n- n i e r und P r i e t o und der Belgier T h o l l e m b e e k verpflichtet. In zwei von den drei Steherläufen dominierte Sawall in setner gewohnten Manier, indem er sich von Beginn an die Führung sicherte. Wurde er einmal angegriffen, trat er etwa, mehr zu, um im Nu seinen Verfolgern zu entwischen. Zum Angriff selbst ging jedoch der Bahnmatador nicht über. Sawall wird bald begreifen müssen, daß er diese Haltung, will er nicht seme Anhänger verlieren, aufzugeben hat. Für eine Belebung der einzelnen Rennen wußte der für Berlin neue Prieto in bravouröser Weise zu sorgen. Der junge Fahrer griff jeden an. Wenn er auch ein entscheidendes Wort nicht reden konnte, so lieferte er doch den Beweis starken Könnens. Schnell hatte er in Berlin einen großen Freundeskreis gewonnen. Möllers Revanche an Sawall verpufjte. Er vermochte nur einmal auf zwei Runden Sawall die Führung abzunehmen. Den Sieg, den er im„Australischen Verfolgungsrennen" errang, ver» dankte er nur der Unachtsamkeit des Sawollfchen Schrittmachers, der zwei Runden vor Schluß loszog, ohne seinen Schützling an der Rolle zu haben. Thollembeet und Maronnier hatten nur dann und wann gute Momente. Kartell iür Arbeitersport und Körperpllcae, e. V. Laut Beschluß be, Kartell. bauptvorstandes fällt die im April fällige«ißung des Gelchäftslitbrenden Aus- lchusses aus. Nächste GA.-Sißung am 30. Mai in der neuen Eeschäftsstlll« der Arbeitcr-Eamariter in der Jost:, sie. 4. Rundfunk am Abend Montag, den 18. April. Berlin. 16.05 Alwin Steinltz: Wer arbeitet, wenn wir schlafen? 16.30 Arien(Paula Geller. Mezzosopran. Flügel; Dr. Felix Günther.) 16.45 Zeitgenössische Musik aus Oesterreich. 17.30 Ballspielen(Lisa Matthias). 17.50 Prof. Dr. R. Hesse: Charles Darwin. 18.10 Dr P. Koßwig: Die Sozlalverslchening nach den Notverordnungen. 1H.30 Ernst Toller; Reise in Marokko. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. j 19.10 Unterhaltungsmusik. 20.05 Mitteilungen des Arbeitsamte«. 20.10 Philharmonie; Festkonzert zur 50-Jahrfcier der Berliner Philharmoniker. Dir.: Dr. Wilhelm Furtwängler. Beethoven: Neunte Sinfonie. 21.35 Tages- und Sportnachrichten. 21.45„Die Völker lachen." Manuskript: Gerbart Pohl(Ltg.: Edlcf Koppen). 22.45 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Lehrer W. Schuppe: Die drelklasslgc Landschule mtt zwei Lehrern. 17.30 Heinz Engel: Aberglauben. 18.00 Just: Musizieren mtt unsichtbaren Partnern. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.30 Minister Schiele; Was bat der Staat für dl# Landwirtschaft getan? Anschließend; Karl Graef: Aus Goethes Naturpoesie.