BERLIN Freitag 22. April 1932 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Borwärts" Bezugspreis für betde Ausgaben 735 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat ( davon 87 Vf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Bost bezug 3,97 m. einschließlich 60 Pf. Bostzeitungs und 72 Vf. Vostbestellgebühren. Spalausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Nr. 189 B 95 49. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einfaltige Millimeterzeile 30 Vf.. Reklamezeile 2.-M. Ermäßigungen nach Tarif. Dostſchedfonto: Borwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktion und Ervedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Gernsprecher: Dönhoff( A 7) 292–297. Landesverrat ist Nazi- Prinzip Graf von der Goltz bekräftigt Hitlers Lauenburger Erklärung Die Nationalsozialistische Partei bekennt sich grundsäglich zum Landesverrat! Aus den Dokumenten, die bei ihr beschlagnahmt worden sind, geht hervor, daß sie die Absicht hatte, im Fall eines Einmarsches der Polen ihre Anhänger von der Grenze zurückzuziehen und sie im Innern für den Sturz des Systems" einzusetzen. " 1 Am 5. April hat Hitler in Lauenburg diese landesverräterischen Pläne zu rechtfertigen versucht, indem er sagte: Wenn man seiner Partei vorwerfe, daß sie sich einstweilen weigere, die deutschen Grenzen zu schügen, so müsse er allerdings sagen, daß er seine Kämpfer nicht für das System opfern wolle. Er werde die Grenze er st dann schützen, wenn die Träger des gegenwärtigen Systems beseitigt wären. Hitler hat dann, wie es seine Art ist, zu kneifen versucht und gegen den Ministerpräsidenten Otto Braun, der diese Dinge am 11. April im Sportpalast zur Sprache brachte, jowie gegen den verantwortlichen Redakteur des„ Vormärts" einen Strafantrag in Aussicht gestellt. Inzwischen häufen sich die Beweise, daß die von Hitler vertretene Theorie des grundsäglichen Landesverrats in feiner Bartei die herrschende Lehre ist. So schreibt in dem nationalsozialistischen Organ von Stettin, Die Diftatur" am 20. April der Nationalsozialist Dr. Graf von der Golg mörtlich das folgende: „ Man hat uns angegriffen, weil wir in Aussicht ftellten, in der Stunde staatlicher Hilfsbedürftigkeit die politische Leitung des Staates uns erst anzusehen, der wir Bluthilfe leiften wollten, und ich selbst hatte Zweifel an der Richtigkeit solcher Einstellung. Diese Zweifel find gründlichst zerstreut. Keine Hand soll sich erheben, wenn man uns von solcher Seite wünscht, feine Faust auch nur einen Finger frümmen im Dienst solchen Systems, das uns wie einst anscheinend abwechselnd gebrauchen und verfolgen will." Das heißt doch ganz flipp und klar: Solange wir Nazis nicht die Macht haben, fönnen Franzosen, Polen, Tschechen usw. nach Deutschland einwandern und machen, was sie mollen uns fümmert das nicht. Die Nationalsozialistische Partei so ,, national" mie sozialistisch" ist damit gewissermaßen im dialektischen Umschlag von einem überhitzten Nationalismus bei der grundsätzlichen Kriegsdienst verweigerung und beim prinzipiellen Landesverrat angelangt. Gegen diese nun gar nicht mehr wegzuleugnende Einstellung der Nationalsozialistischen Partei ist bisher im ganzen ,, nationalen" Lager noch keine Stimme des Widerspruches laut geworden. Sind die Leute, die sich ,, national" nennen, alle Betrüger? Man muß sie dafür halten, wenn sie zu diesen Dingen noch länger schweigen! Hitler- Schmuh. Gemeinheiten und Lügen gegen Carl Severing. Als Wahlschwindel der letzten Stunde haben die Nationalsozialisten eine Hetzbroschüre gegen Severing verbreitet, die zum Schmutzigsten gehört, was die Agitatoren des Herrn Hitler bisher geleistet haben. Die Broschüre greift Dinge auf, die schon im Jahre 1926 von der damaligen Bacmeister- Schmutzentrale behauptet wor den sind. Es handelt sich um ungeheuerliche Berzerrungen und Verfälschungen harmloser Dinge, gespickt mit glatten Lügen. Die Broschüre ist inzwischen beschlagnahmt worden. Wie diese Anwürfe in ihrer Niedrigkeit schon damals selbst von der Rechtspresse eingeschätzt worden sind, geht daraus hervor, daß, als Genering aus dem Ministerium ausschied, der ,, Lokalanzeiger" ihm bescheinigte, daß er mit reinen Händen den Staatsdienst ver: lasse, zu dem er sich nicht gedrängt habe. Die Persönlichkeit Severings liegt flar und offen vor aller Augen. Er ist fein politischer Abenteurer wie der Mann, der diesen Schmi Kreuger und die Kommunisten Wer hat die Münzenberg- Presse finanziert? stellt fest: Seitdem wir aufgedeckt haben, daß Kreuger schwedi| Partei Kreuger Geld genommen hat. Sie ichen Kommunisten Geld gegeben hat, tobt die kommunistische Presse vor Wut über die Entlarvung der Korruption der Kommunistenpresse in Schweden. Jede kommunistische Richtung sucht die Schuld auf die andere zu schieben. nisten Kilboom der Brandler- Gruppe zugeschoben, um die offizielle KP. reinzuwaschen. So hat die Berliner ,, Welt am Abend" den KommuDarauf antwortet Heute 6Uhr Lustgarten nun das Brandler- Organ ,, Arbeiterpolitik". Es sucht Kilboom zunächst mit der faulen Ausrede zu decken, es habe sich um eine normale Anleihe gehandelt. Dazu sagen wir: 1. Anleihen nimmt man im normalen Kreditverkehr bei Banten, nicht bei Unternehmern, die man öffentlich als Todfeinde des Kommunismus bezeichnet. 2. Der Anleiheschwindel wird dadurch totgeschlagen, daß der informierte Kreuger- Direktor ausgesagt hat, daß es sich um Korruptionsgelder gehandelt hat, mit deren Rückzahlung niemals gerechnet wurde. Die ,, Arbeiterpolitik" aber enthüllt gleichzeitig, auch die Kommunistische dan offizielle Hitler ausgepfiffen! Er muß schleunigst Neidenburg verlassen! Die nationalsozialistische Presse hat in ihren schleimigen Berichten über die Rundreise Hitlers durch Deutschland immer wieder behauptet, nirgends sei der„ Osaf" so großartig empfangen worden wie in Ostpreußen. Gestern aber ist ihm ausgerechnet in Ostpreußen in der Grenzstadt Neidenburg ein großes Malheur passiert. Auf den Hauptstraßen und dem Marktplatz standen zu Tausenden die Mitglieder der Eifernen Front, als 1. Eine Anleihe der genannten Art wurde auch von der kominterntreuen Richtung in Schweden( Sillén Parten) in Höhe von 30 000 Kronen von einer der Kreuger- Gesellschaften aufgenommen, um ihre Druckerei zu finanzieren! = 2. Derselbe Genosse Kilboom, den die ,, Welt am Abend" zur Zielscheibe ihrer schmutzigen Verleumdungen nimmt, hat im Jahre 1925 mit Wissen und Billigung der Instanzen der kommnnistischen Internationale eine große Anleihe besorgt, mit der die„, Welt am Abend ge gründet wurde. Wir fragen: Ist die ,, Anleihe der genannten Art", die der offiziellen Kommunistenpartei Schwedens aus einer Kreuger- Gesellschaft zugeflossen ist, auch eine ,, Anleihe, mit deren Rückzahlung niemals gerechnet wurde?" Die ,, Welt am Abend" aber fragen wir: von einer Kreuger- Gesellschaft gegeben? Wurde die von Kilboom besorgte Anleihe ebenfalls Wurde auch für diese Anleihe bei Kreuger nicht auf Rückzahlung gerechnet? „ W. a. A." bestreitet. Die heutige Welt am Abend" bestreitet voller Wut die Enthüllungen des Brandierblattes, soweit sie sich auf die ,, W. a. 2." beziehen. Sie bestreitet, daß Kilboom eine Anleihe besorgt habe, sie bestreitet, daß überhaupt eine Anleihe für die ,, W. a. A." aufgenommen wurde. Wir sind nun gespannt, Brandler auf dies Dementi antworten werden! Kilboom und Zu dumm gelogen! Räubergeschichte über Franz Künstler. Die„ Rote Fahne" bringt heute als Wahlschlager das Märchen, Genosse Künstler habe in einer internen Parteiversammlung das Verbot der KPD. empfohlen und angekündigt. Muß man wirklich noch sagen, daß dieser Wahlschlager nichts anderes als eine ungewöhnlich tölpelhafte Erfindung ist? Geld, nicht Gesinnung! Nazimethoden beim Flaggen. Man schreibt uns: Ich habe wiederholt beobachtet, daß aus den Fenstern leerstehender Wohnungen Hakenkreuzfahnen und Plakate heraushängen. Wer flaggt da eigentlich? Der Hausbesitzer oder Hitler mit seiner Autofavalkade erschien, Stürmische Zurufe:„ Nieder mit dem Arbeiterverräter, nieder mit Hitler!" empfingen ihn. And ebenso stürmisch wurde die Aufforderung ausgesprochen: „ Weiterfahren!" Hitler stellte sich im Auto auf und machte den Berfuch zu sprechen. Gegenüber den stürmischen Protest- wer sonst? Ich bin der Sache nachgegangen und habe jestgestellt, rufen der Massen kam er nicht zu Worte, sank vielmehr blaß in fein Auto zurück und verließ auf Geheiß der Polizei sofort die Stadt. Die Nazis standen dieser Protestaktion vollkommen verwirrt gegenüber und zogen dann unter dem tiefen Eindruck der Niederlage des Ojafs ab. Große Empörung erregte in Neidenburg die Tatsache, daß auf den amtlichen Reichsbahngebäuden aus Anlaß der Hitlerversammlung Hatenkreuzfahnen aufgezogen waren. Die verantwortlichen Personen sind bereits feftgeft" Anders in Ortelsburg: Hier ereignete f der skandalöje Fall, daß der Privatmann Hitler von dem Bürger. meister und zwei Stadträten der Stadt offiziell empfangen wurde. Eine Meldung, für die sich die preußische Regierung befonders inferellieren mird. daß die Nazis die Fenster leerstehender Wohnungen mieten, um daraus zu flaggen. Sie täuschen also Hatenfreuzgesinnung bei Mietern vor, die nicht vorhanden sind. Was diese Flaggen bedeuten, ist ganz klar: Geld nicht Gesinnung! Japanische Stadt eingeäschert. Viele Menschenleben und 1300 Häuser vernichtet. Tokio, 22. April. Durch ein Großfeuer wurden in mijn 1300 Häuser in Schutt und Asche gelegt. Wiele Menschen verbrannten und zahlreiche Versonen wurden verletzt. Der Schaden wird auf etwa sechs Millionen Mark besiffert. Steine und Fangleinen! Wildwestmanieren der Hitlerbanden. In den gestrigen Abendffunden und in der letzten Nacht haben sich die Berliner Hafenkreuzler eine neue„ Attraktion" ausgedacht und sie teilweise in verschiedenen Stadtteilen tereits zur Ausführung gebracht. Kleinere Gruppen Nationalsozialisten zogen mit Steinen und Fangleinen ausgerüstet durch die nächtlichen Straßen, und wo die republikanischen Fahnen nicht allzu hoch hingen, wurden sie durch einen Lassowurf mit den Leinen herunter gerissen. In einigen Fällen, wo mit den Leinen nichts zu machen war, traten handgroße Steine in Funktion. Dabei wurden verschiedene sozialdemokratische Transparente und Plakate zerstört. Leider ist es nirgends gelungen, die nationalsozialistischen Burschen zu fassen. Die Republikaner werden in den nächsten 48 Stunden sehr aufpassen müssen, um Wiederholungen dieser Bubenstreiche zu verhindern. Im einzelnen werden uns aus Leserfreifen und pon Parteigenossen folgende Borfälle mitgeteilt: Im Südwesten, in Tempelhof, Neutempelhof und Charlottenburg wurden mehrere Fahnen und Transparente von Hakenkreuglern ver= nichtet. Außerdem wurden Fensterscheiben eingeworfen und die unflätigsten Drohbriefe an Republikaner gerichtet. Damit die Nazis mit ihren Schandtaten nicht allein auf weiter Flur stehen, betätigen sich die Kommunisten in den ausge= sprochenen Arbeitergegenden in ähnlicher Weise als Diebe sozialdemokratischer Wahltransparente. Mit einer kaum glaublichen Frechheit drangen heute früh vier Kommunisten in die Wohnung eines Parteigenossen in der Puttbuser Str. 9, bedrohten die Frau des Wohnungsinhabers und eilten an das Fenster, an dem sich sozialdemokratische Wahlaufrufe und Transparente befanden. Die Kommunisten stahlen die Transparente, befestigten das für zwei Fahnen mit Sowjetsternen und flüchteten. Da die Burschen bekannt sind, dürften sie von der Polizei alsbald hinter Schloß und Riegel gebracht werden. Etwa 100 Personen, meift Kommunisten und Nationalsozialisten, wurden in der letzten Nacht von der Bolizei festgenommen. Beschmieren von Bürgersteigen und Häuser= fronten, Schlägereien und Anzünden von Litfaßsäulen waren die Ursachen der Verhaftungen. Ein Teil der Festgenommenen wird durch den Schnellrichter abgeurteilt. Diftatur oder Freiheit? Angestelltenfundgebung in der„ Neuen Welt". Die in den Berliner Af Gemertschaften zusammengeschlossenen Angestellten fanden sich in der Neuen Welt" zu einer machtvollen Kundgebung unter dem Motto: ,, Was wollt Ihr? - Diktatur und Unternehmerwillkür oder Freiheit und Tarifvertrag?" zusammen. Eingerahmt von Kampfliedern, Bewegungschören und einem politischen Kabarett stand die wirkungsvolle und groß angelegte Rede des Genossen Hans Gottfurcht im Mittelpunkt der Angestellten- Demonstration für die Eiserne Front". Nach einleitenden Worten von Erich Flatau führte Genosse Gottfurcht aus: " " # Die gewerkschaftliche Arbeit ruht auf politischer Bafis, um die wir in diesen Tagen zu kämpfen haben. Der am 13. März und 10. April durchgefochtene politische Sieg über den Fa Ichismus soll nicht Endpunkt einer Kampfbewegung, sondern Anfang einer neuen Epoche sein. Nur in der freien Demokratie wird es uns möglich sein, den Kampf um Besserstellung zu führen und aus der Elendsperiode hinauf zu besseren Zeiten zu kommen Die Nationalsozialisten sind nur eine Fortsegung der gelben Werkvereinsbewegung. Die Unternehmerschaft fauft fich Hitlers bewaffnete Horden, um sie als letztes Mittel zur Rettung der zerkrachenden, privatfapitalistischen Wirtschaft einzusetzen. Natio alsozialismus ist der neudeutsche Ausdrud für den alten Begriff Unternehmerknecht. Das Programm der Arbeitgeber für die am 30. April ablaufenden und gekündigten Tarifverträge heißt weiterer Abbau der Löhne und Gehälter. Deshalb müssen wir es verhindern, daß die Staatsmaschinerie und damit das Schlichtungswesen unter den alleinigen Einfluß der Unternehmerfreise kommt. Bei Hitler gäbe es schon lange feinen Tarifvertrag mehr, sondern nur freie Unternehmerwillfür. Technischer Nazi- Bund. Alle Vorbereitungen zur Machtübernahme getroffen. Unter den verschiedenen technischen Organisationen, die Hitlers, Regierung" war, soll evtl. zur Mitarbeit herangezogen und Privatarmee angegliedert waren, befindet sich auch eine ingenieur benußt werden, besonders weil in dieser Organisation erfahrene technische Abteilung. Dieser Abteilung waren besondere Funktionen Ingenieure und Betriebsleiter feien, die die lebenswichtigen Betriebe für den Fall einer nationalsozialistischen macht bereits genau fennen. Besonderen Wert wird auf Pg.'s gelegt, die ergreifung zugewiesen. Das ,, Monatsprogramm" diefer Abtei funttechnisch Spezialisten, ehemalige Mitglieder von lung für Dezember 1931 gibt interessanten Aufschluß über das, was Nachrichtentruppen im Felde oder Flieger" sind. mit ihr bezweckt war. Bis Ende Januar sollten die Mitarbeiter Man wird sich angesichts dieser vollkommenen Vorbereitung auf dieser Abteilung einen flaren Beschaffenheitsbericht über die Aus Kontrolle und Uebernahme der Wirtschaft vergeblich rüstung, Leistungsfähigkeit der einzelnen Infragen, welcher Art Aufgaben eine solche Sondertruppe in einem dustrien, Gewerbebetriebe, Behörden, Anstalten, Anlagen ein- verfassungsmäßigen Staate haben soll, wenn die Partei, der sie gereicht werden. Interessant ist dabei, daß angegeben werden sollte, dient, wirklich legal, das heißt verfaſſungsmäßig, die Regiewas jeder Betrieb während des Krieges an Heereslieferun rung übernehmen könnte. gen(!) geleistet hat. In diesem Monatsprogramm heißt es: Alle politischen Erfolge bekommen erst ihren vollen Wert durch den wirtschaftlichen Inhalt. Deshalb das AfA- Wirtschaftsprogramm und der Krisenfongreß des ADGB., bei dem Otto Braun erklärte: Ich weiß nicht, ob alles flappen wird, aber ich habe den Mut zur Lat." Angesichts der Niederbruchserscheinungen in der kapitalistischen Welt fordern mir Arbeitsbeschaffung und Verstaatlichung aller Urstoffwerke. Der Kampf um den Sozialismus ist heute erbitterter denn je. Wir Gewerkschaftler führen ihn mit Herz und Hirn für unser Ziel. Der 24. April ist eine Etappe auf unserem Wege, in Braun und Severing wählen wir Führer und Kämpfer um den Sozialismus." Für ein soziales Preußen. Frauenfundgebung der westlichen Bezirke. In der Aula der Hohenzollernschule tamen die Frauen aus ben meftlichen Berliner Bezirken zusammen, um für das freie Preußen Brauns und Severings zu demonstrieren. Nach dem Einmarsch der Sportlerinnen mit ihren roten Fahnen und wuchtigen Gesangsvorführungen befam Genoffin Mathilde Wurm, M. d. R., das Wort zu ihrem Referat: ,, Die technische Kommission hat für den Fall der gefeßmäßigen Uebernahme der Regierung durch unsere Partei den Auftrag, sofort die lebenswichtigen Betriebe, also Gaswerk, Wasserwert, Elektrizitätswert, Ueberlandzentrale, Eisenbahn, Post, Presse, Luftverkehr, Kraftverkehr, Stafettendienst, Einrichtung von Funtstationen, Schuleinquartierung, Stand- und Sammellager der technischen Kommiffion, Milch-, Lebensmittel-, Feuerungsmaterialverforgung und Antransport teils zu kontrollieren, teils zu organifieren und zu unterhalten, neu zu bilden, im Betrieb zu erhalten, falls ungefehmäßige Elemente Sabotage versuchen sollten." Für jeden, der sich nicht politisch blenden läßt, liegt es flar auf der Hand, daß in dieser Ingenieurtechnischen Abteilung" ein weiterer Geheimbund der Hitler- Partei vorhanden ist, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Noch niemals ist es so deutlich geworden wie in dieser Anweisung, daß hier ein st a atlicher Apparat neben dem bestehenden staatlichen Apparat und gegen ihn ge= bildet werden soll. Demgegenüber steht die Frage, ob hier nicht ganz systematisch Industriespionage getrieben worden ist, erst in zweiter Linie. Diese Anweisung fönnte beinahe aus dem Buch von Maleparte über die Technik des Staatsreichs" entnommen sein. Der Inhalt der Anweisung selbst straft die kläg liche Tarnung, die in der Klausel„ für den Fall der gesetzmäßigen Uebernahme der Regierung" enthalten ist, glatt Lügen. Was hier organisiert worden ist, das ist nicht das Berhalten einer Partei für den Fall, daß sie gefeßmäßig in die Regierung einrüdt, sondern das sind Richtlinien und Maßnahmen für die Er richtung einer illegalen Dittatur auf Grund eines Am 2. Februar 1932 follte jeber technische Mitarbeiter einen ausreichenden Stab aus den Kreisen seiner Pg." der Gauleitung namhaft machen. Dazu sind Persönlichkeiten von Weitblick" erwünscht. Vorbedingung sei jedoch, daß die Genannten unbedingt zuverlässige Pg. und daß sie nicht vorbestraft sind. Dabei wird warnend auf den Fall Hessen hingewiesen! Der Apparat der Technischen Nothilfe so heißt es in dem Rundschreiben weiter, bie für die Begriffe der NSDAP. sonst eine Streitbrechertruppe ber fapitalistischen Staatsstreichs! ,, Die Frauenwelt bietet leider fein einheitliches Bild, wie sich mieder bei den teilweise nach Geschlechtern getrennten Abstimmun= gen zur Präsidentschaft ergeben hat. Teilweise überwogen die Frauenstimmen für Hindenburg, an anderen Stellen aber war der Prozentsatz der Frauen für Hitler größer als der der Männer. Hier gilt es für uns zu arbeiten. Die Frauen der Kapitalisten denken nicht viel anders als ihre Männer, sie halten zu ihrer Klasse. Was uns die Nazis im Dritten Reich bescheren wollen, ist ein Raffeamt, das die Mädchen in vier Klassen einteilt. Die große Masse der Frauen soll zum Arbeitspieh begrabiert werden, mährend einige menige aus der Oberschicht herrschen. Aber auch die Ehe wird in diefer fapitalistischen Welt nie mehr zu einer Versorgungsanstalt werden. Deshalb müssen auch die Frauen für einen Weg aus der Krise kämpfen. Mit der Sozialdemokratie für eine Wirtschaftseinheit Europas, für die gefeßmäßige Bierzigstundenwoche, mie sie Preußen vom Reiche verlangt hat. Hitler muß am Sonntag seinen driften Schlag bekommen." Nach Vorführungen der Roten Rebellen" ging die zweite Rednerin des Abends, Genossin Paula Kurgaß. im wesentlichen auf die vier Grundpfeiler der preußischen Politik ein: das Schulwesen, die Kulturpolitik, Wohlfahrt und Justiz. Sie konnte an vielen Beifpielen zeigen, wie das neue Preußen seit 1918 für das merktätige Bolk Wandel geschaffen hat, und schloß mit dem einmütigen Appell, am Sonntag bie roten Fahnen wehen zu lassen, dann möge die Fahne Hitlers auf Halbmast stehen. Erfolg im Abrüftungsausschuß Frankreich mäßigt seinen Widerstand Genf, 22. April.( Eigenbericht.)| Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz hat heute vormittag das Prinzip der direkten Abrüstung einstimmig beschlossen. d. h. die Auswahl bestimmter Kategorien oder Typen von Waffen, beren Unterhaltung oder Verwendung allen Staaten, sei es verboten, sei es interaliſiert, merden soll durch ein allgemeines Abkommen." Dieser wichtige Beschluß, die bisher weitesttragende Entscheidung der Konferenz, wurde einstimmig gefaßt. Wieder war es bie englische Regierung, die ihre Popularität als Vorfämpferin für eine möglichst wirkungsvolle Atrüftung richtig erkannte und durch ihren Außenminister Die Verhandlungen der Regierungschefs haben zu einem Kompromiß geführt, das die Schwierigkeiten für den englischen Antrag auf qualitative Rüftungsherabſegung in der Generalfommiffion be feitigte. Auch Tardieu hielt es für flüger, vor der allgemeinen Forderung der direkten Abrüstung den Rückzug anzutreten. Man hat ihm die ausdrückliche Erwähnung der Möglichkeit einer 3nternationalisierung gewiffer Waffen zugestanden, wodurch er menigftens vor feinen Wählern den Schein eines Erfolgesnische Ergänzung folgenden flaren Wortlaut erhielt: aufrechterhalten kann. In Wirklichkeit bewies das anschließende englisch- amerikanische Vorgehen deutlich, daß soofrt den zweiten Borstoß unternahm, um die Durchführung des gefaß en Beschlusses zu sichern. alle übrigen Großmächte zur Abschaffung aller Angriffswaffen entschlossen Sir John Simon schlug seine Entschließung vor, die durch amerikaAuf der Suche nach den Anwendungen des Prinzips der qualitativen Abrüstung ist ble Konferenz der Ansicht, daß die Land, See und Luftrüstungen geprüft werden müssen mit dem Ziel der Bestimmnug jener Waffen, welche die Kennzeichen der spezifisch stärksten Angriffsmittel und der stärksten Bedrohung find. Der englische Außenminister Sir John Simon selbst schlug fol- für die Zivilbevölkerung sowie die nationale Verteidigung gende Fassung vor: ,, Die Konferenz erklärt, daß sie ohne Vorausbeurteilung anderer Borschläge das Prinzip der qualitativen Abrüstung annimmt, Preußen muß sauber bleiben! 32 HLP HIGE PREUSSEN Hier wird gearbeitet! Hier haben Hafenkreuz und Sowjettern nichts zu suchen! Raubüberfall auf Postamt. Drei Gendarme niedergeschossen. Paris, 22. April. Zu einer schweren Schießerei fam es in einem Borort von Marseille, wo vier Banditen ein Postbüro ausplündern wollten und von der Gendarmerie überrascht wurden. Die Banditen erschoffen während des Kampfes drei Gendarmen. Von den Banditen wurde einer verletzt und später verhaftet. haben." Die Weiterberatung wurde für kurze Zeit unterbrochen, um den Antrag gedruckt vorlegen zu können. lauerten. Während die Postvorsteherin die Gendarmen benachrichtigte, drangen die Banditen mit Revolvern in das Gebäude cin und trafen im Schalterraum mit den Gendarmen zusammen. Die Banditen eröffneten fofort das Feuer und streďten drei von den Gendarmen tot nieder. Ein Bandit wurde durch einen Schuß verletzt und fonnte später festgenommen werden, während drei Verbrecher entkamen. Bugunfall bei Paris. 23 Berletzte auf einer Vorortstation. Paris, 22. April. Auf einem Vorortbahnhof von Paris ereignete sich in den Abendstunden des Donnerstag ein Eisenbahnunfall, bei dem 23 Perjonen mehr oder weniger schwer verlegt wurden. Fünf von ihnen schweben in Lebensgefahr. Ein elektrischer Vorortzug mußte auf einem kleinen Bahnhof haltmachen. Der Zugführer des darauffolgenden Zuges merkte erst zu spät, daß die Durchfahrt versperrt war, und fuhr auf den haltenden 3ug auf. Der erste Wagen des auffahrenden Zuges fchob sich fast auf das Dach des haltenden Zuges und wurde stark befchädigt. Auch die nachfolgenden Wagen erlitten fchwere Beschädigungen. Die Reifenden wurden meist durch Glassplitter und Quetschungen verletzt. Die Arbeitslosigkeit tötet. Selbstmord eines Sechzigjährigen. Auf furchtbare Weise hat in der vergangenen Nacht der 60 Jahre alte Arbeiter Hermann H. aus der Oderberger Straße 14 im Norden Berlins Selbstmord verübt. Als H., der schon lange Zeit arbeitslos ist, gestern abend allein in seiner Wohnung weilte, drehte er den Gashahn auf. Borher führte der Lebensmüde zwei Drähte in eine Steckdose der elektrischen Lichtleitung ein und ergriff mit jeder Hand einen Pol, so daß er durch den elektrischen Schlag betäubt zu Boden sant. Das in großen Mengen ausströmende Gas führte dann den Tod des Mannes herbei. Angehörige, die spät nachts heimfehrten, entdeckten die Tat und alarmierten die Feuerwehr. Die Wiederbelebungsversuche blieben jedoch ohne Erfolg. Ein Naziheher verhaftet. Dr Peter Winkelntemper, der Haupt. Ichriftleiter bes nationalsozialistischen Westdeutschen Beobachters", ist auf Grund eines Stedbriefes der Staatsanwaltschaft Köln ver. haftet worden. Dr. Winkelnfemper hat sich, wie die politische Polizei mitteilt, feit Anfang März 1932 perborgen ge. Der Ueberfall geschah am hellen Tage furz vor Schalterschluß des Bostamtes, wo eine Frau und zwei Angestellte Dienst hatten. Die drei Gendarmen waren feit Wochen den Banditen auf der Spur und befanden sich im Postgebäude, wo sie den Verbrechern aufhalten. Notverordnung und presse. Richtlinien für oie Handhabung von Zeitungsverboten� Auf Grund der Verhandlungen mit der Reichsarbeitsgemein- schaft der Deutschen Presse ha, der R e i ch» m t n, st e r des In- n e r n den Landesregierungen folgende Richtlinien für die tiandhabung der Verordnung zur Bekämpfung poli- tischer Ausschreitungen gegeben: "Es find in letzter Zeit eine Reihe von Jeitungsoerboten die auf Grund von ß 2 Abtz 2 Nr 2 der Verordnung von, W August 1931 wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erlassen wurdem vom IV Strafsenat des Reichsger i ch t s mit der Begründung aufgehoben worden� daß eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht vorlog. Um dir praktische Handhabung der Zeitungsverbote mit der Recht- sprechung nach Möglichkeit in Einklang zu bringen und ungerecht- fertigte Verbote zu vermeiden, mache ich deshalb in enger Anlehnung an die einschlägigen Beschlüsse des IV. Strafsenats des Reichsgerichts auf folgendes aufmerksam: Die Verordnungen zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen sollen— wie sich schon aus ihrer Ueberschrtft ergibt— nur politische Ausschreitungen bekämpfen und können demnach auch nur auf eine solche Berichterstattung Anwendung finden, die durch die Art der Darstellung der Geschehnisse oder durch die an die berichteten Tat- fachen geknüpften Betrachtungen oder die aus ihnen gezogenen Schluhfolgerungen die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu ge- fährden geeignet find. Insbesondere darf die sehr dehnbare Vor- schrift des§ 2 Abs. 2 Ziff. 2 der Verordnung vom 19. August 1931 (Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung) nicht dazu per- wendet werden, die freie Meinungsäußerung und eine selbst scharfe Kritik der Presse zu unterbinden, solange Meinungsäuße- rung und Kritik sich in den Grenzen der Vach- l i ch k e l t halten und nicht darauf abzielen, den Meinungsstreit mit unlauteren Mitteln zu führen. Auch ist zu beachten, daß nach der Rechtsprechung des IV. Strafsenats des Reichegerichts nicht jeder Zeitungsartikel strafbaren Inhalts zugleich eine Geföhr- dung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung enthält. Auch die Verstöße gegen die Einzelvorschriften der Notverordnung vom 28. März>931, z. B. gegen die im Z 1 Abs. 1 Nr. 1 bl» 3 bezeich- neten Tatbestände der Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und der Beschimpfung oder böswilligen Verächtlichmachung von Staatsorganen, Religionsgesellschaften usw. erfüllen nach der Recht- sprechung des Reichsgerichts nicht ohne weiteres den Tatbestand einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Die in Nr. 4 dieser Vorschrift gewählte Fassung,„daß in sonstiger Weise die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird", darf nicht dazu oerleiten, im Gegensatz zur Rechtsprechung des Reichsgerichts in den vorher genannten Einzeltatbeständen ohne weiteres eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu erblicken. Vielmehr muß die naheliegende Wahrscheinlichkeit— nicht nur die bloße Möglich- keit— dafür bestehen, daß die durch denJnhalt der Ver- osfentlichung erzeugte Stimmung zu einer Störung der äußeren Sicherheit und Ordnung, d. h. zu öffentlichen Unruhen, Zu- sammenstöhen, Gewalttätigkeiten oder anderen politischen Aus- schreitungen führen wird. Daß ein Artikel in den Kreisen Andersdenkender Beunruhigung und Empörung hervorruft, genügt nicht, es muß die unmittelbare Gefahr einer Betätigung dieser Empörung durch Handlungen der oorbezeichneten Art hinzukommen. Daß es zu Störungen tatsächlich kommt, ist allerdings nicht Voraus- setzung des Verbots."_ Hakenkreuzangst vsr dem Hammer. Gchreckenskunde aus Bochum. Kürzlich berichteten wir von einem Telegramm der Nazis aus Bochum an den Reichsinnenminister, worin behauptet war, bei einer Severing-Versammlung sei eine Abteilung, die mit Hammern bewaffnet war, in Erscheinung ge- treten. Dazu schreibt uns ein Genosse aus Bochum: Diese Angaben kann ich nur bestätigen, da ich selbst eine solche Waffe am Mantelkragen trug. An der Kundgebung haben ganze Hammerschaften, mit dieser Waffe wie ich ausgerüstet, teil- genommen. Die Waffe ist gut 2% Zentimeter lang, davon allein der Schaft 2 Zentimeter. Die Dicke beträgt 9,1 bis 9,2 Millimeter. Um die Bochum er Nazis zu beruhigen und ihnen zu zeigen, daß wenigstens einer der Teilnechnier fein« Waffe abgeliefert hat. über- sende ich diese hiermit als Beweismaterial der Redaktion des„Vor- wärts" mit dem Slnheimstellen, sie an den Herrn Reichsinnennimifter weiterzugeben. Wir sind dem Wunsch des Bochumer Genossen mit großem Vergnügen nachgekommen. Hoffentlich ist man im Reichs- Ministerium des Innern beim Anblick des Mordinstruments nicht zu sehr erschrocken! Mooney nicht begnadigt. Lebenslang im Zuchthaus! N c w B o r k, SS. April.(Eigenbericht.) Die lang erwartete Entscheidung des kalifornischen Gouverneurs Rolf lehnt die Begnadigung des Arbeiter- führers Mooneh ab. In dem langatmigen Dokument unterstreicht der Gouverneur seine Uebcrzeugung von Moonehs Schuld und verweist wiederum auf die später widerrufenen Aussagen des meineidigen Haupt- zeugen Macdonald. Tie lebenslänglich« Zuchthausstrafe Moonehs wird also aufrechterhalten. In der Arbeiter- bewegung wird diese Entscheidung sehr kritisch aufge- nommcn. Ter Sozialistenführer Norman Thomas sieht in dieser Ablehnung ein Zeichen für die politische Schwäche der amerikanischen Arbeiterschaft. Arbeitslosendemonstrationen in New Ssork und Philadelphia wurden von der Polizei brutal zu- sammen gehauen. Es gab zahlreiche Verwundete. darunter auch grauen und Kinder. Vor den Rathäusern spielten sich wüste Szenen ab. KpD.-Abmarsch zu Hitler Thälmann kann seine Mitglieder nicht mehr halten I« der TiaalSoper werden noch bis Ende der Spielzeit berausgebracht: am 4. Mai Strauß:„A r i a d n e aus N a x o s" unter Leitung von Leo Blech, m der Inszenierung von Heinz Tietscn: am S. Juni die von Dr. Julius Kapp neubearbeitete„S i z i l i a n i s ch e Vesper" von Verdi: am 17. Juni Johann Strauß:„Wiener Blut" unter Leitung. von Erich Kleiber. Ter Aerzte-Chor gibt mit dem Aerzte-Orchester Montag. Lb. April, 8 Uhr, ein großes Wovltä'.igk'itskonzert in der Hochschule für Musik. Im Programm: Backs Mvgnificat H a v d n Z Simonie k>.?nr Nr. 99, 2 Konzert-Arien von Mozart lSoiistin Maria I v o g ü n). Neues Bro->:amm im Kohlkovp. Das Kabarett im Autoladen, Buda- pesier Straße, bat ein neues Programm berausgebracht, in dem u a. Baleska Gert Aribert Wäscher, Else Ehler, Karl Sannemann, Ruth Anselm und Lilli Lehrer mitwirken. Beginn der Vorstellung täglich I 8.45 Uhr. 1 Vor„revolutionärer Ungeduld" sind am 19. April rund S99 999 kommunistische Wähler zu Hitler abmarschiert. Die Strategen im Zentralkomitee der KPD waren darüber so erschrocken, daß sie ab � vorigen Montag früh in Permanenz tagten, Trotzdem erfolgte keine klare Antwort aus die Massendesertion kommunistischer Wähler zu Hitler. Das betretene Schweigen der hohen Bürokratie steigert aber nur noch die Verwirrung unter den kommunistischen Parteimit- gliedern. So wendet man sich mit einem Schreiben an uns, in dem auf die Uebertrittsstimmungen zu Hitler vermiesen wird. Der ent- scheidende Abschnitt des von einem Kommunisten, der keinen Aus- weg mehr sieht, geschriebenen Brieses lautet: „In jeder Parteizelle kann man heute eine solche Stimmung j hören: Ach. wir machen Kurzschluß mlt der Partei und gehen zu Hitler! Jeder verantwortungsbewußte Kom- mumst beobachtet diese Stimmung mit größter Sorge, nur die KPD.-Leitung zieh! keine Schlüsse daraus! Fast in jeder Woche kommen U e b e r t r i t t e von der KPD. zu den Nazis vor und in den letzten Wahlwochen waren sie be- sonders häufig. So ist jetzt der Kampfbundleiter St. des Witte nauerLaubengeländes mit 19Mitgliedern zu den Nazis übergegangen und in diesen Tagen der Partei- instrukteur L. mit 6 Mitgliedern. Vox einiger Zeit war es der technische Leiter des Nachrichten-Dienstes H. vom Be- zirk Nord, der zu den Nazis überwechselt«. Besondere kraß liegt der Fall L. Dieser wohnt auf der K a I o n i e N o r d b a h n. Als kurz vor der Wahl die Nazis in diese Laubenkolonie kamen, um Flugblätter zu verbreiten, wurden sie vom Leiter der dortigen Parteizelle daran gehindert. Als nun die Nazis über ihn herfielen und ihn fast zum Krüppel schlugen, stand der Parteiinstrukteur L. mit noch drei Parteikommunisten wenige Schritte davon ohne dem Kameraden zu H'lfe zu eilen. Aber wie sollten sie auch, wo sie im geheimen selbst Nazi waren. Und solche Burswen benutzt die Parteileitung, um die Partei- Mitglieder politisch zu instruieren." Soweit die Zuschrift. Von unserem Berichterstatter erhalten wir dazu noch folgende Darstellung: Das au» verschiedenen Kolonien bestehende Laubengelände am Bahnhof Wittenau- Nordbahn wurde von den Kommunisten immer als ihre Hoch- bürg bezeichnet. Soweit die Wohnlaubenbesitzer in Frage kommen. besteht eine KPD.-Zelle.� die etwa 79 Mitglieder umfaßt. Im übrigen ist die politische Schattierung der Laubenkolonisten sehr leicht zu erkennen, da die verschiedenen Kolonien zu dem Stimmbezirk 94 im 29. Berliner Verwaltungsbezirk zusammengefaßt sind. Die Zahl der eingeschriebenen Wähler beträgt 1924 Personen, die bei der Neichspräsidentenwahl wie folgt stimmten: l. Gang 2. Gang Abgegebene Stimmen....... 1 654 1 453 Hindenburg........... 344 398 Thälmann............ 1 971 774 Hiller.............. 198 391 Nach diesem bezeichnenden Stimmergebnis ist die kommunistische Hochburg sehr im Wanken, da am 19. April allein in diesem be- grenzten Laubengelände rund 199 Wahlervon Thälmann zu Hitler desertiert sind. Wie die Wähler, so die Mitglieder. Es stimmt, daß die Kom- munisten der Kolonie„Nordbahn" keinen Finger rührten, als ihr Zellenobmann Krick von den Nazis mit dem Stiefelabsatz bearbeitet wurde. Es war vierzehn Tage vor dem zweiten Wahlgang, an einem Sonntag am frühen Nachmittag. Da kam eine Kruppe Nazi« in die Kolonie Nordbohn, um Flugblätter zu verteilen. Der Führer der Nazis war der Kolonist Steffen, der in jener kommu- mstischen Hochburg setzt eine große Hakenkreuzfahne auf seiner Laube wehen hat. Als der Zellenobmann Krick die Nazis kommen sah, jagte er zu Steffen:„Du, die Perteilerei laß man hier sein!" Darauf antwortete Steffen:„Na warte, du roter Bluthund, dein Galgen steht schon bereit!" Dann war auch schon die Kellerei im Gange, Krick, der Führer dieser ganzen KPD.-Hoch- bürg wurde von der Handvoll Nazis fürchterlichzugerichtet, zu Boden gerissen und mit Fußtritten traktiert. Schließlich kam das Ueberfallkommando der Wittenauer Polizei und nahm vier Verhaftungen vor. Der Wittenauer Zellenobmann Krick, der sich noch immer nicht richtig rühren kann, macht keinen Hehl aus der Schande seiner Ge- Nossen. Er will jetzt seine Laube verkaufen, da es keinen Zweck mehr hat, aus dem Gelände politisch zu arbeiten. Krick äußerte sich zu Kolonisten, daß er sich nicht mehr auf seine eigenen Leute ver- lassen könne, die hauen ihm nächstens noch die Jacke voll! Er will deshalb verziehen. Die Zuschrift spricht mu, von 18 zu den Nazis desertierten Parteimitgliedern. Den Republikanern aus dem Wittenauer Lauben- gclände sind vonvierdieserLeuteNamenundAdresse bekannt. Soweit diese ehemals strammen Kommunisten zur Rede gestellt werden, sind sie anscheinend noch stolz auf ihr Ueberlaufen zu Hitler. Jedenfalls geben sie den Abmarsch offen zu. Angesichte solcher beschämenden Zustände springt jetzt die Sozialdemokratie in die Bresche und leistet eine groß- zügige Aufklärungsarbeit. Trotz Sowjetstern und Hakenkreuz ist es in kurzer Zeit gelungen, 39 Mitglieder für die Sozial- demokratische Partei zu werben. Die rührigen Partei- genossen auf dem Wittenauer Laubengelände, die selber nur Wohl- sahrtsunterstützung beziehen, setzen diese Werbeaktion»nt frohem Hoffen fort! Oer parteikoch von Berga. Jeder Deutsche einmal parteichef! Auz Thüringen wird uns geschrieben: Die 18 Wahlvorschläge zur preußischen Landtagswahl wären um ein Haar um einen weiteren vermehrt worden. In Berga am Kpffhäufer wohnt der Knopfmacher Fritz Koch. Zusammen mit seinem Sohn und dem nationalsozialistischen Landwirt Albert H o s f m a n n ist er auf den Gedanken gekommen, eine neue Partei zu gründen, die„Steuerzahler-Schutzparte!". Um die erforderlichen Unterschristen für die Einreichung von Wahlvorschlags- listen zu erhalten, besuchte Koch die Geschäftsleute und Bauern und erzählte ihnen, feine neue Partei wolle„zuerst einmal die hohen Gehälter abschaffen". Es ist selbstverständlich, daß der neue Partei- chef bereitwilligst die Unterschriften bekam. Leider waren es aber nur 299 Unterschriften im ganzen, so daß die eingereichte Liste vom Wahlleiter abgelehnt wurde und Berga dadurch um den Ruhm gekommen ist, in der hohen Politik eine Rolle zu spielen. Koch hatte Wahlvorschläge für die verschiedensten Wahlkreise eingereicht. In dem einen Wahlkreis fungierte er selbst, in einem anderen wieder sein Freund Hoffmann als„Spitzenkandidat". Sie spekulierten aus die Dummheit der Menschen und wähnten, daß sie so beide in den Landtag einziehen könnten. Um was für Geistes- linder«s sich bei dieser Partei-.,NeuLrllndung" handelt, lehrt der Lebenslauf Hoffmanns. Zuerst war er unabhängiger Sozialist, dann Bauernbündler. alsdann Demokrat, darauf ging er auf die Walze und war standesgemäß Kommunist. Nachher landete er bei der Deutschen Volkspartei und zuletzt hielten ihn die Nazis für würdig, Parteivorfitzender zu fein. Allerdings nur so lange, bis er durch einen Major abgelöst wurde. Wahrscheinlich aus Aerger darüber wurde er„Parteigründer". proletarischer Bewegungschor. Ein verheißungsvoller Anfang. Der Berliner Bswegungschor, Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, veranstaltete im Saalbau Neukölln seinen ersten W e r b e a b e n d. Die Leitung des Chors liegt in den Händen von Erna P e i f e r. die sich kürzlich in der Voltsbühne als begabte Solotänzerin vorstellte. Auch an diesem Abend zeigte sie in einigen CInzeltänzen, daß sie manches kann, mehr noch erwarten läßt. Es fehlt ihren Darbietungen noch häufig die strenge Geschlossenheit der tänzerischen Linie. Gedachtes, verftandesmäßig Erfaßtes unterbricht immer wieder den künstlerischen Ausdruck, behindert beim Älus- schwingen. Erna Peiser besitzt die Fähigkeit, in sehr leisen Gesten viel zu sagen. In den verhaltenen eckigen Bewegungen, in denen sich ein Aufschwung fängt, in der beschwörenden Mahnung eines aufgereckten Armes gelingen ihr stärkste tänzerische Formulierungen. Bon diesem Grundton ihres Tanzerlebnisses entwickelt Erna Peiser wirksam den Gruppentanz, der aus der Stille, aus schlichtesten Formeln sich emporballt zum Massenausdruck, wuchtig durch Einheit und durch Einfachheit. Doch auch hier mangelt, wie bei ihren Solotänzen, noch das letzte Erkennen der eigenen künft- lerifchen Grundgesetze; die Masse zerflattert bisweilen rasch ln einer gebachten, nicht unmittelbar als Körperausdruck erlebten Weiler- bewegung, sie sagt zu wenig, weil sie zu vieles sagen soll. Sogar Worte werden dafür oft herangezogen, die nicht etwa wie beim be- wegten Sprechchor aus der Bewegung der Gesamtheit aufsteigen, sondern die von einem einzelnen über die erstarrte Gruppe hin- gesprochen werden. Auf dieses Beiwert sollte der Bewegungschor völlig verzichten. Ebenso sollte er alle Nachahmungen varietemäßigen Kunsttanzes aus seinen Hebungen und Darbietungen verbannen. Leider war der erste Teil völlig mit solchen an die begrabene Dilettantenbühne erinnernden Darbietungen gefüllt. Nur am Schluß des Teil» stand eine echte, gut gelungene. Parodie, bei der die; Laientänz« nichts anderes fein wollten, als was sie in Wirklich- keit sind. Bei einer zielbewußten Entwicklung des Bewegungschors kann hier eine wertvolle Bereicherung für die proletarische Fest- k u l t u r erwachsen. In Gymnastikdarbietungen zeigte die Gruppe gut gegliederte Hebungen, die einem gesunden Körper- ausgleich dienen._— WaUace-Llraufführuna in Leipzig. Der bekannteste der neueren Shakespeare-Heberfctzer. Hans Rothe, hat«inen Riesenabsprung gemacht und bietet dem Theater nun die deutsche Bearbeituna eines nachgelassenen Stückes von Edgar Wallace an:„Platz und Sieg". Schauspiel in sechs Bildern.! Wider Erwarten gibt es in diesem W-allace keinen Mord und keinen � Detektiv, die Verbrechen beschränken sich auf Unterschlagung anver- s trauten Geldes, Schiebung beim Pferderennen und falsches Zeugnis vor Gericht; der einzige richtige Verbrecher ist ein« pathologisch ver» logen« Frau. Dl» Entlarvung geschieht durch dtn Geschädigten selber im Schlafzimmer dieser Dame. Die Komödie könnte knapper gesaßt sein, die eine oder andere Szene mit einem Wort erledigt werden; aber ihr Vorzug ist, daß alles einige Logik hat(viel mehr als die seinerzeit viel gespielten Wallace-Stücke„Der Hexer" und „Der Zinker"), daß wenigstens der Charakter der pathologischen Frauenperson interessant und glaubhaft, daß das Stück von der beliebten Grausigkeit und von dunklen Todesarten frei blieb und statt dessen sogar eine nette Portion Humor enthält. So erscheint ein über Leipzig hinausgehender Erfolg für diese Gattung harm- losen Kriminalstücks wahrscheinlich. Die Uraufführung im Schau- s p i e l h a u s unter Otto Werthers Spielleitung fand beträchtlichen Beifall. N. IV. Ein neues Kabareii stellt sich vor. „Die Schmiere" am Kurfürstendamm. In Berlin wimmelt es von neuen Kabaretts genau so wie von neuen Theatertruppen. Das ist nur natürlich, die Meng« der stellungs- losen Schauspieler und Kabarettisten sucht ihr Brot. Man soll milde mit ihnen verfahren, wenn alles nicht gleich klappt oder gelingt. Und so geschehe es auch mit der„Schmiere", die sich im ehemaligen Theater des„Blauen Bogels" aufgemacht hat. Sie ist, unter uns gesagt, ein wenig dem„Tingeltangel" nachgebildet, das sich zur Zeit auf Reisen befindet. Man spielt wie dort eine Art Revue„D i e Perle von Savoy" oder„Die Liebe währet ewiglich". Da unter den Autoren auch Hans R e i m a n n genannt ist, ver- spricht man sich allerlei Vergnügliches. Aber diese Parodie geht auf Gartenlaubestücke aus der Prähistorte. Man horcht sich die Ohren au« auf der Suche nach irgendwie Zeitgemäßem und verfällt schließ- lich in einen erquickenden Schlummer.(Die tropische Hitze, die im Theaterbau herrscht, ist ebenso schuld daran wie der Mangel an geistigem Sauerstoff auf der Bühne.) Soweit Witz, Satire, Hlk und andere gute Sachen in dem Stück vorhanden sind, verpusten sie ins Leere. Hnd auch die besten Kräfte können da wenig bessern: Marga- rete Kupfer, Karl S t e p a n e k, Else E h s e r, Blandlne E b i n g e r, Hans Brausewetter stehen auf aussichtslosen Posten. Nur ein paarmal dringen sie durch: die Chser in einer Adeleparodi« und die Ebinger als das gezierte, neckische Mädchen, das trotzdem ihre Teufelchen hat. Es ist nicht so einfach, die„Schmiere" zu parodieren, man gerät dabei in Gefahr, selber zur Schmiere zu werden. Hnd schließlich haben wir nichts Parodie-würdigeres als dies verstaubte Genre? ä. Im Schillertheater gehen am 29. April Schillers„Räuber" in der Reale von Leopold Jeßner in Sttnc. Am 25. Mai solgi Sans Kysers „Abschied von der Liebe". Regie iiihrt der Autor selbst. Im SchausPielhruS wird W-dekinds..Liebestrank" Anfang Mai in der Regie von Jürgen Fehling in Sune gehen. Anfang Juni folgt Halbcrgs „I e p p e v o m B s r g e" in der Regie ron Leopold Lindlberg und„R e i ch- t u nr" von Ariftophanes, bearbeitet von Dr. Heinz Lipmann, in der Regie von Leopold Jejjnsr. Im Deutschen Kunstlertheatcr wird von heute bis Donnerstag „Faust I" zu volkstümlichen Preisen gegeben. So gehts nicht, Herr Stegerwald! Man muß wissen, was man will- und danach handeln! Dortmund, 21. April. In der soeben erschienenen ersten Nummer der Zeitschrift Weg zur Freiheit, Monatsschrift für Wirtschafts- und Sozialpolitik", legt Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald seine Gedanken über die Lohnpolitik der nächsten Monate dar. Er stellt fest, daß die Zahl der Kündigungen von Tarifverträgen sehr groß ist, so daß Lohn- und Manteltarife zusammen für etwa 6 millionen Arbeiter und Angestellte gekündigt find. Der Minister hält an seiner Meinung fest, daß eine allgemeine Cohnfentung nicht fragbar sei. Er belegt die Richtigkeit seiner Entscheidung ausführlich, setzt jedoch hinzu, daß in einer Reihe von Fällen die Tariflöhne nachgeprüft werden und in einzelnen Werken oder Arbeitergruppen, besonders in den für den Binnenmarkt arbeitenden Industrien, ge für 3f werden müffen. Eine Notverordnung, durch die etwa die Löhne allgemein festgehalten werden, lehnt er ab. Er betont, daß, wo Herabsehungen notwendig sind, sie jetzt in vollem Umfange geschehen müssen, um das Lohnniveau endlich zur Ruhe zu bringen. Bei den manteltarifen, die die allgemeinen Arbeitsbedingungen festlegen, sollen wesentliche Aenderungen nicht vorgenommen werden, doch soll die Entlohnung des Urlaubs mit Rücksicht auf die allgemeine Kurzarbeit her abgesezt werden. Bei den Manteltarifen empfiehlt der Minister die Festlegung für etwa ein Jahr, während bei Lohn- und Gehaltsabkommen nicht über den Herbst dieses Jahres hinaus abzuschließen wäre. * Das ist wirklich starker Tabak! Vor einiger Zeit machte Herr Stegerwald die Mitteilung, daß die Lohntarife allgemein automatisch weiterlaufen würden. Jetzt spricht er von sechs Millionen Arbeitern und Angestellten, denen die Tarife gekündigt worden seien. Vor zwei Tagen ließ Herr Stegerwald ein Dementi verbreiten. Er habe nicht ein Wort davon gesagt, daß weitere Gehalts- und Lohnkürzungen in Aussicht stünden. Als er dieses Dementi losließ, war aber der oben zitierte Artikel bereits geschrieben und auch die Anweisungen an die Schlichter maren gegeben. Und diese Anweisungen stimmen offenbar mit dem Inhalt des Artikels vollkommen überein. Das beweisen die Schiedssprüche, die u. a. für die Textilindustrie Westsachsens, für das graphische Gewerbe und für andere Berufsgruppen gefällt worden sind. Was sind„ Binnenmarktlöhne"? Von ganz kleinen Gruppen abgesehen, gibt es feine Lohngruppe, die man nicht unter die Binnenmarktlöhne" einreihen könnte. Für welche Berufsgruppe ist der Absatz auf dem Binnenmarkt nicht ausschlaggebend? Es gibt feine derartige Gruppe! Aber auch wenn man die bereits bis zur Explosion gereizten Arbeiter, die ausschließlich für den Binnenmarkt arbeiten, herausfordern würde, indem man ihre auf einen auf die Dauer unerträglichen Tiefstand gedrückten Löhne nochmals sentt, so muß sich das auf den gesamten Beschäftigungsgrad verhängnisvoll auswirken. Schon die Ankündigung dieser Maßnahme muß zer störend wirken. Angeblich, um Beruhigung zu schaffen, will man sämtliche Manteltarife und den überwiegenden Teil der Lohntarife nochmals verschlechtern. So geht das nicht! Und wenn Herr Stegerwald nicht mehr meiß, was er redet, und nicht mehr weiß, was er tut, dann wird es höchste Zeit, daß der Reichskanzler persönliche Rücksichten fallen läßt. Hier muß es nun aber wirklich Schluß sein mit der Ratastrophenpolitik! Der russische Arbeiter hungert! Ernährungsfrage noch ungelöst. Moskau( über Kowno), 22. April. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolfig, ohne wesentliche Temperaturänderung. Leichte füdwestliche Winde. Für Deutschland: Ueberall ruhiges Wetter. Im Osten und Süden heiter, im Nordwesten wolkig, nirgends nennenswerte Temperaturniederschläge. ,, Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Verantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Borwärts Verlag 6. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. GROSSES SCHAUSPIELHAUS DIE SCHONE HELENA Täglich 8 r MAX REINHARDT INSZENIERUNG Lothringer Straße 37. Am Schluß seiner Ausführungen auf dem Bundeskongreß der 8 Uhr CASINO- THEATER 8%, Uh Gewerkschaften der Sowjetunion erklärte der Generalsekretär Schwernik, daß Partei und Gewerkschaften sich die größte Mühe Grosser Preis- Abbau! Auch Sonnzur Verbesserung des Lebensunterhalts der russischen Arbeiter gäben. abend u. Sonntag: Park. u Rang Seite nur 0.50, Faut. u. Rang Mitte 0.75, SperrBesonders schwierig scheine die Ernährungs- sitz u. Balkon 1.-, Logen u. Sessel 1.50. Der Operetten- Schlager: frage, die bis jetzt noch unge löft geblieben sei. Regierung und Peppina' Partei würden die dementsprechenden besonderen Maßnahmen auf dem Gebiet der Lebensmittelversorgung ergreifen. Beim zwelten Fünfjahresplan werde die Partei sich bemühen, alle Einschränkungen aufzuheben. Bis dahin müſſe aber das russische Proletariat noch Opfer bringen. * Mit diesem unverhüllten Eingeständnis, daß die Ernährungsfrage in dem Agrarland Rußland, das vor dem Kriege eines der größten Getreideerportländer war der größten Getreideerportländer war ,, noch ungelöst" ist, d. h. auf gut deutsch, daß der russische Arbeiter hungert, mit dieser graufamen Wirklichkeit vergleiche man den Schwindel der deutschen Bolschewistenpresse, wonach die Arbeiter in Sowjetrußland täglich mehr als ein Kilo Fleisch essen. Berlorene Mitgliedsbücher. Ein Unterkassierer des Verbandes der Fabritarbeiter hat elf Mitgliedsbücher im Eisenbahnwagen, Strecke Schlesischer Bahnhof- Grünau, liegen lassen. Der ehrliche Finder wird gebeten, diese im Verbandsbüro, Engelufer 24/25, Aufgang C, 1 Tr., abzugeben. Verband der Fabritarbeiter, Zahlstelle Berlin. Riesen- Beifall! Man amüsiert sich für wenig Geld! SCALA Täpl. 5 u. 8% Uhr Horace Goldin Kpt. Winston usw. Rose- Theater Große Frankfurter Straße 132 Tel. Weichsel E 7 3422 8.15 Uhr Die Frau, Fritz Muth Buttergroßhandlung Filialen in allen Stadtteilen Aparte Frühjahrsmäntel Kostüme zu ganz besonders niedrigen Preisen Maßanfertigung spez. für starke Damen! Paul Linck Damenmäntel- Fabrik. und Hdlg. die jeder sucht Neukölln, Reuterstr. 63, a. d. Kaiser- Friedrich- Str. Lichterfelder Festsäle Zehlendorfer Straße 5 Oekonom Otto Schilling Telephon: Lichterfelde G 3 1445 Festsäle für 1500 Personen mit modern eingerichteten Bühnen für Veranstaltungen jeder Art/ Hochzeitssäle Vereinszimmer für 20 bis 300 Personen PROGRAMM für die Zeit vom 22. bis 25. April BTL Potsdamer Straße 38 Das blaue Licht mit Leni Riefenstahl Außerdem: Einmal möcht ich keine Sorgen haben mit Max Hansen Jugendliche haben Zutritt! Wochent. ab 5 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr KINO- TAFE Moabit Artushof Wochent. ab 6 Uhr Zeli Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 2 Tonfilme: Der schönste Mann im Staate mit Siegfried Arno. Roberts U 13 Welt- Kino Alt- Moabit 99. Woch. 6.45, 9.05 U. Sonntags ab 4.45 Uhr Zehlendorf- Mitte Südwesten Nordosten Beginn tägl. 5, 7, 9 U Film- Palast immersäle, Elysium Stg. 3 Uhr Jugendvorstell Potsdamer Str. 50 Rasputin mit Conr. Veidt, Ch. Ander Gutes Beiprogramm Steglitz Titania- Palast W.6.30, 9 U., Stg.4, 6.30, 9U. Tonfilm- Operette: Zwei himmel- Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. blaue Augen m. Ch. Ander, H. Odeon, Potsdamer Str.75 Thimig Gut. Tonbeipr. Heute. Der Frauendiplomat mit Max Hansen, Martha Eggerth, Leo Slezak W. 5, 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Turmstraße 12 Peter Voß. der Millionendieb, mit Willy Forst, Alice Treff, Paul Hörbiger W. 5, 7, 9 Uhr Freitag, Ch. Ander u. Ida Wüst in allen Vorstell. persönlich anwesend. Charlottenburg Germania- Palast Der Sieger mit K. v. Nagy. H. Albers Tonbeipr. Am Dienstag, 26. April, 8 Uhr: Einmaliges personliches Auftreten von Rich. Tauber zur Festvorstellung: Melodie der Liebe Mariendorf 6 U. Teltower Str.1 Wab 5%, So. ab 3½ U 2 Tonfilme: Einmal möcht' ich keine Sorgen haben mit Max Hansen Zwei himmelblaue Augen mit Ch. Ander, Thimig Süden Theater am Moritzplatz Wo. 6, 8.45 Uhr, Sonnt. ab 4.30 Uhr; Ein bißchen Liebe für dich mit der pers, Paudler 66 Prenzlauer Allee 56 Wochent, 5 Uhr Sonnt 3 Uhr. Sergeant X mil Ivan Mosjukin in einem Auto mit Magda Emelkatonwoche Schneider Flora- Lichtspiele Landsberger Allee 40/41 W. 5.45, 7, 8.45 Uhr. Sonnt. ab 3 Uhr Der Sieger mit Hans Albers Kabarett Tonfilm, Ehrlich, M. Ney Thimig. Lee Parry, M. Schnel- Königstadt- Palast s.79 Strohwitwer mit KamSüdosten Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 53/54 Ma- Li Mariendorfer W. ab. Deutsch- Amerik. Theater Sergeant X( Das Geheimnis des Fremdenlegionärs) m. I. Mosjoukin W. 5, 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Kant- Lichtspiele Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Eine Nacht im Paradies mit Anny Ondra- Außerdem: Patt u. Patachon in Knall und Fall Jugendliche haben Zutritt Den ganzen Tag geöffnet! St. ab 3 Uhr Westen Primus- Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Uraufführung: Es war einmal ein Welzer mit Martha Eggerth,| Rolf v. Goth Jugendliche haben Zutritt! W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr S. 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Unter den Linden Die Kamera Unter den Kantstr 54( an der Wilmersdorfer Str.) Durchlaucht amüsiert sich mit Lien Deyers, G. Alexander W. 6%, 9 S. 44, 7, Schönhauser Allee 10 Großtonfilm: Der Boß( nach Mark Twains Satire). Tonbeiprogr. Tonwoche Tonlichtspiele So. 5. Horsten Chausseestr. 305. 2 Großtonfilme: Reserve hat Ruh' mit Kampers Eine Nacht im Paradies mit A. Ondra Tempelhof Die Wasserteufel von Hieflau Kurfürst Wochent. 5, 7, 9 Uhr Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr Schlüter- Theater Beginn: 5, 6.30, 9 Schlüterstr. 17. S. 3 U.: Jgd.- Vorst. Ein bißchen Liebe für dich m. W. 7, 9 Uhr Stg. 5, 7, 9 Uhr Sonntag 3 Uhr: Jugendvorstellung Dorfstraße 22, Ecke Berliner Straße Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gust. Fröhlich Tonbeiprogramm Magda Schneider, H. Thimig Tivoli Täglich 5, 7, 9 Uhr Tonbeiprogramm Atrium Wilmersdorf Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Wochent. 7, 94 U. Sonnt. 5, 7, 9% U. Uraufführung: Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel mit Gust. Fröhlich, Martha Eggerth, Fritz Grünbaum. Oskar Sima, Paul Morgan, Anton Pointner. Gutes Tonfilmbeiprogramm Schöneberg Linden 14 Alhambra Täglich 3, 5, 7, 9 Uhr Kinder vor Gericht§ 182, Minderjährig Woch. 5, 7, 9 Uhr Sonnt. 3, 5, 7, 9 Uhr Hauptstr. 30. Varieté, Tonfilm Stg. 11.30 vorm. 2. Woche! Noch bis Sonnt, verläng.! Matinee: Amerika. Jugdl. Zutritt! Friedrichstadt Sigs 3 Uhr: Jugendvorstell Berliner Str. 97. Köpenicker Str. 68 Beg. 5 Uhr. Stg. 2.30 Uhr Jugendv. Der Sieger mit H. Albers, K. v. PROGRAMM für die Zeit vom 22. bis 25. April Neu- Lichtenberg Kosmos- Lichtspiele Lückstr. 70 Täglich 5, ca. 7, 49 Uhr Gr. Tonoper.; Ein bißchen Liebe für dich mit Magda Schneider, H. Thimig- Tonbeiprogramm Friedrichsfelde Kino Busch Frt., Sbd., Stg. ab 5, sonst Beginn 6 Uhr Alt- Friedrichsfelde 3 Buster Keaton spricht deutsch: Casanova wider Willen- Gr. Tonbeiprogramm Tonwoche Norden Conférencier: Hans Alhambra Müllerstraße 136. Osten Nagy- Das verlor. Paradies Germania- Palast Filmeck Am Görlitzer Bahnhof W. ab 6%, Stgs. ab 3 Zwei Tonfilme und Bühnenschau Max Hansen, Martha Eggerth, Leo Slezak in dem lustigen Großtonfilm: Der Frauendiplomat Lon Chaney in dem tönenden Millionenfilm: Der Glöckner von Notre Dame Varieté- Schau Großtonfilm: Der Sieger m. Hans Luisen- Theater Albers, K. v. Nagy Tenbeiprogramm Neukölln Gutes Excelsior Wocht. 6.30, 9 Uhr Stg 4, 6.30, 9 Uhr Kaiser- Friedrich- Straße 191 Der Sieger mit H. Albers, K. v. Nagy Gut. Tonbeiprogramm W. ab 6.30 Stgs. ab 3 Reichenberger Str 34. Lee Parry, Hermann Thimig, Georg Alexander in der Tonfilm- Operette: Ein bißchen Liebe für dich Marlene Dietrich in dem spannenden Tonfilm: X 27( Spionin oder Dirne) Kukuk Wochent. 6.30, 9 Uhr Stella- Palast W. ab 6.30 Uhr Stg. 4, 6.30, 9 Uhr Kottbusser Damm 92 Der Frauendiplomat mit Max Hansen- Tonbeiprogramm Bühnenschau Ben Hur( in Tonfassung) mit Ra- Mercedes- Palast W.6, 9 U. mon Novarro. Beiprogr. Bühne: G. Acosta, der Meister der Kraftjongleure Jugendl. Zutritt! Franziskaner Tageskino ab Titania Schöneberg 9 Uhr vorm. Georgenstraße( Ecke Friedrichstraße) Zwei lustige Tonfilme: 9, 12, 3, 6, 9 Uhr: Zwel Herzen und ein Schlag mit Lilian Harvey Hauptstr. 49. W. 5, 7, 9 Uhr Hermannstr. 212 S. ab 3 U. Peter Voß, der Millionendieb. mit Willy Forst( Forst Freitag Erscheinen zugesagt) Bühne: Russentruppe Sonnt. ab 3 Uhr Köpenicker Straße 12-14 Gitta Alpar, Gustav Fröhlich in der Tonfilm- Operette: Gitta entdeckt ihr Herz Bühne: 40 Minuten internationales Varieté Jugendliche haben Zutritt! Treptow W 6.30, 9 U. Treptow- Sternwarte S. 3, 5, 7, 9 Uhr Primus- Palast W 6.30, 9 U. Der Sieger mit Hans Albers, Käthe v. Nagy- Tonbeiprogr. Friedenau 10.30. 1.3), 4.30, 7.30, 10.30 Uhr: Kronen- Lichtspiele Der schönste Mann im Staate mit Siegfried Arno Neueste Ton- Bild- Reportage Rheinstraße 65. W. 7, 9 Uhr. Sbd., Stg. 5, 7, 9 Uhr Leichtsinnige Jugend mit Camilla Horn, W. Rilla- Reich haltiges Beiprogramm Sonnt ab 3 U. Am Hermannplatz Urbanstr. 72/76 Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gust. Fröhlich Bühne: George Boulanger mit seinen Zigeunern Sonnabd. 4 u. 8, Sonnt. 4, 6, 8 Uhr: Die Nibelungen, Siegfriedssage, Film Baumschulenweg Stern, Hermannstraße 49 Lichtspielhaus W. 6.30, 9 Uhr. Sonnt. 4, 6.30, 9 Uhr Das blaue Licht mit Leni Riefenstahl Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt W. 6 U., St. 4.30 St. 2.30 U.J.-V. Baumschulenstraße 78 Ein bißchen Liebe für dich mit Magda Schneider, H. Thimig, L. Parry, Alexander- Goethes Vollendung- Tonwoche Frankfurter Allee 314, Willy Forst, Alice Treff, Paul Hörbiger in dem spannenden Großtonfilm: Peter Voß, der Millionendieb, Auf der Bühne: Ruth und ihre Jazzboys Woch. ab 6.30 Uhr. Sonnt. ab 3 Uhr Luna- Palast Woch. 5 Uhr Sonnt. ab 3 Uhr Ecke Seestraße W. 5, 7, 9 Uhr, Sonnt. 3, 5, 7, 9 Dhr 2 Tonfilme: Der Frauendiplomat mit Max Hansen Die verliebte Firma mit Charl. Ander Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Täglich 5, 7, 9 U. 2 Großtonfilme: Erstaufführung! Kriminalreporter Holm( Die Bombe platzt) mit Herm. Speelmanns, Elga Brink, Jul. Falkenstein. Ferner: Leichtsinnige Jugend mit C. Horn, W. Billa Reinickendorf- Ost Gr. Frankfurter Str. 121. Tonwoche Beba- Lichtspiele Skandal in der Parkstraße mit Bühne: F. Kampers, C. Lilien Paul Godwin u. seine 15 Künstler Schwarzer Adler Frankf. Allee 99 W. 5, 7, ca. 9 Uhr, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Großtonfilm: Helden der Luft Bühne: Franz Hofer mit seinem Ensemble Jugendliche Zutritt! Viktoria- Theater Woch, ab 5 Stg. ab 3 U. Frankfurter Allee 48. Mein Freund, der Millionär, mit Herm. Thimig- Das_verlorene Paradies mit Otto Wallburg Tonkabarett FilmFrankenburg Bühne Gr. Frankfurter Str. 74 W. 5, 7, 9 U. S. 3 U.: Jugendvorst. Der größte Film: Ben Hur in Tonfassung Neueste Ufa- Tonw. Zentrum Babylon, am Bülowplatz Wocht, 4.45 Uhr SonLi, 2.30 Uhr. Drei Spitzenleistungen: Die Wasserteufel von Hieflaa Der Glöckner von Notre Dame mit Lon Chaney Bühne: George Boulanger Residenzstr. 124 W 6.45 u. 8.45 Uhr Stg. 5, 7, 9 Uhr 3 Uhr: Jugendvorst. Unter falscher Flagge mit Ch. Susa Heideröschen, bitte der Nächste Pankow Palast- Theater Wocht. 7, 8% Breite Str. 21a. Stg. ab 5 U. 2 Großtonfilme: Drei von der Stempelstelle mit Fr. Kampers Der verjüngte Adolar Tivoli Berliner Straße 27 Wochent. 7, 9 U. Sbd. u. Sonnt. 5 U 2 Großtonfilme: Der unbekannte Gast Der Herr Bürovorsteher mit Felix Bressart Tegel Filmpalast Tegel Bahnhofstraße 2 Wochent. 6 Sonnt 4.15 U Sonntags 2 Uhr: Jugendvorstellung Unter falscher Flagge mit G. Fröhlich- Pat u. Patachon in Knall und Fall Hennigsdorf Filmpalast Beg W 6, 8.30 Uhr Berliner Str 59 Stgs. 44. 6%, 8% U. Tongroff: Die spanische Fliege mit Oskar Sabo Pat und Patachon in Knall und Fall Beilage Freitag, 22. April 1932 Georg Schwarz: Denkt daran! So war's vor 1918! mardiche 3ollpolitik nad) 1879 machte einen Strich sogar durch diese bescheidenen Freiheitsträume der Bürger. Das Dreitlassenmahlrecht, dieses schamlose Monument| Verwaltung, Justiz und Heer besetzt hatte, zu entreißen. Die Bis eines föniglichen Wortbruchs, der Grabstein für alle bürgerlichen Rechte, die das Volk in den blutigen Märztagen des Jahres 48 seinen Unterdrückern abgerungen glaubte, hat in Preußen fast fieben Jahrzehnte die werftätigen Massen von jedem Mitbestimmungsrecht an der Gefeßgebung ausgeschlossen. Unmöglich, den krassen Mammonismus, die finstere Rückschrittlichkeit der herrschenden Klassen anschaulicher darzustellen, als dieses Wahlrecht es tut. Als Schlüssel für den Grad der Wahlwürdigkeit wurde die Höhe der bezahlten Steuern, das ist also die Höhe des Einkommens, angesehen. Die wahlberechtigte männliche Bevölkerung wurde in drei Wählerklassen aufgeteilt: in die erste Klasse gehörten die Wähler, die das erste Drittel der Steuern, in die zweite, die das nächste Drittel und in die dritte Klasse, die das letzte Drittel der Steuern zahlten. Jede Klasse mählte die gleiche Zahl der Wahlmänner, diese die Abgeordneten. Das ergab zum Beispiel für das Jahr 1903 bei ungefähr 7 Millionen Wahlberechtigten rund 200 000 Es galt nämlich nicht etwa für das ganze Königreich Preußen eine einheitliche Schlüsselzahl, nach der der Steuerzahler in seine Wahlklasse eingestuft wurde. Das Steuererträgnis jedes einzelnen Urwahlbezirkes, ob es sich nun um städtisches oder ländliches Gebiet handelte, wurde der Einstufung in die drei Klassen zugrunde gelegt. So hatte das flache Land ein gewaltiges llebergewicht gegen die Industriebezirke und die Großstädte. Als sich die Sozialdemokratie im Jahre 1903 zum ersten mal nach langer Wahlenthaltung an den preußischen Landtagswahlen beetiligte, erhielt sie trotz ihrer 314 147 Stimmen fein einziges Mandat. 324 157 konservative Stimmen hingegen besetzten von insgesamt 433 Abgeordnetensitzen 143. Der Abend Spalausgabe das Vorwärts Eine ungetrübte Freude an dem preußischen Wahlrecht, dem Rudolf Breitscheid schon 1907 alle Schlechtigkeiten und Infamien" nachsagt ,,, die ein Wahlsystem nur befizen fann", hatten nur seine einzigen Nuznießer: die preußischen Junter. Ihnen garantierte es eine Extraprämie: ihre Leibeigenen; denn etwas anderes waren die Landarbeiter im königlichen Preußen nicht ge= wesen. Der Gutsherr war nicht nur der Brotgeber" seiner Landarbeiter, in ihm vereinigte sich alle staatliche Macht, das Richteramt, die Polizeigemalt, die geistliche Behörde, die Schulpflege für das Gesinde und dessen Familien. Schon der Freiherr vom Stein wollte diese mittelalterlichen Privilegien, die meistens auch durchaus mittelalterlich gehandhabt wurden, abschaffen. Es mußte erst ein Sozialdemokrat mehr als hundert Jahre später Minister werden, che das geschehen fonnte. Mit schamloser Gewinnsucht haben die preußischen Junker bis zum Nopember 1918 an ihren adeligen Klassenvorrechten festgehalten. Die erhabenen Ideale: Altar, Thron, Vaterland verhüllten nur dürftig die eigentlichen Ziele der rücksichtslosen Aus= beuter, denen ihre Ausnahmegeseze sogar das Recht der Prügelstrafe einräumten. Mit welcher Brutalität die Reaktionäre ihr Unrecht zu verewigen bereit waren, sagt uns am besten einer aus ihren eigenen Reihen: Ein energischer Stoß sofort, spart Hunderte von Toten Wähler erster Klasse, 800 000 zweiter Klasse, 6 Millionen dritter auf die Bauern genommen. Das evangelische Land sammelte sich hinterher. Also los, auf die Schanzen, menn noch geschügt werden Klasse. Oder prozentual ausgerechnet: ein Wähler erster Klasse hatte fünfundzwanzigmal soviel Wahlrecht als ein Wähler dritter Klasse. Versteht sich, daß dieses eine Fünfundzwanzigstel Wahlrecht nicht geheim ausgeübt werden durfte. Ihre Majestät, der absolute Herr dieser scheinkonstitutionellen„ Verfassung" hatte sich der Mühe unterzogen, sein treues, sittenreines Volk von der Unmoral der geheimen Wahl in einem besonderen Abschnitt der Wahlordnung Bismarcks Schutzzölle hatten den liberalen Parteien jeden Einfluß bei den Wahlen unter konservativen Parolen. Für den höheren Schweinepreis hatte man der deutschen Bauernschaft ihre staatsbürgerlichen Freiheiten abgekauft. Auch unter den Bürgern selbst richtete dieses Wahlrecht tolle Verwirrungen an. So wählten zum Beispiel in Altona 1913 alle Bordellwirte in der ersten und zweiten Klasse, während hohe Beamte, wie der Landgerichtspräsident und der Oberbürgermeister und viele Gymnasial professoren, sich in der dritten Klasse zusammenfanden. abzugrenzen:„ Sie"( die geheime Abstimmung), so heißt es in einer Dr. Julius Moses: Verordnung ,,, steht in Widersprud) mit der in allen übrigen Zweigen des Staatslebens laut und mit Recht geforderten Deffentlichkeit, fie verhüllt den so bedeutungsvollen Wahlakt mit einem Schleier, unter welchem alle die Bestrebungen sich verbergen können, die das Licht zu scheuen haben, wogegen die öffentliche Stimmgebung den Erfolg hat, daß man die abgegebene Wahlstimme als das Resultat selb= ständiger Ueberzeugung betrachten kann." Die Dreiklassenwahl war auch nicht direkt. Der Wähler hieß in der Amtssprache nicht zu Unrecht Urwähler. Er durfte nur einen Wahlmann wählen, und die Wahlmänner ihrerseits wählten erst die Abgeordneten. Um die Volksfeindlichkeit dieser Wahlordnung voll zu machen, war sie natürlich auch nicht proportional. Die Stimmen, die nicht für den siegreichen Kandidaten abgegeben worden waren, gingen verloren. Das Wahlsystem war so entmutigend reaktionär und so aus sichtslos für jeden, der materiell von seinen politischen Feinden abhing, daß die Sozialdemokratie Jahrzehnte hindurch in der Wahlenthaltung das beste Agitationsmittel ihres Protestes gefunden zu haben glaubte. sollen Vaterland und Besitz!" So blies der Kammerherr von Oldenburg auf Januschau zur Attacke, als die Arbeiterschaft für das allgemeine gleiche geheime und direkte Wahlrecht in Preußen demonstrierte. Und jetzt soll dieses schwer erkämpfte Wahlrecht den alten Unterdrückern als Mittel dienen, die alte Rechtlosigkeit wieder herzustellen! Wir müssen uns wieder großhungern Im Wahlkampf um Preußen wird von der Reaktion dem neuen Staat ein Idealbild des alten Preußen entgegengestellt, in dem angeblich alle Bürgertugenden mit den herrlichsten Borzügen der Herrschenden vereinigt waren. Daß es sich dabei um fromme 3wedlüge handelt, weiß jeder, der den letzten Teil dieser alten preußischen Geschichte selbst erlebt hat. In den HugenbergVersammlungen kann man regelmäßig die prächtig flingenden Phrasen hören:„ Wir müssen uns wieder großhungern" oder„ Das alte Preußen hat sich zu seiner Macht emporgehunger t". Selbstverständlich denkt Herr Hugenberg nicht im Traume daran, selbst zu hungern, sondern er überläßt großmütig dieses Opfer denjenigen, die heute ohnehin an den Hunger gewöhnt sind, ebenso wenig wie sein berüchtigter Ausspruch ,, Wir alle müssen wieder Proletarier Eine Zeit, die heute durch Legenden eine nationalistische Berflärung erfahren hat, ist die Periode der Franzosenherrschaft in Deutschland vor den Befreiungstriegen. Der Opferjinn und das Emporhungern wird von einem unvoreingenommenen bürgerlichen Geschichtsschreiber, Adolf Streckfuß, in seinem großen Werke ,, 500 Jahre Berliner Geschichte"( 1886), Band 2, Seite 631 ff., folgendermaßen geschildert: Dieses greifbar widerfinnige und jeder Gerechtigkeit hohn werden" etwa dem dringenden Bedürfnis Hugenbergs entspricht, zu bringen en in Zande tot liegende Kapital möglichst in Ulmlauf sprechende Wahlrecht, das Preußen, ungeachtet seiner hohen in dustriellen Entwicklung, auf den politischen Standard von vor 1798 zurückdrückte, war das Mittel und die Möglichkeit der unbeschränkten Herrschaft der preußischen Junker. Nur furze Zeit sah es so aus, als fönnte es dem liberalen Bürgertum gelingen, den adligen Großgrundbesig um seine Alleinherrschaft zu bringen, ihm menigstens einige der Schlüsselstellungen, die er in feine Aufsichtsratsstellen niederzulegen, auf seine Einfünfte zu verzichten und sich im Norden eine Wohnküche zu mieten. Hat sich das alte Preußen nun wirklich emporgehungert? Haben die Besitzenden wirklich selbstlos alle Opfer gebracht, im Gegensatz zu unserer heutigen Zeit, wo selbst der Proletarier so wenig Idealis: mus aufbringt, daß er gegen den quälenden Hunger rebelliert? Mythen lassen sich am leichtesten zerstören, indem man die sachliche Stimme der Geschichte sprechen läßt. Und da zerstiebt das Märchen von dem ,, altpreußischen Opferfinn" des Bürgertums in nichts. Nach dem Verbot der Sa. Vom Wahlkampf in der Grenzmark Bon einem Genossen wird uns geschrieben: Seit meinem letzten Bericht habe ich hier im Kreise Flatom in fünf weiteren Versammlungen gesprochen. Wenn die lokal begrenzte Erfahrung nicht täuscht, so ist festzustellen, daß das Ver bot der SA zu einer sichtlichen Entspannung der politischen Kampfmethoden geführt hat. Während die am Mittwochabend aus der ganzen Umgebung zusammengezogenen SA. durchaus zu Tätlichkeiten bereit war, scheint jetzt der Wille vorherrschend zu sein, den Gegner mit ,, geistigen" Waffen zu bekämpfen. Es ist aufschlußreich, zu überprüfen, was hierbei herauskommt. Ich sprach gestern in Koppe, wo mehr als zweihundert Teilnehmer zu der um 15 Uhr nachmittags( Sonntags) angesetzten Versammlung erschienen waren. Aus der Beteiligung am Heil- Hitler" Ruf, den der nationalsozialistische Diskussionsredner ausbrachte, war zu entnehmen, daß schätzungsweise 60 organisierte Nationalsozialisten im Saale anwesend waren; wie ., ehemalige SA.- Kameraden" sich die anderen Teilnehmer parteimäßig verteilten, ist nur zu ver= muten: ich möchte jedoch glauben, daß sich Republikaner und Nationalsozialisten ungefähr die Waage hielten. Außer zwei Landjägern, die vorher ein beträchtliches Arsenal von Stöden eingesammelt hatten, ist noch meine Begleitung, fünf Parteigenossen aus Flatom, zu erwähnen. Ich hielt ein einstündiges sachliches Referat, beleuchtete vor allem die sozialreaktionären Tendenzen der NSDAP. unter besonderer Berufung auf das„ volle Einvernehmen" des Prinzen" Aumi ,, mit seinem Herrn Vater." Selbstredend wurde auch die moralische Qualifikation einiger nationalsozialistischer Führer so besonders die des Jugenderziehers Röhm ge= bührend unterstrichen. Wir gestatteten dem ersten nationalsozia listischen Redner eine halbstündige Redezeit. Es ist unvorstellbar, mit welchen Argumenten diese Leute reisen. Die Dolch stoß legende ist hier immer noch munter und lebendig, vor dem Krieg gab es auch keine Arbeitslosigkeit, den Krieg haben die Juden( und die Radfahrer!) verschuldet",„ Reichsbanner und Eiserne Front find international usw. usw. Meine Behaupttungen über Hauptmann Röhm, die ich auf jaffimilierte Briefe stützte, wurden als„ Wahllügen" bezeichnet und die Dokumente, die ich im Saal von Mann zu Mann, von Frau zu Frau herumgehen ließ, als gefälscht hingestellt. Solche und ähnliche Borwürfe darf man, wenn die Versammlung nicht auffliegen soll, nicht tragisch nehmen: tragisch ist ja auch nur, daß sich deutsche Wähler finden, die auf diese dümmsten und lächerlichsten Hohlheiten solcher Menschen hereinfallen; übrigens hatte ich von diesem nationalsozialistischen Redner durchaus den Eindruck, daß er selbst an das, was er uns erzählte, fanatisch glaubte. Wir ließen außerdem noch einen zweiten Nationalsozialisten zu Worte kommen, der jetzt zum zweitenmal an einer meiner Versammlungen teilnimmt, er ist aus Flatom und gehört zu den öffentlichen Versammlungsrednern der NSDAP. Dieser gute Mann sprach über das Arbeitsbeschaffungsprogramm seiner Partei; zur Finanzierungsfrage beschränkte er sich auf die ökonomischen Weisheiten Gottfried Feders... ein Ich glaube, daß die ökonomische Aufklärung, die ich in meinem Schlußwort über Herrn Gottfried Feders Bau markt und die Brechung der Zinsknechtschaft gab, auf keinen unfruchtbaren Boden gefallen ist. Wenn man aus dieser Versammlung und ich greife sie nur als Typus heraus Fazit ziehen darf, so ist es dieses: der Nationalsozialismus erweist sich in der Ebene geistiger Auseinandersezung als unfähig, sich zu behaupten. Das Verbot der S2. ist meines Erachtens dazu angetan, die geistige Unkultur dieser Bewegung wesentlich wirksamer als bisher her vortreten zu lassen. Von einer anderen Versammlung möchte ich noch kurz berichten, die zu den eindrucksvollsten gehört, die ich je erlebt habe. Ich sprach in einem Dorf, in der eine starke KPD.- Anhängerschaft gezählt wurde. Nach meinem Vortrag kam es zu einer anderthalbstündigen Aussprache, die mich lebhaft an unsere Berliner Arbeitsgemeinschaft der jüngeren Parteigenossen erinnerte, nur mit dem Unterschied, daß hier in diesem Dorf, unweit der polnischen Grenze. mir reife Männer gegenübersaßen, aus denen Fragen über Fragen brachen: Weshalb wir 1918 nicht sozialisiert haben, weshalb der Faschismus so stark geworden sei? Ich versuchte jede Frage auf ihren einfachsten Gehalt zu bringen, bald faßen mir die Männer nicht mehr gegenüber, sie um standen mich, große, vers mitterte. harthändige Gestalten, die durch das Netz von Lüge und Heze, das um sie gesponnen worden ist, miß. trauend hindurchsehen wollen. Vielleicht ist es mir gelungen, ihnen die einheitliche Linie unserer Politik verständlich zu machen... Jedenfalls schieden wir ineinandergestimmt als Genoffen, als Rämpfer für ein 3iel... ,, Am 11. März 1809 erschien in der Bossischen Zeitung" eine königliche Verordnung vom 12. Februar, welche viel böses Blut besonders unter den wohlhabenden Bürgern, welche sie fast allein betraf, erregte. Der König erklärte in dieser Verordnung, daß es zur Zahlung der Kriegstontribution an Frankreich notwendig sei, das in ungemünzten edlen Metallen und in Juwelen und zu benutzen, da mit einer Veräußerung der Domänen und Forsten nur nach und nach vorgegangen werden könne. Um die Metallvorräte muzbar zu machen, verordnete der König, daß die Münzämter goldenes und silbernes Gerät antaufen sollten, und daß auf edle Metallgeräte, meldje die Besizer nicht verkaufen wollten, eine Abgabe von einem Drittel des Wertes gelegt und die Abstempelung eingeführt merde. Von Juwelen sollte ein Sechstel des Wertes als Abgabe entrichtet werden. Die Münzen hatten für angekaufte Gold- und Silbergeräte den Gegenwert nicht in barem Geld, sondern in neu auszugebenden Münzscheinen auszuzahlen." Wie stellte sich nun die ,, patriotische Bürgerschaft" zu diesem Appell an ihren Opferfinn? Bei Streckfuß lesen wir: ,, Die Verordnung machte in Berlin ein ungeheures Aufsehen. Die Besteuerung der Gold- und Silbersachen betraf nicht das ganze Volk, sondern nur die Wohlhabenden, und diese, welche sich feineswegs durch einen besonders hohen Patrio= tismus auszeichneten, fühlten sich durch eine so ungerechte Belastung schmer getränkt. In das Theater gingen sie, wohl gern, dort zeigten sie sich durch stürmische Lebehochrufe auf den König, durch Klatschen bei jeder patriotischen Anspielung auf ihre Vaterlandsliebe, auch waren sie bereit, dies durch eine glänzende Beleuchtung ihrer Häufer bei einer Illumination, durch Festessen usw. zu tun, aber von ihrem Silbergeschirr, ihrem Gold- und Juwelenschmuck trennten sie sich ebenso ungern, wie sie ihn besteuern ließen. Damals wurden in Berlin ebenso viele Goldsachen vergraben mie zur Silber- und Franzosenzeit, man hielt die Schmucksachen fast noch geheimer als damals; mußten doch die reichen Defraudanten fürchten, daß ihre Diener sie belauern und zur Anzeige brachten, denn das Gesetz bestimmte, daß jeder verhehlte Schmuck konfisziert und der Wert desselben sich der Denunziant und die Ortsarmen teilen sollten; der Defraudant aber sollte gezwungen werden, den doppelten Abgabebetrag zu zahlen, sein Name fiel außerdem der schmachvollen Veröffentlichung durch die Zeitungen auf seine Kosten anheum. Die Bossische Zeitung" vom 21. März 1809 geißelte den Egoismus derer, die ihr Gold versteckten, um es nicht zu versteuern, durch ein pathetisches Gedicht. Das Gedicht war gewiß sehr wohlgemeint, aber es fruchtete nicht mehr als eine Reihe von Aufsägen, welche in den verschiedenen Zeitungen erschienen und zum opferfreudigen Patriotismus mahnten. Gerade die Reichsten zeigten sich am wenigsten bereit, Opfer zu bringen. Die Summe der von den reichen Bürgern eingelieferten oder besteuerten Gold- und Silbersachen blieb weit hinter der Erwartung zurück, welche man von dem Gold- und Silberschatz Berlins hegen konnte. Im grellen Gegensatz zu der betrügerischen Selbst= sucht, welche die reichen Berliner bei dieser Gelegenheit zeigten, stand der festliche Empfang, den der König in seiner Residenzstadt erhielt, als er endlich in dieselbe einzog." Man sieht: Schon in der von unseren Nationalisten so gern als Vorbild für unsere Tage angeführten Zeit des erwachenden Patriotismus" gab es eine Kapitalflucht großen Ausmaßes. Welches System" war wohl daran schuld? Auch damals maren die Patrioten reich an stürmischer Begeisterung, arm dagegen an Opferfreudigkeit! Wen erinnert das nicht an die non schwungvollen Reden erfüllten Wählernersammlungen der Reaktion in unseren Tagen? Sobald es an den Geldbeutel geht, hört der Patriotismus plöglich auf! ,, Wir müssen uns wieder empos hungern" sagt Hugenberg! Bir? Wie onno 1809! Arbeitersportler! Schlagt die Faschisten Wehrt euch mit dem Stimmzettel! Kommunisten und Nazis sind einander würdig. Nicht nur in ihrer Zielsetzung, auch in den Kampfmethoden gleichen fie sich. Der gemeinsame Feind ist die klassenbewußte Arbeiterschaft, organisiert in den freien Gewerkschaften, im Arbeitersport, in der Sozialbemokratischen Partei. Während die Kommunisten bislang den Versuch machten der ihnen allerdings glänzend vorbei gelang, die Arbeitersportvereine von innen heraus zu unterminieren und zu erobern, mußten sich die Nazis darauf beschränken, von außen gegen Arbeitersportler vorzugehen. Mangels geistiger Waffen griffen sie zu den für den Augenblick wirksameren, zu Totschlägern, Stöcken, Zaunlatten, zum Revolver. Mit Ueberfällen auf Arbeitersportler wollten Hitlers rauhe Krieger sie reif fürs Dritte Reich machen. Aus der Fülle der bei uns einlaufenden Anzeigen greifen wir die neuesten heraus: | Ueberfall, den am Morgen des 11. März 15 Nazis gegen das Bootshaus unternahmen. Im Sturmschritt rückten fie gegen das Heim vor, staunten aber nicht wenig, eine starke Wache anzutreffen. Sie stürzten sich mit Stahleuten, Sajiagtingen und anderen Mordwaffen auf die Arbeitersportler, erlebten aber eine gebührende Abfuhr, so daß die Polizei einige Verhaftungen vornehmen fonnte. In Neuruppin stürzten die Nazis während des Fußballspiels zweier bundestreuer Vereine geschlossen auf das Spielfeld und versuchten eine nationalsozialistische Hegrede an die Zuschauer loszuwerden. Die Arbeitersportler nahmen das selbstverständlich nicht ohne weiteres hin; es tam zu einer Schlägerei, wobei es mehrere Berlehte gab. Die Polizei mußte die Berliner Fußballmannschaft, die in Neuruppin gespielt hatte, auf dem Heimwege vor neuen Naziangriffen schützen. Am Nachmittag des zweiten Reichspräsidentenwahltages Ein weiterer gemeiner Ueberfall ereignete sich in einem ( 10. April) wurden 15 bis 20 Angehörige der Eisernen Front in Bremer Vorort, wo Arbeitersportler und Reichsbannerleute den Nordenham, die von Burhave( Oldenburg) nach Hause Saalschutz bei einer Rundgebung der Eisernen Front ausgeübt gingen, von vorn und hinten von Nazifrupps über- hatten. Nach Schluß der Versammlung begaben sich die Saalschutzfallen, die ihnen zum Teil auf Motor- und Fahrrädern gefolgt leute auf den Heimweg, gefolgt von einem größeren Trupp waren. Der Kinderturnwart der Freien Turnerschaft Einswarden Nationalsozialisten. Um gegen den beabsichtigten Ueberfall geschützt und Mitglied der Fußballabteilung Hanja der Freien Turnerzu sein, vereinigten sich die einzeln gehenden Arbeitersportler und schaft Nordenham, Martin Pauls, wurde dabei zu Boden geReichsbannerleute wieder. Trotzdem fielen die in der Uebermacht beworfen und in dieser Lage auf ihn ein tödlicher Kopf- findlichen Nazis über die Arbeitersportler mit dem Rufe Arbeiter schuß abgegeben. Nach dem Schuß bearbeiteten die Nazis mörder" her und verletzten zwei sehr schwer. Die Polizei verhaftete ihr Opfer noch mit Totschlägern. Pauls war als ein ruhiger und auch hierbei fünf Nationalsozialisten. Den Ruf Arbeitermörder" besonnener Mann bekannt. Jm amtlichen Polizeibericht wird behatten die Nazis zu ihren Feldgeschrei erhoben. sonders auf das disziplinierte Berhalten der Angehörigen der Eifernen Front beim Berlaffen des Orts hingewiesen. Schießen, stechen, schlagen, mit Stiefelabfäßen den Gegner bearbeiten, das sind die Kampfmethoden der viehisch rohen Gesellen aus der Partei, in der nichts ohne den Willen des„ Führers" ge= schieht. Eine weitere Meldung: An 7. April nach Schluß der Turnstunde in der Halle an der Frankfurter Straße in Rajjel gingen zwei Nazis auf einen alleingehenden Arbeiterturner zu, nahmen ihn in die Mitte und erklärten:„ Sie sind verhaftet." Als sich der betreffende und noch andere hinzugekommene Arbeiterturner gegen diesen Terror zur Wehr setzten, schlugen die Nazis auf die Turner ein. Das Ueberfallkommando der Polizei war bald zur Stelle und fonnte einen der Nazis verhaften. Das sind einige Fälle der allerneuesten Zeit, die dem ArbeiterTurn und Sportbund gemeldet wurden. Nicht in Vergessenheit kommen dürfen die Ueberfälle, die zwar schon einige Zeit zurückliegen, die aber mit der gleichen Brutalität und Gemeinheit ausgeführt wurden. In einer der letzten Nächte vor der Reichspräsidentenwahl haben die Nazis in Leipzig die Fensterscheiben des Vereinshauses der Freien Wasserfahrer" eingeworfen und Vereinsgegenstände demoliert. Die Bereinsmitglieder mußten des Nachts in ihrem Bootshaus Wache halten, um das Heim vor weiteren Angriffen zu schügen. Wie berechtigt diese Vorsicht war, zeigt der zum ARBEITER FUSSBALL Spiele am Sonnabend... Da wegen der Preußenwahl am tommenden Sonntag nur im ersten Bezirk Serienspiele stattfinden, haben mehrere Vereine schon Sonnabend Gesellschaftsspiele abgeschlossen. Auf dem Sportplatz in der Kynaststraße am Bahnhof Stralaus Rummeleburg stehen sich Lichtenberg I und der Fußballverein Nord gegenüber. Schon einmal, am ersten Ostertag, trafen sich die Mannschaften auf dem gleichen Play. Unentschieden 2: 2 lautete damals das Resultat, Nord sowohl wie Lichtenberg hatten Ersaz einstellen müssen. Morgen wollen nun beide Mannschaften in stärkfter Aufstellung antreten. Wird wieder ein so knappes Resultat zustande kommen? Auf dem Sportplatz Hauffstraße in Lichtenberg treffen sich der Kreismeister Eintracht- Reinickendorf und der Meister des ersten Bezirks Normannia. Die Normannen haben in den Gesellschaftsspielen gegen die spielstärksten Mannschaften des zweiten Bezirks gezeigt, daß in ihren Reihen gutes Material steckt. Der Kreismeister wird also alles hergeben müssen, will er gewinnen. Hansa 31 spielt in Reinickendorf- Ost, Berner Straße, hinter dem Gymnasium gegen Wilmersdorf. und am Sonntag Der Sonntag fieht den ersten Bezirk in voller Aktion. In Lichtenberg, Kynaststraße erwartet Lichtenberg I den Besuch von Freie Bahn- Herzfelde. Die Herzfelder werden den Lichtenbergern den Sieg bestimmt nicht leicht machen. Lichtenberg II hat einen schweren Gang vor, heißt es doch gegen Eiche- Köpenid, Grünauer Straße, zu spielen. Die Köpenicker sind auf eigenem Platz ein schwer zu schlagender Gegner. Spielen die Lichtenberger allerdings wieder so, wie am letzten Sonntag gegen Lichtenberg I, dann sollte auch hier ihr Sieg nicht unmöglich sein. Auf dem Sportplatz im Blänterwald, Neue Krugallee, erhält der Baumschulenweger Sportverein den Besuch der Fußballmannschaft des Erholungsheims. Die Baumschulenweger haben durch ihren Sieg über Brig 88 sehr überrascht. Wird es auch gegen die Leute aus dem Erholungsheim zu einer solchen Ueberraschung tommen? Weitere Spiele: Ragel gegen Kölnische Heide. Werlfee gegen Normannia. Hoppegarten gegen AGB. Neukölln. Friedersdorf gegen Oberspree. Die Jugend- und Schülermannschaften haben vollen Betrieb. Es spielen: Teltow gegen Minerva. Nowawes gegen Staaten. Lichtenberg I gegen Eintracht- Reinickendorf. Eintracht- Reinickendorf II gegen Hansa 31.- Lichten berg II gegen Wilmersdorf. Adler 08 gegen Normannia. Drewiz gegen Schöneberg. Schillermannschaften: Sagonia gegen Elstal. Adler II gegen Caputh. Cladow gegen Minerva. Adler I gegen Potsdam. Spandau gegen Bantow. Nowawes gegen Hansa. Beginn der Spiele am Sonnabend um 17 Uhr. Am Sonntag beginnen die ersten Mannschaften um 17 Uhr, die zweiten Mannschaften um 15% Uhr, bie Jugend und Schülermannschaften um 10 Uhr. * Minerva 28 fucht zum Sonnabend noch Spiele für zwei Männerschaften auf Gegners Plaz. Angebote heute ab 19.30 Uhr unter F 2 Neukölln 9772. Hockey Am kommenden Sonnabend führen die Arbeiter- Hockenspieler folgende Spiele durch: In der Rubensstraße in Schönebergl spielt der dortige Arbeiter- Sportverein gegen den Athletik- Sportklub um 16.30 Uhr. Tennis Rot und die Freie Turnerschaft Groß- Berlin Tempelhof treffen sich auf Platz Oft um 17 Uhr. Die Jugend des Arbeitersportvereins Rot- Weiß spielt gegen die Freie Sportvereini gung Bantom um 16 Uhr in der Schönhauser Allee. Freier Hockeyflub Spandau gegen Tennis Rot 2 um 17.30 Uhr in Spandau, Wilhelmstraße. Boltssport Neukölln- Brig 2 und Freie Turnerschaft Groß- Berlin Tempelhof 2 um 17 Uhr im Volkspart Neukölln. Bel | Bon außen mit Mordwerkzeugen, von innen mit den nicht minder gemeinen Methoden systematischer Spigelarbeit, so befriegen die Nationalsozialisten die Arbeitersportler und ihre Vereine. Vor kurzem mußte fich der Vorstand des Arbeiter- Turnund Sportbundes mit folgender Bekanntmachung an die Deffentlichkeit wenden: ,, Das Nachrichtenblatt Nr. 35 der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, Ortsgruppe Leipzig, das sich vertraulich an die Leiter der Nazifektionen, Zellen, Frauengruppen und Freiheitsbund wendet, enthält unter den Anweisungen auch die nachstehende: ,, Gesucht werden Pg., die Beziehungen zum Arbeiter- Turnund Sportbund haben und evt. Material beschaffen können." Sie scheinen wenig Glück gehabt zu haben, denn bisher ist Material" nicht verarbeitet worden. Es ist nämlich beim Bund nichts vorhanden, was die Deffentlichkeit zu scheuen hätte. Im Bund wird keine„ röhmische" Jugenopflege betrieben! Diese Gesellschaft von Wegelagerern, Spigeln und Rowdys will Preußen erobern. Sie wollen die Knute, den Prügelstock, förperliche und geistige Knechtschaft einführen. Arbeitersportler! Gebt ihnen am Tage der Preußenwahl die richtige Antwort: Wählt Sozialdemokraten! Für die Liste 1, für Braun und Severing! den Sportlerinnen treffen sich die Freie Sportvereinigung Pantow und Volkssport Neukölln- Briz um 18 Uhr in der Kissingenstraße. die neuen Boote tatsächlich den gehegten Erwartungen, so dürfte der z. 3t. von Gar Wood mit 179,78 Stundenkilometern gehaltens Weltrekord zweifellos fallen. Olympiabahn gegen Sawall! Sie will einen angriftsfreudigen Fahrer In unserem Bericht über die legte Veranstaltung der Olympiabahn wiesen wir besonders auf die lasche Fahrmeije Sawalls hin. Wir schrieben: ,, Sawall wird bald begreifen müssen, daß er diese Haltung, will er nicht seine Anhänger verlieren, aufzugeben hat." Auch Herr Heŋne, der neue Gebieter auf der Olympiabahn, steht auf dem Standpunkt, daß etwas gegen Herrn Sawall unternommen werden muß, will man nicht noch mehr Besucher verlieren. Wie der Bächter mitteilt, hat er sich entschlossen, Samall nicht eher wieder zu seinen Veranstaltungen heranzuziehen, ehe nicht die Gewähr gegeben ist, daß dieser Fahrer durch eine fesselndere Kampfweise die Dauerrennen von sich aus lebendiger gestaltet. Mit Recht weist Heyne darauf hin, daß man von dem Weltmeister, der ja der höchst bezahlte Dauerfahrer Deutschlands ist, etwas anderes erwarten kann, als nur die Rennen auf Nummer Sicher" nach Hause zu fahren. Reise- Erleichterungen. Von allen jenen, die Geschäftsreisen, Tourenfahrten oder andere Fahrten beabsichtigen, wird eine neue Einrichtung, die so recht der„ Einheit des Verkehrs" dienen soll, begrüßt werden. Der Automobilklub von Deutschland, der Aeroklub von Deutschland und die Kraft"-Versicherungs- A.- G. des AoD. haben gemeinsam im Reisebüro der Hamburg- Amerika- Linie, Berlin, Unter den Linden 8, eine mit eigenem Fachpersonal besezte Ausfunftsstelle eingerichtet, die allen Reiselustigen zur Verfügung steht. Dort können Mitglieder der genannten Klubs, wie auch Nichtmitglieder, alle zu einer Reise immer notwendigen Behelse, an einer Stelle verfügbar, vorfinden, gleichgültig, ob die Reise mit dem Kraftwagen, dem Flugzeug oder zu Wasser ausgeführt werden soll. Sodenspielergruppe, 1. Areis. Am 23. April fällt der Börsentag aus und findet am Montag, dem 2. Mat, 19 Uhr, statt. Ab 20 Uhr Vertretertag in der Kreisgeschäftsstelle. Radfahrer, Solidarität. Sonntag, 24. April, für alle Abteilungen Startver bot. Alle Genossen stellen sich der Partei und den Bezirkskartellen zur Verfügung. Freitag, 29. April, Vierteljahresgeneralversammlung im Gewerkschafts. haus um 19 Uhr. Boranzeige. 1. Mai. Für alle Touren Startverbot. Alle Ge noffen und Genofsinnen beteiligen fich in Sportkleidung ohne Fahrzeug an dem tanntgegeben. Aufmarsch der Eisernen Front im Lustgarten. Sammelpunkte werden noch be. Sportklub Charlottenburg. Alle Sportler mit Rädern treffen sich zur Preußenwahl am Sonntag um 7% Uhr bei Bahrow, Scharrenstr. 3, für den Nachrichtendienst der Partei. Am 1. Mai treten alle Bereine mit Fahnen zur Kundgebung auf dem Sammelplag des Sportkartells Charlottenburg an. Wegen Gammelplay die Presse beachten. Pflichtveranstaltung. BUNDFUNK AM ABEND Freitag, den 22. April. Berlin. 16.05 Otto Heller: Sport und Auslandsdeutschtum. 16.30 Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Die Lebensgemeinschaft des Waldes.( Dr. Fritz Geßner.) 17.50 Das neue Buch.( Am Mikrophon: Dr. Felix Hirsch.) 18.00 Paul Frischauer liest aus eigenen Werken. 18.25 Franz Linde: Von der bildenden Kunst. 18.35 Nairz und Nesper: Der Hörer und sein Apparat. Arbeiter- Wasserball- Serie, FS. Charlottenburg und Boltssport- Weißensee( früher Neptun") stehen sich am Sonnabend im Gerienspiel der A- Klasse gegenüber. Ein sicherer Sieg der Charlottenburger ist zu erwarten. Am Sonntag spielen um die Punkte 18.50 Mitteilungen des Arbeitsamtes. Die Mannschaften von Möwe und Spandau. Die Bertesserungen der Spandauer werden schwerlich ausreichen, einen neuerlichen Erfolg der schnellen Möwe- Sieben zu verhindern. Beginn beider Spiele wie üblich 21 Uhr im Lunabad. Corkindale schlug Hein Müller Der deutsche Meister beinahe k. o. Nach einer ganzen Serie von Erfolgen hat der deutsche Schwergewichtsmeister Hein Müller wieder einmal die Bitternisse einer Niederlage zu spüren bekommen, und zwar einer sehr empfindlichen Niederlage. Dem Kölner trat am Donnerstagabend in der von 8000 Zuschauern besetzten Londoner Alberthalle der füdafrikanische Meister Don McCorkindale gegenüber, der als Ersatz für den erfrankten Larry Gains eingesprungen war. Daß die Veranstalter mit diesem ,, Ersag" feinen schlechten Griff gemacht hatten, wußte man von vornherein. Mc Corkindales tapferes Verhalten gegenüber Carnera, den er mehrere Male schwer zu treffen vermochte, ist noch in guter Erinnerung. Im Kampf mit dem Deutschen unterstrich dann Mc Cortindale seine gute Leistung. Das Treffen ging über alle zwölf Runden und endete mit einem ganz überlegenen Bunftsiege des Südafrikaners. Müller hatte wiederholt bange Momente zu überstehen, daß er nicht f. v. ging, verdankt er seiner großen Ringerfahrung. Durch famose Linksarbeit sammelte Mc Cortindale von Anfang an Punkte. Er wußte geschickt den von Müller immer wieder gesuchten Nahkampf zu meiden und zog es vor, auf Halbdistanz zu kämpfen. Der Punktsteg Mc Corkindales stand nie in Frage. Beide Borer ernteten tosenden Beifall, der Südafrikaner für seine faire und technisch famose Arbeit, der Kölner für seine unglaubliche Tapferkeit. Immer schneller... Neue Rekordfahrten auf Auto und Boot Die ohne jede Störung verlaufenen letzten Weltrekordfahrten des englischen Automobilisten Sir Malcolm Campbell, bei benen über den fliegenden Kilometer ein Stundendurchschnitt von 408,047 Stilometer erreicht wurden, haben den Rekordjäger trotz der phantastischen Leistung nicht befriedigt. Campbell will noch schneller fahren und seine Mäcene, die ihm die Riesensummen für den Bau seines Ueberrennwagens zur Verfügung stellten, haben ihre Begeisterung durch neue Freigebigkeit ausgedrückt, damit Campbell die Maschine seines Blauen Vogels" ausbauen farm. Der Motor soll von 2000 auf 2500 PS gebracht werden, um das Wettrennen nach der 500- Stundenkilometermarte möglichst erfolgreich beginnen zu törmen. " sk Die schnellsten Motorboote auf dem Gardasee. Im Rahmen der internationalen Motorboot- Regatta vom 22.- 29. Mai auf dem Garda- See wird es zu einer neuen Begegnung zwischen Comodore Gar Wood und Kaye Don, den beiden großen Rivalen im Kampf um den Weltrekord, kommen. Beide bringen thre neuesten Rennboote mit, der Amerikaner seine ,, Miß America X" und Kaye Don die neue, noch im Bau befindliche Miß England III", die wahre Wunderwerte ber modernen Technit sein sollen. Entsprechen 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Balladen von Chopin,( Iso Elinson, Flügel.) 19.40 Bunte Welt. Eine Reise mit dem Mikrophon. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Uraufführung: ,, Der reiselustige Kasperl." Volkstümliches Opernspiel für den Funk in 6 Teilen von Robert Seitz. Musik von Wolfgang Jacobi. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Dr. Fritz Halfter: Fröbel. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Dr. Walther Linden: Die realistische Dichtung des 19. Jahrhunderts. 18.00 Verschollene deutsche Musik aus der Zeit Bachs. 18.30 Frhr. v. Richthofen- Boguslawitz: Extensive und intensive Landwirtschaft. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 19.30 Min.- Rat Joachim: Aus der Praxis des Arbeitsrechts. Das niele Buch Josef Maria Frank:„ Volk im Fieber" Josef Maria Franks neuer, im Sieben- Stäbe- Verlag erschienener Roman ,, Bolt im Fieber" ist ein Situationsbericht aus dem geistigen und politischen Leben der deutschen Gegenwart. Der Studiendirettor Dr. Rainer wird vom Kultusminister zum Direktor am Gymnasium einer östlich von Berlin gelegenen deutschen Kleinstadt ernannt. Rainer ist im Innersten ein unpolitischer Mensch, aber doch nicht unpolitisch genug, daß er Staatsgefinnung nicht für eine Selbstverständlichkeit hielt, und diese Staatsgesinnung ist es, die ihn mit der Stadt oder doch wenigstens mit ihren reaktionären Repräsentanten in schwere Konflikte bringt. Ringsum, auch an seiner eigenen Schule, sieht Rainer die Hezze, die Phrase, die Unvernunft dominieren. Sein Glaube an Deutschland bricht zusammen und er wählt den Freitod, was nun allerdings weder eine, aus der Romanperspektive gesehen, sehr glaubwürdige, noch eine, aus der Perspektive der politischen Propaganda gesehen, sehr sympathische Löfung ist. Der Wert des Buches beruht in der ausgezeichneten Schilderung des Atmosphärischen. Was Frank da zeichnet, das ist wirtlich die deutsche Kleinstadt, in der jeder jeden fennt, in der die Stammtische eine Großmacht sind, in der die Politik vom Persönlichen nicht zu trennen ist. Aufrüttelnd ist das Tagebuch eines Gymnaftasten Jakob Rosenbaum, eines kleinen, schwächlichen Juden, der, ob feines Judentums, in der Klasse ein Außenseiterleben zu führen gezwungen ist, mit dem keiner geht, den sie beschimpfen, den sie belästigen und der auch bei den Lehrern feinen Schuß findet. Bielleicht ist es wahr, daß die Grausamkeitsinstinkte der Jugendlichen an den Stand und die Ueberzeugung der Eltern nicht gebunden find: aber sicher ist, daß der kulturlose und barbarische Nationalis mus sie fördert. Frants mit einem Appell an die Bernunft schließendes Buch ist zeitnah und erfreulich, aber es ist nicht sicher, ob er sich einer dankbaren Aufgabe unterzogen hat, denn immerhin sind die politischen Standpunkte seit längerem fixiert und das politische Tagesgespräch und Tagesgeschrei hat allzu ausführlich bereits das Antlig der politischen Gegenwart gezeichnet, als daß in seinem Konterfei noch neue Züge unterzubringen waren. Hans Bauer.