Nr. 177. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Bierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Bfg. frei n's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Bfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. = cute and 13. Jahrg. Vorwärts Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Benth- Straße 2. Abonnements- Einladung. ment auf den Freitag, den 31. Juli 1896. Die Haupfergebnisse der Berufszählung Mit dem 1. August eröffnen wir ein neues Abonne- vom 14. Juni 1895 für den preußischen Staat. „ Vorwärts" mit der illustrirten Sonntags- Beilage ,, Die Neue Welt". 200 sid sidian Sold Torbast: Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3: Induſtrie und 8,32 im Handel, im Jahre 1895 bagegeg 3,17 und 11,00. Das heißt mit Worten nichts andere als: die Möglichkeit für einen gewerblichen oder Handlungsgehilfen, sich selbständig zu machen, ist heute verhältnißmäßig geringer als früher. Zu dieser SchlußDie im vorigen Jahre im Staate Preußen vor- folgerung gelangte sogar die Stat. Korr.", aus der alle vorhergehenden und die nachfolgenden Zahlenangaben genommene Berufszählung hat zu Ergebnissen geführt, die stammen. auf unsere wirthschaftlichen Schönfärber wirken müßten, In allen Industriezweigen ist die Zahl der Bewie Güsse kalten Wassers. schäftigten absolut gestiegen, in der Metallverarbeitung, in Früher, bei Einführung und Erhöhung der Brotzölle, Bau- und Handelsgewerbe sogar sehr beträchtlich, einige Es ist die Pflicht eines jeden Parteigenossen, für die lehthin noch, bei Berathung des Antrages Kanis andere Zweige sind dagegen relativ zurückgegangen. Weiterverbreitung des Zentralorgans der Partei nach und der Formulirung der fleinen Mittel", haben Von hundert in der Landwirthschaft, in der Industrie, im Kräften thätig zu sein. Allseitig anerkannt ist die Be- unsere edelen Agrarier ihre Begehelichkeit und Be- Handel und Verkehr im Hauptberuf thätigen Personen ent deutung unseres Blattes in dem großen Befreiungsrücksichtigungswürdigkeit immer und immer wieder fielen 1882 noch 4,17 auf die Textilindustrie, 1895 nur tampf des Proletariats, und auf das beste bewährt hat mit der Behauptung motivirt, die Landwirthschaft mehr 3,80, auf die Gruppe Bekleidung und Reinigung 1882 sich seine knappe, schnelle und genaue Berichterstattung, sei der Grundanker des Staates gewähre der namentlich während der umfassenden Kämpfe, welche die großen Mehrheit des Volkes Arbeit und Lebensunterhalt. der sonstigen Entwickelung nicht mehr gleichen Schritt, es 8,40, 1895 nur noch 8,21. Beide Gruppen halten also mit Arbeiterschaft in den letzten Monaten mit dem Unternehmer- Schon die im Jahre 1882 vorgenommene Zählung be- sind Exportindustrien, deren Absatzgebiete, entweder übersättigt thum auszufechten hatte. stätigte diese Behauptung, so weit Preußen in Frage kam, oder abgedämmt sind. Ueber dem politischen und wirthschaftlichen keineswegs. Von hundert Personen, die in der LandwirthTheil werden aber die lokalen Vorkommnisse Berlins schaft, in der Industrie und im Handel ihre Beschäftigung Rücksicht auf die Bahl ist seit 1882 teine sehr erhebliche Die Steigerung der weiblichen Erwerbsthätigkeit in feineswegs vernachlässigt. Die Besprechungen unserer kom fanden, entfielen damals 49,55 pet. auf die Landwirthschaft, Rücksicht auf die Zahl iſt ſeit 1882 keine sehr erhebliche munalen Angelegenheiten bringen den Leser in die Lage, 50,45 pCt. aber auf Industrie und Handel. In der Zwischenzeit gewesen. Vom Hundert der weiblichen Bevölkerung waren die Erscheinungen auf diesem wichtigen Gebiet des öffent hat sich das Verhältniß noch sehr bedeutend verschoben. Der im Hauptberufe erwerbsthätig oder als Dienende in häuslichen Lebens genau zu verfolgen. Der Lotale Theil Prozentsatz der Landwirthschaft ist auf 41,59 gefallen, der lichen Diensten beschäftigt im Jahre 1882 21,58, im Jahre des Vorwärts" verzeichnet alle Begebenheiten des Tages auf Industrie und Handel entfallende auf 58,11 gestiegen. 1895 22,56. Dagegen ist die Verschiebung in der Art der und giebt ein getreues Bild des Vereins- und Ver- Dabei ist aber die Zahl der in der Landwirthschaft Er- weiblichen Beschäftigung eine große. In Industrie und Handel sammlungslebens, welches in Berlin besonders starke werbsthätigen nicht gefallen, sie ist gegen 1882 sogar etwas haben verhältnißmäßig mehr Frauen als Männer ihre Wellen schlägt. gestiegen, allerdings nicht im Verhältnisse mit der Be- Selbständigkeit aufgeben müssen, hat die Zahl der weib Ebenso widmen wir dem Feuilleton die größte Auf- völkerungszunahme; der Ueberschuß hat sich der Industrie lichen Arbeiter verhältnißmäßig schneller zugenommen als merksamkeit. m und dem Handel zugewandt. Ein zweites Ergebniß die der männlichen. Von 100 1882 im Handel und Berkehr Von dem zur Zeit im Vorwärts" erscheinenden Roman ist nicht minder interessant. Die Zahl der selbständigen thätigen Frauen waren noch 54,13 selbständig, 44,66 Arvon Bulwer, der in der Weltliteratur einen hervorragenden Landwirthe hat sich seit 1882 bedeutend vermehrt. Unter beiterinnen, 1895 aber entfielen auf 39,63 Selbständige Platz einnimmt, liefern wir neu hinzutretenden Abonnenten 100 in der Landwirthschaft Erwerbsthätigen waren 1882 57,76 Gehilfinnen. Dieser Kampf ums Dasein zeigt sich den bis jetzt in unserem Blatte erschienenen Theil gratis Selbständige 26,85, heute sind es 29,11. Der auf die land- auch in der Thatsache, daß die Zahl derjenigen, die nebennach. Nachdem„ Rienzi" beendigt sein wird, bringen wirthschaftlichen Arbeiter entfallende Prozentsatz ist dagegen bei noch in einem anderen Berufe thätig sind, abgewir aus der Feder von E. Bosquet einen Roman von 71,98 auf 69,35 herabgegangen. Der landwirthschaft nommen hat. ,, Arbeiterinnenloos", der in meisterhafter Schilderung liche Zwergbetrieb ist im Zunehmen begriffen, im Groß- Auch die Zahl der selbständigen Hausindustriellen hat ein packendes und in seiner Art typisches Bild von der Lage betrieb sinkt die Zahl der Arbeiter infolge der Einführung von sich vermindert, ebenso wie die hausindustrielle Gehilfender französischen Arbeiterin giebt. Maschinen. schaft. Ein Symptom für die allmälige Zerreibung des Mittelstandes ist ferner die Abnahme der Dienenden für häusliche Dienste. Während diese Gruppe 1882 noch 3,25 vom Hundert der Bevölkerung ausmachte, ist sie 1895 bis auf 2,65 gefallen. " Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen ent gegen zum monatlichen Preise vou 1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements zunt Preise von 2,20 M. für die Monate Auguft u. September entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungsliste für 1896 unter Nummer 7277.) 85] Redaktion und Expedition des Vorwärts". Rienzi. Der letzte der römischen Volkstribunen. Roman von Edward Lytton Bulwer. Drittes Rapitel. Ein ganz anderes Bild zeigt die Entwickelung der Industrie und des Handels. Hier nimmt die Zahl der selbständigen Erwerbsthätigen fortwährend ab, die Zahl der Gehilfen und Arbeiter steigt, der Umfang der bestehenden Betriebe erweitert sich. Noch im Jahre 1882 Go ergiebt denn die letzte Berufszählung für Preußen waren von 100 Erwerbsthätigen in der Industrie 32,43, folgendes: Der größte deutsche Bundesstaat kann in keiner im Handel und Verkehr 44,25 Selbständige, im Jahre 1895 Weise mehr als Agrikultur- Staat angesprochen werden. sind es nur mehr 23,70 und 35,73. Die Verhältniß- Sein Schwergewicht liegt in der Industrie, im Handel und zahlen der Arbeiter aber sind von 65,95 auf 73,13 und von Verkehr, die Landwirthschaft ernährt" kaum noch ein 47,43 auf 53,27 emporgeschnellt. Stärker noch ist die Zahl Drittheil der Gesammtbevölkerung. Im Handel und in des technischen, kaufmännischen und Rechnungspersonals der Industrie nimmt die Zahl der Unternehmer ab, von gestiegen. Hier lauteten die Zahlen 1882 1,62 in der den übrig bleibenden Betrieben schwillt ein Theil mächtig hofe der Parteienvorurtheile den des allgemeinen Recht wenigstens geleitet und beschränkt wird. In einer Zeit, mäßigen zu erkennen. Ein anderes mächtiges Hinderniß, in der es schon ein großer Beweis der Ueberlegenheit welches den Handlungen eines so gestellten Patriziers moralischer Kraft war, für die Stimme des Ruhmes entgegentritt, liegt in der Gewißheit, daß die Beweg- empfänglich zu sein, konnte unmöglich jemand durch gründe seiner Thätigkeit bis zuletzt sowohl durch jenes verfeinerte Gefühl, durch jene reinere Andie Aristokratie, von der er sich trennt, als durch das Volf, regung zu großen Thaten, durch jenes Bewußtsein des Eines freisinnigen Patriziers Stellung in Volksunruhen. dem er sich anschließt, verkannt werden müssen. Es er- Ruhmes in dem eigenen Herzen, das so unermeßlich erhaben Szene im Lateran. scheint so unnatürlich, wenn ein Mann gegen seinen eigenen ist über den Wunsch, in der Meinung anderer Anerkennung Die Stellung eines Patriziers, der es ehrlich mit dem Stand auftritt, daß die Welt geneigt ist, irgend einen zu finden, beseelt werden. Wir müssen auch in der That, Volke meint, ist in jenen schlimmen Zeiten, wenn die Ge- Grund für das Geheimniß vorauszusetzen, außer jener ehe wir die Welt entbehren können, durch Nachdenken und walt unterdrückt ist und die Freiheit kämpft, wenn die rechtlichen Ueberzeugung und wahren Menschenliebe." Es Sorgen, durch die tiefe und traurige Ueberzeugung von der beiden feindlichen Parteien sich gegenüber treten, ist Ehrgeiz", sagt der eine.-" Getäuschte Hoffnungen", Eitelkeit alles dessen, was die Welt uns geben kann, die unangenehmiste und schwierigste, welche das Schicksal ruft der andere." Jrgend eine Privatrache", deutet ein uns über die Welt, nicht in der Begeisterung auferlegen kann. Soll er sich dem Adel anschließen? Er Dritter an. Dem Böbel schmeichelnde Eitelkeit!" be einer Stunde, sondern für die Dauer, erhoben haben; handelt gegen sein Gewissen und gegen seine Ueberzeugung. merkt ein Vierter. Das Volk bewundert anfangs, darauf ein Idealismus, den so wenige, selbst von den Weisesten, Dem Volt? Er verläßt seine Freunde. Aber die Folge aber wird es mißtrauisch. Sobald er einem Voltswunsche in unserer weiseren Beit erreichen! So lange wir aber dieser letzten Wahl ist nicht die einzige, und für ein entgegentritt, ist er verloren; man beschuldigt ihn, den nicht auf die Stufe gelangen, kennen wir nicht die allträftiges Gemüth vielleicht nicht die bitterste. Alle Heuchler gespielt, das Schaffell umgehangen zu haben; und genügende Macht des Bewußtseins, noch können wir uns Menschen sind abhängig von der öffentlichen Meinung; dann heißt es:" Seht, die Wolfszähne kommen zum Vor- in jenes Allerheiligste unseres Geistes zurückziehen, in dem sie ist der öffentliche Richter; aber nicht für jeden Rang schein!" Ist er vertraut mit dem Volt, so will er wir wissen und fühlen, wie sehr unsere Natur der Selbs ist die öffentliche Meinung dieselbe. Die öffentliche schmeicheln! Hält er sich entfernt, so ist es Stolz! Was ständigkeit und Selbstherrlichkeit fähig ist! Meinung, die den Plebejer anspornt oder zurückhält, hält denn einen Mann in einer solchen Lage aufrecht, wenn Aber wir müssen zu den irdischen Angelegenheiten zuist die Meinung der Plebejer- derer, mit denen er er, seiner innern Ueberzeugung folgend, doch alle Gefahren rückkehren. Jene Rücksichten und Verhältnisse, die in umgeht, und die er am genauesten kennt derer, mit seiner Stellung übersicht? Er wird die sogenannte öffent- ähnlichen Lagen so manchen rechtlichen und unternehmenden denen er seit seiner frühesten Jugend vertraut istliche Meinung beleidigen, die Anerkennung der Nachwelt Mann zurückhielten, äußerten ebenfalls ihre Wirkung auf beren Lob er täglich hören, deren Zadel ihn jede Stunde aber wird ihm selten werden. Was hält ihn aufrecht? das Gemüth Adrian's. Er fühlte sich in einer falschen demüthigen kann. Ebenso ist die öffentliche Meinung der Seine eigene Ueberzeugung! Ein wahrhaft großer Mann Stellung. Sein Gewissen und seine Vernunft nahmen AnGroßen die Meinung von ihres Gleichenderer, mit fühlt eine gewisse Berachtung des Urtheils seiner Mittheil au den Plan Rienzi's, und sein ihm angeborener denen Geburt und Zufall fie für immer vereinigt haben. menschen, indem er ihre Wohlfahrt befördert; ihr Glück oder Muth und Thatendrang müssen ihn veranlaßt haben, die Es giebt also einen Richterstuhl, dem schwer Troß zu bieten ihr Unglück ist ihm alles; ihr Lob, ihr Tadel ist nichts für Gefahr ihrer Ausführung zu theilen, aber alle seine Verist, dem wenige Plebejer sich entziehen, weshalb es unrecht ihn. Er schreitet aus dem Kreise, den Geburt und Gewohn- bindungen, alle Baude des Blutes und der Freundschaft ist, von den Patrizieru es zu erwarten, es ist das Urtheil heit ihm gezogen; er ist unzugänglich für die kleinen Motive untersagten es. Wie sollte er gegen seinen Stand, gegen der öffentlichen Meinung, die für sie besteht. Sie können fleiner Menschen. feine Familie, gegen die Gefährten seiner Jugend im ges an ihrer eigenen Ueberzeugung nicht zweifeln, sie müssen Aber Geister dieser Art sind selten. Nicht jedes Zeit- heimen wirken oder offen auftreten? Wenn von der einen glauben, die Stimme der Weisheit und der Tugend in alter tann sie hervorbringen. Sie sind Ausnahmen von der Seite die Vaterlandsliebe ihn antrieb, so mußte er von jenen Tönen zu vernehmen, die ihnen seit ihrer Wiege gewöhnlichen, menschlichen Tugend, welche, wenn durch der anderen Seite den gerechten Vorwürfen der Heuchelei als Dratel erklungen find. Sie glauben in dem Gerichts- äußere Umstände auch nicht verderbt, doch durch sie und Undankbarkeit sich aussehen. Wer würde ihn auch an und zwingt die proletaristrten früheren Unternehmer als Arbeiter in seine Dienste. Solange die hier skizzirte Entwickelung nur in Marx „Kapital" stand, oder in einem sozialdemokratischen Blatte erörtert wurde, haben hundert dienstwillige Federn sie für Deutschland, für Preußen als nicht zutreffend erklärt. Was werden sie jetzt sagen, nachdem eine amtliche Zählung das Gegentheil bewiesen? Sie werden sich herauszuwinden versuchen, und wenn das nicht gelingt, nun, dann muß die Sozialdemokratie erst recht vernichtet werden. Wenn kein Beweis mehr gelingen will, daß ihre Lehren un- sinnig sind, dann bleibt alleweil noch das Schimpfen und Drohen. Mene tekel! Auch Belsazar wurde gesagt, was die schrecklichen Worte zu bedeuten hätten. Und auch die unsrigen es werden treiben, so lange es eben geht. politische Ltebeeficht. Berlin, 30. Juli. Russifizirung des preuhischen Vereinsgesetzes. Die Nlilitärische und politische Korrespondenz bestätigt, daß in politischen Kreisen die Anschauung vorwaltet, daß es sich bei der Aenderung des Vereinsgesetzes durch die Landtage, die Herr v. Bötticher im Reichstage angekündigt hat, nicht blos um die Aushebung des Verbots der Verbindung politischer Vereinej handeln wird. Man wird auch in Preußen und wohlauch anderwärts den Versuch machen bei dieser Gelegenheit, das Vereinigungsrecht der Arbeiter noch weiter einzuschränken.— Der lahme Amtsschimmel hat sich den Anforderungen des Zeitalters des Verkehrs noch nicht anzubequemen ver- standen. Uebereinstimmend melden heute„Köln. Ztg." und „Nordd. Allgcm. Ztg.", daß dem Berliner Kolonialamte und der Reichsregierung bisher noch keine Nachricht über den Fall Schröder zugegangen ist. Dies ist um so er- staunlicher, als die Kolonialbehörden schon mehrfach Ge- legenheit hatten, sich mit der Person Schröder's zu befassen. So berichtet die„Köln. Ztg." folgendes auch von der „Nordd. Allgeni. Ztg." wiedergegebenes: Als Schröder»och die Plantage Lewa leitete, wurde wiederholt von seine»! Bruder in Berlin Klage erhoben, daß die Regierung den Plantagenleiter bei der Beschaffung von Arbeitern nicht unterstütze; sie möge die entlaufenen Arbeiter wieder einsangen und Schröder wieder zuführen lassen. Die Re- gierung lehnte dieses Ansinnen mit Rücksicht auf die notorisch rohe Behandlung der Arbeiter durch Schröder ab. Als Gouverneur � v. Wißmann den Ausstand Buschiri's bekänipfte, erließ er bereits einen Ausweisungsbefehl gegen Schröder, den er aber später zurücknahm. Des- gleiche» führte der Gouverneur Frhr. v. Soden bittere Klage über Schröder, worauf dessen Zurückberusung nach Deutschland erfolgte. Einen publizistischen Anwalt hat Ehrcn-Schröder nun doch in der deutschen Presse gefunden. Die„Tägliche Rundschau" sucht in einem langen Artikel den sauberen Herrn reinzuwaschen. Wir heben aus demselben folgende für das hypernationale Blatt charakteristische Stelle hervor: Sollte es sich bestätigen, wie wir nicht hoffen wollen, daß Schröder bei seiner Verhaftung in Buschirihof, die von einem Unteroffizier nebst sechs Sudanesen bewirkt sein soll, Hand schellen angelegt sind, so würde dieses unverantwortlich taktlose Benehmen dringend Sühne fordern. Denn das fehlte gerade noch, daß von Amts wegen ans solche Art das europäische Zl»sehen untergraben würde, auf daS unsere M a ch t st e l l u n g sich stützt. Wir glauben doch, daß die Schandthaten Schröder's, und wäre nur der hundertste Theil von dem wahr, was in den Zeitungen steht, das europäische Ansehen und unsere Macht stellung in Afrika mehr untergraben, als das energische Vorgeheit gegen Schröder, das seine volle Rechtfertigung findet in den Grausamkeiten und Sittlichkeitsverbrechen, deren Schröder bezichtigt wird.— Die den Anarchisten befreundete«Post konstatirt mit hoher Befriedigung, daß es den Anarchisten in London gelungen ist, die Arbeiten des Internationalen Sozialistenkongresses durch Skandab szenen zu verzögern. Das Anarchistenorgan ist aber natürlich nicht ehrlich genug, ihre Freunde dafür verantwortlich zu machen, sondern sucht durch Zitate aus dem englischen Blatt„Sun" den Anschein zu erwecken, als ob die sozialistische Bewegung durch die von den Anarchisten absichtlich herbeigeführten Skandalszenen diskreditirt würde. Demgegenüber wollen wir darauf verweisen, daß das„Daily Chromcle", das zu den Ideen des Sozialismus eine direkte Gegenstellung einnimmt, doch unparteiisch über diese '> l» anarchistischen Machenschaften urtheilt. So schreibt eS über die Dicnstags-Sitzung: „Die Rede des Herrn Landauer war eine angemessene Probe von dem Spiel, das den ganzen Nachmittag gelrieben wurde: Die Resolution war angenommen worden, dieesfürjeden Anarchisten, der irgend welche Selbstachtung besitzt, hätte unmöglich machen müssen, auf dem Kongreß zu bleiben; die Delegationen hatten die anarchistischen Mandate für ungiltig erklärt. Dennoch hielten die Inhaber dieser Mandate lange Reden, um sich über die Dis- qualifizirung zu beschweren." für einen treuen Retter des Vaterlandes gehalten haben, wenn er ein Verräther gegen seine Freunde wurde? So ward in der That „Die angeborene Farbe deS Entschlusses Durch des Gedankens bleichen Hauch getrübt." Und er, der seiner Anlage nach zu einem Führer seiner Zeit geschaffen war, wurde bloS ein Zuschauer. Adrian suchte zedoch über seine jetzige Thatenlosigkeit sich durch die Ueber- zeugung von der Richtigkert seines Benehmens zu trösten. Wer an dem Anfang bürgerlicher Umwälzungen kernen Theil nimmt, kann oft, mit größerem Erfolg ein Vermittler zwischen den früher sich bildenden Leidenschaften und Parteien werden. Vielleicht war in Adrian's Lage das Zögern wirk- lich die angemessenste Rolle für einen klugen Staatsmann. Dieselbe Stellung, die anfangs in den Hintergrund ver- weiset, wird oft später eine einflußreiche. Adrian erwartete daher schweigend und ruhig den Fortgang der Ereignisse. Wenn die Plane Rienzi's miß- langen, so konnte er durch jene Unthätigkcit das Volk besser vor neuen Ketten, und dessen verunglückten Befreier vor dem Tode schützen. Hatten diese Plane jedoch glücklichen Erfolg, so konnte er ebenso seine Familie vor der Volks- wuth retten und, indem er für die Freiheit wirkte, der Un- ordnung Einhalt thun. Dieses waren wenigstens seine Hoff- nungen, und so hielt die italienische Klugheit und Vorsicht seines Charakters die Begeisterung und den Muth der Jugend in Schranken. lFortsetzung folgt.) Mkersvifches« Der«Tüddentsche Postillou" präsentirt sich in seiner so- eben ausgegebenen Nummer auf besonders ansprechende Art. Was den textlichen Inhalt betrifft, so sei nur erwähnt die inter- essante Skizze aus dem Leben Louis Blanc's, und von der Bilder- schau wird die originelle Darstellung der türkisch-griechischen Wirren und des deutschen bnndesstaatlichen Parliknlarismus wohl jedermann ein paar vergnügte Augenblicke bereiten. Deutsches Reich. — Zum Untergang des„Iltis" wird dem„Ber- liner Tageblatt" ans London gemeldet: Aus Shangai wird telcgraphirt, daß nach näheren Nachrichten der„Iltis" mehrere Stunden vor dem Unfall nicht steuerbar gewesen ist. Trotz heldenmüthiger Anstrengungen des Kapitäns und der Offiziere war es unmöglich, ihn aus dem Sturmbereich zu bringen. Zuletzt wurde das Schiff mit furchtbarer Gewalt an einen Felsen geschleudert, während es 6 Knoten per Stunde machte. Elf Mann klammerten sich an die Trümmer de? Schiffes und wurden ans Ufer getrieben. Der Kommandant des deutschen Geschwaders in Ost- asien, Kontre-Admiral Tirpitz, begab sich auf dem„Kaiser" nach der Unglücksstätte.— — Das„Militär- Wochenblatt", das in unserer Armee außerordentlich viel gelesen wird und wohl in keinem Offizierskasino fehlt, erklärt sich trotz der Stellung des Kriegs Ministers in einer seiner letzten Nummern begeistert für das Duell. Ei schreibt, daß„das Duell heutzutage in den bessern gesellschaft- lichen Schichten etwas Unentbehrliches sei, und daß namentlich für das Offizierkorps das Duell gar nicht zu entbehren sei, wenn es nicht von der hohen Stufe der Ritterlichkeit, durch die es sich jetzt auszeichne, herabsinken wolle." Derartige Lobpreisungen strafbarer Handlungen von der Armee fernzuhalten, scheint dem Herrn Kriegsministers doch nicht zu gelingen.— — Keine Gegner deS Duells sind unsere höheren Beamten, wie ans der folgenden interessanten Korrespon denz des„Neuen Görlitzer Anzeigers" aus Königsberg her- vorgeht: Zu einem Wortwechsel kam es vor kurzem während einer hier auf dem Cchloßteich veranstalteten„italienischen Nacht" im„Börsen- Garten" zwischen einem Vorstnndsmitgliede und einem Gast. Der übrigens ohne Eintritts- karte erschienene Gast, ein Regierungsassessor, ließ am folgenden Tage das Vorstandsmitglied durch seine» Kartell träger zum Duell auf Pistole» fordern. Dieses Aw sinnen wurde zurückgewiesen. Der Kartellträger, ebenfalls ein Regierungsassessor, soll die Forderung in einem formlosen Schreiben an den Geforderten übermittelt haben. Die Direktion des Börsen-Garlens, durch die der Kartellträger eine Ein trittskarte zum Börsen-Garten erhalten hatte, erblickte in jenem Schreiben eine Kränkung ihres Mitgliedes und damit auch ihrer selbst und entzog jenem Herrn die Eintrittskarte. Nun trat das Regierun gs« Kollegium für den Herrn ein. Obwohl zugegeben werden mußte, daß die gezogenen Folgerungen aus jenem Schreiben nicht unberechtigt seien. haben der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, Graf Wilhelm von Bismarck, der Regierungspräsident und eine große Anzahl von Assessoren und Referendarien nebst einigen auderen Regierungsbeamten ihre Eintrittskarten zum Börsen Garten der Direktion zurückgeschickt, weil die von dieser dem Kartellträger gestellte Bedingung, ein Entschuldigungsbrief, für diesen unannehmbar sei. Da wird wohl den wackeren Vertretern des profanen Bürgerthums nichts anderes übrig bleiben als die Herren Regierungs- Assessoren unterthänigst um Entschuldigung zu bitten.— — Eine LandtagS-Ersatzwahl ist in Heiligen« beil-Pr. Eylau infolge der Ernennung des Kreisdeputirtcn und Landtags-Abgeordneten v. Eiern in Bändels zum Landralh des Kreises Pr. Eylan nothwendig geworden. Die Wahl wird am 19. September stattfinden.— — Frauen-Stimmrecht in der preußischen Handelskammer-Novelle. Auf eine bemerkenswerthe, bisher noch nicht beachtete Neuerung in dem Entwurf zur preußischen Handelskammer-Novelle macht die„Soziale Praxis" aufmerksam. Nach geltendem Recht kann bei Handelskammer- Wahlen eine Frau ihre Stimme nur„durch den im Handels- register eingetragenen Prokuristen", nach dem Berlepsch'schen Entwurf nur„durch einen im Handelsregister eingetragene» Prokuristen oder Handlungs-Bevollmächtigten" abgeben. Danach genossen zwar Inhaberinnen großer Firmen ein Wahlrecht, aber nicht die kleinen Kauffrauen. In der Novelle wird solchen Kauf- frauen, die keinen eingetragenen Prokuristen oder Handlungs- Bevollmächtigten haben, die Bestellung eines besonderen Stell- Vertreters für die Wahl gestattet. Nun ist freilich, wie die ge- nannte Zeitschrift fortfährt, noch weniger einzusehen, weswegen die Kauffrau ihr Stimmrecht nicht auch in eigener Person soll ausüben können.— — Ausnahmen vom Verbot deS Detail- reisen?. Ter Handelsminister hat die Regierungs- Präsidenten zur Aeußerung darüber aufgefordert, welche Gruppen von Gewerbetreibenden wohl von den Bestimmungen der letzten Gewerbe-Ordnungs-Novelle, betreffend das Verbot des Detail- rcisens, ausgenommen zu sein wünschten.— — Das Gefetz gegen den unlauteren Wett- be werb suchen die betheiligten Kreise jetzt energisch auszunutzen. In Berlin hat sich eine Vereinigung gebildet, die es sich zur Auf- gäbe gemacht hat, jedes unlautere Gebahren im geschästlichenBetriebe eventuell durch Hilfe der Gerichte abzustellen. Die Vereinigung wird geleitet von dem Obermeister der Tischlerinnung, Herrn Marschall, und besteht vorläufig auS den I n n u n g e n der Drechsler, Schneider, Schuhmacher, Tapezirer und Tischler und dem Verein Berliner Möbelhändler. Die Schuhmacher-Jnnung war als erste auf dem Plan; sie hat bereits am 9. d. M. 8 jüdische Geschäfte bezeichnet, die unlautere Reklame u. s. w. trieben. Die Vereinigung hat gegen alle drei Klage erhoben und in einem Falle eine vorläufige Versügnng des Gerichts erwirkt, die die weitere Verbreitung der Reklamezettel sofort verbot. Aus Hamm i. Wests, wird gemeldet: Der Vorstand des Vereins gegen Univesen im Handel und Gewerbe veröffentlicht folgenden Aufruf:„Mitbürger von Stadt und Land! Wir richten an unsere verehrlichen Mitglieder die Bitte, zur Befestigung von Treu und Glauben im Geschäfts- verkehr jedwede unlautere oder verschleierte Angabe über Be- schaffenheit und Preisangabe rc. von Waaren zu unserer Kenntniß zu bringen, behufs Untersuchung und event. Verfolgung der An- gelegenheit."— — Auf dem nächstjährigen Jnristentage, der, nachdem die Einladung der Stadt Graz erfolgt ist, voraussichtlich in dieser Stadt im September 1S97 stattfinden wird, werden folgende Fragen allgemeinen Interesses berathen werden: Empfiehlt sich die Einführung eines Heim stättenrecht S'. insbesondere zum Schutze des kleinen Grundbesitzes gegen Zwangs- Vollstreckung? Welche Stellung ist in dem zu erwartenden Versicherungs- zesetze den Versicherungsgesellschaften auf Gegen- e i t i g k e i t zu gewähren? Die Behandlung deS äolus ovontualis i«n S t r a f r e ch t bezw. im Strafprozeß. Empfiehlt sich ein Versuch der Deportation nach den Kolonien als Strafe? Enipfiehlt sich der Vorschlag bedingterBegnadigung für den Fall der Auswanderung?— —'Von einem Staatsanwalt in München«rzayre die„Münch. Freie Presse" eine bezeichnende Aeußerung. Ein gegen den Redakteur der„Münch. Freien Presse" angestrengter Majestätsbeleidigungsprozeß endete vor dem Schwurgericht mit der Freisprechung des angeklagten Redakteurs. Tas gab dem -damaligen Staatsanwalt— Guggcnheimer— Veranlassung, an die Geschworenen die Frage zu richten, wie sie denn nur dazu gekommen wären, ein freisprechendes Urtheil zu fällen, worauf einer der Geschworenen antwortete, daß ihnen die Notiz keine Majcstälsbeleidigung zu enthalten scheine, da sie sich ausdrücklich nur gegen einen Parlamentarier wende.„Das thut mir aber sehr leid", erwiderte darauf der Staatsanwalt.„Der Angeklagte ist ein ganz gefährlicher Demagoge. Auf den habe ich schon lange gewartet."(Und wird hoffentlich noch länger auf ihn warten müssen als auf— Beförderung.)— — Zur Handwerkergesetzgebung schreibt die Böhmert'jche„Sozial-Korr.": Man erkennt in diesen Vorschlägen de» guten Willen der Reichsregierung, aber man darf sich doch keiner Täuschung darüber hingeben, daß die Vorlage, auch wenn sie Gesetzeskraft erhält, mit einer tauben Nuß zu vergleichen ist. Sie wird das Handwerk nicht aus seinen Nöthen erretten; das kann keine Regierung, auch wenn sie den von nmnchen Hand- werkersrennden so heiß ersehnten Befähigungsnachweis einführt, von dem die Vorlage jedoch weise schweigt.— — Auf dem nächsten Drechsler-Jnnungstag. der anfangs August hier stattfindet, soll unter anderem behandelt werden: Das Bernsteinmonopol und dessen Folgen für die Drechslerei. Das neue Gesetz betreffend die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. Die Gesetzesvorlage betreffend die Organisation des Handwerks.— — Ueber das Programm des 43. Katholiken- t a g e s verräth die Dortmunder„Tremonia" bereits einiges. Neben der Arbeiterfrage wird die Agrarfrage und die Hand- werkerfrage zur Erörterung gelangen. Ueber die Agrarfrage werde ein gewiegter, in allen Kreisen hochangesehener Par- lamenlarier sprechen. Das Blatt hofft, daß der diesjährige Katholikentag in katholischen bäuerlichen Kreisen auf der ganzen Linie die Ueberzcugung zum Durchbruch bringen werde, daß nicht durch einseitige Sonderbestrebungen, sondern nur durch ruhiges Abwägen des Möglichen und durch Innehalten einer Mittellinie das Heil für die Katholiken Deutschlands zu suchen sei.— — Amtsentsetzung wegen Nichtgrüßens eines L a» d r a t h s. Gegen einen ehrenamtlichen Gemeinderath zu Hof- geismar, den Gutsbesitzer Neutze, wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, weil er den dvrtigen Landrath auf der Straße nicht gegrüßt habe. Wie die„Hess. Blätter" berichten, hat der Kreis- ausschnß in Hofgeismar thatsächlich über den Fall zu Gericht gesessen und ein Urtheil aus Absetzung des N. gefällt, weil der- selbe„durch Nichtgrüßen seines Landrathes sich einer groben Dienstverletzung schuldig gemacht habe". Den Vorfitz in dieser Sitzung führte der konservative Landtagsabgeorbnele Freiherr v. Pappenheim-Liebenau. — EinGrafReventlow, der plötzlich ein Führer der Antisemiten in Schleswig-Holstcin geworden fein soll, hat sich, wie die„Rh. W. Ztg." zu berichten weiß, früher als gericht» licher Vertheidiger der dänffchen Publizisten in Nordschleswig bemerkbar gemacht und galt dann für einen Anhänger der Sozial- demokratie. Was die letztere Behauptung des Organs der Kohlenjunker betrifft, so ist sie einfach gelogen. Gin Graf Reventlow hat weder jemals unserer Partei angehört noch in direkter oder in- direkter Weise für dieselbe gewirkt.— Stettin, 27. Juli. Bezüglich deS hier wegen Ber« untrenung von 35 000 M. Kirchengeldern in Unter« suchungshaft befindlichen Pastors Rauh aus Eladow schreibt die„Ostsee-Zeitung": Rauh verbrachte sehr viel Zeit auf Reisen. Oft kam er erst in der Frühe des Sonntags von einer fünf- bis sechstägigen Reise zurück, um wenige Stunden später ans der Kanzel zu stehen. Man vermuthet, daß er zu dem Geldschrank, der für die Kirchenkasse angeschafft wurde, vom Fabrikanten die Duplikatschlüssel gleich bei der Lieferung in Empfang genommen hat: er brauchte dann also gar keinen Nachschlüssel, um an den Kuchensäckel zu kommen. Von einigen Obligationen sollen nur die Talons und Koupons gefunden sein, die Stücke selbst aber fehlen. Nach dem Ergebniß der Voruntersuchung und seiner eigenen Angabe soll Rauh anfangs nur wenig aus der Kasse und dies naturlich in der Wsicht genommen haben, es wieder beizulege». Da er dieS jedoch von seinem Einkommen bei seiner Lebensweise nicht erübrigen konnte, so wollte er das Glück zu seinen gunsten mit Gewalt heran- biegen. Zu diesem Zweck spielte er einen Haufen Loose in der preußischen und auch noch in allen möglichen anderen Lotterien. Für hunderte von Loosen mußte er fortwährend zahlen, wofür die Kirchenkassengelder dienten. Auf diese Weise wuchs das Defizit zu der für ihn unersetzlichen Summe an.— Thorn, 28. Juli. Wegen der Hochverraths-Angelegenheit ind jetzt im ganzen neun Personen verhaftet worden. — Wozu das Militärverbot gut ist. Aus Rache denunzirte ein Gefreiter der Weißenfelser Husaren den Wirth deS Restaurants„Zu den Kastanien", es lägen bei ihm sozialistische Schriften aus, was nicht der Fall ist. Darauf wurde das Lokal mit dem Militärverbot beglückt.— Straßburg i.