BERLIN Sonnabend 23. April 1932 10 Pf. Jfr. 191 B 96 49. Iahrgans Erscheinttäglich außer Sonntags. Zuglcich Ab-nrülitgabr d-s.Vorwärts' B-iugSvreie>ür beide Ausgaben 7ö Pf. pro Woche. 3.2ö M. pro Mona: (davon 87 Pf.- monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus «ahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebübren. fflbwasfa Anzetgenpret«: Die etnsvalttge Milltmelerzetle 30 Ps� Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto-. Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält sich daS Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Red aktton und Erpedtti on: Berlin GW68. istndenstr 8 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 «NM M ÖtU ffiels. Bon einer Hakenkrenzbande in Köln niedergeschlagen nnd verletzt. Auch Polizeipräsident Banknecht niedergeschlagen. Ansnhrer war der Nazi-Reichstagsabgeordnete Letz. Sl i> l n. 23. April.(Eigenbericht.) Tas Polizeipräsidium teilt mit: In der vergangenen Nacht wurde der A b g c- ordnete Wels in Begleitung des P v l i z c i p r ä- sidentcn Bauknccht im Ncstaurant seines Hotels, in dem er seit Jahren zu wohnen Pslcgtc. von etwa zehn N a t i o n a l s o z i a l i st c n unter Füh- rung des nationalsoziali st ischcn Reichs- tagsabgcordnctc Dr. Lch tätlich angegriffen. Durch unbeteiligte Zeugen wurde festgestellt, daß Lch einige Zeit vor dem Ucbcrfall telcphoniertc und kurz danach eine gröfterc Anzahl von Nationalsozialisten ins Lokal kam und am Tisch von Lch Platz nahm. Die Nationalsozialisten versuchten nach dem Ucbcrfall. fluchtartig das Lokal zu verlassen, wurden aber durch Polizeibcamte. die schon vorher durch den Wirt auf die Nationalsozia- listen aufmerksam gemacht worden waren, g c st e l l t und verhaftet. Organisierter Bandenübersall. Ueber die Einzelheiten des Ileberfalls der Hakenkreuzstrolche unter Führung des Banditen Ley auf den Genossen Wels erfahren wir weiter folgendes: Wels und Bauknecht waren nach der Versammliuig, in der Wels vor etwa 3l> 000 Hörern gesprochen hatte, im Restaurant des Hotels, in dem Wels wohnte. Mit ihnen war eine Anzahl Parteigenossen. Nachdem die Parteigenossen sich verabschiedet hatten, wollten auch Wels und Bauknecht das Lokal verlassen. Als Wels zur Tür ging. brüllten ihm die Nationalsozialisten zu:„Heil Hitler!" Wels wandte sich um mit den Worten:„Meine Herren, wem gilt der Gruß?" Zofort fielen die Ztrolchc über ihn her, warfen ihn zu Boden und würgten ihn. Als Polizeipräsident Bauknecht dazwischentrat, gab Lch selbst das Signal zum Angriff auf ihn. stürzte auf ihn los nnd rist ihm die ilrawatte herunter. Seine Spießgesellen schlugen mit Weinslaschen aus ihn ein, so daß eine der Flaschen in Trümmer ging. Bauknecht erlitt eine Per- letzung am Kops. Ein Kellner, der dazwischensprang, wurde von den Strolchen ebenfalls niedergeschlagen. Di« Polizei verhaftete die Strolche noch am Tatort, darunter den Lberstrolch Leh, der in schwer betrunkenem Zu- stand auf der Polizei eingeliefert wurde, und den Redakteur S ch w a e l e vom„Westdeutschen Beobachter". Es steht fest, daß der Ueberfall von Ley s y st e m a t i s ch v o r b e- reitet worden ist. Der Kölner A r b e i t e r s ch a st, der der Banditenstreich der Hakenkreuzstrolche heute morgen durch Flug- btätter mitgeteilt wurde, hat sich gewaltig« Erregung be- mächtigt. Die Erbitterung gegen die Bandiren ist aus den Höhepunkt gestiegen. Genosse Wels hat sich heute morgen in Behandlung zu einem Halsspezialisten begeben. Er hofft trotzdem,»och heute abend vor einer Massenversammlung in Düsseldorf sprechen zu können. Die Verletzungen von Wels. Die Täter noch in Hast.- Oberbandit J£ey noch besoffen' Köln. 23. April.(Eigenbericht.) Die ärztliche Untersuchung des Genossen Ltto Wels hat ergeben, dast durch einen Schlag auf den Kehlkopf ein innererBlntergnß. eine Verletzung der Stimmbänder und des Kehlkopfknorpcls eingetreten ist. Genosse Wels wird heute abend in der Düsseldorfer Massen- Versammlung einige Worte an die Versammlung richten können, er wird sich morgen in Berlin in weitere ärztliche Behandlung begeben. Die Täter befinden sich noch in Haft. Otto Wels hat Ztrafantrag wegen Körperverletzung gegen sie gestellt. Auch der Q b e r b a n d i t Lch ist noch in Haft. Er war heute vormittag noch völlig bc- soffen! Die Partei protestiert! Telegramme an die Geichs- und Staatsbehörden Der Parteivorstand und die Reichstagsfraktion haben heute sofort an den Reichspräsidenten, den Reichs- kanzler. den Reichsinnenmini st er und den preußischen Minister des Innern das folgende Telegramm gesandt: In letzter Nacht wurde der Führer der Zozialdemo- kratischen Partei Teutschlands, Ltto W e l s. und der Kölner Polizeipräsident Bauknecht in einem Kölner Hotel von nationalsozialistischer Bande unter Führung des Reichstagsabgeordneten Tr. Leh überfallen und der- wundet. Sozialdemokratischer Partciborftand und so- zialdemokratische Reichstagsfraktion. Tnrchgreifcndc Mastnahmen zum Zchutze der Person- lichen Sicherheit und gegen den Terrorismus der Nationalsozialisten sind absolut erforderlich. Brcitscheid. Hilferding. -i- Der Kölner Ueberfall ist ein Warnungssignal, das in der ganzen deutschen Arbeiterschaft und weit über Deutsch- lands Grenzen hinaus den schärfsten Widerhall erwecken wird. Denn Otto Wels ist in den Augen der Millionen von Sozialdemokraten in Deutschland und in der ganzen Welt, besonders seit dem Tode Hermann Müllers, der Führer der Deutschen Sozialdemokratie. Die Herren Hitler, Goebbels, Straßer und Konsorten können von Glück reden, daß der Ueberfall ihrer Banditen keine noch schlimmere Folgen für die Gesundheit Alle Mann an Deck! Jeder Sozialdemokrat, Reichsbannerkamerad, Gewerkschaftier und Arbeitersportler setzt seine letzte Kraft ein für den Sieg der Liste 1 Heute ab 16 Uhr von den bekannten Lokalen aus Flugbiativemraitung! Keiner darf fehlen I der Angegriffenen gehabt hat. Denn das Maß ist voll, übervoll! Hätte der Weinslaschenangriff der Ley-Rowdys auf Otto Wels und Bauknecht einen anderen Ausgang genommen, dann wären vielleicht die Hunderttausende, die gestern im Lustgarten demonstrierten, aus eine solche Nach- richt hin nicht mehr zu halten gewesen. Und dann: Gnade Gott den Schuldigen! Die Schuldigen sind die Führer der NSDAP., die seit Jahr und Tag bei ihren Massen, insbesondere in einer unreifen Mittelstandsjugend, eine blutrünstigeLands- knechtsstimmung durch Reden schüren, die fast aus- nahmslos Aufforderungen zum Mord enthalten. Herr Hitler droht mit Köpferollen und läßt es durch seinen Rechtsberater Frank II ausdrücklich bestätigen. Herr Gregor Straßer spricht davon, daß man bis zu den Knöcheln im Blut der Feinde waten werde. Herr S t ö h r verspricht der Hanfindustrie im Dritten Reich Hoch- konjunktur. Herr Goebbels spricht von den Galgen- sprossen. Herr B u t t m a n n will die verrostete„Guillotine" mit den Nacken der politischen Gegner wetzen und sie mit deren Blut schmieren. Herr B e st entwirft, nach Rücksprache mit dem Münchener Braunen Haus, seine Boxheimer Dokumente, in denen das Wort„Erschießen" als Kehrreim dient. Was geschieht von Rechts wegen gegen die Anstifter zu Mord und Totschlag? Nichts! Aber mittlerweile geht die Saat blutig auf. Der Kölner Fall ist ein Symptom. Ihr Nazisührer, ihr seid gewarnt! Abschlachten läßt die deutsche Arbeiterklasse weder sich noch ihre Führer! Oer Skandal von München. Hiltlers Kulturbanditen entfesseln blutige Schlacht. München, 23. April. sEigenberichl.) DieStörungenderGrzesinski-DersammIungen waren vom Sturmbann München 1, 2 und 3 der aufgelösten SA. verabredet und organisiert. Zuerst arbeiteten die Hitler- Banditen in beiden Sälen planmäßig mit Tränengas und Stinkbomben. Als sie damit die Disziplin der Massen nicht brechen konnten, störten sie systematisch mit immer lauteren und beleidigenderen Zwischenrufen, so daß der Ordnungsdienst des Reichsbanners sich schließlich genötigt sah. die größten Schreier aus den Sälen zu werfen. Das wurde in beiden Fällen der Beginn einer Saal- schlacht, die im Hackerbräukeller zehn Minuten und im Löwenbräu länger als eine Viertelstunde dauerte. 3m Hu sausten Stühle und Nierkrüge aus die siöpsc. Saaltiiren wurden eingeschlagen, so daß es sosorl blutige Gesichter gab. Zahlreiche Fronen wurden ohnmächtig aus dem Saal getrogen. Die Sanitäls- kolonne nnd der städtische Rettungsdienst waren bis nach MUtcr. finden, verübt. Hier wohnen in der Hauptsache Erwerbslose, zum größten Teil Kommunisten. Etwa hundert Nationalsozialisten hatten gegen 1 Uhr nachts den Häuserblock umstellt. Damit sich die Nazis bei den zu erwartenden Zusammenstößen in der Dunkelheit gegenseitig erkennen konnten, hatten sie sich weiße Tücher um den Leib gebunden. Ms dann einige im Häuserblock wohnende Leute in ihre Wohnungen zurückkehrten, begannen die Nazis zu schießen. Der Arbeiter Walter Nebel wurde durch einen Kopfschuß schwer verletzt. Von den Banditen wurde später der Polizei erklärt, daß Nebel von seinen eigenen Kollegen niedergeschossen worden sei. Das entspricht aber nicht den Tatsachen. Der Üebersall war von den Nationalsozialisten planmäßig vorbereitet. Hochverraisanklage gegen Goebbels. Voruntersuchung abgeschlossen.- Oberreichsanwalt erhebt Anklage. Zeit langer Zeit schwebt beim Reichsgericht eine Vor- Untersuchung gegen Dr. Goebbels wegen Hochverrats. Diese Untersuchung ist nunmehr abgeschlossen. Am K. April hat der Lbcrreichsanwalt Anklage gegen Goebbels erhoben. Goebbels ist dringend verdächtig, die Verfassung des Reiches mit Gewalt ändern zu wollen. Gpihelgelder her! Die Reaktion braucht Opfer um jeden preis? Dessau. 23. April.(Eigenbericht.) In der Morgenausgabe vom Sonntag, dem l7. April, hatte der „Vorwärts" einen Wahlschwindel der„Berliner Börsen-Zei- tung" aufgedeckt, der darin bestand, die Sozialdemokratische Partei in Dessau für eine Pfaffenspiegel-Revue einer Laienspieltruppe ver- antwortlich zu machen. Es war im„Vorwärts" wiedergegeben! worden, daß die„Berliner Börsen-Zeitung" nicht nur die Partei, die! Arbeiterjugend und die Freidenker ganz zu Unrecht mit dieser Auf- führung belastet hatte, sondern daß sie außerdem eine ablehnende Kritik des Dessauer sozialdemokratischen„Volksblattes" ins Gegen- teil umgefälscht hatte. Wenige Tage vor der Wahl hat nun ein Dessauer Hinlermann der„Vörsen-Zeilung" versucht, ein arbeitsloses Mitglied dieser Laienspieltruppe durch Dcslechung zu veranlassen. Material über die angebliche Beteiligung sowohl der Sozialdemokralie im allgemeinen als auch des Abgeordneten . Seeger im besonderen zu schassen. Es handelt sich bei diesem Manne um einen in Dessau stadtbekannten Spitzel, der für eine übelbeleumdete nationalsozialistische Wochen- schrist das Hintertreppcnmaterial zusammenträgt.. Die„Berliner Börsen-Zeitung" wird dadurch, daß sie sich eines solchen Menschen bedient, gebührend gekennzeichnet. Der Versuch selbst ist sehlge- schlagen. Obwohl die Spieltruppe„Rote Fansaren" mit der Partei nichts zu tun hat, hat es das arbeitslose Mitglied ab- gelehnt, sichfürGeldMaterialabkaufenzulassen, das gar nicht existiert. Aber schon der Versuch ist für die üblen Methoden der politischen Gegner der Sozialdemokratie über- aus kennzeichnend. Die Ausstellung„Polilischer Terror", die, von der Deutschen Liga für Menschenrechte veranstaltet, für die Preußenwahl von bedeutender Wichtigkeit ist, ist nur noch am Sonnabend, dem r'S., und Sonntag, dem 24. April, von N bis 22 Uhr geöfsnet. Die Ausstellung befindet sich im Pschorrhaus, Potsdamer Platz. 3. Etage. «flchl beschäfligl. um die Verwundelen zu verbinden und zahlreiche Schwerverletzte in Behandlung zu nehmen. 3n einem heule morgen ausgegebenen polizeiberichl wird die Gesamtzahl der Verlehlen mit 37 angegeben, darunter sind Schwerverletzte und zwar einer, der mit dem Leben kaum davon- kommen dürste. Sämtliche verletzte mußten in Krankenhäuser ein- geliefert werden. Außerdem gab es zahlreiche Leichlverlehle. 35 an den Saalschlachten Beteiligte wurden bei den Vernehmungen, die im Laufe der Rächt vor sich ging, in Haft behalten. Bestien. Reichsbannermann von EA-Banditen halb totgeschlagen. Breslau, 23. April.(Eigenbericht.) Am Donnerstagabend überfielen in dem Ort würben bei Zolt- mitz im Kreise Ohlau etwa 40 bei dem Hofbesitzer hoff- mann einquartierte frühere SA.- Leute zwei Reichs- bannerkamcraden. während einer der beiden Reichsbannerleute sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte, wurde der andere von dem Mordgesindel furchtbar zugerichtet. Tie Nazis bearbeiteten ihn mit Spaten, Dolchen und Knüppeln und brachten ihm zahlreiche Wunden am Kopf, an den schultern und Händen bei. Dann schleiften die Hakenkreuzbestien den Verletzten durch das Dorf und warfen ihn in den VA Meter tiefen Dorfteich. Mit der letzten Anstrengung befreite sich der Reichsbannermann aus dem Wasser. Als er sich am Ufer mühsam aufzurichten versuchte. riefen die entmenschten SA.-Leute-„Das Aas lebt noch!" Sie feuerten mehrere Schüsse auf>hn ab. die aber ihr Ziel ver- fehlten. Rur dem Umstand, daß In letzter Minute ein Gendarm er- schien, verdankt es der Reichsbannermann, daß man Ihm nicht völlig den Garaus machte. Weiterer Nazi-Bandenüberfall. Halberstadl, 23. April.(Eigenbericht.) In Halberstadt wurde in der vergangenen Nacht von National- sozialsten ein schwerer Ueberfall auf eine ehemalige Kaserne, in der sich einige hundert Notwohnungen be- Jede Glimme ist wichtig! Zur Preußenwnhl hat jeder Deutsche Wahlrecht, der in Preußen polizeilich gemeldet und in der Stimm- liste eingetragen ist oder einen Stimmzettel für die Preußenwahl besitzt. Auf jede Stimme kommt es an! Gewählt wird von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags. Das Kreuz gehört ins erste Feld! Mobilmachung gegen die Wahrheit Die He rlichkeiten Gowjetrußlands dürsen nicht bekannt werden Während d!« Kommunisten immer weiter Schwindelpropa- ganda über die Herrlichkeiten des Sowjetparadieses betreiben, ergreift die Sowsetregiemng Maßnahmen, um die Wahrheit über Sowjetrußland noch weniger als bisher durchdringen zu lassen. Auch die kommunistische Partei hat strengste Anweisungen ln dieser Richtung erhalten und führt sie mit der ihr eigenen Untertänigkeit gegenüber dem Zaren Stalin durch. Während sie aus der einen Seite laut schreit, wie herrlich drüben alles ist, oorfolgt sie mit A u s s ch lu ß dr o h u n- gen alle Kommunisten, die von drüben kommen und es wagen, ein Wort über ihre Erfahrungen fallen zu lassen. In der Berliner kommunistischen Partei laufen zur Zeit mindestens ein Dutzend Ausschlußversahren gegen zurückgekehrte Kommunisten. Einer von ihnen hatte einer anderen Kommunistin erzählt: „Wir haben so sehr hungern müssen. Ich habe in sieben Wochen zwanzig Pfund abgenommen. Das Fleisch, das wir zu essen.bekamen, war buchstäblich verfault. Butter haben wir me- nmls zu sehen bekommen. Fünszi-g Familien aus Amerita haben die Sowjetunion verlassen, weil sie dies Jammerleben nicht mehr aushalten können. Lieber in Deutschland oerkommen, als in diese Hölle fahren." Dies« vertraulichen Aeußerungen unter Kommunisten genügten, um ihm den Ausschluß aus der KPD. zuzuziehen. Diese Parteiverfahren entsprechen einem direkten Befehl Moskaus. Plan hat dort erkannt, daß die Rückkehrer— ausländische Arbeiter, die wegen der traurigen Verhältnisse rn Ruß- land wieder in ihre Heimat zurückwandern— die größte pro- pagandistische Gefahr darstellen, und die Komintern hat allen Sektionen Anweisung gegeben, auf die Rückkehrer zu achten und ihnen nach Möglichkeit den Mund zu verbinden. Darüber hinaus sind weiter« Absperrungsmaß- nahmen gegen die Wahrheit über Sowjetrußland getroffen worden. Der B r ie f w e ch s e l, der zwischen deutschen undrussi- schen Jungkommunisten veranstaltet worden war, ist plötzlich unterbunden worden, mit der ausdrücklichen Be- grüttdung, daß die Lage in Sowjetrußland so kritisch geworden sei, daß dieser Briefwechsel nicht mehr zweckmäßig sei. Ts hatte sich herausgestellt, daß die russischen Konsomolzen, anstatt in ihren Briefen die Herrlichkeiten des Paradieses in Rußland zu schildern, bittere Klage geführt haben über die Ausbeutung, den Hunger, die miserablen Wohnungsverhältnisse, und daß dabei geradezu revolu- tionäre Töne angeschlagen worden sind. Diese Mobilmachung gegen die Wahrheit auf Be- ! fehl Stalins steht in lächerlichem Gegensatz zu der Resolution, die das Zentralkomitee der KPD. nach dem 13. März gesaßt hat. Darin war verkündet worden, daß stärker als zuvor Propaganda mit den glänzenden Arbeitsverhältnissen in Sowjetrußland getrieben werden müsse! Zungkommunisten gegen Moskau. Rebellion gegen Hunger unS Papieranzüge. In der letzten Zeit macht der Iungkommunistische Verband der Komsomolzen dem Kreml schwere Sorgen. Im Moskauer Rundfunk wurde in der letzten Zeit die Leitung des Iungkommunistischen Verbandes häufig angegriffen, weil sie t r o tz k i st i s ch e S t r ö- m u n g e n zulasse, ohne gegen sie mit der bekannten„Parteienergie" vorzugehen. In der letzicn Zeit mußte man aber selbst in Moskau am Mikrophon in aller Oeffentlichkeit zugeben, daß derJDl a n g e l an wichtigen Lebensmitteln und auch an Textil- und Schuhwaren so groß ist, daß man selbst die privilegierten Kreise der Partei nicht mehr genügend versorgen könne. Die GPU. und der Komsomol waren immer am meisten privilegiert bei der Au-- gäbe von Nahrungsmitteln und Gegenständen des täglichen Be- darfs. Diese Garde des Kremls, vor allen Dingen der Komsomol, kann aber jetzt nicht mehr genügend versorgt werden, und schon zeigt sich die Wirkung. Im Leningrader Komsomol ist es nach neuesten Meldungen des Sowjetrundfunts zu Skanda- len gekommen, weil man den Jungkommunisten unmögliches und gesundheitsschädliches Essen vorgesetzt hat. Auch habe man An- züg« aus Sowjetstoffen verkauft, die schon beim ersten Regen ge- weicht sind, weil sie aus Papier gemacht waren. Begreiflicherweise protestierten die Leningraüer Jungarbeiter dagegen. Obwohl der Moskauer Sprecher zugab, daß die Leningrader Komsomolzen mit ihren Protesten im Recht sind, forderte er von der Partei st r e n g st e Bestrafung der„P r o t e st l e r", denn sie hätten die Parteidisziplin gebrochen! Es gelte, diese Mißstände sofort zu beseiilgen, womit aber der Sowjetsprecher die Protest« und nicht das schlecht« Essen meinte. Schon ist aus Moskau eine Sonder- kommisfion zur Säuberung des Leningrader Perbandes von Trotzkisten entsandt worden. Man war be- müht,, dem Zwischenfall eine politische Note zu geben. Der russische Arbeiter muß eben alle- essen und Popieranzüg« tragen, ohne auch nur zu murren. Macht endlich Schluß mit dem Nazi- und Kozispuk! Wählt morgen liste 1! Reaktionärer Schwindel entlarvt. Das Märchen von den 250 000 Parteibuchbeamten. Amtlich wird mitgeteilt: In der Rechtspresse wird in! letzter Zeit gegen die preußische Staatsregierung mit der Behaup- l tung agitiert, daß seit dem November 1S18 in Preußen 25 0 000 „Parteibuchbeamte" ernannt seien. Wie irrsinnig diese Be- hauptung ist, geht schon allein aus der Tatasche hervor, daß d!« Zahl der gesamten planmäßigen Seam en Preußen» nach dem houshalirplan für 1332 143 73S beträgt. Ja, selbst wenn man dazu die Zahl der Höchstteamten, der Ange- stellten und Staatsarbeiter hinzurechnet, kommt nur eine Gesamt- zahl der Staatsbediensteten von 210 501 heraus. In dieser Zahl! befinden sich alle Beamten der allgemeinen und inneren Staats- Verwaltung, also auch die gesamte Polizeibeamten- s ch a f t. Den Verbreitern der Behauptung von„250 000 Partei- buchbeamten" ist diese Tatsache natürlich bekannt. Wenn nicht, so würde ein Blick in den Haushaltsplan sie darüber belehren können. Aber es kommt ja nicht auf die Richtigkeit der Angaben an, son-, dern weit mehr auf die Wirkung, die man mit solchen unsinnigen � Angaben bei dem unwissenden Leser erzielen will. Mit einer anderen, ebenso salschen Behauptung über die p a r- teipolitischeZusammensetzungderReserentendes preußischen Ministeriums des Innern verhält«s sich genau so. Diese Behauptung wird dadurch nicht richtiger, daß sie auch im Preußischen Landtag von der Rednertribüne vorgebracht worden ist. Danach sollen von den Referenten und Hilfsarbeitern des preußischen Innenministeriums, deren Zahl rund 80 beträgt, 41 der Sozialdsmokratischen Partei und 11 dein Zentrum ange-| hören. Diese Zahlen sind absolut aus der Luft gegrlssen. Von den 80 Sachbearbeitern und Hilfsarbeitern des preußischen Innenministeriums gehören polltisch den Parteien der Äzialdemo- 1 kratie und des Zentrums knapp«in Viertel an. Wohl aber befinden sich unter den Beamten des Innenministeriums eine ganze Reihe von Herren, die parteipolitisch eher der Rechten als den Par- teien der Weimarer Koalition zuzuzählen sind. Wetter am Wahltag. Etwas kühler und veränderlich. Durch da» Vordringen eines über Schottland lagernden Ti«�„ druckgsbiet» ist In den nächsten 24 Stunden mit einer leichten Welter- Verschlechterung zu rechnen, die aber nur von vorübergehen� der Dauer sein wird. Da gleichzeitig ein etwas kühlererLuft- k ö r p« r im Anrücken ist, werden die Temperaturen aller Voraus- ficht nach etwas sinken. Das Wetter ist im ganzen Reich bis auf den Osten, wo«» sehr schön ist, einheitlich. Durchschnittlich Herr- schen 8 bis 12 Grad Wärme. Für den morgigen Sonntag besteht nach den vorliegenden Wetteranzeichen Neigung zu leichten Regen- schauern. Julius Asch gestorben. Der frühere sozialdemokratische Finanzminister von Mecklenburg- Schwerin, Genosse I u l i u s A s ch, ist nach jahrelanger Krankheit in einer Rostockcr Privatklinik im Alter von 57 Jahren gestorben. Asch war seit ISIS Präsident des Mccklenburg-Schweriner Landtags und bekleidete von da bis 1323 und von 1326 bis 1923 das Amt des Ftnanzministers._ Verhaftung eines Börsenmaklers. Unter dem Verdacht größter Devisenschiebungen. Die S k a a k s a n w a l l s ch a f t I hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Börsenmakler Kurt Sranh eingeleitet. Sranh wird beschuldigt, Effekten aus ausländischem Besitz im Unlande veräußert und über den Verkaufserlös ohne Erlaubnis der Devifenbewirl- schaflungsstelle verfügt zu haben. Räch den bisherigen Zeslstellungen haben die Esfektenverkäuse einen Wert von mindestens ! Mi l l> o n Rl a r k. Weitere Ermittlungen werden noch angestellt. Gegen Kranh, der sich zur Zeil im Ausland beflndck, ist vom Amts- gcrtcht Charlottenburg Haftbefehl erlassen worden. Tobsüchtiger gegen Polizei. Gittlichkeitsatientäter niedergeschlagen. Ein aufregender Borfall spielte sich heute srüh kurz nach 7 Uhr im Hause Frucht st raße 68 ab. Hier wohnt der 42 Jahre alte Kutscher Alfred B a r t l o g. Der Mann ist verheiratet. Er leidet oft unter Tobfuchtsanfällen und bedroht die Hausbewohner mit allen möglichen Gegenständen. So kam es heute wieder zu wüsten Aus- schreitungen. Aus demselben Flur wohnt eine 65 Jahre alte Witwe Anna L. mit ihrer Tochter. B. öffnete mit einem Nachschlüssel deren Tür und schlich sich in die Wohnung ein. Mit einem Beil trat er art das Bett der alten Frau. Als sie um Hilfe rief, schlug er auf sie ein. Die Tochter tonnte gegen den Rasenden nichts ausrichten und flüchtete auf die Straße. Hier traf sie eine Doppel st reife der Schupo, die sofort mit ihr in die Wohnung kam. Als B. die Beamten hörte, schloß er sich mit der Witwe im Zimmer ein und drohte, die Beamten mit einer Axt niederzuschlagen. Die Schupos öffneten jetzt gewaltsam die Tür, und die alte Frau benutzte den Augenblick, um zu flüchten. Bartlog stürzte sich auf die Beamten. Es kam zu einem Handgemenge. Der Tobende riß sich wieder los und flüchtete in ein anderes Zimmer. Ehe man ihn greifen konnte, hatte er die Tür abgeriegelt und Stühle und Tische davor- gestellt. Wieder mußten die Beamten die Tür einschlagen. Nach einem Schreckschuß, der den Tobenden leicht oerletzte, verkroch er sich hinter den Betten. Erst als Verstärkung durch das Ueberfall- kommando eintraf, gelang es, Bartlog zu fesseln. Er wurde ins Staatskrankenhaus gebracht. Llralzeff freigesprochen. Zugleich ein vernichtendes Urteil für die?�aiffeifen-Vank. Das Schöffengericht Berlin-Mitte verkündete heute morgen gegen den Angeklagten Uralzeff und den Rechtsanwalt und Notar Türk freisprechende Urteile. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende Amts- gerichtsrat Marquardt u. a. folgendes aus: Im Zusammenbruch der Raifseisenbant stellt die Uralzeff-Asfäre nur ein Teilkapitel dar. Bei den ungeheuren Summen, die die Bank verloren hat, haben die Uralzefs-Berlust« nur eine geringe Bedeutung. Es ist an anderer Stelle festgestellt worden, daß die Verluste der Raifseisenbank 75 Millionen betragen haben, zu denen noch die Verluste von Privatkonten in Höhe von 45 Millionen kommen. An Uralzeff hat die Bank aber nur zehn Millionen verloren, die unter Hinzurechnung der Zinsen sich allerdings bis auf 20 Millionen Mark steigern. Bei den Millionenkreditcn, die Uralzeff schalten hat, spielte aber das Russengeschäft noch gar keine Rolle: er har diese Summen unter keinen Umständen durch betrügerische Manipulationen erhalten. Es wäre vielleicht von großem Interesse, nachzuprüfen, wieso es geschehen konnte, daß die Raifseisenbank einem staatenlosen Russen mit einer derartigen Freigiebigkeit einen so großen Kredit eröffnet hat. Das zu tun war aber nicht die Ausgabe des Gerichts. Der Vorsitzende ging ausführlich auf das Russen- g« s ch ä s t ein. Die leitenden Herren der Raifseisenbank kümmerten sich um nichts, teils aus Faulheit, teil» aus Trägheit-, sie waren durch Aufstchtsratspoften überlastet und noch dazu Ab- geordnete. Für ihre Pflichten gegenüber der Bank hatten sie keine Zeit. As liegt sogar in Bezug auf sie der V e r d a ch t d e r S t r a f- b a r k e i t vor; sie gehörten auf die Anklagebank. So haben sie den Angeklagten Uralzeff zum Beispiel beim Dstwollegeschäft einfach hin- eingelegt. Das Gericht konnte aber nicht zur Ueberzeugung kommen, daß das Russengeschäft unter keinen Umständen existiert habe. Ural- zesf ist nicht als ehrbarer Kaufmann anzusprechen, er gehört zur kaufmännischen Halbwelt. Trotzdem war er freizusprechen. Denn noch sieben Iahren war das Gericht nicht mehr imstande, die Tat- bestände so zu prüfen, wie dies früher möglich gewesen wäre. Die Raisfeisenbank hat eben kein Interesse gehabt, die Sache im gegebenen Augenblick prüfen zu lassen, im Gegenteil war sie daran interessiert, die Angelegenheit zu ver- wischen. Auch der Angeklagte Türk war mangels Beweiss» frei- zusprechen. Als Anwalt hat er aber unter ollen Umständen äußerst leichtfertig gehandelt und dem Ansehen des Anwaltstandes geschadet. Auch Bayern wählt! Vor wichtigen politischen Entscheidungen im Süden. München. 22. April.(Eigenbericht.) Die Präsidentenwahlen haben gewissermaßen als Vorprüfung für die Bayerische Landtagswahl die Entscheidung über die Stärke der Nationalsozialistischen Partei in Bayern vorweggenommen Hitler kämpfte unter für ihn denkbar günstigen Umständen Land- b u n d und das Hugenberg-Gebilde stimmten auch im zweiten Wahlgang in ihrer Mehrheit gegen das„System". Dadurch kam Hitler auch in Bayern aus eine Stimmenzahl, die bisher keine Partei bei irgendwelcher Wahl auf sich vereinigt hat. Hitler, aber nicht die Nationalsozialistische Partei! Am 24. April werden Landbund, Deutschnationale und sonstige Reste des liberalen und konservativen Bürgertums ihre Anhänger wieder auf ihre Listen zurückholen. Nicht minder be- I deutsam für den Schwund der Hitler-Stimmen wird die Tatsache. daß der B a u e r n b u n d mit seinen Heimatkandidaten und Heimat- parolen einen großen Teil seiner auseinandergelaufenen Herde wieder wird einfangen können. Man schätzt den Schwund auf etwa 400 000 Stimmen. Die Hoffnung der Nazis, die stärkste Partei und Fraktion im neuen Landtag zu werden, und dadurch allein schon ausschlaggebenden Einfluß auf die Staatsgeschäfte zu erhalten, ist somit hinfällig. Die Bayerische Bolkspartei kämpft um ihre zentrale Position innerhalb der Landespolitik, die nur ejn einzigesmal, durch die Ianuarwahlen 1919, von links gefährdet war. Von 1920 an lag die regierungsbildende Kraft wieder ausschließlich bei ihr. Welchen Weg sie dabei ging, ist bekannt: unter dem Schutz und Schirm ihres nationalistischen Rechtskurses wucherte das Hakenkreuz in Bayern. Erst als der Nationalsozialismus seine Unfähigkeit für diese Aufgabe nachgewiesen hatte und in den letzten zwei Jahren nicht ohne Erfolg daranging, aus dem Kastell der Bayerischen Bolkspartei selbst Stein um Stein herauszubrechen, änderte sie die Hauptrichtung ihres politischen Kampfes und nahm Front gegen Hitler. Aber nur zögernd folgte ihre Anhängerschaft, deren politisches Denken länger als ein Jahrzehnt mit der antimarxistischen Parole völlig vernebelt worden war. Deshalb fehlte ihr die innere Kraft, die parteipolitische Kursänderung auch auf die Staatspolitik zu über- tragen, sie wählt««Ine abwartende Stellung und nahm lieber die Schwächen und Nachteile einer Geschäftsregierung unter ihrer aus- schließlichen Verantwortung mit in Kauf. Aus innerer Verantwortung für das Gcfamtvolk, aus der Er- kenntnis, daß vom Staate her der Damm von der Flut der poli- 200 Festnahmen! Waffenfunde bei Hakenkreuzlern- Brennende Litfaßsäulen In der Nacht zum Sonnabend kam es wieder an einigen Stellen der Stadt zu Zusammenstößen zwischen poiltlschen Gegnern, und wenn es der Vollzel auch In den meisten Fällen gelang, die Links- und Rechtsradikalen ohne Blutvergießen auseinanderzubringen, so mußten doch mehere Personen mit hieb- und Stichverlehungen in die Krankenhäuser gebracht werden. In der kommenden Sonntagnacht, der letzten vor der Wahl, wird der polizcischuh und der palrouillendienst In allen Stadtteilen abermals verstärkt. Von der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums wurde in den gestrigen späten Abendstunden im Verein mit einem starken Schupo- ausgebot das Naziverkehrslokal in der Weißen- burger Straße im Norden Berlins, das in letzter Zeit häufig der Ausgangspunkt schwerer Schlägereien gewesen ist, besetzt und noch Waffe» durchsucht. Die polizeiliche Aktion kam so überraschend, daß sich nicht alle der im Lokal anwesenden 56 Personen ihrer Mord- werkzeuge entledigen konnten. Folgende Waffen wurden beschlag- nahmt: eine scharfgeladene Pistole 08. eine Selbstladcpistole mit Munition, zwei Trommelrevoloer mit je sechs Schuß, drei Schein- todpistolcn mit Munition, drei Drolche, Gummiknüppel und andere Schlaginstrumente Zum Teil wurden die Waffen verstreut auf dem Fußboden gefunden. Alle in dem Lokal Angetroffenen, sämtlich Mitglieder der NSDAP, bzw. der verbotenen SA., wurden fest- genommen und im Lastauto nach dem Polizeipräsidium gebracht, wo sie der Politischen Polizei übergeben wurden. tischen und wirtschaftlichen Krise nirgends durchbrochen werden darf und der Faschismus mit aller Kraft zurückgeschlagen werden mußte, duldete die bayerische Sozialdemokratie die politische Taktik der Bayerischen Volkspartei und verzichtete darauf, sie zu durchkreuzen. Am Ende dwses Wohikainpss aber, am 2S. April, steht die Sozialdemokratie vor der entscheidenden Frage, aus welche Weise sie von der parlamentarischen und staatspolltischen Seite her dem Willen ihrer Wählermassen Gewicht und Wirkung verschaffen soll. Dazu ist sie bestimmt in der Lage. Denn das Ergebnis der Präsidentenwahl hat bewiesen, daß in den 2,03 Millionen bayerischer Stimmen für Demokratie und Republik mindestens jene 800 000 Wähler enthalten sind, die vor vier Jahren der Sozialdemokratie mit 34 Mandaten einen starten Erfolg gebracht hatten. Wenn auch durch die Aenderung des Wahlgesetzes und die Abschaffung der so- genannten Landesabgeordneten diese Mandatszisser mit der gleichen Stimmenzahl nicht mehr zu erreichen ist, so haben alle Erfahrungen de- nun zweimonatigen Wahlkampfs die Gewißheit verschafft, daß auch die zahlenmäßig etwas verringerte Stärke der neuen sozial- demokratischen Landtagsfraktion an parlamentarischem Ge- wicht nichts einbüßen wird. Mit diesem Gewicht wird sie sich zuerst für die Bildung einer st arten, handlungsfähigen Regierung ein- setzen, die vom Vertrauen einer zuverlässigen Mehrheit der Volks- Vertretung getragen ist. Sie trifft sich in diesem Willen mit der Bayerischen Volkspartei, deren Vorsitzender das gleiche Ziel als eine Staatsnotwendigkeit der Wahl des 24. April öffentlich verkündet hat. Damit steht fest, daß das IXjährige Interregnum der jetzigen Ge- schäftsregierung nicht verlängert wird: das Gegenteil wäre schon aus verfassungsrechtlichen, für die Sozialdemokratie aber im be- sonderen aus politischen Gründen, unmöglich. Dagegen ist die Zu- sammensetzung der Regierungsmehrheit durchaus offen. Durch den voraussichtlichen Wahlausfall wird die Bayerische Bolkspartei freilich vor die Entscheidung gestellt sein, eine Regie- rung mit oder gegen die Sozialdemokratie zu bilden. Im letzteren Fall braucht sie die aktive oder stille Unter- stützung der Nazis, da zur Wahl des Ministerpräsidenten die absolute Mehrheit van 65 Stimmen notwendig ist. Wie diese primäre Frage der bayerischen Politik, die für das gesamte deutsche Volk von Bedeutung ist, auch gelöst wird, die Sozialdemokratie in Bayern wird alles daransetzen, um den demo- kratischen Staat vor seinen grimmigsten Feinden zu schützen. �aubübersall auf Bankboien. Beute von SSOO Mark.— 1000 Mark wievergefunden. Allona, 23. April. Auf der Fischmarkttreppe wurde heute nachmittag ein Ueber- fall auf einen Boten der Filiale Fischmarkt der Westholsteinischen Bank verübt. Der Bote, der eine Aktentasche mit 5500 M. trug, besand sich auf dem Wege zur Reichsbank. Auf der Treppe wurde er von einem Manne angesallen. Während er und der An- greiser die Treppenstusen hinabstürzten, riß ein Komplize des Täters die Tasche an sich. Beide Räuber entkamen in einem in der Nähe wartenden Kraftwagen in Richtung Hamburg. Unterwegs müssen sie den Wagen gewechselt haben. In einem der benutzten Wogen, der ermittelt werden konnte, haben die Räuber einen der Geldbeutel mit 1000 M. zurückgelassen. Das Ende der„Schmiere". Berlin ist im Theaterwescn immer noch führend. Wo in aller Welt schließt ein eben eröffnetes Theater schon nach dem zweiten Abend ihre Pforten? Nur in Berlin. Die „Schmiere", die sreilich mit ihrer ersten Darbietung einen durchaus negativen Erfolg erzielte, hat nach der zweiten Vorstellung am Frei- tag bereits zu existieren ausgehört. Die Unternehmer haben Schluß gemacht und die Schauspieler liegen wieder auf der Straße. Jetzt gibt es die üblichen Prozesse, und jetzt hört man auch, daß Victor Holländer, der Komponist der Revue, von vornherein gegen die über- hastetete Einstudierung Protest eingelegt hat. Die Goetheausstellung der Staatsbibliothek(„Goethe und die Musik") ist ausnahmsweise, um auch berusstäügcn Kreisen den Besuch zu ermöglichen, am Montag von It— 19 Uhr geöffnet. Deutsche Hochschule für Politik. Die Borlesungen des Sommersemesters beginnen am 25 April: die Aufnahme der ordentlichen Studierenden er- solat in der Zeit vom I"2. April bis zum>>. Mai. Gasthörer werden ,u jeder Zeit aufgenommen Das Vorlesungsverzeichnis kann vom Sekretariat lW. 56, Schinkelplah 6) bezogen werden, das täglich in der Zeit von 9 bis 19 Uhr geössnei ist. I» der Kamera, Unter den Linden 14. wird ab heute„8 1 8 S- M i n- d e r i ä h r! g" und„Kinder vor Gericht gegeben. Das„UT. Kursiirstendamm" wieder«rössnet. Die Ufa eröffnet Sonn- abend von neuem das„UT. Kursürstendamui". Die Staatliche» Museen sind am Wahltag« von 9— 18 Uhr für den Besuch geöffnet. Oer Rügendamm. Straßenbau durchs Meer. Die Geschichte des Rügendammes ist alt. Denn durch diesen im Bau befindlichen Damm wird eigentlich der Urzustand, bei dem Rügen mit dem Festland eine zusammenhängende Masse bildete, erst wiederhergestellt. Was Naturgewalten änderten, das rekon- struiert henk« die Technik. Das Ueberbrückungsprojekt tauchte schon 1841 auf, nahm aber erst 1912 anläßlich der großen Ausstellung in Malmö festere Ge- statt an, da sich zu jener Zeit der Trajektverkehr der Eisenbahn schon als ungenügend erwies. Brücken- oder Dammbau oder sogar Untertunnelung der Ostsee, das waren damals die Fragen, um die man kämpfte. Der Krieg zerschlug alle Pläne. Schon in jenen Jahren hatte der damalige Minister für öffentliche Arbeiten die Zweckmäßigkeit eines Dammes erkannt. Seit jener Zeit ist der Personenverkehr um 100 Proz. und der Güterverkehr um 200 Proz. gestiegen.. Nach langwierigen Finanzierungsverhandlungen zwischen den beiden Jnteresienten, der deutschen und schwedischen Regierung, konnte mit den Vorarbeiten jetzt begonnen werden. Der Damm führt von Stralsund nach dem Nordzipfel der kleinen Insel Dänholm und von dort durch den Bodden nach dem Hafenbahnhof Altefähr auf Rügen. Der erste Teil des Dammes von Stralsund nach Dän> Holm wird in der Mitte unterbrochen durch ein» Brücke, die drei Oessnungen von 50, 26 und 50 Meter erhält. Die Mittelöfsnung dieser Brücke hat 6 Meter Höhe über dem Wasserspiegel und wird mit einer Klappbrücke ausgerüstet. Der Teil des Dammes zwischen Dänholm und Rügen erhält, da dort starke Strömungen auftreten können, zur Vermeidung schädlichen Aufstaues vier Oefsnungen von je 112 Meter Breite und eine fünfte von 50 Meter Stützweite. Der Rügendamm hat eine Gesamtlönge von rund 2,5 Kilo- meter und eine Sohlenbreite von 100 Meter mit einer Verjüngung zur 18 Meter breiten Krone. Aus dieser Krone, die in ihrem höchsten Punkt in der Strommitte 9,4 Meter über dem Mittelwasser liegt, werden«ine doppelgleisige Elsenbahnstrecke, eine Autofahrbahn von 6,6 Meter und ein Fußgängerweg liegen. Das Baumaterial für den Damm wird die Reichsbahn, die das größte Interesse an dem Bau hat, durch Baggerungen beschaffen Sollte die Finanzierung des Baues durch den Sturz der schwedischen Krone noch scheitern, so wird man den Damm durch Fortlassung der Autobahn oder eines Eisenbahngleises verschmälern und ihn dadurch billiger herstellen können. Die Ziele, die mit dem Bau des Rügendamms verfolgt werden, sind verkehrspolitischer und wirtschaftlicher Art. Rügen ist die Brücke für den internationalen Derkehr zwischen den Nordländern und Deutschland. Dieser Verkehr erleidet durch Benutzung der Föhre über die Meerenge des Strelasundes«in« unerwünschte und zeitraubende Unterbrechung. Der seit 1882 mit vier Schiffen be- trieben« Fährverkehr entspricht mit einer Dauer von 45 Minuten nicht mehr den Erfordernissen der Neuzeit. Der neue Damm wird die Eisenbahnoerbindung zwischen Stralsund und Schweden um ungefähr eine Stunde oerkürzen Wenn in einigen Iahren die Elektrifizierung der südlichen schwedischen Staatsbahnen beendet sein wird, dann wird dadurch und durch Benutzung des Rügendamines die Fernverbindung Berlin-Stockholm um etwa vier Stunden ver- kürzt werden können. Das ist wirtschaftspolitisch von allergrößter Bedeutung, da dadurch die geplante Fährschiffschnellverbindung Polens zwischen Edingen und Aarhus(Südschweden) nicht mehr in Wettbewerb treten kann. Ins. M. Grell. wünschen es auch, denn bei der schönen Eisjungfrau geht keinem mehr das Herz auf. Watter R e i s ch versucht durch sein Manuskript einen Ausgleich zu schaffen. In ihm hat Brigitte es sott, immer Filmstatistin zu bleiben. Während einer Aufnahme jagt sie mit einem Auto auf und davon. Sie hält vor einem Luxushotel, wo die Hochstapeleien als Hochkulturen gedeihen. Ein Hochstapler oerhilft ihr unerwartet zu Kleidern, ein anderer verliebt sich in sie und bringt sich dadurch ins Unglück, und ihr Reporter daheim macht aus dem unüberlegten Streich des kleinen Mädchens eine große Sensation. Die Filmfirma nutzt die Reklame aus, und die unbedeutende Statistin kommt noch mal mit einem blauen Auge davon. Karl H a r t l, der Regisseur, läßt spielen. Er schafft einen echten Schauspielerfilm und weicht doch nicht ganz vom rein Filmischen ab, wie das in letzter Zeit leider zur Schablone wurde. Im Gegenteil, die guten Landschaftsaufnahmen sind bei ihm ein wesentlicher Be- standteil seines Spielfilms. Nachahmung sei bestens empfohlen. Rudolf Forster hat, als er bewußt der Polizei in die Hände läuft, ganz große Momente. Man zollte ihm Beifall auf offener Szene, und der war verdient. Lucie Englisch, die als Mit- genommene notgedrungen die Zofe spielen muß, ist immer gleich köstlich. Dabei hat sie immer einen so großen Schnabel wie ein kleiner Spatz. Riesenbeifall erhielt verdientermaßen das Ufa-Sinfonieorchester unter Guiseppe Becce. e. b. Gogol im Vundfunk. Auel München:„Oer?ievisor�. Gogols„Revisor" bewahrte seine unsterbliche Komik nun auch als Sendespielfigur. Vielleicht wirkte er dabei sogar stärker, als es in einer VühnenauMhnlng heute möglich wäre. Denn in dieser wären es die sichtbar hingestellten Typen des vergangenen russischen Zarenreiches, die der Zuschauer belachte: die Worte des Lustspiels ohne bildhaste Anschauung aber schassen eine weitere Welt, rücken das Lustspiel stärker ins Heute, geben ihm etwas von dem lebendig- kritischen Geist, aus dem Gogol es schuf. Die von dem„Revisor" gerupften Beamten sind nicht nur die jeder Korruption und Be- stechung zugänglichen Bertreter eines versunkenen Staatskörpers, sie sind, richtig gesehen, die zur höchsten Potenz gesteigerten Vertreter des unsterblichen Untertans, der dem Vorgesetzten Stiefel leckt und darum von den ihm Untergebenen mindestens das gleiche oerlangt. München brachte die Aufführung, die von dem Deutschtondscnder übernommen wurde, recht wirkungsvoll heraus: nur fetten störten bei der Musikuntermalung kleine Entgleisungen in der Lautstärke. j Robert F o r st e r- Larrinaga führte die Regie mit sicherer Hand. Die nicht leichte Umsortming des Schauspiels in ein Hörspiel gelang ihm ausgezeichnet: der Hörer erlebte das Wert durchaus als Ein- heit. Di« Sprecher umrissen die einzelnen Typen klar und wirkungs- voll, ohne sich zu Uebertretbungen verleiten zu lassen. Des. „Die Gräfin von Monte Christo." Ufa-palast am Zoo. Im entscheidenden Augenblick ist Brigitte Helm keine Dar- stellerin, sondern nur Figur- und Rückenausschnitt. Sie ist die Künst- lerin, die am meisten künstett. Die Ufa, der sie ihren mühelosen Aufstieg verdankt, hat sie als Vompyr festgelegt. Sie selbst aber möchte gern« ein liebendes Weib darstellen. Viele ihrer Freund« LlngarischesArbeitersä'ngerfest verboten! Wo die Faschisten herrschen. Die Arbeitersänger Ungarns hatten für Pfingsten ein Bundes- Sängersest in Budapest vorgesehen. Oesterreichische Arbeiterchöre hatten in größerer Zahl ihre Teilnahme zugesichert. Ebenso waren Vertretungen aus anderen Ländern angekündigt. Die Budapester Polizei hat aber die Veranstaltung nicht genehmigt, und das Mi- nisterium dies Verbot gutgeheißen. Warum? Man befürchtet, daß „extreme und ordnungsftörende Elemente gegen die öffentliche Ord- nung und gegen das Privateigentum Ausschreitungen verüben". In Wirklichkeit wird der Kampf gegen die sozialdemokratische Partei in Ungarn auf die mit der Partei eng verbundenen ungarischen Ar- beitersänger ausgedehnt. Wo der Faschismus herrscht, gibt es keine freie Arbeiterbewegung. Eine Lehre für die deutschen Arbeitersänger: Schlagt mit den übrigen Arbeiterorganisationen zusammen den in Deutschland durch Hitler mobilisierten Faschismus! Am 24. April habt ihr die Möglichkeit dazu. Neue Brunnenvsrgiftung. Oie„Börsenzeiiung' fälscht Keichsdatiner-Aftiker Der Pressereferent des Polizeipräftdiums Berlin, Genosse H a u- dach, udcrinittelt uns nachstehende Erklärung: Die„Berliner Börsenzeitung" vom 2l. April 1332, Abendaus- gäbe, Nr. 18ß, befaßt sich unter der Ueberschrist„Reichsbanner in Not",„Die Bedeutung des Technischen Führers", mit zwei Aufsätzen die ich im Lause des vorigen Jahres in der„Reichsbanner-Zeitung" veröffentlicht habe. Die„Börsenzeitung" bestätigt im ersten Teil ihrer Ausführungen vollinhaltlich den Charakter des„Technischen Führers" des Reichsbanners als einer Anweisung zur Ord- n u n g und Disziplin. Sie muh zugeben, daß meine damaligen Ausführungen über Erfahrungen mit dem Technischen Führer sich lediglich auf straffes und sicheres Austreten des Reichsbanners in der Oefsentlichkeit beziehen. Sie ist nicht in der Lage, aus meinen damaligen Ausführungen auch nur einen einzigen Satz zu zitieren, der über den Charakter von Ordnung!- und Disziplinmaßnahmen hinausginge. Wenn sie aber im Zusammenhang mit meiner Per- son vom Reichsbanner als einer Äampftruppe spricht, die nicht Bater- land und Nation schützen, sondern das Linkssystem auf ille- gale Weise an der Macht halten will, so darf ich als ehemaliger Kriegsfreiwilliger nach mehrfacher Verwundung an der Front zugleich im Namen von Zehntausenden meiner Kameraden eine derartig« Beleidigung zurückweisen. In einem weiteren Teil des Artikels befaßt sich die„Börsen- zeilung" mit einem anderen Aufsatz von mir, der sich mit der Ver- wendung von Radfahrern bei der republikanischen Propaganda des Reichsbanners befaßt. Die„Börsenzeitung" verschweigt, daß der P r o p a g a n d a z w e ck der Radsahrkolonnen ausdrücklich in dem Artikel angegeben wird, und zwar im Hinblick auf die wachsende! Erwerbslosigkeit in der Mitgliedschaft des Reichsbanners,! oie Lastkraftwagenfohrten und Eisenbahnfahrten nicht mehr ge- i stattet. In dem fraglichen Artikel habe ich serner beiläufig die Ausrüstung italienischer Regimenter mit Fahrrädern erwähnt und ausdrücklich dabei festgestellt, daß der militärische Zweck der italie- nischcn Maßnahme den Zwecken des Reichsbanners zuwiderlaufe. Diese für jeden Reichsbannermann selbstverständliche Bemerkung verfälscht die„B ö r s e n z e i t u n g" dahin, als seien die Kriegszwecke der italienischen Maßnahme den i n n e r p o l i- tischen Zwecken des Reichsbanners entgegengesetzt! Diese ver- steckte llnterstellung hochverräterischer und lande s- verräterischer Ziele im Rahmen einer eindeutig klaren Bs- nierkung beweist eine Art der Kampfesführung, deren Beurteilung ich der Oesfcntlichkeit überlasse. Auf die übrigen Unwahrheiten und Berdrehungen in dem frag- lichen Artikel kann ich zu meinem Bedauern im Rahmen dieser Erklärung nicht eingehen. Der Hahnenschwänzler in Moabit. Bon Nazis dem Gericht überliefert Verrat und Feme waren bei den Völkischen seit jeher geläufige Begrisfe. Von Verrat und Feme war gestern auch in einer Schnell- schösfengerichtsoerhandlung Berlin-Mitte die Rede. Auf der Anklagebank faß wegen unbefugten Waffen- b e s i tz e s der Better des österreichischen Heimwehr-Führers Starhemberg, ein früherer„Angrifst'-Redakteur, Posanncr. Gebär- tiger Tiroler, kam er etwa vor vier Jahren nach München, spielte dort in der Hitler-SS. eine Rolle und wurde später Redakteur bei Goebbels. Vor einem Jahr verließ er den„Angrifi" und die NSDAP., weil er, wie er vor Gericht sagte, für s e! n e P a r t e i- genossen zu wahrheitsliebend war. Er ging nach Oesterreich zurück und wurde Hahnenschwänzler bei seinem Vetter Dort harrte seiner zwar eine„große Zukunft", aber als Hahnen- schwänzler war er für seine früheren Gesinnungsgenossen, die Nazis, zum„Verräter" gcwcrden. Sie waren ihm spinnefeind und schworen Rache. Im März betrat er wieder deutschen Boden und hielt sich'n München auf, um. wie er gleichfalls vor Gericht sagte, sein und seiner Frau Barvermögen aus Deutschland nach Oc st erreich zu retten, wo angesichts der zu erwartenden französischen Stützungsaktion ihm das Geld sicherer angelegt schien. Die Nazis wurden ihres früheren Genossen bald gewahr. SS.- Leute mieteten sich in seinem Hotel ein, um ihn besser beobachten zu können. Sie begleiteten ihn sogar im Schlafwagen nach Berlin, und kauin war der Zug in den Bahnhof Friedrichstraße eingefahren, da ließ schon der Führer der Berliner SS., Daläge, ihn verhaften. Man durchsuchte seinen Koffer und fand ganz unten auf dein Boden eine Gasschrcckschußpistole und einen Re- volver. Im Polizeirevier bei der Protokallaufnahme lachte Herr Daläge, der sich in Begleitung zweier SS.-Leute befand, „mephistophelisch", sagte Posanncr vor Gericht.„Ich führte den Revolver bei mir. weil ich schon in Oesterreich meines Lebens nicht sicher mar." Das Gericht verurteilte Posanncr zu IVO Mark Geldstrafe, für die ersatzweise zehn Tage Gesängnis treten, die durch die Unter- fuchungshaft als abgeküßt gelten. Der Vorsitzende ermahnte den Hahnenschwanzträger aber zum Abschied, sich wegen der Ucbcr- Weisung der Bargelder nach Oesterreich besser mit seinem Verteidiger zu beraten, da es in Deutschland außer einer Notoerordnung wegen unbefugten Waffenbesitzes auch noch eine D e v i s e n n o t v e r o r d- n u n g gebe. Vorgehen gegen einen Nazibeamien. Beschluß des Eisenacher Stadtrats. Eisenach, 21. April.(Eigenbericht.) Im Eisenacher Stadtrat wurde am Donnerstag mit den Stim- men der Sozialdemokraten, Kommunisten und Staatsparteiler ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion angenommen, der den Stadtvorstand beauftragt, gegen den Nazi-Stadtarzt Dr. G e i b e l das Dienststrafverfahren mit dem Ziel der D i e n st e n t- l a s s u n g einzuleiten. Geibel hat sich im Präsidentenwahlkamps als hemmungsloser Agitator der NSDAP, betätigt. Staatliche Einrichtungen und den Reichspräsidenten von Hindenburg hat er durch zahlreiche Aeußc- rungcn herabgesetzt und beleidigt. Nie„Custodia" des Zduna-Konzerns. Segeljacht und Ostseevilla als Vermögensanlagen. Daß die I d u n a- G c r m a n i a- Versicherungsgesellschaften dem amerikanischen Großaktionär aus Verficherungsgeldern große Kredite ohne genügende Sicherung gewährt haben, ist bekannt. Die Mißwirt- schait, die in diesem Versi6)eruirgskonzern herrschte, wird durch eine charakteristische Einzelheit noch in da» rechte Licht genickt. Auch der Jduna-Konzern hatte die obligate holländische Gesellschaft mit dem poesievollcn Namen„Helga", diese wiederum eine Tochtergesellschaft mit dem vertrauenerweckenden Namen„C u st o d i a", deren Ge- schäftskreis satzungsgemäß in Vermögensverwaltung und Geschäfts- Vermittlung bestand. Die Custodia, die Bermögensverwaltungsgesell- schast eines Versichcrungskon zerns. hat nun ihr Kapital in folgenden „Werten" angelegt: 1. 2l)lK>C) Aktien der amerikanischen Glengary Minengesellschast, 2. 750 Aktien der Montana Oelgesellschast, 3. lVlXWI Schweizer Franken Anleihe der Stadt Winterthur. 4. eine Segeljacht, S. eine Villa in Horst(Ostseebad). Eine merkwürdige Vermögensanlage für die Gesellschaft eines deutschen Bersicherungsunternehmens: Anteile von unbekannten amerikanischen Oel- und Bergwerksgesellschaften, eine Villa am Ost- seestrand und eine Segeljacht dazu. Der Erwerb dieser Bermögensanlagen dürfte schwerlich mit dem Versicherungsgeschäst in Verbindung stehen. Man kann sie sich nur mit Privatinteressen und Privatallllren der Konzerne erklären. Das R c i ch s a u f f i ch t s a m t als„lieber- wachungsstelle" sollte sich daher schleunigst auch mit dieser„Custodia" näher befassen! Oer Buchdruckereikonflikt. Neue Verhandlungen im Neichsarbeitsministerium. Der am 19. April gefällte Schiedsspruch zur Neuregelung des Reichstarifvertrages der Buchdruckereihilfsarbeiter und-arbciterinnen ist von beiden vertragschließenden Arbeiterorgani- sationen angenoknmen worden. Der Schiedsspruch sieht be- kanntlich eine Verlängerung des bisherigen Tarifvertrages bis zum 30. April 1933 vor. Wegen der bei den Buchdruckern strittigen Paragraphen über die Arbeitszeit, Ueberstundenbezahlung, Sonntagsarbeit und Urlaub soll aus Antrag der Unternehmer Ansang nächster Woche im Reichsardeitsministerium oerhandelt werden. Da diese Paragraphen auch für den neuen Hilfsarbeitertarif in Frage kommen, nehmen an den Verhandlungen iin Reichsarbeits- Ministerium auch die Vertreter der Organisationen der graphischen Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen teil. Kommunistischer„Berek"-(3chwmdel. Karl Oröll und Paul Langner aus der Aufsichtsratssihung. Heute früh ließ die KPD. auf dem Treppenflur der„Berek"- Druckerei ein Flugblatt verbreiten:„Warum geht Euer Direktor Martin mit vollem Gehalt spazieren?" Die Kommunisten bringen es fertig, Martin sowohl als einen Freund der Faschisten,„aber auch deshalb einen Freund der Sozial- demokraten" zu bezeichnen. Den„würdigen Sozialdemokraten" Ackermann und Grosse, den Betriebsräten, wird zum Vor- wurs gemacht, daß sie nicht für den Antrag der Kommunisten auf fristlose Entlassung des Direktors Martin gestimmt hätten. Die kommunistischen Vertreter im Aufsichtsrat, die Herren Karl Dröll und Paul Langner, die ihren Genossen diesen„Tipp" aus der Aussichtsratssitzung gegeben haben, verschweigen einmal, daß das Vorgehen gegen den Direktor Martin wegen seiner offensichtlichen Begünstigung der Hitler-Partei durch die Beschwerden im „Vorwärts" veranlaßt wurde, weiter aber, daß man keinen Menschen verurteilen kann, ohne ihm Gelegenheit gegeben zu haben, sich zu rechtfertigen. In dem Flugblatt wird gelogen, die freien Gewerkschaften, mit ihnen der Gesamtverband, denken nicht daran, die Interessen der „Berek"-Arbeiter„gegen die Direktion, gegen diesen sozialdemokra- tisch-bllrgerlichen Magistrat wahrzunehmen", weil O r t h m a n n vom Gesamtverband gleichzeitig im Vorstand des kommunalen Arbeit- gcberverbandes fei. Mit dieser Dreckschleuder will die KPD. für sich werben! Ant- wartet mit Liste 1! „Angriff"- Lüg'. llm die �andarbeiterhirne zu vcri'-ebeln. In der Rubrik„Roter Adler" brachte der„Angriff" am 22. April einen unglaublich rnimmdreisten Schwindel: „Der Marxismus, also SPD. und KPD., wollen euch Land- arbeiter zu Proletariern machen, zu Sklaven der Stempelstellen. Wir Nationalsozialisten kämpsen dafür, daß ihr wieder das werdet, was ihr bis vor 129 Jahren gewesen seid: bodenverwurzclte Bauern auf eigener Scholle." „Die Landarbeiter sollen wieder Bauern werden." Darum weg mit den ausländischen Wanderarbeitern, die die SPD. ins Land gelassen hat! Den Landarbeitern wird sogar eine beruss- ständige Vertretung, Sitz und Stimme in der Landwirtschastskammer versprochen. Im Hinblick auf„den guten Zweck", in Preußen wieder das Drciklasscmvahlrccht herbeizuführen und das.Herrenhaus, um oie Macht des Junkertums wieder aufzurichten, können die Nazis es sich leiste», ihren Pgs. unter den ländlichen Arbeitgebern scheinbar vor den Kopf zu stoßen, um die Landarbeiter zu betölpeln. Die Sozialdemokratie hat stets die unverschämten Forderungen der Agrarier auf Zulassung von Hunderttausenden polnischen Wander- arbeitern bekämpft und dabei gerade jetzt einen guten Erfolg zu verzeichnen. Es ist eine faustdicke Lüge, daß die SPD. die von den Großagrariern geforderten billigen aus- l ä n d i s ch e n Landarbeiter ins Land gelassen habe. Theater der Wachs. Vom 23. April bis 2. Mai 1932 Volksbühne: Thcatcr am Bülow»!«),: 24., 28.. so. Liliom. 20., 26., 27., 29., 1. Äomiad Kasper. 2. Sturm im Wasserglas. Staakstheater. Etaatsopcr Unter den Linden� 24., 2. Na6il in Pcncdig. 2.V Mast-nb-ll. 26. Aegiiptische Selnia. 27. Falftasf 28. Zlicgendcr H-IIänder. 29.. prchzcit des Figaro.„„ Städtische Oper, Charlmtcnburg: 24. Rlgoictto. 2,>. Asrikonc.in..6�,„8., Z9. Entliihrung aus den, Serail. 27. Troubadour. 29. Macbeth, so. Frieoc» m �Staatliches Schiller. Theater: 24., 26., 1., 2. Cnrano von Bergcrac. 27. Die Journalisten. 28. Nathan der«eise.„ Staatliches Schauspielhaus: 24„ 23., 26., 27.. 28., 30., 1., 2. Die cndloie Strahe. 29. Minna von Sarnhclvu Theater mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Vor Sonnenuntergang.— Deutsches Ztünstlcrtheater: Bis 28 Faust l. Ab 29. Die Braut von Torozlo.— Theater in der Stresewa»»- strastc- Der Mustergatte.— Metropol-Theatcr: Zirkus Äimcc.— Lustipiclhaus: Abenteuer in Marokko.— Theater im Admiralspalast: Lisclott.— Komische Oper: Für eine sachne Frau...— Großes Schauspielhaus: Die schöne Helena. — Lessinq, Theater: Maria Stuart.— Theater am Noll-ndorsplaß: Traum einer Nacht— Zeatral-Theatcr: Der Iurbaro».— Berliner Theater: Spinne im Nch— Die Tribüne: Bis 27. geschlossen. Ab 28. Wetter für morgen ocr. ändcrlich.—»leine-, Theater: Ganoven-Chre— Renaissance-Theater: Hier irrt Goethe.— Theater in der Bedrenstraße: Der Mann mit den grauen Schläfen.- Rosc-Theater: Die Frau, die jeder sucht. 1. 21 Uhr. So ein Model. (Dos Ertcmporale.)— Cossno-Theater: Pcppina.— Plaza: Bis 30. Der Bogel. handler. Ab l. Schön ist die Welt.— Skala: Internationales Variete.— Wintergarten: Varicte.Revuc.— Rcichshallcn-Thcatcr! Stettiner e-änger. Nachmittagsvorstellungen: Theater am Nollcndorsplati: 24.. 1. Traum einer Rocht.— Rose-Tbcater: 23., 26., 28.. 29. I7>:. Uhr. Nicht vor den Leuten. 27. 39. 18 Uhr. 1. 4a und 18 Uhr. Die Frau, die jede, sucht.- Plaza: Bis 30. Der Bogclhandlcr. Ab 1. Schön ist die Welt.— Skala: Internationales Variete.— Wintergarten: 24., 30., I. Bariet«-Nevue.— Reichs hallen'Theater: 24., 1 Stettiner Sanger. Erstaufführungen der Woche: Dienstag. Städtische Oper: Die Entführung aus dem Serail.— Freitag. S ch i I l c r. T h c a t c r: Die Räuber.— Deutsches Künstler. t h c a t e r: Die Braut von Torozko. Lvnnnbenlt, den 23. April. Berlin. 16.05 Orchesterkonzert. 18.00 Die Erzählung der Woche.(Dr. Lutz Weltmann.) 18.30 Prof. H. Schumacher: Die Nationalökonomie in der Zeit von 1789—1815. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Johann Sebastian Bach: Markus-Passion(Fragment). Dir.: Maximilian Albrecht. 19.40 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.45 Zehn Minuten Sport.(Erich König.) 20.00 Eine Stunde Mischa Spoliansky. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Eine Stunde Johann Strauß 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Kapellmeister A. Schröter; Die Entwicklung des Grammophons und der Schallplatte. 17.30 Dr. Kunert: Unser Brot. 17.50 Ob.-Ing. Nairz: Viertelstunde Funktechnik. 18.05 Günther; Deutsch. 18.30 Prof H. Schmiedel: Die geistige Situation der Zeit. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.30 Pfarrer Practorius; Das Rätsel des Leidens. Sonntag, 24. April. Berlin. 6.45 Funkgymnastik. 8.00 Für den Landwirt. 9.35 Wettervorhersage. 9.50 St. Katharinen-Kirche in Danzig: Gottesdienst.— Stunden-Glockenspiel der St. Katharinen-Kirche. 11.05 Elisab. Teichgräber erzählt Märchen. 12.10 Rudolf Habetin liest eigene Gedichte. 15.15 Robert Schumann. Spanisches Liedcrspiel. Ein Zyklus von Gesängen für eine und mehrere Singstimmen mit Klavierbegleitung. 15.45 Begegnung mit einer Sirene(Paul Eipper). 16.10 Unterhaltungsmusik. 18.00 Herbert Schlüter liest eigene Prosa. 18.30 Radfernfahrt Berlin— Kottbus— Berlin. Start und Ziel(Schallpl.). 19.00 Orchesterkonzert. 22.00 Wetter, Nachr., Sport. Während des Abendprogramms: Bekanntgabe der Wahlresultate. König's Wusterhausen. 7.00 Hamburg; Hafenkonzert. 9.00 Karl Förster: Der Garten im Frühling. 9.50 Königsberg: Gottesdienst 11.30 Leipzig: Bach-Kantate. 12.20 Breslau: Konzert. 14.15 Lehrer W. Richter: Ein Wort an die Eltern. 14.45 Mühlacker: Deutsche Waldlauf-Meisterschaften. 15.15 Dr. E. Cohn-Wiener: Der künstlerische Weg des 18. Jahrhunderts. 15.35 H. M. Elster: Langbehn, der Rcmbrandtdeutsche. 15.55 Max Meli:..Der Tänzer von St. Stephan".(Gelesen von Margarethe Joki.) 17 50 Getrennte Weltanschauungen— Gemeinsame Politik(Mehrgespräch). 84. Abk. Ausgabe des W a h l m a t e r i a l s am Sonntag um 6.30 Uhr. nicht?. 30Uhr, bei Lehmann, Kaijer-Wilhelm-Str. 29-31. Nicht zur Wahl eingeteilte Mitglieder melden sich ebenfalls bei Lehmann. Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt und wieder etwas kühler, einzelne Schauer, südwestliche bis westliche Winde.— Zur Deutsch- land: Äm Osten noch keine wesentliche Aenderung, im Westen und Süden leicht veränderlich und etwas kühler. Verantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SM 68. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. MfiAJW/n tyjs SCHONE HELENA Tag I ic h 8 Uhr MAX REINMx�RJDT IIMJZEMIERJIMO pi» Aza : HalK icnieiTüd ba,8!5,Stgs.2,S,Bi5U. E 7 Weichs. 4031 P.rVot�h«ndlM Rose- Theater ircle fnokfertir SlnBs 131 lel. Wild»« E 7 342> 6 und 9 Uhr Die Frau, die leder sodu CÄSinO- THEATER � Lothringer Strafcc 37. ii iiiniiiMiiiiiiiniiii iiiiiiiii (irroMser Preis-Abbau I Auch Sonn abend u. Sonntag: Park, u Rang Seite nur 0.50. Faut. u. Rang Mitte 0.75, Sperrsitz u. Balkon 1.—, Logen u. Sessel 1.50. Der Operetten-Sehlager; RiKin-Biifilll Man amüsiirt lild flr«nig Gild! BETRIEB if* KEMPIHSIfliM VoiKsDUhne Thealei am BOInwalatz 8 Uhr „Liliom" mit Hans Albers Staat!. Sdilller-nieater 8 Uhr Naflian der Weise Theater a.noiiendorlpiatz Pallas 7051 Nur nodi wenige Tage! SV, Uhr, Stg. 40, Uhr TraumeiiierNaelit Operette in 3 Akten Regle: tfeinr Saltenbnrg Rundfunlsh. halttPr Stgs. 4% Uhr kl. Pr. TELA DER UNZERSTÖRBARE NEUZEITL. FASERSTOFF SCHAFFT GESUNDE, BEHAGLICHE WOHNRÄUME IM KLEINSIEDLUNGS- U.LAUBENBAU DURCH ISOLIEREN DER WANDFLÄCHEKDECKEN,»! n DÄCHER, FUSSBODEN MIT I ELM ANFRAGEN U. 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