ohne Mehrheit! Das Volk will weder Harzburg noch Hitler Rechnen hilft nicht! Auch wenn man alles zusammen- kratzt, was an rechtsbürgerlichen Resten übrig geblieben ist. gibt es keine Harzburger Mehrheit.„Das Volk will euch nicht mehr!" war die Sturmparole gegen Weimar. Und richtig, es gibt keine Mehrheit der Weimarer Koalition. Außerdem aber gibt es noch verschiedenes anderes, w a s d a s V o l k n i ch t w i l l! Es will kein Harzburger Regi- m e n t, denn es hat der Rechten die Mehrheit oersagt, und es will erst recht kein Hakenkreuzregiment, denn von je 1000 Wahlern haben nur 355 für Hitler gestimmt, aber 645 gegen ihn! Dos Volk hat am 24. April sowohl der gesointen Rechten wie erst recht der Nationalsozialistischen Partei die Bollmacht zur Regierungsübernabme verweigert. Neben diesem klaren staatsrechtlichen Tatbestand aber übt das Entstehen der großen bürgerlichen Einheitspartei, MSDAP. genannt, als politisches Faktum seinen starken Einfluß. Eine Partei hat ein Recht zu regieren erst dann, wenn sie die Mehrheit hat oder eine Mehrheit bildet— aber ohne Rücksicht auf staatsrechtliche Erwägungen kann es ein Gebot der politischen Klugheit sein, sie an die Macht heranzulassen, noch ehe sie Mehrheit geworden ist. Nur muß sie dann wirklich eine politische Partei sein und nicht eine bloße Abenteurer- bände, nur muß man das Vertrauen haben, daß sie die in ihre Hände gelegte Macht nicht zu ungesetzlichen, verfassungs- widrigen Zwecken benützen wird. Dieses Vertrauen hegen wir gegenüber der NSDAP, in keiner Weise, es besteht also für uns kein Grund, ihr frei- willig eine Position einzuräumen, die sie im Wahlkampf ver- geblich zu erringen versucht hat. Gegenüber einer Regierung der Nationalsozialisten oder mit den Nationalsozialisten gibt es für uns nur die allerschärf st e Opposition. Jeder Gedanke daran, sie irgendwie zu tolerieren oder ihre Ent- stehung stillschweigend zuzulassen, scheidet für uns Sozialdemokraten von vornherein vollständig aus. Herr K u b e, der Stellvertreter Hitlers in Preußen, sagt in einer Erklärung, der preußische Ministerpräsident werde „von Hitler bestimmt" werden. Das ist ein staatsrechtlicher Irrtum. Der preußische Ministerpräsident wird vom Landtag gewählt und zwar— nach der jetzt abgeänderten Geschäfts- ordnung— mit absoluter Mehrheit. Will Herr Hitler, daß sein Kandidat Ministerpräsident wird, so wird er nicht nur dix kleine Hugenberg-Partei und die übrigen Rechtssplitter, sondern auch das Zentrum bitten müssen, ihm seine Stimme zu geben. Der Aufruf des Zentrums, den wir an anderer Stelle wiedergeben, schließt die Möglichkeit, daß einer solchen Bitte willfahrt würde, nicht von vornherein aus. Man muß also damit rechnen, daß es zwischen dem Zentrum und den Nazis zu Verhandlungen über die Regierungsbildung kom- men wird. Diesen Verhandlungen vorzugreisen liegt weder in unserer Macht noch in unserer Absicht. Nur soviel kann dazu gesagt werden: Sollten diese beiden Parteien mitein- ander einig werden, so müßte zum mindesten eine von ihnen ihr Wesen sehr stark verändern Das Produkt einer solchen Einigung könnte von der Sozialdemokratie nur mit dem allerschärf st en Mißtrauen betrachtet werden— denn was dabei herauskäme, könnte nur das allerreaktionärste Bürgerblockregiment sein, das Deutschland jemals erlebt hat. Solange eine neue versassungsmäßige Regierung nicht ge- bildet ist. muß die alte Regierung die Geschäfte weiterführen. Es ist selbstverständlich, daß sie demissionieren muß, es ist aber ebenso selbstverständlich, daß sie nicht davonlausen kann. Der alte Tteuennann kann das Schiff nicht verlassen, bevor ein neuer an seinem Platz steht— er kann es um so weniger, als die Fahrt mit jedem Tag schwieriger zu werden droht. Um nur von einem zu sprechen— die F i n a n z s ch w i e r i g- leiten, die sich naturgemäß mit der Fortdauer der Krise nerschärjen, erfordern, daß zu jeder»stunde eine a k t i o n s- säbige Preußen regier ung vorbanden ist, die im E'nverständnis mit der Reichsregicrung die notwendi- gen Maßnahmen ergreift. Das Verbleiben im Amt bis zur Bildung einer neuen Oer neue Landtag. Keine Mehrheit der Rechten. Tic Verteilung der Mandate im neuen Landtag ergibt das folgende Bild: Sozialdemokraten. SU Nationalsozialisten ltiZ Zentrum.... ß7 Tcutschnationalc. 31 Staatspartci.. 2 Volkspartei... 7 Kommunisten.. 57 Ehristlich-Sozialc. 2 1 219 Hannoveraner 203 Tic Mehrheit von 122 Abgeordneten ist 212. (*inc Mehrheitsbildung ist theoretisch nur mög- lich, wenn das Zentrum eine Koalition mit den Nationalsozialisten eingehen würde. Die Listenverteilung der Mandate. Die Verteilung der zum Preußischen Landtag neuaewäblten Abgeordneten auf die einzelnen Listen ist folgendem Gesamtzahl der Abgeordneten: 422. a) Direkt gewählt: 350. d) Durch Verbindungen in den Wahlkreisoerbänden gewählt: 31. c) Noch der Landesliste gewählt: 41. Die Verteilung auf die einzelnen Parteien ist folgende: -I> dir.« d> Listen- c) na» zu- ' Verbindung Landestiste sammen Sozialdemokraten.... 82 6 5 93 Deutschnotionale..... 19 4 8 31 Zentrum........ 53 7 5 67 Kommunisten...... 45 7 5 57 Deutsche Volkspartei...— 4 3 7 Staatspartei......— 1 1 2 Rotioralsozialiften.... 149 1 13 162 Deutsch-Hannoveraner..— 1— 1 Christlich-sozial. Volksdienst— 11 2 Alle übrigen Parteien haben weder in einem Wahlkreis noch in einem Wahlkreisoerband die erforderliche Stimmenzahl erreicht. Regierung ist für jedes Mitglied des preußischen Kabinetts unter den gegebenen Umständen ein ungeheures persönliches Opfer. Es wird ihnen auch neue Angriffe einbringen. Aber dieselben Leute, die morgen schreien werden, daß die Regie- rung„klebt", würden übermorgen gegen die Regierung die ollerschwersten Vorwürfe erheben, wenn sie Amt und Pflicht vorzeitig verließe! Also: Es werden Verhandlungen über eine neue Regie- rung geführt werden. An diesen Verhandlungen wird die Sozialdemokratie in keiner Weise beteiligt sein. Sie werden aller Wahrscheinlichkeit nach lange dauern, und solange sie zu einem positiven Ergebnis nicht geführt haben, bleibt es Pflicht der in die Minderheit gedrängten Weimarer Koalition, die Geschäfte weiterzuführen. Nur so kann eine ruhige Linie der Entwicklung gewahrt wer- den, deren Unterbrechung durch Gewalt tätigkeiten irgendwelcher Art weder vom Staat noch vom Reich geduldet werden kann! Wachsamkeit, Kaltblütigkeit, ungebrochene Kampfesfreude bleiben bei der S o z i a l d e m o k r a- tischen Partei. Nicht zum erstenmal ist es diesmal ge- schehen, daß die reaktionäre Welle über Bord schlug. Bei den Maiwahlen zum Reichstag 1924, die gleichfalls Krisen- wählen waren, wurden die Deutschnationalen mit 106 Man- daten stärkste Partei. Was man heute Harzburg nennt, hatte im ganzen 146 Mandate, die Sozialdemokratie nur 100. Vier Jahre später, bei den Wahlen von 1928, war die Sozial- demokrotie schon wieder so stark geworden, daß ihr die Füh- rung der Reichsgeschäfte nicht verweigert werden konnte. Die Sawpssignale dröhnen: Alle» her zur Sozial- demokraste! Das amtliche Ergebnis. Das vorläufige amtliche Endergebnis für die Wahl zum preußischen Landtag lautet wie solgl: Stimmen lliandaie Sozialdemokraten.......... 4 674 943 93 Dcutschnalionalc Volksparlei...... 1 524 931 31 preußische Zenlrumspartei....... 3374 413 67 kommunistische Partei Dentschlands.... 2819692 57 � Deutsche Volkspartei......... 330 807 7 Volksrechtporlei........... 44 119 1 wirtschaslspartei........... 191 032— Deutsches Landvolk.......... 153 562— Zunge Rechte............ 13 942— Deutsche Staatspartei......... 332 44t 2 Nationolsozialtflische Deutsche Arbeiterpartei. 8 008 219 16? Deutsch-Hannoversche Partei....... 63 803 1 Christlich- Sozialer Volksdienst...... 255 068 2 Sozialistische Arbeiterpartei....... 80 437— Radikaler Rlilletstand......... 9 949— Rationale Sammlung......... 6 515— Znteressengemeinschast der Steinrentner usw.. 25 518— polnische Volkspartei......... 57 731— Rationale Beamte, Angestellte u. freie Berufe 3 885— Haus- und Landwirtepartei....... 67 405— Großdeutsche Liste Schmalix....... 4 570— Rationalistische Deutsche Arbeiterpartei... 11 592— Preußisch-Litauische Volkspartei..... 363— Schleswigs che Heimat......... 2 301— Partei der Erwerbslosen........ 3 461— Deutsche Einheitspartei......... 1 329— Es sind insgesamt 22 069 849 güllige Stimmen abgegeben worden.— Die Wahlbeteiligung betrug 81 proz. Hitler biedert sich an. ErNärung des Zentrums- Vorstands. In einer Erklärung des von Hitler für die preußischen Wahlen bestimmten Wahlleiters Kube heißt es. daß die N a ti an a l s o z ia- listen bereit seien, mit jedem zusammenzuarbeiten, der ein „nationales", von sozialistischem Gerechtigkeitssinn erfülltes und von kräftigem Geist veredeltes Preußen will. Niemand würde von den Nationalsozialisten von der Mitarbeit zurückgewiesen(!) werden. Der neue preußische Ministerpräsident werde von Hitler bestimmt. In einer Kundgebung des Vorstandes der Preußischen Zenlrumspartei heißt es wörtlich: „Die neugewählte Zentrumsfraktion in Preußen wird ent- sprechend dein Aufruf zu Beginn des Wahlkampses getreu dem Programm und der Ueberlieserung der Gesaintpartei auch im neuen Land das Ziel ihrer Politik in der Ausrechterhaltung christlich- deutscher Volkskultur und einer gesunden Volksdemokratie sehen. Sie ist bereit, mit allen Parteien zusammenzuarbeiten, die auf der Grundlage der Verfassung dem Wohle des ganzen Volkes zu dienen entschlossen sind. Die Zentrumsjraktion wird sich jedoch in Zukunft mit aller Kraft weiterhin Bestrebungen widersetzen, die Staat und Verwaltung einer einseiligen parteidiklaiur ausliesern wollen und damit Ruhe und Ordnung und eine förderliche Reichs- Politik gefährden würden." pressestimmen aus dem Reich. Die„S ch l e s i s ch e V o l k s z e i t u n g", das führende Organ des schlesischen Zentrums, beurteilt das Ergebnis des Wahlkampses in Preußen wie folgt: „Das staatspolitische Ziel des Wahlkampfes ist nicht erreicht. Eine arbeitsfähige Mehrheit ist nach dem preu- ßischcm Wahlkampf nicht zu ersehen. Das ivesentliche des Wahlkampses aber ist, daß die Systembekämpfer. die Gegner Brünings in Preußen eine schwere Niederlage erlitten hoben. Die ruhige und stete Politik, die Preußen mehr als 10 Jahre geführt Hot, ist durch das völlig unentschiedene Ergebnis in Frag« gestellt, es sei denn, daß das Reich im Zntereste de» ge- samten deutscheu Volke» die schleifenden Zügel des größten deutscheu BERLIN Mittag 25. April 1932 10 Pf. Jir. 193 B 97 49. Lahrpana Erscheinttäglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts� BezugsvretS fü» beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3,25 M. vro Monai (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus lahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebübren. SficUaabgajße xlßk„\Jofuhjif46 Anzelgenpret» Die elnspalttge Mtlltmeterjelle 50'Pf. Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto. Vorwärts- Lerlag G.m.b.H., Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anjetgen vor' Redaktton und Ervedttton: Berlin SW 68. �indenstr 3 Ferns precher: Dönhoff(A 7) 292—297 Landes kraftvoll in die Hände nimmt und die Fortführung der bis- herigen Politik garantiert." Die„Frankfurter Zeitung" äußert sich über die Möglichkeiten der Fortführung der Regierungsgejchäfte: „Es wird nicht leicht sein, so ganz ohne Mehrheit im neuen Landtag die Geschäfte weiter zu führen, aber es wird erst recht nicht erlaubt fein, die Geschicke Preußens und damit unter Umständen Deutschlands einer revolutionären Massenpartei zu überlassen, die es eben noch nicht vermocht hat. eine Mehrheit für sich und ihre etwaigen Hilfsvölker auszubringen." Morgen Kabinettssitzung. Die preußische Regierung berät. Das preußische Kabinett tritt am Dienstag- morgen, 1t Uhr, zu einer Kabinetts sitznng zusammen, um über die durch den Wahlausgang geschaffene Lage zu beraten. Alle Mitteilungen, die jetzt schon über die voraussichtliche Haltung der preußischen Regierung wiedergegeben werden, sind natürlich Kombinationen. Wir geben die folgende Metdung wieder: „Es verlautet, daß die preußische Staatsregierung Braun auf Grund des jetzt vorliegenden Landtagswahlergebniffes in diesem Zeitpunkt selbstverständlich nicht zurücktreten werde, da der Rücktritt verfassungsmäßig doch nur dem Landtags- Präsidenten mitzuteilen wäre und dieser daraufhin die Wohl eines neuen Ministerpräsidenten veranlassen müßte. D i e Rücktritts- crklärung der Regierung Braun kann also nur gegenüber dem neuen Landtagspräsidenten er» folgen. Der alte Landtag besteht, da seine vorherige Auslosung nicht ersoigt ist, noch bis zum 20. Mai. Spätestens noch 30 lagen. also spätestens am 19. Juni, würde demzufolge erst der neue Landrag zusammentreten und einen neuen Landtagspräsidenten wählen können. Man beurteilt im übrigen die neue Lage so, daß sich im neuen Landtag höchstwahrscheinlich keine arbeitsfähige Mehrheit finden werde. Sollte ober keine Mehrheitskoalition und dem- zufolge auch nicht eine Mehrheit für einen neuen Ministerpräsidenten gefunden werden, so würde das Kabinett Braun, das vorher dem neuen Landtagspräsidenten seinen Rücktritt erklärt haben würde, als geschäftsführendes Ministerium im Amte bleiben. Eine Koalitionsbereitschaft des Zentrums mit den Nationalsozialisten bezweifelt man mit dem Hinweis auf Hessen. Ein geschäftssiihrendes Ministerium auch in Preußen würde, so meint man, durchaus nichts neues darstellen, da Bayern und Sachsen und seit dem vorigen Jahre auch Hessen gleichfalls durch geschäfts- führende Ministerien verwaltet worden feien bzw. verwaltet werden. Gesetze von irgendwelcher Bedeutung würden allerdings vermutlich im Landtag keinerlei Mehrheit finden. Sollte sich wirklich in Preußen keine Mehrheit finden, so würde dies in der gegenwärtigen Zeit des Regierens durch Notoerordnungen des Reiches eine grundlegende Verschiebung des bisherigen Verhält- nisses zwischen Reich und Ländern ergeben. Vor den Wahlen hieß es allgemein:„Wer Preußen hat, hat das Reich!" Nach dem Er- gebnis dieser Wahlen würde, falls sich wirklich keine arbeitsfähige Prsußenkoalition finden ließe, die Parole unter Umständen um- gekehrt werden können: Wer das Reich hat, hat Preußen, und, sosern die Verhältnisse in anderen Ländern genau so liegen wie in Preußen, auch die übrigen Länder. Wahlkreis Potsdam!!. Sechs sozialdemokratische Mandate. Dos berichtigte vorläufig amtliche Endergebnis für den Wahl- kreis Potsdam II lautet: Reichstagswohl Sozialdemokraten..... 321 500 Stimmen(285 700) Deutschnationale..... 121 200„(164 200) Zentrum........ 45 700( 37 700) Deutsche Volkspartei u. Volks- rechtsportei...... 16 700..( 58 800) Kommunisten...... 196 400„(217 900) Landvolk........ 8 000„( 9 3001 Staatspartei....... 48 700„( 76 800) Nationalsozialisten.... 372900„(184000) Christlich-Sozial..... 6 300„( 11 900) Danach hat die Sozialdemokratische Partei im Wahlkreis Pots- dam II sechs Mandate erhalten. * Aus den Abteilungen tragen wir noch folgende Wahl- resultate, die uns erst heute zugingen, nach: Abk. 86. TTCarlendors: So,. 5512. vnat. 1346. Zenlr. 474. fiDD.3716. volksp. 142. Skoa sp. 621. Natsvj. 5064. Ehr. Soz. 83. SAP. 82. Die Enttäuschung der KPO. Stärker zurückgegangen als die Sozialdemokratie. Die Kommunistisch« Partei halte ihre Rechnung darauf gestellt, daß es ihr gelingen würde, der Sozialdemokratie erhebliche Wähler- massen fortzureißen. Diese Rechnuno hat sich als völlig falsch er- wiesen. Die Kommunistisch« Partei büßt gegenüber der Reichstagswohl rund 10 Proz. ihrer Stimmen vom 14. September 1930«in, die Sozialdemokratische Partei dagegen nur 6.7 Proz. Die kommunistischen Stimmziffern in Tausenden zeigen folgende Entwicklung: Preußen Gr.-Berlin. Landtagswahl 1928........ 2238 611 Reichstagswahl......... 3142 7-39 Präsidentenwahl, 1. Wahlgang... 3280 685 Präsidentenwahl, 2. Wahlgang,.. 2441 573 Landtagswohl 1932........ 2820 648 Die Hofsnungen auf den Einbruch in die Front der sozialdemo- ki al. scheu Arbeiter sind also gründlich enttäuscht worden. Die an kleinbürgerliche Haß-nslinkte appellierende Agitation und die zermürbende Wirkung der Wirtjchastskrise hat nicht den Kommu- nisten, sondern nur den Nazis genützt. Die verlorenen Stimmen der SAp. Die vor Jahresfrist unter Führung von Seydewitz und Rosen- seid von der Sozialdemokratie abgespaltene SAP. hat es bei der P eußinmrhl auf insgesamt 80 437 Stimmen gebracht. Da sich diese Stimmen in Paste» zu wenigen Tausenten auf die einzelnen Wahl- kreise verteilen(die Höchstzifser der SAP. wurde noch im Wahl- .kreis Breslau mit etwa 14000 erreicht), so entsällt auf sie ein Die sozialdemokratische Fraktion Wer ist in den neuen Landtag gewählt? Wir geben im folgenden einen Ueberblick über die neue sozial- demokratische Fraktion. Es wurden gewählt: Ostpreußen— 5 Mandate: Otto Braun, Ferdinand Mertins, Wilhelm Weidemann, Toni Wohlgemuth, Paul Schulz- E l b i n g. Berlin— 7 Mandake: Otto Meier. Erich Kuttner, Gertrud Hanna, Georg Maderholz, Kurt Weiner, Helene Schmitz, Max Heydemann. Potsdam II— 6 Mandate: Hermann Harnisch, Luise Köhler, Max Fechner, Robert Bredow, Georg Klaußner, Paul Becker. Potsdam I— 7 Mandate: Emil Stahl, Elfriede Ryneck, Wilhelm Krüger, Paul Szillat, Johann Bauer. Adolf Wuschick, Heinrich Witt-Brandenburg Zranksurk/Oder— 4 Mandate: Wilhelm Paetzel, Ernst Heil- mann, Oskar Wegener-Frankfurt/Ode�. Hedwig Wachenheim. Pommern— 4 Mandate: Theodor Hartwig, ArthurZabel- Stettin, Richard Schallock, Karl Kirchmann. Breslau— 5 Mandate: Wilhelm Winzer, Erhard Janotta, Dr. Ernst Hamburger, Karoline Kunert, Wilhelm Schößler. Liegnih— 4 Mandate: Max Simon, Paul Lehmann-Hirsch- berg, Hildegard Wezscheider, Bruno Fehlisch-Liegnitz. Oppeln— 1 Mandat: Julius Franz. Magdeburg— 5 Mandake: Minna Bollinann. Ernst Branden- bürg. Ernst Wittmaack, Karl Blum, Hermann Kasten. Merseburg— 3 Mandate: Paul Franken, Alex Möller. Rein- hold Drescher. Erfurt— 1 Mandat: Johannes Kleinspehn. Schleswig-Holstein— 5 Mandate: Toni Jensen, Paul Bugdahn, Jürgen Jürgensen, Hermann Peters, Gert Rickers. Weser-Ems— 1 Mandat: Walter Bubert. Ost-hannover— 3 Mandate: Carl Gehrmann, Wilhelm Bran- des, Berta Kröger. Süd-Hannover— 6 Mandate: Robert Leinert, Rosa Helfers, Karl Stephan. Albert Behrens, Johannes Lau. Mestfalen-Rord— 3 Mandate: Carl Severing, Carl Berg, Mathias Jakobs. westsalen-Süd— 5 Mandate: Franz Klupsch, F r a n z B o g t- Bochum, Wilhelm Hansmann, Nikolaus Ofterroth, Walter Freytag-Herdecke. Hessen-Nassau— 6 Mandate: Erik Nölting, Karl Kraft. Paul Röhle, Karl Rehbein, Friedrich Hosacker-Kassel. Berta Jourdan. Söln-Aachen— 2 Mandate: Philipp Fries, Michael Schröder- Köln. Koblenz-Trier— 1 Mandat: Joseph Kleinmeyer. Düsseldorf-Ost— 3 Mandate: Peter Berten, Sofie Christmann, Hermann Meyer. Düsseldors-Ivest— 1 Mandat: Fritz Lewerentz. Lanideslisle— 5 Mandate: Albert Grzesinski, Adolf Grimme, Otto Hörsing, Benno Chajes, Willy Drügemüller. Die Abgeordnelen, deren Namen gesperrt sind, kommen neu in den Landlag. Llnerwarteies Echo. Das war Hugenbergs Forderung: JlerHner Illustrierte XAaoafe Waehtausgabe im I Zahzelang haben m auf fcicfcn Tag geivariei: :>'X. Und so schallt es zurück: 1928 82 deutfchnationale Abgeordnete 1932: 31 Verlust Hugeubergs 51 Mandate' Mandat nicht. Zusammen mit unverwerteten Reststimmen der Sozialdemokratie für Liste 1 abgegeben, hätten diese Stimmen der Linien einen Zuwachs von 2 Mandate:, gebracht, an sich nicht viel, aber doch bedeutungsvoll in einer Situation, in der es auf jeden Parlamentssig ankommt. Satt dessen sind die 80 000 SAP.-Stim« men nutzlos verzettelt, und die Wähler der SAP. können als ein- zigen Erfolg für sich buchen, daß sie im Entscheidungskamps gegen den Faschismus die antifaschistische Linke geschwächt und so den Faschismus gestärkt haben. Die Wahlen in Oesterreich. Am gestrigen Sonntag wählten außer Wien und Riederäster- reich noch weitere Bundesländer Deutschösterreichs. Die sieg- reiche Behauptung der sozialdemokratischen fast Zweidrittelmehrheit im Wiener Rothaus und das Ende der christlichsozialen Mehrheit Im niederösterreichischen Landtag haben wir bereits in unserer Sonderausgabe berichtet. Ohne die nutzlos« Opferung von 20 800 Wiener Arbeiterstimmen für die nach wie vor manoatlos« Kommunistenpartei wäre die rw« Zweidrittelmehrheit nun erreicht. Die Mossenflucht christlich- sozialer Wähler zu den Hakenkreuzlern bringt diesen 15 Wiener Gemeinderatssitze, zwei Wiener Stadträte und kostet die eigentliche Bürgeipartei auch Sitze im Bundesrat. Die Hakenkreuzler nehmen den Ehristlichsozialen außerdem Posten in den Landesregierungen Rlederösterreich und Salzburg ab. In Steiermark(ohne die Hauptstadt Graz) und in Körn- t e n wurden die Gemeinderäte neu gewählt. Im steirischen Eisen* bergbaugebiet raubte der Heimwehrterror oer Alpinen Monmnge- sellschaft(Filiale des reichsdeutschen Stahlwertsverbandes) der So- zialdemokratie Mandat«. Auch in Kärnten hat kommunistische Zer- splitterungsarbcit die proletarische Sache geschädigt. Auf Kosten der bürgerlichen Parteien gewannen die Hakenkreuzler Mandate. , Nombenaiten at am Wah'vorebsnd. In der Nacht zum Sonniag wurde in Andritz bei Graz ein Bombenanschlag verübt. Als Bürgermeister Hokstrasser in Be- gleitung des Gemeindcrats Rubian von einem Gasthausbesuch heim- kehrten, explodierte eine Bombe, die beide in Stücke riß. Sämtliche Fensterscheiben des Hauses wurden zertrümmert. Vom Täter fehlt jede Spur. Obwohl der 72jährige Bürgermeister jeder politischen Bewegung schon seit Jahren fernsteht, oermutet man einen terroristischen Anschlag, der vielleicht dem. Gemeinderat gegolten hat. Tarnung. Unter Bmisiinq aus den polnischen Prsssefcldzug— und wahrscheinlich auf Zuspruch der Rechteregier.ma— hol die Danzigrr Razileitung das Uniformtragen auf den Straßen verboten. Dieses Verbot soll gelten, bis die Ober-Pgs. vom Wahlkampf in Preußen nach Danzig zurückgekehrt sind. DerWahleindruck an der Börse Nach schwächerem Beginn durchaus freundliche(Stimmung. Die heutige Berliner Börse hat das Ergebnis der Preußenwahlen auffallend ruhig hingenommen. Die Zahl der national- sozialistischen Sitze hat hier auch insofern nicht überraschend gewirkt, da man schon in den letzten Tagen vor der Wahl allgemein mit einer ähnlich hohen Fraktionsstärke der Hitler-Leut« im neuen preußischen Landtag gerechnet hatte. Der Aktienmarkt eröffnete zunächst schwächer, erholte sich jedoch nach verschiedentlichen Schwantungen sehr schnell, so daß viel» fach schon vor 1 Uhr die S ch l u ß k u r s e wieder erreicht wurden. U. a. setzten JG.-Farben mit 88 gegen 90 Proz. ein, erreichten jedoch sehr bald 89)4. Kaliwerte Burbach lagen von Anfang an etwas fester als am Sonnabend und eröffneten mit 31 gegen 29 Proz. Ilse notierte 76 gegen 7614. Sehr fest lagen Mannesmann, die von 32)4 bis auf 34 stiegen. Siemens u. Halste waren mit 93)4 etwas schwächer als am Sonnabend. Der Rentenmarkt war im allgemeinen durchaus freundlich. Ausgehend von Jndustrieobligationen, wo Mittelstahl von 46 auf 48)4 stiegen, dehnte sich die Belebung auch auf das Pfand- brief- und Stadtanleihengeschäft aus. Es waren bei den Renten- papieren durchweg leichte Kurserhöhungen festzustellen. Zernsprschverkehr mit Güdaftika. 14? Mark für ein Dreiminutengespräch. Am heutigen Montag ist der Fernsprechverkehr zwischen Deutschland und Südafrika über die Funtfernsprechver- bindung London— Kapstadt eröffnet worden. Alle deutschen Teil- nehmersprechstellen können mit den Fernsprechteilnehmern in Kapstadt und in den südafrikanischen Hauptorten innerhalb des Gebiets südlich der geraden Linien von Kapstadt bis De Aar und von De Aar bis Port Elizabeth(die beiden letztgenannten Orte ein- geschlossen) verbunden werden. Die Betriebszeit der Funkoerbindung ist werktäglich im Allgemeinen von 8.30 Uhr bis 13.30 Uhr MEZ.; an Sonn- und Feiertagen ruht der Betrieb. Die Betriebszett ist je nach der Jahreszeit Aenderungen unterworfen. Zugelassen sind wie im Verkehr mit Nordamerika über London gewöhnliche und Ge- spräche von Person zu Person. Ein Dreiminutengespräch kostet für alle deutschen Orte 147 M.; die gegebenenfalls zu entrichtende Be- nachrichtigungsgebühr beträgt 19,50 M. Das Gklarek'Orakel. Obermagisiratsrat(Schaltdachs letzte Aussagen. Vor der Fahrt des Gerichts zu der Sklarekschen Wahrsagerin Frau S e i d l e r in der Kärnerstraße 5 in Berlin W. fand in Moabit im großen Schwurgerichtssaal eine mehr als einstündige Verhandlung statt, in der auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Aussage des verstorbenen früheren Geschäftsführers der Berliner Anschaffungsgesellschaft, Obermagistratsrats S ch a l l d a ch, verlesen wurde, die er als Beschuldigter vor dem Untersuchungskommissar, Oberregierungsrat Dr. Tapolski, gemacht hat und bei der Schalldach bekanntlich im November 1929 infolge eines Herzschlages starb. In dieser Aussage, die vom Gericht verlesen wurde, belastet Schalldach den Angeklagten Stadtrat G ä b e l recht erheblich und bekundet, daß Gäbe! den Sklareks unbercchtigtcrweile eine Kredit- Hilfe zugesagt und hinter seinem Rücken Zessionen für die Sklareks ausgestellt habe, denen keine Forderunge» zugrunde lagen. Gäbe! verteidigte sich damit, daß er der Angelegenheit damals keine große Bedeutung beigemessen habe. G ä b e l:„Ich habe geglaubt, daß das im kaufmännischen Leben so üblich ist." Vors.: Das haben Sie geglaubt, daß ein anständiger Kaufmann Forderungen bestätigt, die gar nicht bestehen? K ä b e l: Jawohl, das habe ich geglaubt. Vor f.: Dann möchte ich blaß wissen, woher Sie ihre kaufmännischen Kenntnisse bezogen haben. Leo S k l a r e k: Wir hatten doch damals alle Angst, auch Oberbürgermeister Böß, daß Kieburg etwas unternehmen würde. Bei uns im Privatkontor hat eine Besprechung stattgefunden, an der Vertreter aller Parteien teilnahmen und dabei, es war im Jahre 1926, wurde sestgestellt, daß uns Kieburg in gröblicher Weise betrogen hatte. Damals wurden uns die größten Versprechungen gemacht, daß wir nur ruhig bleiben sollten. Der An- geklagte Gäbe! vermochte sich an diese Unterredung aber nicht zu entsinnen. Da? deutsche Ausstallung-stück beglückt London.„Das weiße R ö ß'l" ist Sonnabend im Londoner Eoliseum bei ausverkaustem Hause zum letztenmal gegeben warben. Es hat mehr al- 600 Vor- stellungen erl.bt. Gegenwärtig sind ChareU und Prof. S ern mit den Vorbereitungen für die Oper„Casanova" beschäftigt. Das Aufführungerecht für„Das weiße RößT' ist endgültig von einem sronzösilchen Theaterunternchmer erworben worden, das Stück wird im Herbst in Paris aufgeführt. Bernau unter Nazi-Terror. Reichsbannerkamerad niedergestochen. Das alte Städtchen Bernau, vor den Toren Berlins, stand am Wahlsonntag unter dem Terror wütender Nazi. banden. Mehrere ehemalige, zum Teil nicht ansässige SA.-Trupps machten die ganze Stadt unsicher. Vs kam zu schweren Zusammenstößen. Mehrfach wurden allein. gehende Reichsbannerleute von größeren Nazitrnpps überfallen und niedergeschlagen. Ein Reichsbanner- kamerad wurde n i e d e r g e st o ch e n. er liegt mit einer lebensgefährlichen Verletzung danieder. Ruhe trat in der Stadt erst ein, als Landjägerei und Schupo zur Unterstützung der Lrtspolizei erschienen, sämtliche Wahllokale besetzten und die Straßen abriegelten. Aus einer Versammlung heimkehrende Reichsbannerleute wurden in der Nacht zum Wahlsonntag von Nazis aufgelauert und nieder- geschlagen, wobei ein Reichsbannermann schwere Gesichtsverletzungen davontrug. Am Sonntagvormittag überfielen diese Nazihorden in der Bismarckstraße abermals dort passierende Reichsbannerkameraden. Mit Pistole und Messer bewaffnet stürzten sich die Nazis auf die Passanten und stachen hierbei den Reichsbannermann K r e t s ch m e r weder. Kretschmer erhielt mehrere Lungenstiche. Die Verletzungen sind so schwer, daß an dem Auskommen des Reichsbannermannes ge- zweiselt werden muß. Auch feuerten die Nazis mehrere Schüsse ab, die glücklicherweise nicht trafen. Planmäßig.zogen dann die pro- vozierenden Banden durch die Stadt und schlugen wahllos auf kommunistische und sozialdemokratische Arbeiter ein. In der Bernauer Arbeiterschaft ist die Erregung über die neuen Bluttaten der Nazis sehr groß. Heute findet eine P r o t e st- kundgebung statt. Hoffnung auf die NSDAP. x\\\\ ///� -�v-asscnskaat� � Ooeüssen O" „Unö wenn wir erst wieder den alten Klassenstaat haben, dann brauchen w»r uns auch n>cht mehr als „Arbetterparie»" aufzutun.- Bombenflugzeug abgestürzt. Hoher russischer Mtliiär tödlich verunglückt. Moskau(über Sowno), 2h. tlpril. Amtlich wird gemeldet, daß bei Ilsli» ein großes russisches Bombenflugzeug mit dem Chef der roten Lustslotte des Kaukasus. Prochorow. an Bord abgestürzt ist. prochorow und sein Begleiter wurde getö-et. Prochorow war einer der ältesten Flieger der Boten Armee und spielte eine bedeuiende Bolle im Ausbau der sowjetrussischen Lustslotte im Kaukasus. Die Ursache des Absturzes konnte bisher noch nicht geklärt werden. Die Bluttat in Gteglitz. Noch keine Spur des Täters. Zur Aufklärung der schweren Bluttat an dem Architekten Hugo F r e e ck in der F r o h n h o f e r st r a ß e hat die Kriminalpolizei während des gestrigen Tages in allen Lokalen der Umgegend Nach- forschungen angestellt. Freeck ist bald in diesem, bald in jenem Lokal gesehen worden. Mehrmals war er allein, oft auch wieder in Be- gleitung. Zuletzt war er in einem kleineren Lokal, das in der Nähe des Tatorts liegt. Ob er hier schon Streitigkeiten hatte, konnte bisher noch nicht seftgeftellt werden. Es ist also sehr wohl möglich, daß er die Männer— die ihn später niederschlugen— erst aus der Straße getroffen hat. Nach den Angaben seiner Wirtin und seiner geschiedenen Frau war Freeck ganz unpolitisch eingestellt. Cr hatte früher auf dem Lande ein gutgehendes Geschäft und lebte in auskömmlichen Verhältnissen. Eigentliche Zeugen der Tat konnten bisher nicht ermittelt werden. Aus dem Schlachtensee wurde in den Nachmittagsstunden die Leiche einer unbekannten Frau gelandet und ins Schauhaus in Charlottenbnrg gebracht. Die Tote hat bereits etwa vierzehn Tage im Wasser gelegen. Sie ist etwa ZS bis 30 Jahre alt, 1,65 Meter groß schlank und hat blonden Bubikopf. Bekleidet war sie mit einem grauen Filzhut, pfeffer- und salzfarbenem Winter- mantel mit grauem Pelzkragen, schwarzem Kleid mit roten Aermeln. Die Wirkung im Ausland Zunächst auf den französischen WahSkampf Paris, 25. April.(Eigenbericht.) Tie Nationalsozialisten gewinnen in Preußen einen großen Vorsprung vor den anderen Parteien, aber keinen entscheidenden Lieg. Tie Negierung Braun-Levering wird an der Macht bleiben"— so lautet im allgemeinen das Urteil der Pariser Montagszeitungen. Nur einige Blät- ter der Rechten heben den Lieg Hitlers stärker hervor, um dadurch dem französischen Chauvinismus Stimmen zu werben. Der„Petit P a r i s i e n" schreibt:„Ohne Zweifel nährten die Nazis noch größere Hoffnungen. Sic träumten vielleicht davon, schon jetzt zusammen mit den Deutschnationalen die absolute Mehrheit im Landtag zu erhallen. Ader dennoch können sie die gestrigen Wahlen als einen neuen Triumph betrachten, denn alle anderen Parteien, mit Ausnahme des Zentrums, haben mehr oder minder starke Ver- luste erlitten." Das nationalistische„Journal" erklärt:„Hitler ist noch nicht der Herr, aber nursehrstarkeundsehrgeschickteKoali- t i o n e n könnten ihn jetzt noch daran hindern, eine bedeutende Rolle in der deutschen Politik zu spielen." Der sozialistische„populaire" führt aus: Unter den gegenwärtigen Umständen wird die Regierung Braun- Severing an der Macht bleiben, väs ist das Ergebnis, das man vorausgesehen hatte, und das allein zählt für den Augenblick. Hitler hat Preußen nicht erobert. Die Sozialdemokratie Hai durch ihre Disziplin und Ihre Energie den Angriff der Nazis abschlagen können. Auf diese Weise bleibt Deutschland vor einem Unglück bewahrt. Der Berliner Korrespondent des„Matin" telegraphiert:„Die Unruhe, die seit Monaten auf Deutschland und im besonderen auf Preußen lastete, ist nicht beseitigt, denn die Preußenwahl hat die Lage nicht geklärt. Die deutsche öffentliche Meinung wird onge- sichts des Wahlergebnisses, das mindestens für den Augenblick die Bildung einer regierungsfähigen Koalition unmög- l i ch macht, weiter in Erregung bleiben. Eine Stimme aus New yprf. New Park, 25. April. „New Jork Herald and Tribüne" versichert, weite Kreise Deutsch- lands glaubten, daß die nationalsozialistische Bewegung ihren Höhe- punkt erreicht habe; Ihr Gewinn von 600 000 Stimmen gegenüber dem 13. März gehe auf Kosten der Deutschnationolen. Nationalsozialisten und Deulschnaiionale seien zweiselhasie Der- bündele, die nie erfolgreich zusammenarbeiten könnten. Zum Schluß wird erklärt:„Während es voreilig wäre, die Hitler- Bewegung als abgeschlossen zu betrachten, werden die Parteien der Weimarer Koalition sicherlich diese Ansicht vertreten und sie wegen ihrer psychologischen Wirkung auf Hitlers schwankende Ge- f o l g s ch a f t möglichst weit verbreiten." Ernste Betrachtung in England. London, 25. April. Die Londoner bürgerliche Presse teilt ihren Lesern mit einer ge- wissen Besorgnis mit, daß die Kommunisten d a s Z ü n g l e i n an der Waage sein können.„Daily Telegraph" empfiehlt daher, eine Koalition der Zentrumepartei mit der Rechten, um den kommu- nistischen Einfluß auszuschalten.„Times" betont, daß die National- foziaüsten mit ungeheurer Energie ihre Stellung ausbauen, wenn sie irgendwo eindringen können.„Daily Expreß", als Hitler-Monitor, sagt dieser Wahl nach, daß sie der Welt deutlich die wirklichen poli- tischen Bestrebungen in Deutschland zeige. Erhielt die Rechte die Macht in Preußen, so wäre dos ein großer Schritt vorwärts auf dem Wege zur vollständigen politischen Macht in Deutschland. Der Rücktritt Brauns wäre nur ein politischer Schachzug, um die Regierung während der nächsten Zeit noch an der Macht zu be- lassen.„Daily Mail" sagt, die Bedeutung der Wahl liege in der Tat- jache, daß durch eine Herrschast der Nationalsozialisten dos Ansehen der Brüning-Regierung untergraben werde.„New Chroniccle" findet, die Hohenzollern erlebten in dem Einzug Auwis in den republikanischen Landtag ihre erst« Wiedervergeltung. Die Braun-Regierung könne sich mir dann halten, wenn sie diktatorische Methoden anwende. Der soziali- stische„Daily Herald" gibt zu, daß die republikanische Mehrheit im Landtag zusammengebrochen ist. Er hofft darauf, daß die K o m- m u n i st e n die Bildung einer Rechtsregierung oerhindern, und daß es auf diese Weise der Braun-Regierung noch gelingen wird, an der Macht zu bleiben. Die Zwergparteien verschwinden. Stockholm, 25. April. Die bürgerlichen Stockholmer Morgenzeitungen meinen fest, daß die Regierung Braun nicht bleiben könne. Wie dagegen eine neue Regierung zusammengesetzt sein wird, vermag keine Zeitung anzu- geben.„Dagens Nyheter" glaubt, wenn das Kabinett Braun als Geschäftsministerium bliebe, könne es nur als Provisorium betrachtet werden.„Svenska Dagbladet" hebt hervor, daß die Entwicklung in Preußen und Deutschland von den kleinen zu den großen Parteien gehe. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, nachts sehr kühl. am Tage wieder etwas wärmer alz heute, keine Niederschläge von! Bedeutung, atslauende Winde.— Für Deutschland: In der slld-, lichen Reichshälfte meist heiter mit rasch ansteigenden Tagestempera- turen, im Norden und Südosten Besserung, im Nordosten noch ver- änderlich mit örtlichen Schauern, kühl.' Das Meisterphoto. Ausstellung moderner Photos. Der Centraloerband Deutscher Photographen- Vereine und der Verband Deutscher Amateur- photographenvereine haben im Hause der Juryfreien(am Platz der Republik) eine gemeinsame Borführung von Aufnahmen veranstaltet, die als Spitzenleistungen gelten. Man widersetzt sich also dem Urteil der sachlichen Instanzen, wenn man grundsätzliche Be- denken äußert gegen den hier seltsam vorherrschenden Zug photo- graphischer Abtönungskultur und Stimmungsmalerei. Diese Neigung zu nüanzierender Verfeinerung, zu schwebendem Schattenspiel, zu Klangdämpfungen und Empfindsamkeiten droht das Kamerabild von seinem natürlichen Wesen abzulenken. Es sollte sich nicht zu sehr darin gefallen, Luftschwtngungen zartfühlend auszukosten und mittels Kopiereffekten das helldunkle Fleckenspiel des Pinsels nachzuahmen. Ob es sich um romantisch verdunstete Landschaft handelt oder um modern komponierte, das heißt dem abstrakten Formgefüge ange- nähert« Zusammenstellungen von Dingen: in allen diesen aus- getiftelten Ueberzüchtungen steckt, so sehr ihre Reize im Einzelfall bestechen mögen, die Gefahr eines hochmütig verspielten, vornehm- tuerischen Birtuosentums. Beim Photographieren sind ästhetische Glacehandschuhe tunlichst abzulegen. Nicht auf Delikatessen und Finessen kommt es an, sondern auf das srische Zupacken, auf schla- gende Einstellungen, festen Griff, und vor allem aus den Blick für die dargebotene Fülle der Erscheinungen. In dieser Hinsicht haben die Oualitätsphotos, die uns hier umgeben, nicht sehr viel zu bieten. Es sind Köstlichkeiten darunter, aber die gesamte Linie führt ins Exklusive. Photographie jedoch ist Volkskunst, ist zufassendes Sehen, ist optische Unmittelbarkeit. Ihre bildliche Kultur darf nicht aus Atelierkünstelei begründet werden. Man merkt in dieser Ausstellung nicht viel von dem Lehrmeister Film und findet wenig Beziehung zu den Tagesaufgaben der Photographie, wie sie das illustrierte Blatt stellt. Es wäre ungerecht, von solchen Beanstandungen nicht wenigstens ein paar der gehaltvollsten Bilder auszunehmen, wie etwa den uralt-weisen, runzeligen Affenkopf der Hedda Walther(Berlin), die schicksalschwangeren, zerklüsteten Akropolisaufnahmen von Hege (Weimar), das schlafende Frauengesicht und die Kinderantlitze van Aenne Biermann(Gera) und besonders auch zwei menschlich inten- sive Porträts, wie das der Kaethe Kollwitz von Lendvai-Dircksen (Berlin) und das des Malers Dix von Erfurth(Dresden). Willi Wolfradt. «.Hundert seltene Holländer". Die Galerie Dr. Schäffer eröffnete am Sonnabend in ihren Räumen in der Belleouestraße eine Ausstellung unter dem Stich- wort„Hundert seltene Holländer". Sie zeigt in erster Linie eine Anzahl wenig oder gar nicht bekannter niederländischer Maler des 17. Jahrhunderts und will beweisen, daß auch mit geringeren Mitteln wertvolle sammelnswerte Dinge zu erwerben sind. Den Grundstock der Ausstellung bildet eine Sammlung des Engländers Ward, die durch einzelne Leihgaben erweitert wird. Neben den Arbeiten größerer Meister finden sich hier erstaunliche Bilder von Künstlern, deren Namen im allgemeinen selbst dem Kenner nicht geläufig sind._ Edqar Wallaces Riesenschulden. Edgar Wallace, der mit seinen Romanen, Dramen und Filmen so ungeheuer viel verdient hat. ist als armer Mann gestorben, ja, er hat sogar eine beträchtliche Schuldenlast hinterlassen. Wie di« amtlich« Eröffnung seines Nachlasses ergeben hat, befaß er persön- lich gar nichts, als ihn der Tod ereilte, hatte Außenstände von 18 000 Pfund und Schulden von etwa 81 000 Pfund. Ueber die Menge der Schulden, die der so erfolgreiche Schrift- steller hinterlassen hat, gab seine Frau freimütige Auskunft: er hat in den Jahren, 0a er noch nicht so viel verdiente, über seine Per- Hältnisse gelebt und bei Rennwellen sehr viel verloren.„Als mein Mann immer mehr in das grelle Licht der Oeffentlichkeit kam, als die Erfolge seiner Bücher, seiner Stücke und Filme sich jagten," sagte Frau Wallace,„da begann er den Ueberblick über seine Der- hältniss« zu verlieren. Er mußte aus großem Fuße leben, gab viele Gesellschaften und war sehr freigebig. Immer mehr Geld verwendete er aus seinen Rennstall und immer wieder sagte er, die großen Summen würden sich rentieren, wenn man nur Geduld habe. Ebenso optimistisch war er in bezug aus seine Rennwetten, mit dem Ergeb- nis, daß er Riesensummen verlor." Kast jeder Deulsche erwerbstätig. Bei der Frage, ob Deutschland zahlen kann, wird von fron- l zösischer Seite immer wieoer behauptet, dem deutschen Volk gehe es noch ganz gut und es arbeite weniger als andere Völker. Dem- , gegenüber betont eine in der„Umschau" verössentlichte Statistik, daß Deutschland den weitaus größ'en Prozentsatz an Erwerbstätigen von allen großen Staaten hat. Nur einige Agrarländer, in denen alle erwachsenen Familienmitglieder auf dem Felde mitarbeiten müssen, zeigen eine höhere Ziffer. In Deutschland waren 1931 53,3 Proz. der Bevölkerung erwerbstätig, dagegen in England nur 45,3 Proz., in den Vereinigten Staaten 39,4 Proz. Wenn man die Hausfrauen, die ja in Deutschland jetzt hauptsächlich die Last der Hausarbeit trogen, als erwerbstätig mitzählt, so kann man sagen, ! daß jeder auch nur einigermaßen arbeitssähige Deutsche erwerbe- tätig sein muß, denn die Zahl derer, die bei uns noch von einem j ererbten oder erarbeiteten Vermögen leben können, ist sehr gering. Im Verhältnis zur Vorkriegszeit wollen heute in Deutschland sechs Millionen Menschen mehr arbeiten als im letzten Vorkriegsjahr und das ist eine Erklärung für die große Ziffer' der Arbeitslosen. Der Schädel haydns. Die Gemeinde C i s e n st a d t hat an die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, die im Besitz des Schädels von Haydn ist, das Ersuchen gerichtet, Ihr den Schädel zu übergeben. Cr soll angesichts der bevorstehenden feierlichen Beisetzung im neu- errichteten Mausoleum in Eisenstadt mit den übrigen Gebeinen Haydns wieder vereinigt werden. Neue dänische Tiessee-Expedition. Das dänische Tiesseeforschungs- schiff„Dana" wird im Mai eine neue Tiessee-Expedition nach den nördlichen Gewässern unter der Leitung des bekannten Biologen Prof. Johannes Schmidt antreten. Es sollen in der Hauptsache Versuche init der Verpflanzung von Seezungen gemacht werden. Beim Gelingen der Versuchs will man eine internationale Zu- sammenarbeit auf diesem Gebiet erreichen. In den Staatlichen Museen finden jetzt zweimal wöchentlich allgemein orientierende Führungen durch wissenschastliche Hilfskräfte statt. Montags: Zeughaus. Beginn 1l Uhr. Donnerstags: abwechselnd im Kaiser-Friedrich- Museum, Deutschen Museum, Borderasiatischen Museum, Alten Museum, Neuen Museum. Beginn 11 Uhr. Treffpunkt: Eingang Neues Museum und Kaiser-Friedrich. Muleum. Pergamon-Museum. Beginn 12 Uhr. Die Führungsgcbühr beträgt 25 Ps. Richard Tauber tritt Dienstag im Titonia-Palast und Atrium nach der Uraufführung des neuen Richard-Tauber-Tonfilms„M e l o d i e der Lieb e" persönlich auf, begleitet vom Berliner Sinfonie-Orchester. Zahlrekord in Berlin. Um hil Uhr lag das Gesamtresultat vor. Der Riesenapparat, der für die Stimmenzählung bei Wahlen notwendig ist, hat gestern wieder einmal hervorragend funktioniert. Trotz der durch die vielen Splitterparteien sehr erschwerten Zähl- arbeit liefen die Resultate aus den einzelnen Wahlkreisen bis auf wenige Ausnahmen erfreulich schnell ein. Die Reichshaupt- st a d t hat gestern nicht nur gut gewählt, auch im Zählen wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Als einer der ersten Bezirke meldete Prenzlauer Berg das Gesamtresultat schon gegen Vid Uhr. Im Nachrichtenamt der Stadt Berlin hat sich die seit dem 2. Wahlgang der Reichspräsidentenwahl eingeführte Neuregelung der Zählmethode wieder sehr bewährt. Um Vall Uhr lag für ganz Groß-Berlin bereits das Gesamtergebnis vor. Die Rechenmaschinen des Nachrichtenamtes waren allerdings allein solchen Anforderungen nicht gewachsen. Man hatte sich deshalb von der Stadtbank, der Stadtreinigung und dem Virchowkrankenhau» mehrere Zählapparat« entliehen. Rundfunk der Woche Erziehung zur Selbstbesinnung Die weitaus grüßte Zahl aller Rundfunkhörer in Deutschland booarzugt musikalische Sendungen: man kann„populäre musikalische Sendungen" sagen, wenn man sich bewußt bleibt, daß der Begriff„v o l k s t ü m l i ch" je nach dem Geistes- und Bildungs- Niveau des einzelnen Hörers ein anderer ist. Der musikalisch Empfängliche wird ebenso wie der musikalisch Gebildete z. B. eine Oper van Mozart als volkstümlich empfinden, selbst wenn er sie zum ersten Male hört. Mozarts Stil haftet ihm von anderen Kam- Positionen her im Ohr: die klare musikalische Sprache erscheint ihm leicht verständlich, weil er befähigt ist, ihren Gefühlsgehalt zu er- leben. Dieser Hörer lauscht der Musik mit konzentrierter Aufmerksamkeit. Er nimmt sie nicht als Begleitung zu häuslichen Berrichtun- gen und Gesprächen hin. die dröhnend darüber hinschreicn darf und doch dabei kaum bewußt wahrgenommen wird, er genießt sie am sorgsam abgestimmten Apparat, dessen Lautstärke der Akustik des Zimmers gemäß abgestimmt wurde. Doch leider scheint diese Hör- kultur noch nicht allzuweit verbreitet zu sein, und musikalische Sendungen von sehr viel geringerer Qualität sinden den meisten Beisall, eben weil sie keine Konzentration des Hörers erfordern. Es ist an dieser Stelle schon oft gesagt worden, daß Erzie- hung zum Musikhören durch den Rundfunk durchaus möglich ist: leider wird sie nicht geübt. So wird Beethoven» Adagio aus der pathetischen Sonate für Klavier in einer schmalzigen Cello- Übertragung zum Kaffeeklatsch serviert; seine Sinfonien liefern diesen Hömn dann, in Ermangelung eines unterhaltenden Programms, das unentbehrlich gewordene abendliche Rundfunkgcräusch. Es scheint mir außer Zweifel zu stehen, daß heute die Rundsunkmusik viele Menschen geradezu vom Musikhören forterzieht. Wer Gelegenheit hat, öfter an öffentlichen volkstümlichen Veranstaltungen teilzunehmen, bei denen auch Musikdarbietungen geboten werden, dürfte diese Ansicht teilen: derselbe Menschenkreis, der vor wenigen Jahren noch sich selbstverständlich schweigend, wenn vielleicht auch nicht immer aufmerksam während der Musikausübung verhielt, schwatzt dabei heute ebenso selbstverständlich und unbekümmert draus los. Bei jenen, deren Verständnis für Musik nie geweckt wurde— sie stellen die Mehrzahl der„Unmusikalischen"—, ist durch den Rundfunk auch der Respekt vor dem Musikhandwerk verschwunden; Musik ist ja so leicht herzustellen: ein Griff am Schaltbrett genügt. Eine große Kulturmission an dieser von äußeren und inneren Krisen zerrütteten Generation hat der Rundfunk versäumt, als er auf die so dankbare und segensreiche Musikerziehung ver- zichtete. Denn mit dieser Erziehung wäre es ihm möglich gewesen, an Menschen heranzukommen, die sonst keiner Erziehung zugänglich sind, und die hier mit dem Musikhören noch etwas anderes, allge- meineres gelernt hätten: stille sein, besinnlich zuhören. Das Leben kreist heute so lärmend und so wild an der Oberfläche, daß vielen die Fähigkeit abhanden gekommen ist, die Zusammen- hänge und Triebkräfte in der Tiefe zu erforschen, ja sogar das Bewußtsein, daß es solche Zusammenhänge und Kräfte überhaupt gibt. Musikhören löst Selbstbesinnung aus, also das, was den in der Hetzjagd von Zerstreuung, Arbeit, Sorgen wirbelnden Menschen am meisten fehlt. Es gibt dem Menschen Halt in sich, lehrt ihn in Tiefen, nicht nur in eigene Tiefen schauen. Musikerleben ist nicht unklare Gefühlsduselei, sondern höchste, unbewußte Konzentration — wie jedes wahre Kunsterleben, wie jedes starke Erleben über- Haupt; gefühlsseliges Hindämmern ist der Ausdruck kleiner Seelen. Die Musikerziehung an dieser Generation, an den Erwachsenen. ist vom Rundfunk versäumt worden. Selbstverständlich würden auch heute viele Erwachsene gern, sehr gern sogar gute Darbietungen dieser Art entgegennehmen: doch populär würde» sie in dieser Altersklasse nur noch schwer werden. Man hat sich hier bereits auf das, was man„gern" hört, eingestellt. Die musikalischen Bildungs- versuche von F u n k st u n d e und Deutscher Welle haben— obwohl einige wenige Sendungen darunter beinahe wirklich volks- tümlich waren— den Glauben bei diesen Hörern zerstreut, daß solche Darbietungen wirklich allgemeinverständlich sein könnten. Die Generation von morgen, die heute Halberwachsenen, sieht die Dinge anders an. Vielfach ist hier schon die musikalische Bildung durch die Schule besser gewesen: das Ohr besitzt bereits eine gewisse Ausnahmefähigkeit für musikalische Formen. Aber selbst wenn diese Vorbildung fehlt, dürfte es möglich sein, an diese Generation heran- zukommen, schon weil leider diese Generation heute sehr viel Zeit hat. Viele Jugendliche sind nicht nur arbeitslos, sie sind gar nicht zur Arbeit zugelassen. Der Rundfunk ist eins der wenigen Mittel, das zu ihrer geistigen Anregung jederzeit zur Verfügung steht; er ist das Mittel, das sicher am häufigsten benutzt wird. Gerade diesen jungen Menschen gegenüber ist die kulturelle Verantwortung des Rundfunks riesengroß. Eine Serie brauchbarer Iugendgespräche über praktische Tagessragen und eine Serie ziemlich unbrauchbarer über literarische Angelegenheiten erschöpfen die Verpflichtungen keinesfalls. Alles. was der Rundfunk bietet, formt die geistige Atmosphäre für viele dieser Jugendlichen— oder formt sie nicht. Der junge Arbeitslose steht in einer Wirklichkeit voll Elend und Not; leider findet er nicht immer den Weg in eine proletarische Gemeinschast, die ihm inneren Halt gibt. So greift er, solange er noch eine ge- wisse Selbstsicherheit oder Ehrgeiz hat, nach Möglichkeiten zur Bil- dung, zur Fortbildung. Befriedigen diese ihn, erfüllen sie einen wesentlichen Teil seiner leeren Zeit, so ist er gerettet. Dieser starke Ausdruck sagt nicht zuviel; denn erst der Verlust der eigenen Per- sönlichkeit ist Untergang im Chaos. Der Rundfunk könnte viele davor bewahren, könnte sie vom Schlagwort, von der oberslächlichen, unbefriedigt lassenden Zerstreuung zurückführen zum geistigen Be- wußtsein. Es mag manchem sonderbar erscheinen, daß ich diese Feststellun- gen gerade in Verbindung mit einer Mahnung zur Musikerziehung mache. Ich glaube allerdings, daß es im Grunde gar nicht daraus ankommt, auf welchem Gebiet solche Erziehung einsetzt; sie wird sich immer ins Allgemeine auswirken. Die Musikerziehung aber scheint mir die näch st liegende Möglichkeit, die nächstliegende Ausgabe für den Rundsunk zu sein. Richtig gehandhabt, wird sie die größte Erfüllung bringen. Selbstverständlich soll hier nicht einer lehr- hasten Unterweisung das Wort geredet werden: diese würde genau das Gegenteil erreichen, würde abschrecken, statt anziehen. Musikerziehung kann sehr unterhaltend betrieben werden: Schallplatten sollen sie schmücken, Klavierbeispielc das Ohr aufnahmefähig machen, be- geisterte, an das Wesen der Kunstwerke herangehende, das Wesen der Kunstwerke dem Hörer zuführende Worte die MusikiUustrationen ergänzen. Solche Vorträge würden vielen gefallen, würden viele Hörer anlocken, sie wahrhaft, weil unbewußt, bilden. Mrnschenerziehung sängt mit der Erziehung zum Freuen, zum verinnerlichten Geniehen an. Es ist kein Wunder, daß heute viele Menschen diese Fähigkeiten ver- lernt haben. Der Rundfunk könnte sie in vielen wieder wecken. Nicht nur durch Musikerziehung, doch wohl am stärksten durch sie. Selbstverständlich ist sie nur ein kleines Teilgebiet des weiten geisti- gen Bezirks, der nach auf die wahre Rundfuntkultur wartet. Es kommt weniger auf unmittelbar zweckhafte, als auf sinnvolle Pro- grammgestaltung an. Sie ist, gerade heute, und besonders für die jungen Menschen, die im allgemeinen einen außerordentlich sicheren Instinkt fiir echt und unecht haben, unerläßlich. Tes. Lugendtreffen des LdA. in Krantfurt a. d. O. Zum dritten Male trifft sich die brandenburgische, mecklen- burgische und grenzmärkische Jugend des Zentrolverbandes der An- gestellten zu einem großen Jugendtag, der an den P f i n g st t a g e n in Frankfurt a. d. Oder stattfindet. Festliche, unterhaltende und sportliche Veranstaltungen werden allen Jugendtagsteilnehmern frohe Stunden bereiten. Die Oesfcntlichkeit wird aus dem Auf- in a r s ch der freien Angestelltenjugend die Anschauung gewinnen, daß heute schon große Teile der kaufmännischen Lehrlinge und jugendlichen Angestellten sich zum sreigewerkschastlichen Gedanken bekennen. Eine in Verbindung mit dem Jugcndtag durchzuführende Gaujugendaussprache wird Stellung nehmen zur Frage der Gegenwart und zur Jugendarbeit des ZdA. Viele hundert junge Mitglieder des ZdA. werden aus den Städten der Lausitz, der Grenzmark und der Ostmark, beider Mecklen- bürg, dem Regierungsbezirk Stralsund, aber nicht zuletzt aus Berlin zusammenkommen, um ein Bekenntnis zu der Organi- s a t i o n, die ihre beruflichen und wirtschaftlichen Interessen ver- tritt, abzulegen Sic werden in der alten Handelsstadt des Ostens mit Fahnen und Wimpeln ausmarschieren, um zu bekunden, daß die junge Angestelltengeneration bereit ist, mitzuwirken am Bau einer neuen großen Gesellschaft. Angestelltenjugend! Auf nach Frankfurt a. d. Oder! Löst Wirtschastskrise Lehrveriräge? Eine einzige Berliner Baufirma hat 55 Lehrlinge entlassen. Die Kläger E. und 52 Genossen waren bei der beklagten Firma Hoch- und Tiefbau A.-G, Berlin, Karlstr. 2, aus schrift- lichen Lehrvertrag hin als M a u r e r l e h r l i n g e beschäftigt. Als Mitte des Jahres 1931 die Bautätigkeit infolge der schlechten wirt- schaftlichen Konjunktur aushörte, stellte auch die beklagte Firma ihre Hochbautätigkeit ein. Da aber die Beklagte noch ein Tiefbau- g c s ch ä s t betreibt, war für sie die Aussicht vorhanden, durch ein Vergleichsverfahren ihre Verhältnisse regeln zu können. Es wurde zur Abwendung des Konturses ein gerichtliches Vergleichsverfahren über das Vermögen der Beklagten eröffnet. Das Gericht er- mächtigte auf Grund des Paragraph 29 der Vergleichsordnung die Beklagte auch zur Kündigung der Lehrverträge. Auf Grund dieser Ermächtigung kündigte die Beklagte das Lehrver- hältnis von 53 Lehrlingen am 19.'August 1931 ohne Einhaltung der Kündigungsfrist. Die Kläger führen aus, daß mangels einer gesetzlichen Kündi- gungsfrist für die Lehrverträge das Gericht zu der Ermächtigung nicht befugt gewesen sei. Die Kläger hoben beantragt, die Beklagte zu verurteilen, das Lehrverhältnis mit ihnen bis zum Ablauf des Lehrncrtrages fortzusetzen Die Beklagte hat ausgeführt daß m entsr, rechender Anwendung der Rechtsprechung über die fristlose Kündigung von Dehrverträgen im Falle des Konkursversahren» die fristlose Kündigung der Lehr vertrage der Kläger wirksam sei, und hat Abweisung der Kläger be- antragt. Das Landesarbeitsgericht in Berlin hat zugunsten der Kläger entschieden. Es hat erklärt, würde man der Beklagten das Recht zur fristlosen Kündigung der Kläger zusprechen, so würde dies die Kündigungsmöglichkeit von Tausenden von Maurerlehr- lingen in Berlin bedeuten. Denn die meisten Bauunternehmer er- klärten, daß sie infolge der Wirtschastskrise ihre Betriebe stillegen und die Arbeitnehmer und Lehrlinge entlassen müßten. Gegen das Urteil Hot die Beklagte Revision eingelegt, um in dieser Rechtsfrage eine grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen. Das Reichsarbeitsgericht hob das vorinstanzliche Urteil auf und wies die Sache zur nochmaligen Prüfung an das Landesarbeitsgericht zurück. Die Kosten des Rechtsstreits bleiben im Endurteil vorbehalten. lRAG. 672/323 Aus dem Gaargebiei. Klaqen der Bergarbeiter. Nachdem die Gewerkschaftsvertreter erst am Mittwoch eine � längere Besprechung mit der Regierungskommission hatten, wurde jetzt ein Schreiben an den sranzösischen Arbeitsminister gerichtet, um auf die Lage der Saarbergarbeiter aufmerksam zu machen und 1 um Abhilfe zu ersuchen. Einschließlich der Saargänger zählt das j Saargebiet etwa 69 lM Arbeitslose. Wie im Ruhrgebiet gibt ez auch hier immer mehr Feierschichten, und noch immer werden Berg- arbeiter abgebaut. Seit Ende Juli l93Z ist die Belegschastszahl von 52 693 auf 47 999 gefallen. Die Leistung von 481 Kilogramm pro Kops und Schicht bei Uebcrnahmc der Saargruben ist aus rund 1999 Kilogramm gestiegen. Die iranzösischc Bergwerksverwattung legt oisenb-.ir wenig Wert daraus, die französische Schulpolitik im Saargebiet zu unterstützen. Den Saarbergleuten ist eine Prüfung ihres Beschwer!'--Materials zugesagt worden. Krisenverordnung schafft KamUienkrisen Der Artikel 7 der letzten Krisenverordnung vom Mai vergangenen Jahres bestimmt, daß die Kriscnunterstützung auch dann teilweise oder ganz zu versagen ist, soweit die persönlichen Ver- Hältnisse des Arbeitslosen die Annahme rechtfertigen, daß er einer Unterstützung nicht bedarf. Mit diesem Abschnitt der Verordnung wird nun in der Praxis allerhand Unfug getrieben, so daß es an der Zeit ist, hier energisch Front zu niachen. Die Artikel 3 bis 5 bestimmen, daß das Einkommen des Arbeits- losen selbst und das von Familienangehörigen angerechnet werden muß unter Berücksichtigung einer gewissen Freigrenze. Im Artikel 6 wird dann genau umrissen, was unter dem Begriff„An- I gehörige" zu verstehen ist. Auch die Verordnung anerkennt hier > die Grenzen, die durch das Bürgerliche Gesetzbuch gezogen sind, nämlich, daß nur Verwandte auf- und absteigender Linie zum i Unterhalt verpflichtet sind und mithin nur deren Einkommen bei der Feststellung der Bedürftigkeit in Frage kommt. Nun argumentieren unzählige Arbeitsämter fälschlicherweise, weil noch ein Artikel 7 hinter den begrenzenden Artikel 6 hinton- gesetzt ist, muß wahllos auch das Einkommen aller übrigen Angehörigen, die mit dem Arbeitslosen zusammenwoh- neu, auch für die Bedürftigkeit herangezogen werden. Schwager und Schwägerin, Schwester und Bruder, sagen gewisse Aemter, müssen für die Gutmütigkeit, einen arbeitslose,, Ver- wandten aufgenommen Zu haben, nun erst recht bestraft werden. Verdient z. B. jemand 38 Mark die Woche und hat er die Unvorsichtigkeit begangen, den Bruder seiner Frau in der Küche schlafen zu lassen, weil der arbeitslose Schwager seine Miete nicht mehr zahlen konnte, so muß er auf Anordnung des Arbeitsamtes über alle Grenzen des Bürgerlichen Gesetzbuches hin- weg im Falle einer kinderlosen Ehe den Schwager voll- kommen ernähren. Das Amt zahlt einfach keine Krisen- unter st ützung, weil„die Verhältnisse" es nicht zulassen. Bei Geschwistern, ja sogar bei Waisen, die sich gegenseitig unterstützen, verfahren die Aemter ebenso. Das ist gemeingefährlicher Unsinn und auch durch den Text der Verordnung gar nicht bedingt. Hoffentlich werden die verantwort- lichen Instanzen hier sofort einschreiten und den Arbeitsämtern klar machen, daß auch sie das Bürgerliche Gesetzbuch nicht willkürlich ändern können. Verstoß gegen die Betriebsraispflicht Durch �GO.-Agitafiön. Dürfen RGO.-Betriebsratmitglieder in staatlichen Betrieben die Belegschaften„revolutionieren" oder können sie deswegen fristlos entlassen werden? Mit dieser Rechtslage, die für die Betriebsrats- Mitglieder von prinzipieller Bedeutung ist, beschäftigte sich zsttn erstenmal das Reichsarbettsgericht. Der Arbeiter R. war Vorsitzender des Betriebsrats bei einer Bahnmeisterei in Berlin. Im August 1931 hat R. eine Belegschaftsvcrsammlung im Aufenthaltsraum des Bahnhofs in Berlin-R einickcndorf einberufen. In dieser Versammlung hat der Betriebsratsvorsitzende Propaganda für die„Revolutionäre Ge- werkschaftsopposition" und für Sowjetruhland gemacht. Auch hat er eine Sammlung für Rußlonddelegationen veranstaltet. Di« Reichsbahndirektion beantragte beim Arbeitsgericht, ihm wegen dieser Pflichtverletzung die Mitgliedschaft im Betriebsrat ab- zuerkennen. Arbeitsgericht und Landesarbeits- gericht in Berlin hoben die Reichsbahndirektion mit ihrem Antrag abgewiesen. Die gegen das Urteil eingelegte Revision hatte Erfolg. Das Reichsarbeitsgericht kam zur Aushebung des vorinstanzlichen Urteils und beschloß, daß der Kläger R. nicht mehr Mitglied des Betriebsrats fein kann, weil er gegen die Betriebsratspflicht gröblich ver- stoßen habe. Wer die Arbcitnehnier der Reichsbahn oder anderer staatlicher Betriebe zu revolutionärem Kampf auffordert, wie es der RGO.- Betriebsratsoorfitzende getan hat, beschwöre große Gefahr für Ruhe und Sicherheit im Eisenbahnverkehr herauf. In den Handlungen des Betriebsratsvorsitzenden R. liegt eine schwere Pflichtverletzung in seinem Amt vor, die seine Entlassung notwendig machte. 59. Abt. Frauenabcnd. Heut« bei Gramatikc. Cranach- Ecke Canovastraße. Ernstes und Heiteres. Vortragend« Friede! Hall. Verantwort!. für die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Berlin SW 68 Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Slaals Thealer Montag« den 25. April staatsoper unter Pen Linnen 20 Uhi Ein Maskenball Slaiü.SdiaDspielluui iendarmsnniariti Uhr Die endlose Straße Kein RartetivcrtaiT plAza WihaSstieslssli.Baknti. I 5a.|i!',Stgs.2,5,8liU.| T»l.; E7WeickcBlM3I| OerVogelhandlerj Rose- 1 üeater jroSe Franklürter Strafle -Ii. M»; M UZ- Md Uhr Die Frau, die jeder sudit Schiller-Theater Charlotten l>ura. 20 Uhi Cyrano von Bergerac lädt. Oper wharlottenburc iismarckstraße J4 Montag, 25. Aoril Voiksvorstellung Kein öffintl. Kartenvirkauf Ute Afrikanerin iMalKin, Friedrich. Noort. Reinmar Ditter. Baumann, Heyer Anfang 19.30 Uhr Bnde gegen 23 Uhr VoiMsoütine Thtatei am Bülowslatz .■> cih' Kamrai Kasper Staali. Sdiiller-ilicater s Uhi Cyrano vonBergerac 1 epina-Tim Täglich S1/* Uhi Das flinter de, Sdiaasoieler iüaria Stuart Tilia Durieux, Erika Wagner Theater des Westens 8','. Uhr Heute zum letzen Male Brahmanlsciie Inder tanzen und spielen indische Dramen u. Legendes lAX PEINH ■ NJZEMiERJISIG 8'«ühr CASinO- THEATER 8,/j Uh» Lothringer Strafe 37. • ttllllllllUlltiHIIIIIMIIMIMIIItllllimiMllllllllllllillllllllllllimillll Ciro«»erPrels-Abbaa; Auch Sonnabend u. Sonntag: Park u Rang Seire nurO.SO. Paul, u Rang Mitte 0.75, Sperrsitz u. Ba;kon I.—, Logen u. Sessel i.5j Der Öperetten-Schlager: -Theater in der., Stresemannstr/ Täglich 81/« Uhr uemz ROhmann in Oer Mustergatte Schwank in 3 Akt Theater 3.ltoliendor}plat2 Pallas 7051 Hur nodi wenige Tage! 8>. Uhi.Stg 4>, Uhr Traum einerMl Operette in 5 Akten Hegte: Heinz Saltenburg Rundtunkh haib.Pr Stgs 414 Uhr kl. Pr. Ii. im Mnlralspalasi Täglich st« Uhi Käthe Dorsch Gustaf Grüudgeos in: Llselott* Singspiel v.EduaidKiliinelte I Ksn-bifiUI Hit il« Stiert Ii« flr«Hij MI MM« �iMMItyl Restaimnf Berlins iKliM üeuttdies Theater S Uhr Vor§onnen- uniergang . Gerh.Hauptmann Regie Max Reinhardt runiDsn ' r.Selbstaufstellw — Ronren— FlJier. sämtliche ._ rj Ersstrteile.Jllust. njüCQtC im| i2'" PreisJists gratis• vorwärts Kobiank S Co. meiropoi-ihester Täglich 8V1 Uhr f'urt Hötr. in Zirkus Alnißß Operette von Curt Götz, Musik Benatzky Kamoesucnel iZadnpebMe, Vlatinabkalle auetfülbct Sinn- metalle. Silber. schmelze©olifdmtel. aeteu Christionat, Sösemderftrafte 39. Sa!!-stelle Abalbekt, (tragt. &lellage Montag, 25. April 1932 1792- 25. Jlpril- 1932/ 91. Wendet 2IH den deutschen Arbeitern, die unter dem Banner der Sozial- demokratie in Reih und Glied marschieren, ist die Weise wohlver- traut. Denn als nach dem jähen Tod Ferdinand L a s s a l l e s der junge Hamburger Jakob Andorf für die Trauerfeierlichkciten ein Lied zu Papier brachte, paßte er die Worte des: Wohlan, wer Recht und Wahrheit achtet, Zu unsrer Fahne steht zu Haus! der Melodie des französischen Reoolutionssanges, der Marseillaise, an. So entstand die Arbeiter Marseillaise, die seitdem unzählige Male in Versammlungen, auf Festen, bei Kundgebungen die Herzen der sozialistisch gesinnten Massen entzündet hat, Um die Entstehung der ursprünglichen, der französischen Mar- seillaise aber spinnt gern die Legende ihre Schleier. Irrtümlich heißt es, daß bei einem patriotischen Bankett im Hause des Straß- burger Bürgermeisters Dietrich ein junger Offizier, vom Geist getrieben, ins Nebenzimmer gestürzt und binnen kurzem mit der fertigen Dichtung und Vertonung unter die Gäste getreten sei. Wohl gehörte der zweiunddreißigjährige Pionierhauptmann Rouget de l'Zsle, aus Lons-le-Saulnier im Iura gebürtig, zu den Freunden der Familie Dietrich und war besonders bei den Damen gut ange- schrieben, weil er eine Geige in seinem bescheidenen Gepäck mit- führte und öfter ein Gedicht zum Vorlesen aus seiner Brieftasche zog. Und waren nicht schon Schöpfungen von ihm über die Pariser Opernbllhne gegangen? Und hatte er nicht jüngst erst eine„Hymne an die Freiheit" in Wort und Vers gesetzt? In jenen Frühlings- tagen des Jahres 1792 fieberte Straßburg, Grenzsestung Frankreichs am Rhein, in der Erwartung großer Entscheidungen: Truppen. Ge- schütze, Vorräte waren zu beiden Seiten des Stroms massiert-, der gewaltige Zweikampf der europäischen Könige mit dem französischen Volk stand vor der Tür. Am 25. April in der Frühe lies die Kunde ein: Frankreich hat an„den König von Böhmen und Ungarn" den Krieg erklärt! Eine Flamme schlug hoch: Es lebe die Freiheit! Und wider die Despoten von Oesterreich und Preußen! Während Rouget de l'Isle in der Nacht nach diesem erregten Tage in seiner stillen Kammer in der Meisengasse saß, im Ohr das Klirren der Waffen, das Rollen der Geschütze, das Rufen der"Menge, und im Herzen die Mahnung seines Freundes Dietrich, ein poetisches Scherslein zu der allgemeinen patriotischen Begeisterung beizutragen, formten sich in ihm Verse und Klänge. Rasch schrieb er nieder, feilte, glättete, probte die Melodie auf seiner Geige, und am folgenden Morgen konnte er dem entzückten Bürger- meister das „Kriegslied für die Rheinarmce" überreichen: Auf, Söhne ihr des Vaterlandes! Des Ruhmes Tag er kam herbei. Ihr Banner, blutgetränkten Randes, Hob wider uns die Tyrannei. Hört ihr der rohen Söldner Horden Das Feld durchziehen mit Gebrüll? Sogar in euren Armen will Der Feind euch Weib und Kinder morde tum Kampf, wer Bürger heißt! chnell ordnet eure Reihn! Marsch, marsch! Das falsche Blut Saug' euer Boden ein! Als Dichter wie als Tonsetzer war Rouget de l'Isle ein Mittelmäßiger unter Mittelmäßigen. Ob er auch mrder noch manchen Anlauf nahm, gelang ihm nach dem Wurf dieser April- nacht nichts, was seinen Namen kommenden Geschlechtern überliefert hätte: höchstens verzeichnet eine Fußnote der Geschichte des Sozia- lismus, daß er in den zwanziger Jahren des neunzehnten Jahr- Hunderts, von den Gedanken des S a i n t- S i m o n i s m u s be- rührt, für den Arbeitergesangverein einer von einem Landsmann geleiteten Fabrik den„Cham des Industrieis", den„Gesang der Werktätigen", komponierte. Auch militärisch und politisch pflückte er keine Lorbeeren, zog, als die Revolution stürmischer ausschritt, verdrossen den bunten Rock aus, suchte fid) mit Napoleon Bonaparte vergeblich als sein„Barde" auf guten Fuß zu stellen, lebte während des Kaiserreichs bespitzelt in lähmender Armut und Abgeschiedenheit, mußte auch unter der Restauration, obwohl er die Rückkehr der Bourbonen mit einer Hymne begrüßt hatte, in den Schuldturm, und erst nach der Julirevolution warf ihm Ludwig Philipp ein karges Gnadengehalt aus. Von dem Friedhof von Choisy-le-Roi, wo er am 39. Juni 1836 starb, wurden seine Ueberreste 1915 unter Pomp und Parade in den Invaliden- dom überführt. Aber dieser schwachbegabte, ganz unbedeutende Auch-Künstler hatte, als er entflammt das.Allans, entants! aufs Papier warf, seine große Stunde, weil sein Puls mit dem fieberhaft erregten Puls der Nation im gleichen Takt schlug. Die Freiheitsweise, die seinen Namen der Nachwelt bewahren sollte, lag in der Luft, und diese Luft war die Atmosphäre des Straßburger Jakobinerklubs. Die Quellen, aus denen er unbewußt schöpfte, Aufrufe und Artikel aus dem Frühling 1792 hat die Forschung inzwischen zu Tage ge- fördert und darin, zum Teil bis auf den Buchstaben getreu, die gleichen Losungen, dieselben Schlagworte scstgestellt wie in dem „Kriegslied für die Rheinarmee".„Dieses Lied," hat denn Jean I a u r e s mit Recht gesagt,„war nicht das Werk eines einzelne«: dieser einzelne tat nicht mehr, als daß er den Zornes- und Hoff- nungsworten, die seit einigen Monaten überall in Frankreich aus den Herzen sprudelten, Gewand und Seele eines schönen Rhythmus lieh." Weil diese Strophen dos Empfinden der Allgemeinheit, der Masse, des Volkes ausdrückten, wirkte die Schöpsung Rouget d« l'Jsles mächtiger aus die Millionen, als es je ein erhabenes Kunstwerk vermacht hätte. Einige Monate währte es, bis das Lied, in handgeschriebenen Exemplaren verbreitet, in den Süden Frank- reich? gedrungen war, ober als, am Borabend atemraubender Er- eignisfe, am 39. Juli 1792 das Freiwilligenbataillon von Marseille, das„Kriegslicd der Rheinarmee" auf den Lippen, in Paris einrückte, wurde es unter dem Namen„Marseiller Marsch". „Marseiller Hymne" oder einfad,„Die Marseillaise" mit einem Schlag volkstümlich. Als ausgesprodiener Kampsgesang ertönte die Weise im Lager und während der Schlodzt und steigerte die Frei- heitstrunkenheit der republikanischen Soldaten bis zum wilden Rausch:„sie riß hin," bekundete Lamartine,„verdoppelte die Kräfte, verschleierte den Tod, sie war das Feucrwasscr der Revolution", und ähnlich meint M i ch e l e t, daß sie am Morgen vor der Schladit bei Iemappes, die die Oesterreicher zersprengte und den Franzosen den Weg nach Belgien öffnete, den Branntwein ersetzt habe. Schon sechs Wochen zuvor, nach der Kanonade von Valmy, die dem Augenzeugen Goethe die Erkenntnis einflößte, daß„hier und heute eine neue Epoche der Weltgeschichte" beginne, hatte der Kriegsminister S e r v a n verfügt, daß fortan statt des Tedcum die„Hymne der Marseiller" gespielt und gesungen werde: religiöse Weihe, daß Tränen dem Auge entstürzten und die Knie sich unwillkürlich beugten, strömte namentlich die sechste Strophe aus:.'Vmcmr sacre de la patric! Stärk, Vaterlandeslieb, und leite Den Rächerarm, der dir sich weiht! O Freiheit, süße Freiheit, streite Mit uns! Wir führen deinen Streit. Aber im gleichen Maße wie ein Soldatenlied im Felde war die Marseillaise ein republikanisches Kampflied im Innern. Die Marseillaise erklang bei der Erstürmung der Tuilerien, der Ausrufung der Republik, der Hinrichtung Lud- wigs XVI.; die Marseillaise ertönte aus dem Mund der Girondisten, als sie am Fuß des Blutgerüstes standen, drang ans Ohr Dan- t o n s bei seiner Fahrt zur Guillotine, begleitete den Sturz Robespierres am 9. Thermidor. Doch da dieses Ereignis einen Rückschlag bedeutete, machte 179-1 und 1795 ein blutrünstiger Gassenhauer„Le reveil du peuple", etwa:„Frankreich, erwache!" dem Lied Rouget de l'Jsles den Rang streitig: die Knüppel- garden der Reaktion stimmten bei jeder Gelegenheit dieses Chanson an, das unverhohlen zur Niedermetzelung der politischen Gegner aushetzte, und fielen über jene, die noch zur Marseillaise den Mund aufzutun wagten, mit rohen Mißhandlungen her. Als gleichwohl der Nationalkonvent durch Dekret vom 26. Messidor des Jahres III, also dem 14. Juli 1795, die Marseillaise zur offiziellen Hymne der französischen Republik erklärte, verhinderte zwei Tage später ein aufgeputschter Mob, daß die aufziehende Wache den allen Freiheits- feinden verhaßten Marsch spielte. Daß trotz schwächlicher Kompromißhaltung der Direktoriums- regierung am Ende die Marseillaise obsiegte, wurde insofern gegen- standslos, als sich B o n a p a r t e 1799 durch den Staatsstreich des 18. Brumaire zum Alleinherrscher aufwarf. Ob Erster Konsul, ob Kaiser, als Bändiger der Revolution sich fühlend, verabscheute Napoleon die Melodie, aus deren elektrisierenden Takten die ganze geballte Kraft der Revolution zu sprühen schien. Erst als der Geächtete nach der Rückkehr von Elba sich der Krücken der Volkssouveränität zu bedienen suchte, durfte der Franzose wieder zur Marseillaise ansetzen, ohne daß ihn der nächste Gendarm un- sanft am Kragen packte, und bei Waterloo schloß sich das letzte Bataillon der Alten Garde unter den Klängen des: Allons, enfants de la patrie! zum todbringenden und todbereiten Viereck zusammen. Noch ärger verpönt war das Hohelied der Revolution während der Restaurotionsjahre 1815 bis 1839, da nod) einmal die feudalen Gespenster aus der Zeit vor dem Bastillensturm die Zügel führten, ober die Iulirevolution ließ zweierlei über den Barrikaden der„drei glorreidicn Tage" wehen: die blauwcißrote Fahne und die Marseillaise. Füglid? hörte sie der Ausbeuter dieser Volkserhebung, der Bürgerkönig Ludwig Philipp, in den ersten Jahren seiner Regierung willig an, ja, Heinrich Heine sah ihn auf dem Balkon des Palais Royal mit der Hand den Takt zu der Marseillaise schlagen, die unten das Volk jubelte, aber als das Lied, das auch in die Freiheitsbewegung der Griechen wie der Deutschen einging, rcpublikanisd)en Straßenkämpscn voranloderte und selbst in den Staatsgefängnissen die eingekerkerten Republi- kaner im trotzigen Bekenntnissaug einte, siel es„an höchster Stelle" in Ungnade. Erst 1849, als eine Welle chauvinistischer Erhitzung über Frankreich hinbrandete, erhob die Marseillaise sich wieder, diesmal als nationalistische Herausforderung, die dem Nachbarn rechts des Rheins mit der Faust drohte; Lamartine antwortete darum mit der F r i c d c n s m a r s e i l l a i s e: O rolle stolz und frei, zieh deines Wegs gelassen, Du Nil des Okzidents, Nationenbechcr Rhein, Und schwemme mit dir fort den Ehrgeiz und das Hasse» Der Völker, die geschart sich deiner Woge sreun! Als Lied der Republik war die Marseillaise wieder obenauf, als die Februarrevolution von 1848 den Thron des Bürger- königs umstürzte: Iubelstürme des Volks, wenn im Th�ätrc Fran>.-ais die große Schauspielerin R a d) c l, eine Trikolore in der Rechten, das Lied von 1792 nicht fang, sondern mit Feuer und Schwung hersagte. Aber der 2. Dezember 1851 schloß der Weise Rouget de l'Jsles abermals brutal den Mund; sie zu singen, war unter dem zweiten genau wie unter dem ersten Kaiscrrcid> ein Stück Aufruhr, das Polizei und Gerichte auf die Beine brachte: mit Recht nannte denn R o di e f o r t sei» unerbiltlidies Oppofitions- blatt gegen den Bonapartismus„Die Marseillaise". Erst als Napoleon III. nach der Kriegserklärung an Preußen den nahen Bankerott seines Systems ahnte, suchte er sich den moralischen Kraftquell des Revolutionssanges zu erschließen. Aus Befehl mußte die Marseillaise überoll erklingen, aber daß die konfiszierten Sub- jcktc, die der Polizeipräsektur als Lockspitzel dienten, sie mit be- soliderer Inbrunst sangen, vermochte eine von vornherein verlorene Sache nicht zu retten. Dafür ertönte mit neuem Schmiß die Marseillaise am 18. März 1871, als die Kommune auf dem Pariser Rathaus die rote Fahne hißte, wie am 2. April, als die Kommunarden den ersten Ausfall gegen Versailles unter- nahmen, und nodi Ende Mai, kurz ehe die„Ordnungs"truppen die Straßen der Hauptstadt mit Blut überschwemmten, wurde bei einem Wohltätigkeitsfest zugunsten der Verwundeten in den Tuilerien die Tragödie Agar umjaudfzt, als sie„Allons enfants!" sang— für die reaktionären Muß-Republikaner, die in den siebziger Iahren nach der Monarchie zurückstrebten, Grund genug, das Lied Rouget de l'Jsles erbittert abzulehnen. Erst als die Repu- blik fest im Sattel saß, konnte sie, am 14. Februar 1879, die Marseillaise zur Nationalhymne erheben. Als offizielle Weise einer nicht immer sehr freiheitlichen, einer oft konservativen, einer auf jeden Fall bourgeoisen Republik schien die Marseillaise allgemach von ihrem revolutionären Elan einzu- büßen; sie wurde blasser und zahmer, geeignet für Bankette satter Bürger; Ludovic Halevy fand, daß man sie immer langsamer und schläfriger spiele; alles andere als eine Ehre für das gegen Despoten und Tyrannen gedichtete Lied war es auch, daß ein Despot und Tyrann wie der Zar es des öfteren bei russisch-franzö- fischen Verbrüderungsszenen entblößten Hauptes anhörte, und längst ist für die arbeitenden Massen Frankreid)? die Internatio- n o l e der Hymnus der sozialen Revolution geworden. Aber immer wieder einmal kommt die Stunde, da die Marseillaise die steifen Knie verliert und im stolzen Rhythmus von 1792 einherstllrmt. Als die Spanier vor genau einem Jahr ihren Alfons davongejagt und die Republik verkündet hotten, was brauste am ersten Freiheits- morgen, von hundert Musikkapellen gespielt, allmächtig und un- widerstehlich durch die Straßen von Madrid? Die Marseillaise! Wie man Stierkämpfer wird Trotz der Gegnerschaft der Tierschutzsreunde und anderer ein- flußreicher Kreise in Spanien ist der Stierkampf noch immer der Nationalsport, und wenn die Jugend auch dem Fußball immer mehr Liebe entgegenbringt, so kommt es vielfach vor, daß diese beiden Dinge miteinander verknüpft werden und man vor dem Ringkamps erst ein Fußball-Wettspiel in der Arena abhält. Der erfolgreiche Stierkämpfer ist nod) immer die gefeiertste Per- sönlichkeit im Lande Don Quichottes. Man kann sagen, daß der große Toreador geboren, nicht erzogen werden muß, aber bis er diese Krönung seiner Laufbahn erreicht, bedarf er doch vieler Erfahrungen, die er in einer langen Ausbildung gewinnt. Eigentliche Stierseäfter- Schulen gibt es in Spanien nicht. Burschen, die Ehrgeiz besitzen, versuchen sich von früh auf an den jungen Stieren auf der Weide, wobei ein Kamerad als Picador dient, indem er das Tier durch Steinwürfe reizt. Werden die Angriffe des Stieres zu gefährlich. dann rettet nur die säfnellc Flucht. Der Viehmarkt, der in vielen spanischen Orten regelmäßig abgehalten wird, bietet günstige Ge- legenheit für diese ersten Schritte aus der Bahn des Ruhmes. Mit einem schmutzigen roten Stück Tuch in der Hand tänzelt der an- gehende Matador vor dem Stier hin und her und springt rasch über den Zaun, wenn die Sache brenzlich wird. Hat sich ein Junge auf diese Weise ausgezeichnet und die Aufmerksamkeit eines Kenners erregt, dann kommt er wohl auf eines der Güter, auf denen die Kampfstiere gezüchtet werden. Hier darf er seine liebungen mit jweijährigen Kälbern sorlsetzen. Dabei verfolgt man den Zweck. sowohl den Mut des Tieres wie den des Anfängers zu prüfen. Die jungen Stiere find gewöhnlich noch nicht stark genug, um die Burschen ernsthast zu verletzen, aber so mancher wird doch nieder- getrampelt und dabei braun und blau geschlagen. Bei soldzen Probcgefechten bekommt man bald heraus, ob der junge Mann fid) wirklich für den Beruf eignet. Ist dies der Fall, dann wird er der Mannschaft eines berühmten Matadors beigegeben. Diese Mannschast wird gewöhnlich aus vier Picadors, die beritten sind und den Stier mit ihren Lanzen anstacheln, und aus zwei Banderilleros gebildet, die zu Fuß sind und die Aufgabe haben, das Tier mit ihren kleinen Dolchen in Wut zu bringen. Der Picador hat die leichteste Aufgabe, während der Banderillero bereits eine große Geschicklichkeit und Kaltblütigkeit an den Tag legen muß. Er stellt sich bewußt den wütenden Angriffen des Stieres entgegen und springt erst im letzten Moment beiseite, um ihm seine spitzen Pfeile ins Fleisch zu stoßen. Der Anfänger steigt vom Picador über den Banderillero langsam zum Toreador auf. Gewöhnlich dauert diese Laufbahn sieben Jahre. Dann erst kommt der große Tag, an dem er zum erstenmal, mit Schwert und Mantel bewaffnet, in die Arena tritt. 29 Minuten sind die Zeit, die sich ein Espada gestattet, um einen Stier zu töten. Wenn es länger dauert, oder wenn er den Stier nicht richtig trifft, dann wird er ausgczisdit und mit den Sitzkissen beworfen, die schwerste Sd)mach, die einem Stierfechter begegnen kann. Ein großer und berühmter Matador ist der Abgott seines Volkes. Diesen Platz nimmt gegenwärtig Juan Belmonte ein, eine blasse zarte Erschei- nung, ja ein Krüppel, der im gewöhnlichen Leben gebückt und hinkend daherschreitet. In der Arena aber ist er von einer unbe- greiflichen Leichtigkeit und Anmut. Er hat kürzlich gestanden, daß er zwei bis drei Stunden vor jedem Kampf die furchtbarsten Aengste ausstehe, und er hotte bereits vor vier Jahren noch einer Verwun» dung in Barcelona seinen Rücktritt angekündigt. Aber der Zauber der Arena ist zu stark, so daß er in diesem Jahr wieder auftritt. Belmonte bekommt riesige shonorare und hat in einem einzige» Monat in Südamersta 499 999 Mark verdient. Arbeiter-Fulj- und Handball Die Fußballspiele am Wahltage Am gestrigen Sonntag führte lediglich der erste Bezirk einige Serien spiele durchs Auf dem Sportplatz in der Kynaststrahe konnte Lichtenberg I gegen Herzfelde mit 6:0 gewinnen. Das Resultat entspricht nicht ganz dem Spielverlauf, um soviel waren die Herzfelder gegenüber den Leistungen der Lichtenberger nicht schlechter. Hauptsächlich die Hintermannschaft machte dem Lichtenberger Sturm allerhand zu schassen. Nur die Fangunsicher- heit des Torwarts schaffte so manche beängstigende Situation, die von den Lichtenbergern dann auch stets ausgenutzt wurde. Erst nach halbstündigem Spiel konnten die Blauweißen den ersten Treffer buchen. Die Herzfelder oersuchten dann mit aller Wucht den Aus- gleich zu erzwingen, bei der sicher abwehrenden Verteidigung Lichten- bcrgs war aber nichts zu machen. Kurz vor der Pause war Lichten- berg dann noch einmal erfolgreich. Nach dem Wechsel hoffte man die Herzfelder mehr in Front zu sehen, Lichtenbergs Mittelläufer, der frühere Halblinke Stürmer, ließ sie aber nicht zur Entfaltung kommen. Als dann nach 20 Minuten das dritte Tor fiel, war es mit der Widerstandskraft der Herzfelder vorbei, lediglich die Verteidiger und der Mittelläufer hielten noch Stand. Noch dreimal mußte Herzfeldes Torwart den Ball zur Mitte geben, dann war Schluß eines, wenn auch harten, so doch fairen Kampfes. Lichtenberg II fuhr zu Eiche-Köpenick und holte sich mit 0: 12 eine hohe Niederlage. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß die Lichtenberger mit fünf Mann Ersatz antreten mußten.— Wacker 30 hatte den Ballspielverein Weißensee zu Gast. Das erzielte Resultat von 2: 2 zeigt, daß auch Wacker im Kommen begriffen ist.— Hansa 31 wellte am Sonnabend bei Wilmersdorf und mußte sich mit einem Ergebnis von 3: 3 zufrieden geben.— Ebenfalls am Sonnabend spielte Lichtenberg I gegen den Fußballklub Nord. Man war über den Ausgang des Spiels eigentlich etwas enttäuscht. Bis IS Minuten vor Schluß lautete das Resultat noch 2:1 für Nord. Der plötzlich einsetzende Regen und die eintretende Dunkelheit brachten den Nordleuten noch drei weitere Treffer, denen die Lichten- berger nichts entgegensetzen tonnten. Hansas Schüler spielten gegen die neugebildet« Schülermannschaft von Saxonia 5: 0. tULVjtbaML/ Schluftiabelle der Serie Nach langwierigen Kämpfen haben die Arbeiterhond- b a l l e r ihre Serie beendet. Die einzelnen Abteilungsmeister sind ermittelt, nun geht es den Spielen um die Berliner Meisterschaft und um den Auf- und Abstieg zur ersten Klasse entgegen. Am Himmelfahrtstage findet im Neuköllner Stadion das E n t f ch e i- dungsfpiel um die Berliner Meisterschaft statt. Die beiden Abteilungsmeister der ersten Klasse, W e d d i n g 1 und FTGB.- Nordring stehen sich hier gegenüber. In Wedding haben wir den Altmeister des Berliner Handballs vor uns, seit 1S28 hat der Verein diesen Titel inne. Seine Haupt- gegner waren in den Vorjahren Neukölln und FTGB.-Süden. Diese beiden Mannschaften müssen in der jetzigen Tabelle mit einem Mittel- platz vorlieb nehmen. Gerade für Süden ist der Ausgang tragisch, glaubten die Südleute doch, daß einer ihrer Spieler für die Serie spielberechtigt sei. Dieser Glaube hat ihnen dann einige Spiele, die sie gewonnen hatten, gekostet, wodurch der Bezirk Nordring der FTGB. an die Spitze kam. Daß Wedding auch zwei Spiele verlor, ist nur dem Leichtsinn einiger Spieler, die schon alle Spiele in der Tasche hatten, zuzuschreiben. Trotzdem konnten die anderen Mann- schaften dem Meister nie recht gefährlich werden. Bemerkenswert ist das äußerst schlechte Abschneiden der Neulinge in der ersten Klasse. Weder die Mahlsdorfer, noch die Luckenwalder, Oberspree oder Wedding 3 hatten Eiegesaussichten. Die Gewinnpunkte rühren meist nur von gewonnen gegebenen Spielen her. Die beiden Tabellen der ersten Klasse haben folgendes Aussehen: Bereln W-dding I.. Nordost.. Osten..., Nowawe».. Velten... Sennin«dors ZkSpenick.. Wedding. Nordring. Wedding 2. Neutdlln. Süden.. Echilneberg Mahledors. vderspre«. Luckenwalde I. Klasse Abteilung A. Spiele 14 14 14 14 14 14 gewonnen unentschieden verloren 14 14 12 g g «i 4 4 14 14 1« 14 14 14 1» 12 Abteilung B. ii 8 S 6 5 3 2 Punkte 24:4 20:8 19:9 14:14 10: 18 9:19 9; 19 7:21 22:6 17:11 16: 10 14:14 14:14 11:17 7: 19 7:17 Sundesregatto der Arbeiler-wasserfahrer. Wie die Bundes- wasserfportleitung des Arbeiter-Turn- und Sportbundes meldet, findet die Bundesregatta am 3. Juli in Berlin-Grünau statt und umfaßt in ihrem Hauptteil 19 Rennen. Die Vorrennen für die Ruderer werden am 2. Juli ausgetragen, während die Vorrennen der Faltboot- und Kanufahrer am Bormittag des 3. Juli stattfinden. Arbeiter- WasserbaM-Sene. Charloltenburg— Wcifjcnsec 17:3 Möwe- Spandau 7: 1 Mit einem überaus sicheren und in dieser Höhe unerwarteten Erfolg befestigte Charlottenburg erneut seine führende Stellung bei den Berliner Arbeiter-Wasserballspielern. Charlottenburg zeigte von Anfang bis zum Schluß ein technisch hervorragendes Können und gab durch fein enormes Spieltempo dem Gegner nur wenig Eni- Wicklungsmöglichkeiten. Das Zuspiel war fast stets ausgezeichnet und die Schußtechnik der Sturmreihe oft verblüffend. Trotz des hohen Resultates muß jedoch anerkannt werden, daß Weißensee unent- muttgt kämpfte und durch taktisch gutes Spiel der Stürmer ver- schiedentlich schön aufkam. Auch die Hintermannschaft konnte ge- fallen. Jedoch war schon allein der schwimmerische Unterschied zu groß, um auch nur annähernd einen Ausgleich zu schaffen. Charlottcnburg hat nunmehr alle Aussichten, seinen Meistertitel erfolgreich zu verteidigen. Lediglich die Mannschaft von Hellas kann den Charlottenburgern den Rang noch streitig machen. Das nächste Spiel zwischen diesen Mannschaften findet am 21. Mai statt.— Möwe zeigte sich in einem flotten und fairen Kampf durch flüssigeres Zusammenspiel und größere Schnelligkeit der Mannschaft von Spandau deutlich überlegen. Spandau spielte zunächst recht angriffs- freudig und kam auch zum ersten Tor des Spiels, wurde dann jedoch im Zuspiel zu ungenau. Möwes Sturm bewies im Gegen- satz zu der oft bemängelten Uebertombination in diesem Treffen| oft schöne Schußentschlossenheit und landete verdiente Erfolge. 4: 1 für Möwe hieß es zur Halbzeit. In der zweiten Spielhälfte wurde das Spielfeld durch energische Gegenwehr der Spandauer aus- geglichener. Leider verpaßte Spandaus Sturm mehrere günstige Torgelegenheiten, die zu einer den Bemühungen entsprechenden Resultatverbesserung führen mußte. Möwes Spielaufbau war durch- dachter und führte zu weiteren drei Erfolgen, denen Spandau nur ein Tor entgegensetzen konnte. Woehentags-Kadreimen Die Trainingsrennen, die die Olympiabahn am Sonnabend zur Durchführung bringen wollte, waren eine verunglückte Angelegenheit. Einen Tag vor der Preußenwahl hatten nur wenige Lust, nach Plötzen- fee zu pilgern. So kam es denn, daß nur etwa ISO bis 200 Personen anwesend waren. Regen zwang außerdem noch zum vorzeitigen Abbruch der Veranstaltung. Von den vier verpflichteten Dauer- fahrern Ehmer, Lohoff, Pawlack und Horn traten nur die ersteren drei an. Lohofs hatte im 2S-Kilometer-Lauf Schrittmacherdefekt, so daß nur Ehmer und Pawlack die„Kämpfe" zu bestreiten hatten. Den Lauf gewann Ehmer. Zum zweiten Lauf trat Lohoff über- Haupt nicht mehr an, während Ehmer, der sich anscheinend mit seinem Schrittmacher nicht verstand, bald verschwand und Pawlack nun im Alleingang„Steger" werden konnte. Das Hauptfahren der Amateure gewann Dasch, während im 20-Runden-Fahren Patzak den ersten Platz belegte. Das Omnium für Berufsfahrer fiel an Becker. Ifteiner Sport von überall Die BetHnet Zußballmeisterfchafl holte sich Tennis-Borufsia durch das unentschiedene Ergebnis von 2:2(1: 1) gegen Stettiner SC. Einen neuen Weltrekord im Kugelstoßen stellte der tschechische Meister Douda in Prag mit einem Wurf von 16,05 Meter auf. Sawall auf der Olympiabahn. Wie nicht anders zu erwarten war, sind die zwischen Sawall und der Berliner Olympia-Radrenn- bahn bestehenden Differenzen schnell wieder beseitigt worden, so daß der Weltmeister bei der nächsten Veranstaltung am 1. Mai am Start erscheinen wird. Sawalls Gegner im Memento über 100 Kilometer sind u. a. Krewer, Thollembeet und Prieto. Der Berliner Straßcnfahrer SieronfN spielte bei der Radsern- fahrt Paris— Tours über 249 Kilometer ein« große Rolle. Er belegte hinter dem in 6:47:30 im Endspurt siegenden Franzosen Moineau den zweiten Platz. Schmelings Schaukampfreise abgebrochen. Boxweltmeister Schmeling hat bei seiner diesmaligen Schaukampfreise durch Amerika lange nicht den starken Zuspruch wie früher. Fast überall fanden sich die Zuschauer nur sehr spärlich ein, so daß die Unkosten vielfach kaum gedeckt werden konnten. Mit Rücksicht auf den im Juni statt- findenden Weltmeisterschastskampf hat die veranstaltende Madison Square Garden-Corporation jetzt den Weltmeister ersucht, die zweck- lose Tournee abzubrechen, um das Fiasko nicht noch größer werden zu lassen. Der Verein für Sörperkulwr„Proles" veranstaltet ein Frei- luftsportfest im Stadion Friedrichshain am Himmelfahrtstag. Das vielseitige Programm sieht außer den leichtathletischen und volks- tümlichen Wettkämpfen zum erstenmal ein Blitzturnier im Faustball der Altersriegen vor. Heraus �um KÄST! In den Wochen höchster politischer Aktivität mußten die Ar- beitersportler manche Interessen ihres ureigensten Arbeitsgebiets zu- guysten des höheren Zieles zurückstellen. Nun gilt es, die Blicke wieder dem engeren Wirkungskreis zuzuwenden und mit vermehrter Energie auf sportlichem Gebiet zu wirken. In größeren Werbe- festen wird sich das Ergebnis der Arbeit trotz schärfster Wirtschafts- krise bald kundtun. Die nächste große Veranstaltung im Arbeiter- spart ist der R e i ch s- A r b e i t e r- S p o r t- T a g, der am 26. Juni wiederum im Grunewald st adion stattfinden wird. Das Ergebnis im Lands. In unserer Montagsonderausgabe sind infolge Platzmangels die Resultate aus zwei westlichen Kreisen fortgeblieben. Wir tragen sie der Vollständigkeit halber hier nach: 22. Wahltreis: Oüsseldorf-Ost. Sozialdemokraten........ 143 835(169 451) Deulschnationale........ 50 601(59 421) Zentrum........... 251 811(230 348) Kommunisten......... 274 410(321 294) Deutsche Volt- partei....... 22 773(61 023) Jlol. Front(WP.. Landvolk usw.).. 20 201<77 171) Deutsche Staatspar. ei...... 9 186(30 237) Mlionalsozialiften....... 399 480(210 162) Ehristlich-sozialer volkedienst.... 21 018(42 270) 23. Wahlkreis: Oüsseldorf-Weff. Sozialdemokraten....... 93 487(119 214) Deutfchnaiionale........ 55 198(59 010) Zentrum........ 341305(30893:) Kommunisten......... 149 159(176 116) Deutsche volksparlei...... 16164(44202) Jlaf. Front(WP-, Landvolk usw.). 16 972(66 154) Deutsche S.aatspartei...... 4 909(15 836) Nationalsozialisten....... 293 973(168 784) Ehristiich-soz'aler Voltsdienst... 10 308(21 939) Sozialistische Arbeiterpartei.... 3713(—) Sonstige........... 7 654(—) Düsseldorf-Stadt: Eoz. 34 712(Reichstagswahl: 42 168). Dntl. 10 389(13 560). Zentr. 66 454(60 838). KPD. 59 273(72 027). Volksp. 7 354(21 096). Rat. Front 7 574(18882). Staatsp. 1 940 (6 431). Natfoz. 82 415(39 170). SAP. 1 275. Tennis als Volkssport Steigende Mitgliederzahlen in den Arbeitertennisvereinen be- weisen, daß bei uns Tennis als Volkssport betrieben wird. Die Bei- träge in den Tennisabteilungen der Freien Turnerschaft Groß-Berlin betragen für Männer und Frauen 3 M., für Jugendliche, Lehr- linge und Studenten 2 M und für Erwerbslose 1,50 M. pro Monat. Bälle werden vom Verein bezahlt. Die Kleidung ist zweckmäßig und billig. Das Cinttittsgeld im Werbemonat April beträgt nur 1,50 M. Bei Neuanmeldung im April braucht erst der Maibetrag gezahlt werden. Alle Anfragen sind zu richten an P. Rauch jr., Neukölln, Schillerpromenade 9. Die Plätze sind im Volkspark Tempelhofer Feld, Eingang Columbiastraße Ecke Golßener Straße. Tennis in Moabit. Der Sportverein Moabit beginnt mit der Tennisaifon auf dem Spielplatz Stromstraße Ecke Alt-Moabit. Jnter- essenten sind zu der Mittwoch, 27. April, 19)4 Uhr, stattfindenden Sitzung bei Rössel, Putlitzstr. 10, eingeladen. SoutiftenntteiB„Die»otatfreoub«". Dienstag, 26. April. Abt. Friedrichs. jflin: Franlfurter Alle« 307(Sbett-Saal):„Naturerkenntnis im Alltag" Dr. Lange).— Friedenau: Öffenbachcr 6tc. 5a.— Humboldthain, Stammabt.: Eillbenomflt. 5:„Das praletaryche Lied der Neuzeit"<9. Weihenberger). Jugend» grupp«: Pank- Sli« Wiesenstrane: Einfllhrungsabend:„Wir Naturfreunde". stindergruppe: Vant- Ecke Wiesenftraße.— Mitte: Iohannisstr. 15: Desang, Vorlesung. sLIederbllcher mitbringen.)— Weddtng.Gcfundbrunnen: WIlldenow- ftraß« 5:„Vogelzug" sLampasial).— Norden: Sonnenburger Str. 20:„Paria- mentarisches"(Maderholz).— Osten, Stammabt.: Ebertystr. 12: Diskussion über die Sencralversammlung.— Neutdlln: Arbeitsgemeinschaft und Uebungsabend, Flughafenstr. 68.— Oberschöncmeid«: Laufener Str. 2: Leseabend.— Mittwoch, 27. April. Photo-Arbeitsgemeinschaft Mitte: Iohannisstr. 15.— Osten, Jugend. gruppc: Frankfurter Allee 307(Sbert-Saal).— Donnerstag, 28. April. Natur. kundliche Abt.: Iohannisstr. 15: Arbcitsabend.— Streichorchester bei Weihen- bcrger, S. 59, Freiligrathstr. 9.— Rofenthaler Vorstadt: Weinmeisterstr. 16—17: Tagestragen.— Tiergarten: Lehrter Str. 18—19, Zimmer I: Goethe-Abend <05. Böttcher).— Humboldthain: Bisttgerstr. 17, Turnhalle. Singelreis: Pont. Ecke Wiesenstraße.— Prenzlauer Berg: Danziger Str. 62, Baracke II:„Wir und die neue Zeit"(3. Abend).— Slldwest: Porckstr. 11: Unsere Volkslieder.— Lichtenrade: Leng, Laiser. Wilhelm, Str. 73:„Leonardo da Vinci"t«k Lreuzbera: Donnerstag, 28. April, 1011 Uhr. Jugendheim Porck. strage 11, Sitzung der Techniker zur Vorbereitung des Bezirksmerbelestee. Vor- stand bereits um I9>� Uhr ebenda.— Donnerstag, 28. April, 20 Uhr, Jugend- beim Urbanstr. 167.'Sprechchorprobe filr die Iugendabteilungen, die bei der Maifeier der Partei mitwirken. Dercia sür Leibesübungen Ostring e. B. Dienstag, 26. April, 29 Uhr, Ver. eknsversammlung bei Wegner, Franlfurter Allee 236. Ilebungstage ieden Diens- lag, Donnerstag uBb Sonnabend, 17 Uhr, Lichtenberger Stadion, Herzbergstraße. iMontaß, 25. April. Berlin. 16.05 Pro). Dr. H. Reichbnbach; rriedrich Zöllner. 16.30 I. Proberger:»> Toccata D-Moll; b) Sarabande. 2. Pachelbel: Vier Fugen über das„Magnificat". 3. Mozart; Sonate D-Dur(K.-V. 576).(Mimi zur Nieden, Flügel.) 17.00 Lieder. 1. Othmar Schoeck, 2. Fiedler.(Frieda Dlerolf. Flügel: Der Komponist.) 17.30 Dr. Ueberall erzählt. 17.50 Hans Hirschstcln:'Wirtschafts-Rundschau. 18.15 W. O. Somln liest eigene Erzählungen. 18.35 Ministerialrat Prof. Woldl, Dr. Karl Reutti und Willy Nenze: Der Angestellte Im modernen Industrtewerk. 19.05 Die Fnnkstunde teilt mit..» 19.10 Stimme zum Tag. 19.20 Räuscher; Zeltangsschau. 19.40 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.45„Solneman, der Unsichtbare". Hörspiel von Robert Kümmerlen. Nach dem Roman von A. M. Frey. Regie; Qerd Fricke. 21.15 Tages- und Sportnachrichten. 21.30 Stadthalle In Magdeburg: Tschalkowsky: V. Sinfonie 0p. 64 B-Moll. (AuOerordenlllches Sinfonie-Konzert der Magdeburger Musiker. Dir.: Prof. Hermann Abendroth.) 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Könlgsvnsterhausen. Lehrer Röder: Rundfunk und Landschule. Heinz Engel: Aberglauben. Hans Kyser: Ernst Moritz Arndt. Spanisch für Anfänger. J. Blauner; Die Organisation des Rundfunks in der Welt. Qflterdirektor BuB: Betriebswirtschaftliche bäuerliche SelbsthilfemaB- nahmen. Hamburg: Bunter Abend. Dr. Herbert Eddelbüttel: Reise in Deutschland. 16.00 17.30 18.00 18.30 18.55 19.35 20.00 22.15 g üfcflA Haus Qünlher: dn hundert Jahren Im ersten Kapitel des Kosmos-Bändchens Hanns Günthers: In hundert Jahren, die künftige Energie- Versorgung der Welt, allgemeinverständlich dargestellt(Kosmos, Ge- sellschaft der Naturfreunde. Franckhsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1931, 78 Seiten mit 26 Abbildungen und einem farbigen Umschlagbild. Preis drosch. 1,25 M.. geb. 2 M.), ein Jubelbändchen, da es das 125. der ganzen Reche ist, wird geschildert, was die Er- schöpfung der Kohlenvorräte der Erde eigentlich bedeutet:„Keine Kohle mehr heißt letzten Endes Verschwinden der Zivilisation! Und da kein Volt gutwillig einen solchen Niedergang mitmachen würde, wäre die erste Folge einer beginnenden Kohlennot Krieg der kohlen- armen gegen die kohlenreichen Länder. Und Krieg beider gegen die Länder, die Wasserkräst« besitzen und deshalb im Gegensatz zu den Kohlenbesitzern nicht Kapitalverzehrer, sondern Nutznießer einer ewigen Rente sind." Aber dann wird in lebendiger und anschau- licher Weise geschildert, wie die Menschheit einem solchen Schicksal keineswegs sehenden Auges entgegengehen und untätig oerfallen wird, sondern wie schon jetzt die technischen Geister überall am Werke sind, die doch einmal zu Ende gehende Energie der Kohlen durch andere Energiequellen zu ersetzen, die unerschöpflich sind, wenigstens so lange die Sonne überhaupt der Erde leuchten wird. Die Kraft de» fließenden und fallenden Wassers, Ebbe und Flut, die Kraft der Winde versucht man, teilweise mit Erfolg, schon jetzt in den Dienst der Energieversorgung zu stellen. Auch die Tempe- raturdifferenz des Oberflächenwassers der tropischen Meere gegen das Tiefenwasser sucht man schon jetzt zur Krasterzeugung auszu- nutzen, und für den gleichen Zweck bei den arktischen Meeren liegen ebenfalls bereits Pläne vor, denen man die Durchführbarkeit un» möglich absprechen kann. Auch die Jnnenwärme der Erde kann nutzbar gemacht werden, es liegen hierzu bereits Ansätze in Kraft- werken bei Vulkanen und heißen Quellen vor. Auch für die un- mittelbare Umwandlung von Wärme, auch der Sonnenwärme, In Elektrizität bestehen bereit» verheißungsvolle Anfänge. Es kann daher keinem Zweifel unterliegen, daß die Menschheit niemals an einem Mangel an Energie, an technischer Arbeitskraft, leiden wird, ja, vielleicht wird es späteren Geschlechtern sogar gelingen, die in den Atomen steckende innere Energie nutzbar zu machen und dann über Kräfte zu verfügen, gegen die alle anderen als zwerghaft verschwinden. Dazu sind allerdings noch gar keine Ansätze vorhanden, und vom heutigen Stande der Physik läßt sich auch noch gar nicht übersehen, wie diese Aufgabe etwa anzufassen wäre Das von gesundem Optimismus gettagene Bändchen ist recht lesenswert: allerdings ist es trotz seiner„Allgemeinverständlichkeit" keine leichte Unterhaltungslektüre, sondern erfordert Nach- und Mit- denken sowie eine gewisse Vertrautheit und das Vermögen des Eins fühlens in technische Dinge. vr. Bruno Borchardt j