Morgenausgabe Dienstag Ml 26 � 1932 sars'Ä&sarft«» H[Jj ��JIL �. �äuto&w lung ins Sans) im voraus zalilbar. r.cM J-JSÄ: feEW MB Li. TO-y fiffie LöL»Wj PI*«W Wz H fTi ?>°sti-ezng 3.S7 M. einschließlich so Pf. fpmS HB BM BB W) HH W> BH BjH WK SSj f/ HB V.nzelwngs- und 72 Pf. Poilbest-lla-. ilMTW! K�SoBi H KM HB Hb«W BB HB{H M t/ Dir- i N Ip a l». Millim-lerz-il- M ii »ährsmAnsIandsabonnemenls.ssÄ. UZWZSM![ HH j Hg �H HR HR HB RH Hl HB BW WW I£/ Sirklamezeile 2.- i'i„aleinc A pro Monat: für Länder mit ermäßig» EM» SSn jKaB BSQ iÄ Bfea Hpf?Ni tgw MW SiK raKi\ zeigen" das fettgedruckte sgort 20 1 tem Drucksachenporto 4.6S M.- OK«Sa' SSS H8 HHl. �gR\ kBk\ HR. BB BM MB Wd BWdVv'(zulässig zwei settaedruckteP;orte!.ied KH| Ml» JSBBL.. HhV M �HrzlßJä meitere Wort>0 Pf Rabati in Tai * Ejjn I �BBaeV MB MI Wort? über lö Buchstaben zählen s r.....|MlL HH\/***/ �aBr'V Jwis A' Hw zwei Worte Arbeitsmarkt Millimetl I>-r.Bormaris erscheint Wochentag. JgUfa � WM>/ ZR»eile 25 Pl. Zamilieuai, zeigen Mit Nch zweimal wountags und Montag,' TV/ /Jmo� SM. meterzelle IKPs. Anzeigenannahl «inmah die Abendausgabe für Berlin____ im k>auv!aelchSst Liudenstrah- SU- WZMBtS SHSsHäs Jstttrawrga« der Sozialdemosvatischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 ssernlpr.. Dönboss i\ D 292—297. Telegramm. Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Enttäuschung rechts. Oer angekündigte Sieg ist ausgeblieben. Das Urteil über den Ausgang der Landtagswahl in der Presse lautet ganz allgemein: die Hoffnungen der Rechten smd enttäuscht worden, die Hitlerträume der Eroberung der Mehrheit in Preußen ist nicht erreicht worden. So schreibt die„ gierung zurückzuführen ist, steht es dem„Temps" als offiziösem Organ der herrschenden Schicht schlecht an, heute zu moralisieren und die Reicheregierung als verhandlungsunfähig hinzustellen. Red. d„D.") Die Rechtsblätter nützen den Erfolg Hitlers weidlich für die W a h l p r o p a g a n d a zu den bevorstehenden Kammerwahlen aus. Der„Zntransigeant" stellt zwar fest, vaß das Wahlergebnis keineswegs überraschend sei. spricht aber trotzdem das Wort .Kriegsgefahr" aus, das bereits vor einigen Wochen die ge- samt« Poriser Bevölkerung lähmte. Zta! en. Rom, 25. April.(Eigenbericht.) Die faschistische Presse macht aus dem Ergebnis der Preußsnwahl einen entscheihenden Sieg der Nationalsyzia- listen. Immerhin betonen die Berliner Korrespondenten der großen Blätter die entscheidende Tatsache, daß Hitler die Majori- tat in Preußen nicht erreichen tonnte. Selbst mit den Deutsch nationalen und den kleinen nationalistischen Gruppen sei diese Mehrheit nicht zu erreichen gewesen Einzelne Korrospon- deuten geben der Auffasiung Ausdruck, daß die bisherige Regie- rungskoalition sich weigern werde, den Nationalsozialisten die Macht zu übergeben und das Kabinett Braun als geschüftsführende Regierung bestehen bleiben würde, falls das Zentrum nicht nach rechts schwanke und eine sicher« Majorität mit den Rational- sozialisten möglich mache. Amerika. Washington. 25. April. Die amerikanische Presse bringt die Ergebnisse der gestrigen Wahlen durchweg mit Ueberschristen, in denen zum Ausdruck kommt, daß die Nationalsozialisten«inen gewaltigen Zuwachs gegen- über der bisherigen Zalst ihrer Mandate in den einzelnen Parlamen- ten erhalten hätten, daß es ihnen aber nicht gelungen sei, die absolute Mehrheit zu erringen. In amtlichen Kreisen wurde— wie stets— auch diesmal ein Kommentar abgelehnt. In Kon- greßkreisen begrüßt man jedoch die Tatsache, daß die Ratwnaljzzialcsten nicht di« absolute Mehrheit erlangt haben. Senator Wagner erklärte, er nehme an, daß Frank- reich nach den Wahlen vom 10. und 24 April nunmehr zur Lernunst kommen und im Interesse praktischer Zusammenarbeit mit Deutschland bei den eigenen Wahlen endlich eine liberale Mehr» heit ins Parlament entsenden werde. Dänemark. Kopenhagen. 25. April. Das Regierungsblatt„Social-Demokrate n" schreibt: Die gestrigen Wahlen in Preußen standen im Zeichen der Reaktion. Hitler saugt alle bürgerlichen M i ttel p a r t e i e n auf mit Ausnahme des Zentrums, das ein wenig vorwärtsgegangen ist. Ein Lichtpunkt ist, daß die großen Städte an- fangen, vernunftig zu werden. Indessen hat Hiüer sein Ziel: die Eroberung der Macht in Preußen, nicht erreicht: wie bei der Präsidentenwahl ihm dies im letzten Augenblick mißglückt. Trotz der furchtbaren Verhältnisse in Deutschland, trotz wütender Angriffe hat die Front Braun-Seoering dem Sturmlauf standgehalten und ist nicht zusammen- gebrochen. Es hängt nun von der Stellungnahme der Komminriften im Landtag ab. ob die R«affion die Macht erhallen soll, oder ob eine sozialistisch orientierte, arbesterfteundliche Regisrung bestehen und helfen soll, di« Politik des Reiches in republikanischer, sriedens- freundlicher und demokratischer Richtung zu prägen. Niemand wird Hille« gewaltigen Fortschritt bestreiten, der außerordentlich ge» jährlich ist für die Demokratie und für den Frieden in Europa. Aber die Verhältnisse in dem verwüsteten Deutschland sind so außer- gewöhnlich, daß eine Konjunkturpartei wie die der Nationalsozia» listen ebenso schnell abwärtsgehen kann, wie sie empor, gestiegen war. Holland. Amsterdam. 25. April.(Eigenbericht.) Der Amsterdamer„Telegraaf" schreibt zu dem Ergebnis der P r s u ß e n w a h l. es sei zweifelhaft, ob es die günstigste Lösung wäre, die Nationalsozialisten im Hinblick auf die vielen Widersprüche in ihrer Propaganda politisch auszu- schalten, zumal bisher selbst der größte Freund dieser Bewegung in ihr kein politisches Genie habe entdecken können. Zluf jeden Fall sei die Position der Regierung Brüning sehr geschwächt. „H e t V o l k" stellt fest, daß augenscheinlich bei den Wähler- massen«ine merkwürdige Verschiebung von den Kommunisten zu den Faschisten stattgefunden habe. Die Zunahme sozial- demokratischer Stimmen in Zentren wie Berlin und Hamburg deuteten auf Ansätze zu einem Umschwung. der jedoch für die Preußenwahl zu spät gekommen sei. Der Fa- schisinus als Teilstück einer Regierunzskoalition würde sich sein eigenes Grab groben, da er seine Versprechungen nicht einlösen könne. Jetzt hätten Brüning un d H i tle r das Wort. pslen. Warschau, 25. Aprill Dep regierungsfreundliche„Kurjor Poranny" sogt, daß der neue Preußisch« Landtag ein hervorragendes Gebiet für weiter« Ver» ! ch ä r f u n g der Porteitämpfe sei. Ferner erklärt das Blatt wärt- lich:„... Zunächst sehen wir ln Deukschloud ein Ehaos, aus dem für den Frieden in Europa nichkz Gulls hervorgehen kann. Die Deutschen werden immer mehr zur Gefahr für den Weltfrieden. Der neue Reichs außen minister wird nicht ohne Rücksicht auf Hitler ernannt werden. Das Reich wird diesen Trumpf auf internationalem Gebiet auszuspielen versuchen, was weder das Vertrauen zu Deutsch- land noch die llüäglichkeit einer Zusammenarbeit mit ihm erhöhen wird, zumal Deutschland in großen Schritten nach Beherrschung des geschlagenen Europa, zum mindesten aber nach Abschüttelung der Reparationen strebt. Die Auslösung der nationalsozialistischen Armee ist nur Hitler zugute gekommen. Tschechosiowakei. Prag. 25. Aprill(Eigenbericht.) Die dem tlcheschischen Außenminister nahestehenden Blätter glauben, daß die Rcichsregierung und die preußisch« Regierung trotz der Erfolge der Nazis bei der Preußenwahl weiter im Amt bleiben werden. Das sozialdemokratische„Pravo Lidy" sagt, daß in Preu- ßen die Kommunisten und das Zentrum die Entscheidung in Händen haben werden und es fei zu befürchten, daß die Kommunisten die Hakenkreuzler unterstützen werden. Die Preußenwahl werde sich Ungunst ig für ganz Europa auswirken. Japan provoziert. Schwere Besorgnisse in Üer Sowjetunion wegen der Lage im Kernen Osten. ieit mindestens zwei Monaten ist die Ausmerksamkeit der deutschen öfsentlichen Meinung fest restlos durch die ver- schiedenen Wahlkämpfe in Anspruch genommen worden. In- zwischen ist aber die Weltpolitik weitergegangen, und es wird an der Zeit, daß das deutsche Volk sich wieder ein» gehender mu den augenpolitischen Vorgängen besagt. Daß die diplomatische Lage Deutschlands im Hinblick aus die Probleme, die es unmittelbar angehen, wie die Abrüstungs» und Neparationsfrag-, nach den Wahlergebnissen vom 24. April erheblich schwieriger geworden ist, davon wird sich insbesondere der Reichskanzler Brüning, der am Sonntag nacht wieder in Genf eingetroffen ist, inzwischen überzeugt haben. Die Eindrücke, die er dort gesammelt hat, werden vermutlich nicht ohne Einfluß auf die weitere inner- politische Entwicklung in Deutschland sein, die vor allem vom Zentrum und daher in erster Linie von Dr. Brüning selber abhängt. � Für heute sei indessen ganz besonders auf die erheb- liche Zuspißung hingewiesen, die die Lage im F e r n e n O st e n gerade in den letzten Tagen infolge der Haltung Japans erfahren hat. Die sogenannte mandschurische Regierung, die unzweifelhaft nur ein blindes Werkzeug der Machthaber in Tokio ist, geht offenbar darauf aus, die Sowjetregierung so zu provozieren, daß schließlich ein bewaffneter Konflikt unvermeidlich wird. Die jüngste Herausforderung besteht in der Verhaftung von mehr als 50 sowjetrussischen Angestellten der ostchinesischen Eisenbahn, um deren Freilassung sich Moskau bisher ver- gebens bemüht. Dem waren zahlreiche andere Provokationen vorangegangen, die immer wieder von weiteren Truppen- Konzentrationen japanischer oder„mandschurischer" Truppenteile begleitet wurden. Diese Kräfte werden immer näher an die Grenze der Sowjetunion herangeschoben, und die beruhigenden Zusicherungen, die Japan offiziell auf die besorgten Anfragen der Sowjetregierung abgibt, können an- gesichts der zynischen Verlogenbeit der japanischen Diplo- matie nicht darüber hinwegtäuschen, daß die japanischen Militärs tatsächlich aggressive Absichten hegen. Roch vor zwei Tagen erklärte der japanische K r i e g s m i n i st e r dem Sonderberichterstatter des„Petit Parisien", daß Japan feine Ziele in der Mandschurei konsequent weiterver- folgen würde, unbekümmert u m d i e Proteste der Sowjetunion oder des Völkerbundes. Die Drohung Japans mit dem Austritt aus dem Völkerbund, falls sich dieser in die Angelegenbeiten der Mandschurei ein- mischen würde, wird immer deutlicker ausgesprochen. Japan betrachtet eben die Besetzung der Mandschurei und die Ausrufung einer„unabhängigen" Regierung in Mulden, die in Wirklichkeit nur aus Strohmännern Javons besteht, als vollendeteTatsachen, an denen es nicht mehr rütteln lassen will. Die nächste Etappe soll offenbar darin bestehen, daß der russische Einfluß auf die für die direkte Verbindung zwischen Sibirien und Wladiwostok so wichtige o st ch i n e- fische Eisenbahn in der nördlichen Mandschurei völlig zerstört wird. Darauf deuten schon die jüngsten Verhastun- gen von Cisenbahnangestellten hin. Die dann folgende weitere Etappe wäre über kurz oder lang die Eroberung von Wladiwostok durch die Japaner. Es ist unter.diesen Umständen durchaus begreiflich und bsreckstigt, wenn man in Moskau diese Entwicklung m i t größter Sorge veriplgt. Es ist vielleicht übertrieben und voreilig, wenn der Führer der kommunistischen Gewerk- fchastsint-rnationals, Losowsskn, in diesem Zusammen- hang gestern von einem unmittelbar bevorftehenden Krieg Japans gegen Rußland sprach. Das gleiche gilt von der Behauptung Molotoms vor drei Tagen, da1* Japan diesen Angriff in engstem Einvernehmen mit den General- stöben der Westmächte vorbereite. Dennoch darf we Ge- fahr nicht unterschätzt werden. Deshalb erscheint es uns auch verfehlt, daß Molotpw in seiner Rede Javan und den Völkerbund in einen Topf warf. So sehr der Völkerbund bisher versagt bat, als es galt, durch eine entschlossene rechtzeitige Aktion China vor dem japa- nischen Imperialismus zu schützen, so ist nicht zu bestreiten, daß es!m Völkerbund nach immer ebrliche und nicht einfluß- lose Kräfte gibt, die dafür wirken, daß man Japan Einhast .gebiete. Gerade deshalb droht ja die Regierung von Tokio dauernd mit dem Austritt aus dem Völkerbund. Die deutsche Diplomatie hat sich bisher in dem Konflikt zwischen Japan und China viel zu passiv ver- halten. Sie ist deshalb bicr scharf kritisiert worden. Jetzt, wo die Gefahr immer größer wird, daß der fernöstliche Kon- flikt sich auf die Sowjetunion ausdehnt, wäre nach unserer Auffassung die Reichs'-»1''-"rimg unbedingt verpflichtet, aus ihrer bisherigen Passivität herauszutreten und für eine schärfere Aktion der Mächte und des Völkerbundes gegen Japan einzutreten. Dazu wäre es freilich nötig, daß die Reichsregierung auf Grund der weiteren innerpolitischen Eni- Wicklung außenpolitisch aktionsfäbig bleibt und daß die anlcholsch-w'llischen und!nt»''"-ntioni�!schen Kreiste, di» im Nationalsozialismus vorherrschen, weiter von der Macht ferngehalten werden. Zum Lteberfall aus Otts Wels Die Täter bleiben in Hast. Köln, 25. April.(Eigenbericht.) Die ttntionalsozialistischcn Rowdys, die In der Nacht vom Freitag znm Tonnabend den Fichrer der Sozial- demokratischen Partei Otto Wels nnd den Kölner Polizeipräsidenten in der rheinische« Metropole überfielen und mißhandelten, bleiben auf Anordnung des Unteifluchuogsrichters vorläufig weiter in Haft. Unter den Häftlingen befindet sich auch der national- sozialistische Neichstagsabgeordnetc Ley. Brandstifiung poittifcher Banditen. Kola. ZS. April. Zm SladtteU KSla-Zollsiock braant« ia der vergangeaea yiaäfi etae Barocke der Spzialistischea Arbeiterjugend noUsländig nieder. Da bei der Ankunft der Feuerwehr die Tür dxg f)?ir.;s erdcochen vorgcsuuden wurde, niw.iut man an, daß das Gebäude vcn innen in Brand gesiecki wordeu isi. Man vermukel. daß die Tat politis«heu Hinlergrund hat. Der Wolf und�die Zwerge. (Em Märchen) ÜT. VOUCP. Kvmj: „Raziwolf, friß den da!" „Erst freß ich mal euch!" Auch Amerika muß sparen. Zornesausbrüche gegen England im Senat. Washington, 25. April. Der nordamerikanlsche Etatsplan kürzt die Ausgaben um 32 Millionen Dollar auf 326 346 666 Dollar. Präsident hoover hatte nur eine Herabsetzung um etwa lK Millionen gefordert. Heber- raschenderweise ist für Luftschiffbau nichts mehr eingesetzt, selbst für die weitere Instandhaltung der„Los Angele?" nicht. Für Schiffsbauten sollen 41 236 666 Dollar eü, schließlich der M o» dernisierung veralteter Schiffe bewilligt werden. Die Ankündigung des britischen Schatzkanzler« im Unterhaus, daß keine Zahlungen an Amerika in das neue Budget«in- gestellt seien, erregte im Bundessenat Uederraschung und U n- willen. Reed sagte, er bezweifele, daß England sein« Verpflich- tungen an Amerika nicht in ohrlicher Weis« zu regeln bereit sei; für Amerika jedenfalls komme ein neues Moratorium nicht in Frage. S e w i«. bezeichnet« M«.britisch« Erklärung hin« aegen aU„infame. Propaganda' gegen di« Interessen Amerikas ho well äußerte di« Vermutung, daß dt«„inter-. nationalen Bankiers" dahinter steckten. B o r a h erklärte, da» hponer, Moratorium sei tm porigen Lohr nicht im Interesse Englands, sondern Deutschlands proklamiert worden, und Amerika sehe keine Beraulossvag. den Alliierte» entgegen- zukommen, solange sie vicht ihre Rüstungen herabsehen, die Reparalionsfrage lösen und den versailler Vertrag revidieren. Weitere amerikanisch« Opfer seien nutzlos, solang« die gegen- wärtige politische Konstellation nicht geändert werde, denn sonst tonne sich Europa trotz einer Streichung der Kriegsschulden an Amerika nicht erholen. Borah lehnte gleichzeitig den kürzlichen Vorschlag von Alfred Smith ab, der bekanntlich auf ein zwanzigjähriges Mo- ratorium und ein« Abschreibung vom Schuldkonta der europäischen Schuldnerstaaten in hohe von 25 Pro.;, der amerikanischen Ausfuhr nach Europa hinauslief. Es sei sehr unwahrscheinlich, so inainte Borah, daß dieser Plan die amerikanische Ausfuhr wesentlich heben und Europa wirklich helfen würde. Nutzen würden davon nur d>« Besitzer europäischer Wertpapiere Hoden, und inzwischen müßte der schwer geplagte amerikanische Steuerzahler die Kosten tragen. Im Staatsdepartement erklärte man, von der britischen Regie- rung kein« Benachrichtigung erhalten zu haben, daß sie kein« weiteren Zahlungen an Amerika leisten wolle. Da sich die britischen Zahlungen „an Amerika mit d°n von Europa an England zu leistenden Ber- pflichtungen aus dem Weltkriege ungefähr die Waag» halten, also da? britisch« Budget gar nicht beeinflussen, so legt Man Ehamberlalno Erklärung koiizs erhebliche Bedeutung bei, sondern nimmt an. daß die britisch« Regierung nur da? Ergebnis der Lausanner Konserenz abwarten will, bevor sie diese Pasten dem Budget einfügt. Später eiirtresfende Meldungen aus London he-' stätigtsn diese Auffassung des Staatsdepartement», woraufhin dort erklärt wurde, es fei demnach keine Veranlassung zu irgendeiner Stellungnahme. Noch nicht genug geschlagen! Hilgenberg will--- Iteichcktagenpahlen. Unter der„Ueberschrist„Die Niederlage de» Systems' ver« öffentlicht der Pressechef der DNVP., 5)ani Brosius, in den Partei« amtlichen Mitteilungen längere Ausführungen zum Ergebnis der Preußenwahl, in denen es u. o. heißt:„Schließlich aber muß der Reichspräsident v. hindenburg einsehen, daß auch Millionen seiner Wähler die Beseitigung des Kurses Brüning-Braun fordern, und daß er nur dem Willen des Volkes Rechnung trägt, wenn er auch den überalterten Reichstag auflöst und hier hie Bahn für eine Rechtsregierung freimacht. Die Deutschnationals Volks- Partei hat am 25. April den neuen Kampf begonnen. Sammlung der eigenen Kräfte und Einsatz zur ctdzüitizen Beseitigung des Systems sollen Hugenberg die Grundlage zu seiner Wiederaufbau» arbeit schaffen."_ Der Nazisreund. Gemeindevorsteher seines Amtes enthohen, Der Landrat de« Kreises Düren hat gestern verfügt, daß der Gemeindevorsteher Hansen des Ortes Jakab- wüllesheim vorläufig fem Amt nicht mehr wahrnehmen darf. Die Maßnahme wird bannt begründet, daß Hansen am vergangenen Sonnabend bei einer Zentrumsversammlung N a t i o n q l s o z i a» listen, die in den Saal gedrungen waren und dort großen Lärm verursachten,» n t e r st ü tz t habe. In dieser Versammlung kam es zu Tätlichkeiten, und das Dürener Uederfallkommando räumte schließlich den Saal mit dem Gummiknüppel. Nachspiel zu Langewiesen. Bürgermeister Worch will Disziplinarverfahren gegen sich beantragen. Bürgermeister Worch, dessen Vorgehen bei der Auslosung der SA. utid' SS. zu verschiedensten Vorwürfen gegen ihn gesübrt hatte. hat sich auf Grund eines Attestes bei seiner vorgesetzten Behtstbe, dem Kreisamt in Arnstadt, trank gemeldet. Er bedarf nach dem Attest zur Wiederherstellung seiner Gesundheit eine« mehrwöchigen Urlaubs. Seine Amtsgeschoste übernimmt bis auf weiteres der sozialdemokratische Beigeordnete Teufel. Bürgermeister Worch erklärte, daß er beim thüringischen Ministerium ein Disziplinar- verfahren gegen sich zur Klärung der Angelegenheit beantragen wall«. Ein törichtes Experiment. Zur Senkung der Branntweinsteuer. Im„Reichsaiizeiger" wunde gestern die Verordnung über die Senkung der Branntweinsteuer bekanntgegeben. Seit Jahren klagen die Bronntweininteressenten, von den groß- agrarischen Schnapsbrermern bis zu den Gastwirten, über den Rück» gang des Branntweinkon-smns. Di« Ursache des Verbrauckzsrück« ganges wird natürlich nicht in der Einsicht gesehen, daß übermäßiger Alkoholgenuß schädlich sei, sondern die Branntweinsteuer soll an allein schuld sein. Dabei hat der Schnapskonsum schon lang« vor Er- höhung der Branntweinsteuer abgenvnmien. Durch die Krise ist selbstucrständlich der Verbrauch noch weiter zurückgegangen. Nach langem Widerstreben hat sich fetzt di« Rc- gierung von den Interessenten überzeugen lassen. daß die riesigen Vorräte an Branntwein nur durch eine Senkung der Steuer verringert werden kannten. Durch Notverordnung wurde di» Branntweinsteuer von 466 auf 256 Mark je Hektoliter ermäßigt, woraus vom Beirat der Neichsinonopvlverwallnng für Branntwein der Berkaufspreis für Trinkbpanntwein od gestern von 6 aus 4 Mark herabgesetzt wurde. Di- Hoffnungen ans eine Konsunibelebung. di« nach Ansicht der Interessentenkreise au« dieser Preisermäßigung entstehen solle». teilen wir nicht. Vielmehr halten wir die ständige Verringerung des Branntweingenusies für zwangsläufig. Abgesehen davon ist auch der Kauslrastschwmw bei der arbeitenden Beoölterunz schon so groß, daß diese Preisermäßigung zu keiner Verstärkung des Branntweinkonsums führen wird. Dem notleidenden V rannt- weinmonopol wird also nicht geholfen. Auf der anderen Seite entsteht aber durch die Steuersenkung eine Verringerung der Steuereinnahmen in Höhe van 45 Millionen Mark. Da bereits durch di« Senkung der Liersteuer «ine Schmälsrnng der Steuereinnahmen in Höh« von rund 156 Mit« lionen Mark eingetreten ist, betragen di« Mindereinnahmen an Steuern durch die Senkung der Bier- und Branntweinsteuer beinahe 266 Millionen Mark. Selbst wenn di« Verringerung der Steuer- eirmahmen durch eine Erhöhung deo Konsums im nächsten Jahre nur 156 Millionen Riark betragen sollte, was hätte man mit diese» 150 Millionen für die Arbeitsbeschaffung beitragen können: jetzt werden sie wahrscheinlich witzlos oerpuloert. Durch di« Senkung der Branntweinsteuer wird di« R« f o r m der Bränntweinwirtfchaft auch nicht wenlger notwendig. Man entzieht sich vergeblich der Erkenntnis, daß ollein durch tzlnposiung der Prä- duktion an den gesunkenen Konsum die jetzig« den Verbrauch und den Staat gleicherweise sckzädigende Spiritus Wirtschaft geändert werden kann. _ Weisswaren Kleiderpassen Crtpe Geoi gelte, mit Spachtel komb. Stück Kleiderplastrons � jg dopp. Crtpe Georgette, m. SpaohtelmotjSt I Kleiderwesten dopp.cr«pe Georgette, mit plissiert. Bäffchea, Stück 1.25 1.45 _-Parfiimerien—_ Hertie-Familienseife ä a© 500 Gramm......... Karton mit 5 Stück Eau de Cologneeuchin a©k Chypre E.d.C. tl Lavendel-Citr� Dopp.-Fi. Regia-Zahnpasta � Tube 0,20, Doppeltnbe v —Kleiderstoffe Wollmusseline Är, in hellen u.daQklen Farbstellnngen, Meter Woll-Spitzenstoffe lür Kleider o. Blasen, in viel. Farben, Ytr. Afghaiaine gemnstert. In hflb- soben Soxoinerfarben, f. fesclie Kleider. Mte BOUCle reine'Wolle, doppeltbreit, das mod. Gewebe, in gr, Fatbenansw.. Mtr. „ Herren- Artikel—, Mod. Oberhemden n für Herten, mit Kragen............ 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Fransen, St- 7.50 4,90 6.75 WM»WM'MM Wahlkörper- Versammlungen der arbeitslosen NKdileder. Wahlkörper II milfogs 11V; Ahr. im Sitznngsiaol bes Aerb an vs Hanse». Cinienltc. 83 85 eilcnfnnftruttintt»., Autn., Maschinen-, Bau-, Schwarzbiech» und Karosserie- schlosser. Wahlkörper III: mitlas* 12- Ahr, im Sihungssaal des Verbands Hauses. Llni eastr. 83 83: Elsen-, Metall-, Reooloer-, Karussell- und Bohrwerksdreher, Schraubendreher, Rundschleiser, Einrichter, Butomaien- «jnrichter, Rohrieeer und Rohrleger- Helfer. Wahlkörper IV: mittags S Uhr, im Sihungssaal des Verbandshauses. Cinienffc. 83 85.: «raueure, Ziseleure. Gürtirr. Drücker, Schleifer, Galuaniseure, Etsensormer, Metallsormer, Kernmacher. Arbeite- rinnen, F-il-nh-uer, Gieherei- n. Sils». arbeit r. Zigarettenmaschinenführer. Be- triebshaudwerler, Kluovorsührer. Wahlkörper V: aZ% mittags 2 Ahr. im Sitzungssaal des verbaadshauses. Linieastr. 83 83: Hobler. Bohrer. Stoßer, Fräser, Schnitt. arbeiter. Watzwertarbeiter, Sold» und Silberarbeiter. Mechaniker, Optiker, Uhr- wacher, Wertzeupmocher. Lcharslchieifer, Ardeiterinnen, Tagesordnung: Deralung der Anträge und Dahl der Delegierten zur General- Versammlung am 9. Mai 1932. Zutritt haben nur diejenigen Riigiieder. die im VerdandSdiich die Beruisoeäeich- nung haben, iur welche die Versammlungen einberuien sind Ohne Mitgliedsbuch und Arbelt». lasentorle kein Zutritt. vannerstag, den 28. April. abends 8 Ahr. im Latal van Mall- lchlllger, AbalberlNrahe 21 Vrandlen-Versammwas der Drahtarbeiter Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Distuision. 3. Neuwahl. 4. Berichredenez. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet, den 28. Aprll, 6 Vereins- Donnerstag nachm. 5 Ahr. in Emalds haus. Skaliher Sirahe 228 Versammlung der Kravenre und Ziseleure Tagesordnung 1. Vortrag des Kollegen Paul Eckert über: Der wirlschaftlrche Aufbau in Eowjet-Rußland ? Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes, Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt Es ist Pflicht aller Kollegen, an dieser Versammlung teilzunehmen, Mitund. Waizwerkarbelter! vannerstag, den 28. Aprll. nachm. 6'/a Ahr, im verdaudshaua, lllnlanstrahe 83 83, Saal 3, 3 Treppen Vertrauensmänner- bonterevi der Walzwerk-, Blei.. Draktkabel-, Panzer- und PapierrobrarheUer und -arbeUerlnnen, sowie Blelrobr- und PlatlcDabziebcr für das graphische Gewerbe Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. K-Ii Kassenbericht. S. Berichl der Revisoren, 4, Neuwahl der Branchenkockwission. 5. Derjchiedenes. Donnerstag, den 28. April, abends Z Ahr, im Sitzungssaal des verbandshanles, 2 Treppen Elsttsser Slrahe 88/88, Eingang B Honferenz der weiblidien Vertrauens- leate und Betriebsräte Tagesordnung: 1. Der Wirtschafteausbau in Sowjet- Rußland. Referent: Henri Iohansen. 2. Verbandsangelegenheiten und Ver- fchiedenes. Da es sich um wichtige Fragen handelt, werden die Funktionärinnen el sucht. piinktUch und bestimmt zu erscheinen Organisierte Kolleginnen können als Gäste an der Konferenz teilnehmen. AddtmS. Betriebsräte! Die Betriebsräte- Zeilschrift Nr, 7 ist erschienen und kann gegen Vorzeigung der Legiiimatienstarle des Betriebsrats- Obmannes im Verbandshaule, Zimmer 3 täglich bis 4 Uhr, Freitags bis t Uhr, entnommen werden. Die Ortsverwaltung. TUe&let Ltdtisptele ustv Siaafs % Theater Dienciag, den 26. April Win�r • Garten- f B 8.15 Uhr Flora 3434 itaudien erlaobl T arlef�-Bevne M.,FUiif im Käsewagen*4 mit I Flhrlleli. Halm ay, Tlorernn, ■ rueliu jr, s�iSneian I usw. '.vdr CASIHO- THEATER vi" Lothringer Strohe 37, Grosser Preis-Abbau! Auch Sonnabend u. Sonntag: Park u Rang Seile nur 0.50, Faut. u. Rang Mitte 0.75, Sperrsitz u. Balkon 1.—. Logen u. Sessel 1.50 Her Operetten-Sehlagrcr: Rimn-Heifall! Man errüsiert sich für wenig Geld! GRUNEWALD HEUTE 3'/, UHR FRUHLINGS- RENNEN cnajjjES S€HAllSPiElhi4JJS\ DIE SCHÖNE ELENA MAX REINN INJZENKEKJMO �oer gute Kapftön� K AllStkhiblC'St in den meisten Zl- nauiauull qarrsnqesch. erhiltl. C. Röcker. Berlin Lldnenlierger Straße 22, Könlgsi. 9 SlädLOper Charlonenburg BismarckstraBe 34 Diensiag, 26. April Turnus iV N'eueinstudierung Premiere DleEntfübrung aus dem Serail Perras, Eisinger, Fidesser, Kandl, üombert, Reiff Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhr Theater Ldolleniloripiatz Pallas 7051 Nur»lud vsDige Taje! SVi Uhi.Stg. 4i/« Uhr TraumeiDerRaclit Operette in 3 Akten Regie: Heinz Saltenbnrg Rundfunkh halb.Pr Stgs. 4U Uhr kl. Pr. .Theater in der. Stresemannstr. Täglich 8'/» Uhr BeiiuRQhmann n OerMustergatte Schwank in 3 Akt l.Kiino• Theater Täglich 8'k Uhr Das Tbeatn der Stepieler Maria Stuart Tills Ourieux, Erika Wagner voiKsuittme Thtater am BOlowpiati 8 Uhr Kamrail Kasper Sinti. Sdiiller-Mer s Uhr Cyrano vonBergerac Oealsdies Tßeater, 8 Uhr Vor Sonnen- nnfersang v. Gerh.Hauptmann Regie; Max Reinhardt metropoi-Theater Täglich 6lli Uhr Cart Götz in Mus Aimeß Operette von Curt Götz, Musik von Benatzky Rose■ Ttieater ir»8« Fraektirtii Slrale 13? Iii. Weidiul E 1 342? 8.15 Uhr Die Frau. die jeder sudit Th. im Admiralspalast Täglich 8V« Uhr Rättie Dorsch Gustaf Gründgens in: Liseiott* Singspiel v.EdnardKDnneke BERLIN O 34 . JSO! Buttergroß- hamUung Filialen in allen Stadtteilen Deatsöier Metallarbeiter-Veibaoii VciwaltnngMtclic Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Gürtler Theodor Venzlaff am 22. Äpril gestorben ist. Ehre seinem AndenZen! Die Einäscherung findet am Dietis- tag, dem 26 April, nachmitlags 4 Uhr. im Krematorium Wilmersdorf statt, Rege Beteiligung wird erwartest Die Ortzverwaltimg. Erfinder— Torwbrtsstrebende Hohe Geld-Belohnung Näheres kOMenlos durch F. 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Jetzt im beginnenden Frühling gibt dieser Volkspark seine Premiere. Sdiöne Partien im bewegten Gelände, mit kleinen Seen, mit Plansdibedcen und kleinem Tierpark. Bewunderung erregt der künstlidie Berg, dessen Spitze zu erklimmen für nicht geüble Bergsteiger Sdiwieriükeiten bereitet. Der Bezirk Tcmpelhof hat sidi mit der Sdiaffung dieses Freigeländes sehr verdient gemadü: der Mariendorfer Volkspark soll für den Süden Berlins dasselbe werden wie der Volkspark Rehberge für den Norden. Der See im neuen Volkspark Mariendorf. Mutier Seidler. Sklarck-Prozcfj im Schlafzimmer einer Wahrsagerin. Der Sllarek- Prozeß wurde gestern an einer ungewöhnlichen Stätte verhandelt, nämlich in dem Schlafzimmer der Zrau Seidler. Vm Hause Körnerstrahe 5. Richter, Angeklagte und Verteidiger, etwa Zl> Personen, drängten sich in dem engen Raum der dett- lägerigcn. öZ Zahre alten Zrau, die den religiösen Eid mit beson- derer Betonung leistete. Die Vernehmung der Wahrsagerin gestaltete sich äußerst interessant, da sie nicht nur von ihren Wahr- träumen berichtete, sondern auch die Angeklagten, besonders die b c- schuldigten Beamten der städtischen Verwaltung, außerordentlich stark belastete und die Dinge bestätigte, die sie in der Voruntersuchung dem Untersuchungsrichter mitgeteilt hat und aus denen zum größten Teil die Anklage basiert. Zrau Scidlcr berichtet: Max Eklarek habe ich durch Kriminalkommissar a. D. Griitz- inachcr 1919 oder 1920 kennengelernt, der eine Auskunftei hatte. Er suchte mich auf und brachte eine Offerte. Ich legte ineine Binde um und sagte ihm. was ich sah.'?ch erklärte ihm:„Sie znusscn ubex. das P e m p» l h o sc r A c l d nach Neukölln gehen. Da werden Sie einin Herrn aii einem kleinen Häuschen' stehe» sehen, der ißt etwas, das ist nicht Brot, das ist nicht Brötchen. Fragen Sie diesen Herrn, an wen Sie sich wenden sollen." Dann sab ich die Offerte an, und sie war wirklich aus Neukölln. Mar befolgte auch meinen Rat und ging nach Neukölln. Da stand an einer Bude ein Herr und aß aus einer braunen Tüte Schnecken. Auf den ging Max S. zu und fragte ihn, an wen er sich wegen der Geschoitc mit der Stadt wenden solle, lind da sagte dieser Herr: „Da bin ich ja zuständig." Es war nämlich— Herr K i e b u r g, mit dem hat er dann Geschäfte gemacht."— Wer Max Sklarek war, wußte ich nicht. Er hatte mir nur gesagt, das; sie drei Bxüdcr seien und ein Geschäft mit Textilwaren in der Wallstraße hatten. Was Textilwaren sind, muhte ich gar nicht. Vors.: Wie oft kam denn Mar eklarek zu Ihnen? Zeugin: Er kam sehr oft. Willy Sklarek ist nie über meine Schwelle gekommen. Ich habe ihn nur zweimal gesehen. Ich war immer gegen ihn eingenommen, weil Max sich immer darüber beklagte, daß seine beiden Brüder sich um nichts kümmerten und nur zur Rennbahn gingen. Auch Leo hat oft über seinen Bruder Willy geschimpft. Max und Leo. Max hat mir von seinen Geschäften immer von A bis Z erzählt. Einmal sprach ich auch mit ihm und da sagte ich: „Ich sehe eine große Summe Geld, da ist aber ein alter Herr da- bei." Bald darauf wurde die erste Million durch tferri, Bamberg gegeben. Dann kam Moritz N o s c n t h a l. der bat drei Millionen gewährt. Wenn er Geld bekommen hatte, sagte Mar:„Da geht so viel ob an Zinsen und Spesen, der kommt und der kommt und der kommt und will etwas haben", so daß ich noch meinte:„Do wird ja vielleicht das Loch größer, als der Segen ist." Frau Seidler bekundete ferner, daß die Sklareks englisches Geld durch Vermittlung von Rosenthal bekommen sollten, der ja die großen Wäschelieferungen hatte. Nachdem Rosenthal in Eng- land keinen Kredit bekommen hatte, sollte amerikanisches Geld ge- geben werden. Leo und Willy Sklarek wollten ja auch mehrmals aus dem Geschäft raus und abgefunden werden. Vors.: Hot Leo Ihnen auch voi, den Geschäften erzählt? Zeugin: Jawohl. Er erzählte mir ober auch von seinem persönlichen Leben und bot, ich möchte doch nichts Schlechtes von ihm denken, er niöchte ja gerne zu Hause bleiben und solide sein. Einmal sagte er:„Gestern»oben sie mich wieder in der Nacht aus dem Bett geholt, und ich mußte mich mit ihnen bcsaufen." Frau Scidler erzählte dann weiter, daß Leo Sklarek sie im August 1929, also kurz vor dem Zusammenbruch, nach der Komman» dnntenstraßc gebeten hätte, wo sie Willi Sklarek kennenlernen sollte. Leo sagte mir, Max lügt wie immer, Sie sollen von Willi Sklarek erfahren, wie es wirklich ist. Willi sagte dann, als er ins Zimmer kam:„Gnädige Frau, Sie sollen die WaHrHech hören. Es heißt immer, es kommt dos Geld, womit wir unsere Verpflichtungen bei der Stadtbonk abdecken können. Wenn dies Geld nicht kommt, flehen wir als die größten Lügner und Betrüger da. Wir bchclfen uns schon lange Zeit mit Schecks. Wenn uns nicht bald geholfen wird, gehen wir kaputt. Rosenthal verspricht immer, daß wir Geld bekonunen sollen, ober es kommt nichts. Wenn wir das Geld nicht heranschafsen, sind wir schlimmer als Barmat und K üti s-k e-r-mid kommen iiw Zuchthaus.'-- lBewcgung.) Äv r f.: Was hat Max Sklarek denn dazu gesagt? Zeugin: Nichts; er hat den Mund zusaminengckniffen und war kreidebleich. Leo ver- suchte ihn noch zu beruhigen. Vors.: Ist Leo Sklarek nicht zwei Tage vor der Verhaftung zu ihnen gekommen und hat gesagt: „Jetzt ist es Zeit, etwas beiseite zu schassen"? Leo bestreitet näm- lich, daß er diese Aeußcrung im Sinne einer Schädigung der Gläu- biger gebraucht habe.— Frau Seidlcr erklärte, daß sie die Worte Leo Sklareks damals nicht in diesem Sinne ausgcsaht habe. 5rau Seidler alö Hellseherin. Dann gab es eine längere Debatte über die helljeherischcn Fähigkeiten Frau Seidlcrs. Rechtsanwalt Dr. P i n d a r: Sic be- haupten, daß Sie hellseherische Fähigkeiten haben. I e u g i n: Ich behaupte van mir gar nichts. Die Menschen, Wissenschaftler und Aerzte, Professor Schrcnck-Notzing u. a. sagen es von mir. Frau Seidler schilderte dann einen Traum: Vor etwa drei Jahren träumte ich. ich sei auf einem großen Berg, und da standen Galgen, an denen sollten alle drei Sklareks aufgehängt werden. Eine Menge Staats« anwälte waren da. und es waren schon sechs oder sieben Schlingen gemacht. Da vereinigten sich alle Schlingen zu einer, und ich steckte meinen Kopf rein. Daraufhin wurden Feldloren mit Büchern an- gerollt, in denen Geld war, und damit wurde ihre Schuld abgedeckt. Wenige Monate vor ihrer Verhaftung im Juli 1929 hatte ich einen anderen Traum, da erschien mir meine tote Mutter, und ich sah dann plötzlich drei Jungen, die den Sklareks ähnlich waren, mü einer Schaukel. Sie schaukelten wie toll und koimten sich vor Freude und Ausgelassenheit gor nicht lassen. Plötzlich stürzten olle drei herunter und sielen in ein großes Loch, in dem sie beschmutzt und zerrissen liegen blieben. Rechtsanwalt Dr. Pin- dar: Zu Ihnen kamen viele hochgestellte Persönlichkeiten, um ihr Schicksal zu erfahren? Zeugin: Jawohl, Angehörige jedes Stan- des sind zu mir gekommen. Dr. P i n d a r: Haben Sie nicht auch während des Krieges mit dem Großen Hauptquartier in Verbindung gestanden? Zeugin: Darüber möchte ich schweigen. Das steht aber alles in den Akten. Auf Fragen von Rechtsanwalt Dr. Puppe schilderte die Zeugin ferner, daß sie an Oberbürgermeister B o e ß einen Brief mit einer Schilderung über die Verfehlungen Kieburgs geschrieben habe. Diesen Brief habe ihr Kieburg einige Tage später gezeigt und er- klärt, daß er ihn durch Stadtrat Schllning erhallen habe. Die Sklareks seien auch durch Kieburg hereingelegt worden. Von dem Angeklagten Degner behauptete die Zeugin, daß er nach den Erzählungen von Max und Leo Sklarek die Verträge mit der Stadt ausgearbeitet, und Beschwerden beim Bezirksamt Prenzlauer Berg beigelegt habe. Bon Schöning habe Leo erzählt, daß er sich reget- mäßig Beträge abhole und immer nach Geld verlange, wie ein .Kind nach der Flasche. Auch den Bürgermeister Schneider belastete die Zeugin. Max Sllarek sei einmal gekommen und habe gesagt: „Heute ist mir das stärkste Ding meines Lebens passiert. Bürger- meister Schneider vom Bezirksamt Mitte wollte 5009 Mark für eine Hypothek haben und hat mir einen Schuldschein ausgestellt." Sie habe zu ihm gesagt:„Wenn er ein Ehrenmann ist, gibt er Ihnen das Geld auch ohne Schuldschein wieder. Zerreißen Sie den Schein und dann werden Tie es feststellen können. Ich war ganz empört, als ich hörte, daß Bürgermeister Schneider im Prozeß den Empfang der Summe abgestritten hat. Renngclder hätten Kohl, .Hofsmann, Degner und Sakolofski bekommen: Gabel habe ver- schiedene Gegenstände erhalten und Mar habe sich oft bitter be- klagt, daß Menschen in guter Stellung immer nur wegen des Geldes zu ihm kamen." Frau Seidlcr bestätigte auch den Zusammenhang zwischen den Zuwendungen und den pflichtwidrigen Handlungen Degners und Gäbels, erwähnte auch die Revisionen der Stadtbank- beamten und daß Max darüber gesagt hatte:„Wenn ernstlich nach- geprüft werde, könne ein Lehrjunge das ganze Gebäude umwerfen." Es sei ihr auch bekannt gewesen, daß Frau Hofsmann einen Pelz, Frau Schneider«inen Blaufuchs und Frau Oberbürgermeister Bocß einen Pelz bekommen habe, der 1000 Mark hostete und der ihr mit 375 Mark berechnet worden war, die sie aber auch nicht bezahlte. Sehr erregt wurde die Zeugin, als Iustizrat Werthauer, der Ver- leidiger des Bürgermeisters Schneider, ihr vorhielt, daß sie von den Sklareks wöchentlich 200 Mark erhalten habe. Durch das Kreuzfeuer der von den Verteidigern an sie gerich- i teten Fragen wurde Frau Seidler sehr erschöpft. Die Anwälte ver- zichteten auf weitere Fragen und der Vorsitzende vertagte die Ver- Handlung auf Mittwoch. Vier tödliche Unfälle. Ehepaar beim Ausflug getötet! In den letzten 24 Stunden ereigneten sich in Berlin mehrere schwere Unfälle, bei denen vier Menschen de» Tod gesunden haben. An der Kreuzung Nonnendammallcc und Gartenselder Straße in Siemensstadt prallte«in Motorrad mit einem Lastauto zu sommen. Der Führer des Rades, ein 38 Jahre alter Tischer Max G r ü tz b o ch aus der Feldstraße 14 in Spandau, und seine 3Sjohrige Frau Emma, die im Beiwagen saß. wurden auss Straßen- pflastcr geschleudert, wo sie mit schweren inneren Verletzungen und Schädelbrüchen bewußtlos liegen blieben. Die Verunglückten wurden ins Spandauer Städtische Krankenhaus gebracht, wo sie bald � nach ihrex Einlieferung starben. Die Leichen sind von der Skoaksanwallschaft bcschlagnähmt worden. Vor dem Hause Köttbüsser Dämm'89 wurde der 5Sjährige Dreher Hzugo Fritsche, Kottbusscr Damm 0 wohnhaft, von einem Motor- radfahrer erfaßt und zu Boden geschleudert. F. erlitt einen doppelten Schädelbruch, an dessen Folgen er im Urban- krankenhaus gestorben ist. Auf tragische Weise kam der 50 Jahre alte Werkmeister Paul Albrccht aus der Spaarstraße 23 ums Leben. A. ist bei den Ber- liner Baustoffwerken in der Fröbelstroße 14 beschäftigt. Beim Ausladen von Brettern aus einer Lore rutschte Albreckst aus und schlug mit dem Hinterkopf so unglücklich aus den Zeinentboden auf, daß er auf der Stelle getötet wurde. 'Der roie Miier von Fürstenwalde. Neuer Hochverrakeiprozeß. Leipzig, 25. April.' Bvr dem Reichsgericht begann ein Hochverrats- prozeß gegen den Obergefreiten Fritz E n g w i ch t sowie weitere elf Personen, größtenteils Arbeiter und Angestellte aus Fürsten- walde, darunter den Magistralsbeamten Wilhelm Schulz. Die Zlngeklagten hatten eine geheime Organisation gegründet, die de» Zweck verfolgte, die Reichswehr sowie die P o l i z e i f ü r k o in m u n i st i s ch e Ideen zu gewinnen. Der Obergefreite Eng- wicht hatie mit den anderen, vor allem mit Schulz, mehrere Zu- sammenkünfte, bei denen über die Zersetzungstätigkeit bei der Reichswehr gesprochen wurde. Im Falle des Mißlingens der Pläne sollte Engwicht die Möglichkeit verschafft werden, nach Rußland zu fliehen, wo man ihm angeblich einen neuen Betätigungskrcis zu- gewiesen hätte. Zu der Verhandlung sind als Zeugen viel- Reichswehrkameraden Engwichts geladen, an die sich die Angeklagten herangemacht hatten. Der Prozeß dürfte einige Tag- dauern. Unser aller Genosse Iran; Bange. Charlorten-burg, Rosinen- slraße 4, der kürzlich seinen 70. Geburtstag begehen konnte, bittet uns, airs diesem Weg« ollen Gratulanten seinen herzlich st en Dank zu übermitteln. tstlva slcinsce� d Wie das Sisdiparlament ausschen wSlde. Mehrheiisbildung würde im Rathaus noch schwieriger sein. Der sür die Sozialdemokratie gute Ausfall der gestrigen Landtagswahlen In B e r l i n gibt Veranlassung zu einer Letrackstung darüber, wie bei den erzielten Slimmenergebnissen die Berliner Sladtverordneteuversammlung jetzt aussehen würde. Bei der Stadtverordnetenwahl am 17. November 1929 erhielt die Sozialdemokratie 651 735 Stimmen, während sie es bei der gestrigen Landtagswahl auf 797 990 Stimmen brachte. Sie hat also gegenüber der letzten Stadtverordnetenwahl einen Gewinn von 115265 Stimme» zu verzeichnen. Die Kommunisten hoben gegenüber der Stadtoerordnetenwahl 82182 Stimmen gewonnen. Die Wahlergebnisse stiegen bei ihnen von 565595 auf 618 077. Ganz erheblich abgenoinmsn haben die Deutschnationalen. Während sie bei der letzten Stadtoerordnetenwahl 191756 Wühler für sich ein- fange» konnten, haben sie es gester» nur noch auf ZZS 513 gebracht. so daß sich also ein Verlust von 179 213 Stimmen ergibt. Das Zentrum bucht eine Zunahme von 8829 Stimmen. Wie bei der Landtagswahl, so wären in einer Stadtverordneten- Versammlung, die jetzt gewählt werden würde, die bürgerlichen Mittelparteien fast- ganz aufgerieben. Di« Bolkspartei hat 127 996, die Wirtschaftspartei 89 371 und die Deutsche Staats- Partei 51 668 Stimmen verloren. Dagegen konnten die Rational- fozialiften ihre 132 931 Stimmen vom November 1929 auf 761 8-i» bei der gestrigen Wahl erhöhen. Sie gewannen also 632 899 Stimmen. Insgesamt hätten also die neun Parteien, die augenblicklich im Berliner Rathaus vertreten sind, nach dem gestrigen Wahlausfall 2 681 151 Stimmen. Da die Stadtverordnetenversammlung eine durch Gesetz festgelegte Zahl von 225 Mitglieder hat. so ergeben sich für die einzelnen Parteien folgende Mandatsstärken, wobei wir die jetzt vorhandene Zahl der Mandate in Klammern einfügen. Sozial- demokraten 67(66), Deutschnationale 18 l19), Zentrum 9(3). Kommunisten 55 151). Bolkspartei 2(16), Staatspartei 7(14). Nationalsozialisten 64(11). Christlicher Volkdienst 1(3). Die Wirt- fchastspartei wurde von ihren zehn Mandaten nur ein einziges retten. Ein« Mehrheitsbildung für eine vernünftige Kommunalpolitik im Nathaufe wurde»ach diesem Ergebnis noch schwieriger sein als sie bisher schon ist. Fürfien, Prinzen und Bilder. Tolle Zustände bei der Bank für Deutsche Beamte. In dem Prozeß vor der Strafkammer gegen Alois Wober und Genassen wegen des Zusammenbruchs der Bant für Deutschs Beamte wurde der Angeklagte Makler Egon Freiherr v. B u ch w a l d eingehend über die Bikdergefchäfte der Bank, an denen er hervorragend beteiligt war und die der Bant Millionen- Verluste gebracht haben, vernommen. Die Berlsondlung brachte den Beweis, in wie erstaunlich leichtfertiger Weife die mühsam ersparte» Gelder der Einleger vergeudet wurden. Ein deutscher Prinz spiest dabei eine recht üble Rolle. Der 13 Jahre alte Angeklagte ist der Sohn des verstorbenen Oekonomicratz und Gutsbesitzers Ramrath, der feinen Erben einen umfangreichen Grundbesitz in Wilmersdorf hinterlassen Hatto. Der Angeklagte hat aber sein Erbteil bis auf wenige Ansprüche längst verbraucht. Im Jahre 1922 wurde er von dem allen Freiherrn v. Buchwald adoptiert. Bon dem Angeklagten Treumann wurde v. Buchwald dem Lombardhaus Bitterlich und der Bank nach Ab- schlug des ersten Lombardes auf den„echten" del Sarto. als eine Erhöhung des Loinbardes gewünscht wurde, als Vertrauen»- mann der Potsdamer Fürstenfamilie präsentiert und als ehemaliger Gardeoffizier vorgestellt. Buchwald wurde Eigentümer des del Sarto und gab für die Erhöhung des Lmnbavdkrsdits weitere 19 Bilder, angeblich mich aus dem fürstlichen Familienbesitz. Später brachte v. Buchwald immer mehr Bilder, die er beleihen ließ. Unumwunden gab der Angeklagte fetzt zu, daß er a l l e d i« s e Bilder von Kunsthändlern gekauft habe. Die Bilder seien ihm auf eine Woche überlassen worden. Nachdem er dann den Lombard von der Bank erhalten Hatto, habe er mit diesem GWd die Bilder gekauft. Buchwald zahlte auch an die Bant die hohen Zinsen von dem(hclde, das er von der Bank selbst erhallen hotte. Bon den crholtcne» Lvmbardstnwncn in chöho von 569 09«? M. seien ihm aber nur 80 909 M, geblieben, denn er habe 330 090 M. sür den 'Ankauf der Bilder, 84 999 M. sür Zinsen gezahlt, und dann seien nach die 2 Pröz. Damno, die Provisionen und Spesen abge, gangen. Das übriggebliebene Geld habe er für feine» Lebensunter- hall und zur Bezahlung von Spielschulden verwendet. Roch diesen Bildergeschästcn hat es Buchwald verstanden, von der Bank noch persönliche Kredite b i? zu 579 999 M. zu erhalten. Als Sicherheit gab er seine angeblich l>ohen Erbschasts- nnsprüche, sein Auto und seine Wohnungseinrichtung an. Für die Bank war bei der 5ireditgewährung vor allem niahgebend, daß v. Buchwald Besitzer des del S a r l o war, den man aus M i l- l i o n e n schätzte. Schließlich tauchte der Prinz August von .Eohenlohc-Oehringcn aus, der die Bilder für 2 Millionen Mark kaufte und einschließlich der Verzugszinsen Wechsel über 2.2 Millionen Mark gab. Dafür bekam er dann aber von der Bank einen Diskontkredit von 2 Millionen Mark, für den die Bilder der Bank als Sicherheit dienten. Racbdem dieses Geschäft abgeschlossen worden war und der Prinz die 2 Millionen Mark bar erhalten hotte, erschien der Bormund des Prinzen auf der Bildfläch« und focht die Gültigkeit der Wechsel an, da der Prinz— wegen Verschwendungssucht entmündigt war. Die Wechsel waren also nichts wert und die Bank war 2 Millionen Mark losz sie mußte zufrieden sein, daß der Prinz sich verpflichtete, ganze 199 999 M. zurück- zuzahlen. Auiofallen in Mecklenburg. Landstraßenverbrecher am Werk. Güstrow, 21. April. Unbekannte Personen hatten auf der Güstrow-Teterower Land- straße einen elf Meterlangen Koppel draht als Auto- falle gespannt, wodurch der Autoschlosser Wilhelm Preuß aus Tetcrow mit seinem Motorrad verunglückte. Er wurde zu Boden geschlendert und erlitt erhebliche Verletzungen Nunmehr haben vor- inutlich die gleichen Täter auf der Teterow-Warener Landstraße einen gleichen Llnschlag verübt. Hier fuhren zwei Radfahrer gegen das Seil und kamen zu Fall. Am Abend gegen elf Uhr wurde das Drahtseil andergleichenStelle crneutgespannt. Ein dagegonfahrendes Personenauto wurde von den Tätern in i t Steinen beworfen, wobei fast sämtliche Scheiben des Autos in Trümmer gingen. Bisher ist es nicht gelungen, die Verbrecher zu fassen. Klemkes Tod. Der dritte Tag im Fels-neck-prozeß. Der Felsen eck-Prozeß schleppt sich nur mühseliz vor- wärts. Gestern konnte erst der vierte angeklagte Nationalfozialist Knuth vernommen werden. Vorher hatte ober noch der frühere K o m m u>6l st. jetzt N a t i o n g l s o; i a l i st Schwortz auf verschiedene Fragen Rede und Zlniwort zu stehen. Dieser bereits zweimal wegen Körperverletzung verurteilte Knuth will nicht wissen, wie und unter welchen Umständen der Arbeiter Klemke getötet wurde. Sein Mitangeklagter Genosse Willbock. der ihn belastet halte, wurde van ihm für geisteskrank erklärt. In die Enge getrieben, war er gezwungen zuzugebe», daß er a l s erster den Schlag gegen den Kalo nisten Klemke geführt hat. Er schilderte ausführlich, wie der Sturmbannführer Schulz vom Polizeihauptmanii Kühl aus der Berfanimlung heraus- gerufen wurde und später zu den SA.'Leuton sagte, daß man die gefährdeten Kameraden nach 5?ause begleiten müsse. Alz in der Kolonie Felscneck nach Ankunft des SA.-Zuges das Alarmsignal«r- tönte und Schreckschüsse abgefeuert wurden, sab er plötzlich einen Mann inst einer Latte in der 5>ond'«nes sich zulaufen. Er erhielt einen Schlag gegen die Schulter und schlug nun selbst mit seinem Koppel von unten nach oben zurück. Er weiß anscheinend wirklich nicht, ob er den Schlag nicht etwa von einem Kameraden erhalten hat. Denn im selben Augenblick, da der Mann angeblich aus ihn zu lies, stürzten sich auf jene» mehrere SA.-Leute, die vorher nach der Parole gefragt hatten. Jmnicr mehr SA.-Kameradcn liefen hinzu, erzählt Knuth, schließlich waren es 10 bis 15 Man«, die auf den Flüchtenden einschlugen, und aus dem Kreis«, der ihn umgab. fiel dann auch der tödliche Schuß. Wer geschossen hat, will Kuuth nicht gesehen haben, obgleich der Schütze ganz in seiner Nähe ge- standen haben muß. Eigentümlich, mit welcher Ztuhe und Selbstverständlichkost dieser Angeklagte die Tötung des Kommunisten Klemke schildert. Man begreift nun auch, weshalb die SA.-Leute den Umweg über Felsen- eck gewählt haben Zwischen ihnen und den Felseneck-Kolonisten gab es seit jeher Zwistigkeitch'. auf der Stempelstelle rempelte man sich gegenseitig an. Man hatte also gewisiermaßon eine alte Rech- nung zu begleichen. Zur Erledigung kamen gestern auch die Anträge der Berteidi- gung aus 5)astentlasiung von acht Kommunisten. Dr. Leppmann und Dr. Ewers erklärten sämtliche Angeklagten als haftfähig, und das Gericht lehnte die Hastentlassung ob. Den schweren Wirbelstürmen in Aiuerika sind bisher in Ar- k a n s a s drei, in T e n n e s s e e sieben und in Kentucky zwei Personen zum Opfer gesollen. Die Zahl der Verletzten ist vor- läusig noch nicht zu übersehen. Er schuldet dem Reich S3lKH> Mark! Stevtrsteckbrief gegen einen Generaldirektor. Da» Finanzamt Breslau- Land hat gegen de» früheren Generaldirektor Paul Lucas, zuletzt, in Nsuhabelsberg bei Berlin. Kailorstrahe 21 wohnhaft, jetzt in ftöllstm-Bafel-Land. «inen Steuerstsckbrief erlassen. Lucas schuldet dem Reich eine R e i ch s f l u ch t st e u e r von 83 175 Mark. Um den zahlreichen Gerü6)ten, die im Zusammenhang mit der Aiiideckung des rissigen D e v i s« n sch m u g g« l s in Köln entstanden sind, entgegenzutreten, veröffentlicht die Zollsahndungs- stelle Köln nunmehr den Namen des hauptbeteiligten Bankiers. Es handelt sich um den Inhaber de» Privatbankgcschäftes W i l h e l m Schlegel i» K ö l n- K l c t t e n b e r g. Die Untersuchungen sind noch nick)t abgeschlossen. Ltnter Sandmassen verschüiisi. Ein Wandervogel erstickt, zwei gerettet. Düsseldorf. 25. April. Ein sosgenschlveres Unglück«reignelc sich in cincr Sandgrube Im benachborlcn Homberg. Wehrcre Wandervögel hatten sich dorl, um vor dem Regen Schutz zu suchen, in eine Sandgrube geslüchkel. Plötzlich kamen die Sandmassen in» Rutsche» und begruben drei Wandervögel unler sich. Die nicht vcrschütteien Wandervögel begannen sofort mit den Rellungs- arbeilen und Hollen Einwohner siombergs zu Hilfe. Aach kurzer Zeil konuten die drei Verschütteten geborgen werden: einer von ihnen war erstickt, der zweite war nur leicht verletzt und wurde dem Krankenhaus zugesührlz der drille kam mit dem Schrecken davon. Schwere Verkehrsstörung in Berlim Durch einen soltsamcn Unfall wurde gcstcrn nachmittag in der T a u e n tz i en st r a ß e der gesamte Straßenbahnverkehr nahezu 45 Mimiken long lahmgelegt. An den Tauentzienlichtspielcn, Ecke Nürnberger Straße: waren Arbeiter n>it dem Anbringen von Reklame- Plakaten beschäftigt. Plötzlich kippte die hohe mechanische Leiter um und siel auf die Oberleitung der Straßenbahn, wo sie sich derart in den Drähten verfing, daß die alarmierte Feuerwehr über eine halbe Stunde brauchte, um die Leiter aus den Straßenbahn- drähten wieder zu lösen. Inzwischen hatten sich lanoe Wagcnreih«» ang»sammelt. Nach droiviertelstündigor Störung, die sich in der Haupt- Verkehrsstraße sehr empfindlich auswirkte, konnte der Straßenbahn- verkehr wieder ausgenommen werden. ».us cism Uussiscttsn übertragen von Werner Eergengruen. Mein jüngerer Bruder ist Musiker. Geiger. Er studiert am Konservatorium. Sein Brief kommt aus dem Lazarett. Der linke Arm ist ihm amputiert worden. Die Tränen treten mir in die Augen. Ich kann nicht an mich halten und muß lange weinen, ohne daß ich es will. Unsere Erholungszeit in dem behaglichen Gutshause ist zu Ende. Wieder torkeln wir in langer Marschkolonne weg- auf und wegab, ohne zu wissen, wohin und warum. Wir nähern uns abermals der Front. Nachts hären wir entferntes'Artilleriefeuer und sehen plötzlich aufzuckenden Feuerschein am Himmel. Bei Tage gewahren wir unterwegs zahllose Truppenverbände, Geschütze. Train und Sanitäts- toloimen. Aus den stumpfen und gleichgültigen Augen der Sol- daten spricht unterwürfige Ergebung. Wir sind schmutzig, zerlumpt, stoppclbärtig, wir haben seit Wochen keine mensch- liche Behausung von innen gesehen, haben im Erdboden herumgewühlt! so sehen wir wie Höhlenbewohner aus. Un- sere seit Monaten nicht mehr gewaschenen Gesichter, über- zogen init einer dicken Schicht von Schmutz, Fett uild Schweiß, unsere seit vielen Wochen nicht mehr rasierten Backen und Kinne und unsere vom Schmutz bunkelgrau ge- wordenen Lammfellmützen. das olles gibt uns das Aus- sehen menschenähnlicher Tiere. Wir rengieren kaum aus die Dinge unserer Umwell. Die Denksähigkeit ist uns endgültig abhanden gekommen. Unser verwildertes Leben dünkt un? der naturgegebene Daseins- zustand, es ist, als könne es gar nicht anders sein Nickte regt uns auf, nichts beunruhigt uns, nichts setzt uns in Schrecken. Unsere Seilen sind verödet, verwüstet und ausgebrannt wie Dorfhütten nach einer Artlüeriebeschießung. Wir sind ohne 5)offnungen, ohne Glauben, ohne Wünsch«, ohne Leid oder Mitleid. Wir bewegen uns apathisch, träge. gedankenlos und schläfrig. Leiden, Blut und Verderben an- derer Menschen kümmert uns nicht mehr, wie uns auch die «beständige Drohung des eigenen Todes nicht mehr schreckt. Seitlich vom Wege liegt mitten in einem dünnen Walde eine kleine Lichtung, deren Boden mit einer dicken Schicht trockner, gelber Blätter bedeckt ist. Am Rande der Lichtung zieht sich ein langer, frisch aufgeschütteter Hügel hin, zum Teil mit Tannengrün bedeckt. Mitten aus dem Hügel ist ein großes hölzernes Kreuz errichtet. Am Fuß des Kreuzes ragt aus dem Boden ein weißes Brett mit einer einfachen, Hand- geschriebenen, vom Regen verwaschenen Aufschrift. Unter diesem Kreuz liegen hundertundzweiundvierzig Mann. Um das Massengrab herum liegen viele kleine Grabhügel ver- streut. Einige sind ohne Kreuz, anders haben ein kleines Kreuz aus zwei abgeschälten, zusammengebundenen Aesten. Es ist ganz still auf der Lichtung. Die Bäume bewegen sich leise. Unter den Füßen der Soldaten raschelt das Laub. 5)int«r dem Walde liegt, den engen, neben der Birken- reihe herlaufenden Graben entlang, eine lange Reihe toter Soldaten. Sie liegen nebeneinander wie in Reih und Glied und haben neue Mäntel, gleichmäßig graue Pelzmützen und helle Stiefel. Sie müssen zu einem neu formierten und neu equipierten Truppentcll gehört haben. Offenbar wurden sie von Maschinengewehr- oder Gewehrfeuer hingemäht, und darum sind sie fast ohne Blut- und Schmlltzspuren und auch nicht verunstaltet. Die Gesichter sind von fliederfarbner Bläue, wie mit der gleichen Farbe bestrichen. Der bärtige Flügelmann Hai. einen offenen Mund. fletscht die Zähne und seine Augen stehen halb offen. Er hat die Knie gekrümmt, die Sohlen ruhen auf der Erde. Sein Nebenmann hat sich ihm zugewandt und sieht mit weit ge- öfsimten Augen vor sich, als mustere er aufmerksam seinen Kanieraden. Der dritte streckt ein Bein in die Höhe, ein sinnloser Anblick, das Bein reckt sich auf wie ein Gwehr Weiter liegen zwei beisammen, die Gesichter einander zugswandt. als führten sie ein lautloses Gsfvräch. Am anderen Flügel starrt ein langer Arm mit einer mächtigen geballten Faust in dis Höhe. Jemand versucht, den Arm heruntsrznblzgen. aber es gibt nur ein trocknes Knistern und der Arm gibt nicht nach. Einige Kameraden, die gern neue Stiefel hätten, per- suchen, den Toten die Stiefel auszuziehen, aber die Stiefel haften fest an den gefrorenen Muskeln und rühren sich nicht von der Stell«. Bei der Marschpause stoßen wir auf eine große Schar Gefangener. Viele von ihnen haben bereits ihre guten Stiefel und warmen Sachen gegen Brot und Tabak ver- tauscht. Sie haben keine Tornister mehr, keine Wäsche und nichts von all dem militärischen Kleintram, den der Deutsche so peinlich genau in feinem Tornister mit sich führt. Viele sind leicht verwundet. Man sieht verbundene Köpfe. Arme, Gesichter. Sie mächten so gern rauchen und sehen gierig auf unsere Leute, die sich ihre Zigarette oder Pfeife angesteckt haben. Einige entschließen sich, zu bitten und bekommen ein paar Stummel, die sich' kaum im Munde halten lassen. Aber schon»ach dem ersten Zug reißen lhnen die Kameraden diese kläglichen Ueberreste aus der Hand. Die Gefangenen haben seit gestern nichts zu essen bekommen, aber so ausgehungert sie sind, träumen> e doch mehr von Tabak als von Brot. Zwei ganz junge Burschen in schlecht sitzenden Röcken lehnen sich auf eine rührende Weise aneinander. Sie halten sich abseits und sehen uns schüchtern, fast kindlich an. Ich gebe ihnen mein Brot. Sie nehmen es zögernd entgegen, werden rot und bedanken sich dann eifrig. Völlige Kinder. Inzwischen haben sich andere Gefangene und manche von meinen eigenen Kameraden um uns gedrängt. Ich er- kläre den Gefangenen, daß sie jetzt nichts mehr zu befürchten haben und daß die Russen nicht böse und grausam sind. Ein kleiner magerer Deutscher bedankt sich sehr aus- führlich bei mir und hält die Hand um die geschenkte Prise Tabak sorglich geschlossen. Er ist Bayer. Schlosser von Beruf. Sein Bater ist ebenfalls Schlosser, arbeitet in einer Fabrik. Der Deutsche sagt: „Bon diesem Kriege habt weder ihr etwas, noch hat der deutsche Arbeiter etwas dapon. Eine böse Lektion! Cr soll uns eine Lehre sein, daß.. Cr redst noch weiter, und obwohl ich nicht alles vsr- stehe, übersetze ich es den Kameraden und reiwollftändige, um mich nicht zu blamieren, das Gehörte nach eigenem Cr- messen. Leute aus den anderen Bataillonen gesellen sich zu uns. „Guten Tag. Kinder, wie gehts denn'?" „Es geht immer, solange man was zu fressen hat. Hat man nichts zu fressen, so kratzt man sich was zusammen, kann man sich nichts zusammenkratzen, so lebt man eben von selbst!" „Na, heute habt ihr euch wohl allerlei zusammen- gekratzt? Gebt ja sogar noch den Deutschen ab." (Fortsetzung folgt.) Fraihad sc?-- siraiidhad m ?n oller Stille rüstet sich daß Strandbad Wann. see. wie es seit einiger Zeit mit Recht Heißt, zur Er. össnung seiner Z5. Saison. E-> ist bestinnnt keine jalsch« Prophezeiung, wenn wir jagen, daß in diesem Jahr dao Strandbad Wannsee Zehntausenden von Berlinern und Berlinerinnen die Ostsee, die Nordsee oder die Niviera wird ersege» müssen. Der Seestrand des Wannsees wirkt wie ein Mceresstrand und die Kur- und Badeverwastmig—- so ist man versucht, bald zu sagen— unter Leitung des Direktors Clajus bat alles getan, um diese sreundliche Illusion zu fördern. Strandkörbe und L i e g« st ü h l e werden reich- lich vorhanden sein, eine gute Restauration mit wohlfeilen Preisen, gedeckte Promenade, gleich gut gegen chitze und Regen, mit hübschen Einkausläden: ein ausgezeichnet aus- gebauter Sicherheit?- und Rettungsdienst, dem leider immer noch ein wichtiges Instrument fehlt: eine bis in alle Ecken reichende, beherrschende L a u t s p r e ch e r a n l.a g e. die die Namen der kleinen weinenden Findlinge den besorgten Müttern und Vätern recht deutlich kund tut. Dies« Anlage muß unbedingt kommen. Di« Anfahrtwege werden seit Wochen instandgeseßt und damit verschwindet endlich auch der grau-schwarze. staubige Fuß- weg, dessen Herrichtung allerdings Pflicht und Aufgab, der Forst- norwaltung gewesen wäre. Die Ko n a l i s a t i o n s a n l a g c ist so gut wi« fertig. Und es fehlt nur noch, daß sich die Reichs- bahndirsktion Berlin endlich aufrafft und die Station Rikoknsse« in.Strandbad" umtauft. Der Rikolasseer BesiLbürgerschaft wird ja damit kein Schaden zugefügt, aber den vielen auswärtigen und ausländischen Gästen, die Berlin so dringend braucht und di« immer wieder glauben, daß die Station Wnnnse« mit der Aussteigestation für das Strandbad gleichbedsutend sei, dürfen wohl erwarten, daß auch die Reichsbahn etwas für sie»nd damit auch für Berlin tut. Sodann wollen wir eine alte, von dem„V o r>v ä r t s" wieder- holt erhobene Forderung erneut erheben: Solange die Wannsee- bahn nicht elektrisch betrieben wirf, ist es unbedingt notwendig, daß die Reichsbahn in de» Morgenstunden und den frühen Nach- Mittagsstunden der Sonntage zum Sirandbad und den Abend- stunden o o in Strandbao b i s B e r l i n durchgehende Züge einlegt, die genau so wie die heute zur Bequemlichkeit der Zehlen- dorscr, Schlachtenjeer und Rikolasseer Bevölkerung jährenden so- genannte» Bankierzuge von Zehlendorf bis Berlin oder umgekehrt ohne AnsentHalt durchgeführt werden. Das ist sehr leicht möglich, denn alle Anlagen sind dafür vorhanden und es ist nicht nörig, daß man den im Bade Erfrischten eine qualvolle Trödclsahrt auf Jahr- zeugen aus dem 1i>. Jahrhundert zumutet. Das Unangenehmste aber ist der F a h r p r e i s auf dieser Strecke Eine Fahrt von einem Stadtbahn Hof bis nach Wannfee kostet rund eine halbe Mark. Die Strecke ist 24 Kilometer lang. Eine Fahrt auf der Berliner Städtischen Hoch- und Untergrundbahn vom Bahnhof Krumme Lanke in Zehlendorf bis Friedrichsfelde kostet 48 Pf., und diele Strecke ist 2g Kilometer lang. Di« Fahrt nach Nikolassee kostet 3.Z Pf. und ist damit für Familien mit Kindern, die eine Bodefahrt zum Strand, bad machen wollen, einfach nicht zu erschwingen. � Die städtischen Beckchrennttsl haben ihre Preise ermäßigt, die Reichsbahn nicht. Die billigen Einheitspreis, aus den städtischen Verkehrsmitteln sind aber unbestreitbares Verdienst der Sozialdcmo- k r a t i Immer wieder zeigt es sich, daß dort, wo di« Sozialdemokratie ihren Einfluß ausübe» kann, sie für da? Wohl all«? Borrs- kreise wirkt, und nicht nur. wi, c? Hitler und die Seinen wollen. nur für die, die für den römischen Gruß und das orUntqsisch« Hakenkreuz schwärmen. Denn euch das S stand bad Wannf«, ist in leiner heutigen zeitgemäße» Forin im wesentliche» aus dem praktisch- sezialistischen Geist der„Marxisten" entstanden. Selbstmord eines Bankdirekiors. Körperliche Leiden als Ursache. Karlsruhe, 25. April. Am Sonntag vormittag erschoß sich der e r st e Direktor der Landesbank für Haus- und Grundbesitz. A. D u s ch m a l e. In einem Schreiben gibt der Lebensmüde als Grund feiner Tat zunehmende Schwerhörigkeit und«in Herzleiden an. Wie die Bankleitung mitteilt, ist die Geschäftsführiing des Diriktqrs Duschmole vollkommen in Ordnung, auch habe er keine Schulden hinterlassen. Sibirischer Expreß entgleist. 'Zahl der Opfer unbekannt. Moskau(über Kowno). 25. April. Der sibirische Expretzzug Leningrod�..Nowo.Sibir?k ist bei Kwerdlowsk entgleist, wobei stjns Wagen und die Dokomo. tive beschädigt wurden. Ob Menschen ums Leben gekommen sind, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Der Zugverkehr wurde auf l2 Stunden unlerbrochcn. Falsche Fünfziger. Durch die Aufmerksamkeit eines Geschäftsmanes im Norden Berlins konnte ein« Frau beim Pertrieb von falschen 5 0- P s e n, n i g st ü ck e n beobachtet und später sestgciwmnien werden. Die Frau. es handelt sich um eine 42 Jahre alte Frida L., Hatto gemeinsam mit einem ö4 Jahr« alte» Hans A. Falsifikate hergestellt und vertrieben. Ihr Schlupfwinkel aus einem Laubengelände in R e i n i ck e n d u r s- W e st wurde in der Nacht umstellt»nd die beiden Leute sestgenommen. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten der Falschgeldabteilung noch zahlreiche äll-Psennigstücke sowie entsprechendes Werkzcug. Die hygiene-Ausstellung im Europahaus. Jeder, der weiß, wieviel auch heute noch die Gesundheit aus Unkenntnis heraus geschädigt wird, wieviel Krankheit, Not und damit verbundene Geld- kosten vermiede» werden könnten, wenn nur erst olle Mensche» über sich selbst, d. h. über ihren Körper und da?, was ihm not tut, Bescheid wüßten, kann nur den von einem Besucher der Hygiene-Ausstellung im Europahaus geäußerten Wunsch unter- streichen:„Jeder einmal monatlich in der Hygiene-Ausstellung." Für den mehrfachen Besuch der Ausstellung werden jetzt auch Dauerkarten ausgegeben und zwar übertragbare Sechser, karten zum Preise von 1,50 M. und nichtübertragbare Dauerkarten zum beliebigen Besuch, Preis 2 M. Eine billige Psingst. Spreewaid-Fahrt mit Aboog-Restcauto- bussen veranstaliet am 1. Psingstfeiertag zum Preise von nur 12 Mark einschließlich Frühstück-, Mittag- und Kafseegcoeck, großer achtstündiger Hochwaldkahnsnhrt Führung und Vortrag, Autofahrt von und bis Berlin, der G e s a m t v e r b a n d. An der Fahrt können(B ö st e teilnehmen. Teilnehmerkarten sind bis 8. Mai in der Geschäftsstelle des Gesamtoerbandes, Johanniestr. 14/15, Zimmer 13, zu haben. Zugunsten der Ortsgruppe Berlin-Krenzberg des Reichsbundes der körperbehinderten veranstalten Herr Obermusikdirektor Carl W o i t s ch a ch mit seinem gesamten Blasorchester und die C o m e- d i a n H a r m o n i st s am Donnerstag, dem 28. April d. I., abends 8 Uhr im Orpheum. Hasenhcide 32—38, ein Wohltatigkeits-Konzert. zu dem Frau Opernsöngenn Schwerdle- Nonnenberg und Herr Äunstvseifer K ritschcl ihre gütige Mitwirkung zu- gesagt haben. Alle Künstler stellen sich der Rot der von dem Reichsbund Betreuten selbstlos zur Verfügung. Eintrittspreis 50 Pf. Und von l>en klw-ebslzfen leine(Sebllhrcn ju»aljljn. Neben eiiiein Anfänger, tnrkn», der etwa tä Wache» dauert, wird ei» Wirderbrlungskursud eingerichtet. Beginn der Surf» um Freitag, dem 2d. April, adendä 8 Uhr, u» Städtischen Jugendheim, Kurlsdarst, Treskawallce A»m«Idung»n werden mäglichst norher erbeten an den Lorsizonden de« Verein», Bcrthalh A I l w a r d t. Berlin 0. 112, Lderstraße 1«. Sport. Trabrennen zu Zflariendorf. Preij von Salrow. 1. Albrecht dir Bär«Jauß ir.il Z. Epiislantin riScrn a. llontfiSa likoddalena: i, Llabaskex. Irlp: 67'.U1- Platz: 16, 18, . Jlngora. AlipvisI, '»utan a, Eontesso Modbalma-, 1. ruowiKC.-eolv! 0! I t. 11:10. Ferner liefen; Alhambra. Pergain-n. Puppt, Ingrid Bell. Kavalla,(Schtlarnc, Nebclkaxve. »tti? von Word«« 1. Christa(I. Frommmg);?. VV-rai 3. Tavikl Dillon. Tvw> 28: 10. Platz: IU 23. 14:10. Ferner li-scn: Tebora, Dina Guv, Binz, ColncI Magowan, Herz-Allerlicbste, Agnes. »reis von Zckildh-ra: 1. Edcllinbe F. Mlls)!-■ Sverulant! 0. Loation Toto: Ploh: N. lü l?fm Ferner liefen: Heureka. Dorr«heg, Ricr- perle, Morgan.. WaUN Zt.. Eertez, Mikcich. Preis van Wildpark: 1. Jemtn Lind'Eberl); 2. Letzte Liebe; 3. Man« Watts. 2o|r; A>.Ut. Platz: 2t, 78, 10:10. Ferner Iicfeir, Cordula,(jecht- uiciiicr, Lu-Lo. Arnim. eintenöungen für diele Rudrit Und Berti» SW«8. tzindenftratz« Z. parteinachrichien��Mfür Groß-Berlin stet» an da» Bejirkslelretartat i. Hof, 2 Treppen recht».}u richten Veginn alter tveraustaltnngcn ltt'ü llhr, sofern keine besondere Zeitangabe! und tz. ttrei». Mittwoch, tl- Äprjl, 17 Uhr, Piidmlgsausschusi Wasserspart» plag Rlätzensee. njngang Seestratze. tZencraiprode zur Maifeier. An« lchliehend l!) Uhr im Schiltzenhaus Sitzung. und ö. greis. Achtung! iSoneralprobe»ur Maifeier am Freilog, dem 2tz. April, im Saalhau Friedrichohain. Ainderfreunde um 18 Uhr. Alls anderen I-rganisatldne» vilnktlich um lil Uhr. »reis. Donnerotag, 28. April. Ui Uhr. im öugendheim. Rosinenftr. 4, Zu- iommenkunft der erwerbslosen Parlciiiiitglieder. Politisches Ztadarett. Lei. tung: tScnosse AHIfeldt, »reis. Donnerstag. 2>>. April, bei Pommercning»reisoorstandssitzang. Donnerstag, 28. April, ft'.. Uhr, im Sugendbcim Tempelhof, Eingang Sötz. ftraße. flufammenkunft der ermerdslofen Parteimitglieder..Kammersänger »lewitz fingt:„j-iedrr der Ardeit". Adt. Mittwoch. 27. April. Zahlabendc in den bekannt»« Lokalen. Abt. Miltwech. 27. April. 2» Uhr. Zahlabcnd bel Brandis, Hlralgucr Straße Ig. Politilche Lage nach de» Wahle». Neferettl: chenoss« ttraule. Adt. Mittwoch. 27. April, im Rosenthalcr Saf, Rasenthaler Str. ll— 12, Milgliederoersammlung. Nekerenl! Bruno L8lchc. Auagang der Wahle». Abt. Dienstag, 2S. April, 2g Uhr, Diskussionsabkltd bei Landow, Flen». burgcr Str. Z. Abt. Zusammenlunft der erwerbslosen Parteimitglieder Dienstag, Ztz. April, 1» Uhr. im Heim kianner Ltr. 12. ssilmnachniiiiag. Abt. Mittwoch. 27. April. Abteilungspersammtung i» der Roten Schule, Sotenburgcr-Straße. P-alitüche Lage,.Relereni: Dc.. 2Uo.Manchen. Abt. Mittwoch, 27.. April, Milgliederoersammlung In'bcv Mchschulbrauerei, Lee.(Scke Amrinm:' Strdtzi. PaNrilche Lage:. gksdrAtt:'Uknasse MaletNeS Abt. Mittwoch. 27. ripril.' pitttkllich. AI Uhr. im AugeNl-heem. Lchänianker Etralie 1t, Boraekc 1. Bericht vom.Nrtsenkongretz. Sikfercnt: Ccnosfc Iunghana. Adt. Mittwoch. 27. Aptil, i» den Schänhoufer Feslsälen, Schänhanler Alice l2l>. Mitgliederversammlung. Arbcitsbeschofsungsprogrgmm. Refc. r-»t: Z. P. Maner. Adt. Mittwoch tällt her Zablabend au». Bci Barteld, Wärther Str. 13, Sitzung der Zeitungskommillion. Abt. Dienstag. 2>i. AnrU. Mitgliederversammlung in der Schnlaula Hohen. loheltroö«. Nach de» Wahlen— heraus aus der Äroeitslosigkeit. Referent: David ötetter. Abt. Die Mitgliederversammlung am 27. Avril fällt aus. Abt. Mittwoch. 87. April, im Baitg-weetsdan«, oirpsidecrenftr. 96, Mit. aliedernerlammlung. Nort) tzen■»ohle». Referent: August Pattloch. AM. Mittwoch, 27. Anril. fäNt die Mitgliehervcrsaniinllttig ans. Abt. Mittwoch, 27. April. 2N Uhr, bei Rohrman», Hilbertltr.>9, Mit» alicdcrverlanimlung. Sozialversicherung. Refereni: Roberl Rohde. Adt. Mittwoch. 27. Anril. 2" Uhr. Zulaminenkunft der jüngeren Partei» Mitglieder bei 3 ahn, ffuldg. Kit Wiserliraße. Tggeskqmpf und.«ampf um d>'» Sozialismus. Relrrent; Genosse Gurland. Adt. Mittwoch 27. llvril. tzusammenknnft jüngerer Parteimitglieder an bekannter Stelle. Nvrzrelrrale, Die Lehre» der Landlagswahl. Eenosstn Gronenberg. Reparo«ionsfraaen. Genosse Baer. Adt. Mittwoch, 27. Anril. 2li Uhr, bei Neil, Prini-Hondseen.Str. 88, wich. tige erweiterte Borltandssitzung, Saeten»ur Maikeier.Peranltaltung in der..Neuen Welt" sind bei der Genossin Zenz, Hägerstr. 6l. vorn t Trp., zu Hab«». Abt. Mittwoch Iiinqer-narupv« i» der Lesehalle Rogat- lick« Slsestraße. Bas brachte uns die Landtaaswabl? Abt. Mittwoch. 27. Anril. im ttellcr Sannemannstr. ig,, Zusammenkunft silnacrer Parteimitglieder. Dislnlsson iiber unsere Arbeit nach den Wahlen. Anschließend Besprechung der Pfinastsahrt. Abt. Dienstag znfommenkunlt der erwerbslosen Parteimitglieder ob tö Uhr bei Tramnter. Luilenuler l. und 168.1. Abt. Mittwoch Zulammeukunit der ssinaeren Partelmitqlieder 2ll Ubr im Partciheim, tzchloßstr. 27. Diskussion: Ausgang der Preußen- mahlen. Abt, Mittwoch Zahlabend: ii. Grnnoe bei Schwarzer. Gabriel, Mar-Ltr. l7. Abt. Mittwoch, 20 Uhr, wichtige Funktionärsitzung bei Brün», Tllrrschmidt- siraße tu. Abt. Mit-woch Fnnktianärntinnq bei Anders. . Abs. Mittwoch. 20 Ubr, be,.Drabep. Nbfandltr. 18. Fnnktionärntznng. Abt. Miltwech bei dem wknsssen Aentlchel. Aralcr Allee 129 sinfammen. knnst der Bilbnngskommiision sowie je eines Bertreters der LAS., Kindel- freund» und Turner. Besprechung der Maifeier. DezirksaussäWß für Arbeiterwosflsohrl. 18. Kreis Aelßcnlee. Freitag. 20. Avril. LU Ubr, Sitzung der Arbeiterwohllafirt im Restaurnnt„Zum Pfcrdemarkt". Veißenl-e, Schönstraße. Portrag des Genossen Lanaborlt iiber: Die praktischen Aufgaben der sozialen Gerichts» Hille. Alle Helscri innen) der Arbeiterwohlfahrt sowie die Helfer der Wohl, lahrtskommissionen sind dazu eingeladen. Arbeitsgemeinschasl der kindersreunds Gron-Verlin. 2. und 8. flrei». Mittwoch. 27. Avril. 17 Uhr, BIldungsousschuß Wassersportpia« Plätzepsee, Eingang Leestraße. Generalprobe zur Maifeier. tl'/ ff/'Hji Fricdrichshai». Heute, 19% Uhr»reiphelsersitzung im Heim Dtestel, t/ijai.�% meperstr. 3—6. Mittwoch. 17 Uhr, treffen alle Ret, und Zung> jiM salken sich an der Webcrwiese. Nestsalkcn 18 Uhr Spielen auf dem Sportplatz Friodrichshaln. Nrruzberg. Heute, 29 llhr. Nreishelsersitzung im Heim Porckstr. 1l. Schänedcrg. Abi. Hermann Mllsier. Unsere Giternnersammlung sindet heuic, ?»> Uhr. in der H?henzogcrnV>llI°. Pelziger Sek« Gisenocher Siraße, statt(nicht In der F-urigsipaßei. Treptow. Donnerstag, 28. April. Sreish-llersttzupg ich Sugogdheim Baum, schuleuweg, Srultstraß». Beginn tzl> Uhr. Bringt Partet. dz?. L'40.-21 u»- ��StcgUtz und Stchterkcld». Me Fallen und Skt»rn gehen am Mlttmoch um IS Uhr zur Grlindunasfei-r der Lankwttzer Äindorfren.nd, in Lehm-nns Fest, sälin, Lonkwid. Äaiser.WilhelM'Str 29. Gintlitt frei. Käste willkommen. Freitag. 151.; Uhr, Kreis. Hingestunde des d-r Von. Frieda Riekkel, Ludende, Stephaustr. 84. Nentöll». Srei-vorstandssitzuna mit Krppprnsiihrcri, heut« SN Udr. Barocke. Nächste Probe für den 1. Mai Mittwoch, 1«>.z Ubr, i» d-r ÜMS- lKiNge. und Sprcchchar.)— Abt. Nnngnolk. Mittwoch, 27. April, 20 Uhr. Lltcrnpersammlung In der starl.Marr.Schule. Z. 4. 13. 3, 4. 6. 1«. 14. 19. 22. 28. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 6. Abt. Am 21. Avril verstgrb noch langer ktrgnkh«» im Alter von 28 Jahren unsere Genossin.Nittde Schmidt, Adalb-rtstr gä. Lbre ihrem Andenken. Lip. äscherung findet am 27. April, ll'� Ui)r. im Arematerium Gcrichtstraße statt. Allseitige Beteiligung erwartet der ANteilungsoorsiand. 126.«dt. Am Freitag, dem 22, April, perstarb unser Gcnoss, Fritz Marlen. Gr war seit Z9 bahren-in treue- Mi»glt«d der Partci. Sbre.seivem Andenken- Linälcherung Mittwoch. 27. April. 18'--« Uhr. strrmatorium Berlchtstraße. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Äerlin Clnlendungen liir diele Rubrik nur an das Lugends-ckretariat Berlin SW 68 Lindenitraße 2 vorn 1 Treppe rechts. tzlbteilungsleitee! Reicht umgehend das Mai.Programm und den Berichts- bogen ein! Gesunden auf der Bungwählernersammlung am letzten Montag»nd aus der Lungwählertundgebung am letzte» Donnerstag: 1 Bund Schlüssel, 1 Nappa- hanolchnh, 1 Windjacke. Bitte die Hachen recht umgehend vom Sekretariat ob. zuholen.— Be-loren wurde in der Iungwählerversammlung ein- Tasche. Die. selbe ist im Sekrelariot, L>ndc»ftr. 2, sbzugsben. heute, Dienstag. 19' 2 Uhr. Arkonavlatz: siisabeihlirchstr. 19. Rundwnkadend.—»ällnischee Park: Wailenftr. 18. Warum LÄ0.7— Aosenthaler«orftadt: Tieckslr. IS, Hof 1l. Seruelle Fragen.— Zentrum: Waiscnstr. 18. Leseabend. Brunncnplatz: Pank. Ecke Wiesenstraüe. Was ist Sozialismus?— Gesundbrunnen I: Goien. burger Str. Die Arbeiterschaft zum K-uflikt Iapan-Ghina.— Gesund. lrunnen ii! ssosoniestr, 8, 3. Hot, Fabrikgebäude, tlomvsliedcrabend.— Hum- bolbthain: Putbnsscr Str. Z, Weiße Schule. Kampflicderabend.— Narben: Lortzingstr. 19. Grziehungslrage».— Schillerpaeki Schäningstr. 17. Dil Bc. dcutung des l. Mai. Wedding: Willdenowstr. 6, Raum 3. Maifeier.— Webding-Rord: Turiner Ecke Scestrahe. Tagespolitik.—«ruimplatz: Sonnen. sinraer L'r. 2it. Betrieb und Stempelstelle.— Arnswalder Platz 1: Schonlonker Straße iBarackeni. Gemeinsame Erziehung der Gelchlcchler.— Balian: Man- d-lsfr. 2, Bunter Abend.— Fallplatz 1: Funktionärsitzung bclm Genossen Pollas. Finnländifch- Str. 17. pünktlich 19'.; Uhr.«ohcnlchönhauleni Dinaelstädter Straße. Tnrnobrnd.— Nordosten Ii Danziqer Str. 62, B. 3. Buntrr Abend.— Sasrnhcidc: Wassertorstr. Heiterer Abend.— Köpcnickcr Biertel: Besuch der Gruppe Hafenheide. W/t Uhr„Roter Treis",— Reichrnberaer Viertel: Reichen. btviiec Str. 66. Erich Äästner. Süden: Porckstr. Ii. Heimabend.»» Süd- Westen: Lindenftr, 1. Zaaespolitik.— Friedenau! Ofsenbnchcr Etr. So, Prob« zur Maifeier.--Zchönedera Ii Hauvtftr. 13. Der t. Mai. Schiineberg II: Happtstr. i;. Noch der Wohl.- Ebarlottenburg: Rosinenstr. 4. Turnet'.— « harlattenburp-Lüd: llaiserin-Augnsta-Allec 976. Räte.Repuhlii oder demo- » ai»che Republik.■ tzharlottenbnrq.Westcnd, Sportpkatz Westend. Proletarische Feilgeiiqlluug.- Lichterseldr: Albr-chtftr. i4.l, Funklionärversammlung.— Steglitz I: Aibrechtlir. 47. Leseabend.„ Neu.T?mpclhos: Wintpepssiraßc. Ar. beiterbewraung aller Länder»ach dem striea« Ulm.— Britz! Ehausseeslr. 48. "weit« und Drille stnteknalionale. Neukölln Ii Sander. Ecke Hadrechlftraßr. Wie wirke» die Feinde der Arbeiler-lasse?»•. Neukol!» II, Stcinmetzstr, 24. Gute und schlecht« Literatur.— Neukölln Mi gietbensir. 38. Berbcobend.— dleutolln IV:»anner Straße. Tagespolitik.— Reilkälln l'l! Treptower Str. 93. Wir entsteht ein Gesetzt— Neukölln v»; siMS. Heimabend.— Neukölln V1J1: Rlltli, Schule.. Tagesnelitik. Beginn 29 Ubr. Nenlöll» T: Bergstr. 29. Beein» sliissung der öclienllichkeil durch Film, Theater, Zeitung, Nenlöll«>'1« Flug. he.ienstr. 68. Hkiinab-nsi»ooenick Ii Grünaurr Str. si, Ferienerlebnihe.- pönenick II: Doblwitzer Str. 13. Aussprachcodenb... starlsharst: Treskowallee 44. Heimabend. Lichtenberq-Bardwest: Dossestr.'22. Untere Ausgabrn in d»« Be- russschnle, Hermsdorl: Roanslraße. Arbeilsgemeinschaft.— A-inick-'adori. Dsti Lindauer Sir. l. lieben kür de» 1. Mai. Tegel! Schäneberger Str. 8. »ominunglnolitik, Wittenau: Hauptstr. 13. U'den. Karow: Frundtberp. straße 9..äommnnistisches Manifest.- Niederschondaulen: Lindenftr. 47, Mai» feiern einst und ietzl. Pankow Ii! Gärlchstr.>4. Filmabend. Werbeb«»ir> Ziergarten: Probe zur Maiseier 1914 Uhr Lehrler Sir. 18—19. Morgen Grncralprodc 16 Uhr Wasscrsvorlvlotz Plötzriisec. 2. und st. tocis. Mittwoch, 27. Avril, 17 Ubr, Bildun�sausschuß Wasser- sportplatz Plötzensee, Eingang Leestroße. Generalprobe zur Müifeier. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbonner..Schworz-Rot'Gold". Geschäfts fi eil«:«erlin 6. 14, Sedastlonsti 37-418 Hol 2 Cr. Ortsierein Wedding, Tambourkarpo. Mittwoch, 27. April, 17 Uhr, Antrete»»ur große« Probe zur Maifeier auf dem llSasfersportplotz Plätz«nfce, Eingang veeslraße.- Mitte und Geißensee. Der Kamerad Fritz Marten ist verstorben. Mittwoch. 27. Avril, 18',$ Uhr, Einäscherung im Ärema. tarium Gerichistraße. Kameraden, erweist unserem toten Kameraden den letzten Dienst.— Weißens«« iOrtsvercinI. Dienstag, 26. April, 29 Uhr, alle aktiven Kamerade» in dckannter Turnhalle. Dcukscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin. GeschSflsslelle: p. Schneider. Berlin NO. 55. Huselandstr. ZI. Mnunerchor Friedrichshai«. Achtung! Heute. Dienstag, Illzr Uhr. > 0"sts> Erraübungsstunde in den Fortnnasälen, Strausberger Str. 3. Am Freitag UNI>9>, Uhr U-bungsstunde mit Elternchor in Schul, Danziger Slr. 23. Am i. Mai Mikwirkung bei Partei, ö. Kreis, im Saaibau Zri«drich»hain. Er» scheinen aller Sangcsbrudcr Pflicht. Kurzschristnerei» Berbn-Kreuzberg lStalze-Schrept. Dienstag, 26. April, 19U Ubr, Knabenschule Müllerstr. 138 sEck- Triftstraße) Uebungsstunde. Gäste willkommen. Stelze. Schrep-Ztenogeaphea im Bezief Groß-Berlin üben in 49 Schulen alle� GeläuviPdigfeileiu..Lelirgänpe, Äldcjchcift. Auslunst: C. 2, Brcilc Sir. 21.' Telephon:. K 1 Berolkna lliosi...... Allgemeine Wetterlage. 2S7ippiL'59�,£�ds Oa*8nd � *«ll»n!aä,(5 häidsr.Ohfllöbgdeckr 9 wolkig, O bedeskto RegeivaGnoptl: 'SchneftäHcitol.n Sewittec�JWind«; die Auch Ostpreußen und der Freistaat Danzig sind am Montag In den Bereich der kühleren Luftmassen gekommen, nachdem das ganze übrige Reich schon vorher von ihnen Überflutet worden war. Am Vorinittag wurde» 17 bis 18 Grad Wärm« erreicht: tu den Mittag- stunden und am Nachmittag erfolgte dann unter Negenföllen die Ab- kiihlung. Im ganze» übrige» Deutschland lagen die Höchsttempe- rature» bei 11 bis 13 Grad, vielfach kamen»och Schauer vor. Eine merklich« Beruhigung des Wetters trat im Gilden und Südwesten ein; sie ist aus einen Hochousläuser zurückzuführen, der sich vo» Westen heronschiebt. Auch das Wetter m unserem Bezirk wird zeit- weilig von ihm beeinflußt werden. * Welter für Berlin; Tei!) heiter, teils wolkig! liacksts sehr kühl. am Bag« wieoer etwas wärmer als heute: keine Niederschläge von Bedeutung.?ür vcuischlond: In der südlichen ReichshSlste meist heiter mit rasch ansteigenden Tagestemperaturen: im Norden und Südosten Besserung: im Nordosten noch veränderlich mtt örtlichen Schauern, kühl. Schöne weiße schon nach clnmalia. Putzen mit der Betri. erfrisch, sshmeckenden„dhlorobonl. Zahnpaste", schreibt um ein Raucher. Tube 60 Ps. und 60 Ps. ffiejuch beim Wlmifter Sin unwahrfcheinliches Jutervieiv/ Ton SinarWiär Bor vielen Jahren— ich war noch ein sehr junger und sehr ehrgeiziger Mitarbeiter einer dänischen Provinzzeitung bescheidenen Formats— besuchte eine hervorragende, ja iä) muß sagen berühmte 5topenhagener Persönlichkeit unser Städtchen. Man gab mir den Auftrag, den Mann zu interviewen. Dem berühmten tfjcrrn waren jedoch Leute von der Presse die unan- genehmste aller Zeiterscheinungen. Und er machte keineswegs ein chehl daraus. Zahlreiche Journalisten hatten sich schon ebenso eifrig wie vergeblich um Interview? bemüht. Sic wurden ohne Ausnahme recht unsanft an die frische Luft gesetzt. Ein Uebereifrigcr lag nach- her vierzehn Tage im städtischen Krankenhaus. Wollen Sic raten, was sich hinter der Berühmtheit verbarg? Nein, gründlich daneben gehauen: um einen Schwcrgewichtswelt- meistcr handelte es sich nicht, sondern um einen Minister. Ei» un- angenehmer Herr, aber immerhin ein Minister, und ich hatte den Austrag, ihn auszufragen. Ich bin auch kein Boxer, im Gegenteil ein erklärter Freund friedlicher Methoden, und ich beschloß, die Hälfte des Vorschusses, den mir die Zeitung bewilligte, der guten Sache zu opfern. Der Minister wohnte in einem Hotel. Der Portier hatte von dem hohen Herrn die Anweisung erholten, Journalisten unter allen Umständen abzuweisen. Er war— der Minister auch, aber ich meine den Portier— ein stark gebauter Mann mit Unternehmung»- gcist. Also bot ich ihm sünfzig Kronen an, wenn er mich beim Minister einschmuggle. Der Mann betrachtete mich dreißig Se- künden lang stumm, aber so eindrucksvoll, daß ich die Kronen schleunigst wieder einsteckte und das Hotel freiwillig verließ. Was tun? Der Minister blieb nur wenige Stunden, und der Redakteur wartete... Frisch gewogt ist halb gewonnen. Ich ging in die Halle zurück. „Herr Portier, ich habe eine wichtige Mitteilung von der Schwieger- mutier Seiner Exzellenz." Ebenso schnell, wie der Portier zum Minister gegangen war, kam er wieder heraus. „Sind Sie Spiritist?" „Nein, warum?" „Weil die Schwiegermutter Seiner Exzellenz vor dreizehn Jahren gestorben ist." Ein geschlagener Mann, verließ ich abermals das Hotel. Und stand fünf Minuten später zum drittenmal vor dem Portier. „Wollen Sie eine gute Zigarre rauchen?" Der Portier nahm die Zigarre und warf sie zum Fenster hin- aus. Dabei streifte er mich mit einem Blick, als ob er Lust hätte, dasselbe mit mir zu tun.„Bitte schön, Herr Portier", ich biß mich auf die Lippen: ich durfte den Mut nicht verlieren,„ich habe dem Herrn Minister eine tatsächlich wichtige Mitteilung zu machen, eine Mitteilung, von der das Wohl, ja die Zukunft meiner Frau und meiner Kinder abhängt." Und dos mar ja auch schließlich nicht so ganz aus der Luit ge- griffen, denn ich mar damals gerade im Begriff, mich zu verloben. Der Portier sah mich von oben bis unten an. Dann sagte er langsam. Wort für Wort mit satanischem Grinsen:„Wenn Sie trog Ihrer bartlosen Jugend bereits Kinder in die Welt gesetzt haben. mein Herr, werden diese Kinder bestimmt in einer finsteren Anstalt enden. Besser also, sie krepieren gleich." Ich zog mich gekränkt zurück. Auf der Straße angelangt— ich überlegte hin und her: soll ich den Ministor ontclcphoniercn, soll ich mir den Weg in sein Zimmer mit dem Revolver in der.Hand er- zwingen— überfiel mich plötzlich ein genialer Gedanke. Wie ein Blitz sauste ich in einen Verleih für Kornevalsgordcroben und verlieh den Laden bald darauf als piekfeiner Gent in Zylinder und Frack, mit einem falschen Barr und zwei Kotillonordcn bewaffnet. Sie können sich vorstellen, mit welcher Beflissenheit der Portier herbeieilte, als ich iin Auto vor dem.Hotel vorfuhr, und wie tief sein Diener war, als ich dem Wogen entstieg. „Melden Sie mich Seiner Exzellenz dem Herrn Minister", näselte ich, ohne mich weiter um ihn zu kümmern. „Ihr Name bitte?" Der Portier verging vor Zuvorkommenheit. „Graf von Donnerwetter. Aber jetzi ein bißchen schnell, wenn ich bitten darf." Diesmal haben Sie recht geraten: �ch kam nicht nur hcrci», der Minister bat mich sogar mit einer fast zu großen Liebenswürdig- keit, Plag zu nehmen. „Freue mich, Ihre persönliche Bekanntschast zu machen. schnarrte ich und unterhielt mich etwas herablassend mit ihm über dieses und jenes und hatte bald heraus, worauf es mir ankam. Nach einer Viertelstunde verabschiedete ich mich— zum großen Bedauern des Ministers. „5icrr Graf ahnen gar nicht", sagte er. mich an die Tür bc- gleitend,„wie furchtbar ich in Anspruch genommen werde, besonders von diesen ekelhaften Journalisten. Habe da gerade ein unliebsames Intermezzo mit so einem unverschämten Reporter gehabt, der nicht weniger als dreimal versuchte, sich bei mir einzuschleichen. Ist ihm aber gründlich daneben gelungen." „Trösten Sic sich, Exzellenz", erwiderte ich.„mir geht es genau so. Ich kann einen gewissen Mitarbeiter von einer hiesigen Zeitung überhaupt nicht los werden. Er folgt mir aus Schritt und Tritt und begleitet mich fast wie ein Schatten." Der Portier verbeugte sich tief, als ich an ihm vorbei kam, ohne ihn zu beachten, und murmelte mehrmals:„Auf Wiedersehen, 5)err Graf, auf Wiedersehen." Pefitpielham, Schade... £urSröfSnung des neuen Shakeipeare Thealers in Slralford/ von Sridi goagcireu In S t r a t s o r d o n Avon ist nun als Ersatz für das im Lahre 1926 abgebrannte Shakespeare-Festspielhaus ein neues Theater errichtet worden, noch größer, nach monumentaler als das erste. Schade. Ich war in der festspielhauslosen Interimszeit da: hier sah man Shakespeare primitiv, ober ganz billig, unfeierlich und in einem angenehmen Sinne populär gemacht. Shakespeare war ins Kino gezogen und damit in die Herzen den braven Stratsorder, die ihn bis dahin eigentlich im wesentlichen nur als Objekt des Fremden-- Verkehrs, an dem sich nicht schlecht verdienen ließ, gekannt hatten. Im Kino von Stratford hatten die Schauspieler ersatzweise eine kleine Bühne zur Verfügung. Die war natürlich nicht sehr tief, euch nicht besonders hoch, es fehlte sogar der Souffleurkasten. Das Parkett hatte keinerlei amphilheotralische Eitzanordnung, ein Teil der Zuschauer infolgedessen rasch einen steifen Hals. Die mittleren Plätze waren teurer als die vorderen, und wer später kam, wurde mit einer Taschenlampe zu seinem Sitz geleitet— Kinobctrieb. Das olles war im Endeffekt eigentlich gar nicht so schlecht. Gewiß mar den Festspielen unter solchen Umständen dos rein äußerlich Fest- spielhaste, dos nur Pathetische genommen. Der Snob, der bei solchen Gelegenheiten doch in erster Linie der Modenschau wegen, jedenfalls mehr aus gesellschaftlichen Gründen ins Theater geht, fetzt sich nun doch nicht so leicht in ein landstädtischcs komfortloses Kino. Man hat auch nichts davon gehört, daß der P r i n c e o f Wales, der Liebling seiner Engländer, hier im Kino gewesen sei; aber das neue Festspielhaus hat er natürlich als Erster betreten. Aasgeier helfen SinSall gegenf eiliger Jtilfe imTierrcich/Ton&r. med. Ti clor von Unruh, lUcxiko Der amerikanische Waschbär, Raccoon auf englisch, und Pia- pache auf mexikanisch, ist allgemein als ganz infamer Dieb bekannt, der nachts nicht nur an kleinen Bächen auf Fischerei geht, sondern in Feldern und Gärten den ausgesäten Mais und Erbsen ausgräbt und sich an süßen Früchten und allerlei Gemüsen gut tut. Den größten Schaden richtet er in den M a i s s e l d e r n an. Nachdem nämlich der Maissamen mittels spitzer Stangen in etwa 19 Zenti- meter tiefe Löcher gesät ist, geht der Mapache nachts die Furchen ob und gräbt mit seinen langen, fingerartigen Zehen den Samen aus und verzehrt ihn sofort. Kömmt die Ernte näher, so macht der Mapache noch einmal die Runde, bricht die Maisstangen um und reißt die Maiskolben ob, die dann die jungen, süßen Mais- körner in weichen Deckblättern bergen. Der Ackerbauer geht nach dem Aussäen jede Nacht mit Hunden und Knüppeln auf die Mapachc-Suchc, und setzt seine nächtliche Wache fort, bis der Mais noch 6 bis 8 Tagen aufgegangen ist. Doch ist solche Wache fast immer verlorene Liebesmühe: denn während Don Pedro auf der einen Seite des Feldes entlang wandert, ist der Mapache wegen seines außerordentlich scharfen Gehörs- und Geruchssinnes auf der anderen Seite eifrigst tätig. In meinen Gemüsegarten kam der Mapache mich auch be- suchen: er grub mir die kleinen, süßen Karotten aus, riß mir die Erbsenschoten ab, und sogar die schönen, süßen Tomaten: als er sich in einer Nacht sogar an meine Papayas gemocht hatte, bekam ich seine Besuche satt und beschloß seinen Tod. In den handgroßen Deckel einer Blcchschachtel goß ich reichlich Honig, und darauf streute ich ein ganzes Gramm von S t r y ch n i n k r i st a l l e n: das wurde im Garten auf die Fußwege ausgesetzt, und der Erfolg am Morgen war ein toter, 11% Kilo wiegender Mapache. Der Gärtner ließ den Kadaver liegen, bis ich am Nachmittag Zeit fand, in den Garten zu gehen. Wir warfen den Kadaver auf das angrenzende, hier trockene Flußbett: der Wafferstrom war etwa 16 Meter entfernt. Sofort kamen die immer auf tote Tiere spähenden Zopilotes fA a s g e i e r) aus der Lust heruntergestoßen und»'.achten sich ans Aufreißen des Kadavers und ans Verschlingen der Eingeweide: diese sind das erste was der Zopilnte sich heraussucht: vielleicht weil die Eingeweide den einladendsten Geruch für ihn haben: übrigens inacht es der Jaguar, Puma und Coyote genau so. Ich war im Garten, hinter der Zaunhecke versteckt, stehen- geblieben, um mir die Mahlzeit anzusehen. Da waren zwei von den Zopilotes, aus etwa zwanzig, die sich den Magen des Mapache rausgezcrrt hatten ynd ihn von zwei Seiten her dann bald verschlungen hatten. Das war das Werk von wenigen Mi- nuten gewesen. Die beiden Zopilotes zeigten nun sofort in ihrem Hüpfen und Gange die Wirkung des Giftes, fingen an zu taumcnln, fielen ober nicht auf die Seite, und dann kam eine «achc, die nnch fast mit offenem Munde staunen mochte: andere Zopilotes. die das Taumeln sahen, stellten sich auf beide Seiten der zwei Kranken und, nüt ihren Flügeln diese unterstützend, führten sie sie bis an den Wasser ström: dort ließen sich die Kranken mit ihren Begleitern bis an den Hals in das fast eiskalte Wasser, in dem sie etwa 16 Minuten verblieben. Als dann alle dem Wasser entstiegen waren, flogen sie auf die nahen, hohen Bäume zur Nachtruhe; am nächsten Alorgen ganz in der ersten Dämmer- stunde ging ich wieder in den Garten und sah dasselbe Lade- verfahren wielserholt, worauf die Gesellschaft sick? aus die Mapochc-Ucberresle stürzte und davon nur die Knochen übrig ließ. Durch diesen ersten Fall aufmerksam gemocht, habe ich dieses Experiment dann später noch verschiedene Male wiederholt: immer mit demselben Ergebnis: der Zapilote, der den Strychnin enthalten- den Magen eines Mapache gefressen hat, taumelte wohl, geht aber ins kalte Bad, und überwindet die geringe Wirkung des Giftes innerhalb einer halben Stunde und kann wieder weiter fliegen. 3)er källeffe&unkl der Srde Die Erde hat nicht nur zwei geographische und zwei inagnetischc Pole, sondern auch einen sogenannten„Kältepol". Das ist diejenige Stelle auf unserem Planeten, wo es am kältesten ist. Jahrzehntelang galt die Stadl Werchojanfk in Sibirien und ihre Umgebung als der irdische Kältepol. Seltsamerweise fällt nämlich der Klältepol mit dem Nordpol nicht zusammen, wenn man auch annehmen sollte, daß die größte Kälte auf dem nördlichsten Teil der Erde, also am Nordpol, herrschen müßte. Tatsächlich aber ist die— auf ein ganzes Jahr berechnete— durchschnittliche Kälte weder im Nordpolareis zu finden, noch überhaupt in der Arktis, sondern viel weiter südlich in Sibirien. Hier wurden im Durchschnitt tieiste Temperaturen von 69 Grad festgestellt. Man hielt bisher diese Temperatur für die niedrigste auf der Erde. Nun hat eine Expedition der russischen Akademie der Wissen- schasteii nach einem amtlichen Bericht dieser wissenschastlichsn Gesellschaft einen neuen Kältepol entdeckt, der noch viel niedrigere Teniperattiren aufweist als der alle. Er liegt stark süd- östlich von de,n bisherigen Kältepol, der vielleicht gewandert ist. Hier wurden tiefste Temperaturen bis zu 72 Grad gemessen und auch die Durchschnittstemperatur des Winters ist hier um einige Grad tiefer als auf dem bisherigen Kältepol bei Werchajansk. Aus der Lage des neuen Kältepols zwischen dem 63. und 64. Brcitegrad iann man erkennen, daß es nicht darauf ankomrnt, ob ein Land nördlicher oder südlicher gelegen yt, um die tiefsten Temperaturen aufzuweisen. Woher diese gewaltige Kälte der Kältepole kommt, ist noch unbekannt. Das Rätsel des Kältepoles ist um so als weit nördlicher Temperaturen gemessen werden, die 36 Grad höher sind als die Temperaturen der Kältepole. Der neue Kältepol liegt am Oberlauf des Flusses I n d i g i r k a. Seltsamerweise sind nicht die hohen bis zu 3066 Meter ansteigende» Berge dieser Gegend die kälteste Stelle der Erde, sondern das Tal, das von ihnen eingeschlossen und gebildet wird. Hier haben sich Tiefentempcraturen ausgebildet, die auf der ganzen Erde nicht wieder festgestellt werden konnten. Man nimmt an, daß die Berge die warmen westlichen und südlichen Winde von dem Tal abhalten, so daß nur die aus nördlicher Richtung vom Nördlichen Eismeer zufließenden Wind« hierher ge- langen und dazu beitragen, daß die Temperatur ungewöhnlich tief sinkt. Damit ist ober das Rätsel des Kältepols noch nicht gelöst, denn sonst müßten diejenigen Stellen, von denen die nördlichen Winde herrühren, ein« gleiche oder mindest ähnliche Temperatur aufweisen, zumal dann, wenn auch vor) ihnen durch die Höhenzüge der Berge die Süd- und Westwinde abgehalten werden. Aber rätselhafterweise sind diese nördlicher gelegenen Gegenden warmer. Die Geologen der russischen Akadenri« der Wissenschaften haben umfangreiche Studien aus diesem neuen Kältepol der Erde gemacht, um»ach den Ursachen der tiefsten Temperaturen zu forschen. Die Arbeiten werden allerdings durch die ungeheure Kälte, die hier herrscht, stark verzögert. Man hofft, daß durch Enträtselung der seltsamen Erscheinung des Kältepols auch zahlreiche Problem« der Wetter« und Temperaturenbildunz gelöst werd«n tännen. groyer, bis zu Aber das 5iino, da trauten sich doch die Leute hinein, olle vom letzten bis zum ersten Mann im Städtchen. Ich habe dieses Theater mit den natürlich auch kinohaft billigen Eintrittspreisen drei Tage lang beobachten können. Die ausgezeichnete Truppe, die ein Dutzend verschiedener Shakespeare-Stücke auf dem Sommcrplan hatte, nach dessen Absoloierung sie dann über den Winter nach Kanada ging. spielte„König Richard III",„Die lustigen Weiber von Windsor" und „Ein Wintermärchen", also drei Stücke sehr verschiedener Gattung. Aber hinsichtlich der Zahl der einheimischen Besucher, denen man doch sowieso zugute halten muß. daß alle Tage nicht mal Gänse- braten schmeckt, wurde das benachbarte Kino glatt geschlagen, und das hatte auch ein sehr lebendiges und, wie das in der englischen Provinz oft üblich ist. alle Tage wechselndes Programm auf der Leinwand. Kein Lokalpatriotismus wird Leute an Vcrgnügungs- stättcn ziehen, die sie langweilen. Nein, wenn die braven Bürger von Stratford on Avon hier oll- abendlich dicht gedrängt auf harten Stühlen saßen: je weniger Geld sie für den Platz ausgeben konnten, desto tiefer unter der Bühne. genau wie vor Jahrhunderten in Shakespeares Londoner Globe- Theater im Pit— das Wort ist im englischen Sprachschatz geblieben — und wenn sie sich mit Begeisterung die Hälse steif werden ließen, um mit Windsors lustigen Weibern über den Trottel Folstaff zu lachen, dann war das nur ein klarer Beweis für die große Theater- frcudigkcit des englischen Volkes, dos hierin auf dem Kontinent sehr verkannt wird. Wenn augenblicklich aus London gemeldet wird. daß dort zwei große Theater init Aufführungen des„Julius Cäsar" und des„Othello" trog hervorragender Besetzung Mißerfolge hatten. so will das nicht viel sagen. Die Londoner sind Wcltftädter, und Weltstädtcr bilden in Geschmacksdingen gewissermaßen ein Volk für sich. Millionen treiben Sport in England, zumindest sind sie sein« interessierten Zuschauer, ober in die 5)undcrttausende geht auch die Zahl dertheaterspielendenDilettanten und— oft nicht schlecht spielenden Dilettanten. Diese Bewegung ist erst nach dem Kriege entstanden, hat aber trotzdem wenig gemeinsam mit der Organisation des billigen Kartenocrtriebs bewußt pädagogischer deutscher Volksbühnen, eher schon mit dem Laienspiel, das bei uns einige Volkshochschulen pflegten und dann natürlich alle nicht aus- schließlich politisch eingestellten Gruppen der Jugendbewegung. In England hat der Mittler„Schule" oder„Verein" oder„Or- ganisation" im allgemeinen gefehlt. Das raubte der Bewegung gc- wiß nichts an Echtheit und Spontanität, oft aber die einfachste ma- terielle Grundlage. Die gute Idee führte die Leute zusammen, aber die schlechte Kasse noch häufiger auseinander als bei uns. Daun taten sich wieder andere zum Theater zusammen und so wechselt das dauernd. Man spielt überall: einmal sah ich sogar in der Lon- doner St.- Peters--Kirche ein kirchliches Spiel„in moelem dress": Satan als Jazztänzcr, den Priester als Straßenredner, das Straßenmädchen als Schauspielerin im Gottesspicl: man gab eine religiöse Revue, die Bibel wurde nicht totgekriegt, über den Gc- schmack läßt sich trotzdem streiten. Aber außer Shakespeare und der Bibel werden auch noch tausend andere Stoffe auf die Bühne ge- bracht, meistens in einem Geist der Sehnsucht nach einem gesühls- mäßig ethisch bestimmten Leben— einer Sehnsucht, die im Balke um so tiefer wurzelt als hier zu Lande ja jahrhundertelang noch viel mehr Lebensfreude und innere Freiheit verdrängt worden ist als auf dem Kontinent. Heute werden in England viele Kräfte nicht nur im Sport frei, sondern finden auch ein Ventil in künst- lerischer Betätigung, und nicht wenige sind es, die ebenso gut Fuß- ball wie Theater spielen. Da? Schlagwort„Sport und Spiel" ist .eben falsch für England. Sport ist Spiel! Das Old England der Aristokratie verjüngt sich von der plebejischen Seite her. Ohne zu wissen, was alles die Entwicklung der nächsten hundert Jahre bringt, weiß man, was sie. parallel mieden an Art und Um- fang nicht abzuschätzenden wirtschaftlichen Veränderungen, uns, von diesen abhängig, sicher bringt: trotz Kino und Radio Regeneration der Volkskultur und allgemeine Erhöhung des menschlichen Selbst- bewußtseins: Minderwcrtigteitsbcwußtsein als ganze Klassenerschei- »ung wird zu existieren aufhören. Hier seien nur zwei von vielen notiercnswertcn Ansätzen des kulturellen Freiheitskampfes in Eng- lond genannt: Arbeiterin Lceds spielten Shaw. Ibsen, Strind. berg, Maeterlinck. Viele solcher Beispiele nennt ein Bericht des Kultusministeriums auch aus anderen Orten. Selbst Dörfer hoben ihre Spielgemcinschaften. West Hoathly, ein Dorf in Sussex, mochte sich an„Euripidcs". Bald hundert Einwohner kamen als Schauspieler auf die Bühne, lies: in die Spielscheunc, und viel mehr Einwohner hat das Dorf wohl gar nicht. Stieg Shakespeare, der Mann aus dein Volke, der in erster Linie für dos Volk und nicht bewußt für die Ewigkeit schrieb, au? seiner Gruft in der Collegiote Ehurch of the Holy Trinity in Stral- ford und erführe er dies olles, würde er sich sicher freuen. Aber ob ihn der klobige, sctcrliche neue Festspielbou der Architektin Elisabeth Scott— die Einheimischen nennen ihn ironisierend „Marmcladcnfabrik"— auch freuen würde? Man hat doch jedenfalls den großen Lcbcnsbejoher wieder einmal in einen Tempel verbannt____ SctoiitSBOtHiÄi filt■T-oItHf: Sittor JSirtfrfi.M:®, fllinnrthötcf C/cmcrfiaioft-ncoifimnii; 3. ittintr; ScitlOdD.i; Er. 3ofcn Siftitomdi- i-ofclt» und coniltqr�: Rtig»-rstadt. elnzchnn Hioitc: slimnich in Lrrlin. Perlon: SotBottä.&tfaij©. m. h. H.. Berlin,-.'ruck: Vorworl«.Buchdruck«r.-t und Sertassaaflalt Paul Einger n. Co.. Berlin SL. öd, Llndenstraj« Hierzu J Ballagen."- Nr. 194• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 26. April 1932 Was geht bei Burbach vor? Eine nichtssagende Erklärung der Verwaltung. schon in der vergnngenen Woche liefen Gerüchte über bisher unbelonnte, außerordentlich hohe Schulden des Bürbach- Kali« Konzer ns um. An diese Gerüchte Knüpften sich zugleich persönliche Vorwürfe gegen den Veiter dieses Konzerns. General- dircklor Kortc. und den stelloertreteadc» Vorsitzenden des Aufsjchtsrats, M o r i g Schulze, wonach behauptet wurde, daß diese beiden führenden Männer von Burbach eigene Aktien zu hohen Kursen an die Burbach-Hauptverwaltung G. m. b. ch. verkauft hätten. Die bei der chauptocrwalwng liegenden Konzerns ktien sind mit einem Werte von 190 Proz. eingesetzt, liegen also um das Vielfache über dem gegenwartigen Börscnwert. Sehr bedenklich i|t, daß bei dem im Vurbach-Konzern besonders ausgebildeten Vcrschochteliings- Manövern das eigentliche Bctricbsuntcrnechmen des Konzerns, die Burboch-Kaliwerke A.-G.. für diese Aktien im Nennwert von 34 Mil- lionen Mark die Garantie übernommen hat. Die Verwaltung des Burbaä,-Konzerns lzott« zunächst zu dieser öffentlichen Diskussron überhaupt nicht Stellung nehmen wollen. Herr Körte hatte erklärt, daß man erst die Bilanz abwarten wolle. Inzwischen hat sich die Burbach-Verwaltung doch zu einer Erklärung bequemt, die allerdings zu dem Kernproblem überhaupt nichts sagt. Es wird lediglich erklärt, daß die Herren Körte und Schulze aus ihrem Besitz keinerlei Aktien oder Anteile an eine Konzerngesellschaft verkauft haben. Weiter heißt es, daß die Gesamtschulden des Konzerns— ohne die Syndikatsanlcihe von 27 Millionen— 64,3 Millionen Mark betragen, die zum größten Teil als Auslands- schulden unter das Stilllxllleabkonrmen fallen. Dem stangen Anfang April Forderungen in Höhe von lg Millionen gegenüber. Zu der Frage des Aktienverkauis von 34 Millionen Mark, wird gar nichts gesagt, auch nicht dazu Stellung genommen, warum die Verwaltung bei einer derartigen Lage den Gerüchten über eine Dividendenzahlung nicht entgegengetreten ist. Die Tatsache, daß die Garantie der Burbach-Kaliwerke A.-G. für die genannten 34 Millionen Aktien in der Bilanz nicht ausgewiesen wurden, stempelt den Fall Burbaelz zu einem neuen Aktienskandal, der aus? neu« den Beweis für die dringende Notwendigkeit der Reform des Aktienrechts erbringt. Auf Grund der neuen Bestimmuirgen wird die bevorstehende Burbach- Bilanz für 4931 diese Garantieverpflichtungen ausweisen nnissen. Bei der Klarstellung der Verhältnisse im Burbach. Konzern wird es sich auch zeigen, ob die noch im vergangenen Jahr gezahlte R e- korddividendevon IZProzcnt, die einen hohen Millionen- betrag ersorderte, nur ein« Geste im Machtkampf zwischen Burbach und Wintershall und wirtschaftlich überhaupt nicht zu verant- warten war. Eine baldige und gründliche Klärung dieser dunklen Angelegen- heil ist um so notwendiger, als die Commerz- und privat- dank eng mit dem Vurbach-Konzern zusammenarbeitet, und die Irage liegt nahe, ob bei der kürzlich mit Steuergeldern erfolgten Sanierung dieser Großbank auch die Verhältnisse bei Bürbach zur Diskussion gestanden haben. Ostdeutsche Konsumvereinsbilanz. Die Konsumgenossenschasten in der Wirtschostskrise. Im Verband ostdeutscher Konsumvereine E. V. sind nunmehr die statistischen Erhebungen für das Jahr 193l abgeschlossen. Das Ergebnis stützt sich auf die von den angeschlossenen Genossenschaften oufgesteMen Geschäftsjahresabschlüsse, die aber im Kalenderjahr zeitlich recht weit auscinanderliegen. Der größte Teil der Genossen- schaffen beendet das Wirtschaftsjahr am 30. Juni, der übrige Teil Ultimo August, September und auch später. Die nach dem 30. Juni 1931 einsetzende Vertrauenskrise ist demzufolge nicht voll erfaßt Die Ergebnisse beweisen aufs neue, daß die Konsumgenossenschaften trotz Wirtschaftskrise weiter in die Wirtschast eindringen und den Verbrauchern eine starke wirtschaftliche Stütze in der Wirtschaftsnot sind. Die Mitgliederzahl ist um 11 299 oder?,11 Proz. auf 374 S17 gestiegen. Die Kaufkraftschrumpfung durch Lohnabbau und Arbeitslosigkeit brachte einen Umsatzrückgang von S.82 Proz. Der Umsatz betrug im Jahre 1930: 132 416 687 M.. im Jahr« l931: 127 239 289 M. Die Anzahl der Vcrteilungsstellen ist von 960 auf 1037 gestiegen. Der Wert der in den Genossen- schaftsbetxieben hergestellten Erzeugnisse betrug 42 323 722 M. und ist gegen das Vorjahr um 6 462 203 M. oder 18,03 Proz. g e- st i e g« n. Von der weiteren finanziellen Entwicklung der Verbands- genossenschaften legen die Bilanzen Zeugnis ob. Unter den Aktiven werden die Betriebsbestände mit 23 382 420 M. (22271323 M.). der Grundbesitz mit 48 871 268 M.<39 727 981 M). die angelegten und verfügbaren Werte mit 27 842 372 M. (31 219 403 M.) und die Forderungen Mt 621 030 M.(236 880 M.) ausgewiesen. Die Passiven enthalten: Eigene Mittel(Geschäfts- guthoben und Reserven) 12 237 344 M.(13 708 216 M). Grund- stücksschulden 4428980<3221 110 M-). Spareinlagen der Mitglieder 70 831 498 M.(67 921 768 M.) und sonstige Verbindlichkeiten 6 692294 M.(2 832 332 M.). Die Erübrigung einschließlich des den Mitgliedern zustehenden Sparrabotts beträgt 3 622 996 M. (5 742 737 M.). Buderus ohne Dividende. Starker Belegschastsabbou.- Elendslöhne für die Kumpels Die Eisenwerke Buderus A.-G. im Siegerland, die im vergan- genen Jahre aus ihr 200jähriges Bestehen zurückblickte, hat bei der anhaltenden Krise der Schwerindustrie ihre Produktion und Beleg- schast 1931 stark eingeschränkt. Nach de» Dividenden von 6 und Schuh für Steuerdrückeberger? Eine totgeschwiegene Oenkfchrist über die Offenlegung der Gteuerlisten. Auf Verlangen des Reichstages Hot die Regierung vor einigen Monaten eine Denkschrift über die Offenlegung der S t c u c r l i st c n im Ausland vorgelegt(Rcichstogsdrucksochc Rum- mcr 1234). Obgleich sich die Regierung damals jeder eigenen Stellungnahme enthielt, konnte man aus der ganzen Art der Auf- stcllung der Denkschrift bereits entnehmen, daß sie der Offenlegung ablehnend gegenüberstand. Inzwischen hat die Regierung in B e- antwartung einer vor etwa einem Jahr gefaßten Reichstags- entschlichnng sür die Offenlegung der Stcuerlisten ihre ablehnende Haltung ausdrücklich bekanntgegeben,„Roch dem Material, das in der vorbezeichneten Denkschrift zusammengestellt ist", heißt es in der Antwort auf die Entschließung. ..ist die Reichsrcxiierung der Aufsassunci. daß gegen eine allgemeine Offenlegung der Stcuerlisten überwiegende Bedenken sprechen". Der bürgerlichen Presse war die Rcgierungsdcnkschriff so unbequem, daß sie monatelang versuchte, sie einfach t o t z u- schweigen. Jetzt, nachdem die Regierung das Stichwort gegeben hat, beeilt man sich, die Offenlegung der Steuerlistcn mit allerhand fadenscheinigen Gründen abzulehnen. Das ist aber nur möglich, wenn man den wahren Inhalt der Denkschrift ver- schweigt und eine völlige einseitige Darstellung ihrer Ergeh- nissc gibt, So wird i» der bürgerlichen Presse vollständig unter- schlagen, daß nach den Feststellungen der Denkschrift die Offen- legiing der Steucrlisten eine viel weitere Verbreitung ge- fundcn hat, als man bisher in Deutschland annahm. Wöhrend man uordein glaubte, daß in der Hauptsache nur die Bereinigten Staaten von Amerika die Offenlegung durchgeführt hätten, ergibt sich ans der Denkschrift, daß nicht weniger als 24 Staaten die Offenlegung für alle oder einige Sievern eingeführt hoben. Vor allem die europäischen Staaten haben von diesem 5?ilfsmittel der Steuerveranlagung weitgehenden Gebrauch gemacht, In England erfolgt die Offenlegung für die Lokolsteucrn, in Frankreich für die Einkommensteuer der Vcranlagungspslich- tigen, in Italien, Schweden und Norwegen für nahezu alle Steuern, in Oesterreich, der Tschechoslowakei und in Ungarn umfaßt die Offenlegung die Einkommen-, Vermögens- und Gewerbesteuern. Die bürgerliche Presse verschweigt ober nicht nur die weite Verbreitung der Offenlegung, sondern verschweigt auch, daß mit der Offenlegung überwiegend günstige Erfahrungen gemachi worden sind. Solche günstigen Erfahrungen werden aus Schweden und Norwegen, aus Luxemburg und der Tschechoslowakei, aus England und einem Teil der Schweizer Kantone berichtet. Dagegen hat die Umfrage in Frankreich, Oesterreich und Danzig, Polen, Ungarn und Bulgarien ergeben, daß die Offenlegung nur geringes Interesse in der Be- völkerung erweckt habe. Nachteilige Folgen sind aber auch in diesen Ländern nicht beobachtet worden. Das einzige Land, das über ausgesprochen ungünstige Ersahrungen be- richtet, sind die Vereinigten Staaten, Hier wird über die Nutzlosigkeit, die große Zahl von Denunziationen und die Sen- sationshascherei der Presse geklagt, und deshalb hat man dort die Offenlegung, die 1924 eingeführt worden war, 1926 wieder auf- gehoben, Die Einwände gegen die Offenlegung find nickst stichhaltig. Sst 1 l e n wir in Deutschland den überwiegend günstigen Erfahrungen in den meisten europäischen Ländern folgen und die Offenlegung einsühren, oder sollen wir uns nach den Bereinigten Staaten richten und die Offenlegung ablehnen? Alle Gründe, die die bürgerliche Presse— neuerdings vor allem die„Frankfurter Zeitung"— gegen die Einführung der Offenlegung anführt, er- weisen sich bei näherer Betrachtung als nicht stichhaltig. So wird zum Beispiel behauptet, daß wir in Deutschland die Offenlegung nicht brauchten, weil bei uns durch die Einrichtung der S t c u e r a u s f ch ü s s e bereits eine weitgehende Lsienmitwirkung a» der Steuerveranlagung gesichert sei. In Wahrheit liegen die Dinge ganz anders. Durch eine Reform der Sleuerausschüsse vor etwa einem Jahre sind diese Ausschüsse noch mehr dem Einfluß der Interesse ntckiverbän de der Landwirtschaft, der In- dustrie usw. ausgeliefert worden als bisher. Die Wahl van Ar- beiteroertrctcrn in die Ausschüsse ist nahezu ausgeschlossen, so daß die Interessenten in den meisten Fällen unter sich sind. Ebensowenig wie die Sleuerausschüsse kann der Buch- und vckricbsprüfungsdienst einen Ersatz sür die Offenlegung der Stcuerlisten sein. Ohne Frage ist der Buchprüsungsdienst in den letzten Jahren zu einem wirksamen Hilfsmittel der Besteuerung der größeren Unter- nchmungcn ausgestaltet worden. Für diese größeren Steuerpflichtigen hat aber die Offenlegung von vornherein nur geringe Bedeutung. Der Wert der Offenlegung liegt in der Kontrolle der Ocffcntlichkeit über die Steuerleistung der großen Masse der mittleren Steuer- Pflichtigen, denen sich die Steuerbehörden nicht dauernd so gründ- lich widmen können, wie das duräz den Buch- und Betriebs- prüfungsdicnst bei den großen Steuerpflichtigen der Fall ist. Außerdem erhält sich das Gerücht, daß man im F i n a n z in i n i st e- r i u m beabsichtigt, den Buch- und Betriebsprü- f u n g s d i c n st aufzuheben, angeblich, weil die großen Steuer- Pflichtigen doch kein Einkommcir mehr haben! Die Offenlegung ist auch nicht überflüssig zu machen. Ganz allgemein ist es ein Irrtum, zu glauben, daß„im Wege immer weiterer Berscincrung der Erfcffsungsmethodcn" die Offenlegung überflüssig gemacht werden könne. Die tatsächliche Eni- Wicklung in den letzten Iahren ist gerade umgekehrt gelaufen. Bei der großen Masse der Steuerpslichtigcn ist unsere Stcuervcrwal- tung immer inchr von der individuellen Erfassung des Einkommens zur Ermittlung von D u r ch s ck n i t t s s ä tz e n übergegangen und Hand in Hand damit haben die großen Bcrufsorganisa- tianen— nur nicht die der Arbeiter!— immer stärkeren Einfluß aus die Steuerverwaltung gewonnen. Kein Wunder, daß sich die Besitzenden nicht Lanach drängen, diesem idealen Zustand durch hie Offenlegung der Steuerlisten ein Ende zu bereiten. Um so inehr ist das die Aufgabe der werktätigen Schichten, Gewiß ist die Offenlegung kein Allheilmittel gegen die Finanznot. Ganz sicher würde aber sie den Steuerdrücke- bergen, einen h e i I s o m e n Schrecken einjagen und in vielen Fällen chronischer Steuerhinterziehung geradezu Wunder wirken Zlus diese Weise könnten ohne Erhöhung des allgemeinen Steuerdrucks den öffentlichen Körperschaften neue Mittel zu- geführt werden, die sie gerade jetzt nötiger als je gebrauchen. 4 Proz. in den beiden vorhergehenden Jahren bleibt Buderus bei einem kleinen Reingewinn van rund 209 400 Mark einschließlich des Gewinnvortrogcs auf 1930 ohne Dividende, Die Gesamtbelegschaft der Stammwerke, die schon 1930 van 6628 auf 2013 Mann abgebaut worden war, hat sich im Berichtsjahr bis auf 3668 Mann weiter verringert. Auch die Umsatzschrumpfung hat sich in verstärktem Maße fortgesetzt. Der gesamte Umsatz des Unternehmens betrug: lgzs 1930 1931 49,4 Millionen Mark. 33.07 20.69 Aus dem Geschäftsbericht ist zu ersehen, daß dem Sieger länder Cisencrz-Bergbau nach wie vor die staatlichen Subventionen gewährt wurden, ja daß sogar bestimmte Bedingungen der Beleg- schaftserhaltung, die an diese staatlichen Zuschüsse geknüpft waren, im letzten Jahr gelockert wurden. Die Eisensteinsörderung van Buderus verringerte sich gegen 1930 von 118172 auf 72 523 Tonnen. Der deutsche Eisenerz-Bergbau bekommt hier die Fehler der Eisen- und Stahlkonzerne an der Ruhr zu spüren, die mit Schweden die bekannten langfristigen Lieferungsverträge abgeschlossen haben. An eine baldige Besserung ist nicht zu denken: denn der Erzbcdarf der Hochafenwcrke ist schätzungsweise heute schon auf 1)4 Jahr gedeckt, In dem Abschnitt über die Lohnpolitik arbeitet die Ver- waltung wieder mit Zahlenvergleichen, die offenbar den Anschein erwecken sollen, als ob heute noch im Siegerländer Bergbau über- höhte Löhne bezahlt wurden. Derartige Manipulationen sind bei Buderus um so weniger angebracht, als dieser Konzern seit Jahr und Tag mit den Groschen der Steuerzahler unter» st ü tz t wird. was für Elcndslöhnc seht den Kumpels im Siegerländer Bergbau gezahlt werden, zeigen die tariflichen Schichllöhne, die von 5,10 Mark aus 4,25 Mark gedrückt wurden. Das Monatseinkommen der wenigen vollarbeiler— die meisten Arbeiter bei vuderiis müssen verkürzt arbeiten— erreicht also bei 26 Schichten im Monat 110,50 Mark brutto, und zieht man rund 17 proz. ins- gesamt an Abgaben ab. so bleibt für den schwer schuftenden Berg- orbeiter ein Retlo-Monatslohn von 91,72 Mark. Die Berwaltung von Buderus aber weist mil Nachdruck darauf hin. daß der Zanuor 1924 gültige lariffchichtlohn nur 3,30 Mark betrug, womit in der kritiklosen Oesfenllichkeit der Eindruck erweckt werden soll, als ob heule die Metallarbeiter im Siegerländer Revier überbezahlt wären. Kreuger ein berufsmäßiger Fälscher? Neue Entdeckungen im Geheimzimmer. In dem geheimen Zimmer des toten Zündholzkönigs wurden, wie ein Stockholmer Blatt meldet, eine große Anzahl von N o m c n st c m p c l n international bekannter Persönlichkeiten aus der Politik, Wirtsäzoft und Finanzwelt gefunden. Die Stempel hat sich Ivar Kreuger nach den Orlginalnomcn, die er in seiner riesigen Korrespondenz besaß, herstellen lassen und diese zu B e t r u g s m a n ö o o r n, wie der Fälschung der italieni- scheu Staatspapiere, benutzt. Eine amtliche Bestätigung für diese neue Entdeckung fehlt noch. Ferner ist in den nachgelassenen Papieren Kreugers ein großer Stapel Erpresserbricfe entdeckt worden. Die Namen und Anschriften der Erpresser sind bekannt und ihre Vernehmung wird vielleicht noch über» raschcnde Enthüllungen mit sich bringen. Auch Griechenland gibt de» Goldstandard auf. Die griechische Regierung hat beschlossen, den Goldstandard aufzugeben. OK Es gibt Unterschiede. Schwerindustrielle hüben und drüben. 3« den Binzen Mseser dentlchen Unternchmungün ist es üblich, datz alle Schuld für die Wirtschaftskrise oder für Verlust« dem Staate, den ,ch o h s n&S d n e n' zugeschrieben werden. Di« A r- beil er und Angestsllte« gelten da überhaupt nur als ein die Selbstkosten belastendsr Faktor, der noch Möglichkeit auszuschalten ist. Wir haben vor uns den Jahresbericht und die Mauz der Societe Anonyme des Aci�riee Reunies de Burbach-Eich-Dudelange, ein jranzöstsch. luxemburgisches Unternehmen der Schwerindustrie, besten chauptfitz in dem Erzbecken von Longwn ist. Die Ascieris Reunics haben natürlich auch sehr schwer unter der Wirtschaftskrise szu leiden. 3n dem Jahresbericht heißt es darüber: „Die Wirtschaftskrise, die die ganze Welt seit Ende 1329 verheert. und über deren erste Anzeichen wir Ihnen bereüs in unserem Bericht vor zwei Jahren gesprochen haben, hat sich seitdem sozusagen un- unterbrochen oerschärft. Sie wird erschwert durch eine heftige Finanz� krise, die wiederum verschärft wird durch den Mangel an Bertrauen, der aus der Unsicherheit resultiert, die über die Lösung ernster politischer Probleme herrscht. Sobald diese Pro- bleme in einer für alle annehmbaren Art gelöst sein werden, wird cs Aufgabe der Regierungen sein, die Maßnahmen inter- nationaler Art ins Auge zu fassen, die gemeinsam ge- trosfen werden müssen, um aufs neue einen normalen Kreislauf der Kapitalien und der Waren zu sichern. Nur unter dieser Bedingung wird man die Arbeitslosigkeit überwinden und wird die Welt wieder zum Wohlstand gelangen... Im vergangenen Geschäfts- jähr haben wir unsere Bemühungen fortgesegt, die Selbstkosten z u s e n k e n. Die Reduzierungen, die wir erreicht haben, sind zu- rückzufuhren zum Teil xmf den Rückgang der Rohstoffpreis� zum Teil aus die Ingangsetzung neuer Anlagen und schließlich aus We hin- gebende Mitarbeit unseres Personals.... In unseren früheren Berichten haben wir wiederholt Gelegenheit gehabt, Ihnen zu sagen, wie sehr unsere Angestellten und Ar- better uns Anlaß zur Zufriedenheit geben. Das hat sich auch im abgelaufenen Jahr nicht geändert. Wir halten uns für verpflichtet, Ihnen mitzuteilen, daß wir genötigt waren, Gehälter und Löhne nach und nach zu kürzen, Kürzungen, die durch die allgemeine Situation erforderlich wurden und im übrigen dem Sinken der Lebenshaltungskosten ent- spräche n." Wie man sielst, hat die Schwerindustrie in Frankreich dieselben Sorgen wie die Schwerindustrie in Deutschland. Der Unter- schied aber in der politischen und wirtschaftlichen Erkenntnis und der sozialen Grundeinstellung gegenüber den Arbeitern und Ange- stellten, der hier im Vergleich zu den deutschen Schwerindustrielleu zutage tritt, ist geradezu aufreizend. Selbstverständlich sind auch die französischen Industriellen Kapitalisten von reinstem Wasser, und die Präsidenten der Asniöries Reunies, die Herren Borbanson, Dutreur und Eugene Schneider(Ereuzot) sind nichts weniger als soziale Er- neuerer oder politisch linksstehende Persönlichkeiten. Aber wie himmelweit sind doch diese klugen und erfolgreichen Kapi- talisten, selbst wenn sie unter sich sind, entfernt von der eisenstirnigen Rückständigkeit und dem brutalen Scharfmachertum, den unsere Schwennduftrisllen sich als Richtschnur und als Umgangston noch nicht abgewöhnen konnten. Llferloser Lohnabbau. Oer Konflikt in den Gemeinden. Der Arbeitgeberverband der rheinif ch-westfal'chsn Gas», Wasser- und Elektrizitätswerk« verlangte bei den Parteiverhandlullgen im Lohntarisstreit eine Lohnkürzung um 3 Pf. pro Stunde sowie die Abschaffung des Haus» stands- und Kindergeldes mit ebenfalls 3 Pf. Begründet wurde die Forderung mit der wirtschaftlichen Loge, vor allem mit Sem Sinken dez Absatzes der Werke. Die Gewerkschaften lehnten dies« Forderungen ab mit dem Hrn, weis, daß über die Senkung des Lebenshaltungsindex hinaus die Löhne bereits auf den Friedensftano und darunter gedrückt seien. Am Sonnabend finden die Verhandlungen vor dem Schlichter in Dortmund statt. Die„Freunde" der Landarbeiier. Hoffnung auf Hitler? Die landwirtschaftlichen Unternehmer der Provinz Schleswig» Holstein sind sich der Ausrichtung chrer unbedingten Herrschast 'in Dritten Reich offenbar so sicher, daß sie glauben, ihren Arbeitern schon wieder die unerhörtesten Opfer aufzwingen zu können. Der land- und forstwirtschaftliche Unternehenerverbavd der Provinz Schleswig-Holstein hat zum 39. April die Kündigung der Tarif» Verträge der Landarbeiter dieses Tarifgehietez des Deutschen Landarbeitsrverbandes ausgesprochen und Abbauforderungen auf» gestellt, die nicht das geringste Verständnis für die Lage der Landarberter und deren Familien verraten. Zu? Kennzeichnung des „fortschrittlichen" Geistes der schleswig-holsteinischen Landwirte ge- nugen einige Stichproben aus ihrem Wunschzettel So fordern sie unter anderem das Recht, die Arbeitszeit „unter Aufrechterhaltung der Gesamtjahresarbeitszeit" nach eigenem Crmessen festsetzen zu können, zum Beispiel auf 12 bis IS Stunden im Sommer, um vielleicht im Winter an einigen Tagen feiern zu lassen. An Stelle von sechs und sieben Tagen soll es in Zukunft nur noch drei und vier Tage Urlaub geben, anstatt 39 Zentner Deputatgetreide nur noch Ztz Zentner. Für Ueberzeit- arbeit soll bloß noch die Hälfte des bisherigen Satzes gezahlt werden, das Gefchirrzeld soll gleichfalls um 59 Proz. gekürzt werden. Für die Deputatarbeiter, die Frauen und Wochenlohner wird ein Lohnabbau von 1 Pf pro Stunde gefordert, für die Frei- arbsiter von 3 Pf., die Melkfrauen von 19 Pf. pro Tag usg>. Daneben wird für die Forstarbeiter der gleiche Lohnabbau, für die Land- und Forstarbeiter eine Verschlechterung der Bestimmungen über die Akkordarbeit, die Kürzung der sogenannten Sommer- zutage und eine ganze Menge anderer' Verschlechterungen verlangt Auch der Kreisarbeitgeberverband für Land- und Forstwirt- schast, Wein- und Gartenbau in der Pfalz erhebt ähnliche Forderungen, nur daß er beim Lohnabbau noch weitergehende Wünsche hat: die Spitzenlöhne sollen von 47 aus 85 Pf, die übrigen im gleichen Verhältnis gekürzt werden. Die Agrarier sind offenbar der Ueberzeugung, daß Hitler an die Herrschaft kommt, der sie herrlichen Zeiten entgegenführen wird. Ltnerirägliches Arbeitsiempo. Die Maschine im kaufmännischen Betrieb. Der kaufmännische Angestellte tn der Großindustrie steht in einem Arbeitsgebiet, das in w°itestem Maße von der Rationalisierung erfaßt wurde. Durch die vielfältigen Arten der Büromaschinen wurden Menschen in großer Zahl verdrängt und die Verbleibenden zu einem sich immer steigernden Arbeitstempo ge- zwungen. Aber auch der heute an den Maschinen beschäftig- An- gestellte spürt die Borteile des Maschinenbetriebes viel weniger als seine Nachteile. Er leidet unter der raffinierten Arbeitsteilung, die das legte aus ihm herauszuholen bestrebt ist und dazu seine körper- lichen und geistigen Kräfte in achtstündiger Arbeitszeit fest in winzigste Teiloorgänge einspannt. In einem Gespräch, da» im Programm der Funkstunde Mi- nistenalrat Professor W o ldt mit Willy Henze und Dr. Karl Reutti führte, wurden diese Probleme behandelt. Willy Henze nahm als Vertreter der Angestellten dazu Stellung. Er betonte, daß nicht die Maschine, sondern die Auswertung der Maschine von üblen Folgen für die Angestellten gewesen sei, die heute ohne Rücksicht auf ihre Kräfte zu immer höheren Leistungen angetrieben werden. Eine Berkürzung der Arbeitszeit im maschinisierten Bürobetrieb ist unerläßlich. Der kaufmännische Betrieb, der. nicht wie der Fabrikbetrieb auf den Umgang mit feststehendem Material, son- dern aus den Umgang mit auftraggebenden und verhandelnden Menschen sich aufbaut, ist auf keinen Fall dann am besten verwallet, wenn er von Menschen gehandhabt wird, die systematisch selber.zu Maschinen herabgedrückt werden. Der Kundendienst stockt, sobald der schematische Ablaxif an irgendeiner Stelle gehemmt ist, wichtige Geschästsvorgäng« werde» voMoinmen sinnlos bearbeitet, weil keine Abteilung von der anderen Kenntnis nehmen kann. In dieser Beurteilung traf sich der Sprecher mit Dr. Reutti. Es kommt bei den Angestellten viel weniger auf die guantitatw ge- leistete Maschinenarbeit als auf die geistige Leistung an. Ein« im Tempo noch so tüchtige Stenotypistin zum Beispiel wird viel weniger bedeuten als eine andere, weniger flinke, die den Inhalt des Ge- fchriebenen erfaßt, auf Drkrierfehler aufmerksam machen kann und so infolge ihrer geistigen Fähigkeiten Arbellsvergsudung vermeidet, die sich durch Umschreiben von Briefen und Schriftstücken ergibt. Heute wird die geistige Leistung sellen in Rechnung gestellt, sondern das Arbeitsquamum nach der möglichen mechanischen Maschinen- lerstung errechnet. Dos muß auf jeden Fall au- hören. Wie in der Werkstatt, so ist auch für den kaufmännischen Angestellten die Be- achtung gewerbehygienischer Maßnahmen erforderlich, deren Grund- läge ein normales, auf dje Dauer duribzuhaltendsz Arbeitstempo fem muß. Zu der Frage der Arbeitszeitverkürzung, die Wüly Henze un» bedingt, Dr. Reutti bedingt, unter Voranstellung der Forderung nach Mäßigung des Arbeitstempos, bejahte, nahm Prof. Woldt Stellung; auch er erklärte die Arbeitszeitverkürzung heuje für unerläßlich, um die Arbeitstofsn wieder in den Arbeitsprozeß einzure-hen. Besserung in der Zementmdustrie. Aber immer noch Krisenzustand. In der Z e m e n t t n d u st r i s ist eine leicht« Besserung festzustellen. Seit Jahr und Tag lagen d'e meisten Werke still, so auch im Bezirk Westfalen, wo von über 39 Werten lange Zell nur zwei oder drei und auch d'.» nur eingeschränkt arbeiteten. Jetzt haben«inige Werke den Betrieb wieder aufgenommen.. In Paderborn ist zum Beispiel das Werk Ilse wieder in Ganz gekommen. Dos Werk Atlas hat Neueinslellungen vorgenommen. In Gesell« ist das Werk Fortuna voll in Betrieb, ebenso die Erwitterwerke. Auch das Wert Phönix will die Pro- duktion wieder aufnehmen. Der Z«M«ntabfatz hat ebenfalls eine Belebung erfahren. Im März sind 184 999 Tonnest versandt worden, das Doppelte gegenüber Februar. Gegenüber dem Vorjahr blieb im März der Absatz jedoch nahezu um 49 Proz. zurück Ob die Besserung von Dauer ist, ble-bt abzuwarten. Zu wünsch-n wäre sie im Interesse der Zementindustriearbeiter, dam,t sie nicht dauernd auf die paar Pfennige Unterstützung, die sie— vielleicht— nach bekommen, angewiesen sind. Freilich, bei den bereits stark herabgesetzten Löhnen werden die Zementarbeller auch bei voller Arbeitszeit keine großen Sprünge machen können. Politik und Wirtschaftskrise. Albert Thomas' kritische Kestfiellvngen. Gens. 25. April. Aus der Jnrernarionalen Arbeits kons er enz hielt der Direktor des Jpternationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, heute vormittag eine längere Rede, in der er sich mit der in der Generaldebatte geübten Kritik an der internationalen Sozialpolitik auseinandersetzte. Er wies daraus hin, daß die Länder, di� rn besonderer Weise von der Ärtschastskrise betroffen morden seien, trotz aller Schwierig- kellen sich erfolgreich bemüht bätreu, ihre soziale Gesetzgebung in- takt zu erhalten. Er betonte, daß der künftige sozial« Fortschritt von einer baldigen Lösung der großen politischen Pro- bleme. die mit der Weltwirtschaftstrsie zusammenhängen ab» hinge. Es sei festzustellen, daß über die Wege, die aus der Welt' Wirtschaftskrise hinausführten, urller den Sachverständigen weiten gehende Uebereinstimmung herrsch«, daß aber die Regierungen bis- her sich immer gesträubt hotten, aus den Feststellungen der Sach- verständigen die erforderlichen Folgerungen zu ziehen. Für die Arbeitslosen. Ein plan der englischen Gewerkschaften. In Großbritannien, wo sich seit dem Gewerkschaftskongreß von Swansea im Jahre 1928 die Zahl der Arbeitslosen mehr als verdoppelt hat und heute mehr als halb so groß ist wie die Ge- samtmitgliederzahl der fteien Gewerkschaften, sind Bestrebungen iin Gange, um die Arbeitslosen in des anderen Arbeitelos eu» Vereinigungen zu rekrutieren, die m einer nationalen Föderation zusammengefaßt werden sollen. Der Britische Gewerkschafts- bund(TUE.), der bis jetzt auf dem Gebiete der Hilfe und Unter-' stütz:: ng für die Arbeitslosen nichts unterlassen hat und durchaus dafür ist, daß den Arbeitslosen von den Gewerkschaften besonderes Interesse und spezielle Fürsorg« zuteil wird, ist bestrebt, bei diesen Versuchen einen möglichst engen Zusammenhang mit der übrigen Gewerkschaftsbewegung zu sichern.„Es ist wichtig", sagt der Hilfe- sekretär Tewson w„Jndustrml News", dem Wochenorgan des, TUE.„daß die gegenüber den Arbeitzlosen einzuschlagende Politik von der ganzen Bewegung getrogen und unterstützt wird, anstatt daß die Arbeitslosen, die zu den unglücklichsten Mitgliedern unserer Bewegung gehören, materiell und moralisch sich selbst überlassen bleiben." Ein vom Generalrat deS TUE. aufgestellter Plan billigt wohl die Gründung von speziellen Arbeitsloseuoer- e i n i g u n g e n, die auf Grund einheitlicher Statuten wirksam sein sollen, gleichzeitig steht er jedoch vor, daß diese Vereinigunge r organisatorisch direkt in den Perwaltungsapparat der Gewerkschaften eingebaut werden. Die Vereinigungen sollen unter der Leitung der Ortsausschüsse wirtsam sein; die Arbeitslosen sollen in den Bezirksverbänden der Orts- ausschüsse oertreten sein und an die Jahresversammlungen der Ortsausschüsse Vertreter senden. Durch ihre Vertretung bei den Ortsausschüssen nehmen sie auch automatisch Anteil an der Arbeit der gemeinsamen beratenden Komitees der Ortsausschüsse und d'-r Partei. Verbandstagswahl der Schuhmacher. Morgen, Mittwoch, wählt di« Zahlstelle Berlin im Berbands- buro und den fünf den Mitgliedern bekannten Wahllokalen den Delegierten zum Berbandstag in Mainz. Die letzte Mit gliedert«-- kammlung hat die Kollegen Hörtz und Zoller als Kandidaten auf- gestellt. Bei der bisherigen Haltung der Kommunisten in der Zahl- stell» Berlin und ihrem Kampf gegen die SPD. werden beide Kan- didaten unter sich innerhalb ihrer polltischen Richtungssttelligkeiten den Kampf bei der Unvahl selber zu führen haben. Alle Kollegen der SPD. müssen am Mittwoch weiße Stimmzettel abgeben, da sie weder Hörtz noch Zoller ihre Stimme geben können. Der Deöbeausschuß. Luflendgmppe des Zentralverbandes de? Aagestellten lUzuit�nvi Ositincftt. ;enb« SSÄwnftatemg« statt: fiä ifitei jjnltt an».— Saiimcf!;'Siißero- Zetii? Seiutt? stich 3I«fete»l: Dr. [tebtftt. 1, xart. be» euneintn Ai Setlinet Dtutet.'. 92 Uhr im Zllgentchsim Lbesattr f,.. 1 tigendheim Schtin» ,..____._.... 13.— Der Svztdj. amf D»vezang«char ÜM reit Ä bi» 22 Uhr in txt Tarnhall» Barirth« Str. 20. s Zinsser. Knoblauch-Gafi tausendfach demöhrt bei: Artertenvirkalkuna. Rheatnaii». nut, lwhem Bluidruck. Sembe- Ichwerde». tlfthma. dämorrhot- den, Leber, unb Gallenieiben unb allen fiicffnjechfelftiinmßen. Flasche 8 Jf(reicht S Wachen). Beriuchetlaiche l.«(i Wache mifceioenb). Seit 10 Jahren litt Ich an Är- lerienoerialkung Die Schmer. »en waren schon sa heftij:, baß ich kaum nach schlafen unb lausen kannie Nachdem ich Ihren Snablauchsast nahm, liehen die Beschwerben schon nach It Tagen nach Ich fühle mich lehi. itog meiner 64 Jahre, sehr wohl. tzran, Zieiiig. Berlin. Ghausseestraße. In Avotheten unb Drogerien zu haben. ,onst birelt Or.Zinsser chCo.{®|s- Leipzig 25 Engro».Ua»lleseianas- lag er: Berlin C 25, Prenzlauer Siratze in. Telefon: E 2, Nuosergraben 2274. 60000 Stnerfennunaen über Zinffer-Mlttel. HläuliewtCeft Auen Dis 18 Monats «Stell Benin W6 LeiDligersir. 122-125