Erscheinttäglich außer Sonntag«. Zugleich Abeudautgabe de<.Dorwärtt�. Bezugsvreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3L5 M. pro Mona: (davon 87 Pf.«onatlich für Zustellung ins Haus) im voraus tahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs' und 72 Pf. Postbestellgebübren. SfuUcuityaße Jßl„l/bwasfa AnzetgenpretS:€ie elnfpaUige flWfltmrterzetlc 80 Dt- RetlamezeUe Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto-. Lorwärts-Verlag G. m. b. H.» Berlin Rr. 37*36.- Der Verlag behalt stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktion und Erveditton: Berlin SW6�. üinbrnftr? Fernsprecher? Dönhoff(A 7> A!?—?a7 BERLIN Dienstag 26. April 1932 10 Pf. Jfr. 195 B 98 49. Zahrgana Landtag am 24. Mai Dann Rücktritt des Kabinetts.- Gefchästsführung bis zur Neuwahl eines Ministerpräsidenten durch den Landtag Einheit der Arbeiter tut not? „Einheitsfront"-Gerede schafft sie nicht! Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Das preußische TtaatSministerium hat heute auf Grund des Artikels 17 der preußischen Verfassung beschlossen, den neuen Landtag zum 24. Mai dieses Jahres einzuberufen und ihm alS verfafsungs- mäßige Folge auS dem Ausfall der Wahlen seinen Rücktritt in seiner Gesamtheit mitzuteilen. Bis zur Neuwahl des Ministerpräsidenten und der Ucbcrnahmc der Geschäfte durch eine neue Rc- gicrung ist das«taatsministcrium auf Grund des Artikels 59 der Verfassung verpflichtet, im Amte zu bleiben. Eine frühere Einberufung des Landtages bis zum 24. Mai ist abgesehen davon, daß die Legislatur- Periode des alten Landtages bis zum 20. Mai läuft. aus technischen Gründen unmöglich. Auch eine Auslösung des jetzigen Landtages kann den Termin nicht vcrfrühcn. denn der Landtag kann nicht eher zusammentreten, bis ein den Bcstimmun- � gen des Landcswahlgesetzes entsprechendes endgül- tiges amtliches Wahlergebnis zusammen mit den Annahmeerklärungcn der einzelnen gewählten Ab- geordneten vorliegt. Gemäß 8 35 des Landcswahlgcsctzcs verzögert sich die Feststellung des endgültigen Wahlergebnisses deshalb, weil die Erklärung der einzelnen Parteien abgewartet werden muß. welche ihrer Kandidaten der Landcslistc zu Abgeordneten vorgeschlagen wer- den. Denn, während früher die Abgeordneten der Laudeslistc automatisch aufrückten, wenn ihre Vor- gängcr ihren Krciswahlvorschlag angenommen hatten, ist jetzt unter Außerachtlassung der Reihen- folge die Bestimmung der Abgeordneten aus der Landcslistc der Entscheidung der Parteien vor- behalten. Ter Landeswahlleiter muß deshalb erst eine achttägige Entschcidungsfrist der Parteien ab- warten, ehe er an einzelne Abgeordnete mit der Frage herantritt, ob sie die Wahl aus der Landes- liste annehmen. Endlich kann der Landtag weder unmittelbar vor noch unmittelbar nach Pfingsten, das auf den 15. und lü. Mai fällt, einberufen werden. Klagges verbietet Maidemonstration. Aber GA.- Kasernen bestehen nach wie vor. Braunschweig, 2ti. April.(Eigenbericht.) Nachdem die Partei wochenlang im ungewissen ge> halten worden ist, hat heute der Nazimister Klagges sämtliche T e n, o n st r a t i o n e n zun, l. Pt a i in der Stadt Braunschweig verboten. Außerdem wird noch heute ein Maidcmonstrationsverbot für das ganze Land herauskommen. Tie rigorosen Verbote sind um so herausfordernder.! als den Nazis nicht nur öffentliche Aufmärsche und Temonstrationen, sondern sogar daS un- � gesetzliche Treiben in de» ZA.-Kasernen> nach wie vor erlaubt sind. EnglandsTerminvorschlagfürLausanne 16)uni. Am Montag sind in Berlin, Paris Rom Bruijel und Tokio e n g l i s 6) e Noten überreicht worden, die die Anfrage enthalten, ob diese sechs Regierungen mit dem 16. Juni für den Beginn der großen Wirtfchoftskonferenz in Lausann« einverstanden sind. Das Anwachsen der nationalsozialistischen Stimmen hat allen denkenden klassenbewußten Arbeitern klargemacht, daß sie sich enger als bisher zusammenschließen müssen. Die Folgen der Seibstzerfleischung des Proletariats sind nie so klar geworden wie jetzt. In dieser Situation scheint man in der KPD. einzusehen, daß die tolle kommunistische Taktik der letzten Zeit nicht weitergeführt werden kann. So versichert die„Rote Fahne": „Wir werden alles tun, um mit Hilfe der proletarischen Klajsenkrast ihm(dem Hitler-Ladismus) den Weg zur Re- gierungsmacht zu versperren, seinen Terror zu brechen und ihn durch den neue» roten Vormarsch der Arbeiterklasse ent- scheidend zu schlagen." Das ist ein löblicher Vorsatz. Zu seiner Durchführung gehört jedoch, daß die KPD. radikal Schluß macht mit der Parole:„Hauptfeind ist und bleibt die Sozialdemokratie." Es gehört noch mehr dazu, es gehört dazu, daß das Zer- splitterungstreiben aufhört. Ein Aufruf der KPD. und der REO. spricht von einer „Einheitsfront des Kampfe s". Auch das ist ein löblicher Vorsatz— unter der Voraussetzung, daß es ehrlich gemeint ist, und daß sich hinter dem Wort Einheitsfront nicht die Absicht der Zersplitterung von Arbeiter- Organisationen verbirgt! Es heißt in diesem Aufruf: „Wir sind bereit, mit jeder Organisation, in der Arbeiter ver- einigt sind, und die wirklich den Kamps gegen Lohn- und Unter- stützungsabbau führen will, gemeinsam zu kämpfen." Darauf folgt aber unmittelbar die Aufforderung, Aus- fchüffe in den Betrieben gegen die Organisationen zu bilden, nach dem Vorbild der bisherigen Zellenbildungs- und RGO.-Toktik. Davon kann natürlich keine Rede fein, daß sozialdemokratische Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder diese abgegriffenen Methoden mitmachen, die nur zum Kampf der Arbeiterschaft untereinander führen. Sie werden vielmehr an der Hand dieses Aufrufes ihren kommunistischen Kollegen klarmachen, was die KPD. sich in Zukunft ab- gewöhnen muß, wenn sie Ernst machen wollte mit der Einheit des Kampfes. Denn dieser Aufruf ist zugleich noch eine Wiederholung der wilden Angriffe und Verleumdungen, die m den letzten Wahlkämpfen von der KPD. gegen die Führer der Sozial- demokratie und der Gewerkschaften geschleudert worden sind. „Die Führer der Sozialdemokratie und des ADGB."— so heißt es immer wiederholt unter Anschuldigungen und Verleumdungen in diesem Aufruf, der dann den„unteren Funktionären und Betriebsratsmitgliedern und Arbeitern" von Einheit redet. Man nennt diese Taktik in der KPD.: „Einheitsfront von unten." Es verbirgt sich dahinter die Illusion, daß die sozialdemokratischen Arbeiter sich von ihren Führern trennen lassen würden, um die Führung durch die kommunistischen Führer anzuerkennen. Wir wollen nicht darüber reden, ob nach den glänzenden Erfolgen, die die kommunistischen Führer erzielt haben, gerade danach große Sehnsucht bei sozialdemokratischen Arbeitern besteht— in einem Augenblick, wo nicht die Sozialdemokratie, wohl aber die KPD. sich zu einer Ueberprüfung und Aenderung ihrer Taktik genötigt sieht. Aber die Kommunisten müssen endlich begreifen, daß die � sozialdemokratischen Arbeiter und ihre Führer eine unauf- lösbare Einheit darstellen, eine Einheit von ganz anderer Art als in der KPD., weil sie auf demokratischer Grundlage ruht, eine Beziehung, die viel fester ist als die Beziehung zwischen Führern und Parteimitgliedern in der KPD., in der im Grunde genommen nicht von unten auf, sondern von einer übergeordneten außerdeutschen Aufsichtsinstanz die Führung bestimmt wird. Deshalb ist es töricht, daß alte Klischee der ,., Einheitsfront von unten" wieder hervorzuziehen, es ist töricht zu glauben, daß der Wille der klaffen- bewußten Arbeiterschaft zur Einheit Gelegen- heit zu einem parteipolitischen Manöver ältester Art biete. Das alles werden die sozialdemokratischen Arbeiter den Kommunisten sagen, wenn sie mit ihnen über die Einheit der Arbeiterklasse im Kampfe reden! Sie werden ihnen mit guten Argumenten zeigen, daß Einheit not tut, und daß des- hals die Kommunisten es sind, die in vielen Dingen u in- zulernen haben! Eine Erklärung Thälmanns. London, 26. April. Thälmann erklärte dem Berliner Korrespondenten der„Daily Mail", die Kommunistische Parle! werde alles tun. was in ihrer Macht stehe, um eine nationalsoziali st ische Regierung in Preußen zu verhüten. Hastbefehl gegen Ley. Wegen des lleberfalls auf Otto Wels. Köln, 2.r Hitlerismus, dessen Glaubensbekenntnis der Haß sei, diesen Versuch überdauern? Vor Zusammentritt des neuen Landtages sei Zeit genug, um die Köpfe abzukühlen und den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Die rechtskonservative„M o r n i n g Post" sagt, viele Leute seien der�Meinung, daß es das Beste wäre, Hitler in eine Stellung zu bringen, wo er naturgemäß erweisen würde, daß er nicht einmal so viel wie seine Vorgänger zu erreichen oermöge. Dieses Experi- ment werde sich vielleicht als notwendig erweisen, obwohl e- unbestreitbar höchst gefährlich sei. Aus jeden Fall habe Hitler noch keineswegs das Ruder Preußens in der Hand, und er dürste es auch nur unter Bedingungen erhalten, die ihn verhältnismäßig unschädlich machen würden. Ein Mann mit seiner Vergangenheit und seinem Programm„Bulle im Porzellanladen", der eine zahlenmäßig sehr große Unterstützung Kabe, müsse die Wiederbelebung des Vertrauens schädigen, das für die Erholung Deutschlands und Europas so wesentlich sei. Es sei ein Unglück, daß er einen so Aufsehen erregenden Erfolg am Vorabend der Lausanner Konferenz erzielt 1 habe, aber andererseits würde er ohne die Umstände, die die Lausanner Konferenz nötig machten, niemals eine so große Unter- stützung erhalten hoben. „T i m e s" stellt fest, daß der dritte Angriff aus die deutsche Republik zum drittenmal abgeschlagen worden sei, daß aber Hitler dem Erfolg so nahe gekommen sei. daß man mit seinem Einsluß noch ernster als bisher rechnen müsse. Unter seinen Anhängern befänden sich einig« der ernstesten und tatkräftig- sten jungen Männer Deutschlands, aber auch einige der unbesonnen- sten und gewissenlosesten. Bizher hätten sich die Hitlerlaner Im Reichstag wie die Schuljungen benommea. Jetzt frage es sich, wie sie sich in ihrer neuen Stellung benehmen würden. Hitler selbst befinde sich noch wie vor in einer ungewöhn-> M.SWngdesReichShaushaltavsschnsses Sanierung der oberfchlesischen Eisenindustrie Der Haushaltsausschuß des Reichstages begann seine wichtigen Beratungen— immer bei Abwesenheit der faulenzenden National- sozialistin— mit einer Aussprach« über die Lage der oberfchlesischen Eisenindustrie. Ein neugebackener Nationalsozralist, der frühere deutschnationale Abgeordnete von Sybel mochte eine Ausnahme. Man kann annehmen, daß er nur ein„Dorreiter" ist, und daß die „Nazi" im Reichstag wieder„parlammarisch" werden wollen, um nach außen nicht mehr als notorische Faulenzer zu erscheinen. Sie meinen vielleicht auch politischen Lärm machen zu können. Am 30. März hatte das Reichswirtschaftsministerium dem Haus- Haltsausschuß eine oertrauliche Denkschrift über die Neuorgani- sation der Vereinigten Oberfchlesischen Hütten- werke A.-G.(Oberhütten) und über die Frage des Zu- saminenschlusses der Hütte der Borsigwerk A.-G. mit Oberhütten vorgelegt. Sie fand nicht die Zustimmung des Haushaltsausschusses. Dem Reiche sollten die unrentablen Eisenbetriebe aufgeladen werden, die Banken wollten sich auf die rentablen Kohlen- betriebe zurückziehen. Damit war auch die Familie Ballestreni selbstverständlich einverstanden. Der Haushaltsausschuß nahm aber einen sozialdemokratischen Antrag an, der eine engere Verbindung zwischen Kohle und Eisen verlangte, nur so sei eine wirkliche Sanierung der oberschlcsischen Industrie möglich. Es wurden neue Verhand- lungen von der Reichsrexierung verlangt, die auch in der Zwischenzeit stattgefunden haben. Der Reichswirtschaftsminister Dr. Warmboldt und Ministerialdirektor Hintze berichteten in vertraulicher Sitzung über das Resultat jener vom Haushaltsausschuß verlangten Verhandlungen. Im Sinne der Wünsche des Haushaltsausschusses ist auf die Art verfahren worden, daß entsprechende Kohlenliefemngs- vertrüge geschlossen werden. Die völlige Sanierung der oberschlesi- schen Industrie ist damit zwar auch nicht erreicht, die wird erst bei völliger Besitzverschmelzung zwischen Kohle und Eisen gegeben sein, aber eine Verbesserung im Sinne der sozialdemokratischen Wünsche ist erreicht. Da der Abschluß der Verhandlungen in Oberschlesien auch im Interesse der Arbeiter und Angestellten dringend ist, stimmte der Abgeordnete H i l s e r d i ng als Sprecher der sozialdemokratischen Reichstagssraktion dem neuen Sanierungsplan zu. Die Abstimmung über den neuen Sanierungsplan wird ohne Debatte morgen, Mitt- woch, 10 Uhr, erfolgen. Es wurde ein staatsparteilicher Antrag angenommen, der»er- langt, daß bei etwaiger Beteiligung des Reichs an der Sanierung der Borslohütten A-G. vorher der Haushaltsausschuß eine ent- sprechende Vorlage erhält. Liebestragödie im Grunewald Liebespaar verübt im Auto Selbstmord 3n den frühen Morgenstunden entdeckten Reiter, die den Grüne-, wald bei Paulsboru passierten, die Opfer e'ncr Liebeslragödie. Auf dem prioatweg, der von der köuigsallee nach dem Jagdschloß Paulsboru führt, stand ein roter Sportwagen, in dem blutüberströmt zwei junge Menschen lagen. Da die Reiter glaubten, daß das junge Mädchen noch schwache Lebenszeichen von sich gab, setzte sich einer von ihnen ans Steuer des Autos und brachte den Wagen nach dem Sanatorium in der Hagenstraße. Hier konnte aber nur noch der Tod des Mäd- ch e n s festgestellt werden. Die Polizei, die benachrichtigt wurde, brachte die Leichen nach dem Schauhaus in Charlottenburg. Di« Toten sind der 82 Jahre alte Richard R., der Sohn eines Hotelbesitzers im Zentrum Berlins. Das Mädchen ist eine 18 Jahre alte Hanna B., die Tochter eines Bücherrevisors aus Zehlendors. Der junge Mann hole sich gestern abend den kleinen roten Sport- wagen geliehen. Beide müssen den Plan, aus dem Leben zu schei- den, schon seit geraumer Zeit gefaßt haben. Sie haben Briese an Angehörige gestern abend noch zur Post gebracht. Außerdem wur- den im Wagen noch vier Abschiedsbriefe gesundem Nach dem Befund zu urteilen, hotte der junge Mann zunächst dem Mäd- chen einen Schläfenschuß beigebracht und dann sich selbst erschossen. Während bei ihm der Tod sofort eintrat, war der Schuß bei dem Mädchen nicht gleich tödlich. * In der vergangenen Nacht kurz nach 1 Uhr wurde zwischen den Bahnhöfen Iannowitzbrück« und Alexanderplatz in der Nähe des Polizeipräsidiums die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden, der sich vor einen Zug geworfen hatte. Der Unbekannte, dessen Gesichtszüge nicht zu erkennen sind, ist etwa 30 bis 35 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hat dunkelblondes Bürstenhaar und trug einen kasscebraunen Anzug, weißgestreistes Hemd, Matko- unterhos« mit Inschrift„S. P. Schupo 1923". Er hatte braune Halbschuhe und braune Strümpfe an. Man fand in seiner Nähe einen Zettel, der auf der einen Seite den Namen Werner von Tres- low, auf der anderen Seite folgende Zeilen trug:„Seit ich die Ehre habe, Sie zu kennen.. der Rest ist unleserlich. Wahrscheinlich handelt«s sich um einen verabredeten Treffpunkt. Bisher konnte die Person des Toten nicht festgestellt werden. In der Bauernheide von Petershagen bei Straus- berg wurde ein unbekannter etwa 25 Jahre alter Mann er- schössen aufgesunden. Er stammt zweifellos aus Berlin. Der Tote macht einen äußerst gepflegten Eindruck. Er trug einen grauen Hut und blauen Anzug. Neben ihm lag«ine Pistole. Er scheint den begüterten Kreisen anzugehören. Toöessprung im Verfolgungswahn! Im Hause Oranienstr. 24 spielte sich heut« mittag ein über- aus aufregnder Vorfall ab. Am Flurfenster des vierten Stockwertes ertönten plötzlich verzweifelte Schreien. Das Fenster wurde auf- gerissen und eine Frau sprang auf den Hof hinab, wo sie mit zerschmetterten Gliedrn schwer verletzt liegen blieb. Die' Unglückliche wurde ins Urbankrantenhaus gebracht, wo sie bald nach der Einlieferung starb. Nach den polizellichen Ermittlungen ist die Lebensmüde eine 70 Jahre alte Frau Elise Claus aus der Oranienstr. 24. Die Greisin litt seit einiger Zeit unter Wahn- Vorstellungen und in einem erneuten Anfall von Verfolgungs- wahn begab sie sich die Hintertreppe hinaus und sprang in die Tiefe. lichen Lage. Cr habe niemals Erfahrungen im parlamentarischen Leben gehabt und besitze anscheinend keine Begabung dafür. Er habe die Empfindungen der Unzufriedenen gelenkt und beherrscht, die Erregungszustände einer erbitterten Bevölkerung organisiert und in unbestimmten Wendungen alles versprochen und sich aus nichts Endgültiges festgelegt. Möglicherweise habe seine Bewegung jetzt ihren Höhepunkt erreicht. „Times" fährt dann fort: Bei der allgemeinen Aufregung über den Erfolg Hitlers wäre es falsch, die hartnäckige Abwehr zu vergessen, die der jetzige preußische Ministerpräsident Otto Braun geleistet hat. Da er sieben Jahre ununterbrochen in seinem Amte war, war naturgemäß zu erwarten, daß er Sitze verlieren würde, ganz unabhängig von dem Angriff der Nationalsozialisten. Tatsächlich kann dos Ergebnis der Abstimmung als eine Huldigung an ihn und seinen Innenminister Severing bezeichnet werden, der die außerordentlich schwierige Ausgabe, in einem von Extremisten überrannten Staat die Ordnung ausrecht- zuerhalten, mit bemerkenswerter Fähigkeit durchgeführt hat. Sie haben sich um Preußen und Deutschland wohlverdient gemacht und zweifellos wird die Polizei und die allgemeine Verwaltung von zwei Dritteln Deutschlands, die Preußen darstellt, in ihrer fähigen Hand bleiben. Auf jeden Fall wird die unmittelbare Konsequenz des Erfolges Hitlers nicht groß fem. Zentrum wartet auf Razi-Angebote. Die Kölnische Dolkszeitunq über Kubes Proklamation. Köln, 26. April.(Eigenbericht.) Die„Kölnische V o l k s z e i t u n g", das große rheinische Zentrumsorgan, behandelt in ihrer D'enstag-Morgenausgabe die übereifrigen Koalitionsangcbote der Nationalsozialisten mit offenem Hohn, indem sie u. a, schreibt: „Herr K u b e hat sogar eine Proklamation erlassen, in der er die Bereitwilligkeit zur Zusammenarbeit unter bestimmten Bedingungen ausspricht. Die nächsten Woche» werden zeigen, o b diese Beteuerungen ernst gemeint sind, oder ob sie nur ein Borwand dafür sein sollen, den Wählern nachher sagen zu können, sie, die Nationalsozialisten, wären zwar bereit gewesen eine nationalsozialistische Regierung zu bilden, aber die anderen bösen Parteien hätten nicht gewollt, womit eine Wahlparole fm eine erwaige Neuwahl mit dem Ziele, die alleinige Mehrheit zu errichten, geschossen wäre. Es besteht für uns kein Anlaß, weder an den vor- eiligen Koalitionsbesprechungen in der Presse teilzunehmen, noch zu dem offenen Anerbieten der Nationalsozialisten Stellung zu nehmen, Wir haben e» nicht eilig. Wir können abwarten und beobachten Als Siegerin des Wahlkamnfes, der darum ging, das Zentruin aus seiner Mittelstellung herauszu manövrieren oder es zu überflügeln, ist es nicht Sache der Zentrum panci, Angebote zu machen, sondern Sache der anderen. sich mit konkreten Vorschlägen an das Zentrum zuwenden. Es ist nicht parteiistlsche Haltung, die das Zentrum diese Stellung einnehmen läßt, sondern die tief« Verantwortung vor der Zukunft Deutschlands in diesen revolutionären Zeiten, Niemand muß, wie man bereits hier und da lesen kann, „unter allen Umständen" an die Verantwortung gelassen werden, fondern nur unter Umständen, die«ine sachliche Politik ermöglichen. Alles ander« wäre Nabonquepolitit derer, die sich selbst ausgegeben haben. Ein solches Experiment könnte die Zentrumspartei nicht verantworten." . Was Hiiler alles kann! „Oer Führer überhaupt." In einem Bericht des„Völkischen Beobachters" über eine Hitler« Versammlung in Winsen liest man: Dann beginnt Adolf Hitler zu sprechen. Schon nach wenigen Sätzen versagt der Lautsprecher. Aus den Zelten werden Stimmen laut:„Lautsprecher, Lautsprecherl Der Führer muß seine Rede unterbrechen und beginnt dann abermals zu sprechen. Nach wenigen Worten versagt der Lautsprecher aber- mals. Keinen Augenblick ist der Führer durch diesen ossensicktlichen Sabotageakt aus der Ruhe zu bringen. In dieser über« legenen Ruhe ofsenbarte sich Adolf Hitler als der Führer überhaupt. Ein Mann, der einem oersagenden Lautsprecher gegenüber „überlegene Ruhe" bewahrt, verdient in der Tat höchste Bewunde- rung. Wer kann noch daran zweifeln, daß er der berufene Führer des Volkes ist? Gchreckensfahrt am TempeZhofer Llfer Orei Laternen umgefahren.- Srei Schwerverlehte. Am Tempelhofer Ufer ereignete sich heute früh ein folgen- schwerer Autounsall, der durch die völlige Betrunkenheit des Chauffeurs herbeigeführt worden ist. Drei Personen wurden bei der Schreckensfahrt zum Teil lebensgefährlich verletzt. Kurz nach 8 Uhr bog ein Privatwagen von der Grohbceren- straße mit großer Geschwindigkeit in das Tempelhofer U'er ein, Der Führer des Wagens verlor plötzlich die Herrschaft llver die Steuerung und raste aus den Bürgersteig. Infolge des Tempos gelang es dem Chauffeur nicht, seinen Wagen zum Halten zu bringen. Erst nachdem hintereinander drei Laternenpfähle wegrosiert waren, blieb das Auto in völlig demoliertem Zustande liegen. Während der Führer wie durch �ein Wunder unverletzt geblieben war, yatten die Insassen, zwei Frauen und ein Mann, schwere Verletzungen erlitten. Durch die Feuerwehr wnrden die Ber> unglückten ins Urbankrantenhaus gebracht. Wie von. der Polizei an Ort und Stelle ermittelt wurde, war der Chauffeur der mit seinem Chef aus Nürnberg naa, Berlin gekommen war und offenbar eine Schwarzfahrt gemacht hatte, völlig betrunken. Der Mann wurde festgenommen, stand aber vis in die Mittagsstunden noch derart unter der Einwirkung des Alkohols, daß er bisher nicht vernommen werden konnte. Tollkühne? Eiraßsnraub. Auf offener Straße 2ZlMK) Pfund aerandt. London. 26. Aprkl. 5n Portsmouth wurde am Montag am hellichten Tage in einer der belebtesten Hauptstraßen der Stadt ein unglaublich frecher Naubüberfall ausgeführt. Die Räuber überholten in einem offenen Kraftwagen einen Bantbeamter, der in einer Mappe 23000 Pfund(etwa 345 00» M.) bei sich trug, und rissen ihm die Mappe im Vorüberfahren aus der Hand. Der den Bankbeamten begleitende Türhüter des Bankhauses sprang auf den fahrenden Wagen, wurde jedoch von den Räubern mit einem Schraubenschlüssel niedergeschlagen. Der Polizei ist es bisher nicht gelungen, den Räubern auf die Spur zu kommen. Nationaltheater für Shakespeare Festliche Eröffnung in Stratsord Bernau unter Tkazi-Terror. Gewaltige Protestkundgebung der Arbeiterschaft. Gegen die am Sonnabend und Sonntag erfolgten blutigen Uebersälle der Nazis auf Reichsbanner, sozialdemo- kratische und kommunistische Arbeiter, bei denen es zwei Schwer- verletzte und mehrere Leichtoerletzte'gab, wandte sich am Montag eine Protestkundgebung unserer Partei, zu der auch die Kommunisten aufgerufen hatten. Mehr als 1000 Arbeiter füllten Saal, Garten und Straße des Bolkshauses„Bellevue". In einheitlicher Abwehrfront forderte die Versammlung unverzüglich M a h n a h- men gegen das Nazibandenwesen der Stadt; ins- besondere muß die Schliehungdes Lokals„Weinbergs- höh t", der Sitz der Mordhelden, verlangt werden. Es scheint uns notwendig zu sein, daß der Landrat in der durch den Naziterror nicht zur Ruhe kommenden Stadt nach dem Rechten sieht. Es er- Icheint uns auch undenkbar, daß es dem Herrn Bürgermeister von Bernau, aber auch den Bernauer Hoteliers und Gewerbe- treibenden gleichgültig bleiben kann, daß ihre Stdat ausgerechnet in dem Jahr, in dem sie ihr 700jähriges Bestehen feiert und recht viel Fremde zu sehen wünscht, in den Ruf kommt, natio- nalsozialistischen Räuberbanden in ihren Mauern freie Hand zu lasten. Die neue Schulordnung. Kür die höheren und mittleren Schulen Preußens Die für die öffentlichen höheren und mittleren Schulen Preußens geschaffene neue Schulordnung wird in dem soeben er- schienenen Heft 8 des Zentralblattes der Unterrichtsverwaltung ver- öffentlicht. Die neue Schulordnung ist als„M u st e r"' veröffentlicht. Die Schulen können entweder diese Ordnung ohne weiteres und mit sofortiger Wirkung einführen, oder, soweit sie Abänderungen für nötig halten, einen entsprechenden Antrag an die Aufsichtsbehörde richten. Bei städtischen Schulen sind die S ch u l a u s s ch ü ss e bei der Einführung zu beteiligen. Inhaltlich ist die Schulordnung im wesentlichen eine Zusammenstellung der geltenden allgemeinen Be- stimmungen. soweit sie für die Eltern von Wichtigkeit sind. Die einzelnen Abschnitte behandeln Aufnahme und Abgang, Teilnahme an Schulveranstaltungen, Lernmittel. Schulzucht, Zu- sammenarbeit mit den Eltern, Schulgeld, Hastung und Zwangs- mittel. Die Eltern der zur Zeit die Schule besuchenden Kinder er- halten einen Abdruck der Schulordnung, sobald diese eingeführt ist. Gasexplosion sprengt Häuser. 35 Verletzte als Opfer.» New Jork. 26. April. w-e aus Detroit(Michigan) gemeldet wird, explodierte im Geschästsviertel von highlandpark eine hauptgasleilung. Drei Häuser wurden zerstört und die Insassen unter den Trümmern begraben. Insgesamt wurden 35 Personen ver- letzt, darunter drei schwer. Ein Hnabe wird noch vermißt, ver Feuerwehr gelang es nach verhältnismäßig kurzer Ze't, die Flammen zu löschen. Zwei Angestellte einer kohlengesellschast wurden ver- hastet, da sie in dem verdacht stehen, beim Ausladen von kohlen im Keller eines Hauses die Gasieilung beschädige zu haben. Aus Stratford-on-Avon wird geschrieben: In dichten Reihen stehen die Wagen an den Ufern des Avon, indessen ihre Besitzer den neuen Bau, der an Stelle des vor sechs Jahren abgebrannten Theaters errichtet worden ist, in Augenschein nehmen. Der erste Eindruck, den man auf den Gesichtern der Be- sucher lesen kann, wenn sie das massige Gebilde aus roten Ziegeln betrachten, lautet:„Das i st doch kein Theater!" und oftmals gesellt sich auch zum Wort das Mienenspiel. Man sieht ja von diesen in die Straßen eingepreßten Bauten meist überhaupt nur die Fastadc. Das neue Shakespeare-Theater am Ufer des Avon steht vollkommen frei, und dieser Anblick wirkt so ungewöhnlich, daß die einen meinen, es sehe wie ein vollendeter Dom, die andern, wie eine vollendete Fabrik aus. In Wirklichkeit aber ist es ein Denkmal der„neuen S a ch l i ch k e i t", ein Theater nämlich, das alle ver- kleidenden Hüllen von sich geworfen hat, mögen sie nun antike Tem- pel oder gotische Kathedrale heißen. Die Baumeister, eine Architektin Miß Smith und ihre männlichen Berufsgenosten Chesterton und Shephard, haben einen reinen Zweckbau geschaffen, der kein Bau- glied enthält, das nicht seiner Bestimmung entspräche. Da ist z. B. der gewaltige, aus 310 Absätzen von Ziegelwerk emporsteigende Turm, der das Ganze beherrscht. Er ist nicht aus irgendwelchen ästhetischen Gesichtspunkten errichtet, sondern um in seinem Innern die bis zu 10 Meter langen Kulissen und Dekorationsstücke zu be- Herbergen. Genau so entsprechen die übrigen Teile des Aeußeren der notwendigen Raumeinteilung des Innern, der Bühne, dem Zu- schauerraum und den Nebenräumen. Das Innere des Theaters beweist, in welch höherem Sinn die Erbauer den Idealen Shakespeares treu gewesen sind. Jede Linie. jede Einzelheit lehrt hier, daß die Bühne, die Stätte de» Spiels, die alles beherrschende Rolle spielt. Nicht wie in so vielen anderen Theatern ist sie der Bequemlichkeit des Zuschauerraums unter- geordnet. Sie umfaßt an Größe zwei Drittel des Auditoriums. Das Publikum, das sich sowohl in den Logen wie auf dem Balkon auf Sitzen mit Gummiluftkissen behaglich fühlen wird, genießt von jedem Platze, selbst von dem aus der Galerie, einen völlig freien Ausblick auf die Szene. Der Zuschauerraum weist einen gegen die Bühne sich oerengenden V-förmigen Grundriß auf; diese ungewöhnliche Form hat den Vorteil, daß jeder Ton, jeder Lichtstrahl hier gesam- melt erscheint und die Aufmerksamkeit wie durch den Zwang der Linien hierher gelenkt wird. Die Bühne ist mit allen Bervollkomm- nungen der modernen Theatertechnik ausgestattet. Da gibt es eine Drehbühne. Aber auch die mittlere Berbindung der Bühne kann herausgenommen werden, und die beiden Seitenteile klettern aus Rollen an den Wänden empor wie Katzen. Aus Trägern aus Metall, ähnlich den bei den Hängebrücken verwandten, verschwinden sie, während von unten eine neue Bühne auftaucht, um den klassenden Abgrund zu füllen. Ferner kann die Bühne durch eine biegsame Plattform mit Hilfe von Stufen in so verschiedener Weise nach allen Richtungen erweitert werden, daß sie einer Hand vergleichbar ist, die ihre Finger gegen das Publikum hin öffnet und wieder zurück- zieht. Der Besucher, der das Theatergebäude betritt, wird durch die stufenweise Steigerung der Schönheit hingeleitet zu der eigentlichen Seele des Ganzen, der Bühne. Das Foyer ist schon um einen Grad reicher ausgestattet als die kahle Ziegelfassade Aus den Treppen und Gängen wird man allmählich zu Marmorglanz und Farben- pracht emporgeleitet, und die schöne Treppe, die zu den Rängen hinaufführt, leuchtet in allen Farben der See, während die Marmor- rechtecke, die die Balustrade bilden, von einem Sturm unregelmäßig umhergetrieben erscheinen. In diesen Sphären erstrahlen- die Wände wie in hellem Sonnenlicht, auf dem in tiefer, satter Farbe der Bühnenvorhang hervorleuchtet, alle Aufmerksamkeit auf sich und auf die Stätte der Borstellung lenkend. Die letzte höchste Weihe wird von dem Werk des Dichters ausgehen. W. M. »ß Am Sonnabend, dem Geburismg Shakespeares und zugleich dem Tag des englischen Nationalheiligen St. Georg, wurde in Stratsord on Avon das neue Shakespeare-Theater feierlich eröffnet. Diplomatische Vertreter aller Nationen waren erschienen und ent- falteten persönlich die Flaggen ihrer Heimatstaaten, die an siebzig Masten gehißt wurden. Aus allen Teilen Englands und aus dem Ausland waren Tausende von Menschen nach der Geburtsstadt Shakespeares gekommen, um das Andenken des Dichters zu ehren. Mädchen' in elisabethanischen Kostümen verkauften Rosmarinzweige auf den Straßen. Gegen Mittag bewegte sich ein langer blumen- geschmückter Festzug vom Geburtshaus Shakespeares nach seinem Grabe, wo viele Kränze niedergelegt wurden. Am Shakespeare- Denkmal tanzten Mädchen und Burschen in historischen Kleidern Volkstänze. In seiner Eröffnungsrede sprach der Prinz von Wales die Hoff- nung aus, daß Stratsord on Avon zu einem Pilgerort für die Menschen der ganzen Welt werden möge. Danach wurde„König Heinrich IV" in beiden Teilen aufgeführt. Das Shakespeare-Gedächtnistheater in Stratsord on Avon ist ein moderner roter Backsteinbau, dessen nüchterne Linienführung zum Teil zu heftiger Kritik Anlaß gegeben hat. Es steht auf der Stelle des im Jahre 1926 niedergebrannten alten Shakespeare-Theaters. Die Gelder für den Bau wurden durch öffentliche Stiftungen ausge- brachte. Große Summen kamen aus Amerika, wo der junge Rocke- feller allein eine Million Mark zur Verfügung stellte. Das Theater faßt tausend Menschen. Die englische Presse drückt in ihren Kommentaren zu dem großen Ereignis die Hoffnung aus, daß Straford on Avon ein zweites Bayreuth werden möge Großkino in Flammen. In einer knavpen Stunde vollkommen niedergebrannt. Manchester, 26. April. Da»„C a p i t o l", eines der größten Kinotheater in Manchester, das erst vor knapp einem Jahr eröffnet worden war, brannt« in einer knappen Stund« bis auf die Mauern nieder. Der Schaden wird auf 50 000 Pfund Sterling geschätzt. Der Ausbruch des Feuers wurde ungefähr 20 Minuten, nach- dem eine große Zuschauermenge nach der Nachmittagsvorstellung das Gebäude verlassen hatte, entdeckt. Wenige Minuten, nachdem der Feueralarm gegeben war, brach das Hauptdach zu- s a m m e n Eine halbe Stunde später waren nur noch die Mauern des Hauses übrig. Die Feuerwehrleute waren durch Wassermangel bei den Löscharbeiten sehr behindert. Menschenleben sind nicht zu Schaden gekommen. Eine Anzahl Angestellter, die sich in dem Gebäude befanden, konnte sich noch rechtzeitig retten. Die Wlrbelsiurmtatastrophe in LtGA. New Jork, 26. April. Die Wirbel st urmkata st rophe, von der die Staaten Kentucky, Arkansas, Tennesse« und Alabama h«im» gesucht wurden, hat überall ungeheuren Schaden angerichtet. De- sonders schwer wurde der Osten von Arkansas und der Westen von Tennessee in Mitleidenschaft gezogen, wo schon vor einiger Zeit schwere Wirbelstürme große Verheerungen angerichtet hatten. Ueberall ist die gesamte Ernte vernichtet. Sämtliche Telephonverbindungen sind unterbrochen, so daß die Zahl der Opfer noch nicht genau feststeht. Man rechnet im ganzen mit 20 Todes- opfern. In der Nähe von Memphis wurden 20 Landarbeiter durch einen Blitzschlag schwer verletzt. Eelbsimorö am Totenbett des Mannes. — Paris. 26. April. Im Krankenhaus von M ü h l h a u s e n im Elsaß spielte sich am Moniagnachmittag eine Tragödie ab. Der Stadtrat und zweite Bürgermeister.von Mühlhausen. Stehlin. war am Sonnabend nach einer schweren Nierenoperation gestorben. Am Man- tag besucht- Frau Stehlin das Krankenbett und schoß sich aus Gram über den Tod ihres Mannes am Totenbett eine Kugel ins Herz. weller für Berlin: Wechselnd bewölkt, im ganzen etwas milder, zeitweise etwas Regen, südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Südosten und Süden vielsach heiter mit weiter ansteigenden Tages- temperaturen. Weiter nach Nordwesten zu Bewölkungszunahme i und besonder» im Nordsecgebiet auch Regenfälle. i „Siraßen der Weltstadt." Eapitok. Man versteht es nicht recht, wieso der amerikanische Film immer wieder auf das Milieu der Altoholschmuggler zurückgreifen muß, um seinem Publikum die erforderlichen Sensationen zu bieten. Wie paßt diese Kehrseite in das Programm von„Gottes eigenem Land"? Und wie kann eine Zivilisation, die etwas auf sich hält, diese absolute Mißachtung von Recht und Gesetz immer wieder in den Mittelpunkt von Filmen stellen! Diesmal ist es der Gehilfe einer Schießbude, ein Revolverschütze ohnegleichen, der von der Ver- brecherbande in ihr Netz gezogen wird. Er kann sich aber mit Hilfe seines Schatzes wieder daraus befreien, nachdem er alle aufpeitschen- den Abenteuer glücklich überstanden hat. Das Milieu dieser Ver- brecherwelt ist immer das Gleiche: Saufgelage und ein fast fürstlicher Luxus, eine Scheinwelt, die selbst dem engagierten Filmbesucher nach- gerade wider den Strich gehen müßte. Manche Szenen des Ver- brechen? und des glorifizierten Heldenmutes führen bereits mitten in die Lächerlichkeit hinein. Hoffentlich wird dieses ganze Genre bald durch eine ausgewachsene Parodie abgelöst. Erträglich gemacht wird es hier nur durch eine sehr gute Dar- stellung. Gary C o o p e r ist der ebenso wackere wie tapfere Held und Sylvia S i d n e y, ein neu aufgehender Star, eine ebenso hübsche wie spielbegabte Partnerin. Ein Fülle von verboten aus- sehenden Bandenmitgliedern bevölkern den Film. An Raffinement der Photographie wird das denkbar Mögliche geboten. Alle technischen Künste sind in ihm auf der Höh«(abgesehen von der deutschen Synchronisierung, die manchmal versagt). Der Regisseur Mamoulian weiß hundertmal gespielten Szenen und Milieus immer noch neue Reize abzugewinnen. Unvergleichlich ist eine nächtliche Wettfahrt eines Autos mit einem Schnellzug.. r. Marlene Dietrich revoltiert. Wie aus New Jork gemeldet wird, will die Paramount-Gefell- schaft die Gehaltszahlungen an Marlene Dietrich einstell«n. Ferner hat die Gesellschaft den Vertrag mit dem Regisseur von Marlene Dietrich, Joses von Sternberg, aufgehoben. Dieser Schritt ist die Folge eines Streites Sternbergs mit der Gesellschaft, die die Fassung für den neuen Sternberg-Dictrich-Film„Die blonde Venus" nicht in der Sternbergfchen Form annehmen wollte. Sternburg fuhr darauf sofort nach New Jork. Marlene Dietrich weigerte sich, unter einem anderen Regisseur zu spielen und erklärte, nur in der Sternbergschen Fassung auftreten zu wolle». Man hat schon lange den Eindruck, daß Marlen« Dietrich und ihr Regisseur durch die Paramount zu einer Schablonisierung ihrer Kunst gezwungen werden. In Amerika wie in Deutschland verliert der Film innrer mehr an Bedeutung, weil die Gold- grabscher nur auf die Blödheit der Massen und den Geschmack von vorgestern spekulieren.__ Gerauschvolle Ltnsichibarkeii. Hörspiel: Golneman, der!l: sichtbare. Ein Mann tauft einen Park mitten in der Stadt: er bietet dem Magistrat dafür 73 Millionen, zahlt dann freiwillig 150 Millionen. Dann zieht er eine 30 Meter hohe Mauer herum, sperrt sich von den Menschen ab. Das ist Solneman, der Unsichtbare, dessen Namen umgekehrt gelesen„Namenlos" heißt. Er ist der Titelheld eines Hörspiels, das Robert Kümmerlen nach einem Roman von A. M. Frey verfaßt: die Berliner Funtstunde brachte e» zur Uraufführung. Vielleicht ist in Freys Roman Solneman ein Narr, der die Narrheit seiner Umwelt weckt, oder er ist ein Mensch, krank geworden an einer kranken Gesellschaft, die er fliehen möchte und die er doch, dem«ingeborenen Drange nach Gemeinschaft folgend, immer wieder heimlich sucht. In dem Funksplel ist«r nur ein SHem«n. der geräuschvoll, aufdringlich und höchst sinnlos seine Unsichtbarkeit, sein Nichtvor- handensein sozusagen betont. Der Hörer stolpert unablässig über Solneman und begreift nicht die besondere Unfähigkeit der Stadt- bewohner, ihn wahrzunehmen: er begreift erst recht nicht die kompli- zierten Mittel, durch die seine Feststellung geschehen soll. Daß man einem Menschen, der so unsinnig wie Solneman mit dem Gelds umherwirst und der durch nächtlichen Lärm und Lichtsignale die ganze Stadt in Ausregung bringt, in die Karten sehen will, ist schließlich durchaus berechtigt, und es ist nicht zu verstehen, weshalb jene, die den Versuch dazu unternehmen, so ausnahmslos blöd oder widerwärtig sein müssen. Das Hörspiel ist keine Groteske und keine Satire und über- Haupt mit keinem Begriff zu fassen: es ist nur ein übervolles Maß von Worten, nichts als Worten. Ein Heer von Sprechern wurde überflüssigerweise dafür bemüht. Des. Do Ufa-Theater am kurfürstendamm neu erössnet. Wegen Miet- differenzen hatte die Ufa ihr Theater am Kurfürstendamm seit Wochen geschlossen, jetzt hat man sich geeinigt und spielt seit Sonn- � abend wieder. Das neue Programm scheint ein Notbehelf zu sein. Der Film:„H i n t e r S ch l o ß u n d R i e g e l" ist in den bekannten Film„Mensche» hinter Gittern" hineinkomponiert, aber die beiden Spaßvögel Dick und Dos(Oliver Hardy und Stan Laurel) sind zwar ausgezeichnet in ihrer Grotcskkomik, aber passen unmöglich in das Gefängnis damit. Die Zuchthäuser sind ja gerade keine spaß- hafte Angelegenheit: der Ulk, der in solchem Milieu angezettelt wird, muß naturgemäß abstoßen und das Gegenteil seiner sonstigen Wirkung erzielen. Da war der aus den Anfängen Chaplins stammende'Varietefilm doch bei weitem vorzuziehen, obwohl auch er schon in manchem veraltet ist. Erfreulicherweise hat die Ufa dieses Theater wieder mit einem Orchester versehen, die Universum-Sinsoniker unter Leitung von Hans I. Salter wurden ostentativ begrüßt. TNanet-Ausstellung. Das Kupferstichtabinett veranstaltet in seiner neueren Abteilung eine Ausstellung des graphischen Werkes von Edouard Manet, aus Anlaß des 100. Geburtstages des Kunst- lers. Die Radierungen und Lithographien des Pariser Meisters. von denen das Museum einzelne Exemplare in herrlichen Probe- drucken besitzt, sind dort zu einer fesselnden Schau im Anschluß an die Goethe-Ausstellung vereinigt. Kuhle Wampe freigegeben. Der von der Oberprüfstelle ver- botene Film„Kuhle Wampe" ist nach erneuter Einreichung frei- gegeben worden, nachdem durch Schnitte die beanstandeten Stellen entfernt worden sind. Das Philharmonische Orchester in Paris. Das Berliner Phil- harmonische Orchester ist unter seinem Dirigenten Wilhelm Furt- wänqler von Neunkirchen, wo es ein Konzert gegeben hatte, gestern in Paris eingetroffen. Die Berliner Künstlerschar wird heute und Donnerstag in der Großen Oper Konzerte veranstalten und am Freitag nach Straßburg Weiterreisen, wo zum ersten Male seit dem Kriege ein dcutschel-. Orchester ein Konzert geben wird. Dann be- geben sich die Künstler auf eine Tournee nach Italien. Internationaler Theaterkonareß in Rom. In Rom begann am Montag der 6 Internationale Theaterkongreß, an dem zahlreiche Nationen teilnehmen. Deutschland ist durch Alfred Kerr, Leopold Sachse und Robert Blum vertreten. Kerr hielt am ersten Tage einen Vortrag über die Theoterkrise in Deutschland. -. �5 Stiidtlschen Oper kommen bis ,»m Schluß der Spielzeit noch folgende Werke zur Aufführung: Offenbachs Operette„Tie Vanditen" unter Leitung von Paul Brclsach, Regie: Gustav Gründaens. Milte Juni folgt eine Neuinszenierung von„P e t r u s ch k a" anläßlich dei 50. Geburtstages von Igor Strawinski), unter Leitung von Lizzie Maudrik. Ncuaus- genommen wird ferner Verdiz„S i mone B o c c a n e g r a" am 8. Mai unter Leitung von Stiedry. .. Vorstellungen im Berliner Theater„Spinne im Netz" müssen zu- nächst aracbrochen werden, da der Hauptdarsteller, Johannes Ricmann, plötzlich schwer erkrankt ist. Im Museum für Naturkunde spricht Mittwoch, S Uhr, Dr. Ahl üb« Lederlieferanten unter den Kriechtieren. Einigung in der GOA.-Oruckerei. Kürzung des übertariflichen Verdienstes um IZVj Prozent. Der KonMt in der GDA.-Druckerei R. Boll G. m. b. H. ist gestern durch Nerhandlnirgen zwischen dem Betriebsrat und der Oeschüstsleitung beigelegt worden. Die Firma hatte bekanntlich zuerst einen Abbau der iibertarislichen Verdienste um 50 Proz. gefordert, den sie dann aus 35 Proz.„ermäßigte". Die Belegschair wies diese Kürzungen zurück. Zur Durchsetzung ihrer Abbau- wünsche hatte die Geschäitsleitung 18 Mann zun, Freitag voriger Woche gekündigt, woraus die gesamte, 225 Köpse zählende Belegschaft mit der Gegenkündigung antwortete. Seit sonnabendsrüh ruhte die Arbeit in diesem gewerkschaftlichen Druckereibetrieb. In den Verhandlungen am Montag erklärte die Geschaftsleirung schließlich, alle Verdienste, die nicht hoher als 5 M. über dem Tarif- lohn liegen, unverändert weiterzahlen zu wollen, während sie die mn mehr al� 5 M. übersteigenden übertariflichen Verdienste anstatt um 35 Proz. u m 12% Proz. kürzen will. Der Belegschaft wurde die volle Wiedereinstellung zu den allen Rechten und die An- erkennung ihres alten Betriebsrates zugesagt. Dieses Verhandlungsergebnis wurde gestern von einer Beleg- schastsversammlung angenommen, woraus heute morgen die Arbeitsausnahme erfolgte. Etwa 3 5 national- sozialistische Streikbrecher, die sich gestern eingefunden hatten, haben den Betrieb selbstverständlich vorher verlassen müssen. Dieser Abschluß liegt auf der gleichen Linie wie die vor einigen Wochen in dem allgemeinen Buchdruckerei konflikt herbeigeführten Vergleiche bei den Firmen Scherl, Greve usw. Die Buchdruckerei- arbeiter hoben in der GDA.-Druckerei ihre übertariflichen Löhne ebenso zähe verteidigt, wie damals ihre Kollegen in den anderen Berliner Großdruckereien. Sie haben diesen„kalten" Lohnabbau so weit als möglich zurückgedrängt und damit unter den gegen- wärtigen Verhältnissen einen beachtlichen Erfolg erzielt. Der Wieder- belebung der Konjunktur ist aber die GDA.-Druckerei mit dem restlichen Lohnabbau ebensowenig nähergekommen, wie bisher die gesamte Wirtschaft mit dem verfehlten Experiment des Lohndrucks. Ein„revolutionärer" Tarifvertrag. Für die Spargelarbeiterinnen in Weinböhla. Das„Meißner Tageblatt" Nr. Kb veröffentlichte am 18. März 1932 einen Lohntaris für die Spargelarbeiterinnen von Weinböhla, der einen Spiheastundenlohn von 24 Pf. vorsieht. Als Arbeitgeber zeichnet Spargelgenossenschast, Spargelbauverein und Landbund. und für die Arbeitnehmer ein angeblicher Spargelarbeite- rinnenverein. Sämtlich in Weinböhla. Für die Spargelplantagen ist der Landestarifvertrag für den Erwerbsgartenbau im Freistaat Sachsen zuständig. Der hierzu gehörige Bezirkslohntaris sieht für Arbeiterinnen in Weinböhla einen Stundenlohn von 31 Pf. vor. In den rückliegenden Jahren wurde zu diesem Stundenlohn für die Saisonarbeit der Spargelstecherinnen ein Aufschlag von 5 Pf. ft Stunde zwischen den Arbeitgebervereinen und der Gewerkschaft vereinbart. Somit mühten 1332 pro Stunde Zö pf. gezahlt werden. Da an der Echtheit des jetzt verössentlichten neuen Tarifs Zweifel entstanden, folgte eine Untersuchung durch den Gesamr- verband, die zu folgenden Feststellungen führte. 1. Ein Spargelarbeiterinnenverein hat bei dem Tarifabschluß nicht bestanden. Ein solcher ist von den Vertretern der RGO. nur vorgetäuscht worden. 2. Einen Antrag auf Tarifabschluß haben a» die Arbeitgeber die berufsfremden Weinböhlaer Kommunisten und Per- treter der RGO Fritz Richter und Kirbach jun. gestellt und im Beisein einiger Arbeiterinnen durch Unterschrift abgeschlossen. 3. Die Weinböhlaer Spargelplantagenbesitzer lehnen nun Ver- Handlungen über einen ordnungsgemäßen Tarif auf der Grundlage f des Gärtnertarifes mit 31 Pf. Stundenlohn plus Absschlag ab, weil ! ihr Abkommen mit der RGO. für die Arbeitgeber viel günstiger ist. 1 Beträgt doch allein der Stundenlohnunlerschied 12 Pf. So sehen also die revolutionären Leistungen der RGO. in der Praxis aus. In den Monaten November, Dezember 1931 will die ! RGO. allein 131 siegreiche Streiks gegen Lohnkürzungen durch- geführt haben.*) In Weinböhla drückt die RGO. für 123 Spargel- arbeiterinnen den Stundenlohn um 12 Pf. unter den Tarif der f Gewerkschaft herab. Lediglich zur Bekämpfung der zuständigen gewerkschaftlichen Organisation bieten die„Revolutionäre" sich den Arbeitgebern als Lohndrücker an und drücken den Lohn der Arbeite- rinnen um ein Drittel herunter. Pfui Teufel! Oie Verkümmerung des Llrlaubs. Monatelang Beurlaubte kürzen täglichen Arbeiterurlaub. Die bedeutende Verschlechterung der Löhne genügt dem Unter- nehmertum noch nicht. Auch die sozialen Arbeitsbedingungen in den Manteltarifen sollen beseitigt oder doch wesentlich eingeschränkt, insbesondere die wenigen Urlaubstage gekürzt oder das Urlaub-geld „ermäßigt" werden. Der im Urlaubs st reit im Ruhrbergbau mit den Stimmen der Arbeitnehmeroertreter gefällte Schiedsspruch wurde von den Gewerkschaften angenommen. Die Gewerkschaften beantragten beim Reichsarbeitsminister, diesen Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. Der Reichsarbeitsminister teilt hierauf den Gewerk- schaften folgendes mit: „Bei dem engen Zusammenhang, der zwischen dem durch den Schiedsspruch vom 21. März 1932 verlängerten Zusatzabkommen zur Urlaubsregelung und den grundsätzlichen Bestimmungen des Mantel- terifvertrages über die Urlaubsgewährung besteht, erscheint es mir un t u n l i ch, über den Antrag auf Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 21, März 1932 vorab zu entscheiden. Ich stelle daher die Entscheidung über diesen Antrag bis zu einer Einigung der Tarifparteien oder bis zum Vorliegen eines Schiedsspruches Die von der Vcrtrogsgesellschait des ADGB. herausgegebene Broschüre: . Ciegreiche" RGD.. Streits— Dos neue Spaltungs. und Betrugsmandver der KPD."— Wahrheit und Dichtung über><¥)„siegreiche" RGO.-Streiks(Preis 10 Pf.) gibt darüber Aufschluß. über die künstige Gestaltung des Manteltarifver- träges für den rheinisch-westsälischen Steinkohlenbergbau zurück." Die Regelung des Urlaubs soll also mit den Verhandlungen über die Verschlechterung des Manteltarifvertrages verbunden werden. Welche Absichten dabei zugrunde liegen, ist unschwer zu erkennen. Wir richten daher an den Reichsarbeitsminister die Fragen: Ist der Reichsarbcitsminister geneigt, den Wünschen der Unternehmer in dieser Frage Rechnung zu tragen? Will man den Bergarbeitern weitere Opfer auferlegen? Bei den Schlichtungsverhandlungen konnten die Arbeitnehmervertreter nachweisen, daß die Belastung des Ruhrberg- baues durch die Urlaubsschichten ganz gering isti daß selbst, wenn den Forderungen der Unternehmer nachgegeben würde, von einer namhaften Entlastung des Bergbaues nicht gesprochen werden könnte. Wir erinnern den Arbeitsminister an seine Erklärungen, wonach a» eine weitere Verschlechterung der Lohn- und sonstigen Arbeit-- bedingungen vornehmlich der Bergardeiter nicht mehr gedacht werden könne. Wir erwarten, daß der Reichsarbeitsminister zu seinen Worten steht und den Bergarbeitern keine weiteren Opfer auferlegt! Äerantwoill. für M« Rebottion: Rich. Bcrustcin, Berlin! Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag(5. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsam'talt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. S. Hierzu 1 Beilage. Ilaali IDcalcr Dienstag, der 26. April staatsoper unter den linden 20 Die ägyptische ßeiena llaalLSduusnlelhau! iinäikineiimiki'.- 20 Uhr Die endlose Straße Schiller-Theater Charlottenbur;:. 20 Uhr Cyrano von ßergerac CKOJJJfJ HHAUSPtELHAUSl Rose- Theater :re!e fraakfarter Strsle 132 «liM£ 7 3422 Kalis Scäiesiscii.SaSfli. Ii«ihr sais.StlsZS, 81511.1' n. « Die Frau, .'�leieesiiM mo-iHEtiEn».<»• Lothringer Strafte 37, »tiitiiMiiNMnMiiiiiiiiiiiitiiuuiiiiiiMMiiHiiiiiiiininiimwiMiMt* Gro�serPrels-AbbauI Auch Sonnabend u. Sonntag; Park u Rang Seite nur 0.50, Faut. u. Rang Mitte 0.75, Sperrsitz u. Balkon 1.—. Logen u. Sessel 1-50 Der Operetten-Sehlagrer; (»ina" Rinen-BeifaD' Man amüsiert sidi für wenig DtU! DIE SCHÖNE HELENA '-W ■ISUZEMIERJIMO i HAUSTOAN flpjgung* RestaMt Berlins PROGRAMM • ür die Zeit vom 26. bis 28. April moo) Potsdamer Straße 28 Ein Lied, ein KuB, ein 91ädel mit �larlba Effffertli, G«i*»t«v Prohllch W. 5. 7. 0 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 2 Groß-TonfUme: Du» blaue Licht mit Leni Bie- fensfahl— Außerdem; Einmal mdcht Ich keine Sorten haben mit 3fax Hansen Jugendliche haben Zutritt! W. 5, 7, 9 Uhr S S. 5. 7. 9 Uhr Tarmstraße 12 Verlange! 1! Peter\ ob. der Wll- llonendieb mit Willi Forst. — Außerdem. E» wird grehclra- tet mit A/.bk« Sr.akall W. 5. 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage| 2 GrolUonfilmc: Einmal»nöcbt Ich keine Sorgen haben mit; Max Hansen.— Außerdem; Man braucht kein Geld mit Heinr Rtihmann. Hans Tloser Jugendliche haben Zutritt Den ganzen Tag geftffnel! St. ab Ä Uhr I N O-T A F E L Moabit A ytucl» nf Wochcnt. ab 6 Uhr diTlUSnOT Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 3 Tonfilme: Ein Auto und kein Geld mit Dlna Gratia.— Ein Hädel von der Ueeperbahn U/skI* ff Wochcnt. 6.40, 9 Uhr neU-AinO Sonntags ab 4.45 Uhr Alt-Moabit 99. 2 Großtonfil.ne: Zviei himmelblaue Augen mit Charl. Ander. ~\ 27 mit Jfarlene Dietrich c Charlottanburs Germania-Palast Charloltenburg, Wilmersdorfer Str 53 54 Verlang. Äergeant X mit Tmde v. Molo. Ivan Mosjukin. Peter Voss— Außerdem Ewel hin» -Min« 7 jy/• Beginn t5gl. 5. 7. 9 Uhr Stg. 3 Uhr Jugcndvorstell Potsdamer Str. 50 Die Fledermaus mit Anny Ondra. Georg: Alexander.— Gutes Beiprogramm St«gilt» Ander. II. Thimlg:* Ida Wüst) W. 5. 7. 9 Uhr__ j Kant-Lichtspiele Kantftr 54 Tempalhof Kurfürst s«. 5, 7. 9 uhr Sonnlag 3 Uhr: Jugendvorstellung DorfstraOc 22, Ecke Berliner Straße Gitta entdeckt ihr Herr, mit Gitta Alpar. Gust. Fröhlich— Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt Südwesten Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. abö�.So.abSH U 2 Tonfilme: Zwei in einem Auto mit M. Schneider.— Zum grold. Anker mit Ursula Grabley ■ su<"n■ Theater am Moritzplatz Wo. 6, 8.45 Uhr. Sonnt, ab 4.30 Uhr Hilfe, Ueberfall mU Maurn«. Stu we.— Wer nimmt die Liebe efnst? mit Max Hansen. .lenny Jugo U SUdoiten"b Deatsch-Amerih. Theater Köpenicker Str. 68 Beg. 4 30. Sonnt. 2.30 Uhr Jugend.-V. Der schönste Mann im Staate mit Sieg:fr. Arno.— Leicht sinnigre.luvend c Witmersderr c Unter den linden Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3. 5. 7. 9 Uhr Kinder vor Gericht—§ 182. Mindcriährix— Mittwoch: Der blaue Expreß Dokument von f Priedrichstadt A Franziskaner.1 Th�'vorm, Georgcnslraße(Ecke Fricdrichstraße) 10.15, 1.15. 4.15. 7.15, 10.15 Uhr: Berge in Flammen Dieser Luis-TrenkeD-FUffl zeigt Momente a. d. Kämpteif» in d. Dolomiten 9. 12, 3, 6, 9 Uhr: Es wird geheiratet mit Szöke Szakall Das verlorene Far dies mit Otto Wallburg. Puul Grätz. Ida Wüst, Elsa Temary Das große Kabarett Maria Xey, P. Hörblg»?%.«. Atrium Kaiserallcc, Ecke Berliner Straße Wochent. 7. 9*4 U. Sonnt. 5, 7. 9�4 U. Heute, 8.i0 Uhr Feslvorst.: Melodie der Liehe mit Bich. Tauber. Einmaliges persönlich. Auftreten von Richard Tauber. Ab morgen lägl. 7. 9�4. Sonnt 5. 7, 9*4 Uhr; Melodie der Liebe Jugendliche haben Zutritt �__J�ühdneberg_�_P A 1l**ii%%!%%**% Woch. 5. 7. 9 Uhr AlnQ/nOTQ Sonnt. 5.." t hr Uaupistr. 30— Variete, Tonfilm Yvonne mit Greta Garbo.— W ir sehalten».sm auf Holl)- ood mit lleinr George.— Beiprogramm— Bühiu-. Miß Luston. Zahnakrobatin Kukuk Titania Schöneberg Hauptstr. 4h W 5. 7. 9 Uhr S 3. 5. 7. 9 Uhr l>or Sictrer mit Hon« Albpr«. Käthe- t. Nngj— Tonbpiprocr. g �" Friedenau� M Kronen Lichtspiele Rhcmstraße 65 W. 5. 7.? ITzr könnt, it, � Uhr Der Silegor mit Hans Alber». KSthe v. Xagy.— Gutes Beiprogr. 7Vn/i 11 Täglich 5. 7. 9 Uhr IlVOll.Sias 3 Uhr; Juaendvorstell Berliner Str. 97. 2 Großtonfilme; Der Feldherrn hügel.— Die Wasserteufel von Hieflau Jugendliche, haben Zutritt > HeuKdim U I*%**%*% 1i%i*x* Wocht 6.30, 9 Uhr Lxceisior stg 9 uhr Kaiser-FricdricttStraße 191 I>er8leger mit II. Albers. K. v. \ag.v— Gut. Tou bei prograrnrn Wochent. 6.30, 9 Uhr Stg 4. 6.30. 9 Uh> Kotlbusser Damm 92 Zwei In einem Auto mit Magda Schneider.— Tonbei-j Programm— Diihnensc hau Mercedes-Palast sv®b'39!.' Ilennabvislr 212 I»itta entd, ekt ihr Herz mit Gitta Alpar. Fröhlich.— Bühne:) Jazzkapelle Primus-Palast u| Am Hermannplalz Urbansir 72/76| Gitta entdeckt ihr Herz mü Gitta\lpar. Gust. Fröhlich— I Bühne; Aa�kmann.— Zwei de Stern, Hermanmt.aße 49 W 6.3s.'. 9 Uhr Sonnt. 4. 6.30. 9 l'hrj Der FraiMiiidlplomat mit Max' Hansen.— Toobeiprogramm — Bühneissebau i7it*%%*%*%t% Görlitzer Bahnhof rtlmeCR W ab 6�. Stgs. ah 3 Max Hansen in dem Tonfilm Der Frauendiplomat Ferner Lon rhaney in dem tönenden Millionervfilm; Der Glöckner von Xotre Dame Biihnensrhau Luisen-Theater Reichetiberger Str. 34 Michael Bohnen in der Tonfilm-Operelte Viktoria und ihr Husar Richard Talmadge in dem Sensalions-Tonfilm Der Ceberfnll auf die Mexiko- Post Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Vi.- Köpenicker Straße 12—14 Gitta Alpar. Gustav Fröhlich in der Tonfilm-Operelte: Gitta entdeckt ihr Herz Bühne: 30 Minuten Variete Jugendliche haben Zutritt! T reptow-Stern wa rte Donnerstag 8 Uhr; Tabu, der große Südsecfihn Murnaus W Baumscmilenweg W L h tsp>el haus m 5 m u'j' v 1 Baumschulenslrsße 78 3 Tonfilme Berlin Alexander platz mit Helnr. George.— Gesangverein Sorgenfrei mit Roberts Nordosten 171-,i%Siiw%% 4t Brenzlauer ,Llysiain aucc 56 Wochent. 5 Uhr. Sonnt 3 Uhr Sergeant X mit Ivan Mosjukin — Hygiene der Ehe«mit ärtzl Vortrag).— Emelkatonwoche Flora-Lichtspiele au�IomT W. 5.45, 7. 8.45 Uhr Sonnt, ah 3 Uhr i Das blaue Licht.— Einer Fran muß man alles verzelhn mit Fritz Schulz Königstadt-Palast s1«�;!) Schönhauser Allee 10 Fräulein, falsch verbunden mit M. Schneider.— Beiprogr. — Tonwoche.— Conferenc.: Hans Horsten ■ 0stgn■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Woch. ab 6 30 Uhr. Sonnt ab 3 Uhr Willy Forst, Alice Treff. Paul Hörbiger Peter Voß. der Millionendieb. Auf der Bühne: Ruth und ihre Jazzboys Ab Freitag: Gitta Alpar. Gust. Fröhlich: Gitta entdeckt ihr Herz Luna-Palast 1 Gr Frankfurter Str 121 Tonwochc Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar. Gust. Fröhlich.— Bühne: Attraktionen Schwarzer Adler LA« W. 5. 7. ca. 9 Uhr. S. 3. 5, 7. 9 Uhr 2 Tonfilme: Eine\acht im Paradies m. Anny Ondra.— X 27 mit Marlene Dietrich Viktoria-Theater Woch ab5 PRO GRAMM tür die Zeit vom 26. bis 28. April g Neu- Lichtenberg Q Kosmos-Lichtspiele ! Lückslr. 70 Täglich 5. ca. 7.?49 Uhr Es wird schon wieder besser mit Dolly Haas.— Der Held von Kalifornien Jugendliche haben Zutritt Kino Busch Lü-, ühr Alt-Friedrichsfelde 3 Hobby geht los mit Harry Plel — Yvonne mit Greta Garbo— Ton woche c Norden Alkambra W. 5. 7. 9 Uhr, Sonnt. 3. 5, 7. 9 Uhr 3 Tonfilme: Der Franendiplomat mit Max Hansen— Die verliebte Firma mit Charl. Ander Pha rus-L ick tspiele Möllerstr 142 Täglich 5. 7. 9 ü. 2 Großtonfilme: Skandal in dor Parkstraße mit Senfa Söne- land. Kampers.— Peter Voß, der Millionen dleb mit Willy Forst Frankfurter Allee 46 Stg ab 3 U. Die nackte Wahrheit mit Jenny.lugo. O�kar Karlweis. — Solang noch ein Walzer von Strauß erklingt mit Gust. Fröhlich. Maria Paudler Frankenburg n Gr Frank fi' ier Sti"» W 5. 7. 9 U S. 3 U.: Jugend vorst Der größte Film; Den Hur in Ton-, f?ssung— Xeucste l'fa-Tonw. U Zentrum> Babylon, am Bälowplatz Wocht 4 45 Uhi Somi 2.30 Uhr Zwei Tonfilme: Zwei Menschen mit Gustav Fröhlich Die Privatsekretärin mit Felix Bressart Beba-Lichtspiele Residenzsir 124 W 6.45 u. 8.45 Uhr Stg. 5. 7. 9 Uhr 3 Uhr: Jugendvor&t. Unter falscher Flagge mit 4 ha» I Susa.— Heideröschen. — Bitte, der Nächste W Pankow> Palast-Theater Breite Str 21a Zwei Großtonfilme: Mamsell XI- to uehe nrit Anny Ondra.— Männer um Liicic mit Liane Haid Wochent. 7. 9 U Sbd. u. Sonnt. 5 U Berliner Straße 27 Der Sehlemihl mit Cur! Bois. — Er und seine Schwester mit Anny Ondra Jugendliche haben Zutritt Tivoli Tegel Filmpalast Tegel Wochent 6. Somit 4 15 ü Sonntags 2 Uhr: Jugendvorslellung Der Geheimagent mit Harry Fiel.— W ehe. w enn er losgelassen mi> Vlnsta Buriun.— Ton w oche c Hennigsdorf Film pa last Bei iincr Str 59 3 Tonliime. Der Ifen Bürovorsteher mit Felix Bressart.— Hilfe, F eberfall mit Stüwe föeilage Dienstag, 26. April 1932 Orr AMI %nJauigaße Ja Ortmirii Ein Fest unter Gauchos Reportage aus Argentinien— Von Dr. Erich Dautert Ankunft auf bergarm. Der Horizont verschwimmt in flimmerndem, heißem Dunst. Graugelb, ausgedörrt und trostlos dehnt sich rings die ungeheure Ebene der argentinischen Steppe. Die Sonne steht wie eine offene Feuerluke an dem wolkenlosen, fahlen Himmel. Die langen, trockenen Halme des Pampasgrases drehen sich unter ihren sengen- den Strahlen leise knisternd zusammen. In ruhigem, gleichmäßigem Schritt trotten unsere Pferde vor- wärt-. Müde von der Helligkeit und Hitze schaukeln wir in den Sätteln hin und her. Man sitzt gut und sicher in einem solchen C r i o l l o s a t t e l Er ist mit vielen Schaffellen schön weich ge- polstert, und man kann es riskieren, hin und wieder ein bißchen einzunicken. Nach einiger Zeit werden die Pferde unruhig. Sie heben die Köpfe und blasen laut und umständlich den grauen Lösstaub aus den Nüstern. Dann setzen sie sich in emen kurzen, wiegenden Galopp, eine Gangart, die für diese Pferde der Pampa charakteristisch ist. In einer knappen Stunde haben wir eine künstliche W a s s e r st e l l e erreicht. Neben einem großen Bassin aus Well- blech und Beton erhebt sich das hohe, schlanke Stahlgerüst einer Windturbine. Die großen Windmühlenflügel stehen unbeweglich in der Mittagshitze, aber in dem Bassin ist noch eine ganze Menge Wasser. Eine unübersehbare Herde von Rindern und Pferden in den verschiedensten Altersstufen hat sich hier versammelt. Von Menschen ist weit und breit nichts zu sehen. Im Laufe des Nachmittags treffen wir noch einige solcher Wasserstellen, und gegen Abend erreichen wir endlich den dazu- gehörenden G u t s h o f. Er besteht aus einigen Hütten und Well- blechschuppen, die in einem kleinen Wäldchen von künstlich an- gepflanzten Eukalyptus- und Orangenbäumen stehen. Der Verwalter dieser Viehfarm ist ein echter Criollo, das heißt, ein eingeborener Mischling der Spanier und Indianer. Er ist nach der Sitte des Landes ganz in Schwarz gekleidet. Die unwahrscheinlich weiten, schwarzen Pluderhosen stecken in langen Stieseln, und an dem breiten, mit Silber beschlagenen Gürtel hängt ein fußlanges Messer und ein großer Trommelrevolver. Wir werden in überaus gastfreundlicher Weise aufgenommen und müssen gleich oersprechen, bis zum nächsten Abend zu bleiben, denn morgen gibt es ein Fest mit Spießbraten und Pferderennen. Das Pferderennen. Schon früh am Morgen haben sich die Gau ch o s draußen im Kamp ausgemacht, jetzt kommen sie in ganzen Trupps an- geritten. Sie haben zur Feier des Tages ihren Sonntagsstaat an- gelegt. Das Zaumzeug aus rohem Rindleder ist mit dickem Silber- droht umwickelt, die Steigbügel und die Kandare sind aus schwerem Silber. In dem reichlich mit Silbernägeln verzierten Gürtel steckt das lange Messer, dessen Griff ebenfalls aus getriebenem Silber besteht. Silber ist der Reichtum und der Stolz des Gauchos. Lange und umständlich wird eine Rennbahn ausgesucht, eine glatte, möglichst kahle Strecke Kamp von etwa fünfhundert Meter Länge. Nach langem Hin und Her haben sich zwei Männer geeinigt, das erste Rennen zu machen. Sie nehmen den Pferden die Sättel ab, legen Riemen und Messer fort, ziehen sich die Jacken aus und legen sogar noch die Halstücher ab. Dabei versichern sich die beiden Männer ununterbrochen gegenseitig, daß sie noch nie- mals versucht hätten, ob das Pferd, das sie heute reiten, zum Rennen taugt. Hierzu ist zu bemerken, daß ein echter Gaucho kein Pferd besteigt, ohne zu versuchen, was aus dem Tier Herauszu- holen ist. Endlich sind die Vorbereitungen fertig. Die beiden Männer treiben die Pferde noch ein paarmal in kurzem Galopp umher, um sie warm zu machen und nehmen dann Aufstellung. Der erste Start mißlingt— der zweite ebenfalls. Die Pferde werden noch einmal im Kreise gejagt, und die Männer versichern wieder, daß sie die Pferde noch niemals ausprobiert hätten. Beim dritten Start kommen beide gleichzeitig ab. Kopf neben Kopf springen die Pferde in kurzem Galopp an. Die Männer ziehen die Knie hoch und schlagen auf die Tiere ein. Diese zucken nach den ersten un- gewohnten Schlägen zusammen, mit einem Ruck werfen sie den Kops hoch, die Nüstern blähen sich aus und die Augen rollen weit aus den Höhlen heraus. Mit eingekrümmtem Rücken fegen die halb- wilden Tiere in rasendem Galopp davon. Die Erde erdröhnt von den Hufschlägen, und hundert Reiter als Zuschauer erstarren in laut- loser Spannung. Die beiden Männer sind fast auf den Hals der Tiere gerutscht. Ihre Köpse drücken sich seitlich in die Mähne. Dann jagt der Fuchs mit schäumendem Maul und flatternder Mähne einen Meter vor dem Braunen durch das Ziel. In einem einzigen Schrei löst sich die Spannung der Zu- Ichauer. Sie schlagen auf ihre Pferde ein, werfen Hüte, Messer und Jacken in die Luft und schießen ihre Revolver ab. Es beginnt ein furchtbares Tohuwabohu. Die wilden Tiere bäumen sich auf, die Schüsse knallen und alle möglichen Gegenstände fliegen in der Luft umher. Schreiend, singend und schießend umjagen die Reiter in einem großen Kreis den Sieger. Erst nach langer Zeit legt sich dieser ungeheure Sturm der Be- geisterung. Man klopft dem Sieger aus die Schulter und schüttelt ihm die Hände. „Ich habe nie versucht, ob der Fuchs zum Rennen taugt", er- klärt dieser gelassen. Kein Mensch glaubt es, er selber am allerwenigsten, aber es gehört gewissermaßen zun, guten Ton. das immer wieder zu ver- sichern. Nach einer Weile startet das nächste Paar, und dieselbe Geschichte wiederholt sich. So geht es den Vormittag über weiter. Der Schmaus. Inzwischen haben einige alte Männer den Spießbraten fertig gemacht. Einen guten Spießbraten zu machen ist ein Kunst- stück. Einige alte Gauchos haben darin eine gewisse Berühmtheit erlangt, und sie werden bei großen Festen von weit her gebeten, um dieses Amt zu übernehmen. Schon am gestrigen Tage sind einige junge Rinder ge- schlachtet worden. Je ein halbes Rind wird auf eine eiserne Stange gesteckt und über dem offenen Feuer gebraten. Das ist l jedoch nicht so leicht getan wie gesagt. Es wird besonderes Holz; zum Feuer ausgewählt, die Windrichtung wird genau beachtet und im Bedarfsfall durch ausgespannte Decken reguliert. Das Fleisch wird zunächst in größerer Entfernung vom Feuer ausgestellt und dann je nachdem den Flammen oder dem Rauch ausgesetzt. Schließ- lich wird es auf die heiße Asche gelegt. Jedenfalls ist das Ganze � ein komplizierter Vorgang, der viele Stunden erfordert. Das Resul- tat ist dann auch geradezu erstaunlich. Ich glaube nicht, daß es ein zweites Verfahren gibt, Rindfleisch in einen derart wohlschmeckenden Zustand zu bringen. Endlich ist alles um das fertige Fleisch versammelt. Jeder zieht sein langes Messer aus dem Gürtel und schneidet sich ein Stück herunter. Das Messer ist ein wichtiges Ausstattungsstück des j Gauchos. Er hält?s stets haarscharf und schleift es bei jeder Ge- I legenheit mit großer Liebe. Klingen von fünfundzwan- zig Zentimeter Länge sind durchaus an der Tagesordnung. Mein großes nordamerikanisches Jagdmesser kann ich also hier ohne zu erröten hervorziehen. Ich benutze es aber auch zum Holzspalten und Graben, und es ist daher reichlich stumpf. Ich säge damit ver- geblich an dem weichen Fleisch herum. Einer der Männer bietet mir in liebenswürdiger Weise sein Messer an. Ich prüfe seine Schneide mit dem Finger, sie ist scharf wie ein Rasiermesser. Der Mann sieht, wie mein Finger von der Schneide zurück zuckt.„Das Messer hat drei Wochen lang keinen Stein gesehen", sagt er bei- läufig. Solche Bemerkungen gehören ebenfalls zum guten Ton. Es ist erstaunlich, wieviel reines Fleisch ohne Zukost man von dem Spießbraten essen kann. Man hält das Stück Fleisch in der linken Hand und beißt hinein, dann schneidet man sich mit dem Messer einen Bissen vor dem Munde ab, und zwar von unten nach oben. Der echte Gaucho hat darin eine große Geschicklichkeit und Sicherheit, em Fremder riskiert dabei seine Nasenspitze. Nach dem Essen wird Mate getrunken, und dann holt emer seine Zieharmonika und beginnt zu spielen, einen R a n ch e r a, den Nationaltanz der Criollos. Die Männer fassen sich um und beginnen zu tanzen. Sie führen ebenso geschickt wie sie sich führen lassen. Sie sind es gewohnt, draußen im Kamp ohne Frauen zu leben und auch ihre Feste ohne Frauen zu feiern. Man trinkt schweren argentinischen Wein, aber es gibt keine Betrunkenen. Ein echter Criollo betrinkt sich nie. Am frühen Nachmittag brechen die ersten schon wieder auf. Sie haben viele Stunden zu reiten bis zu ihren Herden und Wellblech- Hütten. Sie steigen auf ihre Pferde, winken noch einmal und reiten in kurzem Galopp davon, hinein in die weite Unendlichkeit der Steppe. Nach kurzer Zeit hat die Ferne Mann und Pferd auf- geschluckt. Die Sonne versinkt langsam als ein großer, feuriger Ball im Staub der Pampa. Nachher brennt der westliche Himmel rot über der ungeheuren Ebene, die sich rings wie ein Meer ausdehnt. Die Gauchos liegen an ihren Feuern und sprechen noch lange von dem heutigen Fest, das ein großes Ereignis war in ihrem einförmigen Leben, in der weiten, einförmigen Steppe. vis Kumpels von Wleliczka Besuch In einem polnischen Salzbergwerk— Von Erich Grlsar Erich® r i[ n r hat aus einer Wanderung durch Europa die Wohnhütten und Werkplätze der Arbeiter aufgesucht. Was er gesehen und erlebt hat, erzählt und zeigt er uns in seinem aus- gezeichneten Bildbericht„M it Kamera und Schreib- maschinedurchEuropa" lBerlag: Der Bücherkreis. Berlin). vi. Es ist mir nie so leicht geworden, in ein Bergwerk hinein- zukommen, wie in W i e l i c z k a, dem Salzbergwerk Polens. Während man in Kohlen- oder Erzbergwerken erst stundenlang mit allen möglichen Leuten verhandeln muß. um schließlich doch nur heimlich hinunter zu können, ging hier alles wie geschmiert, ohne daß ich einen schmieren mutzte. Alles, was ich zu tun hatte, war, daß ich mir eine Eintrittskarte kaufte. Ein Phowgraph stellte seinen Apparat auf, und als er genug beisammen hatte, knipste er uns. Inzwischen hatte ein invalider Bergmann den Raum, in dem sich eine Stunde früher die zur Nachmittagsschicht anfahrenden Bergleute versammelt hatten, schön sauber gefegt. Ein anderer, der sich eine Knappenunisvrm angezogen hatte, führte uns dann, als ginge es m eine Kirche, zum SchaM. So lautlos tat er. Kirchen unter der Erde... Ein Klingelzeichen. Kleines Gedränge. Jetzt waren wir wirk- lich in einer Kirche. In einem von elektrischem Licht knapp be- leuchteten Räume sahen wir Altäre und Kanzeln, die vor Jahrhunderten, als die Menschen noch mehr an chren Gott als an ihre Not dachten, von frommen Bergleuten in das Salz gehauen worden. Dicht daneben ein weiterer Raum. Größer als der vorige, höher und geräumiger. Auch hier Figuren, überlebensgroß aus Salz gehauen. Am 24. Dezember jeden Jahres wird hier für die Bergleute eine große Messe gelesen, wozu sich dann statt der mit Einlaßkarten bewaffneten Fremden die Geistlichen des Ortes' per- fönlich in das Bergwerk hinunterbemühen. Wir wandern weiter. Treppen geht es hinunter durch Räume. die vierzig und mehr Meter hoch und mit dicken Holzpfeilern gestützt sind. Aber wohin wir auch kommen, jeder Hohlraum, den man aus dem Salz herausgeschlagen hat, ist zu einer Kapelle umgewandelt worden. Ueberall Heiligenbilder, Reliefs, und wo man keine Gelegenhett hatte, Figuren aus dem Salz herauszuhauen, hat man Transparente aufgehängt. Eine Terrasse gibt den Blick in eine erleuchtete Halle frei. Kronleuchter hängen von der Decke und strahlen uns an. Und ganz hinten am anderen Ende des Raumes steht die heilige Gottes- mutter und hält ihr glühendes Herz in der Hand. Wir sind er- schüttert, und die Gläubigen unter uns schlagen ein Kreuz. Wie wir näher hinkommen, sehen wir, daß die Maria, wie alles andere hier, aus Salz ist und daß man hinter dem Herzen eine elektrische Birne angebracht hat, die angeknipst wird, wenn Fremde kommen. Das Restaurant im Salzbergwerk. Ich möchte nun endlich die Kumpels sehen, die hier unten die dicken Brocken aus dem Stein schlagen. Daß man um den Fremden- verkehr besorgt ist, weiß ich, und die Männekens, die man zu seiner Hebung in die Salzwände hauen läßt, interessieren mich nicht. Ich habe allmählich den Eindruck, als sollten wir die Kumpels gar nicht zu sehen bekommen, und frage den Führer unserer Gruppe danach. Doch, doch, meint er, wir werden hinkommen, wenn wir noch Zeit haben. Und dann ruft er wirklich:„Dalli, dalli!" Aber wir gehen nun wieder durch endlose Gänge und an spiegelklaren Seen vorbei, bis wir in einen Saal kom- men, der noch wieder größer ist als die. durch die wir gekommen sind. Am Ende dieses Saales ist eine Bühne, auf der bei Ge- legenheit richtig Theater gespielt wird. Ein Ausschank ist auch da. Wir haben alle Durst bekommen. Das mag an der salzigen Umgebung liegen Nun knallen die ersten Seltersflaschen. Ein dickes Pfäfflein aus Pommerellen verkröppt sich mit gutem Appetit eine Flasche Bier, während er mir freundlich ein paar wichtige Dinge, die ich den Führer zu fragen habe, übersetzt. Als ich ihn jedoch bitte, nach den Löhnen der Arbeiter in diesem Berg- werk zu fragen, versteht er plötzlich kein Deutsch mehr. Na. denn nicht. Gesprächiger sind ein paar Jüdinnen, die aus Lemberg herüber- gekommen sind. Es sind Mutter und Tochter. Sie haben gesehen, daß ich mir dieses und jenes notiere, haben wohl auch gehört, daß ich mit dem Pommereller Deutsch sprach. Nun machen sie mich aus ein Plakat aufmerksam, das über dem Schanktisch des Kantiniers hängt und mit einer Steuermarke versehen ist.„Sehen Sie", meint die Mutter,„das ist interessant, daß man hier 120 Meter unter der Erdoberfläche Umsatz st euer bezahlt." „Na. warum nicht", sagt die Tochter,„wenn er davon frei wäre, möchten alle Leute hier unten einen Laden aufmachen." „Aber kurios ist es doch", verteidigt die Mutter ihren Tipp. Na ja, soll es in Gottes Namen kurios fein, ich weiß, was inter- essanter ist. Nur um etwas zu sagen, sage ich dann:„Hier haben sie's aber sehr mit der Religion." Vorher habe ich gehört, daß die beiden über die Religion sehr frei denken, und die Tochter lacht auch über meine Worte. Die Mutter jedoch meint, und man sieht, daß es ihr Ernst ist:„Wenn der Glaube nicht wäre, möchten hier alle Arbeiter Sozis fein." „Bei dem Lohn", meint die Tochter,„war da? kein Wunder." „So, was verdienen denn die Leute überhaupt?" „Nicht viel, 90 Groschen die Anfänger. Das sind 4 5 Pfennig. Die Schlepper bekommen 3 bis 4 Zloty pro Tag und die geübtesten Hauer knapp 5 Zloty. Einziger Trost: Die Luft ist gut hier: Aber sie zehrt." „Man muß gut essen", meint die Mutter. „Ja, das soll wohl sein. Aber wovon? Bon k> Zloty den Tag?" Bei den Kumpels. Endlich gehen wir weiter. Hinunter zu den Männern, die hier unten das kostbare Salz aus dem Berg heraushauen. Aber man hat so viel Zeit gebraucht, um uns die Marienbilder und beleuch- teten Grotten zu zeigen, daß wir nur einen kurzen Blick auf die ausgelaugten Männer werfen können, die mit ganzer Kraft die scharrende Schrämmaschine regieren und das losgebrochene Salz in die Grubenhunde laden. Kristalle glänzen im Schein der flackernden Lampen. Der Führer erlaubt uns, ein Kristall in die Tasche zu stecken. Manche lecken daran. Es ist wirklich Salz. Gutes, kräftiges Salz. 77 Prozent des polnischen Salz- b e d a r s s deckt dieses Bergwert, in dem auf sieben Sohlen 1700 Bergleute ihre Kraft daran fetzen, das kostbare Kristall aus dem Berg zu schlagen. Vier Kilometer lang ist die Salzschicht, 800 bis 1400 Meter breit und im Durchschnitt 30 Meter dick. Ein dumpfer Schlag rollt durch das Gebirge. Irgendwo sprengt man neue Gänge in den Stein. Die offene Lampe unseres Führers zittert. Dann ist wieder nur das Scharren der Schrämmaschine zu hören. Wir bleiben nicht lange hier unten. Kaum daß wir einen Be- griff bekommen haben von der Arbeit, die hier geleistet wird, geht's wieder nach oben. Was sollen wir auch hier unten. Wir haben ja so viel gesehen, und arbeitende Menschen, wen interessieren die schon, dafür kaust man sich doch keine Eintrittskarte. Nein, das tut man wohl nicht. Wir sind wieder im Förderkorb. Eine Lampe flattert von der Decke des Korbes herab. Während wir aufwärts gleiten, wirft sie unsere Schatten an die herabstürzenden Wände des Schachtes. Ein Lattenven'chlag. Bruchteil einer Sekunde nur: Blick in einen erleuchteten Stollen. Eine neue Gruppe besichtigt die Wunder aus Salz. Tageslicht dringt in den Schacht. Ein Ruck. Wir steigen aus. Ein Mann in einer abgetragenen Knappenuniform hält uns eine Sammelbüchse hin. Für die Invaliden der Grube. Wie sagte man doch? Die Arbeit in Wieliczka ist ungefährlich. Schlag- wetter gibt es nicht. Aber es stürzen wohl Berge aus dem Hangenden und es fallen Schwache zu Boden wie in jeder Grube. Elend gibt's überall. Einige Münzen klappern in die Büchse. Dann sind wir wieder draußen. Der Photograph erwartet uns mit den fertigen Bildern. So ein Gesicht also habe ich heute. Na ja. In- zwischen kommen Arbeiter und bücken sich über unsere Schuhe, um sie blank zu reiben.... Sport und Wehr willc Von Fritz Wildung In seinem Artikel über die Auflösung der SA. und SS. der Nationalsozialisten schreibt Reichsminister G r o e n e r u. a.: ..... Schon ehe ich das Reichsministerium des Znnern übernahm. habe ich darüber nachgedacht, aus welche Weise dieses Ziel am besten zu erreichen wäre. Dabei hatte ich lange Zeil den Gedanken versolgt, auch die Angehörigen der SA. wie die Akitglicder anderer verbände in einer neuen grohen nalionalsportlichen Organisation zu einem freiwilligen staatspolitischcn Zusammenwirken zusammenzufassen. Der Gang der politischen Ereignisse seit Ansang dieses Zahres liest jedoch diese Pläne nicht zur Ausführung kommen.. Mit diesen Sätzen hat der Minister ein wenig den Schleier ge- lüftet und die Absichten verraten, die in bestimmten Ressorts der Reichswehr seit längerer Zeit wegen der staatlichen Einflußnahme auf den Sport bestanden haben. Möglich, daß das Wehrministerium hierbei nur als Ratgeber auftreten wollte, denn der direkten Betreuung der Sportorganisationen durch das Reichswehrministerium stehen ja wohl zur Zeit noch einige Bedenken entgegen. Wie dem aber auch sei, man hätte gern etwas Näheres über das Wo und Wie der Absichten erfahren, denn man darf wohl annehmen, daß die Pläne nicht endgültig begraben worden sind. Die staatliche Bevormundung des Sports ist ein Lieblings- gedanke der Militärs in allen Ländern. Wo er indessen verwirk- licht wurde, ist nichts Gutes dabei herausgekommen. Sport und Militarismus sind an sich Gegensätze, denn der Sport beruht auf dem Prinzip der freiwilligen Körperbildung; das Wesen des Militarismus in jeder Form dagegen wird durch den Zwang und durch die Subordination bestimmt. Wo Militär urid Sport miteinander rn ein Berhältnis gebracht wer- den, kann es nur auf Kosten des Sports geschehen, dessen Wesen dadurch verfälscht wird. Es gibt für diese Behauptung Beispiele genug: das passendste für deutsche Verhältnisse bietet Frankreich. Frankreich hat die älteste staatliche Regelung des Sportwesens, die sich in eine zivile und eine militärische gliedert. Der zivilen Stelle steht ein Staatssekretär im Range eines Ministers vor; ihr Leiter ist seit langem Herr Pate. Die militärische Stelle untersteht dem Herrn Oberst M a r ch a l, der früher der interalliierten Militär- kommission in Berlin angehörte und ein sehr guter Kenner deutscher Verhältnisse ist. Die Beeinflussung der Sportvereine beschränkt sich im demokratischen Frankreich auf die Ueberwachung bestimmter llebungen, die als militärische Vorübungen— ähnlich wie in der Schweiz— dienen sollen. Vereine, die sich verpftichten, diese Uebun- gen, die als militärische Vorübungen— ähnlich wie in der Schweiz — dienen sollen. Vereine, die sich verpflichten, diese Uebungen aus- zuführen und sich der staatlichen Kontrolle zu unterwerfen, werden staatlich gefördert; die übrigen läßt der Staat ungeschoren. Soviel hier bekannt ist, haben die meisten bürgerlichen Vereine sich dieser Kontrolle unterworfen, während die Arbeitervereine sie glatt a b g c l e hn t haben. Letztere erhalten deshalb auch in Frank- reich keinerlei staatliche Unterstützungen. Da die Arbeitersport- bewegung in Frankreich bisher sehr schwach war, hat sie sich gegen die staatliche Bevorzugung der bürgerlichen Vereine nicht zur Wehr gesetzt: mit ihrer Erstarkung dürste sie den jetzigen Zustand nicht ohne Widerspruch ertragen. Außer Frankreich haben noch die meisten Diktaturländer den Sport der staatlichen Kontrolle unterstellt. Neben S o w j e t r u ß- l a n d kommen hier vor allem Italien, Ungarn und I u g o- slawien in Frage. Diesen Vorbildern strebt die Hitler-Bewegung in Deutschland nach, und ihnen dürften sich auch die Pläne der deutschen militärischen Kreise nähern, zumal sie zunächst zwischen den Beauftragten Hitlers und dem politischen Büro der Reichswehr be- sprachen worden sind. Alle Planungen dieser Art sind entschieden abzulehnen, weil sie eine politische Bindung des Sports bedingen, die anstatt zu einen, weiter entzweien müßte. Dagegen ist eine weitgehende Betreuung des Sports durch das Reich nicht ohne weiteres abzulehnen, wenn sie auf demokratischem Prinzip besiert und die einzelnen Verbände in keiner Weise in ihrer Bewe- gungsfreiheit behindert. Zu diesem Zweck wäre ein staatlich geförderter Aus- schuß nach dem Vorbilde des Ausschusses der deutschen Iugendver- bände zu gründen, dem alle Verbände angehören könnten, die auf dem Boden der Republik stehen oder sich ihr gegenüber wenigstens loyal verhalten. Offen rcpublikfeindliche Verbände müßten freilich ausgeschlossen bleiben. In diesem Reichsausschuß, der sich naturgemäß in Landesausschüsse gliedern müßte, wäre über alle Fragen der staatlichen Jugendpflege auf dem Gebiete der Leibesübungen zu beraten. Der Ausschuß müßte Selbstverwaltung haben und ohne Genehmigung der Regierung tagen und beschließen können, etwa nach dem Vorbilde des Rcichswirtfchaftsrates. In diesen Ausschüssen müßten neben den freien Verbänden auch die Berufsverbände(Turn- und Sportlehreroerbände) vertreten sein. Der fonnell noch bestehende „Reichsbeirat für körperliche Erziehung" ist leider von der Reichs- regierung zur Bedeutungslosigkeit verurteilt worden, anstatt daß sie ihn im Sinne der hier gemachten Vorschläge ausgebaut hätte. Eni- sprechend dieser Taktik ist auch die Sportpolitik des Reiches gänzlich in Verfall geraten und läßt jegliche Führung vermissen. Es ist überhaupt ein Jammer, wie die staatsbürgerliche Erfassung und Erziehung der Jugend in der deutschen Republik behandelt wird. Man hat oft das Gefühl, als sei die Reichsregierung seit Jahren auf diesem wichtigen Gebiete ohne jede Führung und ohne jeden Willen. Da ist es denn kein Wunder, wenn die Jugend scharenweise ins Lager der Radikalen abwandert und dem neuen Staatswesen entfremdet wird. Man kann auch den republikanischen Parteien den Vorwurf nicht ersparen, daß sie auf diesem wichtigen Gebiet versagt haben. Ein Staatswesen, das sich wie das deutsche in so sträflicher Weise die Möglichkeit und so billige Gelegenheit entgehen läßt, die Jugend in seinem Sinne und in seinem Geiste zu erziehen, das immer zuerst an den wenigen Pfennigen für die Jugendpflege spart, ist selbst schuld daran, wenn die Jugend zu ihm kein Vertrauen hat und von ihm nichts mehr erhofft. Es wird allerhöchste Zeit, daß die republikanischen Parteien die Regierung aus dem Schlafe rütteln. Ein Wort noch zum Thema„Wehrwille", das ja bei den Militärs immer an erster Stelle steht. Es gibt kein Volk ohne Wehr- willen, es sei denn ein Volk von Sklaven. Je demokratischer ein Volk regiert wird, um so stärker wird sein Wehrwille fein. Einem Volke aber, das nichts als seine Ketten zu verlieren hat, wird man auch keinen Wehrwillen einpauken können. Darum: mehr Volks- rechte und mehr Volksfteiheiten. aber fortmitjedemZwang, der keinen freien Mann erzieht! Zum Fall Nurmi Suspendicrung wird aufgehoben Nachdem die Erklärung des finnischen Verbandes in Sachen Nurmi dem Vorsitzenden der internationalen Amateurathletikfcde- ration(JAAF.) Edftröm-Schweden nunmehr auch offiziell zuge- gangen ist, wird ein Entscheid des JAAF.-Lorstandes nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wie dieser nach Lage der Dinge aus- fallen muß. ist vollkommen klar. In dem Augenblick, in dem der sinnische Verband die ihm überreichten Unterlagen als für eine Dis- qualifikation vollkommen unzulänglich bezeichnete, mußte die seinerzeit in Berlin ausgesprochene Suspendierung Nurmis automatisch auf- gehoben sein. Edström äußerte sich auf Befragen auch In diesem Sinne. Er sagte, daß er die finnische Antwort den übrigen Vor- standsmitgliedern der JAAF. noch in dieser Woche mit der Bitte um Stellungnahme zuleiten werde. Seiner Meinung nach bliebe aber nichts weiter übrig, als die Suspendierung Nurmis aufzu- heben. lieber seine persönliche Meinung zu dem Berlauf der Dinge be- fragt, meinte Edström:„Es ist traurig, daß der finnische Verband eine oerartige Auffassung in der Behandlung van Amateursragen hat. Es gab ja schon einmal einen ähnlichen Fall, der den Eis- schnellausweltmeister Clas Thunberg betraf. Dieser erhielt für einen Etnrt in Oslo 300!) Kronen Während nun der norwegische Ber- band zwei in dieser Angelegenheit beteiligte Personen auf Lebens- zeit disqualifizierte, reagierte der finnsche Verbaich auf die Anzeige nicht und belieh Thunberg die Amateureigenichast. Ulrich Kalchow, der Vorsitzende des Internationalen Eislaufverbandes, mit dem ich über diese Angelegenheit sprach, bezeichnete die Haltung des linni- schen Verbandes als niederträchtig." Die Olympier katzba!gen sich Die Finanzierung der deutschen Sportlererpedition zur bürger- tichcn Rekordolympiade in Los Angeles macht den beteiligten Sport- verbänden und Spitzenorganisationen immer größere Schwierig- kciten. Millionen Mitglieder wollen sie in Deutschland haben, aber diese Millionen sind nicht imstande, die Kosten für die Expedition aufzubringen. Opfermut urch Opferwillen sind Eigenschaften, die die Führung den bürgerlichen Sportlern noch nicht anerziehen konnte. Jetzt wird ein netter Fall aus Hamburg berichtet. Auf Anregung des Borsitzenden des Deutschen Rcichsausschusses für Leibesübungen Dr. Lewald wollte der Berein Deutsche Sportpresse in Hamburg ein Werbesportfest zugunsten des Olnmpiafonds vcr anstalten. Alle Vorbereitungen waren getrofien— es wären schließ- lich einige Kreschen lleberjchuß hera»sxekonm>en. Da kam die Deutsche Sportbchörde, eine von den vielen Organisationen, die im bürgerlichen Sporl herumjunttionieren, und verlangte für die Mit- Wirkung ihrer Mitglieder, daß ihr der Gesamtiiberschuß übergeben werd«. Dagegen wandte sich der Reichsausschuß, weil er zwei Drittel der Kosten und die gesamte finanzielle Verantwortung für die Olympiaexpedition zu tragen habe. Di« Katzbalgereien gingen so weit, daß der Hamburger Sport- presse-Verein das Fest jchließlia) absagte. Nun hat kemer etwa?! Der Außballklub Dorwärts-Wedding sucht zum kommenden Sonnabend für seine beiden Männermannschaften Gegner auf Gegners Platz. Angebote Freitag ab 20 Uhr O6. Wedding 7319. HakenkrcKttler als Vandalen Naifonalisfen gegen Arbeiferkuifur Die letzte Nummer des Bundesorgans des Touristenvereins Naturfreunde brachte eine Anzahl von Abbildunoen aus dem durch Hakenkreuzvcrbrecher auf das schlimmste verwüsteten Hamburger Naturfreundehaus in Maschen in der Lllneburger Heide. Alles, was sich unsere Heimat- und man- k«rfrohen Arbeiterjungen und-mädels mühsam und opferfreudig in dem bescheidenen schönen Heim aufgebaut und eingerichtet hatten, wurde von denselben Halunken, mit denen in unglaublicher Verdien- dung weite Kreise des deutseben Bürgertums bei der Preußenwahl gemeinsame Sache gemacht haben, von Grund auf zerstörten. Alle Petroleumlampen lagen in Trümmern auf dem Boden umher. Die Glühlampen der Lichtanlagen sowie deren Leitungen wurden ver- nichtet, die Schlafdecken aus den Schränken gerisien und vertrampelr, die Feuerlöscher von den Haltern genommen und damit die Betten und Matratzen und Einrichtungsgegenstände bespritzt. Was die Wüteriche nicht mitnehmen konnten, haben sie in barbarischer L u st zerstört. Wir weisen die L a n d r ä t e und die Landjäger besonders darauf hin, daß die Naturfreunde viele ihrer Heime auch dem Deutschen Jugendhcrbernsverband zur Be-stiiaung stellen, in dem, wie bekannt ist, auch sehr viele rechtspolitisch orien- tierte Jngendgriippen oeoaniliert sind, die in diesen Hemten Gastreche genießen. Die Heime sind also eine Sache der gesamten deut- schen Jugend und die Behörden haben allen Anlaß, ihnen be- sonderen Schutz angedeihen zu lassen. Boxkamptahend bei Alf-Weddin0 In der Turnhalle Utrechter Straße 31/.Z2 treffen Freitag, 29. April, die Arbeiter-Schwerathletikvereine Mt-Wedding 83, Tegel und Lichtenberg in einem Boxkampf zusammen, wobei gute und spannende Kämpfe zu erwarten sind. Beginn 19..30 Uhr. Arbeiterschscb Die Abteilung Kreuzberg veranstaltet Donnerstag. 28. April. 20 Uhr, einen Werbeabenb bei Krepp, Planufer 75 7t). Juugnitsch hält einen Vortrag am Demonstrationsbrett. Anschließend Blitz- turnier. Gäste herzlich willkommen. Nachstehend dringen wir die Svietlolale der Freien Arbeiter-Schachvrreini. gung Groß-Berlin. Beginn stets um 20 Uhr. Schachunterricht in alten Ab. teilungen kostenlos. Gäste wllltommcn. Dienstags spielen: Humboldtbain bei Müsch, Brunnensir. MO: Pankow bei Fulde, Berliner Str. 97: Moabit im Case Streng. Alt-Moabit>3: Friedrichsseldc bei Tempel. Sudrunstr. 7; Charlotten, bürg bei Walter. Biomorckstr..77.— T-nnerstogs spielen: Nrc: zb-ra bei stren. Blanuier 7.7— 76; Trevtow bei Däblinq. Ctsenstr. 100: Grünau. F-ikenberg im , Gemeinschastshaus. Richterstraste: Mitte bei Ebertus. Zi n-'irchnlatz II: strenii. lauer Berg bei Bobst. Etargarber Str. 79: starlshors« M Wenzel. Gundel. singer Straste Sek» Känower Weg.— Freitags spielen: Wedbing bei>7erms, Miisterstr 28; Wcistensee bei Gallas. Lehderstr. 122.— Montags spielt bie Ab- tciluna Westend bei Samin. Charl-ttenburg. Sookie.Gharl-ttc.Str. 8b: M-ntago und Mittwochs die Abteilung Friedrichshain bei Albrecht. Strastmannstr. tt. Auslunst in allen Bereinsangelegenheiten erteilt Georg Werwinski. Berlin E. 79. Planufer 97_ � Schll'hrwgkämvfe im Zirkus Büsch. Den ersten Kamps des gestrigen Abends bestritten Equatore-Jtalien und Sandor Nagy- Ungarn. Nagy konnte gegen dis größere Kraft und Schwere seines Gegners nichts ausrichten. Equatore brachte schließlich nach der dritten Pause den Ungarn in die Brücke, die er nach minutenlanger, verzweifelter Gegenwehr eindrückte. Komvszeib 42 Minuten. Im I zweiten Treffen standen stch Grllneisen-Schweiz und Krumin-Lett- land gegenüber Der starke Lette lieferte dem Schweizer einen völlig offenen Kampf Der Lette ist ansangs sehr unterschätzt worden, das bewies sein Kamps gegen den als Favoriten gestarteten Schweizer auss neue. Erst nach einer Kampszeit von 53 Minuten gelang dem Schweizer ein Armfallschwung, der ihm den Sieg brachte. Beide Kämpfer wurden von dem vollen Hause mehrmals herausgerusen. Der Westfale Ahrens und Sasorski-Polen stellten den dritten Kamps. Sasorski war recht angriffslustig und rang nicht immer ganz ein- wandsrei. kam jedoch bei dem starken Deutschen an die falsche Adresse. Ahrens ließ ihn durch einige wuchtige Schleuder sehr schnell wieder zur Vernunft kommen. Ein schöner Kapfzug mit Eindrücken der Brücken brachte nach 17 Minuten den Sieg des Deutschen. Heute, Dienstag, ringen Trinkgeld— Grüneisen, Pahmann— Ahrens und Sasorski— Krumin. Alle Kämpfe gehen bis zur Entscheidung. startclldczirk Schöncberg-Fried-na». start-llsttzung Mittwoch, 27.«pril, 19 Uhr, auf dem Sportplatz des AS«. Schoneberg.Frledenau 07. Erichemen der «orsitzenden, Techniker und Vertreter der«creme notwendig. B-Ilsfport Wcdding. Antreten aller Mltwirkenden emschliestlich Fahnen- gruppe zur großen Maifcierprobe Mittwoch, 27. April, 17 Uhr, Wasfersportplatz e. V.,«b..0b°-,p... B°nn�.ag 28 April, 18 llhr. Trainingsabend im Bootshaus. Freitag, 29. April, 20 Uhr, Sitzung, „Zur Eiche". Reukölln, Kaiser. Friedrich. Ecke Saaleslraß-.____ RV.„Vorwärts". Dienstag. 20 Uhr, Vorstandssttzung. Donnerstag. 28. April, 20>z. Upr. Mitgliederoerfammlung.,„.,. B-Usfport Neukölln- Britz. Sportabtciiung. Heute letztes H-ll-ntra>ntng. Donnerstag. l0 Uhr, Icichtathletifchcs Training für Erwerbslose, Sonnenplatz. Genossen anderer Abteilungen sind eingeladen. Nächstes Training für den Strastenlauf Conabend. 30. April, 1« llhr, Sonnenplatz, anschließend 20 Uhr Frcie �Äoripe»mign»a" P»nIpw. Jeden Dienstag und Donnerstag Platz. training, Kifsingenplatz, ab 18 Uhr. Die Sonntage bleiben dieselben. Donners» tag Hauptversammlung der Hockepabtcilung. Sonnabend. 30. April, Vereinsver- sammlung bei Lehmann, 20 Uhr. Mitgliedsbuch als Auswei«. Arb-it-r.Phot-.Gilde Osten. Mittwoch, 27. April. 20 Uhr. Dunkelkammer. Franksurtcr Alle 307, Uebungsabend.— Arbeiter.Photo.Gilde Süden: Donners- tag, 28. April, 20 Uhr, Neukölln, Bergstr. 29, Iugendheim.DunIcliammer: Ansetzen von E»iwicklern.— Freie Photo-Veeeinigung! Donnerstag, 28. April, 20 Uhr, Phpsikzimmer der weltlichen Schule Pank- Ecke Wiesenstraxe: Die Eni- wicklcr— die Entwicklung. DienstsK, 26. April. Berlin. Willi Apel: Klavierwerke In verschiedenen Passunren. Unterhaltende Tänze. Mit dem Kurbelkasten auf dem St. Bernhard,(Herbert Dähn.) Stunde mit sozialpolitischen Büchern.(Mikrophon: Ober-Reg.-Rat Dr. Erwin Rawicz.) Studenten diskutieren: Sind nur die extremen Parteien radikal?(Ltg.; Prof. Dr. M. Heller.) Die Funkstunde teilt mit... Stimme zum Tax. Unterhaltungsmusik. Mitteilungen des Arbeitsamtes. Akt. Abteilung. Johannes Brahms. Berliner Funkorch. Dir.: Max Fiedler. I. Tragische Ouv., op. 81. 2. Doppelkonzert für Violine und Cello. A-Moll, op. 102. (Georg Kulenkampff und Emanuel Feuermann.) 3. Vierte Sinfonie, E-Moll, op. 98. Wetter, Nachrichten, Sport. Filmtheater„Atrium": Richard Tauber singt Lieder aus seinem neuesten Tonfilm„Melodie der Liebe". Könlgswusterbausen. 16.30 Leipzig; Konzert. 17.30 Dr. H. Merkel: Aussichten des deutschen Akademikers Im Ausland. 18.00 Mersmann: Wir bauen Melodien. 18.30 Prof. Dr. Schaeder: Die Religionen des Orients und das Abendland. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. Anschließend: Englisch für Fortgeschrittene. 19.20 Polizeimajor a. D. Borck, M. d. L.— Dr. h. c. von Oppeln-Bronikowski; Antisemitismus? 20.00 Maximilian MüIIer-Jabusch: Weltpolitische Stunde. 22.45—24.00 Hamburg; Russische Volkswelsen. 16.05 16.30 17.30 17.50 18.20 18.55 19.00 19.10 19.55 20.00 20.30 22.10 22.30 'ßBuch Sexuelle Stygiene Professor A. B u sch ke hält seit langem an der Universität und an der Handelshochschule in Berlin Vorlesungen über sexuelle Hygiene. Diese wertvollen Belehrungen durch einen bewährten Fachmann kamen bisher nur den Studierenden der Berliner Hoch- schulen zugute. Es ist sehr zu begrüßen, daß Professor Vuschke jetzt zusammen mit Dr. F. Jacobsohn eine Darstellung dieses Ge- biets für weitere Kreise unter dem Titel„Geschlechtsleben und sexuelle Hygiene" veröffentlicht hat sWalter de Gruyter Verlag, Berlin und Leipzig, 1932, 266 Seiten, 8,3g M.). Das Buch wendet sich an den naturwissenschaftlich vorgebildeten Leser: es setzt eine gewisse Uebung im Lesen wissenschaftlicher Werke voraus. Die elementaren Tatsachen der Sexualwissenschaft sind in den Vorder- grund gerückt: die Autoren wollen exaktes Wilsen vermitteln, um dadurch dem Leser eine feste Grundlage im Streite der Meinungen zu bieten. Besonders eingehend sind die Ausführungen über die Ge- schlechtskrankheiten, ihre Folgen und ihre Berhütung. Eine große Zahl von Abbildungen, zum Teil auf farbigen Tafeln, illustrieren den Text. Die Verfasser setzen sich für eine Aenderung der be> stehenden Gesetzgebung ein(Z 218); sie heben hervor, daß das Ber- bot der Schwangerschaftsunterbrechung nur die ärmeren Schichten trifft:„denn für begüterte Staatsbürger ist selbstverständlich eine sachgemäße und gcsundheitsunschädlichc Schwangerschaftsunter- brechung leicht genug zu haben, für die große Masse dagegen leider meist nur eine unsachgemäße und oft lebengefährdende Schwanger- schastsunterbrechung". Es ist wichtig, daß diese bekannt und oft hervorgehobene Tatsache auch von maßgebenden Universitätslehrern festgestellt wird. Mit Recht betont das Buch, daß der Kamps gegen veraltete und schädliche Auffassungen über das Sexualleben nicht gleich- bedeutend ist mit dem Eintreten der Hemmungslosigkeit. Dies kann nicht oft genug gesagt werden. Die Vorkämpfer für eine gerecht« Sexualethik werden nämlich immer wieder von ihren Gegnern als Prediger der Hemmungslosigkeit verdächtigt. Die neue Ausfassung erfordert aber gerade ein erhöhtes Maß von individueller und so- zialer Berantwortung. Dem gediegenen Buche ist ein Anhang über den juristische» Tatbestand des Sexualdelikts von Rechtsanwalt Fritz Blanken» f e l d beigegeben. Das Buch, das so gründliche Kenntnisse aus naturwissenschaftlichem Gebiet vermittelt, behandelt die soziale Selte des Problems etwas stiefmütterlich. Das ist wohl daraus zu er- klären, daß beide Verfasser medizinische Forscher sind. Der Einfluß wirtschaftlicher und sozialer Faktoren aus 0» Gestaltung des Ge- schlechts- und Eheisbens ist aber so groß, daß diese Probleme in einem für weitere Kreise bestimmten Buche stärkste Beachtung ver- dienen. Vielleicht ist es möglich, in einer neuen Auflage das Buch nach dieser Seite hin durch den Beitrag eines Fachmannes zu er» aönzen vr. s. VV.