BERLIN Mittwoch 22. April 1932 10 PI. Tit. 197 B 99 4P 3aIM!!! Erscheint täglich außer Sonntag«. Aogleid, AbendaoSgabe des»Vorwärts� BezagsvretS für beide Ausgaben 7ö Pf. pro Wocke. 3.25 M. vre Monai (davon 87 Di. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus lahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeirungs. und 72 Pf. Postbestellgebübren. SjuUaubgaße xleb Anzetgenvrrts: Die etnipa'ti.u■lltiui> rlr< rdi m IM. Reklamezeile 2.— M Ermäßigungen uuco iarn Ponic� ect.'onto Vorwärts- I erlag G. m. b. H.. Bei Ua%Ht 37 id.» i ct Verla? behält nch das Recht der Ablehnung n�chl genevmer Anjetgen vor Redaktton und Ervedltton! Berlin SW to. Lindenste 3 Sernfvr eche e: Donboii(A 7) 292—297 WS Preisabbau bei der Reichsbahn Verbilligte Sommerurlaubs- und Zeitkarten/ Senkung der Zuschläge HcraiK zur Maidemonslraflon Sonntage um 13 Uhr� im Lustgarten! Bom 25. bis 27. April 1932 lagle der verwollungsral der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft in Berlin. Er genehmigte Geschasts- beruht und die Bilanz für das Geschäftsjahr 1931 und bcschloh die Ausschüttung einer 7prozentigen Dividende aus die ausgegebenen Borzugsaktien Serie I bis V. In der Verkehrsentwicklung des ersten Vierteljahres 1932 drückt sich die weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage in vollem Mahe aus. Der Güterverkehr erbrachte gegen die gleiche Zeit des Vorjahres 31 Proz. weniger Einnahmen. Beim Per- sonenoerkehr machte der Einnahmcausfall gegen das Vorjahr etwa 17 Proz. aus. Um den Reiseverkehr zu beleben, gab der Verwaltungsrat seine Zustimmung zu den vorgeschlagenen Fahrpreiser mäßi- gungen. Danach werden vom 1. Juni ab: die Schnell- und Eilzugzuschläge um die Hälfte herabgesetzt! die Spaunungsverhältnisse bei den Monats-, Schiilermonols- und Teilmonalskarlen geändert, so datz«ine Ermätzigung zwischen 8 und 21 proz. eintritt. Außerdem werden Sommerurlaubskarten für die Zeit vom 1. Juni bis 15. Oktober 1932 eingeführt mit 2 9 P r o z. F o h r- Preisermäßigung und einer Geltungsdauer von 2 Monaten. wobei die Reise sich mindestens auf 299 Kilometer erstrecken muh und die Rückreise nicht vor dem 11. Geltungstage angetreten werden darf. Vorausgesetzt wird, daß diese Urlaubssahrten sich aus Reise- ziele in Deutschland erstrecken. Die Reichsbahn hofft, durch diese Maßnahmen den Besuch der deutschen Erholungsstätten zu fördern. * Die Senkung der Schnell- und Eilzugzuschläge wirkt sich derart aus, daß Zuschläge 3. Klasse in der Zone 5(über 3 Kilometer) von 5 M. auf 2.59 M. und in der Zone 1 von 1 M. auf 9,59 M. verbilligt werden. In der Polsterklasse senken sich die Zuschläge entsprechend von 19 M. auf 5 M. bzw. von 2 M. auf 1 M. Entsprechend um die Hälfte abgebaut werden die Eilzug- Zuschläge. Bei der Verbilligung der Sommerurlaubs- karten ist Voraussetzung eine Mindestgrenze von 299 Kilometern. Sie gilt natürlich nur für Reisen in Deutschland. Der Preisabbau bei den Zeitkartenpreisen verringert die g r o ß e Spanne, die zwischen den Zeitkartenpreisen für Personen- und Eilzüge und zwischen den Preisen für die 2. und 3. Klasse bestehen. Aeue Oiskonisenkung der �eichsbank. Zentralausschuß der Reichsbank für heute nachmittag einberufen. Tas Direktorium der Reichsbank hat den Zentral- ausschuß für heute nachmittag zu einer Sitzung zusammen- berufen, um eine neue Diskontermäsiigung vorzunehmen. ist zu erwarten, daß der Zinssatz für Wechselkredite von 0V2 auf 5 und der LombardzinAfuß von K'-b auf st Proz. ermäßigt werden. Die Bank von England hat erst in der vorigen Woche ihren Banksatz weiter herabgesetzt und sich damit dem allgemeinen Zins- tiefstand an den finanziellen Hauptplätzen der Welt weiter angepaßt. Auf dem deutschen Geldmarkt hat sich das Angebot befchäfti- gungsloser Gelder bedeutsam verstärkt, und die Reichsbank wird für neue Kredite— man kann sagen bedauerlicherweise— nicht in Anspruch genommen. Für unsere deutschen Wirtschaftsverhältnisse ist j e d e Z i n s- verbilligung natürlich willkommen, da sie trotz der allgemeinen Unlust, Kapital anzulegen und Kredit« zu gewähren, doch die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Besserung gün- st ig er gestaltet. Ein niedriger Zinsfuß in Deutschland hat außerdem die Wirkung, daß auch die von Deutschland zu zahlenden Zinsen für die stillgehaltenen Auslandsgelder gesenkt werden können. Ein« Senkung des Zinsniveaus wirkt auch günstig aus die Kursgestaltung an der Börse, so daß sich die Aussichten oerbelsern, Anleihen zur Arbeitsbeschaffung unterbringen zu können. Sehr günstige Wirkungen auf der Dörse. Die Erwartung einer neuerlichen Distontsenkung bat in der Burgslraße große Käufe zur Folge gehabt. Di« Stimmung war sehr fest, alle Kurse gingen nach oben. Aüz dem Aktümmarkt ergaben sich Kurssteigerungen bis zu 3 und 4 Punkten. 3.®. Farben erhöhten sich von 94 auf S5K, Siemens Aufmarschplan: Paugewerksbund, Deutscher Metallarbeiterverband, Per- band der Kupferschmiede, 3., Ist. und 20. Kreis der SPD.: Gartenstr., Spitze Bernauer Str., sowie Gartenplatz. Perband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, Verband der Hotel-, Restaurant- und VafS-Angestellten, Deutscher Tabakarbeiter-Verband, Deutscher Musiker- Perband, Deutscher Landarbeiter-Perband und Deut- scher Melkerverband. 1., 4. und 18. Kreis der SPD.: Lothringer Straße, Spitze Rasenthaler Platz. Paugewerksbund, 2. und 7. Kreis der APD.: Kleiner?ier- garten, Spitze Wilsnacker Straße. Paugewerksbund: Landsberger Platz. Deutscher Lederarbeiter-Verband: Bülowpwtz Paugewerksbund: Engelufer, Gewerkschastshaus. Bekleidungsarbeiter, Hutarbeitcr, Friseure: Sebostianftr., Spitze Alte Jakobstr. Gesamtverband: Michaelkirchplatz. Einheitsverband der Eisenbahner, 8. und 17. kreis der TPD.: Küstriner Platz. Perband der Fabrikarbeiter Deutschlands: Andreasplatz Deutscher Holzarbeiter-Verband, 18. und Ist. Kreis der TPT. und sämtliche freigewerkschaftlich organisiert« Taubstumme: Am Köllnischen Park. Verband der Maler: Melchiorstr., Spitze Adalbertstr. Verband der Sattler und Tapezierer, Zentralverband der Schuhmacher, Deutscher Textilarbciter-Perband: Eng?l- uier, Spitze Köpenicker Str. Allgemeiner Deutscher Peamtenbund: Mario nnenplrtz, Spitze Bethanienufer. Paugewerksbund: Bahnstr.(Bahnhof Großgörfchenftr.) Paugewerksbund und 14. Kreis der SPD.: Reuterplotz (Neukölln). Zentralverband der'Maschinisten und Heizer: Lausitzer Platz. Zentralverband der Zimmerer Teutschlands. Zentral- verband der Tchornsteinfegergesellen: Mariannenplotz. Zentralverband der Stcinarbeiter: Bethamenufer, gegenüber Gewerkschastshaus. Allgemeiner freier Angestelltenbnnd: Naunynstr., Spitze Oranienplatz. Graphische Industrie fPuchdrucker, Buchbinder), Ver- band der Lithographen und Steindrueker. Verband der graphischen Hilfsarbeiter, K. und 13. kreis der SPD.: Alte Jakobstr., Spitze Neuenbürg«« Str. st., 10., 11. und 12. Kreis der SPD.: Gendannenmarkt. Gehörlose Gewerkschastskollegen treffen sich um 11 Uhr.um Köllnischen Park und schließen sich an den Zug der Holzarbeiter an. Auf dem Lustgarten nehmen die gehörlosen Kollegen vor der Rednertribüne Alststellung Spandau: Die Spcmdn-uer Partei- und Gewerkfchaftsgenosfen treten mittags um 1 Uhr in der Bethkeftraße an. Abmarsch 1 Uhr zum Stadion in.Hakenfelde. Der Zug trifft dort gegen 2 Uhr nachmittags ein. Der �.dmarsd» von den Sammelplätzen erfolgt um 14,30 Uhr/ Fahnen und Banner werden mitgeführt, Transparente sind verboten!/ Der Rückmarsch vom Lustgarten erfolgt nach vier Autlösungsplätzen nach den Anweisungen der Zugleiter und Ordner Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Ortsausschuß Berlin Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Bezirksausschuß Berlin Arbeitersport- Allgemeiner freier Angestelltenbund Ortskartell Berlin Sozialdemokratische Partei Deutschlands Bezirksoerband Berlin und Knlturkartell Berlin. von 98 auf 199, Reichsbantanteile von 111)4 auf 114)4, Westeregeln von 99 aus 192, Salzdetfurth von 147 auf 151. Auch der Markt der f e st o e r z i n s l i ch e n Papiere zeigte Kurserhöhungen bis zu 2 Punkten. Goldpfandbriefe verbesserten ihren Kurs im Durchschnitt um 1 bis 2 Proz., Reichsschuldverschrei- bangen stiegen von 5914 auf 5114, Obligationen der Bereinigten Stahlwerte von 49% auf 4214. Sanierung der Oberhütten Beschluß des Haushaltsausschusses im Reichstag. Im Haushaltsausschuh des Reichstags wies am Mittwoch zu- nächst Abg. Dr. Klöckner(Z.) darauf hin, daß 0er Haushaltsausschuß am Dienstag eine Jubiläumssitzung, nämlich die 199. abgehalten habe und sprach dem Borsitzenden Abg. H e i m a n n (Soz.) den herzlichsten Dank des Ausschusses für die m u st e r h a f t e unparteiische Geschäftsführung und die große Mühe- waltung aus. Sodann wurde über den Antrag abgestimmt, auf Grund dessen die Sanierung der oberschlesischen Hüttenwerke durchgeführt werden soll. Der Antrag wurde mit allen Stimmen gegen die der Kommunisten angenommen. Danach wird den Ak- tionären das Zugeständnis gewährt, unter Beibehaltung einer Gener alversammlunfls Mehrheit von 51 Proz. der Stimmen für die öffentliche Hand den Aussichtsrat von Oberhütten paritätisch zu besetzen und bei etwaigen Meinungsverschieden- heiten innerhalb de? Aussichtsratz den Stichentscheid einem neistra- len Vorsitzenden, auf den sich die beiden Parteien zu verständigen Hab«, zu überlassen. Schließlich wird ein bis zum 31. Dezember 1935 befristet«» vpii»»»r«cht eingeräumt, wonach die Ball«- strem-Gruppe das der öffentlichen Hand zustehende Paket von neun Millionen Mark Oberhütten-Aktien zu einem Kaufpreis, der dem Nennbetrage entspricht, übernehmen kann. Das Optionsrecht kann nur im ganzen ausgeübt werden und nur mit der Maßgabe, daß der Kaufpreis bei Ausübung der Option in bor zu zahlen ist. Sodann wurde der Bericht des Rechnungsausschusses über die Haushaltsrechnung 1939 erstattet. Der Vorsitzende Abg. H e i m a n n(Soz.) machte darauf aufmerksam, daß in bezug auf die Schnelligkeit der Rechnungslegung das Deutsche Reich an der Spitze aller Staaten stehe. Rein äußerlich falle aus, daß im Vergleich zu den früheren Jahren die Berichte des Rechnungsausschusses immer umfangreicher wurden und wert- volles Material für die Haushaltsgestaltung bieten. Der Berichterstatter Abg. H e i n i g(Soz.) wies dann in seine» einleitenden Ausführungen darauf hin, daß weite Teile der Reichs- Verwaltung keinen Anlaß zur Kritik gegeben haben. Der Bericht enthält vor den die einzelnen Ministerien betreffenden Abschnitten allgemeine Bemerkungen über die Art und die Durchführung der Prüfung, darunter z. B. auch Bemerkungen über die Stellung des Rechnungshofes. Der Ausschuß stellte sich hier aus den Standpunkt, daß die Autonomie des Rechnungshofes, die die Grund. läge für eine unabhängige, objellive Durchführung des Rechnungs- prüfungsverfcchrens sei, nicht das Verantwortungsbewußtsein der höheren Beamtenschaft herabmindern würde. Die D e u t s ch n a ti on al en erklärten, daß sie gegen den B« r i ch t in der vorliegenden Form kein« Einwände erheben, daß sie sich aber nicht mit allen Einzelheiten, z. B. mit den gelegent- lichen Ausführungen staatsrechtlicher Art und auch nicht mit der redaktionellen Abfassung identifizieren könnten. Gerüchtemacherei. Irreführung durch die„Rote Zahne*. Die„Rote Fahne", die gestern zur proletarischen Ein- heitsfront aufrief, bemüht sich heute bereits, durch die Verbreitung von Tatarennachrichten den Riß in der Arbeiterbewegung zu vertiefen. Sie schreibt nämlich: Die Sozialdemokratie rüstet zu einem neuen Schand- st r e ich. Sie will mit den Nationalsozialisten zusammen das Land- tagspräsidiuni besetzen. Wir erfahren aus bestimmter Quelle, daß die SPD. der Wahl eines Hakenkreuz-Landtagspräsidenten nichts in den Weg legen will, wenn ihr die Stelle des ersten Vizepräsidenten zugebilligt wird. Möchte die„Rote Fahne" einmal angeben, wer die „b e st i m m t e Quelle" i st, die diese Nachricht fabriziert hat? Noch hat überhaupt keine maßgebende sozial- demokratischeKörperschaft, am allerwenigsten die zur Entscheidung der Präsidentenfrage in erster Linie berufene neue Landtagsfraktion, getagt oder zu den Proble- men des Wahlausfalls Stellung genommen! Die Leser der heutigen Morgenausgabe des„Vorwärts" werden auch bemerkt haben, daß die Meinung der Sozialdemokratie zur Präsidentschaftsfrage ganz anders aussieht, als sie von der„Roten Fahne dargestellt wird.(Vgl. den Artikel:„Das Spiel um Preußen.") Vor allem aber dürfte die„Rote Fahne" sich daran er- innern, daß bisher lediglich das k o m m u n i st i s ch e Ver- halten im alten Landtag geeignet war, den Anschein zu erwecken, als ob die KPD. zwar nicht gerade der Wahl eines nationalsozialistischen Landtagspräsidenten, wohl aber der noch viel wichtigeren Wahl eines nationalsoziali st i- schenMini st erpräsidenten nichts in denWeg legen wolle. Die kommunistische Landtagsfraktion hat sich >n der letzten Sitzung des alten Landtages an der O b st r u k- t i o n der Rechtsparteien beteiligt, durch die die Aende- rung der Geschäftsordnung verhindert werden sollte. Wäre dies Obstruktionsmanöver geglückt, so wäre jetzt in der Tat die Bahn für die Wahl eines nationa- listischen Ministerpräsidenten frei. Wir wissen nicht, ob die Kommunisten inzwischen aus dem Ergebnis der Wahl gelernt haben. Die von der englischen „Daily Mail" gemeldete vernünftige Erklärung Ernst Thäl- manns, wonach die KPD. alles tun wolle, um ein« Macht- ergreifung der Faschisten zu verhindern, wird heute vom Zentralkomitee der KPD. in der„Roten Fahne" als „erfunden" dementiert. Das Zentralkomitee erklärt statt dessen: Die Entscheidung über das Verholten der Kommunisten zu be- stimmten Fragen im Preußischen Landtag wird das Zentralkomitee der KPD. im Einvernehmen mit der preußischen Landtagsfraktion zu gegebener Zeit herbeiführen. Wie überall bei ihren Eni- jcheidungen wird sich die KPD. auch im Preußischen Landtag ledig- lich vom Interesse des proletarischen Klassen- k a m p f e s leiten lassen. Diese Erklärung ist ziemlich nichtssagend und läßt nach allen Richtungen Türen offen. Sollten die Worte„vom Interesse des proletarischen Klassenkampfes" so zu verstehen sein, daß sich die KPD. im kommenden Landtag nicht vom einseitigen kommunistischen Parteiinter- esse, sondern vom proletarischen Gesamtinteresse leiten lassen will, so wäre das zu begrüßen. Aber das wird abzuwarten bleiben. Jedenfalls ergibt die Erklärung des Zentralkomitees, daß sich die Kommunistische Partei mst ihrer Entscheidung Zeit läßt. Um so weniger hat sie Anlaß, die Sozialdemokratie, deren Beschlüsse gleichfalls noch nicht gefaßt worden sind, durch gänzlich aus den Fingern gesogene Nach- richten zu verdächtigen._ Redakiionswechsel bei der„Germania". papen seht den Chefredakteur hinaus! Der Chefredakteur der„Germania", Dr. Buhla, ist aus Beschluß des Aussichtsrates bis auf weiteres beurlaubt worden und wird Ende 1932 mit Ablauf seines Vertrages endgültig aus der Redaktion ausscheiden. Vorsitzender des Aufsichtsrats der„Germania" iftoonPapen, der seit Iahren versucht, das Zentrum zu einem Bundes- genassen der Rechten zu machen. Dr. Buhla gehört zum engeren Kreise Dr. Brünings. Berlins Pflaster wird studiert Wie man dem �utfchasphali zu Leibe geht— Es fehlt an Geld Berufsbeamte vom„Dritten Dtoich." Cine gestürzte Nazigröße Glogqu, 27. April.(Eigenbericht.) Das Erweiterte Schöffengericht Glogau verhandelte gegen den Steuerassistenten und Standartenführer der Nazis für Nordschlesien, Artur Kastner aus Glogau, wegen Amts- Unterschlagung und Urkundenfälschung. Der Angeklagte war als Vollziehungsbeamter des Finanzamtes lötig und verbrauchte mehr, als sein Einkommen ausmachte, bc- sonders war er auch ein beliebter Gast der Nachtlokale. Oberregie- rungsrat Saupe vom Finanzamt bekundete, daß Kastner zu den- jenigen Beamten gehörte, die es mit der Amtspflicht nicht besonders ernst nahmen. Kleine Gewerbetreibende und Land- wirte hat Kästner um ganz erhebliche Steuergelder betrogen, trotz- dem er als Beamter neben seinem Gehalt von 279 M. noch monatlich bis 100 M. Spesen hatte. Auch auf besondere Unterstützung?- gesuche erhielt er so nebenbei noch 770 M. vom„System", das er so sehr bekämpfte. Selbstverständlich war der Herr Standarten- sichrer„verschüttet", auch die Gasvergiftung durfte nicht fehlen, um leine Tot ins milde Licht zu setzen! Das Urteil lautete auf neun Monate Gefängnis! Das„Berussbeamtentum des Dritten Reiches" zeitigt schon jetzt die wunderschönsten Blüten. Was soll da erst werden, wenn einmal die Zeit der Fruchtreife kommen sollte? S Millionen Arbeiislose in LlGA. Gewerkschaftsleitung fordert Fünftagewoche. R- w Y o r k. 27. April. Räch Mitteilungen des Vorsitzenden des ameritani fchen Allgemeinen Arbeiterverbandes, Green, hat dir Zahl der Arbeitslosen in den Bereinigten Staaten 7»ftv 000 erreicht. Green empfiehlt die Einführung der fünftätigeu Arbeitswoche, um eine Milderung des j Massenelends herbeizuführen. Wieviel Berliner mögen wissen, daß auf den Straßen Berlins nicht weniger als SO verschiedene Sorten Pflaster vor- handen sind? Daß es so viele Arten von Pflaster in Berlin gibt, erfuhr man bei einer Presserundfahrt, die das Tiesbauamt dieser Tage veranstaltete. Den Anlaß zu dieser Besichtigung des Berliner Pflasters gab eine mit viel Druckerschwärze, aber recht wenig Sachkenntnis ge- führte Polemik in einem Teil der Berliner Press«, in der durchaus den Bürgern weisgemacht werden sollte, daß der Magistrat auch in Zukunft den so arg gelästerten„R u t s ch a s p h a l t" beibehalten will. Wie Stadtbaurat Hahn bei der Rundfahrt behauptete, und wie er oft genug unter Beweis stellen konnte, ist der Magistrat schon seit vielen Iahren dabei, das Berliner Asphaltpflafter, das sich wirt- schaftlich seit 60 Jahren von allen Pflasterarbeiten am besten be- währt hat, das aber jetzt bei dem gesteigerten Automobilverkehr besonders nach Regenfällen und noch dem Sprengen sehr glatt wird. durch Rauhasphalt zu ersetzen. Dieser Rauhasphalt ist eine Wissenschaft für sich. Was es da für viele Arten gibt und auch auf wieviele Arten man Rauhasphalt herstellen kann, das grenzt ans Unglaubliche. Die Stadt Berlin hat den alten Asphalt an vielen Stellen mit einer Teer-Asphaltschicht, der kleingeschlagenes hartes Gestein, sogenannter Splitt, beigesetzt ist. versehen lassen. Das ist ein immerhin kostspieliges Unternehmen gewesen, denn der Quadratmeter kostete der Stadt etwa l,40 M. und gehalten hat dieser Auftrag in Straßen mit starkem Verkehr höchstens zwei bis drei Jahre. Dann war er bis auf wenige Reste abgefahren. Man hat aber auch Straßen, die ganz neu gepflastert werden mußten, mit einein Asphalt belegt, dem von Anfang an Steinsplitt beigesetzt war. Da? ist natürlich das Allerbeste, denn da gibt es keine Auflogs, die abgefahren werden kann, weil der Splitt gleichmäßig durch die ganze Asphaltdecke geht. Wo es nötig ist, wird bei Neupflasterungen dieser Rauhasphalt verwandt: nun aber alle Asphaltslraßen Berlins mit einem Male aufzureißen und mit diesem neuen, nicht glattwer-denden Straßenbelag zu versehen, so wie es die Automobilisten gern haben möchten, das geht bei der mehr als prekären Finanzlage der Stadt natürlich nicht Am besten bewährt hat sich, wie Stadtbaurat Hahn bewies, das söge- nannte B r e s l a u e r P f l a st e r. Es besteht aus ziemlich großen Pflastersteinen aus schlesischem Granit, die, aus einer gehörigen Unterlage verlegt und mit Asphalt in den Fugen ausgegossen, ein schwer glattwerdendes Pflaster mit mindestens 2Sjähriger Lebens- dauer abgibt. Reparaturen sind bei diesem Pflaster, wie auch bei Rauhasphalt sehr kostspielig, aber auch selten nötig. Bei der sehr instruktiven Rundfahrt ergab sich etwa folgende?: Ein Pflaster, das absoluten Schutz gegen das Rutschen der Auto- mobile bietet, gibt es nicht. Jedes Pflaster, auch Rauhasphalt und Steinpflaster, wird bei starker Benutzung durch Automobile eine Oel- und Fettschicht ansetzen, die in Verbindung mit Waffer die Räder der Automobile und anderer Fahrzeuge zum Rutschen bringt. Man kann die Rutschgefahr natürlich herabmindern durch Ver- legung von Pflasterarten, die an sich rauher sind wie der alte Asphalt, den wir seit 60 Jahren auf den Berliner Straßen zu liegen haben. Nur werden sich die Berliner Automobilsahrer eben noch einige Zeit gedulden müssen, bis man erstens die beste Pflasterart in jahrelanger Beobachtung herausgesunden hat. und zweitens die Stadt Berlin das nötige Geld hat, um eines schönen Tages alle Berliner Straßen mit Rauhasphalt versehen zu können. Jedenfalls. und das war der Tenor der Ausführungen von Stadtbaurat Hahn. denkt die Stadt seit Iahren nicht mehr daran,„Rutschasphalt" zu verlegen. Neue Offensive Japans Ostmarsch der Armee Tem bestellten Hilferuf der sogenannten rnandschu- risrtzen Regierung folgt die neue Lffensive nach Norden und Lsten mit wohlvorbereiteter Tchnelligleit. Wie aus Eharbiu gemeldet wird, haben die Japaner gegen die irregulären Truppen, die in der Lst- und in der Nord- Mandschurei die neue mandschurische Regierung be- kämpfen, die umfangreichsten Operationen seit Beginn der chincsisch-japanischen Spannung im Dezember unternommen. Generalleutnant Hirose hat drei Brigaden gegen die Aufständischen entsandt, deren Zahl auf 20 000 geschätzt wird. Tie Brigade des Generalmajors Murai marschiert von Zmenpo auf Fangtscheng. Generalmajor Ioda marschiert ostwärts an der ostchinesischen Bahn, um sich der Brigade Murai anzuschließen. Generalmajor Nakamura fährt auf 22 Kanonenbooten, die von vier mandschurigen Kanonenbooten begleitet werde«, de« Sungarifluß hinunter. Sowjetrustland wird dieser Annäherung der j«rpa- nischen Truppen an die russische Grenz« mit begreiflicher Erregung folgen. Waffenstillstand um(Schanghai. Internationale lleberwachung London. 27. April.(Eigenbericht.) Arn Dienstagabend ist es endlich gelungen, den Waffenstillstand vor Schanghai abzuschließen. Alle Feindseligkeiten sind einzustellen. Di« chinesischen Truppen dürfen nicht weiter vorrücken, und die Japaner sollen bis zu den internationalen Niederlassungen zurück- gehen. Eine gemischte Kommission soll die Durchführung überwachen. Training .Mal Herkören' In dem Llebungstursus, Training für Landtag" wird nicht mehr allein Pultdeckelllappern und Tuten geübt, sondern— für alle Fälle— in der letzten Äiertelstunde: regierungsfähiges Benehmen'" Explosion in Großbrauerei. Ein Arbeiter getötet, zwei schwer verletzt. Dortmund, 27 April. Montag abend gegen 22 Uhr platzte im Kesselhaus der Dort, mundsr Aktienbrauerei ein Dampfleitungsrohr. Oer Wasserdampf aus diesem Rohr wurde tn die Feuerung eines in Betrieb befindlichen Dampfkessels gedrückt, vermischte sich dort mit Kohlenstaub, wodurch es zu einer Explosion in der Feuerungsanlagc kam. Die glühende Kohlen masse und der Wasserdampf wurden bei der Explosion aus den Feuerungstüren herausgepreßt und trafen drei Heizer, die lebensgefährliche Berbrennungen erlitten. Die schwer Verletzten wurden sofort in da» Hospital ge- bracht. Ein Heizer ist bereits seinen schweren Brandverletzungen erlegen. Auch bei den beiden anderen besteht wenig Hoffnung, sie am Leben zu erhalten. Waidmannsheil im(Sklarek«prozeß. Willy ENarek schoß aus Versehen einen Hasen. Zu Beginn der Verhandlung im Sklarek-Prozeß überreichte der Vorsitzende den Prozeßbeteiligten eine List« mit weiteren 29 Zeugen, die auf Grund der Beweisanträge der Verteidigung geladen werden sollen. Unter ihnen befinden sich der deutschnationale Landlagsabge- ordnete Könnecke, der Kämmerer Lange, die Mitglieder des Union-Clubs Felix Graf».Bredow und Freiherr vonTepper- L a s k i, die über den Ruf der Sklareks beim Turf aussagen sollen, schließlich Staatsanwaltschaftsrat W a s m u n d. Als Zeuge wurde dann der Sklareksche Förster aus Waren, Ebner, gehört, der be- kündete, daß die Sklareks vonderIagdkeineAhnung hatten, die deshalb zunächst von Staatsanwalt Wasmund und Stadtbank. direktor Schmitt, der sich für einen großen Jäger hielt, betreut wurden. Willy Sklarek habe nur einmal einen Hasen geschossen, aber auch nur aus Versehen, Leo habe gar nicht geschossen, sei aber immer mit der Büchse herumgelaufen.(Heiterkeit.) Es gab dann eine Debatte über die Frage, ob Schmitt wirklich ein waid- gerechter Jäger sei, Schmitt hatte die Gehörne der von ihm erlegten Böcke mitgebracht, so daß aus dein Zeugentisch eine kleine Geweih- ausstellung veranstaltet wurde, der Förster erklärte aber, daß es schade um die Böcke gewesen sei, weil sie noch nicht schußreif und viel zu jung waren. „Zeppelin" wieder in Friedrichshofen. Friedrichshasen. 27. April. Das Luftschiff„Gras Zeppelin", das um 2.35 Uhr Bafel überflogen hatte, erschien um 3.S5 Uhr über dem Landungsplatz. Die Landung vollzog sich glatt um 5 Uhr. Die Fahrzeit bis zum ersten Erscheinen des Luftschiffes in Friedrichshafen betrug 96 Stunden 60 Minuten. An Bord befanden sich 14 Passagiere und 130 Kilo- gramm Post. Oer Wahttampf in Krankreich. 3600 Kandidaten für die Kammer. Pari», 27. April.(Eigenbericht.) Die Zahl der Kandidaten zu den Kammerwahlen beträgt nach Mb teilung de? Innenministeriums 3617 tzegen 373S bei den vorigen Wahlen. Den Rekord stellt der Wahlkreis St. G u r o n s auf, wo nicht weniger als 8S Kandidaturen angemeldet sind. Einstürzender Justizpaiaff. Paris, 27. April.(Eigenbericht.) Der Justizpalast von B a st i a auf Korsika wird völlig geräunit wccden. Nach den Feststellungen der Bausachverständigen droht auch ! der südlich« Teil des Gebäudes einzustürzen. Sämtliche Gerichts- ! oelhandlunyen wurden bis auf meitcres verlagt. Die Präfektur prüft � die Möglichkeit, das Gcrichi in einem anderen Gebäude unter- � zubringen. weller sür Berlin. Wolkig und am Tage etwas kühler, schwache Lusldeweaung, zeitweise etwas Regen.— Für Deutschland. In Südost-, Mittel- und Rordwestdeutschland etwas Regen, im übrigen Reiche heiter bis wolkig, in Norddeutschland etwas tiefere Tages- temperaturen. Oachstuhlbrande. In der Serlichingen- und in der Sickingenstraße. Zn den Heuligen frühen Morgenstunden war die 5 e u c r- w e h r mil einem großen Ausgebol von Löschzügen zur gleichen Zeil an zwei Stellen mit der Bekämpfung gefährlicher Vach stuhlbände beschäftigt. Gegen%3 Uhr loderten aus dem Dachstuhl des Seitenflügel« Sickingen st raße 3 in Moabit plötzlich die hellen Flammen empor. Bevor die Gefahr von Passanten bemerkt wurde, die durch den Feuerschein aufmerksam wurden, hatten die Flammen bereits den größten Teil- des Dachstuhls ergriffen. Mehrer« Züge der alarmierten Feuerwehr hatten bis ö Uhr mit den Löscharbeiten zu tun. Der zweite, weitaus größere und gefährlichere Brand kam kurz vor 4 Uhr im Dachstuhl des Norderhauses B e r l i ch i n g e n st r. l3, gleichfalls in Moabit, zum Ausbruch. Meterlange Flammen schössen S>er brennende 3)achUuhl Sterlichingenftrafle aus den Dachluken hervor. In kurzer Zeit war der obere Teil des Wohngebäudes derart in Flammen gehüllt, daß die Wehren Müh« hatten, die mechanischen Leitern, über die der Löschangriff vorge- nommen wurde, an die richtigen Stellen zu manövrieren. Starker Feuerschein tauchte die nähere Umgebung des Brandherdes in Tages- hell«. Die Bewohner des Unglückshauses und der Nachbargrund- stücke waren in ganz kurzer Zeit sämtlich aus dem Schlaf geschreckl, die ganze Gegend war in höchster Aufregung. Eine Zeitlang be- stand für die angrenzenden Dächer große Gefahr. Den angcstreng- ten Bemühungen der Feuerwehr unter Leitung des Oberbranddirsk- tors G e m p p, die mit fünf Löschzügen arbeitete, gelang es jedoch, die Flammen auf den brennenden Dachstuhl zu beschränken. Bis in die Vormittagsstunden hinein waren die Wehren mit den Ab- löschungs- und Aufräumungsarbeiten beschäftigt. In beiden Fällen war es bisher nicht möglich, die Entstehungs- Ursachen der Bründe zu ermitteln. Die kriminalpolizeiliche Unter- suchung ist noch nicht abgeschlossen. Oer neue Tauber-Kilm. Titania-Palast und Atrium. „Der Tenor in allen Lebenslagen" oder„Zwei Tage aus dem Leben eines berühmten Tenors" wären ebenso passende Titel für den neuen Richard-Tauber-Film wie der wirklich gewählte: „M elodie der Liebe". Aber auf den Titel kommt es ja schließlich nicht an und auf die Handlung auch nicht so sehr, obwohl sie hier besser gemacht ist und die Situation nicht allzu gewaltsam herbeigeführt sind, um dem Sänger Gelegenheit zu geben, mit seinen Liebesgesängen das Herz seiner Anhängerinnen zu berücken. Georg Jacob y hat sich mit Geschick und Geschmack aus der Affäre ge- zogen, auch ein paar gute fllmische Einfälle verwendet, so kann der berühmte und reiche Kammersänger Hoffmann seine vier Lieder von Fritz Rotter(Mufik von Walter Jurmann und B. Kaper) in einem stets angepaßten Milieu zu voller Geltung bringen. Als Volksliedsänger, als Liebeswerber, im Kinderlieb und in der Schlußarie des Caravadcffi(in„Tosca") eirtfaltet Tauber den Glanz und die Weichheit seiner Stimme. Der Regisseur sorgt dafür, daß der Gesang im Film nicht allzu monoton wird, durch den An- teil der Zuhörerschaft, durch komisch« Zwischenfälle oder auch durch die Entfaltung von Landschafts- und Städtebildern, die de» Welt- rühm des Sängers symbolisch andeuten. Es braucht nicht extra ge- sagt zu werden, daß Tauber auf der ganzen Linie siegte, daß der Beifall bei offener Szene wiederholt einsetzte, und als der Sänger nachher in Person auf der Bühne erschien und seine Schlager noch einmal sang, war des Jubels kein Ende. Der Kammersänger wird in seinem Glanz und in seinem Elend gezeigt. Aller Bühnenerfolg kann ihm nicht darüber hinweghelfen, daß sein Wilwerherz vereinsamt ist. Leicht erringt er neue Liebe, aber ste gilt nur seinem Ruhm und seinem Reichtum. Seine kleine Tochter führt ihm mit ihrer Freundin ein Mädchen zu, das endlich in ihm nur den Menschen liebt. Nach den Qualen untr Niederlagen seiner letzten Liebe wird sie ihm eine holde Trösterin. Der Tenor als Ausbeutungsobjekt ist vielleicht eine neue Nummer, aber diese Rolle ist so unwahrscheinlich und schlecht anqelegt, daß sie— zumal in der gewählten Darstellung— an die Karikatur streift. Sonst hat der Regisseur es um so besser verstanden, seine Darsteller ins rechte Licht zu rücken. Welch prächtiaen Humor brinat Dzöke Sza- fall mit sich, der überall— als Schwager und Aufstchtsorgan des Tenors— dafür sorgt, daß zu all dem sentimentalen Wesen ein Gegengewicht geschaffen wird. Di« kleine Petra Unkel spiest das verwöhnt« und selbstbewußte Kind mst besonderer Sicherheit. Lien Deyers, die Trösterin, hat freilich kaum andere Gelegenheiten. als schön und sympathisch zu sein. Alz Nebenfiguren kommen Karl E t l i n g e r, Ida W ü st, Adolf W o h l b r ü ck kräftig zur Geltung. Die Abfahrt des Amerikadampfers bringt gute filmisch- Wirkungen. r. Oer Sie, Absage an die Neben der weltpolitischen Bedeutung der Preußenwahlen war es vor allem der Kampf um Wien, der am letzten Sonntag das Interesse der politischen Kreise fand. Wien nimmt ja unter allen Großstädten eine einzigartige Stellung ein. Sie ist die erste Groß- stadt, die seit einer Reihe von Jahren von einer festen sozialdemo- kratischen Mehrheit verwaltet wird. In Wien haben die Sozial- demokraten zu zeigen vermocht, was sie können. Eine Fülle sozialer Reformwerke entstand, die die alt« Kaiferstadt am Donaustrando völlig umgestalteten. Das neue Wien ist trotz der Ungunst der Zeiten zu einer Stadt der Arbeit, zu einer Stadt blühenden Lebens und hoffnungsvollen Aufstiegs geworden. Natürlich konnte in Wien die kapitalistische Gesellschaftsordnung nicht beseitigt werden, denn es ist klar, daß das allein in einer Stadt oder allein in eine in Lande nicht möglich ist. Aber was innerhalb der— leider— vorläufig noch bestehenden kapitalistischen Weltordnung ffir die Arbeiterklasse geschaffen werden konnte, ist in Wien geschaffen oder wenigstens angebahnt worden. Deshalb gilt Wien als ein Symbol des Ausstiegs der Arbeiterklasse. Die ganze proletarische Welt, aber auch nicht geringe Teile des Bürgertums, sehen gespannt auf das, was in Wien geschieht. Ge- tragen von der Achtung und Liebe des internationalen Proletariats, aber umbrandet vom giftigen Haß der kapitalistischen Klassen, geht das rote Wien seit mehr als einem Jahrzehnt seinen Weg. Nun hatte am vergangenen Sonntag das Post van Wien die Frage zu entscheiden, ob es den bisherigen Kurs beizubehalten oder einen anderen zu steuern wünscht. Die Antwort ist mit erfrischender Deutlichkeit ausgefallen. Die Mehrheit der Sozialdemokraten im Wiener Gemeinderate ist nicht nur gehalten, sondern sogar noch b e- festigt worden. Mit 66 von 100 Mandaten verfügen die Sozial- demokraten über«ine gegenüber dem bisherigen Zustande nach um ein Mandat erhöhte Mehrheit. Wien bleibt rot— das ist dos stolze fteudige Ergebnis des Wahltages! Nicht minder bedeutsam als der Sieg der Sozialdemokraten ist die Niederlage der Wiener Christlichsozialen. Diese Partei möchte sich außerhalb Oesterreichs gerne als eine Bruderpareti des deutschen Zentrum» auffpielen. Sie ist es aber nicht. Geführt von Ignaz Seipel und dem H«er«sminister Earl V a ii g o i n scg«ln die österreichischen Ehristlichsozialen seit Iahren im Fahrwasser des Faschismus. Sie find es, die die Heimwehrbanden großgezogen haben. Sie sind es, die jede Gewalttat und jedes Verbrechen der Faschisten deckten. Die„Demo- kratie" der Christlichsozialen ging nur so weit, wie das den Macht- mteressen der besitzenden Klassen entsprach. Ihr Haß gegen die Sozialdemokratie war ungleich größer als ihre Liebe zu einer ruhigen, demokratischen Entwicklung. Deshalb formte Seipel die Mozaris„Entführung" neu inszeniert. Städtische Oper. Es ist schwer, Mozart zu spielen: keines anderen Werk kennt so wie seines den kategorischen Imperativ der Vollkommenheit, jener letzten Bollkommenheit im Geistigen und Sinnlichen, vor der so schätzenswert« Dinge, wie handwerkliche Tüchtigkeit und lobenswertes Wollen wertlos wird. Es ist immer von neuem schwer, von Paul Breisach, dem Dirigenten, zu sagen, daß er all die schätzenswerten Eiaenschasien zwar besitzt, leider aber auch die geforderte Bollkommenheit nicht zu erreichen vermag. Sorgfältig studiert ist das alles, klug gedämpft, köstlich getönt, sauber und tadellos gearbeitet— und gibt doch keine Erfüllung. Woran liegt es nur? Hauptsächlich wohl an der Be- ziehung der Tempi zu einander, an ihren viel zu geringen Kon- trasten, die ja für jeden Komponisten und jede Oper charakteristisch sind— weniger theoretisch ausgedrückt: Breisach fehlt der Sinn oder die Hand oder auch nur der Mut für das Uebermütigkecke, das Aus- gelassene, für das Champagnerprickelnde dieser Musik: da ist alles eine Spur zu schwermütig, einen Hauch zu gleichförmig und vieles einfach zu langsam. Das innere Spieltempo war es oft auch, ganz im Gegensatz zu dem äußeren Geschehen, das das Buffoneske stark betonte, ja über- trieb und manchmal damit hart bis an die Grenzen des Geschmacks geriet. Karl E b e r t, dem die Neuinszenierung zu danken ist, hat als Regisseur— in Einzeleinfällen wie szenischer Zusammen- fassung— viel Schönes geleistet, wird aber von seinen ffaupt- darstellern(was das Spiel anlangt, keineswegs im Singen) viclsach im Stich gelassen. So singt Margarita P e r r a s die Constanze mit kühler Vorsicht und virtuoser Gelasienheit, Fidesser ten Belmonte mit vorsichtiger Kühle und gelassener Virtuosität— es wird einem nicht warm bei all der absichtlichen oder unabsichtlichen Zurückhaltung, bei all dem vornehmen Mangel an Leidenschaft und Herz. Das lustige Paar, die E i s i n g e r und G o m b e r t als Blonde und Pedrillo, leiden an dem entgegengesetzten Mangel wie das dramatisch-sentimentale: sie spielen lebendig, oft spritzig und witzig, reichen aber(insbesondere Gombert) gesanglich nicht immer zu. Eduard K a n d l, der die Partie des Oswin in letzter Minute übernehmen mußte, führt sie, stimmlich auch er nicht ganz zureichend, als derbe Harlekinade glänzend durch. Unmöglich und störend, das sei bedauernd festgestellt, ist Fritz Reiffs Selim Basia: obzwar er nicht zu singen hat, gibts nichts als falsche Töne. Die Bühnenbilder stammen von R e i n k i n g und sind wunder- schön, einfach und eindrucksvoll: maurische Marmorfassaden, dunkle' B-umsilhouetten und eine glitzernde Fontaine gegen hellblauen Himmel und tiefblaues Meer. Das Mitspielen der Bühne(die weg- gleitenden Treppen der ersten Szene, die vorüberparadierenden Paläste der letzten) ist vielleicht überflüssig, widerspricht ober Much- aus nicht Mozarts Theaterempjinden, so wie wir es heute wcnig- stens zu verstehen glauben: und fügt sich zwanglos dieser Mozart- interpretation, die der Städtischen Oper und insbesondere ihrem Intendanten alle Ehre macht: ist sie auch noch nicht am Ziel, so ist sie zweifellos auf dem besten Wege dahin. A. W. Oer neue Leiter der Volksbühne. Heinz Hilpert, der neu« künstlerische Leiter der Volts- bühne, hat in der Presse einen guten Empfang gesund«». Die „Vossische Zeitung" widmet ihm folgende Worte: „Als künstlerischer Direktor ist Heinz Hilpert gewonnen worden, ein Spielleiter, der an Reinhardts Bühne schnell� zum eigentlichen Beherrscher des Deutschen Theaters aufgestiegen ist. Dem Lehrer- beruf früh entronnen, hat sich Hilpert, ein robuster Mann pon zu- packender Energie, der Szene und ihrer Mittel bemächtigt. Wolfgang Goetz'„Gneisenau" war sein erster, Zuckmayers.�Hauptmann von Köpenick" fein letzter großer Erfolg. Je mehr Reinhardt sich in den z in Wien Seipel-Partei antimarxistische Einheitsfront, in der sich alles zusammenfand, was es an reaktionärem Eifer, spießbürgerlicher Enge und fanatischem Sozialistenhaß in Oesterreich gab. Nun hat der letzte Wahlfonntag über diese Politik der Verblen- dung das Urteil gesprochen. Die von den Christlichsozialen sorgsam gehätschelten Faschisten haben ihnen selbst den Fußtritt gegeben. was Seipel und Daugoin cesäel haben, ernlel Adolf Hilter. Die Christlichsoziale Partei, seit vielen Jahren die unumstritten größte und führende Partei des Bürgertums, hat ihre wichtigsten Positionen verloren. Sie hat in Wien rund die Hälfte ihrer Stimmen und Mandate an die Nationalsozialisten abgeben müssen. In der Stadtverwaltung werden sie künftig- hin wenig dreinzureden haben: denn sie mußten übendies samt- l i ch e B e z i r k s v a r st e h e r st c I l e n, die bisher von ihnen besetzt waren, an die Sozialdemokraten abtreten. Aber noch mehr: ihre Wiener Niederloge erschüttert auch die Stellung der Bundesregierung. Im Bundesrote, der ersten Kammer Oesterreichs, hören die Ehristlichsozialen, die dort bisher die Mehrlzeit hatten, auf, die stärkste Partei zu sein. Damit wird die Stellung der Regierung, die auch im Nationalrat nur eine Minderheit hinter sich hat, unhaltbar. Eine schwer« Regierungskrise wird nur noch ganz kurze Zeit auf sich warten lassen. Auch in den einzelnen Bundesländern, in denen Land- tagswahlen waren, ist die Stellung der Ehristlichsozialen geschwächt worden. Sie verlieren die bisher besessene abjoiutc Mehrheit in Niederösterreich und Salzburg. Die Nutznießer sind auch dort die Natioiialsozioiisten. Die österreichische Soziaidcmolratie wird von nun an mit den Nationalsozialisten als einem sehr ernstzunehmenden Geg- ner rechnen müssen. Wohl ist den Nationalsozialisten nirgendwo der Einbruch in die sozialdemokratischen Wählermassen gelungen. Aber sie sind nun auch in Oesterreich zur größten Partei des städtischen Bürgertums geworden. Zwischen der Sozialdemokratie und dem faschistischen Nationolsozialismus wird in den nächsten Jahren der Hauptkompf in der politischen Arena Oesterreichs ausgefochten werden. Die Sozialdemokratie kann diesem Kampfe um so zuversichtlicher entgegensehen, als chr„F«ind im Rücken", die Kommunisten, eine arge Blamage erlitten. Im roten Wien, in dem di« Sozialdemokratie 682000 Stimmen auf ihre Kandidaten oereinigte, erreichten die Kommunisten rund 20 000 Stimmen! Und dieses kläg- lich« Resultat trog des Druckes einer schweren Wirtschoftskris«, trotz Zehntausenden von Arbeitslosen und trotz einer wahrhast besessenen wüsten Schmpsorgie gegen die Sozialdemokratie! Die Fahne des demokratischen Sozialismus flattert stolz aus den Zinnen des Wiener Rathauses. Zuversicht belebt und stärkt unsere Reihen. Nun geht es vorwärts zum Kamps um den Staat! Julius Deutsch(Wien). letzten Jahren zurückzog, desto stärker ist Hilpert in den Vordergrund getreten, ein Spielleiter, der an klassischen Aufgaben gelegentlich scheiterte, der aber im modernen Drama mit dem Schauspieler zu arbeiten und Massen zu gliedern wußte, ein Regisseur mit sicherm Instinkt und mst derbem Sinn für Humor... Hilpert versteht die Zeichen der Zeit, und er steht fest genug in seinen Schuhen, um sich nicht von jedem Wind des TaHes umwerfen zu lassen— zwei wert- volle Gaben für den Leiter einer Bühne mit dem schönsten Theater- haus und mit dem willigsten, erfreulichsten Theaterpublikum unserer Stadt." Auch das„Berliner Tageblatt" begrüßt den neuen Mann sehr freundlich: „Heinz Hilpert, als künstlerischer Leiter der Volksbühne, dos ist eine Gewähr dafür, daß das Haus am AAowplatz im Theater- leben Berlins konkurrenzfähig bleiben wird... Hilpert, der zuerst und nachdrücklich von seinem Vorgänger Karlheinz Martin für diesen Posten«mpfohlen wurde, hat in Berlin als Regisseur der„Jungen Bühne" begonnen, dann kam er über verschiedene andere Bühne» schließlich ans Deutsche Theater, wo er in den letzten Jahren mit vielen erfolgreichen Inszenierungen hervorgetreten ist. Hilpert Hot Theaterblut, hat auch Erfahrung. Er wird in der Voltsbühn««in großes Betätigungsfeld vorfinden." Oer planet Venus spricht im Rundfunk. Den amerikanischen Rundfunkhörern wurde türzllch Gelegenheit gegeben, wenigstens ein« Not« aus der berühmten „Musik der Sphären" zu oernehmen, und zwar war es ein sehr hoher Ton wie von einer Moline, der von nie- mandem anderen als dem Planeten Venus ausging. Dieser Ruf der Venus wurde oou dem New-Porker Radio gesandt, und.zwar mit Hilfe einer Apparatur, die der Prof. Sheppard von der New-Vorkcr Universität erjopnen hatte. Obgleich Wolken sich am Himmel zeigten, leuchtet« die Venus, die in diesem Jahr« besonders deullich zu sehen ist, mit großer Klarheit, und der Lichtstrahl des Planeten wurde von einem Fernrohr aufgenommen, das ihn wieder an ein« photo-elek- irische Zelle weitergab, von der er in einen Ton verwandelt wurd«, der durch das Mikrophon des Rundfunks verstärkt wurde. Auf diese Weise entstand«in langanhaltender hoher Ton, der sein Fortissimo erreichte, als die Umdrehung der Erde den Lichtstrahl der Venus direkt in das Fernrohr fallen ließ, während er langsam verNang, als di« Erdbewegung das Fernrohr aus dem Bereich des Planetenlichtes brachte. Noch andere merkwürdig« Versuche wurden mit Hilfe des„elek- irischen Aug«»", wie man diese Zelle nennt, vorgenommen. Es wurden nämlich Farben in Töne verwandelt. Die amerikanische Flagg« rief aus diese Weise einen wirren Lärm hervor, der wie das Durchein- anderspielen eines Orchesters ohne Dirigenten klang: ein« Zigorr« rief ein heiseres Räuspern hervor, während eine Strumpfmasche wie das Brummen eines Bären klang. D>e Berliner Philharmoniker in Paris. Die Berliner Phil- harmoniker gaben am Dienstagabend in der Großen Oper unter Leitung Furtwänglers ibr erstes diesjähriges Konzert, das sich, wie alljährlich, zu einem Höhepunkt der Musiksaison in Paris gsstcilletc. Auf dem Programm standen die Haydn-Sinfoni« in Oilltoll, Fragmente aus„Romeo und Julia" sowie die Ouvertüre aus„Der römische Karneval" von Berlioz und die 5. Sinfonie von Beethoo«,,. Das Publikum war begeistert. Amerika sperri die ausländischen Künstler au«. Da» Repräsen- tantenhaus, wie aus Washington gedrahtet wird, hat mit 86 gegen 18 Stimmen eine Vorlage angenommen, di« alle ausländischen Schau- spieler und Artisten, soweit sie nicht infolge außerordentlicher Leistun- gen Anspruch auf Ausnahmebehandlung haben, von den Vereimgten Staaten ferngehalten werden sollen. I« Theater de« Weste»« gelangt ab Freitag„Der Raub der S a v i»« r i n n« n" mit Josef Plaut, Hansi Arnstadt, Lotte Neu» mann, Kurt Bospermann u. a. zur Äufführmig. Geschlossenheii der Gastwirisgehilfen. Einmütig für die gewerkschaftlichen Korderungen. Dic Verhandlungen zum Neuabschluß des Lohn- und Mantel- tarisvertrages der Angestellten des Berliner Gastwirtsgewerbes sind, wie der Berliner Bevollmächtigte des Verbandes der Hotel-, Nestnurant- und Coseangestelltcn, Genosse Schneider, Dienstag- abend in einer gut besuchten öfentlichen Versammlung der Berliner Gastwirtsangestellten mitteilte, msolge des Widerstandes der Unter- nehmer gegen eine unveränderte Verlängerung des Tarises gescheitert. Lohn- und Mnnteltarif für das Berliner Gastwirtsgewerbe sind von den Unternehmern zum 30. April gekündigt worden, um diese Verträge einer gründlichen Revision zugunsten der Gastwirte und Hotelbesitzer unterziehen zu können. Von den Abbauforde- rungen der Unternehmer bleibt kaum ein für die Gastwirtsangestellten wichtiger Punkt in den Tarifverträgen unberührt. Abbau des U r- l a u bs um ein bis zwei Tage, Herabsetzung der Urlaubsbezah- l u n g auf 3 M pro Tag für das männliche Bedienungspersonal und aus Z M. für die Serviererinnen, Verrechnung des Garantie- l n h n e s nicht mehr monatlich, sondern vierteljährlich,„angemessene" Kürzung der L ö h n c der Hoteldiener, Zimmermädchen usw., das sind die duftigsten Blüten aus dem Abbaubukett der gastwirtschaftlichen Unternehmer. Der Zentralverband der Hotelangestellten hatte den Unter- nehmern durchaus zeitgemäße Gcgenfor de rungen unterbreitet, von denen die Unternehmer aber nichts wisse» wollten. So hatten die Vertreter der Gastwirtsangestellten die dringend notwendig? Einschränkung der Lehrlingshaltung gefordert, weiter die Begrenzung der reinen Arbeitszeit aus acht Stunden täglich, die Meldepflicht offener Stellen beim Arbeitsnachweis. die Streichung der sogenannten Verfnllklausel im Tarifvertrag und noch einiges mehr. Die Aufstellung dieser Forderungen, deren Erfüllung sür ein fortschrittliches Unternehmertum in der heutigen Zeit eine Selbswer- ständlichkeit sein müßte, wurde von der Versammlung lebhast be- grüßt. Bei den Unternehmern sind diese Forderungen jedoch auf so heftigen Widerstand gestoßen, daß die mit ihnen geführten Tarif- Verhandlungen nach verhältnismäßig kurzer Zeit scheiterten. Heute beginnen vor dem Schlichtungsausschuß Vorvcr- bandlungcn zur Beilegung dieses Lohn- und Manteltarifstreites. In der ösfentlichc» Versammlung wurde nicht ein Wort der Kritik und des Mißtrauens laut gegen die Organifationsleitung und ihre bis- herigo Haltung während der Tarifbewcgung gegenüber den Unter- nehmern. Trotz ausdrücklicher Aufforderung meldeten sich keine Gegner des freigewerkschastlichen Zentralverbandes der Hotel- angestellten zum Wort. Die Krise in Nordamerika. Erneute Korderung der Fünftagearbeitswoche. New Jork. 27. April.(Eigenbericht.) Der amerikanische Gewerkschastsbund beziffert die Gesamtzahl der Erwerbslosen in den vereinigten Staaten auf 7 3 5 0 0 0 0 und stellt fest, daß im April zum erstenmal eine Zunahme gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen ist. Zm April l9Z1 seien 280 000 Ar- beitslose wieder in Beschäftigung gekommen, während diesmal eine Zunahme der Arbeitslosen um(00000 zu verzeichnen sei. Der Präsident des Gewerkschaftsbundes weist in einer Er- kläruog aus die Verschärfung der Krise hin und fordert erneut die Einführung der Aünstagewoche. Rundfunk am Abend Mittwoch, 27. April. Berlin. 16.05 Akt. Abteilung. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.20 Junge Menschen unterhalten sich über den Film„Das blaue Licht"(Ltg.: Dr. Kloidt.) 18.00 Cembalo-Musik. 1. Joh. Kuhnau(1660— 1722): Jakobs Heirat. 2. Couperin (16�1—1703): Festlicher Aufzug der Zunft der fahrenden Sänger.(Anna Linde.) 18.30 Dr. K. H. Lajige; Rechtsfragen im gewerblichen Verkehr. 18.55 Die Funkstuude teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Tanzabend. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Zum Zyklus(1789— 1815):..Rettungsoper". Einleitende und verbindende Worte: Prof. Dr. Oscar Bie. Dir.: Selmar Meyrowitz. 22.20 Zeitbericht.„Irland".(Bearbeitet von Actualis.) 23.00 Wetter, Nachrichten und Sport. Abendunterhaltung. Königswusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk. Ruth v. d. Leyen: Die Heilpädagogik und ihre Bedeutung für die Normalpädagogik. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Staatssekretär Dr. Krüger: Die Bedeutung der Siedlung für den deutschen Osten. 18.00 Musik und Rasse.(Einführung: Dr. Guido Waldmann; am Flügel: Lili Kroeber-Asche.) 18.30 Prof. Kurt Krause: Pflanzengesellschaften unserer Heimat. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Min.-Rat Tejessy: Beamtenanwärter und psychotcchnische Eignungsprüfung. 21.10 Breslau: Schlesischer Kalender. e Buch Jtendrik ran£oon:'Der llebenvirkliche Fast alle romanhaften Biographien großer Menschen kranken an der Kleinheit ihres Maßstabes! die unmittelbare Gegenwarts- nähe, in die die Romanform sie bringt, ist unseren Augen zu nahe, dem Fassungsvermögen des Autors ober zu fern gelegen.(Kein wirklich großer Dichter hat solchen Schrittmacher seiner Eitelkeit und vom Genie erborgten Prunk für seine Helden gebraucht!) Das Rembrandt-Buch Hendrik van Loons, unter dem nicht ganz schönen Titel„Der Ueberwirklich e"') vermeidet mit Geschick die peinlichen Klippen, indem er die Form einer Selbstbiographie eines seier Vorfahren zur Zeit Rembrandts wählt. Es ist an sich gleichgültig, ob dieser Dr. Jan van Loon im 17. Jahrhundert gelebt hat und mit Rembrandt befreundet war. Tatsache ist, daß die Fiktion mit dichterischer Phantasie durchgeführt ist und damit eine sehr wohltuende Distanz zu dem eigentlichen Helden erreicht wird. weil die Ichform naturgemäß die Nebenperson des Dr. van Loon ins hellste Licht stellt und die Gestalt des großen Malers innerhalb eines fesselnden Zeitbildes aus dem Amsterdam Spinozas und Jan de Witts beiläufig mitgehen läßt, mit wachsender Anteilnahme a» seinem Geschick, da wo es sich zur Tragödie wendet, seit dem Tode Saskias So wird historischer Abstand gewahrt und seine Umwelt doch sehr lebendig und farbig gestaltet, bei größter Treue der Tat- fachen in Rembrandts Leben. Ein gutes und interessantes Buch. _ Paul F. Schmidt. *) R. Mosie-Verlag, Berlin, 7.— 16. Auflage. Deutsch von Gustav Schultze-Buchwald. Vrrantwortl. sür die Ziedaltion: Ziich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Slocke Berlin. Perlna: Vorwärts Verlag(5 m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SäB 68, Lindenstr. 3 Kieri» 1 Beilage. Bekanntmachung. Gemäß Beschluß des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft vom 26. April 1932 wird für das Geschäftsjahr 1931 auf die Vorzugsaktien Serie I, D und\ eine Vorzugsdividende von 7 Proz. verteilt. Die Restdividende (3)4 Proz.) wird ab 29. April 1932 ausgezahlt. Hierbei gilt 1 Goldmark gleich l Reichsmark. An die Inhaber von Zertifikaten Gruppe T, II und A der Reichsbank über Vorzugsaktien Serie IV, V und I der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft wird die Restdividende, die auf die durch die Zertifikate vertretenen Vorzugsaktien entfällt, unverkürzt auf Dividendenbezugsschein Nr. 12 bzw. Nr. 8 bzw. Nr. i vom 29. April 1932 ab bei den für die Einlösung vorgesehenen Zahlstellen ausgezahlt. Berlin, den 26. April 1932. Deutsche Reithsbahn-Gesellschafl. Hauptverwaltung. Dr. Homberger. Reichsbank-Direktorium Luther. Dreyse. liaals Theater Mlttwodi, den 17. April staalsoper unter den Linder 20 Uhr FaBstaff •alle Seines. GM. 5».8i6,Slgs.2,5a.8i5|.: DerVogelbändler Dei gr.Ertelgei wegen 1 DU«. Hai wiagertz Theater a.noilendortplatz Pallas 1051 Nur nodi wsnige Tage! ■s1,* Uhr, Stg. 4�4 Uhr Traneinerlklil Operette in 3 Akten Regie: Heinz Saitenburg Rundfunkh. halb.Pr Stgs. 434 Uhr kl. Pr Rose- Theater jiett rrukfirttr Streit 13' Tel. Wtita«; E 1 Wl 5 und 0 Uhr Die Frau. die jeder sudii SfädLOper Charlottenhurg Bismarckstraße 34 Mittwoch, 27. April Turnus IV Die DWM Reinmar, Rode, Müller, Eisinger. Kandl, Gombert, Gonszar Anfang 19.30 Uhr Ende 23 Uhr VoiKSDUtlfie Theater am Slllowplah 8 Uhr Kamrad Kasper fP Itagung* Kestairant Berlins BETRIEB KtMPIHSKIlJ Win�r (Zarten 3.15 Uhi flora 3434 Sandten erlaubt Variete-Revue .,Fünf im Käsewageu1* mit Ehrlich. Halmay, Morgan. Thelmer, Söneland usw. Slaatl. Sdiiller- Theater 8 Uhr Die Journalisten. Jtiichen auch bis 18 Monats-Raten Berlin W8. leipziger Str. 122-123 ßefMfis-JbijMger � (BezivSz füden-TVefien VOLCK& GNÄDIG Reparatur-Werkstatt mit eigener Schweißantage für graph. Maschinen Rotations-, Tiefdruck- und Offsetmaschinen Umzüge kompletter Druckereien Berlin SW 61, Qitschiner Str. 15 Tel.: F I, Mpl. 36 77.— Nachtanruf: Q S, Südring 323 und (234 F 2. Neukölln 4659. VMMa (Rartonpaduing) für WM.«e und Baushall das Billigste! BuGiMerei Mtf 6.10.111 IBHt-MatleiiDiirg s sopme-emte-strafle 15 Am Bahnhof Westend/ C4. Will). 3225-26 alousie-fabrlb Seit 1010 '241 Ernst Garff, Inh. E.& J. Gart SO. 38. ßriizer Str.?. Tel. F l Moriizpi. 3a?G Ber.m Mariendorf. Ralhausstr. 63. Tel. G 5 Südring 5647 Spezlal-Ansliliiruniicn von Sletllunns- iiml Klein- iiHüser», aearlieHung von Proleliten o.Eniffiirlen Palentanrtl. gesch. Fuüboden- a. Putzträgerkonstruktionen Qläß& 9hle lUafdiSnenbau und Xeparalur WerkjlaU für grapMfche Vlafchlneu SSerlinS'W 68,Jllexandrinmftr. 24/25 fDeL:"ßlinhofi 9309 flarhlruf: Maerrrald 2592 'c.)lartseil, Wäsche-Verleih Tel.: Moritzpl. F. 1, 0918, S 42, FUrstenstr 20 Wasshe aller Art Gute Bescbafrenheit, kulante Bedingungen! RingfreieTapetenfabnk Hermann Meißner S 14, Hauptgeschäft u.Zentrale: Alte Jakobstr. 81 82 berliner Zillalen; W 9, Potsdamer Str. 33 a CEcke Läpowstraße. O 17, Blumenftr. I(Ecke Aleranderltraste) S S9. ltondusser Damm 29/30(um Hermannplatz) NW II, Turmstrage 31 N 55, Schonhauier Allee 1223l(am Sonhie-Charlotte-Platz) Lichtenberg. Frautsurier Allee 231 Potsdam(Brandenburq. ticke Waisenliraßei FadrUr In Rüdendorf, Kreis Niederbarnim BERLINER ELEKTRO HÜTTE BERLIN SO 36, ELISABETH-UFER 5-6 BERLIN-TEMPELHOF, ATTILASTR. 10 Unser gemeinwirtschaftliches Unternehmen bietet die größten Vorteile bei Installationen u.dem Bezüge von Beleuch tungskörpern, Radio u.and. elektrotechn. Bedarfsartikeln BAUHUTTE BEBUMopboh Restaurant Walther'sLucnUns Belle- Alliance-PIais 16 GntbfirBerlidier MUtaBOUdi BesitepiieBteBierezu soliden Preisen idilunti Haoslrauen! SttünkentilnlßrUeine Pld. 20 a.23Pf. Söiwclneknoflißn 3 Pld. 25 PI. sowie täglich IrislliR SßlWülllCSItlvtDie und Sdiwelneiilipdicn zu billigsten Preisen WursifabriK Laestte Petersburger Platz 8 In allen Datier- und Kasegesdiäftcn za haben. 102 ERLIN S 14/ WALLSTRASSE 63 ERNSPRECHER: F 7. 6771 Dacbpappen-Verkaul etc zu billigsten Fabrikpr isen Theodor Seibel Dachdeckermeisier, Leiierrlistungen Kti-rlln-Mui-lcnilort PrQhstslraste 26 s Tel. Südrine 1312 Or«Bdch- OesalBBaSSon B.S$illliI Fa* üi Im er: Kottbuser T 01 t V.tMt: Dresdener Straße 7 Baukiempnerel riedrich Hidicke Se- und Entwässerung Sanitäre Anlagen TELEPHON: Dönhoff»572 SW 68, UndanstraDs 2 Otio Schuüert im nim Neukölln EoaEa Bergstraße 155 Optik/ Bandagen Lieferant sämilicber tlraakenkassec. Siempellaürlli Werner& Schade Berlin N, Kastanienallee 43 rernsprechanschluß: Humbold 1011-1012 lieferr liautsdiak- und Metalisteinpel prompt Uer-KroWaMlmig ÖLUgaie Bezagsquelie für Kantinen M. ZIERLER SO. le.CopenlckorStraOeST Telefon: F 7 Janno-Attz i960. nVorwärts"-Leser, kauft bei unseren Inserenten! föelloge Mittwoch, 27. April 1932 fer&wnS) $ticUau±Qaße dß* ItcrwäMi Die„Söhne der Freiheit oder: Aufruhr in Kanada Ali Quis 66 Der Autor dieses Artikels schreibt uns: Ich erhielt oor einigen Tagen einen Brief non der Gräfin Alexandra Andreewna Tolstoi, der Tochter von Leo Tolstoi, aus Kanada, wo sie seit etwa einem Jahre Gast ist, da ihr die Japaner einen längeren Aufenthalt in Japan unmöglich machten und ihre Rückkehr nadi Rußland Verbannung bedeuten würde. Die Gräfin lebt bei der russischen ur- christl ich-kommun istischen Sekte der Duchoborzen, die sich auch„Söhne der Freiheit" nennen, ohne Zweifel eines der interessantesten Gebilde unter den 220 Sekten Kanadas. Ich selbst habe hei meiner erst kürzlidi beendeten Kanada-Reise die Dudioborzen aufgesudit, war Zeuge ihrer Demonstrationen, verschiedener Schulbrände und Zusammenstöße mit den Bürgern der betroffenen „Tomn", die mit der Feuerspritze zur Bekämpfung der Nadctdemonstranten auszogen. Nacki demonstrierende Männer, Frauen und Kinder, kochende Burgerseelen und Feuerwehrschläuche, Zeitungsgeschrei, fluchende Polizei und Reitpeitschen, lachende Unbeteiligte und empörte, spitz- nasige, alte Ladys sind die Mitwirkenden bei einem tragikomischen Schauspiel, das regelmäßig alle paar Monate über die Bühne der westkanadischen Oefsentlichkeit geht, und das den Titel führen muß: Di«»Söhne der Freiheit" suchen Christus.... Cs handelt sich bei den»Söhnen der Freiheit" um einen be- sonders fanatischen Teil der von Rußland eingewanderten Sekte der Duchoborzen. Da sie schon dem Zaren beharrlich die Militärdien st pflicht verweigert hatten, hatte man sie nach Sibirien verbannt. Sie fanden in Leo T o l st o i«inen großzügigen Helfer. Auf seine Fürbitten bei Königin Viktoria genehmigte England die Einwanderung nach Kanada. Tolstoi stellte ihnen außerdem die Erträgnisse seines Buches„Auf- «rstehung" zur Verfügung, so daß sie mit Kind und Kegel über- siedeln konnten. Die Duchoborzen wurzeln in urchristlich-kommunisti- schen Ideen mit einem starken indifch-mystischen Einschlag. Unter ihnen herrscht noch heute«in strenger Patriarchalismus. Sie leben innerhalb ihrer Gemeinde in engster Gütergemeinschaft. Mit fanatischer Erbitterung lehnen sie Schulen und Steuern als Ein- richtungen ab, die dem Glauben ihrer Väter widersprechen. Außer- dem seien die Steuern ungerechtfertigt, da alles Land Gott gehöre. olle Menschen frei seien und die Steuern lediglich zum Kriegsühren benutzt würden. Ihr Moses auf dem Zuge nach Kanada war Peter Beregin der Aelterc, der ein« absolute Herrschaft über sie ausübte. Es zeigte sich auch da wieder, wie willenlos sich derartig primitiv-religiös und damit meistens sanatisch denkend« Menschen durch«inen klugen Führer lenken lassen. An die dunkelsten Zeiten der Leibeigenschast er- innfiT e», wenn man hört, daß ihm, Peter Beregin dem Aelteren, auf Verlangen oerheiratete Frauen und junge Mädchen der Sekte zur Verfügung standen, da nach Auffassung der Duchoborzen sein Blut„heilig" war und er in direkter Beziehung zu Chrisws stand. Gegen diese absolute Herrschaft des Duchoborzenführers wandten sich allerdings allmählich die jüngeren Elemente, die in Kanada die Schule besucht hatten. Als daher Peter Beregin bei einem Zugunglück den Tod fand, tauchte das hartnäckige Gerücht auf, daß er einem Attentat der Jüngeren zum Opfer gefallen fei. Seine trauernden Anhänger setzten ihm ein imposantes Denkmol, und noch heut« lebt die Erinnerung an ihn. Nachfolger und jetziger Führer wurde fein Sohn Peter Beregin der Jüngere. Dieser, erst später nach Kanada eingewandert, verkörpert den Typ des undurchsichtigen und schlauen Asiaten. Am besten wird die ganze Situation zwischen ihm und der Sekte gekennzeichnet durch die Worte eines Kenners der Verhältnisse:„Bares Geld hat nur Peter Veregin!" Der Grund dieser absonderlichen Tat- fache ist die Gütergemeinschaft und die Gemeinschaftssiedlung und bei den kanadischen Sekten durchaus nichts Unbekanntes. Immerhin hat Peter Veregin der Jüngere es nicht verstanden, eine Spaltung der etwa ZlKXI Mitglieder zählenden Sekte zu oermeiden. Der Umstand, daß er einem kräftigen Trunk und einer guten Zigarre nicht abgeneigt ist, brachte die konservativeren El«- mente gegen ihn auf, die sich dann zum größten Teil von Sas- k a t ch« w a n, wo die ersten Niederlassungen bestanden, nach dem wärmeren Britisch- Kolumbia übersiedelten. Von diesen extremen Gruppen, den„Söhnen der Freiheit", gehen hauptsächlich die Demonstrationen aus, die all« paar Monate die Duchoborzcnfrage für die westkanadische Oefsentlichkeit aktuell machen. Besonders die letzten Demonstrationen erregten starkes Aufsehen. In kurzer Zeit brannten nämlich in der Nähe der Duchoborzen- Niederlassungen in der Provinz Saskatchewan sechzehn länd- liche Volksschulen nieder. Der Bevölkerung bemächtigte sich größte Erregung, blutige Zusammenstöße drohten. Die ersten Zusammenstöße erfolgten in K a m s a ck, einer kleinen Prärie- „Town" von einigen hundert Einwohnern, in die die Sektierer demonstrierend einmarschierten. Als hier die Duchoborzen begannen, sich die Kleider vom Leibe zu reißen und nackt durch die Straßen zu ziehen, durchgellte Feueralarm die ganze Stadt, und was lausen konnte, eilte herbei. Mit Feuerwehrspritzen ging man gegen die nackten Demonstranten vor. Schritt für Schritt wurden sie zurückgedrängt, und man muß es zugeben, sie sind ihrem Pazifismus treugeblieben, keine Hand hob sich zu bewaffneter Ab- wehr, kein Steinhagel setzte ein. geduldig ließen sie den kalten Wasserstrahl über sich ergehen. Es zeugt von der Beharrlichkeit und dem Fanatismus der Duchoborzen, daß die Umzüge täglich an Zahl und Umfang zu- nahmen: die ganze Sekte war in Bewegung gekommen, m erster Linie die extremen„Söhne der Freiheit". Die Kinder wurden vom Schulbesuch zurückgehalten, die Steuern verweigert und lieber die Farmen aufgegeben: tagelang kampierten die Leute unter freiem Himmel. Tie eingesetzte„Königliche Kanadische Berittene Polizei" mußte auf den verlassenen Farmen die Kühe metten. die Pferde und Schweine füttern— ein Anblick, der einer gewissen Komik nicht entbehrte. Man muß es der Polizei lassen, daß sie äußerste Geduld übte: die Freiheit des einzelnen wurde in einem Maße respektiert, von dem wir uns in Deutschland kaum die rechte Vorstellung machen können. Erst als gütliches Zureden nichts nützte, sondern Männer, Frauen und Kinder immer wieder nackend die Straßen bevöl- k e r t e n, griff man zu Zwangsmaßnahmen. Di« Umzüge wurden gesprengt, die Rädelsführer verhastet, und schließlich, als es gar nicht mehr ging, wurde auch mal von der Reitpeitsche Gebrauch gemacht. Ganze Autolodungen mit Kleidungs- st ü ck e n wurden von der Polizei herangcschafft und die D u ch o- borzen mit Gewalt bekleidet. Grundverkehrt wäre es, den Duchoborzen irgendwelche revolu- tionäre kommunistische Absichten beizulegen. Daran denken dies« geborenen Kommunisten in keiner Weise, mögen sie auch massen- hast Schilder mit der Aussorderung zur Steuerverweigerung mit- führen. Das ergibt sich eben aus ihrer Ueberzeugung, daß erst die Steuern die Staaten in die Lage versetzen, Kriege zu führen. In einem Schreiben an den Premier mini st er der Provinz Britisch-Kolumbia hieß es u. o.:„... es kann keine Gemeinschajt sein zwischen Christus und Cäsar." Worauf der General- a n w a l t der Provinz in einem Schreiben antwortet«:„Christus, dem ihr zu dienen vorgebt, hat gelehrt:„Gebet Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist. Siehe Markus 12, 17." »_ „Wir haben Christus in den Wolken gesehen, der uns hel'en und uns aus Kanada hinausführen will!" war ihre Antwort, als ich eine größere Anzahl aus der Landstraße marschierender nackter Männer und Frauen nach dem Grunde ihres Auszuges befragie. „Bleibe eine Nacht bei uns, Bruder da wirst auch du Iesum sehen. Gott wird für dich wie für uns sorgen!" forderten sie mich aus, als ich Zweifel äußerte. Kein Angriffsgeist, nur Friedfertigkeit, fanatische Ueberzeugung und Beharrlichkeit erfüllt sie. Schon häufiger war von der Dominion-Rcgiexung eine radikale Lösung dieser Duchoborzensrage unter dem Druck der Bevölkerung der betroffenen Gebiete geplant. In zahlreichen Eingaben per Bevölkerung war die Deportation des Duchoborzen- f ü h r e r z gefordert. Am meisten wehren sich die Duchoborzen gegen«ine Rückkehr nach Rußland. Eine freiwillige teilweise Rückwanderung dahin, die bereits vor einigen Jahren stattfand, scheiterte vollständig und die Duchoborzen-Rückwanderer mußten er- fahren, paß für die geborenen Kommunisten und Pazifisten im kommunistischen Paradies keine Daseinsmögltchkeiten vorhanden sind. Seit einiger Zeit treffen sie nun Vorbereitungen zu einer Auswanderung nach Mexiko, die ober bisher wenig aus- sichtsreich erscheint, während man bei der kanadischen Regierung in Erwägung zieht, zu versuchen, die Duchoborzen aus einer Insel im Stillen Ozean anzusiedeln, wo sie ungestört ihren An- schauungen leben können. 23 OOO Pfund geraubt! Modernes Verbrechertum in Großbritannien--- Von J. A. Viergutz London, 26. April. In Portsmouth wurden am Montag am hellichten Tags in einer der belebtesten Straßen einem Bankbeamten non im Auto oorbeirasenden Räubern eine Mappe mit 23 000 Pfund(etwa 345 000 M.) geraubt. Es gelang der Polizei nidü, den Räubern auf die Spur zu kommen. London, 21. April. Während des vergangenen Jahres ergoß sich über England eine Welle von Verbrechen. Eine Reihe von rasch auf- einonderfolgenden Morden, deren grauenvollster wohl das Ver- brechen an einem zwölfjährigen Schulmädchen war, hielt das Land in Atem. Der vor wenigen Monaten erfolgte Gefangenen- auf st and in Dartmoor, einem der größten englischen Ge- fängnisse, überraschte, ja verblüffte, weil er im modernen England ohne Vorgang war. Die staatlich angeordnete Untersuchung der Dartmoor-Verhälwisse rückte die soziale Frage des Verbrechertums in den Brennpunkt des Interesses. Nun hat der Innenminister, Sir Herbert Samuel, dies brennende soziale Problem auf breiter Grundlage und mit weitestem Ausblick im Unterhaus behandelt. Sir Samuel zeichnete an Hand von Statistiken die Fieberkurv« der großen und kleinen Vergehen, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hoch einsetzte und bis zum Beginn des Weltkrieges langsam fiel, um dann noch dem Krieg langsam wieder anzusteigen. Die G e s a m t z i f f e r aller schweren Verbrechen im Verhältnis zu je einer Million Einwohner betrug 1914 2700, 1921 ebenfalls 2700: 1929 stieg sie auf 3400 und 1930 auf 3700. Raub und Einbrüche haben sich während der letzten 7 bis 8 Jahre verdoppelt, während sich die Schaufenster- einbräche verdreifacht haben. Der Prozentsatz der Morde hat sich nicht gesteigert, sondern ist sogar im Verhältnis zu 1913, wo er III für England und Wales betrug, auf 109 für 193l gesunken, nachdem er allerdings 1921 90 und 1930 nur 86 betrug. Trotz dieser Ziffern hält der Innenminister die Zunahme der kriminellen Vergehen im Hinblick auf die Nachwirkungen des Krieges nicht für anormal. Wenn man die Kriminalgefchichte des 19. Jahr- Hunderts studiert, so wundert man sich, wie es den ärmeren Klasien der Bevölkerung überhaupt möglich war. dem Gefängnis zu entrinnen. Auf den winzigsten Bergehen standen die unverhältnismäßigsten Strafen. Für das ungesetzliche Fangen eines Häschens in der Schlinge wandert« der Arme, der den Versuch gemacht hatte, seine Familie wenigstens einmal im Jahr mit einem Fleischgericht zu versorgen, aus Lebenszeit als Deportierter nach den Strafkolonien. Und der Achtjährige, der zwei Aepscl vom Tisch der Marktfrau stahl, teilte dieses Schicksal. Für Trunkenheit ging man auf Jahre ins Gefängnis, und wer dem Hauswirt die Miete schuldig blieb, konnte im Schuldturm darüber nachdenken, während Frau und Kinder buchstäblich auf der Straße saßen. Dieses Mißverhältnis von Verbrechen und Strafe war bis in die Mitte des vorigen Jahr- Hunderts hinein durchaus populär. Die.Entwicklung einer h u- maneren Auffassung in den folgenden zwei Generationen bis in den Ansang des 20. Jahrhunderts hinein milderte allmählich dieses Mißverhältnis. Soziale Maßnahmen, besseres Erziehungs- wesen, der Versuch, das Wohnungsproblem und das Problem der Hygiene zu lösen, sowie eine allgemeine Hebung der Löhne brachte den Lebensstandard der Massen auf eine menschenwürdigere Grund- läge. All dies hatte den Rückgang der sogenannten Verbrechen zur Folge. Dazu kamen staatliche Schutzmaßnahmen: Altersver- sorgung, Pensionen und Versicherungen, die der arbeitenden Be- völterung einen einigermaßen gesicherten Lebensabend in Aussicht stellten. Der Prozentsatz älterer Verbrecher ging daraufhin merk- bar zurück. Als weiterer Faktor tat die S t r a f g e s e tz r e f o r m das ihre: eine weise und menschlichere Behandlung in den Gesäng- nissen, die psychologische Wandlung der„Strafe" in„Besserung" wurde«ingeführt. 1908 richtet« man besondere Jugendgerichtshöfe «in. Besserungsanstalten(die bekanntest« ist Borstal) wurden«in- gerichtet. Dann kam der Krieg und seine Folgen in fast allen Ländern der Erde. Der am schwersten leidende Teil war die Jugend, die oft ohne Familienzugehörigkeit und ohne Aufsicht aufwuchs. Der Bat«: im Krieg, die Mutter in der Fabrik, die Schülerzahl in der Klasse auf das Dreifache erhöht— weder Haus noch Schul« war dem Problem gewachsen. Die Schüler von damals sind heute Menschen zwischen 23 und 3 0. Aus ihnen setzt sich, wie aus den heutigen Verbrecherstatistiken hervorgeht, der größte Teil der Gesetzesverletzer zusammen. Der Prozentsatz der Vergehen von Kindern zwischen l0 und 20 Jahren hat sich nach dem Kriege ebenfalls gesteigert. Die wirt- schaftliche Not hat wieder den Mundraub und das Stehlen von Lebensmitteln gebracht. Die kleinen Diebstähle Jugendlicher mehren sich, besonders in den hart betroffenen Gebieten, wie in Wales, in erschreckendem Maße. Auch in, allgen, einen besteht eine Parallele zwischen der Ziffer der Arbeitslosigkeit und der krimineller Bergehen. Ebenso tragen die Neuerfindungen der Technik zum Aufworts- biegen der Verbrecherkuroe bei. Das Automobil, ein verhält- nismäßig neuer Faktor im sozialen Leben, erleichtert nicht nur dos Entkommen der Verbrecher, es hat auch das Wohnungssystem um- gestaltet und die oerstreut liegenden Wohnstätten auf dem Lande in größerem Maße Einbrüchen und Uebersällen ausgesetzt. Den Film, diesem kaum abschätzbaren Beeinflussungssakwr. rechnet der Innenminister nicht unbedingt zu den verbrechenfördernden tech- nischen Errungenschaften. In der Unterhausdebatte wurde oller- dings auf die schädliche Wirkung jener amerikanischen Filme hingewiesen, die durch ihren Appell an den 8ex apesl erotisieren oder die das Verbrechertum in gewisser Weise verherrlichen. Hat die Reform des Strafsystems, größere Milde bei erstmaligen Vergehen, größere Humanität in den Gefängnissen und Besserungsanstalten die Zunahme krimineller Vergehen gefördert? Der Innenminister gibt zu, daß im Falle erstmaliger Verbrechen in Einzelfällen vielleicht zu milde vorgegangen sei. Zlber das Prinzip der temporären Ueberwachung von erstmaligen Ge- setzesverletzern, namentlich Jugendlichen, habe sich im allgemeinen gut bewährt. I« den Neformgefängnissen wäre ein Sstprozcntiger Grfolg zu verzeichnen und in den Borstal-Besferungs- anstalten könne man drei von vier Fällen als end- gültig gebessert von den.Kriminallisten streichen. Auch die Polizei sei ihrer Aufgabe in umfangreichem Maße gerecht geworden. Von 111 Morden im Jahre 1913 wurden 101 auf- geklärt, 1920 von 90 Fällen 81, 1930 von 88 Fällen 78 und 1931 von 109 Fällen 99. Unter den„aufgeklärten" Fällen habe ein Drittel durchschnittlich nach der Tat Selbstmord verübt, ein ge- wisser Prozentsatz wäre geistesgestört, und einige hätten wegen ungenügender Beweise trotz glaubhafter Schuld freigelassen werden müssen. Von kleineren Vergehen habe die Polizei 70 Prozent auf- geklärt, von schweren Verbrechen je 7 von 10 Fällen. Diese Tatbestände ergeben trotz der Zunahme von Diebstählen und Einbrüchen ein helleres Bild, als die Nervosität deg englischen Publikums oermuten ließ. Die Zahl der Morde im gesachtei, Großbritannien war 1927 z. B. nicht höher als die Zahl der Morde im selben Jahr in Chikago. Die modernen Hilfsmittel des Verbrechers, die durch Literatur und Film belebte Phantasie und sicher auch die subtileren Methoden der Polizei haben entweder ausfälligere oder bester durchdachte Verbrechen zur Folge. Der Innenminister enthielt sich natürlich der Bemerkung, daß das einzig wirksame Mittel zur Einschränkung der meiste» Ge- setzesverletzungen die Beschaffung von Arbeits- und Verdienstmög- lichkeiten wäre. Statt dessen stellte er einige praktische Aenderungen im System des Polizei- und Detektiowesens in Aussicht. Die Zu- sammenarbeit durch ganz England sei eine zu lose, man werde be- sonders das Detektiowesen in größerem Maße konzentrieren. Der Innenminister der letzten Arbeiterregierung, C l y n e s, habe wäh- rend seiner Amtszeit einen Ausschuß ernannt, der sich mit der Be- Handlung permanenter Gesetzesübertreter und mit Wiederholungs- fällen befaste. Der Bericht dieses Ausschusses werde bald vorliegen. Man verhänge bereits jetzt längere Strafen für Einbruch und für Einbrecher im Besitz von Feuerwaffen. Neue System« für die nütz- liche und reguläre Arbeit von Sträflingen, die nicht die normalen Industrien schädige, würden in verschiedenen Gefängnissen studiert. Ungeeignete Gefängniste. wie zum Beispiel Dartmoor. würden er- heblich verkleinert werden. Zur F i l m f r a g e erklärte Sir Sa- muel, e« sei bei Beteiligung öffentlicher Körperschaften eine weit- gehendere Zensur geplant. Die Handballserie beendet Wie stehen die Vereine in den Bezirken? Abteilung B Während in der ersten Klasse der Endkampf um die Berliner Handballmeisterschast der Arbeiterspartier ent- brennt, werden in den Bezirken noch die Bezirksmeisterschaften aus- getragen. Die einzelnen Abteilungsnieister stellen den Bezirksmeister sest, und die vier Bezirksmeister tragen dann in einer Runde den Kampf um den Aufstieg zur ersten Klasse aus. Die beiden Punkt- besten steigen automatisch zur ersten Klasse auf, während die beiden Letzten der ersten Klasse absteigen. Die anderen beiden Bezirks- meister spielen dann in einer weiteren Runde mit den Vorletzten der ersten Klasse ebenfalls um den Ausstieg bzw. Verbleib in der ersten Klasse. Ein etwas verzwicktes System. Der erste Bezirk spielte in drei Abteilungen zu je jechs Mannschaften. In der Abteilung A ist Baumschulenwcg Tabellenerster. Die favorisierten Kaulsdorfer haben durch ihr Unentschieden gegen Erkner und durch«ine weitere Niederlage einen zu großen Punktverlust erlitten. In der Abteilung L fuhrt der„ewige Zweite", FTGB. Stralau, die Tabelle an. Wenn auch noch ein Spiel gegen Lichtenberg ausgetragen werden muß, so sollten die Stralauer diesen Kamps doch für sich buchen können. Der Bezirk Ostring der FTGB. hat in der Abteilung C die Spitze. Dos noch ausstehende Spiel gegen Rehfelde wird an dem Stand der Tabelle nichts mehr ändern. l. Bezirk. Abteilung A unent- Jittcin Spiele gewonnen schieden petioceit Baumschulenweg... 10 8 u 2 fliulsbotf...... 10« i.1 ffilaei....... 10 4 3 3 SdpÄNick 2...... 10 4 0 8 Nlrstenwolde..... 9 2 1 n Udl»r»hof......9 1 1 7 Punkte 16: 4 13 11 g; 5 I: 3 3 4 4 10 14 12: Abteilung B Stralau....... 9 7 Lichtenberg..... 9 6 ll®5.......... 10 6 L Ken 3....... 9 4 Mldau....... 9 3 Sohnebprf...... 10 0 Abteilung C Ostring....... 9 8 Strausberg..... 9 7 JS- Obeispree.... 9 6 Rech seid«...... 9 4 Mahledorf 2..... 10 1 Äalfbetge...... 10 1 Im zweiten Bezirk gab es in der Abteilung A, die sich aus sechs Mannschaften zufamniensetzt, heiße Kämpf« um die Fiih- rung. Erst ein Entscheidungsspiel zwischen Tegel und Reinicken darf-West, das die Tegeler mit 5: 3 für sich entscheiden konnten, brachte Klärung. In der Abteilung g, aus acht Mannschaften be- stehend, hatte der Sportverein Moabit leichtes Spiel, trotz der beiden verlorenen Kämpfe. Erst in weitem Abstand folgt hier ASV.-Rot- Weiß mit fiinf verlorenen Spielen. 13: 7 9: 9 8:0 0: 30 16: 2 14: 4 12:6. 9:9 8: 17 2: 18 seinen Spielen um die Bezirksmeisterschaft bereits zu Ende ist, ist der o i e r t e B e z i r k. In der Abteilung A hat der Bezirk Süden der FTGB. seine führend« Stellung vom Beginn der Serie an behalten. Nur ein Treffen endete mit einer knappen Niederlage. Die nächstfolgenden Wilmersdorfer haben drei Spiele verloren. Noch sicherer gewann in der Abteilung B der ASV.-Teltow. Bei zwölf Spielen wurde nur eins unentschieden beendet. Beide Abteilungen lzaben aber eins gemeinsam: Die Tabellenletzten haben kein Spiel gewonnen. Das Entscheidungsspiel um die Bezirksmeisterschaft zwischen Teltow und Süden 2 brachte nach hartem Kampf einen knappen Sieg Südens, und damit die Bezirksmeisterschaft für das Spieljahr 1S32. 4. Bezirk. Abteilung A unent- Heide nimmt am Donnerstag, 28. April, mit einer wichtigen chindernisprllfung, dem Jagdrennen der Vierjährigen, ihren Fori- gang. Die Rennen beginnen um 15�4 Uhr. Klassen stehen die Mannschaften 1. Bezirk. Abteilung A Verein Tegel.... Aeinickendorf'West �riedrichsthol Nosenthol... N ardring 2.. Bernau.... unent- Glüele gewannen schieden 10 10 in in 10 10 In den dritten iolgendermnßen: Im zweiten Bezirk Abteilung A: Spitze Velten 2: 8 Spiele, davon ge- mannen 6, unentschieden 1, perloren 1, Punkte 18:8. Nor dring 3: 10 Spiele, gew. 6, unentsch. 0, perl. 4. Punkte 12: 8. Reinickendorf 2: 10 Spiele, gew. 5, unentsch. 0, perl. 5, Punkte 10: 10. Moabit 2: 9 Spiele, gew. 4, unentsch. 2, perl. 3, Punkte 10: 8. ASP. W e d d i n g 2: 9 Spiele, gew. 2. unentsch. 2, perl. 3, Punkte 6; 12 Volkssport W e d d i n g (Sumet): 10 Spiele, gew. 2, unentsch. 1, netl. 7, Punkte 5: 15.— Abteilung B; Bötzow: 8 Spiele, gew. 7, unentsch. 0, perl, l, Punkte 14: 2. Nordost: 8 Spiele, gew. 7, unentsch. 0, perl. 1, Punlle 14: 2. R o t. W e> ß: 8 Spiele, gew. 4, unentsch. 0, verl. 4, Punkte 8:8. Norden 8: 8 Spiele, gew. 2, unentsch. 0, oerl. 6. Punkte 4:12. Weddtng8:8 Spiele; alle perloren. Punkte 0: 15.~ Abteilung C: Ncutupptn: 8 Spiele, gew. 8, unentsch. 1, oerl. 1, Punkte 13: 3. Sportklub 1930: 8 Spiele, gew. 5, unentsch. 1, perl. 2, Punkte 11: 5. T e g e I 2: 8 Spiele, gew, 5, unentsch. 0, oerl. 3, Punkte 10; 6. Schdnwalde: 7 Spiele, gew. 2, unentsch. 1, perl. 4, Punkte 5; 9. Schmante;" Spiele; alle eetloten, Punkte 0; 14.— 4. Bezirk: W i l m e r o- darf; 8 Spiele, gew. 6, unentsch. 1, perl. 1, Punkte 13: 3. Lankwitz: 8 Spiele, gew. 5, unentsch. 2, oerl. 1. Punkte 12: 4. Volkssport Neu- kiilln 3: 8 Spiele, gew. 4, unentsch. 1, oerl. 3, Punkte 9:7. Sputen- d p r f: 8 Spiele, gew. 3, unentsch. 0, perl. 5, Punkte 8: 10. Fichte: 8 Spiele; alle perloren, Punkte 0: 16. Itleiner Sport von überall Aeusel— Eorkindale am 13. Mai im Sportpalast. Der erste Kampftag, den der Amerikaner Iefs Dickson in Deutschland ver- onstoltet. ist nunmehr endgültig gesichert, er findet am 13. Mai im Berliner Sportpalast statt. Wie zu erwarten war, bestreitet der in letzter Zeit stark in den Bordergrund getreten« Bochumer Schwer- gewichter Walter N« u s e l den chouptkamps, als Gegner für ihn hat Dickson den südafrikanischen Meister Don McCorkindole, der unlängst in London den deutschen Meister Hein Müller nach Punkten besiegte, fest verpflichtet. Auch in den Rahmenkämpfen soll erstklassiger Sport geboten werden. Der Berliner Bantamgewichtler Werner R i e th d o r f. der in Poris eine Reibe beachtlicher Erfolge errang, wird vermutlich mit dem deutschen Meister Willi Metzner- Köln gepaart werden, weiterhin steht auch der deutsche Welter- gewichtsmeister Gustav Eder-Dartinimd aus dem Programm. Ringkampfturnier im Zirkus Busch. Am gestrigen Abend rangen alz erstes Paar Krumin-Lettlond und Sasorfki-Polen. In dem 33 Minuten wöhrenden Kampfe hatte der Lette fast stets die Ober- Hand, wurde jedoch schließlich von dem behenden Polen durch einen plötzlichen Hüstzug überraschenderweise aus die Schultern geworfen. Im zweiten Tressen hatte Weltmeister Grüneisen den Bayern Trink- geld zum Gegner. Der Boyer rang in der ersten Runde sehr zag- hast und beschränkte sich fast nur auf die Verteidigung. Er scheint es darauf abzusehen, dem Weltmeister recht lang« standzuhalten. Nach 15 Minuten machte Grüneisen durch einen Untergriff von vorn dem Kampf ein Ende. Den kürzesten, ober schönsten Kampf des Abends lieferten Ahrens-Westsalen und Paßmann-Lettland. Leider wurde das spannende Tressen schon noch l2 Minuten durch einen Zuriickreißer des Deutschen zu dessen Gunsten entschieden. Heute, Mittwoch, wird als erster Kamps der Entschcidungskampf Krumin-Lettland und Equatore-Italien fortgesetzt. Die beiden ankeren Entscheidungskämpfe sintp Easorski-Polen gegen Grüneisen- Schweiz und Poßmonn-Lettland gegen Trinkgeld. Lernt Ziu-Zitsu. Die bundestrcuc sportliche Vereinigung „Lichtenberg-Friedrichsselde 04" beginnt am 5 Mai wieder einen Lehrkursiis in der Kunst der Selbstverteidigung, dem Jiu-Jitsu, in der Turnhalle Bürgerheimstr. 3. Die Leitung liegt in den Händen der langjährigen Trainer Paul Binder und Lück. Parteigenossen, Gewerkschaftler und Jugendliche sind eingeladen an diesem Kursus teilzunehmen. ..Oxsord"-Hem>xen belgischer Arbeitersußbollmcisier. In der VoreMsrheitiing der vier belgischen Kreismeister spielie»..Oxford"- Hemixen bei Antwerpen gegen Montegnee 3: l. US. Monsrron— Iraternitee-Brüssel 2: 1. Das Endspiel um die Meisterschaft des belgischen Arbeiterfußballverbandes gewann Hemixen gegen Mouferon verdient mit 4: 1<2: 0). Hemiren bat eines feiner besten Spiele Zm Reichsbonnerboolshaas Tegel, llserstr 1, wird ein Araucn- kvosiersportnsrein gegründet, der es sich zur Ausgabe machen wird. be> niedrigen Beiträgen den Ruder-, Paddel- and Schwimmsport zu pflegen. Sportlich ausgebildete Lehrkräfte stehen zur Verfügung. Das Bootshaus hat«ine günstige Lage am Tegeler See und ist in 5 Minuten von der Straßenbahnendhaltestell« Tegel oder Borort- bahnhof Tegel erreichbar. Es zeichnet sich durch seine große und hell« Bootshollc aus und ist mit eigenem 5zafen, mit Terrasse und gut eingerichtetem Kasino ausgestattet. Die Frauen und Töchter der Parteimitglieder und Reichsbannerkameraden sind zu der Zu- scmmenkunft am Freitag. 29. April, 19.30 Uhr, im Bootshauskasino freundlichst eingeladen. Es werden Mitglieder mit Boot und auch solche, die in Vereinsbooten fahren wollen, ausgenommen. Rennen zu Sarlshorst. Die Frühjahrskompagne in der Wühl- Geschäft ist Geschäft Nach diesem Grundsag scheint die Leitung des bürgerlichen Deutschen Fuhball-Bundes zu handeln. Den einzelnen Vereinen ist es verboten, gegen Berufsfußballvereine zu spielen. Da aber die eng- Irschen Mannschaften für Deutschland ein großes Zugmittel sind, ab- solviert der Deutsche Fußball-Bund gegen dieselben Mannschasten sogenannte„Lehrspiele". In der Zeit vom 14. bis zum 29. Mai macht die Mannschaft des englischen Fußballmeisters Everton eine Reise durch Deutschland. Der Deutsche Fußball-Bund stellt dieser Mannschaft mehrere Länder- Mannschaften entgegen. Die erhobenen Eintrittsgelder fließen selbst- verständlich in die Kassen des DFB. Run werden für die Engländer, die ja schließlich auf ihre Arbeit angewiesen sind, rund 30 000 Mark bezahlt; es können aber auch 40000 sein. Zehntausend mehr oder weniger spielen gar keine Rolle. Rechnet man nun zu dieser Summe noch die Spesen für die deutfchen Mannschaften hinzu, so kommen im. Höchstfalle 30 000 Mark zusammen. Als Einnahme bei den sechs Spielen(gespielt wird in Dresden, Breslau, Berlin, Hannooer, Rürn- berg und Köln) kann man aber dafür mindestens 275 000 bis 300 000 Mark rechnen. Denn bei jedem Spiel werden mindestens 30 000 Zu- schauer erwartet, die bei den schon„ermäßigten" Preisen von 1 bis 4 Mark immerhin rund 50 000 bis 55 000 Mark einbringen. Einer Einnahme von rund 300 000 Mark steht also eine Ausgabe von hoch- stens 50 000 Mark entgegen. Man sieht, es wird«in ganz nettes Ge- schäft werden. Wäre es nicht besser, man würde der allgemeinen schlechten Wirt- schastslage Rechnung tragen und die Eintrittspreise auf 50 Pfennig bis 1 Mark festsetzen? Dann käme man dem interessierten Publikum wirklich entgegen. WerfflüftH l Zu Pfingsten veranstaltet das Reisebüro des TouristenvereinZ „Die Naturfreunde" ein« Reise durch das mittler« Erzgebirge. Die Reise ist auf acht Tage berechnet und beginnt am 1. Feiertag in Berlin. Di« Abfahrt erfolgt um 6 Uhr 5 Mn. vom Anhalter Bahn- Hof nach Fköha. Bon hier Wanderung zur Augustusburg, der Wartburg des Erzgebirges. Weiter durch eines der schönsten beut- schen Mittelgebirgstäler, dem Zschopautal, mit seinen malerisch ge- legen«» Burgen und Schlössern. Ueber Ehrenfriedersdorf, Greisen- steine, Geyer-Stulpener Höhle, Frohnauer Hammer nach Anna- berg, einer ver interessantesten Städte Sachsens. Weiter geht die Wanderung durch das Sehmatal über Sehma-Eranzahl nach Ober- wiesenthol, dem höchsten Städtchen Deutschlands, dann mit der Schwebebahn auf den Fichtelberg<1214 Meter). Bon hier Abstieg in das Mittweidetal über den Scheibenberg nach Schwarzenberg. Durch das Schwarzwassertal nach Aue, Niederpfannenstiel, Ditters-- darf, Zwönitz nach Chemnitz. Bon hier am Sonntag, 22. Mai. Rückfahrt nach Berlin. Ankunft gegen 24 Uhr am Anhalter Bahnhof. 3cticc Särperlnlturhci« Kreuz berg. Mittwoch, 27. April, 20 ich— 22 Uhr, Nacktbaden mit Gymnastik im Stadibad Baerwaldstraße. Donnerstag, 28. Aprtl, 2(1 Uhr. in der Schule Dieffendachftr. 51, Aussprache Uber„Zeitgemäße Er- nilhruna". Freie Faltboatfaheer Berlin. Zusammenkünfte Donnerstag, 28. April. 26 Ilhr. Gruppe Nordosten- Gbrtftburger Sit. 14;„Im Faltboot non München zum Schwarzen Meer".— Gruppe Südosten: Grotze Franlfurier Str. 16." /Mxf*' Sport".— Gruppe Norden tagt Freitag. 29. April, 20 Ubr, Willdenpwstr 5. Gutheit funkt...— Meldunaen zur Fließregatta für den Kiinmellabitütag sind schnellsten« bei Horn, Äolaniestr. 3— 4, adzuaeben. Gaste gern willkommen.— io ontan, 2. Mai. Funiiianörsitzung, llserstr. 13,„Zur Linde". FTGB., Rnderbezirk. Sitzung im-Tarkrug, Hochbahn Schlestsches Tor, Donnerstag, 28. April. Steuermannspriisung. Beginn 19 Uhr. Ab Mai Sitzun- fen im Bootshaus. Uedungabende Dienstags und Dannerstags. Gute Boots- «änderst nd noch frei. 5. Mai Boatshausweihe. «TS«. Friedrichsseide. Gemeindeplatz Treslowallee Plntzturnen: Dienstag. Donnerstag, Sonnabend. Frauenturnen nicht mehr Montags, sondern jeden Dienstag ob i3. Mai. Männeriurnen Freitags. Arbeiter-Sportkegelklub„Laewäets". Trainingsabend jeden Freitag, 26 Uhr. in der Sporthalle Alexandrinenstr. 107. Gaste herzlich willkommen. Rätsel-Ecke des„Abend" ■«iiiiiiuiiiiiiininiiimmuiJiinouvimmtniiiniiimimiiiiiriiiiiKNiHuiiiiiutiiiiiuiuiiUttuuiükuuiiuiiininuBim Silbenrätsel. ban den-, der berg bürg cho cho den den diet do darf e e»l er «u«i gen gra hj i kei lan leib len len ler lo mal mann mi na nit niz im nol pe ral rich ru sa se seil ster sto ter tür ur v« wai.— Aus vorstehenden Silben sind 21 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unter gelesen, einen Ausspruch von Hölderlin ergeben.