Morgenausgabe Nr 198 A 100 49. Jahrgang Wöchentlich 73 Pf., monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Zufiel» lung ins Haus) im voraus zarzlbac. Postbezug 3.97 M. einschließlich 60 Pf. P� lzeitungs- und 72 Pf. Postbestellae» Mähren. Auslandsabonnement s.es M. pro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Drucksachenporto 4.65 M. Der„Vorwärts� erscheint Wochentag» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„De? Abend" Illustrierte Sonntaasbeilaa« .Boll und Zeit" Berliner Volssbla« Donnerstag 28 April 1932 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 15 pf. Die eiulvalt. Millimeterzeile 3V Pf. Ai�klame�eile 2.- M..ZUeine An» zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. (zulässig zwei fettgedruckteWorte.jedes weitere Wort 10 Pf Babatt lt. Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Millimeter» zeile 29 Pf. Familienanzeigen Milli» meterzeile 10 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 8, wochentäglich von 8>/, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich dasRecht der Ab» iehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Aentvawrsan der GoziaidemoSratifGen Partei DeutfOlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenftr. 3 �ernspr. Dönhoff(A 7) 292— 297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Verlin Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Aollscheckkomoi Berlin 3752�— Baiikkonlo' Bank der Ardeuei. Ängclielllcn und Beamlcn.Lindenstr.Z Dl B.u TlSi.»Gel.. Tepoliienr.JerulalemerSlr An die Partei! Genossinnen und Genossen! im Kampfe feiern wir den Ersten Mai! Abgeschlagen sind die Stürme des Feindes. Hitler ist nicht Reichspräsident. Bei den Landtagswahlen haben die Nationalsozialisten weder allein noch mit den anderen Rechtsparteien die Mehrheit erreicht. Ueberaü zerbrach ihr Angriff vor dem Ziel an dem Widerstand der Sozialdemokratie und der Eisernen Front. Aber der Kampf geht weiter. Not und Verzweiflung treiben Millionen verblendeter Volksgenossen in das Lager der Reaktion. Auf der Flucht vor den Folgen des kapitalistischen Systems laufen sie den Söldlingen des Kapitals in die Arme. Im Zeichen des Hakenkreuzes vollzieht sich die Sammlung gegen die Sozialdemokratie, der Aufmarsch aller Mächte der Vergangenheit gegen die Republik und das arbeitende Volk. Parteien, die in der Geschichte Deutschlands eine bedeutende Rolle spielten, sind waggefegt. Der bürgerliche Liberalismus hat als politische Organisation zu existieren aufgehört. Aufgabe der Sozialdemokratie allein bleibt es, die geistige Freiheit der Nation gegen die Apostel einer stumpfen Gewaltherrschaft zu verteidigen, das gleiche Recht aller Staatsbürger zu schützen, den Forderungen der Menschlichkeit in Staat und Wirtschaft Geltung zu verschaffen. Der treschismus ist der Fe�ndS— ftiur die Sozial» desnokraftie kann ihn besiegen! Darum alle heran zur Sozialdemokratie! Alle heran zur Eisernen Front! Stärkt eure Organisationen! Werbt für eure Presse! Schließt euch an! Reiht euch ein! Wer gegen die Sozialdemokratie hetzt, sie beschimpft und verleumdet, der dient dem faschistischen Klassenfeind! Wer im Lager der Arbeiterklasse die Zwietracht schürt, der dient dem faschistischen Klassenfeind! Genossinnen und Genossen! Bietet jedem die Hand, der ehrlich zu uns kommt, um mit uns zu kämpfen. Aber mißtraut denen, die sich an euch heranschleichen, um Streit in eure Reihen zu tragen! Der Erste Mai soll unter sozialdemokratischen Fahnen ein einiges Proletariat zeigen! In diesem Sinne feiern wir ihn. Faschismys ssi krieg. Wir demonstrieren für den Frieden! Faschismus ist Knechtschaft. Wir demonstrieren für die Freiheit! Faschismus ist die Diktatur des Kapitals. Wir demonstrieren für den Sozialismus! Nur ein einiges Proletariat kann sich gegen die würgenden Wirkungen der Krise erfolgreich zur Wehr setzen und eine Politik des sozialistischen Aufbaues erzwingen, die wieder Arbeit und Brot schafft! Genossinnen und Genossen, es ist keine Zeit, vom Kampfe auszuruhen! Schart euch zusammen! Zeigt Bekennermut! Diese Maifeier muß ein Signal sein, das alle Schlafenden weckt, alle Wankelmütigen aufrüttelt, allen Schwankenden den Weg weist! Jetzt erst recht! Me her zu uns! Massen heraus! Fahnen heraus! Seid einig, und der Sieg ist euch gewiß. Berün, den 27. April 1932. Der Partei vorstand. Heraus zur Maldcmonslraflon Sonntag, um 13 Uhr, im Lustgarten! Aufmarscbplan: Allgemeiner Deutscher Beamtenbund: Mariannenplatz, Spitze Bethanienufer. BaugeWertsbund: Bahnstr.(Bahnhof Grotzgörfchcnftr.) Buugcwerksbund und 14. Nreis der SPD.: Rcuterplatz (Neuköllnf. Zentralverband der Maschinisten und Heizer: Lausitzer Platz. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands, Zentral- verband der Schornsteinfegergesellen: Mariannenvlatz. Zentralvcrband der Steinarbeiter: Bethmriemrfer. tz�enüber Gewerkschaftshaus. Allgemeiner freier Angestelltcnbund: Naunynstr., Spitze Oranienplatz. Graphische Industrie lVuchdrucker, Buchbinder), Per- band der Lithographen und Tteindrucker. Verband der graphischen Hilfsarbeiter, 6. und 13. Kreis der SPD.: Alte Jakobstr., Spitze Neuenburger»tr. S., 10., 11. und 12. Kreis der SPD.: Geildarmenrnarkt. Gehörlose Gcwerkschaftslollegen treffen sich um 11 Uhr am Köllnischen Park und schließen sich an den Zug der Holzarbeiter an. Auf dem Lustgarten nehmen die gehörlosen Kollegen vor der Rednertribüne Aufstellung Spandau: Die Spandauer Partei- und Gewcrkschaftsgenossen treten mittags um 1 Uhr in der Bethkestrahe an. Abmarsch l Uhr zum Stadion in Hakcnfelde. Der Zug trifst dort gegen 2 Uhr nachmittags ein. Tie Arbeilersängcr treffen sich am 1. Mai, vormittags 9.30 Uhr, im Saalbcm Friedrichslmin. Diejenigen Sänger, die sich im Saalbau Friedrichshain nicht rechtzeitig cinsinden können, treffen sich um 11 Uhr im Lustgarten ror der Rednertribüne. Der �.bmsrsck von den Sammelplätzen erfolgt um 11,30 Uhr/ Fahnen und Banner werden mitgeführt, Transparente sind verboten!/ Der Rückmarsch vom Lustgarten erfolgt nach vier Auflösungsplätzen nach den Anweisungen der Zuglcitcr und Ordner Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Ortsausschuß Berlin Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Bezirksausschuß Berlin Arbeitersport- und Kulturkartell Berlin� BaugewerkSbund, Deutscher Mctallarbciterverband, Ber- band der Kupferschmiede, 3., 19. und 20. Kreis der SPD.: Gartenstr., Spitz« Bernauer Str., sowie Gartenplatz. Verband der Nahrungsmittel- und GetrLnkearbeiter, Verband der Hotel-, Ncstanraut- und Cafe-2ingcstellten. Deutscher Tabakarbeiter-Verband, Deutscher Musiker- Verband, Deutscher Landarbeitcr-Vcrband und Deut- scher Melkerverband, l.. 4. und 18. KreiS der SPD.: Lothringer Straße, Spitze Rosenchaler Platz. Baugewerksbund, 2. und l". Kreis der SPD.: Kleiner Tier- garten. Spitze Wilsnacker Straße. Paugetoerköbund: Landsberger Platz. Deutscher Lcdcrarbeiter-Verband: Bülowplatz. Baugewerksbund: Engelufer, Gewerkschastshau?. Bekleidungsarbeiter. Hutarbeiter, Friseure: Seiwstianstr., Spitze Alte Jakobstr. Gcsamtvcrband: Michaelkirchplatz. Giuheitsverband der Eisenbahner, 5. und 17. Kreis der SPD.: Küstriner Platz. Verband der Fabrikarbeiter Teutschlauds: Andreasplatz. Deutscher Holzarbeiter-Verband, 13. und 10. KreiS der SPD. und sämtliche freigewerkschaftlich organisierte Taubstumme: Am Köllnischen Park. Verband der Maler: Melchiorstr.. Spitze Adalbertstr. Verband der Sattler und Tapezierer, Zentralverband der Schuhmacher. Deutscher Textilarbeiter-Verband: Engal- ufer, Spitze Köpenicker«tr. Allgemeiner freier Slngestelltenbund Ortskartell Bcrl'N Sozialdemokratische Partei Deutschlands Pezirksoerbatid Berlin Merk's, Giegerwald! Falsche Lohnpolitik macht Ziadikaie! Es ist in den letzten Tagen, wie schon so oft, die Radi- kalisierung der Massen festgestellt worden. Auch die Mitglieder der Reichsregiening nnd darunter besonders der Reichsarbeitsnünister und der Reichsfinanzminister haben in den jüngsten Landtagswahlkämpfen sehr energisch gegen diese Radikalisierung gesprochen. Vieles, was sie da sagten, kann von uns gebilligt werden. Aber mit dem Reden gegen die Radikalisierung der Massen ist gar nichts getan, wenn in den politischen Handlungen nicht die notwen- digen Schlußsolgerungen gezogen werden. Kein vernünftiger Mensch wird die Reichsregierung oder eines ihrer Mitglieder verantwortlich machen für die Wirt- fchaftskrise. die die ganze Welt verheert. Es wird auch nie- wand bestreiten können, daß die außenpolitische Lage des Deutschen Reichs die Ueberwindung der Wirtschaftskrise innerhalb Deutschlands außerordentlich erschwert. Aber auch wenn man diese Voraussetzungen nnd Hemmungen an- erkennt, so kann man deshalb noch nicht anerkennen, daß der Kurs, den die Reichsregierung in lohnpolitischen und in wirt- schaftspolitischen Fragen gesteuert hat und, wie es scheint, entschlossen ist, weiter zu verfolgen, dazu angetan wäre, die Wirtschaftskrise zu überwinden. Man muß vielmehr fest- stellen, daß dieser Kurs zur Verschärfung der Wirt- fchaftskrise beigetragen hat. In Deutschland wie in anderen Ländern ist die G r u n d- Ursache der Wirtschaftskrise in der übersteigerten, planlos durchgeführten Rationalisierung zu suchen. Gewiß, auch die Folgen des Weltkrieges und der Friedensverträge haben zur Verschärfung der Wirtschaftskrise beigetragen und sich ihrer Ueberwindung hemmend in den Weg gestellt. Wesentlichste Ursache der Wirtschaftskrise sind aber doch die ungeheuren Fehlleitungen des Kapitals, die zu einer außer- ordentlichen Steigerung der Produktivität, zu einer riesigen Ausschaltung der menschlichen Arbeitskraft geführt haben. ohne daß gleichzeitig durch eine entsprechende Steigerung d e r K a u f k r a f t die freigesetzten Arbeitermassen wieder aufgesaugt werden konnten und der ungeheure Produktion?- apparat durch seine volle Ausnutzung rentgbel gemacht wurde. In einem Lande, wo der Staat einen bestimmende« Einfluß auf die Lohnhöhe und die Arbeitsbedingungen hat, imie dies in, Deutschland der Fall ist, mußte eine voraus- schauende Regierungspolitik alles daran setzen, um die Kauf- kraft der breiten Massen, zu erhalten, wenn, möglich, zu stei- gern, um auf diesem Wege den Binnenmarkt zu stärken und die Betriebe nach Möglichkeit in Gang zu halten. Darüber hinaus mußte alles Menschenmögliche getan werden, um die Arbeitskräfte, die durch die Rationalisierung aus der Pro- duition ausgestoßßen wurden, wieder in die Betriebe hinein- zubringen. Eine Politik, die von diesen Gesichtspunkten ge- leitet ist, wurde auch die öffentlichen Finanzen vor allzu schweren Rückschlägen bewahrt und damit wesentlich zur poli- tischen Beruhigung und Stabllität beigetragen haben. Tatsächlich hat die Reichsregierung das ungefähre Gegen- teil davon getan. Es ist überflüssig, die Kritik, die hier schon so oft geübt worden ist, im einzelnen zu wiederholen. Es ist selbstverständlich, daß in Zeiten absteigender Konjunktur die Unternehmer bestrebt sein werden, die sogenannten übertarislichen Löhne, die in Zeiten guter Kon- junktur durchgesetzt worden sind, wieder zu reduzieren und ganz zu beseitigen. Die Reichsregierung hat aber darüber hinaus wiederholt, sei es durch Zwangsschiedssprüche, sei es durch Notverordnungen, auch die Tariflöhne und die Be- amtengehälter ganz allgemein herabgesetzt, und zwar so scharf, daß sie auf das Niveau fielen, ans dem sie vor der Rationalisierung sich befanden. Da nun die Wirtschaftskrise in der Hauptsache gerade dadurch entstanden ist, daß durch die Rationalisierung die Produktivität ganz erheblich über die Kaufkraft der Löhne und Gehälter hinaus gesteigert worden ist, so mußte eine derartige Politik zu einer ungeheuren Lerschärfung der Wirtschaftskrise führen. Die Betriebe mußten noch un- rentabler werden, weil infolge des zurückgehenden Be- schäftigungsgrades die sogenannten fixen Kosten immer stärker auf die Selbstkosten drückten. Die wachsende Arbeits- sosigkeit mußte naturgemäß sich nicht nur auf die öffentlichen Finanzen verheerend auswirken, sondern auch die Betriebs durch steigende Sozialabgaben und Steuern belasten. Es hatte den Anschein, als ob sich die Reichsregierung Bei Erlaß der Notverordnung vom 8. Dezember 1931 darüber endlich Rechenschaft abgelegt hat, wie gefährlich für die Wirtschaft selbst und für die öffentlichen Finanzen diese Politik sein muß. Sic hat den Versuch gemacht, durch einen gleichzeitigen Preisabbau den Löhnabbau in seiner .Wirkung auf die Kaufkraft auszugleichen. Dieser Versuch ist nur kalb gelungen und damit tatsächlich mißlungen. Der Preisabbau ist in seinein Umfange gut um die Halste 'stinter dem Lohnabbau zurückgeblieben. Damit trat die„ri�eue Situation" ein, von der der Reichskanzler in seinem bekannten Schreiben an Genossen Otto Wels sprach. Wie aber ist die Reichsregierung dieser neuen Situation gerecht geworden? .Es ist bekannt, daß aus Anordnung des Reichsfinanz- Ministeriums die Gemeinden die Lohn- und Mantel- tarife ihrer Arbeiter kündigen mußten, um einen nochmaligen Lohnabbau vorzunehmen, obwohl die Löhne der Geinelnde- arbeitsr innerhalb eines Jahres bererts um nahezu ein Drittel gekürzt worden sind. Wir brauchen nicht im einzelnen auf die übereinstimmend lautenden Schiedssprüche hinzu» weisen, die in verschiedenen Industrien und Berufen gefällt worden sind und die— das geht, auch aus einem Artikel des Reichsarbeitsministers" hexoor— den Richtlinien entsprechen, die der Reichsarbeitchninister dem Schlichtern gegeben hat. Diese Politik in ihrer Gesamtheit geht darauf hinaus, für mehr als ö Millionen Arbeiter und Angestellten die Löhne und Gehälter nochmals zu kürzen, obwohl die übertariflichen Löhne fast restlos beseitigt und die Tariflöhne weit stärker abgebaut worden sind als die Lebenshaltungskosten. Daneben hat die Reichsregierung bisher nichts getan und alles vermieden, was dazu führen könnte, fei es. auf dem Wege der A r b e i t s z e i t v e r k ü r z u ng, sei es auf dem Wege der Arbeitsbeschaffung, wenigstens einen Teil der 6 Millionen Arbeitslosen wieder in Be- jchäsligung zu bringen. Und wie will man die Beschüftigungs- Möglichkeiten steigern,, wenn man systematisch die Kaufkraft aushöhlt? Ist es unter diesen Umständen verwunderlich, wenn große Massen der Arbeiter und Angestellten, des Mittel- flandes, und der Landwirtschaft sich den radikalen Demagogen oerschreiben, die ihnen das Blaue vom Himmel herunter versprechen in dem sicheren Gefiihl, daß sie nichts zu halten haben werden? Die Reichsregierung muß sich endlich darüber klar sein, daß die politischen Absichten sich in ihr Gegenteil verkehren, wenn sie nicht von den entsprechenden Hand- l u n g c n begleitet find. Sie muß sich endlich dazu ent- schließen, eine Politik des Wiederaufbaues, des zerstörten Binnenmarktes durch den Wiederaufbau der ausgehöhlten Kaufkraft zu treiben. Sie muß den Ganz- und Halbarbests- losen wieder die Hoffnung geben auf Arbeit und Verdienst. Nur eine solche Politik kann zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise beitragen und damit auch zur Ueberwindung der politischen Krise. parieien ohne Siimmen. Der llnsug der Splitterparteien. Als ein Wahlkuriosuin verdient die Tatsache verzeichnet zu werden, daß von den 37 eingereichten Listen für die preußisch« Landtagswahl dtei Listen überhaupt ohne' jegliche Slinrmen blieben. Selbst diejenigen, die diese Listen eingereicht haben, stimmten nicht si/r ihre Ästi."•■■■•..... ■ Es handelt sich dabei um die Liste,'.Höchstgehalt der Beamten Ml Mark" und um die Liste 26..Radikale Partei" i Bewegung für ael-Zllchs Äeburtenregelung a/nd Wohlstand). Auch die zuleßt ein. gereichte Liste-Nr. 37„Menschheits-Partei" blieb in allen 23 preu» ßijchen Wahlkreisen ohne ein« einzige Stimme. ZM« Liste. 34..Akli- vistische NolgSmeinschast der Hyporhekengläubiger" und die..Deutsche Ksmpfpartei.gegen Inflatjsn.und. Falschgeld-Politik" konnten es jedenfalls noch- auf.. 234 dßw. ZllZ- Stimmen bringen. Illrchcnoerhaslungen von Ukrainern, �besonders von Studenten, hat die polnische Polizei vorgenommen. Sie behauptet, die geheime utrain.jche Milltärorgamjation aufgedeckt zu haben. 1 Saubere Haushaltsgebarung! Die Rechnungsprüfung im Reich.- Ernste Mahnung an das Auswäriige Ami. In der Diskussion über den Rechnungsbericht im Haus- halts-Ausschuß des Reichstags kam zum Ausdruck, daß die Rechnungsprüfung durch die Legislative gelegentlich auch zu Reibungen mit der Exekutive führe. Von den Abgg. H e i n i g(Soz.), Dr. S t o l p e r lStaatspartei), Dr. Köhler(Z.) und Keil(Soz.) wurde aber ausgeführt, daß die Legislative nicht etwa nur eine Bewilligungsmafchine zu fein habe. Es fei die Pflicht der Legislative, sich darum zu kümmern, ob ihre Be- willigungen sinn- und sachgemäß durchgeführt wurden. Es sei ihre vorgeschriebene Pflicht, jede überplanmäßige und außerplanmäßige Verausgabung von Mitteln durch die Exekutive ihrerseits nachzuprüfen. Ebenso gehöre es zu den Pflichten der Legislätwe, in jedem Einzelfalle, wo eine von ihr beschlossene Bewilligung nicht voll ausgeschöpft worden ist, genau kennenzulernen, weshalb sich für die Exekutive eine Korrektur.ihres Beschlusses ergab: Erst dann, wenn der Reichstag nicht nur bewillige, sondern auch die Durchführung seiner Be- willigungcn nachprüfe uiid das Resultat dieser Bewilligungen kennenlerne, erfülle er die ihm durch die Verfassung übertragene hohe Aufgabe. Zu einer grundsätzlichen?luseinand Die Arbeiterpartei hat ihre erste Machtprobe im irischen Par- lament erfolgreich abgelegt, Sic ditzchkreiizte die Absicht de Va< lera?,. Pen ganzen Abend mit der Erörterung des Treueid- ges etz e s auszufüllen und setzte'es durck., daß' die'Abendstimd-n für die Befprxchung der A c b e i t s l o.s e n f r a g e benutzt werden sollen.. Bei der Abstimmung.wurde''. die Regierung mit 74 gegen 66 Stimmen geschlagen. porauf die Opposition stürmisch den Rücktritt de Aaleras.forderte, Dieser erklärte, gegen die Einbringung eines Bertrausnsantraae? nichts einwenden zu wollen. Da dies nicht geschah, trat da? Hau» zunächst in die zweite Lesung des Gesetzes über die Abschaffung des Treueide»«In. An diesen Tagen bringen wir Riesenmengen von Resten u.Abschmtten für Kleider, Mäntel, Blusen, Wäsche, für Gardinen, Stores usw. usw., die sich bisher vorwiegend In unserem grossen Jubiläums-Verkauf angesammelt haben, auf iXTRATISCHEN zum Verkauf UMHW �> WWWMU.� OEiFir ummf m msmm liÜWS mamMl Theater, Lichrfpieleufw. Siadf.ODer Charloitenburg BismarckstraBe 34 Donnerstages April Turnus V DieEnüiilirung aus dem Serail Neueinstudierung Perras, Eisinger, Pidesser. Kandi, Gombert, Reiff Anfang �0 Uhr Ende 22.45 Uhr Vottisauitne TUsater an Bülowalatz 8 Uht Liliom" mit Hans Albers ff■ Staat). Sdiillet-taeater 8 Uhr Naltmn der Werse TSBl. 5 ii. SH Uhr Herac« Goloin Kpt Wlnston tsw, (alte Scliies. 6ht. hlJti.Stos.25g.au l.| IDerVogelhäodler 1B I s M. n a I 1 liasdii. vsr fln'ert! Theater a-ltoiiendortpiatz Pallas 7051 Rh; oo A weoije Tagt! 8Vi Uhi.Stg. 41,« Uhr Traoffleinerllaelil Operette in 3 Akten Regie: Heinz Saltenbnrg Rundfunkh halb.Pr Stgs. 444 Uhr Kl. Pr pTdealerinfler-, Stresemannstr. Täglich S><. Uht BeuuRüDmann- OerMuslergatte Schwank in 3 Akt WM! loeatEf 8 Uhr Vor Sonnen* nnleraang v. Gerh. Hauptmann Regie Max Reinhardt meiropoi-ineaier Täglich 8V. Uhr Cnrt f.ötz in Mus Aimee Operette von Curt Götz, Musik von Benatzk? Theater desWestens Ab Freitag täglich 8';» Uhr üutsiiiel|0S. PlBDt: Der Raub der Sabinerinnen lesiino-Tneaiet Täglich 8'.'. Uht Das riwattr dir Sdiauspieler Maria Stuart Ulla Durieux, Erika Wagner Siaafs Tüeaicr Donner siag, den 28. April staatsoper umer Pen Linaen 20 Uhr Der fliegende Holländer »%uhr CASIIiQ- THEATER Lothringer Stranc 37. iitiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiMiuiiiliiiiiiiiiii GrosserPreis-Abbau! Auch Sonnabend u. Sonntag: Park u Rang Seite nur 0.50. Faat. u. Rang Mitte 0.75, Sperrsitz u. Balkon 1.—. Logen u. Sessel t.50 Der Operetten-Schlager: „EBeEBjpinea" HiBen-aeitalii Maa aKäsierl sidi für wrais CeUl 'b.itlmtit! mruicH AmWWWMH CtlVE BROOK RfUlE* JOScrvJTTRWBERia eiNr».t.aioiÄr film Hcesw&w 5- 7*- 9? Vorverkauf: Täglich 12 bis 2 und ab 4 Uhl Fernsprecher: B 7, Pallas 0679 S-U.-Vorst.: Einheitspreis RM 1, «»ssssssJ. $ « » « G « «v 9 9 9 9 9 % teeeees-eee eeti Unfcrem langjährigen verdienten Adteilungstaisierer u.Wohlfahris- iommi»stons-Vorsteher, Genossen Karl Nisalke und seiner Lebensgefährtin, der Genotftn »tsCI«ig Biisslks entbieten wir hierdurch unsere HrrzIiiHilen Gliiikniilnschs zur Feier her heutige» Silberhoch cit ZPII. IZZ»disimng üiiMnai?. äpli.-Hdkllvii der XIV. iVb-X«. KInvLllsveriisnP u.rizendLlip.kT PkuiZliiisaaz. nnsgruliiie uenin Unseren Mttgttedern die traurige Nachricht, datz unser Berbandskotiege Dtto Lekvrsrz Dreher diÄfW. Tempeihof, am 25. April persforben ist. Ehr« seinem Andenten! Die Einäscherung erfolgt am Sonn- ahenh.»cm 30. April, um 13' j Uhr. Im atemalottuOT Gerrchtitraße. Rege Beteiligung erwarte! Die OrttvetwolioDg. Parteieenossen fintlen fieundl _ Aufnahme, sehr su e Küche(5 Mahlzeiten). Oartcn mit Lieeewiese direkt diu Hause, nahe Wald und Bahnstation. Schwimmbad vorhanden. Pension 3,50 täglich, keine Nebenkosten Albert Karger, Lutl- knror. Harriehausen(Harz). HEINI SIHUFZIMMER direkt ab Fabrik EngrosPreise BERLIN O 34 Rennen zu KARISHORST Donnerstag, 28. April, nachm. 3« Uhr Jagdrennen der Vier jäbrlgen DeDiidiEsMIIaMtiii-lleiliasil AOtluaä! Adiiangi Verwaltan&mitgiieder! Freitag, den 2». April 1932, abends 7 Uhr, Sitzung Der Mittleren Orts- Verwaltung. D!e Orlsverwallung. Püüipers KobianH& Co. Pumpenfabrik. Berlin N 65 Reinidcendorfer Sfiaße 95. Outt(ung) UQvai» u ReKlomemdrHen ferfifif vi;*iS Jahren) ab Speziuh'fol j Conrad Müller i KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 10 Pf. FettQed udaesWort 20 Pf?,(zulässi? 9 fettgedruckte Worte (Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen für 2 Worte) Annahme durch den Ver ag, Lindenstr.5 (i/j9_, Uhr) sämtl , Vor wät»s'-Filialen u.-Ausgabestellen, sowie alle Annoncen-Expeditionen uepHäuie fflöDei Prochtpiano«. zehnjährige Garantie. 7i)0.—. ge- brauch!« 250,—. Mo- naisratcn 15.—. Re- paraturen Siim- mungen. Anger- hbfers Pianoforte- fabrif. Gr. Franf. surf erstr. 48a iÄirch. burchgang)._ Ibachpiano 300,—, andere 100,—, 150,—, gebrauchte. Hcrer, Prmzensfraße Radioanlage», alle Warfen auf kleinste Monats- rate». Billige Preise. Vorführung fosten Fahrradzubehör enorm billig. Wulst- reisen 0.90, Drahi, reisen 0,75. Schläuche 0,35 M., Warfen. »eNtVdu�ir? M bricht Eisen und wem das Rauchen 2U teuer wurde, der kaue. Kauen ist gesund u. billiger Doms Kautabak wird vom Kenner bevorzugt—Versuch macht klug Verliehe» gewesen« Ilcun«lB- Möbel unter Preis. .stamerUug, stasta, I«»Nla nicnallec 5««Eck- R F-Hrdcllinerstraße).', aoaches, Lprechmaschinen. Patentmatratzen,, Netzanschlußanlage, Tapeten SsiUat, Kolonie- strafte 9__ Phototäuber verzogen nach Ro. L>! scnthalerstratze 49. Dort große Gelegen- Auflegematratzen. lieitskäufe in Mar- Metalldetten. Wal-! '«?kam-ra- und t-r. Stargard-r- anschlugferlig. 4«,-. Zeigglasern. strage achtzehn. Kein Lautsprecher 4,75, _ 17.50, oierpolig 13,-, Schlafzimmer. 18,—. 2*2,—. Softem poliert, echt Pim» 14.75, 6,50. Elektro- bäum. Schrank 2 dosen 3,50, 5,50, ! Meter, 2 Betten.! Anoden, 1U0 Volt, Nachttische, Frisier- 3,25, 4,40, 4,95. Netzzurück. anoden 13/—. Bast. > komplett mit Röh ren, Lautsprecher, KlftliUngZZHlC!». u/ssctie usu/. Von staoalicre» getragene WWWWWW und neue Herren- gesxg«, 420,—. Moritz I.'cmoterial Spreä>- anzagt Ulfta, Hirfchonjik, An- Maschinen, Rotier- Paleivi,. 1-de �>- dreasstiaße 30. billig !?IllZiI« lllZll'lllNSIII« zur passend tauft enorm Leihhaus Friedrich, . strahe 2. Keine lLombardware.__- ! Hosen| Mietpianps, jtüt Zimmerer unbl Kausgclegenheit, ! Maurer Wilhelm krenzsaitiges. 230.- Pahr. Brunnen-jBahrl, Haupisir. listraße 78. ISchoneberg. apparate 9�—, 12,- 15,— Schrankavpa. rate 28<-. 32, 35,— 45,—. 10 000 Werke 3.— 4.—. S,— sowie alles Zu> behör billig Machnow. Weinmeistcr, strotze 14. und Char> lottenburg Kant. ktratze 93. los. Szila!?. Dresde» Schläuche 1,— M.. nerstratze 99. kein Schiauchrcisen 2,—, Laden, Iannowitz Ketten 0,35, Pedale Rr. 0435.• 0.65 Sättel 1,50, Taschen 0,35, Lenter 0.50, Bremsen 0,50 gespannte Ruder t,75 M., Dnnanio- lamve 3,75. verchromt 6.50. Mach. now, Weinmeister. stratze 14. s»ZiiliiLZciUlien\ inen, rotze Äuswahl. Mark 85.— an in Rundschiffchen und Ccntralbobbin S5,—. Machnow Wein» Meisterstraße 14. Fanprsaer Gebrauchte .-, 25.-, r; 35,—. Machnow. Weinmeisterftr. 14. Ballon räder. fabrikneu. 34,—. an. mit Freilauf und Rücktrittbremse jetzt 42,—. 45,—. 55.—. Ballonräder Marke Brennabor. Ballonrädel Stern. 68.— Äreona jetzt Machnow. meisterftraße 70,—. Gsscnans' uer.ssuie uep- mieiunoen Ohne Sinichreibegefd oermiltell Woh» nungshcld Z!eu« Kömgstratz» acht» unddteitzig. direft Alcronderplat!__• Lorschutzlos Nachweis von Wohnungen jeder Grötze und Segend. Seit nur Alexanderstratze 143, Babnhos Iannowitz» brückc. Dchiatm wäre, zu pctlaufcn. F. 2. 0231. Hauigssucne ] Sabnacbiffe. Vlatinabr'älle Quecksilber.4inn . metalle. Silber- Marke fdtmcUe©olbfäuncl- 75,— zeret. Christ ionat 95,— Kövenickerftraftk 39 Wein-iLalteflellr Adalbert 14. strafte Srätzt«» Fahrrad. I Goldschm-lk, Haus Deutschland». �gbnaeblsse. zen. Uhren. sse, Mlln. Fabrifvene Jen. Uhren. Höchst- Fahrräder 33,— zrhlend, Soldfrell 35.— 45,—. Mach. Aleranberstratze 8», now, Weinmeister.. neben PoLzeipräst- stratze U. I dium.• Schlasstelle, saubere, hillig. Hil- debrandt,-Dorti» stratze 02. ! sglgniiZg [üMPlorenl Brieftasche, enthaltend Reise» paß. Bargeld und Briese, verloren. Ehrlicher Finder wird gegen hohe Belohnung um Lb« lieferung gebeten. Max Braunsberg, Steglitz. Fichie» ftraße 31� Tele« phon.7 Steglitz li'SS-i Ar. 195» 49. Zahrganz 1. Beilage des Vorwärts Oennerstag, 25. April 1952 flTOt§y,db frstgestestt. Der Trick des Mannes war folgenderi Er wie lere sich ein � i m m-c r und erklärte. Vertreter einer holländischen Firma-zu sein und jeweils eine Filiale einrichten zu sollen, linier einem Varwand schrieb er an die Chetbürns großer Firmen. Nachdem er so die llnterschrist der Prokuristen usw. in.Händen Halle und aus dem Briesboge» der Firma deren Bankverbindung erfuhr, sührle er eine persönliche Ilnterredung herbei. Ain nächsten Tage rief er nun bei der Batik der Firma an uich sagtet„hier ist der Chef der Firma X. Morgen wird bei Jline» ein Wechsel über büG) Mark vorzelegl. Zahlen Sie die Summe an--", es folgten nun die Namen: entweder Wolsgang v. Brenk, v. Longteld oder auch v. Schulten. Totsächlich wurde der Wechsel vorgelegt und eingelöst. Bei den Ab- rechuungen ergab sich dann, daß die Banken einem Schwindler zum Opfer gefallen waren. So war es dem Manne gelungen, in verschiedenen Städten Betrügereien zu verüben. Die Banken wur- den ausmerkiom gernaelil und als Schillinger jetzt wieder in Frankfurt o. M. einen solchen Betrug inszenieren wvllle, wurde er festgenommen. pfingstrückfahrkarten ab 2. Mai. Auch im Ausland erhältlich! Für die billigen Festtagsfahrkarten(33)� Pro.;. Ermäßigung), die zu Pfingsten ausgegeben werden und vom II. bis 23. Mai gellen, hat die Neichsbah» eine neuntägige Dornerkautsfrist festgesetzt. Der Borverkaut dieser Karten beginnt- also in den'Ausgabestellen des MER-Reisebüros uird bei den Fahrkarteiiausgabestcllcit der Fernbahnhöse am 2. M a i.'An diesem Tage werden die Festtags- karten verkaipt, die ab ll. Mai benutzt werden sollen, am 3. Mai sind die ab 12. Mai gellendeti Karlen erhältlich»>!». Gleichzeitig wurde auch die V o r o e r k a u t s t r i st für Platzkarten ans neun Tage ausgedehnt. Am 2. Mai sind also auch schon die Platzkarten für die am 1 l Mai verkehrenden Schncllziige erhältlich. Zum erstenmal sind die Festtagsrückfohrkarten auch im Aus- lande, und zwar in Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Oesterreteb, Polen. Schweiz. Schweden, Tschechoslowakei und Ungarn erhältlich; sie werden in diesen Ländern in den MER-Vertretunge:i ausgezaben, die zu diesem ZwCfkc besondere Blanko Fahrkarten ausstellen. 'JOcr Kamps um den Asphali. Obcrbiirgcrmtificr stellt Etrafantrag Der Städtische Nachrichtendienst teilt mit: cherr A n I o tt Fischer hat gegen Stadtbaurat höh n wegen der Vergebung der Atplwltunterhaltungsorbeiten ebenso gegen StodtrotWenzel- Wilmersdorf-< ch tv e r e B e- l 6, u l d i g u n g e„ erlioben. D-r Oberbürgermeister Hot Siodtbaurar Hahn sofort Ge'cgeicheit gegeben, stch zu diesen BeschulÄgungen zu I äußern. Da Stodtbaurat 5>abn sämtliche Beschuldigungen äs u n- wahr erklärt», lyai der Oberbürgermeister gegen cherrn Fischer Strakontrag wegen verleumderischer Beleidi- qunz gestellt hierdurch soll Gelegenheit zur völligen Aufklärung der Angelegenheit durch eidliche Vernehmung von Zeugen gozed-n werden. Di« gegen Stadtrat Wenzel erhobenen Beschuldtgungen sind vom Oberbürgermeister dem Bürzernrerstcr Dr. Franke-Wtlmersdort als dem zuständigen Disziplittaroorgeseglcn zur weitere.! Veranlassung zugeleitet worden. 'Zwei Kinöer tödlich verunglückt. Aus detn alten Friedhof in der K i r ch h o s st r a ß e i n Spandau kant gestern der zehn Jahre alle Schüler Horst S ch u i z aus der.Kurstraße 4 ai" traglseln? Weise ums Leben. Der Junge spielte zusammen mit mehreren gleidrolirigcn Kindern, dabei flcrtem er a u- einen Bauin. Plötzlich verlor er dos Gleichgewicht und stürzte kopfüber in die Tieic. Der Veruvalückle wurde ins Städtische Krankenhaus Spandau gebracht, wo er kurze Zeit nach seiner Ein- lieienmg starb.— Der zweite tödliche lln-äll ereignete sich vor Daher die Mzi-Fahnen! „Gesinnung" ist bar bezahlt worden. In den Tagen vor und nach der Wahl wunderten sich viele. Leute und namentlich auch auswärtige Korrespondenten, daß zum mindesten in rinzolnen Stadtvierteln bei ter BctI.-zgung die Haken- kreuzstoggen gegenüber den Zeichen der Republik im Uedc-rzewicht ivaren. Man wollte an eine so starke Verseuchung des gesunder. Sinnes in der Berliner Bevölkerung nicht glauben, und der Wahl- ausgang in Berlin hat dem ja auch Recht gegeben. Nicht die Nationalsozialisten, sondern die Sozialdemokraten gingen a I s st ä r k st c Partei aus dem Berliner W a h l k a in p s hcroar. Der..Flaggenitreit" und leine Aue wirkungin finden aber jetzt eine sehr intereiiante und iür die moralische Verlumpung der Nationalsozialifien bezeichnende Erklärting. An Erwerbslose sind für das Aushängen der Hlllersloggen Barprämten von 3, 2 oder l Mark pro Tag bezah» worden. Das ist allerdings eine 2ltts- beulung der allgemeinen Not. die nicht überboten werden kamt, auf der aitdrrc» Seite aber auch ein Zeichen doiür, daß der vom .Kapital gesiillh? Geldbeutel der Männer vom Brcumcn Haufe im erfchöpjlich zu fein scheint. Zluch noch einige weitere Nachträge zur Wahl sind von Jiue». esje. Da criäbrt man, daß eine alte Frau von 8 7 Jahren durch eine Schwester der Ekisabeth-Eemeinde zum Wahllokal g.'- ichlcppi wurde. Obwohl sie weder taub noch blind, vielmehr im bewunderungswerten Vollbesitz ihrer körperlichen Kräne ist, redete d i e Schwester aus sie ein. nationalsozialistisch zu wählen, und macht« für sie unter dem Vorgeben, daß die alle Frau körperlich gebrechlich sei. das Kreuz neben die Naziliste. Ein Fall von unglaublicher Frechheit wird uns aus dein Süd o ll c n berichtet. Eine Frau iit leit über 20 Jahren mit einem Deutschen jüdischer Konfession verheiratet, beide täße» in einem Cafehaus. Plötzlich drängte sich eine weibliche Person an den lisch und tteranlaßlc die Frau, sür einen Augenblick wegzusehen. Ginch darauf lag ein gedruckter Zettel mit diesem Text aus ihrem Tisch: ..Sic verkehren mit einem Juden! Es ist einer deuticheti Frati unwürdig, überhaupt einen Juden zu beachten— geschweige gar iich mit ihm zu vermischen. Wir nehmen cm, daß Sie stch der Tragweite Ihres Tuns nicht bewußt sind und warnen Sie. Soll- ten untere weitercit� Veabachtungett ergeben, daß diele Warnung ahne Einfluß am Sie geblieben ist resp. Sie weiter verjuden, in wird Ihr Nenne in das Register derjenigen Frauen ausgenommen werden, die keinen Rassenstolz betäßett und sich an einen Juten wegwarfen. Diesen Penonen wird in einem neuen Deutschlava zur Kennzeichnung iür jeden deutschen Mann«in sichtbares Zeiche» ins Gesicht eingeätzt oder eingebrannt. Glauben Sic ja nicht, dies wäre ein Srttcrz oder leere Drohungen! Sie sird gewarnt und werden weiter beabachtci." Jeder Kommentar erübrigt stch. „Krise>tii!> Planwirtjchist." Zu diesem Thema veratniali-t die„Teutsktte ort geriet I"Ra für Menschenrechte" beute, Tevtlcrno«, 58.'April, 5t0.?v Ultt, int —•"nichzwlrischaft-rat. Bellevuesir. 13, einen Dizkitssionsabend, bei dem den' Hause?i a n n eu d a m m a l l c e in Siemensstadt.........., beim Ileverschreiteu des Fohrdanwtes der clijährioe Lothar Wehr- I'"chzwtr.twansrat. Bellevmiir. 1o.wen DtSktchi-nz-bend, be, dem Stab.. ... i-.>. bavrat Tr. Marnn AZagner. Pr»m wr Tr. E. F. Gnmbel, der Jniw- mann aus der vtnm&r clrnBc o2 ,»«.emensstadt unter d.c � veMmomt,. der Trznn an der Berliner llrivewt«.?, aN'Zcr. crlcz im l.�emak und Tv. Ronigrr daö Äort nchmcn werden. Aarien nnr an der Krankenhaus ssinen jchwcren B�rle�imz�n. j �ldendkasse...... Maifeier-Veranstaltungen. Feierstunden der Kreise und Abteilungen. 1. Krais— Mitte: 16 Uhr im Clou, Mauerstraße. 2. Kreit— Tiergarten und S. Kreis— Wedding: gemeinsame Feierstunde auf dem Wassersportplatz Plötzensce. Ab. 14 Uhr Kaffeekochen im Moabiler Schützenhaus, ab 16 Uhr Feierstunde am Sirandbad, ab 19 Uhr im Moabiler Schützenhaus Tanz. Bei schlechtem Weiter findet die Feier getrennt statt; 2. K r e i s im Moabiter Schützenhaus, 3. Kreis Hochschulbrauerei. Eintritt 25 Pf., Erwerbslose 15 Pf. Tanz-Nachzahlung 50 Pf, Kreis— Prenzlauer Berg und 5. Kreis— Friedrichshain; 16 Uhr im Saaibau Friedrichshain, Am Friedrichshain 22-23. Eintritt 50 Pf., Erwerbslose 20 Pf. Kreis— Kreuzberg: 16 Uhr im Schultheiß-Etablissement, Hasenheide 22-31. Eintritt 60 Pf., Erwerbslose 20 Pf. Kreis— Spandau: 17 Uhr in Weidner's Festsälen, Siemensstadt, Sternfeld. Kreis— Wilmersdorf: IS.'.- Uhr im Viktorisgarten, Wilhelmsaue 114. Kreis— 75. Abt. Wannsee: Iiis Uhr vormittags im lindenhof, Wiihelmplatz. Kreis— Schönoberg: 19 ä Uhr im Bürgersaal das Rathauses Schönaberg, R udclf-Wilde-Piatz. Eintritt 60 Pf., Erwerbslose 50 Pf. Kreis— Steglitz; 16 Uhr in den lichterfelder Festsäien, Zehlendorfer Straße. Festakt pünktlich 20 Uhr. Eintritt 50 Pf., erwerbslose Genosser. haben freien Eintritt. Karten bei den Bczirksführern und an der Abendkasse. Kreis— Tompelhof: im Parkrestaurant Südende. Ab 15 Uhr Kaffeekochen. Konzert ab 16 Uhr. Eintritt einschließlich Tanz 50 Pf., erwerbslose Genossinnen und Ge nossen erhalten freien Eintritt gegen eine Bescheinigung ihres Bezirksführets. Kreis— Neukölln: 16 Uhr in der„Neuen Welt". Kreis— Treptow— 101. Abt.— Treptow: nachmittags Kaffaekochcn im ParadieEgatten, IS'- Uhr Beginn der Feier im Saal. Abt.— Obertchöneweide, 104. Abt.— Niederschönewaide, 105. Abf.— Adlershof: Saaiöffnung 18 Uhr, Beginn 19 Uhr; gamoinsame Abendveransteitung im„Kyff- häuser", Niederschöneweide, Berliner Straße. Abt— Jchanaislhal; 16 Uhr im„Einsiedler", Sterndamm. Abt— Aitglienicke-Fa'kenberg und 110. Abt.— Grünau: 16 Uhr im Gemeinschaltshsus der Gartenstadt, Alter Gutshof. Kreis_ Köponick— 103. und 103a Abt: 15 Uhr in Uhlenhorst, lokal Seidler, Mahlsdorfer Straße, 18 Uhr Im „Stsdttheater", Friadrichstraße 6. Eintritt 50 Pf. 199. Abt— Friodriehshagen: 19 Uhr im Restaurant„Beüevue", am Müggelsee. 110, Abi,— Grünau: siehe unter 15. Kren— 107. Abt. III. Abt.— Bohnsdorf: 16'l Uhr bei Fleimann, Woltersdorfer Straße 100. 17. Kreis— lichtenberg: 15 Uhr im„Spreegarten" in Treptow. Eintritt; 50 Pf. bei den Funktionären, 60 Pf. an der Kaste.. 125. Uhr im Gesellschaftshaus Hamann, 4. «. 8. 9. 10. 11. 12. II. 14. 15. 105. 106. 107. 16. 13. 19. 112. IIS. 20. 117. 119. 17 Uhr im„Tägerheim". 16 Uhr auf dem Sportplatz am 18 Uhr in der Weißensser Stadt- Abt— Kaulsdorf: 191 Frankfurter Chaussee. 125a Abt.— Kau!sderf-SUd: 124. Abt— Mahlsdorf; Rosenhag. Kreis— Weifienseo: halle, Pistoriusslraße. Kreis— Pankow; 16 Uhr im„Bürgerpark", Pankow, im Bürgerpark am Rathaus. Abt.— Blankenburg: 16 Uhr bei Klug, Dorfstraße 2. Abt.— Karow: vormittags Treffen der Kinderfreunde des 19. Kreises in Karow. Abendfeier 18 Uhr bei Tagemann, Karow, Pankgrafenstraße 3. Kreis— Roinickendorf, 156. Abt.— Reinickendorf-Ost; 17 Uhr im Schützenhaus, Residenzstraße. Abt— Reinickendorf-West: 17 Uhr zwei Veranstaltungen, bei Heese, Berliner Straße 73, und bei Müller, Scharnweberstraßs 14. Abt— Tegel und 140. Abt— Borsigwalde: IS Uhr gemeinsame Feier im„Strandschloß" am Tegeler See, Tegel, Uferstraße 1. 159« Abt— Tegel-Freie Scholle: 18 Uhr im„Schollenkrug", Hermsdorfer Straße. 140a Abt.— Wittenau; Saalöffnung 18 Uhr, Anfang pünktlich 19 Uhr, im lokal Tulius Eberhardt, lübarser Straße. Eintritt 30 Pf., erwerbslose Genossen und Gewerkschaftsmitglieder 10 Pf. Karten sind noch an der Kassa zu heben Während der Vorführungen in der Zeit von 19 bis 20!.- Uhr findet kein Einlaß statt. Abt— Rotenfhall: 18 Uhr in Rosenthal I, Hauptstraße 1, bei Manthey. Programm: Ksfteekochen, Konzeft, Sprechchöre, Gesang, Ansprachen, Mai-Festspiele, politische Revuen. Mitwirkung der Kinderfreunde, SAT., Sportler, des Reichsbanners u.« Referenten: Siegfried Aufhäuser, MdR., Emil Barth, Klara Bohm-Schuch, MdR., Rudolf Breitscheid, MdR., Karl Dresse!, Gustav Eckhardt, Alben Falkenberg, Max Fechner, MdL., Bernhard Göring, Alben Grzesinski, MdL, Dr. Haubach, Tohannes Haß, Kurt Heinig, MdR., Max Heydemann, MdL., Dr. Turland, Maria Kriselte, Dr. Paul Krisch», Franz Künstler, MdR., Karl Litke., MdR., Tockel Meier, Otto Meier, MdL, Toset Orlopp, Karl Palmer, Gottlieb Reese, David Steiler, Karl Wermufh, Oswald Zienau Kit„Haarglanz": vollkommene Haarpflege! Schwarzkopf-lsLsarglanr Ist das hygienisch notwendige Stärkungs und Verjüngungsbad nach der Kopfwäsche. Er neutralisiert äie bei jeder Kopfwäsche ins Haar eindringenden Alkalien. Er zieht das gequollene Haar wieder zusammen— er adstringietf es— und läßt es schneller trocknen. Dadurch gewinnt das Haar seine natürliche, jugendliche Straffheit wieder. Es beweist seine neugewonnene Festigkeit und gänzliche Reinheit duidi den strahlenden Gianr.„Haarglanz" liegt jedem Beutel Echwarzkopf-Scha'jmpon bei. Weiße Packung 20 Pfg,. grün? Etfr»■ Pedfung mit Schaumbrill? 27 Pfg. 141. aar seine f Zuchthaus für Raubüberfa«. Attentat auf die Schwiegermutter vor Gericht. Der gute Ton in der siraBenftahn. Ein sehaltner pacK) aus! /Die sucht, auleesnaschsrie Wut aufladen... Eine Neihc tiramotijdjcr Kriminalvorgänge fand vor den, Schöffengericht Schöne berg ihre» Abschluh. Im ?ui! v. I. wurde die Witwe Feiste in ihrer Wohnung Herrn a n n st r. 4-1 in?! e u k ö l n überfallen und beraubt. Vor etwa 8 Tagen erhängte sich ihb Schwiegersohn im llntersuchungsgefängnis Vioobit- Seine vier Komplicen, die vorbestrafte» Kolter mann, K n i s p e l, Franke und Felix, hatten sich wegen schweren Raubes zu verantworten. Dasi der Schwiegersohn der Witwe Feiste, Westermann, überhaupt de» vier Angeklagten den Tip zum Raube gegeben hatte, ist der Kriminalpolizei erst vor kurzem bekannt geworden, als der An- geklagte Koltermann dem Westermann einen Kassiber zuzustecken ver- suchte. Daß er in Wirklichkeit in die 5)ände des Beamten gelangte, merkte Koltermann nicht. Auf Grund des Kassibers wurde Wefter- mann oerhaftet, sah sich überführt und schied freiwillig aus dem Leben. Der Angeklagte Koltermann tischte jetzt dem Gericht das gleiche Märchen auf, das er in jenem verhängnisvollen Kassiber für Westermann niedergeschrieben hatte, damit dieser wisse, worauf es ankomme. Koltermann schilderte die Sache so, als sei es Frau Felske selbst gewesen, die den Einbruch in ihre Wohnung gewünscht habe, um ihren Schwiegersohn, der mit der Tochter in Scheidung lag, und den sie über alles haßte, der Teilnehmerschaft am Einbruch zu bezichtigen und ihn überall blamieren zu könne». Koltermann hat Wcstermann im April v. I. kennengelernte letzterer klagte über seine Familienverhältnisse und erzählte von seiner Schwiegermutter, daß su Hausbesitzerin sei und regelmäßig Mietgelder einkassiere. Koltermann will das Vertrauen der Frau Felske gewonnen und ihr erzählt haben, daß er einmal wegen eines fingierten Einbruches bestraft worden sei. Danach soll sie ihm den Austrag gegeben haben, auch bei ihr einen Einbruch vorzuychmen. Er habe den Angeklagten Franke hinzugezogen, der noch zwei weitere Komplicen mitgebracht habe: alle vier sind dann am 2. Juli durch ein halbangelehntes Fenster in die Wohnung gedrungen. Als Frau Felske die vier, die vor dem Gesicht Tücher trugen, in der Küche überraschte, seien zwei seiner Komplicen, die nicht wußten, was gespielt werden sollte, über die Frau hergefallen, hätten sie gewürgt, ihr Faustschlüge versetzt, sie geknebelt und in einer Weise zugerichtet, daß sie in Ohnmacht gefallen sei. Dos alles sei aber nicht beabsichtigt gewesen: man Hobe nur einen Einbruch begehen wolle». Dieses Märchen des Angeklagten fand bei dem Gericht sehr wenig Glauben. Die übrigen Angeklagten schilderten die Bor- gängc auch ganz anders. Das Schöffengericht verurteilte die vier Angeklagten wegen ge- meinichastliche» schweren Raubes, und zwar den Kaufmann Kol- t e r m a n n zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, den Arbeiter Alfred Franke zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, den Bildhauer Erwin K n i s p e l zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und den Arbeiter Felix zu zwei Jahren Gefängnis. In der Verhandlung verlas der Vorsitzende Kassiber, die Kaltermann an Westcrmann gesandt halte und in denen-die ganze Verteidigung i der Angeklagten, daß sie den Einbruch auf Bestellung ausgeführt hätten, dem Westermann niitgetefTi wurde. 2h Millionen Fehlbetrag im Kreis Teltow. In der letzten Krcistagssitzung des Kreises Teltow wurde der Voranschlag für das Jahr 4332 verabschiedet. Gegen den von dem Landrar von Rathnfius vorgelegten Etat stimmten nur ein Nazimann und die Kommunisten. Der Etat weist bei einer Gesamtsumme von 13,5 Millionen Mark einen Fehlbetrag von 2747 3 00 Mark auf. Allein der W o h l f a h r t s e i a t erfordert einen Zuschuß von 6146300 Mark. Im Vorjahre waren für den Wohlfahrtsetot l löOOOO Mark eingesetzt, so daß die Steige- rung über 4'Millionen Mark beträgt. In der Etatdebolte legte der Kreistagsabgeordnete S k i r k- Nowawes die Stellung der Sozialdemokratie zu diesem Etat klar. In der Abstimmung wurde der Voranschlag mit 20 gegen 6 Stimmen, also mit mehr als zwei Drittel Mehrheit, angenommen. Der Ortsverein der Sozialdemokratischen Partei und des Ge- werkschaftskartells Werder a. d. H. veranstalten am Sonntag, dem 1. Mai. abends 6 Uhr, eine gemeinsame Maifeier im Gesell- �us ciom kussiscdisn übertragen von Werner Bergengruen. In der nun entstehenden völligen Stille hört man deut- lich das dumpfe Geratter von Lagagewagen auf einer chaussierten Straße. Daraus das Getrappel zahlloser marschie- render Füße und abgerissene deutsche Worte. Einzelne Worte > sind vollkommen deutlich zu verstehen. Wir hüten uns vor dem winzigsten Geräusch, kaum daß wir ein paar Worte zu flüstern wagen. Die Marschbewegung auf der E'haussee hält noch lange an. Die Nervcnanspannung läßt nach. Wir gewöhnen uns schnell an die Nähe des Feindes und stehen so ruhig, ols feien wir zur.Seite getreten. um einen unserer eigenen Truppenteile vorbeizulassen. Viele haben sich an Bäume gelehnt und schlummern. Die Füße schlafen uns ein, aber wir stehen regungslos. Wir bleiben noch einige Zeit stehen und marschieren dann weiter. Nicht einmal Rodins grauer Mantel, an dein ich mich festhalte, ist in der nächtlichen Finsternis zu er- kennc». Wir stolpern, lausen auf den Vordermann zu, reimen gegen Bäume an und beschimpfen einander. Dieser sonderbare Vormarsch mit weitgeöfsneten und doch nichts erfassenden Augen hat etwas Niederdrückendes. Plötzlich em Stoß, ein Fall, ein irrsinniger Schmerz am Fuß. Ich stürze.in eine kleine Grube. Ein Bein bleibt oben. das andere, das die ganze Last des Körpers zu tragen hat, gleitet in die Tiefe. Der Fuß knickt ein und ich sause mit meinem ganzen Gewicht hinterher. Der wütende Schmerz springt bis zum Herzen hinauf, preßt es zusammen, überzieht es mit eisiger Kälte. Die Kette ist plötzlich gerissen und bewegt sich ohne mich weiter. Ich rufe. Aber niemand sieht mich. Die Leute fürchten einander zu verlieren und wollen nicht haltmachen. � Ich kann nicht ausstehen. Der gräßliche Schmerz gestattet, mir keine Bewegung. Ich leg« das Gewehr zur Seite, reiße' Endhaltestelle der Etrohenbohn. Irgendwo ganz weit draußen, an der äußersten Peripherie der Weltstadt. Es ist Abend. Im An- Hänger sitze» die beiden Schaffner und der Wagenführer und kauen ihre Stullen. Während dieser Fahrt, vom einen zum anderen Ende der Stadt, hat man Gelegenheit gehabt, die ungeheure Reizbarkeit des Publikums den Schaffneru gegenüber fest- zustellen. Die meisten Schaffner haben sich eine Hornhaut aus Gleichmut, Lzumor, Witz und Schlagfertigkeit gegen die dauernden Entladungen eines durch politische und soziale Lage aufs äußerste gereizten Publikums ongeschofft. Selten nur verlieren sie die Ruhe. Die Berliner Beamten der Bcrkehrsmitlel, der Straßenbahnen, der Untergrund, der Autobusse, sind— dies Zeugnis fei ihnen hier aus- gestellt— trotz des gespaniitcn Lerhältnisics, das zahlreiche Fahr- gaste heraufbeschwören. Meister der Selbstbeherrschung geworden. Und sie sind echte Berliner geblieben, die für die schwierigsten Situationen ein treffendes witziges Wort und somit die Lacher auf ihrer Seite hoben! Hier an dieser Haltestelle betritt man also den Wagen und richtet an den einen der beiden Schaffner, einen jungen Mann mit einem guten Familienvatergesicht die Frage, wann die Bahn zurückfahre. Ein Blick auf die Uhr. Dann kommt die Antwort. Klar und fach- lich. Eine Zeitangabe. Allmählich kommt man doch ins Gespräch. Ich entsinne mich eines Vorsalls, der sich vor etwa einer halben Stunde in dieser Bahn ereignete: An einer Hauptverkehrsader stieg nach heftigem Wort- Wechsel mit dem Schaffner ein zorngerötctcr Herr mit zerhackter Backe und steifem Genick ab und rief noch aus der Strohe unter Fäiisteschütteln, doß er sich über den Schaffner beschweren wurde. Dieser nahm davon Rotiz und wies, wie um dem Auf- geregten die Arbeit der Beschwerde zu erleichtern, auf die Wagen- nummer(nicht die Nummer der Linie!), die sich auf der Rückseite befindet. Natürlich wandte sich ihm die Sympathie der Zurück- bleibenden zu. Run will man wissen, wie es zu diesem Borfall kam. Aber der Schaffner schweigt, kaut griinntig an seiner Ettillc weiter. Da greift sein Kollege ein. „Sie wissen ja gar nicht", sagt er,„wie sich gewisse Fahrgäste benehmen. Fast durchweg sind das Leute, die den Kadavergehorsam 1 ch o f t s h a ii s cm Marktplatz in Werder a. d. H.(Endstation der Autobusse). Alle Berliner Parteigenossen und Gewerkschafks- kollegen, die am Sonntag zur Baumblüte nach Werder kommen, werden gebeten, die ZRaifeier zu besuchen. „Kommune muß umgelegt werden". Oer Siurmbannsührer Schulze im Felseneck-prozeß. Im Felsen eck- Prozeß wurde gestern der vierte national- sozialistische Angeklagte, der kausntönnischc Angestellte W i l l w o ck vernommen. Dieser Scharführer der SA. unterscheidet sich vorteil- hott von seinen Kameraden in'Moabit durch eine gewisse Wahrhaftig- kcit. Ganz konnte allerdings auch er nicht aus seiner Haut heraus. lind so fand auch er es nötig, seine Aussagen in der Voruntersuchung wenigstens teilweise einzuschränken. Er hat z. B. früher erklärt, der Sturmbannführer Schulz habe den SA.-Versammlungsteilnehmern gesagt, Reinickendorf sei von den Kommunisten abgeriegelt: die SA. habe heute noch eine Kleinigkeit abzumachen: die Kommune würde umgelegt werden: die Polizei sollte sich wundern, wenn sie plötzlich etwas Schwarzes auf dem Boden findet. Daß diese Warte gesprochen wurden, bestätigt der Angeklagte Will- wack auch jetzt noch. Er will nur nicht missen, ob es gerade in dieser Bersammlung gewesen sei. Ebenso schwächt er die Dar- stellung über den Zusammenstoß mit dem Arbeiter K l e m k e ab. Früher hieß es: Klemke kam auf drei Kameraden mit einer Latte zu. Einer von den dreien fragte ihn mich der Parole. Klemke holte zum Schlage aus, traf aber nicht. Die drei stürzten sich auf den Flüch- tenden. Aon allen Seiten stürmten SA.-Lcute herbei, Klemke wurde zu Boden geschlagen, ein großer SA.-Mann zog einen Revolver: er, des Kalernenhofs noch nicht übcrwuvdeu haben, In ihren neuen bürgerlichen Berufen sich fügen und zu nauze— ja, lochen Sie nur!— kuschen müssen vor ihrer Ehehälfte. Sic lade» ihre ganze aufgespeicherte Wut aus den Schaffner ob. der ja dann auch ineist still ist! Ich bin der festen 1Isvcrze'..gi!iig, daß ez gewisse 5?errschaftcii gibt, die nur ein Lenkehrsmittel be- nutzen, um zu stänkern! Denn diesen Leuten ist dcr Stunk das höchste. Die Affären mit den abgelaufencn Fahrscheines oder jenen, die eine Rückfahrt entschädigen sollen, komnien trotz>>er Fünferkarten nach sehr häusig vor. Für welchen Grad von Naiitztä! und Dumm- heit oder aber Amtsgleichgüttigkcit einen derartig�„Freischärler" fähig halten, ist nicht zu sogen. Aber dos sind die ungefährlichsten Fälle. GeMirlich sind jene Fälle, die auf den ersten Blick auf �Futterncid schütcßen lassen. Da gelingt es auch dem abgehärtetsten«chaffner nur sellen, seine Ruhe zu bewahren, denn trotz Mitleids diesen Existenzen gegenüber wirkt dieser Ton am verletzendsten. Das geht meist so vor sich, daß dem betreffenden Fahrgast— übrigens Leute mit sonst guter Kleidung— eine Antwort nicht höflich genug erscheint. Dann cittlädt sich ein Strom von Beleidigungen, vornehmlich axis Reaktion bei den?!achbarn abgestimmt, die sich oft genug einstimmen, der dann mit dem obligaten Satz schließt:„Sie müßten D-rhatipt schon längst stempeln. Es gibt genug, die höflicher wären, wenn sie Ihre Stellung innehätten..." Zlbcr es gibt natürlich auch andere. Das Gros der Falirgäste hat seinen klaren Kopf behalten. Weiß Unterschiede zu machen zwischen sachlicher Kürze und Schroffheit, zwischen wahrem Dienst am Kunden und devoter Schleimigkeit, zwischen Abwehr oder Attacke... Glauben Sie mir: die Stänker richten sich selbst. Iliid das Publikum, mit dem wir ja in des Wortes wahrster Bedeutung in ständiger„Berührung" stehen, gibt uns darin restit... Aber jetzt muß ich an die Arbeit! Hier noch jemand ohne Fahrschein?" Mein Schaffner lächelt. Es ist das Lächeln eines Mannes, de? sein Herz ausgeschüttet hat... Willwock, rief in seiner Angst: steck dos Ding weg, der SA.-Mann schoß aber trotzdem. Jetzt erklärt Willwock, Klemke habe den SA.» Mann getroffen und auch während der Flucht seine Verfolger mit der Latte abgewehrt. Wer der Mann mar, der geschossen hat, könne er nicht sagen. Für die Aussagen sämtlicher nationalsozialistischer Angeklagten ist das eine charakteristisch: notgedrungen geben sie zu. aus Klemke eingeschlagen zu haben. Für den tödlichen Schuß wollen sie aber nicht verantworttich sein. Sie hofsen,.aus diese Weise sich von der Anklage des gemeinschaftlichen Totschlags reniivafchen zu können. Es dürfte ihnen kaum gelingen. Flugzeugunglück in Brasilien. Drei Personen getötet, darunter ein Gouverneur. Rio de Janeiro. 27. Aprik. Aus dem Flugplatz in Bahia ereignete sich ein schweres Flug- zcugunglück. Ein Fluggzeuz, das von einem Inspektionsflug zurück- kehrte, stürzte bei der Landung ab und wurde völlig zer- stört. Der Gouverneur des Staates parahyba sowie ein Inspektor und der Flugzeugführer wurden dabei getötet, zwei weitere Personen schwer verletzt. ivetlerousjichten für Berlin: Zeitweise heiter und nur vor- übergehend etwas kühler, schwache Luftbewegung, keine nennens- werten Niederschläge.— Für Deutschland: Im Nordosten und in Nordwestdeutschland etwas Regen: im übrigen Reiche heiter bis molkig: m?!orddciitschland etwas tiefere Tagcstemperaturen. alle Kräfte zusammen, stemme beide Hände aus und komme endlich aus meinem Loch heraus: weitergehen kann ich aber nicht. Die Ketten ziehen an mir vorbei. Es sind sclion fremde Kompanien. Ich kenne niemand. Ich rufe einige Namen, aber niemand antwortet. Irgendwie muß ich aber weiter. Ich stütze mich auf mein Gewebr, schleife das eine Bein nach und schleppe mich mühsam über Strauchwerk und Wurzeln hinter der Kette her. Die ganze Nacht gehen wir durch den Wald. Gegen Morgen marschieren mir einige Werst weit über freies Feld und kommen dann in ein Dorf. Ich finde meine Kompanie. Alle alten Bekannten, Bylin, Rodin, Gontscharow, Tschaika, sind in einem großen Bauernhause beisammen. Ein paar Leute versuchen mir den Stiefel vom kranken Fuß zu ziehen, ohne einen anderen Erfolg, als daß sie mir irrsinnige Schmerzen verursachen. Der Stiesel muß aufgeschnitten werden, vom oberen Schaftrand bis zum Absatz. Die Fußsohle hat jede Form verloren. Sie ist zu einer aufgedunsenen Masse mit blauer, strasfer und glänzender Haut geworden. Die Geschwulst reicht von den Zehen bis über den Knöchel hinaus. Wir haben kaum eine halbe Stunde geruht, als gerufen wird:„Ausstehen! Antreten!" Ich packe meinen zerschnittenen Stiesel in den Rucksack. umwickle den Fuß mit Lappen und schnüren und gehe hin- aus, mit beiden Händen auf mein Gewehr gestützt- Tschaika schickt Bylin mit ein paar Zeilen zum Arzt- Er bittet, mich in einen Sanitätswagen oder einen der zweirädrigen Karren zu nehmen. Es ist aber kein Platz da. Alles ist mit Kranken und Verwundeten überfüllt. Das Regiment marschiert weiter. Schmer austretend, schwer atmend, langsam den ver- letzten Fuß niedersetzend, humple ich los. Die Lumpen an meinem Fuß zerreißen, wickeln sich ab. und ich muh pst stehen bleiben, um sie wieder herzurichten. Ich reiße die letzten Kräfte zusammen. u>n nicht hinter der Truppe zurück- zubleiben, bald aber lassen sie mich endgültig im Stich und ich setze mich auf den Boden. Hinter dem Regiment kommen Küchen, zweirädrige Karren, Lazarettwagen. Ein mir bekanitter Sanitälsunter- osfizier bringt mich aus einein der Karren unter. Hier sitzen schon zwei Kranke. Wir werden geschüttelt und hin- und hergeworfen. Wir fahren an einer Bahnstation vorbei. Die Stotions- gebäude sind zerstört, die Gleise ausgerissen, die Bäume des Gärtchens umgehauen oder entwurzelt. Die Telegraphen- pfähl« stehen schief, phantastisch umrankt von zerrissenen Drähten. Die Rampe ist ein Schutthaufen, voll von Ziegeln, Steinen, Stuck. Auf den Gleisen stehen kaum mehr erkenn- bare Ueberreste von Güterwagen, dazwischen liegen Trüiu- mer, versengte Schwellen und verbogene Schienen. Unweit der Station stehen einige Sanitätswagen. Alle Kranken und Verwundeten werden in diese Wagen umgeladen. Ich auch. Ich freue mich, ins Lazarett zu kommen, und dabei ist es mir doch leid um meine Freunde. Der Sanitätsunteroffizier wird ganz böse. „Leg dich nur hin, six, fix! Halte den Fuß höher. Du hast so eine Sehnenzerrung, kannst Gott danken, wenn du nach ein paar Wochen wieder aufstehen kannst. Nur ein Glück, daß der Knochen nicht gebrochen ist." Nach zweitägigem Aufenthalt im Feldlazarett komme ich ins Reseroespital. Dies befindet sich in einem kümmerlichen kleinen Städtchen und ist im Gymnasium untergebracht. Ein Geruch von verwesendem Fleisch. Eiter, Extremen- ten, Urin, geronnenem Blut und Darmgasen springt einem an die Kehle und würgt einen, wenn man hier hinein will. Ich laufe hinkend in den Korridor zurück und rolle bei- nah die Treppe hinunter. Draußen atmet es sich leicht und frei. Nein, ich gehe nicht wieder in den Krankensaal zurück. Eine vchwester kommt angelaufen und schreit zornig: „Du bist wohl verrückt geworden? Wo läufst du denn hin?" „Schwester, dort will ich nicht herein. Da kann man ja wirklich den Verstand verlieren. Da ist ein so unerträglicher Gestank.. ich kann nicht... Mir wird schlecht.. „Sind Sie Freiwilliger?" „Jawohl." „Kommen Sie, ich bringe Sie in einem anständigen Raum unter." Ich folge ihr. Es ist mir unbehaglich zumut. Warum mußte ich mich auf diese Schwindelei einlassen, ich sei Frei- williger? Aber das war meine Rettung. Neben dem Verband- räum gab es ein kleines Zimmerchen. Darin stand ein Bett- gestell mit hochgestapelter Wäsche, Watte und Verbandgaze. Dieses Zimmer wird sür mich freigemacht und mir zur Verfügung gestellt. Es ist ein Eckzimmer. Ich bin hier ganz für mich. Erst werden mir die Haare geschnitten, dann komme ich in die Badewonne und nach einer Stunde liege ich in sauberer Wäsche aus einem frisch bezogenen Bett und strecke mich wohlig aus.(Fortsetzung folgt.) Ein Butobusjubiläum. 50 Lahre Obcrleiiungsomnibus. Am 29. April 1882. also vor ruvi) 50 Jahren, konnte man auf dem Surf ötftenbamni, der sich damals noch als schlichte Landstraße zwischen Feldern von Charlottenlnirg vi ach Halensee hinzog, ein merkwürdiges Zchaiispiel erleben. Ein leichter, offener Jagdwagen mit fünf Herren rollte gemachlich daher. Dem Wagen fehlten Pferd und Deichsel. Dafür lief eine Kabelstrippe hinauf zu einem achträdrigen Wägelchen, da- oben in den Lüften aus zwei Kupferseklen entlang lief. Die Kupferdrähte hingen, ähnlich Tele- gcaphenleitungen, an 5)ol.zlnoften. Das Geheimnis dieses eigen- artigen Fahrzeuges bestand darin, daß es durch den„Kontakt- apparat"— dos war dos Wägelchen, elektrischen Strom aus einem der Kupferdrähte erhielt. Der Strom lief durch das Kabel zu zwei Elektromotoren, die unter dem Kutschersitze des Jagdwagens verborgen waren, und setzte das Fahrzeug in Gang. Der zweite Kuperleitungsdraht diente zur Stromrückleitung, für die man keine Schienen verwenden konnte, wie bei der kurz vorher erfundenen Straßenbahn. Denn der Jagdwagen lief, wie gesogt, frei auf der Landstraße. Der Jogdwagen lies gut, aber seine Erbauer-, Sie- mens u. H a l s k e, waren in der folgenden.Feit zu sehr von der Entwicklung des Straßeitdahnwesens in Anspruch genommen, um sich mit dem„Schienenlosen" weiter zu beschäftigen. Trotz dieses guten Anfangs konnten sich die Oberlcitungs- mnmbuffe in Deutschland nicht durchsetzen. Ihre weitere Entwick- lnng erlebten sie im Auslande, vor allem in England. Sie wurden dort zu clegante». sogar zweistöckigen Fahrzeugen weitergebildet, denen alle Errungenschaften neuzeitlichen Autonuzbil- baues zugute kamen. Billiger in der Anlage, beweglicher und geräuschloser als die Straßenbahn, weit wirtschaftlicher, geruchloser. ruhiger und stärker überlastbar, dazu viel leichter zu bedienen als der Autobus mit Berbrennungsmotor— das sind die großen Vor- züge des Oberleitungsomnibus. Neuerdings führt sich der„Schienentose" auch in Deutschland ein. Ob fein neumodischer deutscher Name„F a h r d r a h t b u s" sich einführen wird, ist allerdings zweifelhaft. Am 26. August 1930 wurde die erste deutsche Linie Mett mann-Gruiten mit modernen Sechsradonmibussen und Oberleitung eröffnet, und »or kurzem die zweite deutsche II e b c r l a n d l i ir i e Idar— Xicfcnstcin. Auch auf der letzte» Berliner Auto- mobilausstellung waren zum ersten Male Oberleitungsoinnibuffe zu sehen. Porteinachrichten �Mfür Groß-Berlin Da» Theater dem Volke! Donnerstag, 5. Mai 1932, 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Kundgebung für die Erhaltung des Theaters. Redner; Kultusminister Grimme. Oberbürgermeister B r a u e r• Altona, A. Brodbeck, David S t e 1 1 e r.— Einlaß 50 Pfennig. Arbeiter, Angestellte und Beamte, bekundet eure Verbundenheit mit dem Theater durch Massenbesuch! SonntcsNcg, Norlstraße. gtofte eiBImtmBjen fiit 6tc|e Sabril sind'! •"IIb®JB 68. Lindenstreß» 3, stete an Du Bczirteselretariat 2. Sof, 3 Trcvven recht», ja richte» Achtung! Stadtverordnetenfraktion! Zur heutigen Araktlonssisinng um 115 Uhr nwrbcn •»ffc Fraktionsmitglielder erwartet. # beginn aller iBcratistallungen Iü'.b Uhr. sofern keine besondere Zeitangabel Z. Ärcts. Kursus Bernstein läuft ab 23. April in der Weinmeisterstraße veiter. 7. Arm. Heute, 18 ITfjt. im Jugendheim. Rosinenstr. 4. Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder. Aktuelle.�leinkuustbühne. 18. Kreis. Bildungsausschuß. Freitag. 29. Avril. 2» Ubr, letzter.�ursusabend Dr. Manchen in der Zinnowmaldschulc. Alle Teilnehmer'werden dringend gebeten, zu erscheinen. 13. Kreis. Heute Bildungsausfchußsitzung an bekannter Stelle. 17. Kreis. Heute. 19 Uhr. Sitzung des Bilduugsausschusses in der Bibliothek Geichselttr. 28. �5ämtli6?e Mitglieder müssen anwesend sein. Bericht über Z den l. Mai. 12. Abt. Heute bei Schmidt, Wiclefstr. 17. Zusammenkunft der jüngeren Par- teimitglieder. Sozialismus in der Familie. Ncfcrentin: Else Michaelis. Aussprache über unsere Arbeit im oommer. Zur Maifeier sind noch Ein- trittskarten bei den Bezirkskassiercrn erhältlich. Karten zu 111 Pf. für er- verbslose Parteimitglieder außerdem beim Genossen Wenzel, Oldcnburger Straße 21. U, von 16 bis 20 Uhr. erhältlich. 38. Abt. Freitag, 29. April. Besichtigung des.Krematoriums Baumschuleuweg. Treffpunkt 17� Uhr Stralaucr Allee Ecke Markgrafendamm. 39. Abt. Heute. Donnerstag. 28. April. Besuch der Ausstellung im Europahaus. ..Ter Mensch in gesunden und kranken Tagen." Treffpunkt 10 Uhr vor dem Ausstellungsgeb ijube. 5 rauenveranstaltungen. Z. Rai IK'Mmelsahl«), 11 Uhr. im(Stoßen Schaxspirlhauk, ..,.. Jluitbsebimq fiit dir ßthallimg des Theatrrs. Redner: Minist« Dr.(Stimme, Odeetütaetmcistct Btauct-Altono, A. Stodded»od Daxid Stettet. EinttiN inN, Satdetobe S« Pf. statten sind im tzimmet 3 des Bezitks»«balidcz j» habril. Das Zrauenselretatiat, Bezirksausschuß für Arbeikerwohlsahrk. Donnetstag, 38. April. ISv, Uhr, lehttr Kutsuzadcnd der Atbeitsgemeln. schaft der lpenasr,» Paula Nutgaß:„Die Ztau i» der gesellschaftlichen Ztris« ter Gegenwart". Arbeiisgemeinschast der kindersreunde Grosz-Berlin. Tic Nreisleitre werden gebeten, umgehend die Delegierten ihres . Kreise» namentlich in der Geschästsstelie zu melden. ? Prenzlauer Berg. Abt. Nordost. o.lteruvcrsautMlunq Sonnabend, t 7. Mai, 30 Uhr. in der Schönlant« Strafte. Baracke t>, linfs. itreuzderg. Die Abteilungen werden gebeten, die noch ausstellenden Zragebogen für den Lagerbesuch schnellsten» an den Krcislciter llrU abzugeben, 13. Ätcls Tcrnpelhos. Freitag. 2D. April, 20 Uhr, Helferversomnilung im Jugendheim Marienaors, Dorsstrafte. Reutiill». Der Flistenlursus für Nestsallen stillt beute aus. löeute, Donners, tag, 18 Uhr, Hauptprobe füt den 1. Mai in der„Reuen Well, Der technische Aüsschuft fiie das Zeltlager kommt heute, 30 Uhr, Baracke, zusammen. Köpenick. Unsere tllternversaminlung findet Donnerstag, 38. April, 30 Uhr, im Parteiheim, Köpenick, Schloftstr. 37, statt. Franz Hauch spricht über sozio. liflilche Erziehung. iireis Wciftcnscc. Heute. 30 Uhr. Helfersitzung hei Siegfried Naiser, Hohen. lchönhausen. Am Faulen See 3.— Gruppe Hohenschönhausen. Alle Fallen, die i bei der Maifeier mitwirle» wollen, müssen pünlilich uni 17 Illir im Jugend. I heim greienwalder Strafte sei». I 31. vreis Reinickendorf, Alle Gruppen trekten ssch am 1. Mai,»r. Uhr, auf dem Sportplatz am St-inbelg. Jedes Aind dringt li Vf, und den Trinkbecher mit. Die Gruppen bringen eine» Eimer mit. Dir Maikominilsson trifft sich basclbst cin.e bglbc Stunde früher. SozialistischeArbelterjugendGroß-Verlin Einlendunarn tür die!» Rubrik nur an das Hugends-kiciariat Berlin SW 68 Liubenstrafte 3. vorn 1 Treppe rechi». »onntag Mai-Tcmonstration im Lustgnrtcn. & Die iSandeelciteraiislunstsstelle ist am Freitag dieser Woche von 17 bis lg Uhr im Heim SW., Lindenssr. 4, p. T, gcistfnet. BS.»Sizung heute, 1S>H Uhr, im Sitzungssaal. SW„ Lindenstr, 2, v. I, SAI.. Orchester: Heute, 13H Ubr. Gefonitprobe im Zeichenfgal der ssMS., Reukblln iU. Bahnhof Rathaus Neukölln). Heule. Donnerskag, ZS. April. ISi/g Uhr: Norden: Lortzingssr. 19. Fragekastenabcnd.— Arnswaldcr Platz II: Schön» lanker Str. II. I. Mai- Aampfmai.— Fallplatz I: Sonnenburzcr Str. 2>t. Tazeopoiitik.— Humannglag: Glcimftr. 33— 3o. D:c Bedeutung des Weltscicr» tageo.— Rordoftcn II: Danzigcr Str. 63. Die Bedeutung des t, Maj. � Swönhauscr Borstadt: Sonncnburgcr Str. 30. Bunte: Abend.— tlottbusser Zoe: Gruppenabend fällt aus. Svrcchch'orprabc vom WL.— Schöncberg III: Haupt. ilrafte II. Die Mustk der Böller als Ausdruck der gefelllchoftlichen Struktur.— Westend: Sportplatz. Genuinschattscrziehung.- Steglii, I: Besuä: der Gruppe FeHlendorü Dahlem.— Zehlcndors-Dahlem: zinnawwaidschule, Schlicifenstraftc. 19 Uhr Vortrag: Bursche und Mädel in der SA3. und Freikörperkultur. Tegel: Schönedcrger Sir. 3. Liedergbcnd.— Norow.: Frundsbergstr. 2. Wir machen eine Zeilung. Werbebcziri Kreuzbcrg: Erwerbslofenzufammenkunft fällt aus. 19� Uhr Sprechchorprobe Im Heim Urbanstr. 167. Erscheinen ist Pflicht. All« Gruppen» Veranstaltungen fallen au», Werbebe-irl Neukölln: Sprechchor. Generalprobe um 13 Uhr In der „Reuen Well",______ Vortrage, Vereine und Versammlungen #. Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold". Geschältsstelie: Berlin S. 14 Sebaftionstr 37—38. Hot 2 Tr. Steglitz lOrt»»ereiu). Freitag, 39. April, 13'; Mir, Treffpunkt Bahn- Hof Ost, Ausgang Nranoldplatz.— Wässersportabteiluug. Zug Tegel..Donnerstag, 38. Avrii, 30 Uhr. Spartonverlammlung der Ruderer und Paddeler im Bootshaus. Wichtige Tagesordnung, Freitag, 39. April. 19';. Uhr Gründung des Fraucn-Wasserlportvereins. Die Frauen der Reichsbanner. kameradcn und Genossen sind cingcladen. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin. Gcfchäslssiclle: p. Schneider, Berlin NO. SS. huselandstr. 31. Reuköllner Söllgerchor. Am Donnerstag beginnt die Uebungsltundc bereits um 19: z glm Sonnabend, dem 30. April, Probe mit dem Orchester zum Singen im Rundkunk. Pünktlich 30 Ubr im Funkhaus,(Ihar. loticnburg, Masurenallee. Vollzählig......~~ bos Maricndors iMännerabicilnng). lotienburg, Masurenallee. Vollzählige» Erscheinen Pflicht.— Bolkschor Tempel' Hof Maricndors tMännerabteilungi. Freitag, 20 Uhr, Probe zur Maifrier im Parkrestaurant Südende. Erscheinen aller sangesbriider Pflicht. Drutscher Friedensbund. Dannerstag, 28. April, 20 Uhr. im Pcgetarifchcn Restaurant, Nöthener Str. 40 inahe Potsdamer Platz), spricht Herr Lesch- nitzer übet:„Karl Kraus im Weltkrieg" mit Vorführung von Schallplatten, auf denen Kraus selbst spricht. Zossen ipomUag, 8. Mai, noch Rildersdors. Wisseulchoftlich« Ausflug, kein Semmel. ausflug, Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Friedrichshagc». Mit der Elaktrilchen bis Tosdorf. Gäste stets willlommen. Auf die Gefahren des Lorchelgcnusscs wird ausdrücklich aufmerksam gcinachi. Lorcheln dürfen nur gegessen werden, wenn stc mindesten» ö Minuten abgekocht worden sind. Dies Brühwasser darf nicht genossen werden, da sonst schwere Vergiftungen eintreten können. Plaza. Infolge des aufterardcnllich großen Erfolges, den die Operette„Der Bogelhäadlcr- in der..Plaza" gefunden hat. wird diese Aufführung bis ein. ichlieftUch Sonntag, 8. Mai, verlängert. Ab 0, Mai bietet die„Plaza" die Aus- stattungsoperctte„Die Dubarr»". Groftreinemachen ist ja halb so wild! Krlsenstimmung auch noch beim veoftreinemachen? Das wäre zuviel in der heutigen Zeit. Der zu Unreäit gefürchtete Hausputz klappt überall da wie am Schnürchen, wo sich erfahrene Frauen mit Helfern bewaffne», die ihnen im Kampf gegen die Schlange Echmuft dl« kalbe Arbeit abnehmen: Perstl, Henko, Ata und iMi— so heißen sse! Drei Tondertage bei Kaisees! Wenn eine Firma wie Kaiser» Kafieegcschäit au> ihre guten und biliigen Erzeugnisse doppelte Rabatimarken gibt, dann weift man: billiger gcbt's wirklich nicht. Keine Hausfrau lolll« daber dir drei Sondertage— Donnerstag, 28., bis Sannabend. 30. April— versäumen. für 2 Reichsmark eine» hübschen Dessertteller aus geschmackvollem, echt bäuerischen Porzellan. Fahrrad- Ersatzteile billig: Decken l.SO« Schläuche 0.50» Rücklichie 0.25 Fahrräder ab 62.00 ab Modell 40 Raten 2.00 Lindtar-Filiaien: MD N.) d© ## twucL A „Sie" ist strahlender Laune.... hat auch allen Grund dazu.—„Sie" freut sich riesig über ihren neuen, schicken ßUfj-Montel, den sie sich schon so lange gewünscht hat—Jetzt .... ist„sie" restlos glücklich.... ,Er"..... nicht weniger elegant ..... paßt zu„ihr".—„Er" kann mit Recht stolz sein auf seinen modernen �nzug.— Einreihig — mit Dreiknopfstellung— er sitzt..... wie angegossen..... .Sie" und„Er' die Beiden lassen nur von sich kleiden.— Und Sie..,.?— Beachten Sie bitte unsere Schaufenster und Angebote. Damenmäntel au» reinwollenem Gabardine KSJ[_ sportforbig Oö" Ö©" Anzüge Pfeffer und Salz- zweireihig- Drei- knopfstellung— reines Kammgarn"H?©* Damenmäntei aus engl. gem. Sloften ganzgefütMeseh.Form aus engl, gem. Stoffen gg. �g. Anzüge in braun und sc einreihig, Dreiknopfstellung, reineWolle in braun und»ehwari,»ehmal gestreift, Anzüge ou« mlttelgrouern, feinpe«tr#ifrQm# reine Kommgcrn- rweireihlg ä O1 Clopp BERLIN 1 9• Q ERTR AUDEN ST R• 25-27 „Q. 9». Die? Qcfchichle eines'Verbrechens/'ton S. Jtidmrds (Fortsetzung�) Tob Pochcn sprang wieder auf. Vorn— dicht unter der Back. Es hämmerte verzweifelt. Dundce ging zum Kettcngat.„che... ist wer da unten...1" Dos Pochen verstummte, eine dumpfe Stille dehnte sich aus.„Hallo, ihr da vorn? Was giMs?" Die Wachrief.„Nichts besonderes,(Barry der Fragcr beruhigte sich, das häimncmd« Pochen setzte mieder ein. Sandy warf sich die Schlinge der Leine für die Ankerboje über die Schultern und schwang sich über de» Rand des Äettcngots in die Last hinunter. Stolpernd und fluchend hörte man ihn über die großen Glieder der Kcttenschlange steigen. Er rief:„Ist wer hier...?" Es blieb still. Mike beugte sich weit über das Got:„Sandy, hall du was gefunden Ganz einfach,... ich ertrug diese Jahre in einem Viereck hoher Mauern, vergitterter Fenster, sinnloser Schreie und qualvoller Stummheil nicht mehr. Was blieb mir da in meiner Ohmnacht? Nichts Dundee, nichts!— Tja!— so sauste ich einfach ab, tief hinunter und—-erschlug alles. Alles was da war...! Genau dreitaufendreihundert Tage waren um—! Oh... sie wußten sich zu helfen, die Herren!„Dunkelarrest", meinte der Direktor,„achtundzn'anzig Tage, soll dann abbitten!" Achtundzwanzig Tage Dunkelarrest im Zuchthaus, kennst du das, Dundee...?" Elijah schwieg, der Kopf lag ihm auf der Brust, sein Atem ging rasch, stoßweise. Nichts war sonst zu hören, als das leise, last kichernde Glucksen der Bugwellen, das Knistern der aufschäumen- Aus der Tiefe röchelte Sandys Stimme:„Holt an. Jungs, hob den de" Gischt, kalt und klar sah der Sternenhimmel auf den Frager av- cj. Nn... s-,erfpeklive Ein(JtiH durch Merlin auf dem„*Oralüefclu/ Ion Jfeinrich Mcmmcv Sic rückten zusammen. Dundee rief den Jungen:„Cbarley, hallo!... Hol Ruin vom Quartcr... Rum und Zwieback!" Und nun wurde erzählt von alten Bekannten, weiten Fahrten und Herr- lichcn Abenteuern früherer Zeiten. Lang war das alles her und der Schmerz in den Jahren ihres Lebens völlig unterzetoucht. Dundee trank, schwitzte und prustete die Fragen an» sich hcraus, ab und zu tönte sein bohle» Grunzen, dos immer zu hören n ar, wenn er ouigcrrgt oder zornig war. Es war beiß im Logis, sie rissen sich die Jacken und Hemden auf. Die Leiber dünsteten, die Lust war dick und schwül. Bob Gurnay erzählte mit großen Gesten von seinen Fahrten aus Walfängern. Während er sprach, schob sich ein Zipfel stlnes fchwarzweißen 5)cindes aus der Jacks heraus. Lampcnscheln tras den Fetzen. Flüchtig, zufällig blickte Dundee hin, er sah ein Zeichen— Zahlen! Dos Gesicht verfinsterte sich und wurde ernst. Bob bemerkte den starrenden Blick und- sah das Hemd aus der Jacke sollen. Hastig griis er den Zipfel und schob ihn zurück. Dundee ober hatt« olles entziffert:„G. P. 217."—-- Er schwieg. Die Leute krochen in die Kojen. Dundee w>ntte Bob und Zng aus das Vordeck hinaus Schweigend setzten sie sich vor den Anker- spill, damit sie niemand auf der Brücke sehen konnte. Ringsum war Sülle, über ihnen der flammende Himmel der Tropennacht, und unten nichts als das schimmernde, unruhig: Meer! Dundce zog sich an seiner Pfeife fest. „Wie steht's, Bob, bist du klar...?" Er deutete auf die Brust des„Blinden", wo die Nummer verborgen fein muhte. Nach einiger Zeil begann Bob gedehnt und schwer zu sprachen,— die Beichie eines zerstörten Lebens! Matt und formlos erzählte er, mit eigen- tümlich biegsamer Stimm«, die ausrülteltc, wenn sie verteidig!«!—— III. Eine Deichte. . Ob ich fertig bin? Willst wohl nichts zu tun haben mit solchen...? Du... Dundce...? No tia... Totschlag war's. Cl>iob, erinnerst dich noch? Zwölf Jahre war ich drin. Zwölf...!" Gedankenschwer sah er dabei vor sich hin, als müsse er erst noch begreifen, was da verloren gegangen war.„Zwölf Jahre... kein Licht, keine Luft, ohne die See... nur im Zuchthaus!" Hörbar atmete Bob, jeder Atemzug war wie ein Seufzer, leer und tonlos, weil die echten Töne seiner Klage in der Brust gefangen saßen und nie mehr herauskommen konnten.„Fünf- Hehn sollte ich abmachen, wollten dos jo...? Ich hielt's nickt aus. Abfahrt und erste Empfindung. Ais«s unten am Wiitenbergplatz beharrlich tutet, weiß ich, daß � der„Drahtesel" oui mich wartet— wie mein Freund ider mir i eine Aufrüttelung zuteil werden lassen will) sein Motorrad zu ! nennen pflegt. D-enn, sagt er, es ist ebenfalls klein, zäh, wioer- standssähig, treu, willig, doppelseitig und mit gelegentlichen S'.örrig- � ketten behaftet. Ich eile hinab und finde den Drahtesel an der gegenüberliegen- den Tankstelle, wo ich meinen in ei nein blauen Overall lebenden Portier dienstbeslissen zu ollen Tagesstunden chemiedüsteverbrciten- des Benzin und Ocl ausspeien scbe. Mein Freund springt, sowie er vollaesogcn, wuchtig ous dett Esel mit der Kupplung und hopst, um ihn mit seinem Körpergewicht niederzudrücken. Da fährt Leben in den Esel. Unter Geknatter setzen sick Rad. Freund, ich und schein- bor die ganze Welt in Bewegung. Das Wunder der Technik bat sich ereignet: ich fühle mich als ein dem blinden Zufall preiszegebener, verbrauchter, verlorener Mensch. Riesenhait« Olstekte schwiimnen bcdroblich ans mich, das Schrvättstle, dos Weichste der berumzirkulierenden Objekte, zu. Jeden Moment kann der ous die Dauer unvermeidliche ZusarnmcnpraU. dem wir nur durch eincii Trick, einen Handgriff meines Freundes in letzter Sekunde wunderbor zu entrinnen scheinen, zur Tatsache werden und mich zermalmen... ich bin ein latenter Ber- kehrsunfall. Meine Ohnmacht wird durch die Jnstinktlofigkeil de? unter meinem Sattel befindlichen Esels, in dem statt Blut Benzin pulst, ins Groteske gesteigert. Seele und Leben sind dem mir den breiten Rücken weisenden Vordermann ausgelieiert, dem ich ohne Wider- streben gehorche, wie wohl alle Soziusbräute es tun mögen. Aar dem Drahtesel regiert der Mann, der Vordermann. Ich gebe die Gegenbewegungen an den Kurven, wo wir zu kippen scheinen, mir: widerstrebe nicht, betone nicht, bleibe passiv und lerne die vollendet« Hingabe. Die bekannten Straßen im Stadtzentrum scheinen neu, shäuser und Menschen werden nur sragmeMovisch wahrgenommen, die Straßensläche selber, mit der wir in unsachgemäßer Verbindung stehen, und ihre Beschaisenheit elementarisch. Schräg gekreuzte Tramrinnen geben mir das Gruseln... und wiederum sehe ich eine Kindcsmutter vor mir zurückprallen, als ob ich der leibhaitige Teufel wäre. Ich habe andere als die gcwolmtxn Freiheiten und Ein- schränkungen: komme unendlich leichter hin, wo immer ich hin will oder wollen könnte und bin im W i e viel mehr bedingt, einer Viel- zahl von Regulatiom'N untenvorfen. Dieser rollende Esel bat die Manie der Ziele, seinen Herrn beseelt nicht so sehr die Freude des Reitenz als die Geschwindigkeit, ein Ziel zu erreichen, die Ge- schicklichkeit, Karambolagen zu vermeiden, sich durch den Verkehr zu schlängeln... technisch:„Kurventechnik". Beobachtungen. Nicht die Häuser der Stadt, nicht die Menschen der Stadt inter- ess'ieren, sondern vor allem die anderen Fahrzeuge: die Hierarchie der Vehikel. Der sich nach links und rechts durch den Derkebr zwängelnde, ehrlich mit der Muskulatur arbeitende indi- vidua-l istische Radfahrer crfchemt uns Mechanischen«in Elwusieefleh und wir Schmer-übe wezlichen, obwohl Geschwinderen, wirken ebenso 'lohhast ichwirrend auf das still vorüberhuschende Luxusauto. Dir sind sportlicher als der Autofahrer und er ist unabhängiger, no. madenhafter, abemcuerlichcr ols wir. Der große Zenlrumsverkebr schreckt auch nicht inehr so sehr, weil ich auf dem Wege mein Interesse von allen gewohnten Dingen abzuziehen und auf dies« große linbekonte zu konzentrieren gelernt Habs: Die Zusammen- und?l u s« i n o n d e r st r ö m u n g s- m ä g l i ch k e i t e n. Schon empfind« ich die ous den Fenstern der wie gelbe Elefanten ziehenden Tram» Blickenden als Unzugehörige, als verträumte Zuschauer: ein R c i t e r st o l z erwacht in mir. Bin ich untätig: ich balanciere doch, onimllicre die Bewegung in m-em-nn Körper, der übrigens wunderbar durchmassiert wird. Ick) bin eine Fabreinheit, etwas, das bei allem, was der we-iße Handschuh um d:« Ecke leitet, mttzählt. kein Zappelsritze von Fußgänger. Die Mem-eler Straße herunter haben wir plötzlich freie Fahrt und ich lerne die Schnelligkeit kennen, das Kilometerfressen. Ob mir das ein ewig-unverdaulicher Fraß bleiben wi'd, lzöngt von dem Erwachen oder Richterwachen eines mir noch fremden T c in p n- e h r g e i z e s, eines Komplexes, ab. Mein Freund setzt, als ich mich des mir neu zurückzeg-chenen Lebens g-etadc zu sreuen beginne, es durch Ueberholcn varanfa-hrender. durchaus nicht stören- der Fahrzeuge, die ihn irgendwie irritieren, neuerdings aufs Spiel. Wir verschlucken unsere Vordermänner und lassen sie als Mist hinter uns zurück. Als wir an der grünenden Treptower Spielwiese einem vor uns herfausenden zweiten Drahtesel in hörbare Nähe kommen, dreht der Führer sich entrüstet um, gibt Gas und vor- schwindet wie ein Blitz in der Unendlichkeit! Es hätte den Mann out den Tod gekränkt, überholt zu werden: Teng'okemplex läßt dergleichen nicht zu. Mein Freund ist abgestiegen und öffnet sein Zigarettenetuis:„Ich wollte ja nur die Soziusbrout an- gucken", sagt er, wie sich entschuldigend,„ober es lobnt sich nicht." Mit der Vorortbabn haben wir einen wütenden Wettlampi, d-n wir erst ausgeben, als mich das stuckernde Äopfpflaster nach längerer Agonie au» meinen, non einem Geschwindigkeitskomnlex befollenen Freund geworfen hat. A i c m paus e. In den„Goldenen Stern" von Alt-Glicmrk: stapfte ich mit Bteitspurigkeit, wie ein ab gejagter Reiterkurier hinein--- die ritter- baste Müdigkeit der Knochen(stall Muskeln) war jedensavs echt. Die Ausfahrt aus der Stadt, das mit ihr Enden und in ein Neues Ucbcrgebeiya-lvab?»eh.auch wirklich nstensin und wobt nie io körperlich erlebt. Van dir Stadt aber seilist blieb Uns mchks als zerrisiene, schwer zurückzuriisende Visiön-en als Eindruck histcn. Der Drobtciel ist kein Pegasus. Das große Bürohaus in der König- siraße sprang mir nur als neu, als unerwarlet ins?lua«. ein paar veewogene Fußgängerbewegungen, die schiefen, nur eine Kopihälslc bedeckenden Damenhüi« ein friedlich dahinziehendes Liebespaar, rändelnde Mädchen, haaprsachlich friedvolle Bilder waren es gewesen, die mir Dahinrasenden ins Auge sprangen— jetzt erlebte ich inlensw den Frieden des Landes. Stille Fichren, kleine Wägelchen, Pferde. Kinder, Hühner, und wie die Baumreihen, die aui staubfreier, geteerter Straße stillestehen, an der Seile vorbciwippen.... Als er aber in Chausseetempo rmte, der Esel, ein neues Ziel nehmend, begannen die Bäum« zu p'eifen und zu Ende war's mit dem Frieden des frstdüchcn Landes. Aui schmale», hügeligen Waldwegen zwingt das Terrain zum Nattirgemiß, man kann nicht zieliahren, und genießt alsdann die nock> uirbekaimten oder-gepflegten Gsnußmögüchkeiten mitomobilisti- scher Natur. Das Auiwärtsiahre» bcdüuki wie ein himmlisches Glück, das man durch Ueberlisten der Natur sich stiehlt. Vagabundieren zwischen Wiesen und Wäldern und uinherschiveiien kann nur der Radsahrrr, der Jdeeulmcnsch am dem Sattel. Das Stahlroß kennt mehr Schliche als der Drobtesc!: aber der Esel hat trotz seiner 5 Jahre 19V.' Pserdekrä'te, und damit kann man sich allerhand leisten— wenn es nicht regnet: das eine darf es nicht. Bei Regen muß man wie«in Leichenzug fahren: feucht und langsam und untröstlich. Zurllckzur— Stadt. Wir saßen in die Seeidylle versunken als die einzigen Gäste in einem tischreichen R-estauraiü mit dem poetischen Namen Rauchsang- ivcrder und der Esel lehnte träge an einer Scheune: da zogen Wolken am... und soiort ging die.Hetzjagd los, diesmal allen Ernstes. Die Baume pfiffen, die Fuhren knallten im Wirbelwind des Passiercns, die Straßen ilogen: oh ick begrin wo wir waren, woran wir schon wieder ganz wo anders. Ehe ich die Physiognomie van Neukölln reckt erkannte, lachte mich dos Zballcschc Tor an und der Finger des Polizisten wies uns wie her Gattes den Weg oller G-rechren. Mittlerweile erglänzten die Straßen im Lichte, das Edtton erfunden, und die.Häuserfronten waren mit der Sonne aus- galottlt. Jext imtte ich die Stadt, sah sie, fühlte sie, wollte sie preisen und an mein Herz drücken:— da setzte mich der Esel vor der Türe ab. Schade, dachte ick), in das Kanapee sinkend, aus dem ich durch Stunden nicht wieder herauszureißen war. Die Dauer des Nestbaues. Die Fertigstellung eine? Vogelnestes dauert bei manchen Vögeln nur zwei, böchstens dr-i Tage, bei au- deren einige Wochen. Die Zeitdauer richtet sich nicht allein noch der Größe der Rester, auch Bonart und Witterung sind dabei oft von Einfluß. Kleine Vögel, wie Zaunkönig und Goldhähnchen, bauen sick unttr normal-n Verhältnissen ibr Nest schon in zw?! Togen, etwas großer« Vögel brauchen schon drei bis vier Tage, und Vögel in der Größe eines Mäusebussard? fünf bis sieben Tage. Zur .Herstellung einer Wohnhöhl« in einem Baum braucht ein Speckt etwa 14 Tage, ebenso lange oder noch länger dauert es oft, che eine ftousschwalbe au» den berbeigeholten erbsengroßen Erdkiunipchen ibr Nest gebaut hat. Die Fiausjchwalbe mauert nämlich ihr Nest nur an lonnigcn Tagen und auch dann nur in einem bestimmten Ilmfang. Das Neugemouert« soll bis zum nächsten Tage oiisgetrocknet sein. Wenn regnerische Zeiten dazwischen kommen, baut'die Schwalbe nicht an ihrem Nest; was sonst in einer Woche fertig wqre, wag nun wohl drei Wochnz dauern. Ar. 195• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 25 April 1932 Zum Reichs-Siedlungsprogramm Siedlung muß heißen: Schaffung von lebensfähigen Existenzen. Ein partoigenössijcher Fachmann sendet uns solgende Kritik des Sicdlungsprogramms des Reiches, deren Berück- sichtigung bei dem Ausbau des Programms uns notwendig erscheint, Trotz O st Hilfe, Entschuldung, Sichcrungsver- fahren werden Tausende von ostdeutschen Großbetrieben nicht mehr zu retten sein. Ihr« Besitzer müssen abtreten und neue Be- triebsformen müssen gefunden werden, damit der Acker, soweit er überhaupt zur lairdwirtschastlichen Kultur geeignet ist, weiter Ernte trägt und Menschen ernährt. Eine Bodenfläche von 2 Millionen Morgen, das ist fast soviel wie das Land Oldenburg, bedecken die nicht mehr entschuldungsiähigen landwirtschaftlichen Betriebe. Mit der ungeheuer schwierigen Frage, was mit diesem Land ge- fchehen soll, lxrben sich die zuständigen Reichsministerien in den vergangenen Wochen ernsthaft beschäftigt, und kurz vor der Preußenwohl wurden einige Nachrichten über die Pläne der Oesfent- lichkeit übergeben. Nach der Rückkehr Brünings aus Genf soll die Entscheidung über das Siedlungsproblem fallen. Was bisher bekannt wurde, ist verhältnismäßig spärlich: In Anlehnung an die Vorschläge der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften, eine Anleihe zur allgemeinen Arbeitsbeschaffung aufzulegen und mit ihrer Hilfe ein großzügiges Siedlungsprogramm durchzuführen: SOG 000 Morgen leichter Boden sollen ausgeforstet und 1,5 Millionen Morgen sollen besiedelt werden. Was wir von der Siedlung als Mittel zur Arbeits» b e s ch a f fu n g und auch von den Aussichten einer Arbeitsbe- schaffungsanlechc halten, die in der Hauptsache nur nir Siedwngs- zwecke verwandt werden soll, haben wir bereits(„Vorworts" vom 24. April) dargelegt. Aber nicht nur in diesem Punkt Ijaben wir Bedenken gegen die Ai>t und Weise, wie die Reichsregierung das Arbcitsbeschaffungs- und speziell das Siedlungsprogramm durchzu- führen godenkt, sondern es müssen auch andere wirts chafts- politische Erwägungen angestellt werden, um zu prüfen, ob das Projekt in der vorliegenden(form geeignet ist, mit dem geringsten Auswand den größten volkswirtschaftlichen Ruhen zu erzielen und insbesondere zu erreichen, daß der Osten Deutsch. lands wieder einen wirtschaftlichen Ausschwung erlebt. Beabsichtigt ist, neben der A n l i e g e r s i c d lu n g. d. h. Zuteilung von Land an schon bisher bestehende landwirtschaftliche Betriebe mit unzureichendem Bodenbesitz, Siedlungen zu schassen, deren A u s b a u k o st e n durch Bereinfochung der Baumethodcn und durch Arbeitsdienst von bisher 18000 auf 0000 M. herabgc- drückt werden sollen. Ob eine lebensfähige Siedlung aber init 0000 M. zu errichten ist, erscheint uns sehr zweifelhaft, selbst wenn man, wie vorgesel)«n. die Einrichtung auf das not- wendigste beschränkt und dem Siedler überläßt, alles weitere durch eigene Arbeit zu schaffen. Schon für die Stadtrandsiedlung wurde der vom Siodlungs- kanrmifsar festgesetzte Betrag von 3000 M. für zu niedrig erachtet. Bei der landwirtschaftlichen Siedlung müssen aber neben dem Haus noch S t a l l u n d S ch e u n e errichtet lind Geräte, Maschinen * n d V i e h angeschafft werden. iMt 0000 M. läßt sich vielleicht eine Siodlerstelle schaften, auf der ein arbeitsloser Wohlfahrtsempsänger, wenn er etwas von der landwirtschaftlichen Arbeit versteht und an sie gewöhnt ist, reichlicher als bisher seinen Bedarf an Nahrungs- Mitteln decken kann, aber ein Aufbau der ostdeutschen Wirkschaft wird durch solche Siedlungsmcthoden nicht möglich werden, da die Arbeitsmittel solcher Siedler derartig beschränkt sind, daß sie für den Verkauf nur wenig produzieren können und auch das nur auf Kosten ihrer Lebenshaltung. Wenn bei der jetzigen Not der Wohlfahrtserwcrbsloscn auch dies schon ein nicht zu unterschätzender Borteil wäre, so sollte man doch bei dieser Gelegenheit, wo eine Umwälzung der Besitzvcr- Hältnisse großer Teile Ostdeutschlands erfolgt, sich nicht allein von dem Eindruck der jetzigen übergroßen Arbeitslosig- keit leiten lassen und nicht nur eine Unterbringung einer im Bor- hollnis zur Gesamtarbeitslosenzifser sehr geringen Zahl von Erwerbslosen erstreben. Alan sollte gleichzeitig mit der Siedlung auch zu erreichen vcr- suchen, was der ostdeutschen Wirtschaft not tut. nämlich Er- höhung des Lebensstandards ihrer Bevölkerung, und zwar durch Steigerung ihrer Saustraft. Die Voraussetzung für die Steigerung der Kauskrast liegt aber in der Schaffung von Existenzen, die billiger, als es bisher der ostdeutschen Landwirtschaft möglich war. Nah- rungs mittel für den Markt liefern können. Zwei Forderungen stehen sich also gegenüber: Verringenmg der Zabl der Arbeitslosen durch Ansiedlung auf der einen und Ver- besserung der ostdeutschen Wirtschastsverhältnisse aus der anderen Seite. Beide Fordertmgen in ihrem größten Zlusmaß auf einmal zu erreichen, so wie es die Reichsregierung erstrebt, scheint uns an- möglich zu sein. Ileberzieht man die gesamte jetzt frei werdende landwirtschaftliche Fläche in Ostdeutschland mit kleinen Siedlungen, die noch dazu wegen der geringen zur Verfügung stehenden Mittel nur äußerst primitiv ausgestattet werden können, so werden die auf solchen Siedlungen angesetzten Siedler selbst bei schwerster Arbeit und bei größtmöglicher Ausdehnung ihrer Produttion sich nicht zu Bollexistenzen entwickeln können, und zwar aus folgenden Gründen: Wie überall in der Welt, so wächst auch in Deutschland die a g r a r i- sch e Produktivität rascher als die Bevölkerung und damit die Konsumkraft der Verbraucher. Daher kmmilt es, daß die deutsche Landwirtschaft sich in den letzten Jahren immer mehr dem Zeitpunkt nähert, wo sie die Nachfrage»ach Lebensmitteln selber decken kann, wo der E i n s u h r b e d a r f i m in e r g e r i n g e r wird. Diese Entwicklung wurde selbstverständlich durch die die Ein- fuhr behinderndsn Zölle stark gefördert. Natürlich ist durch eine Steigerung der Verbraucherkauf- kraft— durch sinkende Arbeitslosigkeit und höhere Löhne— noch eine Steigerung der Nachfrage nach"hochwertigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, wie Butter, Fleisch, Eier, Gemüse usw. möglich. Doch darf man keine falschen Erwartungen über den Umfang der Steigcrungsföhigkeit dieser Nachfrage hegen. Außerdem müssen die neu angesetzten Siedler im Osten mit m a r k t g ü u st i g e r gelegenen Teilen der übrigen Landwirt- schast Deutschlands konkurrieren. Deshalb werden größere Teile Ostdeutschlands auf den Getreidebau angewiesen bleiben und werden keine ausschließliche Vcredclungswirtschast treiben können. Getreidebau auf Kleinsiedlungen, die sich den Vorteil der Ma- schinenanwendung nicht zunutze machen können, wird aber stets nur möglich sein, wenn man nicht die Getreidcpreise künstlich überhöhen will, bei einer recht gedrückten Lage der Siedler. Deshalb dürften kleine Siedlungen nur dort an- gelegt werden, wo die Möglichkeit der Umstellung auf Ver- edelungswirtschast besteht, d. h. in der Umgebung der Städte. Da- gegen müßten in den Gegenden, die nicht verkehrsgünstig gelegen sind, größere Betriebe geschassen werden, welche technische Hilfsmittel ausnutzen können. Auch scheint uns das bisherige System der Austeilung der größeren Güter in Kleinbetriebe zu einseitig an- gewandt worden zu sein. Bei den jetzigen niedrigen Viehpreisen überall eine Verlagerung der Einnahmen aus der Getreideerzeugung auf die Viehwirtschaft vorzunehmen, ist unzweckmäßig. Solange die Gctrcidcpreise günstiger sind als die Viehpreise, dürfte es zweckmäßig sein, die Großbetriebe nicht miszuteilen, sondern entweder in g e- nnssensch östlich betriebene Anteilwirtschafton oder In eine andere Form zu überführen, die eine rentablere Ge- treideproduktion ermöglicht als der Siedlerkleinbetrieb. Auch wäre es hierdurch möglich, die manchmal durch die Siedlung erfolgte Freisetzung von Landarbeitern zu vermeiden. Werden bei der nunmehr beginnenden Siedlungsaktion der Reichsregieruitg möglichst alle Voraussetzungen erfüllt. daß den angesetzten Siedlern eine sichere, wenn auch bescheidene Existenz geschassen wird, so kann der Plan der Reichsregierung nur gutgeheißen werden. Aber für falsch halten wir es. wenn in Gegenden, in denen keine Absatzmöglichkeiten sür Veredelungspro- dukte bestehen oder sich nicht entwickeln lassen und in denen der Siedler dann ein menschenunwürdiges Leben führen müßte. Er- werbslose in Kleinsiedlungen angesetzt werden, nur um Arbeitslose aus de» Städten fortzubringen. Dort müssen größere Siedlungen gcschaftcn werden. Dos Sicdlnngsproblem darf nicht schsmatisch behandelt werden. Es muß auf die Prodnktionsgrundlogcu und Absätzbedingungen Rücksicht genommen werden. Diskontsenkung aus 5 Prozent. Die Reichsbank teilt mit: Der Zentralausschuh der Reichsbank hat in seiner heutigen Sitzung dem Beschluß des Reichsbankdirektoriums, den Diskontsatz und den Lombardsah mit Wirkung vom 28. April um je Zz Prozent aus 5 bzw. 6 Prozent zu ermäßigen, nach Begründung durch den Reichsbankpräsidentcn Dr. Luther zugestimmt. Die Reichsbank hat sich trotz der sich aus der Devisenlage ergebendeu Hemmungen zu dieser Zinsscnkung entschlossen, um der Wirtschaft von der Zinsseile her die nach der Gesamtlagc vertretbaren Antriebsmöglichkeilen zu verschossen. Der Reichsbank wurde ihr Entschluß durch die flüssige Gestaltung des Geldmarktes, durch die fortschreitende Entlastung ihres Status und durch seit der letzten deutschen Diskonlsenkuvg eingetretene weitere ausländische Diskontsenkung erleichtert. Lim ein neues Wirischafisstrasrechi. Professor Alsberg vor den Berliner Kaufleuten. Nach all den Wirtschaftsskandalen der letzten Zeit, die dem deutschen Wirtschaftsleben so ungeheure Schäden zugefügt haben, konnte man gespannt sein, was Deutschlands berühmtester Verteidiger, Professor Max Alsberg, dem Verein Berliner Kauflcutc und Industrieller über„Wirischaftsstraftecht und Wirt- schaftsdeflation" erzählen würde. Um es gleich zu sagen: es war sehr merkwürdig, welche Vorstellungen Herr Alsberg über ein neues Wirtschaftsstrafrecht hat. Selbstverständlich ist im Sinn einer einheitlichen Rechtspflege zu fordern, daß das Wirtfchaftsstrasrecht sich dem allgemeinen Straf- recht einfügen muß. Aber Herrn Alsberg scheint dos Verteidigen so z u r R a t u r geworden zu sein, daß seine rcchtspolitischen Forde- rungen insgesamt auf eine A b s ch w ä ch u n g der geltenden Be- stimmungen hinausliefen. Wenn der-Faoag- oder der Katzencllen- bagen-Prozcß eines bewiesen haben, so doch das, daß das heutige Recht nicht geeignet ist, offenbare Wirtschaftsverbrechen als solche scstzustellen und unter Strafe zu stellen. Diese brennende Frage nach der Verschärfung des Wirtschastsstrasrechts,»ach der Neufeftstellung strafbarer Tatbestände existiert für Herrn Alsberg nicht. Er fordert eine Einschränkung des Laienrichterelements dahin, daß sachverständige Leute ausgewählt werden. Besteht nicht die Gefahr, daß diese„Sachverständigen" zu oft I n t c r e s s e n t c n, Klassen- oder Berufsangehörige sind, die mit ihrem„Verständnis" zu leicht zum Entschuldigen bereit sind? Ganz gefährlich wird die Sache, wenn man, wie Herr Alsberg, fordert, von ,,a b st r a k t e n Begriffe n"(von gesetzlich fest- gelegten strafbaren Tatbeständen) sich freizumachen und an deren Stelle das„lebendige Wirtschaftsleben", die Anschauung des „ehrbaren Kaufmanns" zu setzen. Damit kommt man natürlich voll- kommen ins Nebelhafte: das bedeutet nichts meiter, als das längst erledigte Prinzip des Laif*ez laire(laßt sie nur tun!) wieder ins Strafrecht einzubauen. Nehmen nicht auch die L a h u f c n s in ihrer Verieidigungsschrift, die sie unier Mitwirkung von Herrn Als- berg abgefaßt haben, für sich in Anspruch, wie„ehrbare" Kgusleute gehandelt zu haben? Die russischen Eisenausträge. Weitere ISv 000 Tonnen abgeschlossen. Die Finanzierungsfrage bei der Lieferung von weiteren 150 000 Tonnen Walzeisen an Rußland ist jetzt gelöst und der Lieferung»- vertrag für diese Menge abgeschlossen worden. Da die Lieferungen bereits im nächsten Monat laufen sollen, wird schon in der nächsten Woche mit der Abwicklung der Aufträge begonnen werden. Die deutschen Eisenkonzerne bzw. der Stahi- werksvcrband haben nach dem Abschluß von bisher 300 000 Tonnen Walzeisen noch eine Option auf weitere 200 000 Tonnen, die bis Anfang Mai verlängert wurde. Da die Ende vorigen Jahres bestellten Reichsbahiiniatenalien jetzt aufgearbeitet sind, werden die Russenaustrage nur die Lücke füllen und keine Neueinstellungen von Arbeitern mit sich bringen. Sollte jedoch die Reichsbahn gleichfalls noch größere Mengen bestellen, so würde der Beschäftigungsgrad der Großeisenindustrie sich gegenüber den letzten Monaten tatsäch- l i ch bessern. Die Kohlenförderung im März. Nach Feststellungen des Statistischen Reichsamts hat die deutsche Steinkohlensördcrung im März 8,5 Millionen Tonncn gegen 10,0 Millionen Tonnen im März des Lorjahres be- tragen. Die Bra u n k o h l e n f ö r d c r u n g ist nur von 10,1 auf 0,8 Millionen Tonnen zurückgegangen. Am stärksten>aiik im Zusammenhang mit der Verschärfung der Wirtschaftslage die K o k s p r od u k t i o n, nämlich von 2,1 auf 1,6 Millionen Tonnen oder um 25 Proz. Im ersten Vierteljahr 1032 wurden an Stein» kohlen 25,0(im Vorjahr 31,9) Millionen Tonnen gefördert, an Braunkohlen 29,1(30,6) Millionen Tonnen. Die Koks- Produktion betrug 4,8(0.4) Millionen Tonnen, während die Herstellung von Braunkohlcnbrikciis mit 0,7 Millionen Tonnen etwas höher als in der gleichen Zeit des Borjahrcs(0.0 M>l. lionen Tonnen) war. Zwischenlösung für die Rheinische �andesbank. Wie mitgeteilt wird, hat der Landeshauptmann der Rhein» Provinz, Dr. Hvrion, mit den zuständigen Stellen Preußens und des Reiches wegen einer Unterstützung für die Landesbank der Rhcinprovinz, Düsseldorf, verhandelt. Dabei ist eine Berständigung über eine Zwischenlösung erzielt worden, die die Zeit bis zum Juli überbrückt. Die Endregelung wird herbeigeführt werden, wenn Reichskanzler Dr. Brüning wieder in Berlin ist. Goldstandard in Griechenland aufgegeben. Griechenlands Kammer und Senat haben ein Gesetz über die Ausgabe des Goldstandards angenommen. Die Golddeckung der Bank von Griechenland betrug zuletzt noch 35,7 Prozent des Roten- Umlaufs. Griechenland hat die Drachmen-Währung. Die Parität von 100 Drachmen entsprach 5.45 Mark. Die Notiz der griechischen Valuta war aus den Börsen in der letzten Zeit gestrichen. Leichl erhöhter Verlust bei der hibernio. Der Abschluß der Bcrgmerksgescllschast Hibernio. Herne i. Wests., schließt mit einem Betriebsg ewuin von 0 203 810(5 310 094) Mark ab. An Ab- schreibungcn sind 0 420 742(0 283122) Mark vorgesehen, so daß ein- schließlich des Berlustoortrages aus 1030 in Hohe von 472 177 M. ein Verlust von 008 100 Mark verbleibt. Das Jilmgeschäft blühk und bringt 14 proz. Dividende. Die M i m o s a A.- G. in Dresden ist, wie der Geschäftsbericht aus- führt, im vergangenen Jahr auch von der Krise betroffen worden. Dies kommt darin zum Ausdruck, daß„nur" 14 Proz. Dividende ausgeschüttet werden gegen 18 Proz. im Vorjahr. Die Ge- scUschast, die hauptsächlich Photo- und Kinofilme herstellt, war der- ort stark beschäftigt, daß die Anlagen der F i l m s a b r i k zur Bewältigung der Aufträge ausgebaut werden mußten. Die Geldflüssigkeit ist nach gestiegen. Bei einem sehr geringen Schulden- stand von 200 000 Mark werden Bankguthaben. Kassen- bestände und Forderungen in Höhe von 3,25' Millionen Mark aus- gewiesen. Die flüssigen Betriebsmittel erreichen damit fast die Höhe des Aktienkapitals. Die Adca übernimmt die Anhall-vcssauische Landesbank. Der Aufsichtsrat der Anhalt-Deisauischen Landesbank bat die Fusion mit der vom Reich sanierten Allgemeinen Deutschen Creditanstalt <2ldca>, Leipzig, beschlossen, wozu die Generalversammlung am 27. Mai Stellung nehmen wird. Die Landesbank, an der die'Adc, schon seit Jahren beteiligt ist, sieht sich zu diesem Schritt gezwungen, weil sie sich den in der Krise angewachsenen Risiken nicht allein gewachsen glaubte. In den Aufsichtsrat der Adca werden einige Vertreter der Dessauer Landesbank eintreten. Die Aktionäre erhalten für je 4000 Mark Lniidesbank-Akticn je 1000 Mark Aktien der sanierten Adca. Die Fusion soll mit Uebcrnahmc aller Aktiven und Passiven durch die Adca mit Wirkung ab l. April gelten, so daß in der Sanierungsbilanz der Adca die Risiken und Verluste der Landesbank bereits abgeschrieben sein werden. Von Donnerstag, dem 28. April bis Samstag, dem 30. April auf alle Waren (mit Ausnahme weniger Artikel) doppelte Rabattmarken! Auf Wunsch statt Rabatt bei Einkauf für 2 RM ein schöner Dessertteller, bei Einkauf für 3 RM eine feine Tasse mit Untertasse aus echt bayerischem Qualitäfs- Porzellan. Rationalisierung Europas. Arbeit durch Zusammenarbeit» Ist. de««stsrl Tag«, ms Apnl haj in Daris der P r ü f v n g»- -lusschuh ins Völkerbundes für öffentlich» Ar- äeitsn getagt, dem die Aufgab« zug«s,iesen mar, Arbeits- »escha-ffungsplyn« zu prüfen, die ihm ayf Anregung des JJntetnaticinfllej, Arbeitsamtes von den europäischen Regierungen zugeleitet werden sollten Die Tagung schloß, wie wir seinerzeit berichteten, mit einem recht mageren Ergebnis, nfimltdj der Ab- fasfung eine» Berichts an den Völkerbund, über dessen Ynhalt noch nicht einmal«ine offizielle Mitteilung erfolgt ist. Nur soviel ist bekannt, daß in diesem Bericht dem Völkerbund die Ausführung bestimmter öffentlicher Arbeiten in Griechenland, Polen, Lettland, Bulgarien und Südslawien empfohlen wird. Die Tagung mußt« so unbefriedigend verlaufen, weil von vielen Regierungen über- Haupt keine Arbeitsbeschaffungspläne unterbreitet worden waren. Zu diesen„Uninleressierlen- gehörten u. o. auch Deutschland und England, die europäischen Länder mit der größten Arbeitslosigkeit. Di« Zunstdiplomoten der größten europäischen Staaten haben somit--- offensichtlich in Uebereinstimmung mit ihren Regierungen — die Inangriffnahme eines Werke» europäischer Aölkersolidarität sabotiert. Der Rechenschaftsbericht des Direktors des Jntcrnatio- nalen Arbeitsamts Albert Thomas über die Tätigkeit dieser internationalen Arbeitsorganisation im Jahre 1931. den wir be- reit» besprochen haben, enthält die Pläne, vor allem ober über die Möglichkeiten der überstaatlichen öffentlichen Ar- beitsbeschaffung in Europa sehr bedeutendes Material. Der Bericht gibt zuerst einmal Ausschluß darüber, wie um- fangreiche Vorarbeiten notwendig waren. Nachdem das Jnter- nationale Arbeitsamt auf Beschluß seine» Berwaltungsrats«ine Denkschrift über di« Zweckmäßigkeit größerer öffentlicher Arbeiten nn internationalen Bereich ausgearbeitet und den verschiedensten Körperschaften des Internationalen Arbeitsamts und des Völker- bundes zur Begutachtung vorgelegen hatte, erging im Spätherbst vorigen Jahre» vom Prüfungsausschuß für öffentliche Arbetten beim Völkerbund an samtliche europäischen Mitgliedsstaaten des Völker- Sunde», an die Sowjetregierung und die Türkei ein Rundschreiben, >n dem diese Regierunzen um die Bekanntgabe ihrer Pläne für öffentliche Arbeiten gebeten wurden. Die Pläne sollten genügend ausgearbeitet und hinsichtlich der Kostenfrage genau berechnet fein und auch die Angabe enthalten,„durch welch« verschiedenen Ver- fahren bei der gleichen Arbeit«in« größere oder eine geringere Zahl von Arbeitskräften beschäftigt werden könnte". Die Regie- rungen wurden ganz besonders ersucht, in erster Linie nur solche Borschläge zu machen, die ohne Vermehrung der Vroduktionsmitlel eine Lerhzsserung der Wirtschaftslage herbeiführen, aus«ms bessere Verteilung der Produktion oder der für den Ver- brauch bestimmten Nahrungsmittel abzielen, sowie zur Senkung der Gestehungs- oder Beförderungskosten dieser Wirtschaftsgüter führen. In zustimmendem Sinne ist dieses Rundschreiben be- antwortet worden von Oesterreich, Belgien, Bulgarien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, l Rumänien und Jugoslawien, in ablehnendem Sinne von| Großbritannien, Schweden, der Südafrikanischen Union und Sowjetrußland(l). Eine ganze Anzahl von europäischen Regierungen hat das Schreiben überhaupt noch nicht beantwortet, darunter auch d!» Deutschlands, die ja auch gegenüber den innerdeutschen Vorschlägen zur Arbeitsbeschafsung bis vor kurzem erstaunlich zugeknöpft war. Dieser offenen oder versteckten Gegner- schaft namhafter Regierunzen ist«s vornehmlich zuzuschreiben, daß dem Prüfungsausschuß des Völkerbundes in Paris nur die zwar nicht unwichtigen, aber höchst unzulänglichen Pläne für einen Aus- bau des Eisenbahn- und Stroßenneßes aus dem Balkan, die Er- nchtunz einiger Brücken am Unterlauf der Donau und ähnliche Vorschläge vorlagen. Hehr beachtenswerte chinweiss auf die Möglichkeiten der öffentlichen Arbeitsbeschaffung in Europa findet man m dem Bericht bei der kritischen Besprechung einiger Vorschlage, die von namhaften Persönlichkeiten zur Eindämmung der Arbeits- losigkeit gemacht worden sind. So verweist Albert Thomas auf den Entwurf eine» europäischen Aünfjahresplones durch den französischen Wirtschaftler Fron<;ois D e l a i I i. Der Grundgedanke dieses Entwurfes ist, die 99 Millionen Menschen, die auf dem 2(X>0 Kilometer langen Landstrich zwischen Finnland und dem Kap Matapan, der Südspitze der griechischen Halbinsel Morea, wohnen und zu Zweidrittsln noch aus der Stufe der Haus- Wirtschaft stehen, in den Kreis des Güteraustausches mit dem«uro- päischen Westen, dem„Europa der Pserdekrafte". einzubeziehen, in dem 280 Millionen Menschen wohnen. Durch Verbesserung der Güteraustauschmittel, des Eisenbahn- und Straßennetzes z. B. soll diesen Menschen trotz gleichbleibender Preise und unveränderter Produktionsform«in höherer Anteil an den Perkaufspreisen ihrer Produkte oerschasst«erden, durch den sie auf dem westeuropäischen Markt kauftrastiger werden. Zur Verbesserung der Voraus- setzungen des wirtschaftlichen Güteraustausches mit diesem Teil Europas schlägt Delaisis den Ausbau des dortigen Eisenbahnnetzes um 45 0<)k> Kilometer und des Straßennetzes um mehr als 1 Million Kilometer vor. Albert Thomas meint, daß man über die Grund- S«danken dieses Planes, zu dessen Durchführung etwa 14 Milliarden ioldfranken notwendig wären, sehr geteilier Ansicht sein könne, daß aber in der jetzigen Zeit wirtschaftlicher Wagemut nicht vom lkebel sei Der Direktor des Internationalen Arbeitsamts weist weiter daraus hin, wie dringend notwendig es sei, an«ine Zusammenfassung des europäischen Eisenbahnnetze» KU denken. Cr betont auch in dem gleichen Jusanimenhang,„wie bedeutungsvoll zur Bekämpfung der Arbettslofrzkeft und zur Schaffung eines Europa die Einführung eines einheitlichen Systems selbsttätiger Kuppelung auf sämtlichen europäischen Eisenbahnen wäre", wodurch für fünf Jahre für mehr als 600 000 Menschen Arbeit geschaffen werden könnt«. Wie recht Hat Albert Thomas, wenn er in seinem Bericht schreibt:„Ist nicht auch im Bereiche der Binnenschiffahrt die Zusammen- fassung aller großen schiffbaren Wasserstraßennetze geboten? Warum sollte nicht an die Durchführung der gewalligen Pläne einer Ver- bindung von der Rhone zum Rhein und vom Rhein zur Donau ge- schritten werden, Pläne, die bereits vor mehr als einem Jahr- hundert in die Welt gesetzt worden stich?" Auch die Frage der gleichmäßigen Verteilung der elektrischen Kraft über ganz Europa spielt in das Gebiet der öffentlichen Arbeitsbeschaffung in Europa mit hinein. Daß Thomas in seinem Bericht auf Arbeitsmöglichkeiten hinweist, die über den europäischen Rahmen hinausgehen wie z. B. die« i r t- schaftliche Erschließung Afrikas, sei hier nur ver- merkt, da die Verwirklichung solcher Pläne in noch viel größerer Ferne liegt als die der erstgenannten. Jedenfalls könnte durch ein planmäßiges Zusammenwirken der europäischen Regie- rungen die Arbeitslosigkeit ganz beträchtlich«ingedämmt werden. Wann wird die Arbeiterschaft so stark sein, um diese Plan- Mäßigkeit nicht nur im Zusammenwirken der Regierungen, son- dern vor allem auch in der Wirtschaft erzwingen zu können? Llm die Vierzigstundenwoche. Bedingungen ihrer Durchführung. Heber die Arbeitszeitverkürzung findet nach den Besprechungen der zuständigen Ministerien des Reiches und der Länder und nach den Verhandlungen mit dem Bergbau auch noch eine Aussprach« des Reichsarbeitsminssteriums mit den Spitzen- vrganisativnen statt. Der Entwurf des Ministeriums zur Einfichrung der Vierzig- stundenwochs, über den wir bereits einige Mitteilungen gebracht haben, ist nur«ine Diskussionsgrundlage. Nach wie vor muß die allgemeine Einführung der Vierzigstundenwoch« ge- fordert werden. Jedenfalls muß dos Ministerium den für die Vierzigstundenwoche vorgesehenen Rahmen noch sehr erheblich erweitern. So ist zum Beispiel die Einführung der Vierzigstunden- woch« für Versicherungsangestellte, für Maschmisten und Heizer in Kraftwerken, für die Schwerindustrie, um nur«in paar Beispiele zu nennen, längst überfällig. Es ist auch noch sine der unumgänglichen Voraussetzungen der Einführung der Vierzigstundenwoch«, daß irtt ihr der(Sin» stellungszwanz verbunden ist. In dem Maße, in dem die Arbeitszeit verbürgt wird, müssen neue Arbeitskräfte«ingestellt werden. Andernfalls würde die Vierzigstundenwoch« auf eine erhöhte Ausbeutung der Arbeitskraft verbunden mtt einer Lohn- kürzung von mehr als 16 Proz. hinauslaufen. Wo technisch« Schwierigkeiten entstehen, müßte durch das Krümpersystsn,«in Ausweg geschaffen werden. Notwendige Reform. Zum Kampf um die llnfallversichening. Der Versuch der Reichsregierung zur Sanierung d«r Unfall- Versicherung, wi« er in der vierten Notverordnung unter- nommen wurde, war nur«in roher Notbehelf. Er hat nur Un» gerechtigkeiten geschaffen, brachte aber keine Lösung: denn die Sanierung kann unmöglich nur durch Leistunzs- a b b a u herbeigeführt werden. Hierüber veröffentlicht in dem Aprilheft der„A r b e i t" Robert Sachs, der Unfalloersicherungs- spezialist des ADGB..«inen instruktiven Aufsatz. Sachs beleuchtet zunächst die Kehrseite der durch die Not« Verordnung oersuchten Sanierung. Die Gesamtausgaben in der Unfalloersicherunz, die 1931 rund 415 Millionen Mark betragen haben, werden sich für da» Jahr 1932 um 120 Millionen vermin- oern. Rund 400000 Unfallverletzten werden ihr« bisherigen R«n- ten genommen. Die Ausgabensentung bringt aber«ine Abwäl- zung der Lasten auf die Semeindekassen. Infolge der Ausgabensentung ermäßig«» sich die Beiträge. Dabei ist zu berücksichtigen, daß in der Unfalloersicherung die bisherige finan- zielle Belastung der Betriebsunternehmer keineswegs so drückend war. wi« dos oft behauptet worden ist. Den rund 24 Millionen Versicherten standen 1930 rund 1 Million Rentenempfänger gegen- über. Davon waren etwa 800 000 Unfallverletzte. Der Rest von 200 000 war Bezieher von Hinterbliebenenrenten. Auf je 24 Ber- sicherte kam somit ein Rentenbezieher. In der Jnoalidenversiche- rung aber 1930 bereits auf 6 Versichert« und in der Knappschafts- Pensionsverstcherung sogar schon auf je zwei Beitragszahler ein Rentenbezieher. Die Ausgaben für 1931 werden bei der gewerblichen Unfallversicherung auf rund 295,6 Millionen Mark geschätzt, so daß zur Deckung dieser Ausgaben auf 1000 Mark Lohnsumm« etwa «in Umlagebetrag von 18,85 Mark kommen wird, ein« Belastung von noch nicht 2 Proz. Für ein» Sanierung von der Einnahmeseit« her macht Sachs im wesentlichen folgend« Vorschläge: Aenderungs» bedürftig ist die in der gewerblichen Unfallversicherung noch üblich« Berechnung der Beitrag« bzw. der Umlag« für die Ausgaben eines Jahres nach den im einzelnen Betrieb gezahlten Löhnen. Für di« landwirtschaftlich« Unfallversicherung gilt da, gleiche. Bei dieser Berechnung wird kein. Unterschied gemacht, ob der einzelne ' Seirieb sich in einwandfreiem Zustand befindet BCer nicht. Wer also sein» Pflichten in bezug auf Betriebssicherheit voll erfüllt und dadurch mehr Ausgaben oder Zeitverlust hat, ist im Nachteil gegen- der dem Konkurrenten, der sich um Betriebssicherheit nicht kümmert. Hier muß ein Staffelbeitrag Ordnung schassen, wobei der Zustand des einzelnen Letrihbes in bezug auf Sicherhetteoorkehrun- gen zu berücksichtigen ist. Di« jetzige Staffelung der Beiträge nach Gefahrenklassen genügt niiA. Bei»er Bettragsausdehnung muß auch die R a t i o n o l i s i e.- rung schärfer in Rechnung gestellt werden. Rationalisierte Be- trieb« weisen bei gleichbleibender Produktion eine wesentlich niedrigere Belegschaftsziffer und somit eine erheblich ge- ring er« Lohnsumme auf. Dadurch verringert sich für diese Betrieb« automatisch ihr Anteil an den Lasten der Unfallversicherung. Die au, früheren Jahren noch laufenden Unfallrenten— auch aus Betrieben, die jetzt stark mechanisiert sind— laste» heute somit in stärkerem Maß auf den Betrieben, die überwiegend noch auf Handarbeit angewiesen sind, d- h. auf den Kleinbetrie- den. Will man die in den Vetrieben vorhandenen eisernen Ar- beitskräste nicht mit einer fingierten Lohnsumme zur Lastentragung innerhalb der Unfallversicherung heranziehen, so könnte man die Meng« der Produktion des einzelnen Betriebes—«inst uns jetzt— für die Umlage zur Unfallversicherung zugrunde legen. Ein« organisatorische Reform ist nach Sachs schon da- durch notwendig geworden, daß die Berufsgenossenschasten in ihrer jetzigen Zusammensetzung ihre Hauptaufgabe in der Vertretung von Unternehmerinteressen sehen. Allem Anschein nach will man die Notlage der Unjallversicherung benutzen, um weitere Abbaupläne durchzuführen und dann erst sich mit organisa- torischen Veränderungen innerhalb der Verwaltung zu befassen. Die Vorschläge oer Regierung, die Entschädigungsleistung bis zur Hälft« gemeinsam zu tragen, wurden trotz finanzieller Schwierig- ketten, in denen sich angeblich die Berufsgenossenschasten befinden. nicht angenommen. Dieses Verhallen erinnert stark an die Haltung der Banken vor dem 13. Juli. Die längst fällige Zusammenlegung einer Anzahl von Berufsgenosserrschaften kommt nicht vom Fleck." Masseutüudigung im Gastwirtsgewerbe Ein Erprefsvngsversuch des ArbeitgeberverbandeS. Die Verhandlimgen über den Lohn- und Manieltarifverirag für das Berliner Gasiwirtsgewerbe. den die Unternehmer zum 30. April gekündigt haben, sind gestern auch vor dem Schlichtung sausjchuß gescheitert. Die Unternehmer haben ihre bekannten Abbau- sorderuugen aufrechterhalten. Sie wollen einen neuen Vertrag nur mit einer Geltungsdauer bis zum 30. Zunt abschließen. Es müßten also in einigen Wochen nochmals Verhandlungen stallflnden. Es war klar, daß der Zentralverbaod der holet.. Restaurant- und East-Angeslellten auf diese Bedingungen nicht eingehen konnte. Offenbar aus Einweisung des ArbeitgeberverbandeS ist nunmehr in einer großen Anzahl von Betrieben dem gewerbllchen Personal mit der üblichen fünfiSglgen Kündigungsfrist dasArbeiisverhält- als gekündigt worden, mit der Maßgabe, daß das Arbeitsver- hällniz nach Ablauf der Kündigungsfrist verlängert werden mürbe. wenn sich das Personal mit den von den Unternehmern geforderten verschlechterten Urlaubsbedingungen einverstanden erkläre» würde. Dieser Erpressungsversuch ist arbeltsrechüich nicht hallbar, da nach dem Tarifverirag mit Ende April der Urlaubsanspruch wirksam wird. Das Arbeitsgericht wird also durch dieses vorgehen d?s Arbeilgeberverbandes allerlei zu tun bekommen. Zunächst wird sich der Schllchtungsausschuß mit dem Konflikt zu befassen haben und eventuell einen Schiedsspruch fällen. Der Zealralverband der Hotel-, Restaurant- und Eafä-Angeslellten be- ruft zu Freitag, nachmittags 5.30 Uhr, in die Germanlafäle eine öffentliche Versammlung ein. die sich mit dem Vorgehen de» Arbeftgeberverbandes befassen wird. Wir fügen noch hinzu, daß sich keineswegs sämtliche llaleruehmer dem scharfmacherischen vorgehen de, Arbeilgeberverbandes angeschlossen haben. t �reie Gewerkschafts-Iusend Verlin Heut«, Qonntziiai, 28. April, ISH Uör, tagen 61» S-Uppe»!®26 folgt durch den Eingang Gözftral». auf der Ktnteren Seite der Schule. Staat und T-irlschaft in Rußland.— Moabit! Jugendheim Lehrter Str. IS--:». S«- werlschaften und Rris».— Staaken: Jugendheim der>7. Aolkoschul«. Sarten- fladt. Nirchpla«. chndhalteftill, Autobus öl. Da» Programm der NSDAP. Schdahaufer Joe: Jugendheim Tieckfir. 18. Jugend und Geweikfchaften.— Laudsberger Platz! Jugendbetm Dieltelmenerstr. 8. Poll-wirtlchaft, IL— Mchtepdeeg, Jugendherm Doffefti. 22. Bunter Abend.— R,».Lichtenberg: gu- gendhetm Sunterstr. U. Auch die Burlchen lbnnen was.— Sesuubtruane». Jugendheim Rot« Schule, Sotenburger Str.! Wir lernen neu» Lieder.— Schineweid«: Jugendheim Laufen« Str. 2 läftote»»immer». Elteinabend.— fttpcnia: Jugendheim Krünauer Str. 8(Nahe Bahnhof Splndler»!«ld). Wir gehen eum Elternabend nach Schöneroeid«.— Ken-erNchaft'bau«: Jugend- heim Semerischaftahau». Engelufer{4—!8, Saal 11. Die Burschen wissen „etwa»'.— Zugendgrupp« de« Perbaade« der Nobruugzmittel und Ketrünte- arbeite»: Neu» Sthünhouser Str. 4— 8. Der Weltkrieg.— Iugeadgrnpv» de» Dcutfchea Bekleiduaaearbeiternertander: Selastianstr. 87— Lk Lugend-Werde- Veranstaltung. �uaendaruppe des Zentralverbandes der Anaestellten leul», Donnerotag, finden falgenb» Veranstaltungen statt: Norden fuzendhetm Lortzingftr. 19. Vortrag: Di« Bedeutung de» 1. Mai für dli Arbeiterbewegung. Referent: Schmidt.— Pankow.Nlederschlnbaole»: Jugendheim Sörfchstr. 14 lgrotze, Zimmer). Traven. ein Dichter der ffreihcit. Referentin: Friede! Hall.— Ssten- Jugendheim der Schule Litauer Str. 1« Pu»sprach»°bind: Wie gestalten wir unsere Freizeit zweckmäßig au»? Setier- Virr.— trepto«! Jugendheim Elsenftr. 8. Ausspracheabend: Sozialllttsch» Erziehung.— Die Frei« Angestelltenbank«. S. m. d. H. tagt heute van 20 it, 22 Uhr im Aerbandihau».— flußdalltrainin« um 18% Uhr aus dem Sportplatz Lichtenberg, Normannen. Sie Ruschestraße. MjoäeösusirMMS ,... t:'... SCHREIBEN SIE AN: MÄRGARINE-VERKAUFS-UNION; ABT. KOCHBUCH, BERÜN C2, BÜRGSTR. 24