Morgenausgabe Nr. 202 A 102 49. Jahrgang Böchentlich 75 Bt., monatlich) 3,25 M ( davon 87 Pf. monatlich für Zustel lung ins Haus) im voraus zahlbar. Bostbezug 3,97 m. einschließlich 60 Pf. Bestzeitungs- und 72 Pf. Postbestellge. Führen. Auslandsabonnement 5,65 pro Monat; für Länder mit ermäßig tem Drucksachenporto 4,65 M Der„ Borwärts" erscheint wochentäg. lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Dez Abend". Jllustrierte Sonntagsbeilage Bolt und Zeit" Vorwärts Berliner Boltsblatt Gonnabend 30 April 1932 Groß Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ettpalt. Millimeterzetle 30 f. Reklamezeile 2.- M Kleine An zeigen" das fettgedruckte Bors 20 Vf. ( zulässig zwei fettgedrudte Worte jedes weitere Wort 10 Bf Rabatt It. Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Millimeter. zeile 25 Bf Familienanzeigen Willi meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ab. lehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Bentralorgan der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.. Dönhoff( A 7) 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Vostschecktonto: Berlin 37 536.- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3 Dt B.u. Disc.- Get., Depofitent., Jerusalemer Str. 65/66. Willfür in Braunschweig. Der Weg der Pflicht. Redeverbot gegen Kuttner.- Borzenjur über Mai- Reden. Braunschweig, 29. April.( Eigenbericht.) Wie bereits mitgeteilt, hat Minifter klagges in Braunschweig alle Maifeiern unter freiem Himmel verboten. Die Braunschweiger Parteigenoffen hatten daraufhin zwei geschlossene Kundgebungen nach dem„ Hofjäger" und dem„ Konzerthaus" einberufen. Als Redner waren der braunschweigische Landtagsabgeordnete ThieleRedner waren der braunschweigische Landtagsabgeordnete Thielemann und der preußische Landtagsabgeordnete Kuttner vorgefehen. Am Freitagnachmittag wurde vom Polizeipräsidium Braunschweig unserer Parteileitung mitgeteilt, daß die Bersammlungen nur unter folgender Auflage" stattfinden dürften: 1. Kuttner dürfe nicht reden. blatts" Bezug genommen, monach der Berliner Polizeipräsi dent Grzesinsti in Leipzig erklärt hat, daß eine faschistische Regierung den Bürgerfrieg bringen würde". Das der Fraktion jetzt zugegangene Antwortschreiben des Reichs innenministers betont, daß nach den angestellten Ermittlungen die angeführte Bemerkung des Polizeipräsidenten Grzesinski tatsächlich so gefallen sei. Die dem Reichstagspräsidenten in den Mund gelegten Redewendungen seien aber in der wiedergegebenen Form nicht gebraucht worden. Löbe habe vielmehr die Legali tätsbeteuerungen Hitlers im Hinblick auf deffen eigene Bergangenheit wie auf die vielfachen Reden seiner Unterführer in 3weifel gezogen und dann auseinandergesetzt, daß eine Le gale Machtergreifung Hitlers ausgeschlossen sei, mehrheit des Reichstags herbeigeführt werden, Hitler merde aber nicht zu zweifeln sei, dann könne dies nur unter Bruch der Berdiese Mehrheit niemals erreichen. Wolle er an die Macht, moran fassung geschehen, mogegen die Arbeiter entschieden Front machen und der Gewalt auch Gewalt entgegensegen würden. Löbe hat weiter keine Zweifel darüber gelassen, daß die SPD. den Kampf geistig führe, die rohe Gemalt ablehne und nur gezwungen auf eine andere Plattform des Kampfes treten würde. Aus diesen Ausführungen sei eine Bürgerkriegsdrohung des Reichstagspräsidenten nicht zu ent nehmen. 2. Der Erfahreferent müsse dem Polizeipräsidium bis denn nach der Verfassung könne ihre Aenderung nur mit 3weidrittel 6 Uhr abends(!) mitgeteilt werden, 3. Das Demonstrationsverbot fowie die Person des Ministers& lagges dürften in den Ansprachen nicht erwähnt werden. Man erkennt hieraus, mit welchem Recht die Nazis sich über ..Unterdrückung" beschweren, und wie die Freiheit aussieht, die sie felber zu gewähren beabsichtigen. Belehrung für Hitler. Ein Antwortschreiben des Reichsinnenministers an die nationalsozialistische Reichstagsfraktion. Die nationalsozialistische Reichstagsfraktion hatte in einer Anfrage an die Reichsregierung auf einen Bericht des Bormärts" verwiesen, nach dem Reichstagspräsident Löbe in einer Kieler Rundgebung der Eisernen Front u. a. gefagt hat:„ Die Bolts massen der„ Eisernen Front" würden die Machtergreifung der Nationalsozialisten verhindern... Auch die legale" Machtergreifung der Nationalsozialisten wird nicht ruhig hingenommen werden." Weiter hatte die Fraktion auf eine Mitteilung des Berliner TageUnwahrhaftig und taktlos. Breitscheid über Tardieus Rede. Ueber die Rede Tardieus in Belfort, auf die wir in der gestrigen Ausgabe des Vorwärts" bereits eingegangen sind, schreibt Genoffe Rudolf Breitscheid im„ Sozialdemokratischen Pressedienst" u. a.: ,, Es ist zunächst ein Beweis für einen starten Mangel an politischem Tattgefühl, menn der Chef einer Regierung sich in seinen Reden in solcher Weise in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischt und Barteien angreift, mit deren Vertretern er nebenbei unter Umständen noch einmal wieder auf internationalen Konferenzen zusammenarbeiten muß, so mie er beispielsweise mit Macdonald verhandelt hat, als dieser noch Chef der britischen Labour Barty war. Aber über Tastfragen wollen wir mit Tardieu nicht streiten, und ebenso lehnen wir es ab, ihm eine Speziallektion über das wirken der sozialdemokratischen Parteien und besonders der deutschen Sozialdemokratie zu erteilen. Das hätte mur dann einen Ginn, wenn man bei ihm den guten Willen voraussegen könnte, die deutschen Berhältnisse zu begreifen und sich über die Rolle, die die Sozialdemokratie tatsächlich gespielt hat, zu informieren. Diese Boraussetzungen sind nicht gegeben, denn Herr Tardieu bedient sich bemußt des verwerflichen Mittels einer unwahrhaftigen Demagogie. Das Bemerkenswerte ist nur, daß der feine Waffen der Rüstfammer der deutschen Nationalsozialisten entnimmt und dieser, was ihm schon einmal unser Freund Grumbach in der französischen Kammer vorgeworfen hat, damit seine Unterstügung angedeihen läßt. Der französische Ministerpräsident Arm in Arm mit Herrn Hitler als Gegner des„ Systems" und des„ Marrismus“ - ein erhebendes Bild! Doch die Nationalsozialisten werden nicht nur gebraucht, um den französischen Nationalisten Waffen gegen die deutschen und französi schen Sozialisten zu liefern, sie sind ihnen vielmehr insofern von Nuzzen, als sie ihnen Argumente gegen eine Aenderung der französischen Außenpolitik zur Verfügung stellen. Tardieu und die, die mit ihm auf derselben Linie marschieren, meisen auf den Wahlerfolg des Hitlertums in Preußen hin und ziehen daraus den Schluß, daß hier die neue große Gefahr für die Dasselbe gelte aber auch für die Bemertung des Polizei präsidenten Grzesinsti, da das Wort legal" in dem Bericht ausdrücklich in Anführungszeichen gefeßt sei, also andeuten solle, daß eine wirklich legale Machtergreifung eben nicht erwartet werden fönne. Es hätten offenbar beide Rebner zum Ausdrud bringen mollen, daß sie die Bürgerfriegs: androhung auf der nationalsozialistischen Seite sähen, sich selbst also in Abwehrstellung zum Schuße der bestehenden | Staatsform befänden. Eine Gemaltandrohung im Falle der Regierungsübernahme durch die NSDAP. sei unter der Voraus fegung, daß sie auf mirklich legalem Wege geschehen sollte, in den beanstandeten Aeußerungen demnach nicht zu erblicken. Bemerkungen zur Preußenfrage. Von Carl Severing. Unmut und Erbitterung über das Elend der Wirtschaftsfrise haben sich bei den Landtagswahlen in einem Mehrheitspotum für die Opposition entladen. Die beiden extremsten Parteien, Nationalsozialisten und Kommunisten, haben zusammen mit 219 von 422 Sizzen die Majorität. Daraus folgt ohne weiteres, daß eine Mehrheitsbildung in diesem Landtag nicht möglich ist, solange diese beiden Parteien in der Opposition verharren. in einem normal funktionierenden parlamentarischen System Nun ist der Wechsel zwischen Opposition und Regierung der gegebene Zustand. Die Opposition muß, wenn sie Mehrheit geworden ist, heran an die Regierung und muß zeigen, mas fie fann. Die in die Minderheit geratenen Regierungsparteien behalten als kontrollierende und kritisierende Faktoren ihre Bedeutung. Sie sind dann zwar nicht ,, verantwortungslos", follen es wenigstens nicht sein, aber sie sind Verantwortung, der Verantwortung an der Regierung, bebis auf weiteres von der am allerschwersten zu tragenden freit und in diesem Sinne gewissermaßen auf Er holungsurlaub". Es gibt wohl feinen Sozialdemokraten an beamteter oder nichtbeamteter Stelle, der seiner Partei und wenn er das Unglück hat, Minister zu sein, sich selber einen solchen Erholungsurlaub nicht von Herzen münschte und gönnte. Ja, es wäre eine wahre Lust, sich mun schleunigst auf die Bänke der Kritik zu begeben und von da aus zu zusehen, was die Nationalsozialisten als Regierende von ihren großen Bersprechungen zu erfüllen imstande sind! Die hemmungslose Agitation der Nationalsozialisten das habe ich schon an anderer Stelle ausgesprochen hat ja Wirtschaftsnot, die Steuerlast, die Arbeitslosigkeit, das nur deshalb so viele Anhänger gefunden, meil sie die drückende Stocken von Handel und Wandel, die Kürzung der Gehälter und Löhne den republikanischen Parteien zur Last legte. Die Nationalsozialisten haben skrupellos diese schlimmen und Sicherheit Frankreichs in Erscheinung trete, die man mit allen schweren Folgen des Weltkrieges und der Wirtschaftsfrise als Mitteln abzuwehren habe. Bom Standpunkt des französischen Ministerpräsidenten gesehen, ist es nicht nur undenkbar, sondern auch eine Un mahrhaftig feit, wenn er so tut, als ob ihm der, Triumph des Halenkreuzler tums Schrecken einflöße. Im Grunde wird er Herrn Hitler dankbar sein, denn sein Erfolg verhilft ihm zu einem bequemen Borwand gegen die Abkehr vom Wege außenpolitischer Unvernunft und er stellt ihn außerdem für die Zukunft einen wertvollen Bundes genossen in dem internationalen Kampf gegen den Sozialismus und für die Aufrechterhaltung fapitalistischer Reaktion in Aussicht. Nazi- Programm. Endlich bekanntgemacht. In einer Wiener Versammlung sagte der neue Nazi- Gemeinde rat Grazelberger, der sein Braunhemd mit einer Unmenge Blech rat Grazelberger, der sein Braunhemd mit einer Unmenge Blech behängt hatte: „ Sie dürfen vorläufig von uns teine fachliche Arbeit im Gemeinderat erwarten. Wir wollen nichts anderes, als Opposition machen. Wir wollen es ihnen auf mischen!" Die 15 Nazis in dem hundertköpfigen Gemeinderat müssen zu nächst, wie alle, das Gelöbnis auf die Verfassung des Staates und des Landes Wien leisten. Gegen ordnungswidriges Benehmen kann der Disziplinarausschuß die Ausschließung für die laufende und auch noch für die nächste Sigung beschließen. Bei Nichtbefolgung tritt automatisch Mandatsverlust ein. werden sich die Nazis wie man in Wien sagt schon moderieren! Da 1. Mai, 13 Uhr, Lustgarten! = abwendbar dargestellt. Sie haben versprochen, alles zu bessern, wenn sie regieren würden. Ist es nicht be greiflich, wenn sich der lebhafte Wunsch regt, nunmehr den Nationalsozialisten Gelegen heit zu geben, ihre Worte mit den harten Tatsachen in Einklang zu bringen? Indes muß dieser Wunsch an eine Voraussetzung geknüpft bleiben: Der Schaden, der aus einem solchen Erperiment ermächst, darf nicht irreparabel sein. Würde zum Beispiel die Außenpolitik des Reiches von den Nationalsozialisten im Sinne ihrer bisherigen Propaganda beeinflußt, so fönnte der Schaden so groß merden, daß eine spätere Korrektur durch Neuwahlen nicht mehr imftande wäre, ihn wieder gut zu machen. Und zweitens: Gelänge es den Nationalsozialisten, das staatliche Leben so in Bermirrung zu bringen, daß ein normales Funktionieren der Opposition nicht mehr möglich märe mit anderen Worten: drohte von einer regierenden nationalsozialistischen Partei die Gefahr, daß sie unter Bruch der Verfassung ihre Alleinherrschaft aufzurichten versuchte, so wären die Folgen erst recht unabsehbar und äußerst unheilvoll. Mit schwerer Schuld würden sich dann diejenigen beladen haben, die die Nationalsozialisten an die Regierung herangelassen hätten. www Der Beschluß des Kabinetts, den neuen Landtag zum frühesten Termin einzuberufen und ihm seinen Rücktritt anzuzeigen, hat allgemeine Billigung gefunden. Die alte Regierung gibt dem neuen Landtag zum frühesten Termin Gelegenheit, seine Arbeitsfähigkeit zu zeigen. Sie kann aber selbstverständlich auch nicht den Landtag in eine Zwangslage versetzen, indem sie ohne ordnungsmäßige Ablösung eigenmächtig ihren Platz verläßt. Der Landtag fann an jedem Tage den gegenwärtigen Ministerpräsidenten von seinem Plage entfernen, indem er einen neuen wählt und ihm sein Bertrauen gibt. Aber die Parteien, von denen die MehrheitsFahnen heraus zum 1.Mai! Fronde der Ministerialbürokratie. Bitten für ZUichsbeamie.-Rund um Oevaheim.- Wieviel kostet Sie Versorgung der Wehrmacht? Wung abhängt, sollen nicht vor ein Vakuum gestellt, nicht unter Druck gesetzt sein. Was für die Regierung gilt, das gilt ähnlich auch für�die Sozialdemokratische Partei. Sic hat den stärksten Wunsch, sich einmal van der Last der Regierung recht grundlich er- holen zu dürfen. Aber sie vergißt nicht, was sie dem Staate und dem Volke schuldig ist. Insbesondere kann es nicht ihre Absicht fem. das Zentrum in der Frecheit seiner Entschließungen irgendwie zu beengen. Vielleicht wird sie einmal gegen das Zentrum schwere Vorwürfe erheben Müssen, wenn es den Nationalsozialisten ohne ausreichende Vorsichtsmaßnahmen einen Anteil an der Regierung über- läßt. Sie darf sich also selber nicht dem Vorwurf aussetzen, sie hätte durch ungeduldiges Drängen dos Zentrum zu ver- hängnisvollen Entschlüssen genötigt. Bleiben bis zur Ablösung und unverdrossen seine Pflicht tun, was immer kommen mag— das ist vielleicht das schwerste Opfer, das bisher von der Partei und von den näcksttbeteiligten Personen gefordert morden ist. Es muß aber gebracht werden, weil die Verfassung und das Wohl des Volkes es so verlangen. Nazigras gegen Hohenzollern. „Äas kommt nicht wieder." Die Bemühungen des Hauses Doorn um die Partei der Nationalsozialifteu haben noch keinen vollen Ersolg gehabt. Wenigstens der stets eigenwillige und etwas eingängerische Graf R e v e n t l o w erteilt den aufdringlichen Zollernfreunden eine recht unwirsche Antwort auf ihre Spielereien. Er be- hauptet, die Deutschnationalen und der Stahlhelm rückten die monarchische Idee deshalb wieder in den Vordergrund, weil sie glaubten, damit die NSDAP, von innen heraus sprengen zu können. Selbstverständlich sei ihnen klar bewußt, daß in erster Linie die Arbeiterschaft, wem, si« überzeugt wäre, daß die n a t i a n a l f o z i a l i st i s ch e Bewegung man- a r ch> st i s ch geworden sei, diese als ihren Feind be- trachten und daß die Arbeitermassen, die sich in der NSDAP. befinden, diese dann verlassen würden. Es handelt sich hiermit also um eine psychologisch gut berechnete Intrige der Deutsch- nationalen. Diese wollen gleichzeitig damit den ihnen verhaßten deutschen Sozialismus aus der Nationalsozialistischen Deut- 'chen Arbeiterpartei auf diese Weise„von hinten herum" herausbringen, sie zur reinen Bürgcrpartei nach außen stempeln und lm Innern machen. Aber da liest Reoentlow ihnen rechtzeitig die Leviten. Wenn sich die Herrschenden vor dem Kriege und während des Krieges auch einbildeten, das deutsche Volk sei im Grunde„monarchistisch bis auf die Knochen", so war das damals schon ein schwerer Irrtum: Auch abgesehen von den Äefolgsmassen der Sozialdemokratie waren gerade die breiten Schichten der Bevölkerung nicht zum wenigsten auf dem Laude und im kleinen Bürgertum durchaus nicht monarchistisch gesinnt... Die damals herrschenden Stand« und Schichten haben in der sozialen Frage durch ihre schroffe nerskändnislose Anschauung und Stellung, sie. d'e überzeugten Monarchisten, der Zstonarchie das Grab gegraben. Freilich, das so unrühmliche Verschwinden der Monarchen und der Monarchien im November 1918 werden vor der Geschichte immer ■ n erster Linie den Monarchen selbst zur Last gelegt bleiben. vrb mit Recht. Dieses Verschwinden, und schon ihr gänzliches Zurücktreten während des Krieges und das Fehlen jeglichen Führergsistes zeigte, daß ihr großes Kopital an Ansehen, Nimbus und vertrauen im Volk verbraucht war. daß die Mon- orchien zulegt nur noch leicht angeklebt auf dem Volksboden standen. anstatt mit ihm verwurzelt und im Volksleben ieldst verankert zu sein,.. Aber, sagt Reoemtow weiter, die Monarchisten, die sich 1918 verkrochen,„denken noch heute, daß sogar ein» derart unrühmlich abgetretene Monarchie wieder auf- gerichtet werden könnte wie ein umgefallener Stuhl". Aber abaesehen von der geschichtlichen Erfahrung, daß der- artige„Restaurationen" nie von Dauer sind, erklärt Revent- low noch einmal als nationalsozialistische Meinung: Der Nimbus der vlonarchie und des vlonarchen ist einmal weg, auch der Respekt vor ihnen, und„da» kommt nicht wieder!" Neventlow sieht— ausnahmsweise— diese Dinge ganz klar. Aber er wird selbst nicht annehmen, daß alle seine Pg.s mit gleicher Klarheit die Sache sehen Und die Arbeiter— nun ja, sie sehen vor allem die Liebedienerei, die Hitler mit dem Auwi treibt, sehen, daß der Zoller dritter Güte sogar Landtagsabgeordneter für die„Arbeiterpartei" wird, während die SA. in Dreck und Speck die Schlachten schlagen müssen. Ganz wie vordem! Nazis gegen Zentrum. Sie wollen in Württemberg eine Koalitton gegen das Zentrum versuchen. ■ Stuttgart. 29. April.(Eigenbericht.) Die Nationalsozialisten bemühen sich, in Würt- temberg/eine Regierung unter Ausschaltung des Zentrums zustande zu bringen. Rem rechnerisch wäre die« möglich, wenn sich die 23 Nationalsozialisten mit den 9 Bauernbündlern, 3 Deutschnationalen, 4 Demokraten und 3 Vertretern de» Christtichen Voltsdienstes zusammenfinden würden. Das ergäbe eine Landtagsmshrhett von 42 gegen 38 Stimmen. Politisch dürste jedoch das Zustandekommen einer solchen Koalition kaum möglich sein. Aber es ist von Interesse, daß die National- fozialisten, bevor sie mit der größten und bis jetzt führend gewesenen bürgerlichen Partei überhaupt in Fühlung getreten sind, durch Ver- Handluvgen mit den kleinen Gruppen den Versuch machen, eine „evangelisch betonte" Mehrheit im Landtag zustande zu bringen. ' Hm Zentrum ist män über dies« Vorgänge sehr ent- rüstet und erklärt, zunächst abwarten zu wollen, welche„un- geklärten Blögttchkeitcn" diese konfessionelle Betrachtung der würt- tembgrgischen Politik noch eröffnen wird. In Hamburg Verven sie zahm. Homburg, 23. April. Bei der Abstimmung über die Ausgabe-Ermächtigung für die Monate Mai und Juni trennten sich in der Bürgerschaft die Nationalsozialisten von den Deutschnationalen und ermöglichten durch Stimmenthaltung die Annahme des provi- forrschen Etats. Nur die Kommunisten stimmten im Verein mit den Deutschnativnalen gegen den Antrag des Senat» und damit gegen die Ermächtigung zur Leistung der nolw-ndigen Staat?» ausgaben, besonders der Beamtengehälter. Nach der Annahme emigsr anderer Vorlagen löste sich die an September 1931 gewählte Hamburger Bürgerschaft auf. Der Haushaltsausschutz des Reichstages erörterte am Freitag den Prüfungsbericht seines Rechnungsunterausschusies über den Haushall des Reichsminisiertums des Innern, des Reichswirtschaits- Ministeriums, des Reichsarbeitsministeriums und des Haushalts für Versorgungs- und Ruhegehälter. Der Berichterstatter, Abg. Heinlg, berichtete eingehend darüber, daß es trotz aller zwingenden Beschlüsse des Haushalt sausschusics und des Reichstags die einzelnen Ministerien bisher nicht für notig gehalten haben, die in den verschiedenen Haushalten verstreuten Mittel für Rationalisierungsförderung in einem Fonds im Etat des Reichswirtschaflsministeriums zusammenzufassen. Auch in der diesmaligen Sitzung des Haushailsausschusies traten der Reihe noch die Referenten der verschiedenen Ministerien auf und verteidigten ihre besonderen Rationalisierungs-,.Vö p fch e n". Man will für den Haushalteplan 1932 die Beschlüsse des Reichstages aus die Art u m- gehen, daß man bei jedem einzelnen Rationalisierungstitel Ver- Weisungen aus die übrigen Ausgaben als. Erläuterung gibt. Außer- dem hat man eine sogenannte Ministerialkonnnission geschasien, in der alle an Ratioiialisicruugsfragen beteiligten Rcserenten hin und wieder zusammenkommen. Aber haushaltsmäßig soll keine Zu- jammenlegung aller Ausgaben für diese Zwecke erfolgen. Der Berichlerstatter lieh keinen Zweifel darüber, daß diese Zroude der Ministerialbürokrakie nicht geduldet werden würde. Der haushalteausschutz schloß sich mit großer Mehrheit dem Vorschlag des Rechnungsunterausschusies an, der den Reichsminister der Finanzen ersucht, die Zusammenlegung aller Rationalisierungsmittel in den dafür zuständigen Haushalt mit dem Haushaltsplan für 1932 vorzunehmen. Bei der Prüfung der Reichsanstalt für Arbcitsver- mittlung und Arbeitslosenversicherung ergab sich folgendes: Wo bleiben die Invalidengelder? Für die Zwecke der Invalidenversicherung stehen als sogenannter Ausgleichsfonds aus den Zollmitteln jetzt jährlich 2 9 M i l l> o n e n Mark zur Verfügung. Sie fallen an die Landes- Versicherungsanstalten oerteilt werden. In Wirklichkeit hat sich aber das Arbeitsministerium an- gewöhnt, von jenen 2V Millionen Mark rund 8 Millionen Mari zurückzuhalten und damit selbständig solche Institu- tioncn zu unterstützen, bei denen man es für richtig hält. Wie der Berichterstatter nachwies, hat das dazu geführt, daß daraus eine Art S a m m e l t i t e l geworden ist. aus dem alle möglichen Institu- tionen ihre Sonderbewilliaungen schössen, ohne daß damit eine gerechte Verteilung jener Mittel gewährleistet wird. Hier wird bei der Beratung des nächsten Haushaltsplanes ein« grundsätzliche Aen- derung eintreten. Teure Beamlenwohnungen.— Villen für Geichs- beamte. Für den B e a m t e n w o h n u n g s b a u ist in den jüngst vergangenen Iahren außerordentlich viel vom Deutschen Reich« geleistet worden. Der Fonds zur Förderung des Baues von Beamtenwoh- nungen Hot feit Abschluß der Inflalion rund 83 Millionen Goldmark an Mitteln erhalten. Der Bericht des Rechnungsunterausschusies flelll fest, daß für dieses Geld meist Beomtenwohnungen gebaut worden sind, die in der Miele möglichst niedrig gehalten wurden, aber zugleich den zur Verfügung gestellten Wohnraum möglichst geräumig machten. Di« Gegenwart zeigt, daß dabei nicht nur sine unzureichende Verzinsung der Reichsmittel sich ergeben hat. sondern daß darüber hinaus auch den Beamten gar kein Gefallen getan worden ist. Bei den kleinsten Wohnungen ist die Miete so tauer. daß sie nach dem Sc- hottsabbau den Beamten außerordentlich belastet und bei den größten Wohnungen bringt auch eine Erleichterung durch Mietab- bau keine Wirtschaftlichkeit für den Benutzer zustande. In einzelnen Fällen ist man dabei so well gegangen, daß für hohe Reichsbeamte mit einem Auswand bis zu 70 000 Mark ganze Villen gebaut wurden. Der Mietcrtrag aus solchen Häusern steht in keinem Berhallnis zu den ausgewendeten Mitteln. Oer Gehaltsetat einer Wohlfahrisoraanifation. Das Arbettsministerium unterstützt auch alljährlich die großen Spigenverbände der freien Wohlfahräspflege mit ganz erheblichen Beträgen. Die Tatsachen zeige»— man braucht nur an den D e o a h e i m- Sk a n d a l zu denken—, daß dabei die hingegebenen Mittel nicht immer ordnungsgemäß verwaltet werden. Das Arbettsministerium weiß in vielen Fällen nicht einmal, in welchem Umfange die großen Verbände der freien Wohlfahrtspflege neben den Rcichsmitteln auch noch über sonstige Einnahmen verfügen. Auch hier muß eine grundsätzliche Aenderung eintreden. Bei der Kreditgemeinschaft gemeinnütziger S«lbsthilse- o r g a n i s a t i o» e n Deutschlands G. in. b. H. stellte der Berichterstatter fest, daß der Gehaltsetatüber 140 000 Mark der Einnahmen beansprucht habe. Was kostet die Versorgung der Wehrmacht? Beim Haushalt für Le r s o r g u n g und Ruhegehälter wurde im besondere» darauf hingewiesen, daß bis vor kurzem nicht festgestellt werden konnte, welche Kosten die Versorgung der neuen Wehrmacht beanspruche. Die ersten Schätzungen waren viel zu niedrig, da die Versorgung lPcnsionen, Hinterbliebenen- renten nsw.) der alten und der neuen Wehrmacht im Haushaltsplan gemeinsam ausgewiesen wurden. Di« Trennung der Versorgung?- ausgaben für die alte und für die neue Wehnnacht hat ergeben, daß die neue Wehrmacht viel größere Bersorgimgskoften beansprucht. als bisher geschätzt wurde Alle Vorschätzungen waren ganz erheblich zu niedrig Auch in der Haushaltsrechnung 1931 wird es bei dem Kapitel„Versorgung der neuen Wehrmacht" wohl noch zahlenmäßige Ueberraschungen geben. Montag Bankensanierung. In seiner nächsten Sitzung am Montag, dem 2. Mal, wird der Haushattsausschuß zuerst den Bericht eines besonderen Unterau?- schusses über die Bankensanierung durch die Reichsregierung entgegennehmen. Berichterstatter über die Beratungen jenes beson- deren Unterausschusses ist der Abg. hilferdiug. Nach Erledigung jenes Berichtes wird der Haushaltsausschuß den Bericht seines Rech- nungsunterausschusies über die Haushallsrechmmg 1930 weiter be- raten. parlamentarische Rechnungsprüfung. Am Montag: Bankensanierung. Der Haushattsausschuß beriet heute den Bericht feines Rechnungsunterausschusses zur Haushaltsrechnung wei- ter. Im besonderen wurden das ReichZmimst«ium des Innern und das Reichswirtschaftsministerium behandett. Die nächste Sitzung am Montag wird sich zuerst mit dem Bericht des besonderen Unterausschusies über die Bankensanierung befassen. Heraus m Maidemonstration Sonntage um 13 Uhr, im Lustgarten! Aufmarschplan: Bnugewertsbund. Deutscher Mctaltarbcite» verband, Verband der.Kupferschmied«. 3., Ist. und Kreis der •2PT.: Gartcnstr., Spitze Bernauer Str., sowie Gartenplatz. Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, Verband der Hotel-, sttestaurant- und Eafe-Ängestellten, Deutscher Tabatarbeiter-Berband. Deutscher Musiker- Verband, Deutscher Laudarbeiter-Berband und Deut- scher Melkerverband, 1.. 4. und 18. Kreis der SPD.: Lochringer Straße. Spitze Rosenthaler Platz Baugewertöbund, 2. und 7. Kreis der SPD.: Kleiner Tier- garten. Spitze Wiisnackcr Slraße. Vaugewerksbund: Landsberger Platz Deutscher Lederarbeiter-Verband: Bulowplatz. Baugewerksbund: Engeluser, Gewertschastshaus. Vekleidunasarbciter,.Hutarbeiter: Sebcftianstr., Spitze Alt« Iokohstraße. Gesamtverband: Michaeltirchplatz. Einheitsverband der Eisenbahner, Ö. und 17. Kreis der SPD.: Küstrinsr Platz. Verband der Fabritarbeiter Teutschlands: Andreasplotz. Deutscher Holzarbeiter-Verband, IS. und ly. Kreis der SPD. und sätntliche sreigewertschastlich organisierte Taubstumme: Am Köllnischen Park. Verband der Maler: Melchtorstr.. Spitze Adachertstr. Verband der Sattler und Tapezierer. Zentralverband der Schuhmacher, Deutscher Textilarbeiter-Verband: EngK- ufer, Spitze Köpenicker Str. Allgemeiner Deutscher Vcamtenbund: Mariaimenplitz Spitze Bethanienuser. Baugewerksbund: Bahns-r.(Bahnhof Großgörjchenstr.) Vaugewerksbund und 14. Kreis der SPD.: Reuterpiot (Neukölln). Zentralverband der Maschinisten und Heizer: Lausiger Platz Zentralverband der Zimmerer Teutschlands. Zentral verband der Stkzornsteinfegergefellen: Mariannenplatz. Zentralverband der Steinarbciler: Bethamenuscr. gegenübei Gewerkjchastshaus. Allgemeiner freier Angestelltenbund: Nauiuznitr.. Spitz« Oranienplatz. Graphische band der____ graphischen Hilfsart____________ Alt- Iakobstr., Spitze Neuenburgsr Str. st., 10., II. und 1:2. Kreis der SPD.: Gendarmenmarkt. Gehörlose Gewerkschaftskollegen treffen sich um 11 Uhr am Köllnischen Park und schstehcn sich an den Zug der Holzarbester an. Aus dem Lustgarten nehmen die gehörlosen Kollegen vor der Rednertribüne Ausstellung Spandau: Die Spandauer Partei- und Gewerkschastsaenossen treten mittags, um 1 Uhr in der Bethkestraße an. Abmarsch 1 Uhr zum Stadion in Hakenfelde. Der Zug trifft dort gegen 2 Uhr nachmittags ein. 0 Tie Arbeitersänger treffe» sich am 1. Mai, vormittags 9.30 Uhr, im Saalbau Frledrichshain. Diejenigen Sänger, die sich im«Saal- bim Friedrichshain nieht rechtzeitig einfinden können, treffen sich um II Uhr im Lustgarten vor der Rednertribüne. Oer Abmarsch von den Sammelplätzen erfolgt um 11,30 Uhr/ Fahnen und Banner werden mitgeführt, Transparente sind verboten!/ Der Rückmarsch vom Lustgarten erfolgt nach vier Autldsungspiatzen nach den Anweisungen der Zugleiter und Ordner Allgemeiner Deutscher Gewcrkschastsbund Ortsausschuß Berlin Allgemeiner freier Angestelltenbund Ortskartell Berlm Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Bezirksriusschuß Berlin Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Berli«. Sozialdemokratische Partei Teutschlands Lezirksverband Berlin Deutsch-iialismsches Zusammengehen, j Französische Enthüllung oder Wahlbombe? Vsris. ZS. April.(Cigcnfacridjt) Dörtinax mclbct dem ,.Eä)o de Paris" aus Genf, daß nach 'Angabe kompetenter Persönlichkeiten während des Ausenchalts von Brüning und Curtius in Rom im Leptemder v. I. eine Art Abkommen über eine deutsch-italienifchc Zusammen- arbeit abgeschlossen worden sei. Dieses Abkommen, das Brüning in einem Memorandum festgelegt habe, bestimme: Austausch von Informationen und gemeinsames Lorgehen der beiden Regierungen in S ü d o st e u r o p a. um der französisch- südslawischen Jreundschast entgegenzuarbeiten; Verständigung darüber, daß Frankreich den Artikel 8 des Völkerbundspaktss durch- führen und bis zu einem möglichst niedrigen Niveau abrüsten soll; Verständigung über den Platz, der Nußland in sedem Profskt einer europäischen Union eingeräumt werden soll. Pertinax fügt hinzu, er zweifle nicht daran, daß diese Meldung ein Dementi hervorrufen werde, ober die chaltung Deutschlands und Italiens in Genf und anderswo sei derart, daß man an die Existenz eines Ad- kommens dieser Art glauben müsse. Mit diesem Abkommen will Pertinax auch die kühle Haltung Mussolinis gegenüber Laval begründen, der im Dezember v. I. nach Rom fahren wollte, um die französisch-italienischen Meinungsverschiedenheiten zu bereinigen. Wussolini habe damals auf die Anregung Lavals in einer 'Weife geantwortet, die man in Poris nicht erwartet hatte und eine Liste von Forderungen übersandt, in der die Flottenparität einen hervorragenden Platz eingenommen habe. Lavol habe darauf seinen Besuch linterlassen. sVon zuständiger deutscher Seite wird erklärt, daß an dieser Meldung kein wah- res Wort sei. Red. d.„V.") Wahlierwr in Memelland. Was nützt der Dreimächteschritt? Mnnel, 29. April. Die Memelländische Landwirtschastspartei hatte in Prökuls eine Wahlversammlung anberaumt, auf der der Spitzenkandidat der Partei, Gubba, und eine Reihe anderer Redner sprechen sollten. Schon lange vor Beginn der Bersammlung sammelten sich S t ö- rungstrupps vor dem Lokal an; der Bruder des Landesdirek- tors R e i s g y s aus Stragna führte sie. Die litauisch« Bahn- Verwaltung soll ihre Arbeiter von der Strecke Äuioresten— Memel zu diesen Störungen hinbeordcrt und ihnen hefohlen hoben, dies« Versammlung auf alle Fälle zu stören; im Falle eines Miß- lingens soll den Arbeitern mit sri st loser Entlassung gedroht worden sein. Grenzpolizei und Postbeamte waren eigens dazu b e- Urlaub t, um an der Versammlung teilzunehmen. Die Bersmnm- lung eröffnete der bisherige Landtagsabgeordnete Ru gel lies, der die Behauptungen des Führers der Großlitaner im Memelgebiet, Borchert. zurückwies, wonach die Landwirtschaftspartei ihre stets überfüllten Vorsammlungen nur dem Umstaiid zu verdauten habe, daß sie Freibier gebe. Als der Redner Borchert«inen Lügner nannte, nahm die Versammlung eine drohende Haltung gegen den anwesenden Borchert ein, so daß dieser«s vorzog, wegzugehen. Hierauf sollte Gubba sprechen. Er wurde von den Litauern nie- der gebrüllt. Da weder die Bersaminlungsteilnehmer noch die Redner sich durch die Schreier beeinflussen ließen, wurden Tränengas- und Sliukbombeu in den Saal geworfen, und zwar von Müglledcra der..Schavlu Sajunga". den Zungschühen. Gubba sagte dazu:.töch glaub«, wenn ich zwei Stunden geredet hätte, hätt« ich nicht so viel klarmachen können, worum es jetzt geht, als Reisgys es durch sein Benehmen getan Hot." Von der Landespolizei waren wohl mehrere Beamte erschienen, in den Saal trauten sich aber mar zwei Wachtmeister. Trotz wieder- Holter Aussorderung, den Ruhestörer Reiszps aus dem Saal zu entfernen, tat es die Polizei nicht. Alles nur Verteidigungswaffen! Sogar Linienschiffe dienen nicht zum Zfogriff. Genf. 29. April.(Eigenbericht.) Ln der technischen Kommission für Seeabrüstung bestreiten England, Amerika, Frankreich und Japan neuerdings den Offen- s i v ch a r a k t e r der Linienschiffe, die sie als Verteidigungswaffe bezeichnet haben wollen. Die Hinweise auf den Bau des deutschen Panzerkreuzers„Deutschland" beantwortete v. Rheinbaben mit dem Hinweis auf die Erlaubnis durch den Versailler Vortrag. Trotz der hohen Kosten für diesen Bau sei Deutschland aber bereit, ihn aus dem Altar der Abrüstung zu opfern, wenn die anderen Seemächte bereit seien, das gleiche mit ihren Linienschiffen zu tun. Die Land- und Luftkommissin haben bisher ebenfalls noch nicht zu einer Einigung über irgendein« Bestimmung von Angriffs- waffen kommen können. Die unterbrochenen Besprechungen. Geas. 29. April.(Eigenbenchi.) Auf Anregung des englischen Ministerpräsidenten fand am Frei- tag in der Wohnung des amerikanischen Staatssekretärs Stimson eine Besprechung der Führer der Abrüstungsdele- gationcn von Deuischland, Amerika, England, Frankreich und Italien statt. Man kam überein. die aussichtsvollen Berhandluugen zwischen den Führern der Delegationen, die durch die Krankheit Tardieus unterbrochen wurden, sobald als möglich fort- zusetzen. Die Vorhandlungen sollen möglichst bcrests in vierzehn Tagen wieder aufgenommen werden.. Das genaue Datum soll schnellstens festgesetzt werden. Zwei Landtage von Anhalt. Der neugewählte Landtag zum Tl. Mai einberufen. Dessau. 29.. April. Dar oichaliische Staatsminisieriwn hat beschlossen, den neuen Landtag innerhalb der verfassungsmäßig oorgsschriebenen Frist e i rrz u b e r u f e n. sobald di« Zustinnnungserklärung der neu- gewählten Abgeordneten über die Annahme der Wahl vorliegt. Der späteste Termin der Einberusunz ist die 17. Mai, Bis zum Zu- lammentritt des neugewählten Landtages wird das Staatsministe- •riurn Entscheidungen von grundsätzlicher odor finanzieller erhÄilicher Drag weite nicht mehr trefken, sondern sich lediglich auf die Be» qrbeitung der lauserchsn'Angelegenheiten beschränken. Die staatsrechtliche?lnoinali«, die darin liegt, daß die Wahl» period« des alten Landtag« noch bis zum 19. Mai sinWießlich läuft— für einig« Tage also tatsächlich iwch zwei Landtag« nebeneinander bestehen— kann nach Ansicht des MinstiemmsPaHurch l'shoben werden, daß der neue Landtag nach seinem Zusammentritt sich bis zum 20. Mai vertagt, wamst aber etwaigen wiierwitiügen Entscheidungen des neuen Landtags «j keiner Weif« vorgegriffen werdek fall. Vassekunde. »Hier zeige ich Ihnen auf dereinen Seite das raffende Kapital. Beachten Sie die habgierige Fratze des Juden! Auf der anderen Seite dagegen das schaffende Kapital, vertreten durch den blondhaarigen Schweden Ivar Kreuger. Beachten Sie, meine Herren, den sittUchen Ernst dieser Züge. Solch eine Erscheinung lügt nicht..." 4200 Parteibuchbeamte! Worauf die Nazis spekuliert haben. Mit welcher Sicherheit die Nationalsozialisten bei den Land- tagswohlen auf einen völligen Wahlsieg gerechnet und wie sie bereits an die Einrichtung des Verwaltungsapparates für das„kommende Dritte Reich" gedacht haben, geht aus einem Doku- meist hervor, das der„Rheinischen Zeitung" von einem bisherige» Anhänger der NSDAP, zugegangen Ist. Es lautet: „Das für das kommend« Dritte Reich vorgesehen« Arbeits- d i e nst p fl ich t h e c r braucht einen ständigen Beamtenstand zwischen dem 23. und 55. Lebensjahr als Ve rwaltungsapparat. Der Gau Küln-Slochen stellt zu diesem Beamtenapparat 420 0 Per- s 0 n e n. Die Gliederung erfolgt je nach Vorwendungsfähigkeit. Die Bezahlung erfolgt nach dem Einkommen der übrigen Staatsbeamten.,...... Die Entscheiduhgsstund.« rückt naher und wir müssen unser Programm auf Machtübernahme auch in diesen Einzelheiten fertig norliegen haben. Es ergeht deshalb an alle diejenigen, die sich für Aufnahme m diesen Beamtenapparat interessieren, die Aufforde- rung, einen handschriftlich verfaßten Lebenslauf, der alle Wissens- werten Angaben anchallen muß. unverzüglich bei dem Ortsgruppen- führer der Ortsgruppe Zülpicher Platz. Königsplatz 24, einzureichen. Es ist selbstverständlich, daß außer dem Orisgruppansührer niemand Einblick in diesen eingereichten Lebanslauf erhalten wird. In ab- sehbarer Zcst wird alsdann ein emsprechender Fragebogen zugestellt. Ich erwarte d!« Einreichung der Lebensläuse bis zum 20. d. Mts." Die Liste derer, die im Dritten Reich als Parteibuch- beamte angestellt werden möchten und sollen, liegt leider nicht vor. Die SA. wird finanziert. Ein feudaler Detteisack. Für die aufgelöste SA. haben sich feudal« Freunde ge- sunden, die sich um ihre Finanzierung bemühen. Frau Viktoria! van D i r k s e n in Berlin schwingt für sie den B c t t a l s a ck. Sic Hai Herrn Goebbels in ihren Salon gezogen und hat Frau Goebbels der Exkronprinzessin Eäcilie vorgestellt, und nun hoffen die feudalen Herrschaften alle, daß demnächst in Preußen wieder das wilhelminische System ans Ruder kommen werde. Dafür kann man schon einmal betteln gehen. Also schreibt Frau von Dirksen: „Exzellenz Frau Viktoria von Dirksen. Mitglied der Kaiser- Wilhelm-Gesellschast, b i t t e t u m eine Gabe zwecks Ilnier- stütz img der Wohliaiigkeitseiizrichtungen der aufgelösten SA- und SS.-Vsrbänds wie Küchen, Lazarette. Unterkunfisräume für Er- werbslose, Hauspflege... Quittungen gehen direkt durch das NE.-Hilfswerk zu." Da ist die Finanzierung einer ausgeiösien Organisation geschickt als Wohlfahrtssürsorge getarnt. Der Kundige aber schaut hinter die Kulissen! Welche Ehre für die SA.-Mltglieder, daß Exzellenz Viktoria von Dirksen mit guten Beziehungen zum Exkronprinzen sich um sie bemüht! Man weißt daß mehr als die Hälfte der SA< Mitgiieder aus Rot-Front rekrutiert worden ist. Welches Glück für ehemalige Rotfron t-KSmpfer, aus der Umgebung von Friedrich Wilhelm und Eätllio milde Gaben entgegennehmen zu dürfen! Nazis provozieren GrenzzwifchenfaU. Mit französischen Zollbeamten an der Saargrenze. Wie aus Metz gemeldet wird, hat sich vor einigen Togen eine Hitler-Bande in dem an der Grenze zwischen Soargebiet und der Rheinpsalz gelegenen Ortschaft Brenchelbach eine unglaubliche Frechheit geleistet. Die französischen Zollbeamten in Brenchal- dach hatten einen Deutschen verhaftet, der Fahrradtelle über die Grenze schmuggeln wollte. Während ein Zollbeamter sein Protokoll aufsetzte, drangen etwa 150 aus der Rheinpsalz gekommene Nazis unter dem Ruf„Heil Hitler!" in da« Zollgeböude ein und befreiten den verhafteten Schmuggler. Ztngesichts der drohenden Haltung der Nazis mußten die Zollbeamten das Gebäude räumen und sich auf französisches Gebiet flüchten. Am Montag hat der Vorsteher des deutschen Zollamts von Brenchelbach die fran- zösischen Zollbeamten zurückrusen lassen, ihnen sein Bedauern über den Borsall ausgesprochen und erklärt, doh er sie unter scin-'i Schutz nehmen werde. Ist da auch das„System" schuld? Lleber 400000 Reichsmark Kehlbetrag bei der metklenburg» schwerinfchen Landeskirche. Schwerin. 29. April. Di« mecklenburgische Landessynod« behwedelte den Haushalts- plan der Landeskirch« in zweiter Lesung. Im Hinblick aus die gegen» wartig« Notlage und in der Absicht, die finanziell« Leistungsfähig kett der Kirche sicherzustellen, wurde beschlossen, daß von den Ein- künften der Emeritierten 10 Prozent gestrichen werden sollen; desgleichen 2li Prozent von den Ein- künften derjenigen Pastoren und Kirchenbeamten, die keine Kinder zu versorgen hoben. Ferner soll für die Witwenbezsig« ein Höchst- betrag des Grundgehalts festgesetzt werben. Bei der Durchführung dieser Kürzungen soll aber auf die individuelle Lage der Betroffenen Rücksicht genommen werden. Lellier war es wich nicht möglich, die Kirchensteueranteile der Gemeinden unangetastet zu lassen. Währeno die. Gemeinden bis dahin 5 bis 10 Prozent aus dem Steuereintommen ihres Bereiches erhallen konnten, zur Zlufrechterhallung ihrer lokalen Arbeiten, wird dieser Anteil setz tauf 3 bis 8 Prozent be- schränkt. Trotz aller dieser Kürzungen wird der Haushalts- fehlbetrag in Höhe von über lOOOOO Mark noch bestehen bleiben. Deutsches Künfllertheater. Die Braut von Torozko. Das ungarisch.jüdische. in Wien und Budapest beretts erprobte Volksstück von Otto Indiz, das im nunmehr rumänischen Sieben« bürgen spielt, arbeitet mit allgewohnten Mfttbln. und lebhafter Toleranztendenz, Im Mittelpunkt stehen die junge Braut, die in- folge amilicheii Irrtums für«ine Jüdin erklart wird, und der alte weise jüdisch« Wirt, der sich als der bessere Mensch erweist. Sllbert Hörbig« und vor allem Luis« Ulbrich sichern tun Erfolg D. 100 Tage und 10000 Klugzeiiel. Antifaschistische Demonstration in Warschau. Das„Teatr Narodowy"(Nationalihcater) in Warschau hatte als große Sensation die Ersioufsührung des Schauspiels„100 Tage" von Benito Mussolini angekündigt. Trotz aller Pressereklame waren Parkett und sonstige besseren Plätze fast nur von geladenen Gästen, wie Regierungvertreiern, hohen Militärs und Diplomaten. mit dem italienischen Boischafier an der Spitze, besetzt. Dos halbe Parkett war leer. Dagegen war besonders gut die Galerie besetzt, und zwar von der sozialistischen Arbeiterjugend des„Bund". Was für ein Interesse die Arbeiiersugend an Mussolinis Pro- bukt hatte, zeigte sich bald. Kaum hatte die Aufführung begonnen. flog von der Galerie eine Lawine von Flugblättern. Der Text ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Nieder mit dem Verfasser der„|00 Tage"! Rieder mit dem Henker der italienischen Arbeiterklasse! Nieder mit dem Mörder von Matieotti! Nieder mit dem Faschismus! Es lebe die Freiheit! Es lebe der Sozialismus! Warschauer Organisation des„Bund". Polizeiageitten sperrten die Galerie und nahmen einige Ver- Haftungen vor. Die Demonstration hotte einen starken Eindruck hinterlofsen. Die polnische Presse durste nichts darüber berichten. Das Vombenaltcutak am wahlnorabend dem der greis« Bürger- meister und ein gleichfalls chiistlichspzialer Gemcinöerat von Antriiz (Steiermark) zum Opfer fielen, ist nicht aufgeklärt. Es würde nirgends auch nur ein wtück ein«« Sprengkörpers gesunden, wes- halb man vermutet, daß e« eine Gasbombe war. die nur«ine ganz leichte Umhüllung bot. Min fand lediglich eine Papierdiä,- iuna, einige Ecken von Meffingllech und eine Drahtlitze, die zur elektrischen" Zündung g-dicnt haben kann. Die Gasbombe dürft« denen ganz ähnlich gewesen sein, die im Atelier des H e i m w e h r> bambeufabrilanteu Dr. Rößler gefunden worden sind. Parteinachrichten für Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB 68. Lindenstraße 3. ftets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Treppen rechts, zu richten Arbeitsgemeinschaft sozialdemokr. Lehrer und Lehrerinnen, Bezirksgruppe Berlin. Wir beteiligen uns an ber Maibemonstration der Sozialistischen Studentenschaft. Treffpunkt 114 Uhr Kleiner Tiergarten, Alt- Moabit. Sozialistische Studentenschaft Berlin. Sonntag, 1. Mai, Teilnahme an der Maikundgebung. Treffen 11½ Uhr Aleiner Tiergarten. Montag, 2. Mai, 17 Uhr, im Bund Besprechung der Sprachkurse. 20 Uhr im Bund Fachschaftversammlung der Juristen. Redner: Genosse M. Drath. Dienstag 3. Mai. Werbeveranstaltung der neuen Sektion Beuthschule um 20 Uhr im Bund. Redner: Genosse Dr. Denide und Emil Groß. Mittwoch, 4. Mai, Werbeveranstaltung der Mediziner um 20 Uhr im Bund. Freitag, 6. Mai, öffentliche Studentenversammlung um 20 Uhr im Hörsaal 3 des neuen Aulagebäudes der Universität. Redner: Genosse Professor E. Lederer. Thema: Autartie". Sonnabend, 7. Mai, geselliges Beisammen fein aller Ortsgruppenmitglieder. Beginn 20 Uhr im großen Gaal des Ge wertschaftshauses, Engelufer. Blindenseklion. Wir beteiligen uns geschlossen an der Demonstration am 1. Mai im Luft. garten, Treffpunkt 10% Uhr Köpenicker Ede Michaelkirchstraße. Straßenbahnhaltestelle an der Apotheke. ** Bei der legten Zustgarten- Rundgebung ist eine Brille mit Futteral gefunden morden. Beide Sachen lönnen im Zimmer 2 des Bezirksverbandes in Empfang genommen werden. Das Bezirkssekretariat. Beginn aller Veranstaltungen 19½ 1hr, sofern keine besondere Zeitangabe! 1. Areis. Legte Abrechnung der Maifeierfarten der Abteilungskassierer am 1. Mai im Clou beim Genossen Nembach. 2. Kreis. Die Maifeierfarten müssen am Sonntag beim Kreiskassierer im Schützenhaus abgerechnet werden. 7. und 8. Kreis. Heute, 17 bis 18 Uhr, Juristische Sprechstunde im Jugendheim Rosinenstr. 4. Gelegenheit zum Kirchenaustritt! 9. Arcis. Alle Parteigenossen nehmen an der Demonstration am Sonntag. normittag im Luftgarten teil. Antreten 11 Uhr auf dem Gendarmenmarkt. Banner und Fahnen aller Abteilungen müssen zur Stelle sein. 16. Rreis. Abfahrt zur Maidemonstration Sonntag, 10.45 Uhr, von Röpenick DamenHandschuhe Kunsts., teinmaschige la CharmeuseQualität, mod. Soutache- Garnier. 1,90 Bubi- Kragen, gesteifter Pikee. Glasbatistschleife, fesch 1,25 Plisse- Schal, kunsta. Marocain, aparte Farbst. 2,45 Jugendi, Damenglocke aus modernem Zackenstroh, naturfarbig 2,90 und von Spindlersfeld für Röponid, 10.43 Uhr von Friedrichshagen fitr| Falfentracht. Beranstaltung Saalbau Friedrichshain Anfang 16 Uhr. Die Abs die 109. und 113. bt., 10.30 Uhr vom Bahnhof Grünau für die 10. und 111. Abt. Banner und Fahnen sind mitzubringen. 8. Abt. Die Eintrittskarten zur Maifeier find spätestens heute abend beim Rassierer abzurechnen. 33. Abt. Die Bezirksführer rechnen die Maifeier- Billetts sofort, spätestens am Sonntag im Saalbau ab. 39. Abt. Wir treffen uns um 11 Uhr Alte Jakob- Ede Neuenburger Straße. 74. Abt. Alle Genossinnen und Genoffen treffen fich zur Maidemonstration fpätestens 1014 Uhr am U- Bahnhof Riemeisterstraße. Abends Maifeier des 10. Areises. Näheres fiehe im Kalender der Maifeier- Veranstaltungen. 95. Abt. Einlaßfarten zur Maifeier sind bei den Funktionären und bei dem Genossen Keil, Prinz- Handjern- Str. 38, zu haben. 98. Abt. Alle Genossen, die nicht zu den Sammelplägen ihrer Gewerkschaft gehen, treffen sich 10% Uhr Lokal Teich, Knesebecstr. 135. Von da gemein. fam nach dem Reuterplag. 101. Abt. Heute, 17 bis 18 Uhr, Ausgabe der Maifeierkarten für die erwerbs. Lofen Barteimitglieder in der Spedition. 104. Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen fich zur Maidemonstration Sonntag, 10.59 Uhr, Bahnhof Niederschöneweide. Das Banner ist mit. zubringen. 105. Abt. Zur Maidemonstration treffen sich die Genossinnen und Genossen 10.54 Uhr Bahnhof Adlershof. Das Banner ist mitzubringen. 108. Abt. Treffpunkt zur Maidemonstration im Lustgarten 10% Uhr Bahnhof Spindlersfeld. 108a. Abt. Die Genoffinnen und Genossen fahren Sonntag ab Röpenid 10.43 Uhr zur Lustgartendemonstration. 109. Abt. Treffen zur gemeinsamen Fahrt nach dem Köllnischen Part 10% Uhr Bahnhof Friedrichshagen. Abfahrt pünktlich 10.43 Uhr. Karten bis Bahnhof Jannowigbride lösen. 117. Abt. Eintrittskarten zur Maifeier müssen heute bis 18 Uhr beim Genossen Selchom abgerechnet werden. Fahnen und Transparente find beim Genossen Klose abzugeben. Diejenigen Genossen, die bei der Maidemonstration sich nicht bei ihren Gewerkschaften einfinden, treffen sich am Rüstriner Plag. 131. Abt. Alle Mitglieder mit ihren Familien und Gesinnungsfreunden be teiligen fich an der Maifeier der Abteilung Baniow im Bürgerpart. 139. Abt. Treffpunkt zur Maidemonstration Endhaltestelle Straßenbahn Hauptstraße um 9% Uhr. Frauenveranstaltung. 125. Abt. Alle Genossinnen treffen sich zur Maidemonstration Sonntag um 10% Uhr am Antonplaz. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Prenzlauer Berg. Abt. Nordost. Die zu heute angefagte Eltern. versammlung findet nicht statt. Dafür Elternversammlung Gonn abend, 7. Mai, Schönlanter Str. 11, Barade 6. Beginn 19% Uhr. Friedrichshain. Sonntag, 1. Mai. Alle Falten beteiligen sich an der Maidemonstration nach dem Lustgarten. Die Abteilungen treffen fich 101 Uhr an ihren Treffplägen und sind pünktlich 11 Uhr Weberwiese. Alle Fahnen und Wimpel mitbringen. Alle erscheinen in teilungen treffen sich 15% Uhr an ihren Treffplägen. Kreuzberg. Vorwärts: Achtung, Falken! Wir treffen uns heute zur General, probe um 16 Uhr Rote Ede. Baden fällt aus. Morgen, Sonntag, Treffen 84 Uhr zur Kreismaifeier Rote Ede. Nachmittag, 15 Uhr, Rote Ede. Rottbusser Tor. Bir treffen uns Sonntag, 8½ 1ht, Rottbuffer For, Falkenede, und gehen zur Maifeier nach der Bergmannstraße. Kommt alle in Faltentracht. Wimpel nicht vergessen. Schöneberg. Abt. Hermann Müller. Neftfalfen. Treffen zur Kindermaifeier in Lindenhof 14% Uhr Saupt. Ede Tempelhofer Straße. Abt. Ferdinand Lassalle, Friedenau. Treffen zur Maidemonstration 11 Uhr Bahnhof Wilmers dorf Friedenau. Wir gehen nach der Demonstration sofort nach Lindenhof. Eltern find um 16 Uhr in Lindenhof. Lichterfelbe. Heute Halbtagesfahrt nach dem Grunewald. Treffen 15 Uhr Dahlemer Straße Ede Unter den Eichen. Zurüd gegen 2014 Uhr. Neukölln. Unsere Veranstaltung zum 1. Mai beginnt am Sonntag um 8 1hr im Saalbau Bergstr. 147. Die Gruppen sind um 7% Uhr im Saalbau. Zmei Didner jeder Gruppe eine Viertelstunde früher. Arbeiterfinder, Eltern und SAJ., temmt zu unserer Maifeier. Sur Maidemonstration fomment alle Jungfalfen. und Rote- Falfen- Gruppen mit Helfern. Treffpunkt morgen, Gonntag, 1114 Uhr, am Reuterplay. Rommt in Falkenkleidung. Wimpel mitbringen. Die Hauptprobe für die Saalbauveranstaltung ist heute um 17 Uhr im Heim Bergstr. 29. Sprech und Singechor. Treptow. Alle Gruppen nehmen an der Maidemonstration teil. Treffen 11 Uhr Köllnischer Part. Erscheint in Falkenkleidung. Wimpel mitbringen. Röpenid. Gruppe Köpenid. Heute, 16 Uhr, Generalprobe im Stadttheater. Alle Jung und Roten Falten, die nicht mitgeübt haben, erscheinen auch. Bohnsdorf. Alle Falten treffen sich morgen um 9 Uhr zum Maispaziergang vor dem Jugendheim Wachtelstraße. Zurüd gegen 13 Uhr. Hohenschönhausen. Wir treffen uns morgen nicht wie vereinbart um 9 Uhr, sondern erst um 14 Uhr an der Faltenece. Rote Falken, die an der Maidemonstration teilnehmen wollen, treffen sich um 10 Uhr Falkenede. Lichtenberg. Rote Stürmer. Wir treffen uns morgen, 8% Uhr, Bahnhof Stralau Rummelsburg. Nachmittags treffen wir uns 14 Uhr Rote Erde. 19. Areis Pantow. Kreismaifeier in Rarow von 9 bis 12 Uhr. Programm. folge: 9-10 Uhr Maifeier, 10-11 Uhr Völker- und Faustballspiel der Abteilungen, 11-12 Uhr 4 mal 50- Meter- Stafette, Gynthamaftaffel für Falken und Helfer. Abmarsch: Abt. Pantom 7½ Uhr Berliner Ede Rissingenstraße. 15 f. Fahrgeld mitbringen. Abt. Niederschönhausen 71 Uhr Friedensplag. 15 f. Fahrgeld mitbringen. Abt. Buchholz 8 Uhr Bahnhof Blankenburg. Buch 8.15 Uhr Bahnhof. Rarow 8.45 Uhr Bahnhof. Nachmittags beteiligen wir uns bei der Parteimaifeier. Bantom und Niederschönhausen 16 Uhr Bankow, Bürgerpark. Buchholz 16 Uhr Blankenburg, Klug. Buch 16 Uhr ver. mauerte Eiche. Rarow 16 Uhr am bekannten Ort, Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 20. Kreis und 138. Abt. Unser früherer Abteilungsleiter, Amisrat Genosse Ramper, ist nach längerem schwerem Leiden verstorben. Ehre seinem Andenken. Beisezung Montag, 2. Mai, 15 Uhr, auf dem Friedhof in Hermsdorf. Alle Parteigenossen werden gebeten, an der Beerdigung teilzunehmen. Modeneuheden aus unserem Grossen Jubiläums- Verkauf Neuartiges Filzbéret mit Filzschleifengarnitur, in vielen Modefarben 2,90 Verkauf soweit Vorrat- Mengenabgabe vorbehalten SP Damen Sportschuhe braun Boxcalf, Derbyschnitt, mit imitierter Reptil- 5,50 Garnitur........ 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Mai. abbs. 6½ Uhr, in den Sophiensälen, Sophienstraße 17/18 Ordentliche General- Versammlung unserer Verwaltungsstelle Tagesordnung: 1. Raffenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Jahresbericht. 4. Reuwahl zur Engeren Ortsverwaltung. 5. Beratung der an den Berbandstag geftellten Anträge 6. Stellungnahme zur Wahl der Ab. geordneten. 7. Au ftellung der Randidaten zum Bere bandstag. 8. An die Berwaltung gelangte Anträge. Sutritt nur gegen Vorzeigung der Einladung. der Zegitimationstarte für die Generalversammlung und des Mitglieds. buches., Ohne dieses fein Zutritt. Vertretung ist nicht zulässig. Die Orisverwaltung. KLEINE ANZEIGEN Überschriftswort 20 Pf., Textwort 10 Pf. Wiederholungsrabatt: 5 mal 5%, 8 mal 7%, 12 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%. 4000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Lindenstraße 3( 19 bis 5 Uhr). sämtliche Vorwärts- Filialen u.-Ausgabestellen sowie alle Annoncen- Expeditionen Verkäufe Tapeten Rocherde Theater, Lichtspiele usw. Staats Theater Sonnabend, den 30. April Staatsoper Unter den Linden 19% Uhr Carmen Staatl.Schauspielhaus uendarmenmarkt. 20 Uhr Schiller- Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die endlose Cyrano von Straße Bergerac SCALA Städi. Oper Täpl. 5 u. 8% Uhr leute letzter ag Horace Goldin usw. PLAZA Nähe Sch.es, Bhf. 5 0.815, Stgs.2,5w.815. Der Vogelbändle Biss Mai sinschl. ver än ert Charlottenburg Bismarckstraße 14. Sonnabend, 30 April Turnus V Friedemann Bach Ludwig, Salvatini. Schirach, Friedrich. Guttmann, Baumann, Gombert Anfang' 0 Uhr Ende 22,30 Uhr Winter Garten 8.15 Uhr Flora 3434 Rauchen erlaubt Varieté- Revne Fünf im Käsewagen" mit Ehrlich. Halmay, Morgan, Theimer, Söneland usw. Sonnabend u. Sonntag je 2 Vorstellg. 4 Uhr u. 8.15 Uhr. 4 Uhr kleine Pr. HAUS VATERLAND KURFURST 7460 Das Vergnügungs Restaurant Berlins KEMPINSKI BETRIEB 6 Volksbühne täglich GROSSES 8 Uhr Th. im Admiralspalast Theater am Bülowplatz SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr ,, Liliom" mit Hans Albers Theater DIE SCHONE HELENA a. Nollendorfplatz MAX REINHARDT Pallas 7051 Vorletzte Autiührung! INSZENIERUNG Zum letzten Mal 8 Uhr Käthe Dorsch Gustaf Gründgens in Liselott' Singspiel v.Eduard Künneke -Theater in der Stresemaan str. Zum letzten Mal: 84 U. Heinz Rühmannin 5% Uhi, Stg 4% Uhr 8, Uhr CASINO- THEATER UDer Mustergatte Traum einer Nacht Operette in 3 Akten Regie: Heinz Saltenburg Rundfunkh. halb.Pr. Stgs. 4 Uhr kl. Pr. Lothringer Strake 37. Sonntag, den 1. Mai, letzte Vorstellung vor Schluß der Spielzeit Operetten- Schlager: ,, Peppina" Deutsches Th. 8 Uhr Großer Preisabbau! Park u. Rang Seite nur 0.50. Faut. u. Rang Mitte 0.75, SperrSchwank in 3 Akt Metropol- Theater Zum letzten Mal 84 Uhr Curt Götz in Vor Sonnenuntergang sitz u. Balkon 1.-. Logen u. Sessel 1.50 Zirkus Aimee v. Gerh.Hauptmann Regie: M. Reinhardı Theater Operette Curt desWestens Lessing- Theater Gotz, Musik von Rose- Theater Täglich 8% Uhr iroße Frankfurter Straße 132 fel. Weichsel E 7 342/ 6 und 9 Uhr Die Frau, Gastspiel Zum letzten Mal 814 Uhr Das Benatzky Blumenspenden jeder Art Paul Golletz Joseph Plaut: Theater der Schauspieler llefert preiswert Der Raub der Maria Stuart Formals Robert Meyer die jeder sucht Sabinerinnen Tilla Durieux, Mariannenstr. 3 Erika Wagner F8. Oberbaum 1303 Auf zur Baumblüte nach Werder! Extra Züge ab Potsdamer Bahnhof Extra- Dampfer Z Nach langem schwerem Leiden entschlief fanft am 28. April mein lieber Mann, unser guter Bater Richard Schmalbach im 50. Lebensjahre. Dies zeigen in tiefer Trauer an Clara Schmalbach u. Kinder. Berlin Briz, den 29. April 1932 Trauerfeier: Montag, den 2. Mat, 19 Uhr, im Krematorium Gerichtſtraße 37/38. Gic Eine fenfationelle Rachricht! faufen jest!. Schlafzimmer, Eiche, Saillat, Solonie. 275,-I Schlafzim ftrake 9. mer, Rußbaum, 290,-! Schlafzim jeder Art u. Größe, mer, Birke, 490,--! Riesenauswahl, Herrenzimmer, 2,30 Teilzahlung, trans. 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Dort, wo heute die Dom Winde hochaufgeschaufelten Wellen des Schwielowjees mogen, weideten einst friedlich die Herden der Havelanwohner. Die vielen Untiefen des Sees zeigen noch heute, daß es ein hügliges, abwechslungsreiches Gelände war, das dem Einbruch der ausgestauten Havelmasser erlag. Troz der großen Nähe Berlins sind die Ufer des Schwielow jees verhältnismäßig einsam und reiznoll geblieben. Außer dem märkischen Obstdorf Caputh, das längst auf dem Wege ist, ein moderner Kurort zu werden, und Ferch, das am Ende des Sees idyllisch zwischen| Höhen oder am Ufer des Schmielowsees entlang nach Ferch Wasser, Wald und Wiesen eingebettet liegt, finden wir nur das durch die Kähnes zu traurigem Ruf gelangte Petzow an den Ufern des weitgestreckten Wassers. Mancher Ausländer hat die Schönheit dieser Waldwasserlandschaft begeistert gepriesen, die in der Tat einen Höhepunkt märkischer Landschaftsschönheit darstellt. Schilfbewachsenes Ufer am Schwielowsee. Der Vorortzug fährt ab Potsdamer Bahnhof oder von der Stadtbahn nach Potsdam. Wir wandern durch die Leipziger Straße am Forsthaus Sternschanze vorüber zur Havel chaussee, die am Forsthaus Templin vorüber nach Caputh führt. Ein anderer Weg führt zum Potsdamer Luftschiffbafen. Bis hierher fann man auch ab Potsdam- Bahnhof mit der Straßenbahn fahren. Nun auf der schönen Havelchaussee bis zum Bezinsee und von hier zur Fähre nach Caputh. Etwa einen halben Kilometer hinter der Uebersetzstelle fann man links zum Krähenberg auf steigen, der mit seiner Höhe von 75 Meter einen guten Ueberblick über die herrliche Landschaft bietet. Am Fuße des Berges liegt der Caputher See. Nach Norden, Nordosten und Südwesten dehnt sich die breite Wasserfläche der Haveljeen, die von einem Kranze dunkler Wälder umrankt sind: Ein zauberhaftes, einprägjames Bild. Nun führt der Weg wieder hinab ins Dorf, das sich auf fast 4 Rilometer am Wasser entlangzicht. Bald ist die Försterei Flottstelle erreicht. Mach Belieben kann man auf schattigen Waldwegen der Fercher Tödliche Revolverspielerei. Gefängnis für Heimleiterin und 18 jährigen Schüler. Die tragischen Folgen eines leichtfertigen Spiels mit Schußwassen beschäftigte das Schöffengericht Schöneberg. Eine 15jährige Haushaltsschülerin G. hat ihr Leben lassen müssen. Angetlagt find wegen fahrlässiger Tötung der 18jährige Schüler Gerhard St., die Oberin des Heims, in dem das Unglück geschah, Frau R. und deren Stellvertreterin Frau K. Beiden wird Der Vorwurf gemacht, daß sie die erforderliche Sorgfalt unterlassen hatten. Die Knorrbremse unterhält in Nieblum auf Föhr für die Kinder der Arbeiter ein Erholungsheim. Am 20. Oktober v. J. mußte die Oberin des Heimes, Frau R., auf einige Tage verreisen. Ihren Browning, für den sie einen Waffenschein besitzt, schloß sie in der Dachkammer in einen Waschtisch ein, den Schlüssel legte sie ins pbere Schubfach und bat ihre Stellvertreterin, Frau K., den Schlüssel an sich zu nehmen. Diese vergaß, dies zu tun. Im Heim weilte der 18jährige Schüler Gerhard St. Er hatte schon früher sich hier etwa Siebenmal aufgehalten, half in der Wirtschaft und bereitete sich zur Reifeprüfung vor. Zufällig schlief er in der Nacht vom 22. zum 23. Oktober in der Dachkammer. Nachts hörte er draußen ein verdächtiges Geräusch, die Gänse schnatterten aufgeregt, er nahm den Revolver, den er tags zuvor im Waschtisch entdeckt hatte, und wandern. Wer einen kleinen Umweg nicht scheut, möge einen Abstecher zu den beiden Lienewizer Seen machen, die etwa 1% Kilometer vom Ufer des Schwielowsees entfernt, fast in der Mitte zwischen Caputh und Ferch liegen. Ferch hat noch zum Teil seine ländliche Schlichtheit bewahrt, obgleich es immer mehr zu einer beliebten Sommerfrische wird. Von Ferch kann man mit dem Dampfer die Rückfahrt über Potsdam antreten oder auf dem anderen Ufer des Schwielowsees, das prächtige Blicke auf die Fercher Berge gewährt, über Baumgartenbrück und Geltom nach Potsdam zurückwandern. Ein anderer sehr lohnender Rückweg führt in südöstücher Richtung durch herrlichen Hochwald nach der rund 7 Kilometer entfernten Bahnstation Beelig heilstätten, die noch zum Berliner Borortbereich gehört. Die hier befindlichen Heilstätten wurden in den Jahren 1898 bis 1902 nach den Plänen von Schmiede und Merke im Pavillonsystem erbaut. Weit über tausend Genejungssuchende können hier untergebracht werden. Zum Schluß möge noch auf den Weg von Ferch über die Fercher Berge hinweg, an den Lienewiger Seen vorüber nach Michendorf hingewiesen werden, von wo ebenfalls mit der Vorortbahn die Heimfahrt angetreten werden kann. Weglängen: Potsdam- Ferch zirka 14 Kilometer; Ferd Beelitz- Heilstätten 7 Kilometer; Ferch- Michendorf 7 Kilometer. ging auf den Hof hinaus. Hier stieß er auf Frau K., die gleichfalls vom verdächtigen Geräusch aus dem Schlaf gestört worden war. Als te, in Gerhards Hand den Revolver jai madte jie thin Vorhaltun gen und befahl, die Waffe sofort in den Berwahrungsort zurück zu leger. Die Anordnungen der Oberin führte sie aber auch jetzt nicht anderthalb Stunden entfernt gelegenen Wyk Besorgungen machen. aus. Am 24. Oktober mußte Gerhard am Nachmittag nach dem Der Weg führte durch ein Wäldchen. Er konnte erst gegen 8 Uhr abends zurück sein. Angeblich zu seinem Schutze, eher aber aus Uebermut, nahm er den Revolver an sich. Er begab sich in die Küche, den Revolver noch in der Hand und als er ihn in die Gefäßtache stecken wollte, trachte ein Schuß. Die 15jährige Haushaltsschülerin G., die eben noch mit der Schülermüze auf dem Kopfe frch gescherzt hatte, brach tödlich getroffen zusammen. Dem 18jährigen Gerhard ist der Tod der Fünfzehnjährigen sehr nahe gegangen. Bei der Schilderung des Vorfalles weinte er. Auf der Zeugenbank ſizen die Eltern der getöteten G. und der Vater des angeklagten Schülers und wischen sich die Tränen, Der Vorsitzende verlas ein Schreiben der Eltern der getöteten Fünfzehnjährigen, in dem sie das Gericht bat, von einer Strafe abzusehen. Die Mutter G. erklärte, daß sie gegen die am Tode ihrer Tochter Schuldigen keinen Groll hege. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Heimleiterin K. fünf Monate Gefängnis, gegen den Schüler St. drei Monate, für die Oberin dagegen Freispruch. Das Gericht sprach die Oberin frei und verurteilte die beiden anderen zu je je ch's Wochen Gefängnis unter Zubilligung einer Bewährungsfrist. Ganze Stadtviertel unter der Fuchtel der Hakenkreuzler. Schon nach der ersten Präsidentenwahl wurden unserem Genoffen Hermes in Steglitz von den dortigen Nationalsozialiste: mehrere Fenster seiner Wohnung mit Pflastersteinen eingeworfen, meil er am Tage der Wahl seinen Balkon mit schwarzrotgoldenen Fahnen und einem Echild ,, Wählt Hindenburg" geschmückt hatte. Trotzdem dekorierte unser Genosse seinen Balfon bei der zweiten Präsidentenwahl in derselben Weise und erhielt am nächsten Tag von Nationalsozialisten eine Drohkarte, in der ihm die Beflaggung seiner Wohnung vorgeworfen und ihm mitgeteilt murde, daß Adolf Hitler ihm sofort nach der Machtergreifung einen Paß ins Ausland zustellen würde. Auch hiervon nicht abgeschreckt, wurde bei der Preußenwahl der Balkon wiederum mit schwarzrotgoldenen Fahnen dekoriert und mit einem breiten Band Friede, Freiheit, Brot durch Liste 1" und eine Anzahl SPD.- Plakate. Hierüber gerieten die Nationalsozialisten vor den berachbarten Wahllokalen in sinnlose Wut, stießen laute Schmährufe aus und drohten, den Genossen Hermes bei nächster Gelegenheit falt zu machen. Zwei Tage nach der Wahl befand sich im Lauenburger Viertel eine Rotte von 11 Nationalsozia listen, die harmlose Passanten auf der Straße nach Waffen durchsuchten, ihnen Papiere abnahmen und sie anderweitig be= läftigten; sie warfen auf Kommando sieben Pflastersteine gegen die Fenster der Wohnung des Genossen Hermes und zersplitterten die Stäbchenjaluousie sowie die Fenster. Die sofort alarmierte Bolizet fonnte bisher nur eine Person feststellen, doch ist aus der betreffenden Rotte von einem der Durchsuchten eine Persönlichkeit erkannt worden. Wann wird der nationalsozialistische Terror in Stegliz, der sich bisher dort ungehindert breit machen durfte, mit energischen Mitteln unterdrückt werden? Es ist auffallend, daß in Stegliz die SA. Männer uniformiert und mit Abzeichen unbehelligt in Gruppen auf der Straße umhergehen können. Berliner Etat 1932. Ausgaben 1 009 780 490, Cinnahmen 896 313 290 M. Der Magistrat verabschiedete am Freitag in einer außerordentlichen Sihung den Haushaltsplan für das Etatsjahr 1932/33. Nach den vorläufigen Beschlüffen des Magistrats schließt der Haushaltsplan in Ausgabe mit 1 009 780 490 Mark und in Einnahme mit 896 313 290 Mark ab. Ein Ausgleich des Haushaltsplans war infolge der durch die Wirtschaftskrise verursachten Steuerrüdgänge und Mehr belastungen auf dem Gebiete der Wohlfahrt nicht möglich. Es find daher durch den Städtetag und den Oberbürgermeister Berhandlungen mit Reich und Breußen angeknüpft morden mit dem Ziel anderweitige Regelung der kommunalen Arbeitslosenfürsorge. einer Entlastung der städtischen Finanzen durch eine Nach Abschluß dieser Verhandlungen und nach erneuter Beschlußfaffung des Magistrats, wird der Oberbürgermeister den förmlichen Antrag auf Festjegung des Stadthaushaltsplans nachreichen. Diese von dem üblichen. Verfahren abweichende Form der Vorlage mählt der Oberbürgermeister, um der Stadtverordnetenversammlung möglichst frühzeitig Gelegenheit zur Beratung des Haushalts zu geben. Betrügereien beim Wohlfahrtamt Mitte. Fünf junge Leute verhaftet-Vorsteher vom Amt suspendiert In der Zahlstelle des Wohlfahrtsamts Mitte in der Wul a d straße sind jetzt umfangreiche Betrügereien aufgedeckt worden. Bei einer Kontrolle hat es sich herausgestellt, daß seit etwa einem halben Jahr eine große Anzahl von Personen ge= fälschte Papiere vorlegten und daraufhin erhebliche Unterstügungen bezogen haben. Die Kriminalpolizei beob achtete die Zahlstelle und nahm gestern fünf junge Männer fest. Diese haben, wie festgestellt, monatlich je 88 Mark bezogen. Die Prüfung der Unterlagen auf der Zahlstelle hat ergeben, daß die Zahl der Betrüger erheblich größer ist. Der Vorsteher der Bahlstelle ist bis zur völligen Klärung der Affäre vom Dienst suspendiert. Es ist eine umfangreiche Untersuchung eingeleitet worden. Wir fragen Sie heute: Sollen wir das volle Format unserer Juno verringern, mindere Tabake verwenden, nur um wesensfremde Zugaben beilegen zu können? Worauf legen Sie Wert? Doch wohl darauf, dass Juno die alte bleibt. Josetti JUNO Jede Zugabe in Form von Gutscheinen, Wertmarken oder Stickereien müßte aber unsere Juno in irgendeiner Form beeinträchtigen! o/ M rund STUCH 203 Das wollen weder Sie noch wir. KON LINON Degners Geheimfonds. Sklareks waren gute Rennsport! eute. Interessanter gestaltete sich die langgezogene Verhandlung im Sklarek-Vrozetz. als einige Leumundszeugen über den Ruf der Sklareks als Geschäfts- und Sportleute gehört wurden. Rechtsanwalt und Notar Graf v. Bredow stellt« den Sllareks als Rennsportleuten ein sehr gutes Leumundszeugnis aus. Aus der Rennbahn hätten sie sich in erstklassiger, einwandfreier Weise be- tätigt, und ihm sei niemals aufgefallen, daß sie an Schiebungen oder Wettmanipulationcn beteiligt gewesen seien. Der Zeuge be- zeichnete es als unerhört, daß man den Derbysieger„Lupus" in der Zwangsversteigerung für 20 000 Mark weggegeben habe. Graf v- Bredow bestätigte weiter, dah die Skareks auf der Rennbahn, woher er sie nur kenne, durchaus nicht protzig, sondern absolut bescheiden aufgetreten seien, so daß man sogar erwogen hätte, sie im Union-Club aufzunehmen. Der bekannte Rennsportmann v. Tepper-Laski bezeichnete die Sklareks, die er feit 1923 vom Turf her kennt, als sportlich einwandfreie Leute und bestätigte, daß die Sklarekschen Pferde große Rennen, u. a. auch das Derby ge- wonncn, und daß sie sicherlich Verdienste um den Rennsport er- warben hätten. Den Derbysieger„Lupus", der beim Konkurs für 20 000 Mark verkauft worden ist, bewertet der Zeuge auf min- destens 100 000 Mark. Willy Sklarek:„Wir haben dock; mit unseren Pferden Rennpreise In Höhe von 256 000 Mark erzielt." Zeuge:„Bezüglich der Gewinne haben sie tatsächlich an erster Stelle gestanden." Auch der bei den Sklareks früher beschäftigt gc- wesene Jockey James Cooter bestätigte, daß der Stall erst- klassig geführt wurde und meinte, daß die 20 000 Mark für den „Lupus" ein lächerlicher Preis seien. Der Fabrikant Wagner, der Inhaber einer Damenkonfek- tionsfabrik, bekundete, daß das Renommee der Sklareks so gut war. daß Geschäfte mit ihnen beinahe als Geschäfte mit der Stadt sell'er betrachtet werden konnten. Er hätte den Sklareks ohne weiteres gegen Akzepte einen Warenkrcdit in Höhe van 70 000 Mark ein- geräumt. In der Nachmittogssitzung wurde der Vertreter H e i n r i ch t, «in Freund des Angeklagte» Stadtrot D e g n e r, als Zeugs ver- nommen. und zwar zu der von Degner aufgestellten Behauptung. daß er während der Inflation im Besitz von Devisen, D o l- l a r s und Pfunden gewesen sei. Degner b« st reitet näm- lich, von den Sklareks Geld erhalten zu haben und will auch seine Wohnungseinrichtung aus Mitteln gekauft haben, die er von seiner Mutter erhalten habe.-Auf den Vorhalt, daß die alte Mutter kaum das Geld während der Inflatio», wertbeständig angelegt haben könne, hatte Degner erklärt, daß er in seiner Eigen- schaft als Parteifunktionär der KPD. die Möglichkeit hatte, sein Geld in Devisen umzuwechseln und sogar teilweise s e in Gehalt selbst in Devisen erhalten habe. Der Zeuge i) e i n r i ch t bestätigt das und bekundete, daß Degner in den Iahren 1923 bis 1921, als die KPD. verboten war, einen Fonds einer Hilfsorganisation internationalen Charakters für die Unterstützung politischer Flüchtlinge zu verwalten gehabt bätte und aus diesem Grunde auch über Dollars und Pfunds verfügen konnte. Die Gc- hälter seien ebensalls eine Zeillang in Devisen bezalzlt worden. Alz Grund, weshalb die Gelder von der Partei in ausliutdischen De- Visen gezahlt wurden, gab der Zeuge an, dah dadurch die Reise- route der Geldempfänger verwischt werden sollte. Degner sagte hierzu, daß er zu der betreffenden Zeit 8000 Mark in De- visen in eigenem Besitz gehabt habe. Auf die Fyagc des Staatsanwalts, weshalb er das nicht in der Vermögenssteuer- crkläruvg angegeben habe, meinte er. daß er zum Iohresc>ndc nur noch 5000 Mark gehabt habe. Staatsanwalt:„Der Devisen- besitz mußte doch auch abgeliefert werden." Degner:„Slus bc- greislichen Gründen habe ich das damals nicht getan." Staats- a n w a l t:„Sie haben doch eine Eingabe bei der Steuer gemacht. daß Sie Ihre Mutter, die völlig mittellos sei, vollkoinnwn unter- stützten und für ihre Lebensbedürfnisse aufzukommen hätten." Degner:.Nachdem mir meine Mutter ihr, wie ich annahm, letztes Geld gegeben hatte, Hab« ich sie auch unterstützt, so daß der Inhalt der Eingabe richtig ist." Zu der'Angelegenheit des von chvi verwalteten Geheimfonds erklärte Degner weiter, daß er wäh- rcnd des Verbotes der Partei in den Jahren 1923 bis 1924 einen Geheimfonds verwaltet habe.„Ich habe bisher darüber geschwiegen. weil ich nicht als politischer Verräter gelten wollte, nachdem mich die Partei noch der Sklarek-Affäre als Wahlballost über Bord geworfen hatte." Zehnjähriges Schulmädchen ermordei. Das Osram-Museum. Vom 2. Mai ob erhält Berlin ein neues und eigenartiges Museum, dos der großen Oeffentlichkeit an den Werktagen von 9 bis 4 und am Sonnabend von 9 bis 1 Uhr geöffnet ist. Es handelt sich um das in der E h r e n b e r g st r a ß e. 1 1/ 1 2, in der Nähe des Bahnhofs Warschauer Brücke, befindliche O s r a m- M u f e u m. das zum ersten Male einen umfassenden Uebcrblick über die geschicht- liche Entwicklung und die Herstellung der Glühlampe gibt. Nur wenigen ist bekannt, daß der deutsche Uhrmacher G o e b e l in New Jork bereits im Jahre 1854 als erster Glühlampen herstellte und seinen Laden mit ihnen beleuchtete. Ein Jahr vor Edison baute der Amerkianer S w a n eine brauchbare elektrische Glühlampe, die dann zusammen mit der von Edison 1879 herausgebrachten Lampe die Grundlage zu der heutigen Glühlampeninduftric bildete. Das interessante Museum besitzt nicht weniger als rund 20 000 Aus- stellungsstücke von der ersten Goebel-Lampc bis zu den mo- dernsten Ausführungen, deren größte für eine Leistung von 5 0 0 0 0 Watt gebaut wurde, während die kleinste medizinischen Zwecken dient und einen Kolbendurchmesscr von wenigen Milli- Nietern hat. Die Ausstellung der heute gebräuchlichen Sende-, Ver- stärker- und Empfangsröhren ergänzt die lange Reihe der gezeigten Typen. Ein„Sonnenscheinraum" dient zur Darstellung d'cr chera- pcutischen Anwendungsmöglichkeitcn verschiedenartiger, in der Me- dizin benutzter Lampen einschließlich der Hochleistungs- Röntgen- röhren. Die zweite Abteilung des Museums enthält all« zur Lainpenherstellung notwendigen Apparate und Maschinen, so daß man die Entstehung der modernen Wolsramlampe, die ein technisches Gerät von höchster Präzision ist, bis ins einzelne verfolgen kann. Zahlreiche Prüfungen, denen die halb- und ganz- fertigen Lampen innerhalb der Produktion unterliegen, kamt der Besucher selbst vornehmen. Jeder, der dieses Museum aufmerksam durchschreitet, wird einen Einblick in einen Schoffenskreis erhalten, dessen Ilmsang Erstaunen und Bewunderung hervorrufen muß. Die technische Entwicklungsarbeit, die auf diesem Gebiete geleistet wird, kommt einem vielseitigen organisierten Erfinden gleich. Der Weg von der primitiven Goebel-Lampe zur modernen Wolfrmnlampe ist tbpisch für den Weg. den die Technik in einem Zeitraum von nahezu drei Mcnschenaltern zurückgelegt hat. Das Osram-Museum, das einen ausgezeichneten Anschaungs- Unterricht vermittelt, wird in Berlin sicherlich viele Freunde finden. Ludwig Sternaux verurteili. Schimpferei ist keine Theaterkritik. Der B-Ieidigungsprozeß des Verfassers de, Dramas ,.§ ZI 8" Dr. Cr e d e gegen den Theaterkritiker des„Lotal-Anzeiger", Ludwig Sternaux, konnte cirdlich zu Ende geführt werden. Herr Sternaux, durch die Credc-Aussührung in seinen besten Gefühlen verletzt, gefiel sich in einer Schimpferei nicht nur gegen das Stück, sondern auch gegen den Verfasser selbst. Er sprach von„einem Herrn Crcdc", der..angeblich Ar st" ist und„wegen ff 218„vorbestraft", sprach ferner von„infantiler Hintertreppen- Phantasie" des Verfassers und von seiner„skrupellosen Perfidie". In der ersten Verhandlung kam ein Vergleich zustande. Herr Sternaux erklärte, daß er nicht die Absicht gehabt habe, Dr. Erede zu beleidigen. Der Vergleich scheiterte an der Kostenfrage. In der zweiten Verhandlung beantragte Rechtsanwalt Klee für Dr. Erede, daß das Theaterstück von zwei Schauspielern, die er stellen wollte, im Gerichtssaal vorgelesen werde und daß zwei Sachverständige sich über das Stück und die Kritik des Herrn Sternaux äußerten. I» der Verhandlung am Freitag wurde das Stück mit großer Eindringlichkeit von der Schauspielerin Lorra und dein Schau- spieler K a u d e r vorgelesen, worauf sich die als Sachoerztändigen erschienenen Schriftsteller Arnold Zweig und der Vorsitzende des Verbandes der Theaterkritiker Dr. Faktor gutachtlich äußerten. Arnold Zweig erklärte, daß er der Aufführung nickst bei- gewohnt halie, doch aus der Vorlesung des Stückes dessen Tugenden und Fehler wohl erkannt habe. Es habe gewisse Schwächen, ober auch gewisse Stärken. Dem Verfasser sei es leidenschaftlich darum zu tun gewesen, für seinen Standpunkt zu kämpfen. Von Perfidie könne keine Rede sein. Es geh« auch nicht an, bei andersgearteter politischer Gesinnung den Charakter des Verfassers anzuzweifeln. Las Niveau der Kritik des Herrn Sternaux reiche in keiner Weise an das Niveau des Stückes selbst heran. Ist das Stück nicht gut. dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. Ich bin wieder bei meinem Regiment. In der sechzehn- ten Konipagnie hat sich nichts verändert. Dieselben Menschen, dieselben abgerissenen Mäntel, dieselben bartbewachsenen. schmutzigen Gesichter, dieselben mnden-Augen. Tschaika sieht gedunsen aus, gelb und grau geworden. Er ist bereits Oberstleutnant, macht sich aber nicht viel daraus. Und wie oft hat er früher davon geträumt, wie er als Siabsoffizlcr feinen Abschied nehmen und dann nur noch malen will. Auf den Achselstücken— sie werden aus Gründen der Sicherheit neuerdings schmucklos und unauffällig getragen— hat er jetzt seine zwei Streifen und drei Sterne, behelfsmäßig mit Tintenstift gezeichnet. Unsere Armee gehl zurück. In den letzten Monaten sind große und kleine Städte, ganze Kreise und Gouvernements aufgegeben worden. Die Angriffe der Deurschen prassoln mit unerhörter Wucht und Wildheit auf uns ein. Auf kleine Frontadschnitte kommen Hundorte von Maschinengewehren, Geschützen und Flugzeugen. Wir fühlen die Ilcberlegcnheit hes Feindes- Die Ssidaten wissen nicht, was sich außerhalb chrsr Kompagnie abspielt: st« lstchen nickst einmal eine Vorstellung davon, was im Ahfchnitt der eigenen Brigade, des eigenen Regiments vor sich geht. Oft halten sie einen Mißerfolg für einen Sieg und umgekehrt. Jetzt wissen aber alle, daß die Armeen zurückgehen. Die Soldaten haben es bereits gelernt, die Etappe und die Aoin- mandobehörden im Hinterland zu hassen. Ununterbrochen wird am Ausbau unserer Gräben ge« so war die Kritik einfach schlimm. Dr. Faktor war gleichfalls der Ansicht, daß der Vorwurf einer skrupellosen Perfidie in keiner Weise gerecht erscheine. Dem Verfasser log es nicht daran, etwa besonders hervorzuheben, daß nur die Proletariersrau unter dem § 2l8 leide. Es ging ihm darum, überhaupt gegen den§ 218 anzukämpfen. Dos Gericht kam zur Verurteilung des Kritikers Sternaux wegen Beleidigung und erkannte auf eine Geldstrafe in Höhe von 50 Mark. Auf den elektrischen Stuhl geschleift. Ein Aeitrag zum Etreik um die Todesstrafe. New gor!, 29. April. In Eddyville im Staate Kentucky sollte ein steger. der zusammen mit zwei anderen zum Tode durch den elektrischen Stuhl verurteilt worden war, zur Hinrichtung abgeführt werden. Als die Wärter bei ihm erschienen, schleuderte er ihnen zunächst einen Eimer mit heißem Wasser ins Gesicht und leistete daun noch zwei Stunden lang verzweifelten Widersland, wobei er sich eine» Eisen- röhr» bediente, dos er von der Wasserleitung losgerissen halte. Er konnte erst überwältigt und zur Hinrichtung geschleift wer- den, nachdem die Wärter von Tränengasbomben Gebrauch gemacht halten. 45 Opfer eines Straßenbahnunfalls. Aus Prag wird gemeldet: In M ä h r i f ch- O st r a u sichren zwei Straßenbahnen infolge falscher Weichenstellung aufeinander. Der eine Wagen, in dem sich viele Schulkinder befanden, wurde fast gänzlich zertrümmert. Zwei Polizisten und zwei Frauen wur- den schwer verletzt, weitere 41 Personen, meist Schul« linder, trugen leichtere Verletzungen davon. arbeitet. Die Sappeurc helfen uns. Holz und Stocheldraht wird nngefahren. Verbindungsgänge ausgehoben, Mafchinen- gewehrnester eingerichlet. Hinter unseren Gräben schanzt die Reserve. Solange noch alles still ist, treiben die Soldaten in den umliegenden Dörfern ihr Wesen. Sie klauen Hühner, Enten. Ferkel. Bei Tage sitzen sie vollständig nackt in der Sonne, lassen sich braten, trocknen ihre Fußlappen, flicken ihre Hosen und führen unendliche Gespräche. „Das steht fest, jetzt ist bald Frieden. Der Deutsche greift nicht an. nämlich weil er überlegt, ob er weiter kämpfen oder Frieden machen soll." „Die Deutschen werden nicht zuerst um Frieden bitten, die sind zu stolz dazu." „Aber was will denn der Deutsche noch mehr? Hat sich soviel Land eingesteckt und immer noch nicht genug. Hat Schuhe, hat was anzuziehen, hat zu fressen. Nicht so wie unsereiner." „Ja. aber unser Zar wird nicht um Frieden bitten." „Also, angenommen, es gibt keinen Frieden. Dann geht die Keilerei solange weiter, bis alle kaputt sind." Ich liege an der Brustwehr, lasse mich von der Sonne braten und höre dem Gespräch zu. ohne die Gesichter der Plaudernden zu sehen. Unter den Soldaten sind viele Neue. Wir haben sehr feste Stellungen, angelegt nach allen Regeln der Sappcurkunst. Man sieht deutlich, hier soll der Feind endgültig zum Stehen gebracht werden. Ueberwältigt er uns hier, dann gibt es überhaupt nichts, was ihm stand- holten könnte. In den Gruben gibt es tiefe Nischen zur Aufbewahrung von Munition und für die Tonnen mit Trinkwässer. Die Gröben haben starke Abdeckungen. Innerhalb des Graben- l systems sind Abflußrinnen für das Regenwasser geHaut worden. Weiter, in der Gegend der Verbindungsgräben, sind die Latrinen, und noch weiter die eingebauten Küchen. Vorne ist eine breite Zone von Drahthindernissen. Stellungen von solcher Festigkeit haben wir nie zuvor angelegt. Nachts hören wir fernen Geschützdonner. Und weit links von uns geht rotes Wetterleuchten über den schwarzen Horizont hin. Bald wird es erellgelb und wächst, als käme Oer Täter verhastet und geständig. R i n t e l n a. d. Weser. 29. April. Seit einigen Tagen war die zehnjährige Schülerin H a r t t« a n n. die zusammen mit einer Freundin einen Spaziergang in die benach. borken Wälder unternommen halle, spurlos verschwunden. Trotz eifrigster stochsorschungcn konnte über den verbleib des Mädchens nichts festgestellt werden. Heule früh wurde der Gelegen- heilsarbetler Buchheim feflgeuommen, der nach kurzem verhör gestand, die kleine kiartmann nach einem Siltiichkeitsverbrechen er- mordet zu haben. Ihre Leiche wurde in einem Tannengcbüsch aufgefunden. Siaiionskasse in Tefchen ausgsplüttSert. Olmüh. 29. April. Unbekannte Räuber überfielen heute die Stationskajse in Tesche». Sie b« t ä u b t e n den Starlonskassiercr mit Lecher und raubten aus der Stationskasse den Betrag von 900000 Kronen, der zur Lohnauszahlung vorbereitet war. Die Gendarmerie hat die Untersuchung aufgenommen. Der betäubte Kassierer hat erst naä) Stunden das Bewußtsein wiedererlangt. Frühlingssest des.üabarcttklubs. In dem heut« abend in der„Neuen Welt". Hasenheide Ivb— l 14, unter Mitwirkung erster Kimstler und zahl- reicher bekannter Kompeiiisteit stattfindenden F r ü h l i n g S f c st de? kürz- lich von Mitgliedern des Z d A. gegründeten Berliner Kabarettklubs■ erhalten Mitglieder bei AfA-BundcS und des A G D B. gegen Vorzeigung ihres Mitgliedsbuches sowie unsere Leser aus Erund der letzten Abonnenteiiquitlung Aorzugskartcn zum Preise von 1,20 Mark an der Abendlasse. Erwerbslose 1 Mark. es auf uns zu, bald wird der rote Schein wieder dunkler und verzieht sich. Den ganzen nächsten Tag über scheint der Geschützdonner näher zu kommen, und der Himmel hinter dem fernen Hügel- kämm ist mit schwarzem Nebelrauch bedeckt. Als der neue Tag graut und wir noch in unsere Mäntel gewickelt schlafen, da"krepiert fünfhundert Schritte von der Kompagnie ein riesiges Geschoß mit markerschüttenchem i Lärm. Heulen und Getöse. Der Einschlag hat eine solche Wucht, daß die Erde unter unseren Füßen bebt und wir beinah in die Höhe geschleudert werden. Alle springen wir gleichzeitig auf und glauben noch lange in der Luft einen dupfen Nachhall zu hören, als hätte eine gigantische Kirchenglocke geläutet. Vor uns, im leeren Raum, hat sich die große schwarze Wolke noch nicht verzogen. Allmählich löst sie sich von der Erde, teilt sich in Schwaden und verschwimmt. Im Osten flammen die ersten Purpurstreifen auf, noch von oben her durch dunkle Bläue überschattet. Unter den kleinen graublauen Wolken erscheinen goldige Lämmer- wölkchen. dann wird der ganze Himmel rosa, purpurn, blau, smaragd- und türkisfarben. Alle paar Minuten gibt es im Borgeländc unseres Re- gimentsabschnitts eine betäubende Detonation. Der Wind trägt uns den Rauch- und Sprengstofsgeruch zu. Jetzt explodieren auch schon hinter unseren Gräben feindliche Geschosse. Wir sitzen tief in unseren Höhlen, gegen die Wände ge- schmiegt. Die Detonationen werden immer häufiger, fast folgen sie einander ohne Pause. Eine ist ganz nah. sie macht einen so betäubenden Larm, als flögen tausend Zentner Wellblech in die Lust. Der Explosion folgt herzzerreißendes Aufstöhnen und Ge- schrei. Es ist sp lange zu hören, bis es vom Gebrüll des nächsten einschlagenden Geschosses verschlungen wird, erhebt sich darauf aber gleich von neuem. Mir ist, als höre ich es viele Stunden lang. Im Trommelfeuer der schweren Geschütze ist es nicht möglich, die Verwundeten zu holen, und so liegen sie in den zertrümmerten Gröben, halb verschüttet von Erde und Bohlenstücken, mit abgerissenen Gliedmaßen, und perbluten. Die spanischen Reiter sind an vielen Stellen kurz und klein geschossen.(Fortsetzung, folgt.) Maifeier- Veranstaltungen. Feierstunden der Kreise und Abteilungen. 1. Kreis Mitte: 16 Uhr im Clou, Mauerstraße. 2. Kreis Tiergarten und 5. Kreis Wedding: gemeinsame Feierstunde auf dem Wassersportplatz Plötzensee. Ab 14 Uhr Kaffeekochen im Moabiter Schützenhaus, ab 16 Uhr Feierstunde am Strandbad, ab 19 Uhr im Moabiter Schützenhaus Tanz. Bei schlechtem Wetter findet die Feler getrennt statt: 2. Kreis im Moabiter Schützenhaus, 3. Kreis Hochschulbrauerei. Eintritt 25 Pf., Erwerbslose 10 Pf., Tanz- Nachzahlung 50 Pf. 4. Kreis Prenzlauer Berg und 5. Kreis Friedrichshain: 16 Uhr im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 22-23. Eintritt 50 Pf., Erwerbslose 20 Pf. 6. Kreis Kreuzberg: 16 Uhr im Schultheiß- Etablissement, Hasenheide 22-31. Eintritt 60 Pf., Erwerbslose 20 Pf. 62. Abt.- Siemensstadt- Haselhorst: 17 Uhr in Weidners Festsälen, Slemensstadt, Sternfeld. 7. Kreis Charlottenburg: 15 Uhr im Spandauer Bock, Spandauer Chaussee. Eintritt 50 Pf. inkl. Tanz. 8. Kreis Spandau: Abmarsch des Demonstrationszuges 13 Uhr, Bethkestraße, nach dem Sportstadion Hakenfelde. Daselbst von 14 bis 17 Uhr Darbietungen aller Art. Ab 17 Uhr in Karlslust, Hakenfelde, und in der Karlskrone, Pichelsdorf, Familienfeiern. 2. Kreis Wilmersdorf: 17 Uhr im Viktoriagarten, Wilhelmsaue 114. 10. Kreis- Zehlendorf: 18 Uhr im Lindenpark, Berliner Straße, Ecke Gartenstraße. 10. Kreis- 75. Abt. Wannsee: 11% Uhr vormittags im Lindenhof, Wilhelmplatz. 11. Kreis- Schöneberg: 19% Uhr im Bürgersaal des Rathauses Schöneberg, Rudolf- Wilde- Platz. Eintritt 60 Pf., Erwerbslose 30 Pf. 12. Kreis- Steglitz: 16 Uhr in den Lichterfelder Festsälen, Zehlendorfer Straße. Festakt pünktlich 20 Uhr. Eintritt 50 Pf., erwerbslose Genossen haben freien Eintritt. Karten bei den Bezirksführern und an der Abendkasse. 13. Kreis - Tempelhof: im Parkrestaurant Südende. Ab 15 Uhr Kaffeekochen. Konzert ab 16 Uhr. Eintritt einschließlich Tanz 50 Pf., erwerbslose Genossinnen und Genossen erhalten freien Eintritt gegen eine Bescheinigung ihres Bezirksführers. 14. Kreis Neukölln: 16 Uhr in der ,, Neuen Welt". 15. Kreis- Treptow 101. Abt. Treptow: nachmittags Kaffeekochen im Paradiesgarten, 18% Uhr Beginn der Feier im Saal. 102. Abt. Baumschulenweg: Im Alten Eierhäuschen".( Inh. Bieler). Eintritt 50 Pf., Erwerbslose 10 Pf. Karten sind bei den: Bezirksführern erhältlich. 105. Abt. Oberschöneweide, 104. Abt. Niederschöne weide, 105. Abt. Adlershof: Saalöffnung 18 Uhr, Beginn 19 Uhr: gemeinsame Abendveranstaltung im Kyff-| häuser, Niederschöne weide, Berliner Straße. 106. Abt. Johannisthal: 16 Uhr im Einsiedler", Sterndamm. 107. Abt. Altglienicke- Falkenberg und 110. Abt. Grünau: 16 Uhr im Gemeinschaftshaus der Gartenstadt, Alter Gutshat. 16. Kreis Köpenick- 108. und 108a Abt.: 15 Uhr in Uhlenhorst, Lokal Seidler, Mahisdorfer Straße, 18 Uhr im Stadttheater", Friedrichstraße 6. Eintritt 50 Pf. Todessturz eines Europafliegers. Oberleutnant Oskar Notz vom 2. Bataillon des 20.( Bayerischen) Infanterieregiments in Ingolstadt stürzte heute um 12,15 Uhr auf dem Flugplatz in Schleißheim bei einem Training für noden kommenden Europarundflug ab. Oberleutnant Noz hat bekanntlich im vorjährigen Europarundflug und beim italienischen gebeten, ihr Flugzeug beim kommenden Europarundflug zu fliegen. Oberleutnant Notz stand im 33. Lebensjahr. 109. Abt. Friedrichshagen: 19 Uhr im Restaurant ,, Bellevue", Rundflug beachtliche Erfolge erzielt. Deshalb hatte ihn eine Firma am Müggelsee.. 110. Abt.- Grünau: siehe unter 15. Kreis- 107. Abt. 111. Abt.- Bohnsdorf: 16% Uhr bei Heimann, Woltersdorfer. Straße 100. 17. Kreis Lichtenberg: 15 Uhr im Spreegarten" in Treptow. Eintritt: 50 Pf. bei den Funktionären, 60 Pf. an der Kasse. 123. Abt. Kaulsdorf: 19% Uhr im Gesellschaftshaus Hamann, Frankfurter Chaussee. 123a Abt. Kaulsdorf- Süd: 17 Uhr im Jägerheim". 124. Abt. Mahlsdorf: 16 Uhr auf dem Sportplatz am Rosenhag. 18. Kreis Weißensee: 18 Uhr in der Weißenseer Stadthalle, Pistoriusstraße. Ehrung der Parteijubilare. Feierliche Aufnahme der Jugend in die Partei. 19. Kreis Pankow: 16 Uhr im Bürgerpark", Pankow, im Bürgerpark am Rathaus. 152. Abt. 133. Abt. Blankenburg: 16 Uhr bei Klug, Dorfstraße 2. 134. Abt. - Buchholz: 16 Uhr Wiesenbaude. Buch: Heute, Sonnabend, den 30. April, 18 Uhr, bei Göpfert, am Bahnhof Buch. Referent: Bernhard Göring. Karow: vormittags Treffen der Kinderfreunde des 19. Kreises in Karow. Abendfeier 18 Uhr bei Jagemann, Karow, Pankgrafenstraße 3. 135. Abt. 20. Kreis Reinickendorf, 136. Abt. Reinickendorf- Ost: 17 Uhr im Schützenhaus, Residenzstraße. 137. Abt.- Reinickendorf- West: 17 Uhr zwei Veranstaltungen, bei Heese, Berliner Straße 73, und bei Müller, Scharnweberstraße 14. 138. Abt. Hermsdorf, Glienicke und Waidmannslust: Ge139. Siebzig Menschen ertrunken! Der japanische Dampfer Kurenai Maru V" ist durch Zusammenstoß mit einem anderen Schiff an der japanischen Küste gesunken. Siebzig Passagiere er tranten. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einfendungen für diese Rubrit nur an das Jugendsekretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Am Sonntag beteiligen wir uns alle an der Mai- Demonstration im Lustgarten! Treffpunkte bei den zuständigen Partei- Kreisen. Fahnen mitbringen. Heute, Sonnabend, 30. April: Berbabezirk Tiergarten: Werbebestrfporstandssigung beim Genossen Schlegel, Sagomitr. 4b, 18 Uhr. Werbebezirk Wedding: 18 Uhr Sprechstunde Ledigenheim. 19% Uhr Baden Gerichtstraße. Abt. Kottbusser Tor: Urbanstr. 167. Einführungsabend. Morgen, Sonntag, 1. mai: Werbebezirk Lichtenberg: Treffpunkt zur Maidemonstration 11 Uhr Rüstriner Plaz. Fahnen mitbringen. Tempelhof: Treffpunkt zur Maidemonstration 10% Uhr Bahnhof Tempelhof, Mahlsdorf: Treffpunkt 10% Uhr Bahnhof. meinsame Maifeier, 15 Uhr, Einlaß 14 Uhr, im Seeschloß, Vorträge, Vereine und Versammlungen Hermsdorf, Junostraße 7. Abt.- Tegel und 140. Abt. Borsigwalde: 18 Uhr gemeinsame Feier im Strandschloß" am Tegeler See, Tegel, Uferstraße 1. 139a Abt. Tegel- Freie Scholle: 17 Uhr im Schollenkrug", Hermsdorfer Straße. 140a Abt. Wittenau: Saalöffnung 18 Uhr, Anfang pünktlich 19 Uhr, im Lokal Julius Eberhardt, Lübarser Straße. Eintritt Reichsbanner ,, Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianstr. 37-38. Sof 2 Tr. Wassersportabteilung. Zug Tegel. Sonnabend, 30. April, 11 1hr, Arbeitsdienst im Bootshaus. Sonntag, 1. mai, 11 Uhr, Antreten Gartenplag zur Lustgartendemonftration. Soweit möglich, blauer Anzug, blaue Müge. Bis 15 Uhr Bootshaussperre. Wetteraussichten für Berlin: Ein wenig fühleres und wolkiges 30 Pf., erwerbslose Genossen und Gewerkschaftsmitglie- Wetter mit Gewitterneigung. Für Deutschland: Im Osten heiter, der 10 Pf. Karten sind noch an der Kasse zu haben. Während der Vorführungen in der Zeit von 19 bis 20% Uhr findet kein Einlaß statt. 141. Abt.- Rosenthal 1: 18 Uhr in Rosenthal I, Hauptstraße 1, bei Manthey. Programm: Kaffeekochen, Konzert, Sprechchöre, Gesang, Ansprachen, Mai- Festspiele, politische Revuen. Mitwirkung der Kinderfreunde, SAJ., Sportler, des Reichsbanners u. a. Referenten: Siegfried Aufhäuser, MdR., Emil Barth, Rudolf Breitscheid, MdR., Karl Dressel, Albert Falkenberg, Faust, Max Fechner, MdL., Bernhard Göring, Albert Grzesinski, MdL., Dr. Gurland, Dr. Haubach, Johannes Haß, Kurt Heinig, MdR., Max Heydemann, MdL., Hanns H. Kamm, Maria Krische, Dr. Paul Krische, Franz Künstler, MdR., Karl Litke, MdR., Jockel Meier, Otto Meier, MdL., Josef Orlopp, Karl Palmer, Gottlieb Reese, David Stetter, Karl Wermuth, Oswald Zienau. im Westen und Süden zahlreiche, im mittleren Deutschland vereinzelte Gewitterregen. Besonders im Westen am Lage etwas fühler. WELSERRAST 8 Armer fleiner Nazi Ich stebe mir einem Wahlplätat vor einem Bahllotál und unterhalte mich mit einem Genossen über die politische Lage im November 1918. Neben mir steht ein Nazimann, ein blasses Bürgerföhnchen. Ab und zu wirft er uns beiden einen Blick zu, als ob er sich am Gespräch beteiligen möchte und es sich nur nicht geirauc. Im Laufe der Unterhaltung mit dem Genossen streiten wir uns um irgendeine historische Tatsache, und ich wende mich, da ich mit meiner Ansicht nicht durchdringen kann, an den Nazi und sage: ,, Nicht wahr, damals hat doch...?" Er zögert mit der Antwort, schließlich sagt er leise, sehr leise zu mir:„ Du hast recht!" und dreht sich schnell von mir meg. Ach", meine ich ,,, du darfst wohl hier vor dem Lokal nicht mit uns anderen reden?" Er schüttelt den Kopf. Baufe. Nach einer Weile bitte ich ihn um Feuer, um mir eine 3igarette anzuzünden. Er gibt mir Streichhölzer, so ganz verstohlen drückt er sie mir in die Hand. Blöglich kommt seine Ablösung. Das mar ganz etmas anderes. Ein strammer Nazi marschiert auf ihn zu. Man sieht ordentlich, wie er die Knochen zusammenreißt, den Blid unverwandt geradeaus gerichtet. Wie bei der Reichswehr mird abgelöst. Rud zud, Plakat vom Halse, Kehrtwendung, rühren! Der abgelöste Nazi kommt auf mich zu jetzt ist er nicht mehr im Dienst, denke ich, und jezt kann er reden und will mir irgend etwas sagen. Da springt der Ablösungsmann zwischen uns, faßt feinen Kameraden an der Krawatte, zieht ihn beiseite und brüllt: .Du sollst doch nicht mit Juden reden! Die hassen uns bis aufs Blut, und du magst es, deine Feinde anzusprechen!" Mein armer, fleiner Nazimann wird bleich und setzt zum Sprechen an. Da holt der andere eine Pfeife aus der Tasche, pfeift, und schon erscheinen zweit weitere Nazis auf dem Plan. Nehmt ihn sofort mit ins Lokal, er hat hier troy Verbots mit einem Juden gesprochen, ich komme später nach." Und schon wird er von den beiden abgeführt". Worauf der„ Held" fein Blatat nimmt und fich, starr geradeaus blickend, breitbeinig hinstellt. Er muß die Pose schon mal irgendwo gesehen haben...! Die Nazis müssen doch eine verdammte Angst haben, daß man ihre Leute aufklären fönnte. Aber es zeigt wieder mal, melchen Kadavergehorsam wir in Hitlers gelobtem Land zu ermarten haben. Armer fleiner Nazi... hat noch ein eheliches deutsches Herz und ein anständiges Empfinden und darf doch der Stimme feines Gewissens nicht folgen. Armes Deutschland! 1. Mai alkoholfrei. Bon sozialdemokratischen Mitgliedern des Guttemplerordens erhalten mir eine Buschrift, der wir folgendes entnehmen: Der dritte Behltag in diesem Jahr ist vorüber. Wir sind um die Er fenninis reicher, daß Millionen von Menschen in ihrer Berzweiflung der Utopie einer kapitalistischen Baltsgemeinschaft des 3. Reiches" nachlaufen, einer Bartei ihre Stimmen geben, die von sieben mahr oder weniger deutschen Männern bezeichnenderweise am ,, Biertisch" gegründet wurde. Ein vierter bedeutender Tag naht: Der 1. Mai. Bemußter als bisher wird er gerade in diefem Jahr einen demonstrativen Charakter gegen Reaktion und Faschis. mus tragen. Eines der gefährlichsten reaktionären Machtmittel gegen die Arbeiterschaft hat aber noch viel zu wenig Beachtung gefunden: Der Alkoholmißbrauch. Seine Bekämpfung ist nicht nur eine tul turelle Selbstverständlichkeit, sondern ebensosehr eine wirtschafts, politische Forderung. Aber die Kräfte im Kampf gegen die Rüd märtsgerichteten, die Emiggeftrigen, gegen alles, mas Reaftlon heißt, gilt es machzuhalten und dazu brauchen wir flare Köpfe, Am 1 Mai, der gerade nach der legten Wahl zu einein Kampf näres Alkoholkapital demonstrieren durch einen freiwilligen Verzicht Maf werden wird, können wir an wirkfamften gegen ein reaffio: auf den Alkoholgenuß. Kinder und Tiere sollen Freunde sein. ps Die Sonderschau dieses Sommers im 300 wird in dem für derartige Beranstaltungen abgetrennten Raum ein Lier. Kindergarten sein. Man will die kleinen Menschen mit den fleinen Tieren zusammenbringen, man will sie miteinander spielen laſſen. Bei einer Vorbesichtigung wurde man gewahr, daß sich Kaninchen ungemein interessieren und gern mit ihnen spielen zwar die Kinder für die ängstlichen, scheuen und ganz mehrlosen möchten, daß aber die niedlichen zarten Tiere, die wahrscheinlich Da wurde nun so ein kleiner Steppfe ärgerlich darüber, daß die in den Kindern große und feindliche Ungetüme sehen, eilig flüchten. There ſich nicht greifen ließen, warf nach ihnen mit Sand und Steinen, und stieß mit dem Fuß nach ihnen. Die Direktion follte abon den Wärtern Anweisung geben, solche Kinder, unter denen die einen Ziere leiden müßten, rücksichtslos zu entfernen. Köstliche Szenen fah man bei den drolligen, amüsanten, fleinen Bären, wohl das hübscheste unter dem Jungpieh, die man mit zwei jungen, sich sehr reserviert verhaltenden Löwen, jungen Dingos ( wilden Hunden) und deutschen Spigen zusammengebracht hat. Man sah und sieht in Brutkästen die Küken aus dem Ei friechen. Lebende Marzipanjchweinchen laufen in Massen herum. Zierliche, fleine Entchen tuscheln sich im Schmuck der zarten, 3idlein weichen, gelben Flaumfedern ängstlich zusammen. meckern ängstlich nach der Mutter. Das Ganze eine wunderbare und mit Freuden anzusehende einzigartige Tierfinderstube. Wir wollen aber die Bitte wiederholen: Schüßt die fleinen hilflosen Tiere vor unartigen Kindern, damit die artigen desto mehr Freude an ihnen haben! Außergewöhnliche private Winterhilfe. Wie das Bezirtsamt Mitte mitteilt, hat die Firma Kempinsti nicht nur in diesem, sondern auch schon im vergangenen Winter eine außerordentlich große Anzahl von Bedürftigen des Bezirts Mitte mit Mittagessen versorgt. Diese von der Firma Kempinski im Rahmen der Winterhilfe durchgeführte Maffenspeisung von Hilfsbedürftigen des Bezirks Mitte hat in den letzten Tagen des April thren Abschluß gefunden, Diese Hilfsaktion ist in einem außerordentlich großen Umfang durchgeführt worden, denn von Oktober bis April wurden nahezu eine Million Bortionen Mittagessen ausgegeben. Bei der uns geheuren Rot des letzten Winters hatte diese Speisung für den Bezirk eine nicht zu unterschäzende Bedeutung. Einbruch bei Karlshorfter Juwelier. Kennen Sie DONNA LUCIA? In 28 Ländern verehrt man sie und ihre 150 Schwestern!-Rund 97 000 000 mal konnte sie durch die edle Tabak- Qualität von sich überzeugen... DONNA LUCIA KLEIN Eine edle Sumatra Deutschlands meistgerauchte Zigarre P.15 Am Freitagabend gegen 10 Uhr schlugen zmei junge Burschen in der restpmallce 76. der Hauptstraße von Karls. horst, bei dem Jumelier Georg Kphn mit einer Steule bie Fensterscheibe ein, die durch ein Gitter gefchüßt mar, und raubten aus den Auslagen Ringe, Uhren und andere Bertgegenstände. Gin Bine besonders edle Geschmacksleistung dienstfreier Schupo perfuchte die Diebe mit seinem Reponer der größten Zigarrenfabrik Deutschlands aufzuhalten, der aber versagte. Die Diebe feuerten sofort, flüchteten in der Richtung Bahnhof Karlshorst, perfolgt von dem Schupo monn, der die Diche durch Schreckschüsse aufhalten wollte, und ent tamen leider im benachbarten Laubengelände. LOESER& WOLFF England refidiert Das Leben der Weißen auf Ceylon/ Von Annie Francé Harrar 4 Annie Francé Sarrar ist als Reiseschriftstellerin beliebt wegen ihrer Fähigkeit, in leuchtenden Farben die Schönheiten der von ihr besuchten Landschaften zu schildern, gleichzeitig aber auch die Bielheit des geschichtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Geschehens der Bewohner dieser Landschaften einfließen zu lassen. So entsteht ein lebendiges Bild aus Schwärmerei und Natur beobachtung, Romantik und Wissen, Licht und Schatten, wie es ihr auch wieder in dem Buch„ Die Insel der Götter, Wanderung durch Ceylon" gelungen ist.( P. J. Destergaardt- Verlag, Berlin). Der Kaufmann führt. Der Engländer, wo er Städte neu zu bauen gezwungen ist, besitzt einen ganz bestimmten Traditionsstil, der einheitlich rund um den Erdball geht. Es scheint ihm eine gewisse Art Neubarod das Geeignetste zur Repräsentation zu sein, in dem man sehr wohl noch immer bestimmte Elemente des schottischen Burgenstils zu erkennen vermag. Ohne Rücksicht darauf, ob und wie ein solches europäisches Stilfonglomerat, zusammengefeßt aus einem Dutzend westlicher Bergangenheiten, in einer Tropenlandschaft wirkt, hat man auch in Ceylon neben das alte Kalambu eine solche englische Stadt gestellt. Oder richtiger gesagt davor, denn man kann vom Hafen aus nicht in die Pertah gelangen, ohne das Fortviertel zu durchqueren. Da sieht man nun die mächtigen Paläste des Postamtes und der großen Hotels, besonders des ,, Grand Oriental Hotels". Da gibt es breite, tadellos gepflasterte Straßen, die weiten Viktoria- Arkaden, unter denen sich vor allem Geschäft an Geschäft drängt. Dem europäischen Kaufmann in den Tropen ist allein Macht und Möglichkeit gegeben, das Wellenspiel mestlicher Jahreszeitengebräuche in einer völlig fremden Natur noch festzuhalten. Es ist munderlich, mie sehr das Herz weißer Menschen an allen folchen Era innerungsfesten hängt, menngleich sie sich sonst tausendmal rühmen, durchaus vorurteilsfreie Kolonialleute zu sein. Und so begehen denn auch die Läden von Colombo einmütig Weihnachten, indem sie in der mildglühenden Dezembersonne Figuren des heiligen Nikolaus im schweren Belzmantel ins Schaufenster stellen, zierliche Wattefloden auf fünstliche Fichten- und Mistelzweige rieseln lassen und bunte Kerzen auf grüngefärbte Weihnachtsbäumchen steden, die dann vor Hize sichelförmig umsinken und in großen Wachstropfen zerschmelzen. Und indem sie in den ,, Ceylon New Times" große Inserate einrüden, man müsse den Christabend und die Jahresmende mit Puterbraten und Plumpudding bis zum verdorbenen Magen feiern und das in einem Klima, in dem, genau besehen, jede halbmegs ernstere Berdauungsstörung tödlich sein kann. Denkmäler, Rasernen, Hotels. Aber das ist nur ein Beispiel mehr für das unerschütterlich konservative Wesen der Engländer, das sich freilich auch sonst in allem und jedem ausprägt. So steht im wunderschönen, bezaubernd duftenden ,, Gordons- Garden", der zum Gouverneurspalast gehört, aber für jedermann zugänglich ist, eine steifleinene Statue des Gouverneurs Sir Arthur Gordon und auf weißen Treppenstufen, etwas erhöht, ein Denkmal der Queen Biftoria. Man fann sich schwer etwas weniger unter diese rosenroten Sträuße gefüllten Oleanders Gehöriges denken, als dieses steinmeiße, von abgeschmackten Ornamenten umgebene Abbild, das mit leerer Unfreundlichkeit auf ein Becken von seidig violetten Orchideen blickt. Hinter der langen Queensstreet fangen die Kasernen an. Es sind fünf, samt dem dazugehörigen Offizierstafino, aber an verschiedenen Stadtenden merden neue errichtet. Und überall, auch vor dem großen Militärhospital; stehen Kanonen, gar nicht dekorativ, sondern bitter ernst gemeint. Ja, man spürt nicht nur flimatisch den heißen Boden, auf dem man hier lebt, und die rote Laferiterde gemahnt im halben Licht der schnell einsinkenden Dämmerung zu meilen nicht ganz sympathisch an Bänder dunklen Blutes. Das schönste und luxuriöseste der Hotels von Ceylon befindet sich nicht in Colombo, sondern etwa eine Viertelstunde RikschahFahrt draußen vor der Stadt. Der Strand ist hier ganz flach und eben, und der Indic rollt breit herein. Hier draußen sind keine Häuser mehr, aber eine untadelige Straße, von steinernen Sänten eingefaßt, zieht sich am Ufer entlang. Hier bewegt sich die große Erholungspromenade in zwei kurzen Spätnachmittagsstunden, da der Meerwind aufspringt und die Luft wie mit ungeheuren felzduftenden Fächern kühlt. Hier findet sich die ganze Stadt ein, um Atem zu holen, und der Abend macht die schweißmüden Menschen friedfertig und geduldig. Am Ende dieser Allee steht das mächtige Hotel, das für alle eleganten, ihre Brieftasche nicht schonenden Besucher den eigentlichen Mittelpunkt von Colombo bildet. Bon außen sieht es mit seiner breiten, platten, düsterroten Fassade wenig freundlich aus. Es hat mehr das Profil einer Festung, und die auch hier auf der gemauerten und erhöhten Terrasse aufgefahrenen Kanonen verstärken diesen Eindruck. Im Innern ist es aber von jenem echt englischen Lugus, der mit ungeheurer Raumverschwendung und spiegelnder Blankheit jedem Bewohner die Meinung beibringt, daß er Herr eines unermeßlich ausgedehnten Schlosses sei. Die vornehmen Klubs der Stadt benutzen dies Hotel mit besonderer Vorliebe, alle Nobelgäste werden selbstverständlich dort untergebracht, und für jeden angelsächsischen Besucher Colombos ist es einfach unerläßlich, in ihm zum mindesten den Fünfuhrtee einzunehmen. Hinter den gigantischen Steinpalästen des Forts beginnen die Straßen der Bungalows, der Wohnhäuser. Hier hat man sich so eingerichtet, wie man auch als Europäer sich unterm equator ein richten muß. Wunderschöne ausgedehnte Gärten, farbig verschottet, darin das Haus, das eigentlich nur aus lauter offenen, geschickt ineinandergeschachtelten Veranden besteht. Schöne Wohnmöbel, Lüftungsanlagen in allen Räumen, hundert scharfsinnige Borrichtungen, um sich gegen die feuchte Hize zu schützen und auch in der Termiten als Schlangen vorzusehen, trozdem die Häuser zum Teil Regenzeit gesund zu bleiben. Man versteht es, sich sowohl gegen nur in leichter Holzarchitektur erbaut sind. wöchentlichen Teeversteigerung, jenseits von Gummi, Kakao, Zimt Aber jenseits der Natur, jenseits von Autoausflügen, der und Chinarinde, jenseits von Regierungssorgen, Stadtverordneten sigungen und der Lektüre der offiziellen Times of Ceylon" schleppt sich das Leben für den Europäer in Ceylon mit großer Einförmig teit hin. In Colombo, einer Stadt, in der binnen 24 Stunden regelmäßig 15 bis 20 Schiffe einlaufen, große Schiffe von allen Kon tinenten, gibt es merkwürdigerweise weder eine Oper noch ein Theater. Ein Amateurverein unternimmt es zuweilen, ein Theaterstück schlecht und recht aufzuführen. Von den vier Kinos sind von vornherein zwei für die Eingeborenen referriert, und mer den Begriff Farbigenfino einmal erlebt hat, mird sich, felbst angesichts der Reinlichkeit und sanften Sitten der Singalesen, nicht wundern, menn ein Weißer fie prinzipiell nicht betritt. natürlich, man kann auch Sport treiben, Tennis und Golf spielen oder sich an einem Fußballmatch beteiligen. Dafür ist man ja in einem englischen Pflichtenfreis erzogen worden, daß man auch dies für notwendig hält unter einem Himmel, der den Weißen für jede körperliche Anstrengung mit Strömen von Schweiß, Reizbarkeit und Erschöpfung bestraft. Ehe ohne Raum Skizze im Frühling/ Von Jivan Heilbut Sie nannte ihn Jeppe, obgleich er eigentlich ganz anders hieß. Er nannte sie Kitty, und auch sie hieß ganz anders. Es war eben alles wie in einer Novelle, die im Frühling spielt. Als Jeppe und Kitty ihre erste Wohnung bezogen, übrigens, sie hatten schon eine Wohnung gehabt, aber als Untermieter und ohne eigene Möbel, als sie nun ihre eineinhalb Zimmer in Besiz nahmen, breiteten sie die Brust und die Arme und sagten: ,, Raum!" Dieses Wort sprachen sie aus, nicht so wie ein Alltagswort, sondern als ob es der Inbegriff alles Wohlstands, Glücks und Friedens wäre. Dann begannen sie ihre Sachen auszupacken und in Schränke und auf Borte zu ordnen. Jeppe hatte viele Bücher und einige Anzüge. Kitty besaß weniger Bücher, aber viele Kleider. Seine Anzüge und ihre Kleider kamen in einen Schrank, sie drängten sich zwar, aber sie vertrugen sich da drinnen ebenso gut wie Jeppe und Kitty selber. Nur, daß jedes Mal, wenn die Schrankiür geschlossen werden sollte, von drinnen ein widerborstiger Bügel mit der Schulter herangefligt fam. Ein winziger Schrank eigentlich nur ein halber Kleiderschrank, denn seine linke Seite, mit Fächern ausgestattet, war für die Wäsche da. Aber schließlich war es ja auch nur ein halbes Zimmer, in dem er stand. Kitty machte sich gleidh am zweiten Tage daran, den Bügeln die ungehörig langen Schultern abzusägen. Ste hantierte magemutig mit der Säge, und als sie fertig war, bewunderte Jeppe sie sehr. Aber bei dieser Gelegenheit tat er einen Blick in die linke Hälfte des Schranks und fand sie mit Wäschestücken belegt. Die linke Hälfte hatte er sich eigentlich für einen Teil seiner Bücher gedacht diese Bücher lagen noch ungeordnet auf dem Fußboden im vorderen Zimmer( das zum Unterschied gegen das halbe Zimmer das ganze" hieß). Jeppe wurde traurig, weil ihm der halbe Schrank aus der Nase gegangen war, er hätte gern gesagt: „ Es regnet Blut" Ton Universitätsprofessor Dr. Karl Knoch, Observator am preußischen Meteorologijchen Inftitut, Berlin Vor kurzem wurden in Breslau und im Riesengebirge Schneeund Regenfälle von eigenartiger Rostfärbung beobachtet. Der älteste Staubfallbericht stammt aus Aegypten und wird eima auf das Jahr 1500 v. Chr. gelegt. Er ist in der mosaischen Geschichte enthalten und berichtet von einer blutigen Wasserfärbung in ganz Aegypten. Pharao entließ, durch diese und andere Erscheinungen erschreckt, die Ifraeliten aus seinem Lande. Seitdem sind aus jedem Jahrhundert solche Meldungen erhalten. Blut findet sich auf der Erde. Blut überzieht Denkmäler. Die Waffen der Soldaten scheinen Blut auszuschwitzen. Auf den Feldern werden blutige Aehren gefunden. Blutig erscheinen die Bäche. Blutige Tropfen, die vom Himmel fallen, zerfließen auf weißen Kleidern zu Kreuzesform, und dieser Kreuzleinregen" ist in den wenig gebildeten Massen, häufig unterſtüßt durch religiösen Fanatismus der Geistlichkeit, als besonders eindringliches Mahnzeichen eines zürnenden Gottes erschienen. Vernünftige Stimmen, die darauf hinwiesen, daß die Gespinstform der Kleidung Schuld an dem Berlaufen der Flüssigkeit in Form eines Kreuzes fein könnte, blieben unbeachtet. So das Mittelalter. Seute sind wir durch das Mikroskop, Chemie und Meteorologie genau über die Herkunft solcher Beimengungen der Luft unterrichtet. Es ist irdischer Staub, der durch einen starken Wind, meist einen Wirbelsturm angehoben Luft lange Zeit schwebend zu erhalten und können weit verfrachtet werden, bis sie in einer absteigenden Luftströmung durch Regentropfen oder schließlich auch durch eigene Schwere wieder nach unten gebracht werden. schwebend in den höchsten Schichten erhalten können, hat man nach dem Krafu- Ausbruch in der Sundastraße im Jahre 1883 erlebt. Viele Jahre später haben sie noch zu besonders leuchtenden Dämmerungserscheinungen Anlaß gegeben. Unbarmherzig ist die Wissenschaft auch den vielen anderen Arten der Wunderregen zu Leibe gegangen, die in alten Chroniken zu finden sind. So weiß man heute, daß der Mannaregen, der nach dem biblischen Bericht den Zug der Ifraeliten durch die Wüste ermöglichte, aus einer eßbaren Flechte bestand, die in Persien, Palästina und Nordafrika heimisch ist. Ihre Wurzeln greifen nicht tief in den Boden ein, und ein Sturm vermag sie leicht in größeren Mengen wegzuführen. Salzregen entstammen dem Meer, dessen salzhaltiger Schaum von der Küste bis zu 100 Rilometer weit landeinwärts geführt werden kann. Seltsam sind die Früchte und Getreideregen; es geht aber auch hierbei alles natürlich zu. Entweder wird durch einen Wirbelsturm Getreide in die Höhe gehoben, wie im Jahre 1804, wo in Andalusien eine Menge Korn fiel, das der Sturmwind aver von einer Tenne in Tanger entführt hatte; oder Getreideförner und Samen, die diesen ähnlich sind, werden von Regen nach entfernteren Stellen fortgeschwemmt. Belustigend durch ihre teilmeise recht graufigen Einzelheiten lesen sich die vielen Berichte über Tierregen wie Fisch, Schlanmird. Die sehr feinen Staubpartitelchen vermögen sich in der gen, Mäuse und Froschregen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts fiel bei einem Sturm mit Regen eine beträchtliche Menge Fische auf den Schloßhof von Hannover herab, und zwar von solcher Größe, daß sie gegessen wurden. Heringsregen sind mehrfach aus England und Schottland, also aus der Nähe der See gemeldet worden. Im Jahre 1806 sollen in Oldenburg eine große Menge Krabben gefallen sein. Sie fönnen durch einen Wirbel sturm vom Meere aufgehoben und binnenwärts verfrachtet worden fein. Echt" ist vielleicht der Froschregen vom 30. Juni 1898 in Birmingham gemejen, mo in der Borstadt Moseley ein Schauer von Fröschen niederging. Sie waren wahrscheinlich durch eine große Wasserhose aus einem Teich abgehoben und durch den Sturm über Birmingham geführt worden. Jedenfalls aber stammten auch diese Boten des Himmels" doch von der Erde und hatten nur eine furze unfreiwillige Luftreise antreten müffen. Für Europa ist das Hauptursprungsgebiet diejer Staubregen das Saharagebiet. Der große Staubfall vom 9. bis 11. März 1901, der ganz Italien, Zeile von Defterreich und ganz Norddeutschland überdeckte, stammt 3. B. dort her. Man hat die von ihm verfrachtete Staubmenge auf 1,8 Millionen Tonnen geschäßt. Besonders auffallend ist die Erscheinung selbstverständlich im Winter bei Schneelage. Der Blutsch nee" ist auch heute noch im Aberglauben das Anzeichen blutiger Kriege oder sonstiger Schrecnisse. Blutschnee braucht aber nicht immer durch rötlichen Staub hervorgerufen zu werden. Eine bestimmte Algenart und fleinste Lebewesen, die in Massen vom Binde herangeführt werden, fönnen auch die roten Fieden hervorrufen. Staub mird ferner durch Bultanausbrüche in die Luft geworfen. Er fann weit entfernt voin Bultan als Schlammregen herunter tommen Daß fi sultanife Auswurfspeebutts jahrelang " Bei der Erklärung der Tierregen brauchen wir fomit nicht, wie es der sonst ernst zu nehmende Humanist und Rettor einer Lateinschule Nürnbergs, Cochiaeus, in einer Schrist vom Jahre 1512 tot, zur Annahme der rzeugung" in der Luft unsere Zuflucht nehmen Verdammt, was ist wichtiger Bücher?" Und, diese elende Wäsche oder meine Aber statt dessen sagte er nur: ,, Nein, all dieser Reichtum, Kitty..." ,, Ja, die Wäsche, das ist' ne Bracht, nicht wahr?" " ,, Ja", sagte Jeppe,' ne Pracht." Er ging in das ganze" Zimmer hinüber, dort stand er vor seinem Bücherberg und dachte nach. Die Borte und der Bücherschrank waren voll; übrigens hatte Kitty in den Bücherschrank ihre Nähsachen hinein getan nur in das unterste Fach, das versteht sich und auf dem mittleren Brett des Regals lagen ihre Albums, Mappen mit Familienpapieren, und noch einiges mehr. Ja, ja, dachte Jeppe für sich, die Kitty braucht auch ihren Raum zum Leben... Raum...? Er gefreut haben, wie? ſtuzte. Wie ist das nun mit dem Raum, auf den mir uns so Mit einem Mal begriff Jeppe die Ursache von Bölkerwanderungen, Kriegen, Chefonflikten Jeppe fezte sozusagen einen Jahresring an und wurde innerlich irgendwie älter. Jeppe ging wieder zu Kitty hinüber. Das konnte nicht gut aus Aber mit der Erfahrung wächst nicht immer die Weisheit, mit seinem Aerger soll der Mann spazieren gehen, in eine aber nie und nimmer zu seiner Wirtschaft, zur Steuer, ins Büro wäschereichtum, der ganz unglaublich war und ihm seinen schönen Frau. Wie Jeppe sie aber so fröhlich hantieren sah, in ihrem gehen. Raum megfraß, da hätte er wieder ein ganz verständiges Herz, imd darum begann er auch fill: Findest du noch immer, Kitty, daß mir Raum in unferer Wohnung haben?" Ja, fein", sagte Kitty und merkte nichts und war vergnügt wie vorher. ,, Ja, deine Sachen bringst du ja sehr schön unter", meinte Jeppe. Aber er hatte das„, deine" gar nicht auffällig betont zu seiner eigenen Verwunderung. Und so sagte Kitty noch einmal; ,, Ja, fein." Romisch, er konnte ihr in dieser Sache nichts sagen. Wer einen Menschen so gut fennt wie ein Mann seine Frau, der lernt schweigen. Er erlebt ja alle Antworten voraus, alle Blide, Kopihaltungen, Tonfälle, Nuancen; er sieht alles im wahren Wortfinn vorher. Wozu fragen, wenn man die Antwort schon weiß? Und was würde Kitty antworten? ,, Wo soll ich denn hin mit all meinen Sachen?" würde Kitty antworten. Und wie würde sie das sagen? Mit einem so guten, unschuldigen Blick, daß er sie ansehen, füssen und antworten müßte: ,, Natürlich, Kitty, da hast du recht." Siehst du...", würde Kitty sagen und weiter einpaden. Und er würde hinüber in das ganze Zimmer" gehen, vor dem Bücherberg hin und her sinnen... bis Kitty käme und hopp hopp alle Bücher megpaden würde. Wohin? Irgendwohin, wo er( und sie auch) sie nie wiederfinden würde, wenn er( und sie auch) suchte. Es kam dann auch so, genau so. Kitin kam, pacte mit ihren fleinen Händen zu... Wohin?" rief Jeppe. ,, Irgendwohin". antwortete Kitty und steuerte auf die Tür los. Bielleicht in's Badezimmer! dachte Jeppe grimmig. Das Wort„ irgendwohin schlug wie ein Bliz in seinen Kompler. ., Ritty!" rief er, laß die Bücher hier und laß mich fünf Minuten allein." Was hat Jeppe nur? dachte Kitty und ging hinaus. Sie fannie ihn, und wenn sie Gefahr im Verzuge fühlte, so tat sie das Rechte: sie schwieg. Denn es war ja zwischen ihnen alles wie in einer Novelle, die im Frühling spielt. Aber was heute geschah, hatte Kitin noch niemals erlebt. Noch eima drei Minuten tam Jeppe heraus, er überreichte ihr einen Kanzleibogen, dann wünschte er ihr einen guten Abend und nahni feinen Hut. Hinaus war er. Kitty aber las: Ich muß mich ausbreiten und annektieren! Ich brauche den ganzen ,, Meine gute, füße Kitty, ich erkläre dir hiermit den Krieg! Bücherschrank, das ganze Bücherbort, den ganzen linken Teil des Kleiderschranks! Du wirst fragen, mo du denn bleiben sollst. Ich kann es dir leider nicht sagen. Soviel für heute. Ich bin um halb zehn wieder da, ich fez mich bloß ins Kindl. Auf Wiedersehen!" Als Jeppe um fünf Minuten vor halb zehn zurüdfehrte, flaffie die Kleiderschranktür ihm offen entgegen, das Fach des Bücherschrants, das Bort des Regals alle von ihm geforderten Gebiete maren geräumt. Das Inventar wor ins Badezimmer abgemandert, in die Küche, in eine Truhe und an viele verschiedene Pläze, die Ritty alle noch im Gedächtnis zu haben behauptete. Jeppe feufzte. Er erwog, Kitty all die abgetretenen Gebiete zurüdzu geben. Aber Kitty sah ihn strahlend an, so daß er fühlte: Gern geschehen... Berantwortlich für Bolitik: Birtor Shift; irischalt: 6. Klingelhöfer: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; HeuiDeton: Dr. John Schilomsti; Lofales und Sonstiges: Frig Kerstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag. ut. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Suprudece und Berlage anfalt Baul Singer u. Co., Berlin EW. 68, Sindenftrage& Sitz 2 Beilage Nr. 202 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Der Kampf gegen das System. Heraus zur Feier am 1. Mai. | Goebbels hat feierlich prophezeit: Adolf Hitler wird Reichspräsident! Sein Organ prophezeit: In der Zukunft keine sozialistischen Mai feiern mehr! Also ist es sicher, daß die sozialistischen Maifeiern nicht verschwinden werden. Genau so sicher wie die Tatsache, daß der deutsche Reichspräsident nicht Adolf Hitler heißt. Ein Außenstehender würde sich mächtig wundern, wenn es ihm gelingen fönnte, einen tieferen Einblick in das innere Leben der Sozialdemokratie zu bekommen. Ein gewissenhafter Beobachter weiß freilich, daß es in den sozialdemokratischen Kreisen feine Ber3 weiflung, teine muflosigkeit gibt. Wie stark die Schlagkraft der Sozialdemokratie auch in dieser Zeit der fürchterlichen Arbeitslosigkeit und der erdrückendsten Not ist, haben die Wahl- Jahre in eine Zeit der größten wirtschaftlichen und politischen tämpfe der letzten Zeit gezeigt. Die Annahme scheint aber nahezuliegen, daß die sozialistische Bewegung in ihrer unzweifelhaften kampfbereitschaft doch ausschließlich auf die Abwehr eingeftellt sei, daß fie feinen anderen Gedanken habe als den, wie man den fiegreichen Vormarsch des Faschismus aufhalten fönnte. Darin erschöpft sich aber die Stimmung und die geistige Arbeit in der Sozialdemokratie feineswegs. Der Abwehrkampf gegen den Faschismus ist zweifellos unsere dringendste Aufgabe, auf die wir unseren Willen konzentriere it. Wir, die nicht umsonst durch die marristische Schule gegangen sind, missen aber, daß sich die historische Perspektive unserer Bewegung nicht in einer, auch der dringendsten, Aufgabe innerhalb einer olitischen Situation erschöpft. Wir wiffen, daß für die sozialistische Bewegung auch die schwierigsten Abwehrfämpfe einen Teil der gewaltigen Offensive der Arbeiterklaffe gegen die fapitalistische Ordnung darstellen. Und wir missen deshalb, daß in einer so fritischen Zeit wie dieser eine klare Borstellung von unseren positiven Aufgaben erst recht not tut. Für uns gibt es teine Alternative: entweder mit aller Kraft den Abwehrkampf gegen den Faschismus zu führen oder an den Plänen der Umgestaltung der bestehenden Wirtschaftsordnung zu arbeiten. Wir tun beides, weil die beiden Aufgaben für uns in feinem Widerspruch zueinander stehen, sondern viel mehr die beiden Seiten der gleichen historischen Aufgabe der Arbeiterbewegung sind. Die Probleme des sozialistischen Umbaues der Gesellschaft werden seit Monaten in den sozialistischen Kreisen von allen Seiten durch dacht und durchgesprochen. Ein Teil dieser Arbeit hat seinen Niederschlag im Wirtschaftsprogramm des AfA- Bundes gefunden. Man wird sagen: Ist das wirklich aktuell in der Zeit, in der der Faschismus die Existenz der deutschen Demokratie und der deutschen Arbeiterbewegung selbst bedroht, in der sogar die mich tigsten Positionen der Demokratie, wie die demofratische Regierung in Preußen, vor der Gefahr stehen, vom Faschis: mus umlagert und vielleicht gestürmt zu werden? Jawohl! Es ist höchst aktuell, sich den Kopf über die Probleme der Umgestaltung der Niemand von uns täuscht sich darüber, daß die Maifeier in diesem Schwierigkeiten und der schwersten Opfer fällt. Wir feiern nicht, um uns über die bestehenden Zustände zu freuen, sondern um uns im Kampfe gegen diese Zustände, gegen das System der tapitalistischen planlosen, den Menschen entwürdigenden Wirtschaft noch enger zusammenzuschließen. Deshalb heißt es im Maiaufruf der Partei: Faschismus ist Knechtschaft. Wir demonstrieren für die Freiheit! Faschismus ist die Diktatur des Kapitals. Wir demonstrieren für den Sozialismus!" feier von sozialistischem Geifte erfüllt sein. Wie vielleicht noch niemals früher, wird unsere diesjährige MaiSozialismus hört auf, nur das on in Der uns, als Aufgabe, in seinen fonkreten Umrissen, in seinen Einzelheiten greifbar und vertraut. Das Innere des tapitalistischen Wirtschaftsmechanismus ist in dieser Krise so durchsichtig wie nie früher geworden. Wir sehen die einzelnen Teile auseinanderfallen, wir sehen, wodurch die gewaltsamen Störungen entstehen und woran es liegt, daß ein Wirtschaftssystem, welches man für einen wunderbar funstvollen Mechanismus hielt, seine innere Anpaffungsfähigkeit, seine selbsttätige Heilkraft in einem so erschreckenden Maße verliert. Diesem„ System" fehlt eben ein System, ihm fehlt das Planvolle und das Systematische im wahrsten Sinne des Wortes. Dem System der tapitalistischen Herrschaft, das die Menschen zu Werkzeugen des Gewinn- und Machtstrebens der einzelnen macht, muß das System des wirtschaftlichen Handelns, also Anpassung der Wirtschaft an die Bedürfnisse der Menschen fehlen. Wer das eingesehen hat der muß, wenn er sich nicht bemußt zum Knecht oder Lands= und dazu braucht man nur nicht verblendet zu sein, knecht der Kapitalisten machen mill, sich unserem Kampf gegen das kapitalistische System für planmäßige sozialistische Wirt schaft, gegen die Knechtschaft unter dem Faschismus, für die Freiheit in der Demokratie und im Sozialismus anschließen. Wirtschaftsordnung zu zerbrechen, da wir nicht nur das Anwachsen Der Kampf um den Weltmarkt. der faschistischen Bewegung und die Bedrohung der Demokratie erleben, sondern auch manche andere Dinge. Wir sehen die Gefahren für die Demokratie und für die Existenz der Arbeiterbewegung. Uns darf wahrhaftig nicht vorgeworfen werden, daß wir diese Gefahren unterschäzen und nicht energisch genug gegen fie lämpfen. Wir übersehen aber nicht, daß die kapitalistische Welt in ihren Grundlagen aufs tiefste erschüttert ist, daß die Wirtschaftsordnung, die ihre schöpferischen Möglichkeiten verbraucht hat und nicht mehr imitande ist, die von ihr ins Leben gerufenen Kräfte zu bändigen, reif zum Abbruch geworden ist. Wir übersehen nicht, daß die breitesten Massen weit über die sozialistische Arbeiterschaft hinaus im Grunde genommen gegen das tapitalistische Wirtschaftssystem rebellieren, ein be= trächtlicher Teil aber sich durch die Berdammung des ,, Systems" irreführen läßt. Wir wissen, daß das Versagen so nieler Wirtschaftsführer" in einem verhältnismäßig turzen Zeitraum fein unerklärlicher Zufall, sondern ein umiderlegbares Zeugnis des Bersagens des Systems ist. Die Parole ,, Kampf gegen das System" haben die National fozialisten bei uns gestohlen. Der Kampf gegen das fapitalistische System mar der wesentlichste Inhalt unserer Bewegung seit ihrer Begründung. Um das kapitalistische System zu retten, mißbrauchen die Fajchiften unseren Kampfruf. Jetzt wollen sie uns unsere Maifeier nehmen, die Feier des Kampfes gegen das tapitalistische System und der Solidarität des arbeitenden Volkes in der ganzen Welt, die Feier des Friedens und des sozialisti fchen Geistes. Herr Klagges verbietet unsere Maifeier in Braunschweig. Der ,, Angriff" prophezeit, daß die diesjährigen Maifeiern Die letzten roten Maifeiern sein merden. Der ,, Angriff" ist freilich das Blatt des großen Propheten unserer Zeit, Herrn Goebbels. Deutschlands schwere Exportverluste im 1. Quartal 1932. der internationalen Krise und die vielfachen Absperrungsmaßnahmen Die anhaltende Drosselung des Wellhandels durch Verschärfung durch Zollerhöhung und Kontingentierung haben den deuschen Export seit Anfang des Jahres in eine außerordentlich schwierige Lage gebracht. Erschwert wurde die Situation des deutschen Außenhandels noch durch die Währungszerrüttung in zahlreichen Ländern. Wie das Statistische Reichsamt jetzt feststellt, ist der Wert der deutschen Ausfuhr in den Monaten Januar bis März dieses Jahres gegenüber dem letzten Quartal 1931 um 32,1 Pro zent auf 1606,2 Millionen Mark gefufiken. Der Rüdgang gegen über dem gleichen Quartal des Vorjahres erreicht sogar 33,6 Prozent. Die Einfuhr ist gleichfalls start gesunken, und zwar um 14,7 bzw. 35,2 Proz. gegenüber den genannten Zeitabschnitten. Der Anteil Europas an der Einfuhr nach Deutschland verringerte sich im Vergleich mit dem letzten Quartal 1931 von 59,5 auf 54,2 Prozent und an dem Export aus Deutschland von 84,1 auf 81,3 Prozent. Sonnabend, 30 April 1932 land durch Voreindedungen stärfer als gewöhnlich in die Höhe ge trieben war. Besonders starke Verluste erlitt der deutsche Export auch in Finnland mit einem Rückgang von 54 Pro3. sowie in Schweden und Dänemart mit einer Minderausfuhr von 44,5 Proz., die gleichfalls sämtlich ihre Währung vom Goldstandard losgelöst Lasten des Exportes an Fertigwaren. Diese sind z. B. in Großhatten. Die Ausfuhrverluste Deutschlands gehen überwiegend zu britannien bei einem Gesamtrückgang des deutschen Exports von 184 Mill. mit rund 169 Mill. Mark beteiligt. Der größte Käufer Deutschlands im ersten Quartal d. 3. war die Sowjet= union mit 181,4 Mill. Mark, der dicht auf Holland mit 166,8 mill. folgt. Ungenügende Zollsenkung. Beizenzoll 18 Mart, aber nur für 15 Proz. des Verbrauchs Jm ,, Reichsanzeiger" vom 29. April wird eine Ver ordnung veröffentlicht, nach der der Weizenzoll bis zum 30. Juni auf 18 Mark je doppelzentner ermäßigt wird, aber nur für 15 Prozent der Menge, die die in Frage kommenden Mühlen in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni 1930 vermahlen haben. Ferner wird bekanntgegeben, daß der Vermahlungszwang bis zum 15. August im alten Ausmaß bestehen bleibt. Wir hatten Schiele jetzt endlich die Weizenzollentung verordnet, wou eg bes Sehr spät und in völlig ungenügendem Ausmaße hat Herr den gesetzlichen Bestimmungen und nach der Versorgungslage des er nach Inlands mit Weizen längst verpflichtet war. vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, daß eine Zollsenfung vo 25 auf 18 Dark je Doppelzentner durchaus ungenügend sei, nachdem der Weizenpreis in den letzten Wochen so stark gestiegen war. Auch mengenmäßig trägt diese Verordnung den tatsäch lichen Verhältnissen keinerlei Rechnung. Zwar ist die geplante Be grenzung der Zollermäßigung auf 100 000 Tonnen Weizen fallengelassen worden. Dafür wird aber die Kontingentierung in an derer Form eingeführt. Berüdsichtigt werden nur diejenigen. Mühlen, die schon früher Auslandsweizen vermahlten. Von der Gesamtmenge an Inlands- und Auslandsweizen, die diese. Mühlen in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni 1930 vermahlen haben, dürfen 15 Prozent zum niedrigen Zolljaße eingeführt werden - das werden etwas mehr als 100 000 Zonnensein, angesichts der Schäzung des Einfuhrbedarfs auf etwa 300 000 Tonnen also viel zu wenig. Die von uns mehrfach im Interesse der Roggenwirtschaft, der Schweine- und Geflügelzüchter geforderte Verbilligung der Futtermittel ist in geringem Ausmaß erfolgt. Der Verwaltungsrat der Reichsmaisstelle hat beschlossen, den Maispreis um 10 Mark je Tonné zu ermäßigen, so daß jetzt die Tonne DonauMais 14 Mart, die Tonne Plata- Mais 155 Mark kostet. Die ganze 3 erfahrenheit der deutschen Getreidepolitif spricht auch aus einer Maßnahme der Deutschen Getreide= Handelsgesellschaft, durch die jetzt auch bei Roggen ein teilnur noch unter der Bedingung, daß sie über die Proving pommerschen Mühlen erhalten verbilligten Auslandsroggen weiser Verwendungszwang eingeführt wird. Die ostpreußischen und grenzen hinaus nur solches Roggenmehl verkaufen, das mindestens zu 50 Prozent aus Inlandsroggen besteht. Vor neuen Zinskämpfen. sammentreten, um über die neuen Zinssäße nach der letzten Am Montag wird der Zentrale Kreditausschuß zuDiskontsentung der Reichsbank zu beraten. Das Berliner Bankenfartell, die Stempelpereinigung, hat am Donnerstag zu nächst nur vorläufige Beschlüsse über die Angleichung der Zinssäge gefaßt und die Debetzinsen sowie die Einlagezinsen auf Sched fonto um ½ Pro3. gesentt. Heftige Kämpfe werden in der bevorstehenden Sizung des Zentralen Kreditausschusses wieder um den Spartafsenzins entbrennen. Bekanntlich haben die Banken schon bei der vorlegten Diskontsentung der Reichsbank nichts unterlassen, um mit der Senfung ihrer Habenzinsen auch einen Abbau des Spartassen zinssages zu erreichen. Es ist zu erwarten, daß sie diesmal ihre Angriffe mit verstärkter Bucht erneuern. stehen, mie mir hören, nach wie vor auf dem Standpunkt, daß an Die Sparkaffen dem bisherigen Normalzinsfag von 4 Pro 3. festgehalten werden muß. Ihre Auffassung werde durch die tatsächlichen Verhältnisse gerechtfertigt, denn der Zinssatz von 4 Proz. muß bei der werden. Die Effektivverzinsung bei Pfandbriefen und Anleihen betrage zur Zeit mindestens das Doppelte und bei bestimmten Anleihearten fogar das Vielfache der Verzinsung der Sparkassenguihaben. Der außerordentliche Rückschlag, dem der deutsche Export in dem ersten Vierteljahr 1932 im Vergleich mit den Monaten Oktober bis Dezember 1931 ausgejezt, mar, wird durch eine Senkung des Exportes um 760 auf 1606 Mill. Mark gekennzeichnet. Die Ausfuhr nach Europa ging am stärksten, nämlich um 34,4 Proz., 81rück, nach Amerika um 23,7 Proz., nach Australien um 22,5 Proz., nach Afrika um 18,4 Proz. und Asien um 15,1 Pro3. Die Entmertung vieler ausländischen Valuten hat wesentlich zu diesen Rückgegenwärtigen Lage des Kapitalmarktes als niedrig bezeichnet schlägen im deutschen Export beigetragen. So ging der Erport nach Großbritannien in der genannten Vergleichszeit um mehr als 55 Broz. zurück, da hier infolge der damals, im Gange befindlichen Aufrichtung der Zollmauern der Export aus DeutschSALAMANDER arbeitet mit voller Belegschaft Tagesproduktion heute mehr als doppelt so groß wie 1914 SALA Niedrigster Preis: 1914 A DOD OPB GDD JETZT 1250 975 und immer die gleiche Salamander- Qualität! SALAMANDER DIE GROSS TE DEUTSCHE SCHUH FABRIK Schließt die Kampffront! olls Bas die KPD. tut und wohin die RGO. führt. Nach den Breußenmahlen veröffentlichte die RBD., gegen gezeichnet non der RGD., einen Aufruf, in dem unter anderem behauptet wurde, daß bie RPD. und ihre RGO. fiegreiche Streifs" geführt und organisiert hätten und auch in Zukunft diese Tätigkeit fortlegen würben. Unser Leser werden fich noch er innern, daß die RGD. in der ,, Roten Fahne" pom 13. Januar d. I. eine Zusammenstellung veröffentlichte über 101 fiegreiche Streits der RGO.". Wir haben damals Stich proben vorgenommen, um nachzuprüfen, ob und mie meit die Angaben der RGO. mit den Tatsachen übereinstimmen. Wir haben damals festgestellt, daß es sich bei diesen Streifs ent weber um Bewegungen betrieblicher Natur handelt, die von den Gemertschaften oder dem freigemerffchaftlichen Betriebsrat geführt wurden, und daß, soweit die RGD. selbst die Finger dabet hatte, die Bewegungen mit einer Niederlage endeten. Wir haben meiter festgestellt, daß eine Reihe dieser fiegreichen Streits" überhaupt nie stattgefunden haben, ja bas Ort aften angegeben wurden, die gar nicht egiftieren. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hat durch seine Organisationen über diese angeblidhen fiegreichen RGD.- Streits eine Erhebung burchgeführt und veröffentlicht das Ergebnis dieser Erhebung in einer Broschüre: Siegreiche RGD. Streits"( Berlagsgesellschaft des Algemeinen Deutschen Gewertschaftsbundes, Berlin 1932). Streit für Streit wird nach der Beröffentlichung in der Roten Fahne" angeführt und baneben das Ergebnis der Erhebung gestellt. Bir greifen aus dem Daterial nur einige Fälle heraus: Die ,, Rote Fahne" behauptete: ,, Stumpenfabrit König, Gallingen( Baden): Gegen 20 Broz. Lohnabbau. Weiter zahlung der alten Löhne erreicht." Dazu erflären die Betriebsräte der Firma, daß ein Streit niemals geführt worden ist und daß der Betrieb bereits am 31. Oktober 1931 ffiügelegt wurde. Die Rote Fahne" behauptete: 5 anau( Main) Fuhrpart: RGD. erreichte, daß für Arbeitszeitperfürzung von 50 auf 48 Stunden 6. Lohnausgleich gezahlt werden." Tatsächlich ist bei der Müllabfuhr( nicht im Fuhrpark) die Arbeitszeit von 40 auf 48 Stunden die Woche verlängert morden, wofür insgesamt 1,50 2. vergütet wurde. Also Arbeitszeit Derlängerung ohne Lohnausgleich. " um 15 Bros. getürzt. Es gab meber eine Stampfentschaffenheit noch eine Abwehr. Die Rote Fabne" behauptete: 2 eipziger Baumwoll. ipinnerei: Angesichts Streifabstimmung Sündigung non 600 Schichtarbeitern um vier Wochen zurückgestellt." Streit vom 3aune gebrochen. Am 16. Stovember meldeten sich Tatsächlich hatte die RGO. am 9. Nopember einen wilden bereits 600 Unorganisierte zur Arbeit zu den verschlechterten Be dingungen. In der Zwischenzeit erfolgte ein Schiedsspruch. Etwa 250 Anhänger der RGO. blieben auf der Strede, während die übrigen Unorganisierten unter Fortfall der bisherigen Sondervergütungen die Arbeit aufgenommen hatten. Wir müssen uns schon aus Raumgründen verjagen, eine größere Anzahl von siegreichen Streifs" zu zitieren. Wir wollen aber aus der Broschüre dann noch einige Fälle anführen, die sich auf Betriebe beziehen, wo die KPD. und die RGO. unumschränft herrschen. So hat die City Druderei, Berlin, wo die " Rote Fahne" gedruckt wird und die Eigentum der KPD. ist, ohne Widerspruch des fommunistischen Betriebsrats 50 Buchbrucker und Hilfsarbeiter von 170 Beschäftigten entlassen. Unter den Entlassenen befanden sich 40 Mitglieder der KPD. Aus Solidarität legten 27 Maschinenseger die Arbeit nieder. Die in der City- Druderei verbliebenen unorganisierten tommunistischen Streitbrecher befundeten ihren Arbeitswillen dadurch, daß sie befchloffen, 54 Stunden die Woche zu arbeiten, die Ueberffunden grafis. " Für die Rotationshilfsarbeiter wurden die Löhne von 71 auf 54 D. herabgelegt, während die fomunistische Welt am Abenb", der die Böhne noch zu hoch waren, auszog und in eine privatfapitalistische Druderei übersiedelte. In der fommunistischen Fortschrittsbruderei in Erfurt" mußte bie gesamte Belegschaft wegen groben Berstoßes gegen den Tarif vertrag aus dem Berbande ausgeschloffen werden. Den Uusträgern der„ Roten Fahne" wurde der Cohn von 64 auf 45 Pf. pro Exemplar und Monat getürzt, den Austrägern der Welt am Abend“ und„ Berlin am Morgen" von 94 quf 62 Pf., gleichzeitig wurden von 900 Austrägern 400 entlaffen. Das find Gemertschaftsfunttionären, sich die fleine handliche Broschüre an nur einige Stichproben. Wir empfehlen den zuschaffen, um den Vertretern der RGD. entsprechend durch die Tatsachen zu antworten. Im Anhang finden die Leser dam furz einige eindrucksvolle Zahlen über das, was die Gewerkschaften geleistet haben. Die Rote Fahne" behauptete: a. Wähliz, Brikettfabrit und Rerzenfabrit Töpfen, Teuchern: Fünfzehn prozentiger Lohnabbau burch Kampfentschlossenheit bis 1. Februar abgemehrt." Tatsächlich wurde entsprechend der Noiverordnung der Sohn drohenden Faschismus. Gemeindelöhne furzfristig verlängert. Reichsfinanzminister besteht auf Lohnbrud. Bom Gesamt- Berband wird uns mitgeteilt: Am 29. April fand im Reichsfinanzministerium unter Botsis des Ministerialrats Dr. Schilling eine Konferenz ber Bertreter bér fommunalen Arbeiter und Straßenbahner und des Arbeitgeber perbandes ftatt, in der über die durch die Ründigung ber 2phntarife entstandene Situation verhandelt wurde. Betanntlich verlangt das Reichsfinanzministerium eine weitere fegung der Löhne auf Grund der zweiten Gehaltstürzungserab Es ist Zeit, daß die Arbeiterschaft mit allen Spaltungsperfuen aufräumt und die Rampffront schließt gegen den 30. April 1932 hinaus weiter und enden am 31. Mai 1932. ohne daß es einer Ründigung bedarf." Internehmer dheeft nicht die Innerfrorenheit beseffen hätten, foldje unverschämten Abbauforderungen zu stellen, wenn die Berliner Gastmirtsangestellten organisatorisch eine Einheit biben würben. Diese organisatorische Einheitsfront zu schaffen, muß ange= fichts der Konzentration aller reaktionären Kräfte zur Bernichtung der Arbeiterbewegung auch pas nächstliegende Ziel der Angestelltent des Gastwirtsgewerbes fein. Berlins hat die Berhandlung vor dem Schlichtungsausschuß geworfen. Ein bezeichnendes Licht auf die galtmirtschaftlichen Unternehmer Sier tot ein Unternehmervertreter den Ausspruch, die Gastwirtsangestellten mögen nur noch die Wahl bes neuen Mimisterpräsidenten in Preußen abwarten, bann mürben sie bald die richtiger ohne bekommen! Die Bertreter der chriftlichen Splitterorganisation der Gastwirts angestellten bemühten sich vergeblich darum, das Bild der Geschlossen heit, das sich erfreulicherweise in beiden Versammlungen zeigte, 31 perschandeln. Die Entscheidung des Schlichtungsausschusses im Tarif fonflikt der Berliner Gastwirtsangestellten fällt am nächsten Freitag. Schwizlöhne der Vorkriegszeit. Wie Stegerwald sein Bersprechen hält. Für die Herrentonfettion ist nach schmierigen Berhandlungen durch den vom Reichsarbeitsminister bestellten Schlichter ein Schiedsspruch gefällt worden. Er sieht folgendes vor: Der Reichstarifvertrag für die Herrenkonfektion wird mit Wirkung vom 1. Mai 1932 wieder in Kraft gesetzt. Seine Grundlage der Zeitberechnung für Attordarbeit bleibt wohl erhalten, aber die neu eintretenden Wenderungen, benen sich die Gemertschaften auf das entschiedenste' widersetzten, bebeuten materiell gegenüber den bisherigen tariflichen Bestimmungen eine prozentual schwer zu errechnende emp= findliche Lohnverschlechterung. Der Schiedsspruch sieht eine Erklärungsfrist bis zum 7. Mai vor. Um feine tariflose Zeit eintreten zu lassen, wurde eine Ver= längerung des bisherigen Tarifvertrages bis zum 15. Mai vereinbart. Der Schlichter hat sich zweifellos von den Vertretern des Arbeitgeberverbandes einreben lassen, daß diese neue tarifliche Regelung noch weit über der tatsächlich bestehenden Lohnhöhe liege. Benn bei fünftigen Tariferneuerungen bei den Schlichtungsbehörden es Brauch werden sollte, die unter dem Drud der wirtDer schaftlichen Webermacht Unternehmer erzwungenen Elendslöhne zur Grundlage von Tariflöhnen zu machen, dann darf man fich noch auf allerhand gefaßt machen. Wohl in feinem Industriezweig hat der Lohnbrud solchen Umfang angenommen, wie gerade in der Herrenkonfettion. tionsarbeiterschaft hat eine Wiederauferstehung Das vor Jahrzehnten sprichwörtliche Elend der Ronfef erfahren. Der legte große Konfektionsarbeiterstreit 1921 zwang den Arbeitgeberverband zum Abschluß eines Reichstarifvertrages auf der Grundlage eines Beitschemas für Attordarbeit. Aber erst nach dreijährigem Ringen zwischen den Bertragsparteien tam es 1924 zum Abschluß des Reichstarifpertrages. Der Bertrag mar noch nicht unterzeichnet, ba fete bereits der Sturm ber Unternehmer gegen ihn ein. Ihr Kampfziel war, bie Grundlage der Zeitberechnung für Attordarbeit zu beseitigen. Jezt ist ihnen in der Krise ein Helfer erstanden. In ber legten Beit murben vielfach Zähne gezahlt, bie noch unter ben Borfriegselenbslöhnen lagen. Und nicht genug bamit: bie Unternehmer glaubten jest ben Zeitpunkt für gekommen, mit bem Ablauf des von ihnen zum 30. April gefündigten Reichstarifpertrages das unter bem Drud ber Not geschaffene Lohnelend toriflich zu stabilisieren Sie fordernt furz und bündig Be Das Reichsfinanzminifterium besteht also trog ber gemal tigen Lohnfürzungen in den Gemeindebetrieben auf weitere Bohnjentungen, bis es aber gnädig nicht über das Maß von 10 Broz jentungan, bis es aber gnädig nicht über das Maß von 10 Bro3. hinaus fordert. hinaus fordert. Der Reichsarbeitsminister hat seine 3ustim mung zu diesem Vorgehen des Finanzministeriums erflärt. Dar Sesamtverband hat die Reichstariffommissionen der Geseitigung ber bisherigen Bertragsgrundlage, Einführung von Südmeinbearbeiter und Straßenbahner für bie nächste Woche noch Berlin einberufen, um zu dieser neuen Situation Stellung zu nehmen. Ihnen für zwei statt bisher sechs Serien, wobei die zweite Serie auf den Bohn stand der Bortriegszeit gelommen wäre, ferner Berschlechterung der Löhne für Zeitlohnarbeiter und 3Schneider, Kürzung des Urlaubsanspruchs usw. Und all diese Forde= rungen murden gestellt unter der Drohung, der Arbeitgeberverhand und dadurch auch noch den Schlichtungsbehörden die Schaffung eines Zwangstarifs unmöglich machen. Derordnung vom Juni 1931. Als Ergebnis einer Besprechung noch feine Entscheidung im Buchdrudgewerbe merbe fich, wenn man ihm nicht seinen Willen tue, auflösen zwischen dem Reichsfinanzminister und dem Reichsarbeitsminister murden den Parteien die nachstehenden Richtlinien für die Durchführung dieser Maßnahme norgelegt: § 7 Abs. 4 der zweiten Gehaltstürzungsverordnung muß grundsäglich durchgeführt werden, jeboch foll als eine der Rotver ordnung entsprechende Durchführung auch eine Regelung nach Maß. gabe des folgenden gelten: Einzelne Abweichungen von der Bestimmung des§ 7 Mbj. 4 der zweiten Gehaltstürzungsverordnung über die 2n gleichung der Stundenlohnbezüge der Arbeiter der Gemeinden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts, an die ber Ar. beiter im Reichsdienft einschließlich des Dienstes bei der Deutschen Reichspoft fönnen zwischen den Tarifparteien mit Zustimmung des Reichsministers der Finanzen vereinbart werden. Der Reichsminister der Finanzen wird seine 3ustimmung erteilen: a) wenn die Abweichung Johnpolitisch unbedentlich er scheint und die finanzielle Auswirtung im ganzen nicht wesentlich vermindert oder b) wenn die Abweichung zur Vermeidung außergewöhnlicher härtefälle notwendig erscheint. In diesem Falle ist die Härte in der Regel durch Gewährung einer persönlichen Zulage für die bereits im Dienst befindlichen Arbeiter zu beseitigen, die so zu bemessen ist, daß für die im Dienst befindlichen Arbeiter der gegenwärtige Stundenlohnbezug nicht mehr als 10 Proz. gesenkt wird." | Lohnverhandlungen abgefagt. Bis gestern abend ist eine Entscheidung des Reichsarbeitsministers über die Manteltarife der Buchdruder und graphischen Hilfsarbeiter nach nicht gefällt morden. Die für heute feit. gelegten Lohnverhandlungen sind abgesagt worden. Die Bedingungen der Bahn- und Manteltarife bleiben alfo bis zu einer endgültigen Regelung in Gültigkeit. Hoffnung auf Hitler. Gastwirtsgehilfen wehren sich. Wie start die Erregung der Berliner Gastwirts angestellten über die maßlosen Abbauforderungen ihrer Unternehmer ist, zeigte der überaus starte Besuch der öffentlichen Gast pirtsangestellten- Bersammlung, die der Zentralverband der Hotel, Restaurant und Caféangestellten zu gestern abend nach den Ger maniajälen einberufen hatte. Die Versammlung war schon lange vor ihrem Beginn überfüllt, so daß eine Paralleltundgebung abgehalten werden mußte. In beiden Versammlungen wurde den Gastwirtsangestellten von den Bevollmächtigten Genossen Schneider und aber stod zuDer Bertreter des Reichsfinanzministeriums erflärte unter Zunächst der Ernst der politischen Bage und die Notwendigkeit des ge= stimmung des Bertreters des Arbeitsministeriums, daß den Parteien schloffenen Zusammenstehens der gesamten tlassenbewußten Arbeiterdie Gelegenheit gegeben werden müsse, über diese Richtlinien zu schaft gegen den Faschismus eindringlich flargemacht. Ueber die verhandeln. Es sei daher notwendig, die zur Zeit bestehenden Lohn Abbauforderungen der gastwirtschaftlichen Unternehmer, besonders tarife angemeffen zu verlängern. aber über ihr herausforderndes Verhalten bei den Verhandlungen por dem Schlichtungsausschuß herrschte in den Bersammlungen eine ungeheure Empörung. Die Drganisationsvertreter betonten, daß die Im Anschluß an diese Besprechung vereinbarten die Parteien: ,, Alle am 30. April 1932 geltenden Lohnregelungen laufen über den Nein, Die Unternehmer fühlen sich. Der Arbeitgeberverband für das Chemniter Baugewerbe hat feinen Mitgliedern bindende Anmeifung gegeben, am 30. April alle Bauarbeiter zu entlassen. Als Enflaffungsgrund foll der Ablauf des Lohnvertrages angegeben werden. Die Arbeiter follen nur noch zu Cohnjähen beschäftigt werden, die die Unternehmer für angemeffen und tragbar erachten. Wer am 2. Mai die Arbeit wieder aufnehmen wolle, müsse sich dem som Unternehmer vorgeschlagenen Lohnjah unterwerfen. Bei eventuell höherem Cohntarif werde ein Ausgleich in Form einer Nachpergütung nicht gezahlt. Auch die Baudelegierten sollen entlaffen werden. Nach Wiederaufnahme der Arbeit sollen Neuwahlen vorgenommen werden. Weil Hitler schreit, er habe gefiegt, glauben die Unternehmer. es wäre schon soweit. Man wird ihnen flar machen, daß wir einftmeilen noch nicht im Dritten Reich find. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Seute, Sonnabend, 30. April, findet folgende Beranstaltung statt: Nordoftfreis: 191 Uhr in der Aula der Schule Pasteurstr. 44-46 Berbeveranstaltung. Die Mutter treffen fich morgen, Sonntag, 10% hr, im Saal 9 bes Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25. Die Fahnenträger um 11 Uhr im Saal 11. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Unfer Gingetreis übt heute von 20 bis 22 Uhr im Jugendheim Tilsiter Straße. es bleibt bei OPEL! Da weiß man, was man hat! Die Konstruktion ist erprobt, als zuverlässig anerkannt, und die Wagen haben sich seit Jahr und Tag zu tausenden praktisch bewährt. Kurz: Opelwagen sind eine sichere Geldanlage, und bei den neuen niedrigen Preisen könnte man es garnicht verantworten, etwas anderes zu kaufen. OPEL erfahrungsgemäss überlegen! ADAM OPEL A. G., RUSSELSHEIM AM MAIN Die herabgesetzten Preise: 1,2 Ltr. 4 Zyl. ab RM 1890 1,8 Ltr. 6 Zyl. ab RM 2695 Preise ab Werk Rüsselsheim a.M. BequemeZahlungsbedingungen durch die Allgem.FinanzierungsGesellschaft.- Günstige KaskoVersicherung durch die Allgem. Automobil- Versicherungs- A. G. Machen Sie eine Probefahrt!