BERLIN Sonnabend 30. April 1932 Der Abend Erfcheint tåglich außer Sonntag s. Zugleich Abendausgabe des Vorwärts Bezugspreis für beide Ausgaben 75 f. pro Woche. 3,25 m pro Monat ( Daron 7 Vi monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus sablbar of bezug 3,97 m. rinschließlich 60 Vf. Bostzeitungsund 72 Vf. Vostbestellgebühren Spätausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Nr. 203 B 102 49. Jahrgang Anzetgenprets: Die einfvaltige Millimeterzelle 30 f Reklamezeile 2.- M Ermäßigungen nach Tarif Bonicheckkonto: Borwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr 37 536. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genebmer Anzetgen vor! Redaktion und Ervedition: Berlin SW 6s, tindenstr. 3 Fernsprecher: Donboff( A 7) 292-297 Endkampf in Frankreich Leon Blum warnt vor Spekulationen auf Sozialistenspaltung Paris, 30. April.( Eigenbericht.) Der Populaire" veröffentlicht heute einen Aufruf an die Wähler. Es heißt darin: Bürger, wollt ihr den Krieg? Nein! Wollt ihr, daß die Unsicherheit der Arbeit weiter besteht? Nein! Wollt ihr, daß sich die Anarchie der Probuftion verewigt? Nein! Wollt ihr, daß die kapitalistische Spefulation weiteres Unheil anrichtet? Nein! Wollt ihr, daß die Bevölkerung in der Unwissenheit bleibt? Nein! Wollt ihr die Politik der Ungerechtigkeit? Nein! Dann stimmt für die Sozialiften" Im Leitartikel des Populaire" warnt Léon Blum die Raditalen davor, auf eine Spaltung der sozialistischen Partei bei der Bildung einer Regierungsmehrheit nach einem etwaigen radikalen Wahlfieg zu rechnen. Blum schreibt, aus den Reden Herriots gehe hervor, daß die Radikalen kein Linkskartell mehr wünschen, sondern die Initiative zu einer Konzentration der bürgerlichen Linken ergreifen wollen. Sie solle auf der rechten Seite etwa zwei Drittel der Mehrheit Lavals und Tardieus umfassen. Auf der linken Seite erwarteten die Radikalen, abgesehen von der Beteiligung der Sozialrepublikaner auf die Unterstützung eines Teils der Sozialisten, die Herriot als vernünftig" und regierungsfähig" bezeichnet habe. Eine solche Kombination würde nicht nur auf den Wider= stand der Gesamtpartei, sondern auch auf den der Sozialisten als Einzelmesen stoßen. In dieser Beziehung dürfe man bei den Sozialisten weder auf eine Spaltung noch sogar auf eine Meinurgsverschiedenheit rechnen. Die Sozialisten, die man dem rechten Flügel der Partei zurechne, würden mit demselben Widerwillen mie alle übrigen Sozialisten den Gedanken ablehnen, Tardieu, Laval oder Flandin in einer Konzentrationsregierung zu decken. Die Operation würde also ohne die Sozialisten durchgeführt werden und sie würden sich schließlich gegen sie wenden. Die Radikalen würden nicht nur schnell auf die nationale Einigkeit Poincarés Tardieus. Das politische Pendel Sein Drehpunkt darf nicht verschoben werden! mit der Parole: Haltet den Dieb!" sogar 8,4 Millionen Stimmen an sich, und außerdem ist in der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung" Wer seither immer noch nicht eingesehen hat, daß Kriegs.| Demagogie 3,7 Millionen, die Volkspartei und die Deutschnationalen niederlagen stets tiefgehende Erschütterungen in dem betroffenen Volke nach sich ziehen, kann sich durch die Wahlergebnisse vom 24. April unterrichten lassen. Das Pendel der Volksſtimmung schlägt in Deutschland noch so heftig hin und her, als wenn nicht 13%, sondern erst ein oder zwei Jahre seit Beendigung des Krieges verflossen wären. Bei dem ungeheuren, in der Mensch 1. Mai, 13 Uhr, Lustgarten! die Hyäne des Schlachtfelds aufgetaucht, die fast 2 Millionen Stimmen zusammenrafft. Ein halbes Jahr später, im Dezember 1924, ist fast eine Million kommunistischer und eine Million nationalsozialistischer Mitläufer des tollen Theaters bereits satt, das ihre Erwählten im Reichstag gespielt haben. Die Sozialdemokratie gewinnt 1,9 Millionen Stimmen und ist wieder die stärkste Partei des Reichstags. Wieder 3% Jahr später, im Mai 1928, gehen weitere 1,3 Millionen Wähler zur Sozialdemokratie über, die nun mit ihrem Bestand von 9,15 Millionen Wählern wieder 30 Proz. erreicht. Die Nationalsozialisten sind auf 0,8 Millionen zusammengeschmolzen! 3 Jetzt beginnen sich die weltwirtschaftlichen Erschütterungen, heitsgeschichte beispiellosen politischen Weltbeben, das der große Krieg die der Krieg eingeleitet hat, in vollem Maße zur Weltkrise ause verursacht hat, ist das kaum verwunderlich. Wie war die Entwicklung seit Ende 1918? zurückkommen, sondern auch auf die antisozialistische Einheitsfront Bei der ersten Volksabstimmung nach dem Bankerott der MititärFolgen des Schanghaier Attentats. Ungeheure Empörung in Japan. London, 30. April.( Eigenbericht.) In Japan hat die Nachricht von dem Anschlag auf die japamischen Generäle im Schanghaier Hontju- Part, der die Kaiser Geburtstagsfeier jäh abbrach, ungeheure Empörung hervorgerufen. Die Unterzeichnung des Waffenstillstandsabtommens mit China, die vor der Tür stand, wird aller Wahrscheinlich teit nach zunächst einmal verschoben. Der Urheber des Bombenattentats ist als Führer eines revolutionären Aktionsfomitees von Koreanern festgestellt worden, die schon seit Jahren in der französischen Konzession ihren Wohnsitz haben. Der Attentäter gilt als ein Mitglied der sogenannten ,, proviforischen foreanischen Regierung". Bei ihm wurde eine zweite Bombe vorgefunden. Die chinesische Regierung hat in Tofio offiziell ihr Beileid aussprechen lassen. Dem japanischen Gesandten Shigemitsu, der am gefähr lichsten verlegt wurde, mußte sofort an Ort und Stelle ein Bein amputiert werden. Der Flottenoberbefehlshaber Admiral No. mura hat das rechte Auge eingebüßt. Dem General Schiratara wurde der ganze Untertiefer weggerissen. Der Vorsitzende des japanischen Vereins in Schanghai, der Kaufman Kawabata, ist feinen Verlegungen erlegen. Ueber den Sonfju Distrikt wurde der Belagerungs. zu stand verhängt. Der japanische Generalkonsul Murai, der Chef der Konsularpolizei und Gendarmerie ist, wird seinen Posten verlaffen müssen. Bölkerbund sversammlung und Waffenstillstand. Genf, 30. April. Die Bölkerbundsversammlung hat unter Stimmenthaltung Japans heute einstimmig die Entschließung des 19. Ausschusses über die Schanghaier Waffenstillstandsverhandlungen angenommen und sich sodann bis zu einer neuen Einberufung vertagt. Bor Eintritt in die Tagesordnung gab der Präsident Hymans feiner Sympathie für die bei dem schweren Bombenattentat verlegten japanischen Offiziere und Beamten Ausdrud, worauf der japanische Delegierte Nagaota mit Worten des Dantes ant wortete. Brüning beim Reichspräsidenten. Der Reichspräsident empfing am Sonnabendvormittag den aus Genf zurückgekehrten Reichsfanzler Brüning, der ihm über die Entwicklung der Genfer Ber handlungen Bericht erstattete. 3 monarchie ein riesiger Auftrieb der Sozialdemo tratie, von der man den Wiederaufbau des in sich zusammengebrochenen Gerüsts des Deutschen Reichs erwartet. Nicht weniger als 11,5 millionen Wähler, mehr als 37 Proz. aller Abstimmen den, stellen sich bei der Wahl zur Nationalversammlung hinter die Sozialdemokratie. Die wirtschaftlichen Folgen der verhängnisvollen Kriegspolitik vermag die Sozialdemokratie aber nicht wegzuzaubern. Knapp 1½ Jahre später, bei der Wahl des ersten Reichstags nach der neuen Verfassung, muß sich die Sozialdemokratie mit 6,1 mi 1lionen Stimmen, noch nicht 22 Broz., begnügen. = 20 Proz. Bei der Reichstagswahl im Mai 1924 wird die vereinigte Sozialdemokratie auf 6 Millionen Stimmen herabgedrückt. Die Kommunisten reißen jetzt mit einer wüsten Der praktische Unternehmer " In diesem Zeil des Werkes fönnten wir ja mal versuchsweise die Dreißigstundenwoche einführen." zuwirken. Und nun blüht der Weizen der Nationalsozialisten. Die nationalsozialistische Flut ist hoch angewachsen, aber selbstt bei der allergrößten Kraftanstrengung beim zweiten Präsidentenwahlgang sind die Hakenkreuzler, trotz der Hilfe, die ihnen von den Deutschnationalen und den Kommunisten gewährt wurde, nur auf 36,8 Proz. der Stimmen gekommen. Partei, wären ihre Legalitätsversicherungen ehrlich gemeint, gälte Wäre die Nationalsozialistische Partei eine verfassungstreue nicht bei ihnen das Wort ihres Straßer, daß sie ihr Ehrenwort hundert mal brechen, wenn es den Parteizwecken dient, so fönnte man in Seelenruhe den Dingen, die nun fommen sollen, ent gegensehen. Bei Philippi sieht man sich dann wieder. Die Nationalsozialisten sind jedoch keine Partei, die mit vers fassungsmäßigen Mitteln regieren kann oder auch nur will Das wird sich jetzt wieder deutlich ergeben, in Preußen, partei wird, wenn es den Versuch macht, die Nazis zur Mitarbeit Bayern und Württemberg. Das Zentrum als Verfassungsheranzuziehen, das nur unter sicheren Garantien tun, die ihm die Nazis nicht geben tönnen. Jede Unvorsichtigkeit des Zentrums wäre gleichbedeutend mit Selbstmord. Das Zentrum weiß so gut wie wir, daß der Bewegung des Pendels Grenzen gesetzt sind. Worauf alle verfassungstreuen Parteien sorgsam zu achten haben, das ist der Dreh purtt, der nicht verschoben werden darf! Wilhelm Keil. Arbeitsprogramm des Reichskabinetts. Auflegung einer Prämienanleihe für Arbeitsbeschaffung. Nach der Rückkehr des Reichskanzlers werden Anfang nächster Woche die durch die Genfer Reise Brünings unterbrochenen Beratun gen des Reichskabinetts über eine Reihe wichtiger finanz- und wirtschaftspolitischer Fragen fortgesetzt. Die ersten drei Tage der Woche werden Haushaltsfragen gewidmet sein. Im Mittelpunkt der Kabinettsberatungen wird ein umfangreiches Arbeitsbe= schaffungsprogramm stehen, das von den zuständigen Ressorts in der Zwischenzeit kabinettsreif gemacht worden ist. Um die für die Durchführung der Pläne erforderlichen Mittel herbeizuschaffen, ist die Auflegung einer großen Prämienanleihe geplant, die ähnlich wie die Reichsbahnanleihe mit besonderen Vorzügen ausgestattet werden soll. Der Vorzug foll nach den bisherigen Absichten im wesentlichen in einer möglichst weitgehenden Steuerbefreiung liegen Einzelheiten über den Gewinnplan liegen noch nicht fest, doch soll mit der Rückzahlung bereits nach ververhältnismäßig furzer Zeit begonnen werden. Unter Hinweis auf den Erfolg der Reichsbahnanleihe ist man in unterrichteten Kreisen auch hinsichtlich des Ergebnisses dieser Anleihe guter Hoffnung. Im Zusammenhang mit dieser Frage wird sich das Reichs fabinett dann weiter mit dem Problem des freiwilligen Arbeitsdienstes" beschäftigen. Llmbildung in Klaggestan. Küchenihal will Abschied nehmen. Vraunschweig, 30. April.(Eigenbericht.) In Braunschweig scheint sich eine UmbildungdesStaats- Ministeriums zu vollziehen. Der bisherige deutschnationale ffinanzminister Dr. Küchenthal wird voraussichtlich am 1. Juli das Amt des Staatsbankpräsidenten übernehmen. Sein Nachfolger soll der deutfchnationale Landtagsabgeordnete Dr. R o l o f f werden. Die Volkspartei, die bei der Umbildung wieder einmal übergangen wurde, ist über diese Rücksichtslosigkeit außer- ordentlich unzufrieden. Dabei könnte die Bolkspartei, die heute nach über vier Landtagsmandate verfügt, selbstverständlich ihren An- spruch durchsetzen, wenn sie den ernschasten Willen dazu hätte. Zechenverband kündigt Lohntaris. Auch Manteltarif muß erneuert werden. Essen, 30. April. Der Zechcnverband hat heute die Lohnordnung für den Ruhrbergbau zum 31. Mai gekündigt. Durch die Kündigung des Lohnabkommens zum 31. Mai ergibt sich, dafi Lohnordnung und Manteltarif zu dem gleichen Zeit- Punkt neu abgeschlossen werden müssen. Von Ltnbekannten niedergeschossen! Schnellfeuer auf einen Angetrunkenen. An der Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg spielle sich in den gestrigen Abendstunden eine folgenschwere Schießerei ab, bei der ein 28 Jahre alter Möbeltransporteur Waller Ackermann aus der Feurigstraße 22 durch fünf Schüsse schwer verletzt wurde. A. hatte gestern abend in einigen Schöneberger Lokalen gezecht und im Anschluß daran setzte er sich in den Anlagen an der Kirche auf eine Bank nieder. Wenige Minuten später kamen, wie von Zeugen beobachtet wurde, mehrere junge Burschen vorüber. Einer von den jungen Männern feuerte plötzlich aus einer Pistole sechs Schüsse ab. Ackermann wurde von fünf Kugeln in Oberschenkel, Kniegelenk und Ferse getrossen. Bewußtlos wurde er ins Auguste- Biktoria-Krankenhaus gebracht. Die Täter liefen in Richtung der Akazienstraße davon und entkamen in der Dunkelheit. Zweifellos ist der Angeschossene, der kurz zuvor mit einigen jungen Burschen eine Rempelei gehabt hatte, das Opfer eines Racheaktes geworden. Zunächst wurde vermutet, daß es sich vielleicht um eine Bluttat mit politischen Hintergründen handeln könne. Die bisherigen kriminal- polizeilichen Ermittlungen haben für diese Annahme jedoch noch nicht die geringsten Anhaltspunkt erbracht. Schweres Moiorradunglück. Ein Toter— mehrere Verletzte. Im Norden Berlins, an der Kreuzung der Brunnen- und Invaliden st raße kam es in der vergangenen Nacht gegen 2.30 Uhr zu einem dreifachen Zusammenstoß, bei dem eine Person getötet und mehrere erheblich verletzt wurden. Zwei Motorräder mit Beiwagen, die dicht hintereinander durch die Brunnenstraße fuhren, prallten an der Ecke mit einer Auto- droschke zusammen. Beide Krafträder wurden schwer beschädigt. Der Mitfahrer des einen Fahrzeuges, der Angestellte Paul K r e t s ch in e r aus der Baerwaldstr. S2, erlitt so schwere Ver- letzungen, daß er auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Außerdem wurden verletzt ein Willi Krüger aus der Baer- waldstraße, ein Fräulein Gertrud Wagner aus der Brunnen- straße und ein 5laufmann Paul Linke aus der Baerwaldstraße. Die Verunglückten fanden im Lazarus-Krankenhaus Auf- nähme. Die Insassin der Autodroschke kam mit leichten Schnitt- wunden und Kopfverletzungen davon. Geschnappte Wohnungseinbrecher. Bettler mit Pistole und Stemmeisen. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr wurden in der C r a n a ch- straße in Schöneberg nach längerer Verfolgung zwei „Bettler" durch Passanten festgenommen und der Polizei übergeben, die versucht hatten, im Hause Cranachstr. 21 in eine im zweiten Stockwerk gelegene Wohnung zu dringen. Sie wurden aber über- rascht, flüchteten und wurden schließlich ergriffen. Bei der Ver- folgung hatte der eine von ihnen, ein gewisser Alfred Schulz, Passanten mit der Pistole bedroht. Man fand bei ihnen Pistolen und Stemmeisen. Es stellte sich heraus, daß man es mit bereits bekannten Wohnungseinbrechern zu tun hat. Sie wurden der Inspektion II. 1 zugeführt, da der Verdacht besteht, daß sie noch mehrere Einbrüche auf dem Kerbholz haben. Was ich dir sage, mußt du tun! Urkundenfälschung auf Befehl Seltsame Dinge auf dem Potsdamer Wohlfahrtsamt kamen in einer Gerichtsoerhandlung vor dem Potsdamer Schöffengericht zur Sprache. Angeklagt war die 42jährige Witwe Frau H., der schwere Urkundenfälschung zur Last gelegt wird. Die Angeklagte war vor einigen Jahren in Beziehungen zu dem vor einigen Wochen plötzlich verstorbenen Stadtamtmann Glombitza vom Potsdamer Wohlfahrts- amt getreten. Glombitza brachte der Angeklagten Damenstiesel, Strümpfe, Knabenanzüge und andere Dinge mehr in die Wohnung, olles Sachen, die eigentlich Wohfahrtsempfängerinnen hätten er- halten müssen. Es lag auch aus dem Amtszimmer des Amtmanns ein viel gepackter Karton mit Sachen, die sich Frau H. aus dem Amtszimmer abholte, lieber diese Sachen mußte sie auf Geheiß des Stadtamtmanns mit falschem Namen quittieren. Weigerte sie sich, dies zu tun, kommandierte der Amtmann: Los, los, was ich dir sage, mußt du tun! Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte sie zu zwei Wochen Gefängnis mit Bewährungsfrist. Landgerichisdirekior unier Anklage. Die Wechselgeschäste des Herrn von Wedel-Parlow. Vor dem Schöffengericht Charlottenburg wird sich am 4. Mai der Landgerichtsdirektor a. D. Willibald v. Wedel-Parlow wegen Untreue in zwei Fällen zu oerantworten haben. Diese An- klage bildet nur einen Teil der dem Angeklagten zur Last gelegten strafbaren Handlungen und v. Wedel-Parlow hat bekanntlich recht bedenkliche Wechselgeschäfte gemacht, die die Oefsentlichkeit vor einiger Zeit sehr lebhaft beschäftigten. Das aus diesen Neue Oevisenschieberaffäre. Für 2% Millionen Mark Wertpapiere verschoben. Bei der Zollsahndungs stelle Berlin-Brandenburg wird zur Zeit eine neue Devisenschieberasfäre bearbeitet, die die bisherigen Schiebungen, die in der letzten Zeit aufgedeckt worden waren, an Umfang ganz erheblich zu übertreffen scheint. Nach den bisherigen Ermittlungen sind deutsche Wert- papiere, und zwar immer die international bevorzugten Werte wie Farbenaktien, Reichsbahnanteile, Lloyd- Aktien usw. in einem Gesamtwerte von etwa 2>-Mil- lionen Mark von einem Schieberkonsortium aus dem Auslande nach Deutschland gebracht und hier mit Hilfe falscher Pässe bei den verschiedensten Banken verkauft worden. Der Erlös wanderte dann wieder über die Grenze, statt auf Sperrkonto angelegt zu werden, so daß dem Reich ein großer Schaden erwachsen ist. Auf die Spur dieser schweren Verstöße gegen die De- visenordnung kam man dadurch, daß ein Teil dieser Verkaufsauf- träge im Namen eines Schriftstellers erteilt worden war, der in der Näh« von Lüneburg seinen Wohnsitz hat. Die häufige Wiederkehr seines Namens bei diesen Effektenverkäufen, die sich jedesmal um 100 000 M. herum bewegten, siel den Finanzbehörden auf, und die Nachforschungen ergaben nun, daß der Schriftsteller mll dieser Affäre nicht das geringste zu tun hatte, sondern daß diese Manipulationen zu Unrecht mit seinem Namen ausgeführt worden waren. Vor längerer Zell war diesem Schriftsteller bei einem Ausent- halt in Berlin sein Paß gestohlen worden, und mll Hilfe dieser Legitimationspapiere, die von den Schiebern entsprechend verfälscht und mit dem Bild des als Verkäufer auftretenden an- geblichen Besitzers der Effekten versehen worden waren, sind nun die Effektenschiebungen vorgenommen worden. Wie bereits fest- gestellt wurde, sind auf ähnliche Weise auch die Namen anderer angesehener Personen mißbraucht worden. Ueber die seit längerer Zeit schwebende Untersuchung ist von den zuständigen Stellen noch Schweigen bewahrt, zumal man de? Hauptbeteiligten noch nicht habhaft werden konnte. Zum Teil sind auch bei diesen Schiebungen Mittelsmänner tätig gewesen, die schon von anderen Affären her bekannt sind und von denen mehrere auch im Zusammenhang mit schon bekannten Affären sich in Haft befinden. Heraus zw Maidemonsfraflon Sonntage um 13 Uhr, im Lustgarten! Aufmarschplan: Baugewerksbund, Deutscher Mctallarbeiterverband, Ver- band der Kupferschmiede, 3., Ii», und 20..Kreis der SPD.: Gartenstr., Spitze Bernauer Str., sowie Gartenplatz. Verband der Nahrungsmittel- und Gctränkearbeiter, Verband der Hotel-, Neftaurant- und Eafe-Angestetlten, Deutscher Tabakarbeiter-Berband, Deutscher Musiker- Verband, Deutscher Landarbeiter-Verband und Deut- scher Melkervcrband, l.» 4. und 18. Kreis der SPD.: Lothringer Straße, Spitze Rosenthaler Platz. Baugewerksbund, 2. und�7. Kreis der SPD.: Kleiner Tier- garten. Spitze Wiisnacker Straße. Baugewerksbund: Landsberger Platz. Deutscher Lederarbeiter-Verband: Bülowplatz. Baugewerksbund: Engeluser, Gewerkschaftshaus. Bekleidungsarbeiter, Hutarbeiter: Sebastianstr., Spitze Alte Jakobstraße. Gesamtverband: Michaelkirchplatz. Einheitsverband der Eisenbahner, 3. und 17. Kreis der SPD.: Küstriner Platz. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands: Andreasplatz. Deutscher Holzarbeiter-Bcrband, 13. und 10. Kreis der SPD. und sämtliche freigcwcrkschaftlich organisierte Taubstumme: Am Köllnischen Park. Verband der Maler: Melchiorstr., Spitze Adalbertstr. Verband der Sattler und Tapezierer, Zentralverband der Schuhmacher, Deutscher Textilarbciter-Verband: Engel- ufer, Spitze Köpenicker Str. Astgemeiner Deutscher Beamtenbund: Marimmenplatz. Spitz« Bcthonienufer. Baugewerksbund: Bahnstr.(Bahnhof Großgörschenstr.) Baugewerksbund und 14. Kreis der SPD.: Reuterplatz (Neukölln). Zentralverband der Maschinisten und Heizer: Lausitzer Platz. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands, Zentral- verband der Schornsteinfegergesellen: Mariannenplatz. Zentralverband der Stcinarbeiter: Bethanienufer, gegenüber Gewerkschaftshaus. Allgemeiner freier Angestellteubund: Naunynstr., Spitze Oranienplatz. Graphische Industrie(Buchdrucker, Buchbinder), Ver- band der Lithographen und Steindrucker, Verband der graphischen Hilfsarbeiter, 0. und 13. Kreis der SPD.: Alte Jakobstr., Spitze Neuenburger Str. 0., 10., 11. und 12. Kreis der SPD.: Gendarmenmarkt. Gehörlose Gcwerkschaftskollegen treffen sich um 11 Uhr am Köllnischen Park und schüeßen sich an den Zug der Holzarbester au. Auf dem Lustgarten nehmen die gehörlosen Kollegen vor der Rednertribüne Aufstellung Spandau: Die Spandauer Partei- und Gewerkschastsgenossen treten mittags um 1 Uhr in der Bethkestraße an. Abmarsch 1 Uhr zum Stadion in Hakenselde. Der Zug trifft dort gegen 2 Uhr nachmittags ein. Die Arbeitersänger treffen sich am 1. Mai, vormittags gL0 Uhr, im Saalbau Friedrichshain. Diejenigen Sänger, die sich im Saal- bau Friedrichshain nicht rechtzeitig einfinden können, treffen sich um 11 Uhr im Lustgarten vor der Rednertribüne. ver Abmarsch von den Sammelplätzen erfolgt um 11,30 Uhr/ Fahnen und Banner werden mitgeführt, Transparente sind verboten!/ Der Rüdemarsch vom Lustgarten ertolgt nach vier Autlösungsplätzen nach den Anweisungen der Zugleiter und Ordner Allgemeiner freier Angcstelltenbund Ortskartell Berl'n Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Ortsausschuß Berlin Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Sozialdemokratische Partei Deutschlands Bezirksausschuß Berlin Bezirksverband Berlin Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Berlin. Geschäften entstandene Betrugsverfahren gegen ihn ist noch nicht zum Abschluß gelangt. Der Angeklagte, der im Alter von 57 Jahren steht, war bis zu seiner Pensionierung vor einigen Jahren lange Zeit in Moabit Vorsitzender einer Strafkammer beim Landgericht I und leitete dann eine Zivilkammer desselben Gerichts. Der Anklage wegen Untreue liegt folgender Tatbestand zugrunde: Landgerichtsdirettor v. Wedel-Parlow hatte sich Anfang 1931 erboten, dem inzwischen verstorbenen Architekten D e m m l e r ein auf zwei Jahre befristetes. Darlehen von 16 000 Mark zu geben, und er sollte als Sicherheit eine Hypothek auf ein Grundstück in Steglitz erhalten. Demmler gab ihm gemeinsam mit dem Grundeigentümer des Grundstücks zwei Grundschuldbriefe über 33 500 Mark und 18 750 Mark. Nach außen hin wurden diese Grundschuldbriefe von Wedel-Parlow zediert. Nach einem Notariatsvertrag aber sollte v. P. nur Treu- händer sein und die Grundschuldbriefe bis zum Ablauf des Dar- lehensvertrages nicht aus der Hand geben. Der Angeklagte konnte aber aus eigenen Mitteln das Darlehen nicht geben, und er be- schaffte sich Anfang Mai auf den Grundschuldbrief von 33 500 Mark von einem Direktor Kommerey 23 000 Mark, von dieser Summe gingen noch 2000 Mark für einen Vermittler ab. v. Wedel-Parlow zahlte dennoch das Darlehen von 16 000 Mark aus und behielt für sich 5000 Mark. Einige Zeit darauf verpfändete er auch den zweiten Grundschuldbrief an eine Aktiengesellschaft in Vaduz und erhielt 12 000 Mark. Die jetzigen Besitzer der Grundschuldbriefe ließen dann im Sep- tember das Grundstück in Steglitz mit der vollen Höhe des Be- träges der Briefe belasten. Inzwischen ist das Grundstück zur Zwangsversteigerung gelangt. Der Angeklagte gibt zu, daß er die Beträge von 5000 und 12 000 Mark für sich verbraucht habe. Als Entschuldigung führte er an, daß er damals in eine schwierige wirtschaftliche Lage geraten sei und daß ihm mst einem Konkursantrag gedroht worden sei. Deshalb habe er in Furcht und ohne Ueberlegung gehandett. Memoiren von Zvar Kreuzers Freundin. Die Stockholmer Freundin Jvar Kreugers, Jngeborg Ebcrth, die durch das ihr in seinem Testament ausgesetzte Vermächtnis von 500000 Mark plözlich ins Licht der Oefsentlichkeit gerückt ist, hat einem Ausfrager erklärt, daß sie ein Buch über Kreuger schreibe, den sie in ihrer 20jähriaen Bekanntschaft besser kennengelernt hat als irgend ein anderer Mensch. Er habe selten Briese geschrieben, und die meisten seien an sie gerichtet gewesen. Diese Schriftstücke will sie nun in ihren Memoiren ver- össentlichen, die in Amerika erscheinen sollen. Vechisanwalt und presse. Von einer Pressekonferenz des Deutschen AnwalisvereinS. Der Deutsche Anwaltsverein, dessen Sitz vor wenigen Tagen von Leipzig nach Berlin verlegt worden ist, hatt« die in- und ausländische Presse zu einer Pressebesprechung in das Hau» der Berliner Anwaltskammer geladen. Der neue Vorsitzende des Deutschen Anwaltsvereins, Rechts- anwalt Dix, leitete d!« Konferenz mit einer Ansprache über An- waltschast und Presse ein. Er stellte fest, daß die soziologische Posi- tion und die ideologischen Berussanlagen von Presse und Anwalt- schaff große Aehnlichkeiten aufweisen. Beide beruhen auf Selbst- Verantwortung und Freiheit, beide vertreten Interessen ideeller und materieller Art unter dem Gesichtswinkel höherer Ver- antwortung vor der Volksgemeinschaft. Beide bedürfen, um ihren Aufgaben gerecht zu werden, einer großen individuellen Freiheit. Die Anwaltschaft verlangt von ihren Mitgliedern«ine große Selbstdisziplin, eine Ueberwindung des rein Advokatischen und Juristischen, und eine Hervorkehrung dessen, was für dem Anwalt das Wichtigste ist, nämlich des r e i n M e n j ch l i ch e n. Di« Ver- legung des Sitzes des Deutschen Anwaltsvereins von Leipzig nach Berlin sei mit durch die Notwendigkeit bedingt worden, die An- waltschast staatspolitisch in höherem Maße zur Geltung zu bringen: sie sei nicht geschehen, um für die Anwaltschaft etwas herauszu- holen. Die Anwaltschaft betrachtet sich als ein Tell des Volks- ganzen und hat unter der allgemeinen Not des deutschen Volkes nicht anders als dieses zu leiden. Wenn als Folgen dieser seelischen und wirtschaftlichen Not sich gewisse korrupt! ve Erschei- n u n g e n zeigen, so sei es bedauerlich, daß die Presse diese Einzel- erscheinungen verallgemeinere. Die Presse sollte vielmehr dem Anwattsstande in ihrem Bestreben behilflich sein durchzusetzen, daß der Anwalt, gegen den ein Strafverfahren schwebt, von seinem Amt suspendiert werden könne. Die Erhaltung der Wirtschaft- lichen und ideellen Basis der Rechtsanwaltschaft liege auch im In- teresse der Presse. Rechtsanwalt Dr. Dix teiOe ferner mit, daß die Anwaltskammern in den verschiedenen Städten Deutschlands dazu übergegangen seien, der Bevölkerung kollektiv Rechtshilfe zu gewähren und gab schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß die jetzt voll-ogene Verlegung der Vertiefung und Vervollkommnung des gemeinsamen Zusammenarbeitens von Presse und Anwaltschaft dienen möge. An die Ansprache des Vorsitzenden knüpft« sich ein allgemeiner Meinungsaustausch. „Nie Räuber", inszeniert von Zehner Gchiller-Theaier Die Theatervorstellung der„Räuber" ist Jeßners Verdienst, weil sie nicht ausgetiftelt ist. Notstand lehrt die Warnung vor dem Experiment. Die Frage, ob Karl Moors Räuber im modernen Bolschewistenrock durch die Wälder toben sollen, oder ob Spiegel- berg eine Trotzki-Maske machen soll, hat heute ganz und gar an Interesse verloren. Aktuell ist allein die Dichtung und was ihr Stil verlangt. Ganz uninteressant ist auch eine ausgeklügelte Bühnen- architektur, die einmal Mode war und innerhalb derer die Räuber Schützengräben wie Weltkriegssoldaten aushoben, innerhalb derer die Grasenburg der Moors als ein Gespensterschloß aus der Höhe geisterte. Kurz, die Kühnheit kitzelt den Regisseur nicht mehr, von der Ebene des Zweckmäßigen abzuspringen. Die Bühnenarchitektur Kaspar N e h e r s zeigt einen unkomplizierten, richtigen Räuberwald, wie er in der Dichterphantasie, einer filmisch noch nicht verdorbenen, lebte. Die Burggemächer und auch die dekorative Schloßhalle werden von wahrheitsgetreuen Räumen gebildet. Innerhalb dieser bildlichen Wahrscheinlichkeit entwickelt sich das Stück, ohne daß Ausstattungskunststücke gewagt werden. I e ß n e r wählt für den Franz Moor den Schauspieler Bern- h a r d M i n e t t i, den er erzog und der diesmal nur dem Ießner- schen Gebot folgen durfte. Er hatte unter dieser Führung jetzt seinen großen Erfolg. Minetti ist von Natur ein für herbe Rollen geeigneter Darsteller, ein Charakteristiker der hämischen Bleichsucht und der blutleeren Menschenseindschast. Man meint, es sei seine Natur, Antipathie und Gehässigkeit auf sich zu vereinigen. Schlank, gebrech- lich, durch blecherne Stimme auffallend, besitzt er alle Eigenschaften für den teuflischen Intriganten. Sein Schleichen, sein Schleppen, sein Kauern, schließlich sein Zusammenbruch im Schurkenselbstmord, das alles wird von seiner Natur aus sofort glaubhaft. Walter F r a n ck als Karl Moor könnte auch der Franz sein. Das ist nur verschuldet von seinem Temperament, das bedeutet aber nicht einen Mangel seiner Tüchtigkeit. Man bedenke: dieser Karl ist als Dichtergestalt das Schiller-Ebenbild. Er soll der ganz jugend- liche Stürmer und Sünder sein, nur ein Student, der voller Welt- beglückungsabsichi schwärmt und mehr zum Schabernack tut, was ihm als Verbrechen ausgelegt wird. Dieser Karl dürfte erst sehr düster werden, nachdem er eben sehr hell und sehr heiter gewesen ist. Franck aber tönt alles sofort sehr dunkel, er ist zu bewußt ein Rebell. Sein Aeußeres, seine gedrungene Figur, seine tief eingegrabenen Augen, seine mephistophelische Klugheit, das sind für den Karl alles hemmende Schauspielertalente. Er zwingt sich in diese Rolle. Daß Franck es so imposant vermag, zeugt für seine schauspielerische Intelligenz. Der alte Graf Moor, meist als wimmernder Alter gespielt, meist ein König Lear ohne Glanz, der sonst eher lächerlich als tragisch wirkt, wird durch Hansjoachim Büttner zu einer würdigen und bemitleidenswerten Persönlichkeit. Er hebt eine Schauerromans- gestalt aus der Welt des Zufälligen in die Welt des noblen Leidens hinauf. Realistik, die zu zügeln ist, damit die Ueberschwänglichkcit nicht ins Groteske entartet, das ist der Stil. Büttner findet ihn. Es bleiben die Räuber Spiegelberg und Roller für die Haupt- episodisten übrig. Harlan wird von Ießner losgelassen. Er darf sehr deutlich den Spiegelberg, genannt Moritz, andeuten, den wild- gewordenen Rebellen mit der fremdrassigen Großmäuliqkeit, den wütenden Schnapphahn, der sich an der Gesellschaft rächt, weil sie ihn und seinesgleichen verfemt. G r a n a ch, der Landskncchträuber, der Galgenvogel mit dem goldenen Herzen, die Geradheit unter den sozial Verkommenen, spielt ein Banditentum von rührender Schlicht- heit. Schließlich gefallen auch Fräulein Maurus und die Herren Witte, Florath und von Ledebur in ihren dankbaren Nebenrollen. Hochdorf. Llnfall Leopold Zehners. Nach der Erstaufführung der von Prof. Leopold Ießner neu- inszenierten„Räuber" am Freitagabend im Schiller- Theater wurde Ießner vom Publikum immer wieder an die Rampe gerufen. Da die Beifallskundgebungen noch anhielten, als der eiserne Vorhang sich bereits senkte, trat Ießner noch einmal durch die Tür des eisernen Vorhangs an die Rampe. Beim Zurücktreten geriet Ießner mit dem rechten Fuß unter den Vorhang, der den Fuß infolge seines großen Gewichts festklemmte. Leopold Ießner erlitt eine erhebliche Quetschung des Fußes. Mai— schönes Wetter! Etwas kühler, aber sonnig und trocken. Für den morgigen 1. Mai lautet die Prognose des Amtlichen Wetterdienstes denkbar g ü n st i g: Bei Temperaturen, die etwa 3 bis 4 Grad unter denen des Vortages(Sonnabend) liegen werden, ist mit heiterem und trockenem Wetter bei frischen Ost- bis Nordost- winden zu rechnen. Morgen wird also der erste wirklich schöne Frühlingssonntag sein, und alles wird deshalb morgen in den Lust- garten ziehen um den Feiertag der Arbeit festlich zu begehen. Durch ein stationäres Tief, das über dem südlichen Teil Islands lagert, sowie einem anderen Tief westlich der Ukraine und einem starken Hochdruckgebiet, das über den Ostseeländern lagert, ist eine Ost- bis Nordostwindlage bedingt. Da zur Zeit im Baltikum ein Kaltlusteinbruch aus Nordsibirieu erfolgt ist— Riga verzeichnete heute vormittag mir 2 Grad Wärme— wird bei der herrschenden Luftbewegung auch unser Gebiet in den Bereich des kühleren Luft- körpers gelangen. Da die Temperaturen im ganzen Reich jedoch ziemlich hoch sind, Berlin hatte heute mittag bereits 22 Grad Wärme, wird diese Abkühlung kaum sehr merklich in Erscheinung treten. Gestern lagen die Temperaturen im Reich zwischen 29 und 2o Grad Wärme, Dresden beispielsweise meldete schon heute früh um 8 Uhr annähernd 18 Grad Wärme. politische Korruption. Die Quellen der Verleumdung. Don Zeit zu Zeit tauchen in der Presse, vor allem in der Pro- vinz, systematische Verleumdungsartikel gegen die Sozialdemokratie auf. deren Herkunft nur schwer zu erkennen ist. Selten gelingt es, die Hintermänner dieser Aktionen zu entlarven. Neuerdings liegt uns nun das Manuskript eines solchen Angriffs vor, das die viel- versprechende Ueberschrift trägt:„Korruptionserscheinun- gen inderSozialdemokratie." Als Unterschrift trägt das Papier den Vermerk:„Ohne Quellenangabe", das heißt, beim Abdruck der Sudelei in den einzelnen Blätter soll nicht an- gegeben werden, wer sie verbrochen hat. Absender ist aber, wie aus dem Briefumschlag hervorgeht, der „verein für die bergbaulichen Interessen in Essen". Dieser Verein ist eine wirtschaftliche Organisation, die auch mit Behörden zusammenarbeitet. Daß es zu ihren Ausgaben gehörte, Sudelschriften gegen eine große politische Partei unter Verschweigung der Urheberschaft zu oerbreiten, will niemandem einleuchten. Auf jeden Fall sei das hinterhältige Vorgehen dieses Vereins, der die Interessen des Bergbaus wahrnehmen sollte, seine Mittel aber zur Versendung von politischen Gratiskorrespondenzen an die Pro- vinzpresse verwendet, hiermit niedriger gehägt! Krieg der Ehemaligen. Wechsel der Mitgliedsbücher- aber die Brutalität bleibt! Im Felsen eck» Prozeß ist der kommunistische Angeklagte H o h m a n n vernommen worden. Er gab an, bis 1327 der na» t i o n a l ist i s ch« n Bewegung angehört zu haben und dann zur KPD. übergetreten zu sein. Er ist das genaue Gegenstück zu dem nationalsoziali st i- schen Angeklagten Schwartz, der bis zum Jahre 1931 Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen ist. Dasselbe war noch bei anderen Nationalsozialisten der Fall. Es ergibt sich also das schöne Bild: ehemalige Nationalsozialisten, die jetzt Kommunisten sind, schlagen sich mit ehemaligen Kommunisten, die jetzt National- sozialisten sind. Früher haben sie sich auch geschlagen, aber die Kommunisten, weil sie damals Nationalsozialisten waren, die Na- tionalsozialisten, weil sie damals Kommunisten waren. Jederzeit waren sie bereit, den anderen Teil wegen seiner poli- tischen Ueberzeugung, die bald die ihre werden sollte oder eben noch die ihrige gewesen war, vom Leben zum Tode zu befördern. Ver- wechselt, verwechselt das Bäumchen! 22 Kommunisten vor Gerichi. Heute das Urteil:-12 verurteilt,-10 freigesprochen. Das Schwurgericht II, das seit dem 5. April gegen22Kom- Mu nisten verhandelt, verkündete heute das Urteil. Den Ange- klagten wurde Beteiligung an einem Ueberfall zur Last gelegt, der am IS. Oktober vorigen Jahres auf ein national- sozialistisches Verkehrslokal in der Richardstraße verübt und bei dem der Gastwirt Böwe getötet und zwei weitere Personen schwer verletzt wurden. 10 Angeklagte wurden mangels Be- weises freigesprochen. Wegen schweren Landfriedensbruches und verbotener Zusammenrottung wurden der Angeklagte D e i g zu einem Jahr Gefängnis und der Angeklagte F i c d l er zu einem Jahr zwei Monaten Gefängnis verurterlt. Der Angeklagte S ch u- mann wurde wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung und wegen Landfriedensbruchs zu einem Jahr sechs Monate Gc- fängnis oerurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden wegen ein- fachen Landfricdensbruchs verurteilt, und zwar ein Angeklagter zu zehn Monaten Gefängnis und die andern zu je acht Monaten Gefängnis. Selbstmord auf dem Lehrtsr Bahnhof. Auf dem Lehrter Bahnhof spielte sich in der vergangenen Nacht «in aufregender Fall ab. Ein älterer Mann, der sich am Ende des Bahnsteiges aufgehalten hatte, warf sich plötzlich vor die Räder eines einfahrenden Zuges. Der Lebensmüde, der später als der 67jährige Maler Paul Stock aus Alt-Moabit 134 festgestellt wurde, war auf der Stelle tot. Die Leiche wurde von der Feuer- wehr geborgen. Durch den Vorfall trat eine längere Verkehrs- störung ein._ Museumeskcmdal in Augeburg. Auf Veranlassung der Staats- onwaltschaft wurde der bisherige Kustos des Städtischen Maxi- milians-Museums Dr. Ohlenroht und sein wissenschaftlicher Hilfs- arbeiter Haemmerle verhaftet. Gegen die beiden schwebte schon seit längerer Zeit ein Disziplinarverfahren. Inzwischen habe» sich die Verdachtsmomente, daß Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, derart verstärkt, daß die Staatsanwallfchaft sich veranlaßt sah, wegen Verdunkelungsgefahr die beiden Genannten in Untersuchungshaft zu nehmen. Reinhardts römisches Gastspiel. Nach der von der gesamten römischen Presse wie vom Publikum glänzend aufgenommenen Aus- führung von Eoldonis„Diener zweier Herren" und nach der eben- falls starken Eindruck hinterlassenden Wiedergabe von Schillers „Kabale und Liebe" hat sich Reinhardt Freitag mit seinen Künst- lern durch eine nochmalig« Aufführung des italienischen Lustspiels von Rom verabschiede'. Weitere Gastspiele werden in Florenz. Genua, Turin und Mailand stattfinden. „Die Braui von Torozko." Deutsches Künstiertheater. „Es sollte jeder einmal wenigstens vierzehn Tage Jude sein, um zu wissen, was das heißt," so ähnlich sagt der weise jüdische Dorfwirt in diesem deutsch-jüdisch-ungarischen Stück, das da irgendwo in der Umgegend von Klausenburg, also im heutigen Rumänien, spielt. Der jüdische Dorfwirt spricht die Lehren aus, die dieser neue Dramatiker Otto Indiz in lustspielmäßiger Form ins Volk bringen möchte. Sein Vorhaben ist ausgezeichnet, und die volkstümlichen, nicht gerade immer sehr kunstmäßigen Mittel, die er anwendet, können seiner Toleranzpredigt nur dienlich sein. Er gibt farbige Bilder mit starkem Lokalkolorit aus diesem südösllichen Winkel, den man wohl mit zu dem von Franzos literarisch entdeckten Halbasien rechnen darf. Es herrscht große Aufregung im Dorf, weil die Klari, das hübscheste und tüchtigste Mädchen, die Braut eines wackeren Burschen Barany, sich als ein adoptierter Findling jüdischer Herkunft erweist. Der Judenhaß und d'e Iudenverachtung werden plötzlich lebendig (freilich in ziemlich abgeschwächter Form. In Wirklichkeit dürfte es in dem heutigen Rumänien etwas anders hergehen). Das Mädchen muß es an sich selbst erleben, was es heißt, eine Jüdin zu sein. Ihr beleidigter Stolz duldet nicht länger den Bräutigam, obwohl sie ihn noch liebt, weil er und das ganze Dorf eine jüdische Braut als Schmach empfindet. Sie findet Zuflucht bei dem jüdischen Dorf- wirt, der die reiche Witwe ihres jüdischen außerehelichen Vaters ins Einvernehmen setzt, und lernt inzwischen auch jüdisch. Eine Episode mit zwei Deserteuren, die nach Ungarn flüchten wallen, zeigt ihr den ganzen Edelmut ihres jüdischen Protektors. Aber zu guter Letzt stellt sich heraus, daß die Braut nur infolge eines amtlichen Versehens zur Jüdin erklärt worden ist. Sie wird nicht von der Witwe adoptiert und alles gleicht sich wieder aus: sie nimmt ihren früheren Schatz in Gnaden wieder auf. Man versteht, daß dieser Stoff überall, wo sich der Antisemitis- mus regt, besonderen Beifall findet, und so war es auch in Berlin. Freilich die Aufführung war nicht sehr einheitlich, mancherlei Dialekte schwirrten durcheinander, obwohl doch hier genug Schau- spieler mit bodenwüchsigen Dialekt zu haben wären. Auch spielten die Christen zum Teil jüdischer als die Juden, aber Paul H ö r b i- g e r, der den neuen Nathan den Weisen mit alles verstehender Milde und Klugheit verkörperte, und Luise Ullrich, die die temperamentvollste und zugleich verständigste Klari war, entschieden den Erfolg. Als jüdische Witwe hatte Rosa Valettl ihren be- sonderen Applaus, obwohl auch sie berlinerte. D>. „Eine kleine Melodie". Funkspiel von Schömbach und Groß. Was eignet sich bester zum Mittelpunkt eines Funkspiels als eine kleine Melodie? Sie wendet sich an keinen anderen Sinn als an das Gehör, trägt den Keim der Volkstümlichkeit und gleichzeitig die Möglichkeit zu jedem Klangexzeh in sich. Die kleine Melodie dieses Funkspiels wurde von Wilhelm Groß gemanaget, sanft, volks- liedlich, als sentimentaler Schlager, als schmissiger Foxtrott. Es siegt Herz und Gemüt, es siegt der volksliedhafte Ton. Der Song des Ehikagocr Fleischkönigs in seiner schmissigen Bissigkeit ist das stärkste Stück des ganzen Werkes, sowohl textlich als auch musikalisch. Die sentimentale Handlung, Vorwand für die Musik, bleibt hart an der Grenze des Erträglichen. Wilhelm Groß hat mit seiner Vertonung dem Werk erst das Lebensrecht vor dem Mikrophon gegeben: mit geschmeidiger Ironie überzieht sie alle matten und farblosen Stellen. Allerdings läßt er manchmal den Text von Chor oder Ensemble, also nahezu unverständlich, weiterführen. Wer sich an der Musik freute, wurde dadurch nicht weiger gestört: wer der„Handlung" folgen wollte, wahrscheinlich desto mehr. Die Schlesische Funk stunde kann man zu der Sendung dieses Werkes beglückwünschen, Die Aufführung unter der musikali- schen Leitung von Dr. Edmund Nick und der Spielleitung von F. W. Bischoff war vortrefflich. Tes. „Tie fünf, ig schönsten Bücher des Jahres ISZI" werden vom 2. bis 13. Mai im Lesesaal der Staatlichen Äunstbibliothek, Prinz-Mbrecht-Str. 7», aezeipr. Die ÄnLslellung ist wochentäglich von Ist bis 22 Ilhr bei freiem Eintritt geöffnet. Das Kabarett„Kohlkopf" spielt am Sonnabend zum letzten Male in dem Autoladen Budapester Straße. Ab 1. Mai absolviert es ein kurzes Castspiel im„Tingel-Tangel", Kantstr. 12. Beginn täglich Ist?» Uhr. „Der Frechdachs". Gloria-Palast. Bor Langerweile wird der Spielfilm noch mal sein Publikum sterben lassen, wenn er von der Schablonierung nicht abläßt. Dies- mal hat Willy Fritsch eine neue Partnerin, Camilla Horn. Das könnte zu interessanten Vergleichen führen, aber ob das nun Lilian Harvey oder Camilla Horn ist, es ist immer dasselbe. Es ist der gleiche ondulierte langbockige Bubikopf, der gleiche, klein gemalte Mund, die gleiche erhungerte und abtrannierte Figur, die gleiche Machart des Abendkleides, das raffiniert Nacktkultur treibt, es sind die gleichen angeklebten Augenwimpern usw., usw. Camilla Horn kann spielen, ohne Zweifel jedoch ist sie kalt wie Brigitte Helm und charmant wie Lilian Harvey und niemals Camilla selbst. Die Film- regisseure haben manches Talent auf dem Gewissen. Willy Fritsch ist wieder der liebenswerte junge Mann, der alle Backfijchherzen erbeben macht. Und er darf auch noch draufgängerisch sein: denn er wirbt um eine verheiratete Frau. Er bekommt sie zum Schluß, nachdem Akte hindurch V e r n e u i l in seiner bekannten Art die Liebesbedürfnisse der Menschen ziemlich stark aufgeplustert hat. Carl Böse und Heinz Hille führen die Regie, bei der man bemerkt, daß Böse bei Zusammenarbeit unbedingt verliert. Ralph Artur Roberts erzwingt sich eigene starke Momente, wirtlich groß ist er in Kleinigkeiten. e. b. Preissenkung im Theater Nach eingehenden Verhandlungen mit dem Deutschen Bühnen- verein und dem Verband Berliner Bühnenleiter sind Richtlinien aufgestellt, nach denen mit Beginn der nächsten Herbsffpielzeit die Garderobengebühren und Programmpreise in den Theatern gesenkt werden. Einer sofortigen Senkung standen vertragliche Bindungen mit Pächtern und Lieserfirmen entgegen. Wenn solche Bindungen in einzelnen Ausnahmefällen auch noch über den Beginn der neuen Spielzeit Hinauedauern, muß dem Publikum im Theater durch Anschlag bekanntgegeben werden, mit welchem Zeitpunkt die Senkung eintritt. Im übrigen wird mit Beginn der neuen Spielzeit nach den Richtlinien der Programm- zettel oder das Programmheft nicht mehr als 33 Pf. kosten. Wenn daneben in einzelnen Theatern besonders ausgestattete Programm- hefte zu beliebigen Preisen abgegeben werden, so muß gleichwohl unter allen Umständen der billige Zettel oder das einfache Heft zu höchstens 33 Pf. feilgehalten weiden. Die Garoerobengebühr darf ebenfalls im allgemeinen 33 Pf. nicht übersteigen. Aber in Theatern, die als künstlerisch hochstehend anerkannt sind, darf im Parkett und 1. Rang ein Garderobengebühr bis zu S3 Pf. erhoben werden. Wo bisher niedrigere Gebühren waren, ist eine Erhöhung über 33 Pf. hinaus unzulässig. Hauptmanns Schauspiel„vor Sonnenuntergang" erlebte gestern im D e u t sich e n Theater die 73. Ausführung. Hoffeiü- lich behält diese Hauptmann-Bühnc, die abgesehen von seinem letzten Drama 22 Stücke von ihm in 997 Aufführungen herausgebracht hat, ihre Tradition bei, und hoffentlich sind ihr auch unter der neuen Leitung ebensolche künstlerischen Erfolge beschieden, wie sie diese Aufführung bedeutet. Für Regie und Darstellung ist kein Wort des Lobes zu hoch, und mit Recht wurde gestern wieder das ganze Ensemble, Krauß an der Spitze, gefeiert. Das Wallner-Theater als Kino. Im Wallner-Theater wurde am Donnerstag eine Lichtbildbühne eröffnet. Rolf S a n d o r er- innerte in seinem Festprolog an den Wandel, der zur Umstellung dieser alten Theaterbühne führte. Der Emelka-Woche folgte der Tonlehrfilm„Rhythmus der Welt", worauf ein Lustspiel „Liebesabenteuer in Arabien" geboten wurde. Den Hauptpuntt des Programms blldete die reizende Tonfllmoperette„Zwei glückliche Herzen", wozu Magda Schneider persönlich er- schienen war. Im Bühnenzwischenspiel gefiel der elegante Luft- und Zahnkrasiakt der zwei C l e r a n z. Die Parodistin Martha Hübner, die den hamburgischen wie den ostpreußischen Dialekt in gleicher Weise beherrscht, weckte die Lachlust. Das Programm war überreichlich besetzt. Man hatte nach dem alten Spruch ge- handelt: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.— Ob dies die letzte Etappc dieses einst so populären Theaters mit seiner reichen Vergangenheit ist? Di« Besuchszeiten des Kupserstichkabinetts der Staatlichen Museen sind in der Zeit vom 4. Mai bis 30. September d. I. an jedem Mittwoch und Freitag bis 13 Uhr verlängert. Die Arbeitszeit bei der Reichsbahn Ueberstunden- Kurzarbeit- Entlassungen Die Verhandlungen über den großen Personalabbau der| Aber wie der Herr so's Gescherr Keiner der 18 Diskussionsredner Reichsbahn find am Freitag zu einem Abschluß gekommen. Der brachte es zu einer flaren und eindeutigen Stellungnahme. Alle Entlassungsplan- um das gleich vorweg zu nehmen- ist forderten auf, gegen einen verbindlich erklärten Schiedsspruch zu unter dem Einfluß der Gewerkschaften sehr wesentlich abgestreifen, erflärten aber zum Schluß, daß alle aufgewandte Mühe mildert worden. Man verständigte sich dahin, daß die Frage der vergeblich sei, weil die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter zu Arbeitszeit für die Betriebs- und Berkehrsarbeiter viel Disziplin im Leibe haben und erst auf Aufforderung von der Arbeitszeifregelung der Wertstättenarbeiter abgetrennt der Gewerkschaftsbürokratie streiten würden. Gegen den Streit erwird. Die Gewerkschaften erklärten sich schließlich mit dieser Maß- hob sich nur eine warnende Stimme Der Betreffende wurde darnahme einverstanden, weil sie die Abbauverhandlungen nicht zum auf als gewerffchaftlich verlum pt" abgetan. Nachteil der Arbeiter scheitern lassen wollten. Für die Werkstätten erhielt die Reichsbahnhauptverwaltung das Recht, in der Woche bis zu einer Feierschicht Arbeitszeitverfürzung eintreten zu lassen. Das bedeutet praktisch so viel wie die Einführung der 40- Stunden- Woche. Darüber hinaus hat sich die Reichsbahn die Möglichkeit vorbehalten, in einigen Werken noch Entlassungen vorzunehmen. In den Bahnbetriebsstellen und auf den größeren Güterböden dürften wie bisher im Monat bis zu drei Feierschichten gemacht werden. Den Abbau restlos abzubiegen, war nach Lage der Dinge unmöglich. Immerhin ist es gelungen, dem größten Teil der vom Abbau bedrohten Eisenbahnarbeiter ihre Arbeitsstelle zu retten. Es bleibt aber nichtsdestoweniger die Tatsache bestehen, daß die Hauptverwaltung der Reichsbahn froh Feierschichten und Entlaffungen für über 150 000 Arbeiter Dienstschichten bis zu 93 Stunden die Woche beibehält. Es bleibt weiter die Tatsache, daß der Reichsverkehrsminister gegen diesen himmelschreienden Skandal nicht einfchreitet. Und es bleibt auch die Tatsache, daß der Reichsarbeitsminister es nicht wagt oder nicht will, in seinen Entwurf über die Arbeitszeitverkürzung auch die Reichsbahn einzubeziehen, sei es auch nur in die Kategorie der Berufsgruppen, denen die Möglichkeit, die 48- Stunden- Woche zu überschreiten, nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen gewährt werden soll. Es ist beinahe überflüssig zu befonen, daß es bei der extrem rechts orientierten hohen Beamtenschaft der Reichsbahn und dem fast nur aus reaktionären Unternehmern zusammengesetzten Verwaltungsraf ganz natürlich ist, daß die Reichsbahn nicht nur das größte, fondern auch das sozial anfechtbarste Unternehmen Deutschlands ist. Und das will gewiß etwas heißen. Leifer bietet mehr.4 Nämlich eine Stäupung der RGO. Die durch die Notverordnung berechtigte Empörung der ArLeiterschaft von H. Leiser Na ch f. versuchte die Filiale der KPD., genannt RGD., für ihre arbeiterschädlichen 3wede auszunußen. Drei Arbeiterräte der Werkstatt, darunter der seinen persönlichen Vorteil wahrende Bormann, stellten sich dieser Aktion" willig zur Verfügung. Da aber der Belegschaft die Werber und Hintermänner zu gut bekannt waren, zeigte sie ihnen die kalte Schulter. Fast täglich wurde nun die Belegschaft mit den gemeinsten und lügenhaftesten Flugblättern beglückt. Es wurde unter anderem behauptet: Eine Resolution wurde gegen eine Stimme angenommen, obwohl sich von den 18 Diskussionsrednern 15 gegen die Resolution ausgesprochen hatten. Und dann ging man heim, den Schlaf des gerechten Revolutionärs weiter zu schlafen. Aussperrung in Kopenhagen. Kopenhagen, 29. April.( Eigenbericht.) Am Freitagabend find 6000 Arbeiter der dänischen Schweineschlächtereien ausgesperrt worden. Die Aussperrung erfolgte, nachdem die Arbeiter die von den Arbeitgebern geforderte Herabsetzung der Löhne um 20 Proz. ablehnten. Wetter für Berlin: Vorwiegend heiter, am Tage nicht mehr so marm wie bisher, zeitweise auffrischende östliche Winde. Für Deutschland: Im Westen und Süden Wetterbesserung, im Südosten Bewölkungszunahme, im übrigen Reiche noch heiter, am Tage etwas fühler. 99 ,, Bolf und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Theater der Woche. Bom 1. bis 9. Mai 1932. Bolfsbühne: Theater am Bülowplag: 1. Ramerad Rasper. Ab 2. Sturm im Wasserglas. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 1. Figaros Hochzeit. 2. Eine Nacht in Venedig. 3. Madame Butterfln. 4., 7. Ariadne auf Nagos. 5. Hugenotten. 6. Falstaff. 8. Aida. 9. Meistersinger. Staatliches Schauspielhaus: 1., 2., 4., 5., 7. Die endlose Straße. 3. Minna von Barnhelm. 6., 8., 9. Der Liebestrant. Staatliches Schiller- Theater: 1., 2., 4., 5. Cyrano von Bergerac. 3., 6., 8., 9. Die Räuber. Städtische Oper, Charlottenburg: 1., 6. Die Entführung aus dem Gerail. 2., 5. Tiefland. 3. Götterdämmerung. 4. Don Giovanni. 7. Die Boheme. 8. Simone Boccanegra. 9. Das Rheingold. Theater mit feftem Spielplan: Deutsches Theater: Bor Sonnenuntergang. Die Komödie: Machen Sie das nicht mit 3hrer Frau!- Deutsches Künstler- Theater: Die Braut von Torozto. Theater in der Stresemannstraße: Der Mustergatte. Ab. 3. Mädel aus der Hölle. Theater des Westens: Raub der Sabinerinnen. Luftspielhaus: Abenfeuer in Marokko. Komische Oper: Für eine schöne Frau Großes Schauspielhaus: Die schöne Helena. Zentral Theater: Der Jugbaron.. Die Tribüne: Wetter für morgen veränderlich). Kleines Theater: Ganoven- Ehre. Senaissance Theater: Hier irrt Goethe. Nose- Theater: Die Frau, die jeder fucht. 8., 21 Uhr: So ein Mädel( Das Ertemporale). Plaza: Bis 8. Der Rogelhändler.Scala: Internationales Varieté. Wintergarten: Varieté. Revue. Reichshallen Theater: Stettiner Sänger. 1. Die einzelnen Akkordlöhne in der Werkstatt wären weit unter Tarif. Dazu ist zu bemerken: Diese Löhne hat Bormann felbft Theater in der Behrenstraße: Der Mann mit den stauen Glafen mit der Stoppuhr ausgearbeitet und anerkannt. 2. Der Verdacht wird ausgestreut, ein Mitglied des freigemerk schaftlichen Betriebsrates verkehre in der Wohnung eines Betriebsleiters. Dazu sei bemerkt: Bor Gericht gab der Rechtsbeistand der RGO. zu, daß Bormann sich bei Speise und Trank bei diesem Betriebsleiter sehr wohl gefühlt habe. 3. Wird durch gemeinste Verdächtigungen dauernd versucht, Mißtrauen zwischen Belegschaft und ihre Vertreter zu säen. Das geht von demselben ,, roten Bannerträger" Bormann aus, der für seine ,, Streifabmürgungsarbeit" eine sehr hohe„ Spesen= rechnung" bei Speise und Trank einkassiert hat. Um zu diesen Fragen Stellung zu nehmen, beriefen die frei gewerkschaftlichen Arbeiterräte zu Donnerstag eine Betriebs= bersammlung ein. Die RGO. forderte alle ihre Anhänger auf, an dieser Versammlung teilzunehmen. Unter den Erschienenen befand sich der Vorsitzende der RGO. und verschiedene Betriebs= fremde. Die Versammlung lehnte aber mit überwältigender Mehrheit ab, diese Betriebsfremden im Saale zu lassen. Damit nun die belogenen und irregeführten RGD.- Anhänger die Wahrheit nicht erfahren, forderte Bormann fie auf, den Saal zu verlassen. Von feinen angeblichen 80 Mitgliedern folgten ihm ganze 36 Mann bei einer Belegschaftsstärke von 430. Es wurde folgende Resolution einstimmig( auch einige anwesende Horchposten stimmten nicht dagegen) angenommen: Die Betriebsversammlung von H. Leiser Nachf., Fabrik und Werkstatt, nimmt Kenntnis von dem letzten Flugblatt: Leiser bietet mehr", welches in Berlin verteilt wird. Zu diesem Echmutzzettel, welcher vom ersten bis zum letzten Buchstaben von Lügen strotzt, erklärt die Belegschaft: Es ist unwahr, daß die Löhne mit Hilfe der reformistischen Betriebsräte 50 Prozent und noch mehr unter den Tarif vereinbart sind. Wahr ist dagegen. daß die Löhne durch die Wachsamkeit und Zusammenarbeit zwischen Belegschaft, Arbeiterrat und Ortsverwal tung sich im Vergleich zu anderen Betrieben und Berufen jehen lassen können. Die Belegschaft muß es von sich weisen, durch laufende lügen hafte Niederträchtigkeiten die Arbeiterschaft zu beleidigen und zu schädigen. Was es mit den ,, wahrhaften" Behauptungen und Beweisen auf sich hat, zeigt die RGO dadurch, daß sie einmal die Baterschaft dieser Echmutzzettel ablehnt, im nächsten Augenblick sich aber stolz dazu bekennt, im übrigen aber nur den ,, Mut" hat, anonym zu zeichnen. Nachmittagsvorstellungen: Deutsches Künstler- Theater: 8. Faust I. Rose Theater: 4., 7., 18 Uhr, und 8., 15 und 18 Uhr: Die Frau, die jeder sucht. Raturtheater Friedrichshagen: 5., 17 Uhr: Die verfunkene Glocke. 8., 17 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Plaza: Bis 8. Der Vogelhändler. Scala: Internationales Variete. Wintergarten: 1., 7., 8. Barieté- Revue. Reichshallen Theater: 1. 8. Stettiner Sänger. Erstaufführungen der Woche: Montag. Boltsbühne: Sturm im Wasserglas. Dienstag. Theater in der Stresemannstraße: Mädel aus der Hölle. Mittwoch. Staatsoper: Ariadne auf Nagos. Freitag. Schauspiel. ha us: Der Liebestrant. Das neile Buch Robert Neumann:„ Die Macht"*) Die Macht, die Robert Neumann meint, ist das Geld: aber es ist gar nicht so sehr der Macht- Charakter des Geldes, der im Vordergrund des Buches steht, als vielmehr der Bindeglied- Charafter des Geldes in den großen welthistorischen Zusammenhängen und der Schleich weg- Charakter seiner Zirkulation innerhalb der Kommandohöhen der Welthochfinanz. Gregor Jofua Karachan, Fürst im Kaufafus und Partisan des Zaren, Herrscher in jenen Teilen unwegsamen georgischen Berglandes, von dem die Sowjets noch feinen tatsächlichen Besitz ge= nommen haben, tommt, nach einem hoffnungslos dilettantisch aufgezogenen und niedergeworfenen Putsch versuch gegen das sowjetrussische Tiflis nach Europa, um die Vorbereitungen für einen Appell an den Völkerbund zu treffen. Und hier in Europa wird er, der reine Tor, mit seiner primitiven, aber grundanständigen Denkweise in das Gemächel deutscher völtischer Cliquen verheddert, die das Wort Patriotismus im Munde führen und in Wahrheit hilflose Puppen in der Hand der großen Weltmächte, in diesem besonderen Falle der International Oil in Amsterdam, sind. Es ist Neumanns Stärke, die Einzelheiten des Ineinandergreifens von Politik und Interessensphäre der Weltfinanz, diese ganze anrüchige Verzahnung von romantischem Schein und grobihren Mittelsmann, den Herrn der Wiener Lloyd Dant, ihr eigen nügiges und ganz anderen Zwecken als denen des georgisch- deutschen Zusammengehens dienendes Spiel mit ihm. Angeetelt von all diesen Widerwärtigkeiten, angeefelt von Europa, zieht sich Karachan schließ lich wieder in seine wilden Berge zurück. Das Buch ist sehr intellektuell geschrieben: in fleinen Extratouren schweift Neumann zuweilen vom eigentlichen Thema ab, leider auf Kosten der Uebersichtlichkeit. Neumann schreibt einen sehr souveränen, exakten, allerdings auch etwas manirierten und gehetzten Stil, der, 600 Seiten lang durchgehalten, manchmal doch etwas auf die Nerven geht. RUNDFUNK 16.05 Blasorchster- Konzert. AM Sonnabend, 30. April. Berlin. 18.00 Gabriele Tergit: Die Erzählung der Woche. 18 25 Interview der Woche. 18.45 W Worth. Kleintierzuchtfragen. 18.55 Die Funk- Stunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag Hans Bauer. ABEND 19.10 1 Graener: Quartett A- Moll op. 65. 2. Bleyle: Quartett A- Moll, op. 37 ( Havemann- Quartett). 19.50 Sven Schacht:. Der Tierfreund". 20.00 Wien: Unterhaltungskonzert. 21.45 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 16.00' Konsul E. Gribel: Die Bedeutung der Ostseeländer. 17.30 Priv.- Dozent Dr. Georg Wolff: Nimmt der Krebs zu? 17.50 Nairz: Funktechnik. 18.05 Dr. Heinrich Strobel: Gespräch über die Oper. 18.30 Königsberg: Vortrag. 18.55 Günther: Deutsch. 19.15 Englisch für Anfänger. 19.35 Stille Stunde. Flucht aus der Zeit. 20.00 Langenberg: Lustiger Abend. 6.00 Funkgymnastik. Sonntag, 1. Mai. 6.15 Aus Bremen: Frühkonzert. Berlin. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.15 Wochenrückblick auf die Marktlage. 8.25 Praktische Rechtsfragen der Osthilfe( Oberregierungsrat Hans Heinrich). 8.55 Morgenfeier. Ansprache des Pfarrers Lic. Dr. Piechowski, Berlin. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Werkvolk in der Musik. Einführende Worte: Reichsarbeitsminister a. D. Rudolf Wissell. Richard Klewitz( Bariton). Am Flügel: Dr. Wolfgang Herbert. 11.30 Reichssendung. Aus Leipzig: Bach- Kantate. 12.00 Junge Lyrik: Annemarie Schwarzenbach. 12.10 Mittagskonzert 14.00 Start und Ziel von der Radfernfahrt( Schallplatten). 14.30 Arbeiterlieder( Sängerchor Berlin 1900, M. d. DAS., Chomeister: G. O. Schumann). 15.00 Karl Hagemann: Eigene Prosa. 15.30 Aus Appenzell: Funkbericht von der Landgemeindeversammlung Trogen ( Schallplatten). 16.30 Aus Breslau: Kinderfunk. 17.10 Vom Zwischenrundenspiel um die Handballmeisterschaft. 17.25 Tanz- Tee- Musik. 18.20 Vom Werktag zum Sonntag"( Karl Bröger). 18.45 Kammermusik. 19.25 Pamela Sternhelm- Wedekind. 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Richard Strauß dirigiert. 20.45 Tages und Sportnachrichten. 21.00 Funkpotpourri. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Schallplatten von der Eröffnung der Weltwirtschaftskonferenz. Tanzmusik. Königswusterhausen. 11.00 Reinhardt Goering: Aus eigenen Werken. 12.00 Gerta, Baronin von Pritzelwitz: Eigene Lyrik. 14.30 Oberst a. D. Dr. h. c. von Abercron: Was kann man alles vom Prei ballon aus beobachten. 14.55 Dr. Eugen Gürster: Don Quichote. 18.20 Kollektivismus oder Individualismus( Mehrgespräch ,, Junge Generation"). 19.00 Feierstunde für die Werktätigen( Ansprache Minister Dr. Grimme, Berliner Posaunenverbindung 1920, Neuköllner Sängerchor, M. d. DASB., Rezitationen Gertrud Eysoldt. Sonst: Programm von Berlin. Vollständiges Europa- Programm im ,, Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle ,, Vorwärts"-Boten. Berantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Theater, Lichtspiele usw. Staats Theater Sonnabend, den 30. April Staatsoper Unter den Linden 19% Uhr Carmen Staatl.Schauspielhaus Schiller- Theater Gendarmenmarkt. Charlottenburg. 20 Uhr 20 Uhi Die enclose Cyrano von Straße Bergerac materieller Wirklichkeit, fonkret zu gestalten. Sein. Roman gibt PLAZA VOKSDühne weit über das Maß bloßer phantasiebegabter Konstruktion hinaus Wieder eine siegreiche Aktion der RGO. ein sehr eindringliches und mit vielen Chancen der Wahrheit beEs wurde eine Refolution angenommen. Die RGO fühlt sich wieder einmal bemüßigt, im graphischen Gewerbe eine Aftion" zu unternehmen, da über die Manteltarife verhandelt und auch ein Schiedsspruch gefällt worden ist. Am Frei tagabend kam also der Ableger der KPD. angewackelt mit einer ,, gewaltigen Kundgebung", die in einem bescheidenen Lokal in der Jerusalemer Straße vor sich gchen sollte Es waren auch genan 40 Delegierte" gekommen, dazu eine Schuggarde der NGO. von acht Mann, über deren Herkunft tiefstes Dunkel schmebte. Das einführende Referat hielt ein gewiffer I auch von Ulstein. Er stammelte fünf Minuten etwas von Arbeiterverrat der SPD.. der durch den Wahlausgang bewiesen sei. Der neue Manteltarifvertrag hatte feinen Platz in der alten Walze. haftetes Bild von der patriotischen Wirklichkeit. Nähe Sch.es. Bht. 5.815, Stgs.2,5u.815. Der Vogelhändle Biss Mai einschl. ver än ert Charlottenbur smarckstraße Fürst Karachan ist im Besiz echter Druckplatten von Tscherwonzennoten. Er legt feinen großen Wert auf sie, und als seine Mitspieler anfangen, Wert auf sie zu legen, will er aus moralischen tädt. Oper Gründen an das Fälscherwerk zunächst nicht heran. Aber mi höllischer Dialektif wird ihm eingeredet, daß ja er der wahre Herr scher des heute von den Bolschewisten gefnechteten Georgien, aud das ethische Recht der Geldherausgabe habe. Und nun wird ge= druckt und das bedruckte Papier durch alle möglichen Kanäle an den Mann gebracht. Ein toller Reigen der Berwicklungen fezzt ein. Von unten her schmeißt sich das nationale Schnorrertum an Karachan heran, und von oben her treibt die International Oil durch *) Robert Neumann. Die Macht"( Paul Szolnay Dieses Fünfminutenreferat wurde dann zur Diskussion gestellt. Verlag, Berlin- Wien). 8.15 Uhr Winter Garten Flora 3434 Rauchen erlaubt Varieté- Revue Fünf im Käsewagen" mit Ehrlich. Halmay. Morgan, Taeimer, Söneland usw. Sonnabend u. Sonntag je 2 Vorstellg. + Uhr u. 8.15 Uhr 4 Uhr kleine Pr. HAUS VATERIAND KURFÜRST 7460 Das ergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI K 8 Uhr GROSSES SCHAUSPIELHAUS täglich Theater am Bülowplatz 8 Uhr ,, Liliom" mit Hans Albers Sonnabend, 30 April Rose- heater Turnus V Friedemann Bach Ludwig, Salvatini, Schirach. Friedrich. roße Frankfurter Straße 13 at. Weichse 7 342 6 und 9 Uhi Die Frau, Guttmann. Bau- die jeder such mann, Gombert Anfang 0 Uhr Ende 22,30 Uhr DIE SCHONE HELENA MAX REINHARDT INSZENIERUNG CASINO- THEATER Uhr uhi Lothringer rane 37. Sonntag. den 1. Mai, letzte Vorstellung vor Schluß der Spielzeit Operetten- Schlager: „ Peppina" Großer Preisabbau Park u. Rang Seite ur 0.50. Faut u. Rang Mitte 0.75, Sperrsitz u. Ba.kon 1.-. Logen u. Sessel 1.50 (Beilage Sonnabend, 30. April 1932 Gsrharl fflerrmann Ulojlar: ffirief vom Xaude Zwanzig Minuten vom Dorf entfernt, an einem Sandweg, der mit dem See parallel läuft, liegt der Mörderhos Er ist düster wie sein Name- eine verbrannte Scheune, deren beide Giebel schwarz und sinnlos in den gleichmütigen Himmel zacken, ein Wohnhaus, das oerfällt, dessen schmutziggrauer Putz breitrissige Wunden hat, aus denen die alten Ziegel schwarzrot schimmern wie geronnenes Blut, ein verwahrloster Obstgarten—und an einem Haken an der schimmeligen Wand eines möbellosen Zimmers eine Schute, wie sie ein Landmädchen beim Spargelstechen trug.,. Dieses Mädchen habe ich noch gekannt, und ihren Mörder auch. Das Mädchen ist be- graben aus dem Friedhof des Dorfes, und der Mörder ist begraben in einer Zelle des Zuchthauses von Flensburg— für els Jahre wenigstens... Denn noch nicht lange ist das Gehöft von Menschen verlassen, noch nicht lange nennen es die Bauern den Mörderhof. Noch vor vier Jahren wohnte hier ein 5V-Morgen-Bauer mit Weib und aus- fallend schönen, frischen Kindern. Er schlug sich so durch-, der Boden war mager, halb Sand, halb Sumpf; auf den Aeckern wurde viel gestöhnt, aber aus dem Gehöft wurde viel gelacht; das taten die Kinder, die sich an der großen Schaukel vergnügten, deren Holme noch jetzt im Obstgarten ragen wie ein Galgen. Und in der Stille, die um Feierabend kam. in der Stille zwischen Stöhnen und Lachen wohnte wohl so etwas wie Glück, wie das Glück des Landmenschen, dos den gesunden Ruch vielen Schweißes und wenigen und schlechten Tabaks hat. Dann, eines Sommertages, kam für den Bauern jenes andere Glück, das nicht verschwiegen ist, das klingt wie rollendes Geld. Im Auto kam es, ein Berliner Grundstücksspekulant brachte es mit—: der kaufte dem Bauern das Gehöft ab, um einen sehr guten Preis, das konnte man nicht anders sagen; denn der Spekulant wollte den Boden parzellieren und Wochenendsiedlungen schaffen für reiche Berliner Leute, und bei so guten Aussichten konnte man ja wohl etwas hineinstecken. Der Bauer zog weg, mit ihm sein Vieh, mit ihm seine Pflüge und Eggen, mit ihm das Lachen seiner schönen Kinder. Der Epe- kulant kam, aber er kam nicht auf das Gehöft: er mietete eine be- nachbarte Villa, und er schlug Straßen in den benachbarten Wald, und er zäunte Parzellen ein, die zwischen Wald und See lagen. Sein Auw mahlte sich auf dem Sandweg am Gehöft vorbei, es fuhr nie durch das hohe Tor wie vordem die schweißglänzenden Pferde, es wollte nach seiner Garage und nicht zu den Ställen. Manchmal fiel mit leisem Rascheln ein wenig Putz von der Mauer — dann erschrak vielleicht ein 5)ase, der im wuchernden Gras des Hofes in der Sasse hockte, und hoppelte in den Wald; sonst bemerkte es niemand. Auf den Feldern wuchs wilder Roggen, den niemand mähte und dessen von keiner schweren Frucht gebeugte Schlankheit schließlich unter vorsichtig schleichendem Unkraut versank. Ueber dem ganzen, verwaisten Gut war ein müdes, hosfnungsloses Warten auf Leben.. Und doch kam das Leben. Da war ein Knecht, dem Müller zugewandert. Ein Mann, schlank und gerade, widerspenstige Blond- locken über freier Stirn; wenn er vorüber fuhr an meinem Hause aus dem schweren Müllerwagen, sang er Volkslieder mit einer strahlenden, erstaurllich hohen Tenorstimme; und beim schönsten und höchsten Ton schlug er den Pferden mit der Peitsche um die Ge- lenke der Füße, daß sie sprangen vor Schmerz. Dieser Knecht bekam Streit mit dem Müller und wurde entlasten, und als es Winter wurde, stellte ihn der Berliner Parzellant als Verwalter ein und wies ihm das alte Gehöft als Wohnung zu. Er zog bald ein mit seiner Frau, die eine rundliche, hübsche, einfältige Pol'n war, kaum mächtig der deutschen Sprache. Und wieder ging der Mann hell singend an meinem Haus vorbei, wenn er abends aus deni Krug kam. und trat hell singend in das Gehöft und in die not- dürftig hergerichteten Stuben, und lachend und singend und johlend trat er leine Frau in den Leib... „Der paßt dahin", sagten sie im Dorfe;„das Land verwahrlost. der Mensch verwahrlost!" Sie hatten recht: dies Leben, dies hell singende und rohe Leben, das auf dem Hofe war, glich sich der Wandlung der Felder an; als Kinderlachen und Feieravendglück dort heimisch gewesen waren, war der Pflug über die Felder gegangen, und Samen war gesät worden und Frucht erwachsen im strengen und guten Gleichmaß der Ordnung: nun wucherten und verwilderten auf den Aeckern die Saaten und in den Seelen die Triebe; und in dieser Zeit fiel es den alten Frauen im Dorfe zum ersten Mal- wieder ein, daß nach alter Sage die Gegend da unten verrufen sei und verflucht; es fiel ihnen ein, aber sie dachten sich nichts dabei. Wenn man sich etwas dabei gedacht hätte: dann hätte man vielleicht versucht, den fröhlichen und uichcimlichen Mann von da unten einzugliedern ins Dorfleben; aber man mochte ihn nicht; er war ja ein Zugereister, und seine Frau war eine Polin, und was ging einen das an...? Als der Frühling kam, zerstritt sich der Mann auch mit dem Parzellanten. Der Parzellant ließ chn durch die Polizei aus dem Gehöft weisen und ließ ihm verbieten, es jemals wieder zu betreten. Der Mann ging unter Flüchen, mit ihm seine Frau und ein Kind, und suchte sich eine andere Wohnung. Er fand nichts als einen Geräteschuppen am Seestrand. Der Schuppen hatte dünne, löcherige Holzwände und ein schwankes Pappdach, und er war nicht größer als knapp zwei Meter im Geviert. Die Frau legte Stroh aus den Erdboden, das schnell faulte, weil von unten die Feuchte der Erde und von oben der Regen kam, den das schadhafte Dach nicht auf- hielt. Der Mann lag des Tages im Grase und' sah hinüber zum Gehöft, das er hotte verlassen müssen: des Nachts trieb er Raub- fischerei und Wilddieberei; das wußte jeder im Dorf, aber was ging einen das an..? Dann bekam das alte Gehöft neue Bewohner. Der neue Ver- walter des Berliners zog ein; ein junger Mann aus dem Dorf, weicher und friedlicher Art, der eben geheiratet hatte: eine hohe, schlanke, derbe Frau, aus der Hamburger Gegend, kühnen Gesichts, blonden, widerspenstigen Haares, heller Stimme, laut und herzhaft wie das Leben selbst. Sie hätte des Mannes, der im Grase des Strandes lag und zu ihr herüber blickte. Ehekrau sein können oder seine Schwester, so gleich waren sich beide. Aber nun war es so, daß der eine in einem alten Schuppen hausen mußte, durch den es windete und regnete, weil die andere die Zimmer bewohnte, die dem einen eigentlich zukamen... so stellte sich das dar in der rohen und einfältigen Seele des Mannes am Strande: sie waren sich ähnlich, aber die Frau stand auf der Seite des Besitzes, der . warmen Stube, des häuslichen Friedens, des Lebens; und der Mann � stand auf der Seite der Armut, der Heimlofigkeit, der Verwahr- losung, des Unfriedens— des Todes... Darum wurden sie Feinde. Das Land, das nicht mehr beackert wurde, sah dem zu. Es wucherte weiter, eine Halde wilden Emporschießens aller Unkräuter der deutschen Welt. In den Städten war auch etwas wie Unkraut gekommen, das unheimlich und unfaßbar schien, und das man ge- lehrt mit dem Wort„Wirtschaftskrise" bezeichnete, ohne daß es dadurch klarer wurde; jedenfalls aber blieben dieser Wirtschasts- krise wegen die Parzellenkäufer aus. Und so war Einsamkeit um den Mann am Strande, dem jedes Lachen, das von drüben kam, wie ein Schlag ins Gesicht war, dem es auf die Dauer nicht ge- nügte, wenn er den Schlag an seine Frau weiter gab; in ihm wuchs dumpf und unwiderstehlich die durstige Rache, die trinken wollte; und es war weit und breit kein Mensch, der ihn seinen Durst ver- gcssen machen konnte. Was dem Bewohner des Geräteschuppens als Inbegriff des Glückes erschien, das Hausen im zerfallenden GeHöst: das war der Frau aus Hamburg der Inbegriff des Fluches. Sie fürchtete sich in ihrer doch so tapferen Seele; fürchtete sich vor dem Geräusch des nächtlich abfallenden Putzes, fürchtete sich vor der verwaisten, großen, leeren Scheune; fürchtete sich vor dem Mann, der vom Geräteschuppen her zu ihr hinüber starrte. Sie lief im Dorf um- her, erzählte von ihrer Angst, bat, flehte um eine andere Wohnung: es fand sich keine. Ihre Furcht wandelte sich in Haß: Furcht macht schwach, Haß macht stark. Ihr wurde Geld gestohlen; sie verdächtigte den Mann aus dem Schuppen; wahrscheinlich zu Recht. Aber dem ging es nicht um Recht und Unrecht im moralischen Sinne. Sie saß in seinen Räumen, sie lebte wie ein Mensch, er saß in der freien Heide und mußte leben wie ein Tier; also war sie seine Feindin. So maßlos viel höher war sie gestellt als er, daß er nicht einmal den Hof betreten durfte, den sie bewohnte; wie man Marder und Iltis aussperrt aus den Gebäuden, so war er ausgesperrt. Der Mann sang in dieser Zeit lauter und heller als je; widerspenstiger noch hing sein blondes Gelock in die kühne, böse Stirn; seine Schritte schlichen wie die von Katzen, und wenn er in Ermangelung von Zigaretten an Holzstäben kaute, biß er manchmal hinein in das 5)olz, daß es knirschte. Cr war in einer bösen Zeit, und es war keiner im Dorf, der sich nicht vor ihm fürchtete... Emes Morgens gellten die Feuerhörner, und die alle, wacklige Spritze zockelte an meinem Hause vorbei hinunter zum See. Ich lief mit und sah, daß die Scheune des verwaisten Gehöfts brannte. Ich wußte sofort, wer der Brandstifter gewesen war.. Löscharbeiten waren zunächst zwecklos. Das alte Holz brannte zu gut. Auch gab es Wichtigeres zu tun: zu suchen. Einen Men- schen zu suchen. Die blonde Frau fehlte. Ihr Kind lag schreiend im Bett. Ihr Mann war in aller Frühe zur Arbeit gefahren Sie war allein gewesen. Nun war sie fort. Jeder kannte sie und wußte, daß sie ihr Kind nicht im Stich lassen würde. Freiwillig nicht. In dumpfem Schweigen umstanden wir die brennende Scheune. Dann kam die Motorspritze aus dem benachbarten Städtchen. Schläuche wurden vom See her zur Brandstätte gelegt. Der. Mann aus dem Schuppen half dabei. Er hatte Kratzwunden im Gesicht und Blutspuren am Aermel. Der Gendarm kam und verhaftete ihn. Er leugnete, laut lachend, warf kühn den Kops ins Genick, als er abgeführt wurde, und fang hell und strahlend... Endlich konnte man in die Scheune eindringen. In einem Verschlag lag ein schwarzgebranntes Etwas von Menschengröße. Die Schädeldecke war zertrümmert. Ein Fetzen des Kleides war erhalten geblieben Daran erkannte man sie. Sie war unschuldig ermordet. Sie hatte weiter kein Verbrechen begangen als in einem häßlichen, verwahrlosten Haufe zu wohnen, indes es einen gab, der nicht einmal das gehabt hatte; und sie war vielleicht manchmal zu fröhlich gewesen, wenn der andere es hören konnte. Das ist nun bald ein Jahr her. Das Unkraut hat weiter ge- wuchert Die Parzellenkäufer find weiter ausgeblieben. Der Par- zellant.hat die Villa aufgeben müssen. Die Grenzen der Feldmark sind nicht mehr zu erkennen. Die letzten Spuren der Pflüge sind verwischt. Nur die Giebclwände der Scheune erzählen noch etwas, und die Schaukel, die wie ein Galgen aussieht, und der Putz, der von der Mauer fällt, und die Strohschute, die an der rissigen Wand im Zimmer hängt.. Und der Aberglaube, daß die Gegend ver- rufen sei, ist zur Ueberzeugung geworden, und nicht nur bei den alten Frauen. Und sie nennen den Hof den Mörderhos.. Vielleicht wird einmal einer kommen, der den Fluch löst Das wird einer sein, der wieder die Pflugschar über das Oedland zieht, der sät und erntet, stöhnt und lacht, zeugt und stirbt. Cr muß sehr tapfer sein, und Gefvenster darf er nicht fürchten und harte Arbeit schon gar nicht. Und wenn ihm einer Geld bietet, so darf er nicht verkaufen... Denn der Boden ist nicht zum Verhökern und Ver- handeln da, sondern er ist da, damit freie Menschen daraus leben. Daran laßt uns arbeiten. Denn wie sagen die Bauern hier?„Nur der Pflug löst den Fluch." Oda Oiberg: S-ßfl Sum I.Tfliii Jedes Fest ist eine Parenthese, die sich auftut im Alltag, ein bißchen Muße und Raum für Frohsinn, eingeschoben m die dichte Folge von Müh und Sorge. Unser M a i f e st ist mehr als das. Es soll nicht, wie die üblichen Feste, etwas von dem gutmachen, was der Alltag versäumt� nicht uns ein wenig trösten über das, was er uns schuldig bleibt, nicht uns einen Augenblick vergessen lassen, daß es diesen Alltag gibt, um uns bann kräftiger und ge- duldiger zurückzuschicken in seine Fron. Der 1. Mai ist das Fest eines kommenden Alltags. Er feiert nicht ein einmaliges Geschehen der Vergangenheil, sondern ist dem Gedanken eines beständigen Ringens um die Zukunft geweiht. Er erlöst uns nicht vom Werktag, sondern soll eine Stufe sein zu einem von Sorge und Not erlösten besseren Werktag. Wehende rote Fahnen, Musik und das Dröhnen des Massen- schrittes gehören zur Maifeier, wie Frühling und Natur, die die der Wertstatt Entronnenen aufnehmen. Zusammenschluß zur ge- meinsamen Feier, Kundgebung der Macht der Arbeit gegenüber denen, die kein Maifest kennen, Festsreude in Freiheit und Grün— das alles bringt der 1. Mai. Aber das wäre zu wenig für ein Fest, das nicht dem Geöenken vergangener Taten geweiht ist, nicht im B o l l b r a ch t e n wurzelt, nicht einen Einklang sucht mit früheren Geschlechtern, sondern einen Willen betätigen soll, einen Anspruch geltend machen, neue Rcchtstafeln schreiben. Um dieses seines Wesens willen ist der 1. Mai kein Tag des Entspannens, sondern der Anspannung, kein Tag, an dem man die Gegen- wart abschüttelt, um sich am nächsten Morgen geduldig mit ihr weiterzuschleppen, sondern ein Tag der Einkehr in uns selbst und der bewußten Abkehr von der heutigen Ordnung, soweit sie den Menschen verkrüppelt und entwürdigt. Tag der Einkehr, nicht cm Signal zum Sammeln der Un- zufriedenen und Mißvergnügten, denen man das Blaue vom Himmel und goldene Berge auf Erden verspricht. Das ist nicht Sache der Sozialdemokratie, das können andere besser. Wir woll-n durch unsere Einkehr in die heillose Wirklichkeit verstehen und begreifen, warum sie den Menschen keinen Frieden und kein Genügen gibt. Bloße Wunschträume mögen die Ohnmächtigen träumen und die Scharlatane empfehlen. Wir wollen wissen, wo der Fehler steckt, warum die riesige Maschine der Naturbcherrschung, die bewußter Menschenwille zusammengesetzt hat und in Bewegung erhält, so sinn- los über Menschenleben und Menschenglück hinwegrast. Wir wollen uns darüber klar werden, daß die Kultur an einer entscheiden- den Wegwende steht, wo ihre Errungenschaften sich gegen die Menschheit kehren, wenn weiter nur eine Minderhest im engen Lichtstreifen ihrer Sonderintcressen das lenkt, was alle schufen und was allen zu dienen bestimmt ist. Und aus diesem Wissen und dieser Klarheit erwächst der Sozialdemokratie ihre Ausgabe und Verpflichtung, im breiten Licht allgemeiner Interessen die sieghafte Technik und Organisation unserer Zeit zu betätigen. Das heißt: die Kraft erringen, um alle Sonderinteressen unterzuordnen; das Wissen, um zu erkennen, was wirklich als Gemeininteresse Ueber- ordnung verdient: die sittliche Eignung, um mit dieser Kraft und diesem Wissen gerecht zu schalten und zu walten, als Schirmer für das Heiligtum der individuellen Freiheit und treuer Wächter der Allgemeinheit und ihrer Entfaltung. Diese Kraft, Erkenntnis und Selbstzucht fällt nicht als Festgeschenk vom Himmel. Es sind Früchte, deren Acker in ernster Arbeit bestellt werden muß. Den Mut und die Unermüdlichkcit zu dieser Arbeit soll uns der l. Mai stärken und erneuen. Tag der Abkehr ist unser Festtag, der bewußten Abkehr von dieser Zeit des triumphierenden Widersinns und der entfesselten Roheit. Der Arbeiter will am 1. Mai nicht nur den Staub der Werkstatt auf kurze Zeit von den Kleidern schütteln. Er will vor allem, wenigstens einmal im Jahre, den Staub der Ge- wöhnung an die kapitalistische Wirtschast ab- schütteln von seinem Denken und Fühlen, diesen Staub, der alles einzuhüllen droht in fatalistische Ergebenheit und Stumpfheit. Die ganze geistige Luft ist heute gesättigt mit diesem Staub der Lüge und Entstellung, unsere seelischen Lungen saugen ihn ein, ei kreist in unserem Blut, ohne daß wir uns dessen bewußt werden, er macht unseren geistigen Menschen zum Träger eines Systems, an dem wir leiden und das wir verwünschen. Das ganze Jahr über wehrt sich der Arbeiter gegen den Kapitalismus, der ihm greifbar gegenübertritt als schlechter Lohn oder Arbeitslosigkeit, als Raub- bau an Körperkraft und Nerven, als teures Brot und lichtlose Wohnung. Aber den Geist des heutigen Wirtschaftssystems, den atmet er ein, ohne es zu merken. Durch ihn wird er der Ver- bündete seiner Widersacher, erstickt seine natürliche, sich jedem Kinder- auge erschließende Kritik des riesenhaften Unrechts, der mahn- witzigen Verkehrtheit. Als Religion lehrt dieser Geist ihn, daß es so sein muß nach ewiger Bestimmung, daß nur Wohltun von oben und Geduld von unten dieses unser Erdenwallcn erträglich machen können: als Wissenschaft rechnet er ihm vor, daß reich und arm, Herr und Knecht kosmisch bedingt sind von aller Urzeit an, daß der Tüchtige es zu etwas bringt, und dem Unfähigen Armut und Not zufallen als sein angestammtes Erbteil, daß unwandelbare Natur- gesetze den Profit regeln und das Leben jedem zuteilt nach seiner eingeborenen Daseinsberechtigung, gleichgültig, ob ihn die Not von Kindesbeinen an verkümmert und verwaist oder ihn Wohlstand und Liebe fördern. Er vergiftet unsere Erkenntnis, unser Gefühl für Recht und Unrecht, er möchte uns prellen um Kampf und um Frieden und um unser eigenes Selbst. Abkehren wollen wir uns von diesem Geist, uns tief der Kluft bewußt werden, die uns von den Verteidigern der heutigen Ord, nung trennt, unser Anderssein als Recht und Ausgabe erkennen. Es ist kein Fest aller, es ist unser F e st. Es geht bei ihm nicht um erreichbare Forderungen, denn auf den Schultern des heute Er- reichten steht die Forderung für morgen, als Forderung an uns selbst noch mehr denn als Forderung an die anderen. Unser Ruf geht an alle, aber nicht alle können ihn hören Wir treten, un- gehemmt durch politische Bindungen und Zwangslagen, auf unseren Boden als Widersacher und Bekämpser der heutigen Ordnung: als Sozialisten gegen die privatkapstalistifche Wirtschaft, als De- m o k r a t e n gegen die Diktatur. Wir feiern am 1. Mai unsere Ideale, wir kehren zurück zu den Quellen, wir stoßen vom Alltag gerade das ab, was wir das ganze Jahr über brauchen, um ihn ertragen zu können: Stumpfheit und Fügsamkeit und Ichsucht. Wir wollen die Feiertagssonne unserer Idee leuchten und wärmen lassen und den Blick weiten, daß er hinüber reicht in unserer Kinder Land. Es ist kein allgemeines Frühlingsfest, das wir feiern, kein« Menschheitsverbrüderung auf oierundzwanzig Stunden, aus der jeder wieder zurückkehrt in feine abgekapselte Enge, kein Friedensinter- mezzo in kriegerischer Zeit. Wir sammeln uns im Tempel unserer Idee, unbekümmert um Siege und Niederlagen. Im Tageskampf kann man uns Zugeständnisse abzwingen; im Reiche der Idee nicht. Da gibt es kein Mehr oder Weniger. Wer nicht für uns ist, ist da wider uns. Nur das eine tut uns not: unseren Sozialismus klären, vertiefen und ihn nicht an den Alltag verlieren. Mit ge- wechten Waffen aus dem Tempel hinausgehen, nicht, um den Alltag unserer Zeit besser zu ertragen, sondern um seiner mehr überdrüssig zu sein als früher, fester entschlossen, ihn zu überwinden. Und uns den Menschen verbrüdert zu fühlen, nicht aus dem Wunsche heraus, den heutigen Widerstreit in Nachgiebigkeit oder Halbheit zu enden, sondern in der stolzen Zuversicht, in der Sache des Sozialismus die der Menschheit zu vertreten. Unser eigenstes Fest ist es, für eine Zukunft, die allen gehören soll. Wassersport im Sportpalast BEHAWE Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Motorisierung des Wasser. sportes immer größere Fortschritte macht. Wer früher einen Familienruderkahn betrieb, wer ein schnittiges Ruberboot oder eines der besonders nach dem Kriege sehr start aufgekommenen Baddelboote fuhr, schafft sich, sofern er sein altes Fahrzeug noch besigt, einen Motor an, den er in Form eines Außenbord-, Seitenbord- oder eines fleinen Einbaumotors an seinem Boot anbringt. Damit gondelt er dann des Sonntags frisch und frei auf dem Wasser umher und hat eine gewisse Freude über all die, die noch mit dem Holzmotor"( lies Ruder und Paddel) sich mühselig fortzubewegen gezwungen sind. Die Verhältnisse auf den märkischen Wasserstraßen drängen geradezu nach dieser Motorisierung. Früher brauchte man von den nahe der Stadt gelegenen Bootshäusern aus nur wenige Kilometer weit zu fahren, um in der unberührtesten freien Natur zu sein. Das hat aufgehört. Nicht nur, daß sich die Bootshäuser und die dazu gehörigen Anlagen immer weiter hinausgeschoben haben, sind auch die Ufer teils von den Wasserrestaurantbesizern, teils von Leuten, die sich ein Wassergrundstück leisten können, immer mehr besetzt worden, so daß es für die Wasserfahrer schwer ist, ein Plätzchen zu finden, wo sie ungestört ihren freien Tag verbringen können. Da ist man denn auf den Motor gekommen, den eine findige Industrie so vervollkommnet, besonders aber so verkleinert hat, daß er auch an dem geringsten Baddelboot angebracht werden kann. Fahrgeschwindig. feiten von vier bis acht Kilometer, die man mit dem Handbetrieb erzielte, find beim motorischen Antrieb ohne weiteres auf zehn bis zwölf Kilometer erhöht worden, so daß die Sportler weitere Streden in derselben Zeit zurüdlegen fönnen, als fie fie früher beim Handbetrieb schafften. I eröffnet wurde. Ruderboote, richtige sportgerechte Ein- und Zweifiger, muß man fast mit der Lupe suchen. Paddelboote, ganz be= fonders die praktischen Faltboote sind schon in größerer Zahl anzusonders die praktischen Faltboote sind schon in größerer Bahl anzu treffen. Sie sind immer noch das Wassersportgerät des fleinen Mannes und der Jugend, deren Geldbeutel nicht gerade nach Motor und Benzin aussieht. Aber dann kommen die vielen motorisch ange= triebenen Fahrzeuge, die wirklich in allen erdenklichen Ausführungen, Formen und Preislagen zu finden sind. Am billigsten ist natürlich das Motortanu, das sich in der Form selbstverständlich an das hergekommene Paddelboot hält, das man aber dem motorischen Antrieb entsprechend etwas verlängert, besonders aber verbreitert hat. Man sieht munderhübsche Boote, teilweise sogar mit dem lebhaftbunt wirkenden Stabverdeck und mit Motoren in allen Arten. Vom kleinsten Seitenbordmotor über den als Schachtmotor zu verwendenden Außenbordmotor bis zum kleinen Einbaumotor, der meist in zweizŋlindriger Ausführung, teilweise sogar mit einem Wendegetriebe versehen, eingebaut ist, findet man alle Arten des Antriebs. Ein solches Kanu, allerdings ohne Maschine, ist schon für 465 Mark zu haben, es ist also etwa nur 100 mark teurer als ein gutes Baddelboot. Viel Autoboote in den billigsten Ausführungen, schon mit Maschine von etwa 1000 Mart an, suchen ebenfalls Liebhaber. Ein Preisabbau ist bei den leistungsfähigeren Werften unzweifelhaft festzustellen, was aber immer noch den alten hohen Preis hält, sind größere Bierzylindereinbaumotoren. Wenn man für eine solche Maschine immer noch um 2000 Marf herum anlegen muß, so drängt sich die Frage von selbst auf, wie die Automobilfabriken kalkulieren, die für diejen Preis schon ein zweifigiges Auto liefern. Daß aller Zubehör zum Wassersport in reichlichem Maße auf der Ausstellung vertreten ist, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Dieser Entwicklung des Wassersportes trägt auch die Wasser. Die Ausstellung ist bis zum 8. Mai täglich von 13 bis 22 Uhr gesportausstellung im Sportpalast Rechnung, die gestern öffnet, der Eintritt beträgt 50 Pf. Ringen, Boxen und Heben Zwei Kampfabende der Arbeiter- Athleten Die bundestreue Sportliche Vereinigung Lichtenberg Friedrichsfelde 04" veranstaltete gestern einen wohlgelunge nen Werbeabend im Ringen und eben. Auf der Kampfmatte ftanden die Ringerstaffel des Kraft- Turnvereins Sparta" den Lichtenbergern in einem Freundschaftstreffen gegenüber; die Begegnung endete nach einem recht wechselvollen Verlauf mit einem 8: 6- Punttsieg von„,.- F. 04". An der Scheibenstange zeigten die Kraftsportler von Sparta und Lichtenberg gute Beistungen; die Mitglieder des Bundesmeisterteams 2.-F. 04 brachten mit großer Routine enorme Gewichte zur Hochstrecke. In den Einleitungsfämpfen der Ringer siegte Mosch- Sp. über Kleinert- L. und Bentsch- Sp. über Berg- L. Die Punkte im Fliegengewicht gingen tampflos an Sparta. Krause- 2. bezwang Schale- Sp. und der gewandte Federgewichtler Binder- 2. siegte über Kreiling- Sp. in der 4. Minute durch Doppelnelson. Röside- Sp. bedrängte Wittzored- 2. sehr arg und gewann den Kampf in 5.55 Min. durch Eindrücken der Brücke. P. Binder- 2. mußte von A. Wittkamm- Sp. in der 8. Minute eine Schulterniederlage hinnehmen. Wallofchel- L. siegte über Lorbeer- Sp. in der 9. Minute und der Schwergewichtler Trübbel- Sp. verlor gegen Rode- 2. nach der 2. Minute die Punkte auf der Matte. Arbeiterboxer im Ring Die kampfstärksten Fauftkämpfer der Vereine Lichtenberg, Tegel und Alt- Wedding trafen in ihrem ständigen Ring"( alle vier Wochen steigt ein größerer Kampftag) aufeinander. Durchweg gab es harte und flotte Rampfe und flare Entscheidungen. BenkoWedding schlug Kloß- Tegel nach Punkten und im Federgewicht gewann Himmelreich- 2.- W. über Bucza- L. mit dem gleichen Er. gebnis die Punkte. Heinic- A.- 23. gab in der 2. Runde gegen Mannte- L. den Kampf auf. Knauf- 2.- M. und Pantte- T. schieben mit einem Unentschieben. Der Weltergewichtler Gofa- W. Schlug Mezung- L. nieder. Auch der Tegler Röppen siegte durch NiederAlle Arbeller und Angestellte befreien sich von der Pichtkrankenversicherung durch Uebertritt zur schlag. Thomae- 2.- W. kämpfte mit Füller- 2. ohne ein Resultat zu erzielen. Arbeitersport stellt aus ,, Sonne, Luft und Haus für Alle" In der Berliner großen Ausstellung, die am 13. Mai eröffnet werden soll, wird auch der Arbeitersport würdig vertreten sein. Die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege und ihre Berbände stellen in Halle VIII in einer Koje von 22 Meter Länge Gegenstände aus, die der Wochenenderholung dienen. Es befinden sich darunter die Modelle der Arbeiterturn- und Sportschule und mehrerer Naturfreundehäuser, Modelle von Booten und auch ein selbstgefertigtes Faltboot unserer hiesigen Freien Faltbootfahrer. Die Arbeiterangler stellen u. a. einen Ausschnitt aus dem Naturschutz und ihren Fischereigebieten aus. Die Freien Segler zeigen prächtige Bootsmodelle, die Samariter einen selbstgebauten Stranfentransportwagen. Es wird allerlei Gutes aus dem Leben der Arbeitersportler zu sehen sein. Während der Dauer der Ausstellung treten die Berliner Arbeitersportvereine mit einem reichhaltigen Sportprogramm auf den Plan, so daß den Besuchern der Ausstellung ein lebendiges Bild von der Arbeitersportbewegung gegeben wird. Der Besuch der Ausstellung am Kaiserdamm, die auch sonst sehr interessant zu werden verspricht, kann der Arbeiterschaft nur bestens empfohlen werden. Ein neuer Flugzeugtyp Man kann die Tragflächen vergrößern Die Berliner werden om fommenden Montag um 17 Uhr Gelegenheit haben, auf dem Flughafen in Tempelhof einen völlig neuen Flugzeugtyp zum erstenmal im Fluge beobachten zu können. Prof. Dr. Schmeidler von der Technischen Hochschule Breslau hat mit dieser neukonstruktion gänzlich neue Wege im Flugzeugbau beschritten. Das Flugzeug Schmeidlers ist ein Eindecker mit per änderlicher Tragfläche, wie er das erstemal in Deutschland und in dieser Ausführung auf der ganzen Welt erbaut worden ist. Wohl haben die Franzosen im Vorjahre einen Eindecker nach ähnlichen Gesichtspunkten gebaut, bei ihren handelte es sich aber um ein mehr oder minder zum militärischen Gebrauch bestimmtes Flugzeug mit einem 650 PS. starken Motor. Der Eindecker Schmeidlers aber ist ein Sport- und Tourenflugzeug und wird von einem nur 50 PS. leistenden Sternmotor angetrieben. Der Franzose Mathonine erreichte die Vergrößerung und Verkleinerung der Tragfläche durch Herausschieben eines zusätzlichen Flügels aus den Flügelenden, während Schmeidler das durch Herausschieben des zusätzlichen Hilfsflügels aus der Flügelhinterfante bewirkt. Dieser zusäßliche Flügel läuft bei Schmeidler in einer Führung und befißt, wie jeder normale Flügel, am Rumpf die größte Breite, um sich nach den Enden zu zu verjüngen. Der Eindecker Schmeidlers hat schon bei den ersten Probeflügen unter Führung des bekannten Segelfliegers Wolf Hirth gute Flugeigenschaften gezeigt. Sport am Sonntag Arbeiter- Wasserballjerie. Am Sonnabend findet wieder ein Serienspiel der A- Klasse statt. Es spielen um 21 Uhr im Lunabad die Mannschaften von Volkssport"-Weißensee und FSGB.- Neukölln. Wenn Neukölln wiederum mit so guten Leistungen wie im Spiel gegen Freiheit aufwartet, wird sich Weißensee sehr vorsehen müssen, um einer Niederlage zu entgehen. Die Arbeiter- Fuß- und Handballspiele haben wir bereits gestern angezeigt. An radsportlichen Ereignissen auf Bahn und Straße ist am ersten Sonntag im Mai fein Mangel. Mit einem umfangreichen Programm wartet die Berliner Olympiabahn auf. Im ,, Memento", das in fünf 20- Kilometer- Läufen ausgetragen wird, starten neben Thollembeek, Prieto, Kremer und Dederichs auch Sawall, der sich mit der Olympiabahn wieder versöhnt hat Die Fliegerrennen werden von der deutschen Nationalmannschaft mit Dasch, Gericke und Richter an der Spize bestritten. Die Rennen beginnen um 15% Uhr. Das große Ereignis im Straßenrennsport ist die klassische, zum 25. Male stattfindende Bundesfahrt Berlin Kottbus- Berlin über 279 Kilometer. Die gesamte Berliner Klasse nimmt hier den Kampf mit einigen guten Bewerbern aus dem Reiche auf. Boren. Das bedeutendste Ereignis am Wochenende ist das große Bierländerturnier des Deutschen Reichsverbandes für Amateurbogen, an dem Auswahlmannschaften von Deutschland, Italien, Ungarn und Dänemark teilnehmen. Die Vorfämpfe finden am Sonnabend abend in der Berliner Autohalle statt, die Entscheidungskämpfe werden am Montag abend abgewickelt. Rugby. Zum Endkampf um die Deutsche Rugbymeisterschaft der bürgerlichen Sportler treten in Hannover die Mannschaften der RG. Heidelberg und von Hannover- Linden 97 an. Gelegentlich dieses Spiels hält der Deutsche Rugbyverband in der Leinestadt eine Tagung ab. Sportler zur Maifeier! Die Vereine treffen sich am Sonntag: Freie Kanuunion Groß- Berlin. 11 Uhr in der Kreisgeschäftsstelle, Elsasser Str. 85/86. Tennis- Rof Groß- Berlin, Abt. Neukölln. Antreten 11 Uhr Reuterplay. Teilnahme ist Pflicht. Ab 10.30 Uhr Spielverbot. Ruderverein Butab. 10.30 Uhr antreten in der Naunynstraße im AfA- Bug. Kartellbezirk Wedding. Alle Sportler treffen sich um 11 Uhr Gartenstraße am Gartenplay. Kleidung möglichst dunkles Jackett und Schillerfragen. Wir tragen unsere Sturmfahnen. Am Nach mittag Treff aller Arbeitersportler auf dem Wassersportplatz Plözzensee zur Maifeier. Mitwirkende pünktlich. Freie Sport- und Schützenvereinigung. Treffpunkt Rosenthaler Platz 11 Uhr. USB. Rot- Weiß. Treffpunkt 10.30 Uhr Normaluhr Schönhauser Allee Ecke Danziger Straße. Nachzügler 11 Uhr Lothringer Straße Ecke Rosenthaler Plazz. Kartellbezirk Schöneberg- Friedenau. Antreten 10 Uhr Bahn hof Großgörschenstraße. Kleidung dunfles Jadett mit Schiller fragen, dann 11 Uhr Gendarmenmarkt. 100 000 Mark für ein Rennpferd Bei der großen Bollblutauktion in der englischen Trainingszentrale Newmarket tamen auch einige Pferde aus dem Nachlaß des verstorbenen englischen Rennmannes Sir John Rutherford zur Versteigerung Das begehrteste Pferd war der jegt vierjährige Solario- Sohn Orpen, der sowohl im Derby 1931 wie auch im St. Leger jedesmal zweiter geworden war. Die Gebote überstürzten sich förmlich und schließlich erhielt Sir Alfred Butt der Zuschlag. Er mußte allerdings 6600 Pfund, nach dem heutigen Kurs etwas über 100 000 m., anlegen, um den Hengst in seinen Besitz zu bringen. Es follte eigentlich möglich sein, in der gegenwärtigen Zeit der größten Wirtschaftskrise und der ungeheuerlichsten Arbeitslosigkeit 100 000 Manders anzulegen, als für ein Rennpferd. Bundesreue Vereine teilen mit: Arbeiter Photo- Gilde Tegel. Montag, 2. Mai, 20 Uhr, Jugendheim Schöne 2. Mai, 20 Uhr, Dunkeltammer, Eythstr. 48, Bergrößerungen. berger Straße, Arbeitsabend. Arbeiter Photo- Gilde Lindenhof. Montag, Arbeiter Photo Gilde Often. Montag, 2. Mai, 20 Uhr, Borwärts"-Ausgabestelle Weichselstraße( Lichtenberg), wichtige Besprechung über Photoangelegenheiten. ASV. Rot- Weiß. Karten für die Meisterschaftsspiele am Himmelfahrtstag im Neuköllner Stadion find bei Krüger zu haben. Ruderverein Butab. Sonntag ab 16 Uhr interne Wettkämpfe in Tiefwerder. Dienstag, 3. Mai, 19% Uhr, im Bundeshaus, Mitgliederversammlung. Tagesordnung u. a.: Steuermannsprüfung und sportärztliche Untersuchung. 1. Mai Fahrtensperre. Die Zeltscheine müssen spätestens in der Versammlung bestellt werden. Am FIGB. Mitteilungsblätter heute von der Geschäftsstelle abholen. Arbeiter- Sportkartell Webbing. Montag, 2. Mai, Kartellvorstandssigung be Saath, Lynarfir. 10. Montag, 16. Mai, Kartelldelegiertensizung. Arbeiter- Schüßenbund, Abt. Lichterfelde. Montag, 2. Mai, 20 Uhr, bet Rosenthal, Händelplag 2, Mitgliederversammlung. Vorwärts- Webbing II spielt Sonntag, 17 Uhr, in Buch gegen Buch. Der Verein tagt jetzt bei Hermann Pimpler, Nazarethkirch- Ecke Malplaquetstraße, D 6 7319, jeden Freitag 20 Uhr. Fußballer tönnen sich noch zur Vervollständi gung der unteren Mannschaften anmelden. Das alte Sokal Bobfer, Afrikanische Ecke Otawistraße, ist Sturmlokal der Nazi. Wir bitten dies zu beachten. Kranken- u. Sterbekasse für das Deutsche Reich ( Lichterfelder Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige V. a. G.) Auskunft und Prospekte kostenlos und unverbindlich durch die Hauptverwaltung: Berlin N 24, Oranienburger Straße 67