BERLIN Mittag 2. Mi 1932 10 Pf. Tit. 205 B 103 49. Iahrgana LrscheisttSslich außerSonntag«. Zugleich Adeudauggabe des �Bonvärts� Bezvgsvrets für beide Äusgabeo 7s Pf. pro Woche. 3,25 M. pro Monoi (davon 87 Ps. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus »ahlb«. PostbeiUg 3L7 M. einschließlich 60 Pf. Postjeitungs' und 72 Pf. Postbestellgebübren ,f\£yu>asd& iln«etge»»ret»! Di- clnspaltige WiMwet-rj-N- ZV Pf. R-klam-j-ile 2.— 3R. Ermäßigung-Ii nach Tarif Postscheckkonto: Borwärtf-ZZ-rla«&■ m. b. H., Berlin Sir. 37 536.- Ter Verlag behält stch dag Siecht der Ablehnung nicht genedm-r Anicigen oor 1 Si-daktion und Ervedlllon: Berlin SWS«, Lindenstr Z Errnsprecher: Dönboff(A 7) 292—297 Sieg der Linken in Krankreich! Tardieus Mehrheit wird nächsten Sonntag gebrochen Paris. 2. Mai.(Eigenbericht.) Nach der letzten vom Innenministerium nach Vsl Uhr ausgegebenen Statistik sind ttl)Z Wahl- resnltake bekannt. Davon sind 248 endgültig. während in den übrigen 3 57 Wahlkreisen Stichwahlen stattfinden müssen. Tie 248 gewählten Abgeordneten verteilen sich solgendcrmaszcn ans die Parteien: Soziali st en......... 40 Radikale(Hcrriot)....... 63 Unabhängige Sozialisten..... 4 Tozialrepnblikaner(Painlevs).. 5 Sozialistische Kommunisten.... 3 Unabhängige Radikale...... 25 Linksrepublikaner(Tardieu)... 37 Katholische Demokraten..... 10 Unabhängige Republikaner.... 12 Rationalistische Marin-Gruppe.. 44 Konservative.......... 3 Antonomisten......... 1 Kommunisten......... 1 * Frankreich hat gestern gewählt. Es hat links gewählt. Daran ist für jeden, der die Wahlergebnisse der einzelnen Kreise genau verfolgt hat. nicht der gering st c Zweifel. Daran können auch die einseitigen Statistiken, die das sranzösische Innen- Ministerium in der Nacht herausgegeben hat und denen offenbar verschiedene Pariser Korrespondenten deutscher Blätter aufgesessen sind, nichts ändern. Uebrigens beweisen die Zahlen der bisher, also schon im ersten Wahlgang gewählten Abgeordneten nicht allzuviel. Denn für die Beurteilung der allgemeinen Tendenz der französischen Wahlen ist die Kenntnis der Stimmenzahlen in den einzelnen Wahl- kreisen erforderlich, weil sie allein ein Urteil über die Aussichten im zweiten Wahlgang ermöglichen. Richtig ist. daß diesmal im Vergleich zu 1928 weit mehr Abgeordnete schon im ersten Wahlgang durchgekommen sind. Aber wenn daraus überhaupt Schlüsse gezogen werden können, so nur zugunsten der Linken, ins- besondere der S o z i a l i st i s ch e n Partei. Letztere hatte im ersten Wahlgang von 1928 nur 14 Abgeordnete durch- bekommen und mehr als 8S weitere siegten erst bei der Stich- wähl. Gestern sind es schon 49 gewesen, die die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang erhielten, aber in unzähligen weiteren Fällen ist der sozialistische Erfolg gesichert, wenn im zweiten Wahlgang die radikalen Stimmen den Kandidaten der Partei zugute kommen. Daran ist kaum zu zweifeln, denn die Einhaltung der traditionellen„republikanischen Disziplin" liegt im gegenseitigen Interesse. Schon jetzt läßt sich infolgedessen mit einer endgültigen Zahl von etwa 129 sozialistischen Abgeordneten rechnen, viel- leicht werden es sogar erheblich mehr. Offen steht höchstens die Frage, ob sie oder die bürgerlichen Sozialradikalen die st ä r k st e Fraktion im neuen Parlament sein werden. Es ist übrigens bezeichnend, daß mit Ausnahme von Paul F a u r e, der leider, wie erwartet, dem Terror des Kanonen- fabrikanten Schneider in Le Creuzot unterlegen ist, die meisten Führer der Partei gewählt worden sind, und zwar gerade solche wie L 6 o n Blum, deren Mandate als sehr gefährdet galten oder solche wie R e n a u d e l und Vincent A u r i o l, die vor vier Jahren erst nach schwerem Kampf in der Stichwahl gesiegt hatten. Die Niederlage der Reaktion ist schon deshalb nicht mehr aufzuhalten, weil diesmal die K o m m u n i st e n, auch wenn sie es wollen, in vielen Fällen den Kandidaten der Rechten nicht mehr helfen können. Freilich sei schon jetzt festgestellt, daß die Kommunisten in zahlreichen Wahlkreisen das Zünglein an der Waage zwische n Rechts und Links bilden, vor allem in Paris und im Industriegebiet um Lille und Roubaix, und daß bei einer vernünftigen Entscheidung der kommunistischen Internationale ldie jedocb kaum zu er- hoffen ist) die Niederlage der bisherigen Tardieu-Mehrheit Generalsclique gegen Brüning Alarmruf aus München/ Miliiärkabineti mit Schleicher an der Spitze geplant? Münch en, 2. Mai. Die Bayerische volksparleikorrespondenz unternimmt heute im„Bayerischen Kurier" einen scharfen Vorstoß gegen die Generäle v. hammerstein und v. Schleicher und schreibt u. a.: Die Gerüchte von einem konzentrierten Angriff auf die Stellung der Regierung Brüning verdichten sich. Die heutige aussehenerregende Meldung der ..Münchener Telegrammzeitung", daß die Generäle Schleicher und Hammer st ein eifrig den Sturz des Reichsinuen- und Reichswehrmini st ers Groener betreiben sollen, deckt sich mit unserer durchaus zuver- lässigen Berliner Znsormation. Das Spiel der poli- tischen Generäle, hinter dem leider wieder auch einmal persönlich. leiten der nächsten Umgebung des Reichspräsidenten, wie Staatssekretär Meißner, zu stehen scheinen, geht in seiner Planmäßigkeit weit über den Sturz Groeners, mit dessen SA.-Politik man unzufrieden ist, hinaus. Unter Hinweis aus den Ausgang der Preußenwahlen verlangt man in den genannten Kreisen eine radikale Umbildung der Reichsregierung an haupk und Gliedern. General Schleicher selbst ist der Reichskanzlerkandidat dieses Kamarilla-Spiels, dessen bisherige schon recht eigenartige Beziehungen zu Hitler. Röhm und Konsorten nutzbar gemacht werden, und zwar durch hereinnähme nationalsozialistischer persönlichkeilen in das neue Militär- kabiaett. Diese ganzen Pläne, die in der withelmslrahe umgehen. muten zwar äußerst bolivianisch an. Daß sie von ernst zu nehmenden Leuten erörtert werden, zeigt eine Geistesversassong auf. die erschrecken muß, bedeutet das Ganze doch nichts anderes als vollkommene Versälschung des politischen Sinnes und Zweckes der ganzen hindenburg- UZ a h l. Man mutet hier dem Reichspräsidenten Dinge zu. die für ihn einfach unerträglich sind. Dem gesunden und ehrlichen politischen Sinn unserer bayerischen Bevölkerung bietet sich hier ein Schauspiel der Hintertreppenpolitik dar. das nur Abscheu und Sopsschütteln hervorrufen kann. Ueber die Rolle des Generals Schleicher sind sehr oft Vcr- mutungen laut geworden, hier handelt es sich um mehr; denn an- gesichts der Lücke dieser Meldung muß man hier mehr sehen als bloße Vermutungen, man muß sie vielmehr sehr ernst nehmen! So- wohl der Reichskanzler als auch der Reichswehr- minister erhalten damit eine sehr ernste Warnung. Es gibt Ehrenpunkte! Zentrumsarbeiter gegen Naziherrfchafi. Köln, 2. Mai.(Eigenbericht.) Als Ergebnis einer Aussprache des Arbeiterbeirats der Kölner Zentrnmsportei über die politische Loge teilt der „Kölner Lokalanzeiger" in seiner Nummer 119 mit: „Die Kölner Arbeiter-Zentrumswähler würden es nicht o e r> st e h e n, wenn das Zentrum sich mit den Nationalsozia- l i st e n an einen Tisch setzen würde, bevor nicht eine Reihe Ehrenfragen geklärt ist und Verleumdungen der ge- samten Zentrumspartei und einzelner Persönlichkeiten, besonders die gemeinen Verleumdungen des Prälaten Kaas, zu- rückgenommen würden. Die Arbeiter-Zentrumswähler wollen dies als eine bestimmteste Willensmeinung zum Ausdruck gebracht haben. Aller nationaler Opferwille der Zentrumspartei in Ehren, aber es gibt auch eine Parteiehre!" am kommenden Sonntag noch viel vollständiger sein würde. Die Kommunisten verfügen noch immer über einen starken Anhang in den Pariser Außenbezirken und Vor- orten, sowie in einem Teil des nordfranzöfffchen Industrie- reviers. Sie dürsten, nachdem sie gestern nur ein Mandat gerettet haben, noch ein weiteres Dutzend erhalten. Aber selbst in diesen bisherigen Hochburgen des französischen Bolschewismus verlieren sie an die Sozialisten, und im 1 übrigen Frankreich sind sie größtenteils so gut wie b e- deutungslos. Daß die erwähnten Berichterstatter der deutschen Presse sich durch offiziöse Darstellungen haben irreführen lassen, ergibt sich schon aus der Behauptung, daß die e l s ä s s i s ch e n Autonomisten geschwächt aus dem Wahlkampf hervor- gegangen wären. Das Gegenteil ist der Fall. Ihre Zunahme erfolgte allerdings auf Kosten der Kommunisten, die sich im Elsaß gespalten haben. Die Sozialistische Partei hat dort nicht besonders günstig abgeschnitten, Grumbach hat jedoch Aussichten, sein Mühlhausener Mandat in hartem Stichwahl- kämpf zu behaupten, und Georges Weill könnte sein früheres Straßburger Mandat zurückgewinnen. Die Radikalen können mit ihrem bisherigen Ab- schneiden und mit ihren weiteren Aussichten sehr zufrieden sein. Ihre Führer— herriot, Chautemps, Daladier, Malvy und Pierre Cot— sind sämtlich schon jetzt wiedergewählt worden, nur ist es noch nicht klar, ob die künftige radikale Kammerfraktion sich in ihrer Mehrheit für einen unzwei- deutigen Linkskurs durch Zusammengehen mit den Sozia- listen erklären wird oder ob sie eher nach einer bürgerlichen Konzentration, wie sie.herriot anscheinend vorschwebt, zu- neigen wird. Tardieu hat seine Mehrheit verloren. Noch in der vergangenen Nacht versuchte das Jnnenmini- sterium, diese schmerzliche Tatsache zu bestreiten, heute niittag mußte sie bereits zögernd zugegeben werden, nächsten Sonn- tag wird sie klar vor aller Welt feststehen. Daran vermag der Umstand auch nichts zu ändern, daß alle Minister, fast alle Unterstaatssekretäre und die meisten bekannten Persönlich- leiten der Rechten bereits wiedergewählt sind. Das französische Volk hat sich durch die nationa- listische Panikmache, die mit dem Ergebnis der Preußenwabl betrieben wurde, nicht irreführen lassen! » Paris, 2. Mai.(Eigenliericht.) Ein Wahlkurichum ist diesmal zu verzeichnen. In drei Wahl- kreisen wurde für tote Kandidaten abgestimmt. Das ist dadurch zu erklären, daß alle drei Kandidaten nach Abschluß der Ein- tragungsliste gestorben sind und daher nach dem Gesetz nicht durch einen anderen Kandidaten ersetzt werden können. Es handelt sich um den Radikalen Durasour in St. Etienne, der am vorigen Montag gestorben ist, den Radikalen O s s o l a in Grosse, der am Sonnabend bei einem Autounfall tödlich o c r» n g l ii ck t e, und um den Linksrepublikaner Lorin, der am Sonntagabend, als er erfuhr, daß fein sozialistischer Gegenkandidat mehr Stimmen als er erhalten hatte, einen Schlagansall erlitt und starb. Der reaktionäre Abg. Mandel, der hartnäckige Verteidiger der so- genannten Wahlreform, dürste bei der Stichwahl unterliegen. Der radikale und der sozialistische Kandidat haben züfamtnen über 600 Stimmen Mehr als er erhalten. In zahlreichen anderen Wahlbezirken sind die sozialistischen Kandidaten in so guter Position, daß ihre Wahl am nächsten Sonntag schon jetzt gesichert ist. Das ist z. B. der Fall für Com- pero- Morel, Bracke, Froffard, Long» et und den Vorsitzenden des Grubenarbeiterverbandes, M a c s. Leon Blum ist mit 6226 Stimmen gewählt worden, während er bei der letzten Wahl im ersten Wohlgong nur 5886 Stimmen erhalten hatte. Sein gefährlichster Gegner, der radikale Kandidat, hat es nur auf knapp 3000 Stimmen gebracht. Beniner UdK marschiert I Gewalflge Beteiligung an der Maifeier im Lusiganen Wenn fich die Demonstrationen der sozialdemokratisch und sreigewerkschaftlich organisierten Bevölkerung Ber- lins nach den gewaltigen Aufmärschen während der Wahl- zeit überhaupt noch steigern liehen, so geschah das gestern bei der Maidemonstration im Lustgarten. Einen solchen Aufmarsch hat Berlin seit den Zeiten der Rathenau-Tcmonstration wohl nicht wieder gesehen; da» mals marschierte ein gut Teil des republikanisch ge- sinnten Bürgertums mit der Arbeiterschaft— gester« stillte das freiorganisierte Proletariat allein den nnge- Heuren Platz zwischen Schloß und Museum, zwischen Dom und Spreearm. Wer will die Massen, die den Fahrdamm und die Wege in den Anlagen des Lustgartens Kopf au Kopf gedrängt füllten, zählen, wer will sagen, ob es laOOttO oder 200 000 oder noch mehr waren? Blelleicht ist es der Kraft, die das Böse will und das Gute schafft, zu danken, wenn sich die Gcioerlschaften und die Partei und die Arbeitersportler, kurz die Eiserne Front, für ihre nächsten Denumstratione» nach einem noch größeren Platz wird umsehen müssen! Geeint marschierten gestern gestern Gemerk schaftler und Parteigenossen gegen die Reaktion, die dem Arbeiter im Wirtschaftsleben die Existenzbedingungen verschlechtern will und die dem Staatsbürger im Arbeiter die politischen Rechte, die Freiheit nehmen will. Gegen diese Reaktion, die sich gegenwärtig Faschismus nennt, gegen die die klassenbewußte Arbeiterschaft aber schon seit 42 Iahren, als sie das erstemal den Weltfeiertag beging, kämpft und gestanden hat, gegen diese Reaktion waren gestern im Lustgarten der Allgemein« Deutsche Gewerkschaftsbund, der Allgemeine frei« Angestelltenbunb, der Allge meine Deutsche Beamte nbund, die Sozialdemo- kratische Partei und das Kartell für Arbeitersport und Körperpfleg« angetreten. Unter dem leuchtenden Rot des Sozialismus standen die Hunderttausende, standen als Eiserne Front gegen die anstürmenden Horden-der anderen! In unendlich langen Zügen kamen sie ainnarschiert. Musik- kapeilen an der Spitze, Tambourkorps vor den Abteilungen, dann die Jugend der Gewerkschaften und der Partei, die Kinderfreunde und die Roten Falken, die Sportler in einheitlicher Tracht im blauen Dreß mit weißen Schillerkragen und schließlich die Mengen der Ge- werkschafts- und Parteigenossen in Pierer- und Sechserrechen— so hatten sie sich an den Sammelplätzen versammelt und so standen sie im Lustgarten. U eberwältig« nd das Bild von der Schloßterrasse oder noch besser zu schauen von der höheren Rednertribüne. Rot die Sturmsahnen, rot die Fahnen der Ha-mmevschasten, rot die Partelbanner, rot die Schmuckbluinen an den Röcken der Demon- stranten, rot die Draperien der Tribünen. Rot, die rote Farbe des Sozialismus, sie leuchtete hell und sieghaft im herrlichen Sonnen- schein eines schönen Maientages. Der Anmarsch will kein Ende nehmen. Selbst als die Kundgebung schon eröffnet ist und die Ar- beitersänger von ber Mufeumstreppe her chre Kampflieder gesungen hatten, kamen immer noch Züge an. Aber der Platz konnte sie nicht mehr fassen. Die S ch l o ß s r« i h e i t, die Breit« Straße und jenseits die Kaiser-Wilhelm-Straße waren verstopft, der Listgarten überfüllt. Klar und auch für den Entferntesten verständlich trugen die Lautsprecher die Worte der Redner über den weiten Platz: stürmisches Gelächter quittiert« die von Künstlsr übermittelte Ankündigung des Goebbelschen„Angriff", das wäre die letzte Mai- feier der Arbeiterschaft gewesen! Kranz Künsiler eröffnete als Vorsitzender des Bezirksverbandes Berlin der Sozial- demokratie die Maikundgebung der Hunderttausend. Er sagte: Die Eiserne Front, die Einheitsfront aller Kopf- und Handarbeiter, hat sich tapfer und siegreich geschlagen. Wir haben in dieser schweren Zeit weder Lust noch Neigung zu inhaltlosem Debattieren, und wir werden nicht eher demobilisieren, als bis der Sieg errungen ist. (Starker Beifall.) Josef Goebbels schrieb vor einigen Tagen im„An- griff": Der 1. Mai 1S32 wird die letzte Maifeier der Marxisten sein. Die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften sind mit dem Sozia- listengesetz eines Bismarck fertig geworden. Die Eiserne Front wird auch die politische Brockensammlung der NSDAP, zur Liquidation bringen.(Stürmische Zustimmung.) Am Fest- und Kampstag der sozialistischen Arbeiter aller Länder gedenken wir der unterdrückten Brüder in Italien.(Lebhafter Beifall.) Wir grüßen unsere braun- schweigischen Genossen, die durch Klagges gehindert sind, für die großen sozialistischen Ideale zu demonstrieren. Im Geiste reichen wir den französischen Arbeitern die Hand, die heute einen schweren tälfck auf die Wlalienkundgebung 9m Vordergrund das Symbol des Waifenirillens: 3)as lafchiflifche 9tahenkreus tefrd ausgeftrichen! Wahl kämpf zu bestehen haben.(Minutenlanger Beifall.) Wr hoffen, daß unsere französische Bruderpartei den Kampf siegreich be- stehen wird, denn für den Frieden in Europa, für die Ueberwindung der Wirtschaftskrise hat der französische Wahlausgang entscheidende Bedeutung. Kampfmai 1932, wir grüßen dich! Wir sind bereit zum Kampf für den Sozialismus und die Befreiung der Arbeiterklasse. Den mit Begeisterung ausgenommenen Worten Künstlers folgten musikalische Borträge der trefflich geschulten Arbeitersänger. Dann nahm der Hauptredner des Tages, der Borfigende des Berliner Ortskartells des AfA-Bundes Erich Klatau das Wort. Drei mit ungeheurer Wucht geführte Wahlkämpf«— so begann der Redner— liegen hinter uns, in denen Hauptziel der vereinten Freien Gewerkschaften, der Arbeiter, Angestellten und Be- amten und der Sozialdemokratischen Partei die Errichtung eines Schutzwalls gegen die Schlammflut des Faschismus war. Bei zwei Wahlhandlungen herrschte die kühle Entscheidung des Verstandes, für die Wahlschlacht des 24. April aber kam der Antrieb zu außer- ordentlicher Kxaftenfoltung aus den Herzen, aus dem tiefen Gesiihl des Verbundenseins mit den sozialdemokratischen Führern, die durch kluges Wirken in Preußen, mühevoll ausbauend, Wertvollstes schufen und das alte reaktionäre Preußen zu einem Staat wandelten, in dem der Proletarier Mitbestimmung hat und dessen innerpolitische Gestaltung die Verwandlung der Deutschen Republik in ein braun- schweigisches Naziwildwest verhinderten.(Lebhaste Zustimmung.) Wir standen gegen eine Jeindessronk der traurigsten Gestalten und seltsamsten Gruppen, die nur geeint waren durch den wütenden haß, gegen unsere unzerstörbaren Formationen einer proletarischen Front, die wahrhast eisern ist und unüberwindlich bleibt. (Erneuter Beifall.) Selbst das Scharftnacherorgan, die„Deutsche Allgemeine Zeitung", hat zweimal in den letzten Wochen, am 20. März und am 11. April, zugeben müssen, daß jeder Gedanke an Vernichtung oder Ueberwindung der Sozialdemokratie sinnlos wäre. Me Arbeilertänger auf der Wui'eumsireppe Das st für uns keine besondere Anerkennung, sondern die durch die Wirklichkeit erzwungene Fesstellung einer Tatsache. Die Tat- fache wird allzeit Geltung behalten. Sie wird noch deutlicher, weil der 24. April den Faschismus gehindert hat, wie er es wollte, alleinbestimmender Faktor zu werden. Heute verein: der Maitag die Arbcitnehmerschaft in gewaltigen Kundgebungen. Znr Arbeitslosigkeit oerurteilte Menschen sehen, wie ein diktatorischer und brutaler Großkapitalismus in seinen Grundfesten kracht. Nord- wollepleite, Favag-Skandal, Raiffeisen-Schwindel, Kallenellenbogens Ende— das sind stichwortartig einige Kennzeichen des Zusammen- bruchs der privaten deutschen Wirtschaftsführung, die durch Beispiele des Auslands vermehrt werden können. Weit über zwanzig Mil- lionen Arbeitsloser gibt es in der Welt, das sind, wenn wir die Fa- milienangehörigen hinzurechnen, an hundert Millionen wirtschaftlich Geächteter. Die Leiden dieser hungernden Millionen verbieten, den Moitag 1932 in Freud« und lachender Lustigkeit zu begehen. Tag der Erkenntnis, Tag des Bekenntnisses muß er sein. Wir erkennen die UnHaltbarkeit der heutigen Wirtschaftsform. Wir erkennen, wie katastrophal der Mechanismus des Privatkapitals ver- sagte. Und wir erkennen vor allem die Feigheit seiner Vertreter, die ihre einst frech vertretenen Prinzipien nicht mehr selbst ver- teidigen, sondern dies be.zahlten Handlangem wie Hitler und Kon- sorten überlassen.(Anhaltende Zustimmung.) Große Teil« des beut- schen Unternehmertums schufen sich in den Nazihorden eine willige Schutzgarde, die Millionen erhält, um die durch Lohnkürzungen und Entlassungen die deutschen Arbeitnehmer gebracht worden sind. Dom Faschismus hofft man die Vernichtung der Demokratie, der stärksten Waffe des Proletariats. Wir bekennen uns zu dieser Demokratie. (Minutenlange Zustimmung.) Durch die Demokratie wollen wir, das auf sozialpolitischem Gebiet zum Teil Verlorene wiedererlangen. Ueberall, wo deutsche Arbeitnehmer demonstrieren, muß der Pro- testruf erschallen: Halt, nicht weiter auf Siesem Wege! Weiter aber glll es, alle Kräfte zusammenzuballen, um in der Stunde höchster Gefahr nicht nur schreien, sondern auch handeln zu können. In einer Zeit, in der Hitlers Trabanten in einer Siegestrunkenheit auf Vorschuß gröhlen: Hitler steht vor dem Tor! müssen wir alle unsere Kräfte so steigern, daß wir Hitler das Tor der deut- ichen Republik vor der Rase zuschlagen, damit er dauernd draußen bleibt.(Große Begeisterung.) Die Forderung auf Arbeits- beschassung steh! obenan. Wir erwarten, daß die Reichsregierung auf diese Forderung nicht weiter mit diplomatischen Formulierungen, sondern mil einer befreienden Tat aniworlet. Soll es so weitergehen, daß Millionen in Pfennigbeträgen den Erwerbslosen gegeben werden, obne daß endlich einwandfrei geprüft wird, ob nicht in anderer, Arbeitsmöglichkeiten schaffender Weise diese Mil- lionen für die Rotleidenden nutzbringend verwandt werden kann- ten? Wir sordern die 40-Stunden-Wochs und protestieren gegen die zum Teil staatlich sanktionierte Lohnraubpolitik. Wir sordern vor allem Bruch mit der Taktik des Zagens uns Zauderns in der Sozial- und Wirtschaftspolitik! Wir verlangen klare Stellung- »ahme zum Wirtjchafts- und Arbeitsbeschaf- fung-programm der Gewerkschaften und Veröffent- lichung der Arbeitsbeschasfungsplänc der Regierung. Wir ver- kennen nicht die außenpolitischen Schwierigkeiten und richten unsere Gedanken deshalb nach Frankreich, wo beute eins auch für uns entscheidende Wahlschlacht geschlagen wird. Wir grüßen unsere iranzösischen Arbeit-brülZer und wünschen ihnen ein Wahlergebnis, das die akute Halskrankheil Tardieus zu einer chronischen Krankheit des Kabinetts macht. Wir bekennen uns wiederum zu den Grundsätzen des Sozialismus und zum republikanischen Gedanken und betonen unseren Willen zur Ablehnung oller Kriegsexperi- mente in heißem Verlangen noch Beriöbnung der Völker. Die Formationen der Eisernen Front sind stärkste Stützen der Republik. In größten Notzeiten haben vor allem unsere Kamps- kameraden vom Reichsbanner in vorderster Front gestanden.(Bei- fall.) Wir möchten das beschämende Schauspiel nicht erleben, doh das Reichsbanner, das für die Farben Schmarzrotgold Blut und Leben der Kameraden geopfert hat. verboten oder auf sine Stufe mit den vertierten Na�ihorden gestellt wird.(Anhaltende, br- geisterte Zustimmungskundgebungen.) Wir gedenken unseres ge- liebten Führers Otto Wels, der noch immer umer den Folgen des j (eigen Naziübersalls leidet. Wir wollen und werden siegen und rufen den Feinden de» Freiheitsspruch zu: chört ihr Verfechter kalter Machtgelüste: Wir halten Wacht! Noch brach die Nacht nicht an! Wir glauben, glauben selbst in vieler Wüste An Recht, an Sieg! Der Glaube leucht� voran! Die Rede Flataus fand stärksten Widerhall. Dann richtete Franz Kunstler noch einmal aufrüttelnde Worte an die Hundert- � tausende und brachte unter Beijall ein Telegramm an den! Führer der französischen Brudcrpartei, Leon Blum. � zur Verlesung. Es lalltet: „hunderttausende Berliner Proletarier, im Lustgarten zur Maikundgebung versammelt, grüßen herzlichst die französischen Sozialisten. Besten Erfolg zum Ausgang des Wahlkampfes! Es lebe die deutsch-sranzösische Verständigung, es lebe der Frieden!" An Otto Wels wurde folgende Depesche gerichtet:„Dem Führer und Freund der sozialistischen Sache entbieten die Hundert- taufende von Maideinonslranten inl Lustgarten herzliche Grüße und Wünsch« baldiger Genesung." Ein dreifaches Hoch auf die Sozial- demokratie, die Gewerkschaften, das Reichsbanner, die Arbeiter- sportler und die Genossenschaften und der gemeinsame Gesang der Internationale bildeten den Abschluß der gewaltigen Maikund- gebung des Berliner Proletariats. I�und um das GZwerkschafishaus. Je mehr man sich gestern vormittag dem Südosten Berlins näherte, desto häufiger begegnete man Frauen und Männer mit roten Blumen. Auch die roten und schwarzrotgoldenen Fahnen an den Fenstern waren weniger selten: in manchen Straßen war fast j jedes Haus beflaggt. Ab 1t Uhr wurde es rund um das Gewerk- schaftshaus, wo viele Züge Aufstellung nahmen, immer lebhafter. Hoch vom First des neuen Riesenbaues des Gesamtverbandes flatterten, weithin sichtbar, drei große Fahnen in rot und schwarz- rotgold. Das nun schon historisch gewordene Gewerkschafts- haus hatte gleichfalls seinen traditionellen Flaggenschmuck angelegt. und vom Oranienplatz her sah man den mächtigen neuen Hochbau der Konsumgenossenschaft. Einen stattlichen Zug. an dessen Spitze Genosse O st e n mar- schierte, bildeten die Sotller, Tapezierer, Porlefeuiller, Textilarbeiter und Schuhmacher. Ein eifriges Musikkorps eröffnete den Zug, dem die Iugendgruppe des Verbandes der Satiler, Tapezierer und Portefeuiller folgte, jeder eine rote Fahne tragend. Obwohl der Zug pünktlich abmar- schierte, hatte er das Pech, Ecke Dresdener und Alte Jakobstraßs von dem schier endlosen Zug des Gesamtoerbandes(des„Völkerbundes", wie man ihn scherzhaft in Gewerkschaftskreisen nennt), überholt zu werden. Dreiviertelstunden mußte man geduldig ausharren, bis endlich das Schupoauto in Sicht war, das den Zug des Gssamtver- bandes abschloß. Mit erheblicher Verspätung kam man schließlich doch noch an. Aber man tröstete sich mit dem Mißge- schick der anderen Züge, die hinterher kamen. Um K2 Uhr erklang noch immer von der Breiten Straße Musik der anmarschie- renden Züge. Bezeichnend war für alle Züge, daß immer wieder der Ruf erklang:„Die internationale, völkerbefreiende Sozialdemokratie, sie lebe hoch!" Die Hüte flogen auf, brausend und einstimmig erfolgte die Antwort:„Hoch! Hoch! Hoch!" Es gab keinen Mißton. Es gab kein kommunistisches Gemäcker. Es mar eine große Kundgebung der Einheit der Gewerkschaften und der Partei. * Neu war bei dieser Demonstration die vorher nicht bekannte An- Weisung, den Rückmarsch zu den Sammelplätzen in geschlossenen Zügen zu vollziehen. Die Kommunisten im Lustgarien. Auch die Kundgebung der Kommunisten, die mit einiger Ver- spätung, gegen IS Uhr, begann, war sehr stark besucht. Thäl- mann hielt die Festansprache. Wir wollen Euch nicht mehr! Das wählende Volk enifcheidei gegen Aaziparieibuch! Weliwirtschaftskonferenz in Berlin. Um das Prinzip der internationalen Arbeitsteilung. Am Sonntag vormittag wurde im Plenarsaal des Reichswirt- jchaftsrats die„Weltwirtschastskonserenz Berlin 1932" eröffnet. Diese Konferenz ist der privaten Initiative des Verlages und der Redaktion! des„Berliner Tageblatts" entsprossen. Aber dieser private Charak-\ ter ihrer Entstehung kann die Bedeutung der Tagung nicht mindern, � was sowohl die Wahl der Themata, die in dieser Woche in zahl-> reichen Sitzungen erörtert werden, wie die Auswahl der Referenten beweist, unter denen Wissenschaftler von Rang aus aller Welt zu finden sind. Ucber die Aufgabe dieser Konferenz sprach bei der Eröffnung Dr. F e l i x P i n n e r. Er legte dar, wie nach dem Kriege über- raschend schnell der Welthandel wieder ausgebaut wurde, unterstützt durch eine immer stärkere internationale Kapitaloerslechtung. Aber zwischen Kapitalwirtschast und 5)andelspolitik ergab sich ein verhäng- nisvoller Widerspruch: entgegen der in der Borkriegsszeit heraus- gebildeten Rege! weigerten sich die Länder, die Kapital ausliehen (Gläubigerländer), von ihren Schuldnern Waren abzunehmen, also eine passive Handelsbilanz zu haben. Den Schuldnerländern gelang es andererseits nicht, in genügendem Umfange Waren abzusetzen und ihre Handelsbilanz genügend aktiv zu gestalten. Das führte dann sehr bald zu der internationalen Vertrauens- krise. zu Autarkiebestrebungen und Schutzzollpolitik, woraus die Welt jetzt keinen Ausweg findet. Aufgabe dieser Konferenz soll es fein, das Prinz ip der internationalen Arbeits- t e i l u n g klarzulegen und im Interesse der Gesundung der Welt- Wirtschaft zu propagieren. Unter den zahlreichen Rednern, die bei der Begrüßung das Wort nahmen, mahnte Geheimrat Dr. v. Miller, über der Be- ratung der Problems nach der technischen und rein ökonomischen Seite hin nicht die soziale Seite zu vergessen. Der amerikanische Bankier Wassermann(Philadelphia) bekannte. daß das amerikanische Volk kein Zutrauen habe zu Europas Fähigkeit, sein Schicksal zu meistern. Wenn der Zollkrieg sortgesetzt werde, müsse das Chaos aus den internationalen Märkten voll- ständig worden. Am Montag vormittag wurden wissenschaftliche Verhandlungen mit der Untersuchung der Zusammenhänge von„Kapitalverflechtung und Welthandel" eröffnet. R o st o ck. 2. Mal.(Eigenbericht.) Das Volk bäumt sich gegen die Parteibuch-Wirlschasl der Rikter vom Hakenkreuz aus. Zwar haben diese bei den lehlen mecklenburgischen Gemcindewahien vielfach so starke Erfolge gehabt, daß sie glaubten, sie könnten willkürlich drauflos wirtschaften und ihre Parleibuchbeamlen überall unterbringen. Aber sie machten diese Rechnung ohne die Wähler selbst. Ein außerordentlich kenn- zeichnender Vorgang hat sich seht in dem Städtchen S ch w a a n abgespielt. Auch dort„herrschten" seit den letzten Wahlen die Razis mit Hilfe ihrer Huzenberg-Trabanlen fast unumschränkt. Erst kurz vor ihrer„llebernahme der wach!" war ein deutschnalionaler Ge- richtsassessor aus Rostock, Dr. Bergmann mit Hamen, zum Bürgermeister gewählt worden. Aber bald, nachdem die hillerleute auss Ralhcrns kamen, setzten sie dem Bürgermeister einen Haziassessor aus die Hase, nur damit die kleine Stadt zwei Bürgermeisterzehälier zu zahlen hätte. Der Herr Assessor ist inzwischen wieder verschwunden. Seht aber beschloß die Hazi-Rechts- mehrheit, den Bürgermeister zu pensionieren und eine Heuwahl vorzunehmen. Die Sozialdemokraten verlangten schon aus Ersparnisgründen die weiterbetrauuna Bergmanns mit feinem Amte. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt und die Heuwahl durch das Volk ausgeschrieben. Aus die offizielle Vorschlagsliste setzten die Hazia nicht de» bisherigen Bürgermeister, sondern zwei Auen genehme GerichtscisjessLren Dr. Schöps aus Schwerin und Dr. Schneider aus hagenow. Am Sonnlag fand die Wahl statt. Sie ergab zur Ueberrafchung der Hazis dieses Bild: Dr. Schöps SZZ, Schneider 83, der bisherige Bürgermeister Bergmann 108? Stimmen! Daneben wurden noch 184 Stimmen für einen Kommunisten und insgesamt 48 ungültige Stimmen gezählt. Die Wähler haben also durch die Parteibuch-Rech- nung einen dicken Strich gemacht. Jehl muß das wi- nisterium in Schmerin entscheiden, ob es die Stimmen des Volkes oder die Stimmen der Schieber berücksichtigen will. Gleichzeitig ist am Sonntag die erforderliche Unterschrisienzahl für einen Antrag auf Auflösung der Stadtverordnetenversammlung eingereicht morden. Das Volk Hai von der Haziwirtfchast schon nach wenigen Wochen genug! Wahlsieg in Braunlage. Trotz Minifterhilfe unteriiegt der Hitler-Kandidat. Braun schwei g, 2. Mai.(Eigenbericht.) Einen großen Wahlsieg errang die Sozial- d e»» o k r a t i e bei der B ii r g e r m e i st e r w a h l in dem Harzer lturort Braunlag c. Der bisherige Bürger- meister, Genosse stiolosf, siegte trotz wüstester Agitation der 9!azis mit einem Borsprung von 120 Stimmen über den n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch c n Gegenkandidaten, dem in Salz Wedel davongejagten Stadtbürodirektor Weiß. Dieser Sieg ist um so bedeutsamer, als für den Nazikandidaten sogar der braunschweigische Ministerpräsident Dr. U ch e n t h a l in öffent- licher Versammlung geworben hatte. Unsere Partei steigerte ihre Stimmen von 4000 auf 1200, während die Nazis gegenüber der Präsidentenwahl u m die gleiche Stimmenzahl zurückgingen. Ein ÜPD.-SPlitterkandidat vermochte dem großen Erfolg unserer Partei keinen Abbruch zu tun. Riesiger Waldbrand bei Ferch. TOS Hekiar Gelände vernichtet. In einem Privatwald am Schwielowsee bei Ferch brach am Sonntagnachmittag Feuer aus, das sich außerordentlich schnell ausbreitete. Bei dem Feuer, das wahrscheinlich von Au-flüglern verursacht worden war, handelte es sich um Boden- und Wipsel- f e u e r, das besonöers schwer zu bekämpfen ist. Etwa 30 Feuer- wehren der Umgebung und zahlreiche Ausflügler beteiligten sich an der Bekämpfung des Brandes, doch konnte nicht verhindert werden, daß etwa 100 Hektar des Waldgeländes, das zu den reiz- vollsten Ausslugsgebieten in der Nähe Berlins gehört, vernichtet wurden. Nsksrd an Vsrkehrsunfällen. 1 Toter und 25 Vertetzte am 1. Mai. Am gestrigen Sonntag ereignete sich bei dem starken Motorrad- und'Autoverkehr eine ausfallend hohe Zahl von Verkehrsunfällen. Ein Toter und 2ö Verletzte sind zu beklagen. In der Wilhelnustraße- raste«in Motorrad mit einem Prioatauto zusammen. Das Rad wurde völlig zertrümmert. Der Führer, ein 22 Jahre alter Walter Jung mann aus der Charite- straße, erlitt tödliche Verlegungen. Seine Begleiterin kam wie durch ein Wunder mit leichten Verletzungen davon.— An der Kreuzung Möckern- und Teltower Straße prallte ein mit drei Personen be- setztes Motorad gegen die Mauer des Guterbahnhofes. Der Führer und zwei Begleiter erlitten lebensgefährliche Berletzungen. Alle drei fanden im Tempelhofer Krankenhaus Aufnahm«.— Die übrigen Unfälle verteilen sich auf alle Stadtteile, wo Motorräder mit andere» Fahrzeugen zusammenstießen oder Passanten überfahren wurden. Insgesamt mußten 2S Verletzte in die Kranken- Häuser gebracht werden. GroßZeistung der Arbeiiersamariter. Ein gewaltiges Stuck Arbeit leisteten bei der großen Kund- gebung im Lustgarten die Arbeitersamariter. Der stunden- lange Aufmarsch und das Stehen am Versammlungsort nahm die Kräfte mancher Teilnehmer doch so in Anspruch, daß die Samariter eingreifen mußten. Ucberall, wo der Ruf nach den Sanitätern laut wurde, waren sie im Augenblick mit ihrem Gerät zur Stelle, um Schwachgewordene in den Sanitätsraum zu bringen oder Erschöpfte zu erfrischen. 121 Fälle wurde behandelt, ernste Erkran- kungen kamen zum Glück nicht vor, nur in einem Fall machte sich die lleberführung eines von langer Krankheit eben Genesenen in ein Krankenhaus notwendig. Im Lustgarten traten 300 Mitglieder des Arbeitersamariterbundes und zwei Aerzte Dienst, in den Zügen waren außerdem noch gegen 100 Samariter verteilt. Lm Büro erschossen. Selbstmord eines Rechtsanwaltes und eines Ober« regierungerates. Am Sonnabend hat sich, wie erst jetzt bekannt wird, der Ober- regierungsrat Dr. jur. und phil. von Lilienthal in seinem Büro im Landessinanzamt in Moabit erschossen. Im Zimmer des Beamten ertönte kurz nach Dienstschluß ein Schuß, und als Angestellte hinzueiltcn, fanden sie L. tot auf. Er hatte sich eine Kugel in die Schläfe geschossen. Die Gründe zur Tat sind noch völlig ungeklärt. Aus die gleiche Weise nahm sich der Rechtsanwalt Dr. S o k o- l o w f k i- M i r e l s das Leben. Am Sonntag mittag fuhr Dr. S. in sein Büro nach der Seydelstraße. � Seinen Angehörigen erzählte er, daß er noch dringende Angelegenheietn zu erledigen habe. Als der Anwalt nicht in die Wohnung zurückkehrte, forschten die Angehörigen im Büro nach und dort machten sie die furchtbare Eni- deckung, daß sich Sokolowski erschossen hatte. Da finanziell« Schwie- rigkeiten nicht vorliegen, ist das Motiv zur Tat noch in Dunkel gehüllt._ Toie bei einem Vootsunglück. Auf dem Schweriner See ereignete sich am Sonntag ein B o o t s u n g l u ck. Die beiden jugendlichen Mitglieder des Schwe- riner Kleinsegel- und Kanu-Bereins K. Matz, 16 Jahre alt, und Karl Heinz Hansen, 14 Jahre alt, wollten eine Paddelfahrt über den See nach Plate machen. Bei dem böigen Wind schlug das Boot in der Nähe der Ralow, einer Untiefe im See, um. Die beiden Insassen ertranken. Die ihnen von Vereinsmitgliedern geleistete Hilfe war vergeblich. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden. Autounglück am Flughafen. Ein Tater und ein Schwerverletzter Am Flughafen Tempelhofer Feld fuhr heule mittag ein Privat- auto auf den Bürgersteig. Dabei wurde der 50 Jahre alte Gärtner Josef Z e n d e l i n aus der Reichenberger Straße 177 getötet und ' ein anderer Passant, der 37 Jahre alte Schlosser B l ii m e l. Schulen- burgring 50 in Tempelhof wohnhaft, lebensgefährlich ver- letzt. B. fand im St. Josefskrankenhaus Aufnahme. Schweres Autounglück. Vier Lnfaffen getötet.- Der Wagen völlig zertrümmert. Hagen, 2. Mai.(Eigenbericht.) In Hagen-Eckesey fuhr in der Nacht zum Sonntag ein Privatloagen mit fünf Personen gegen eine Pappel. Bier Insassen wurden auf der Stelle getötet, der Führer des Kraftwagens, ein Konditormeister, wurde schwer verletzt. Der Wagen fuhr aus der abschüssigen Straß« kurz vor der Eisenbahnunterführung mit ungeheurer Wucht gegen einen Baum von ungefähr drei Meter Umfang. Bon dem Wagen blieb buchstäblich nur ein Trümmerhaufen übrig. An der Unglücks- stille bot sich ein grauenhafter Anblick. Der Eigentümer' des Wagens, der Wirt Wilhelm Meyer aus Herdecke, der vorn links am Steuer faß und noch versucht hatte, den Wagen am Baum vorbeizusteuern, wurde durch den Anprall durch die Windschutz- scherbe aus die Straße geschleudert und erlitt lebensgefährliche Ver- letzunaen. Die übrigen vier Insassen wurden durch den Anprall erdrückt und schrecklich zugerichtet. Die vier Getöteten sind der 38jährige Malermeister Franz Dröge aus Herdecke, der 39jährige Polizeihauptwachtmeister Patzig aus Herdecke, der 36jähr>ige Laborant Franz Zuinloh und die 21jährige Hilde K n i e l i n g aus Hagen. postzenlrale niedergebrannt. Großfeuer in Bern.— Gewaltiger Bau gänzlich zerstört. Bern,?. Mai.(Eigenbericht.) Die Zentrale der schweizerischen Telephon- und Telegraphen- Verwaltung in Bern wurde am Sonnlagnachmittag das Opfer eines Großfeuers. Der Brand brach zugleich in drei Stellen aus und vernichtete den gewaltigen Bau zum großen Teil. Die Archive des Unternehmens wurden völlig vernichtet. In Anbetracht des großen Umsangs des Feuers mußte sich die Feuerwehr darauf be- schränken, das nahegelegene Museum mit seinem unersetzlichen Bild- Material vor den Flammen zu schützen. Malariafeuche! Mass: nsterben der Eingeborenen.~ Bis jetzt 1 200 Tost Kap stöbt, 2. Mai. Die Bezirke M o n g o n c a und E s h o w e in Rata werden zur Zeit von einer verheerenden Massen scuchc heimgesucht. Bis jetzt sind etwa 12 00 Ein g eb o r e n e g est o r b e n. Die Missionare haben dringend Chininscndung angefordert, da dieses Heilmittel sehr knapp geworden ist. Gerüchts um Nanzig. „Daily Expreß" veröffentlicht in sensationeller Aufmachun, einen Bericht seines Sonderkorrespondenten in Danzig, in dem es u. a heißt, Polen habe seine Pläne für die B e s i tz e r g r e i f n n g d e o Freistaates Danzig fertiggestellt. Nur ein in elfter Stunde erfolgter Schritt Frankreichs habe verhindert, daß die polnische Flagge gestern abend über Danzig wehte. Der Kor respondent sagt: Die m a ß g e b e n d st e P e r s ö n l i ch k e i t an Ori und Stelle— kein Pole oder Danziger— habe ihm erklärt:„Die Polen haben ihren Kopf verlöre n." Die Behörden hätten be- fürchtet, daß die polnische Flotte in den Danziger Hafen ein- fahren und, wie im Falle der Wegnahme von Wilna, die Welt vor eine vollendete Tatsache stellen wurde. Der Oberkommissar Gras G r a v i n a habe sich dringend mit dem Generalsekretär des Böller- bundes in Verbindung gesetzt und ihm warnend von dieser Gefähr- dung des europäische» Friedens Mitteilung gemacht. Raubmord bei Birkenwerder? Ii jähriger Rentner tot aufgefunden. Ein rätselhafter Leichenfund in der heioestrahe 8/g in Bergfelde nei Birkenwerder alarmierte am Sonntag die Berliner Mord- kommisfion. Zm dortigen Hause wurde der in Untermiete wohnende 7l Zahre alte Rentner Otto Ludwig unter merkwürdigen Umständen tot aufgefunden. Als am Sonnabend gegen ll Uhr die Wirtsleute nach Haufe kamen, bemerkten sie plötzlich schon auf dem Flur einen durch- dringenden Lysolgeruch, der aus dem Zimmer ihres alten Unter- mieters zu kommen schien. Sie öffneten die Tür und fanden Ludwig am Boden liegend tot auf. Auf einem Tisch stand eine leere Lyso- flasche. Der alte Mann lag noch angezogen da. Man benachrichtigte die nächste Landjägerstation und rief einen Arzt herbei. Dieser konnte jedoch die direkte Todesursache nicht feststellen. Als sich er- gab, daß dem alten Manne der Betrag von 90 Mark fehlte, nahm man an, daß er einem Raubmord zum Opfer gefallen fei und benachrichtigte das Berliner Polizeipräsidium. Kriminalkommissar L i s s i g k e i t ist beauftragt worden, Recherchen anzustellen. Ludwig bezog eine monatliche Rente von 180 Mark. Am Sonnabend soll er noch in einer Gastwirtschaft in Vergfelde und im Besitze seines Geldes gewesen sein. Leichenfund bei Paretz. Aus dem Kanal bei Paretz wurde die Leiche eines zunächst »och unbekannten etwa 40 Jahre alten Mannes gelandet. Ver- letzungen an der Schläfe ließen den Verdacht auftauchen, daß der Mann eines gewaltsamen Todes gestorben sei. Nach den Erwitte- dingen dürfte aber ein Verbrechen an dem Gefundenen nicht ver- übt worden sein. Die Verletzungen an der Schläfe sind— wie die ärztliche Besichtigung ergab, erst nach dem Tode entstanden. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in die Leichenhalle von Paretz ge- bracht. Bei deni Toten fand man mich eine Geldtasche und andere Wertsachen, jedoch keine Papiere. Sonniagsarbeit am-I.Mai. Gelbe und KpD.-Etreikbrecher im'Zeiwnqsgewerbe. Die Berliner Buchdrucker hatten in ihrer letzten Generalver- sommlung beschlossen, vom 1. Mai, 6 Uhr früh, bis 2. Mai, 6 Uhr früh, in allen Betrieben die Arbeit ruhen zu lassen. Damit sollte erreicht werden, daß die Montagszeitungen nicht erscheinen und der Kampftag der Arbeiterschaft in der würdigste» Form begangen wird. Dem Beschluß kamen die Berliner Buchdrucker in ihrer übergroßen Mehrheit nach. Eine Ausnahme machten bezeichnender- weife Gelbe und Kommunisten. Sowohl die Montagsaus- gaben der Firma Scherl als auch die k o m m u n i st i s ch e n Montagszeitungen sind erschienen. Sie wurden her- gestellt von Streikbrechern, die dadurch den Beschluß der freigewerkschaftlichen Berliner Buchdrucker sabotieren und der kämpfenden Arbeiterschaft— wie immer— in den Rücken fallen. Die Kündigung im l�uhrbergbau. Räch dem Lohndruck-„Lohnauflockerung". Der Zechenverband, der die Lohnordnung für den Ruhrbergbau zum 31. Mai gekündigt hat. erklärt als Ziel dieser Kündigung, in Abweichung von der bisherigen Uebung, Nicht die tarifliche Fest- legung einer generellen Lohnherabsetzung, sortdern eine Auflockerung des bestehenden Lohnsystems, die den Schacht- anlagen in gewissen Grenzen die Anpassung ihrer Lohnhöhe an ihre besonderen Verhältnisse ermöglichen soll. Nach Ansicht des Zechenverbandes werde die jetzige Tarif- regelung den verschieden gelagerten Beschäftigungsmöglichkeiten auf den einzelnen Schachtanlagen und den Verschiedenheiten der Ar- beitsverdienste nicht hinreichend gerecht, so daß eine Auflockerung gerade zur Aufrechterhaltung möglichst zahlreicher Arbeitsstellen dringend geboten erscheine. Die Ruhrbergarbeiter werden bald erfahren, wie die geplante „Auflockerung" aussieht, die von vornherein, noch ehe sie bekannt ist. von der versteckten Drohung begleitet wird, bei Ablehnung könnten zahlreiche Arbeitsstellen nicht aufrechterhalten werden. Oie Genfer Arbeitskonferenz. Abschluß der'lö. Tagung. Die 16. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz ist am Sonnabend beendet worden durch die eindeutige Erklärung für die Organisierung der Wirtschaft. Damit hat die Konferenz gegen nur 7 Stimmen van Unternehmern mit 73 Stimmen der Re- gierungen, Arbeiter und einiger Unternehmer öffentlich bekannt, daß nur nationale und internationale Planwirtschaft auf kollektiver Grundlage die Ekelt aus der Krise der Privatwirtschaft herausführen kann. Die weittragende Bedeutung dieser Kundgebung läßt sich nicht ver- j kennen. Sie hebt die Arbeiten dieser Tagung über das entschlußlose Ausweichen der gewohnten internationalen Konferenzen stark hinaus. In einer zweiten Entschließung werden sofortig« VerHand- lungen über die allgemeine Einführung der 4£l-Stunden-EZoche gefordert. Jede Politik der Lohnsenkung wird als wi rts chafts- schädigend verurteilt. Eine Resolution des deutschen Arbeiter- Vertreters Müller will das Vereinigungs- und Koalitionsrecht sowie Gesamtarbeitsverträge für Landarbeiter international gebessert wissen durch Abschluß von Abkommen. Endlich wurde noch eine japanische Entschließung angenommen, die Frage der Arbeiterivoh- nungen auf die Tagung der nächsten Konseren,; zu setzen. Nach diesen mit starkem Beifall begrüßten Kundgebungen sprach Arthur H e n d e r s o n, der als Präsident der Abrüstungskonferenz die untrennbare Verbundenheit des Werkes der Abrüstung mit dem des sozialen und wirtschaftlichen Aufbaues betonte. Streik der Taxichauffeure in Stockholm. Stockholm, 2. Mai. Sämtliche Stockholmer Toxichauffcure sind Sonntag nacht, Punkt 12 Uhr, in den Streik getreten, nachdem die Schlichtungsoerhand lungen gescheitert waren. An dem Streik sind 1700 Chauffeure beteilig Nkeltcr für Berlin: Kühler, Wiuddrehung noch westlichen Richtungen.— Für Deutschland: Im Nordosten aufkommende Gewitter- n'igung, im nördlichen, mittleren und südöstlichen Deutlchland kühler mit verbreiteten Regenfällen, im Südwesten und Süden allmähliche Besserung. Rundfunk derWochc Die Welt im Rundfunk Kürzlich brachte die Berliner Funkstunde eine Veranstaltung unter dem Titel„Bunte W e l t". Viele Hörer haben ihr mit er- wartungsvoller Spannung entgegengesehen. Kling! es nicht wie eine Zauberformel:„Lunte Welt"? Hat sie uns nicht schon als Kind gelockt zu Abenteuern und Märchen, die eine enge Zimmerecke groß und weit werden ließen und gestern und morgen und ewig und nie- mal? als undurchdringliches Gewebe über unser Heute spannten? Sehnen und träumen wir als Erwachsene uns nicht immer wieder in diese bunte Welt, über Büchern und an den Schaufenstern von Reisebüros, an Fernbahnhöfen und Landkarten? Vor vielen Jahr- taufenden stand in Mexiko ein Volk auf dem Gipfel seiner 51ultur. das herrliche Bauten schuf und von Mathematik und Astronomie vielleicht manches wußte, das wir heute nicht kennen. Und ein paar tausend Jahre später hatte Aegypten diese Blüte erreicht, und wieder ein paar tausend Jahre danach Griechenland und noch etwas später Rom. Ueberall entstand herrliche Kunst von den Hän- den dieser gebildeten, hochstehenden Menschen, entstanden herrliche Gedankengebäude. Und, rätselhast genug: immer wieder verengte sich diese Fülle an Vollkommenheit im primitiv Zweckhaiten; viele mußten leiden, damit wenige die ewigen Kulturwerte ihrer Zeit gierig und immer verständnisloser für sich erraffen konnten. Doch die wenigen vergingen und mit ihnen die Reiche, die sie für sich geschaffen hatten. Aber die Masse blieb, und die Kultur, vergessen, verschüttet, doch lebendig, immer zum Auferstehen bereit. Tausendmal tausend Jahre sind am Zeiger der Weltuhr kaum eine Sekunde. Was ist gestern und morgen? Wer sieht, sieht nur Gegenwart. Rur was dem Men- schen gegenwärtig wird, was er in sich erlebt, kann er anschaulich machen; sonst muh er sich auf lehrbuchhafte Mitteilungen, auf das Weitergeben zusammengetragener Worte, beschränken. Erstand so, vielfältig schimmernd, zur Einheit zusammenfließend, eine„Bunte Welt" vor dem Hörer? Es wäre für ihren lebendigen Gehalt nicht entscheidend gewesen, ob sie Jahre und Jahrzehnte und Jahrtausende umfaßte, oder ob sie Vielheit nur aus einer Minute, aus einer Sekunde zusammenstellte. Das große rätselhafte, klare und undurchsichtige Bild„Welt" konnte soundso lebendig werden. Eine schöne Stimme, ein kluger Gedanke, eine Landschaft in süß lockender Weichheit, Einöden, die den Menschen feindlich abwehren, Triumps von Kultur und Zivilisation, und durch all das Echte und Unechte drohend hervorjchwellende Rat, Kampf, Unfriede, Krieg mit und ohne Kanonendonner. Das ist die bunte Welt, von der man auch im kleinsten Ausschnitt eine Ahnung bekommt— wenn es wirklich ein Ausschnitt von ihr ist. Damit ist nicht gemeint, daß solche Ver anstaltung unbedingt in einer Elendsschilderung ausklingen müßt' Im Gegenteil: diese bunte Welt ikt eine Verheißung, ist Anspor Es gibt so viel Herrliches in ihr, daß es lohnt, mitzuhelfen, sie v: dem Unrecht zu befreien. Niemand wird verlangen, daß eine solch Rundfunkdarbietung Wege dazu weist. Aber erinnern muß sie, daß es notwendig für alle ist, die Wege zu suchen. Das ist keine mora- lische Forderung: es ist die unvermeidliche Wirkung, die jedes lebendige Bild dieser Welt auslöst, bei den heutigen elendgeplagten Menschen vielleicht am stärksten, wenn es viel Schönes, wenig Haß- liches zeigt. Von all diesem war— man muß leider sagen: natürlich— in dieser Reportage nichts- zu spüren. Alfred M ü h r stieg nach einer koketten Einleitung in die Tiefen des Schallplattcnarchivs der Funk- stunde. Da läßt sich sicher manches Wertvolle finden; aber er w wohl noch zu sehr geblendet. So zog er eine Filmschauspieleri'i ans Tageslicht, die ganz überflüssigerwsise schon vor einiger Zeit ihre soziologisch parfümierten Betrachtungen über dos eigene Tagewerk ins Mikrophon sprechen mußte, und Elly Beinhorn.„Sie lebe hoch! hoch! hoch!" und Ludwig Trenker und Gronau und noch einige andere und Musik, und alles roch noch Staub und Hartgummi. Bunte Welt? F u n k p a n o p t i k u m. Man hat das Gefühl, daß die Herren im Funkhaus zu wenig ins Freie gehen; sie halten dumpfe, verbrauchte Luft fiir die natür- liche Atmosphäre. Unmittelbares Leben schmuggelt sich eigentlich nur einmal zufällig vor das Mikrophon. Welche Möglichkeiten für die Spiegelung der Zeit liegen z. B. im Funkkabarett— tief, tief vergraben. Da windet noch immer in gefühlvollen Tangoliedern einer nach dem anderen sein von Liebessorgen geplagtes Herz aus. und in schmissigen Chansons beklagen Männlein und Weiblein die Treulosigkeit des anderen Geschlechts, und das höchste der Gefühle ist, daß jemand von seiner Pleite singt oder spricht, die ihn aus dem eigenen Auto mit brutaler Hand in die Straßenbahn geworfen hat. Ja, soll man denn immer vom allgemeinen Elend reden? Immer sicher nicht: manchmal wäre es aber doch wohl geboten. Weil die Welt heute nun mal so ist und die Verbreitung geistigerScheu- klappen sicher nicht das zweckmäßigste Mittel zur Besserung der Uebelstände. Es kommt ja schließlich immer darauf an. wie die Dinge gesagt werden. Doch nicht allein direkte Zeitkritik fehlt: es mangelt das Sehen. l das kritische Sehen überhaupt bei all diesen„bunten" ! Veranstaltungen der Funkstundc.„Aus alten Jahrgängen der Gartenlaube" hieß eine solche Darbietung Auferstehung des unsterblichen Spießers? Ankurbelung des knarrenden, aber noch immer ganz gut gehenden Mechanismus einer verlogenen Bürger- Herrlichkeit? Wie wirkungsvoll hätte das sein können, wieviel wtoff zum Lachen und zum Nachdenken hätte der Hörer aus dem Mit- � erleben dieser Welt schöpfen können. Statt dessen gab es einen üblen ; Klamauk, dessen Hohlheit sich bösartig geräuschvoll kundtat. Walter ' Gronostay hatte das„Werk" hervorgebracht; ober wer hat diese Sendung ermöglicht? Gewiß, es ist sehr schwer, in dieser Zeit Hesterkeit zu produ- zieren. Kann denn der Mensch heute einfach lachen, sinnlos lachen? Dazu gehört doch wohl ein Vorrat an innerer Heiterkeit, der nur auf ein Ventil wartet, um auszubrechen. Wenn sich heute Menschen „ausschütten vor Lachen", so kehrt sich krampfhaft nur die innere Leere ans Tageslicht in einer Steigerung der Spannung, die dos labile Gleichgewicht im Tageslauf mühsam aufrechterhält. Deshalb schon ist es ganz unsinnig, durch Vortäuschung eines Publikums bei sogenannt„Heiteren Abenden" vor dem Mikrophon Lachen und Be Kl regietechnisch in die Veranstaltung einzubeziehen, um so den Hör:-' um das eigene Urtell zu betrügen. Lachen kann nur ausgegeben werden von einem Vorrat an leiblicher Lebens- traft, die auf sicherer Basis ruht. Was den Menschen heute vor allen Dingen nottut, ist Lächeln, verstehendes, kritisches, wissendes Lächeln, das aus der geistigen Lebenskraft aufblüht und ihr neue Nahrung zuführt. Tes. Rundfunk«m» Ab�nd Montag, 2. Mai. Berlin. 15,.l)5..Echt und schön", eine Betrachtung über das Kunstwerk(Dr. Adoli Behuc). 15,.30 Neuere Orgelmusik. 16.45 Loewe-Balladen. 17.15 Klaviervorträge. 17.30 Jugendstunde:..Die Heilung eines Sportfanatikers." Sprecher: Franz Kwasigroch. 17.50..Menschen und ihre Arbeit."„Der Verkäufer."(Friedrich Sack.) 18.10 Emst Glaeser: Eigene Prosa. 18.30„Krise und Sozialleistungen"(Max Rössiger. M. d. RWR.). 18.55„Die Funkstunde teilt mit..." 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Aktuelles. 19.30„Der Ruhrmensch"(Georg Schwarz). 19.55 Personenverzeichnis. 20.00 Aus der Städtischen Oper. Charlottcnburg;„Tiefland". 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, Vom Vieriänderboxturnier(Schall- platten). Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Lehrer Hanns Bettin: Die Photographie als Hilfsmittel im Unterricht. 17.30 Dr. Walter Schuck; Südamerika in der Krise(I). 18.00 Dr. Herbert Just: Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.20 Major a. D. Mayer-Schalburg; Was bringt die DLG.-Schau Mannheim? 19.35 Staatsminister a. D. Prof. Dr. Becker: Rciseelnd rücke aus Ostasien. 20.15 Aus Frankfurt(Main): Militärkonzert. 21.10 Aus Frankfurt n.M.: Der Klatsch. Hörspiel. Sonst; Programm• Berlin. Vollständiges Euro; Programm im..Volksfunk", monatl'-6 Pf. durch alle „Vorwärts"-Botcn. e Buch V. S. JCoreus: 3*fudfnvhe in der IViifie In der Frcinckhschen Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, erscheint in den Schriften des Kosmos der Gesellschaft der Naturfreunde. das Buch von E. G, Lorenz:„P f a d s u ch e in der Wüste", in dritter Auflage,(106 Seiten mit 24 Kunstdrucktascln und einer Uebersichtzkartc, kart 2,80 M,, Ganzl. 3,60 M.) Lorenz schildert die Taten und Leiden unbezwingbaren Forschermntes, die seit dem ersten Vorstoß des englischen Majors Denham 1822 bis zur Durch- querung der Sahara mit dem Ztutomobil 1022 aufgewendet wur- den, um diese ungeheure Oedfläche zu erforschen und zu erschließen, Die gefällige Schrift gibt damit einen sehr gutei, lleberblick über ein Jahrhundert Entdeckersahrten, an denen die deutschen Forscher Barth, Rohlfs und N a ch t i g a l großen Anteil haben. Be- sonders interessieren aber die Versuch« der französischen Regierung. die Wüste niit Hilfe der Citroen-Raupenautomobile verkehrstechnisch zu erobern. Leider berichtet Lorenz nur über die erst« diesbezüg- liche Expedition 1922, obwohl in den nachfolgenden Jahren noch sehr beachtliche Versuche gemacht und für die Koloniolpolitlk Frank- reichs wichtige Erfolge erzielt worden sind. W. T. Vcranlwortl, füc die Redaktion: Rich, Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin, V-rlaa: Vorwärts Verlag G, m, b, H„ Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin 652 68, Lindenstr. 6. Hierzu 1 Beilage. Tbeater, Lichtspiele usw. � Montag, den 2. Mai staatsoper Linter den unden •0 ühi i» um in 3.15 Ulli Flcn'43s faudiea eilauM Die uariete-Heuue „o mm Mai" JainnblOte" ii,„Von Lenz n. liebe" i Eine Naflit in Venedig � f'1� StaalLStepielliau! jendartr.BDraarki 20 Uhr Die endlose Straße Kein KartBizverkaut Schiller-Theater Charlotten burp. 20(|hr Cyrano von Bergerac E 7 Weichs. 4031 |DerVogelhändlerj Lenins- Theater Oeotsöies Mür � Uhr Vor Sonnen- Untergang v. Oerh.Haupimann Regie: Max Reinhardt HAUSWERUHB . UUUlt� Berlins Uluiji Theater am Schiffbauerdamm Täglich ab 4. Mal Uraufführung Sie Hoites des Täglich 81 4 Uh Das Tlieataf de: Sdiauspieiet Maria Stuart Tills Durieux, Erika Wagner Rose- 1 üealer raße frankfurtar Straße> 1 ?i. Weidur k 7 34? 815 Uhr Die Frau, die jeder sudil H9b;ank&ca. i OunrMifabrik. Berlin N Sö Rmidccndorfer Straße 95. farteigeHOSsea S.me'�h' gute Küche(5 Mahlzeiten), Garten mit Liegewiese direkt am Hause, nahe Wald und Bahnstation. Schwimmbad vorhanden. Pension 3,50 täglich, keine Nebenkosten Albert Karges, Lxrft- korort Harriehausen(Harz). VoiHsbilhne Theatir m Bölowslatz � Uhi Sturm im Wasserglas mit Harsi Niese Komödie in 3 Akten von Bruno Frank Regie A. M. Rabenalt Staat!. Schiller-ilieatei b Uhr Cyrano von Bergerac Staatsoper Unter den Linder Uh Eine Naöu in Venedig städs. Oper Charlottenburg Öismarcksiraße 14. Montag. 2. Mai Volksvorstellunc: Kein Kartenverkauf TiefiantS Saivatini, Rode. Hartmann. Baumann. 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Mai 1932 SrrAlmiS SfiäJaayjaße Aß* IburasA Der Aufmarsch zum 1. Mai Das arbeitende Volk in Bewegung Der Aufmarsch der Gewerkschaftsgruppen und der einzelnen Kreise der Parteiorganisationen vollzog sich in prächtiger Geschlossenheit. Der Baugewerksbund hatte sechs verschiedene Sommel- punkte, van denen aus seine Mitglieder in besonderen Zügen oder aber zusammen mit anderen Gewerkschaften oder Kreisen der SPD, zum Lustgarten marschierten. Der AsA-Vund versammelte sich am O r a n i e n p l a tz. Schon lange vor 11 Uhr war die Naunynstraße bis zur Mariannenstrahe dicht gefüllt. Ein Wald von roten Fahnen und die Embleme der einzelnen Verbände gaben dem ganzen einen festlichen Eindruck. Neben der Jugend, die zahlreicher als sonst erschienen war, siel bc- sonders die große Zahl der Frauen und Mädchen auf. Schon vor der festgesetzten Abmarschzeit setzte sich der Zug, einer gewaltigen Heeressäule gleich, unter Vorantritt einer Musikkapelle in Bewegung. Punkt 12 Uhr traf die Spitze des Zuges im Lustgarten ohne jeden Zwischenfall ein. Selten hat der AsA-Bund eine sol:'? Niesenbe- teiligung aufzuweisen gehabt. Im Südosten. In voller Stärke traten die Mitglieder des«Sefamt- vcrbclndes auf den Plan. Di« Aufstellung beanspruchte den M i ch a e l k i r chp l a tz samt den angrenzenden Straßen und Nebenstraßen. Eine große Anzahl alter Gewerkschaftsfahnen ließ die Gruppierungen erkennen. Im Gesamtverband sind hauptsäch- lich die Arbeiter der lebenswichtigen Betriebe, Wasser, Gas und Elektrizität, zusanimengefaßt, das Personal der Straßen- und Untergrundbahnen und der Autobuslinien, das dienstsreie Personal im Gesundheitswesen der Stadt Berlin, Fuhrleute, Chauffeure, Feuerwehrmänner, Gärtner, Hausbesorger, die städtischen Arbeiter! die volle Liste auszuzählen, so daß kein Zweig des großen Ver- bandes vergessen würde und sich zurückgesetzt fühlte, das führte hier zu weit. Der Gesamtoerband hat jedenfalls bei der Mai�emon- stration seinem Namen olle Ehre gemacht. In der Alten Iakobstraße versammelte sich die Arbeiterschaft des graphischen Gewerbes. Die Mitglieder der vier im Graphischen Kartell vereinigten Verbände der Buchdrucker, Buchbinder, Lithographen und Steindrucker sowie der graphischen Hilfsarbeiter waren sehr zahlreich erschienen. Als sich der nach Tausenden zählende Zug, der von der Neuenburger Straße bis zum Metallarbeitcroerbandshaus und zum Vorwärts- Gebäude reichte, unter den Klängen der Musik in Bewegung setzte, kam Begeisterung in die Masse. Neben verschiedenen Abteilungen der Sozialdemokratischen Partei waren auch die Jugend und die Sportler im Zuge vertreten. Dem Banner des Graphischen Kartells mit der Inschrist„Einigkeit macht stark" folgten die Groß- betriebe Ullstein, Reichsdruckerei. Scherl und Masse, die �.B o r w ä r t s"- D r u ck e r e i und viele Klein- und Mittel- betriebe. Daneben ungezählte Männer und Frauen, die infolge der verheerenden Auswirkungen der Wirtschaftskrise seit langem unschuldig zum Feiern gezwungen sind. Zahlreiche rote Fahnen wurden im Winde wehend vorangctragen. Zum ersten Male traten bei der Maiseicr die Hammcrschaften der Eisernen Front aus den verschiedenen Betrieben in die Erscheinung als ein Symbol für den ungebrochenen, verstärkten Kampfeswillen der Arbeiterschaft. Bekleidungs- und Hutarbeiler. Der Sammelpunkt ist Alte I a k o b- E ck c e b a st i a n st r a ß e. Der Weg dahin führt durch Bezirke, in denen das Wart„Maifeier" als lebendiger Begriff sich zum Ausdruck bringt: größere und kleinere Züge schon überall in den Straßen, Lieder der Arbeit, rote Fahnen! wo die Scharen sich begegnen, verschmelzen sie miteinander. Wer die Straße llberkreuzen will, schiebt sich zwischen den Reihen durch! ihr Ansang und Ende ist nicht mehr zu übersehen. Aus den alten Häusern flattert es rot! Erwachsene und Kinder stehen vor den Türen, die meisten haben eine kleine rote Blume angesteckt. Die Menschen füllen die Straße schon von einer Kreuzung bis zur anderen! wie sie sich in Bewe- gung setzen, wächst der Zug. Zusammengeballte Gruppen lösen sich. schließen sich am unterwegs stoßen noch Nachzügler zu. Sa reiht sich die Schar der roten Riesenschlange an, die sich an ihr vorüber' walzt! voran die Jugend des Bckleidungsarbeiter-Verbandcs, dann ein Musiktrupp, binter ihm die Erwachsenen des Bekleidungsarbeiter- und des Hutardeitcr-Verbondes. Bald sind sie nicht mehr der Schluß- trupp. Innner weiter wächst der Zug auf dem Wege zum Lust- garten, der endlich dort in der unübersehbaren Menge mündet, mit ihr verschmilzt. In'Achterreihen setzte sich der Zug in Bewegung durch die Annenstraße und Dresdener Straße, doch mußte er sich wegen des Engpasses, in dem der Straßenzug mündet, zu Vicrrcihen vcr� dichten, um, von Musik begleitet, nach und nach zum Ziel zu kommen. Die Holzarbester sammelten sich wie üblich im Köllnischcn Park vor ihrem schmucken Verbandshaus. Auch bei ihnen zeigt sich die Jugend besonders Mit den Holzarbeitern kamen die Parteigenossen des 13. Kreises Treptow und des Ib. Kreises Köpenick, die freigewerkschaftlich organisierten Taubstummen und der deutsche Freidenkerverband, dessen größter Teil der Mitglieder in allen übrigen Zügen verstreut mitmarschiertcn. Pünktlich begann der Zug durch die Alte Jakob- und Roßstrahe zum Schloß, unter- Wegs stürmisch begrüßt von anderen Gruppen und vielen, die am Wege standen. Eine korrigierte Hakenkreuzsohnen deren Emblem durch eine schwarzrotgoldene Gösch ersetzt worden �- m allste Aussehen. Im Osten. Der Osten Berlins stand am ersten M.äftnntag völlig unter dem Eindruck des Massenausmarsches der Gewcrkichaften und der Sozialdemokratischen Partei. A m K ü st r i n e r Plag war der Sammelpunkt der Gewerkschafter des Einheitsverbandes der Eisen- bahner und der Mitglieder des 5. und 17. Kreises der Partei. Schon von 10 Uhr ab strömten unaufhörlich die Massen der Demonstranten heran und nahmen längs der„Plgza" Aufstellung.� Ein Meer von roten Fahnen und Bannern behsrncnte bald das vtroßenbild. In bunter Folge formierte sich der Zug! Die H amm er sch asten, das Reichsbanner, und die Tausenden von Parteigenossen. Besonders ausfallend und erfreulich zugleich war die starke Bc- teiligung der Jugend. Der Küstriner Platz und die an- grenzenden Straßen waren von Sympathisierenden dicht gestillt, schon lange hat man in dieser Gegend, das war die Meinung aller. eine so imponierende Kundgebung nicht mehr gesehen. Um 11 Uhr setzte sich der fast unübersehbare Zug in Bewegung. Durch die Straßen des Ostens ertönt dann der Marfchtriti der Arbeiterbataillone, hallten kampserfüllt die Hochrufe auf die Sozial- demokratische Partei. Die Fansarenbläser und die Arbeitermärsche Sine.r der ItlaUenzüge»um JCnftgarien der Musikapellen lockten die Bewohner an die Fenster, freudige Zu- rufe und Fahnenwinken erfolgte überall. In der Innenstadt, am Schulze-Delitzsch-Platz, stauten sich die Massen. Die großen Züge aus Neukölln versperrten zunächst den Weitermarsch, nahezu eine halbe Stunde waren die Massen zum Verweilen verurteilt. Erst kurz vor 1 Uhr konnte der Weitermarsch fortgesetzt werden. Als Genosse Flatau längst seine Rede begonnen hatte, traf die Spitze des gewaltigen Zuges am Lustgarten ein. Dort erfuhr die kämpf- begeisterte Menge eine Enttäuschung, die aber willig hingenommen wurde: der Lustgarten war bereits überfüllt. Die Mitglieder des Verbandes d.r Fabrikarbeiter formierten sich am Andreasplatz, von dem sie zum Lustgarten marschierten. Einen stattlichen Zug hatte der Bezirksausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamlenbundes am Mariannenplatz ausgestellt. Die Spitze des Zuges bildeten unisormierte Post- beamte, ihnen schlössen sich die in der Allgemeinen freien Lehrergewerkschast organisierten Lehrer an, die eine be- sonders starke Gruppe im Zuge der Beamten bildeten. Dann folgten die Beamten und Anwärter aus den öffentlichen Betrieben, die S t r a f a n st a l t s w a ch t m e i st e r, I u st i z b e a m t e, P o l i z e i b e a m t e, soweit sie dienstsrei waren und Gruppen von Beamten aus den einzelnen Betrieben der Stadt Berlin. Große Teile von freigewerkschaftlich organisierten Beamten hatten außer- dem bei ihren Spitzenverbänden Aufftellung genommen, so die R e i ch s bah n b e a m te n im Zuge der Eisenbahner und andere Gruppen in dem Zug« des Gesamtverbandes. In unmittelbarer Nähe der Beamten formierten sich am M a r i a n n c n p l a tz noch die Kollegen vom Zentralverband der Zimmerer und vom Zentralverba z der Schornsteinfeger- g e s e ll e n: in der Melchiorstrah«)cr Verband der Maler und am Bethanienufer gegenüber vom Gewcrkschaftshaus die Sleinarbeiter. Punkt 1�12 Uhr setzten sich diese Züge in Bewegung. Aber bereits an der Schmidftraß« mußte das erste Halt geboten werden. Erst mußte der G e s.a m t v e r b a n d vorbeigelassen werden. Das war lehr leicht gesagt, denn der Zug des Gesamtverbandes wollte gestern kein Ende nehmen. Schließlich hatten sich die Züge bis zur Neuen Jakobstraße„durchgekämpft". Wieder mußte Halt gemacht worden, und da jeder Zug seine Musikkapelle hotte, wurde bald an jeder Straßenecke schnell«in Platzkonzert improvisiert. Endlich konnten die Züge in die Roßstraß« einbiegen. Im Hause Neue Roß- straße 23 war eine Nazibehausung. Wuchtig donnerten hier die Rufe der Massen:„Nieder mit dem Faschismus! Hoch die Sozialdemokratie!" Es war bereits 1 Uhr, als die Züge der Beamten und der Nebenberufe des Baugewrbes sich b i s zu in Schloßplatz vorgeschoben hatten. Um diese Stunde noch auf den Platz im Lust- garten zu kommen, war einfach unmöglich. Im Norden. Für die Alelallarbeiter, Kupferschmiede, Bauarbeiter und Ar- beitersportler der nördlichen Bezirke sowie die Kreise Wedding, Reinickendorf und Pankow war der Haupt- sammelpunkt die Garten st raßc vom Gartenplatz herunter bis zur Bernauer Straße. Von der Gartenftraßc hat schon manche Demonstration chren Ausgang genommen, aber noch keine hat eine solche Massenbeteiligung aufzuweisen gehabt wie die am gestrigen 1. Mai. Kurz vor vor s-t-IZ Uhr wurde die Lage insofern recht kritisch, als die Ordner nicht mehr wußten, wo sie die immer noch Hinzuströmenden eingliedern sollten. Von der B e r n a u c r Straße bis zum Gartenplatz standen die Massen zum Schluß schon in Doppelzügen nebeneinander, so daß fast die ganze Straßenbreite eingenommen wurde. Der Garten- platz war umsäumt von einer starken Menschenmauer. Die Menschen standen teilweise wie eingekeilt, den Augenblick erwartend, da das Signal zum Abmarsch und zur Auflockerung gegeben wird. Pünkt- lich um V2I2 Uhr verkündet Trompetengeschmetter den Abniarsch. Der Zug setzt sich in Bewegung: an der Spitze die freigewcrkschast- lichcn Bauarbeiter des Bezirks Wedding, denen sich die Bau- arbeiter der übrigen nördlichen Bezirke mit ihren Kampfbannern anschließen. Es kommen die Kreise Reinickendorf und Wcdding, dann, in unabsehbarer Zahl, die Metallarbeiter mit den Kupfer- schmieden, zwischendurch die Parteigenossinnen und Genossen des Kreises Pankow, Arbeitersportler, Gewerkschaftsjugend, Arbeiter- jugend, kurzum eine Formation der Eisernen Front nach der anderen. Die vielen roten Fahnen, Wimpel, Partei- und Gewertschastsbanner zu zählen, war ebensowenig möglich wie die Feststellung der Zahl der Tausende von Menschen, die sich durch die Garten- und Artillerie- straße nach dem Lustgarten zu bewegten. Der gewaltige Zug kam unbehelligt pünktlich an sein Ziel und konnte nach Beendigung der Kundgebung im Lustgarten ebenso geschlossen wieder zurückgeführt werden nach der Elsässer Straße, wo seine Auflösung erfolgte, die über eine Stunde dauerte. Schon vor 11 Uhr leuchtete am Rosenthaler Tor ein Wald von roten Fahnen, denn an der Spitze der Gewerkschaften usw., deren Mitglieder in der Lothringer Straße Aufstellung nahmen, befand sich d«r Bezirk Prenzlauer Berg des Kartells für Arbeiterspart und Körperpflege, dessen Vertreter die lustig im Winde flatternden, etwa 30 roten Fahnen wohl zu regieren wußten.— Die Verbände der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, der Hotel-. Restaurant- und Eaje-Angeslelltcn, der Musiker, der Tabakarbeiter und der Land- ö bciter schlössen sich an, durchsetzt von den verschiedenen Abtei- tilgen des 1., 4. und 18. Kreises der SPD., von der Sozialistischen rveiter-Iugend und den I u n g f a l k e n, von Angestellten der Konsumgenossenschaften und Arbeitern der Firma Hilde- b r a n d u. Sohn.— Und immer wieder hieß es für die zuerst. gekommenen Teilnehmer an der Aufftellung:„Rückwärts richt euch— Marsch!", so daß der Zug, als er sich Punkt 11.30 Uhr in Bewegung setzte, genau die Mittelpromenade vom RoseMhaler Tor bis zum Schönhauser Tor oussülllc. „Wir", ein sozialistisches Festspiel Llraufsührung-t.Mai in Krankfurt a.M. Immer sorglicher, Jahre und Jahre auf weite Sicht, arbeitet im Kulturkartell der modernen Arbeiterbewegung Genosse Conrad B r 0 ß w i tz an der Gestaltung der Mai- I sciern. Der Riesenraum der Frankfurter Festhall« mit über 20 000 Zuhörern fordert verantwortungsvolle Vorarbeit, di« über Frankfurt hinaus auch an anderen Orten zum Nachdenken über Fragen proletarischer Festgestaltung geführt hat. In Auerbach-Gersters„Lied vom Arbeitsmann" wird«in Werktag aus d«m Leben eines Arbeiters aufgezeigt, im„Kreuzzug der Maschine"(Frank-Wolsf) der Kamps zwischen Mensch und Maschine, in der„Välkerfreiheit"(Fankhauser-Lendvai) ist das Aufzeigen des sozialistischen Gedankens geschichtlich behandelt. Das Kulturkartell der niodernen Arbeiterbewegung Frankfurt a.�M. stellte in den letzten Jahren diese drei Werke neuzeitlicher Fest- gestaltung in sein Maiprogramm. In seiner sozialistischen Kantate„W i r" aus dem Arbeiter- jugend-V«rlag, Berlin, geht Hendrik de Man, der sich zwölf Jahre vor d«m Kriege der belgischen Sozialdemokratie anschloß und heute an der Akademie c«r Arbeit in Frankfurt a. M. wirkt, einen neuen Weg. In dem Werk, das er im Austrag des Kulturkartells für die diesjährige Maifeier geschossen hat, ist das Kultische im Maigedanken betont. Es wird nicht von außen an das Werk her- angetragen, sondern steigt aus dem Mosftnerlebnis— wesentlich unterstützt durch die Musik— auf, aus dem Gefühl der Natur- Verbundenheit, aus Sehnsucht nach Rhythmus und Einklang, aus Bruderschaft, Treue und Opfersinn, aus Ablehnung des Krieges, aus Entbehrungen der Arbeitslosigkeit und Sorge, aus dem Gefühl der Solidarität: allein sind wir nichts, zusammen sind wir alles! Die Maifeier keine äußerliche Feiertags- angel«genheit! Aus dem Erleben des Alltags soll dem Alltag aus neuer Gesinnung, das Verbundensein der Menschen untereinander, ein anderer Sinn gegeben werden. In den Massen, die dem Spiele folgen, verlieren sich nicht die Rufe im Ausgang des Spieles, die nüchtern ahne Pathos fordern: „Wir wollen uns alle erheben!" „Wir wollen uns alle die Hänbe reichen!" „Wir wollen Müsingen!" Im Rahmen dieser sozialistischen Kantate fällt dem Kompo- nisten eine wichtige Aufgabe zu. Ottmar G e r st c r weiß um die Möglichkeiten, die ein Palästrina und Händel sich musikalisch er- schlössen haben. Aus dem Masscncmpsinden heraus gestaltet, so wächst die Musik bei Gerster aus dem Kollektiv des Chores. Die musikalische Klischeejorm, die er in der„Roten Revue" anwendet, ist in den zahlreichen Intermezzi des neuen Werkes erweitert und der Aufgabe, die der Kantatcnstil sordert, ausgezeichnet angepaßt. Für die Halle der 23 000 genügt ihm ein Bläserorchester(Blech und Schlagzeug) von 17 Mann, das er gleichzeitig zur Unterstützung der zahlreichen Chöre verwendet, ohne daß an ihrem durchsichtigen, klargefügten, klingenden.�-cappella-Charakter irgendwelcher Schaden entsteht. Die Vorliebe, die Gerster sür chorale Wendungen trägt, erleichtert ihm die Anpassung an dicftn besonderen Stil, wie er auch zu kontrapunktischer Feinarbeit Gelegenheit gibt. Da infolge des Riesenraumes der Frankfurter Festhalle mit Trübungen der Sprech- und Gesangschöre, den eigentlichen Trägern des Werkes, zu rechnen war— eine Befürchtung, die dieses Mal nicht zutraf—, wurde der F i l m(Dr. Paul Wolf) zur Deutlich- machung und Unterstreichung einbezogen, dem die Intermezzi van Ottmar Gerster beigeordnet standen. Die Szene war erstmalig in die Mitte der Festhalle verlegt. Um den 14 Meter hohen, massiven Turmaufbau gruppierten sich von allen Seiten die Zuhörer. Ein wesentlicher Anteil an der Wiedergabc des Werkes sällt den Sprechchören(Sprechchor des Äul- turkartells, stark aufgefüllt durch Arbeitersänger) zu, die Genosse Alfred Auerbach überall im Saal und aus den Galerien postierte und vortrefflich einstudiert hatte, während Max Bartsch die Vorarbeit in den Chören und dem Orchester leistete. Ausgezeichnet im Ausdruck die Bewegungschöre der Arbeiter- sporller, zu denen sich Chor und Orchester der Arbeiterjugend ge- sellten. Die Gesamtinszenierung, die Betreuung der 2000 Mit- wirkenden, oblag Dr. Graf, Oberr«gisseur vom Frankfurter Opern- Haus, dem für die Wiedergabe des Hendrik de Man-Gerster-Werkcs ein Sonderlob gebührt. Das war ein starker, berechtigter Erfolg, der weniger äußerlich in Erscheinung trat, aber um so nachhaltiger sich erweisen wird. Walker Hänel. Japan im Tonfilm. Ll. T.-Kurfürstendamm. Di« ersten Proben des japanischen Tonfilms kommen zu uns. Es sind drei Filme, die unter dem Gesamttitel„M e n s ch e n s ch i ck- s a l e in Japan" zusammengefaßt werden und einen Querschnitt durch japanische Geschichte von tausend Jahren geben. Die beiden ersten sind historisch-romantisch, der letzte aus der unmittelbarsten Gegenwart. Die beiden historischen Filme behandeln Themen aus der Priesterzeit(angeblich vor 1000 Jahren) und aus der Samurai- (Ritter-) Zeit vor 300 Jahren. Diese beiden Filme beruhen offen- bar auf japanischen Theaterstücken, sie zeigen die hohe japanische Theaterkultvr, besonders in der ausdrucksvollen Mimik und in den mehr varietemäßigen Künsten des Schwertkampfes. Hier scheint auch der amerikanische Film und in erster Linie der Tausendsassa Fairbanks vorbildlich gewirkt zu haben. Man weiß, daß das ja- panische Volk noch heute solche lang ausgedehnten Kämpfe auf der Bühne überaus schätzt. In beiden Filmen wird davon ergiebig Ge- brauch gemacht. Das eine Mal ist es der Kampf eines jungen Mannes, der seine Geliebte aus den Händen eines japanischen Bischofs befreien will und es mit dessen ganzem Personal aufnehmen muh. Der Ritterfilm dreht sich um die konsequente Durchführung des Ehrbegriffes dieser Koste, die den Ritter zum absoluten Gehör- sam gegen seinen Lehnsherrn verpflichtet. Der ganze Film ist ein einziger Kampf und Totschlag. Der getäuschte Gefolgsmann nimmt schließlich an dem Lehnsherrn und seiner Familie blutigste Rache. Wie in den Nibelungen decken Leichen den Kampsplatz. Die japa- nische Sprache, die auf den Europäer mit ihren vielen Gurgel- und Zischlauten zunächst befremdend wirkt, trotz ihres Reichtums an Vo- kalen, ist für den Ausdruck des Zornes und der Kampfwut in solchen blutrünstigen Geschichten besonders geeignet. Der dritte Film gibt Bilder aus dem japanischen Eisen- bahnerleben. Mit der eindrucksvollen Treue gegen die Wirk- lichkeit wird hier auf dem Hintergrund des modernen Japan mit seiner kapitalistischen Zivilisation, repräsentiert durch Hochhäuser, Fabriken und modernste Technik, die modernste Gegenwart geschil- dert. Die Arbeit der Eisenbahner, die sich um die Lokomotive grup- piert, steht im Mittelpunkt. Sie ist etwas komponiert durch eine kleine Geschichte von dem Raub an einer Erfindung, die ein Loko- motivfllhrer gemacht hat. Wundervoll ist die Solidarität des ganzen Rangierbahnhofes dargestellt, die einmütig für den Bestohlenen ein- tritt und ihm zu seinem Recht verhilft. Hier in den Arbeitertypen kommt das japanische Volk in seiner ganzen Liebenswürdigkeit, in seinem Arbeltseifer und seiner hochentwickelten Kameradschaftlichkeit zum vollen Ausdruck. Freilich, die gewerkschaftliche Organisation fehlt noch und die katzbuckelnde Unterwürfigkeit feiert noch Orgien. Aber man hat das Gefühl, daß aus diesem wimmelnden Haufen eines Tages starke Bataillone klassenbewußter Arbeiter erstehen werden. Ein entzückender Scherenschnittfilm von Lotte Reiniger, „H a r l e k i n", mit Musik aus dem 18. Jahrhundert führte in eine ganz andere Welt des leichten Spiels, der graziösen Formen und der heiteren Musik. r Gosihe-Feiern in Berlin und Paris. Die Universität Berlin veranstaltete am Sonnabend ihre Goeche-Feier. Professor Julius Petersen führte in seiner Festrede u. a. aus: Goethe ist der Held dieses Jahres geworden. Die ganze Welt schuldet ihm Dank, dessen Leben ewig wachsende und lebenspendende Entwicklung gewesen ist. Darüber dürfen wir jedoch nicht vergessen, daß wir Goethe nicht zum Volksdichter stempeln können. Er selber ist sich seiner Unzsitgemößheit wohl bewußt gewesen. Trotzdem ist er der vornehmste Träger deutscher Art und deutscher Kultur. Sein Wesen ist das faustische Wachsen ins Unendliche. Das stellt ihn auch heute noch in die Reihen der Jugend, und aus diesem Streben ins Unendliche ist auch nur seine ganze Art der poetischen Gestaltung zu verstehen. Sein Weg ist der Fortschritt von der Vielheit zur Einheit. In diesem Sinne wird Goethe zum kulturellen Befreier der Deutschen, indem er ihnen das Bewußtsein ihrer Individualität erschließt. Die Pariser Universität veranstaltete eine Goethe- Feier, der der Präsident der Republik, Doumer, fast sämtliche Pro- sessoren der Universität und eine große Anzahl von Mitgliedern der Akademie und des„Institut de France" beiwohnten. Der Rektor der Pariser Universität, Professor Charlety, feierte die Macht des Goethsschen Genius. Frankreich— so führte der Redner aus— bringt dem Werke Goethes Sympathie und Verständnis entgegen. Professor Eharlety erinnerte daran, daß die Universität Paris in der politschen Krisenzeit von 1911, der Universität Breslau folgen- des iibermittelt habe:„Wir wüyschen, mit der Universität Breslau die Beziehungen fortzusetzen und zu verstärken, die trotz der ernsten Schwankungen der Geschicke unserer beiden Völker glücklicherweise aufrechterhalten werden konnten. Wir haben das Vertrauen, daß derartige Beziehungen den unveräußerlichen Interessen der beiden Völker dienen und wir sprechen den Wunsch aus, daß sie in gewissem Maße jenen Frieden der Geister vorbereiten, die in einem Worte Goethes sich widerspiegelt." Diese Botschaft, so schloß der Rektor, sind wir bereit, aufs neue allen Universitäten der Welt zu- gehen zu lassen. Wenn sie nicht gehört wird, dann gibt es eben Nationen, die jene humane Mission verkennen, zu der Goethe sein Vaterland aufgefordert hat. Die Philharmoniker in Strahburg. Das Berliner Philharmo- nische Orchester hat in der Straßburger Sängerhalle ein Konzert vcr- onstaltet, das erste Konzert eines deutschen Orchesters in Straßburg nach dem Kriege. Dr. Furtwängler und seinem Orchester wurden begeisterte Ovationen gebracht. Im Theater am Schissbauerdamm wird am 4. Mai ein Stück von Wols� Ulrich Hasse:„Die Hosfnuna des Wolfgang Binder" urausgefichrt. Die Inszenierung hat Adam Kuckhoff übernommen. In der Aescllschast silr wissenschastliche Philasophie spricht Dienstag um 8 Uhr in der Schumonnstr. 21 Dr. Stier, Herzberg über die Brauchbarkeit der psychoanalytischen Forschungs Methode. In der Staatsoper wird für Marcel Wittrisch, der plöhlich erkrankt ist, in der Neueinstudierung der„A r i a d n c aus N a r o s am Mittwoch Max Lorenz von der Dresdener Staatsoper a. G. den Bacchus singen. Erich Kleiber wurde von der Konzert-Direktion Backhaus für sechs Konzerte in der kommenden Saison mit dem Philharmonischen Orchester in der Philharmonie verpflichtet. Die Radrennen des Sonntags Berlin— Koitbus— Berlin Lohmann-Bochum siegi in neuer Rekordzeit Das klassische Straßenrennen Berlin— Kottbus— Berlin über 279 Kilometer, das der Gau Berlin des Bundes Deutscher Radfahrer veranstaltete, hatte sich auch bei seiner 25. Aus- tragung eines großen Propagandaerfolges zu erfreuen. Mehr als IM MO Zuschauer durften Zeugen des Straßenrennens gewesen sein. Von den gemeldeten Fahrern fehlten nur wenige, insgesamt gingen in den vier Klassen rund 229 Bewerber an den Start. Zunächst wurde um 5.40 Uhr die kleine Gruppe der v-Fahrer vom Starter entlassen, um 6.12 Uhr folgte in Stärke von rund 150 Mann die E-Gruppe, um 6.29 Uhr gingen die 35 U-Fahrer auf die Reise, und den Beschluß machte um 6.39 Uhr die 26 Mann starke �-Gruppe. Das Handicap, das man den A.-FaHrern auferlegt hatte, erwies sich als gut abgeschätzt. Die ö-Gruppe fiel schon aus dem Hinwege nach Kottbus vollkommen auseinander, lediglich Michael und Büttner lagen am Wendepunkt von den L-Leuten noch in Front. Die.-�-Gruppe hatte bis zum Wendepunkt Ströblitz bei Kottbus erst drei Minuten von ihrer Zulage aufgeholt, machte dann aber auf dem Rückwege schnell Boden gut. Hinter Vetschau rer- einigten sich die L- und die C-Gruppe, und schließlich wurde auch der führende O. Michael eingeholt, was um so leichter war, als sein Be- gleiter Büttner durch einen Radschaden aufgehalten worden war. Nach der Kontrolle Trebbin hatten auch die �-Fahrer Anschluß an die Vorgabeleute gefunden. Bald darauf unternahmen Risch, Kerber und Wrceciono einen Vorstoß, sie kamen jedoch nicht weit weg und wurden noch kurzer Zeit wieder eingeholt. Da sonst kein Fahrer aus der Spitzengruppe Interesse bekundete, sich vom Felde zu lösen, blieb die Kopfgrupp« bis zum Ziel auf dem Wannsee- Stadion geschlossen beisammen. Der Bochumer L o h m a n n nahm schon vor der Einfahrt ins Stadion die Spitze und siegte im Endspurt überlegen mit einer Länge gegen die �-Leute Bartholomäus, Riemann, Wrceciono und Risch. Obwohl die Fahrer auf der Hinfahrt gegen einen heftigen Gegenwind anzukämpfen hatten, wurde der im Vorjahre von Schöpflin mit 8: 96: 93 aufgestellte Streckenrekord um mehr als 29 Minuten unterboten, der Sieger Lohmann passierte das Ziel bereits nach einer Fahrzeit von 7:49:47 Stunden. Neben zahlreichen Reisenschäden gab es auch einige Stürze, die jedoch harmlos verliefen. Die Altersklasse fuhr ein Rennen für sich auf der 137 Kilometer langen Strecke Berlin— Wendisch-Buchholz— Halbe— Teupitz— Zossen— Wannsee. Der unverwüstliche Gustav Schulze-Trebbin trug hier einen neuen, ganz überlegenen Sieg davon, er gewann mit Vorsprung gegen den Einzelfahrer Timm und den Chemnitzer Klemm. 1. Lohmann.Bllchum I�.Fahrer) 7:43:41(neun Stre-kenr.k-rd)! s. maus(Defekt 02)(A) 1 Lg.: 3. Riemann(StümvctB)(A): 4. Wrceciono (Erilnweiß)(A); 5. Risch lArminius)(A); 6.». Rippe(Spott 88)(B), �- Alfons Stüccc(Sport 88)(C); 8. Giersch(Poftfportpctem)(A); 9. Eidinger(Sturm. pogcl)(C); 10. 0. Michael(Posisportpcrein)(B); 11. Balzer(Sefclt 02)(A), 12. Rasonow iDerbp)(B): 13. öchiipflin(Pastsportpereln): 14. Witte