Morgenausgav« Mitiwsch � �.##" y 4 OTai 1.932 A MMU MG HAG � ÄM0/ >ung ms Hauz> im voraus Mlildar.«W ilLM M> W W[C HB|H HB H H HBl fr HB p Postbezug ZL7 M. einschließlich so Pf. � M � iM V!ZW*4>S fM W W W f/ W W$£<'•— f/ P->uzelMngs- und 7Z Pf.Postbestellge- zMjZ�W BH KB» MW— J MB Bl HW«M WM WM WA> MB MB // Die ei„Iva II. MMimelcezeiie M Pf. fuhren. Auslandsabonnement».SS M. WWW' WB«Wi«U WS!>W WS DSD WW HH—' KM DA! AL R-iiamezeile 2.- M„»leine An- pro Monal; für Länder mit ermäßig»»S! IM! EH tO QB law BHI BD R3 RSM DM zeigen" da» fettgedruckte Won Ä> Pf. tem Sruckfachenport» 4.SS M.-'W%i i RH ffie ffi) MB, flgK.x aBi BW BW HR ßffi �WMK�SbM f izuläfsig zuieisetrgedrucktcWorle.iedez oHB i HB■H �Bl �WBlS»gglkalJeBRa�-- icSÄ DW ��/bBeI i mcitere Wort IN Ps. Rabatt lt. Tarif. HB BM �9SBr/ � �B��x HR Ar MB I Worte über lä Buchstaben zählen »ASS-SW««? MM � � BSUFBBbS S�lIws'vSwi asssrass Äentealoega« der SozialdemoSvaMOen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 kZernspr.i Töriboss{k T) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemolrat Berlin. T a n z i g. 3. Mai. Ter Bauunternehmer Rudziuski. Führer der ZT. in Neutcieh, hatte heute vormittag mit der Frau des s o- zialdemokratischenTtadtvcrordnctcn Gruhn eine Auseinandcrschung. Am Nachmittag wollte Gruhn den Bauunternehmer auf der Straße zur Nedc stellen. Llls jetzt mehrere Nationalsozialisten hinzu» eilten, kam es zu Tätlichleiten. Nudzinski zog eine Pistole und gab auf den Stadtverordneten und dessen Frau vier Schüsse ab. Gruhn wurde durch einen Schuß ins Herz auf der Stelle getötet. Seine Frau blieb unverletzt. Zu dieser Meldung des wolsf-Büros erfahren wir aus Neu- lcich noch folgende Einzelheiten: Der Zimmermcister und Vauunlernehmcr R u d z i n f k i. der fführer der in Danzig immer noch nicht verbotenen SS., hatte im taufe des Tages die Frau des Stadtverordneten Gruhn auf der Straße getroffen und sie ohne Veranlassung mit dem Regenschirm ins Gesicht geschlagen. Die Nationalsozialisten waren an diesem Tage besonders unternehmungslustig. Es fand in Neuteich nämlich eine L u l l e n s ch a u statt, aus welchem Anlaß zahlreiche Großbauern aus der Umgegend dort versammelt waren. Augenscheinlich um sich wichtig zu machen, hat der ebenso wie seine Parteigenossen in Uniform herumlaufende Rud- Zinski den brutalen Ueberfall aus die Frau des Sozialdemokralen verübt. Etwa eine Stunde später traf Gruhn in Begleitung seiner Frau den Rudzinski wieder. Eine Anzahl Nationalsozialisten, die in Begleitung ihres„Führers" waren, rissen ohne irgendeine Veranlassung den friedlich seines Weges gehenden Gruhn zu Boden. Zn diesem Augenblick zog Rudzinski einen Revolver aus der Tasche und gab aus den am Boden Liegenden drei Schüsse ob. von denen einer ins herz traf und den sofortigen Tod herbeiführte. Die ganze Szene spielte sich unmittelbar vor dem als Nazi- heim bekannten, durch die hakenkreuzslagge auch äußerlich gekenn- zeichneten„Hotel Zum Deutschen Hause" ab, aus dessen Veranda die Bauern der Affäre schmunzelnd zusahen. Auch die! Nazisührcr L i n d m e i e r au» Danzig und der Reichstagsabge-| ordnete Förster waren anwesend. Der Mörder flüchtete nach der Tat in dos„Deutsche „R ü ck t r i t t s g e r ü ch t e um B r ü n i n—„Krisen- luft um Brüning"—„Es kriselt im Kabinett"— Abendblätter mit diesen Ileberschriften waren gestern in den Straßen Berlins für einen Groschen das Stück reichlich zu haben. Bei den Gläubigen des Dritten Reiches erweckten sie die angenehmsten Er- Wartungen. Inzwischen war Brüning beim Reichspräsidenten, und es ergibt sich, daß zunächst alles beim alten bleibt, abgesehen davon, daß der Reichswirtschaftsministcr Warmbold sein Abschiedsgesuch eingereicht hat. Wozu man nur sagen kann:„Wenn es weiter nichts ist...?" Die Gründe sür.Herrn Warmbolds Rücktritt werden— wie man annehmen darf, annähernd richtig— in der„Berliner Börsen- Zeitung" dargelegt. Der bisherige Rcichswirtschaftsminister lebt so sehr in der Gedankenwelt der Schwerindustrie, daß er in der Vierzig st undcnwo che ein umstürzlerisches Experiment sieht und in Herrn Stcgerwald einen halben Bolschcwisten. Ucber seinen Nachfolger ist noch nichts entschieden. Als Ergebnis der Besprechung mit dem Reichspräsidenten er- wartet man für heule zwei Notverordnungen, von denen die eine das Reichsbanner weiterbestehen läßt, die andere der k o m m u n i st i s ch e n„G o t t l o s e n b e w c g u n g" an den Leib rückt. Die erste Notverordnung soll, wie es heißt, dem Reichswehr- und dem Reichsinnenministerium besondere Kontroll- rechte gegenüber den sogenannten Wehrverbänden einräumen. Wir Vorwärts-Verlaa G.m.b.H. haus", wo er von dem wirk versteckt gehalten wurde. Er konnte erst um 9 Uhr abends dort ermitlelt und in hast genommen werden, während die Tat sich bereits um 4-20 Uhr ereignet hatte. Außer dem Rudzinski wurden drei weitere an dem Ueberfall beteiligte uniformierte Nationalsoziali st en in hast genommen. Der StaatsanGalt hat Zeit! Der bestialische Mord in Bankau.— Die Aazistrolche lachen wenn sie die Frau ihres Opfers sehen! Breslau. I. Mai.(Eigenbericht.) In der Verhandlung gegen die an dem Bankouer lieber- fall beteiligten Kreuzburger SA.-Leute vor dem Schwurgericht in Oppeln erfolgte am Dienstag die Vernehmung von etwa 30 Zeugen. Der Landjäger Marloni sagte aus, daß er bei Ab- suchung des Tatortes neben der Leiche draußen vor dem Kam- m crfe nstcr zahlreiche Gcschoßhülscn gefuilden habe. Nachts um 1 Uhr sei er zur Berichterstattung zum tzreuzburger Staatsanwalt gefahren. Dieser habe ihn fortgeschickt und ihm gesagt, er möge am nächsten vormittag wiederkommen. Die Mordkommission sei erst tb Stunde» nach der Tat in Bankau cingetrosfen. Der Gemeindevorsteher Drevnik, der den Nazis nahe- st c h t und den Angeklagten während einer Vcrhondluitgspause Zigaretten schachtelweise zusteckte, bekundete, er habe insgesamt zwölf Gcschoßhülscn gesunden. Ernst Vassy, der Bruder t■ Ermordeten erklärte, daß er von dem Nationolsozialisten Smyrck kurz vor dem Ueberfall in der Dorfkncipc belästigt wurde. Als die Frau des Ermordelen im Gerichlssaal erscheint, brechen die Angeklagten in ironisches Gelächter aus! Die Frau bestätigt als Zeugin, daß sie den Anführer der Nazis unter Hinweis auf ihre beiden kleinen Kinder angefleht habe, von ihrem Manne abzulassen. Der Oppelner Kriminialkommissar von Franzius berichtete, daß durch die Krcuzburger SA. im Laufe der vorangegangenen Monate zahlreiche Zusammenstöße hervorgerufen worden seien. Darauf wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Die Verkündung des Urteils ist für Mittwochnachmittag zu erwarten. behalten uns vor, zu diesen Notverordnungen, an denen die Sozialdemokratische Partei natürlich in keiner Weise mitgewirkt hat, Stellung zu nehmen, sobald sie im Wortlaut vorliegen. Aus der Tatsache, daß die gestrige Besprechung des Reichs- kanzlers mit dem Reichspräsidenten reibungslos verlief, darf natür- lich nicht geschlossen werden, daß alle Konfliktstoffe endgültig weg- geräumt sind. So ist die Ordnung im Reichswehrminsterium noch nicht wiederhergestellt. Es muh ober, aus den Gründen, die schon gestern hier dargelegt worden sind, erwartet werden, daß das baldigst geschieht. Auf keinen Fall darf geduldet werden, daß eine angebliche„Stimme der Truppe" von der Bendlerstraße her sich politischen Einfluß zu schaffen versucht. Die„Truppe" hat nicht zu politisieren, sondern Disziplin zu halten. Fragen der Wirtschasls-, Finanz- und Sozialpolitik, die entschieden werden wüsten, sind im Kabinett noch nicht zur Eni- scheidung gelangt. Feststehen dürfte nur, daß der Plan einer Prämienanleihe sür Arbeitsbeschaffung den Reichstag gleich noch seinem Zusammentritt am 9. Mai beschäftigen wird. Ueber die Finanzhilfe sür die Gemeinden, die Arbeitsloscnfürsorge, die In- validcnoersicherung sind noch keine Beschlüsse gefaßt. Die Regierung Brüning befindet sich also erst am Anfang einer klippenreichen Fahrt. Postscheckkonto: Berlin Z7SZK.— Bankkonto: Bank der A rbeiler.Ä ngeltcllicn und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.Disc.-Gel., Deposilenk.,Jeru!aIem«rStr.«ut'g«n MittvM, wird d«r Memettandtoz neugewähü. D,r englisch-fr«>�öM,.it<,li«nisch->n Mahnung an die litauisch? R». gieriing. sr« und ehrliche Wahl zu sichern, ist cin gleicher Schritt des deutschen Gesandten gctolg'. N-ichedeutsche und ausländische Pressevertreter werden den WoWvorgong heabachten. Man muß mit Terror, und Betrugsv-rsuchen rechnen. So hat die Litauisch« Voltspartei öVM Wahlzettel für die Memelländische Volksportei v-rschickt. di« aber zweiseitig bedruckt sind und deren Abgabe die Stimme ungültig machen würde. ?l. reichsdeutschen Lehrern, die das rechtswidrige Landes» diceltorium Simciitis zum Z. Mai g-lündigt hatte, droht nun die Ausweisung. Drohung mit neuer Landtagsauflösung? London. 3. Mai. tC'igenberioht.') Eine englische Nachrichtenagentur berichtet aus ttolumi über haarsträubende Acurierungen, die sich der litauische Mcmclgouberneur M e r k ti s heute gegenüber Pressevertretern bezüglich der morgigen Landtagswahl geleistet hat. Tanach soll Merktis erklärt haben, das» die Neuwahl wahrscheinlich eine Mehrheit für Litauen ergeben würde. Würde das nicht der Fall sein, dann würde eine bedenkliche Lage entstehen, denn er würde sich genötigt sehen, auch den neuen Landtag als- bald aufzulösen. -i- Diese Erklärungen von Merkys muten wie eine bewußte Provokation an. Allein schon die Poraussage, daß die Wcch- lcn in einem Gebiet, das zu v! e r F ü n f t e l n bisher immer deutsch gewählt hat. seht eine Mehrheit für di« litauisch« Partei ergeben würden, beweist, mit welchen Mitteln des Wahlschwiiidel, und des Terrors der Gouverneur die Wahlen durchzusührcn gedenkt. Aber noch toller ist die Drohung, den neugewählten Landtag einfach abernnils aufzulösen, wenn sich seine Mehrheit dem Diktat von Kowiw nicht fügt. Daz würde praktisch die Verneinung der parlamentarischen Rechte bedeuten, die das Memelabkominen der Bevölkerung des van Deutschland willkürlich abgetrennten Gebietes zugesichert hat. Etivos Derartiges würde den Signatormächten und dem Völlerbund geradezu die Pflicht auferlegen, endlich den litauischen Despoten das Handmerk zu legen. Koalition mit dem Hakenkreuz? Demokraten verhandein in Würitemberg. Siutkgarl. Z. Mai. lEigcnbcrich».) Die Bemühungen, in lvüritemberg eine Rechts» r« gierunz unter Ausschaltung de, Zentrum« und unter Führung der Nationalsozialisten zustande zu bringen, nehmen immer greifbarere Gesla» an. Als das Landesorgan des Zentrums zum erstenmal von diesen „ungeahnten Möglichkeiten" Mitteilung mochte, glaubt« die„grank- furter Zeitung" in einer Meldunz aus Stuttgart darin lediglich d«n Ausdruck einer gewissen Nervosität erblicken zu sollen und lehnte j«d« sachlich« Erörterung eines solchen Planes mit.der Persicherung ab. daß für die Demokraten eme solche Kombination selbst- verständlich ganz undiskutierbar sei. Di« letzten Tage haben aber gezeigt, daß bei den schwäbischen Nachfahren der Friedrich P a y e r und Eonrad chaußmann nichts mehr undiskutierbar ist. Ihre leitenden Persönlichkeiten beraten unter dem Einfluß eines mehr auf das Geschäft als auf hie Gesinnung Wert legenden Zeitungsperlegers seit Tagen ollen Ernstes darüber, ob sie das Experiment einer„eoangelischen" Regierung unter Führung der Nationalsozialisten nicht doch versuchen sollen. Di« Entscheidung wird sehr bald fallen müssen, da der Landtag nach der Verfassung am 1». Mai zusammentritt. Für di« Wahl des Staatspräsidenten gilt im zweiten Wahlganz die relative Mehrheit. Eine zweideutige Haltung der Demokraten könnte also bewirten. daß ein Hakcnkreuzler mit relativer Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt wird, dann die Regierung noch seinem Ermessen zusammen- setzt und selbst wenn diese durch einen Mißiraucnsantrag wieder gestürzt morden sollt«, in Ermangelung der Möglichkeit für eine positive Mehrheit der Linken, das Lang vier Jahre lang unter der Firma eines Geschöstsminisimum» regiert. Llnd Klagges verbietet! Braunschweig. 3. Mai.(Eigenbericht.) Die vcrbolspraxi, de» Naziminister» ttlaggcs nimmt neuerdings geradezu groteske Formen an. Am Dienstag erhielten die republikanischen wassersporlverelne der Stadt Braun- schweig, der Sanuvercin„Delphin", die wassersportoblcilung des Reichsbanner» und der verein..Freier Wassersport" die Nachricht. daß ihr Anrudern auf der Oker für die Zukunft verboten sei. weil öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel in Braunfchweig nicht mehr gestattet seien. Typisch für viele„Llebermenschen". (Sin Lebenslauf. In den Bayerischen Landtag ist«in Nationaisozialist Däuser neu geueählt worden, der sich nun lebhaft bemüht, in etwaigen Sioalitionsoerhandlungeu mit der Bayerischen Volkspartei eine Rolle zu spielen. Dieser Dauser liat einen Lebenslauf hinter sich, der für einen Würdenträger der Hitler-Partei charakteristisch ist. Dauser war zunächst Herr schaftsbedien steter. Danach gründete er ein« Organisation der Herrschastsbediciisteten, die dank seiner Unfähigkeit sehr rasch zugrunde ging. Danach übernahm er die Gaulntung de» Motor, und Radfahroerbandcs ,.C o n c o r d i a" in München. Infolge seiner M i ß w i r t s 6z a s t konnte er sich auch dort nicht behaupten. � Noch dem Kriege wurde er Sekretär des Bayerischen Kriegerbundes und spielt« sich alz Frontkämpfer und Anwalt der Kriegsbeschädigten auf. Als man gelegentliä) feine Tätigkeit an der Front nachprüfte, stellte sich heraus, daß er den Wellkrieg ähn» lich wie fein Kolleg« Frick mitgemacht hatte. Frick stand in Pirma- ssris, wo ihn sein König hingestellt hatte, unü Doyscr kämpfte an der inneren Front. Seine Kriegßtätlgkeit bestand nämlich ausschließlich in der Propaganda zur Zeichnung von Kriegsanleihen in der Heimat. Nach dieser Feststellung war er im Bayerischen Kriegerbund unmöglich. Donach entdeckt- er sein« wahrhaft nationale und soldatische Gesinnung und wurde Nationalsozialist. Seine Spezialität ist es, sich in der Agitation als Arbeiter vorzustellen. Dieser Lebens- lauf erklärt alles. Es gibt nickst nur einen Donfer in der National- sozialistischen Porteil Die„deutsche Maifeier.. c toefWn �"" fordern: j fHerSuTFl _-\PtZKnJ Tc\ TGen�k KV JöiföPßni-'] Ä ... die Goebbels angekündigt hatte, ist wieder abgesagt worden.(Schade! Was geschieht in Amerika? Die Znflationsprojekte.- Währungskunststücke vor den Präsidentenwahlen. Vor wenigen Tagen hat der Berichterstatter der Londoner „Times" in Washington ein drastisches Stirnmungsbsld geschildert. „Der Kongreß macht den Eindruck eines Menschen mit verbundenen Augen, der versucht, seinen Weg durch ein Labyrinth zu finden... Was das ganze Land anbetrifft, so wäre es unmöglich, feine gegenwärtige defaitistische(flaumacherische) Stimmung zu übertreiben. Es wird zwar an höheren Stellen von einer leisen Wiederbelebung des Vertrauens geredet, es würde aber schwierig sein, diese Behauptung nachzuweisen. Die Ereignisse und die Enthüllungen haben den Glauben der Amerikaner an die Ban- kiers, an die Börsenmakler und an die Finanzpresse unterwühlt. Der Glaube an den Kongreß ist schon langst verschwunden und kann nicht wiederhergestellt werden, solange der Kongreß dem Lande«in solches Schauspiel bietet, wie ez gegenwärtig der Fall ist." Treten in diesem Bilde die Wirkungen der ungeheuerlichen Wirtschaftskrise und insbesondere des verschwundenen Vertrauens zu der Solidität der mächtigsten kapitalistischen Unternehmungen in Erscheinung, die nicht in Amerika allein festzustellen sind, so gibt der amenkynischen Lage die eigenartige Haltung de? Kongresses ihr be- sondetps Geproz«. Diese Haltunz kann man zwar verstshen. wenn myn berücksichtigt, welche Bedeutung in Amerika, ma es keinen Dar- lamentarrsmu- gibt und der Präsident zugleich Negierunzshaupt ist, die Präsidentenwahlen haben. Zn Amerika wird seht da» ganze paliiische Leben durch die be- vorstehenden Präsiden ischaftsmahlen beherrschk. Die beiden Parteien betrachten jede Frage unter dem Gesichtspunkt ihrer Chancen im Wahlkampf. Die Republikaner, seit)!)2ll an der Macht, fürchten, daß sie ihre Machtstellung verlieren. Jahre- lang stellten sie sich als die Partei der Prosperität(Wohl- stand) vor. und jetzt erlebt das Land unter ihrer Herrschaft diese sürchtorliche Krise. Die Demokraten haben die Siegesaussichten, und sie suchen nach Forderungen und Maßnahmen, die ihre Chance noch verbessern können. Mit dem Hintergedanken, daß ihre Vorschlage entweder von den Republikanern im Kongreß oder vom republitä» nischen Präsidenten durch sein Veto vereitelt werden. Dann würden sie die Möglichkeit haben, den Wählern zu sagen, daß ihr« rettenden Vorschläge an dem Widerstand der Republikaner scheiterten. Diesen Gefallen will aber die Mehrzahl der Republikaner den Demokraten nicht tun, und sie findet sich bereit, die demago- gischstcn Vorschläge der Demokraten zu unter» st ü tz« n. Die Folge ist, daß in einer Zeit, in der über di« Deckung des Milliardendefizits im Haushalt verhandelt wird, jeden Tag die Gefahr entsteht, daß neue gewaltige Ausgaben zwecks Befriedigung irgendwelcher Wählerschicht bewilligt werden. Man rechnet so ganz ernsthaft damit, daß der Kongreß sogar cin Gesetz bewilligt, nach dem den Kriegsteilnehmern ihre staatliche Versicherung(Bonus) in Höhe von mehr als 2 Milliarden Dollar sofort ausgezahlt werden soll. Aus welchen Mitteln? E» wird einfach vorgeschlagen. 2 Milliarden Dollar neue Geld- noten zu drucken, die nicht durch Gold elnlösbar find. Natürlich rechnet man mit dem Veto von Hoover und damit, daß eine Zweidrittelmehrheit in den beiden Kammern, durch die das Veto außer Kraft gefetzt werden könnt«, nicht zustande kommt. Das ist aber, was die Demokraten wollen, um dann die Republikaner angreisen zu können. Diese politische Lage verschärst die ohnehin vorhandene Unsicherheit und erschwert dadurch die Wiederbelebung der Wirtschast. Sehr kennzeichnend sind in dieser Hinsicht die bisherigen Ergebnisse der Politik der Kreditauswettung, die in der letzton Zeit mit einer nie dagewesenen Energie betrieben wurde. Die Föderal Reserve Banken(Zentralnotenlmnken) kauften auf dem offenen Markte Staotspapiere, um auf diese Weise Geld in die Wirtschaft einzupumpen. Wochenlang war der entsprechende Rückgang der von den Föderal Reserve Banken früher angekauften Wechsel das einzige Ergebnis dieser Politik— abgesehen von einer gewissen Stützung der Kurse für die Staatspapiere. Seil dem 7. April haben die Föderal Reserve Banken ihre Rredikaupweitungsaktion direkt in» Phantastische gesteigert. In 3 Wochen wurden von ihnen Staatspapiere für mehr als 300 Dollars angekauft. Da der Wechfelbeftand der Federal Roserve Banken in dieser Zeit„nur" um 116 Millionen Dollars zurückgegangen war. so vermehrte sich die gesamte, von den Zentral- Notenbanken der Wirtschaft zur Verfügung gestellte Kreditmengo fast um 2(!k> Millionen Dollars. Die Menge des von der Wirt- s ch a f t t a t f a ch l i ch in Anspruch genommenen Kredits hat sich aber sogar vermindert. In den gleichen drei Wochen ging der Notenumlauf um 33 Millionen Dollar zurück. | Das von den Zentralnotenbanken zur Verfügung gestellte Geld floß von den Privatbanken als Einlagen an die Zentralnotenbanke» zu- rück. Von einer Kapital- und Kreditknappheit kann in Amerika keine Red« sein. Das Kopital liegt aber brach, die zur Verfügung gc- stellten Kredite werden nicht aufgenommen, da das Unsicherheits- gefühl und die damit verbundene Angst vor dem Risiko viel zu groß sind. Trotz dieser Erfahrungen wird das Verlangen nach Kreditaus- meitung und Vermehrung des Geldumlaufs immer lauter. Aus diesem Verlangen ist auch das neue Gesetz entstanden, welches soeben im Abgeordnetenhaus mit gewaltiger Mehrheit angenommen wurde. Dieses neue Gesetz, desseu Schicksal im Senat noch ungewiß ist und dessen Ablehnung durch hoover sicher zu sein scheint, soll dl: Regierung und die Zenlralnolenbanken verpflichten, durch uecmehrle Notenausgabe die Preise solange in die höhe zn kreiben, blz der Durchschnitt des Großhandelspreises van 1äZ1 bis 1??? erreicht wird. Pst« wenig ernst es dem- Abgeordnetenhaus mit der Beurteilung der Möglichkeiten und Folgen solcher Politik war, zeigt schon di« Toi' fache, daß man die ganze Debatte über diese? Gtsetz durch Aenderunz der Geschäftsordnung auf 16 Minuten beschränkt hat. Es wäre ober verfehlt, diesen Beschluß des Abze- ordnetenhauses nur als einen harmlosen Unsinn, der kein« praktischen Folgen haben kann, zu betrachten. Im Jahre der Präsiden- tenwahl und namentlich in diesem Jahre sind manche Dinge möglich, van denen man sonst nicht einmal ernsthaft roden würde. Ganz abgesehen von dieser oder joner Einstellung zu den Mög- lichkeiten der preisrcgulierepden Kreditpolitik, ist das Gesetz in der Form, in der es jetzt vom Abgeordnetenhaus angenommen ist, s a offensichtlich dilettantisch, daß man eigentlich über seine Annahme nur lachen könnte. Sie wird ober jetzt mit ganz anderen Gefühlen aufgenommen. Das Gesetz wurde nämlich eingebracht, um einige Millionen Wähler, die Landwirte und die städtischen Gewerbetreibenden, zu gewinnen, die nach„billigem Geld" verlan- gen, damit die Last ihrer Verschuldung vermindert werde. Ihre Lage ist wirklich zur Verzweiflung schlecht geworden. Der Preissturz hat chre Verschuldung unerträglich gemacht. Viele wirtschaftliche Existen- zon gehen zugrunde. Viele Former sind schon keine Eigentümer ihrer überschuldet gewordenen Güter mehr, sondern eigentlich nur Pächter bei ihren Kreditgebern, d. h. bei den Bonken. Die Partei, die diese» Wählermassen die Entschuldung durch die Entwertung des Geldes verspricht, würde sie für sich gewinnen. Keine derbeidon Parteien will nun dieses„Verdienst" den anderen überlassen.?1ur eine geringe Minderheit der Abgeord- neten hat den Mut gefunden, gegen das Gesetz auszutreten. Wahr- scheinlich hat dabei auch die Rücksicht auf diejenigen Wähler, die vor allem Angst vor der Inflation haben, eine maßgebliche Rolle gespielt. Und die Mehrheit, die für dieses Gesetz stimmte? Sicherlich rechnen die meisten mit dem Veto des Präsidenten. Das ist ober das, was die Demokraten brauchen, um sagen zu können: der republikanische Präsident Hoover hat die einzig mögliche Rettung aus der Not vor- hindert, also wählt nicht Hoover. sondern«inen demokratischen Gegenkandidaten! Bei aller Berücksichtigung der wohlpolitischen Er- wägungen darf man aber nicht übersehen, daß auch in Amerika die Der- zivcistung an allen Überlieserlen wirtschaftlichen Methoden immer breitere kreise erfaßt. Vielleicht meint der eine, daß soga�r das gewagteste Expe- riment besser sei als das Beharren an diesen überlieferten Methoden. Der andere hofft, daß er der Glückliche sein wird, der auch die schwersten zu erwartenden Erschütterungen überstehen wird, während er jetzt immer tiefer in die Not versinkt. Der Gedanke, daß die Wurzeln des Hebels im kapitalistischen System selbst zu suchen sind und daß deshalb angestrebt werden muß. dieses kapilolistifche System durch ein« andere Wirtschaftsordnung zu ersetzen, bleibt der übergroßen Mehrzahl des amerikanischen Volkes fremd. Man will immer nach durch irgendwelche k ü n st l i ch e n M i t t e l die g e- heimnisv ollen Kräfte dos Kapitalismus zum plötzlichen segensreichen Ausbruch bringen, und myn verhindert dadurch nur. daß auch diejenigen Anpaffungsmöglich- ketten, über die der Kapitalismus nach verfügt, zur Geltung kommen und eine allmählich« Belebung der Wirtschaft bewirken. Georg Dotier. Der frühere haoseatischg Gesandte Dr. Karl Sicveking ist in Homburg im 6S. Lebensjahre gestorben. Dr. Sieveking. der einer ollen Hamburger Patnzierfamilie entstammte, ivar von 1613 bis 1920 Gesandter Hamburg?, Lübecks und Bremens in Berli». Die Wirkung des Lohnabbaus. Beschäftigung in der Metallindustrie um zwei Drittel gesunken. Die Berliner Ortsverwaltung des Metall- arbeiterverbandcs unterbreitet soeben ihren Funktionären den gedruckten Rechenschaftsbericht über ihre Tätigkeit im Jahre 193 l. Der Bericht ist— wie die Geschäftsberichte fast oller anderen Arbeiterorganisationen— eine K r i s e n b i l a n z. Er sticht aber immer noch sehr vorteilhaft ab von den Bilanzen vieler angeblich unfehlbarer Wirtschaftsfnhrer der Berliner Metallindustrie vom Format des Herrn v. Borsig, dem bis vor kurzem noch tonangebenden Mann im Verband Berliner MetaUindustriellcr und in der Vereinigung Deutscher Arbeitgcberoerbände. Die ständige Verschlechterung der Arbeitsmarktlagc in der Bcr- liner Metallindustrie mußte zwangsläufig auch Rückschläge für die führende Organisation in dieser Industrie, den Metallarbeiterver- band, zur Folge haben. Es gingen der Ortsverwaltung des Metall- orbeiterverbondes im Laufe des Berichtsjahres 9 57 6 Mitglieder oder 1 2 P r o z. ihres vorjährigen Mitgliederbestandes verloren, so daß sie am Schluß des Berichtsjahres»och bS-iöll Mitglieder, darunter 6828 weibliche Mitglieder und 3112 Lehrlinge zählte. Wie katastrophal sich die Wirtschaftskrise auf die Bertiner Metallindustrie ausgewirkt hat, darüber gibt ein Zahlcnverglcich im Rechenschaftsbericht Aufschluß. ?n den VLAlI.-Betrieben waren am 1. Iuli 1929 noch ISZbZZ Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, und zwar fast ausnahmslos noch 48 Stunden in der Woche; am 1. Oktober 19Z1 waren es nur noch IIS 150 und am 1. März d. Z. bloß noch 91 S00. die aber im Durchschnitt nur ZZ Stunden in der Woche arbeiteten. Bei voller 48stündiger Arbeitszeit hätten die BBMZ.-Betriebe nur noch eine Beschäftigungsmöglichkeil für rund 63 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Zahl der in den VBMJ.-Betrieben Beschäftigten ist also im Laufe von 2% Jahren um rund die Hälfte, die Bcschäf- tigungsmöglichkeit sogar um fast zwei Drittel zurückge- gangen. Das ist der Erfolg der Politik des Lohnabbaues. Be- rücksichtigt man diese Tatsache, dazu noch die im vorigen Jahr mit besonderer Schärfe gegen den Metallarbeiterverband betriebene Hetze der NGO. und schließlich auch die agitationshemmenden Wirkungen der staatlichen Lohnabbaupolitik, dann muß jeder objektive Kritiker zugeben, daß die Organisation der Berliner Metallarbeiter im vorigen Jahr sich ausgezeichnet gehalten hat. lieber die zahlreichen Lohn- und Tarifbewegungen in den einzelnen Bronchen und Betrieben wird auf 206 Druckseiten des Berichtes erschöpfend Auskunst gegeben. Insgesamt wurden 262 Lohn- und Rohmentarifbcwegungen geführt. Davon hotten 29 einen vollen Erfolg. 172 einen Teilerfolg und 61 waren erfolglos. Allein diese summarische Angabc widerlegt die schwindelhaften Be- hauptungcn der NGO., der Metallarbeiterverband getraue sich nicht mehr, in den jetzigen Krisenzeiten noch Kämpfe zu führen. Der Metallarbeiteroerband kann allerdings mit der NGO. nicht konkurrieren hinsichtlich der Höhe des Prozentsatzes der verlorenen Kämpfe. Bedauerlich ist die durch unbedingt notwendige Sparmaß- nahmen erzwungene Schließung des vcrbandseigenen Licht- s p i c l t h e a t c r s in der Linienstraße. Für die gewaltige sinan- zicllc Leistungsfähigkeit der Organisation sind die Kasse nab- s ch l ü s s c unumstößliche Beweise. So wurde Z. B. für die Haupt- kasse an Beiträgen 2 366 122 M. vereinnahmt, an Unter- stützungen aber wieder 2 956 691 M. ausgezahlt. Umgerechnet auf den Kopf der Mitgliedschaft ergibt sich für das vorige Jahr eine Veitrogseiniiahme van 34,56 M. pro Mitglied und Zahr, der eine Rückzahlung in Form von Unterstützungen in höhe von 29,91 M. pro Mitglied und Jahr gegenübersteht. Was ober den Mitgliedern zurückfloß in Form von Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, Abwehr von Verschlechterungen, Rechtsschutz usw. ist hier nicht berechnet. Der Bestand der Lokal- kasse hat sich im Laufe des Berichtsjahres von 773 511 M. auf 661 364 M. veringert. Die Rcchtsjchutzabteilung klagte bei den Gerichten fast 175 999 M. ein. Der Rechenschaftsbericht der Berliner Ortsvcrwaltung des Metallarbeitervcrbondcs für das Jahr 1931 ilt nicht rosig; er ist ober kein Konkursbericht geworden, wie es das reaktionär« Unternehmertum gewünscht hätte. Diese Selbstbehauptung der Or- ganisation wird freilich die RGO., die niemand Rechenschaft über ihre Strcikplciten und ihre Kossenebbe ablegt, nicht daran hindern, den Metallarbeitcrverband verantwortlich zu machen für die zur Krise des ganzen kapitalistischen Systems ausgewachsene Weltwirt- schastskrisc. Was aber wieder die Mitglieder des Deutschen Metall» arbeiterverbandes nicht hindern wird, über diese unehrliche Kritik zur Tagesordnung überzugehen. Wirtschastsmort»! Llngeheuerliche Schiedssprüche im Baugewerbe. Die Beschwerde der Untcrnchmerprcsse, daß die Lohnpolitik des Reichsarbeitsministcrs die Hoffnungen der Wirtschaft aus eine größere Lohnbeweglichkeit enttäuscht habe, wird bei den Bau- «rbeitern ein bitteres Lachen hervorrufen. Die Sonder- schlichter, die voin Reichsarbeitsminister zur Neuregelung her Bouarbeiterlöhne eingesetzt worden sind, befolgen prompt die Parole des Ministers für den Abbau der /,B i n n e n in a r k t l ö h it e". Alle von den Arbeitervertretcrn gegen den Lohnabbon vorgebrachten Argumente stoßen aus taube Ohren. Infolgedessen ist der Abbau in allen Bezirken gleich katastrophal. Die bisher für das Baugewerbe vorliegenden Schiedssprüche sprechen einen Lohnabbau bis zu 24,2 P r o z. ans! In einem einzigen Lohngebiet beträgt der Lohnabbau„nur" 11,7 Proz. Im Freistaat Brauns chweig beträgt nach dem Schiedsspruch der Spitzenlohn für Facharbeiter 93 Ps. Es geht herunter in Lohn- klaffe V bis aus 62 Ps. Der Tiesbauarbeiterlohn bewegt sich zwischen 68 und 46 Pf., worauf angesichts der Propaganda für den „freiwilligen Arbeitsdienst" besonders aufmerksam ge- macht werden muß, weil dieser ja auch mit den„hohen Bauarbeiter- lohnen" gerechtfertigt werden soll. In Bayern ist der Maurerlohn um 16,5 Proz. abgebaut worden. in der Lohnklaffe I sogar um 19 Proz. Stundenlöhne über 1 Mark gibt es in Bayern nicht mehr. In der Lohnklasse I(Mittelstädte) werden sür Maurer 85 Pf. pro Stunde gezahlt. Für alle übrigen Bauarbeiterkategorien bewegt sich in Bayern der Lohnabbau zwischen 29,8 und 15,5 Proz. Im Bezirk Nordwe st deutsch- l a n d werden in der Lohnklasse I(Stadt Hannover) ciiffchlicßlich Perkehrszulage an Facharbeiter nur noch 95 Pf. und an Tiesbau- Arbeiter 79 Pf. pro Stunde gezahlt. In den übrigen Lohnklalsen bewegen sich die Facharbeiterlöhne zwischen 9» und 57 Pf., der Ties- bauarbeiterlohn zwischen 65 und 47 Pf. Der Schiedsspruch sür Württemberg senkt die Löhne in der höchsten Ortsklasse um 23 auf 92 Pf., was einem Abbau von 29 Proz. cntspriäst; in den niedrigeren Lohnkloffcn wird der Lohn um 19,6 und um 12 Proz. gesenkt; das macht im letzteren Fall einen Stundenlohn von 66 Ps. aus. Tiefbauorbeiter erhalten in der höchsten Klasse 79 Pf., in der untersten 51 Ps. In O b e r s ch l e s i c n sollen Facharbeiter in der höchsten Lohnklasse 71 Ps., in der untersten 58 Pi. erhalten! Tiejbauarbciler erhalten«inen Stundenlohn von 44 bis 38 Pf.! Der Abbau bewegt sich zwischen 15,9 und 11,7 Proz. Im Lohn- gebiet Kassel wurde der Facharbeiterlohn in der obersten Lohn- klaffe um 14,3 Proz. gesenkt, das macht 15 bis 18 Pf. pro Stunde. In den übrigen Lohnklossen beträgt der Abbau 17,3 bis 29 Proz. Aehnlich wie in diesen Stichproben steht es mit dem Abbau auch in den übrigen Lohngebieten. Bei den Bauunternehmern in P o in m e r n scheint sich der dort grassierende N a z i g e i st besonders auszuwirken. Sie liehen einjach selbscherrlich verkünden, daß vom 2. Mai an nur noch die von ihnen diktierten Löhne Geltung haben. In Groß-Stettin wollten die Unternehmer den Maurern nur noch 81 Pf. Stundenlohn bezahlen, d. h. den Lohn um 2 5 Proz. abbauen. Heil Hitler! In den übrigen Lohnklassen sollen nur noch 69 und 56 Pf. pro Stunde gezahlt werden, Tiefbauarbeiterlöhne sollen nach dem Diktat der Unternehmer zwischen 56 und 39 Pf. liegen. In den meisten Bezirken sind die neuen erheblich abgebauten Löhne als erstmalig zum 31. Oktober d. I. kündbar erklärt. Der Zweck dieses Termins ist, den Neuabschluß der Tarif- oerträge in die für die Bauarbeiter ungünstigst« Jahreszeit zu ver- legen und damit den Abschluß überhaupt zu verhindern. Diese Schiedssprüche sind nicht nur eine unerhört« Heraus- fordern ng der gesamten Arbeiterschast. Sie sind direkt der Mord der W i r t s ch a s t und die Erdrosselung der öfsentlichen Finanzen. Gegen sie muß mit der letzten Energie Front gemacht werden! Gtegerwald in Llngnade. Weil er nicht ganz so will, wie Hitlers Geldgeber. Bei den„W i r t s cha s t s f ü h re rn" herrscht schlechte Laune. Sie kommt in der Rechtspresse, vor allem in Blättern vom Schlage der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", bereits sehr drastisch zum Ausdruck. Der R c i ch s a r b c i t s ni i n i st c r ist den Herrschaften verdächtig. Sie sind auf ihn schlecht zu sprechen. Sie sprechen von einer„Schwenkung" Stegerwalds und fragen ihn grimmig und drohend:„Wieder aktive Sozialpolitik?" Noch ist der Ton, in dem sich der Zorn Luft macht, verhältnismäßig ruhig, allein im Hintergrund hört man schon die Faust auf den Tisch knallen. Was ist geschehen? Warum ist der Reichsarbeitsminister Plötz- lich in Ungnade gefallen? Was hat er getan? Einstweilen noch gar nichts. Aber es sieht so aus, als wolle er etwas tun. Und das ist für das Unternehmertum Grund genug zu Mißtrauen. Der Reichs- orbeitsminister versucht, einige Dinge inz Lot zu bringen, die l ä n g st in Ordnung hätten gebracht werden müssen. Seine Pläne zur Arbeitszeitverkürzung, zur Arbeitsbeschaffung, zur Erhaltung der Sozialversicherung, zur Neufinanzierung der Arbeitslosen- Versicherung und sein— Versprechen, daß mit dem allgemeinen Lohnabbau nun wirklich und definitiv Schluß sein müsse—, all das ist für die Unternehmerpresse eine grauliche und abscheuliche Aktioftät. Diese Aktivität trägt lediglich bitterernsten Notwendigkeiten Rechnung. Sie ist alles andere als ein Zugeständnis an die Gewerk- schasten. Sie ist eine Selbstverständlichkeit. Solange der Reichsarbeitsmiruster nur im Lohnabbau seine stärkste Aktivität entfaltet hat. da war alles in Ordnung. Da war der Reichsarbeits- minister der„große Realpolitiker" und der„kluge Soziatpolititer". Jetzt dagegen heißt es bei den Freunden von gestern, die Lohnpolitik des Reichsarbeitsministers steuere mit vollen Segeln in einen ver- schärften Staotssozialismus hinein. Statt der in Aussicht gestellten „Auflockerung" des Schlichtungswesens sei sogar mit einer„Versteifung" der staatlichen Lohnamtspolitik zu rechnen. Di« Hofs- nungen der Wirtschast aus eine größere„Lohnbeweglichkeit" seien emtäuscht worden. Mit Nachdruck betreibe das Reichsarbeits- Ministerium die Einführung der V i c r z i g st u n d e n w o ch e und das Verbot der Ueberarbeit. Offenbar sei Stegerwald jetzt auch jener„unsachlichen" Einstellung verfallen, daß man angesichts der Lage„etwas tun" müsse. Das Ministerium wolle anscheinend bei der Kombination von Arbeitsbeschaffung und Erwerbslosen- fürsorge preußischen Anregungen folgen, die auf eine Erhöhung der Beiträge und Bereitstellung eines Kapitalfonds zur staatlichen Arbeitsbeschaffung hinauslaufen. In einer Zeit, wo alles darauf ankomme, der„Wirtschaft" wieder Vertrauen zur Politik zu geben, erfolge ein Angriff aus die gesetzlichen llnternehnierkainmern und die verblümte Aufforderung, sie möchten sich paritätisch umbilden. Der einzige zuverlässige Gegner dieser Pläne sei im Kabinett der allerdings in jeder Hinsicht unzulängliche Reichswirtschafts- m i n i st c r gewesen. Wie man sieht: Die Maulwürfe/ die das Reichskabinett unter- wühlen, sind zur Zeit eifrig bei der Arbeit, denn Hitlers Geld- g e b e r wollen aufs Ganze gehen. Alles was wir in den letzten Tagen an Angriffen gegen die Reichsregierung erlebt haben, sind Tellaktionen eines Großangriffs der Arbeilerfeind« gegen die Republik. Achtung! Bnchd-Ucker. tt. Bezirk(Sachtorbeiter): Ausn-chinsmcise findet die Bezirtsversammlnng diesmal am ßimme Ifaljttätag, vormittags 10 Uhr, statt. Vortrag: St. Burkirzai„Hinter den Kulissen der Justiz." Zahlreiches Er- scheinen erwartet die Bezirksleitung. Wieder Llnruhe auf den Arbeiisamiern. Weil es der Sparkommissar wünscht. In seinem denkwürdigen Gutachten über die Organisation der Arbeitsämter hat der R e i ch s s p a r k o m m i s s a r festgestellt, daß Vorauszahlungen für W o ch e n f e i e r t a g e, o» denen sonst Ilnterftütziing gezahlt wird, Zinsverlust kosten. Er schlug des- halb vor, daß z. B. statt der Zahlung am H i m m e l f a h r t s l a q e die Zahlung nicht, wie bisher, eine Woche früher, sondern nur ein bis zwei Tage früher erfolgen dürfe. Die Bllrokrotie der Reichsaifftolt hat auch diesen unsinnigen Wunsch des Sparkommissars ohne Kenntnis der Praxis und ohne Befiogung der Praktiker erfüllt und angeordnet, daß auf den Ar- beitsämtern entsprechend zu verfahren sei. Am Himmelfahrtstag, Pfingstsonnabend und Pfingstmontag wird nicht gezahlt, vtatt nun den Arbeitslosen, die am Donnerstag, Sonnabend und Montag ihre Unterstützung erhalten, ain Donnerstag, Sonnabend und Montag der vorhergehenden Woche für zwei Wochen Unterstützung auszn- zahlen, wird der vorhergehende Zahltag damit belastet. Die Folge ist ein heilloses Durcheinander auf den Arbeitsämtern. Um im Höchstfall 299 Mark Zinsen zu sparen, werden sämtliche Ar- beitsämter durchcinondergewirbelt, die Angestellten werden wahr- scheinlich Ueberstundcn machen müssen, die Arbeitslosen warten stundenlang auf ihre paar Psennigc. Der Endcrjolg wird nichts wei- ter sein als Verärgerung und Unruhe. Die verantwortlichen Stellen in der Reichsanstalt sollten sich einmal die Auswirkungen ihrer Anordnungen auch in der Praxis ansehen. Warum kommen die Herren jetzt nicht in die Zahlkaffen und in die Aernter, um sich von der Unhoitbarkeit solcher„Erspar- nissc" zu überzeugen? Einstimmig abgelehnt. Llm die Löhne in der Herrenkonfektion. Die im Bekleidungsarbeiterverband organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner H e r r e n k o n j e k t i o n nahmen gestern abend zu dem Schiedsspruch des Reichsarbeits- Ministeriums Stellung, der ganz erhebliche V c r j ch l c ch t c r u n- gen des bisherigen Reichsmantel- und Reichslohntarifs sür die Herrenkonfektion enthält. Der Schiedsspruch sieht zwar, wie im „Vorwärts" bereits ausführlich mitgeteilt, keinen direkten Ab- bau der Löhne vor, dafür ober durch die Beseitigung oder Ah. ändernng dieser Tarifbestimmungen einen„kalten" Lohnabbau. Der materielle Verlust, den der Schiedsspruch den.Konfektions- orbeitern und-arbeiterinnen bringen will, ist nicht nur für den ein- zelnen Tarifort, sondern auch sür die einzelne Serie schwer fcststell- bar. Die Beseitigung der Bezahlung für viele Nebenarbeiten bc< deutet z. B. beim Sacco einen Abbau von ungefähr 9 bis 13 Proz. des Verdienstes, bei der Hose von rund 8 bis 12 Proz. und bei der Weste von 4 bis 12 Pro.;., wozu noch ein Abbau auf verschiedenen anderen Umwegen kommt. Der Schiedsspruch bringt jedenfalls den Unternehmern der Herrenkonfektion zum erheblichen Teil die „Tarifauflockerun g". nach der sie schon seit Monaten schreien. Genosse K u tz e b a ch empfahl den Versammelten nach einem ausführlichen Bericht über den bisherigen Verlauf der Tarif- bewegung die Ablehnung des Schiedsspruchs. Eindringlich er- mahnte er die Mitglieder, das schlechte Organisationsverhältnis in der Herrenkonfektion, auf das die Unternehmer während der Ver- Handlungen mit nicht mißzuverftehender Ironie angespielt hoben, zu beseitigen. In der Disk"ssion kam nicht nur eine starke Erregung über diesen Abbauschiedsspruch zum Ausdruck, sondern eine noch viel größere Empörung über den unentwegten Rückwärtskurs des R e i ch s a r b c i t s m i n i st c r s in der Lohnpolitik. Wenn fierr Stegerwald nur eine Viertelstunde der Debatte in dieser Bekleidungsarbeiterversammlung hätte lauschen können, würde ihm vielleicht bewußt geworden sein, welche verhaltene Wut sich hinter der politischen Disziplin der freigewerkschastlichcn und sozialdemokratischen Arbeiterschast verbirgt. Die Versammlung lehnte den Schiedsspruch nach längerer Diskussion einmütig ab. Litauen verweigert Koalitionsrecht. Wie uns von der Internationalen Transportarbeffer-Föderation (JIF.) mitgeteilt wird, mußte kürzlich einer ihrer Sekretäre in Li- tauen feststellen, daß dem dortigen Eisenba h«personal so- wie sämtlichen in öffentlichen Betrieben beschäftigten Bediensteten, im Widerspruch zu den Bestimmungen des von der litauischen Regierung unterzeichneten Friedensvertrages und der Landesgeseggcbung das Recht genommen worden ist, eigene Gewerkschaften nach ihrem Sinne ins Leben zu rufen. Dieses Rechtes wurden sie bei Errichtung der Dik» t a t u r durch ein Sonderverbot beraubt, welches heute noch in Kraft ist. Die litauische Regierung wird nach Ansicht der JTF. zuerst ihren eigenen oftiziellen Versprechungen und Verpflichtungen nach- kommen müssen, bevor sie ihre oenneintlichen Ansprüche z. B. hin- sichtlich Memels gellend machen kann. Der Vertreter der JTF. Hot auf seiner Reise von einem be- stimmten Lande aus, weil in Litauen noch stets die Kriegs- zensur herrscht, die Internationale Zlrbeitskonfe- renz in Genf auf den Wortbruch der litauischen Regierung beziig- lich Gewährung des.Koalitionsrechtes aufmerksam gemacht. 0sZuqendfffuppe des Zentralverbandes der Angestellten Heule. Miltwock. finben folgende Veeanssaltungen statt: Mai-Trell- fal>rt aller Berliner Zugcnbbezirle in RubersSori.- Ztöpenid: Iugenb. beim Vahlunker vir. lä lKasanstalt am Bahnhof Köpeniv». Bortrag:„Vie Gewertschafisbewegung in Snglanb." Referent: llamni.— PoisdaM'Rowamcs: Iugenbherderge Nowawes. Gruppenausfprachc:„Wie gestalten wir unsere Sommerarbeit aus?" »�reie Gewerkfchafts-Iugend Nerlin Heute, MittVod). 4. Mai 1962, um inu Uhr, tagen die Gruppen: Süd- wcsten: Jugendheim Porckstr. 11(Fabrikgebäude Heimbesprechung, Kampfliederabend, Berbandsbudikontrolle.- Schoneberg: Jugendheim Hauptftr. 1',(Gartenhaus). Heimbesprechung, Berbandsbuchkontrolle, Kartell- und Kompaßlesen.— Epandau-Reustadi: Jugendheim Lindcnuser l. Nachtfahrt nach Meißnershof.— Rordring: Jugendheim Sonnenburaer Str. 29. Wir machen Himmelfahrt.— Weißen.sce: Jugendheim Weißensee, Parkstr. 39. Heim- besprechung. Verbandobuch und Heimausweis sind mitzubringen.— Ärns- walder Platz: Jugendheim Nastenburger Str. 14. Heimbesprechung. Ausspraäie über die Pfingstfahrt.— Neukölln: Jugendheim Bergsir. 29(Hof). Heim- besprechung. Berbandsbuchkontrolle. Wir singen Kampflieder.-- Flughafen: Jugendheim Flughafcnstr. K5(U-Bahn Boddinstraße). Hcil�bcsprechung. Ver- bandsbuchkontrolle.— Humboldt: Jugendheim Graun-. Ecke Lorginastraße. Heimbesprechung. Wir lernen neue Lieder.— Perba, ldsbuchkontrolle.— Schiller- park: Jugendheim Schule Schöningstr. 17. Heimbcsprechung.— Tegel: Jugend- hcim Tegel, Schöneberger Str. 4. Heimbesprechung.— Banmschulenweg: Jugendheim Baumschulenmeg, Ernststr. 16. Heimbesprechung. Perbandsbuch- kontrolle.— Wir spielen ab 18 Uhr: Rordkrcis: Spvrtplaß Schillervork.— Iugendgrnppe des Gesamtverbandes. Fachgruppe Kommunalbetricbc. Himmel- fahrtsfahrt zu Nurmi. Treffpunkt 19'-. Uhr am Bahnhof Stralau-Rummels- bürg(Eingang Sonntagstraße). Berantwortlich für Politik: Victor Sch-sf; Wirtschast: G. Klingelhötcc; Gcwerkschaftsbeweguny: S. Steiner: Feuilleton: Dr. 3ohn Scbikowski: Lofali* und Sonstiges: Fri� Karstadt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vormärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u Co. Berlin SW. 68. Lindenftraße 3, Hierzu 2 Beilagen. 20S. 49. Zahrgang Mittwoch. 4. Mai il 932 Lerlin am Lncle semer Kratt. lTrohe Redte des Stadtkämmerers— I Million Berliner werden aus öffentlichen Mitteln unterstützt— Die Verantwortung des Reiches. JTtif einer groh angelegten. lcit>cnsci)astlich vorgetrogenen Rede Hot gestern Skodtkömmcrer Bruno Asch den Ztadthillishallsplon der Rcich�hauptstadt sür IgZZ im SIa!>lporlainent eingebracht. Die klaren, überzeugenden Darlegungen des Kämmerers fanden die gespannteste Aufmerksamkeit des übervollen Hauses. Trotz dauernd anwachsender wohlsahrlslaslcn, trotz Steucr- rürkgängen und neuer Ungerechtigkeiten des Finanzausgleichs ist es im lchtcn Jahr gelungen, eine Erhöhung der Gesamlvcrschuldung der Stadt und ihrer Gejellsä, asten zu vermeiden und das Defizit des Zohres 1931 um ungefähr b0 Millionen Mark herab z u- drucken. Das wurde erreicht durch rechtzeitig und ziclbcwuszt durchgesührte Mohnahmen, die allerdings bis an die Grenze des Erträgl'.chen gingen. Mahnahmen, deren Auswirkungen jeder Berliner zu spuren bekam, durch die aber die Erfüllung der dringendsten Bcrpslichtungen gegenüber den h i l f s b e d ü r s t i g c n. den Arbeitnehmern und den Gläubigern überhaupt erst möglich war. Mit dieser unerhörten Krastanslrengung Hot Berlin bewiesen, dah alles getan worden ist, um aus eigener ft r a s t der sich erschreckend austürmenden Schwierigkeiten Herr zu werden. Der neue Haushaltsplan zeigt, dah die Auswirkungen einer noch nie dagewesenen Krise der Weltwirtschaft sür das größte deutsche Ge- meinwescn so ungeheuerlich sind, dah eine Beivältigung der Widerslände mit eigenen Mitteln unmöglich ist. Alle deutschen Gemeinden besinde» sich in der gleichen Lage, aber der Kämmerer konnte gestern zahlenmohig belegen, in wie hohem Mahe Berlin stärker als andere Städte von der Welle dcr Tkot ergrissen ist. In Berlin werden zur Zeit über eine Million Mensche», dos sind mehr als ein viertel der gesamten Bevölkerung, aus öffentlichen Mitteln unterhalten. Aus lausend Einwohner kommen bö.6 Wohl- sahrtserwcrbslosc, während der Reichsdurchschnitt 34 Personen, und der Durchschnitt im Lande preuhen 3b,5 Personen beträgt. Berlin liegt also mit der Zahl der Wohlfahrtscrwerbslosen rund 89 proz. über dem preußischen Durchschnitt! Gegen Schluh der Rede, in deren verlauf vorwihige Zwischen- rnscr rhetorisch meisterhaft abgefertigt wurden, kam Asch auch aus die Unterredung zu sprechen, die der O b e r b ü r g e r m c i st c r und der Stadlkämmerer mit dem Reichskanzler halten. Als der Redner erklärte, daß der Reichskanzler die Rolwendigkeit einer unverzüglichen'Aktion anerkannt chabc, ertönte Lachen bei Koni- . uiumsten und Jüil io na Ij oziali ifciu JDps.Dflunca, hicll itach vn, als der Kämmerer mit erhobener Stimme ausrief, dah der Magistrat Berlin sich mit der Reichsregierung in dem Bestreben einig wisse, vor ollem die Währung stabil zu erhallen. Asch schloß mit der Feststellung, dah olles getan werde, um die Verwaltung der Stadt Berlin ordentlich, sparsam und sauber gejährt zu sehen. Trotz der Rotzcit sei durch die geleistete Arbeit die Grundlage zu einem künstigen Ausbau, an den wir trotz des Dunkels der Gegenwart glauben wollen, geschossen worden. Aeber die Möglichkeit und die unabsehbaren Folgen eines Zusammenbruches der deutschen Gemeinden sei die Regierung des Reichesj genauestens orientiert. In vollem Umfange trage des- halb das Reich die Verantwortung für die Zukunft der deutschen Gemeinden. Aschs große Ctatrede. Die Schwierigkeit der innerdeutschen Lage, so führte der S l a d l k ä m in c r c r bei seiner großen E t a t r e d e aus, wird am deutlichsten gekennzeichnet durch die erschütternden Ziffern des wirtschaftlichen Abstiegs, unter dem Berlin ganz besonders zu leiden Hat. In Deutschland beträgt die Zahl der arbeitsuchenden Erwerbslosen gegenwärtig(5 0Z4 000. Die öffentlichen Einkünfte aus Steuern, Zöllen und Abgaben aber sinken von Quartal zu Quartal. Die Erzeugung an Produktionsgütern ist von 1S29 bis zum März 1932 um nahezu 50 Proz. gesunken, d. h. sie ist aus den Stand von 1898 zurückgeworfen. In diesem trostlosen Wirtschaft- lichcn Rahmen vollzieht sich die Berliner Haushaltführung. Der legte Haushaltsplan für Berlin schloß mit einem Fehl» betrage von 07 Millionen ab, wozu noch eh, Fehlbetrag aus dem Jahre 1930 von rund 65 Millionen kam. Die Hälfte dieses legtgcnannten Fehlbetrages mußte kassenmäßig im Jahre 1931 ab- gedeckt werden. Dazu kam ein Kassenbedarf in der außerordentlichen Stadtverwaltung mit etwa 50 Millionen Mark, so daß insgesamt niil einer Geldbeschaffung von rund 150 Millionen Mark gerechnet werden mußte. Die in Aussicht genommenen jtrediltransaktionen scheiterten, so daß die Stadt in Verbindung mit den Rotverordnungs- maßnahmen der Reichs- und Staatsregicrung zu einer in der Gc- schichte der Stadt Berlin kaum gekannten Einschränkung auf allen Gebieten der städtischen Verwaltung kam. Es gelang zwar, das allgemeine Defizit durch diese Einschränkungen herabzumindern, doch war die kossenmäßige Bewältigung dieser Aufgabe äußerst schwierig. Wit besonderer Betonung konnte der Kämmerer seftslcllcn, daß es im vergangenen Jahre gelungen ist, de» Haushall der Stadt Berlin ohne eine Erhöhung der Gefamtverschuldung der Stadl durchzusührrn. Das Desizit konnte lroß der ungeheuren Finanz- nol um 60 INillionen wark herobgcmindcrl werden. Wesentlich trüber als die schon unerfreuliche Haushaltslage im Jahre 1931 war, sind aber die Aussichten sür das laufende Geschäftsjahr. Die Zahl der Wohlfahrtscrmerbslofcn, die allein der Stadt zur Last fallen, steigerte sich sortgcscßt. Am 1. April 1931 hatte die Stadt 140 900 WoHiiaHrtserwerbsloie zu betreuen. Ein halbes Jahr später waren es 184 000, am 1. Januar 1932 220 000 und zu Beginn des neuen Haushaltsjahres 265 000. Für das Zahr 1932 rechnet der Kämmerer mit einem Iahrcsdurchschnilt von 300 000 Wohlfahrts- crwcrbloscn. d. h. für ihre Unterhaltung ist eine Mehrbelastung bei den gegenwärtigen Fürsorgesätzcn von über 7.5 Millionen Mark zu erwarten. Berücksichtigt man die von der'Arbeitslosenversicherung, � der Krisenfürs arg« und die von der Stadt' gegenwärtig betreuten | Familien in einer Gesamtzufammenstellung, so werden gegenwärtig 1 112 000 Personen, d. h. über ein Viertel der Berliner Bevölkerung, aus ösfentlichcn witleln unterhalten. Daß bei dieser Entwicklung der Wirtschaftslage die Steuere in- gange ständig zurückgehen, ist nur zu verständlich. Der neue Etat rechnet mit einem Steueraufkommen von 408 Millionen Mark. Not- wendig wären 498 Millionen Mark. Dieser Einnahmerückgang ist nicht nur durch die Wirtschaftsentwicklung bedingt: er wird noch verschärft durch Eingriffe der Reichs- und Staatsregicrung. So schädigt beispielsweise die Herabsetzung der B i e r st c u e r die Stadt Berlin um 6 Millionen Mark, und auch der preußische Finanz- und Lastcnausgleich bringt noch erhebliche Verschlechterungen! Rigoros wurde gespart Die Deckung der Ausfälle an einmaligen Einnahmen, Steuern und sonstigen Einkünften ist im gegenwärtigen Etat nur durch die schwer st wiegenden Eingriffe auf der Ausgabcnseite ge- lungen. Die Ausgaben der Bauverwaltung sind von 49,7 am 33,8 Millionen herabgesetzt worden, die Schulverwaltun g hat ihrer, Etnt van 154,9 ans 109 Millionen herabsetzen müssen, für Kunst und Wissenschaft gibt die Stadt statt 8,4 nur noch 5 Millionen aus. Der Hanshalt des Fürsorgewesens ohne die Hilfe für Wohlfahrtserwerbslose ist van 237,4 ans 211,3 Millionen herabgesetzt worden, dos Gesundheitswesen hat sich eine Kürzung seines Doppelraubmord in Moabit. Hausbesitzerehepaar erschlagen.- Ein grauenhaftes Verbrechen. Seit den gestrigen frühen Ltactzmittagsstunden ist die ÄRordkommisston des Berliner Polizeipräsidiums mit der Aufklärung eines furchtbaren Verbrechens befehäf- tigt, dessen grauenhafte Ausführung Eintsctzen erregen muß. Die Qpfcr sind der«stjährige Hausbesitzer Fritz Baars und seine V8 Fahre alte Frau Fda, die nnt furchtbaren Verletzungen in ihrer Wohnung in der E r n s in u s st raste 5 in Moabit erschlagen aufgefunden Isturdtn. Cffensichtlich liegt Raubmord bor. .. Düe. Beholtchsi« infder Wschumg amrem durchwühlt, und- ui,,n geht zweifellos' nicht fehl in der Annahme, daß es die Täler ans- die zum Monatsersten eingegangenen Mieten abgesehen haben. Bisher schlt von den Raubmördern, die mit einer beispiellosen Bestialität die beiden Menschenleben ausgelöscht haben, jede Spur. Alsbald nach Bekanntwerden des Verbrechens, das wie ein Lauffeuer die Gegend durcheilte, erschien der Leiter der Berliner Kriminalpolizei, Krimi- naldircktor Scholz, Kriminalrat G c n n a t und die Kommissare Zapfe und G r o ßch e k am Tatort, nin die ersten notwendigen Feststelluirgcn zu machen. Wie die Tat geschah. Baars ist von Beruf Malermeister, das Mietshaus in der Erasmnsftrahe 5, in dem er auch seil vielen Jahren wohnt, ist sein Eigentum. Im ersten Stockwerk hatten die allen Leute eine vier- zimmrige Wohnung. Bon einem langgestreckten Korridor gehen die Zimmer und die Küche ab. Am Montagabend klopfte eine Mieterin an die Wohnungstür des Hauswirts, um Miete zu bezahlen.-Sonder- barerweiie wurde ihr nicht geöffnet, und in der Annahme, daß die alten Leute vielleicht schon frühzeitig schlafen gegangen seien, cnt- fcrnte sich die Fran wieder. Als am Dienstag gegen 14 Uhr dieselbe Mieterin wieder keinen Einlaß bei Baars fand, schöpfte sie'Verdacht und benachrichtigte den Portier. Der Mann stellte von der Straße e'ne Leiter an die Haussront und kletterte nach oben. Dort bat sich dem Portier ein grausiger Anblick. Am Eingang zu einem kleinen Zimmer, das Paars als Büro eingerichtet hatte, sah der Portier den Eigentümer in einer großen Blutlache liegen. In aller Eile wurde das zuständige Polizeirevier benachrichtigt. Die Beamten verschafften sich gewaltsam Einlaß in die Wohnung, und was sie dorr entdeckten, mußte selbst abgehärteten Männern das Blut in den Adern erstarren lassen. Der greise Hauseigentümer lag am Eingang des Zimmers, unmittelbar neben dem Telephon, dessen Leitung durch- schnitten war, mit zertrümmertem Schädel. Di« Schläge müssen mit ungeheurer Wucht geführt sein. Das Gehirn ist an vielen Stellen freigelegt, der Fußboden und die Wände waren über und über mit Blut bespritzt. Rur wenige Meter weiter hatten die Mörder ihr zweites Opfer, die 68 Jahre alt« grau ebenfalls erschlagen. Der Kops war mchrsach gespalten, die eine Gcsichtshälste durch einen Bcilhicb abgetrennt. Außerdem wies die ein« Schulter der Ermorde- ten furchtbare Beilhicbe auf. Die Mörder müssen sich— es ist bei nahe kaum anders denkbar— in einem wahren B l u t r a u s ch befunden haben. Wie wild haben sie auf die alten, wehrlosen Leute eingeschlagen. Auch in der Küche wieder das gleiche Bild: überall starke Blutspriger, die Fußboden und Wände bedecken. Die Nachforschungen der Polizei. Inzwischen hat die Mardkommission folgendes festgestellt: Der Greis hatte im Jahre 1884 ein M a l e r e i g c s ch ü f t gegründet, die»: vor drei'Jahren aufgeköst iind sich zur Ruhe gesetzt. Er l>c- ' wohnte'mik'seiirer Frau eine Vierzim'nicrwohnung im ersten St�ck. Während der alte Mann in der ganze» Gegend als sehr ge-mii t- I i ch geschildert wurde»nd großes Ansehen genoß, verlautet die Fama über Frau B., daß sie insalge ihrer Genauigkeit häufig mit den Mietern in Streit gekommen war. In dem Hanse wohnen 36 Parteien. Viele Familien sind arbeitslos, können teils keine Miete zahle», teils sie erst am 6., 7. oder 8. des Monats hinterlegen. Zum jetzigen Monatswechscl hatte der Hauswart verschiedene Mieten selbst eingezogen oder von seinen Mietern über- bracht bekommen. Die Maimiete war aber längst nicht vollzählig beisammen. Die Mieter des Hauses waren in dem Glauben, daß die Wirts- leiste bei dem schönen Weiter am Montag in den Vormittagsstunden spazieren gegangen seien. So waren sie dann um 3, um 4. 5 und 6 Uhr wieder gekommen. Man nimmt an, daß der Hauswirt selber seinen Mördern die Tür geöffnet hat, zumal eine Nachbarin gehört haben will, daß die Tür bei Baars zwischen 6 und 6 Uhr einmal gegangen wäre. Als die Beamten das Zimmer näher besichtigten, entdecklen sie. daß die Telephonlcitnng durchschnitten war. Wahrscheinlich wollte der alte Mann noch schnell an den Apparat stürzen und das Ueberfallkominando alarmieren. Gleich daraus muß er ober die furchtbaren Axthiebc bekommen haben. Der Befund in der Wohnung deutet darauf hin, daß das Grcisenpaar sich zu einem Spaziergang zurechtgemacht hatte. 4000 Mark Belohnung. Der Berliner Polizeipräsident hol sür die Ausklärung des Verbrechens und für hinweise ans dem Publikum, die zur Festnahme des Täters fuhren, eine Belohnung von 1000 wark ausgesetzt. Oer Lleberfall in der Scheffelstraße. Zur Aufklärung des schweren Ueberfnlls in der Schefselslraße in Lichtenberg sind— wie wir erfahren— 400 M. Belohnung ausgesetzt worden. 150 M. davon gellen sur die Aufklärung des Raubes, 250 für die Wiederherbeischaffung der geraubten Miet- gclder in 5)öhe von fast 4000 M. kennzeichnen die neue, so erfolgreiche„Gold Sobo'� Dank unserer neu geschaffenen luftdichten »Händler-Packg. ist„Gold Saba" immer U> pM A 5? fech. A«nd arcimaiüsii* Grofjfeuer in Düsseldorf. Eine Frau getötet� mehrere Verletzte geborgen. von 125,2 auf 92,1 Millionen gefallen lassen müssen, unb in ber Finanzverwaltung ist man von ISS Millionei, auf 158,7 Millionen heruntergegangen. Damit sind Eingriffe in das Vcrwaltungsgefüge und in den Tätigkeitsbereich der Stadt von drückendster Härte herbeigeführt. Troh aller dieser rigorosen Spar- mastnahmen ist es nicht gelungen, eine Deckung für den Bedarf der Wohlfahrtserwerbslosensursorge herbeizuführen. Das im Haushalts- plan sich ergebende Defizit von 113 Millionen Mark ist der Betrag, der der Stadt allein zur Erfüllung ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Erwerbslosen fehlt. Diese erschreckenden Zisscrn zeigen, daß Berlin ebenso ivic die Mchrzahl der übrigen deutschen «tndtc nicht mehr in der Lage ist, aus eigener Kraft in diesem Jahre durchzukommen? Hier muß die Hilfe vom Reich einseizen, an das der Kämmerer leidenichaitlich appellierte. Die unerhörten Anstrengungen, die die Stadt Berlin machte, um aus eigener Sraft Herr der fürchterlichen Rat zu werden, berechtigen Berlin ganz besonders zu diesem Hilferuf. Kcnosse Asch betonte dabei, daß die Stadtverwaltung mit der Reichsregierung der Auffassung ist, daß bei allen notwendigen Maßnahmen die Erhaltung der stabilen Währung im Vordergrund der Erwägungen stehen muß, und daß alle Opfer. die der Bevölkerung zugemutet werden, erträglicher find als das Unglück einer n e u e n I n f l a t i o n. Der Magistrat vcr- tritt diese Auffassung nicht nur grundsätzlich, sondern auch aus einem unmittelbaren Interesse der Stadt heraus, deren Verpflichtungen fast restlos auf G o l d und Valuta laufen. Das Reich hat unzweifelhaft die Pflicht, soweit es nicht in allernächster Zeit gelingt, neue Beschäftigungsmöglichkcilen für die Erwerbslosen zu finden, die finanziellen Belastungen der Gemeinden auf neue Grundlagen zu stellen. Der Reichskanzler sowohl wie der preußische Jnnenministcr haben in Besprechungen mit dem Oberbürgermeister Dr. S a h m und mit dem Kämmerer ihre B e- reitwilligkeit zur Hilfe ausgesprochen und die Notwendigkeit einer unverzüglichen Aktion anerkannt.'Allerdings haben die beut- sehen Städte, und ganz besonders Berlin, nicht das Empfinden, daß il>re berechtigten Forderungen mit dem gleichen Entgegenkommen behandelt wurden, wie dies gegenüber notleidenden Wirtschafts- g r u p p c n geschehen ist. Berlin werde, so schloß der Kämmerer, wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft, alles aufbieten, um aus eigener Kraft die sich auftürmenden Schwierigkeiten zu bewältigen. Die Verantwortung für olle etwa eintretenden Konsequenzen trägt jetzt jedoch �da- Reich, das über die Gefahr, die für die gesamte deutsche Selbstverwaltung besteht, genauestens unterrichtet ist. Die Rede wurde von der Mitte des Hauses und den Sozialdemokraten mit großem Beifall ausgenommen. Die Kommunisten und die Nationalsozialisten hatten während der Rede des Kämmerers, die mit ihren erschreckenden Zahlen die ganze Notlage der deutschen Städte und ihrer Bevölkerung darlegte, nichts Besseres zu tun, als zu lärmen und dumme Zwischenrufe zu machen. Als Genosse Asch seine Ausführungen beendet hatte, sah sich der Vorsteher, Genosse Haß, gezwungen, die Nationalsozialisten Engel, Treff und Lippert mehrmals zur Ordnung zu rufen. Die erste Beratung des Haushaltsplanes findet am kommenden Dienstag statt, dann wird der Etat an den H a u s h a l t s a r! s f ch u h überwiesen werden. Die Erledigung der anderen Punkte der Tagesordnung be- fchäfligte die Stadtverordneten für den Rest der Sitzung. Es standen nur kleinere Vorlagen zur Beratung, wobei die Abstimmun- gen zumeist noch bis zur nächsten Sitzung vertagt wurden. Darunter befand sich die Vorlage wegen der llebcrnahm« einer selbstschuldnerischen Bürgschaft für die der Berliner Verkehrs-Aktiengesellschaft gewährten Notstandsdarlchen für S ch n« l l b a h n b a u t e n iin Betrage von zusammen 600 000 Mark und die.Herabsetzung des Schulgeldes an den höheren Lehranstalten und Mittelschulen. Heute Nuudfunkvortrag über Berlins Etat. Stadtkäinmerer 2l s ch spricht über den neuen Etat von Berlin heute um 19 Uhr, im Programm der Aktuellen Abtcilun vor dem Mikrophon des Berliner Senders. himmelfohrlslag im Zoo. Am Donnerstag, 5. d. M.. dem Himmelfahrtstag, kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten wie an Sonntagen 1 M. für Erwachsene und 50 Pf. für Kinder unter 10 Jahren: ebenso im Aquarium. Am Nachmittag. 4 Uhr, konzertiert die Rüdersdorfer Bergkapelle in ihren Knappcntrachten unter Leitung des Dirigenten Hermann Papen. Aus dem Russischen übertragen von Werner Bergengruen. (Schluß.) Er sieht alle seine Zuhörer an, als erwarte er eine Ant- p.mrt, aber keiner sagt etwas. Ein älterer Soldat, einer von Iren unlängst eingetroffenen Reservisten, bemerkt: „Hm... na ja. So ein Gesetz gibt es natürlich nicht. Und wenn man auch so was aufschreiben möchte, alle werden doch nicht immer einträchtig sein. Nein. Krieg wird ivohl immer sein. Schließlich, na'... am Krieg ist doch immer jemand interessiert." Der Freiwillige fängt wieder an: „Und wißt ihr, da ist also noch etwas.?ch bin aus einer recht gläubigen Familie. Meine Eltern sind religiös. Und ich selbst bin auch immer zur Kirche gegangen, habe das Kreuz geküßt, mich aufs Abendmahl vorbereitet, alles, wie man das so macht. Und ich habe nie weiter darüber naä)- gedacht. Aber jetzt denke ich darüber nach. Immer wieder tue ich das." Er springt wieder auf. „Warum tut denn die oberste Geistlichkeit den Mund nicht auf? Cbristus hat doch geboten: du sollst nicht töten. Warum segnet die Geistlichkeit den Krieg? Warum führt uns der Priester mit dem Kreuz in der Hand ins Gefecht? Warum schweigt der Stznod und der römische Papst? Warum werfen sie sich nicht dazwischen und sogen: Hört auf. es ist genug, Christus bat den Mord verboten!" Wie in einer plötzlichen Erschlaffung setzt er sich schweigend wieder hin. In der Nacht reißt ein Gewitter den Himmel aus und erschüttert die Lust. Der Somuierregen strömt dicht auf den Düsseldorf.?. Mai. In dem Wohnhaus Ecke Hindenborgtuall und Elberfelder Straße, das die eine Ecke des Tieß- schon Warenhausblockes abschließt, brach Dienstag gegen 14 Uhr im Keller ein Feuer aus. das sich in kürzester Zeit zu einem Großbrand entwickelte. Nach wenigen Minuten stand das ganze Trcppenliaus in Flammen. Ter Feuerwehr gelang es. das Feuer zu löschen. Wegen der überaus starken Rauchentwicklung konnten die Wehr- männcr Nur schlecht in die oberen Räume gelangen, da es zunächst an Rauchmasten fehlte. Später wurden e i n Schwerverletzter und einige Leichtverletzte aus den oberen Räumen des Hauses geborgen. Eine Frau lag tot in den oberen Räumen; die Leiche konnte erst später geborgen werden. Der Brand wurde durch eine Verkäuferin entdeckt, die auf dem Wege zu ihrer Arbeitsstätte das von Rauch und Flammen erstillt« Treppenhaus betrat und sogleich zum Straßcnfenster hinaus um Hilf« rief. Sie wurde von der Feuerwehr mit Hilfe einer Feuer- leiter gerettet, während ihre Mutter den Flammentod fand und ihr Vater mit schweren Brandwunden an Annen und Kopf auf«in Dach gerettet wurde. Ein Feuerwehrmann erlitt eine Rauchvergiftung. Die Ursache des Brandes vormutet man in dem Platzen einer Gasuhr, wodurch riesige Stichflammen entstanden, die das Treppenhaus bis zum vierten Stock zur Entzündung brachten. Einige Wohnungen find völlig ausgebrannt. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr gelang es, das Uebcrgreifcn des Feuers auf das nahcliegcnds Kaufhaus zu vorhindern. Neuer Notruf der Städte. Die immer lrostlofcr werdende Lage der deutschen Städte, vor allem aber die Tatsache, daß die weitere Betreming der Wohl- sahrtscrwcrbslojcn schon in den nächsten Wochen g e- f ä h r d e I ist. wenn es bei der bisherigen Regelung der Finanzierung bleibt, hat den R c i ch s st ä d l c b u n d zu einem Rotruf an den Rcichsfinanzminister veranlaßt. 3n einer ausführlichen Eingabe verlangt er fchieunige gesetzliche Riahnahmcn, um die Städte überhaupt lebensfähig zu erhalten, und zwar erstens die sofortige Inangriffnahme der von den kommunalen Spitzenvcrbönden feit langem geforderten Reform der gesamten Arbeitslosen- s ü r s o r g e, zweitens die sofortige Unlerbindung jedes weiteren Zustroms von wohifahrlserwerbslofen aus der Krifensürforge unter gleichzeitiger mefenliicher Erhöhung der Reichshiifen und unmittelbarer Beteiligung auch der kreisangehörigen Städte an dieser Verteilung. drittens beschleunigter Erlaß der Durchführungsbestimmungen zur kommunalen Ilmschuidung. viertens Einführung eines umfassen- den Lage-. Vollstreckungs- und Konkursschutzes durch Reichsrecht zugunsten der Städte und.schließlich sünslcns die Schaffung von Be- stimmungen, durch tvclchc unverfchuidel in Zahlungsoerzug geratene Stgdtc vor den Rechtsfolgen des- Schuldnerverzuges geschützt werden. Der Rcichsstädtebund weist zur Begründung feiner Borschlägr mit Rachdruck daraus hin. daß die Lage in den mittleren und kleinen Städten nicht ernst genug beurteilt werden könne und daß Maß- nahmen der vorgeschlagenen Art nicht mehr länger ausgeschoben werden dürsten. Zuchthaus für Wassenfchiebung. Die Strafkammer des Landgerichts III verurteilte nach einer Verhandlung von mehreren Wochen, die wegen Gefährdung der Staatssicherheit unter Zlusschluß der Oeffentlichkeit ge- führt worden war, den Tischlermeister Zorre« unter Freisprechnng »an der Anklage des Vergehens gegen das Kriegsgerätegefetz wegen Diebstalzls, Betruges und gewerbsmäßiger Hehlerei zu zwei Jahren Zuchthaus, sowie den kaufmännischen Angestellten Baumann von der Firma Daugs». Co., die in dem Kieler Munitionsfchicbungsprozeß mitoerwickclt mar, wegen fortgesetzter trockenen Boden. Der Regen rauscht so stark, daß wir ein- ander nicht mehr verstehen können. Wir werden bis auf die Haut naß. Das Wasser plätschert in den Gräben und staut sich, weil die Abflußrohre nicht ausreichen. Wir stehen bis über die Knöchel in Wasser und Schinutz. Der Regen hält bis zum Morgengrauen an. Endlick hört der Regen auf. Und im gleichen Augenblick setzt das Artilleriefeuer ein. Innerhalb von zwei Minuten krepieren mehrere Granaten unmittelbar am Graben und überschütten uns mit Sprengstücken. Die Deutschen eröffnen ihr Trommelfeuer aus schwere» Geschützen und Dreizöllern. Wir haben noch nie eine so irr- sinnige Menge von Geschossen gesehe», noch nie ein solches Getöse von Einschlägen gehört, ein so durchdringendes Schrappncllgcheul, solche Schreie von Verwundeten. In unserer nächsten Nähe explodiert ein Geschoß. Im grauen Halbdunkel der Morgendämmerung sehe ich die ein- gerissene, nach allen Seiten auscinandergestobcne Brustwehr, den halbverschütteten Graben und mitten darin einen krabbelnden Menschenhaufen. Ich komme nicht dazu, genauer hinzusehen, lieber meinem Kopf kracht es. Erdschollen stürzen auf mich herab, ich falle tief in den Graben hinein. Die schwere Doppeltür, die, mit Erde belegt, als Schutzdach gedient hat, fliegt zur Seite. Ich bin anscheinend heil geblieben. Ich arbeite mich unter einem Erd- und Dreckhausen hervor. Das Feuer ist noch Zärker geworden. Die Gräben sind völlig zerwühlt. Auf dem ganzen Gelände, ganz nah vor unserer Grabenlinie, schießen schwarze Säulen mit Feuer- kernen auf. Weiße Schrappnellwölkchen hängen in der Lust und zergehen. Ich packe die vorstehende Türecks und klettere aus dem Graben. Aus den schwarzen Erdlöchern stürzen Soldaten heraus ] und fliehen, ohne sich erst zu ducken, über das aufgeweichte Feld. Die Gräben liegen hinter uns. Ich laufe geradeaus und dann seitlich, ich criiincrc mich. daß hier irgendwo die Chauslee sein muß. Von meiner Kompagnie sehe ich keinen Ringsherum fremde Gesichter. Andere Bataillone, andere Regimenter. Hinter einem kleinen Hain haben die Artilleristen schon chre Dreizöller bespannt, aber die Geschütze bleiben im Dreck Wirbelsturmkatastrophe. Zwei Städte in Mexiko teilweise zerstört. New York, 3. Mai. Nack; Meldungen aus Mcxiko-Ttadt wurde die Pro- vinz Hutatan von einer schweren W i r b e l st u r m- katastrophc heimgesucht. In den Städten P r o g r c s o und Merida wurden 4NN Häuser vollkommen zerstört. Pishcr sind sechs Tote und vier Verletzte zu verzeichnen. Man befürchtet ein Anwachsen der Zahl der Opfer, da man über die Lage in den abgelegenen Ortschaften noch nicht unterrichtet ist. Der Wirbelsturm war von einem Hagclschlag begleitet, durch den ein großer Teil der Ernte vernichtet wurde. Der Dampfer„Mexiko", der am Mvlag Progrcso mit 55 Fahrgästen an Vord verlassen hatte, ist bisher in Veracruz nicht eingetroffen. Man nimmt an. daß er dem Wirbelsturm zum Opfer gefallen ist. Feuerwehrmann während der Fahrt abgestürzt. Gestern nachmittag ereignete sich vor dem Hause Hauptstraße 19 in Schönebcrg ein schwerer Unfall. Der Feuerwehrmann Schott- k e r, der zur Wache Schöneberg gehört, befand sich mit anderen Kameraden auf einem Motorspritzcnwagen auf der Fahrt noch einer Brandstätte. Vor dem genannten Hause verlor er plötzlich den Halt und stürzte, während sich der Wagen in voller Fahrt befand, auf das Straßenpflaster. Er trug«ins Gehirnerschütterung, innere Ver- letzungen sowie eine Wunde am rechten Ellenbogen davon und wurde nach dem St. Norbcrt-Krankenhaus transportiert. cinfachcr Hehlerei zu drei Monaten Gefängnis. Jarrec hotte eine Reihe von Gutsbesitzern der Ostmark durch Vorspiegelung von Geschäften mit der Danziger Gewchrsabrit um hohe Beträge geschädigt. Außerdem spielte in dem Prozeß auch noch ein Diebstahl im Wafsenlager der Reichswehr in Königsberg eine Rolle. Die Harzburger Freunde. Ein Dokument aus.Hermsborf. Die„innige Freundschaft" zwischen den nationalsozialistischen und deutschnotionalen Bundesgenossen von Harzburg ist allmählich sattsam bekannt geworden. Immerhin interessieren einige Stellen aus einem Flugblatt, das von den Deutschnationalen in diesen Tagen auf Grund der Wahlcrfahrungen in Hermsdorf verteilt wurde. Da liest man folgende Liebenswürdigkeiten: „..... Kameradschaft im gemeinsamen Kampf gegen das System scheint die NSDAP, nicht zu kennen...."(Was wir erlebepl, ist die typisch?, a.b stoßende Anmaßung der Nazis, die mir zurückweisen. W>r sind Gottlob noch nicht Heloten nationalistischer Parteldiktatur. und die Seltio» Hermsdorf der NSDAP, ist nicht Richter über unsere staatsbürgerlichen Rechte." Weiter wird von einer„n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e» Schnüffelkommisfion" gesprochen, man bezweifelt, daß die NSDAP,„einen Funken An st and und Ehrlichkeit be- sitzt". Weiter heißt es, daß man das überhebliche undeutsche und unpreußische„Der Staat bin ich", nämlich einzig und allein die NSDAP., ablehne. Man wolle im Gegenteil verhindern, daß„der unpreußische cäsarische Größenwahn der Nazis Deutsch- land beherrsche". Armer Gehcimrat Hugenbcrg! Das sind nun die Folgen der Harzburger Politik. Ein Ehering, der bei der Maidemonstration im Lust- garten gesunden wurde, kann im Sekretariat der„Vorwärts"- Redoktion abgeholt werden. stecken und sind nicht flott zu machen. Der Offizier schreit die Fliehenden an, sie sollten mit anpacken, die Stimme bricht ihm fast vor Anstrengung, aber alle laufen weiter. Ein verwundetes Pferd bricht aus dem Hain und jagt wie toll auf die verlassenen Gräben zu. Ein Fleischbrocken ist ihm aus den Weichteilen gerissen, die Eingeweide hängen heraus, ein Knäuel lauger, dünner, dunkler Gedärme schleift am Boden. Plötzlich bleibt es stehen wie angeschmiedet. Es hat sich mit den Vorderfüßen in die Gedärme verwickelt. Es stürzt. Wir erreichen die Chaussee. Regimenisstab und Sanitäts- kolonne gehen zurück. Karren, Sanitätswagen, Reiter und Radfahrer jagen vorüber. Die Deutschen kennen unsere Rückzugsstraßcn. Ihre Granaten krepieren bereits auf der Chaussee. Niemand kümmert sich um die Toten und Berwuudeten. Zerbrochene Wagen, verlassene Karren, oerendete Pferde. Wir laufen ohne Aufenthalt. Ich laufe mit einer Anzahl Regimentskameraden. Sie erzählen mir, wie Tschaika gefallen ist. Als Tschaika das Bataillon aus den Gräben fliehen sah, sprang er aus seinein Unterstand, um die Mannschaften zum Stehen zu bringe». Ein Schrapnellstück traf ihn zwischen die Augen Zwei Schritte neben ihm fiel Lystn. Wir laufen, fallen in Schritt, laufen wieder. Wir über- queren ein Feld, kommen an einen anderen Weg. Das Bild ist das gleiche. Soldaten, Sanitätswagen, Karren, Reiter, Motorräder. Wir laufen an einem verendenden Pferd vorüber. Es- hebt den Kopf. Seine schönen, großen, braunen Augen sind erfüllt von einer solchen Trostlosigkeit, daß ich mich abwende, um sie nicht sehen zu müssen. lieber uns fliegen Flugzeuge und werfen Bomben ab. Auf dem ganzen Felde krepieren Geschosse.'Rings um uns her ist ein Feuerrmg. Ich kann nicht weiterlaufen. Ich fetze mich in den Schmutz des Wegrandes, fast ist es ein Fallen. Hundert Schritte von mir krepiert eine Gra- nate. Aber ich rühre mich nicht.. Ich möchte mich ausstrecken dürfen. Ich lege mich hin und schließe die Augen. Teures Friihgemiise. Die Winterbestäftde sind geräumt/ Der erste Spsrgel und Rhabarber. Mit gtofecr Betrübnis stehen die Hausfrauen jeden Morgen vor den Gemüseläden, die hohen Preise lassen kaum«inen Kauf von grühgemiise zu. Aus der anderen Seite klagen die Gemüse- Händler, die bei dem Fehlen einer gesunden Massenkauskroft ihre Waren nicht absehen können. Jeden Abend kann man beobachten, wie ganze Kiepen Spinat unvcrkäuslich geblieben sind, der nun verwelken muh, Die U r s a ck, e» sür den gegenwärtigen hohen Preisstand für Gemüse liegen liauptsächlich in der II e b e r g a n g sz c i t vom Wintergcmllsc zum Frischgemüse. Wie der Großhandel mitteilt, sind die Bestände an Wintcrgcmüse so gut wie geräumt. Am Amsterdamer Gemüsemarkt— der eine große Bedeutung für den holländischen Gcmüseexport nach Deutschland hat— herrscht darüber eitel Freude, Dort hatte man noch einige Reste an Rot- und Wirsingkohl und infolge der regen deutschen Nachfrage stiegen zu guter Letzt die Kohlprcise in Holland noch um 100 bis 200 Proz. Die Wintersoison hat also recht zufriedenstellend abgeschlossen, ivas auch einmal zugegeben wird, Ehe nun das Freilandgemüse aus dem Markt sein wird, werden noch geraum« Wochen ins Land ziehen, Bon Spargel und Rhabarber allerdings abgesehen. Für das andere Gemüse ist man auf die Treibhäuser angewiesen. Nun läßt sich aber trotz aller Technik, die der Gartenbau bei den Treibhauskulturen anwendet, die Natur doch ni6)t in dem Maße korrigieren, wie es die Menschen wünschten. Trotz aller Wärme sind doch die Sonnenstrahlen, die durch die gläsernen Fenster der Treibhäuser fallen, der den Aus- schlag gebende Faktor beim Wachstum der Pflanzen, Da ez im grohen und ganzen an diesem Sonnenschein gefehlt Hat, liehen in diesem Jahr« die Zufuhren der Treibhausgärtnercien viel zu wünschen übrig. lind wieder war die Freude in Holland groß, Man lese nur einmal einen Amsterdamer Marktbericht aus den letzten Tagen. Es heißt da:„Das Exportgeschäft ließ wenig zu wünschen übrig. Fast alle Erportartikel waren gut gefragt, und das Preisniveau, das bereits befriedigend war, kam vielfach noch etwas höher. Dos Hauptinteresse konzentrierte sich auf Kopf- s a l a t i Deutschland, England, die Schweiz, die Tschcchosloivakci, Belgien und Skandinavien waren auf dem Markt, so daß trotz Zunahme der Produktion um etwa 20 Proz. die Preise sehr stabil blieben. Für Gurken bestand gleichfalls ständig Exportkauflust, was zu höheren Preisen führte, Spinat war vorübergehend sehr knapp und die Exportkauflust konnte nicht befriedigt werden, Auch Radieschen waren begehrt und blieben auf hohem Niveau. Weiter erzielten junge Karotten und Treibhaus- bahnen hohe Preise.. So oder ähnlich werden alle Gcmüsesorten besprochen und wenn in einem landwirtschaftlichen Marktbericht offen geschrieben wird. daß die Preise bereits„befriedigend" waren, aber noch höher kletterten, dann müssen sie schon sehr geschwind und beträchtlich geklettert sein. Das dicke Ende folgt dann in der Zentral- m a r k t h a l l« zu Berlin nach. Hier werden dann im Großhandel außerordentlich hohe Preise verlangt, zum Beispiel für 100 Stück Gewächshausgurken, ausländische, 30 bis 42 M., 100 Stück Treib- kohlrabei 5 bis 15 M,, 100 Stück Kopfsalat, ausländisch, 10 bis 20 M, und inländisch 10 bis 15 Mark. Wenn dann der Kleinhandel noch zu seinem Geld kommen will, kostet eben ein« Gurke 50 Pf,, ein Bund Kohlrabi 60 Pf. und ein Kopf Salat 15 oder 20 Pf, Inzwischen sind als erste Freilandgcmüse Rhabarber und Spargel auf dem Markt eingetroffen. Für Rhabarber werden 15 Pf. pro Pfund verlangt, wobei man allerdings berücksichtigen muß, daß Rhabarber viel Zucker bei der Zubereitung verlangt und er letzten Endes doch nur eine Zuspeise ist, die sich der Mittogstisch des Arbeiters notgedrungen versagen muh. Auch der erste auf den Markt gekommene Bodcnser Spargel ist noch sehr teuer: die Beelitzer Ernte setzt erst Mitte Mai ein. Bei der beträchllich ge- sticgenen Zlnbausläche für Spargel in ganz Deutschland ist aber damit zu rechnen, daß wir wie im Vorjahr auch in diesem Jahr eine Hochflut an Spargel erleben, der dann für den Verbraucher zu erträglichen Preisen abgesetzt werden muß, Naziterror in Neukölln. Heimtückischer Lleberfall auf Lugendgenoffen. Schon öfters sind unsere Neuköllner Zugcndgenosscn von der Sozialistischen Arbeiterjugend durch Nationalsozialisten bedroht worden. Gestern abend kam es zu einem neuen heimtückischen und niederträchtigen llebersall. Als etwa 25 junge Genossen das 5zeim in der Hobrechtstraße, Ecke Sanderstraßc, verlassen hatten und zur Lenauslroße herunter- gingen, stürzten plötzlich aus den Hausfluren etwa 60 National- sozialiften auf sie los. In diesem Augenblick wurde aus Schreck» schußpistolen gefeuert, die Nazis, die sich bisher verborgen hielten, waren alarmiert und stürmten auf unsere Jugendgenosscn ein. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem es verschiedene Ver- letzungcn gab. Die Nationalsozialisten ließen schrille Pfiffe ertönen, durch die Verstärkungen herbeigerufen wurden, Kommandorufe er- tönten:„SA, hierher,— SA. nach rechts." und so fort. Mit'Schlagringen und Koppeln schlügen die Hitler-Leute auf unsere jungen Genossen cm: die in keiner Weise provoziert hatten und ganz ruhig und friedlich noch Abschluß ihrer Abendveranstaltung nach 5)ause gehen wollten. Zwei Nationalsozialisten konnten, nachdem Polizei herbeigekommen war, die Schreckschußpistolcn abgenommen werden. Mehrere junge Arbeiter von der SAJ. haben Verletzungen erlitten. Einer mußte der Rettungsstelle zugeleitet werden, Der feige Ueberfall zeigt, daß die SA. trotz Verbots im ge- Heimen weiterbesteht und daß es größter Aufmerksamkeit der polizeilichen Organe bedarf, um ihr wüstes Treiben endlich un- möglich zu machen, Sechs Nationalsozialisten wurden zwangsgestellt, mehrere 'Angehörige der Arbeiterjugend stellten sich als I e u g e n der Polizei zur Verfügung, Es sei besonders festgestellt, daß einer der Verletzten van der SAJ. ein eben Schulentlassener im Alter von 14 Jahren ist. Himmelfahrtskonzert der Schupo. Dlc am Brandenburger Tor stalionierte wache der Berliner Schupo wird, wie an jedem Donnerstag und Sonnlag, auch am Himmelfahrlstage um 12,30 Uhr wieder mit Musik ausziehen. Anschließend findet aus dem Geudarmenmarkt ein besonderes Platzkonzert statt. Aus tragische Meise ist gestern der 32 Jahre alte Kaufmann Ernst Weidhase aus der Mengerzeile 4 in Treptow ums Leben gekommen. W. lehnte sich soweit zum Fenster hinaus, daß er das Gleichgewicht verlor und kopfüber auf die Straße stürzte. Das Theater dem Volke! Morgen Massenkundgebung im Großen Schauspielhaus. Nlnsfenrundgebung zur(Erhaltung des Theaters morgen, Tonnerstagvorinittag 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Starlstraße. Tic Veranstaltung wird in Form einer künstlerischen Feierstunde die Ver- bundcnheit des Volkes mit dem Uulturthcatcr zum Aus- druck bringen. An dem hervorragenden Programm wirken mit die Vereinigten Orchester der Staats- und Städtischen Oper unter Leitung von Generalmusikdirektor Blech, die Ghörc der Staats- und Städtischen Oper, außer- dem Opernsänger Großmann von der Staatsoper und Bortragskünstler Veierle. Sämtliche Mitwirkende haben sich im Hinblick auf den besonderen Zweck der Vcranstal- tung bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Eintrittskarten zu 50-Pf..sind fü, den Theaterkassen sämtlicher Warenhäuser, bei Tich. Lindenstr. 3, im Vür» der Volksbühne, sowie in den Büros der Arbciterorgani- sationcn, außerdem vor der Veranstaltung an der Theaterkasse des Großen Schauspielhauses zu haben. Erwerbslose haben gegen Vorzeigung ihres Ans- weises freien Eintritt! Arbeiter, Angestellte, Beamte, erscheint in Massen? Mord an einem Apotheker. Durch mehrere Messerstiche umgebracht/ Der Täter gefaßt. Herne, 3. Mai. Der 60 Fahre alte Apotheker Dr. T i m m e r> nr a n n wurde heute abend in seinem hinter den Geschäfts- räume» gelegenen Büro von einem Mann durch mehrere Messer st iche ermordet. Der Sohn des Ermordeten verfolgte mit Polizeibeamten im Kraft- wagen den Mörder, der festgenommen werden konnte. Er verweigerte jedoch jede Auskunft über seine Person. Auch über die Gründe zu der Tat ist man noch im un- klaren. Es soll sich jedoch nicht um einen Raubmord handeln. Mastviehausstellung. Die große Schau auf dem'Zentralviehhof. von den großen Rcichsschauen ist die Zsi a st v i c h a u S- slellung In Berlin, die zur Zeit bis 5)immelsahrt aus dem Zentralviehhof. Eldenaer Straße, stattsindel, die älteste. Alljährlich schicken aus dem ganzen Reich die Züchter und Mästcr ihre besten Tiere in die Rcichshauptstodt. Diesmal ist die Schau mii Rindern, Schweinen, Schafen und Mastgeflügel außerordentlich gut beschickt. Die Sckiau ist nur auf volkswirtschaftliche Bedeu- tung eingestellt und darum wird jedes prämierte Tier geschlachtet. Ausgeschlachtet wird es van den Schlächtern begutachtet und man Hot die Vergleichsmöglichkeit, ob Preisrichter- und Schlächtermeinung im richtigen Verhältnis stehen. Die ausgezeichneten Tiere tragen den Kranz oft unwillig und ihr Mißmut ist berechtigt: ist doch ihr Ehren kränz zugleich ihr T o t c n k r a n z. Bei den Rindern ist das Interessanteste, daß wir jetzt das sogenannte B a b y b e o f von den Engländern übernommen haben. Früher dauerte es fünf bis sechs Jahre, bis ein guter Mastochse herangesüttert war. Jetzt ober hat man dukch Mästungsmethoden, die in staatlichen, wissenschaftlichen Stellen auf das allergenoueftc ousgeprobt werden, die Tiere mit 1'- Jahren als Mastvieh schlackst- reif. Durch die Erprobung svlchcr Mittel Hilst der Staat sowohl den Zückstern wie den Verbrauchern. Von großer Bedeutung ist ferner die Schweinezucht. Hier ist ein ganz bedeutender Um- schwung zu verzeichnen. Es ist heute das fleischige, ober nickst zu fette«chwcin gesucht. Und kein Züchter füttert mehr Renommier- sauen von so und so viel Zentner, 22 bis 23 Millionen Schweine werden zur Zeit im Jahr in Deutschland gebraucht. 25 bis 26 Mii- lioncn find jedoch vorhonden. Dieser Ueberschuß könnte verbraucht werden, wenn die Frau des Arbeitslosen und auch die Frau des Arbeiters nicht jeden Groschen öngstlich umdrehen müßte und gerade an Fleisch und Wurstwarcn das kaufen könnte, was ste möchte. GesimdHeitsreissn ins Ausland. Zieht auch ärztliche Bescheinigung nötig. Das Rcichswirtschoftsministerium teilt mit: Die Devisenlage macht einige Verschörfungen der Bestimmungen für den Rcisovertchr noch dem'Ausland und dem Saargobiet notwendig, Falls bei solchen Reisen die'Ausgaben im Ausland die Freigrenze(zur Zeit 200 M. für den Kalendcr- monat) übersteigen, ist bekanntlich eine Genehmigung der Devisen- bewirtschastungsstelle für die Mitnahme eines höheren Betrages er- forderlich. Die Deoiseiibewirtfchaftungsstcllen werden für nichtgc- fchäftliche Reifen fortan den Nachweis der Dringlichkeit der Reife verlangen: bei Reife» zum Kurgebrauch im Ausland ist hierbei die Vorlage eines amtsärztlichen Zeugnisses erforderlich. Auf die Freigrenze bzw. auf den von den Devifeiibewirtschaftungsstellon genehmigten Betrag find Anweisungen auf Leistungen im Ausland, wie Kreditbriefe, Hotelgutfcheinc ufw. stets anzurechnen: der entsprechende Betrag ist von den Reisebüros ufw, im Reisepaß bzw. auf dem Genehmigungsbcscheid einzutragen, Bon einigen auslän- difchen Kurverwaltungen usw. sind in letzter Zeit Prospekte ver- schickt worden, in den deutschen Kurgäste» empfohlen wird, bei einem beaufsichtigten Kuraufenthalt im Auslande bereits einige Monate vor Antritt der Reife regelmäßig Ileberweifungen im Rahmen der Freigrenze vorzunehmen. Es wird davor gewarnt, auf.solche Empfehlungen einzugehen, da dieses Verfahren eine llnu,, •gehung der, deutschen- Deviscnvörschri sie» darstellt. IM|| Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin IP£3 Einsendungen für diese Rubrik nur an da» Iugends'-kretariat WuhUmAV? Berlin SW 68. Lindenstratze 2. vorn 1 Treppe rechts. Abkellungsmikgliederversammlung, heute, Mittwoch, 19'� Uhr: (SclunMicunncn RF,: Jtolomeftr. 8.— Äcddinq RF.: Turincr, Ecke Eee- straßc,— Fraakfnrter gcanCfutlcc illloc 307.— SlMctsljor: Bismarck- slragc 1.— Jadcn&ero: Gutshaf.— Fricdrichshaqen: Frirdrichstr. 87.— flaute- dors: Adalfstr. 25.— Lichicnbrrg. Mitte: Dossestr, 22. -l- Bosenthaler Vorstadt: Tieckstr, 18. Funktionartursus.— Andreasplatz I: Fahrt. Treffpunkt IS Uhr Echlefischcr Bahnhof.- Warschauer Viertel RF.: Eportplatz im Friedrichshain,- NeichenSeraer Viertel: Treffpunkt tut Fahrt 18ti Uhr..Rote Falkenecke",- Spondnu: Lindenufcr 1. Lefcadend.— Bahn», dorf: Wachtelftr, l, Heimabend,»nfchlistzend Fuhrt,— Mahlsdorf: Mclanch. thonstraßc 68. Luftiger Abend mit«chaliplattc»,— Lichtenberg. Rord: Heim. abend füllt autz. Treffpunkt zum Spielen 13 Uhr Bahnhof Lichtenberg. Friedriche. fclde, Nach,>!gler Schloßpark,— Brih: Morgen Fahrt noch Finkenkrug, Treff. Punkt(Nh Uhr Rudowcr, Ecke Iahnftraßc, «erdebeiirk Prenzlauer Berg: Lorsttzendenkonfcrenz, 20 Uhr, Heim Sonnen. burger Straße 20, Werbebezirk flreuzberg: Borfwndsfitznng ISIS Uhr Urbaustr. 167, >—■— BitA-l-: D Werbebezirk Schönebcrg: Fröhliche Feierstunde mit Lichtbildern:„Wil. rät £3 heim Busch". Mitwirkende: Maria Schipfman», niusikalrsche Darbictu». M gen, Eintritt: Erwachsene 20 Pf., Jugendliche und Erwerbslose 10 Pf. ü? ■st Aula der Hohen, ollermchule, Echöncberg, Eiscuachcr, Ecke Belziger P Straße. Beginn ISZh Uhr,- Ist Humboldthaio: 2.Zahr»Feier Eonnabend, den 7. d. Mt»., im.iswine. mllnocr Defellschaftshaus", Swinemiindcr Str.<2,— Darbietungen: Roie Revue— Ansprache— Musik. Einlaß 10 Uhr, Deginn IZ',, Uhr. Unköstcnbcitrag tinfenimngcn füt diese Rubrik find C c 1 1 i u 6S 68, Lindenstrohe 3, parieinachrichten���fürGroß-Berlin fiel» ott dt>» BezIri»Iekretoriol Z. Hol. 3 Trepucii rechts, ju richte» AbleiluugHmieterverlreker sowie alle im Wohnungs- und Sicdlungswcsen tätigen Parteigenossen! Am Dienstag, dem 1l). Mai, Ahr. Versammlung in den Sophiensalcn, Laphienstr. l». Vortrag des Genosien Richard Lipinsti. Vorsi�ender des Woh. nuno?ausschusscs des Reichstages.— Pflicht aller in Betracht kommenden Par- toigenoffen. Stadträte, Stadtverordnete, Bezirtsverordnete. Bürgcrdevuticrte, die bisherigen Schöffen an den Amtsgerichten und Beisiftsr an den Miet. e'nigungsämtern sowie aller Abtcilungsmictervertreter ist es. in dieser wich. tigen Versammlung zu erscheinen. Partcimitgliedsbuch dient als Legitimation. Beginn aller Veranstaltungen l9Vjllljr, sofern keine besondere Zeitangabe! tl. Zlreis. Die SAI. veranstaltet heute Ist'? Ahr in der Hohenzallernschule Aelziger Straße einen Wilhelm-Busch-Abend mit Lichtbildern. Eintritt 10 und 20 Pf. Wir bitten die Parteimitglieder, diese Veranstaltung zu unterstützen. st. Abt. Freitag.«!. Mai, 19V. Ahr. Abteilungsvorstands- und Helferinnen. fitzung bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. 2Z. Abt. Donnerstag. 5, Mai, für die jüngeren Parteimitglieder Wanderung Bernau--Liepnitzsee— Pätzsee. Treffpunkt 7 Ahr See-, Ecke Müllerstraße. 23. Abt. Arbeitsgemeinschaft der jungen Parteimitglieder. Himmelfahrt Wan- derung nach Meißners Hof. Treffpunkt 7 Ahr früh Ecke See- und Müller. ftraße. lll. Abt. Die Bezirksführer rechnen heute van 19—20 Ahr im Parteilokal per Monat April ob und leisten Akonto-Zahlungen auf die Sammellisten der„Eisernen Front".—..Unser Weg" ist eingetroffen. 33. Abt. Freitag. 6. Mai,]9!? Uhr Funktionärsitzung bei Lojak, Beymestr. 8. Vorher 19 Ahr Sitzung des Abteilungsvorstandes. 3st. Abt. Heute. 19'*: Ahr. Funktionärsitzung bei Busch, Tilsitcr Str. 27. t.',. Abt. Freitag, st. Mai. 29 Ahr. bei Kenzier, Rcichenberger Str. Ivst, Eltern. abend der Abteilung Neichcnberger Viertel. Ausspra6)e über unsere Sommerfahrt. 78. Abt. Freitag, 9. Mai, bei Schmidt, Ebersstr. 18, 20 Ahr, Funktionär. sitzung. 79. Abt. 3. Bezirk. Sonntag. 8. Mai. Dampferfahrt nach Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt 7''' Uhr von der Schillingsbrücke. Fahrpreis hin und zurück 1.39 Mark. Erwerbslose- 75 Pf., Kinder frei. Karten sind noch bei den Bezirks. fiihrern und beim Kassierer zu haben. Abt. Donnerstag, 5. Mai für die jüngeren Parteimitglieder Fahrt nach Eichwalde-Sa/möckwitz. Treffounkt 8 Ahr Ningbahnhof Neukölln. Abt. Freitag, st. Mai, 19 V> Ahr, Funktionär sitzung bei Wolf, Kaiser» Friedrich-Str. 173." Abt. Freitag, st. Mai, Funktionärsitzung bei Lohann. Wipperstr. 18—19. Abt. Heute, pünktlich 19'. 7 Ahr, Fuuktionärsitzung bei Haß. Abt. Freitag, 6. Mai, Ist'.? Uhr, Funktionärsitzung bei Seipke. Kronprinzen- straße �47. Abt. Heute, 19V? Ahr, Funktionärsitzung an bekannter Stelle. Abt. Freitag, st. Mai. 29 Ahr. Borstandssitzung an bekannter Stelle. 129. Abt. Heute, 29 Ahr, Zusammenkunft der jüngeren'Parteimitglieder in der Schule Schulstraße. Vortrag des Genossen Lange:„Das politische Plakat". Abt. Freitag, st. Mai. 29 Uhr. Funktionärsitzung im Türkischen Zelt, Breite Straße. 18V? Ahr Vorstandssitzung im gleichen Lokal. Zrauenveranstolhmgen. 13. Kreis. Freitag, st. Mai. 19V£ Ahr, bei Görlitz, Moriendorf, Ehausseestr. 19, Funktionärinnensitzung. 22. Abt. Heute. J9'. Ahr. im Ratskeller Limburger Straße.„Kultur und Klasse." Referentin Susanne Roder-Großmann. Bc;irkvauss6iuß für Arbeilcrwolilfahrs. 7. Krej? Charlotteaburg. Freitag, st. Mai, 29 Uhr. Sitzung der Arbeiterwohl. fahrt im Jugendheim, Rossnenstr. 4. Vortrag des Genossen Dr. Georg Li�wenstein iiber„Gesundheitsfürsorge und wohlsahrtsärztliche Versorgung unter Berücksichtigung der letzten städtischen Sparmaßnahmen". Inter- essierte Ge-nossen(innen) haben Zutritt. Arbcilsgcmcinschafk dcr Kindcrfrelindc OroR-Bcrlin. Unsere Generalversammlung findet Donnerstag, 3. Mai, im Be' V 8'rtsamt Krenzberg. Porckstr. 11. statt. Beginn pünktlich 9 Uhr. if Helserausweisc nicht vergessen. Die Delegiertenkarten werden am *Jr Eingang ausgegeben. S?;\ Mitte: Achtung Eltern! Unser Kreiselternabend muß umstände- halber auf nächste Woche verschoben werden. !;' Kreuzbcrq: Die Lagergemeinschaften tagen heute nocki nicht. Der eginn wird noch in der Presse bekanntgegeben. Die noch fehlenden Fragebogen »l. 92. stst. 102. 115. 118. 122. 128. 129. müssen unbedingt bis Freitag zurückgegeben fem. Reicheoberger Viertel: Elternabend Freitag, 7. Mai. 29 Ahr. bei Kenzia. Reichenbcraer Str. 195. Wir sprechen über unsere Sommerlager. Alle Eltern müssen erscheinen. Prenzlauer Berg. Abt. Rord-Ost: Elternversammlung Sonnabend, 7. Mai, 29 Ahr. Schönlanker Straße, Barocke st. links. Rcu-Tcmpelhof: Gruppe„Sturmfalkc". Wanderung am Donnerstag kann leider nicht stattfinden. Neukölln: Helfcrkreis. Heute. Mittwoch, 29 Ahr, wichtige Helfersitzung in dcr Karl-Marx-Schule. Allgemeine Wetterlage. 3.dtei 4932, Wlhr� "12 w.-xti ''Ä'K- w1*" ©wolkenlos.® keiner, 3halbbcdecki ® wolkig.• bedeck t* RcgenjsGrs upeln inet=Nebel,"f>Gewit1ec©Windstille Die kühlen westlichen Lujtmasfcn hnben nni Dienstag auch den düstersten Osten Deutschlands in ihren Bereich aufgenommen. Die Temperaturen lagen wesentlich niedriger als in de» vergangenen Tagen. In Süddeutschland und Schlesien wurden noch lö Gras erreicht. Jin Norden stieg dos Thermometer meist aus ll bis 12 Grad. Berbreitcke Regenfällc traten im Norden und Süden auf. Nunmehr scheint sich eine»mfangceichc nördliche Lultströmnng über Deutschland einzustellen. Sie wird durch ein chochcriickgebiet, das sich bei Island und Granland entwikkelt hat und südwärts bis nach England vorstößt, verursacht. tfi lliclfcrausjichtcn füt Berlin: llebcrgang zu veränderlichem Wetter mit einzelnen Regenschauern, noch etwas sinkende Temperaturen, nördliche Winde.— Für Deutschland: Im Süoen und Wösten noch vielsach regnerisch, sonst veränderlich, überall recht kühl. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..S6)wor;-Rol-Go!d". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Eebaftionstr. 31—33, Hof 2 Tr. Tiergarten. 1. Kameradschaft: Die Mitgliederversammlung ist ver» legt von Mittwoch. 4.. auf Freitag. 6.. 29 Ahr bei Schmidt. Wiclei. straße.— Neukölln-Britz. Mittwoch. 4.. 1. Kameradschaft. 1. Zug. 29 Uhr, Mit. glieoerversammlung bei Säiulze. Rcuterstr. 47.— Vortrupp, 19:,, Uhr Heim- abend Bergstr. 29.— Fricdrichshain. Kameradschaft Frankfurt. Mittwoch, 4. Mai. 29 Ahr. Mitgliederversammlung bei Wittschuß, Petersburger Str. 5. Referat.— Kreuzberg. Unser Kamerod Paul Gerber vom Zuge 2 ist vor- starben, Einäscherung Mittwoch. 4. Mai. 17V. Ahr. im Krematorium Baum» schulenweg. Beteiligung aller dienstfreien Kameraden wird erwartet.— Rei- nickcndorf. Kameradschaft Rcinickendorf-West. Freitag, 6. Mai. 20 Uhr, Mit- gliederversammlung im Volkshaus. Bortrog Kamerad Bathke. Vorstand 19 Ahr. Eine Führung durch Alt-Bcrlin. Graues Kloster, Schlütersaal, Drei- lindcnhaus, �tadtmaner. Wcltstadtruinen,»lostcrkcsser iWurstessen) macht Tr. Franz Lederer Sonntag, 8. Mai, 10 Uhr. U-Babnhof Klosterstraße. betet Lokal Groß. Kaiser-Friedrich-Str. 9. 17 Uhr. Oberschöneweide, Lokal Vereinsklause. Frischen», Ecke Luisenstraße, 18 Ahr. Ehorlottenburg Lokal Bräuftübel, Kurfürstenstraße, Ecke Kurfürstendamm, 19 Ahr. Wedding II Lokal Bürgerbrän, Demminer, Ecke Graunstraße, 17 Uhr. Bund Berlin für Einhcitskurzschrift. Aebung in allen Geschwindigkeiten jeden Dienstag und Freitag von 19—22 Ahr im Staatlichen Französischen Gvmnasium. Rcichstagutcr 6, an: Reichstagsgebüude. Anfängerktirse sowie Aufnahme neuer Mitglieder zu jeder Zeit. Auskunft erteilt Fritz Plauschinn, Berlin-Zchlendorf, Scharfe Str. 18 l. Freie Arbeiter.Stcnographcnvereiniqung Groß-Berlin. Rcichskurzs6?rift?ur''e für Fortgeschrittene. Norden l: Jugendheim Willdcnowstr. 5(nahe Bhf. Ved» ding), 139—229 Silben Debattens6)rist, jeden Freitag.— Norden 1l: Jugend» beim Seestr. 37 lEcke Turin« Straße». 50—100 Silben, jeden Montag.— Nord- asten: Jugendheim Danziger Str. 62. Anfängerkursus in� Debattenschrist 199 bis 149 Silben, jeden Dienstag.— Neukölln: Karl-Marx-Schule. Kaiser-Fried- rich-Str. 299—219. 39—199 Silben jeden Dienstag. 140—229 Silben Debatten» schritt jeden Donnerstag. 190—149 Silben jeden Freitag. Sämtliche Kurse be- ginnen pünktlich 19' 2 Uhr. Beiträge: 1.39 M. für Erwachsene, 1 M. für Jugendliche, 39 Bs. für Erwerbslose. 19 Pf. für Kriseck- und Wohlfahrts- Unterstützungsempfänger monatlich. Weitere Auskunft erteilt gegen Einsendung einer 8-Pf.-Briefmarke Otto Wenghoetcr, Velten i. Mark, Wilhclmstr. 19». Zu allen Kursen sind Gaste willkommen. bonpfeHovr English Dchating Club feiilowstr. 104. Heute abend 814 spricht Dr. Jams Murphs über das Thema:„Italian Fascism— What is mcans.44 G5ste willkommen. Frühjahr bei Grünfeld. Die S t r a n d k a st ü m i c r u n g— das schlichte Badcttikvt allein ward längst in Acht und Bann getan—, geht vielseitige und fröhliche Wege. Die lange, weit ausfallende Hose dominiert, sie ist aus Kunstseide, Popeline, Panamastoff, Leinen ober porösen Geweben, dazu wird entweder ein gleichfarbiges Boierttjiirfche» mit Unterblusc getragen, oder ein slott gemusterter Sweater, Dann gibt es Matrofenanzüge, kurztaillierte Jäckchen im Etonschnitt mit breiten Revers und Metallknapfgarnitiil" Dreiecktücher zur Bluse geknüpft, Wollcomplets, kopflose chüte. deren breite jirempc als chaarschutz dient, 51appeit, Hüte und Mützen vervollständigen die reichhaltige Badcausrüslung. Die K leider m ade bringt leichte, bunte Stoffe aus Kunstseide, Marocain, Georgette und leichte Wollgcwcbe. Die Bcrarbeitung zeigt vielfache Berwandlungssähigkeit in Farm von abknöpsbarcn Jäckchen, Aermeln und Halsgarniluren, so daß aus dem dreiteiligen Complct abwechselnd ein Kleid mit oder ohne Aermcl, mit oder ohne Jacke wird. Die Wäsche ist, angelehnt an die Klcidermode, cbensalls reicher verarbeitet, die Morgenröcke haben Flügclärmel und fichuartige Halsgarnituren, Flott und dabei prak- tisch sind die bunten Haus- und Gartenanzüge aus Leinen mit Trägcrhosc. (I' »iaols Tbfaler Mlttwodb, den 4. Mai staalsoper unter een Linden 1 131,3 L'lir Ariadne auf Naxos SlaatUdiaospieihaus Gsodarnen markt. 29 Uhr Die enölosc SfraDe Schiller-Theater CfaarloUcoburg. 20 Uhr Cyrano von Dergerac & 3.15 Hl» flora 3434 tote triauW Die Uarieie-Reuue „0 schöner Itdai" „BauiüiiiQie" u- Jan lenz u, Liebe'- Himmella hrt 2 Vorstellungen 4 Uhr u. 8.1 5 Uhr. 4 Uhr Kleine Fr. IViigl. 8 u. 8'- Ubrl HANUSSEN !» JANA-OOI.IN usw. äi.ll-SHs.Z, b.S�U, Bis einschl. 8. Mal verlängert: DerVogelhändler Ab g, Mai ,Du>Dllbarry, Theater am Schiffbauerdamm Meute 81 Uhr Uraufführung vis Kßlföücg des Wollgacg Binder Rose■ rheater üroSe frackfurtir JlrjSe IZ! Iii. Wiiduil 1 7 3122 6 und 9 Uhr Die Frau, die Jeder sudil miWm MMMllys Kdaimt Berlins , 1AX_______ I■�ZgNIER'JIMG Teppiche enorm biliial Bnarle, i itine» Haarginrn 0,50 12,30 15,- Bett-Umrandungen schwere, sehr haltb. Haargarnware, 1 Läufer, 2 Vorlagen 12.50 Llluferstoffe, Diwandecken, Tischdecken, Kteppdcckcii, gute Qualitäien I a be I h aft 1» i I I I er! TepDidibosis Zentruir. SieQf ried Mosqs Spandauatr StraQa#>0 OrUser Laden' GIMim | J SfSdl.Oper Cbarlottcnburg Bismarckstraßc 34. Mi Uv/och, 4. Mai Turnus I Don Giovanni Helm.Scbirat h. Friod, Hüsch, Hdesser, Audreseo, Bauiuann, Anfang 19.30 Uhr Ende gegen 23 Uhr VolKsbUtme Tbealef am Bülowjlal: 8 Uhr Sturm im Wasserglas mit Hacsi Nieae Komödie in 3 Akten von Bruno Frank Regie: A. M. Rabenalt Slaall. Sdilller-nitalei 8 Ulir Cyrano vonBergerac Betanntmachnng. 6. J. 390 31-... 49— 197/31.'''"'' S 5 r-a-f\ a � c- gegen � den Schristtc.ttcr' Heinrich S t r a d e in Hannover, geboren am 22. Oktober 1899 zu Wesermünde, wegen Beleidigung. Das Schöffengericht in Hannover hat am 17. Juli 1931 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen ötfent» licher Beleidigung zu einer Geldstrafe von 29«:— zweihundert— Reichsmark, hilfsweise 29 Tagen Gefängnis und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Dem Beleidigten, dem Preußischen Ministerpräsidenten Braun in Berlin. wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung auf Kosten des Angeklag- ten in der Zeitung..Der Arbeitslose" und im„Vorwärts" binnen einer Frist von zwei Monaten seit Zustellung des rechtskräftigen Urteils öffentlich be- könnt zu machen. Alle Ercmplare der Beilage Nr. 17 der vierten April-Ausgabe 1931 der Wochenzeitschrift„Dcr Arbeitslose� so- wie die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen sind unbrauchbar zu machen. Das Urteil ist rechtskräftig. Hannover, den 28. April 1932. De? Oberstaatsanwalt. " kiui Ivetten issäT Sei klug- fahr Linclcar! Fahrräder ab 6?.- HM. Wochenraten ab ModL 40 ab 2- Dcckcn l 50, Schläuche 0.50, Pedale 1.50 RSf. usw. 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Srnutc'dcr; Frritaii. 6 Mai. 18 Uhr. im Srcmalorinm Vanmschulenwrg. Sule KaDiIän M Hilf 51 Ii ulf �finden meisten Zi- ilUlUllfiian garrengesch. erhältl. <. Körkcr. Hirrlin umienuergsr SiraBc Z2. Kliniosi. 3851 DeiHsdier Metallarlieilef-Verlianil VerwaltongMlcllc Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schmied Valentin Kehr geb. 1. Oktober ii#4, am 80. April gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mitt- woch. dem 4. Mai. 14'-; Ulir, von der Leichenhalle des Städtifdien Fried-- holes in Pankom-Schönholz, Bahnhof» straße, aus statt. Am 1. Mai starb unser Kollege, der Rohrleger Paul protx Die Einäscherung findet am Frei- tag, dem 6. Mai, 17 Ahr. im Krem» tortum Berlin, Gerichtstraße, statt Rege Beteiligung wird erwartet Nackruf All!'27. April starb unser KoNege, der Gürtler Paul Dahse geb. 12. anarj 1862. Die Beerdigung hat bereits statt- gefuiiben. Schee ihrem Andcnlcn! Die Ortsvcrwaltoni*. KieidungsstUcKe. wasche usw. Deutsdier lederarbeiterverbaiH! 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Aber es ist bisher nicht ge- lungen, über das Versuchsstadium hinauszugelangen und eine wirt- schastlich rentable Methode zu finden, so sehr man sich auch bemüht hat— denn damit wäre eins der wichtigsten Ziele der modernen Chemie erreicht: aus billigstem Material vergärbarcn Zucker herzu- stellen, der der Ausgangsstosf für unendlich viele wertvolle Pro- dukte ist." „Doch— das Verfahren ist gefunden. Ich habe es entdeckt." * Das war 1927, als der erste Desuch Dr. Schollers in Tornesch stattfand: als er einen primitiven Apparat mitbrachte, der zehn Gramm Sägespäne faßte und sie in Zuckerlösung umwandelte. Heute ragt auf dem Gelände der Brennerei Tornesch, ein paar Kilometer abseits der Chaussee Hamburg-Kiel, ein 3 0 Meter hoher Wellblechturm in den diesigen Waterkanthimmcl— das Symbol eines vielleicht entscheidenden Wendepunktes oer chemischen Industrie und unzähliger verwandter Wirtschaftszweige, eines neuen Entwicklungsbeginns, den man später einmal mög- lichcrweisc mit der Nutzbarmachung des Erdöls vergleichen wird. Was hatte Dr. Scholler entdeckt? Alz er einmal in der Inflationszeit nichts zu essen hatte, sah «r sich verzweifelt in seiner Studentenbude um und dachte: könnte man doch alle die Nährwerte, die in jedem Stück Holz, in diesem Tisch und Stuhl stecken, in eine genießbare Form bringen! Der Gedanke ließ ihn nicht mehr los, bis er noch jahrelanger Arbeit die Lösung fand. Er entdeckte, warum die bisherigen Methoden, Holz unter der Einwirkung von Säuren in Zucker zu verwandeln, nur etwa 14 Proz. Ausbeute brachten und daher uvwirtschastlich bleiben mutzten: weil man den aus der Zellulose, dem Haupt- bestondteil des Holzes, entstehenden Zucker zu lange der zersetzenden Wirkung der Säure überließ, so daß sosort eine Rückbildung ein- trat. Scholler wählte den einfachen Ausweg, während des Pro- zesses den sich bildenden Zucker sofort aus dem Bereich der Säure wegzuführen— und erzielte eine Ausbeut« von 40 Proz.! Zucker ober ist erst der Ausgangspunkt für wichtige Produkte, deren Herstellung bisher mit teureren Methoden und kostspieligerem Material vorgenommen wurde— falls es nicht gor notwendig i 1«, m,. a-, �. ii. L- or,.......!— fi-.ii Ifpchlttn» 10 M. pro Tonne wert ist. eine Tonne Material ober lausig nur für den eigenen Bedarf der Brenner«'. Drei riesizo Flaschen aus Gußstahl, die sogenannten Perkolatoren, sind di« Hauptteile der Anlage. Sie werden gespeist von meterdicken Röhren, die ihnen täglich 20 000 Kilo Sägemehl, Säge- späne und Absallholz zuführen, während am anderen Ende eine Lösung abfließt, die 8000 Kilo Zucker enthält. Die braune schäumend« Flüssigkeit wird in ungeheuren Klärbottichen gesammelt und später in Gärbottiche von sechs Metern Tiefe und einem Fassungsvermögen von über 100 000 Litern geleitet, wo sich ein« schneeige Decke von Zuckerschaum bildet. Aber damit ist die Metamorphose der Moleküle noch nicht beendet. Die gewonnenen 8000 Kilo Zucker pro Tag werden in S000 Liter reinen Alkohol verwandelt. Das bedeutet also: 20 000 Kilo fast wertlosen Holzabfalls erscheinen am Ende eines nur 48 Stunden dauernden Prozesses als S000 Liter Sprit! ★ Man macht sich in Tornesch bereits Gedanken über den orgoni- satorischen Ausbau der Holzverzuckerungsmethod«. die imstande sein würde, eine kleine chemisch-wirtschaftliche Revolution anzuzetteln. von der nur wenige Industriezweige völlig unberührt bleiben dürs- ten. Di« Reichsspritmonopolverwaltung, die über die gesamte ivpritgewinnung die Oberaufsicht führt, scheint dies recht- .zeilig erkannt zu haben. Sie Hot der Brennerei Tornesch vor 2� Jahren schon das Brennrecht oerliehen und oerfolgt den Fort- gang der Dinge mit mehr als theoretischem Interesse. Es ist also keine Utopie mehr, wenn man in Tornesch an Wirtjchaitspläne denkt, die vor ollem einmal Arbeit für 120000 die 150 000 Menschen schassen könnten, ganz abgesehen von der belebenden Wirkung aus verwandte Industrien. Man kalkuliert mit der Errichtung von etwa hundert Holz Verzuckerung»- anlagen im ganzen Reich, uno zwar ausschließlich in Gebieten. die aus Forstwirtschaft angewiesen sind: damit will man.zugleich zwei Ziele erreichen: erstens die Dermeidung jeder Konkurrenz für die landwirischostlichen Beiriebe, deren Existenz vom Erlös der Kartojselspritbrennerei abhängt; zweitens die Verarbeitung des Holzabialls an Ort und Stelle ohne Berteuerung durch Frochlkosten. Ueberdies ruht hier die Möglichkeit einer Planwirtschaft- lichen Organisation ganz großen Stils. Die Fabriken müßten staatlich oder gemischtwirtschaftlich betrieben wer- den, um jede Konkurrenzschädigung anderer Industrien zu oer- meiden. Die Auswertung der Produktion könnte m erster Linie durch hochprozentige Beimischung des so billig gewonnenen Sprits zum Benzin erfolgen, um den Triebftofsimport herabzudrücken und zudem der Staatskasse cinen schönen Verdienst zu oerschoifen: da Holzabfall, sofern man dafür überhaupt«inen Preis ansetzen will. war, sie aus dem Ausland einzuführen: reiner Sprit, verschiedene andere Zlrteit von Alkoholen, Futterstoffe, eiweißhaltige- Nährmittel (in Verbindung mit Lusrstickstosi). Hese, Glyzerin und Nitroglyzerin (während des Krieges wurde viel Zucker dem Nahrungszwcck ent> zogen und zur Herstellung von Sprengstosscn oerwandt, ebenso wie unzählig« Tonnen von Roggen verfüttert werden mußten— heute gibt die Holzverzuckerung die Möglichkeit, Viehsutter aus Säge- spönen herzustellen), synthetischer Kautschuk und«ine lange Reihe anderer chemischer Verbindung«,. Alz Abfallstos s entsteht Ligrnn, der»eben der Zellulose wichtigste 5)olzbestandteil: es kann sofort wieder verfeuert werden und genügt bei wärmewirtschafilich ge. schickter Zsusnutzung. um die ganze Holzoerzuckerungsanlage mit Energie zu versorgen! �* Der Wunoerturm von Tornesch ist die erst« Anlage, die ständig und in sabrikmößigcm Betrieb Holz in Zucker verwandelt— vor- 200 Liier wprit ergibt, stellt sich der Preis des Liters out 5 Pfennige zuzüglich der sehr geringen Fabrikationskosten. Aus diese Art könni« he Monopolverwaltung hier wieder hereinholen, was sie bet dem geplanten Ankauf des teureren Kartossclsprin ziisttzen mußte. Für die schwer ringenden Forstgcgenden Deutsch- lands, dessen Boden fast zu einem Drittel aus Wald besteht, waren die Holzoerzuckerungsanlogen ein wahrer Segen: für den THiirin- gor und den bayerischen Wald, für die Eitel, für di« alpenländischen Holzsällergegenden— sie alle würden den durch das sowjetrussisch i Holzdumping forcierten Existenzkampf wesentlich lichter führen können. Räch ungetährer Kalkulation ließen sich in Deutschland jährlich Zwei Millionen Tonnen Holzzucker und daraus wieder für 250 Mi!- lionen Mark Produkte herstellen. Alles aber hängt von der klug durchdachten Organisation des neuen Wtrtschostzzwcigcs od. Fgon Larsen.