Erscheinttäglrch außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts� Bezugspreis füi beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Mona: (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ws Haus) im voraus tablbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebübren SfuilaubQcJb Jßh Anzetgenpret« Lte elnspalttge MtUtmelerzetle ZV'DU Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Lorwärts»Verlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzetgen vor' Redaktton und Expedition: Berlin SW 68, tstndenstr 3 Fernsprecher? Dönbost(A 7) 292—207 BERLIN Mttwoch 4. Mi 1932 Iß Pf. Jir. 209 B 105 49. Iahrgana Verordnung«berMlitärverbände Verbot der kommunistischen„Gottlosen"- Organisation Oer Mord von Neuteich „polenmeisier" als„deutscher" Aaziführer Der Reichspräsident hat heute zwei Verordnungen unterzeichnet. Mit der ersten Verordnung werden alle politischen verbände, die militärisch organisiert sind oder sich so betätigen, der Kontrolle des Reichsmini siers des Innern unlerflellt. Durch die zweite Verordnung sind die k o m m u n i st i- schen Gottlosen- Organisationen mit sosortiger Wirkung für das ganze Reichsgebiet a u s g e l ö ft worden. Wortlaut der Verordnungen. Gegen die Militärverbände. Auf Grund des Artikels 48 Abf. 2 der Reichsverfassung wird folgendes verordnet: 8 1. Politische Verbände, die militärisch organisiert find oder sich so betätigen, und ihre Ilntcroerbände sind verpflichtet, dem Reichs- minister des Innern aus Verlangen ihre Satzungen zur Prüfung vorzulegen Sie haben ferner dem Rcichsminister des Innern jede beabsichtigt» Satzungsänderung, soweit sie ihre Organi- sation oder ihre Tätigkeit betrifft, unverzüglich anzuzeigen. Die in Abs. 1 genannten Verbände sind verpflichtet, un- vcrzüglich jede Satzungsbestimmung zu ändern oder zu streichen und jede Bestimmung in die Satzung neu aufzunehmen, soweit dies der Reichsminister des Innern zur Sicherung der Staatsautorität für erforderlich hält; dies gilt insbesondere für Be- stimmungen über die Organisation und Tätigkeit der Verbände. §2. Verbände, die einer Verpflichtung aus§ 1 nicht nachkommen, oder einer auf Verlangen des Reichsministers des Innern geänderten oder neu aufgenommenen Satzungsbestimmung zuwiderhandeln, können vom Reichsminister des Innern mit Wirkung für das Reichs- gebiet a u f g e l ö st werden. Wird die Auflösung angeordnet, so sind die KSj 2,? der Verordnung zur Sicherung der Staotsautorität vom 13. April 1932(Reichsgefetzbl. I S. 175) entsprechend an- zuwenden. Gegen die Anordnung der Auflösung ist binnen zwei Wochen vom Tage der Zustellung die Beschwerde zulässig, die bei dem Reichsminister des Innern einzureichen ist: sie hat keine auf- schiebende Wirkung. Ueber die Beschwerde entscheidet der nach Sj 13 der Verordnung zur Bekämpsung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1331(Reichsgejetzbl. I S. 79) zuständige Senat des Reichsgerichts in dem hierfür bereits geregelten Versahren. § 3. Diese Verordnung tritt mit ihrer Verkllndung in Kraft. Di« zur Durchsührung der Verordnung erforderlichen Rechts- und Vewaltungsoorschriften erläßt der Reichsminister des Innern. Er bestimmt, welche Verbände als militärähnliche politische Ver- bände im Sinne der Verordnung anzusehen sind. Verbot der»Gottlosen�. Aus Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsversassung wird folgendes verordnet: 8 i. Die Internationale proletarischer Frei» d e n k e r(Sitz der Exekutive Berlin) und die ihr nachgeordneten oder angeschlossenen kommunistischen Freidenker- organisationen, insbesondere der Verband proletarischer Frei- denkcr Deutschlands, einschließlich der Proletarischen Freidenker- jugend, der Freidenkerpioniere und der Fraueirkommissionen sowie die Kampfgemeinschaften proletarischer Freidenker werden mit allen dazugehörigen Einrichtungen, einschließlich der Verlags- betriebe, für das Reichsgebiet mit sofortiger Wirkung auf» g e l ö st. 8 2. Wer sich an einer Organisation, die nach K 1 aufgelöst worden ist, als Mitglied beteiligt oder den von der Organisation erstrebten Zweck durch Herstellen, Einführen, Verbreiten oder Vor- rätigholtcn von Druckschriften weiter verfolgt oder die Organisation auf andere Weise unterstützt oder den durch die Organisation ge- schaffenen organisatorischen Zusammenhalt weiter aufrechterhält, wird mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft. Reben der Gefängnisstrafe kann auf Geldstrafe erkannt werden Gegenstände, die zur Begehung des in Abf. 1 bezeichneten Ver- gehen» gebraucht oder bestimmt smd, können eingezogen oder un- ? a n z i g, 4. Mai.(Eigenbericht.) Ter M o r d, den der ZZ.-Fiihrcr Rudzinski gestern an dem sozialdemokratischen Stadtverordneten lttruhn in dem etwa 3000 Einwohner zählenden Landstädtchen Neuteich auf offener Straße verübt hat, hält die Be- völkerung von Reutcich und vom ganzen Tanziger Staats- gebiet in begreiflicher Erregung. Ter Zimmermcister und Bauunternehmer Rudzinski ist in Neuteich eine fast berüchtigte Erscheinung. Er beschäftigt in seinem Betriebe vorzugsweise Lehrlinge und nur wenige Gesellen. Zeitweilig nützt dieser deutsche Uebermensch die Ar» beitskraft von etwa zwanzig Lehrlingen aus; da- neben hat er eine besondere Borliebe für polnische Arbeitskräfte, so daß er den Spitznamen„der P o l e n m e i st e r" führt. Auf diesen Ehrentitel ist der Führer der„deutschen" Nationalsozialisten offensichtlich besonders stolz. Er ist auch wegen seiner Gewalt- tätigkeiten bekannt. Erst vor wenigen Tagen fuhr er mit seinem Rade eine Frau an und beschimpfte diese außerdem in gröblichster Weise. Auch hier drohte er bereits, die Frau mit dem Revolver über den Haufen zu schießen. Die drei mitverhafteten National- sozia listen, die unseren Genossen Gruhn, einen ein- fachen und besonnenen Arbeiter, in Gegenwart ihreS Führers angriffen und zu Boden rissen, sind der Friseur Samulewicz, der Elektriker Schwarz und ein Bäckergeselle P r e u ß. Gruhn bildet bereits das fünfte TodeS- opfer, das die nationalsozialistischen Gewaltapostel im Tanziger Gebiet auf dem Gewissen haben. Tic von den NaziS abhängige Rechtsregierung Ziehm hat be- kanntlich vor kurzem den sozialistischen Arbeiter- schutzbund verboten und aufgelöst, weil bei einem Zusammenstoß zwischen dem Schutzbund und den Nazihorden ein Nationalsozialist getötet wurde. Dabei hatte diese deutschnationale Naziregierung ganz außer Betracht gelassen, daß zum Zeitpunkt dieses Zusammen- stoßeS bereits drei Republikaner von den Nationalsozia- listen ermordet worden waren. Sic hat auch nichts getan, um die Mahnung Hendersons— bei der Beratung brauchbar gemacht werden, auch wenn sie weder dem Täter noch einem Teilnehmer gehören. Kann keine bestimmte Person verfolgt oder verurteilt werden, so kann auf die Einziehung oder Unbrauchbarmachung selbständig erkannt werden. Die Beschlagnahme der im Abs. 1 bezeichneten Druck- schristen ist ohne richterliche Anordnung zulässig. Die Vorschriften der KZ 24 bis 28 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874(Reichsgesetzbl. S. 65) finden Anwendung. 8 3. Diese Verordnung tritt mit ihrer Verkündung, K 2 tritt mit dem zweiten Tag« nach der Verkündung in Kraft. Die zur Durchführung der Verordnung ersorderlichen Rechts- und Derwaltungsvorsthristen erläßt der Reichsminister des Innern." Goerdeler statt Warmbold? Das Reichskabinett ist heut« vormittag wieder zusammenge- treten, um di« Beratungen über den Reichshaushalt und die damit zusammenhängenden Fragen fortzusetzen. Der Ober- bürgermeister von Leipzig, Dr. Goerdeler, wird im Laufe des heutigen Tages zu einer Aussprache mit dem Reichskanzler in Ber- lin eintreffen. Der Reichskanzler dürste Goerdeler bei dieser Ge- legenhest das Reichswirtschastsministerium anbieten. Sollte eine Einigung nicht zustande kommen, so ist damit zu rechnen, daß Staatssekretär Trendelenburg mst der Wahrnehmung der Ge- jchast« de» Reichswirtjchastsmmijters beauftragt wird. im Bölkerbundsrat über die Tanziger Zustände— zu berücksichtigen, der sie aufgefordert hatte, das Treiben der nationalsozialistischen Gcwaltorganisationen endlich zu unterbinden. Tie Nachsicht, die diese Rechtsregierung den National- sozialisten zuteil werden läßt, trägt ein erhebliches Maß von Mitschuld an dem Treiben, dessen fünftes Opfer nunmehr unser Genosse Gruhn geworden ist. Tie Erbitterung der Arbciterbevölkcrung über die Brutal,- täten steigt von Tag zu Tag. Ter neueste SS.-Mord zeigt die Zustände in dem„Freistaat" Tanzig in schlimmstem Lichte. Stichwahlen und Regierungsbildung. Sozialisten gegen Antibolschewismus. Paris, 4. Mai.(Eigenbericht.) Der Exekutwausschuß der radikalen Partei hat noch eine zweite Entschließung angenommen, in der zunächst Herriot der Dank für seine wirkungsvolle Wahlkampagne ausgesprochen und dann erklärt wird, daß der Vorstand, um der Partei ihre volle Handlungsfreiheit bis zu oer Sitzung des Exekutiv- ausschusses am 18. Mai zu sichern, sich alle Erklärungen über die Regierungsbildung verbittet, die oer- schiedenartig ausgelegt werden könnten. Um eine Erläuterung dieses Beschlusses gebeten, sagte Herriot, daß alle Erklärungen, die man ihm bis zum 18. Mai zuschreiben sollte, als unzutressend anzusehen seien.— Die radikale Partei will sich also vor dem end- gültigen Wahlergebnis in bezug auf die Regierungsbildung nicht festlegen. Leon Vlum erinnert im„Populaire" die sozialistischen Bc- zirksverbände daran, daß sie gemäß den Beschlüssen der Partei- kongressc die nicht aussichtsreichen Kandidaten zurückziehen müssen, ohne von einer anderen Linkspartei eine Belohnung oder einen Ausgleich zu verlangen und ohne in die antikommu- nistifche Einheitsfront einzutreten. Die Reaktion zu schlagen sei das Hauptziel der Sozialisten.— Die Bezirksverbände von Paris und den beiden angrenzenden Departements haben bereits in mehreren Fälle» ihr« Kandidaten zugunsten kommunisti- scher oder sozialistisch-kommunistischer Kandidaten zurückgezogen. Die Rechtsparteien geben die Schlacht noch nicht verloren. Der Propagandachef der republikanischen Föderation erklärt im„Echo de Paris", das Kartell der Linken müsse verhindert werden, dazu sei«ine letzte Anstrengung der Einigkeit notwendig. Der in Korsika geschlagene frühere Arbeitzminister L a n d r y hat gegen das Wahlergebnis P r o t e st eingereicht, da nach seiner Ansicht bei der Auszählung der Stimmen Betrügereien vor- gekommen seien. Sachverständige ohne Sachverstand. Die Nazis unv die Kreditverhandlungen des Reiches. Die Nazis machen in letzter Zeit immer krampfhaftere Be- mühungen, um sich nach jeder Richtung als regierungsfähig zu er- weisen. Aus diesein Grunde versuchen sie auch, ohne einen Schimmer von Sachkenntnis, aHr mit um so größerer Frechheit zu sachlichen politischen Fragen Stellung zu nehmen und bei dieser Gelegenheit Regierung und gegnerische Parteien anzupöbeln. So hat vor einigen Tagen der„Angriff" ein paar alberne Fragen an den Reichs- finanzminister Dietrich gerichtet, wie er sich die Verlängerung des Lee-Higginfon-Kredits von 125 Millionen Dollar denke, der im Oktober zurückgezahlt werden müsse. In Wahrheit kam es dem„Angriff" nur darauf an, in diesem Zusammenhang wieder einmal den Genossen Dr. H i l f e r d i n g herunterzureißen, der angeblich dem Reich diesen Kredit„aufgehalst" habe. Wir können den unerfahrenen Nazis darüber folgende B c- lehrungen zuteil werden lassen: 1. Der dem Reich von dem amerikanischen Bankhaus Lee, Higginson u. Ca. gewährte Kredit von 125 Milliancn Dollar, dessen jetzige Verlängerung bereit? gesichert ist, ist nicht unter dem Reichsfinanzminister Hilfcrding, sondern s a st ein Jahr nach dessen Rücktritt im November 1939 von der jetzigen Regie» Meiallschiedsspruch in Köln. Verlängerung des Ianuartarifs. Der Schlichtungsausschuß Köln fällte für das gekündigt« Lohn- abkommen in der Kölner Metallindustrie einen Schiedsspruch, wonach die durch Notoerordnung festgesetzten Löhne unverändert in Kraft bleiben. Die besonderen Zulagen und Kopfzulagen sind ebenfalls unverändert geblieben. Ein Stundenlohn für die Gruppe III beträgt 72 Pf. Die Akkordspanne regell sich nach dem ungekündigten Rahmenvertrag. Das neue Abkommen ist erstmalig zum 31. Juli 1932 kündbar. Erklärungsfrist bis 10. Mai. Der Doppelmord in Moabit. Bisher noch keine Spur gefunden. Die grauenhasle Ermordung de, Hausbesitzer-Ehepaars Arth und Zda Laars hat den Stadtteil Moabit in eine begreifliche tiefgehende Erregung versetzt, die sich dadurch äußerte, daß der am Dienstag am Tatort weilenden Mordkommission aus Kreisen des Publikums eine ganze Anzahl Personen als verdächtig bezeichnet wurde. Diese Leute konnten sofort herangeholt werden. Lei eingehenden verhören ergab sich aber ihre ll n s ch u ld und sie wurden sofort wieder entlassen. Die Mordkommission wird im Laufe des heutigen Tages noch einmal am Tatort in der Erasmus st raße eine eingehende Besichtigung vornehmen. Die Sektion der Leichen findet in den späten Ikachmittagsstunden statt. Aus den Verletzungen, die das Greisenpoor davongetragen hat, wird man kombinieren können, wie die Tat im einzelnen ausgeführt wurde. poch im Laufe des heutigen Tage» werden die Mordplakale mit der ausgesetzten Lelohnnng von 1000 Mark an den Litfaßsäulen erscheinen, um das Publikum zur Mitarbeit aufzufordern. Die Motive zur Tat sind vorläufig noch nicht geklärt. Zweifel- los ist aber das furchtbare Verbrechen vorbereitet gewesen, denn die Mörder haben ihre Waffen— das große Messer und das Beil— mitgebracht. Wie es chnen gelungen ist, sich zunächst Eintritt in die Wohnung zu verschaffen, ist unklar. Wenn sie mit den Gepflogenheiten im Hause vertraut gewesen wären, hätten sie wissen müssen, daß an jenem Termin noch längst nicht ein Biertel der Mietsgelder eingegangen fein konnte. Frau Boors war in der Gegend wenig beliebt! sie war es, die den gutmütigen Ehemann zu scharfem Vorgehen gegen säumig« eung Vrüning-Dietrich aufgenommen worden. Er hat mit der I Kreuger-Anleihe nicht das geringste zu tun. 2. Offenbar haben die„Sachverständigen" der Nazis mit diesem Kredit den Zwischenkredit verwechselt, den ein Konsortium ausländischer und deutscher Banken unter Führung von Lee, higgin« son u. Co. im Jahre 1929— 1930 als Vorschuß aus die Kreuger- Anleihe gegeben hatte. Dieser Zwischenkredit ist ebenso wie dt« Kreuger-Anleihe von Hilferding ausgenommen worden; er ist termingemäß mit dem Eingang der letzten Rate der Kreuger-Anleihe im Juni 1930 vollständig zurückgezahlt worden. 3. Die von Hilferding aufgenommene Kreuger-Anleihe stellt auch heute noch nach sachverständigem Urteil eine der vorteilhastestenAnleihetransaktionendesReichs dar. und die finanziellen Sorgen der Geo-mwart wären um vieles geringer, wenn es Deutschland heute möglich wäre, eine ähnlich günstige Auslandsanleihe aufzunehmen. Zur weiteren Unterrichtung über diese Kreditfragen, von denen die Nazis keine blasse Ahnung haben, können wir ihnen die Schrift von Dr. Paul Hertz über:„Reich und Reichsbetriebe unter dem Einfluß der Kreditverteuerung" empfehlen, die soeben in der von sührenden Nationalökonomen her- ausgegebenen Sammlung über„Wirkungen und Ursachen des hohen Zinsfußes in Deutschland" erschienen ist. Aber an dem Studium dieser wirklich sachkundigen Untersuchung wird die Nationalsozialisten nicht nur die Tatsache hindern, daß sie von einem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten stammt, sondern zugleich die weise Selbst- erkenntnis, daß das Gehirnschmalz ihrer sogenannten Sachverstän- digen nicht ausreichen dürfte, um solche etwas schwierigen Fragen überhaupt zu verstehen. Das Ltrteil von Minden. Ein Glanzstück unserer Rechtsprechung. Minden i. w.. Z. Mai.< Eigenbericht.) Ein unglaubliches Urteil wurde am Dienstag von einem hiesigen Gerich» in einem sogenannten Land- sriedenebruchprozeß gesällt, der feit drei Tagen vor dem Mindener Schässengericht abroltte. Außer einem Nazi- Revoiverschühen wurden auch Soziatdemokraten abgeurteilt, die mit dem zur Verhandlung stehenden Vorfall direkt überhaupt nichts zu tun hallen. Die Aburteilung galt einem AutoÜberfall auf die Wohnung eines sozialdemokratischen Lehrers in Meißen. Im Anschluß an eine Schlägerei zwischen einem National- sozialisten und einer anderen Person wurde das Ueberfallauto der Mindener Nazis angerufen, das bald daraus erschien. Da aber niemand mehr am Tatort zu sehen war, wurden ohne Grund 6 bis 8 Schüsse in die Wohnung eines in der Nähe des Tatorte» woh- nenden Lehrers abgefeuert. In der Küche des Lehrers hatten sich unterdessen mehrere Naturfreunde eingefunden, die«ine Sommer- sonnenwendfeier vorbesprechen wollten. Als sich die Schlägerei ab- spielte, befanden sie sich noch auf der Straße. Sie waren a n d e m Vorfall selbst aber nicht beteiligt. Unter Anklage standen nun der Revolverschütze, ein mit Zuchthaus schwer vor- bestraster Mensch, und vier der Autoinsassen. Außerdem war auch ein an der Schlägerei beteiligter Mann angeklagt, der aber keiner Partei angehört. Da, Unglaubliche geschah, al, der Staatsanwalt plötzlich wäh- rend der Verhandlung nicht nur die bei dem Lehrer versammelten acht patursreunde, sondern auch den Lehrer Meier wegen Zusammenrottung und schweren Landsriedensbruch» unter Anklage stellte. Die Zusammensetzung des Gerichts war von Anfang an eindeutig, so daß die Verurteilung auch der an dem Vorfall nicht betecligten Angeklagten ersolgt«. Einer der Schöffen stammte z. B. aus einem ländlichen Ort, in dem bei der Reichspräsidentenwahl nur Hitler- Stimmen abgegeben wurden. Das Urteil lautete gegen den Revolver- schützen auf 10 Monate Gefängnis. Der Lehrer Meier und der an der Schlägerei beteiligte, keiner Partei angehörende Angeklagte er- hielten je 6 Monate Gefängnis. All« übrigen Ai, geklag. ten wurden wegen einfachen Landfriedensbruchs zu je 3 Mona- ten Gefängnis verurteilt. Gegen das empörende Urteil wurde von Msier und den acht Naturfreunden sofort Berufung«ingelegt Die Bürokratie ist großzügig. Weitere Rechnungsprüfung im Haushaltsausschuß. Der Haushaltsausschuß des Reichstages verhandelte gestern aus dem Bericht seines Rechnungsunterausjchusses über die Haushalts- rechnung 1930 vor allem den Etat des Reichswehrmini st e- r i u m s, den Etat des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Reichsschuld, Reichsfinanzministerium, allgemeine Finanzverwaltung und Kriegslastenetot. Der Berichterstatter, Abg. H e i n i g(Soz.), machte beim Haus- hall des Wehrministeriums darauf aufmerksam, daß der dem Haus- Haltsausschuß seinerzeit zugesicherte Bericht des Reichssparkommifiars über die Durchprüsung des Heeres- und Marinehaushalts bisher immer noch nicht vorgelegt sei. Weiter berichtete er eing«hend über die Preisprüfung. Der Rech- nungsunterausschuß hat die Preisbildung für Waffen, Munition, Heeresgerät, optische Geräte, Bekleidung, Oele, Benzin, Reinigungs- stoffe, Futtermittel und Eisenbahnfrachten näher angesehen. Auch die Frag« der privatindustriellen Kartellbildungen und ihrer Auswirkungen auf die Kosten der Reichswehr wurden mit erörtert. Der Rechnungsunterausschuß hat den Eindruck, als ob das Reichs- wehrministerium immer noch von manchen Interessenten preismäßig ausgenutzt wird. Für 1930 ist eine Verbilligung der Preis« trotz der damals schon vor sich gegangenen Lohnherab- setzungen noch wenig bemerkbar geworden. Hier wird das Jahr 1931 wesentliche Derbilligungen der von der Reichswehr angelegten Preise bringen müssen. Der Rechnungsunterousschuß wird unter diesem Gesichtspunkt die Rechnung 1931 prüfen. Eine besondere Di s f e r e n z zwischen dem Rechnungsunterausschub und dem Wehr- Ministerium hat sich daraus ergeben, daß in einem besonder«» Falle das Ministerium allzu eilig eine Tatsache b e st r i t t, die doch erweislich wahr war. Das hat das Reichswehrministerium nicht gehindert, diejenigen, die zum Bekanntwerden dieser Tatsach« beigetragen hatten, in ein«m Schreiben an den Rechnungsunter- ausschuß als Leute zu bezeichnen, die solch« Fragen nur aus der „Froschperspektive" einzelner Gutsarbeiter zu sehen vermöchten! Die Antwort des Berichterstatters auf diese Art der„Stellung- nahm«" des Reichswehrministeriums war ziemlich deutlich. Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirt- schaft gibt von seinem Gesamtetat in Höhe von 96 Millionen Mark rund 90 proz. für Subventionen, Markstühungen, Zinsverbilligungen, Verlustdeckungen und Propaganda aus. Dabei sind die Interessenten, die diese Gelder erhalten, nicht selten wesentlich tüchtiger in der Verausgabung der Mittel als das Ernährungsministerium bei der Bewilligung und Konttolle. Hier müssen noch gründlich« Aenderungen eintreten, obwohl gegenüber dem Vorjahr schon eine deutliche Besserung festzustellen ist. Allzuhäusig gewährt das Ernährungsministerium Unterstützungen, ohne zu wissen, wie viel Geldmittel die Interesienten sonst noch für den gleichen Zweck zur Verfügung haben. Der Rechnungsunterausschuß verlangt, und der Haushaltsausschuß stimmte ihm zu, daß in Zu- kunst Geldmittel von Reichs wegen nur dann noch gegeben werden sollen, wenn die Empfänger bereit sind, ihre gesamten Einnahmen und Ausgaben klarzulegen. Sowohl in der Milchwirtschaft wie in der S e« f i s ch p r o p a g a n d a, wie bei der landwirtfchaft- lichen Betriebsumstsllung und Absatzförderung ist mit Reichsmitteln nicht immer wirtschaftlich verfahren worden. Vieles von der öffent- lichen Plokatierung, die den Milchverbrauch, den Eierverbrauch, den Fischverbrauch und den Weingenuß sördern sollen, ist ganz wesentlich mit R«ichsmitteln großzügig bezahlt worden. In einzelnen Fällen, so bei der Förderung des Kartosselbaues, ist es privaten Or- ganisationen sogar gelungen, aus Provisionen, die bei der Verteilung von Reichsmitteln entstanden, ein eigenes privatwirtschaftliches Vermögen zu bilden. Auch hier wurden für die Zukunft grundsätzliche Aenderungen bindend zugesichert. Beim Reichsfinanzministerium wurden im besonderen die grund- sätzlichen Fragen der Delegierung von Reichsbeamten als Aufsichts- räte und von Reichstagsabgeordneten als Aufsichtsräle in reichseigenen Gesellschaften und in Reichsbeteiligungen behandelt. Weiter wurde«ine lückenlose Zusammenstellung der Reichsb«te:ligung«n, der Reichsbürgschaften und der Reichsdarlehen verlangt; die derzeitigen Verzeichnisse sind nicht vollständig. Zur Frage der Beamtenwohnungen wurde erörtert, daß das Reich immer wieder zu großzügig gewesen sei. Heute sei es nicht in der Lag«, die Mieten in solchen Häus«rn so festzusetzen, wie die ordentlich« Verzinsung des Kapitals verlange, zumal durch den Abbau der Beamtengehälter die Beamten chnedies schon mit den ihnen zugeteilten großen Wohnungen materiell stark belastet sind. Die grundsätzliche Frage der Kassenkredite der Länder beim Reich wurde angeschnitten. Sie wird bei der Haushaltsberatung weiter erörtert werden. Zum Kriegslastenetat wurde verlangt, daß hier in allen den Fällen, in denen es möglich ist, eine Beschleunigung der Ab- wicklungs- und Liquidationsarbeiten durchgeführt wird. Die in der Oeffentlichkeit vor einigen Monaten großes Aufsehen erregende Ent- hüllung über eine Zahlung an den früheren Zaren Ferdinand von Bulgarien wird nach einer Erklärung der Reichsregierung im Benehmen mit dem Auswärtigen Amt im Aus- wärttgen Ausschuß eine besondere Erörterung finden. Der Haushaltsausschuß wird in seiner, den Bericht des Unter- ausschusies abschließenden Sitzung noch das Verkehrsministerium, Fragen des Sparkommissariats und die Rechnungsprüfung der Reichsbahn behandeln. SA. in Danzig D-Zug überrast Auto. Die Fahrt in den Tod. Eisenach, 4. Mai.(Eigenbericht.) s In der Stadt Hörschel bei Eisenach ereignete sich heute morgen gegen 4 Uhr ein entsetzliches Unglück. Der Molkereibesitzer Weyer machte mit seinem Chauffeur aus einem neuen Liefer- wagen die erste Fahrt. Im dichten Nebel durchfuhren sie die Bahn- schranke. Im selben Augenblick brauste ein D-Zug heran und überfuhr den Wagen. Beide Insassen wurden bis zur Unkenntlich- keit verstümmelt. Der Wagen wurde ein Stück mitgeschleift und vollständig zertrümmert. Die Bahnschranke selbst wurde nicht beschädigt._ Llnter den Rädern des Fernzuges. Selbstmord in g- tiger Umnachtung. In der vergangenen Nacht warf sich die 20 Jahre all« Martha Mahnte aus Petershagen zwischen den Stattonen F r e d e r s- darf und Rüdersdorf vor die Räder eines Heranbraufenden Fernzuges. Der Unglücklichen wurde der Kopf vom Rumpf ge- trennt. Es scheint, daß das junge Mädchen die Tat in einem An- falle von geistiger Umnachtung verübt hat. Erst vor wenigen Wochen versuchte sich das Mädchen die Pulsadern zu öffnen. Di« Tat wurd« aber rechtzeitig entdeckt und die Kranke tonnte gerettet werden. Di« Leiche ist beschlagnahmt worden. „Jeht wollen wir mal unserer Landbevölkerung zeigen, was eine tadellose nationalsozialistische Erziehung ist." Mieter veranlahte. Das war allen Leuten wohlbekannt. Für sich selbst war sie aber nicht knauserig. So hat sie sich in letzter Zeit die Haare rotsärben lassen. Die ganze Nachbarschaft unter- hielt sich darüber. Der Kreis, in dem die Täter zu suchen sind, ist naturgemäß sehr groß. Oft sind Aeußerungen gefallen wie:„Der werden wir mal eins auswischen!" Diese Stimmung machte sich in allerlei Schabernack Luft. Bon der Straße aus wurden Steine auf den Balkon und in die Fenster geworfen. Die Guck- löcher an der Fl-urtür wurden mit Teer ausgeschmiert, die Licht- leitungen im Haus« von der Wand abgeschlagen und anderes mehr. So ist von beiden Seiten immer wieder eine gewisse Spannuüg in das unerfreuliche Verhältnis hineingetragen worden. Es ist also nicht ganz ausgeschlossen, daß die Mörder es weniger aui Geld abgesehen haben, als daß sie die Tat aus Rache begingen. Messer und Äeil gefunden. Am Ort der fürchterlich«n Tat ist ein wichtiger Fund gemacht worden. Bei dem Kampfe war der Teppich ans iiem Korridor verschoben. Als die Beamten ihn aushoben, fanden sie darunter ein großes Schlächtermesser. Das Messer ist etwa 30 Zentimeter lang, davon entfallen 19 Zentimeter auf die Klinge. Das Messer ist ganz neu und noch nicht benutzt morden. Der oder die Mörder hoben damit die Telephonschnur durchschnitten. Die ' andere Waffe die die Mörder benutzten, ist ein ebenfalls fast . neues Bei! dos auf dem Sofa in dem sogenannten Büro ge- sunden wurde. Der Griff ende! in einer Wulst. Man findet der- artige Messer und Beile oft bei Schlächtern. Die Schneid« des > Beiles war sehr scharf. Di« Polizei vermutet mit Recht, daß der | Mörder beide Wajjen mit in d« Wohnung gebracht hat Selbstmord eines Bankiers. Umfangreiche Oevifenschiebungen.- Todessprung aus dem Fenster. Aus dem vierten Stockwerk der Zollsahudung»- stelle in der Luisen st raße sprang heule vormittag der Bankier Karl B l u m aus der Bismarckstraße in Ehariottenburg in die Tiefe. Blit zerschmettertem Schädel wurde der plann in die Charit« gebracht, wo die Aerzte bei der Einiiescrung jedoch nur den T o d feststellen konnten. Karl Blum ist Mitinhaber der B a n t s i r m a B l u m u. Co., die ihre Büro- und Kassenräume in der M i t t e l st r a ß e hat. Bor einiger Zeit kamen Ueberwachungsbeamte der Zollsahndungsstelle dahinter, daß Effekten— angeblich Millionemverte— vom Ausland ins Reich geschmuggelt und hier veräußert wurden. Der Erlös für die Effekten sollte wieder ins Ausland wandern. Bei den Nach- sonschungen der Zollsahndungsstelle nach den deutschen Mittels- NKrnnern zu diesen verbotenen Transaktionen stießen die Beamten auch auf die kleine Banksirma Blum u. Co. Das Belastungsmaterial schien der Behörde so beweiskrästtg, daß man Blum eines Tages festnahm und dem Untersuchungsrichter vorführte. Das Verhör endete jedoch damit, daß Blum wieder entlasten wurde. Inzwischen waren die UebcrwachungSbeomten der Zollsahndungsstelle weiter eifrig tätig, und bis zum vergangenen Montag gelang es ihnen, neues Material gegen Viun, zu sammeln. Kurz nach 10 Uhr sollte Blum dem Untersuchungsrichter vor- geführt werden. Ein Beamter b gleitete ihn. In der vierten Etage angelangt, wo sich das Zimmer des Richters befindet, bat Wum den ihn begleitenden Beamten, die Toilette arnsuchen zu dürfen. Als BlitM nicht wieder zum Vorschein kam. schöpfte der Beamte Ver- dacbt. Er fand das Fenster der Toilette offen und als er auf den Hos binabsah. entdeckte er dort den leblosen Körper des Bonkiers, der sich hinabg stürzt hatte. Gegen mittag ist auch der Sozius Blums festge- n o m m« n und der Zollsahndungsstelle eingeliefert worden. Das Himmelfahrtsweiter. Veränderlich.— Abwechselnd heiter und bewölkt! Das trüb« und zum T«it regnerische Wetter in den ersten Mai- tagen dürfte bald, wenn nicht alle Anzeichen trügen, wärmerem und heiterem Wetter weichen. Es hat sich ein starkes Hochdruckgebiet gebildet, das von Island bis zur Biskaya-Bucht reicht. Dieses Hoch wird vermutlich sehr bald den Charakter unseres Wetters günstig beeinflussen. Zunächst ist für den morgigen Himmelfahrtstag allerdings noch mit recht wechselvollem Wetter zu rechnen. Aus der Dstseite des langgestreckten Hochs hat sich nämlich vom nördlichen Eismeer her eine Lustströmung südwärts in Bewegung gesetzt, die bald große Teile Mitteleuropas erreichen dürste. Mit dieser Luftströmung werden aus Skandinavien kleinere Störungen mit herangeführt, so daß für den Himmelsfahrtstag typisches„Herrenpartie-Wetter" herrschen wird. Teils heiter— teils stark wolkig bei vereinzelten geringen Regenschauern heißt die Prognose des Amtlichen Wetterdienstes. Die Temperaturen werden aller Voraussicht nach zwischen 12 und IS Grad Wärme, vielleicht auch etwas darüber liegen. Zuchthaus über Kürstenwalde. Das Urteil gegen die„?ioten weiter". Leipzig, 4. Mai. In dem Strafverfahren wegen der„Zersetzungsarbeit" im Reiterregiment 9 zu Fürstenwalde verkündete der Vorsitzende des 4. Strafsenats, Reichsgerichtsrat Coenders, am Mittwochmorgen fol» gendes Urteil: Es werden verurteilt wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens in Tat- «inheit mit Vergehen gegen das Republikschutzgesetz: der frühere städtische Angestellte Willi Schulz aus Berlin zu drei Jahren Zuchthaus und zehn Iahren Ehrverlust, neun weitere Angeklagte werden zu Festungsstrafen von einem Jahr drei Monaten bis zu zwei Iahren sechs Monaten verurteilt, endlich noch wegen vorsätzlichen Verbrechens gegen§ 92 Abf. 1 des Militärsttafaesetz- buchs der frühere Obergefreite Fritz E n g w i ch t aus Letschin (Oderbruch) zu zwei Monaten Gefängnis. Nach Vertündung des Urteils erhob sich unter Führung des angeklagten Schriftsetzerlehrlings Arndt ein Tumult im Ge» r i ch t s f a a l. Arndt forderte die anwesenden Zuhörer aus, mit ihm einzustimmen„Trotz alledem ein dreifaches Rot Front", und Arndt fttmmte daraufhin das Lied an„Wacht auf", in das eine Anzahl Zuhörer mit einzufallen versuchte. In der Urteilsbegründung wies der Vorsitzende die Behauptung zurück, daß der Senat die kommunistische Ge» s i n n u n g b e st r a s e. Die Verurteilung erfolge wegen der straf- baren Tat, die allerdings vielfach auf kommunistischer Gesinnung beruhe. Dabei sei die deutsche Strafgesetzgebung noch äußerst milde im Vergleich zu derjenigen anderer Staaten. Der Begriff der Zer- setzung sei nicht, wie von kommunistischer Seite wiederholt behauptet wurde, vom Senat konstruiert. Es sei nachgewiesen, daß ein zentraler Zersetzungsapparat vorhanden ist, der die innere Zermürbung und Unbrauchbarmachung von Polizei und Reichswehr erstreb«. Hier habe der Angeklagte Schulz gearbeitet, der seine Tätigkeit geradezu büromäßig betrieben habe. Die Gemeinheit seiner Gesinnung werde beleuchtet durch den in der von ihm herausgegebenen Zersetzungsschrift„Der Rote Reiter" den Angehörigen des Reiterregiments 9 in Fürstenwalde gegebenen Rat. beim Uebungsschießen mit Platzpatronen Kiesel st eine in die Gewehrläufe zu stecken, um so die Offiziere zu erledigen. Nicht aus eigenem Antrieb, son- deim gewisiermaßen auf Befehl von oben her habe Schulz die so» genannte Aktivgruppe mit den Angeklagten Frost, Hutler und Schütze aufgebaut. Wie siegessicher die Angeklagten waren, geht insbesondere aus der Aeußerung des Angeklagten Marktwitz hervor: „Wir machen jetzt einen großen Schlag, dann können die Soldaten stempeln gehen." Der Vorsitzende wies dann daraus hin, daß der Senat den Darstellungen und Feststellungen des Oberreichsanwalts im wesentlichen gefolgt sei. Allen Angeklagten mit Ausnahme des Schulz und des früheren Obergesreitcn Engwicht wurde lieber» zeugungstäterschaft zugebilligt. Goebbels auf Koalitionsreisen. Gregor Straßer und seine„Schmachfehen". Bor der Berufungskammer des Landgerichts III sollten gestern der Möchtegern-Ministerpräsident S t r a ß e r und der angehende Staatsmann Goebbels als Angeklagte auftreten— der erster« wegen Beschimpfung der Reichsfarben, der letztere wegen Beleidigung des Polizeivizepräfrdenten Dr. Weiß. Weder der«ine noch der andere waren erschienen. Straßer war entschuldigt, Goebbels eigenmächtig weggeblieben. Sein Verteidiger erklärte, Goebbels habe zwar gewußt, daß er kommen müsse, eine höhere Pslicht habe ihn aber am Erscheinen verhindert. Goebbels sei nicht irgendeiner, sondern die p r o m i n e n- teste Persönlichkeit innerhalb der Partei,(!) also dürfe er nicht bei den Besprechungen über die Regierungsbil- d u n g in Preußen und auch über die mögliche Regierungsumbil- dung im Reiche fehlen. Cr fei am Sonntag mit dem„Führer" Hitler zu einer notwendigen Besprechung nach München gefahren. Der Staatsanwalt erklärte: Die Sache fei nach zweifacher Verurteilung durch beide Instanzen vom Reichsgericht z u» rückgewiesen worden, Goebbels' Anwesenheit sei notwendig. Die Verhandlung sei zu oertagen, die Staatsanwaltschaft behalte sich weitere Maßnahmen vor. Das Gericht vertagte zwar die Verhand- lung, beschloß aber, Goebbels von der Anwesenheit zu entbinden und noch weitere Akten in der Sache hinzuzuziehen. Die Verhandlung gegen Gregor Stratzer konnte zu Ende ge» führt werden. Dieser hatte in der..Berliner Arbeiter-Zeitung", deren Herausgeber er war, einen Artikel„Von deutschen Frauen" erscheinen lassen, in dem er dem Verfasser Diplomlandwirt Hindier sagen ließ:„An unseren Drahtverhauen weht die Kriegsflagge des alten Reichs, nicht der Schmachfetzen des neuen Deutsch» l a n d s." Wegen dieses Gefühlsausbruchs gegen die Reichsflagge war der Diplomlandwirt vom Schöffengericht Oranienburg zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt, Stratzer jedoch freigesprochen worden. Das Landgericht III als Berufungsinstanz verurteilte gestern Gregor Straßer ebenfalls zu 200 M. Geldstrafe. Der Erklärung des Herrn Straßer, er habe mit diesem Ausdruck bloß die rote Partei» fohne gemeint, fand bei den Richtern kein Verständnis. Vor dem Kriege— im kaiserlichen Deutschland von 1907— wurde ein sozialdemokratischer Redakteur, der in einer Polemik gegen den Reichslügenverband von dem„Schmutz- läppen der Hottentottenblocks" geschrieben hatte, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil das Gericht von der irrigen Meinung ausging, der Hottentottenblock sei mit dem Deutschen Reich kaiserlicher Prägung identisch. Gregor Stroßer kann sich durch das Urteil des Berliner Gerichts davon überzeugen lasten, um wieviel milder doch die Justiz des„Systems" ist gegen» libtt der ihrer kaiserlichen Vorgängerin. Mensch und Ergebnisse der Tagu „Der Mensch allein ist ein primitiver Stümper, das Werkzeug allein ist eine Null, zusammen bilden sie eine Macht." So ungefähr sagte der bayerische Landesgewerbearzt Professor Dr Koelsch auf der Tagung„Mensch und Arbeitsgerät", die kürzlich von der Deut- scheu Gesellschast für Gewerbehygiene. Frank- surt a. M., gemeinsam mit dem Reichskuratorium für Wirtschaftlich- keit, Berlin, und dem Dortmunder Institut für Arbeitsphysiologie veranstaltet wurde. Man hat sich heute in mancher Beziehung freigemacht vom Optimismus früherer Zeiten, der manchmal zur Ueberrationali- sierung und zur Außerachtlassung körperlicher und geistiger Hemm- nisse geführt hat, die unüberwindbar waren. Gerade der Vertreter des Gewerbes auf dieser Tagung, Dr. Hotz vom Deutschen Hand- Werksinstitut in Hannover, betonte, einen wie geringen Ein- fluß die meisten derartigen Untersuchungen auf die Praxis gehabt haben. So blieben z. B. im Baugewerbe nur etwa 10 Proz. beein- flußbare Kosten übrig, und was in diesem und in vielen anderen Gewerben nach langwierigen Untersuchungen zahlenmäßig belegt und konstruiert worden ist, ist schon lange vorher dem Praktik» ge- fühlsmäßig bekannt gewesen. Andere Einrichtungen haben sich trotz ihrer Zweckmäßigkeit gegen jahrhundertealte Tradition nicht durch- setzen können, wie etwa das künstliche Schneiderknie, das die ge- zwungene, ungesunde, typische Schneidersitzweise abschaffen will und das die Praxis bisher durchweg abgelehnt hat: ähnliches gilt auch von der Schusterarbeit. Was bis heute erreicht ist, davon gaben die Ausführungen von Professor Koelsch ein buntes und anschauliches Bild. An die Stelle des nicht unfehlbaren gesunden Menschenverstandes treten immer mehr systematische Untersuchungen und Ueberlegungen. Es gilt nicht nur, die Arbeitslei st ung zu erhöhen, sondern noch viel mehr, den Energieverbrauch bei der Arbeit herab- zusetzen, vor allem die körperlich schwere Arbeit immer mehr verschwinden zu lassen. Wenn der L a st t r ä g e r früher Lasten bis zu 150 Kilogramm, in Rußland sogar bis zu 320 Kilogramm, trug, so ist, aus wirtschaftlichen Gründen, die For- derung von heute eine obere Grenze von 75 Kilogramm. Die gün- stigsten Arbeitsleistungen aber werden bei Lasten von 20 bis 25 Kilo- gramm erreicht. Aber in allen Fällen muß die Art der Last berück- sichtigt werden, etwa ob Sack oder Kiste, und die zu überwindende Bodenneigung. Von größter Wichtigkeit bei dieser und überhaupt bei allen Arbeiten ist die Einschaltung ausreichender und nicht zu seltener Ruhepausen. Von Bedeutung ist auch die Art, wie die Last getragen wird, besonders wenn die Träger Frauen und Mädchen sind: die beste Leistung ist beim Tragen auf dem Schulterjoch zu erzielen, die zweitbeste mit Hilfe der herabhängenden Hände. Erst dann folgen das Tragen auf dem Kopf oder im Rucksack, während das Ruhen der Last in der Hüfte oder auf einer Schulter oder vor dem Körper schädlich und unwirstchaftlich ist. Eingehende Studien sind auch über die günstigste Art des Hebens gemacht worden, ebenfalls über den Karrentransport, wobei sich gezeigt hat, daß Schieben viel geringeren Kraftverbrauch erfordert als Ziehen. „Mädel aus der Hölle." Theater in der Stresemannstroße. In Paris gibt es manchmal ein Genre von gespritzten, witzigen Luftspielchen, Aeinen, leichten Dingern, in denen die Herren Minister verspottet und böse Taten aus der ernsten Welt der Aktualitäten ans Licht gezogen werden. So etwas könnte auch in Deutschland, wo wir wenig gute Lustspiele besitzen, nicht schaden. Aber der Schwank„Das Mädel aus der Hölle", mit dem der als Autor von„Leutnant Blumenthal" bekanntgewordene Alfred Herzog zur Tagessatire ausholte, erfüllt die Voraussetzungen nicht. So etwas muß ein Leckerbissen sein, hier aber ist nur altes Graubrot. Eine Reihe von Zutaten aus den Gebieten des Fikms, der Zensur, des Finanzamts, der Wirtschaftsführer werden um die ältesten Schwankrequistten und Ueberraschungs- und Verwechslungsszenen herumgelegt, und es entsteht nichts als vormals übliches Sommertheater. Eine Satire über die Filmzensur, das wäre schon«in Lustspielstoff— aber Herzogs Pointe, daß ein Fiimzenfor in Erinnerung an eine ehe- malig« Etappennacht in Cambrai als grauer Sünder entlarvt wird, ist gar zu billig und ist auch im Tone verfehlt. Die zahlreichen Witze und Wigchen, unter denen viele als uralte Bekannte zu de- grüßen waren, wurden von Leo Pcukert, Ursula Grabley und Franz K l e b u s ch leidlich im Konversationston und am besten von Wolsgang Staubte heruntergespielt und fanden erheblichen Beifall des Frühlingspublikums. zw. Albert Moll. Zum 20. Geburtstag am 4. Mai. Sanitätsrat Dr. Albert Moll ist eine der bekanntesten und prägnantesten Erscheinungen der Berliner Aerztewelt und ist aus dem wissenschaftlichen Leben der Stadt in den letzten Jahrzehnten nicht fortzudenken. Schon in jungen Jahren machte er aus sich aufmerksam durch sein Eintreten für den H y p n o t i s m u s— so lautet auch der Titel seines Hauptwerkes—, der damals noch als Humbug und Scharlatanerie verschrien war. Albert Moll wurde der Vorkämpfer des wissenschaftlichen Hypnotismus und mußte sich, wie alle Vorkämpfer, zuerst schwere Anfeindungen gefallen lassen— bis es ihm gelang, das Verständnis für dies« interessante Materie zu erwecken und die medizinische Wissenschaft um eine neue Me- thode zu bereichern. Neben dem Hypnotismus wandte Moll sein Hauptinteresse dem Okkultismus zu, dessen unnachsichtiger Kritiker er wurde. Nicht etwa, daß er okkulte Phänomene von vornherein abgelehnt und bestritten hätte,— wohl aber forderte er für die behaupteten Phänomene wissenschaftlich einwandfreie Be- weise. Um die Einführung der P s y ch o t e ch n i k hat Moll eben- falls nicht geringe Verdienste. Von seinen Schriften ist außer dem„Hypnotismus" das mehr- bändige Werk„Libido sexualis" hervorzuheben, und ferner die Neuherausgabe des Krafft-Ebingfchen Werkes„?s>cKopatbia sexua. Iis". Jahrzehnte hindurch führt Moll den Vorsitz der Psycho- logischen Gesellschaft, die noch heute unter dem Namen „Berliner Gesellschaft für Psychologie und Charakterologie" fort- besteht und durch wertvolle Vorträge in weiten Kreisen gewirkt hat. Leider erfreuen sich die neuen Richtungen der Psychotherapie, denen wir doch viel tieferen Einblick in das menschliche Seelenleben und größere Heilerfolge verdanken als dem Hypnotismus, nicht der gleichen Beliebtheit und Förderung durch die Gesellschaft, wie es früher neuen und fortschrittlichen Richtungen gegenüber der Fall war Im Festsoal des Aerztehauses findet heute abend ein« Fest- sitzung zu Ehren von Sanitätsrat Dr. Moll statt. Dr. L. H. Arbeitsgerät ig in Krankfurt a. M. Bei diesen Betrachtungen spielt das Arbeitsgerät eine untergeordnete Rolle, das Werkzeug, das eine Fortsetzung des Körpers, der Hand, fein soll. Viel zu langsam dringt die eigentlich so nahe liegende Weisheit durch, daß man bei der Werkzsugarbeit lieber sitzen als stehen soll. Hier Helsen, vor allem in kleineren und mittleren Betrieben, oft Improvisationen, wie Arbeits- stützen oder der Arbeit angepaßte Stuhlbauarten. Man hat durch Versuche festgestellt, daß z B. beim Löten eine Erhöhung der Arbeitsleistung um etwa 8 Proz. möglich ist, wenn man vom Stehen zum Sitzen übergeht. Daß der Griff des Werkzeugs der Hand angepaßt sein muß, ist selbstverständlich, und damit zusammen hängt das persönliche Verhältnis des Arbeiters zu seinem Werkzeug, aber auch die Notwendigkeit, ganze Werkzeugsätze mir möglichst gleichen Griffen auszustatten. Die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes soll zu einer flüssigen, abgerundeten, pendelnden Bewegung zwingen. So hat man die einzelnen Tätigkeiten der Werkstatt durchforscht, hat das günstigste Gewicht und die beste Stiellänge der Hämmer festgestellt, aber auch den Einfluß des Lärmes, der Raumtemperatur und der minütlichen Schlägezahl bei der Hammcrarbeit. Es hat sich gezeigt daß, entgegen der ursprünglichen Ansicht der in Postanstaltcn vielfach verwandte Stempelhammer schlechter ist als der.itte Hand- stempel, während das Maschinenstempeln natürlich beide übertrifft. Es hat sich gezeigt, daß beim Feilen die höchste Leistung in etwa 60 Proz. der Körperhöhe erzielt wird. Man hat bei der Schaufel- arbeit die beste Stellung, das günstigste Lastgewicht festgestellt, zu schweigen von den Erfolgen bei der Maurerarbeit, die ja seit Taylor und Gilbreth das klassische Feld der Arbeitsphysiologie geworden ist. Man hat aber auch die gesundheitlichen Gefahren vieler Arbeiten nicht vernachlässigt. Schließlich sei noch das weite Gebiet der H a u s- f r a u e n tätigkeit genannt, das man durch zweckmäßige Geräte immer mehr erleichtert. Die Maschine steht in weniger inniger Verbindung init dem Arbeiter als das Werkzeug. Oft dient sie nur zur Verstärkung der Leistung, wie etwa das Preßlustgerät. Aber bei einer Revolver- drehbank kann von dieser Beziehung schon gar keine Rede mehr sein. Hier wird die grobe Muskelarbeit immer mehr ausgeschaltet und die Intelligenz des einzelnen eingespannt. Die Folge kann, vor allem bei der Bandarbeit, eine weitgehende Monotonie sein, die aber nach Koelsch nicht die ihr oft zugesprochene schädliche Rolle spielt. Der Durchschnittsarbeiter soll, meint der Vortragende, durchaus die auto- matische, große Hebung erfordernde, dafür aber Gedanken frei- gebende Beschäftigung vorziehen. Ebenso soll eine Gewöhnung an den Lärm nicht nur in der Fabrik, sondern auch bei der Schreib- Maschinenarbeit schon nach sehr kurzer Zeit eintreten. Das alles ist nur ein Bruchteil des auf dieser Tagung Vor- gebrachten, aber schon diese wenigen Einzelheiten, ausgewählt aus zahlreichen Industrien und Gewerben, lassen die Bedeutung der wissenschaftlichen Durchforschung der Einheit„Mensch und Arbeits- gerät", kurz der modernen Arbeitsphysiologie, klar erkennen. Oipl.-Inx. A. Lion, Berlin. Ltnser neuer Roman. Von morgen ab erscheint in unserem Romanfeuilleton Oskar Wöhrles geschichtlicher Roman Jan Hus. Der letzte Tag. Einen Tag Mittelalter beschwört der Autor, den Tag, an dem Hussens Schicksal auf dem Konzil in Konstanz entschieden wurde. Ungeheuer farbig und lebendig ersteht dieser eine Tag mit seinen mannigfaltigen Strömungen und geballten Energien: Kaiser und Reich, die Kirche, die Böhmen, Hussens Freunde, das derb zupackende Leben der Bürger und im Mittelpunkt aller dieser Strebungen der eine Mann, das Symbol des tschechischen Volkes, Jan Hus. Dieses Stück Geschichte ist keine Flucht in die Romantik mit Butzenscheibenstimmung, sondern bis zum Bersten erfüllte Wirklichkeit. Bedeuisame Atomzertrümmerunq. Im Cavendish-Laboratorium in der Universität Cambridge ist es zwei jungen englischen Physikern nach dreijähriger Arbeit zum erstenmal gelungen, mit Hilfe hochgespannter elektrischer Ströme Atome zu zertrümmern. Man würde diese sensationelle Mitteilung nicht zu glauben wagen, wenn sie nicht ausdrücklich von dem her- vorragendsten Fachmann auf diesem Gebiete, dem berühmten Physiker Rutherford, bestätigt würde. Rutherford ist bisher einer der erfolgreichsten Atomzertrümmerer gewesen. Er hat allerdings wie alle anderen Forscher für die Zertrümmerung von Atome» stets die Alphastrahlen des Radiums benutzt. Der Mensch fand sie in der Natur selbst vor, da er keine anderen Möglichkeiten hatte, die mit ungeheuren Energien gefesselten Atome zu zerschmettern. Die beiden englischen Physiker W a l t o n und C o ck r o f t haben nun zum erstenmal elektrische Ströme erfolgreich für die Atom- Zertrümmerung benutzt. Ist schon der Vorgang selbst von unabsehbarer Tragweite, so ist aber ein anderer Umstand geradezu märchenhaft. Es wurde festgestellt, daß bei der Spaltung der Atome Energiemengen srei� geworden sind, die viel größer waren als die Energie, die man zur Spaltung der Atome brauchte. Es ist also zum ersten Male ge- lungen, mit Hilfe einer Arbeit mehr Energie zu gewinnen als man hineingesteckt hat. Der erstaunliche Vorgang ist dadurch zu er- klären, daß in der Materie ungeheure Energien gefesselt sind. Durch die Zertrümmerung der Atome werden diese Energien frei, und es zeigt sich, daß man tatsächlich mehr Energie erzeugen kann, als man hineingesteckt hat. Die Erkenntnis des Wesens des Atoms hat das physikalische Weltbild der letzten 30 Jahre völlig revolutioniert. Ee scheint, als ob die Umwälzung noch lange nicht abgeschloffen ist. K. A. Ein Drama erinnert an Briand und Stresemann. Im Pariser Theater L' A v e n u e wurde zur Erinnerung an Briand und Stresemann Fred A. Angermayers„Achtung, Parade!" ausgeführt, dem die frcmzösffchen Uebersetzer den Tttel „Niemals mehr so" gegeben haben. Die Veranstaltung ging von der Vereinigung„Die Freunde Briands" aus und war auch von Deutschen zahlreich besucht. Das Stück interessierte und löst« Beifall aus, jedoch keine Begeisterung. Es wurde ausgezeichnet gespielt. Der Ausführung ging vorauf ein Prolog von Maurice Rostand, in dem der Dichter ein offenes, freimütiges Bekenntnis zur deutsch- französischen Verständigung ablegte. E>n Slodttheoter mit steigender Besucherzahl. Das Stadttheater Frankfurt a. d. O. hat in der Spielzeit 1931/32, der dritten unter der Leitung des Intendanten Robert Bürkner,«inen Besucher- zuwachs von 10 Proz. gegen die vorige Spielzeit und von 60 Proz. gegenüber der letzten Spielzeit vor Uebernahme des Theaters durch den jetzigen Intendanten erzielt. Die Einnahmen der Spielzeit 1931/32 haben das Etttt-Soll erheblich überschritten. Oie Baumwollenen in Manchester. Llm 25 Zahre wollen sie zurück. London, 4. Mai. Wie„Daily Telegraph" aus Manchester meldet, Hai die Vereinigung der Laumwollwebereibesther gestern beschlosten, alle mit den Gewcckschasicn abgeschlossenen Verträge zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt zu kündigen. Zur die Mastnahme stimmten 98� Proz. aller Mitglieder. Das System der Kollektivverträge. das seit 25 Jahren in Kraft war. ist damit beendet. Die Arbeitgeber wollen seht von sich aus nach eigenem Ermessen Arbeitszeit und Löhne s c st s e h e n. Es ist eigentlich noch recht bescheiden gedacht von den Manchester- lcuten in Baumwolle, die Krise nur soweit auszunützen, daß die Zu- stände vor 25 Jahren wieder herbeigezaubert werden. Mit der gleichen Aussicht auf Dauererfolg könnten die Herren gleich um lOO Jahre zurückgehen und das von Karl Marx und Friedrich Engels hinreichend gekennzeichnete Ausbeutungssyftem heraufbeschworen. Wenn es schon aufs Ganze gehen soll, warum dann noch Halbheiten! Oie Fleischeraussperrung in Dänemark. Durch landwirtschaftliche Genossenschaften. Die genossenschastlichen wie die privaten Echweineexportschläch- lereien kündigten den Kollektivvertrag, um eine Lohnkürzung von 29 Proz. durchzusetzen. Nach dreimaligen ergebnislosen Berhand- lungen kündigten die Unternehmer die Aussperrung zum 45.'April an. Nun griff der staatliche Schlichter ein. Er schlug vor, die Lökne von 55, 58 und 69 Kronen um 2 Kronen, die übrigen Lohnsätze um 3 Proz. zu kürzen. Die Arbeiter lehnten diesen Bor- schlag mit 325? gegen 1984 Stimmen ab, die kleine Gruppe der Privatschlächtcr nahm den Vorschlag an, während 24 Genossenschasts- schlächtereicn für und 36 gegen den Vorschlag stimmten. Es handelt sich hier um Dänemarkswichtig st e Export- Industrie. Der Ministerrat befaßte sich mit dem Konflikt. Der dänische Gesandte in London telegraphierte, daß ein Still st and im Baconexport nach England unermeßlichen Schaden anrichten würde. Die unversöhnliche Stimmung der Ar- b e i t e r s ch a f t machte einsichtigen Erwägungen Platz, und die Verbandsleitung wurde ermächtigt, für die Annahme des Vorschlags des Schlichters(2 Kronen pro Woche Lohnabbau) zu wirken. Der letzte Einigungsversuch wurde am 29. April unternommen. Er scheiterte an dem Widerstand der landwirt- schaftlichen Genossenschastsschlächtereien, die am Freitagabend ihre Tore schlössen. Ausgesperrt sind 4 599 Fleischer und Maschinisten, während weitere 5999 Arbeiter in Transport- und ver- koppelten Betrieben indirekt betroffen werden. 23. Abt. Jüngere Parteimitglieder. Morgen, Himmelfahrt, Wanderung nach Meihners Hof. Treffpunkt: 7 Uhr früh Seeftraßc Ecke Müllerstraße.(Von der Wanderung nach Bernau wird Ab- stand genommen.) Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, vereinzell Schauer, nördliche Winde, ziemlich kühl, aufkommende Nachtsrostgeiahr.— Für Deutschland. Allgemein veränderlich mit einzelnen Schauern, im Norden und Osten wenig Temperaturänderung, im Süden tags- über etwas wärmer, nachts allgemein einsetzende Bodenfrostgesahr. e Buch Meinrirti f diiHrd Jacob: Xiebc in Ilcsküb Heinrich Eduard Jacobs Novelle von der Liebe in Uesküb wird durch den Paul-Zsolnay-Berlag die'Ausstattung eines Romans gegeben: auch vom Dichter wird sie als Roman firmiert; dennoch bleibt es eine Novelle: das ist ihr Reiz. Denn für einen Roman hätte das eben nicht neue Thema vom Freudenmädchen, das von echter Liebe gepackt wird und daran zerbricht, kaum ausgereicht. So aber schafft Jacobs sanfter, zärtlicher Stil die graziös hin- getuschte Vision von der Autosohrt eines verliebten Paares durch den Balkan— wobei auch der Balkan verliebt und zärtlich gesehen wird: nichts von der wilden Wucht der Karstberge, nichts von der düsteren sozialen Problematik dieses durch Armut, Nationcnhaß und Konsessionsstreit zerrissenen europäischen Orients: dafür pla- stische, lockende Landschaftsschilderungen. Die Tragik allerdings. die das Freudenmädchen in den Tod gehen läßt, als der Geliebte es versetzt, die bleibt Staffage, und der Dichter braucht denn auch Unmengen an Staffage aus der Requisitenkammer des gewiegten Literaten, um die Tragik zu ermöglichen. Der Mut zum Happycnd hätte sich besser rentiert. Dennoch ein Buch, das mit Geschmack unterhält. H. M. Mittwoch, den 4. Mai 1932 Berlin. 16.03 Ans der..Volksbühne": Veranstaltung zum Besten des Vereins für Berliner Ferienkolonien. 17.03 Unterhaltungsmusik. 17.30 Jugendstunde: Balladen von Peter Sdinellbach, Sprecher: Dr. H. Schiff. 17.30 Das musikalische Magazin. 18.30„Rechtsfragen des Tages"(Geh. justizrat Prof. Dr. Eduard Heilfron). 18.35..Die Funkstuntie teilt mit..." 19.00 Stadtkämnierer Bruno Asch: Der neue Etat von Berlin. 19.10„England in den letzten vier Wochen" (O. T. Schweriner). 19.30 Alt-Berliner Tanzabend. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Aus Hamburg:„Der Strom— ein Leben". Auftakt von E. Brahms. Musikalische Leitung: A. Secker. 22.00 Politische Zeitungsschau(Dr. J. Räuscher). 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.30 Aus München: Konzert. Königs Wusterhausen. 16.00 Der Landlehrer als Büchereileiter(P. Petersen). 16.30 Aus Hamburg; Konzert. 17.30 Technische Erfindung und Wirtschaftskrise(Prof. Dr. E. Marx). 18.00 Volkstum und Exotik in der Musik. 18.53 Wetterbericht. Viertelstunde Funktechnik(Obering. Nairz). 19.10 Die Wirtschaftslage Englands(Geh. Reg.-Rat Dr.Demuth) Sonst: Berliner Programm. Donnerstag, den 5. Mai 1932 Berlin. 6.00 F unkgymnastik. 6.15 Aus Hamburg: F rühkonzert. 8.53. Morgenfeier. 10.03. Wettervorhersage. 11.00 Kindermärchen(Lisa Tetzner).- 11.30 Aus Leipzig: Reichssendung; Bachkantate. 12.10 Gerhart Hermann Mostar: eigene Gedichte. 12.20 Mittagskonzert. 14.20 Herbert Eulenberg liest eigene Dichtungen. 14.30 Blindenkonzert. 13.33„Der Berliner im Wasser"(H. Clajus). 16.00 Au> Breslau:„Der Winter ist vergangen, ich �eh' des Maien Schein"(Eine musikalische Folge). 16.40 Von der Baumblüte in Guben. 17.10 Blasorchester- Konzert. 19.00„Geliebtes Berlin"(PaulGrätz). 19.30 Sportnachrichten. 20.00 Orchester-' konzert. 22.00 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 8.00 Bachkantate. 8.30 Aus Klopstocks„Messias"(K. Bethke). 11.09 Der Mai im deutschen Volksglauben(Prof. Dr. L. Schreyer). 12.10 Von der Kundgebung:„Das Theater dem Volke"(Ansprachen: A. Brodbeck, D. Stetter. Rezitation' A. Beierle. Lieder: B. Grollmann. Berliner Symphonieordiester. Orch. der Staatsoper und der Stadt. Oper, V ereinigte Chöre der Staatsoper u. d. Stadt. Oper: Leitung: Generalmusikdirektor Leo Blech). 14.20 Maria Klein con Diepold; Eigene Lyrik 14.30 W iederkehr des Genies(A.-Kahane) 14.33 Lesest» ude(F riedel Kamnitzer) 15.10 Aus Hamburg: Altdänische Balladen und Romanzen. 16.15 Erholungsreisen zur See aul deutschen Schiffen(II. Merleker). 19.00 Aus Langenberg: Eine Stunde Kurzweil. 19.43 Reise in Deutschland! Dr. H. Eddelbüttel). 20.00 Aus Langenberg:„Die Entführung aus dem Serail, Singspiel von Mozart.— Sonst: Berliner Programm. V ollständisres Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts'VBoten oder die Postanstalten. giccju 1 Beilage. r/ieafcc. Ltdilspiele usw Slaafs fe Thcafcr Mittwoch, den 4. Mai Staatsover Unter den unoen I9>-'2 Uhr Ariadne auf Naxos A» 3.15 Uhr Flora 3434 Uaudien erlaub! Die uariete-Reuue „0 schöner mal" i. Jon lenz u. Liebe" Himmelfahrt 2 Vorstellungen 4 Uhr u. 8.15 Uhr. 4 Uhr Kleine Pr StaatLSdiauspielbaus iiendarmenmarkt. 20 Uhr Die endlose Straße Schiller-Theater Chaxlottenburg. 20 Uhr Cyrano von Bergerac S«.8i5St!S.2, 5,815(1, Bis einschl. 8. Mal verlängert! DerVogelhändler Ab 9. Mai: ,DieDubarry' Slädf.Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Mittwoch, 4. Mai Turnus I Don Giovanni Helm.Schiracb, Fri nd, Husch, Fidesser, Audreseo, Bau mann, Heyer Anfang 19.30 Uhr Ende gegen 23 Uhr f nserate tm vorwärts sichern Erfolg I VoiHsbüline Theater am Bülowplalt 8 Uhr Sturm im Wasserglas mit Hansi Niese Komödie in 3 AKien von Bruno Frank Regie: A.M. Rabenalt Staatl. Sdiiller-Tliealer 8 Uhr Cyrano von Bergerac HAUifflLAND knugung� KedaHt Berlins! 1AX RCINH/\I IMZCMERJMG Oeiitsdies Theater 8 Uhr Vor Sonnen- Untergang v Gerh.Haupimann Regie: Max Reinhardt Theater am Schiffbauerdamm Heute 8 Uhr Uraufführung Die Mllhg des Rose- Tüeater inlt Fraikfirter Stritt 132 Iii. Weidntl£ 7 34P S und 9 Uhr Die Frau, die jeder sudit (ßefchäfk-Jtnjeiger t föeziwfz tfüden-Wefien Fr. Fischer&Co. Gegründet 1899 Büro- und Kartothek- Möbelfabrik- Kompletter Innenausbau Johannisthal, Walcistp.14-15 Telephon: Oberssrse F. 3 0Z32 33 Georg Rinneberg Berlin-Steglitz Fernspr. G 9 Albrecht. 4805 Beymestr.3 Dieselmotoren-Treiböl— Dieselmotoren- Zylinderöl Braunkohlemeeröl z Paraffinöl /Gasöl zWaschpetroIeum Heizöl z Braunkohlenteer-Benzin z Braunkohlenteer- PechzRohesu gebleichtes Montanwachs Marke.Riebeck" Paraffin— Ricbeek-Kerzen Gustav Schmalfuß Fleischermeister Undenhalle: Stand 3-5 Prima Fleisch- und Wurstwaren en gros zu den billigsten Tagespreisen en detail F. 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Behörden Autobereifung* Wiltielm Grabs Vertrieb in- und autländitcfaer Reiten Autoreifen- und Sdilauch-Reparatur- Werkslätte/ Autozubehör Berlin SW 48, Friedrichstr. 249 Nahe Bene-Allfance-PIatz- Tel. F 5 BerSmann 4736 „Vorwärts"- Leser, kauft bei unseren Inserenten! (Beilage Mittwoch, 4. Mai 1932 �nJrmxga/L sie». Ibfvrasfa (MevoCution im? (fyeticHt üßei eine£\$indun$/ Won(petcx(pxdioxiHh Aus Hamburg dringt merkwürdige Nachricht. Ein bisher un- bekannter Erfinder will ein Flugzeug konstruiert und auch vor- geführt haben, das gänzlich ohne Propeller fliegen soll. Da die meisten derartigen Gerüchte meist schon am folgenden Tage dementiert werden, muß man sich an Ort und Stelle von der Richtig- keit der Angaben überzeugen. Auf Deutschlands modernstem Flugplatz in Hamburg- Fuhlsbüttel steht die Maschine, die man nach einigem Suchen findet. Rein äußerlich betrachtet sieht sie fast wie alle anderen Maschinen aus, wenn auch vielleicht etwa- primitiv und im Rumpf gedrungener. Die Spitze läuft in einer Kugelform aus und da ihr jeder Ansatz für die Propeller fehlt, meint man zunächst eine halb- fertige Flugmaschine zu sehen. So leicht es war, diese propellerlose Maschine zu finden, so schwer ist es den Konstrukteur zu finden. Ihm geht es wie vielen anderen unbekannten Erfindern, die ohne Eigenkapital und ohne finanzielle Hilfe arbeiten, denn er sitzt zur Zeit ohne einen Pfennig Geld da und muß— nur um leben zu können— als Autofahr- lehrer arbeiten. Auskunft gibt er auch zunächst nicht gerne, denn er befürchtet stets, daß seine Not ausgenutzt wird, daß andere die Früchte seiner Arbeit einheimsen wollen. Erst nach langem Zögern entschließt sich Herr V o l p e r t, so heißt der Erfinder dieser Neu- konstruktion, aus seinem recht abwechslungsreichen Leben zu er- zählen. Herr V o l p e r t stammt aus Westfalen und hat sich seit seiner Jugend mit der Flugtechnik beschäftigt. Allerdings meist neben- beruflich, bis er bei Versuchen, die er praktisch ausführte, auf Be- rechnungsschwierigkeiten stieß. Die Folge war, daß er sich sofort auf das Studium der notwendigen Fächer warf und auf den Universitäten von Münster und Köln Mathematik und Naturwissen- schaften erlernte. Zunächst baute sich Volpert einige kleine Maschinen, die er in sogenannten Windkanälen erprobte. Sein Geheimnis, das er da- mals streng zu hüten verstand, bestand darin, daß er sich sagte: wenn die bisherigen Flugzeuge auch stets nur mit dem Propeller- antrieb fliegen, muß es doch eine Möglichkeit geben, diese Antriebs- kraft zu ersetzen und zwar auf einer Grundlage, die den Flug an sich billiger und rentabler gestaltet. Besonders fiel es Volpert auf, daß bei allen bisherigen Flugzeugkonstruktionen nie die Frage der Windausnutzung behandelt wurde. Volpert fand damals, daß der Einfluß der Windströmungen aus da- Flugzeug wesentlich ver- ändert werden könne, wenn die Flügelstellung neu konstruiert wäre. Daher baute er an seine Maschine neue Tragflächen mit den von ihm berechneten und erprobton Winkelmaßen. Die natürliche Strömung der Winde wurde von ihm als Triebkraft ausgenutzt. Jahre vergingen mit diesen Versuchen. Die ersten Apparate zerschellten, neue wurden gebaut, bis endlich V o l p e r t s Bruder, der als Kaufmann in Hamburg lebt� seinen Bruder nicht nur zu sich nahm, sondern ihn auch finanziell unterstützte. Jetzt ging es fast mit Blitzesschnelle vorwärts. Eine große Maschine baute sich Volpert und zeigte sie der Oeffentlichkeit. Die großen Flugzeug- firmen zeigten wenig Interesse für das neue Flugzeug, mehr interessierten sich die aus dem Flugplatz Hamburg stationierten Piloten für die Maschine. Das jetzt fertige Flugzeug sah äußerlich zwar unvollkommen und für einen großen Flug zu leicht aus: inner- lich aber trug es schon sämtliche Merkmale der neuen Erfindung. Seiten und die Unterseite des Rumpfes waren rund und gaben der Maschine fast das Aussehen einer Zigarre. Es fielen besonders die Oefsnungen aus, denen breite Auspusfausbuchtungen vorgelagert waren. Diese Ausbuchtungen befinden sich bei sämtlichen Volpertschcn Maschinen und beherbergen die wesentlichste Erfindung de- Flug- zeugs. Inmitten des Rumpfes ist ein großer Turbogenerator ein- gebaut. Eine Windmaschine, die die notwendige Lusströmung er- zeugt, um die Maschine flugmöglich zu machen, lieber diese Er- sindung spricht Herr Volpert wenig, da er ständig in der Angst lebt, daß Konkurrenten seine Notlage ausnützen könnten. Erst nach einigem Sträuben berichtet er „Gegenüber den Propellcrflugzeugen, bei denen der Vortrieb durch den Propcllerzug erzeugt wird, beruht der Vortrieb meiner Erfindung auf Kräften, die an den Flügeln austreten. Statt des Propellers habe ich ein Gebläse in die Maschine gebaut, durch dessen Strämungsändcrungen die Auftriebskraft vermehrt wird. Die von mir gefundene Lösung ist eigentlich nicht so überraschend, wenn man bedenkt, daß sie einfach die Umkehrung der Bewcgungsvorgänge beim Flügelschlag eines Vogel- darstellt. Wenn der Bogel seine Flügel zur ruhenden Luft bewegt, erzeugt er damit den zu seiner Fortbewegung erforderlichen Vortrieb Bei meinem Flugzeug wird die Luft zu den ruhenden Flügeln bewegt. Man muh sich das so vorstellen, daß die Windmaschine ihre Luftkraft durch Kanäle und die— rein äußerlich zu sehenden— Auspufföfsnungen bis dicht unter die breiten nach oben gewölbten Tragflächen leitet. Die Trag- flächen wieder werden durch den Druck zunächst nach vorn und dann nach Einstellung des Höhensteuers nach oben gedrückt. Die Tragluft also, die das Segelflugzeug bisher nur bei einem Ablauf von der jhöhe und bei starkem Gegenwind vorfand, wird durch den ringe- bauten Turbogenerator sozusagen synthetisch erzeugt und drückt die Moschine zwangsläusig in die Höhe Meine Neukonstruktion beruht also erstens in der Windmaschine und dann in der Einstellung der Tragflächen." „Was war der Grund warum Sic diese Maschine schufen? Die bisherigen Maschinen haben doch scheinbar ihren Zweck erfüllt?" „Ich bin der Ansicht, daß der Stand einer bestimintcn Technik nie auf dem Höhepunkt steht, sondern ständig verbessert und auf- gebaut werden muß. Richtunggebend für meine Erfindung war, daß man billiger fliegen muß. Mit SO P r o z. Brennstoff- e r s p a r n i s arbeite ich schon heute und werde sicher auf einen höheren Prozentsatz kommen. Außerdem stört der ewige Kreislauf de- Propellers. Nicht zu vergessen, daß ich das Problem des Lang- st r e ck e n s l u g e s ebenfalls restlos zu lösen vermag!" Volpert baute nun— um mit seiner Lebensgeschichtc fort- zufahren— in Hamburg eine große Maschine, die fast allen Er- sordernissen entsprach. Die in Fuhlsbüttel stationierten Piloten schlugen aus ihrem Kreis Herrn Graf von Reventlow vor, der auch wirklich vor einem Jahr etwa die Maschine flog. Wenn auch nur eine verhältnismäßig geringe Höhe erreicht wurde, lag das weniger an der Konstruktion, als an der Maschine selbst, die wiederum zu wenig stabil gebaut war. Mehrere Male stieg Herr Volpert selbst auf, um alle restlichen Mängel zu beseitigen. So verging auch das letzte Jahr sehr rasch. Mitten in seiner Arbeit starb sein Bruder und Geldgeber, und da Herr Volpert selbst über keine Mittel verfügt, mußte die Arbeit eingestellt werden. Heute ist der Erfinder der propellerloscn Maschine Fahrlehrer in einem Automobilgcschäst. Lediglich seine freie Zeit verwendet er für seine Maschine, die nach seiner Ansicht in wenigen Wochen wieder startbereit vor der Halle stehen wird. Und dann will er feine Flugmaschine ollen jenen Kreisen vorstellen, die bis heute sich von dieser Erfindung keine Erfolge versprachen. fflug im(ßtegen (aiuct dutefi WoikeHÜänße üße\ ätand und �foftxdc Grau und düster stehen Wolkenbänke über Land und Föhrde. Graue Ballen wälzen sich langsam über den Himmel, hängen so tief, als wollten sie die Erde berühren In kurzen, schlaffen Böen torkelt der Wind über den hochgelegenen, weiten Flugplatz. Der Propeller an der kleinen Iunkersmaschine dreht seine ruhigen Touren, wie der Mann, der müllert, um langsam warm zu werden. Baum und Strauch, Schuppendach und Flugzeugflügel triefen von Nässe. Der Flugzeugführer, unförmige Gestalt in Pelz und Leder, springt mit hastigen, ungelenken Sprüngen zur Maschine. Die Passagiere schlagen für den kurzen Weg vom Flughafengebäude zum Flugzeug die Mantelkragen hoch. Front gegen den Wind geht die Maschine mit Vollgas an. Eine unheimliche Geschichte, denn die 800 PS des Motors zwingen den ganzen Apparat von der äußersten Propellerspitze bis zum hintersten Schwanzstück in ihren Takt. Es dröhnt nicht mir in den Zylindern: es dröhnt durch die Aluminnimwände, es dröhnt in den Schädeln der Passagiere, es zittert der Boden im Takte des Motors, es zittern die Koffer und Taschen, es zittern die Klubsessel, es zittern die Passagiere von den Fuß. bis in die Fingerspitzen. Das bißchen Hopsen über die Grasnarbe des Platzes geht unter in diesem Dröhnen und Beben. Die Frage, wann man aufhört zu fahren und ansängt zu fliegen, bleibt unbeantwortet von dem Gewalttatte des Motors. Nicht rechts, nicht links, nicht oben noch unten ist wichtig, sondern die Totsach«, daß man eingesangen, mitgehangen ist von dem heu- lenden und tanzenden Teufel da vorn vor dem Führer. Das Flug. IPefieCscßutt PtaßiiAcfic Winße/ Ton Hanhetie Roggow Heber die Notwendigkeit eines umfassenden Vogelschutzes gibt es heute keine Meinungsverschiedenheiten mehr. Aufgabe bleibt es, prakttsche Wege eines zweckmäßigen Vogelschutzes zu weisen. Das einfachste Mittel ist die Schaffung von Verhältnissen, die den natür- lichen Lebensbedingungen der Vögel am nächsten kommen. In Waldstücken und großen Parks ist es leicht, Vogelschutz zu treiben. Schwierig wird die Sache in Kleingärten, in Sied- lungen und Laubenkolonien. Wohl kann der einzelne Anlieger eine ganze Menge für den Vogelschutz tun: wirklich erfolgreich wird das Vorgehen jedoch erst, wenn die Siedler und Kleingärtner gemein- sam Einrichtungen für den Vogelschutz treffen. Für die Winterfütterung kann die Kolonie gemeinsam ein Futterhaus oder mehrere anlegen, und es kann gemeinsam für geeignete Nistplätze gesorgt werden. Für Rcisighaufen, wilde Gebüsche und Bäume, die den Vögeln gerne als Nistplatz dienen können, ist im Kleingarten wenig Platz. Und doch läßt sich mit gutem Willen einiges schaffen. Es ist z. B. möglich, in größeren Kolonien die Zäune, die die Grundstücke abgrenzen, durch Hecken zu ersetzen, die den Vögeln idealen Unter- schlupf und gute Nistgelegenheit bieten. Jeder Gartenbesitzer opfert dabei nur einen schmalen Streifen Land, der wegen des Zaunes doch nie richttg ausgenutzt wird. Im Einzelgarten lassen sich am Komposthaufen sehr gut Sträucher für den Vogelschutz anpflanzen: denn gerade dort werden die Vögel am wenigsten gestört, und der Kompost Haufen wird durch die Sträucher verdeckt. Wo die Möglichkeit besteht, N i st k ä st e n auszuhängen, sollten sie von der Siedlerorganisation beschafft werden, weil dadurch eine gewisse Verbilligung eintritt und auch besser auf die zweckmäßige Form der Nistkästen gesehen werden kann. Solche Nistkästen haben nämlich nur dann Wert, wenn sie den in der freien Natur von den Vögeln bevorzugten Höhlen entsprechen. Bei den einfachen, selbst- gebauten Kästen kann man z. B. beobachten, daß die Vögel die Ecken mit Kot und Unrat ausfüllen, ehe sie ihr Nest hineinbauen. Damit schleppen sie Ungeziefer und Krankheiten in ihr Nest, und viele Vögel gehen so zugrunde. Beim Bau von Kleinhäusern kann der Vogelschutz durch den Einbau sogenannter N i st st e i n e wesentlich gefördert werden. In einzelnen Gegenden Deutschlands wird bei dem behördlich unter- stützten Wohnungsbau die Hergäbe von Mitteln sogar davon mit abhängig gemacht, daß diese Niststeine eingebaut werden. Niststeine werden besonders vom Hausrotschwan;, dem Fliegen- schnapper und der Bachstelze benutzt, während die ausgehängten Nistkästen vom Baumläufer, dem Gartenrotschwanz, dem Klein- spccht und den Meisenartcn bevorzugt werden. Die Schwalben kleben ihr Nest in geeignete Winkel am Hause und unters Dach. Nachtigall, Rotkehlchen. Stieglitz, Zaunkönig, Fmk, Grasmücke usw. bauen dagegen lieber in Bäumen und Sträuchcrn. Als Nistgelegenheit für Vögel sind besonders die folgenden Bäume geeignet, die sowohl für den Garten als auch für die Ein- fasiung von Straßen in Frage kommen: Feldahorn oder Maßholder, Kugelahorn, Schwarzerle, Hain- oder Weißbuche(auch als Hecke zu ziehen), Kugelesche, Hopfenbuche. Birn- und Aepfelbäume, die Pyramidenpappel, die Stiel- oder Sommereiche, die Robinie oder falsche Akazie, die Weide, wenn sie jährlich geköpft wird, die Linde und die Feldrüster. Zier- und Nutzgewächse des Gartens, die als Nistgelegenheit für Vögel in Frage kommen, sind die Felsen- birne, die Mahonie oder Berberitze, der Buchsbaum, die Waldrebe, der Blasenstrauch, Hasel und Quitte, Weißdorn, Spindelbaum oder Pfaffenhütchen, Efeu, Hülsen- oder Stechpalme(Jlex), Liguster oder Rainweide, Geißblatt oder Heckenkirsche, Bocksdorn, Jasmin oder Pfeifenstrauch, Steinweichsel. Schlehe oder Schwarzdorn, Feuerdorn, Kreuzdorn, Wegedorn oder Faulbaum, Johannisbeere, Stachelbeere, Ahlbeere, Goldtraube, Himbeere, Brombeere, Spiräa oder Spier- strauch, Schneebeere. Flieder, Taxus oder Eibe und Thuja oder Lebensbaum. Zum Schluß seien einige Gewächse genannt, deren Früchte von Vögeln gern genommen werden und die man deshalb im Vogelschutz als Vogelnährgehölze bezeichnet. Hierher gehören alle Nadelbäume, alle Arten der Mahonie oder Berberitze, der Waldrebe, der Eornelkirsche, der Zwergmispel, der Rose, der Himbeeren und Brombeeren, ferner der Spindelbaum oder das Pfaffenhütchen, die auch als Hecke zu ziehende Rotbuche, der Sanddorn, die Stechpalme, Liguster oder Rainweide, Geißblatt oder Heckenkirsche, weiße Maul- beere. Knöterich, Steinweichsel. Schlehe oder Schwarzdorn, Feuer- dorn. Holunder, Eberesche. Kranzspiere und Flieder. Ein paar dieser Gewächse lassen sich in jedem Kleingarten, in jeder Siedlung und Laubenkolonie anpflanzen. Wenn die Vögel im Sommer das Ungeziefer von den Bäumen und Sträuchcrn und be- sonders vom Kohl vertilgen, wird jeder, der sein Scherflein für den Vogelschutz beisteuerte, mit Vergnügen feststellen, daß der Aufwand nicht nutzlos war. Sollte einmal eine Beere von den Vögeln stiebitzt werden, dann darf man nicht gleich mit Steinen und Geschrei den Uebeltäter vertreiben, sondern sollte daran denken, daß er auf der anderen Seite erheblichen Nutzen bringt. zeug fliegt nicht, schwebt nicht: es hämmert sich hinein in das trübe Nichts zwischen Erde und Wolken, und die Menschen in der Moschine haben mit zu hämmern. Erst wenn der Mensch sich diesem Schicksal ergeben hat, erst wenn er es aufgibt, sich gegen die Diktatur des Motors mit einem Gefühl, sei es Angst oder Wut oder Empörung oder Kapfschlltteln, aufzulehnen, erst dann merkt er, daß er fliegt. im Regen, entlang am unteren Rande der schweren grauen Wolken. 200 Meter über einer rcgenglänzenden Erde. Dies Fliegen aber ist kein geruhiges Gleiten: es ist Kampf mit der Luft, mit dem Regen. Die Luft boxt sich mit der Maschine herum. Es gibt Kinnhaken, gerade Linke, schräge Rechte, und gegen Tiesschlag gibt es anscheinend im Luftreglement keine Bestimmungen. Man wird gehoben, gestoßen, fallen gelassen, hochgezogen wie im Fahrstuhl— dagegen ist nichts zu machen. Mal nimmt eine Bö den linken Flügel hoch, ein paarmal läßt ein Luftloch die ganze Maschine 10 Meter absacken, mal bekommt der Schwanz den Ehrgeiz, nach oben hoch- zubocken, mal steckt der Motor die Nase in die Luft, und man liegt mehr� in der Rückenlehne des Sessels, als man sitzt. Aber unentwegt hämmert der Motor seinen Takt, zwingt immer wieder die Maschine in die Waagerechte, bringt sie vorwärts, mit ISO Kilo- meter Geschwindigkeit in der Stunde. Es regnet. Aber es regnet nicht von oben nach unten. Die Regensträhnen ziehen waagerechte Linien an den Fenstern der Kabine: waagerecht stoßen die Tropfen von den Metallflügeln nach hinten. Und waagerecht, wie ein bunter Bilderbogen, fließt unten die Landschaft vorbei. Braune, gepflügte Felder, tiefgrüne Wiesen, gehegt von Hecken und Zäunen, braune Landwege mit ausgefahrenen Gleisen, an denen man jede Spur und jede Scholle zu erkennen glaubt. Und plötzlich empfindet man, daß es schön, daß es seltsam ist, über diesen Bilderbogen hinwegzuknattern: plötzlich freut man sich der schweren, dunklen Wolken, die so dicht über dem Flugzeug liegen, als könne man sie mit der Hand greifen. Vertraut geworden ist das unheimliche Gefühl, widerstandslos vom Takte des Motors mit- gerissen zu werden, überwunden die Enttäuschung darüber, dnß dieses Durchhauen und Durchschrauben durch die Luft so gar nichts zu tun hat mit dem Schweben und Gleiten, das man auf der festen Erde als fliegen erträumt. Man freut sich und sieht. Gemächlich zieht ein Ackerwagen einem Dorfe zu. Auf dem Marktplatz spielen Kinder und winken der Maschine nach. Ein Mann geht»nter auf- gespanntem Schirme von der Kirche quer über die Straße. Ein einzelnes Gehöft wird querab sichtbar, noch eins, ein anderes Dorf weiter weg-- und wie man den Blick hebt, wie man ihn in der Runde schweifen läßt, erkennt man, daß dieser Bilderbogen da unten eine ganze Welt ist, eine Welt mit Gehöften und Dörfern, mit schwarzen Wäldern und grauweißen Seen, mit rauchenden Schloten inmitten eines größeren Häusergewimmels und mit Menschen, die hier und da, kleine putzige Liliputaner, auf den Feldern arbeiten. Weiter, weiter. Aus einem riesigen Walde steigen grauweiße Wölkchen, puffen die Maschine hoch, lassen sie wieder abgleiten. Die Bäume öffnen sich zu einem Wasserlauf, die Maschine überquert einen See. Es ist, als müsse sie ihn überklettern, um in der Mitte dann plötzlich in ein Tal zu sinken, und als jenseits des Sees das offene Feld herankommt, kündet es sich mit einem kräftigen Haken gegen den linken Flügel an. 25 Minuten. Das Ziel nähert sich, zu dessen Erreichung der v-Zug eineinhalb Stunden braucht. Die Dörfer werden zu kleinen Städten: statt der Bauerngehöfte zeigen sich Wochenendhäuser und Lauben: die Felder sind vermischt mit Sportplätzen: eine erste Straßenzeile mit Villen stößt in das Land hinein. Geradeaus, ver- schwindend in Regenwolken und Schornsteindunst, liegt die Welt- stadt, das Ziel. Autos ziehen gemächlich erste asphaltierte Straßen entlang, auf einem Schulhose spielen Kinder: aus einem Garten springt wütend ein weißer Tcrrier. Ein Schild leuchtet in der Kabine auf: Bitte anschnallen! An den Sesseln gibt es breite Lederkoppel, die man um den Leib zu binden hat. Plötzlich stehen Landschaft und Häuser nicht mehr unter den Flügeln, sondern neben den Flügeln, und der Motor hämmert gradezu in ein offenes Häuserdreieck hinein, das einen weichen, grünen Platz umsäumt. Ein Schornstein bleibt links liegen: eine Fahnenstange winkt, fast gleich hoch, von rechts. Ein kleiner Stoß, anders als das weiche Aufschwingen in der Lust, ein Stolpern und Springen, anders als in der Luft. Plötzlich ist auch dos Hämmern des Motors weg, ein- geschrumpft zu einem hannlosen, langsamen Summen. Man ist wieder auf der Erde. Puck. Die Schule der Arbeitersporller Ein Tätigkeitsbericht der Bundessdiule in Leipzig 3n einem stakllichen Band hat der Leiter der Bundes- schule des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Genosse B e n e d i x, den 7. Tätigkeitsberich! der Schule herausgegeben. Es ist ein Sammelberichl, der die Wirksamkeit der Schule von ihrem Entstehen im Jahre 1320 ab bis zum Ablauf des ver- gangenen Zahres schildert. Die Frage, warum die Arbeitersportler eine eigene Schule haben müssen, beantwortet der Bericht wie folgt: Eigene Lehrgänge für den Arbeitersport sind darum nötig, weil der Arbeitersport in- folge seiner andersartigen Grundeinstellung eine eigene Uebungs- idee, ein eigenes Lehrverfahren und seine eigene Uebungssprache hat. Fremde, von außen her hereingebrachte Grundsätze würden sich nur irreführend dazwischen drängen. Eigene Lehrgänge müssen auch deswegen vorhanden sein, weil die in der Hauptsache bürger- lich eingestellten Leiter von Lehrgängen, in denen Arbeiter- und bürgerliche Sportler gemeinsam unterrichtet wurden, sehr häufig taktlos genug waren, den Versuch zu machen, für eine einheitliche Sportbewegung im Rahmen des bürgerlichen Sports zu werben. Eine eigene Sportschule braucht der Arbeitersport aber schlichlich auch deshalb, weil nur sie ziel- und richtunggebend sein kann, und weil körperliche Erziehung nur unter gleichzeitiger Be- einflussung des Innenlebens möglich ist. Eine eigene Schule ist allein imstande, den technischen und Organisationsleitern im Arbeiter- spart das körperliche und geistige Rüstzeug zu vermitteln, das sie besähigt, im Sinne der Arbeitersportbewegung tätig zu sein. ftiiit Jahre im eigenen Haus. Am 19. September 1931 waren fünf Jahre vergangen, seit die große Schule des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Leipzig er- öffnet wurde. Sie ist inzwischen nicht nur in Leipzig bekannt— in der Stadt gehört die Schule zu den Sehenswürdigkeiten! In- und ausländische Studienkommissionen haben sie besucht, und bei diesen Gelegenheiten kehren erfahrungsgemäß eine Reihe Fragen wieder, die Genosse Benedix in seinem Bericht grundsätzlich beant- wartet. Woher kommen die Schüler und wie sind die Bedingungen für die Aufnahme in der Schule? Jeder der 7299 Bereine des Bundes hat das Recht, seinen Uebungsleiter, seine Führer und Vereins- vermalter zur Teilnahme an einem Lehrgang der Bundesschule un- mittelbar an die Schule zu melden. Der Teilnehmer muß mindestens zwei Jahre Bundesmitglied und bereits leitender Funktionär sein. Zeder Schüler muß sich verpflichten, das Gelernte nicht nur in seinem Verein, sondern darüber hinaus in den Organisalionseinheiten weiterzugeben. Die Bundesschule will also nicht nur den einzelnen weiterbilden, sondern über den Schüler hinaus die Masse. Die Schüler werden in der Ueberzeugung gestärkt, daß nicht das Empor- züchten einzelner Sportgrößen die körperliche Tüchtigkeit eines Volkes ausmacht, sondern daß es darum geht, den Gesamtdurch- schnitt der körperlichen Leistungsfähigkeit der Masse zu heben. Der Uebungsleiter im Verein soll der natürliche Führer sein, der neben seinem fachtechnischen Können im Sport auch Verständnis für die soziale Lage seiner Vereinsgenossen hat. So schließt die rein fach- technische Ausbildung in der Schule die g e i st i g e Weiter- b i l d u n g des Schülers ein. Es ist falsch, wenn von bürgerlichen Sportlern immer wieder behauptet wird, daß nur eingeschriebene Mitglieder der Sozialdemokratischen oder gar der Kommunistischen Partei Schüler auf der Bundesschule sein können. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund macht gewiß kein Hehl daraus, daß er zur sozialistischen Arbeiterbewegung gehört, und daß er demzufolge an seiner Schule die sozialistische Gesinnungsschulung pflegt. Aber es wird kein Zwang ausgeübt oder gar in dieser Hinsicht Bedingungen gestellt. Ganz automatisch ergibt sich, daß die meisten Schüler Sozialisten sind. Lehrer un«t Schüler. Das Unterrichtsverfahren benutzt die Arbeitsgemein- s ch a f t zwischen Lehrern und Schülern. Der Lehrer vergewissert sich durch wohlüberlegte Fragen, inwieweit die Schüler den Kern des Uebungsstosfes erfaßt haben, um so seine Lehrtätigkeit ein- richten zu können. Der Lehrgang der Schule kann in dem Satz zusammengefaßt werden: Aus der Arbeil, für die Arbeit! Die Bundesschule hat keine akademisch gebildeten Lehrkräfte. Die Lehrer sind vielmehr aus dem Vereinsbetrieb herausgewachsen, sie haben von der Pike auf gedient, bringen also allen Fragen des Bedarfs das notwendig Berständnis entgegen. Für die wissenschaftlichen Fächer wie Anatomie, Physiologie, Biologie usw. werden Aerzte als Gastlehrer herangezogen. * Eine immer wiederkehrende Frage bezieht sich auf die Un- tosten, die die Schule verursacht und wer sie trägt. Die Aufenthalts- bedingungen für alle Teilnehmer sind ganz gleich: Die Bundestasse trägt für jeden Schüler das Reisegeld hin und zurück, übernimmt die volle Verpflegung und die Kosten für das Wohnen in der Schule. Rur den Ausfall des Arbeitslohns muß der Teilnehmer oder sein Berein tragen. Einschreibegebühren oder Lehrbeiträge kennt die Schule nicht: jeder Lehrgang verursacht etwa 4909 Mark Unkosten. Mehr als einmal ist es vorgekommen, daß Schüler mit Tränen in den Augen bekannt haben, daß sie während ihres Aufent- Halts in der Schule das erstemal in einem Bett geschlafen haben, weil die sozialen Verhältnisse zu Hause das ihnen bisher nicht ge- statteten. Auch der Verpflegung wird in jeder Schlußbesprechung mit Begeisterung gedacht. Von den Schülern der letzten Jahre waren regelmäßig etwa zwei Drittel arbeitslos. Nicht vergessen darf werden, daß die Lehrgangsteilnehmer auch ärztlich untersucht und bewacht werden. So zeigt sich die kulturelle Bedeutung der Schule des Arbeiler- Turn- und Sporlbundes in ihrem führerbildenden System, im melhodesuchenden und gesinnungsschulenden Einfluß, der sich durch die Schüler wieder auf die Milglieder und damit auf die deutsche und die. Internationale Arbeilerlurn- und Sportbewegung ouswirkl. Vereinsfestlichkeiten der bürgerlichen Turn- und Sportvereine soll mit dem Eintrittsgeld ein sogenannter Olympia-Groschen erhoben werden und schließlich sollen die Sportverbände von sich aus einen Grund stock zum Olympia-Fonds liefern. Obwohl also nach den Mitteilungen der bürgerlichen Sport- verbände die in diesem Jahre abzuhaltende Olympiade finanziell absolut noch nicht gesichert ist, hat man schon wieder in dieser Not- zeit große Pläne für die Zukunft. Auf die eigene Finanzkrast und die Opfersreudigkeit der Mitglieder scheint man nicht allzu großes Vertrauen zu haben. Deshalb arrangiert man Betteleien gang großen Stils. Nacktbode-Werbeabende. Freitag, 6. Mai, 29 Uhr, und Montag, 9. Mai, 17 bis 29V- Uhr, sind im Stadtbad Mitte, Gartenstr. ö, zwei Werbeabende der sozialistischen Freikörperkulturbewegung, ver- anstaltet von der Körperkulturschule Adolf Koch im Verband Volks- gefuNdheit e. V. Zutritt ist gegen Vorlegung von Parteiausweisen, Mitgliedskarten der freien Gewerkschaften, der sozialistischen Jugend- organisationen und des Arbeiter-Turn- und Sportbundes gestattet. Unkostensatz einschließlich Gymnastikunterricht für Jugendliche und Erwerbslose 9,29 M., für Verdiener 9,49 M. Schulpflichtig« Kinder in Begleitung Erwachsener unentgeltlich. Ohne Ausweis ist ein Zutritt nicht möglich. Die Trabrennbahn Ruhleben eröffnet Freitag, 6. Mai, ihre Tore. Die Rennen beginnen um 15.39 Uhr. 'ARBEim TUSSBALL Blitzturnier in Friedenau Am Himmelfahrtstag findet in Friedenau, Sportplatz Offen- bacher Straße, ein großes Blitzturnier statt. Hierzu haben sich die Friedenauer die Fußballabteilung des Butab, Britz 88, und die Kleingärtner Blankenburg verpflichtet. Ueber die Siegesaus- sichten der einzelnen Mannschaften kann vorher nichts gesagt werden: kommt es bei einer solchen Veranstaltung doch immer auf die augenblickliche Verfassung der einzelnen Mannschaften an. Wenn die Butableute aber von Anfang an auf Sieg spielen, dann dürften sie auf und davon gehen. Den Beginn machen um 13.39 Uhr Butab und Blankenburg. Stets 35 Minuten später spielen dann: Britz 88 gegen Friedenau 2, Blankenburg gegen Friedenau 1, Butab gegen Britz 88, Friedenau 2 gegen Friedenau 1. Blankenburg gegen Britz 88, Butab gegen Friedenau 2, Britz 88 gegen Friedenau 1, Blankenburg gegen Friedenau 2 und zum Schluß Butab gegen Friedenau 1. Das Schlußspiel findet, wenn alles glatt geht, um 18.45 Uhr statt. In Lichtenberg stehen sich um 15 Uhr auf dem Sportplatz in der Normannenstraße Lichtenberg II und Vorwärts-Wedding gegenüber. Hier hat man zwei Mannschaften vor sich, die in ihrer Spielverfassung sehr unbeständig sind. Mit der Stärke des Gegners wächst auch die eigene Stärke: ist aber der Gegner schwach, so lassen beide Mannschaften nach. Nachstehend die zuletzt erzielten Re- sultate beider Mannschaften: Lichtenberg II gegen Oberspree 9: 1, Lichtenberg I gegen Vorwärts-Wedding 2: 1. Beide Mannschaften verloren nur sehr knapp, ebenso knapp dürfte auch der Ausgang des morgigen Treffens sein. Vorher spielen zweite Mannschaften.— Auf dem Sportplatz Berner Straße in Reinickendorf-Ost treffen sich ebenfalls um 15 Uhr Hansa 31 und Wacker 39. Vorher spielen die Schülermannschaften von Hansa und Adler 98. Hansa 31 sucht zum kommenden Sonntag Gegner für drei Männermannschaften, eine Jugend- und eine Schülermannschaft aus Gegners Platz. Anschriften: H. Fabig, Reinickendorf-Ost. Genfer Straße 43 Tel.: O6, Wedding, 2465. Älinerva 28 sucht für Himmelfahrt und für beide Pfingstfeier- tage für zwei Männermannschaften, eine Jugend- und eine Schüler- Mannschaft Gegner auf eigenem Platz. W. Zier, Neukölln, Weser- straße 53. Tel.:? 2. Neukölln. 9772. Fußballvereine des 4. Bezirks. Alle Zuschriften für die Fuß- ballsparte des 4. Bezirks gehen jetzt nur noch an Fritz Bauer, Bln.-Wilmersdorf, Paulsborner Str. 22.— Nordgruppe. Sitzung: Sonnabend, 29 Uhr, bei Rosenau, Friedenau, Laubacher Straße 29. „Köllnische Heide" hat zu erscheinen Nleue Gauriegen des FKBD. Auf den Bahnen der Kegelsporthalle Südende wurden am 1. Mai die Riegen des Gaues Berlin des republikanischen Freien Keglerbundes Deutschlands ermittelt. Im Gau I gehören der Bohlerieg« folgende Sportkameraden an bei 159 Kugeln Zwangsaussatz: 1. Kaufhold 1986 Holz: 2. Meier 1982: 3. Heilmann 1989: 4. Ullrich 1975: 5. Schröder 1975: 6. Rüdiger 1974: 7. Bergner 1968: 8. Schmidt 1965: 9. Herzog 1961: 19. E. Dudat 1969.— Im Gau II: 1. Metel 1987: 2. Brüning 1976: 3. Langer 1971: 4. Voigt 1971: 5. O. Wieland 1971: 6. Koiasinski 1969: 7. Schwarz 1967: 8. Donner 1966: 9. Kollath 1963: 19. Randow 1961.— Seniorenricge:(199 Kugeln in die Vollen): Davidsohn 726 Holz: G. Behrens 719: Ohst 711: Scharfe 799: C. Schulze 796: Thürmer 794.— Figurenriege. Gau I: Schröder 371 Punkte Rothe! 368; Dittmcr 361.— Gau II: Kossatz 364: Donner 363: Koch 339.— Frau in: 199 Kugeln aus Bohl«. S. Wieland 689 vor Köring mit 686 Holz. Aut ein Neuesl Die Olympiade, die in Los Angeles stattfindet, ist noch nicht unter Dach und Fach und schon machen sich die bürgerlichen Sport- verbände Sorgen um die nächste, die im Jahr« 1936 in Berlin aus- gerichtet werden soll. Es geht wieder, wie bei der jetzt bevorstehen- den, um die Finanzierung. In einem Rundschreiben an die angeschlossenen Verbände hat der Reichsausschuh für Leibesübungen Vorschläge für die Finanzierung gemacht, die fast einem großen Haushaüsplan Ehre machen würden, denn— man will 4 Millionen Mark aufbringen, weil die Rekord-Olympiade so viel kosten wird. Daß die Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden um die Gewährung von Zuschüssen angegangen werden sollen, ist dabei selbstverständlich. Es fragt sich nur, ob nach dem jetzigen Stande der Staatsfinanzen die Behörden dazu in der Lage sein werden. Man will weiter eine Lotterie veranstalten und schließlich die Oefsentlichkeit mit dem Verkauf von Olympia-Briefmarken beglücken. Bei allen Solidarität, Radsahrer. Fahrten am Himmelfahrtstage. Abt. Kreuzberg, Rad. und Kraftfahrer: Caputh— Ferch. Etart: 7 Uhr Rohde, Dieffenbachstr. SS.— Abt. Marianncnplatz: Hirschgarten, Kellers Waldlug. Start: 1Z Uhr Mariannenplatz. — Mariannenplatz: Etart: 7 Uhr. Herrentour.— Abt.. Prenzlauer Berg: Step- nitzfee. Start: 8 Uhr bei Feld, Kopenhagcner Str. 17.— Abt. Wedding: Saat- winkcl. Start: 8 Uhr bei Schreiber, Triftftr. KZ.— Abt. Friedrichshaim Gemischt«: Radfahrerherrenpartie. Start: 7 Uhr. Radfahrerdamenpartie. Start: 8 Uhr. Iugenbherrentour. Endziel Bohnsdorf. Start: 7 Uhr. Alle Start» Peters- Hurger Platz.— Abt. Weitzcnfee: Rundfahrt Bernau— Lagedorf. Etart: 7 Uhr Piftoriusplätz.— Abt. Neukölln: Familientour nach dem Stolzenhagener See. Start: 7 Uhr Hohenzollcrnplatz.— Abt. Reinickendorf: Schwärzesee.— Abt. Wilmersdorf: Herrenpartie zum Himmel. Originellste» Kostüm wird pritmtiert. Start: 9 Uhr Bcreinslokal.— Abt. Schöneberg: Groß-Glienick«. Start: 8 Uhr Ebersstr. 18. Rudervercin Collcgia. Freitag, K. Mai, 20 Uhr, bei Thunack, Festsitzung an- lätzlich des Z7jährigen Bestehen», zu der die älteren Gen. ganz besonder» ein- geladen find. Die Handballer müssen zur Besprechung erscheinen. Freie Schwimmer Chorlottenbara, Kanuabteilung. Heute, Mittwoch, 20 Uhr, Sitzung bei Ecrmar� Kaiscr-Friedrich-Str. IZ. ZTGB., Bezirk Karlshorst. Alle Mitglieder beteiligen sich mit Angehörst an der Bootshausweihe Donnerstag, S.'''" WM Bahnhof Karls' ai, in Köpenick. Treffpunkt ng-hörigen t IZhtz Uht reie Faltbootfahrer Berlin. Gruppe Rorde». Freitag, 6. Mai, 20 Uhr, Willbenowstr. S. Himmelfahrt Flietzreaatta auf der Stodberow