Morgenausgabe Nr. 210 A 106 4y.Zahrgang WSchenllich 75 monatlich 3.25 M. (davon 87 Pf. monatlich für gufteU lung ins Haus) im voraus zadidar. Postbezug 3.»? all einschließlich so Pf. Pastzeitungs- und 72Pf.PostbestelIge- i-ühren-AusIandsadonnementsss M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenvorto«.ss M. Zver.Vorwärts� erscheint wochentSg. lich zweimal. Sonntags und Montag, tinmal. die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel..Ter Abend', Illustrierte Sonntagsbcilaz, »Volk und Zeit' * ♦ NerUner VoltSblat« Oonnsrsiag 5. Mai 1932 Groß-Äerlin IT pf. Auswärts 15 Z)f. e t nl v a l l. MtUtmelerzetle ö0 Pf. Reklamezeile 2.- M.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. (zulässig zwei fettgedruckteWorte'.jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt lt. Tarif. Worte über 1ö Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Miuimetcr» zeile 25 Pf. �amilienanzeigeu Milli» meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße wochentäglich von 8'/, bis 17 Uhr. Der Vertag behält sich dasRecht der Ab- lehnung nicht genehmer Anzeigen vor« Jentrawegan der Gozialdemoeratifchen Partei SeutsGlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 lzornlpr.. Tönhvil(A T) 292—297. Telegramin-Adr.: Sostaldemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Posticheckkonto: Berlin 37 S3K.— Bankkonto; Bonkder Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. Z. Dt B. u. DiSc..Ge>.. Depostlcnk.. Ieruialcnier Str. KöPg. Iustizftandal in Schlesien. Empörend mildes Ltrteil gegen die Mörder von Bassy. Breslau. 4. Mai.(Eigenbericht.) Im Bankaucr Naziprozefi verkündete das Oppelner Zchwurgericht am Mittwochnachmittag 18 Uhr das in ganz Lberschlesicn mit»pannung erwartete Urteil. Es lautet für den Angeklagten« m h r e k tnegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit fahrlässiger Körpervcrlehung auf zwei Jahre sechs Monate (ÜesängniS. für llinast wegen gemeinschaftlichen Tot- schlags auf d r c i I a h r e d r e i M o n a t e G c f ä n g n i s. und für Uosmalla wcg?n gememschefHichen Totschlags nuf drei Jahre Gefängnis. Tie Angeklagten Uapit;«, Hclmhs. Mondrh, HHHS und Mcrtin erhielten wegen gemeinschaftlicher ttöcpervcrletzung sc drei Monate Gefängnis. Tie übrigen sieben Angcklag- ten wurden freigesprochen. Mit diosem Urteil hat die oiehisckfe Bluttat der Kreuz- burger Hakenkreiizbanditeu eine völlig unzureichende Sühn« gefunden. Die gemundcnc Begründung des Urteils gibt deutlich zu erkennen, daß das Gericht den Zlnzeklagten gegenüber die größte Nachsicht walten ließ. Besonders befrcindend wirkt die ausdrückliche Feststellung des Vorsitzende», Landzerichtsdirektors Kunze, daß die SA.-Leute zum Betreten der Wohnung Bassys, wo sie den kam- munistischen Messerstecher vermuteten, befugt gewesen seien und sich bis zum gewaltsamen Eindringen in die Schlaitammer des Er- mordeten im Recht bci»iü)en Hölle». Fernsr vermißt an in der Begründung eine eindringliche sittliche Verurteilung der Mordtat. Der Vorsitzende hob statt dessen die inoralis.che Mitschuld der Kreuzburger SA.»Führung hervor, die ihre Leute ohne(feilügende vorherige Erkundigung nach Bankail in zwei Kraft- wagen entsandt hatte. Damit wird die Hauptlast der Verantwortung auf dritte abgewälzt, die nicht auf der Anklagebank saßen. Die Straf antrage des Staatsanwalts gingen über die von den« Gericht erkannten Strafen wescntNch hinaus. Ober- staatsanwnit Wolfs hatte folgende Strafanträge gestellt: Gegen den Angeklagten Kinast wegen gemeinschaftlichen Dotschlags fünf Jahr« Zuchthaus, gegen Kosmalla fünf Jahre Gefäng- n i s, gegen Mondri), Sroka und chelmyz je 2'ä Jahre Gc- f ä n g n i s, gegen Smyrek wegen versuchten Totschlags drei Jahre Zuchthaus, gegen Baumert wegen genleinschafttichcr Körperverletzung ei» Jahr Gefäng is und gegen Schulz, Kapitza, Wehlte, Klein und Klose wegen gemeinschaftlicher Körper- Verletzung unter Anwendung einer Waffe je sechs Monate Gefängnis. In seiner Aiiklagercde bezeichnete der Oberstaat?- onwalt die Borgänge j» Bankall als verwerflich und nicht entschuld- bar. Die Behauptung der Angeklagten, sie hätten Bassy II nur festnehmen und d:r Polizei übergeben wolleil, sei wenig glaubwürdig: nielmehr hätten die Nationalsozialisten die Absicht gehabt, Basst) zu töten. Der Anklagevertreter ging dann mif die Vorgänge im einzelnen ein, für die der Angeklagte Smyrek in erster Linie verantwort- lich zu niachen sei, da er die SA.-Berstorkiingen aus Kreuzburg herbeigerufen habe. Tc» obersetflefisehen Nazis scheint das unbegreiflich milde Urteil des Oppelner Schwurgerichts neuen Mut cingeflöstt zu habe». Als der Schriftleiter des sozial- demokratischen Organs in Oppeln beim Verlassen des Perhandlungssaales in einer Unterhaltung mit einem Kollegen feine Unzufriedenheit mit dem Ausgang des Prozesses äußerte, riefen ihm einige Naziburschen zur „H alt die F r c s s c, s o n st kommt ihr auch noch d r a n." » Dies Urteil ist ein Iustizskandal ersten Ranges! Schon die Strafonträge des Staatsanwalts waren erstaunlich niedrig— das Urteil aber schlägt allem gesunden Rechts- empfinden ins Gesicht! Die Mordbandc hat den Landarbeiter Bassy bis in seine Schlafkammer verfolgt. Sic hat die Schlaszimmertür zertrümmert, hat ihr Opfer zu Boden geschlagen und hat den am Boden Liegenden trotz Iammerns und Flehens seiner Frau, die auf ihre zwei kleinen Kinder verwies, viehisch er- mordet! Die Mordbuben haben die Frau des Opfers noch vor Gericht gehöhnt! .Dafür als Höchststrafe drei Jahre drei Monate Gesang- nis! Das ist nicht mehr Gerechtigkeit, das ist d i c K a p i t u- lation der Justiz vor dem Blutterror! Dies Urteil gehört in die Reihe gleich empörender Urteile, die die Justiz in Schlesien zu verantworten hat. Es zeigt die Zustände in Schlesien im grellsten Lichte. Das Leben eines armen Landarbeiters, der es gewagt hat, dem Landarbeiter- verband anzugehören, bedeutet für diese Art von Justiz sehr wenig. Die Mordbanden der Nazis haben von dieser Justiz nicht viel zu fürchten! Die schärfsten Verordnungen zur Sicherung des inneren Friedens und zur Wahrung der Staotsautoritat sind nichts wert, wenn diese Art von Justiz selbst an der Zerstörung der Rechtssicherheit und der Staatsautorität arbeitet! Niemals aber wird es vergessen werden, daß die Mord- banden von den Großgrundbesitzern ausgehalten ipektoren der Großgrundbesitzer Ühren, daß es der Terror der Groß- t, dem der Ermordete zum Opfer ge- fallen ist, ohne daß die Justiz den Mord hinreichend gesühnt hat! werden, daß die In sie gegen die Opfer g r u n d b e s i tz e r i Kampfersahrungsn. Tagung des Parteiausschusses. Ter Partciausschuß der Sozialdemokratischen Partei hielt am Mittwoch eine Tagung ab, zu der sämtliche Bezirkssckrctäre und die weiblichen Vertraucnspersoncn der Bezirke geladen waren. Heber die Politische Lage berichtete Genosse Hilfcrding, über Erfahrungen der Propaganda in den letzten Wahlkämpfen sprachen Genosse Vogel und Genossin Iuchacz. In einer lebhaften Tebettc wurden für die Gestaltung der Agitation in den kommenden Kämpfen wertvolle Anregungen gegeben. Tie Tagung, die von ausgezeichneter.Kampfstimmung getragen war, wird sich für die weitere Parteiarbeit als höchst fruchtbar erweisen. Die Wahl in Memel. Zunahme l>er Deutschen- Litauer unverändert. Bis Schluß des Bialtes lagen über die Wahlergebnisse im Blemelland nur wenige Teilresullale vor, obwohl die Wahlhandlung bereits um S Uhr abends abgeschlossen war und insgesamt nur eiwa 70 000 Stimmen in Frage kommen dürsten. Anscheinend ist diese Verzögerung teils auf die außerordentlich hohe Wahlbeleiligung. teils auch auf die von den Lilauern gcsörderle cislenzersplilierung zurück- miühren. Die Wahibeiciliaung betrug durchschnitllich über 0 0 P r o z., in manchen Dörfern sogar 97 und b.s 103 Proz. Die ersten Ergebnisse, die sich nur aus etwa ein Zehntel der Stimmberechtigten beziehen, zeigen überraschenderweise eine bc- lrächkliche Zunahme der beiden hanplsöchlichen deutschen parleien, der Wetnofländifchen Volkspartei, die mehr städtischen Eharakler hat. und der Landwirtschaftlichen Partei, sowie auch einen Zuwachs der kommunistischen Arbeiterpartei, zum Teil ayf Kosten der Sozialdemokraien. während die Litauer— trotz der bekannten Schiebung mit den Einbürgerungen während der letzten Wochen, im vergleich zu den Deutschen, nur wenig zugenommen haben. Ein Teilergebnis: Gegen viilternacht lag ein Teilergebnis vor, das etwa drei Fünstel der Wähler umsaht. Damit erhielten: Wcmelländische Volkspartei..... 11535 Landwirtschastsparlej....... 5 100 Sozialdemokraten........ 2 874 Kommunisten.......... 2 163 Litauer............ 6 969 Militär schuht Terroristen gegen die Polizei. Memcl, 4. Mai. In der Nacht vor der Wahl kam es in Meinet verschiedentlich zu Schlägereien zwischen Zettelanklebern. Die litauischen „Schaulisten" gingen mit offener Gewalt gegen die Wahlplakate der Memelländischen Bolkspartei vor. So versuchten sie in der Nähe des „Memeler Dampsbootes" ein Plakat umzustürzen. Als die Landes- polizei einschritt, stürzten sich die Schaulisten auf die Polizisten und versuchten sie zu entwaffnen. Verstärkung konnte dies ver- hindern. Der Versuch der Polizei, die Ruhestörer festzunehmen, wurde jedoch durch eins litauische Militär abteilung ver- hindert. Am Theaterplag konnte die Landespoluei infolge der llebermacht der litauischen Jungschntze» das Umstürzen eines Plakats der Memelländischen Volkspartei nicht verhindern. In der Libauer Straße überfielen zwei Schaulisten einen Zettelkleber der Memelländischen Dolkspartei. Es gehi um die Erwerbslosen! Arbeitsbeschaffung, Arbeitszeit, Arbeitslosenhilfe. Von 8. Wukbüussr. Die in der Eisernen Front vereinigten organisierten Kräfte der deutschen Arbeiterklosse haben sich in den letzten Wochen dem anstürmenden Faschismus mit heroischer Kraft- entfaltung und unübertrefflicher Aktivität entgegengeworfen. Sie Hoden sich mit Erfolg geweigert, einem Einbrecher den Schlüssel zum legalen Eintritt in das Haus der Republik aus- zuhändigen. Diese unerhörten politischen Opfer der in bitter- ster Not lebenden und darbenden Massen dürfen nicht ver- geblich gebracht sein. Der Staat darf sich nicht länger der dringlichen Pflicht entziehen, mit durchgreifenden Maßnahmen der entsetzlichen Arbcitslvsennot zu steuern. Die st ü r k st e Waffe zur Uebermindimg des Faschismus ist Arbeits- Marktpolitik und der am st. Mai zusammentretende Reichstag hat die vordringliche Aufgabe, feine Forderungen an die Reichsregierung für Arbeitsbeschaffung und A r b c i t s l o s e n ii n t c r st ü tz u n g zu stellen. Alle Erwartungen, als könnten die Träger der kapitali- stifchen Privatwirtschaft Millionen ruhender Arme und rosten- der Maschinen wieder in Bewegung setzen, haben sich als Illusion erwiesen. Jetzt muß der Staat handeln! Es braucht nicht wiederholt zu werden, daß die Weltkrise nicht von Deutschland allein gelöst werden kann und deshalb der Kampf des Weltproletariats gegen das kapitalistische System zur Gegenwartsausgabe werden muß. Auch für den Umbau der deutschen Wirtschaftsorganisation zur Staats- und Plan- Wirtschaft haben Partei und Gewerkschaften den Weg auf- gezeigt. Aber alle Dringlichkeiten einer gesamtwirtschosilichen Reform kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Tages- Hilfe, für über sechs Millionen arbeitsuchender Menschen ein Gebot der Stunde ist. Nach den Verlautbarungen der letzten Tage ist der Ruf der Gewerkschaften naäz sofortiger Arbeitsbeschaffung nicht er- folglos gewesen. Die Regierung trifft Vorbereitungen, doch ist wiederum zu befürchten, daß nur einzelne und u n- zureichende Maßnahmen ergriffen werden sollen. Während der Außerordentliche Gewerkschaftskongreß einen Gesamtplan aufgestellt hat, will die Reichsregierung neben der Erleichterung von Hausreparaturen ihre Maßnahmen zu ausschließlich auf die Siedlung im Osten und im Vor- räum der Städte konzentrieren. Andere Arbeiten, insbeson- dere die Förderung des Wohnungsbaues, scheinen überhaupt nicht geplant zu fein. Die Siedlung ist sicher eine wichtige Teilaufgabe, aber sie reicht nicht aus. Wir haben auch keine Angaben lesen können, in welchem Ausmaße bei den Sied- lungsplänen nun der industrielle Arbeitsmarkt entlastet wer- den wird. Das Reichsarbeitsniinisterium hat bisher keine Zahl genannt, wieviel Erwerbslose bei der Siedlung beschäftigt werden sollen. Wenn mit diesen Siedlungsplänen etwa vor- wiegend den Bauernsöhnen des Ostens neue Bauernhöse mit Hilfe des Arbeitsdienstes geschaffen werden sollen, so würden wir nur um eine Enttäuschung reicher. Die zur Finanzierung noch den Vorschlägen der Sozial- demokratie in Aussicht genommene Prämienanleihe muß neben den angekündigten Anreizmitteln auch mit aller Kraft der Propaganda zu einer echt volkstümlichen Arbeits- beschaffungsanleihe gestaltet werden. Sie soll ein Akt höchster Solidarität des ganzen Volkes für die Erwerbslosen werden. Es braucht auch nicht darauf verzichtet zu werden, die kapital- kräftigen Kreise neben der Anleihe besonders heranzu- ziehen. Auch in der Frage der gesetzlichen Einführung der 46-Stunden-Woche wird der Reichstag, nach allem was bisher bekannt geworden ist, noch einmal kräftig nach- stoßen müssen. Wenn bei der umfangreichen Kurzarbeit von heute durch die Verkürzung der Arbeitszeit noch ein ficht- bares Ergebnis mit der gesetzlichen Neuoerteilung der Arbeit erzielt werden soll, dann muh die 40-Stunden-Woche allgemein eingeführt werden, nicht nur in bestimmten Gewerbe- zweigen. Schließlich kann der heutige Arbeitsdienst nicht dazu ermutigen, in seiner Erweiterung das Allheilmittel zur Be- schäftichmg der Erwerbslosen zu sehen. Wohl aber besteht die Möglichkeit, den Gedanken einer sozialen kollektiven Hilfs- arbeit Erwerbsloser für Erwerbslose, wie er sich bei den Er- werbslosenküchen bewährt hat, auch auf anderen Gebieten zu verwirklichen. Der Ruf nach Arbeitsbeschassung kann aber die Bedcu- lung der Arbeitslosenunterstützung für die ver- bleibenden Erwerbslosen nicht vermindern. Hier wollen die Gerüchte nicht verstummen, daß zur Behebung der Gemeinde- finanznot die di£i Zweige: Arbeitslosenversicherung, Krisenfürsorge und Erwerbslosenwohlfohrt zu einer einheitlichen Fürsorge vereinigt werden sollen. In jedem Falle will man durch weitere Einschränkung der Leistungen in der Versiche- rung Mittel frei bekommen zur Sanierung der beiden anderen Zweige. Für die Sozialdemokratie war in den letzten Jahren die Erhaltung der Zlrbeitslosenversi6)erung ein wichtiges poli« tischcs Postulat, an dem auch jetzt nicht gerüttelt werden kann. Es liegt dazu um so weniger Anlatz vor, als sich die Versicherung heute selbst trägt und keinerlei Reichszuschüsse bekommt. Es wäre indes ein Unrecht, aus den Versicherungs- beitrügen der Lohn- und Gehaltsempfänger mm auch noch die Sanierung der öffentlichen Finanzen bestreiten zu wollen. Soweit es sich um die Arbeitslosenversicherung handelt, bitten wir endlich umSchlußdesLeistungsabbaues! Für die Entlastung der Gemeinden liegen die sozialdemokratischen Vorschläge auf Zusammenlegung der Krisenfürsorge und der Erwerbslosenwohlfahrt vor. Die Finanzierung macht es aller- dings erforderlich in dieser Zeit höchster Gemcindenot, alle bisher außerhalb des Verficherungskreifes stehenden Personen zur BestreiUing der Arbeitslosenhilfe heranzuziehen und end- lich dem Reich durch Staatsmonopole auf Zigaretten, Tabak, Treibstoffe u. a. neue Einnahmequellen zu erschließen. So- weit die Schasftmg solcher Monopole einer Uebergangszcit bedarf, kann es nicht unüberwindlich fein, inzwischen steuer- lichen Ersatz zu schaffen. Das bisherige Rezept, der zunehmenden Zllrbeitslofigkeit jeweils durch Einschränkung der Unterstützungsleistungen und alleinige Besieucrung des schrumpfenden Personenkreises minder entlohnter Arbeiter und Angestellten zu begegnen, hat gründlich versagt. Die Arbeitslosenhilfe ist heute zur hohen politischen Aufgabe von Staat und Volk geworden. Arbeitsbeschaffung und Arbeitslosenunterstützung sind die politischen Kernfragen, zu denen der Reichstag Stellung nehmen muß. Sic sind auch der Schlüssel zur Entspannung der faschistischen Gefahr. Die neuen Verordnungen. Die Regierung Brüning f?ilst sich aus der Rot. Der Art. 48 der Reichsoerfassung hat mit der Zeit eine starke Ausweitung erfahren. Aus einem Polizeirecht zur Wiederherstellung der Ordnung, das mit dem Art. 48 wohl zunächst gemeint" war, wurde ein Notrecht des Staates über» Haupt, und jetzt ist daraus sogar ein Recht der Regierung geworden, sich selber aus ihrer Not zu helfen. Nachdem der Brief Hindenburgs an Groener über die ReHandlung m i l i t ä r ä h n l i ch e r Verbände in die Presse gebracht und von der Rechten in ihrem Sinn weidlich ausgesclstachtet worden war, glaubte die Regierung ein weiteres tun zu müssen. Auf der einen Seite lag nicht der Schatten eines Grundes vor. das Reichsbanner zu vcr- bieten— was der Reichspräsident ja auch gar nicht verlangt hatte— auf der anderen Seite glaubte man, daß der Brief des Reichspräsidenten, nachdem er nun einmal veröffentlicht worden war, nicht ohne Folge bleiben dürfe: und so ent- standen die neuen Notverordnungen. Wie Abraham anstatt des Isaak ein Böcklenv zum Opfer brachte, so ist an Stelle des Reichsbanners eine tommrr» n ist ische Gruppe, die sich von der großen Frei»� den kerbewegnng losgelöst hatte, der Auflösung W- sollen. Daß die Auslösung dieser mehr lärmenden als kräftigen Organisation aus Gründen der Ordnung und Sicherheit not? wendig war, wird nicht leicht zu beweisen sein. Juristisch steht also diese Verordnung auf schwachen Füßen. Der„Deutschen Tageszeitung" aber kommt der Appetit mit dem Essen, sie möchte gern auch die eigentlichen Freidenker- o r g a n i s a t i o n e n verboten sehen. Die Begründung für dieses Verlangen ist höchst originell.„Gewiß", so schreibt das genannte Blatt,„betätigen sich diese Freidenkerorganisationen i n w e s c n t I i ch weniger r o b u st e n F o r nc c n als die kommunistischen. Aber(f) sie sind deswegen durchaus nicht weniger gefährlich, ja vielleicht noch gefährlicher, da ihr Gift schleichend, im geheimen wirkt." Mit diesen Sätzen liefert die„Deutsche Tageszeitung" ungewollt den Beweis, daß der Art. 48 auf jene Freidenker- organijationeu nicht angewendet werden kann, ohne daß dadurch der schlimmste Rechtsbruch begangen würde! Die andere Verordnung, die von den„Militär ä h n- lichen"(nicht„militärischen") Verbänden handelt, acht von einem richtigen Grundgedanken aus. Der Staat soll das Recht haben,"„militärähnliche Verbände" genauer zu kon- irollieren als andere Vereine. Es wird nun ganz darauf ankommen, wie dieses Recht gehandhobl wird. Wir meinen, nckchdem die Reichsregierung die Verantwortung für Existenz und Art solcher Verbände übernommen hat. trägt sie auch die Verantwortung dafür, daß solche Webrorganiiationcn nur qeduldet werden, wenn über ihre loyale Stellung zur Republik und zur geltenden Verfassung nicht der allergeringste Zweifel besteht. Es kann also gar nicht daran gedacht werden, daß der Nationalsozialistischen Partei gestattet werden könnte, eine neue Privatarmee aufzuziehen. Kommt einmal das Dritte Reich, dann wird es Rechts- bruch auf Rechtsbruch geben, dann wird man die Freidenker. das Reichsbanner und noch verschiedenes andere verbieten und die Braunhemden werden cherren über Leben und Tod sein. Aber solange es R e ch t u n d Gesetz gibt, darf mit der Einführung solcher Zustände nicht begonnen werden. Da gilt es, den Anfängen zu wehren! Nazifchwindel über Otis Wels. Bie Freunde des Herrn Ley zeigen ihre Gesinnung. Der„Angriff" lxröffciU lichte am ,T Mai unter der llcbcrschrift „Der Doppelposten vor der Villa Wels. Wozu das Geld der Steuer- zahler gut ist" eine hundsgemeine Notiz gegen den Genossen Otto Wels. Die Freunde des L e y regen sich darüber auf, daß die Polizei in Friednchshagcn angewiesen worden ist, auf die Wcchnung oon Wels zu achten. Diese Bewachung liegt Wels gar nicht, es ist ein glatter Schwindel, daß er selbst um polizeilichen Schutz gebeten habe. Wahr ist vielmehr, daß er wiederholt polizeilichen Schutz abgelehnt hat. Wahr ist, daß er in den letzten Tagen darum gebeten hat, ihn von der besonderen Bewachung zu befreien. Wahr ist ober auch, daß Wels am 24. April bei feiner Ruck- kebr nach Friedrichshagen vor seinem Haufe von Nazis bc> schimpft wurde und der gleiche Vorgang sich am 26. April nachmittags wiederholte und daß die Polizei deshalb, entgegen dem Wunsch des Genossen Wels, die Bewachung für nRwendig dielt. Was sagte Hitler in Lauenburg? Die Pressestelle der Reichslcitung der NSDAP, schreibt: Trog mehrfacher Zurückweisung der Wahlkampflügc, Adolf Hitler habe in seiner Ncö» in Lauenburg in Pommern am 5. April erklärt, daß. solange das System regiere, eine Aerleidigung deutschen Peldens für die Nationalsozialisten nicht!n Frage komme, wiederholt der Pressedienst des Zentrums diese Lüge. Um diesen Machenschaften ein- für allcmoi die Spitze abzubrechen, wird hiermit nochmals festgestellt, daß Adolf Hitler in Lauenburg die ihm zu- geschobenen Aeußerungen nicht getan hat. Herr Adolf Hitler, der ja den„V o r w ä r t s" wegen dieser Angelegenheit verklagen will, wird hoffentlich bald Gc- lcgenheit haben, sich über seine Laucnburger Rede ö s f e n t- l i ch u n t e r E i d zu erklären. Da wir gar keinen Grund baben, mit verdeckten Karten zu spielen, wollen wir Herrn Hitler jetzt schon erklären, woraus sich unsere Behauptung und Kritik stützt.— Es ist das 1. die Rede des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun im Sportpalast am 11. April. 2. Eilt Bericht der rechtsstehenden„Köslincr Zei- t u n g" vom 6. April über Hitlers Rede in Lauenburg, worin es heißt: Wenn man seiner Partei vorwerfe, daß sie sich einstweilen weigere, die deutschen Grenzen zu schühen, so müsse er allerdings sagen, daß er seine Kämpfer nicht für das System opfern wolle. Er werde die Grenze e r st dann schützen, wenn die Träger des gegenwärtigen Systems beseitigt wären. Z. Ein Bericht der Berliner„Deutschen Allgemeinen Zei- tung" Nr. 159 aus Stolp in Pommern vom 5. April: vor etwa 20 000 Personen sprach am Dienstag iu Dauen- burg Adolf Hiller. Er wandle sich gegen den vorwuxf, die Rationalsozialisten wollten die Grenze nicht schützen. Gr wolle feine Kämpfer nicht für djcjes Stystrin in den Kampf schicken. sondern für ganz Deuischland. und daher sei, es notwendig. erst einmal das System zu beseitigen. Damais seien die jungen Deutschen ll ach Ober» s ch l e s i e n gezogen in dem Glauben, ganz Deutschland stehe hinter ihnen. Sic seien aber genau so betrogen worden wie die Frontkämpfer der viereinhalb Iahvc. 4. Die Artikel des Grafen v. d. Goltz ch der Stetthner „Diktatur", die sich gleichfalls vollkommen klar und unwiß- verständlich gegen die Landesverteidigung uister dem bc- stehenden„System" ausgesprochen haben, otzne daß— trotz dringender 2lufsorderungen des„Stahlhelm"— der Parteiführer solchen Auffassungen entgcgengetreixn wäre. Auf- fallenderweiss begründet v. d. Goltz feine tkriegsdienscher- Weigerung genau mit denselben Argnmentein von den„be- trogenen vberschlesicnkämpfcrn", die Hitler in Lauenburg angewendet hat. 5. Gewisse Dokumente, die allerdings nur nach Ausschluß der Oeffentlichteit zur Verlesung gelange»: dürften. Hitler persönlich hat über seine Lauenburger Rede und die durch sie aufgeworfenen Problewe noch nichts erklärt. Er hat, wie man sieht, für diese staatsmäimische Schweigsam- keit, die man sonst bei ihm gar nicht gewohnt ist, seine gutenGründe. Und von alledem abgesehen>— ist unserem verantwortlichen Redakteur von einem S t r a f a n t r ag Hitlers bisher nichts bekannt. Die Nazis vor und nach den Wahlen.— Das Beispiel von Mecklenburg-Sirelih. Wer erinnert sich nicht der Reden und Versprechungen der naliormlsoziaiistischen und dcutschnationalen Agitatoren vor den Laichtagcwahlen?„Cs muß ausgemistet werden"—„Preußen muß wieder preußisch werden"—„Nieder mit der marxistischen Elendswirtschaft"—„Nieder mit dem System"—, Eitler führt euch herrlichen Zeiten entgegen"—„Gebt ihm die Macht, uich er wird euch Arbeit und Brot geben!". So klang es landauf— landab! In Mecklenburg-Strclitz haben Hitler und Hugcnberg die Mehrheit uich die Macht erhallen. In Strclitz ist die„nationale Opposition" und damit eine n a t i o n a l s o Z i a l i st i s ch- d e n t s ch- nationale Regierung ans Ruder gekommen. Sie herrscht unumschränkt und hat in Ihrem neuen Etat Gelegenheit geliabt, den Worten und WahlversprechunZrv dje Tat.folgen zu tasten. Was sind diese Taten?•.-..•! 1. Der Etat ist um rund ein Fünftel gekürzt worden, und zwar um 3,316 Millionen Mark. Trotz der Not der Bauern und Handwerker, trotz Arbeitslosigkeit sind die Ausgaben des Staates auf den Stand des Jahres 102 Z herabgedrückt. 2. Die staatliche Fürsorge und Ausgaben wären noch tiefer gesenkt, hätte nicht die„nationale Regierung" auf Grund der Not- Verordnungen die Möglichkeit gehabt, die Beamtcngchälter um 733 000 Mark zu senken und hätte sie sich nicht zugleich für mehr als eine Million Mark neue Einnahmen vorschafit. 3. Wie entstehen diese neuen Einnahmen? z) Durch Einführung der H chl a ch t stc u e r. die indirekt vom Fleischkonsum« nten getragen wird, in Höhe von jährlich 330000 Mark. Mecklenburg- Strclitz hat 111 000 Einwohner. Also pro Kopf der Bevöl» k c r» n g sind rund d r e i M a r k neue Steuern zu bezahlen. b) Durch Verkauf von 100 000 Festmeter Nutzholz, lieferbar innerhalb 8 Jahren. Wer die Käufer sind, darüber verweigert die „nationale Regierung" die Auskunst, ebenso wie hoch der Berkains- preis ist. Im Parlament ist jedoch von der Sozialdemokratie fest- gestellt worden, daß dies dem Staat gehörende Holz für 5,50 Mark pro Festin.eter verkaufi wurde. Das ist der Preis für B r e n n h o l z. Daraus ist zu ersehen, welches Geschäft die Holzankäufer gemacht haben müssen, c) Durch Lottericein nahmen von 260 000 M. 4. Der Ausglcichfmids. den das frühere Lmkskabinett für not- leidende Gemeinden in Höhe oon Kl 000 Mark zur Ber- fügung gestellt hatte, ist von der Naziregieruirg gestrichen wor- den. Unter dieser Streichung liaben vor allem die Witwen- und W oh l s a h rta c m p s L n g c r der Gemeinden zu leiden. -5. An Stelle der bisherigen van der Linksreaierung aus- gegebenen M i c t b c i h i l f e i, von 125 000 Mark werden nur noch 75 000 Mark bereitgestellt. K. Tie bisherigen Wo hlfahrtsbei Hilfen für die Ge- meinden kommen in Fortfall. Die„nationale Regierung" he- gründet dies mit den Worten-„Die Gemeinden l>abcn ihren Etat selbständig auszubalancieren. Es ist die Pflicht des Reiches, den Gemeinden zu helfen und die Arbeitslosen wieder in den Pro- duklionsprozcß einzuschalten." Mit anderen Worten: wer aber keine Arbeit hat, braucht auch nicht zu essen! Das Theater dem Volke! Massenkundgebung im Großen Schauspielhaus. Masscnkundgcbung zur Erhaltung des Theaters heute, Toni, erötagvormittag 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraß«. Tic Veranstaltung wird in Form einer künstlerischen Feierstunde die Vre- bundenheit des VotkeS mit dem Kulturtheatcr zum Aus- druck bringen. An dem hervorragenden Programm wirken mit die Vereinigten Orchester der Staats- und Städtischen Over unter 5teitung von Äennralmusitdirektor Bleck;, die Ehöre der Staats- und Städtischen Oper, außer- dem Opernsänger Großmann von der StaatSoper und Vortragskünstler Bcierle. Sämtliche Mitwirkende haben sich im Hinblick aus den besonderen Zweck der Vcranstal- tung bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Gintrittekartcn zu 50 Pf. sind an der Theaterkasse des Große» Schauspielhauses zu haben. Arbeiter, Angestellte, Beamte, erscheint in Massen! 7. Der bisherige Etaatsbcitrag für Jnstloidhallung von Alt- w o h n u n g en ist bis auf 20 000 Mark gestrichen worden. 8. Durch Reichsgesetz haben die Ländar die Pflicht, mindestens ein Fünftel der Hauszinssteuer für W v h n u n g s>, e u b a u zu ncrwenden. Ilm dieses Pslichtsüin'tel einzuhalten, hat die„nationale Regierung" einem ausländischen Konsortium die Ge- nchmigung für eine Lotterie gegeben, die dem Staat den Gewirm von 260 000 Mark abwerfen soll.„?llle Borsichtsmaß- nahmen", sagt der nationale Finanzminister v. Michael,„sind ge- troffen, daß diese Lotterie sich nicht zu einem Aerlustgeschäft für den Staar auswirkt!" Hosten wir das beste und hoffen wir, daß die Wohnungsuchendcn im Dritten Reich von Stuelitz wenigstens die Hvffimnz haben,«in Siedlungshaus zu gewnrnen, damit sie sich nicht später mit Lotterielose» zudecken müssen. 9. Die bisherigen Gelder zum Bau oon Landarbeiter» wohnungsn swd gestrichen worden. 10. Der Zuschuß zum Karolinenstift, einem Aliers- und Waisenheim, ist aus 25 000 Work herabgesetzt. 11. Das Landestheatcr wird geschlossen. 12. Die von den Eltern beantragte Herabsetzung des Schul- gelbes ist abgelehnt. Außerdem sind 14 Lehrer stellen an höheren und niederen Schulen gestrichen. 13. Die Zeitpacht für Domänen ist uin 46 000 Mark herab» gesetzt. Das sind nur einig« Taten einer nationaljozialistisch- deutschnationalen Regierung; das sind die lzcrrlichen Zeiten der Hitler und Hugcnberg nach der Beseitigung des„Systems" und noch der Errichtung ihrer Herrschaft! Was l)ciben die Nazi- und Hugenberg- Trabanten nicht alles versprochen? In Mecklenburg-Strelitz konnten sie endlich einmal ihre Kunst zeigen und die Probe auf das„Dritte Reich" oblegen. Das Ergebnis ist: eine Verschleuderung von Staaiseigcnkum an gerissene Kapitalisten, neue Steuern, Abbau aus allen sozialen, kommunalen und kulturellen Gebieten. Abbau der Wohaungsfürsorge und die Krone des Oritken Reiches von SKelih: an ein aus!ändischcs Konsortium wird eine Lotterie„erschachert und dem armen Volk werden hierzu die letzten Groschen avs der Tasche gezogen! Deutschland erwache! Ruft es weiter! Schwefgeschütze gegen Reiieriruppen. Angebliches Angebot Or. Brünings. Die Genfer Debatte über Verbot von Angristzwaffen tief so, daß die deutsche Abordnung wiederhcll, wenn bestimmte Wösten aus Wunsch Frankreichs und seiner Verbündeten als Nichtangrifis- waffen erklärt werden sollten, folgendes entgegenhielt: Uns ist diese Waffe durch den Versailler Frieden als Angriffswaffe ver. boten— wird sie jetzt als Nichtanzristswast« erklärt, so kann sie uns nicht länger verboten bleiben. Zlus dieser'Atmosphäre kommt nun folgende detaillierte Meldung: Paris. 4. Mai.(Eigenbericht) Pertinax teil im„Echo de Paris" mit, daß Reichskanzler Dr. Brüning während seiner Besprechung mit Macdonald und Stimson. am 26. August in Gens folgende Aenderungen der mili» tärischen Klauseln von Versailles verlangt habe: Deutschland wolle aüf die Holst« seiner Kaoallerietruppei, verzichten, wenn ihm als Ersatz dafür ein« Anzahl schwerer Geschütze und Tanks zugestanden werden unter der Voraussetzung, daß diese Waffen von der Abriistungzkonserenz nicht verboten werden. gerner wünsche Deutschland, daß die Dienstzeit in der Reichswehr verkürzt wird. Stimson und Macdonaid hätten diese Forderungen zwar nock> nicht angenommen, aber bereit- willig angehört. Gegen Auslosung und Reuwahl des Ratiouoltates in wicn sind d>e Christlichsozialen und— die Heimwehrsraktion. Sollte der Ver- fasjungsausschuß beim Plenum beantragen, die Regierung zur Ver. legung des Aufläsungsgesetzes aufzufordern, so will die Regierung sofort zurücktreten, aljo eine andere Regierungsbildung erzwingen: Reich und Gemeinden. Neuregelung der Erwerbslosenhilfe dringend notwendig. Vera Bruno Asch, Stadtkämmerer von Berlin. Die Entlastung des Arbeitsinarltes vollzieht si6) nur langsam. Die schwere Erschütterung der Weltwirts6)aft, die andauernde Lertrauonskrisc und die Enge des deutschen Kapitalmarktes verhindern eins Belebung der Warenmärkte. Selbst wenn es gelingen sollte, durch die beabsichtigte Prä- mienanleihe gewisse Beträge für die Durchführung öffentlicher Arbeiten zu beschaffen und durch Kürzung der Arbeitszeit Neueinstellungcn zu ermöglichen, muß damit gerechnet werden, daß ein Millionenhser Erwerbsloser der öffentlichen Unterstützung weiter bedürfen wird. D:c Hauptlast� dieser Finanzierung aber liegt auf den Gemeinden. Sie unterstützen gegenwärtig etwa 2,12 Mil- lionen Wohlfahrtserwerbslose und tragen ein Fünftel zu den Kosten der Krisenfürsorge bei, die zur Zeit 1.74 Millionen hilfsbedürftige versorgt. Immer neue Scharen ausgesteuerter Erwerbsloser vollziehen Monat für Monat den Uebergang von der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge zu den Wohlfahrtsämtern der Gemeinden. Je länger die Krise an- dauert, desto größer wird dieser Zustrom, und es ist der Zeit- punkt zu berechnen, an dem die kommunale Fürsorge mehr Arbeitslose betreuen muß als Arbeitslosenfürsorge und Krisenfürsorge zusammen. Liegen doch heute die Verhältnisse in Berlin schon so, daß im Wohlfahrtsamt Anfang April . 265 696 Erwerbslose unterstützt wurden, in der Krisenfürsorge 157 666 und in der Arbeitslosenversicherung 133 666, während am 1. April 1931 die vergleichbaren Zahlen 146 666, 168 666 und 177 666 waren. Das Wohlfahrtsaint unterstützt also augenblicklich 47?1 aller Arbeitslosen gegen 33 Proz. vor einem Jahre. Zahlreiche Personen, die ihr Arbeitsverhältnis aufgeben müssen, haben zudem noch keine Anwartschaft auf die Unterstützung der Versicherung wieder erworben und gehen daher jetzt unmittelbar zur kommunalen Fürsorge über. Die finanzielle Belastung, die die Gemeinden tragen sollen, ist unerträglich geworden. Der Aufwand für 1932 wird nach?1bzug der Reichshilfe auf etwa 1166 Mil- lionen Mark geschätzt, dazu treten annähernd 246 Ättillionen für das Krisenfünftel. Im Berliner Etat wird der Jahres- aufwand 1932 ohne Berücksichtigung der Reichshilfc, deren höhe noch nicht feststeht, auf etwa 215 Millionen Mark ge- schätzt, das ist der ö,2fache Betrag der zu erwartenden Ueber- Weisung an Reichseinkommen- und Körperschaftssteuer, wäh- rend noch 1936 einem städtischen Aufwand für Erwerbslose von 166 Millionen Mark ein Betrag von 93 Millionen Mark Reichssteuerüberweisung gegenüberstand. Aehnlich, zum Teil noch schlimmer liegen die Verhältnisse in anderen Städten. Unter diesen Umständen ist es verständlich, daß die Er- füllung dieser fürsorgerischen Arbeit in den Gemeinden auf das schwerste bedroht ist und darüber hinaus die gesamte kommunale Finanzmirtschast unmittelbar vor den furcht- irrsten Zusammenbruch sgesahrcn steht, wenn nhht sofort eine anderweitige Finanzierung der Erwerbs- losenpflegs erfolgt. Die Crkenntis dieses Zuftandss ist endlich auch in den Regicrungsstuben allgemein geworden, in denen man allzu lange diese Verhältnisse ungenügend beachtet, den Gemeinden und ihrem Kredit den schwersten Schaden durch die Vernachlässigung dieses Zentralproblems unserer öffentlichen haushaltswirtschaft zugefügt hat! Allerdings ist es notwendig, daß diesmal der Weg von der Einsicht zur Tat ganz kurz ist und bereits in diesen Wochen— mög- lichst noch vor Pfingsten— die entscheidenden Beschlüsse gefaßt werden. Dabei kommt es darauf an, daß Krisenfürsorge und Wohlfahrtspflege im Wege vernunftiger Uebergangsmaß- nahmen organisatorisch nach und nach vereinheitlicht, die Unterstützungssätze beider Fürsorgezwcigc gleichmäßig ge- staltet und die Bedürftigkeitsprüfung bei den Gemeinden unter den gleichen Gesichtspunkten zusammengefaßt wird. Zweckmäßigerwcise wird diese Erwerbslosenpflege bei der Gemeinde und bei den Bezirksfürsorgeverbänden konzentriert, da nur bei ihnen die Gewähr für eine zutreffende fiirsorge- rische Prüfung geboten werden kann. Die K e r n f r a g e aber ist selbstverständlich die Lösung der finanziellen Aufgabe, die nicht nur eine anderweitige Verteilung der Mittel zwischen Reich und Gemeinden umfaßt, sondern die Aufbringung der erforderlichen Beträge. Angesichts der gegenwärtigen Zahl der Erwerbslosen muß man damit rechnen, daß im Jahresdurchschnitt 1932 für etwa 5,5 Millionen Arbeitslose gesorgt werden muß. Alle Berechnungen, die von niedrigeren Ziffern ausgehen, find zu optimistisch. Sie bergen die Gefahr in sich, die wir in der Vergangenheit wiederholt erlebt haben, daß unzureichende finanzielle Maßnahmen getroffen werden und bereits im herbst wieder neue Beunruhigung über das Schicksal der Erwerbslosenfürsorge eintreten muß. Sollte die Schätzung— was leider nicht zu erwarten ist— zu hoch gewesen sein, so läßt sich später sehr rasch eine Aenderung herbeiführen. Jetzt ist es aber dringend geboten, allen Möglichkeiten ins Gesicht zu sehen und für die Unterstützung der Arbeitslosen aus- reichend und rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Für 5,5 Millionen Arbeitslose ist nach übereinstimmender Auffassung aller Beteiligten ein Jahresaufwand von 3,3 Mil- liardcn Mark erforderlich. Zu dieser Summe tritt der Betrag an Verwaltungskosten der Reichsanstalt und der Gemeinden. Legt man die bisherigen Einnahmen der Reichsanstalt, die Leistungen des Reiches aus Krisenfürsorge and Gemeinde- beihilfe im Jahre 1931 und einen gemeindlichen Beitrag von 566 Millionen Mark(einschließlich der in den Länderhaus- halten vorgesehenen zentralen Ausgleichsfonds) zugrunde, dann fehlen rund 756 Millionen Mark an der Fmanzierung der Erwerbslosenhilfe. Dieser Betrag entspricht etwa der chöhe der vom Deutschen Städtetag geschätzten Min- dcstsumme des Kommunaldcfizits 1832 und zeigt noch einmal den unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Frage der Gcmcindefinanzen und der Aufrcchterhaltung der Fürsorge für die Arbeitslosen. Klemer Spaß. „Intrigen?- Ach Ltnsinn, wir wollen nur probieren, ob der Herr am Ende kitzlich ist." Die Gteuerbiianz des Reiches. 8,-1? Milttarden Einnahmen erwartet,?,?8 Milliarden eingegangen. Das Reichssirurnzmimitenum veräsfcntlicht jetzt das Gesamt- ergebnis der R e i ch s c l n n a h m en für das Steuerjoljr 1931/32, das am 31. März abgelaufen ist. Die Steuerbilanz des Reiches ist nicht erfreulich. Trotz der drakouijchcu SIeuermaß- nahmen ist es im letzten Jahre nicht gelungen, die Einnahmen mit dem Loranschlag in Einklang zu bringen. Es waren für das Elals- iaht 1931 insgesamt 8172 Millionen Mark für Einnahmen angesetzt, wovon bis zum Schluß des Slatchahres 77S? Millionen eingegangen sind. Es ergibt sich also eine Mindereinnahme non ZSS Millionen. Der Einvahmeaus'all geht mit 72,2 Millionen zu Lasten der Besitz- und Verkehrssteuern und mit 312,8 Millionen zu Losten der Zölle und Verbrauchsabgaben. Im Vergleich mit dem vorongegan- gencn Steucrfahr 1g?0(April 1950 bis März 1931) hat folgende Verschiebung bei den Reichseinnahmen stattgefunden: 1930 1931 Lefitz, und v-rkchrssteuern. 5981.0 Mill. 211. 5000.3 Milk. M. Zölle und Lerbrauchsabgaben 30ö4,b.. 27Sb.? ,. Insgesamt... 9025.6 Mill. M. 77S7.0 Mill. M. Dieser scharfe Eiimahmeruckgang zeigt die verheerenden Wirkungen der Krise auf die Rcichsfinanzen, denn trotz der Einführung neuer Steuern und der Steigerung einer ganzen Reihe schon bestehender Steuern blieben die Einnahmen im ver> gangencn Etatsjalzr um mehr als 1 34 M i l l l a r d« n M a r k hinter dein vorhergehenden Jahr zurück. Die Einnahmen bei der wichtigsten direkten Steuer, der Ein- kommen st euer, haben den Erwartungen entsprochen. Es ist sogar gegenüber einem Voranschlag van 2,05 Milliarden eine Summe von 2.14 Milliarden Mark aufgekommen. Auf die Lohnsteuer der breiten Massen 1,03 Milliarden. entfallen hiervon auf das übrige Einkommen 1,04 Milliarden und auf den Steuer- abzug vom Kapitalertrag 68,6 Millionen Mark. Auch die Umsatz« steuer liegt mit 993,5 Millionen noch um 13 Millionen über dem Baron schlag, was auf die zum Jahreseirde erfolgte Kerauffetzung dieser Steuer zurückzuführen ist. Der V e r m ög e n s st e u e r erbrachte 371,9 gegen 345 Millionen im Boranschlag. Dagegen waren die Einnahmen aus der K r i s e n st« u e r, die im Sommer ver» gangencn Jahres durch Notvorordnung eingeführt wurde, sehr enttäuschend, denn sie blieben mit 22l,2 Millionen um rund 104 Millionen hinter dem veranschlagten Aufkommen zurück. Lei den Eingängen der kapitalverkehrssteuern finden die Lonkenkrisc und der Zusammenbruch des deutschen Kreditsystems „ihren Riederschlag. So hat die Börsenumsatzsteuer mit 11,2 Millionen nur die Hchfle des Voranschlages, die Wertpapierstouer sogar nur knapp ein Fünftel der veranschlagten Einnahmen erreicht, während d>e Einkünfte aus der Gesellschaftssteuer gleichfalls nahezu um die Hälfte zurüchblieben. Die abgleitende Kurve der deutschen Einfuhr im vergangenen Jahr hat bei den Z o.l l« i n n a h m e n gleichfalls ein erhebliches Defizit hinterlassen, obwohl die Zölle für Butter, Holz, Ge- trcide und Mineralöle ganz erheblich heraufgesetzt wurden. Es kamen anstatt der veranschlagten 1,20 nur 1,14 Milliarden Mark aus den Zöllen ein. Die Zerstörung der Masscnkaufkraft durch Arbeitslosigkcil. Lohn- druck und Erhöhung der Mafsensteuern kommt in dem außer« ordentlich scharsen Rückgang der Lcrbrauchsobgaben zum Ausdruck. Rund 915 Millionen hatte das Reich an Einnahmen aus der Tabaksteuer erwartet und nur 793,7 Millionen kamen ein. Im Verhältnis noch schlechter hat die B i e r st e u c r abgeschnitten, aus der nur 368,1 Millionen gegen 460 Millionen im Baranschlag eingingen. Auch die Zucker st euer, deren Herausschraubung im vergangenen Sommer zu einer weiteren Schrumpfung des Kon- sums geführt hat, ist mit 238,1 Millionen weit hinter den erwarteten Einnahmen von 250 Millionen zurückgeblieben. Dos Gesamtbild dieser unersrcnlichen Sleuerbilonz zeigt, daß die Politik der Rcichsregicrung die Belastung der breiten Masten des Volkes weil überspannt hat und daß die Rückschläge dieser falschen Politik sich in den Zahlen der wichtigsten Steuereinnahmen bereits offenbaren. Die Erkenntnis dieser Fehler kann nur zu dem Schluß führen, daß in der Mirlschaftz. und Lohnpolitik das Steuer energisch herumgeworfen werden muh. Eine Deckung dieses Betrages durch Kürzung der Lei- stungen für die Erwerbslosen muß abgelehnt werden. Die Fürsorgcbcträge sind so tief gesunken, daß es nicht mehr ver- antwortet werden kann, die Hilssbedürftigcn weiter zu be- lasten und ihnen einen noch tieferen Stand ihrer Lebens- Haltung zuzumuten. So hart es ist, in dieser Zeit der schweren Wirtschaftsnot noch weitere Leistungen und Beiträge in An- spruch zu nehmen, so bleibt doch kein anderer Weg— wenn man nachdrücklich die Inanspruchnahme der Notcnpresse ab- lehnt, nnd wer wollte es verantworten, diesen Verhängnis- vollen Weg zu empfehlen?—, als durch Belastung aller noch int Erwerbsleben stehenden Personen die erforderlichen Mittel auszubringen! Das gebietet nicht nur die allgemeine unab- weisbare menschliche Pflicht gegenüber der erschütternden Not der Arbeitslosen, sondern auch die staatspolitischc Einsicht. „Ariadne auf Raxos." Lindenoper. Ausgezeichnete szenische Interpretation durch T i« t j e n, subtile musikalische Ausdeutung durch Blech! ganz überragend Maria Jvogün, deren unübertrefflich virtuos gesunkene Zer- bm«tta,Arie durch minutenlangen Beisqll bei offener Szene belohnt wird. Großer Erfolg für alle Darsteller, Tieljen. Blech und den Meister dieser musikalischen Wunder: Richard Strauß. A. W, Kuhhandel in Wien. Ziegierung will Auflösung mitHilfe der Hcimwehr vermeiden Wien, 4. Mai.(Eigenbericht.) Die christlichsoziolc Regierung versucht mit allen Mitteln die von den Sozialdemokraten geforderte Auflösung des National- rats und die Ausschreibung von Neuwahlen zum Parlament zu verhindern, da kein Zweifel darüber besteht, daß Neuwahlen in Oesterreich mit einem schweren Verlust der Christlich» sozialen enden würden. Am Mittwoch versuchte die Regierung in stundenlangen d r ü- m a t i s'ch c n Verhandlungen die acht Stimmen dez faschisti« schcn Heimatblocks, der sich»och vor wenige» Tagen für die Auf- lösung ausgesprochen halle, dadurch zu kaufen, daß sie dem Hclinatblock eine Erweiterung der Regierung nach rechts und die Aufnahme von faschistischen Heimatblockleille» in die neue Regierung versprach. Es scheint, daß der Heinratblock bereit ist, seine acht Stimmen für einen Ministersitz zu vorkaufen. Aber selbst mit den Stimmen der Faschisten hätte die Regierung nur eine Mehrheit von einer einzigen Stimme. Sie kann nüt dieser Stimme vielleicht die Auslösung des Parlaments um einige Wochen verschleppen. Es ist aber sicher, daß sie den Sommer nicht überleben kann. Die endgültige Entscheidung, od es zur Auflösung des Paria- ments oder zur Neubildung einer lebensunsähigen rechtsradttälcu Regierung kommt,'dürfte kaum vor Freitag fallen. Wutausbruch Tardieus. Eine tolle Rundfunkrede. Paris, 4. Mai.(Eigenbericht.) Ministerpräsident T a r d i e n hat heute abend in seiner Wohnung eine Rundsuntrede gehalten, in der er die Wähler zum letzten Mole aufforderte, gegen die Sozialisten zu stimmen und das W a h l k a r l e l l zwischen den Sozialisten und den Radikalen zu sprengen. Die Wahlrede war in demselben Stil geholten wie seine früheren Wahlreden, zeichnete sich aber dazu noch durch eine geradezu phantastische Auslegung des Ergebnisses des ersten Wohlganges aus. Danach scheint Tardieu der einzige Politiker in Frankreich zu sein, der den Sieg der Linksparteien nicht anerkennen will. Er sagte: Die Wahl am vorigen Sonntag sei ein Beweis für die Stabilität des französischen politischen Lebens, da 8 7 P r o z. der gewählten Kandidaten bereits der alten Kammer angehört hätten. Die ä u tz e r st c Linke habe eine Schlappe erlitten. 132 neugewählte Abgeordnet« ständen der Regierung nahe, während nur 118 der Opposition angehörten. Am nächsten Sonntag seien noch 353 Abgeordnete zu wählen, wodurch die Stichwahl ent- scheidende Bedeutung erhalte. Am S. Mai würden sich die Geister für oder gegen Frankreich scheiden. Tardieu wandte sich dann scharf gegen die Sozialisten und die KarteUpolitik. Die Kandidaten der Mehrheit verteidigten eine Richtung, die der 1926 durch Poincore begonnenen Politik die Treue halt«. Auf ihren Fahnen ständen Friede und Sicherheit. Die Sozialisten dagegen seien zur A b r ü st u n g ohne vorhergehende Sicherheit und zu wirtschaftlichen Matznahmen ent- schlössen, deren Rückwirkungen bereits Deutschland, England und einige andere Staaten ruiniert hätten. wer den sozialistischen Parolen solgen wolle, gehe dem Selbst- mord entgegen! Die Radikalen sprächen seit Sonntag von dem Abbruch aller Brücken und von der Unmöglichkeit jeder Zusammenarbeit mit der Mehrheit. Die Führer der Radikalen hätten die Unmöglichkeit erkannt, mit den Sozialisten zu regieren uird wollten die Stimmen ihrer Partei trotzdem am nächsten Sonntag den sozialistischen Kandidaten zuwenden. Das sei eine Politik der Halbheit, die in einem noch ernsteren Licht erscheine, wenn man feststelle, dotz die Sozialisten ihrerseits die Konimunisten zu unterstützen gedächten. Noch sei es jür die Raikalsozialistcn Zeit zur Umkehr. Das Bolk müsse sprechen und den Führern ihre Fehler nachweisen. Er und seine Vorgänger hotten den Radikalen stets die Hand zu einer republikanischen Zusammenarbeit hingestreckt. Das Kartell werde in der Kommer sortgesetzt werden, man werde also wieder derselben Lage wie im Jahre 1924 gegenüber- stehen, die Radikalen würden das Schicksal Frankreichs der Sozialistischen Internationale anvertrauen, die Steuern würden erhöht werden, die Währ u n g werde sinken, dos Kapital ins Ausland flüchten und nach monatelangen unfruchtbaren Kämpfen werde Frankreich wieder nach einem Poin- rare rufen. Er beschwöre also die Radikalen, sich von den Sozia- listen zu trennen. Sie könnten diese Trennung mit den Interessen des Regimes rechtfertigen, das die Sozialisten niederschlagen wollen. Die gegenwärtige Zeit sei für derartige Experimente nicht geeignet. Besonders auf o u tz c n p o l i t i s ch c m Gebiet wäre die Lage e r n st. In Genf ständen Frankreich zahlreiche Feinde gegenüber. Auf die edelmütigsten Handlungen Frankreichs antworte Deutschland mit einem Anwachsen de» gehässigsten Rationalismus. Sogar die Locornoabkommen, deren loyaler Abschluß in der ganzen Welt gefeiert worden ist, erscheinen nach der Derösfent- lichnng des Brieses Stresemanns an den ehemaligen Kronprinzen in einem sehr beunruhigenden Lichte. Er, Tardieu, gebe also den Wählern den Rat, vor der Stimmen- abgäbe rechlich nachzudenken. Sie könnten die Radikal« Partei noch zu der Politik der republikanischen Einigkeit zurückführen. Er wisse im übrigen, daß viel« Radikale gegen das Zusammengehen mit den Sozialisten protestieren. Er, der das Beste Frankreichs wolle, erblicke in der Stellung, die die Radikale Partei«ingenommen habe, eine furchtbare Gefahr für das Land, und er fordere die Wähler auf, im Interesse Frankreichs und der Republik das Links- tartell zu zerschmettern. * Diese Rede ist der W u t a u s b r u ch eines Mannes, welcher weitz, datz er das Spiel verloren hat und der noch einen verzweifelten Versuch unternimmt, das Schicksal aufzuhalten, indem er vor keiner Schmähung seiner Gegner zurückschreckt. Sein Hin- weis darauf, datz 87 Proz. der im ersten Wahlgang bereits gc- wählten Abgeordneten schon der alten Deputiertenkammer angehört hätten, beweist überhaupt nichts. Erst nach der Stichwahl wird man erfahren, wieviel Abgeordnete der bisherigen Tardieu-Mehrheit insgesamt geschlagen wurden. Dann wird sich herausstellen, dotz der Prozentsatz der wiedergewählten Abgeordneten viel geringer ist und vor allem, dotz die Opfer zum allergrößten Teil unter den An- hängern der Regierung zu suchen sind. Die Behauptung, datz die Wähler am nächsten Sonntag„für oder gegen Frankreich" zu wählen haben werden, erinnert ganz an Wilhelms 1 1. traurig berühmten Ausspruch von den „vaterlandslosen Gesellen" und bedeutet eine Dissamierung der Sozialisten, wie wir sie in unserem Lande von Hitler und Hilgenberg gewöhnt sind. Herr Tardieu identifiziert sich dreist mir Frankreich, genau so dreist wie sich die Hakenkreuzler und Deutsch- nationalen hier mit Deutschland identifizieren und jeden Gegner als„Landesverräter" hinstellen. Tardieus krampshaftes Bemiche», das Zusammengehen der Radikalen mit den Sozialisten im zweiten Wahlgang zu vcr- hindern, und seine geradezu demütige Anbiederung an die Radikalen werden ihren Zzpeck bestimmt verfehlen. Die republikanischen Wähler haben sich durch seine letzte Belsort-Rede am Bor- abend der Wahl nicht beirren lassen, sie werden nach seiner gestrigen Rundfunkrede, die nur eine Steigerung seiner bisherigen Schimpfcrcin und Drohungen darstellt, erst recht ihren Weg gehen. Das ZusammLn�ehen der Linken. Paris, 4. Mai.(Eigenbericht.) Am Mittwoch haben zahlreiche weitere Bezirksner- bände der radikalen und sozialistischen Partei für die Stichwahlen ihre Kandidaten zurückgezogen und die Wähler ausgefordert, für die Linkskandidaten zu stimmen, die im ersten Wohlgang die meisten Stimmen erhalten haben. Dos Wahlbündnis zwischen Radikalen und Sozialisten wird also im allgemeinen loyal durchgeführt. Eine A u s n a h m e hoben die Sozialisten in zwei Wahlkreisen des Departements Saonc-et-Loire gemacht, in denen sie ihre klnssrs werten Leserund Freunde werden gebeten, in Gaststätten, Hotels, Pensionen. Lesehallen, bei den Zeitungsverkaufsstellen«owohl in Groß-Berlin als auch im Reich bei jeder Gelegenheit oen „V o r w ä r t s" zu verlangen. Das Porteiinteresse fordert, überall und ständig iür unsere Presse zu werben und das Auslegen ces Zentrolorgans der 3PD. in allen Verkehrsstätten zu veranlassen. Wo der„Vorwärts" noch nicht erhältlich sein sollte oder nicht ausliegt, bitien wir um Benachrichtigung Vorwärts Verlag G.m.b.H., Bln., SW68. Lindenstraße 3. Fernspr.: A7, Dönhoff 292/97 Kandidaten nicht zurückgezogen haben, obgleich beide radikale Kan- didaten mehr Stimmen im ersten Wahlgang erhalten hoben. Die Aufrechterhaltung der Kandidaturen wird damit begründet, datz die beiden radikalen Kandidaten von der Rechtspresse unter- st ü tz t worden seien. Die Nazi-Landwirischastskammer. Tlazipräsident der Landwirtschastskammer Ostpreußen. Zußtritt der Nazis für die Hugenberger. Königsberg. 4. Mai. In der heutigen Vollversammlung der L a n d w i r t s ch a s t s- k a m in e r für die Provinz O st p r c u tz e n wurde zum neuen Präsidenten Freiherr von Buttlar-Burkhord(Kreis M o h r u n g e n). N S D A P., mit 47 gegen 28 Stimmen gewählt. Der bisherige Präsident der aufgelösten Landwirischostskaimner war Dr. Brandes. Nach der Wahl des Präsidenten der Landwirtschaftskammer hätte gemäß der Tagesordnung die Wahl des stellvertretenden Prä- sidenten erfolgen müssen. Auf nationalsozialistischen Einspruch wurde jedoch zunächst die fatzungsgemäß vorzunehmende Z u w a. h l von sieben Mitgliedern zur Kammer durchgeführt, llntcr diesen wurde auch der R e g i e r u n g s a s s c j s o r B e t h g c- K ö n i g s b e r g in die Kammer gewälsit. Zum ersten stellocrtreten- den Präsidenten wurde dann mit den Stimmen der Nationalsozialistea der eben in die Kammer gewählte Regicrungsasscssor B e t h g e. zum zweiten Stellvertreter der auf der nationalsozialisti- schon Liste in die Kammer gelangte Beisitzer Lewandowski- Frankenau gewählt. Es hatte sodann die Wahl von acht B o r st a n d s m i t g l i e- d e r n zu erfolgen, von denen vier nach alter'Vereinbarung vom Vorstand der Zentralvcrcine gestellt werden. Die Nationalsozialisten erklärten, sie würden sich an diese Zlereiubarung nur insofern halten, als sie zwei davon als Vorstandsmitglieder wählen lassen wollten, die anderen beiden aber nur als Stellvertreter. Daraufhin erklärte der Vorsitzende des Landwirtschaftsverban-dcs Ostpreußen, S t r ü v y. unter Protest, wenn die nationalso.zialytischc Fraktion sich an die Vereinbarung nicht mehr halten werde, so sei das ein glatter R e ch t s b r u ch: er und seine Freunde könnten dann nicht nielir mitmachen und würden ausziehen. Als sich die nichtnationolsozialiftischen Kanunermitglicdcr von den Plätzen erhoben, um den Sitzungssaal zu verlassen, erklärten die Nationalsozialisten sich bereit, die vier Vorstanidsposten in der alten Weise zu besetzen. Die nichlnationalsozialisiischen kam- mermitglieder zogen jedoch trotz dieser verspäteten Erklärung aus dem Saale aus. Die nationalsozialistische Rumpskammer blieb zusammen und wählte die noch zu wählenden Ausschüsse. Je Da ist der Krach im schönsten Gange! Die Khugenberger haben ihre Fußtritte von den Nazis dahin! Die in intimster Freundschaft mit den Nationalsozialisten lebende„Berliner Börsen-Zcitung" verzeidinct freudestrahlend, daß die Präsidentschaft, die stets in den Händen eines Deutsch- nationalen war. nun an die Nazis übergegangen ist. Die „Börsen-Zeitung" überschreibt die Meldung:„Antwort an Brau»." Diese lleberschrift ist ebenso intelligent wie die selbstmörderische Haltung der Deutschnationalen, die jetzt dazu geführt hat, daß sie in den Landwirtschaftskamwern ganz Ostpreußens die Mehrheiten an die Nationalsozialisten ver- loren haben. Uns scheint, daß die lleberschrift besser hätte lauten müssen:„Schallende Ohrfeige für 5) u g e.n- berg!" Arbcüsl-iigleit als Tchicksal. In der Reibe der Sondcrabenbe der Drutlchen Liga für Mensibenrcchte smdet am Ireitag, dem 9. Mai, im Reickswirlschaslsrat, Plenarsaal, Bcllcvnestr. tö, 20V1 Illir. eine Per» anstaliung unter dem Thema..Arbeitslosigkeit als Schicksal" halt. Räch einleitendem Referat von Bernhard von Brentano werden sprechen Frau Marianne Lendsion> Berufs- und Wirtschastssürsorgcrin,. Hellmuth I ritsch, ein Tauerarbcitslvser und ein Schulentlasseiicr. Karten nur an der Abendkasse._____ Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Lerontwerllich slir Politit: Bictae öch'ls; Rirtschuft: G. vlingelholrri Scwerksäzaftsbewegung: I. Steinet; Feuilleton: Vr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Fritz Äarstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Perlag: Vorwärts-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Pocwärts-Vuchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SD. 68. Lindenstraße 3. Hierzu 3 Beilagen. >Pf. 65 GdsS LürsKGn.. 3 Pfd. Apfelsinen...... 3 piund 0.52 Jaffa-Orangen.... 3 Phmd 0.68 Bananen........ 2 Phmd 0.78 Kaliforn. Tafeläpfel. 3 piund 0.98 WliffSt Dampf- u. Flelschwurst___ Landleberwurst Pfand i.o« 0.76 Jagdwurst..... Pfund 0,98 0.78 hiettwurst ßraumchw. Art, Pfand 0.85 Wiener Würstchen..Pfand 0.88 Feine Leberwurst m t.ts 0,95 Zervelat u. Salami fw. 1.10 0.98 Schinkenpolnische u. Kiimmeiw. 0.88 Teewurst feine und grobe, Pfund 1,14 Zervelat tPend. u. Filetwurst 1.18 Speck mager. Pfd. 0.82 fett Pfund 0.58 Schinkenspeck m> stodt. Pfand 1,08 Nußschinken ca.2Pfd.Khw.. pm, 1.36 Gekocht. Schinken>/, ptund 0.53 Käse WERTHEIM Gemüse Zusendung von 5M an. Leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt. (ßiML&e, 4te£ueJMiniJtte& 3©? Spatgc! pfd. o.38 o.3s Rhabarber...... 3 Pfund 0.25 Spinat......... 4 ptund 0.25 Salat.......... 2 Köpfe Q.2S Radieschen...... 4 Bund 0.22 Blumenkohl... Kopf von an 0.1 5 Grüne Gurken..stodvonan 0.30 Malta-Kartoffeln... 3 ptund 0.38 >/, Dom Konserven Ff. Harxerkäse1�- 28 pi. Camembert voufett... sd>adiiei 0.22 Limburgerkäse»om.o.72 haibt 0.42 Blodtkäse(TUlllerArOhalbf.. Pfd. 0.54 Briekäse voNfen..... Pfand 0.58 Holländer u. Edamer voufett 0.62 Tilsiter u. Steinbuscher voiifett 0.68 Schweizerkäse bayT,»o!if.,ptdMn 0.95 Margarine, Kokosfett Pfand 0.32 Roh- u. Bratenschmalz ptd. 0.38 Griebenschmalz.... ptund 0.46 Molkereibuttcr..... pwnd 1.24 Markenbutter...... ptund 1.40 Dänische Butter....Pfund 1.48 Fische Osfeeedcrsch gan» ru/, Do«e 0.33 0.63 Senfgurken 0.03 Pflaumen 0.58 Apfelmus 0.45«xira fem.. C.62 Williams.-BirnenvjFrud,! 1.25 1.05 KofonfiaSwaren PuekäingpuEver MM., mit Vanille- u.Kandel-GcschmÄck Puddingpulver.. mit Schoko'.odvGcidimadt... Flund w»ü4 Rote Grütze....... Pfund 0.64 Vanillin-Seucen-Pulver Pfd. 0.64 Olympia-Mehl Beut 1.35 1.45 1.55 Auszugmehl Pfd. 0.26 0.28 0.30 Sultaninen Pfund 0.33 0.53 0.78 Korinthen.... Pfund 0.68 0.78 Mandeln«cs,pfucd 1.33 1.73 1.98 Eier-Schnittnudeln Pfd. 0,40 0.56 Backobst gemisdit 0.25 0.53 0.78 Kaffee frlidi gebr.. Pfund 1.90 Ua 3.60 ■ Uti'iUH: Nr. 2t 0. 49. Zshrgonz Donnerstag. Z. Mai il9Ä2 sn die .:.'■>..»- �.'XvX�i SOic Wirsehen hlühen nuersl Diese Straßen und diese siöften mit ikren Obstblüten, die sich schnell erschließen, schnell zu einem rieselnden Blütenrcgcn werden, dieser Sand und dieser Staub, sie gehören zum Berliner Frühlingszauber, der mit dein Begriff„Baumblüte in 7Lerd«r" untrennbar verbunden ist. Die blühenden Garten, die die chügel decken, zeige» nur wenig Grün: zuerst sind die Bluten da, zwischen denen die kleinen Blätter schüchtern schimmern. Das Weiß wandelt sich, je nach Art, es ist untermischt mit gelb, orange und rosa und wird festgehalten durch das Gewirr der Stämme, Aeste und Zweige, die später die Träger des reifen Obstes sein worden. Zwischen den Zäunen, die sich um die Gärten legen, führen die Straßen über die Höhe, verzweigen sich in schmälere Wege und knappe Pfade und wo es in die Tiefe geht, läßt sich ein Stück Wald überblicken. Die Havel blinkt her- über, ein Stück Schwielowsce und hinten der dunkle Saum des begrenzenden Waldes. Der Wind fegt Staubwolken vor sich her, Autos und Motor- räder sorgen dafür, daß diese Wolken in Bewegung bleiben und den Spaziergänger sonst einhüllen. Der geht forsch seines Weges und strebt nach pflichtschuldigem Genuß der Blütenpracht zu den großen Gärten, die Ruhe und Schatten bieten und vom Staub abgesondert sind. Dort wird unter den neutralen Werdcrschcn Farben Weiß, Rot. Grün— der Flaggenkrieg ist wenig beliebt— neben Kaffee und Kuchen das Gärungsprodukt von Werder, der Wein von Jo- hannisbeeren, Stachelbeeren und Erdbeeren meist in Mengen gc- nassen, die den wenigsten bekömmlich ist. Aber auch das soll dazu gehören, um den Tag von Werder würdig abzurunden. Alles das vollzieht sich unter mannigfachen musikalischen Geräuschen: es wird gejazzt. es wird gesiedelt, es wird tronipctet. Der gemütvolle Leierkasten läßt sich hören und die sonore Stimme der Karussell- Drehorgel: bis in die Nacht hinein... Bor 50 Jahren war die Eisenbahn stolz darauf, daß es ihr gelang, an schönen Blütentagen etwa l800 Berliner täglich nach Werder und zurück zu expedieren. Heute sind es 20 000 und medr und wenn einige von ihnen nicht nach Berlin zurückfinden, ist es nicht Schuld der Reichsbahn. Für die Unterbringung dieser Unent- wegten, für die hemmungslosen Schläfer nach dem Wcinopser ist ebenfalls gesorgt. Sie liegen friedlich in Reihen geordnet auf grüner Wiese oder bei schlechtem Wetter im Schuppen unter sorglicher Obhut, eines Wächters. Auch GlinöoW ist ein Blüienparadies? Taufende von Automobilisten, Matorfahrer und Radfahrer kommen allfonntäglich auf der Fahrt nach Lchnin oder Brandenburg gleich hinter Geltow und Baumgartcnbriick an Glindow vorbei, ober nur wenigen fällt es ein, einen kleinen Abstecher nach diesem ungemein reizend gelegenen Ort zu machen. Dabei hat bc- rcits Theodor Fontane, der klassische Schilderer der Mark, Glindow ausführlich gewürdigt. Damals, zu Fontanes Zeiten, war es aller- Vings eine Ziegelzcntrale: seit dem 13. Jahrhundert wurden hier Ziegelsteine für Berlin geformt, gestrichen und gebrannt. Heute ober ist die ganze riesige Feldmark des Dorfes ein einziges unabsehbares Blülcnmecr. Wer von dem Leben und Treiben auf den„Fröhlichen Kirschbergen" Werders genug hat. der flüchte mit den eleganten und bequemen stadtwerderschen Auto- bussen, die vom Bahnhof in Werder abfahren, nach Glindow. .Hier ist auch Sonntags friedliche Stille. Man findet im Ort be- hoglich« und gemütliche Unterkunft und Berpslcgung zu mäßigen Preisen. Ein netter Spaziergang fuhrt zu dem Strepenberg empor, von dem man einen einzigartigen Freiblick genießt auf Taufende von Hektaren Blütenland, auf die ferne Havel, die schneeweißen Blütenberge Werders und die dunklen Hügel des Wildparts. Ein lieblicher unvergeßlicher Anblick. In gemütlichem Schlendern gelangt man zu der neuesten Attraktion des Ortes, dem G e- m e i n d c p a r k, der die eigenartigen und allen Geologen. Zoologen und Botanikern bekannten wirklich romantischen Schluchten, Tal- kcsscl, Seen und Hänge der alten Tonlagerstätten der Allgemeinheit erschließt. Stille Genießer aller Art werden in Glindow voll und ffiliihende Cfäriesi B y miies ganz auf ihre Rechnung kommen und der Automobilist ist in drei Minuten wieder auf der großen Aussallstraße nach dein Westen. * Die Berliner Person cnschiffsrccdercien sind auf den gor nicht üblen, wenn auch eigentlich naheliegenden Ge- danken gekommen, dos Berliner Publikum zur Benutzung ihrer Fahrzeuge zu animieren. Zum erstenmal sah deshalb vor einigen Tagen die überraschte und interessierte Berliner Bevölkerung die schönsten modernsten und bequemsten Typen der Berliner Dampfer und Motorschiffe auf einer Wcrdersahrt durch die Stadtsprce vom Mühlendamm bis Charlottenburg fahren. Manche Schisse hoben sehr poetische Namen und das ist besonders etwas für die Damen. Andere hören wieder drolligerwcisc auf die Bezeichnungen von Spielkarten und das regt die Skat- und andere Kartenbrüder ange- nehm an. Sehr viele Dampfer find heute gegen Witterungs- Unbilden vollkommen geschützt. Man fragt sich selber ganz erstaunt: Warum fährst du eigentlich nicht viel öfter mit einem Dampfer in dein Vergnügen, statt dich aus den Schienenvcrkehrsinitteln vor- fruchten zu lassen? In den guten Jahren— das darf allerdings nicht verschwiegen werden— waren die Fahrpreise nicht ganz billig. Aber auch das ist jetzt anders geworden und eine Dampfer- fahrt in die märkischen Bliilenporadiese Werder, Geltow, Caputh und Glindow gehört zu den schönsten, was Berlin seinen Be- wohnern und Gästen bieten kann. Aber auch in der anderen Rich- tung ist eine Fahrt die Wendische Spree oder Dahme hinauf an der„märkischen Rivicra" vorbei nach Tcupitz eine herrliche Sache. Geliungsdauer der pfingstfahrkarten. Hinfahrt bis il?. Mai.— Vorverkauf von plahkarten. Die Geltungsdauer der Festtags-Rückfahrkarten zu Pfingsten ist jetzt etwas geändert worden. Die Karten gelten zur Hin- fahrt für die Zeit vom 1l.— 17. M a i(und nicht 16. Mai) und zur Rückfahrt für die Zeit vom 13. Mai, 12 Uhr, bis 23. Mai. Die Hinfahrt muß bis zum 17. Mai, 24 Uhr, die Rückfahrt bis zum 23. Mai, 24 Uhr. beendet sein. In gleicher Weise ist auch bei den Arbeiterrückfahrkarten die Frist für die Hinfahrt bis zum 17. Mai verlängert worden. Gleichzeitig mit dem Boroerkauf der Fefttagsrückfahrkarten hat in den MER-Reifebüros auch der Verkauf der Platz- karten für die zu Pfingsten ab Berlin verkehrenden Schnellzüge begonnen. Für den Pfingstoerkehr ist bekanntlich die Vorverkaufs- frift für Festtagsrückfohrkarten und für Platzkarten auf. 9 Ta g e festgesetzt worden. Schlafwagenplätze können jedoch schon 4 Wochen vor dem Reisetage belegt werden. ■'6 Die Reichsbahndirektion Berlin teilt mit: In Hinsicht auf den zu erwartenden Pfingstoerkehr, der an manchen Bahnhöfen die ge- mcinsame Abfertigung und geschlossene Unterbringung größerer Reisegesellschaften erschwert, sieht sich die Reichsbahn zu der Ein- schränkung veranlaßt, daß für den 14., 15. und 16. M a i 1932 nur Reisegruppen bis zu 30 Personen mit Fahr- Preisermäßigung zugelassen werden. Diese Fahrten müssen bis Dienstag, 10. Mai, bei den Abgangsbahnhöfen ange- meldet werden. Im Bezirk der Reichsbohndirektion Berlin ist die Fahrpreisermäßigung für Gesellschaftsfahrtcn am Pfingstsonn- abend(1 1. 5. 32) überhaupt ausgeschlossen, weil hier an diesem Tage ein ausgesprochener Spitzenverkehr herrscht. Ausgenommen ist die Weiterbeförderung der vom Zlusland kommenden Reisegcsell- schaften. Schul- und Jugendfahrtcn sind zu Pfingsten allgemein zugelassen. Jedoch müssen die von Berlin ausgehenden Fahrten— wie schon kürzlich bekanntgegeben— ebenfalls bis Dienstag, 10. Mai, angemeldet werden. Berlins Not im Rundfunk. Stadtkämmerer appelliert noch einmal an das Reich. Als„Stimme zum Tag" sprach gestern Sladtkämmerer Bruno A I ch im Rundfunk über den Berliner tiaushaltsplan für 1 9 Z 2. den er am Dienstag mit einer aufsehenerregenden Rede im Slodtporlamcnl eingebracht hatte. Der Stodtkämmerer wiederholte in der breitesten Oefscntlichkcit des Rundfunks noch einmal jene Zahlen des Etats, die die kata- strophale Finanzlage der Rcichshauptstadt erschreckend offenbaren. Trotz der tief einschneidenden Notmaßnahmen des Magistrats, die jeder Bürger der Stadt zu spüren bekommen hat, ist es unmöglich, den Haushaltsplan zum Ausgleich zu bringen. Es bleibt ein Minus van HZ Millionen Mark, für das aus eigener Kraft keine Deckung geschafft werden kann. Mit den bisherigen Mitteln kassentcchuische'r Art und rigoroser Einschränkungen auf allen Gebieten der Kam- munalarbeit ist das Problem nicht mehr zu lösen. 45 Proz. aller durch die Krise der Weltwirtschaft aus dem Erwerbsprozeß ge- worfenen Personen fallen zur Zeit den Gemeinden zur Last. Die finanzielle Leistungsfähigkeit der deutschen Gemeinden ist durch die bisherige Regelung der Arbeitsloscnfürsorge und durch den an- haltenden Rückgang der Steuereinnahmen erschöpft. Die Welle der Not hat Berlin in besonders verheerender Weise erfaßt, lieber 1 Million Einwohner, das ist ein Viertel der Gcsamtbcvölkcrung. werden zur Zeil aus öffentlichen Mitteln unterhalten. Hier kann Hilfe nur von außen kommen, und der Stadtkämmercr appellierte noch einmal leidenschaftlich an die Reichsregierung, durch eine völlige Neugestaltung der Erwerb sloscnfür- sorge eine durchgreifende Entlastung der Gemeinden herbeizu- fuhren. Das Reich habe sich bisher gegenüber den Notrufen der Städte weit stärker zurückhaltend verhalten als gegenüber Alarm- nisen notleidender Wirtschaftskreise. Man dürfe jetzt annehmen, daß der Reichskanzler den ganzen Ernst der Situation erkannt habe. Die Reichsregierung fei sich darüber klar, welche Konsequenzen für Berlin entstehen mühten, wenn es nicht gelingt, den Haushalt in Ordnung zu bringen. Schlag gegen notleidende Mütter. Abschaffung der Stillprämien.— Eine unerirägliche Maß- nähme. In dem Bestreben, angesichts der katastrophalen Finanzlage aus allen�Gebieten kommunaler Fürsorge Einsparungen zu erwirken, hat die Stadtverwaltung das Maß des Erträglichen durch eine Anord- nung überschritten, deren sofortige Aushebung dringend notwendig erscheint. Bisher erhielten notleidende Mutter auf Grund der Wochenfürsorge neben dem Stillgeld eine sogenannte Stillprämie. wenn das Kind Muttermilch erhielt. Das Stillgeld beträgt zur Zeit pro Tag 40 Pf. Es wird für die Dauer von 85 Tagen gewährt. Insgesamt erhält also jede von der Fürsorge betreute Mutter 34 M. Daneben wurde für selbst stillende Mütter die Stillprämie für die Dauer eines Jahres gewährt, und zwar betrug der Tagessatz 25 Pf. Nach einer Anweisung des Hauptgesundheitsamtes ist es den Bezirksämtern jetzt untersagt, die Stillprämien weiter auszuzahlen. Diese Maßnahme wird wegen ihrer möglichen folgenschweren Aus- Wirkungen sür die meist an und für sich schon gesundheitlich gefähr- Veten Mütter und Säuglinge von den Acrztcn tief bedauert. Es handelt sich hier um eine sehr bedenkliche Sparanordnung, deren Auf- Hebung um so eher möglich sein sollte, als die eingesparten Mittel wegen ihrer geringen 5löhc die Kassenlagc der Stadt kaum wesentlich erleichtern können. Diese und andere Verzweiflungsmaßnahmen der Stadtverwal- tung zeigen, wie zwingend die 5) i l s e d e s R e i ch c s für Berlin ist. Der Direktor des Wannseebades, Hermann C l a j u s, spricht heute im Berliner Rundfunk, 15.35 Uhr, aus Anlaß des 25jährigen Bestehens des Wannseebades über das Thema„Der Berliner im Wasser". Die nächste Ausgabe des„Vorwärts" erscheint des Himmel- fahrtstages wegen Freitag abend. Jum,dj'e einen jähpzeh niebngen Erfolg verzeichnen der f, gewann lediglich durch ihre hervorragende Güte die Gunst der Raucnerweli. Deshalb greifen auch unsere Freunde im 77? bp wieder zu ihr, die weder Gutscheine noch Weptmarken noch Stickereien bringt. haben Sie für kleinsten Preis liöcfisfen Genui unil volles fmal! Das neue Ziidifliaus in BrandcabnrS Was gut daran ist und was noch besser sein könnte Am 15. Dezember v. I. wurde das neue Zuchthaus in Branden- bürg teilweise bezogen. Die siiranziellen Schwierigkeiten, in denen sich der preußische Staat augenblicklich befindet, machten eine frühere Fertigstellung des Gebäudekomplexes nicht möglich. Das Kranken- Haus ist heute noch nicht in Angriff genommen. Die Besichtigung der Anstalt durch die Presse unter Führung des Strafvollzugs- Präsidenten Wutzdorf enthüllte ein bautechnisch vollendetes Werk. Ein Gang durch die alte, jetzt leerstehende Anstalt in der Stadt in Brandenburg bewies noch einmal, wie notwendig die neue An- stalt war. Ein weiteres Verbleiben der Gefangenen hier war aus kriminalpädagogischen, wie auch sanitären Gründen unmöglich. Die neue Anstalt befindet sich in Göhrde n, einige Kilometer entfernt von Brandenburg, in der Nähe der nach Plauen führenden Landstraße und stellt eine Verbindung des sogenannten Zentral- s y st e m s mit dem P a v i l l o n s y st e m dar. Die U m f a s- s u n g s m a u c r, die die Anstalt vollkommen verdeckt, wird beider- seits von Beamtenhäusern umrahmt. Das Verwaltungshaus birgt die Lehr- und Kultusabteilung, und zwar Schulsäle, Gemeinschafts- zimmcr und die Kirche. Die Anstalt besitzt weiterhin eine Tischler-, Schneider-, Schlosserwerkstatt, auch eine Weberei und Mattenslech- terei. Außer der Kochküche und der Bäckerei ist eine Wurstküch« vor- Händen. Nach wie vor gehört das Gut„P l a u e r Ho f", dessen Produkte auch zur Bcwirtschastung von Berliner Anstalten heran- gezogen werden, zur Anstalt. Vom Verwaltungsgebäude aus sind nach beiden Seiten leicht erreichbar die Zentralen, um die sich die Verwahrungshäuser gruppieren. Die Verwahrungshäuser. Durch Zusammenfassung der Gebäude mittels eines ringsum lausenden Flures wird die Beaussichtigung außerordentlich verein- sacht. Ueberall ist für eine strenge Trennung des Aussichtspersonals von den Gefangenen in Form von hochlicgendcn und versteckt an- geordeneten Beobachtungsgängen für ambulante Beobach- tnng, die von den Gefangenen nicht übersehen werden kann, gesorgt. An einer Seite des Arbestssaales führt ein hinter Glas gelegener erhöhter Gang, von dem aus die Gefangenen während der Arbeit von einem einzigen Aufsichtsbeamtcn beobachtet werden können. Glas ist überhaupt überall verwendet. Es wird durchbrochen durch Metallgitter, die in das Glas eingelassen sind. Besonders große Sorgfalt ist der Möglichkeit der Gruppenein- teilung innerhalb der Verwahrungshäuser gewidmet worden. Es besteht die achtzehnfache Möglichkeit von Gruppcneintei- lungen. Schon der Umstand, daß die beiden Verwahrungshäuser, zu jeder Seite des Verwaltungsgebäudes, zusammen mit den Werk- stätten ein abgeschlossenes Ganzes darstellen, gestattet unter Um- ständen, zwei ganz verschiedene Kategorien von Gefangenen zu bc- Herbergen. Aber auch die einzelnen Stockwerke sind voneinander vollkommen getrennt. Jedes Stockwerk hat seine besonderen Wasch, und Badeanlagen und seine Tolletten. Mit dem Kübelsystem und mit den Toiletten in den Zellen ist endgültig Schluß gemacht. Nur die Gemeinschaftszellen haben Toiletten, die allerdings so gebaut sind, daß die Lust darunter nicht leidet. In sämtlichen Zellen gibt es fließendes Wasser. Ueberhaupt ist durch besondere Vorrichtungen dafür gesorgt, daß die übliche und üble Anstaltslust nicht entstehen kann. In sanitärer Hinsicht ent- spricht das neue Gebäude den letzten Anforderungen der modernen Bautechnik. Höchstens, daß die Glasdächer im Sommer die Luft im Gebäude und in den Werkstätten zu sehr anwärmen dürften. Aber auch hierin hat man durch entsprechende Ventilationsvorrich- tungen Vorsorge getroffen. �aum für 900 Gefangene. Die Anstalt ist auf 9 0» Gefangene berechnet. Sie ermög- lich sämtliche H a s t f o'r m e n, z. B. Trennung bei Tag und Rocht, gemeinsame Arbeit bei Tage und Einzclunterbringen bei Rocht, Gcmeinschaftshast bei'Tag und Nacht, in kleinen Gemein- schasten und in größeren Gemeinschaften. Für die bei Tag und Nacht getrennt untergebrachten Gefangenen sind die sogenannten Normalzellen von je 22 Kubikmeter Luftinhalt bestimmt. Die sogenannten Schlofzellen, in denen die Gefangenen wohnen, die nur nachts getrennt werden, haben 15 Kubikmeter Inhalt. Für die kleinen Gemeinschaften sind Gcmcinschastszellcn für vier bis sechs Mann vorhanden, für die großen Gemeinschaften llnterkunstsräum« für je dreißig Mann. Neben zwei Spazier- Höfen ist noch ein besonderer Spazierhof für die Disziplinarabtei- teilung vorhanden. Ein Sportplatz wurde bei der Besichtigung vermißt. Gut durchdacht sind die Eingangsräume für die neu ein- gelieferten Gefangenen. Sie kommen in besondere Abstellzellen ganz am Eingange des Gebäudes; von hier ins Bad, dann in den Ein- kleideraum und von dort in ihre Zellen. * Zum Schluß wäre folgendes zu sagen: Die Brandenburger An- stalt hat bautechnisch in Westeuropa nichts Gleichwertiges. Von, kriminalpädagogischen Standpunkt aus wäre vielleicht manches an- ders gestaltet worden, wenn bei der Fertigstellung der Pläne bereits die neue Verordnung über den Vollzug der Strusen in Stusen in Kraft getreten wäre. Die Anstalt ist in Zukunft für die S ch w e r st- erziehbarcn und für die Rückfälligen gedacht: die Ge- fangcnen werden somit jahrelang in dieser Anstalt verbleiben. In noch fernerer Zukunft wird die Anstalt vielleicht als Bewahrungs- onstalt ihren Zweck zu erfüllen haben. Sie ist ja auch in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der sicheren Verwahrung erbaut worden. Und tatsächlich gestattet sie mit verhältnismäßig wenig Personal den Gefangenen einer ständigen Beaussichtigung zu unter- ziehen, ohne daß er selbst das merkt. Hastbesehl gegen Bankier Bernheim. Wegen Oevisenvergehens und Verdunkelungsgefahr. Der Vernehmungsrichter beim Amtsgericht Berlin-Mitte hat gestern nachmittag gegen den Mitinhaber des Bankhauses Bernheim, Blum�Eo. in Berlin, den Bankier Robert Bern- heim, dessen Sozius Blum sich gestern vormittag im Gebäude der Zollfahndungsstclle das Leben nahm, 5) a f t b e f e h l wegen De- visenvergehens, Fluchtverdachts und Verdunklungsgcfahr erlassen. Drei tödliche Verkehrsunfälle. 3n den gestrigen Abendstunden ereigneten sich wieder eine Reihe von schweren Verkehrsunfällen, die drei Todesopfer forderten. An der Kreuzung Kronprinzenufer und Mottle- brücke prallte der 28 Jahre alte Paul M a t u s ch c w s k i aus der Herbststrahe 26 mit seinem Motorrad mit einer Autodroschke zu- sannnen. Das Rad wurde völlig zertrümmert. Schwerverletzt wurde der Verunglückte in die Charitä gebracht, wo er kurze Zeit nach seiner Ausnahme an den Folgen eines Schädelbruches starb.— Vor dem Hause Frankfurter Allee 42 wurde die 31jährige Frau Marie Krüger aus der Weberstrahe 5» beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einem Motorradfahrer erfaßt und so unglücklich zu Boden geschleudert, daß sie mit einem doppelten Schädel- b r u ch bewußtlos liegen blieb. Frau K. wurde zur nahegelegenen Rettungsstelle 9 transportiert, wo der Arzt nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen konnte.— Der dritte tödliche Unfall trug sich an der Ecke Mainzer und Berliner Straße in Neukölln zu. Dort wurde die 16 Jahre alte Hilde R o t h e r aus der Mainzer Straße 39 mit ihrem Fahrrade von einem Wäschereiauto überfahren. Das junge Mädchen wurde auf der Stelle getötet. Auf dem Wochenmarkt ausgesetzt. Besucher des Wochenmarkts in der E m s e r Straße in Wilmersdorf machten gestern Mittag gegen 2 Uhr dort eine traurige Entdeckung. Sie wurden durch ein klägliches Wimmern aufmerksam und fanden in einem kleinen Handwagen, der in einem abgelegenen Winkel des Marktes stand, ein n e u g e- boren es Kind, dem ein Knebel in den Mund gesteckt�war und das nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Der väugling, der zweifellos ausgesetzt war, wurde ins Wilniersdorscr Kranken- haus in der Pfalzburgcr Straße gebracht. Die Kriminalpolizei, die von dem Pfund benachrichtigt wurde, leitete sofort Ermittlungen nach den Eltern des Kindes ein, die jedoch bisher zu keinem Erfolg führten. Museum der Wasserwerke. Eine neue Sehenswürdigkeit der Veichshauptstadt. Anläßlich der Tagung des Märkischen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern wurde das von der Berliner Städtischen Wasserwerke A.-G. auf dem Grundstück des Altberliner Wasserwerkes W e st e n d auf dem Spandauer Berg in einem ehemaligen Maschinenhaus errichtete„M uscum der Wasser- werke" der Oesfentlichteit übergeben. Direktor Kühne, dessen Initiative die Entstehung dieses für Deutschland immerhin einzigartigen Museums zu danken ist, er- läuterte auf einem Rundgang Umfang und Zweck der Schau. Vor- aussetzungen für die Errichtung des Museums waren die vielen im Besitz der Stadt befindlichen wertvollen Modelle, Darstellungen und Probestücke aus den beiden Ausstellungen„Gas und Wasser Berlin 1929" und„Deutsche Bauausstellung Berlin 1931" sowie das Vor- handensein eines geeigneten Gebäudes zur Unterbringung der c-ammlung. Das ehemalige neben dem Charlottenburger Kranken- Haus auf dem Westender Berg mitten in gärtnerischen Anlagen ge- legene Maschinenhaus, das früher fünf große Dampfmaschinen be- hcrbergte, ist für seine neue Bestimmung vollkommen, und zwar mit verhältnismäßig geringen Mitteln, renoviert worden und hat eine durchaus geglückte vorbildliche Umgestaltung erfahren. Das Mittelstück der großen Haupthalle bildet ein riesiges Relief von Groß-Berlin, in welches verschiedene Werke, die Dienststellen und die Hauptrohrleitungcn der Wasserwerke in Form von oer- schiedenartig leuchtenden Körpern und Röhren eingebaut sind. Flankiert wird das Relief von zwei großen die Betriebs- und Leistungsverhältnisse der Städtischen Wasserwerke zahlenmäßig und graphisch darstellenden Orientierungstaseln. Die Hintere Längswand des Raumes schmücken die erleuchteten Dioramen mehrerer Groß- Berliner Wasserwerke, wie Müggelsee, Lichtenberg und Spandau. Ein L e u ch t s a a l demonstriert die Leistungen der einzelnen Werke. Eine durch zwei Treppenaufgänge zu erreichende Galerie zeigt eine sehr interessante Sammlung von Erinnerungsstücken aus der Zeit der Gründung der Wasserwerke durch die Engländer im Jahre 1856. Ein zweiter Raum, der früher als Kesselraum gedient hat, enthält neben einem großen Panorama„Der Kreislauf des Wassers in der Natur und die Wasserversorgung Deutschlands", Modelle der beiden Werke Stolpe und Wuhlheide und Proben der bei dem Städtischen Wasserwerke üblichen Brunnenfiltcr. Der Zweck des Museums, eine umfassende Darstellung der Ber- liner Städtischen Wasserwerke, ihrer Entwicklung und Leistungs- fähigkeiten, ihrer Bauten und maschinellen Anlagen und ihrer Orga- nisalion zu geben, konnte kaum besser erfüllt werden, zumal die Räumlichkeiten jederzeit noch erweiterungsfähig sind. Nie Buchmacher-Oeviseu. 2800 Mark Geldstrafe für den Buchmacherfyndtkus. Das Schnellschöffengericht Berlin-Mitte verurteilte den früheren Syndikus des Reichsverbandes deutscher Buchmacher, Josef E r n st, wegen vorsätzlichen Vergehens gegen die Devisenordnung an Stelle einer an sich verwirkten Strafe von einem Monat Gefäng- nis zu 2 0 0 0 Mark G e l d st r a s e und einer weiteren Geldstrafe von 500 Mark sowie wegen fahrlässigen Vergehens gegen die De- visenordnung zu 300 Mark Geldstrafe. Die Geldstrafe von 500 Mark ist durch die 12tägige Untersuchungshaft verbüßt. Ernst hatte auf einem Konto bei der Amsterdamschen Bank 4 0 0 0 holländische Gulden, die er, als die erste Devisen- bestimmung erging, von Amsterdam abholte. Er lieferte aber nur 3000 Gulden ab und bchielt 1000 Gulden zurück, die er in Dollars umwechselte. Diese Devisen hat er erst im Februar, als er eine Anzeige befürchtete, angemeldet. Außerdem hatte Ernst bei dem Kredit Lyonnais ein Konto von 10 000 französischen Franken, an- geblich für die Monatswechsel seines zur Ausbildung in Paris leben- den Sohnes. Auf dieses Konto hat er dann auch weitere Beträge «ingezahlt, die nach seiner Angabe für Rechnung deutscher Buch- machcr zum Zwecke von Ersatzwetten in Frankreich dienen sollten. Bei Erlaß der Devisenordnung wurde das Ersatzgeschäft eingestellt, und es blieb noch ein Guthaben von 10 000 Franken. Ernst meldete dieses Bankguthaben nicht an, weil der Pariser Vertrauensmann «ine Gegenrechnung in ungesähr dieser Hohe hatte. Die Abrechnung ist aber erst im Januar erfolgt. Das Schöfsengericht erblickte in dem Verhalten von Ernst in diesem Falle eine Fahrlässigkeit, weil die Rcichsbank sich vorbehalten hatte, derartige Konten zu t'ontrol- lieren. oaa' /QSäa&ey NUS. ; J-v � JT 1. Hus muß sterben. Die lärmenden Treiber, die ihn soft Monaten umringt halten, haben die abschnürende Kette geschlossen. Nun, ihrer Beute gewiß, lassen sie das letzte Gatter fallen. Es ist genau so gekommen, wie der oerklagte Magister in seiner Appellation, vor drei Jahren in Prag vom Papst an Iesum Christum, den höchsten Richter getan, voller Be- trübnis des Herzens und voller Kümmernis der Seele schrift- lich niedergelegt hat: „Siehe, der Feind hat sich ausgericht! Die Not ist vor- handen, aber niemand, der mir hülfe! Viel Hund umgeben mich, und die Versammlung der Zornwütigen hat mich besessen! Sie haben wider inich geredet mit betrllglichcr Zung. Mit gehässigen Worten haben sie wider mich hantiert und wider mich gefachten ohn' Ursach! Denn sie haben über mich einen solchen Rat gehalten, sagend: Wir wollen sein Speis mit Holz verderben und ihn aus dem Land der Lebenden treiben, daß seines Namens nimmermehr soll gedacht werden!" Wirklich, so ist es. Schärfer als mit des Bedrohten eigenen Worten kann die Lage gar nicht ausgesprochen werden. Das in die Falle gelaufene böhmische Wild ist cingc- kesselt und endgültig gestellt. Es gibt keinen Ausweg, keine Rettung mehr. Hus muß sterben. Sein Tod ist unabwendlich. Der ganze Handel ausgemacht hinter verschlossenen Türen, von den Wortführern der Kurie und der deutschen Nation des Konzils abgelistet, abgetrotzt, abgedroht dem in dieser Sache ewig zögernden, ewig unentschiedenen Sigmund, römischem König, der aber heute gar nicht königlich wirkt, trotz seinem vornehmen schwarzen spanischen Anzug, aus dem dunkelsten Sammet mit silberdurchdrehtem Faden genäht und vom Träger der Krone mit vollem Bedacht gerade für diese Sitzung des Gcheimkonoentikels ausgewählt. Nein, heut sieht der rotbärtige Mehrendes Reichs, der Herr über Ungarn, Kroatien. Dalmaticn. Slawonien, gar nicht aus als Inhaber und Ausüber der weltlichen Macht, nein, ihm rinnt der helle Schweiß großlropfig von der gebuckelten Stirn, sein Atem fliegt, seine Gliedmaßen beben und zittern, die paar Zähne, die er noch in den Kiefern hat, klacken hörbar aufeinander, als ob er Fieberfrost hätte, und allen, die ihn in dieser Ver- fassung sehen, muß es scheinen, als sei nicht Hus, sondern er, Sigmund, der arme'Sünder, um dessen Verbrennung es ginge. Doch, mag ihm, dem König, der Entschluß, seinen ehe- maligen Schützling fallen zu lassen, noch so schwer werden, die Endentscheidung läßt sich nicht mehr umgehen, nicht mehr länger hinausschieben, durch alle diplomatischen Künste nicht. Damit ist das Schicksal des angeklagten Magisters ent- schieden. Sein Tod ist notwendig. Aus Gründen des Staates, aus Gründen der Kirche, aus vielen anderen Gründen mit. Wie hat doch Michael de Causis, Hussens eifrigster, gehässigster und verbissenster Ankläger, eben in der«chlußrede gesagt, mit seinen ausgebeintcn, gelben Totenfingern die Kante des«prechpultes umklammernd und Speichclbläschen nach allen Seiten spritzend: „Räudige Schafe gehören ausgemerzt aus der Herde! Und selbst wenn der Ketzer noch im letzten Verhör oder gar auf dem Scheiterhaufen widerriefe: Glaubt ihm nicht, ehr- würdige Väter, glaubt ihm nicht! Das wären nur weitere trügliche Schliche des verderblichen Wolfes. Traut ihm nicht. Leuchten der Kirche, traut ihm nicht! Ich beschwöre es bei Jesu, unseres Heilandes Wundmalen! Fort mit Hus! Ent- setzt ihn seiner priesterlichen Würden! Ucbcrantwortct ihn dem weltlichen Arm. auf daß ihm sein Recht geschehe, und das wird Heulen und Zähneknirschen sein! Seinen stinkenden, hoffärtigen, ketzerischen Leib fresse die Flamme! Die Kammer der Kirche, die er durch seinen Geifer besudelte, werde wieder rein!" Tosender Beifall ist dieser Hetzrede gefolgt. Hände- klatschen, Fußgetrampcl, daß der ganze Estrich des Refckto- riums zittert, und Gelärm und Gejohl, Ausgelassenheit an schrillem Geschrei, als sei hier nicht eine Versammlung der Blüte der Christenheit im Jahre des Heils 141S nach unsrcs Erlösers Geburt, sondern ein aufgeregter, spielerhitzter, leiden- schaftendurchwühltcr heidnischer Pöbelhause im römischen irkus, vor den Augen des Cäsars durch Niederstoß des aumens blutlechzend, bäumend und schäumend, den Tod eines im Netz gefangenen, unterlegenen Gladiators fordernd. Also Tod für Hus! Also Verbrennung! Auslöschung! Vernichtung! Das ist besser als lebenslängliche Haft und Einschließung in irgendeinem abgelegenen schwäbischen Kloster, wie das von einigen humanitätstriefenden Stimmgebenden vorgeschlagen wurde. Von Stimmgebenden übrigens, die noch genauer unter den geschliffenen Beryll zu nehmen sind! Sie haben sich für Hus mit solcher Eindringlichkeit eingesetzt, daß der Verdacht nicht von der Hand zu weisen ist, die Fürsprecher könnten mit böhmischem Geld gekaust und bestochen sein. Das alles seinen Marktpreis hat in dieser Zeit und in diesen Vaterländern, da der Wert von Aemtern und Pfründen ganz genau in Gold und Silber ausgerechnet werden kann, bis in das letzte Pfund Pfennig hinein, da ferner Meinungen gegen Geld oder Geldeswert gewechselt werden wie ver- schwitzte, abgetragene, nicht mehr waschbare Hemden, warum sollten da nicht die Fürsprachen für den Böhmen gekaust und eingehandelt sein? „Hah, hah!" hat Palecz ihm seinerzeit ins Gesicht hin- eingeschrien:„Wo ist die Joppe voller Gulden?!" Hus ist reich. Er leugnete es zwar ab, als ihn der Verhörs-Kardinal fragte:„Ist es wahr, daß du sicbzigtauscnd Goldgülden bc- sitzest?" Doch was gilt schon die Ablcugnung eines Ketzers! Darum aufgepaßt! Aus der Welt mit ihm! Kein Klostergefängnis! Tod! Tod ist auch sicherer als Einsperrung und gefängliche Ver- wahrung. Kerkermaucrn können erbrochen. Gefängnisgittcr durch- gesägt werden. Gold macht sogar die Tugend der Nonnen stolpern, warum nicht die eines Gesangenenwarts? (Fortsetzung folgt.) Gtrasrichter als Angeklagter. Er soll auf den Geisteszustand untersucht werden. Der frühere Vorsitzende einer Moabiter Strafkammer. Land- gerichtsdirektor a. D. Willibald v. Wedel- Parlow, dessen wechselgeschäsle jetzt die Staatsanwaltschaft beschästigen, muhte sich wegen Untreue vor dem Schöffengericht Charlottenburg ver- antworten. Wedel-Parlow hatte sich, obgleich er keinen Pfennig Geld besaß, bereit erklärt, auf das chaus eines Architekten Temmler eine Hypothek zu geben. Er erhielt als Sicherheit Grundschuldbriefe, deren Erlös er teilweise zur Abdeckung der Hypothek benutzte, teil- weise in seine Tasche steckte. Aber diese kriminelle Handlung bildet nur einen kleinen Ausschnitt aus seinen Gesamtoerfehlungen. Er hat umfangreiche Wechsclgeschöfte gemacht, ohne für die Wechsel Deckung zu besitzen. Wedel-Parlow war einst ein reicher Mann. Er besaß im Grunewald eine 14-Zimmer-Villa. Die Inflation fraß sein Vermögen auf. Er verschaffte sich Geld gegen hohe Zinsen. Sein Gehalt reichte kaum, um Zinsen und Steuern zu begleichen. Er geriet in die Hände von Wucherern. Seine Geldschwierigteiten wuchsen ihm über den 5zopf. Der Verteidiger beantragte gestern die Untersuchung feines Mandanten auf seinen Geisteszustand. Dr. Pinner und Sanitätsrat Dr. Leppmann, die den Angeklagten schon früher untersucht hatten, äußerten sich kurz zu diesem Antrage. Der rcste glaubte schon jetzt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit annehmen zu können, daß der Angeklagte als nicht vollverantwortlich zu betrachten sei. Dr. Leppmann beschränkte sich mit der Feststellung. daß seine bisherigen Beobachtungen in dieser Richtung nichts Positives ergeben hätten. Beide Aerzte erachteten eine eingehende Untersuchung des Angeklagten für erforderlich. Der Staatsanwalt schloß sich dem Antrage des Verteidigers an und das Gericht beauf- tragte die beiden Aerzte mit der Untersuchung des Ange» klagten auf den Geisteszustand. Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Die frühere„Vaierlanö" in Bremerhaven. Bremerhaven, 4. Mai. Der Dampfer„L c v i a t h a n" der United Stotes-Lines, die frühere„Vaterland" der 5)apag, hat zum ersten Male seit der Kricgszeit Bremerhaven angelaufen. Der Dampfer, der bisher nur zwischen Amerika, England und Frankreich verkehrte, wird jetzt regelmäßig bis nach Bremerhaven fahren. Eine große Menschenmenge hatte sich an der Kolumbus-Kaje, dem Liegeplatz der„Leviathan", eingefunden, um den Landungsmanöocrn des Schiffes beizuwohnen. Straßenbau für einen Tag. Kaum gepflastert, werden die Strafen wieder eingerissen. Herrmann Abraham gestorben. Nach einem arbeitsreichen Leben verschied gestern, 88 Jahre alt, der Gründer und Vorsitzende des Vereins für Kindererholungs- Heime Herrmann Abraham. Er war ein einzigartiger Organi- sator, der auf sozialen Gebieten bahnbrechend gewirkt hat. In Abraham vereinte sich ein seltenes Maß von Arbeitskraft und Pflichtgefühl mit nie versagender Hilfsbereitschaft. Die Trauerfeier findet am Freitag, den 6. Mai, um 1 Uhr nachmittags in der alten Holle des Jüdischen Friedhofes in Weißens« statt. Jeden Donnerstag morgen hebt in der C h r i st i a n i a st r a ß e zu Berlin— das ist wirklich einmal Berlin j. w. d.— janz weit draußen— ein eigenartiges Schauspiel an. Da kommt ein Mann, er ist wohl betagt, aber noch sehr rüstig, und dieser Mann reißt Straßen ein. Stein für Stein lockert er, hebt ihn aus, wirst ihn auf einen Haufen und schließlich harkt er die zerzauste Erde wieder glatt. Das ist seine Arbeit: Woche um Woche, Jahr um Jahr müh- selig und mit vielen Schweißtropfen errichtete Straßen wieder kaputt zu machen. Eigentlich ein idealer Tummelplatz für Tobsüchtige: aber der gesetzte Mann, der zeitlebens diese Danaidenarbeit zu leisten hat, ist auch ein ausnehmend ruhiger Mann.„Hoo— meint er— manchmal habe ich auch noch Sonnabends Straßen einzureißen, was denken Sie, so an die 25 Mann, die bauen viel auf." Wir be- finden uns, um das Geheimnis zu lüften, aus dem U e b u n g s» platz der Berliner Steinsetzer-Jnnung. Schade ist es, jammerschade, und das Herzeleid kann einen packen, wenn man diese schönen Straßen aus dem weiten Uebungs- platz sieht, über die niemals ein Wagen sahren oder ein Mensch spazieren wird. Ihr einziger Zweck ist ihre Herstellung, kaum er- standen, haben diese Straßen bereits ihren Dienst getan und werden eingerissen. Alle möglichen Straßcnarten gibt es dort zu sehen: b r c! t e F a h r d ä m m e mit ihren Großpflaster st einen, Bürger st eige nüt eingelegten Platten, Mosaikpslaster und überall sind Bordschwellen. Bordschwellen mit sehr sanften Ecken Bordschwellen mit sehr spitzen Ecken, je nach der Aufgabe, die den Prüflingen gestellt wurde. Denn jedes Stück Straße, das es auf dem Steinsetzer-Uebungsplatz zu sehen gibt, ist ein Gesellen- stück. Es läßt sich nun eben nicht ändern: die kleinen angehenden Steinsetzer brauchen halt einen reichlichen Morgen Land, um ihr Gesellenstück zu machen. Diese Prüfung ist eine gewichtige An- gelegenhcit im Leben des Steinsetzerlehrlings: vor der Elite der Zunft muß er sein Können zeigen, da kommt der Obermeister, da kommen die Prüfungsmeistcr und da kommen die Altgesellen, die wie die Luchse auf jeden Handgriff achten, denn die praktische Hebung, die der Prüfling ausführen muß. wird überraschenderweise nach Punkten gewertet. Und so kommt es denn, daß dort draußen m der Christianistraße den jungen Leuten zum Takt ihrer Hämmer auch die Herzen klopfen. Es gibt reichlich viel Steinsetzerlehrlinge in Berlin. An sich bestehen feste Vereinbarungen zwischen den Unternehmern und den Arbeitern über die Zahl der Lehrlinge, aber wenn diese Berein- barungen über das Lehrlingskontingent hätten erfüllt werden sollen, dann dürften die Jahre l927 bis 1929 nicht gewesen sein. Das waren die schönen Tage der Konjunktur. Ueberall gab es Neu» Pflasterungen, überall wurden neue Bürgersteige gelegt, die clektri- sizierte Stadtbahn ließ sich die Bahnsteige neu pflastern, die Ge- sundbrunnen— Neukölln- und die Alexanderplatz— Friedrichsfelde- U-Bahn brauchte einen Bahnhof nach dem anderen. Für diesen Konjunktursegen reichten die 1299 Berliner Steinsetzer— zu denen noch 899 Rammcr und eine allerdings sehr fluktuierende Zahl von .Hilfsarbeitern kommt— bei weitem nicht aus und so kamen noch 699 51ollegen aus der Provinz nach Berlin und fanden hier Lohn und Brot. Aus Schlesien, aus Pommern kamen sie und aus Ham- bürg und aus Kiel. Wenn damals also die Steinsetzer mit der Laterne gesucht wurden, was lag da näher als die spontane Ueber- legung der Eltern: Lassen wir doch den Jungen Steinsetzer werden! Jetzt sind darüber die 3'A Jahre Lehrzeit vergangen und die Konjunktur ist dahingeschmolzen wie der Schnee an der Sonne. Von den 1299 Steinsetzern saßen am 31. März 1932 nicht weniger als 838 Mann auf dem Nachweis und von den 899 Rammern waren 499 ohne Arbeit. Es ist nur gut, daß die 699 Mann von außerhalb inzwischen wieder weggemacht sind, sonst säßen sie auch noch in Berlin auf dem Nachweis. Denn das gehört ja zu dem Traurigsten unserer Tage: sein Gesellenstück nmchen, den Lehrbrief erhalten und dann hinüber zum Nachweis zu gehen, um sich eine Stempelkarte zu holen. Wo sollen denn die jungen Leute arbeiten, wenn niemand etwas pflastern läßt? Mai in der Scala. Der Hellseher H a n u s s e n ist diesmal die große Sensation. In einer wirtschaftlich schlechten Zeit ist immer großes Interesse für jede Art des scheinbar Uebersinnlichen vorhanden gewesen und so kann Hanusscn schon von vornherein mit einem stark interessierten Publikum rechnen. So sucht er beispielsweise 2 Stecknadeln, die im Zuschauerraum versteckt werden, beantwortet Geschehnisse aus Ver- gangenheit und Gegenwart und gibt auch aus ganz individuelle Fragen Auskunft. Die Tänzerin La Jana mit ihrem Partner Anton D o l i n sind in dem imnrer wieder wirksamen Mimodrama „Die Hand" zu sehen. La Jana hat hier Gelegenheit, alle Register ihres Könnens zu zeigen und sie versteht es auch, das Unheimliche der nächtlichen Schauermär tänzerisch auszudrücken. M a d y u. Co. sind lustige Leute. Die kleine temperamentvolle Mady verprügelt den langen starken Partner nach Noten. Wie ein Kobold schießt das kleine Persönchen um ihn herum, schlägt Purzelbäume und ist auch sonst quicklebendig.„D a s b l o n d e M y st e r i u m", ein zartes Mädchen, kann sich in jeder Situation ihrer Fesseln ent» ledigen, ob man sie nun in eine Flasche oder gar in ein mit Wasser gefülltes Faß steckt. Joe Maros Marionetten können kaum vollkommener geführt werden. Lauter kleine Artisten an .Kräften, die ihre Künste aus dem Effeff beherrschen. Aus dem übrigen Programm sei vor allem noch der prächtige Jongleur Fruzzi genannt: cr ist wie der unvergeßliche Rastelli mit Eifer bei der Sache. Der Berliner Schuberl-Chor(M. D. A.) veranstaltet Sonntag. 19)4 Uhr, in der Singakademie ein Konzert mit Kampfliedern und der Uraufführung von„Mann im Beton" von W. Gronostay. Eintritt einschließlich Liedertext 1 M. Wcllcrauesichtcn für Berlin. Wechselnd bewölkt mit einzelnen gewitterartigcn Schauern, ziemlich kühl, Winde aus nördlichen Richtungen.— Für Deutschland. Im südöstlichen Deutschland noch mild, im übrigen Reiche verhältnismäßig kühl: strichweise Regen- schauer oder Gewitter. vfeUiaksK näg««5® **««4 n,uS � Frau Vean ouss" r.ocks-t' und e 9 . jaß di» „ Mb«""" e 8. ■ rfung 8taÄe e>nt unserer„hraueben, -Siei«r»rti,eWeIelU"u'>'k'eitsgkMkiistchaft der st rndcrsr etliche Grost Berlin. z Heute Generolversommluvq im Bezirksamt Kreuzberg, Porck' ? ftroße 11. Beginn 0 Uhr. f-. Kreuzbcrg Unsere Lagergemeinschasten kommen Mittwoch, den '| 11 Mai. das erstemal zusammen. Die Ramcn der in Frage körn- menden Kinder werden den Verantwortlichen noch vorher bekannt- gegeben. vmi Keukölln. Abt. Jungvolk. Sonnabend, 7. Mar. Elternversamm- lung Barocke Gangboferstrafte. Thema:„Erziehungsaussprache." 'Kreisleiter! Der Vorstand trifft sich zur Fahrt nach dem Uedersee am Sonn. tag. 8. Mai, entweder �0 Uhr Lindenstraße 2 oder �jO Uhr Bahnhof Prenzlauer Allee. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 106. Abt. Am 2. Mar verstarb der Genosse Michael Brunnes Vereins- straße 28. Ehre seinem Andenken? Einäscherung Freitag. 6. Mai, 18 Uhr, in Baumschulenweg. Um rege. Beteiligung wird gebeten. Sozialiflische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat __ Berlin SW 63. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Voranzeige: BorsiKenden. Konferenz. Montag. 0. Mar. 19'? Uhr, im Bezirksamt Kreuzberg. Vorckftr. 11. Wanderleiter-Konferenz. Mittwoch. 11. Mai, 10'�. Uhr, im Fugendheim, Lindenstr. 4. v. I. Treffpunkte für Jährten heute. Donncrslag: I:'„8 Uht Bakiichnf Schönhauser«fTir, Bernau.— Südwestru! 7 Uhr Btvr.Alliancr.Plah. Nach,llg>rr 7.-4 Uhr vorlihrr Bahnhaf. Unkahen ,,h Pf.— 7» Uhr Heimabrnh.- Pankow Rx.: 8 Uhr Rarhhahn. 8N Pf.! Birkenwrrdrr.— Zieinist: 7 Uhr Bahnhof Hrsundbrunnrn! Rildcrsdorf. * Neukölln IV: Spielen in der K.-Heide. Treffpunkt 10 Uhr Bahnhof Neu. kolln.— Neukölln IX: Spielen in der K.-Heide. Treffpunkt 14 Uhr Bahnhof Hermann strafte.— Tegel: Heimabend fällt aus. Ztbteilungsmitglicderverfammlungen morgen. lS'v Uhr. Ärkonaplah: slifahrthkirchstr. II».— Aöllnlfchrr Park:«aifcnftr. 78.-— Hansa: Bochumer Str. 8b.— Moabit Waldenser Str. 20.— Moabit ll: Lehrter Str. 18—10.— Andrcasplatz I: Brommnstr. l.— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18.— Warschauer Viertel RF.: Litauer Str. 18.— Luisenstadt: Wassertorstr. 44.— Friedenau: Offenbocher Str.;r.f.- Eharlottenbnrq: Rosinen. strafte 44.— Lankwitz: Schnlstrofte.— Lichterfelde: Albrechtstr. 14ü. Marien» darf: Dorfstr. 7.— Neukölln IT: Steinmetzstr. 04.— Baumschulenweg: Ernst- strafte 16.— Johannisthal: Rathaus.— Treptow: Elsenstr. 3.— Bohnsdorf: Wachtel ftr. 1.— Köpenick 1: Grünauer Str. 5.— Reu Lichtcnberg: Gunter» strafte 44.— Riederschönhause«: Lindenstr. 47. * Gewcrkschaftshaus: Küpe nicker Str. 02. Schollplattcnakend.— Rosentholer Vorstadt: Tickstr. 18.„Weshalb feierten wir den 1. Mai?"— Zentrum: Waisenstr. 18. Einführultgsabend.— Sportpalast:- Genthiner Str.>7. Falken- abend.— Gesundbrunnen II: Kolonicstr. 8, 3. Hf.,.IV. Einfiihrungsabcnd.— Arnimplatz: Sonnenburger Str. 20, Zimmer 4. Karl-Mar�-Gedenkfeier..— Arns�nilbcr Platz l: Schönlanker Str. ll...Entstehung des l. Mai."— Falk- Platz 1: Schwimmen. Treffpunkt 20 Uhr..Rote Ecke".— Falkplotz IT: Sonnen- burger Str. 20. Bunter Abend.-- Helmholtzplatz: Kastanienallee 8l. Die Mädel haben das Wort.— Nordosten!: Danziger Str. 62. B. 3.„Erziehung zur Gc- meinschaft in der SAI."— Weißcnsee:„Der Kampf um die weltliche Sämle." Pistoriusstrafte.— Baltenplatz: TiUiter Str. 4—5. Lichtbilder..Alt-Berlin".— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 307.„Suggestion und Hypnose."— Reichcnberger Viertel: Reichenberget Str. 66. Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft.— Süden: Porckstr. 11. Heimabend.— Spandau: Turnabend bei der FTGB.(Iubiläumsturnhallel.— Britz: Parchimer Allee.„Nacktkultur."— Neukölln I: Sander-, Ecke Hobrcchtftraftc.„Kommunistisches Manifest."— Neukölln HI: Ziethen str. 58. Heimabend.— Reukölln IV: Kanner Strafte.„Revo- lutionserlebnisse."— Neukölln vi; Außenspielplatz Sonnenallee, lb'? Uhr.— Neukölln l.X: Mariendorser Weg. 2. Stock. Kampfliederabend.— Neukölln VIT: KMS., Kaiser-Friedrich-Strafte.„Sexuelle Fragen". IT. Teil.— Neukölln X: Bergstr. 29. Liederabend.— Schöneweidc II: Berliner Str. 31.„Die Entwicklung der Part�iideologie in den letzten zwei Jahrzehnten."— Falkenberg: Gürshof. Bunter Schallxlattenabend. Köpenick: Dahlwitzer Str. 15.„Ein- führung in den Sozialismus."— Lichtenberg-Rord: Beteiligung an der Er. Lffnungfeier der Ausstellung, 18 Uhr. Gunterstr. 44.— Lichtenberg-Nordwest. Dosse'tr. 22. Bunter Abend.— Mohlsdorf: Wanderliedttabend— nickendorf-Ost: Lindauer Str. 1...Karl Marx."— Wittenau: Hauptstr. 13. „Tagespolitik".— Korlshorst: Treskowall-e 44. Heimabend. Werbe bezirk Lichtenberg. Die sozialistische Fugend stellt aus. Aus- H D stellung von Freitag, den 6. Mai. bis Sonntag, den 8. Mai, im Jugend-=3 = Gunterstr. 44. Täglich von 18—22 Uhr. Eintritt frei. W Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwar�Rol-Gold�. Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastionftr. 37—38, Hof 2 Tr. Mitte. Die Urnenbeisetzung des vcrstorb''N''N Kameraden Fritz Mar- trn findet am Freitag, dem 6. Mai. o*4 Uhr, auf dem Friedhof 03 statt. Tri�fpunkt am Eingang. Weiftensee iOrtsverein). Sonn- Mai, 20 Uhr. erweiterte Borstandssttzung bei Hnckwitz, Berliner Allee. 103. Die Mitaliederversammlung findet am Freitag, den 12. Mai, eben. dort statt.— Reinickendorf. Kameradschaft Reinickcndors-Ost. Freitag, 6. Moi, 20 Uhr. Mitgliederversammlung bei Kiehne, Residenzstr. 0. Bortrag. 18V;, Ubr Vorstandssitzung. Kameradschaft Freie Scholle. Achtung! Die Kameradschafts- Versammlung am Freitag fällt aus. Neue Ankündigung durch Nachrichtendienst. Deutscher Arbeiter-Abstineuten-Bund, Dczirksgruppe Kreuzberg. Freitag, 6. Mai. 20 Ubr. in der Gaststätte Skalitzer Str. 6.„Entstehung der Abstinenz- bewegung." Referent Genosse Hoheisel. Frouen-Wassersyortmrein Republik in Tegel, Uscrftr. 1. Telephon E 8 1979. Kastenrudern und Paddeltrainina am Sonntag. 8. Mai, vormittags 0 Uhr. Neichsbund der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Hinterbliebeue», Ortsgruppe Charlottenburg. Am Freitag, den 6. Mai, 20 Uhr. in Eckmanns Festsälen. Charlottenbura. Scharrenttr. 34. Monatsversammlung. Togesord- nung: Ein Gang durch die Reichsversicherungsordnung und 15 Jahre RB. Freikörperkultnrschulc Adolf Koch im Verband Volksqesundheit. Dienstag, den 10. Mai. Freikörpcrkultur-Protestkundgebnng unter dem Thema„Ueber- menschen. Untermenschen. Freie Menschen". 20 Uhr. im Lehrcrvercinshaus, Berlin. Alexanderplatz, als Protest gegen die anmaßende Auffassung national- sozialistischer Kreise über Freikörperkultur, gegen die Schikanen des Amts- Vorstehers von Selchow und gegen die ergangenen Freikörperkulturvcrbote. Dr. med. Julian Marcusc, München, hält das Hanptreserat, ferner sprechen Dr. med. Hans Graaz und Adolf Koch. Nationalsozialistische Aerztc sind als Gegenrcferenten schriftlich eingeladen. Sorialistiscller Espcramo-isund. Gruppe Ccntro: Freitag, den 6. Mai 19'» Ulir..Metallarbeiler-X'erbandsbaus, Linienstr. 83-85(Bing. Elsässer Straße) Temo: Koinminutaj paroladoj pri libervolaj lemoi.— Kindergruppe „Libereco": Freitag, den 6. Mai. 17— 19 Uhr, Schule Danziger Straße. Temo; Parolado prj la Unua de Majo»Heinz Giese). f.nglish Convcrsational Club founded 1878. Meciings every Friday 8 p.m. Cafe König. Leipziger Str. 117 118 Lecturer: Mr. Ullrich on..The"Purpose and the Aim ofour Club.44 Gucsts, Ladies ä Gentlemen, are welcome.44 Vergröherungsbau bei Cords. Dis frfjüncn. duftigen, buntgemusterten fainmcrtichcn Staffortcn präsentieren sich noch einmal so uorteilhaft im neuen Lichtkinf des chauses Cords. L c i p- ziger Straße, der unter Leitung des Baumeisters Ncntwich gcschasfen wurde. Durch eine neuartige Glaskonstruktiou kann da- Tageslicht in seiner ganzen j)cUe den Raum erfüllen, was für die Auswahl und Farbemvirkung der Stofse von großem Vorteil ist. Der neue Raum ist schlicht und praktisch ausgestattet, einzig von dem Prinzip ausgehend, die Ware günstig dcni Publikum zu prä- sentieren und den Verkauf in bequemer Weise abzuwiikcln. Der Bau des neuen Lichthafes war vor allen? notwendig durch die Aufnahme eines Hausgenossen: die Firma Jordan hat ihre neuen Verkaufsräume in? Cords-Haus eröffnet, ein zeitgemäß- praktischer Umbau. Wer also nicht nur an Wolle oder Seide, son- dcru auch on Leinen Bedarf hat, der braucht in Zukunft nicht weit gehen. Die beiden Geschäfte sind gemeinsam in dem Bcrkaussrauin untergebracht. <->,V\- � Denken Sie noch an den Mai des Vorjahres? Wissen Sie noch, wie wir Jubiläum— und alle Käufer mitfeierten?— Wie Hunderttausende begeistert kauften?— Wieder werden wir Unmögliches möglich machen, denn DIESE Preise für DIESE Qualitäten wird und muß jeder anerkennen Roni6rKriit.ilgl,gud)l-f 22 Likörschale-riinitN. 20 Bierbech. Tro.b.n�i.K 12 Service 23'•''•ö �r 6 Personen... m. B rotkasten Sk«ingwtmit Holirohmen.co./ yc 2 Vi bfl mit Oebor.'A, 7.55, glatt weiß.............. M. W» Bügel» Lampe Meiling m/f gelb Q85 Cberfangeeer Cloikeg&l M. 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Die Wiederausbau- arbeiten, die Errichtung neuer Industrien, der geringe Beoölke- rungsnachwuchs, der verhältnismäßig hohe Stand der Lcbenshal- tung brachten es mit sich, daß jahrelang hindurch eine Arbeitslosig- keit in Frankreich unbekannt war. Im Gegenteil: Frankreich hatte einen Mangel an Arbeitskräften. Noch tlWll konnte Frankreich fast eine Viertel Million ausländische Arbeiter aufnehmen. Das ist schnell anders geworden. Wieviele andere wirtschaftliche Vorgänge, wird auch die Eni- Wicklung der Arbeitslosigkeit in Frankreich statistisch nur unzureichend erfaßt. Man kennt nur die Zahl der Unterstützten, die jedoch nur einen Bruchteil der Gesamtzahl ausmachen. Aber auch das AnwachseG der Zahl der unterstützten Arbeitslosen gibt ein anschau- liches Bild. Im Sommer i9d0 waren es rund IVOO, Ende 1930 etwa 12 000, Ende 1931 faßt 150 000, Ende Januar 241 000 und seit März 1932 etwa 300 000. Die wirkliche Zahl der Arbeitslosen übertrifft l Million. hierzu kommen rund 3 Millionen Kurzarbeiter. Diese Zahlen sind niedriger als die deutschen, ober Frankreich hat einen wesentlich kleineren industriellen Apparat, und es gab, als in Frankreich noch ein Mangel an Arbeitskrästen herrschte, in Deutschland bereits eine nach Millionen zählende Erwerbslosenarmee. Zu Beginn des Jahres 1930 war die industrielle Produktion Frankreichs um 30 bis 40 Proz. größer als im letzten Vorkriegs- jähr. Zm Februar l9ZZ war der Produktionsumfang auf den Vorkriegsstand zurückgesunken. Die metallurgische Produktion liegt gegenwärtig sogar um 26 Proz. unter dem Vorkriegsstand. Im Februar 1931 betrug Frankreichs Roheisenerzeugung 726 000 Tonnen, im Februar 1932 nur noch 461 000; in der gleichen Zeit ging die Rohstahlerzeugung von 693 000 auf 464 000 Tonnen zurück. Der Kohlenverbrauch, wichtigster Gradmesser der in- dustriellen Beschäftigung, ging in Jahresfrist bis zum März 1932 um 20 Proz. zurück. Frankreichs Kohlenförderung betrug im Januar 1932 nur noch 3,84, gegenüber 4,64 Millionen im Januar 1931. Die Tcxtilcrzeugung liegt gegenwärtig um 50 Proz. unter dem Vorkriegsstand; am stärksten litten die Bauinwoll- und die Seidenverarbeitung. Große Stillegungen waren auch im M a- s ch i n e n b a u und in der Elektroindustrie nötig. Nur der Automobilbou ist noch verhältnismäßig gut beschäftigt. Die beiden großen'französischen Autonwbilfirmen Citroen und Renault arbeiten jetzt wieder fünf Tage in der Woche, bei den übrigen ist die Beschäftigung geringer. Die Stromerzeugung Frankreichs, die bis 1930 jährlich um etwa 10 Proz. zunahm, geht jetzt trotz des noch immer anhal- tenden Ausbaus der Anlagen stark zurück; die größeren öffentlichen Werke erzeugten 1931 nur noch 9,2 Milliarden Kilowattstunden gegenüber 10,1 Milliarden im Jahre 1930. Im ersten Vierteljahr 1932 war der Eisenbahnverkehr um 23 Proz. niedriger als ein Jahr zuvor. Schon 1930 verzeich- neten bei noch günstiger Konjunktur die 7 großen Bahngesellschaften einen Verlust von 1,3 Milliarden Franken, das Jahr 1931 brachte einen neuen Verlust von über 3 Milliarden Franken, d. h. von mehr als einer halben Milliarde Mark. Eine umfangreiche Tariferhöhung ist nur eine Frage der Zeit; vor den jetzigen Wahlen hatte wohl niemand den Mut dazu. Auch die Lage der Landwirtschaft— fast die halbe Be- nölkerung lebt von ihr— verschlechtert sich von Monat zu Monat. Zollerhöhungen auf Weizen und andere landwirtschaftliche Erzeug- niste, große Vorschüsse an die Nationale landwirtschaftliche Kredit- kasse, Schutzmaßnahmen für die Zuckerindustrie und den Flachsan- bau haben keine Besserung der Lage herbeiführen können. Umsturz in Handelsbilanz und Zahlungsbilanz. Frankreich hat Jahre hindurch eine außerordentlich aktive Zahlungsbilanz gehabt. Zwar war die Handelsbilanz passiv, d. h. die Wareneinfuhr war größer als die Ausfuhr, aber Frank- reich konnte sich das leisten, da es dauernd über umfongreichc aus- ländische Zahlungen in anderer Form verfügte. Die Reparations- Zahlungen Deutschlands an Frankreich übertrafen erheblich die Zinsen, die Frankreich für seine Anleihen an Amerika und England zu leisten hatte. Dazu kamen die großen Einnahmen, aus dem umfangreichen Fremdenverkehr. Außerdem erhielt Frankreich große Zinszahlungen für seine im Ausland angelegten Kapitakien. Die gegenwärtige Lage zeigt ein vollständig verän- d c r t c s Bild: Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sind zusammengeschrumpft, der lleberschuß aus den deutschen Rcpara- tionszahlungen ist nicht mehr vorhanden, ebenso sind die Zinsein- nahmen stark zurückgegangen, nachdem die französischen Banken den größten Teil ihrer ausländischen Gelder wieder zurückgezogen haben. Unter diesen Umständen ist jetzt die Passivität der sronzö- silchen Handelsbilanz im Gegensatz zu früher keine nebensächliche Erscheinimg mehr. Die französische Regierung versucht durch hohe Zölle, Einfuhrverbote und Kontingentiorungs- maßnahmen die Einfuhr noch Möglichkeit zu drosseln. 1931 war die französische Handelsbilanz mit etwa 11,8 Milli- arden Franken, d. h. annähernd 2 Milliarden Mark, passiv. Im ersten Vierteljahr 1932 war trotz aller Drosselung die Warcnein- fuhr noch immer um 2 Milliarden Franken, d. h. um mehr als 300 Millionen Mark größer als die Ausfuhr. Zwar wurde von, ersten Vierteljahr 1931 bis zum ersten Vierteljahr 1932 die Einfuhr um 37 Proz. eingeschränkt, ober auch die Aussuhr ging um 37 Proz. zurück. Viele Teile der srauzösischen Industrie zeigten sich dem internationalen Wettbewerb nicht gewachsen, und es ist charak- tcristisch, daß viele Außenhandelsabkommen mit Wirtschaftsgruppen anderer Länder nur den Zweck haben, dgn französischen Preisstand künstlich hoch zu halten. 3 Milliarden Franken Siaakshaushaltsdesizik. Die sinkenden Erträge der Industrie, das Auwachsen der Ar- beitslosigkcit, die Unrentabilität der großen Verkehrsunternehmun- gen äußern sich in der Verringerung der Staatseinnahmen. Das Schatzamt hatte noch vor wenigen Jahren umfangreiche R e s c r- v c n; nachdem an inländische Jndustrieuntcrnehmungen und Banken, ebenso auch aus politischen Gründen an ausländische Staaten große Kredite— offen und geheim— gewährt worden sind, ist diese Reserve jetzt so gut wie erschöpft. In den ersten 10 Monaten des laufenden Finanzjahres waren die französischen Staatseinnahmen um 1,9 Milliarden Franken niedriger als im Vorjahr und lagen um 500 Millionen Franken unter dem Voran- schlag. Für das abgelaufene Finanzjahr ist mit einem Gesamt- dcfizit von rund 3 Milliarden Franken, etwa einer halben Milliarde Mark, zu rechnen. Vor den Wahlen wollte man keine Steuercrhöhungcn machen; sie sind jetzt unvermeidlich. Die Hoffnungen vieler Wirtschastskreise auf eine Bejje- rung der Lage gründen sich auch in Frankreich aus die Durchführung des nationalen Arbeitsprogramms. Es handelt sich hierbei um Pläne, die schon bis in dos Jahr 1929 zurückgreifen. Damals waren 5 Milliarden Franken(über 800 Millionen Mark) vorgesehen, mit denen Straßen- und Hofen- arbeiten, die Elektrifizierung des flachen Landes, die Versorgung kleiner Gemeinden mit Trinkwasser und der Bau von Schulen und Krankenhäusern finanziert werden sollten. Tatsächlich hat das Par- lament im März 1931 nur erst 670 Millionen Franken bewilligt. Ende 1931 wurden für 1932 neue 3,48 Milliarden Fronken be- willigt. Auch die Gemeinden versuchen, den Krisenauswirtungen durch ähnliche Maßnahmen entgegen zu wirken. So nahm die Stadt Paris im Dezember 1931 eine Anleihe von 220 Millionen Franken für den Bau kleiner und mittlerer Wohnungen auf. Die bevor- stehenden Erhöhungen der Bahntarife und der Steuern werden aber die rückläufige Entwicklung der französischen Wirtschaft noch verstärken, wenn Frankreich nicht selb st mit aller Energie ansängt, mit seiner Kapital macht und durch politische Ein- ficht zur Beruhigung und zum wirtschaftlichen Aufbau Europas beizutragen. A. Fr. Gesunder Reichskonzern. Krisenstarke Bilanz der Viag. � 5 Prozent Dividende. Die im Keichsbefih befindliche vereinigte Znduslrie Unlcr. nehmungen A.-G.(Viag) legt für dos am Zt. viärz beendete Geschäftsjahr 1931'32 eine erfreulich gesunde Bilanz vor. In der Viag. die eine reine Verwallungegesellschaft(Holding-Unternehmen) darstellt, sind sämtliche Unternehmungen, die dem Reiche 100prozentig gehören, bzw. die Beteiligungen, die das Reich an Unternehmungen genommen hat. zusammengefaßt. Die Dividendenciunahmen der Viag aus ihren Tochtergesell- schaften und Beteiligungen sind im Berichtsjahr von 14,67 auf 12,33 Millionen nur gering zurückgegangen. Andererseits konnten die Unkosten und Steuern um mehr als 16 Proz. auf 0,61 Millionen Mark und die Zinslasten von 3,75 auf 2,68 Millionen Mark abgebaut werden. Von den ausgewiesenen Dioidendencinuahme» wurden 3 Millionen vorweg für Abschreibungen und Rückstellungen verwendet, während im vergangenen Jahr für den gleichen Zweck 3,6 Millionen Mark abgesetzt wurden. Der Reingewinn er- scheint mit 9,46 gegen 10,60 Millionen Mark, woraus eine Dividende von 5 gegen 7 Proz. im Vorjahr ausge- schüttet wird. Die einzelnen Bilanzposten sind im Geschäftsbericht bis ins kleinste erläutert worden und dse großen privatkapitalistischen Kanzernc, die nach wie vor bestrebt sind, der Oessentlichkcit jeden nähereu Einblick in ihre Vermögensverhältnisse zu verwehren, sollten sich hieran ein Beispiel nehmen. Zu dem wichtigsten Bilanzposten„Beteiligungen", der mit 242,5 Mit- lionen Mark erscheint, bemerkt der Bericht, daß diese als Dauer- anlagen unabhängig vom Börsenkurs vorsichtig be- werte! worden sind. Sollten sich bei einzelnen Beteiligungen weitere Wertberichtigungen notwendig erweisen, so stehen sür diesen Zweck stille Reserven in höhe von 6 Millionen sowie oie Sonder- rück löge von 4.2 Millionen zur Verfügung. Die genannten 6 Millionen stiller Reserven sind in der vorliegenden Bilanz von dem Gesamtbuchwert der Beteiligungen einheitlich abgesetzt worden. Forderungen haben sich von 34,3 auf 47,1 Millionen erhöht. Di« Steigerung ist im wesentlichen daraus zurückzuführen, daß die Viag den Reichselektrowerken für die Beteiligung an der Berliner Kraft und Licht A.-G. die entsprechenden Mittel vorgeschossen hat, Dos'Aktienkapital erscheint jetzt nach der letzten Kapital- erhöhung mit 180 Millionen Mark. Gesetzliche Rücklag« und Sonderrücklage zusammen betragen 43 Millionen Mark. Von den 34,7 Millionen Schulden, die überwiegend Bankverpflichtungen dar- stellen, fallen 32,4 Millionen als Auslandsschulden unter das Stillhalteabkommen. Der vorliegende Abschluß zeigt die starke Widerstandsfähigkeit, die der Reichskonzern in der Krise aufgebracht hat. Das Schmerzenskind der Viag seit dem Beginn der Krise war die Deutsche Jndustrie-Werke A.-G. in Spandau, die be- kanntlich aus den sriiheren chesreswerkstättc» hervorgegangen ist. Dieses Unternehmen wies im vergangenen Geschästsjahr einen Millionenverlust aus. Hier hat die Viag durch Kapitalzusammcnlegung, sür die sie 9 Millionen Aktie» zur Verfügung stellte, sowie durch eine« Barzuschuß von 2 Millionen erhebliche Opfer bringen müssen. Die Gesellschaft hat aber sür diese Sanierungsmaßnahmen bereits in früheren Bilanzen die erforderlichen Rückstellungen und Abschreibungen vorgenommen, so daß die Spandaucr Verlustquelle keine B i l a n z b e l a st u n g für die Viag inehr darstellt. 9,95 Milliarden Spareinlagen Ende März. Ende März 1932 beliefen sich die Sparkasseneinlagen bei den deutschen Sparkassen aus 9 950,47 Millionen gegenüber 9 987,77 Millionen Ende Februar 1932. Der Berichtsmonat weist mithin eine Abnahme um 37,30 Millionen auf gegenüber einer Zunahme um 100,49 Millionen Mark im Februar. Im einzelnen betrugen die Einzahlungen 433,51(Februar 598,90) Millionen, davon aus Aufwertung 18,74(52,86) Millionen und aus Zinsgutschriften 30,40(108,65) Millionen. Die Auszahlungen stellten sich auf 470,81 (497,45) Millionen. Weizenstandal. Roch viel zu langem Zaudern hatte sich ZNitle voriger Woche endlich das Reichsernähruugsministcrium aufgerafft, eine Reuregelung der Wcizeneinfuhr vorzunehmen. Unseren Forderungen nach Senkung des Weizcnpreifes von 25 auf 15 Hl. je Doppelzentner wurde durch die Reuregelung nicht entsprochen. Der Zoll ist vielmehr nur auf 18 2N. gesenkt worden, dazu noch sür ein Kontingent von nur 100 000 Tonnen. Wir haben sofort diese Maßnahmen als unzureichend gekernt- zeichnet. Die Preisentwicklung am Weizenmarkt hat uns recht gegeben. Die Weizen preise sind weiter gestiegen statt zu sinken: Berliner Rokierung am 27. April..... 268,— M. „ 30........ 270.—. „ 2. Mai..... 272.-„ „ 4........ 274,—„ 3n den wenigen Tagen seit der Zollermäßigung eine Preis- fteigerung um 6 Hl. je Tonne! An der Börse redet man sogar davon, daß die Weizcnpceise noch bis auf 300 M. gelrieben werden sollen! So geht es auf keinen Fall weiter. Die Reichsregierung macht sich einer groben Pslichlverlehung schuldig, wenn sie nicht sofort schärfer zugreift als bisher. Weder Verbraucher. Bäcker. Mühlen, noch die Landwirte hoben ein Interesse daran, daß die Weizenpreise weiterhin ansteigen. Zum Vorteil, der Getreide- spekulatlon allem darf die Volksnot nicht verschärft werden. Jetzt abwarten wollen, wie die BcrhäUmjje sich weiter entwickeln, wäre ein wirtschaftliches verbrechen. Das Reichscrnäh- rungsministerium muß sofort seine„Revision der wcizcnpolitik" revidieren, um den Weizenpreissteigerungcn ein Ende zu bereiten und die überhöhten Preise auf ein niedrigeres Rivcau zu bringen. Unsere Forderungen nach Senkung des Vermahlungszwangcs auf 60 Proz. und herabsehung des Weizenzolls auf 15 Hl. entsprechen nur dem unausweichlichen Muß; an ihnen ist nichts abzuhandeln: sie haben mit Agitation nichts zu tun. Das Reichscrnährungs- Ministerium gefährdet mit seiner Zaudcrtoktik dos Ansehen des Slaoales. Klärung über den Gparzinsfah. Die Entscheidimg des zentralen Kreditausschusses. Im Anschluß nn die letzte Diskontsenkung der Rcichsbank Hot der Zentrale K r e d i t a u s s ch u ß gestern die neuen haben- Zinsen scstgejctzt. Die Vertreter der Sparkassen hatten schon in den letzten Tagen keinen Zweifel darüber auskommen lasse», daß der 4prozentigc Zinssatz sür normale Spareinlagen die u n t e r st e Grenze darstelle und daß sie unter keinen Ilmständen einem weiteren Abbau dieses Zinssatzes zustimmen könnten. Die gestrige Sitzung brachte in dieser vielumstrittenen Frage endlich eine grund- sätzliche Klärung, indem der Begriff der normalen Spareinlage sest umrissen und die Verzinsung bei 1 P r a z. belassen wurde. Der Kreditausschuß Hot sich damit dem Standpunkt der Spar- lassen angeschlossen, daß Spareinlagen ihrem Anlagecharakter nach eher zum Zi apikal mar k als zum Geldmarkt gehören und nicht mit dem schwankenden Reichsbaiildiskoiit verkoppelt werden Weiß.Ia Leinen-Schnijn- und Spangenschuhe m angegossener Gummi- sohle, Gleitschute und Gummikappenschutzl Zur Pflege Sri- Milch IMsss1 fönnftt. Diese Klärung kann im Interesse der Sparkassen Und der sartschreitenden Beruhigung des Sparerpublikums nur begrüht werden. Im übrigen Hot der Kreditausschnss bei den einzelnen Termin- gruppcn der Kündigungsgclder gewisse Ilmstellungen vorgenommen. Durch die Ilmgliedemng ergibt sich in der Gruppe 1 sbis zu drei Monaten) eine Senkung der Habcnzinsen um Vi Proz. und in der 2. Gruppe(bis zu sechs Monaten) um V- Proz. In der 3. Gruppe hat sich der Satz nicht verändert. Die Auswirkung dieser Zins- rcgelung hat eine weitere Senkung der Z i n s g e w i n n s p a n n c der Banken zur Folge. Der Bankcnkommissar bezeichnet diese Entwicklung als nicht unerwünscht, glaubt jedoch, daß damit das Ende der Zinsspannenvercngerung ziemlich erreicht sei. Die Verluste bei Burbach. Vorläufig ungenügende Bilanzbcreinigung. . Die Perwaltung des Burbach-Konzcrns hat jetzt eine Erklärung abgegeben, welche Rechenschaft über die Konzernvcrlustc ab- legt. Die Tatsache, dah der Bnrbach-Konzern bis zum vergangenen Jahr noch 12 Proz. Dividende zahlen und zugleich die Oeffenllich- keit über millionenschwere Verluste bis in die jüngste Zeit im un- klaren lassen konnte, ist eine Folge des außerordentlich komplizierten Pcrschachtclungssystems innerhalb des Konzerns und des völlig unzulänglichen alten Aktienrechtes, dessen Reform bekanntlich von den Unternehmern stets als gänzlich unnötig hin» gestellt wurde. Auf Grund der Verwaltungserklärung ergibt sich. daß ssch im Konzernbcsstz ZZ.S Millionen eigene Aktien befanden. Im Besitz der Hauptverwaltung GmbH, waren hiervon 31, ä Mil- lioneir zusammengefaßt. Rund 7.3 Millionen wurden an eigenen Aktien bei Stützungskäufen erworben. Der durchschnittliche Buch- wert der bei der Hauptverwaltung ruhenden Aktien beträgt 1 8 st Prozent, also das Vielfache des heutigen Börsenkurjes. Die Gcsamtverpflichtungen des Konzerns stellen sich auf 61,3 Millionen, von denen über 5st Proz. unter das Stillhalte- abkommen fallen. Zur vorläufigen Sanierung des Unternehmens soll die Hauptverwaltung GmbH. liquidiert und dadurch die B u r b a ch- Kaliwerke A.°G. selbst Inhaber ocr Porratsakticn und andererseits Schuldner für die Verpflichtungen der Hauptoer- waltung, die öl) Millionen betragen, werden. Diese öst Millionen stellen die Kosten für den Erwerb der eigenen Aktien dar. Tziervon werden 31,5 Millionen durch Einziehung der Porratsakticn buch- mäßig getilgt. Es bleibt also ein ungedeckter Verlust von 28 Millionen. Durch Auflösung der offenen Reserve und Heran- ziehung des Reingewinnes für 1931 sowie des Gcwinnrcstes aus 1930 können insgesamt 19,1 Millionen aufgebracht werden, so daß ein ungedeckter Re st vertust von 8,9 Millionen vcr- bleibt, lieber die weiteren Sanierungsmaßnahmcn wird der Aussichtsrat noch entscheiden._ Adca- Sanierung beschlossen. Gestern hat die Generalversammlung der Allgemeinen Deutschen Ereditanstalt(Adca) Leipzig, die Sanic- rung dieser größten deutschen Provinzbank beschlossen, die be- kanntlich auch nur mit Hilfe reichlicher öffentlicher Mittel möglich war. Dia im vorigen Jahr in Aussicht genommene Fusion mit der Sächsischen Staatsbank ist dadurch überflüssig geworden. Aber mit der Adca ist jetzt die A n h al t i s ch- D e s s a u i sch e Landesbank verschmolzen und zugleich— saniert worden (unter Erhöhung der Zuschüsse für die Adca). Die Fusion wird auf den 1. Januar 1931 zurückdatiert und für das Gemeinschafts- institut wird eine Sanicrungsbilanz für Ende Dezember 1931 vor- gelegt. Die Sanierung wurde nach langer Aussprache gegen«ine geringe Opposition beschlossen mit dem Borbehalt, daß der Sächsische Landtag seine Zustimmung erteile. Von dem früheren 40-Millionen- Mark-Kapital der Adca wurden 22 Millionen eigene Aktien«in- g e z o g e n, die restlichen 18 Millionen Mark werden im Verhältnis 3:1 zusammengelegt. Der Buchgcwinn daraus von 12 Millionen Mark, dazu die Reserven von 11 Millionen Mark und der Betriebsgewinn von 1931 in Höhe von 2,1 Millionen Mark werden zu Abschreibungen verwandt. Die Golddiskontbank übernimmt 14 Millionen Mark neue Aktien zum Kurse von IIS Proz., so daß das Adca-Kapital jetzt 20 Millionen Mark bei 6 Millionen Mark offenen Reserven beträgt. Zur Auffüllung der offenen und stillen Reserven hat die Adca o o m R e i ch Schatzanweisungen im Betrage von 16 Millionen Mark (davon sind 10,23 Millionen unverzinslich) und vovDs ä ch s i- schen Staat Schatzanweisungen im Betrage von 2,5 Millionen Mark(die Hälfte unverzinslich) erhalten. Die Schatzanwcisungen sind allmählich zurückzuzahlen. � T hediev, Lidtispiele usw.] Sf&als Theater Donnerstag, den 5, Mai Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Die Hugenotten StJJtLSdiiusiiiiIhsus OeQdaraeDfflsrkt. 20 Uhr Die endlose Straße Schiller-Theater Cbarlollenburg. 20 Uhr Cyrano von Uerflerac Slüdt.Opcr Charlottenbure Bisrnarckstraßc 34. Donnerstag, 5. Mai Turnus I Tfeiiand Salvati ni. Roth, Burgu-iokel, friud, Bauruano. Anfang 20 Uhr Ende 22,30 Uhr laol. 5 u. 8'/, Uhr HAKEN LA JANA ANTON DOLIN u. weiter e/Attrakt. 5|.£i5Stgs.2,5.8i5U. Bis einschl. 8. Mal verlängert s DwVogalhändler .46 9. Mai: DieDubarry Voihsoilhne Ihealsr am BDlGwplalz 8 Uhr Sturm im Wasserglas mit Hans! Niese Komödie in i Akten von Bihrlo Frank Regie: A. M. Rabenau Ilaall. ScUIleMliealci 8 Uhr Cyrano vonBergerac Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Dolffiüiig des MW Bioder AM 14. MAI ERÖFFNUNG DER BERLINER SOMMERSCHAU 1932 SONNE, LUFT UND HAUS FÜR ALLE AUSSTELLUNG FÜR ANBAUHAUS, KLEINGARTEN UND WOCHENENDE Sport auf grünem Rasen MODEN-RENNEN HEUTE GRUNEWALD 3 /, DeiMes TDeater 8 Uhr Vor Sonnenuntergang v. Gcrh.Hauptmann Regie; Max Reinhardt■ leM-Tlieatei Täglich 8Vi Uhr Das TlieaUi dar Sdiautpieler Maria Stuart Tilla Durloux, Erika Wagner .TheatGr in öcr- Slreselnannstr. Tel: Bctgtusoti 2UO : Tägi. 8"i Uhr Widel au* ! der Hülle ludi. Oublij. Hart!. Hm, Oahllt. Klibutth. Piuktft, { Ralbmann, Standtki. Rejie: ludw. luMskr 22 MUSTERKLEINGÄRTEN 30 WACHSENDE HÄUSER ZUM PREISE yVare MIT WOHNLAUBEN USW. VON 2— 3000 RM USW. 75 VERANSTALTUNGEN: SPORT, SPIEL, TANZ, IIMiWIUlUWDUR— Wil»i»WHIIWIIIIII IIWIÜ IIWIIMMa AUFRUF DERVOLKSFURSORGE Gewerkschaftlich- Genossenschaftliche Versicherungs-Aktiengesellschaft HAMBURG 5 Diejenigen Versicherungsnehmer, die für Ihre Papiermarkversicherungen noch keinen Aufwertungsbetrag erhalten haben, werden hierdurch aufgefordert, ihre Aufwertungsansprüche unter Vorlegung des Versicherungsscheines und der letzten Papiermark- Prämienquittung zwecks Prüfung und, sofern sich ein Aufwertungsbetrag ergibt, zwecks evtl. Auszahlung durch das Hauptbüro bei den unten angegebenen Rechnungsstellen anzumelden. VOLKSFURSORGE Gewerkschaftlich-Genossenschaftliche Versicherungs-Aktiengesellschaft DER VORSTAND Bsriin S 42, Rltterstraße-126/ Nariendorf, Rat- hausstraße 93 s Köpenick, Bahnhofstraße 34/ Lichtenberg, Frankfurter Allee 122 ✓ Reinlcken« dorf-Ost, Schönholzer Weg 39/ Pankow, Gaillard- straße 26/ Spandau, Götelstraße 5/ Nowawes, Priesterstraße 5 TURNIERE USW. aBsanasrasai 1000 ANREGUNGEN: WOCHENENDE WARUM-WIE-WO? U.A.M. 100000 BLUTENWUNDER IM NEUEN TERRASSENGARTEN Tliealer Groll Frank torler StnSl 13? Tel. Weichsel E? 342? 9 Uhr Die Frau. die jeder sudil b.oö-____•• Lve«•••-- 0',c Liest» ••***•••*** und vier*" Soi«»»1• Dröi>*,,r*■(•{WIPP'10, ....... i»(ld»ata....... R\eSeliöUe'''".., voUicU.-- Tiu,te 4er�ark bSp»**- o.*5 0.«° o.'1 i.o* i.«4 ' o.«s - o.»» * o.S4 0.7» siatW 2.PW.-Oose t.TO - 0.4» U.90 W,n�r •Garten• 8.15 Uhr Flora 3434 Raudieo Eilaohl Die variete-Reuue „0 schöner mai" JaumblOte"».„Von Lenz u. Liebe" Heute L VorHtellungen 4 Uhr u. 8.15 Ubr. 4 Uhr kleine Pr «MUlZiiMMiW!! 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Eine der Säulen des ADGB. ist der Besamtverband Großorganisation der M T-i .«Fr 700 OOO Wir wollen den Segen der Kultur, freiheitliehen Geistes, technischen Fortschritts der arbeitenden Menschheit dienstbar machen. 9 Zur Verwirklichung dieser hohen Ziele bedürfen wir der Mitarbeit aller in den öffentlichen Betrieben und des Personen- und Warenverkehrs beschäffigten Arbeitnehmer. Weder die Diktatur russisch-römischer Art, der Kommunisten und Faschisten, noch die gelben schwarz- weiß-roten Methoden derer um Hugenberg, als Sachwalter schwerkapitalistischer Interessen, bringen dem arbeitenden Volke den Fortschritt. Ächtung! Folgt dem Maifunkspruch an Alle! G werdet Müimpier des üeseni- verbendesi .;/ Sport- Anzug 2 teilig:, ij reine Wolle, ausge-««|«|% ? sproch. Strap.-Qual. 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Die Belegschaft der Osram-Fadrik D wird ihm deshalb ein ehrendes Andenken bewahren. Ardeitvr rat Osrum, Fabrtk D Betriebsrat Osram. Fabrik D Gesaznlbeiriebsrai Osram Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 7. Mai. 16V» Uhr. im 5krema:orium Baumschulenweg statt. Mdiüf Metallarbeiter-Verbafld Vcr wüllungMicllc Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mechaniker M\z Freyer geb. 23. November 1891, am 3. Mai gestorben ist Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 7. Mai. 15'/» Uhr, im! Krematorium Baumschulenweg, Klef- holzstrake, statt. Am 3. Mai starb unser Kollege der Schlosser ?glll Senftleben Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 7. Mai, 19 Uhr. im Krema- lorium Berlin, Gerichtstratze, statt. Am 3. Mai starb unsere Kollegin, bie Schraubenorehcrin Frieds Seiiirndt Die Einäscherung findet am Mon- tag. dem 9. Mai, 17»., Uhr, im Krema- torium Berlin, Gerichlstraße. statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Am 3. Mai verstarb unser Kollege. der Dreher Ericli Zimmermann Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltuof*. Am 3 Mai starb unser lieber Vater, Großvater und Schwiegervater Friedrieit Freudenreich im 81. Lebensjahre. Ties zeigen tiefbetrübt an Hedwig Paul, Lieb. Frcadcnrelcfa Familie Gustav Zcpmeisel Die Einäscherung findet am v Mai um 13 Uhr im Krematorium Baum- schnlenweg statt Denksagunz. Filr die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Seimgange meines lieven Mannes, unseres guien Baters Richard Schmalbach sagen wir allen Freunden,'1-er- wandten und Parteigenossen, den Kolleaen vom Deutschen Holzarbeiter- Verband, dem Neichsdanner Schwär;- Rot-Gold und betonders dem Herrn Redner des Deutlchen Freidenker- Verbandes unseren innigsten Dank. Clara Schmalbacfa und Kinder. Aügemelne OrlskranlienKasse Bcrlln-X orden. Der 5. Nachtrag zur Sahnug enihallend Aende'ung des jj I Abi. t Sa»!! lit vom Oberverstcherunzsamt Berlin ge- nedmigt worden. Druckiiiicke drs Sagungs» nachrrages sind in den nächsten Tage» IM Kaisenlokai Berlin dl. 24. Oranienburger Sirahe 34, und IN de» Zweigstellen er- hättlich. pet Ncüdecker, Porsihender. Hiermit zur Nachricht, daß unser lanosähr-ges Mitgiied und Svigen- nnktioniir der Firma Osram 0.. Rotherstrahe. Kollege Paul Kumm infolge eines tragischen Unfalles am 28 April im Alter von 45 Jahren verstorben ist. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 7 Mai, 16» 3 Uhr. im Krematorium Baum chulcnweg statt Um rege Beteiligung wird gebeten. Gea�mtverbsud. Sektion 10 (Metallindustrie). OrlsferanKenkasse für die Gewerbe der Tlsdiler und Planofortearbeiler zu Berlin SO 3ö Am 3. Mai 1932, um 16U Uhr, unmittelbar vor Beginn der Vorsiandssitzung, verstarb im i8. Lebensjahre unser Vorsitzender, Herr Fritz meersbach an Herzschlag. Seine jederzeit gleichbleibende gewissenhafte Pflichterfüllung und nie ermüdende Hilfsbereitschaft in zwölfjähriger Tätigkeit als Vorsitzender sichern dem Verstotbenen bei den Mitgliedern, den Angestellten und dem Vorstand ein dauerndes ehrendes Andenken. Der Vorstand und die Angestellten. Die Einäscherung findet statt am Sonnabend, dem 7. Mai 1932, um IZ Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. KLEINE ANZEIGEN iiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiminiiiiiimiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Preise: Uberschriftswort 20 Pf., Textwort 10 Pt. Wiederholungsrabatt; i mal 5%, 8 mal 7'.! 95, 12 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10 55,, 2000 Worte 15%,<-000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Undenslr. 3(V: 9 bis 5 Uhr], sämtliche Vorwärls-Filiaien u.-Ausgabestellen, sowie alle Annoncen-Expeditionen Phototäuber oerzogen noch Ro senthalerstraße 49. Dort große Gelegenheitskäufe in Mar- lenkameraz und Zeißgläsern. Psingsttariea, Mottentafeln, Ra siertlingen, Senkel. 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Für bie Beweise herzl'cher Teil- nähme beim>5eimgana meines lieben Mannes Vaters. Schwiegervaters, Opas, Schwagers und freundes Puttolk Häuser 'ogcn wir allen Beteiligten, dem Reichsbanner, der SPD. 21. Abtig.. den Kollegen der Hawag und dem DMB unseren herzlichsten Dank. Berlin, den 4. Mai 1932 V/w. Ida Hauser und Angehörige. SS In der Gesamiauflagc de».Vorwdrt*"»ind beaonder» wirk»anr und trotzdem «ehrbiUUtl Gioßdeslillaliofl zum weißen Hirsch Stmerglraße 106,£cke iPrinzenitlralSe Frühstilckstube— MittasstiscH 40 Ptz. Gwtgepfiegte Biere Willy Seidlitz musüi mstrumentB nanmsschinen Prachtpianos. zehnjährige Garan. tie, 700,—. ge- brauchte 2.50,— Mo- natsraten 15.—. Re� paraturen Stim- münzen. Anger» Käfers Pianoforte- tabrit, Gr. Frank- furterstr.48a(Kirch- durchgang) Schwechtenpiano 250,—, andere 100,—, 150,—, gebrauchte. Herer. Prinzen- straße neunzig.' Pianos. Gelegenheitskäufe. 17.5,— 275,—. ge- brauchte, neue gro- ße Auswahl Teil- zahlung. 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IBedding 8940.|Uhr.<7. Tlr. 210» 49. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Oonncrötag, 5. Mai 1932 Albert Thomas' Kampf. Zur Lleberwindung der Wirischasiskrise. Albert Thomas, bor Direktor dos Internationalen Ar- Keitsomts, veröffentlicht in Nr. 18 der„Sozialen Praxis" einen Auf- fatz über die internationale A r b e i t s b c f ch a f f u n r,, riber die er bereits in seinem Bericht an die Internationale Arbeits- konferenz sich eingehend geäußert hat. In diesem Aufsah spricht er besonders von dem Interesse, das gerade Deutschland an dieser Arbeitsbeschaffung hat. „Die mittel- und westeuropäische Industrie mit ihren zehn Mil- lioncn und mehr Arbeitslosen", schreibt Albert Thomas,„könnte auf Jahre und Jahrzehnte hinaus Beschäftigung finden, wollte man die großen gemeinsamen Erschließungspläne noch über die Grenzen Europos hinaus erstreiken. Afrika. Asien, Südamerika nach den besten Erfahrungen europäischer Wirtschaft entwickeln und ihre riesige, vielfach noch in kümmerlichsten Verhältnissen unfreiwilliger Autarkie lebende Bevölkerung zu Abnehmern der europäischen Mutterindustrien werden lassen. Nicht die Welt ist klein und zu eng für die Menschen, die in ihr leben, vielleicht waren aber diese Menschen bisher zu klein und zu engherzig, um die natürlichen Möglichkeiten dieser großen Welt und die Möglichkeiten der neuzeit- lichen Technik wirklich und verständig auszunützen. Muß man bei Erwähnung all dieser internationalen Möglich- keiten noch besonders daraus hinweisen, wie wichtig sie gerade für Deutschland sind, dessen Industrie weit über die Aufnahme- fähigkeit des inneren Marktes hinausgewachsen ist und das eigene Kolonien zur Auswertung seines Jnduftrieüberfchusses nicht besitzt?" . Man wird vielleicht daran erinnern,' wie die sz inan- z i e r u n g der öffentlichen Arbeiten im einzelnen Leinde oft so schmierig gewesen sei und z. B. in Deutschland dazu geführt habe, daß man während der gegenwärtigen Krise, trotz des immer dringlicheren Verlangens der arbeitslosen Massen und der Gewerkschaften nach Arbeitsbeschaffung, darin nicht so weit gcl>en konnte, wie dies früher im Rahmen der„produktivem Ewcrbslosemürsorgc" oder im„Ankurbelungsprogramm" von 192(5 geschehen ist... Finanzielle Grenzen bestehen natürlich, sie sind aber— und hierin liegt einer der stärksten Gründe für die Erstreckimg der össcnt- lichen Arbeiten in den internationalen Bereich— nicht so eng und drückend, lassen sich leichter überwinden als innerhalb der einzelnen kapitalschwachen Länder. Gibt es doch neben diesen, wie schon oben angedeutet, auch andere Länder, in denen u n g c n u lz t c s Kapital, eigenes nnd hierher geflüchtetes fremdes Kapital, in gewaltigen Summen aufgespeichert ist. Kaum genutzt oder ungenutzt liegt das Gold, liegen Vermögenswerte aufgespeichert, den vcr- waltenden Banken selbst mehr zur Last als zur Lust. Für diese Kapitalien eine mitzkrmgcnde Verwendung zu finden, sie der kapital- hungrigen Weltwirtschaft wieder zuzuführen und diese damit zu befruchten, das ist eine der großen Ausgaben der nächsten Zukunft. Mißtrauen der Besitzenden, Erfahrungen der Vergangenheit und, sage» wir es offen, auch politische Hemmungen haben es zu einer Lösung dieser Frage bisher nicht kommen lassen. Es würde heute sehr schwer halten, wenn nicht unmöglich sein, Kapital bzw. Krcditströme in die Länder zu leiten, in denen eine zweckmäßige Verwertung dieser Kapitalien zwar dringend erwünscht, in denen die Kapitalnot aber auis höchste gestiegen ist und wo die Kredit» sicherheit den fremden Kapitalbesitzern zur Zeit nicht ausreichend erscheint. Hier kann allein das internationale Z u s a m m c n- wirken Wandel schassen." Alles dies ist richtig. Es wird niemand geben, der es wagen wird, offen gegen diese Argumente anzugchen. Warum aber geschieht nichts, warum wird mit allen Mitteln des Tot schweige»? und der Verschleppung eine Sabotage durch'pas- s i v e R c s i st c n z geübt? Von einem der bekanntesten Industriellen nnd finanziellen Förderer szitlcrs wurde seinerzeit das Wort kolportiert:„Diese Krise brauche ich gerade". Neben solche» bewußten Katastrophen- Politikern gibt es eine Mehrheit von Skeptikern und Fatalisten, die sich selbst und dem Kapitalismus nichts mehr zutrauen. Und schließlich gibt es in allen Regierungen eine kompakte Mehrheit politischer „A u t a r k i st e n", die zwar nicht Nationalisten im landläufi- gen Sinuc sind, aber eine>ost unüberwindliche Antipathie empfinden gegenüber einer, wenn auch indirekten, Minderung ihrer„Hoheit?- rechte". Denn jede Erweiterung der europäischen Zusammenarbeit bedeutet eine Verminderung ihres Ansehens und ihrer Macht- bcfuguisse. Ja, wenn Albert Thomas den„gewöhnlichen" Weg ginge, dem einen oder dem anderen Lande eine Konzcssion zum Bau einer Eisenbahn oder eines Straßennetzes zu ncrschasfen, unter Zuhilfenahme eines den Rohm abschöpfenden Bankcnkonsortiums, wobei die Diplomaten aller Länder Gelegenheit haben, ihre Tüchtigkeit zu beweisen, Orden und Beförderungen zu ernten, dann„ließe sich darüber reden". Albert Thomas denkt ober nicht an die Diplomaten, sondern an die Arbeitslosen, nicht an die Banken, sondern an die Wirtschaft, nicht an die„nationalen Interessen", sondern an eine internationale Zusammenarbeit. Daher sein fast aussichtsloser Kampf. Und deshalb u n t c r st ii tz e n wir ihn r ü ck h a l t l o s in diesem Kamps. Tarifstreit im Buchdruckgewerbe. Abgelehnte Verbindlichkeit.- Vor neuen Verhandlungen. Dos Brichsarbeitsministerium hat entsprechend dem Antrag der «Sc'ticrksäzasten den Schiedsspruch im Manlcllarisstreil der Buchdrucker nicht für verbindlich erklärt. Auch die verbindlichkcitserklärung des Abbauschiedsspruchs für die graphi-� schen Hilfsarbeiter und-arbeilerinnen im Vuchdruckgcwcrbe ist abgelehnt worden. Das ausgezeichnete Ornanifationsverhällnis der Buchdrucker und graphischen yiissarbciter bürgt dafür, daß die Unternehmer keinen crnsthaslen Versuch machen werden, nunmehr etwa von sich aus die Bestimmungen der ZNanieltarisverträgc zu ändern. Es liegen bisher auch keinerlei Anzeichen vor. daß die Unternehmer sich mil derartigen Absichten tragen. Man kann vielmehr annehmen, daß es nach der Ablehnung der vcrbindlichkcitscrNärung zu neuen Verhandlungen kommen und daß man nunmehr den ernst- haften Versuch machen wird, über die Bestimmungen der Maniel- larisverträae zu einer direkten Vereinbarung zu kommen. Bei den Nachverhandlungen im Bcichearbeitsminislcrium am 29. April haben die Unternchmcrverlrctcr bereits ihre L o h n- abbauanträge zurückgezogen und sich mil den Gehilsen- und hilssarbeitcrorganisationen dahin v c r st ö n d i g l, die bisherigen larislichen Cohn- und Arbeitsbedingungen solange gelten zu lassen, bis es auf irgendeine Art zum Abschluß neuer Tarifverträge gekommen ist. Die Ablehnung der Verbindlichkeilserklärung hat an diesem Talbestand nichts geändert. Somit bleiben die Bedingungen der Lohn- nnd Mantcllarisverträgc bis zum Abschluß neuer Verträge in Geltung. Hugenberg entdeckt ein Komplott. Die H u g e n b e r g p r« s s e hat eine aufregende Entdeckung gemacht. Sie ist dahinter gekommen, daß in Bad Käsen eine „Geheimkonferenz von 6l> Vertretern der Arbeitsämter aus allen Gauen Deutschlands stattgefunden hat. Die Hugenbergpresse ist beunruhigt, weil über den Zweck dieser 55on- ferenz nichts bekannt geworden sei. Nach ihrer Meinung ist die Bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern haben sich Togal-Tablctten hervorragend bewährt. Zahlreiche Dankschreiben über Togal bei veralteten Leiden, bei denen kein anderes Mittel balf! Ein Versuch überzeugt! Frag. Sie Ihr. Arzt— In all. Apoth. Ermäßigter Preis M. 1,25.'2,b Utk.. 0,16 Ckin., 74,3 Acid. acel. salic. Ocffcntlichkcit„aufs stärkste" daran interessiert, was diese 60 Vertreter der Arbeitsämter in Käsen beraten haben, und vor allem daran, wer die nicht unbeträchtlichen Kosten der Konferenz trägt. Damit die Leser der Hugenbergpresse nicht länger schloslosc Nächte haben, teilt der Z c n t r a l v e r b a n d der A n g e st c l l t e n mit, daß es sich bei der„Gchcimtagung" um einen U n t e r r i ch t s- kursus des Landcsarbcitsamts Mitteldeutschlands für Angestellte der Arbeitslosenversicherung gehandelt hat. Solche Schulungsmaß- nahmen werden van der Rcichsanstalt ständig durchgeführt und sind infolge der dauernden Zlcndcrungcn des Arbcitslosenschutzcs— diese sind nicht zuletzt eine Folge der 5)etze gegen die Arbeitsloscnunter- stützung— unbedingt notwendig. Die Kasten sllr die Schulungs- maßnahmen trägt die Reichsonstalt. Die Mittel dafür sind in ihrem Haushalt ausdrücklich vorgesehen, die im übrigen auch von den der Hugenbergpresse sehr nahestehenden Krxiscn bewilligt wurden. Gtegerwald wird entscheiden. Ob er zu seinen Worten steht. Der Schlichter für Südwcftdcutschland fällte am Dienstag in Karlsruhe aus Verlangen der badischcn Textilindustriellen einen Schiedsspruch- gegen die badische Textilarbeiter- s ch a f t. der eine Ungeheuerlichkeit darstellt. Der Schiedsspruch sieht vor, daß der N o r m a I st u n d c n l o h n für Männer über 25 Jahre von 54 a u f 52 P s. herabgesetzt werden soll. Die übrigen Lohnpositionen sollen im gleichen Verhältnis gekürzt werden. Aus der Vorgeschichte dieses Lohnstreits ist zu erwähnen, daß die Textilindustriellen den Lohntarif schon zu Ende März aufge- kündigt hatten, zum Zwecke einer„'Anpassung der Löhne an den Konkurrenzbezirk Nordbapern". Damals fällte der Schlichter bereits einen Schiedsspruch, der die bisherigen Löhne bis 1. Mai ver- längcrte. Aber er ließ durchblicken, daß er im Mai eine Lohn- senkung unter die Sätze Nordbaycrns aussprechen würde. Die Argumente der Unternehmer sind obendrein augenfällig falsch: denn die Löhne in der badischcn Textilindustrie find in den wichtigsten Positionen bereits jetzt niedriger als in Nord- bayern. So betragen die Akkordrichtsätze für Weber in der Baumwollrohweberei in Nordbayern 56,6 bis 66 Pf., in Baden da- gegen nur 54 bis 59 Pf. In der Baiimwollbtintwcbcrci sind die entsprechenden Sätze in Okordbayern 57,2 bis 63,6 Pf., in Baden nur 54 bis 59 Pf. Der Lohn für Delfaktorspinncr ist in beiden Bezirken mit 65 Pf. gleich. Wenn wirklich einzelne Lahnpositioncn in Boden höher sind als in Nordbaycrn. so fallen sie gegenüber diesen aus» schlaggebendcu gar nicht ins Gewicht. Dieser bodische Schiedsspruch kann für die gesamte Tcxtil- arbeiterschaft zum Verhängnis werden, wenn er Rechtskraft erlangen sollte: denn das Argument vom„Konkurrenzbezirk mit den niedrigen Löhnen" haben die Textilunternehmer in's ä'm k l i ch c n deutschen Gauen stets und ständig bei der Hand. Der Reichsarbeitsmimster hat miederholt erklärt, es würden jetzt nur mehr die Binnenmarktlö h n c gesenkt werden, so- fern sie über das allgemeine Lohnniveau hinaus» ragen. Sind Textillöhne Binnenmarktlöhne? Sind Löhne von 54 Pf. die Stunde für Bollorbcitcr von über 25 Jahren über dem „allgemeinen Lohnniveau"? Da die Verbindlichteitserklarung dieses Schiedsspruchs nur vom Reichsarbeitsminister ausgesprochen werden kann, wird Herr Sieger- mald Gelegenheit haben, diese zwei Fragen klipp und klar zu bc- antworten. Es bedarf wohl keines besonderen Hinweises, von welcher politischen und wirtschaftlichen Trag, weite die Entscheidung des Reichsorbkits, m i n i st e r s fein m u ß. Freiwillige Arbeiisdienstgeheimnisse. phantastische plane- aber kein Gelt». Zu dem Entwurf de? Reichsarbeitsministers für eine Crgon» zung der Verordnung über die Förderung des freiwilligen A r b e i t s d i e nft c s bat nun auch der Verwastungsrot der Rcichsanstalt für Zlrbeitsloscnvcrsickicrung und Arbeitsvermitt- lung Stellung genommen. Klarheit über das, was nun eigentlich geschehen soll,.haben auch die Beratungen des Berwoltungsrots nicht gebracht. Daß der P e r s o n c n k r c i s des freiwilligen Arbeitsdienstes erweitert werden soll, wird von gewissen Kreisen immer wieder verlangt. Es heißt, daß in erster Linie der freiwillige Arbeitsdienst bei der landwirtschaftlichen Siedlung angesetzt werden soll. Allein bis zur Stunde weiß niemand, i» m c Ich c in U in- fang nun eigentlich solche landwirtschaftliche Siedlungen geschaffen werden sollen. Es werden ollertzand Zahlen genannt— 5 000, 10 000 und 30 000—, aber das sind reine Phontasiezahlen, weil der R e i ch s f i Ii a n z M i n i st e r das entscheidende Wörtlein zu sagen hat. Es sollen ja künftig auch n i ch t u n t e r st ü tz t c Arbeitslose in größerer Anzahl im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt werden. Die Mittel dafür können mir vom Reich bekommen. Die Erweiterung des freiwilligen Arbeitsdienstes auf Personen, die keine Arbeitslosen- oder Krisenuntcrstützung beziehen und die nicht zu den Arbeitnehmern gehören, ist auch nickst ganz unbedenklich: denn daraus entsteht die Gefahr, daß Personen, bei denen nicht die Notlage eines'Arbeitslosen vorliegt, mit öffeiitlichcu Mitteln zur'Arbeit angesetzt und der Normalarbeitcr immer stärker verdrängt wird. Bedenklich ist auch die Bestimmung des Entwurfs, wonach die Entscheidung über die Förderung von Siedlungsarbeiten durch den freiwilligen Arbeitsdienst im Einzelfall in die Lzand des Arbeitsamtsvorsitzenden ollein gelegt wird. Er kann cntschcidcy ohne Mitwirkung des Ausschusses des Arbeitsamtes, wäbrend bisher der Präsident des Landesarbeitsamtes erst nach Fühlungnahme mit dem Llusfchuß seine Entscheidung treffen konnte. Mir hoben es hier mit einer weiteren Ausschaltung der Sslbstver- waltung und der in ihr vertretenen Gewerkschaften zu tun. Wes» halb diese Ausschaltung, wenn man nichts zu verbergen hat? Wer ist bedürftig? Willkür ist noch kein Sparchstcm. Die B e d ü r f t i g k c i t s p r ü f u n g in der K r i s e n f ü r, sorge hat zu großen Härten geführt. Die Gemerkschoste.r aller Richtungen haben dieser Tage den Reichsarbcitsminister dar- auf äusmerksam gemacht. Bei den seinerzeit vorgenommenen'Aenöerungen der Bedürftig» kcitsprüfung wurden die Freigrenzen bei der Anrechnung des Einkommens von Angehörigen nicht mehr in festen Sätzen bc- stimmt, sondern der Satz von 20 M. für den Einkommens- empfänger selbst und von je 10 M. und seine unterbaitsberechtigten Angehörigen wurde zum Höchstsatz erklärt: er kann infolgedessen durch bezirkliche und örtliche Regelung unterschritten werden. In der Praxis gelten nun die unterschiedlichsten Maßstäbe. Der Satz von 20 M. wird in einzelnen Bezirken bis auf 16 M. und noch tiefer gesenkt, der Sotz von 10 M. auf 8 oder 6 M., ja, für Kinder sogar aus 4 und 3 M. gedrückt. Die Folge ist eine Fülle von Ungerechtigkeiten. Bei der Abgrenzung des zugelassenen Per- soncnkrcises hoben die Priisidentsn der Landcsarbcitsäiister in den Gemeinden unter 10000 Einwohner, abgesehen van den grundsätzlich nusgefchlosseneii Gruppen(Landwirtschast. Haus- gehilfen. Jugendliche unter 21 Jahren) häufig sehr empfind- lichc Beschränkungen vorgenommen, z. B. Ausschluß der weiblichen'Arbeitslosen, soweit sie in der Familie leben und nicht überwiegend Ernährer dieser Familie sind, ober Ausschluß oller ver- heirateten Frauen. Auch bei Lohnarbeit wechselnder Art werden in einzelnen Bezirken ganz verschiedene Gruppen zugerechnet bzw. nicht zugerechnet. Wenn in jedem einzelnen Fall eine eing.'hendc Dg bleiben alle Leute stehen--- und rnadicn große Augen, ivonn auf einmal im gewohnten Straßcnbild im Gänsemarsch ein auffallend kostümierter Trupp anftaudif, in der Linken den Eimer und in der Rechten die blank geschliffene Waffe der Sauberkeit: die Bürste! Alle Wrelt erkennt in ihnen auf den ersten Blick das flinke iMi-Männdien, das nicht müde wird, unseren vielbeschäftigten Hausfrauen zuzurufen: Laßt die vielen Haushaltsadien Nur mit iMi sauber machen! - Äetüt-üt, ieinex,(�»�«..LEIPZIGEß STR*ALEXANDERPL»WILMEßSDORFERSTR. 1 HfQhMÜHH AM„LEBENDEN MODELL"<25� ■ Mil dieser Neuepuno(das Oterdeil folg! jedep Kopp erbeweg ung, das HvfUeil sihi unbeweglich fesi) isi ein„ideales ConSef geschaffen. S ÜBERZEUGEN SIE SlCH.• DIE VORröH RUNGEN PlNDEN STATT VÖM 6. BIS 10. MAI VORMITTAGS 11�1 UHR U. NACHMITTAGS 3-6 UHR öch tele aus der Stand, SUadame! durchaus emfOtafte Jlwreifung/ Von Itoligang Startmann Sebiirftigfcifsprüfung stattfindet, ist ein Ausschluß ganzer Gruppen nicht mehr zu rechtfertigen. Der Arbeitsomtsvorsitzende muß, wie er dos Recht auf Verfagung im Einzelfalle hat, auch das Recht de- kommen, in besonderen chärtesällen die Unterstützung zu bewilligen, auch wenn der Antragsteller zu einem im allgemeinen nicht zuge» lassenen Personcnkreis gehört. Der Rcichsarbeitsminister meint, diese Härten seien nicht zu vermeiden, weil die Unterstützungsgrenze aus Mangel an Mitteln sehr eng gezogen worden sei. Bedauerlich bleibt aber, daß vom Reichsarbeitsministerium kein. Versuch gemacht wird, größere Einheitlichkeit und Rechtssicherheit zu schaffen, die den sozialen Bedürfnissen des Arbeitsmarktcs, so wie er wirklich ist, Rechnung trägt. Nur eine einheitliche Arbeitslosen- fürsorge, wie sie die Gewerkschaften schon längst gefordert haben, d. h. eine Zusammenlegung von Krisenfürsorge und Wohl- fahrt, kann die Uebelstände und Ungerechtigkeiten der Krisenunter- stützung aus der Welt schaffen. Zu lange Haare. Ein Grund zur fristlosen Entlassung. Seitdem die Frauen zum Bubikopf übergegangen sind, hat sich in den Kreisen der Arbeiterjugend die Mod« herausgebildet, das Haar auf dem Borderkopf möglichst lang zu lassen, als Mähne, die sich so nett zurückwerfen läßt. Der persönlich« Geschmack ist nun Sache jedes einzelnen, allein in Maschinenbetrieben können fliegende Mähnen, wie früher die Zöpfe, zu Unfallgefahren führen. Ein Lehrling, der sich auf wiederholte Aufforderungen weigerte, seine 5)aare kürzer schneiden zu lassen, wurde f r i st l o s c n t- lassen und klagte dann auf Wiedereinstellung. Das Arbeitsgericht entschied, daß der Lehrherr zur Wiedereinstellung nicht verpflichtet sei, da her Lehrling der wiederholten Aufforderung, sich die Haare schneiden zu lassen, nicht gefolgt sei. Dadurch sei der Grund zur frift- losen Entlassung gegeben. Der als Sachoerständiger hinzugezogene Gewerberat betonte, daß der Lehrherr zu seiner Forderung nicht nur berechtigt, son- dem sogar verpflichtet gewesen sei.§ 120 der Reichsgewerbeordnung schreibe ihm ausdrücklich vor, alle Maßnahmen zu treffen, um die Unfallgefahr herabzumindern. Die Gefahr selbst brauche gar nicht vorzuliegen, sondern allein die Mutmaßung einer Gefahr verpflichte den Lehrherrn, sofort Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Hier aber habe auch die erhöhte Unfallgesahr bestanden, da die Haare den Lehrling an der Sicht behindert hätten. Lange Haare seien also in Fabrikbetrieben nicht Privatsache, wie das gegen die Vorschrift kurzen Haarschnitts oft eingewandt wird. In Uebereinstinrmung mit diesem Standpunkt des Gewerbe- aufsichtsbeamten Heftimmen die berufsgenossenfchaftlichen Unfall- verhütungsvorschriften, daß in der Nähe von bewegten Maschinen- und Triebwertteilen lose hängende Haare und Zöpfe, freihängende Kleiderteile, Schleifen, Bänder, Halstuchzipfel, Finger- ringe und dergleichen nickst getragen und Aermel nur nach innen umgeschlagen werden dürfen. Verstöße hiergegen widersprechen den einfachsten Regeln vernünftiger Unfallverhütung. Die Gefahr, mit langen Haaren in Zahnradgetriebe, sich drehende Walzen und ähn- liche Fabrikationseinrichtungen hineinzugeraten, ist recht erheblich, die Zahl solcher Unfälle nicht unbeträchtlich und ihre Folgen in den Eiryecheiten geradezu entsetzlich. Der Verband der deutschen Berufsgenossenschaften fügt der aus- reichenden sachlichen Begründung für den Standpunkt des Arbeits- gerichts noch hinzu, daß es Zeitverlust, Schädigung des Betriebes und damit auch des Arbeitnehmers bedeute, wenn Zeit unnütz damit verloren geht, daß man die ins Gesicht hineinhängenden Haare hundertmal zurück,, striegeln" muß, um überhaupt seine Arbeit sehen zu können. Mit dieser überflüssigen Argumentation wird Stoff geliefert, die zu langen Haare als„politische Haare" zu werten und die sachlichen Gründe als Ausreden hinzustellen— wie es geschehen ist. Schiedsspruch für Broifabriken. Dorimund, 4. Mai. In dem Rahmentarif' und Lohnstreit bei den Brotfabriken von Rheinland und Westfalen wurde ein Schiedsspruch gefällt, der den bisherigen Manteltarif mit einigen Aenderungen bis zum 30. April 1933 wieder in Kraft setzt. Die Lohnregelung kann erstmalig zum 31. August 1932 gekündigt werden. Erklärungofrist ist der 11. Mai. Ende der Fleischeraussperrung in Dänemark? Kopenhagen. 4- Mai. In dem Schlächtereistreit scheint eine Wendung zum Besseren eingetreten zu sein. Der staatlielze Schlichter hat die streitenden Par- teien zu einer Sitzung am Sonnabend eingeladen. Gleichzeitig gibt der Vorstand des Verbandes der Genosseirfchaftsschlächtereikn bekannt, er werde Vollmachten mitbringen, um mit den Arbeitern den Konflikt beilegen zu können. Die Arbeiislosigkeit in der Tschechoslowakei. Das Ministerium für soziale Fürsorge beziffert die Zahl der Arbeitslosen zu Ende des Monats März auf 631 903 Personen, gegen 340 000 im Vorjahre. Ob die Saison eine fühlbare Entlastung des Arbeitsmarktes bringt, ist noch fraglich. Es kommt auch hier hauptsächlich darauf an, d i e B a u t ä t i g k e i t in Gang zu bringen. Derliner Gewerkschastsschule. Ter Kursus des Genossen Joachim„Arbeitsrecht für Ansanaer" sollt om Freitag, dem 6. und 13. Mar 1932, aus. Wiederbeginn des Kursus am 20. Mai 1932. Lugendqruppe des Zentralverbandes der Angestellten IKjJ ipeute, Donnerstag, treffen sich alle Berliner Iugendbezirke auf dem Geliinde bei der Jugendherberge Rüdersdorf.— Morgen, Freitag, folgende Beranstaltungen: Südwest: Jugendheim Porckstr. II(2. Hos, Luer. gebäude, l Treppe, Zimmer 5). Vorbereitungen zum Kaujugendtretfen in Franlfurt a. Oder.— Die Uebunassirma„Berliner Druckerei, und Verlags, gesellschast m. b.§." tagt ab 20 Uhr im Jugendheim Ebertystr. 12.— spiele im Freien ab 18 Uhr Sportplatz RehKerge und Sportplatz Schönhauser Allee (Einsame Pappel, Platz ZK). Unsere Photogruppe tagt von.191 i— 22 Uhr im Verbandshaus, Zimmcr ZI. f Freie GewerkschastS'Lugend Berlin H-uir, Donnerstag, den ü. Mai 1992, um 19 Uhr, tagen die Gruppen: Sudasten: Jugendheim Reickienberger Str. 64. t Tewpclhos. Jugend- heim llnzeum. Eermaniastr. 4-Vi. Der Zugang erfolgt durch den Eingang Gogsirosie aus der hinieren Seite der Schule. Fahrt nach Tegel— Meißncrs. Hof.— Maabit: Jugendheim Lehrter Str. 18—19.— Staaten: Jugendheim 1/. Bolfäfchvle. Gartensiadt, Hirchplatz. Endhaltestelle Autobus 31.— Schönhauser Zar: Jugendheim Tieckstr. 18,— Franks urtrr Alle«: Jugendheim Tilsiter Strgtze 4.— Üandb jerger Platz: Jugendheim Diestelmayerstr, ö. Fahrt nach den Sosener Bergen,— Lichtenberg: Jugendheim Doffestr. 22.—»eu-Lichten- Hera: Zugendheim Sunterstr. 44. Fahrt nach Uetzdors.— Ostende: Jugendheim .siarlshorst. Treskowallee 44(Kantschulel.— Gesundbrunnen; Jugendheim Rote Schule, Gotendurger Str. 2. Wir gehen aus Schuihelsahrt.— Schöneweide: Jugendheim Louscner Sie. 2(Rotes Zimmer>,— Köpenick: Iugenddeim Grll. nouec Str. 5(Röhe Bahnhof Epindleesield).— Westtreis: Nreisipieltressen in Meitzneeahof.— Sugendgruppe des deutschen Betleidungaarheiter.Aerdandes: Wanderung nach Bernau. Tressen 8 Uhr Sietiiner Vorartbahnhof.- Jugend- gruppe de» deutschen Textilaedeiter-Perhaude». Wanderung mit der Nowaweser lugend. Abfahrt 7', morgens tzchlastlcher Bahnhof. Junge Frau: Wirtlich? Im Ernst? Sie lesen aus der Hand? Ich: Gewiß, seit Iahren. Junge Frau: Wie machen Sie dos, wenn ich fragen darf. Ich: Ich untersuche die Linien im Handinnern, dann den Handrücken, die Finger, jedes kleine Merkmal. Jung« Frau: Haben Sie«in System? I ch: Bis zu einem gewissen Grave, ja. Junge Frau: Erklären Sie mir das bitte! I ch: Alfo, paffen Sie auf. Das Wichtigst« ist die Lebens- linie. Jung« Frau: Das leuchtet mir ein. I ch: Sie schwingt von der Handwurzel oder aus dem Hand- gelenk im Bogen bis zum Zeigefinger hinauf. Junge Frau: Immer? Ich: Je nachdem. Je stärker und ununterbrochener sie ver» läuft, um so gesunder, widerstandsfähiger ist der Mensch, dem sie gehört. Junge Frau: Was beveuten Unterbrechungen? I ch: Schwere Störungen, Krankheit, früher Tod. Junge Frau: Immer? Auf jeden Fall? I ch: Das kommt auf die anderen Handlinien an. Junge Frau: Ick) versteh« nicht. Ich: Eine sehr starke Schicksalslinie gleicht diese Schwächen unter Umständen wieder aus. Junge Frau: Inwiefern, bitte? I ch: Die Schicksalslinie kommt ebenfalls aus der Handwurzel und strebt gleichfalls mit der Lebenslinie nach oben. Sie mündet entweder in der Kopf- oder in der Herzlinie und bedeutet bei klarer Sicht seelische Kraft, Begünstigung durch das Schicksal, Glück, Ausdauer. Junge Frau: Und wenn sie unterbrochen ist wie bei mir? I ch: Mangelndes Selbstvertrauen, Zaghaftigkeit, Angst. Junge Frau: Wovor? I ch: Daß Sie Ihr Ziel nicht erreichen werden. Junge Frau: Wie steht es mit meiner Energie? I ch: Das ist die Linie, die aus der Ijandwurzel zum kleinen Finger hinaufläuft. Sie haben viele kleine Linien, statt ein« ein- zige. Ihre Energie ist verlagert, gespalten, nicht dauerhaft genug. Junge Frau: Kann sich das noch ändern? I ch: Gewiß, wenn Sie Ihren Willen aktivieren. Jung« Frau: Wie mache ich das? I ch: Der Wille liegt in der Kopflinie und zugleich auch in diesen Strichelchen zum kleinen Finger hinauf. Da müssen Sie einsetzen und es sich täglich zwanzigmal sagen, mehr Wille, viel mehr Wille. Dann kommt es besser mit der Energie. Junge Frau: Wie steht es denn mit meiner Herzlini«? Ich: Hier liegt Ihre Stärke. Aber mit dem Herzen ollein kann man in der Welt nichts erreichen. Die Chirologie beweist es. Es gehören sehr viele der verschiedensten Qualitäten dazu, um etwas Bedeutendes hervorzubringen. Die einzelne Linie oder die einzelne Begabung sagt gar nichts. Auf das Zusammenspiel kommt es an, wie beim Fußball oder beim Bridge. Junge Frau: Also mein Zusammenspiel ist schlecht? Ich: Ihre Begabungen liegen zu einseitig. Junge Frau: Was kann man dagegen tun? I ch: Versuchen, einen Ausgleich zu schaffen. Junge Frau: Aber wie denn, wie? I ch: Ganz einfach. Man geht von den stärksten Kräften aus und baut dort auf. Ihre Herzlinie, die sich vom kleinen Finger bis zum Zeigefinger hinübcrschivingt, ist großartig. Sie haben einen zuverlässigen Instinkt. Vertrauen Sie auf ihn. Lassen Sie das Denken und Grübeln. Ihre Kopflinie zeigt, daß bei Ihnen die Vernunft nicht überragend ist. Wenn Sie denken, zerstören Sie Ihren Instinkt. Das ist falsch, gefährlich. Statt zu denken, versuchen Sie Kräfte zu sammeln, Energien, mit denen Sie dann das Gefühlte verwirklichen. Man kann auch mit dem Gefühl denken, wenn man fo viel Instinkt wie Sie hat. Berstanden? Junge Frau: Aber wo liegen meine Veranlagungen? Ich: Sie haben unter dem Ringfinger einen Stern. Das bedeutet künstlerisches Empfinden, Intuition. Junge Frau: Aber genügt das, um Erfolg zu�haben? Ich: So dürfen Sie nicht frngen. Jetzt beweisen Sie mir ja Ihr geringes Selbstvertrauen! Junge Frau: Wie soll ich es bekämpfen? I ch: Indem Sie sich täglich zwanzigmal sagen: es fehlt mir nicht an Begabung, nur an Energie! Jungs Frau: Kann man denn Energie erzwingen? I ch: Gewiß, sobald man die Gefahren, die damit verbunden find, erkannt hat. Junge Frau: Wird dann die Lebenslinie stärker? Ich: Zusehends! Sie können das Anwachsen der Energie in der Handlinie kontrollieren! Junge Frau: Also der Mensch hat sein Schicksal in der Hand, wie ein altes Sprichwort sagt? Ich: Nicht ganz, ober in sehr hohem Maße, wenn er aus der Hand zu lesen versteht. Sie ist der graphische Wertmesser seimr Seelen- und Geisteskräfte. Sie ist der unmittelbarste Ausdruck alles Tun und Denkens. Durch sie und in ihr lebt der Mensch. Darum auch das Wort: Handlung! Junge Frau: Kann man diese Wissenschaft über die Be- deutung der Hand sich aneignen? I ch: Gewiß ist die Chirologie auch erlernbar. Aber ohne intuitives und tombinatives Können erreicht man nicht viel, wenn man die Bedeutung der einzelnen Linien kennt. Jung« Frau: Sondern? I ch: Diese Linien sind nur das Medium, die Brück« zum inneren, zum wahren Menschen, liier beginnt die Deutung. Sie ist letzten Endes«ine Frage der Persönlichkeit. Junge Frau: Wissen allein genügt also nicht? I ch: Wissend sind viele, sehend die wenigsten. Junge Frau: Jetzt habe ich verstanden! -i- Nachwort der Red.: Sie auch? Sine Predigt/ Vo Bor dem Hause stand ein Karren und ich beobachtet« vom Fenster aus, wie ein Mann von einer Bodenkammer heruntergeschleifte, phantastifch-schäbige, grotesk-antiquierte Dinge auflud... Allerhand, daraus Menschen merkwürdigerweise einmal gegessen und getrunken, darauf sie sonderbarerweise einmal geruht oder gearbeitet, womit sie sich unbegreislichcrweise einmal geschmückt oder ihr Zimmer erhellt hatten... „Sehen Sie mal die ollen Klamotten", lachte meine immer sehr gepflegt ausschauende Nachbarin verächtlich, die ihr glattgeschmie- geltes Köpfchen ebenfalls zum Fenster hinaussteckt«. Da überkam es mich plötzlich, daß einmal jemand die Ehrenrettung der Kla- motten vornehmen müsse... und ich tat es in längerer Ausführung. „Klamotten, mein Fräulein(sagte ich), obwohl von den Men- schen verloren und verachtet, sind die allermenschlichsten, von Menschheitserinnerungcn durchtränktesten Dinge. Wie ein öder Steinbruch, wie ein Schutthausen sofort an Interesse gewinnt, wenn Sie ihn naturwissenschaftlich betrachten... so löst sich das weite, unappetitliche Durcheinander ausgedienter Dinge bei näherem Hinsehen in gewinnbringende Studien- oder Handelsobjekt« auf... An solch einem Haufen aller Klamotten kann man den Fluß der Zeit, kann man Familiengeschichte, kann man die Seele des armen alten Europa studieren, des Erdteils, der über eine solch ungeheure Menge von Phantasie verfügt, so vielerlei eigenartig« oft schon wieder halb vergessene Dinge und Formen hervorgebracht hat, wie kein Fleckchen Erde von dieser Größe auf der Welt. Unser armes Europa ist reich an Klamotten, was man so nennen mag— und was mag man schließlich nicht so nennen. Bodengerümpel, Trödel, Antiquitäten, Museumsstücke: gibt es eigentlich eine solche Grenze dazwischen? In Rumpelkammern hat man verdreckt und verachtet schon alte Meister gesunden und in Museen findet man des öfteren hochtrabend etikettierten alten Trödel. Auf den Dachböden einer Stadt wie Berlin würden wir, den Trödel sammelnd und assortierend, unzweiselhaft Schätze von nicht zu verachtendem Wert entdecken können. Die Liquidation der Vergangenheit und Ausrangierung der Gegenwart wird nämlich ein bißchen sehr summarisch vollzogen. Das bezeugen einzelne mit einem Kennerblick behaftete Individuen, das bezeugen auch große bedürftige Völker, die Klamotten zu bewerten und praktisch zu ver- wenden verstehen. Das ganze arme China beispielsweise(und fast ganz China ist arm) reißt sich um weggeworfene alte Pullen und Blechbüchsen, die sofort den integralen Bestandteil so eine? quirlenden, not» dürftigen„himmlischen" Haushaltes bilden... und nichts, kein rostiger alter Schuhnagel entgeht seiner Bestimmung in diesem weiten, warenhungrigen Lande, Das ganze auch in diesen schlechten Zeiten niemals wirklich arme ober ungemein praktische und por- urteilslose Australien verwendet die bequemen, großen Blech- tubusse, in denen Petroleum dort allgemein zum Aerkauf gelangt. als Aushilfskochtöppe,— als Busch-Eimer— als Not-Teekeisel und, wenns not tut: als Sitz, als Dach, als Tisch. Im L i s s a b o n e r 5iafenviertel stehen lange Reihen von ausgedienten, mit den magischen Buchstaben Chrysler überschricbone Autotisten: das sind jetzt Wohnhäuser: das sind die„Villen" einer beoeh.comker gc- nannten,»>a Diogenes lebenden Sorte seßhafter Vagabunden, die als Menschenkategorie jene geniale Nutzbarmachung von alten i Steinrich Stemmer Klamotten kultiviert, die wir verwöhnten Lebenden nur notge- drungen, etwa im Gefangenenlager, fertigbrachten, wo ja auch aus altem Oberleder die herrlichsten Mosaikkoffer gefertigt wurden, aus grauen Pferde(bett)decken moderne Gigerlhosen, und aus altem Eisen Dynamomaschinen." Es wurde jetzt eine hinfällige alte Waschkommode aus den Karren gehoben, gefolgt von einem Biedermeierschreibschrank(mit vielen ver- stohlenen Fächern für geheime Gedanken) den ein Fußtritt in sein« Bestandteile aufgelöst hätte. „Ahnen Sie, mein Fräulein", sagte ich, darauf hinweisend, „was diese Sorte von„Klamotten" in einem innerasrikanischen Grand-Hotcl bedeuten würde: eine Sensation... eine Traum- Verwirklichung. Und, glauben Sie mir: mit diesem Karren voll alten Plunders getraue ich mir, mich zum Häuptling eines mittleren Indianerstammes aufzuschwingen..." Das benachbarte Fräulein betrachtete die Klamottenfuhre jetzt mit wesentlich sreundlicheren Augen und zog, während ich fortfuhr, nachdenklich die schwarzen Haarkringel über ihren Ohren glatt. „Wilde(was wir so nennen) nehmen die Klamotten ernst, sagte ich, Naturvölker nämlich kennen keinen Snobismus: und daß etwas bloß neu oder antik ist, vermag ihnen nicht wie uns als solches zu imponieren. Denn: diese Klamotteiibettstclle, die man jetzt oben« aus legt, hätte Napoleon darin geschlafen, was würde ein Dollarmillionär nicht dafür bezahlen... Und wie ungereimt ist es andererseits in diesen bewegten Zeiten, wo es die herrlichsten(nicht ganz freiwillig) abgelegten Kleider, Schuhe und Wäschestücke preis- wert zu erwerben gibt, wenn einer den Standpunkt vertritt: ein getragenes Hemd, nicht vom eigenen Bruder würde ich'» auf den Leib ziehen. Eins nach dem andern mag man derweil in Ham- bürg große Fahrzeuge voller alter Kleider in See stechen sehen. und das Ziel dieser Klamottendampfer, die einen schwungvollen Handel betreiben, ist P o r t u g i e s i s ch- A f r l k a. In Trödel steckt Geld. Gerade weil man es vielsach unter seiner Würde hält, verrostetes, verschlissenes, vergilbtes altes Zeug auf seinen eftektiven Wert zu taxieren, dergleichen nur vor allem aus dem Wege geschafft haben will. Nicht wenige Millionäre haben als Lumpenhändler begonnen. Was absolut nicht mehr brauchbar ist, wird wieder zum Rohmaterial. Was ober infolge seiner Echäbigkeit als Rohmaterial gekauft wurde, ist eventuell noch als Ware verwertbar und unter höherer Rubrik zu verkaufen. Ist diese Maschine wirklich altes Eisen, sind dies« Bücher Ma- kulatur oder nicht, gehört diese Hose zu den Lumpen? Das ist die Frage. Für den Mann mit scharfer Brille und guten Beziehungen ist hier ein weites Feld. Jedenfalls wird von den Ablegern mehr und mehr verwertet... alte Blechbüchsen, die man wegzuwerfen pslegte, werden jetzt mit Wintcroorräten neu verlötet. Aus alten Flaschen mit abgebrochenen Hälsen macht man mittel» Lack- oder Bronzeüberzug neue Wer scheut sich heute, neu« Motoren MZttivnen Me??8ckSN in 40 ficindern der Weit trinken Kaffee Hag«— Buch Siel £udwig Thonm und die Sau Erinnerung an einen&reund/ Hon?/,.?»«. se«»«? Ludwig Thoma war cin leidenschaftlicher Jäger. Er hatte eine schöne Jagd in Weikcrts- Hofen bei Dachau, die cin alter Jagdaufseher vcr- waltete. „Herr Doktor," sagte der eines Tages,„die Hafen wern immer weniger. I moan alleweil, des kommt von die Raben. Die holen uns junge Haferln weg. Narrisch viel Raben ham nw in unfern Revier." „Da muß was geschehen." meinte Thoma. „vielleicht könnte man Gift legen. I bring eins mit von der Stadt." Das tat er, und das Gift wurde ausgelegt, teils appetitlich mit Käse vermengt, teils an alte Fleifchbrocken gestrichen, aus abgeernteten Feldern und leeren Wiesen. „Na. wie stehts mit die Raben, Förster?" fragte Thoma das nächste Mal;„san scho viel ver- reckt von die Riecher?" Der Jagdaufseher kratzte sich verlegen am Kopf:„Na, Rob'n grad net— aber--" „Was aber?" fuhr Thoma auf. — In der Gegend von Dachau treiben die Bauern im Herbst bis spät in den Winter hinein ihre Schweine auf die Stoppelfelder und schlechten Grasboden zur Weide, und da hat es mit dem Giftköder ein Unglück gegeben.— „A so a Biecherei!" brummte Thoma.„Nacha muß i's halt zahlen." Ms sie beim Mittagbrot in der Wirtschaft „Zur Post" saßen, kam schon«in Bauer daher. „Grüaß Eahna Gott, ijerr Doktor,„da hab'n S' was Saubers ogricht! Mei schönste Sau is hin worn von Eahnern Gift. I Hab s' mitbracht; drauß is f' am Schubkarrn." „I mag s gar net fehn: nix für ungut. I woaß, daß i s' zahln muß." Er bezahlte die Sau und ließ dem Bauer eine Maß Bier geben. Der zog befriedigt ab. Thoma war beruhigt. Das dauerte aber nicht lang. Bald meldete sich ein zweiter Bauer mit einer vergifteten Sau, und dieselbe Szene wiederholte sich, Als dann bald darauf ein dritter Bauer mit demselben Anliegen auftauchte, wurde Thoma etwas bedenklich, ob sein Bargeld reichen würde, wenn es noch mehr werden sollten. Er telepho- nierte seinem Freund, dem Zieglerbräu, noch Dachau, und erzählte ihm sein Mißgeschick. Der half ihm bereitwillig mit einer größeren Summe aus. Nun ging es den ganzen Nachmittag so wei- ter. Ein Bauer gab dem anderen die Türklinke in die Hand; jeder hatte feine vergiftete Sau mit- gebracht: jeder bekam sein Geld und«ine Maß Bier. Als es Abend wurde, hatte Thoma schon 22 Schweine bezahlt, hatte noch zweimal zum Zieglerbräu um Geld schicken müssen und wieder war es aufgebraucht. Er war fuchsteufelswild. „Was tean ma jetzt, Förster?" Der kniff ein Auge zu und sagte:„Laß dei Sau da, Bauer. Dei Geld kriagst schon!" Die Sau wurde abgeladen und der Bauer ging heim. Und nun kam keiner mehr. Nach drei Wochen war Treibjagd in Weikerts- Hofen, Der Zieglerbräu war auch da. Er hatte das geliehene Geld am nächsten Tag von Mün- chcn aus wieder bekommen. „Das war halt a teure Sau!" begrüßte er den Doktor Thoma.„Dane? Tu dir fei nix, das waren scho drciazwanzge." „Raa, oane war's, mei Lioba. An oanzigs Sau war varreckt, un die ham fi alle Bauern vom Dorf ausgeliech'n." Seitdem wurde Doktor Thoma nervös, wenn er weidende Schweine sah. Er gab die Weikerts- hofener Jagd auf und pirschte nur mehr im Ge- birg auf Gemsen und Auerhähne.... einer aufgelösten Fabrik, die man billig erwerben kann, in ein alte, Eisengestell einzubauen, um für 23V M. zu einem Motorrad zu kommen... Gebrauchte Kraftwagen sind in allen Preis- lagen zu haben und wieder zu brauchen, bis sie schließlich auf dem Autofriedhof als altes Eisen landen. Es gibt, fachmännisch ge- sprachen, überhaupt keine Klamotten. Alles ist entweder ol, Ma- terial oder als Gegenstand zu gebrauchen und es handelt sich nur darum, ob man Dinge, die einen schon verblichenen idealen Wert, einen berückenden Erneuerungsbeigeschmack haben, wie alte Sou- venirs, nicht lieber auf den Materialwert reduzieren und Ge- brauchsgegenftände, die durch ihre unzeitgemäßen Ornamentierungen ihre Bestimmung nicht deutlich genug erkennen lassen, nicht abhobeln und modernisieren soll, um auch das Gefühl: Klamotten zu beseitigen, das man in solchem Milieu zu sehen bekommt." Die Nachbarin klatschte in die Hände. Ihr Zimmer hatte (sowie das meine) etwas Fatal-Trödelhaftes, und man müßte, meinte sie, unverzüglich ineine Theorie in die Praxis umsetzen und zu einer radikalen Neugestaltung und Ausmerzung alles Klamottenhaften schreiten. Ich versprach unoorsichtigerweise mein« Beihilfe, kaufte Kitt, Schmirgelpapier, Oelfarbe», borgte Handwerkzeug rmd es begann ein ungeheures Reinemachen, ein Gerademachen, cin Anders- machen, und ein Frischmalcn. Eine Totalumwälzung vollzog sich, wie ich's mal in einem Ausstellungsraum gesehen... 1. Zimmer mit altem Trödel..., 2. dasselbe radikal modernisiert. Während sich vor der Zimmertüre eine Art Schutthaufen bil- det« aus Gipsfiguren, aus Tontellern, Armleuchtern von alten Verwandten und Krimskrams häufte, Dinge, die wohl zum Nach- denken und Andersen-Märchen-Dichten anregen mögen, aber das tägliche Leben beschweren und belasten, wurde drinnen das Bett zu einer Couch demontiert und aufwattiert... das Büfett seines Oberteiles beraubt, die Tchränkchen und Rähmchen alle glatt gestemmt und-gehobelt... die unebenen Stellen mit Holzkitt aus- gefüllt... Mahagoni und neu« Politur mit Schleifpapier aufge- rauht... helle Oeifarbentöne drauf gestrichen, die unschön-genannten Rotznasen abgeschliffen, Lack aufgetragen, wieder abgeschliffen, bis jene tühlschimmernde Glätte des Schleiflacks erzeugt war. Als ich gerade ein zurechtgenähtes Oelpapierromboid anheftet«, erschien die Wirtin von der Reise zurück, fragend, wo wir diese „Klamotten" herhätten und ihre guten alten Sachen zurückoer- langend. Bald darauf ging mir meine Nachbarin durch Umzug verloren und ich Hause jetzt mit einem unschuldigen Gesicht, das ich dazu machen muß, unter den geschliffenen Klamotten. Ist aber die Theorie nicht richtig? StosheHen, aber nicht für unfere&rauen Partfer Aphorismen, dem Ungarlfchen nachgedlehlci Ton Jtnlon(Kuh Einmal anschauen: Bekanntschaft. Zweimal anschauen: Zuneigung. Dreimal anschauen: geht sie schon mit anderem. * Ihr Chauffeur ist in sie verliebt. Ihr Masseur ist in sie verliebt. Ihr Friseur ist in sie verliebt. Ihr Pedikeur ist in sie verliebt. Ueberhaupt: jed— cur ist in sie verliebt. ★ Sie schrieb ihrem Gatten: Ich sehne mich nach dir. Sie schrieb ihrem Freund: Ich sehne mich nach dir. Luder hat zweimal gelogen. * Wenn eine Frau schweigt, lügt sie. Wenn eine Frau redet, lügt sie. Wenn eine Frau stottert— lügt der Mann. * In der Früh zieht sie ein neue? Kleid an. Am Vormittag zieht sie ein neues Kleid an. Um Mittag zieht sie ein neues Kleid an. Und nachmittags. Und abends. Und apres souper. Und mitternachts. Wer zahlt ihr die vielen Roben? Ich? Nein. Etsch: der Baron Popper Zoltan. ★ Ihre Haare dufteten nach— Friction D'Orsay. Ihre Lippen dufteten nach— L'Origan de Coty. Ihre Wangen dufteten nach— Chaneil, Numero cinque. Ihre Ohrläppchen dufteten nach— quelques fleurs, Houbigant Woher hat sie? Von mir. Führ ich Generalvertretung für Budapest. ck- Wenn eine Dame hat Schulden, sie immer sucht einen reichen Freund. * Eine Frau, die, wenn sie sich, nachdem sie einen Kuß gibt, wieder schnell schminkt ihre Lippen, soll man nehmen gleich der erster bester Holzhacke auf ihr. Sprichicörier aus einem Jahrlaufend Je höher der Asse steigt, je mehr er den Hintern zeigt. ★ Wer betrügen will, pfeift süß. * Das Ei des Faulen piept wohl, aber es kriecht nicht aus. * Es ist gut Feuer machen, wenn der Nachbar das Holz gibt. Vr Wenn ein Floh hustet, bebt die Erde nicht. ★ Wo all« nackt gehen, lacht man über das Heuedc. Für Hitler ausgewählt von W. G. O s c h i 1 e w s k L i Wifl F-I �-rn•! i r i II i n � ri i r 1 1-1 Unsere Leb«nsfnittelabteilungen stehen unter ständiger Kontrolle eines Nahrungsmittel-Chemikers und eines Tierarztes ■■in« i n■■■»■ Miiiimii?! i'i.JM.'iMiiijm»! KONSERVEN Jg.Kohlrabi.....-/, o-. B.36 Jg. Brechbohnen o«! 0.42 Wiisingkohl.....'/i Ds- 0.42 Grünkohl.........>/, Dt. 0.50 Spinat............ Vj Dt. 0.42 Erbsen............'/.Dt. 0.82 Jg Erbsen«hrfein'/i 0». 1.15 G»in. 0«mut. mittelf.'/i D». 0.95 Srachtporgal, dünn>I, 0». 1*10 Apfslmut, taft'fert. I/, Dt. 0.46 täaumnn mir Srnin. l/i Dt. 0.80 Niournnn ohnn Srnin V; Dt. 0.69 Stachelbaeren Dt. 0.70 Kirschen mitsu n>/, D». 0.90 Reineclauden...>/. p». 0.98 Birn«n,weiS'/,Frueht'/i Dt. 0.90 Karotten i, strf.'g Dt. 0.28 Harzer-Käte ca. 1 Pfd. Pak. 0.28 Magdtbg. Kerbkäte 2 Sek. 0.35 VoIIf. Camtfnbert 2 Sdidi. 0.35 Limb. 20°,« Pfd. 0.40, 40°,« 0.72 Briekäse vellfett.... Pfd. 0.88 Steinbusch, vollfatt Pfd. 0.68 Edamtr,Holländ.vollf. Pfd. 0.62 Ddn, Sdiwaizer 30°,'«..Pfd. 0.62 Tilsiter 30 V« pikant Pfd. 0.82 Allg. Ramadour 20% Sfdc 0.22 Allg.D9tt..Kdt. 50% 2 Stck. 0.38 Allg. Strtiefikäsf•/,..Port. 0 40 Emmtnlhoier o. R.% Port. 0,84 Camembartvollf.-�cq.lPfd. 0.83 Ba/r. Schwatz, vollf. an Pfd. 0.96 Gahaimraftkäta ca. 1 Pfd. 0,98 Tilsiter o.Rlnde SOVkPfd. 0.84 Odisen-Rottbaaf o. K. Pfd. 1.28 Kalbs-Schnitzel an Pfd. 1.28 Kalbs-Rollhtraten.Pfd. 0.98 Rinder-Roulade...Pfd. 0.98 Hammel-Keule....Pfd. 0.98 Schwaino-Keleletl. an Pfd. 0.84 Schwein.'Kamm, Schuft Pfd. 0.78 Schweine-Bauch..Pfd. 0.54 KoBlermlld- eePId 0.74 Alter Korn ca. 1 Ltr., m. PI. S.t» Weinbrand„Special" ca. I Liter mit Flotdia...... 4,40 Tarrea-.Werm.S l. 4,75 Ltr. 1,08 Johannlsb.-w.IOL.d�JO Ltr.O.BS Rhein- und Moselwein 10 Liter S.90, 1 Liter........ 0,10 Saa1a(hiKabali.0.IC.anPfd. 0.10 Kabeljaufilet. an Pfd. 0.14 Grüne Heringe. 3 Pfd. 0.32 Leb. Plötzen....an Pfd. 0.33 Leb. Schleis....an Pfd. 0.52 Fettbücklinge.. an Pfd. 0.28 Seelachs geräuchert Pfd. 0.26 Scheltfisch geräudi. Pfd. 0.26 LebendaAale onPfd. 0.98 iafFa-Orongen..3 pfd. 0.88 lut-Orangen...3 pfd. 0.68 Tgfel-Äpfel...... 3 Pfd. 0.98 Koch- Äpfel...... 2 Pfd. 0.35 Salatgurken...an Stck. 0.30 Spinat............ 3 Pfd. 0.25 Kartoffel Industr. 10 Pfd. 0.36 Rohschmalz........ Pfd. 0.38 Bratenschmalz..... Pfd. 0.42 Griebenschmalz. Pfd. 0.46 Dän.BlasenschmalzPfd. 0.48 Margaiine.Cocotfett 3 Pfd. 0.95 Molk.-Bulfer hochf. Pfd. 1.24 Tafelbutter....... Pfd. 1.34 Markenbutter.... Pfd. 1.40 Fr. rum. Eier an 10 Eier 0.52 Apfelsaft g rotte SektflatcheMO Hlrnbeer- oder Kirschsaft 1 Liter...................... 1.4« Russischa Odnsa an Pfund 0,41 WolgahOhner an Pfund.. 0,6S Wlldsch weinbraten an Pfund................... 0,00 Konsum-Sülze..... pfd. 0.38 Fleischwurst....... pfd. 0.65 Bierwurst........... Pfd. 0.68 Jagdwurst......... Pfd. 0.75 Landleberwurst...Pfd. 0.75 Mettwurst Brschw. ArtPfd. 0.84 Bauernleberwurst Pfd. 0.88 Wien. Würstchen.pfd. 0.88 Flock wurst....... i.Pfd. 0.84 Feine Leberwurst.pfd. 0.95 Cervelatwurst..... pfd. 0.98 Sehinkenspeck....Pfd. 1.08 Schinkenwurst..... pfd. 1,18 Sehlockwursti.Fettd.Pfd. 1.18 Nußschinken...... Pfd. 1.30 Speck mag 0.82, fett Pfd, 0.58 Gek.SchinkenvtPfd. 0.27 Weizenmehl...... pfd. 0.22 Wicn.-Auszugsm. 5Pfd. Ell. 1.30 Kartoffelmehl..... Pfd. 0.20 Weizenpuder..... pfd, 0.40 Hartweizengriet.. an Pfd. 0.26 Sultaninen...... an Pfd. 0.38 Korinthen.......... Pfd. 0.55 Rosinen............ Pfd. 0.46 Cocosraspel....... Pfd. 0.40 Mandeln, süß...gn Pfd. 1.30 Zitronat, Orangeat...Pfd. 0,95 Pflrsische........ an Pfd. 0.88 Mischobst....... an Pfd. 0.30 Tafelreis........ an Pfd. 0,14 Gelb« Erbsen an 2 Pfd. 0.29 Weiß« Bohnen....an Pfd. 0.12 Kaffee gerfist. an Pfd. 1.80 Bestellungen über 5 Mark unter F6 Baerwald 0012 werden prompt erledigt• Mengenabgabe vorbehalten In den Oachhallen spielen die Kapellen Efim Schachmeister und Juan Llossas• Im Erfrischungsraum Iii. Stock die Kapelle Fabri U- BAHNHO F HERMANN PL ATZ DER -BAHNHOF Konfitüre"i™" Gemischte Marmelcde 0,68 Pflaumen................ 0,95 Aprikosen............... 1.10 Johannisbeer........... 1,10 Orangen................ 1,10 Kirsch.................... 1.25 Ananas.................. 1,45 Pflaumen ca. l.Pfd.-Glas 0,58 Konserven � Kalif. Stangenspargel 1.95 Slangenspargel mittel 1.90 Brechspargel o. Kftpte... 1,30 Kaisererbsen........... 1,25 Junge Erbsen tein...... 0,98 Junge Erbsen mitteKein 0,74 Gem. Gemüse(ein..... 1.25 Gem. Gemüse mitteKein 0,95 leipziger Allerlei..... 0,82 Junge Karollen........ 0,58 Karotten pcwilrfclt..... 0,28 Sprfn. Aprikosen Fr. 0.68 Birnen sveiss, Frücht.. 1,00 Erdbeeren.............. 0,98 Kirschen rot. m. Stein.... 0,90 Süsskirschen ohne Stein.. 1,00 Sauerkirschen m.Stcin.. 0,53 Kürbis irt Kssig nnd Zucker 0,68 Mirabellen.............. 1,05 Stachelbeeren......... 0,70 Pflaumen>„ Frucht...... 0,72 Ananas 8 Scheiben...... 1.10 Apfelmus................ 0,46 Fleischkonserven für I Sport und Reise zu IbilligenTagespreiscn ««ÜSSMZWMS! Preise nur Freitag und Sonnabend. Zusendung von Lebensmitteln bei Bestellung von 5,00 an. Mengenabgabe vorbehalten. Verkauf soweit Vorrat. Fleisch und leicht verderbliche Waren sind vom Versand ausgeschlossen, üefoHSmftleC und JUBUXUMS-Ve rka u f Wurstwaren Sülzwurst........... Pia. 0,65 Speckwurst......... Pia. 0,65 Fleischwurst....... Pfd. 0,65 Jagdwurst.......... Pia. 0.75 Hausm. Leberwurst na. 0,78 Fetter Speck........ Pia. 0.58 Magerer Speck.... Pia. 0,82 ff. Leberwurst...... Pia. 0,95 Dampfwurst........ Pia. 0.65 Wiener Würstchen Pia. 0.88 Teewurst............ Pia. 0,90 Fetfdcrmwurst..... Pia. 1.18 Schinkenspeck..... Pia. 1,06 Kluss-Schinken..... Pia. 1,30 Gek. Schinken....'/i Pia, 0.27 Zervelat, Salami..Pia. 0,98 Knoblauchwurst... Pia. 0.98 Hamb. gek. Mettw. Pia. 1,10 Frisches Fleisch Schweinebaucho.B�Pia. 0,30 Schweineschulterbl- ohne Beilage............. Pfd. Of*« Schweincschink.m Bem 0,60 Rückenfettbrttliertig oder Liesen............. Pfd. 0,46 Kasslerkatrm oder -schuft miia.......... Pia. 0,74 Kcjlbskommo.Beiig.Pxa.v.0,40 Kalbekeule hi-« Pia sebwer, ganz od. geteilt, Pfd. v. 0,64 Kalbskotelett...pia. r. 0,08 Suppenfleisch....Pia. v. 0,42 Scntncrfleiseh o.K, Pia,T. 0,68 Schabefleisch oder Hackepeter....... Pfd. 0,78 Gehacktes.......... na. 0,50 Gulasch gemischt..... Pia. 0,58 Eisbein m. SgiMein.gspiksli.Pfd. 0,38 Schweineköpfem.Back 0,28 Gefrier- Kammelvorderfl. pm.?. 0,44 Rinderlungen..... Pia. 0,26 Rinderherzen...... Pia. 0,38 Euter................... Pia 0,18 Hüliner 'm™©570 Woigahühner gefroren. Ä C � Pi I von Junge laulien 0,65 frisch, Stück"von Obst Blutapfelsinen... Z Pia. 0,68 Jaffa-Apfelsinen spra. 0.68 Amer. Tafeläpfel 3 Pia. 0,98 Bananen.......... z pia. 0,78 Zitronen...... Dtzd. von 0,30 Gemüse Rhabarber........ 3 Pia. 0,25 Salat............... 2 Kopf 0,25 Radieschen...... 4 Bund 0,22 Blattspinat........ 3 Pia. 0,25 Rotkohl.............. pia. 0,08 Weisskohl........... pia. 0,08 Blumenkohl.,. �Kopf von 0,22 Grüne Gurken Lieck t. 0,30 Fische und Räucherwaren 'Kabeljau gron, o. k, i. g, ph. 6,10 'Seelachs gross.». k., i. g., Pia. 0,1 0 'Kabeijaufilet.......... Pia. 0,14 'SchellfiscH mit Kopi, ig. Pia. 0,34 Zander irisch,™ ganzen, Pli? 0,34 'Grüne Heringe.sria 0.22 4 In eilen Häusern ausser Andreasstrasse #Z a n d© r gefroren, i m ganzen, Pfd.©jZS �Hocht© frisch, im ganzen... Pfd. 0�38 'Lobende Schleie...pm. 0,52 Schellfisch geräuchert..... Pfd. 0,26 Makrelen geräuchert...... Pia. 0,26 Kolonaal waren Auszugsmehl ,...pw. o,S9, 0,26 Stadion rot... S-PM.-Bem> l 1,45 Stadion ,o;... Ü-Pia.-Benlci 0,58 Kartoffelmehl....... Pfd. 0,20 Weizengriess......... Pia. 0,26 Meispuder........... Pia. 0,30 Kokosraspel......... pm 0,40 Suitana............... Pia 0,38 Korinthen............ Pia. 0,68 NW Bücklinge............... pm 0,28 Flundern geräuchert....... Pia 0,26 SeeladlS geräuchert........ Pia 0,26 Stückenflundern ger, pm 0,38 Rotbars geräuchert......... Pia. 0,32 Räucherheringe... stach 0,15 Fettheringe......... 10 stacu 0,38 Schakal.-Herz, st 1.50 1,25 Glücks-Hufeisen stück 1,00 Pralinen........ Packung 0,80 Keksmischungen w Gcsch-ok- doseu....Stflck 1,00 1,40 2,50 Pralinen im Karton...... 0.50 Pralinen Pack. V-PM. Inh.0,95 Käse und Fette Tilsiter sollfett....... Pfd. 0,68 Halländ.o. Edam-w/ftPid. 0,62 Biockkäse iiisinr. 20°;, PW. 0,54 Steinbuschersoiifett.Pia. 0.63 Bayr. Schweizer ph.v. 0,95 Allg. Stangenk. 20 V». Pia. 0,40 Camembert vollt, Stack 0,20 Romadour WV»...2tack 0,22 Briekäse solllett....Pid. 0,58 Allerfoinste deutsch« Markenbutter...... Pfd. 1,40 Allerfeinst« deutsch« Molkereibutter..... Pia. 1.34 Molkereibutter..... Pia. 1,24 Margarine..........",pn. 0,32 Rah.Bratenschmalz Pia. 0,38 buug. Weine und Fruchtsäfte ■ l Kl. 10 KI. mier Ictenkoben�rOzSS 3,50 Apfalscift, alkoholfrei 0,75 7,00 1930«r Üürkh«3irr»er 0,75 7,00 19290r SIefertheim. Horn, Haturgew. Schuster 1,25 12,00 Z�ltinq. Himmelreich 1,6015,00 1929erZeller schwarzer Herraott......... 1,60 15,00 1924®r Bsaujolais... 1,75 16,50 Alter Oouro-Port- wein, vorzügl t�uaL.. 1,85 17,50 Rheinpfälzer i Ltr. 10 1t Welsswein.......... 0,58 5,50 Clder, l Ltr. 5 Ltr. süsser Apfelwein..... 0,65 3,00 Heidelbeerwein 0,75 3,50 Sonnengartner, vor- zügl. Frühstückst ein 1,45 7,00 Deutsch, Weinbrand unsere Spezialität____ 4,20 20,00 Deutsch. Weinbrand Qualität TT........... 3,50 17,50 Carte Blanche Fruchlschauraw. Fl. 0,98 Himbeer- oder Kirschsatt, mitEaffinade eingekocht, �vChamp.-FL 1,10 � ßefchäffa-Jtnsägzr (Bezivfc Horden- Cfiew Friedrichshagener Baugenossenschaft E.8. �lifeSei. M.B.H. D Hoch- u. 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