BERLIN Freitag 6. Mai 1932 Der Abend Erfcheint tågItch außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts" Bezugsprets fü: beide Ausgaben 75 Vf. pro Woche. 3,25 m pro Monat ( davon 87 Vf monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus tahlbar oft bezug 3,97 m. einschließlich 60 Vf. Vostzeitungs und 72 Vf. Vostbestellgebühren Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 211 B 106 49. Jahrgang Anzeigenprets Die einspaltige Weltmeterzeile 30 f. Reflamezeile 2.- M Ermäßigungen nach Tarif Boitscheckkonto: Borwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Bernsprecher: Donboff( A 7) 292-297 Wieder ein SA.- Mord! Jugendlicher SA. Mann fnüppelt alten Frontsoldaten zu Tode Kaiserslautern, 6. Mai.( Eigenbericht.) Beim ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl famen einige Nationalsozialisten in Ramsen mit einem 44jährigen Maurer Karl Aufschneider, einem Pionier, der während des Krieges in Kriegsge. fangenschaft war, in Streit. Der 22jährige Nationalsozialist Langenstein, der bei Kriegs. beginn vier Jahre alt war, rief dabei: ,, Was hat Hindenburg während des Weltkrieges geleistet? Hinden burg ist ein Blindgänger und Feigling." Der Frontsoldat ließ sich die Beleidigung nicht ge fallen und gab dem Großmänligen eine Chrfeige. Langen stein rief Aufschneider zu: ,, Wir machen unsere Sache noch auf dem Rippert aus." Am vergangenen Montag trafen nun die beiden wiederum zusammen und es gab einen Wortstreit in politischen Fragen. Gegen 11 Uhr verließ der Nazi das Lokal und lauerte Aufschneider auf. Als gegen 6 Uhr abends des anderen Tages Auf schneider noch nicht in seine Wohnung zurückgekehrt war, wurde die Feuerwehr alarmiert, und man fand im Wald. abteil Knopfloch" den Karl Aufschneider er mordet bor. Die Leiche wies neun furchtbare Siebwunden auf, die mit einem Knüppel beigebracht waren. Der Schädel des bedauernswerten Opfers war total zertrümmert, das rechte Auge war ausgeschlagen, das linke in die Höhle eingedrückt. Der Täter Langenstein wurde sofort verhaftet und ist Langenstein wurde sofort verhaftet und ist geständig. Der Ermordete war weder Mitglied des Reichs. banners noch der Sozialdemokratischen Partei. Bei der Verhaftung des Mörders rief dieser der Menge zu: ,, Heil!" Ein Nazi bemerkte: In einiger Zeit kommt Hitler doch ran, dann kommen alle unsere Leute wieder frei." Bei der Beerdigung wurde von der Eisernen Front ein Kranz vom Genossen Müller mit folgenden Worten niedergelegt: ,, Wieder ist ein Freund der Sache der Freiheit dem blutgierigen und mordwilligen Terror zum Opfer gefallen. Sein Tod ist eine fürchterliche Anklage gegen die Kreise in Deutschland, die in dem Gegner den Todfeind sehen und als ihr höchstes Ziel seine körperliche Vernichtung betrachten. Möge diese schreckliche Tat für alle anständig Gesinnten in Deutschland die Mahnung sein, die Quelle dieser Verbrechen zu stopfen. Die Eiserne Front, die am Grabe des Gemeuchelten diesen Kranz niederlegt, ruft alle auf zum Kampf gegen das politische Verbrechertum, zum Kampf für ein freies Deutschland, zum Kampf gegen Terror und Gewalt!" Warmbold ausgeschieden. Trendelenburg wieder mit der Führung des Reichswirts schaftsministeriums betraut. Reichswirtschaftsminister Dr. Warmbold hat sich infolge von Meinungsverschiedenheiten in wirtschaftspolitischen Fragen veranlaßt gesehen, nach Rückkehr des Reichskanzlers um Entbindung von seinem Amte zu bitten. Der Reichspräsident hat diesem Wunsche nach Vortrag des Reichskanzlers Dr. Brüning heute entsprochen. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichswirtschaftsministers ist bis auf weiteres Staatssekretär Dr. Trendelenburg beauftragt worden. Die Absicht des Reichskanzlers, dem Reichspräsidenten als neuen Wirtschaftsminister den Leipziger Oberbürgermeister Dr. Goer. deler vorzuschlagen, ist vorläufig gescheitert. Goerdeler hat es abgelehnt, das Amt im Augenblick anzunehmen. Das Reichskabinett wird heute den Etat verabschieden und ihn am Sonnabend dem Reichstag zuleiten, so daß er den Abgeordneten beim Wiederzusammentritt des Parlaments am Montag bereits vorliegt. Die Beratung der Ausgabenfeite des Etats ist bereits abgeschlossen. Die heutigen Beratungen der Regierung gelten des halb in der Hauptsache der Ueberprüfung der Einnahmenseite. Das Memelland bleibt deutsch Fünfsechstelmehrheit im neuen Landtag Memel, 6. Mai.( Eigenbericht.) Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis haben 65 728 Wahlberechtige( 1930: 49 113) abgestimmt, das die deutschen Parteien 50 661 Stimmen mit 24 Mansind 95 Prozent Wahlbeteiligung. Davon entfallen auf daten, auf den litauischen Block nur 12005 Stimmen und 5 Mandate. mal 15 810), die Bolkspartei 17 922( 13 709), die SozialdemoIm einzelnen erhielten die Landwirtschaftspartei 24 442( voriges traten 4115( 6880) und die Kommunistische Arbeiterpartei 5390 ( 2062) Stimmen. Da die Abgeordnetenzahl auf 29 begrenzt ist, fällt ein Mandat auf je 2168( 1715) Stimmen. Danach erhalten die Landwirtschaftspartei 11( 10), die Volkspartei 8( 8), die Sozialdemo traten 3( 4) und die Kommunisten 3 Mandate( 2). Weder die Rechtsbrüche und Gewalttaten der litauischen 3wangsherrschaft gegen Mitglieder und Leitung des Landtags und der Landesregierung, noch Pressezensur, Versammlungsterror, Masseneinbürgerung landesfremder Litauer und übelster Wahlschwindel haben aus den Memeldeutschen Litauer machen können. Die Anschläge der Kownoer Chauvinisten und ihres Memeler Beauftragten, des Kriegskommandeurs" Merkys, auf die völkerrechtlich verbürgte Selbstverwaltung haben lediglich eine Rekordwahlbeteiligung herbeigeführt, deren Erfolg die Beschränkung der litauischen Minderheit im Landtag auf ihre alte Kleinheit und die Bestätigung der deutschen Fünfsechstelmehrheit ist. Das Memelvolk hat feierlich kundgetan, daß es nicht einen Deut von seinem Landesrecht und von seiner demokratisch parlamenta rischen Verfassung preisgeben will. 76 Reichsdeutsche mitgewählt hätten, so wird die Neuwahl die Memelwahl als ungültig zu erklären, weil angeblich Sollte die Kownoer Regierung wirklich die Absicht haben, ihr gewiß nicht größere Freude machen. Der Verlust der Sozialdemokraten und der noch größere fürchterlichen Wirtschaftskrise und der Massenverzweiflung. Gewinn der Kommunisten sind längst bekannte Folgen der Der litauische Schuldirektor Simaitis, zur Zeit unrechtmäßiger Landespräsident, hat einem Ausfrager erflärt, daß er auf diesen überraschend großen Wahlsieg der deutschen Parteien sofort zurücktreten wolle, ohne sich erst dem Landtag zu stellen. Natürlich will er die Geschäfte bis zur Regierungsbildung fortführen. Nur die Neuwähler stimmen litauisch. Memel, 6. Mai. Bei der Landtagswahl 1930 erhielten die fitauischen Listen 10 054 Stimmen und fünf Mandate. Diesmal sind rund 9000 landesfremde Litauer zur Wahlmache eingebürgert worden es wurden aber insgesamt nur 12005 litauische Stimmen abgegeben, was wiederum fünf Mandate ergibt. Da doch die 9000 Neuwähler gewiß auftragsgemäß litauisch gestimmt haben, müssen die litauischen Altwähler bis auf 1951 den Litauer- Parteien davon gelaufen sein! Autounfälle am Himmelfahrtstag Herrenpartieauto umgestürzt- Drei Verletzte auf der Chaussee Am Himmelfahrtstage, der trotz des trüben Wetters einen beträchtlichen Ausflugsverkehr aufzuweisen hatte, ereigneten sich vor den Toren Berlins eine Reihe von Berkehrsunfällen, die mehrere Verletzte gefordert haben. Auf der Chaussee nach Zechlin bei Rheinsberg nahm eine Herrenpartie, die auf einem Lastauto hinausgefahren war, ein schreckenvolles Ende. Das Auto geriet bei strömenden Regen Das Unglücksauto von Zechlin wurden später von der freiwilligen Ortsfeuerwehr abgeschleppt. Auf der Chaussee zwischen Schönerlinde und Buchholz wurden in den Abendstunden des Himmelsfahrtstages drei Ausflügler neben ihren Motor- und Fahrrädern schwerverlett und bewußtlos aufgefunden. Die Verunglückten, ein Georg Haase aus der Erasmusstraße 8 in Charlottenburg, Adolf Gerschinski aus der Siegfriedstraße 4 in Neukölln und der 26 Jahre alte Heinz Kempfe aus der Treskomstraße 54 in Niederschönhausen, fanden im Bantower Krankenhaus Aufnahme. Der Hergang des Unglücksfalles konnte bisher noch nicht einwandfrei ermittelt werden. An einem Bahnübergang der Vorortstrecke Wusterhausen -Teupig wurde der Zeitungshändler Mag Kölling aus Groß- Köris mit seinem Fahrrade von dem Personenzug 6932 erfaßt und etwa 50 Meter mitgeschleift. Der Unglückliche wurde auf der Stelle ge= tötet. Das recht wechselvolle Wetter am gestrigen Himmelsfahrtstag zwang Tausende, zu Hause zu bleiben. So sind auch die Verkehrszahlen gegen das Vorjahr erheblich zurüdgeblieben. Auf der Reichsbahn sind gegen das Vorjahr annähernd eine halbe Million Fahrgäste weniger befördert worden. Um einige Beispiele zu geben, wie sich der schwächere Verkehr auch auf den sonst zu Pfingften start frequentierten Streden ausgewirkt hat, sei Wannsee genannt, das nur 13 000 gegen 34 000 Ausflügler im Vorjahr verzeichnet. Nach Potsdam wurden 13.000 gegen 32 000 und nach nach Grunewald 12 000 gegen 24 000 im Vorjahr befördert. Nach Werder wurden 24 000 Fahrgäste befördert, das sind rund 1000 mehr als im vergangenen Jahre. Regierung Buresch zurückgetreten. ins Schleudern und prallte mit großer Wucht gegen einen Chausse ebaum. Das Auto überschlug sich. Die Insassen wurden hinausgeschleudert und unter dem umgestürzten Wagen begraben. Automobilisten und Einwohner von Zechlin eilten zur Hilfe herbei 3hr Kampf gegen Neuwahl des Nationalrates. Wien, 6. Mai. und sorgten für den Abtransport der Verunglückten. Obgleich sieben Personen schwere Berlegungen erlitten haben, besteht die Aussicht, Auf Beschluß des christlichsozialen Parteivorstandes daß alle am Leben erhalten bleiben. Die Trümmer des Autos ist die Regierung Dr. Buresch zurückgetreten, was der Bundeskanzler dem Bundespräsidenten Miklas berichtete. Der Bundespräsident dürfte das Kabinett Buresch mit der vorläufigen Fortführung der Geschäfte betrauen und mit den Parteiführern über die Bildung der neuen Regierung verhandeln. Der Verfassungsausschuß, der über die Auflösungsanträge zu beschließen hat, wird verschoben. Die Christlichsozialen befürchten auf Grund der Wahlen Dom 24. April schwere Verluste auch bei einer Neumahl des Bundesparlaments; es soll nun ein Heimwehrmann in die Regierung aufgenommen werden, damit die Heimwehrfraktion mit den Christlichsozialen die Auflösungsanträge- darunter ihren eigenen! niederstimmt. Jakob Rießer gestorben. Der Gründer und Präsident des Hansabundes. Im Alter von 79 Jahren starb gestern nacht Justizrat Jatob Rießer, der auf vielen Gebieten des öffentlichen Lebens in den legten Jahrzehnten eine große Rolle gespielt hat. Rießer trat schon als junger Rechtsanwalt in den Vorstand der Bank für Handel und Industrie, der späteren Darmstädter Bant, ein. Nach achtzehnjähriger Tätigkeit gab er feinen Direttorposten in der Darmstädter Bank auf und erhielt einen wissenschaftlichen Lehrstuhl an der Universität Berlin. Doch blieb er bis dicht vor seinem Tode mit der Darmstädter Bank auf das engste verbunden. Lange Jahre war er der Präsident des Aufsichtsrates dieser Bank und mußte als solcher noch jenen schwarzen Tag erleben, an dem die Danatbant ihre Schalter schloß. 1900 gründete Rießer den Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes und im Jahre 1909 den Hansabund. Dem Zentralvorstand der Nationalliberalen Partei gehörte er bereits seit dem Jahre 1903 an, ließ sich aber erst im Jahre 1920 als Kandidat der Volkspartei in den Reichstag wählen. Von 1921 bis 1928 war er sodann Vizepräsident des Deutschen Reichstages. Rentenhauffe hält an. Durchweg stärkere Kurserhöhungen. 101 Trog des gestrigen Feiertages und des bevorstehenden Wochenendes war die heutige Börse außerordentlich fest. Die Hauffee auf dem Rentenmarkt setzte sich fort. Pfandbriefe konnten ihren Kurs um 1 Prozent und teilweise sogar bis zu 2 Prozent verbessern. Reichsschuldbuchforderungen stiegen bis auf 54 gegen 52 Prozent. Weiter sehr fest lagen Vorzugsaktien der Reichsbahn, die 76 Prozent erreichten. Auch Komunalanleihen, sowie Kommunalschuldverschreibungen waren sehr begehrt. Auch der Aktienmarkt wies eine freundliche Tendenz auf, menn sich auch hier das Geschäft in engen Grenzen hielt. Bemerkensmert fräftig war der Markt der Elektropapiere, wo Elektrische Licht und Kraft bis auf 70% gegen 68 Proz. stiegen und Siemens 106% gegen 105 erreichte. Auch Rheinisch- Westfälische Elektrizitätsmerte waren zu 60% gefragt. Auf dem Montanaktienmarkt konnten Harpener Bergbau 2 Proz. im Kurse gewinnen und erhöhten sich damit auf 38%. Leicht befestigt waren auch Vereinigte Stahlwerke mit 16 gegen 157. Stahlhelm gegen Hitler. Der Gedanke der bedingten Kriegsdienstverweigerung. Die Zeitschrift des Stahlhelm sezt ihre Polemik gegen die nationalsozialistischen Kriegsdienstverweigerer fort. Nach einigen Borbemerkungen über den Pazifismus schreibt sie: Daneben aber sehen wir Gruppen, die aus innenpolitischen Gesichtspunkten für die bedingte Kriegsdienst vermeigerung eintreten. Sie erkennen die Wehrhaftigkeit grundjäglich an, machen aber ihre Teilnahme an der Landesverteidigung von ihrer Einstellung zur Staatsführung abhängig. Es ist zuzugeben, daß die Erfahrungen der Freikorps- und Grenz schutzfämpfer aus der Nachkriegszeit diese Einstellung mit einem Schein des Rechts versehen. Die Soldaten dieser Zeit halsen durch ihren Einsatz einem Staat, den sie ablehnten, in den Sattel, und unter Führung dieses Staates ging vieles verloren, was die Kämpfer unter blutigen Opfern errangen. Trotz dieser bitteren Erfahrungen aber muß auch der Gedanke der bedingten Kriegsdienst verweigerung unsere schärffte 2b= lehnung finden. auch auf der geftigen Tagu Aehnliches erklärte auch auf der gestrigen Tagung des Stahlhelm in Magdeburg der Oberstleutnant Duesterberg. Die Nazipresse fährt fort, alle Behauptungen über ihre Unzuverlässigkeit im Punkte der Landesverteidigung unter der Ueberschrift ,, Marristische Lügen" zu rubrizieren. Offenbar sind die Herrschaften vom Stahlhelm auch schon ,, marristische Lügner". Deutschnationale Korruption. Das Urteil im Kieler Zentralbankprozeß. Kiel, 6. Mai. Im Prozeß gegen die Direktoren Thode und Janssen von der zusammengebrochenen 3entralbant für Grundbesitz, Handwerk und handel wurden wegen fortgesezten gemeinschaftlichen Betruges und Untreue, Urfundenfälschung, Bergehen gegen das Depotgesetz und Bilanzverschleierung Thode zu zwei Jahren Gefängnis und 500 Mart Geldstrafe, Janssen zu zwei Jahren neun Monaten Gefängnis und 1500 Mart Geldstrafe verurteilt. In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende, daß die Angeklagten durch ihre unverantwortliche Handlungsweise nicht nur die Existenz vieler kleiner Leute vernichtet, sondern auch das Vertrauen weiter Kreise zum Bankwesen untergraben hätten. Aufsichtsratsvorsitzender der Kieler Zentralbank war der deutschnationale Landtagsabgeordnete Howe. lleber seine Persönlichkeit liest man in dem jüngst erschienen Buche ,, Justiz dämmerung" von Eife von Reptom( Boltsfunfverlag) folgendes: ,, Herr Home ist ein besonders rühriges Mitglied der deutsch nationalen Landtagsfrattion. Er ist der Massen fabrikant der deutschnationalen leinen An= fragen, die sich fittlich über die margistische" Breußenregierung und ihre Beamten entrüsten. Herr Home fabriziert nicht nur derlei Anfragen am laufenden Bande, er verziert sie auch mit besonders knalligen Ueberschriften, so daß sie gleich für den Abdrud in der rechtsradikalen Hezpresse geeignet sind." Ueber die Rolle, die der Korruptionsbekämpfer" home beim Zusammenbruch seiner Bank gespielt hat. liest man ebendort: In der Sizung des Hauptausschusses vom 16. Januar 1932 wurde von sozialdemokratischer Seite dem Vertreter des StaatsKonsumvereine in der Krise Ostdeutsche Verbandstagung In Berlin tagte am Mittwoch und Donnerstag der 68. Verbands tag der oftdeutschen Konsumvereine E. V. unter Langes Borsig. In diesem Verbande find 81 Konsumgenossenschaften der Provinzen Brandenburg, Grenzmart, Pommern, Ost- und Westpreußen mit 374 5000 Mitgliedern zusammengeschlossen. Die Ausführungen aller Redner waren getragen von dem Willen, die Schwierigkeiten der Wirtschaftskrise durch ernste und aufopfernde Arbeit zu meistern. Vom preußischen Handelsminister und vom Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg waren Begrüßungsschreiben eingegangen. Als Vertreter des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine betonte Hugo Bäst lein Hamburg, daß die Konsumgenossenschaften auch in der Krise das Banner der Selbsthilfe hochhalten. enojien. Die Verbundenheit von Gewerkschaften und Konsumgenoffenschaften rückte der Gewerkschaftsvertreter Vollmershaus in den Vordergrund. Für die Konsumgenossenschaft Berlin sprach der Vorsitzende Böhm. Frenzel Berlin referierte über die Umgestaltung der Steuern durch die Vierte Notverordnung. Die Erhöhung der Umsatz steuer wurde als die größte ungerechtigkeit gegen die Arbeiterschaft gekennzeichnet, zumal die Konsumgenossenschaften ja immer noch ½ Prozent Umsatzsteuer mehr zu zahlen haben als die tonfurrierenden Betriebe. = Bäst lein Hamburg sprach über die Geldkraft der Konjum genossenschaften." Die Mißwirtschaft des kapitalistischen Systems und die Kapitalfehlleitungen der Wirtschaftsführer hätten die schlimmste je erlebte Krise verursacht. Durch die Massenarbeitslosigkeit und die systematische Drosselung der Kauffraft der breiten Maffen sind auch die Konsumgenoffenschaften schwer getroffen. Nach Ausbruch der Vertrauenstrife haben die Konsumgenossenschaften in sechs Monaten ein Biertel der Spargelder, fast 100 Millione 1 Mart, ohne fremde Hilfe zurückgezahlt. Das ist eine Leistung ohne Beispiel. Aber da schließlich die Konsumgenossen fchaften auch nur ein Glied im deutschen Wirtschaftsleben sind, kamen 路 in der letzten Zeit einzelne Konsumgenossenschaften in Bedrängnis. Getreu ihrem Grundsay, sich aus eigener Kraft zu helfen, haben die Konsumvereine eine Notgemeinschaft" gegründet, die 13 Mil lionen Mark zur Unterſtügung notleidender Konsumgenossenschaften aufgebracht hat. Da das Reich Milliardenbeträge zur Sanierung aller möglichen Wirtschaftszweige, zur Unterstützung der Handwerkergenossenschaften einen verlorenen Zuschuß von 20 Millionen Mark ausgegeben hat, könnten die Konsumvereine eine gleiche Behandlung verlangen. Gie fordern für etwa 2 Prozent der Konjumgenossenschaften einen verlorenen Zuschuß in Höhe der in den letzten Jahren gezahlten Sonderumfagsteuer. Die vorgeschlagenen Grundsäge über die Stärkung der eigenen Betriebsmittel und über die Verwendung der Spareinlagen, die zu einem besonders hohen Prozentsaz flüssig zu halten find, wurden einstimmig angenommen. Ueber die Entwicklung des Verbandes im Jahre 1931 sprach ausführlich der Verbandssekretär Hildebrand: Die Zahl der Mitglieder ist bis zum 30. Juni 1931 auf 374 500 gestiegen, aber infolge der Preissenkung und der geschwächten Kaufkraft der Mitglieder der Gesamtumfag von 136,7 auf 128,7 Millionen Mart, um 6 Prozent gesunken. Der durchschnittliche Warenbezug der Mitglieder ging von 368 auf 341 Mark zurück. Leistungsfähigkeit und Stabilität der Genossenschaften fammen darin zum Ausdrud, daß in einem Jahre, in dem die übrige Wirtschaft Rieſenverluſte ausweist, die Konsumgenossen 2,8 Prozent vom Umsatz an die Mitglieder zurückvergüten fonnten. Die Spareinlagen find im Jahre 1931 von 71,3 auf 53,3 Millionen Mark zurückgegangen. Das ernste Bestreben der Konsumgenossenschaften, die eigenen Mittel zu stärken, zeigt sich darin, daß im Jahre 1931 die eigenen Mittel von 8,1 auf 10,2 Millionen Mart gestiegen find. Gegenüber allen unjachlichen Angriffen stellte Hildebrand fest, daß alle Schwierigkeiten der Konsumgenossenschaften mit einem Schlage befeitigt wären, wenn endlich eine großzügige Arbeitsbeschaffung durchgeführt Die Kontrolle der Bürokratenmacht Abschluß der parlamentarischen Rechnungsprüfung. Die Beamten des Reichsverkehrsminifteriums zeigten sich im Haushaltsausschuß völlig unorientiert, was den entsprechenden Eindruck machte. Der Haushaltsausschuß des Deutschen Reichstages erledigte in| triebszelle bilden konnte, sondern, daß diese auch der Kern einer sechsten Sigung den Bericht, den ihm sein Rechnungsunter eines nationalsozialistischen Fliegertorps wurde. ausschuß zur Haushaltsrechnung 1930 vorgelegt hatte. Dabei ergaben sich noch außerordentlich wichtige Erörterungen, im besonderen über die Rechnungsprüfung bei der Reichsbahn. Hier hat das Reichsfinanzministerium im Einvernehmen mit dem Präsidenten des Rechnungshofes den Rechnungshof seit einem Jahre ausgeschaltet und an seine Stelle allein den Präsidenten gestellt. Er prüft gemeinsam mit dem Direktor der Reichstreuhandgesellschaft im Auftrage der Reichsregierung die Bilanz der Reichsbahn, obwohl sie beide gleichzeitig für die Reichsbahn bei der Bilanzaufstellung als Sachverständige tätig sind. Diese Feststellungen des Rechnungsunterausschusses führten dazu, daß sowohl die Deutschnationalen wie das Zentrum nach dem Borschlag des Berichterstatters, Abg. Heinig, fich dahin einigten, daß über diese Frage demnächst im Haushaltsausschuß an der Hand der Unterlagen eine eingehende Erörterung der ganzen Angelegenheit erfolgt. Dabei wird überdies auch die Stellung der Reichsbank zum Rechnungshof mit erörtert werden. Beim Haushalt des des Verkehrsministeriums wurde bei den Ausgaben für die Deutsche Lufthansa durch den Abg. Keil( Soz.) eingehend erörtert, wie es möglich sei, daß in der Deutschen Lufthansa sich nicht nur eine nationalsozialistische Beministeriums die Frage gestellt, ob die sonst von Herrn Home so sehr bekämpfte öffentliche hand auch hier mit Stügungskrediten eingreifen solle. Herr Howe antwortete ganz entrüstet, irgendein Verschulden des Vorstandes und Aufsichtsrates der genannten Bant jei nicht zu verzeichnen. Es feien nur vorübergehende Schwierigkeiten entstanden.... Die Einleger würden jedenfalls ein Geld verlieren.(!!!) Allerdings sei versucht worden, von der Preußenkasse einen kredit von 200 000 Mark zu bekommen." So Herr Howe am 16. Januar. Seine Ausführungen, die gelinde gejagt eine grobe Irreführung des Ausschusses waren, werden durch das jeßt ergangene Gefängnisurteil gegen die Direktoren hinlänglich beleuchtet. Sehr interessant ist, wie man dicht vor dem Zusammenbruch noch den preußischen Staat hinein. ziehen wollte! Kaffenraub in Tankstelle. Autobanditen überfallen den Wächter. In der Nacht zum Donnerstag spielte sich im Westen Berlins, in der Heilbronner Straße, ein schwerer Ueberfall ab, bei dem drei bisher noch unbekannte Räuber aus der Tankstelle der Weftunion- Garagen" im Hause Nr. 19 die kasse raubten. Die Burschen erbeuteten etwa 45 Mark. Gegen 2.40 Uhr hielt vor dem Platz der Tankstelle eine Tage, der drei junge Männer im Alter von etwa 20 Jahren entstiegen. Sie eilten fofort in den Aufenthaltsraum des Wächters, eines 66 Jahre alten Karl Mittta. Der alte Mann hatte während der Nachtſtunden gleichzeitig die Ausgabe von Benzin und Del vorzu see gekommen waren, hielten jetzt dem Erschreckten Pistolen por nehmen. Die Burschen, die von der Georg- Wilhelm- Straße in Halenund zwangen ihn, mit erhobenen Händen an die Wand zu treten. Aus einem Schrank zogen sie eine hölzerne Kassette hervor, fonnten aber die Registratur nicht öffnen. Kurzerhand padten sie nun die ganze Kassette und verschwanden damit. Che der Ueberfallene Hilfe herbeiholen konnte, waren die drei Räuber schon im Auto und brausten ab. Es handelt sich dabei sicherlich um eine Tage, die sie noch in der Nacht gestohlen hatten. Bei Abschluß der Beratungen erklärte der Vorsitzende des Haus haltsausschusses, Abg. Heimann( Soz.), zusammenfassend und eindringlich die Bedeutung der Arbeit des Rechnungsunterausschusses. Die Worte des Vorsitzenden wurden durch den Beifall des Haushaltsausschusses unterstrichen. meg Heimann wies darauf hin, daß in der Zeit der Notverordmungen der Ministerialbürokratie eine außerordentliche Macht zugewachsen sei. Zugleich habe es sich wieder nicht erreichen lassen, daß der neue Haushaltsplan durch den Haushaltsausschuß in voller Ruhe beraten werden könne. Deswegen sei die Arbeit des Rechnungsunterausschusses von ganz besonderer Bedeutung. Er habe wesentliche Vorarbeit für die Haushaltsberatung geleistet und eine ganze Reihe von grundfäßlichen Fragen geklärt. Der Haushaltsausschuß vertagte sich. Er wird nach Abschluß der Plenarberatungen seinerseits mit der Beratung des Haushalts planes 1932 beginnen. wollten sie einsteigen, zogen aber plöglich Pistolen und zwangen den Chauffeur, den Wagen zu verlassen. Sie forder ten kein Geld von ihm, sondern fuhren sofort mit dem Wagen in Richtung Neukölln ab. In den frühen Morgenstunden wurde dieser Wagen vor dem Hause Friedrich- Franz- Straße in Tempelhof ge funden. Dort befindet sich das 201. Polizeirevier. Bombenanschlag in Aegypten. Der Regierung zugedacht- Arbeiter getötet. Kairo, 6. Mai. Als ein Zug, in dem der Ministerpräsident, der Verkehrs- und der Unterrichtsminister, der Vizepräsi= dent der Kammer und andere angesehene Persönlichkeiten saßen, heute vormittag durch Jamkah in der Provinz Girga fuhr, explodierte eine Bombe. Zwei Streckenwächte'r wurden getötet und drei andere schwer verletzt. Räuber in Polizeimaske. Ein Falschmünzertrid- Dabei 600 Mark erbeutet. Ein dreister Gaunerstreich wurde von einem Mann verübt, der sich bei einem Bäckermeister in der Detmolder Straße in Wilmersdorf als„ kriminalkommissar Werner" ausgab. Der verkappte Räuber beschlagnahmte bei dem Meister 600 Mart, da es sich angeblich um Falschgeid handeln sollte! Die Bäckerei sollte gerade kurz nach 7 Uhr geschlossen werden, als ein Mann in mittleren Jahren das Geschäft betrat und den Inhaber zu sprechen verlangte. Als dieser kam, legitimierte sich der Mann mit einem Ausweis als„ Kriminalkommissar Werner" und bedeutete dem Bädermeister, daß er ihn ganz vertraulich sprechen müsse. Es seien nämlich in letzter Zeit Anzeigen eingelaufen, aus denen hervorgehe, daß der Bäcker Falschgeld ausgebe. Der Meister bolte sein ganzes Bargeld in Höhe von 600 Mart herbei. Der ,, Kriminalkommissar" nahm einige Scheine in die Hand, hob sie gegen das Licht und betrachtete fie forgfältig mit zusammen und bedeutete dem Bäckermeister, daß er leider das Geld beschlagnahmen müsse. Er könne hier im Moment nicht feststellen, welche Scheine echt und welche sals seien. Er stellte also dem völlig überraschten Bäckermeister eine Quittung aus, nahm die 600 Mart an jich und verschwand. Kurz vor 1 Uhr in der Nacht ereignete sich ein neuer llebergefniffenen Augen. Schließlich zuckte der Kommissar" die Schulter fall auf einen Tagihauffeur, bei dem es die Täter wie in lezter Zeit so häufig nur auf den Wagen abgesehen zu haben schienen. Der Chauffeur Hermann, der die Kraftag- Tage 1A 10 358 fährt, wurde in Tempelhof vor dem Hause Oberland straße 27 von zwei Männern angenommen. Sie taten so, als Irrwez der Demokraten. Oer Kubvandel in Württemberg. Das„Berliner Tageblatt" wendet sich in seiner heutigen Ausgabe unter der Ueberschrift„Die Staaispartei auf Irr- wegen" scharf gegen die Haltung der württembergischen Demokraten, die im Begriff stehen, den Nationalsozialisten Helfersdienste zu leisten und sich an einer von ihnen zu bilden- den Regierung zu beteiligen. Das„Tageblatt" schreibt dazu: „Mögen die Verhältnisse in Württemberg noch so besonders ge- lagert sein und noch so sehr von denen im Reiche abweichen, die Beteiligung der Staatspartei an einer national- sozialistischen Regierung— noch dazu die a u s s ch l a g- gebende Beteiligung, durch die diese Regierung überhaupt erst zustande kommen kann— ist ein verhängnisvoller Schritt, der durch nichts zu rechtfertigen und zu entschuldigen ist. Vielleicht darf man auch jetzt, soweit die Dinge auch schon gediehen sein mögen, erwarten, daß dos letzte Ja noch nicht gesprochen ist." Inzwischen hat die Leitung der Demokratischen Partei in Württemberg zu den in letzter Zeit geführten Verhandlungen eine offizielle Erklärung herausgegeben, in der es heißt, daß die Verhandlungen sich bisher lediglich zu einer Anerkennung des auf parlamentarischer Uebung beruhenden Anspruchs der stärksten Landtagsfraktion auf das Landtags- Präsidium geführt hatten. Die weitergehenden Be- sprechungen über die Regierungsbildung seien inzwischen nicht fortgeführt worden. Dazu bemerkt wiederum das„Tage- blatt":„Mit dieser Erklärung wird von dem, worum es sich wirklich handelt, nichts entkräftet. Rur die Tat- fache, daß verhandelt wurde, wird bestätigt, und die Anerkennung des nationalsozialistischen Anspruchs auf das Landtagspräsidium zugegeben. Ueber alles andere wird sorgsam geschwiegen, und unausgesprochen bleibt vor allem dg/ edingungslose, eindeutige Rein, das allein che angeblich„sowohl ungenauen wie auch unrichtigen" Mitteilungen, die im Reiche über die Pläne oer- breitet sein sollen, hätte widerlegen können." Zugunglück in Bayern. 40 Personen bei Beichenhall leicht verletzt. München, 6. Mai. Am gestrigen himmelfahrkstagc, um S.Z5 Uhr vormittags, fuhr der von Berchtesgaden kommende Personenzug 872, der im Bahnhos Kirchberg bei Reichenhall halten sollte, infolge Nicht- umstellenz der Einsuhrweiche aus den im Bahnhof stehenden zweiten Teil eines Sonderzuges des Eifenbahnsportver- eine» Rosenheim aus. Der Packwagen und ein Personenwagen de» Personenzuges sowie ein Personenwagen des Sonderzuges ent- gleisten, die beiden Lokomotiven und drei Personenwagen wurden beschädigt. Etwa vierzig Reisende des Sonderzuges wurden durch Prellungen und Quetschungen leicht verletzt. Die rasch erschienene Sanitätskolonne von Bad Reichenhall versorgte die V e r l e tz t en, die sämtlich ihre Reise fortsetzen konnten. Reisende des Personenzuges wurden nicht verletzt. Der Personenverkehr wurde zunächst durch Umsteigen sowie durch Postkraftwagen aufrechterhalten. Um 11. Z0 Uhr waren die Einhebungsarbeiten beendet und die Strecke wieder fahrbar gemacht. Zur Leitung der Arbeiten und zur Untersuchung hatten sich der Vorstand des Betriebsamtes Salzburg und der Betriebs- leite? der Reichsbahndirektion München baldmöglichst zur Unfall- stelle begeben. Nazi als Landfriedensbrecher Brutaler Ueberfall auf friedliche Bevölkerung Es vergeht kein Tag, an dem nicht an irgendeiner Stelle in Deutschland die Nationalsozialisten als Störer von Ruhe und Arieden, als Zerstörer von Menschenleben und Eigentum auftreten. Selbst ein religiöser Feiertag wie der himmelfahrtslag ist ihnen gut genug, wie es jetzt in Qderberg in der Mark geschehen Ist. als Ruhestörer und Londfriedensbrecher auszutreten und eine friedliche Bevölkerung aufs höchste zu erregen. Wir legen größten Wert darauf, daß der Herr Dberstaatsanivalt hart aus P r e n z l a«, der die Untersuchung selber in die Hand genommen hat, auf diese Dinge besonders achtet. Eine Anzahl Parteigenossen sowie Angehörig« der Eisernen Front und des Reichsbanners saßen am Himmelfahrtstag in dem bekannten Oderberger Parteilokal von Zimmermann in aller Ruhe beim Kartenspiel. Auch das freundliche Städtchen Oderberg selbst lag in tiefstem Feiertagsfrieden. Plötzlich wurde die Feier- tagsruhe jäh gestört durch das Erscheinen von 70 lärmenden Nationalsozialisten, die mit zwei Lastkraftwagen aus Berlin gekommen waren, und, wie bereits ermittelt werden konnte, aus der Gegend des Halleschen Tores und aus Baum- f ch u l e n w e g stammten. Ob und woher sie die polizeiliche Erlaubnis hatten, mit Lastkraftwagen über Land zu fahren, steht noch nicht fest. Ihre erste Beschäftigung in Oderberg bestand darin. Steine gegen das Lokal von Zimmer- mann und in die Fenster zu werfen. Als sich unsere Partei. genossen und Gesinnungsfreunde zur Wehr setzten, wurden die Nazis vollends wild und begannen das Lokal zu demolieren. Wenn es also in dem Bericht, den Wolfss Telegraphen- Büro verbreitet, heißt:„Einige der Teilnehmer des Ausfluges be- traten während eines Spazierganges durch die Stadt das Gewert- Ichaftshaus und kamen mit dort anwesenden politischen Gegnern in Streit", so st i m m t das nicht, denn die Nazis traten keineswegs als harmlose Spaziergänger, sondern von vornherein als Provokateure auf. Und wenn WTB. weiterhin schreibt: „Alz die Nationalsozialisten mit ihren Lastkraftwagen absahren wollten, wurde sie von politischen Gegnern daran gehindert. Daraufhin sprangen die Nationalsozialisten von ihren Wagen,»nd es entspann sich eine neue Schlägerei, bei der es wieder Verletzte gab", so stimmt auch das in dieser Form nicht. Die angebliche „Verhiudernng" bestand darin, daß nicht nur die„politischen Gegner", sondern die aufs höchste erregte Bevölkerung mit vollem Recht oerlangten, daß die Nazi strolche vor der Abfahrt auf Waffen untersucht würden. Leider konnten die beiden Stadtpolizeibeamten gegen die Uebermacht der Nazistrolche nichts ausrichten. Erst die telephonisch herbeigerufene Ebers- walder und Freien walder Polizei konnte weitere Aue- schreitungen verhindern. Alle Berliner Nationalsozia- listen wurden in Schutz Haft genommen. Etwa zehn zum Teil schwer Verletzte wurden in das Oderberger Krankenhaus ge- schafft. Der Prenzlauer Oberstaatsanwalt Hart, der dafür be- könnt ist. daß er das Reichsbanner besonders scharf aufs Korn nimmt, hat auch hier die Untersuchung ausgenommen. Die schwere Schuld der Rozi-Landsnedensbrecher steht allerdings für die gesamte friedliebende Oderberger Bevölkerung heute schon fest. Das Theater dem Volke! Riesenkundgebung für die Erhaltung des Theaters. Am Donnerstag fand im Riesenraum des Großen Schauspiel- Hauses eine machtvolle Kundgebung statt, um für die bedin- gnngslose Erhaltung des gefährdeten Kultur- t h e a t e r s einzutreten, um alle dahingehenden Forderungen mit größtem Ernst und schärfstem Nochdruck anzumelden: um es endlich einmal ganz klar und deutlich zu machen, daß es sich hier keines- wegs um theoretische Ideale einzelner, sondern um unleugbare praktische Bedürfnisse unübersehbar großer Massen handelt. Tausende Anwesende vertraten Hunderttausende und Millionen solcher, die mit ihnen eins sind in der hier feierlich ausgesprochenen Ueberzeugung: Kunst wäre nichts weniger als Luxus, den man in schlechten Zeiten irgendwie zu entbehren vermag— unbedingte Lebensnotwendigkeit vielmehr, desto unentbehrlicher, je schwerer und aufreibender der Kampf ist um die nackte Existenz. Wer(wie jeder Sozialist) nicht individualistisch denkt, wer für gerechte und gleich- mäßige Bcsriedigung materieller wie geisl'ger Bedürfnisse aller ein- tritt und für den Zusammenschluß zu fruchtbringender Gemeinschaft — dem ist die Kultur keine verschönende und entbehrliche Zutat, der Kern vielmehr in der Schale der Zivilisation. Hier ging es um Erhaltung eines wichtigen und notwendigen Bestandteils unserer Kultur, um die der vielleicht ursprünglichsten Kunst: der des Theaters. Eine Reihe namhafter Verbände— der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der Allgemeine Freie Angestelltenbund, der Allgemeine Deutschs Beamtcnbund, der Ver- band der Deutschen Volksbühnenvereine, die Genossenschaft Deutscher Lühnenangehöriger, der Deutsche Musikerverband, der Deutsche Chorsängeroerband und Tänzervund, der Deutsche Arbeitersänger- bund, der Sozialistische Kulturbund mit den ihm angeschlossenen Kulturorganisationen— hatte die imposante Kundgebung veran- staltet, die Wallauer, der Präsident der Bühnengenossenschaft, als Hilferuf in letzter Stunde vor drohender Kulturkatastrophe, vor dem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des deutschen Theaterwesens begründete i als Hilferuf, den vornehmlich der Staat zu hören und zu erhören hätte, der Staat, der sich seinen Pflichten dem aus Hof- und Geschäftstheater entstandenen Volks- und Kultur- theater gegenüber keineswegs entziehen dürfe. Die folgenden Ansprachen beschäftigten sich immer wieder mit der kulturellen Mission, der Lebensnotwendigkeit und Hilfs- Itissell bei der Ansprache bedürftigkeit des Theaters. An Stelle des verhinderten Kultus- Ministers Grimme sprach Reichsminister a.D. W i s s e l l über „Theater und Staat". Nur die Gleichstellung aller ist das sichere Fundament des Lolksstaates. nur der Staat wird sicher sein, dcr sich auf eine kultiue»?uii»imengeschwelßls Geme.nschast stützen kann— hier hat das Theater eine im höchsten Sinne gesellschaftliche Ausgabe. an der der Staat(der ja auch seine Schulen nicht der Krise opfern darf, will er nicht selbst zugrunde gehen) entscheidend interessiert ist. Darum— so schloß der Redner— tue er mit der Erhaltung des Theaters einfach seine Pflicht! Oberbürgermeister Lcuuer(Aliona) sprach über„Theater und Städte". Er ging aus viele Einzelsragen ein, erörterte die Ausgabenbeschränkungen, zweckmäßige Sparmaßnahmen, Stellung und Aufgabe der zeitgenössischen Produktion, vertrat die Forderung nach denkbar größter Einfachheit und volkstümlicher Haltung. Brodbeck, der Geschäftsführer der Volksbühnenvereine, forderte klare, entschiedene und konsequente Haltung aller Stadt- und Kom- munalpolitiker, die nicht wüßten, was sie tun, wenn sie die soziale Funktion des Volkstheaters unterschätzen, wenn sie eine Linie preisgäben, auf die sie mit großen Verlusten später doch wieder zurück- kommen müßten. D. Stetter endlich sprach im Nomen aller Theaterbesucher. Als unumgänglich notwendige Forderungen wurde sol- gendes formuliert, von W a l l a u e r verlesen und' von allen An- wesenden begeistert gutgeheißen: Das Theater bedarf 1. äußerster Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit in der Wirtschasls- führung. 2. einer auf den Erfordernissen der Bedarfsdeckung aufgebauken Planarbcit unter staatlicher Kontrolle und Hinzuziehung der an der Theaterwirtschast beteiligten Organisationen, 3. systematischer Publikumswerbung. 4. der Förderung und des rationellen Einsahes der kulturellen B esucherorganisakionen, S. strengster Führerauslese. 6. der Sicherung angemessener Lebensbedingungen und gesunder. tariflich geregelter Arbeitsverhältnisse für die Angestellten und Arbeiter des Theaters. 7. der Fixierung und lanfristigen Sicherung mindestens der kommunalen und staatlichen Minimalzuschüsse. 8. der Bereitstellung und planmäßigen Zuteilung von aus- reichenden Staats- und Reichszuschüssen. Tie vom R u n d s n n t'> l> e r t i a g e n e Kundgebung war seierlich umrahmt: sie vcgann mit der O b e r o n- O u v e r t ü r e und schloß mit der(von Groß rn n n n prächtig gesungenen) An- spräche des Hans Sach- sowie dem M e i st e r s i n g e r- F r n a I e (Orchester und Chöre beld:r Lprenhäuser unter Leo Blech). Vorher las Alfred Beierle Schillers bekannte Arbeit über die „S ch a u b ü h'n e als moralische Anstalt"— kluge Gedanken eines großen, die Geschichte souverän überschauenden Geistes, die für uns heute so vorbildlich sind wie einst vor eineinhalb Jahr» Hunderten: Gedanken, die das Theater rehabilitieren, rechtfertigen und fordern: nicht nur als„künstliche Welt", sondern als edelste Unterhaltung: die Verstand und Herz vereint, als unersetzlichen Spiegel der Wahrheit, als unübertreffliches Mittel endlich, zu uns selbst zu kommen und— was gäbe es Wichtigeres— den„Menschen" zu erkennen. Das werktätige Volk der deutschen Republik will mehr und tieferes als„Brot und Spiele", es fordert mit dem Materiellen Geistiges zugleich, es verlangt— allen schwerhörigen Finanz- ministcrn sei es gesagt, sie mögen sich danach richten, ehe es zu spät ist— Arbeit, F'r e i h e i t und Kunst! Darum nochmals, und noch lange nicht zum letztenmal: erhaltet und rettet das Theater dem Volke! Kreugers Geheimagenten Die Liste im Besih der Polizei Stockholm, 6. Mai. In der Kreuger-Angelegenheit dürften laut„Tagcns Nhheter" weitere Verhaftungen erfolgen. Tie Unter- ftichung der Polizei ist in eine neue Phase eingetreten. wobei es sich um einen ganz anderen Personenkrcis handelt als bisher. Tas Stockholmer Telegraphenamt ist von der Untersuchungstommission aufgefordert wor- den. ihr alle Uopien von Telegrammen herauszugeben. die von Jvar kreuger der Firma ftrcuger u. Toll und der Zündholzgesettschaft gesandt worden sind. Man hofft, dadurch die schon bei der Polizei befindlichen Listen der Ureuger-Agenten ergänzen zu können und auch die VZeld- summen festzustellen, die durch die Hände dieser Hinter- männer geflossen sind. Gegen jede Person» der Gesetz- Widrigkeiten nachgewiesen werden, wird Anklage erhoben werden, gleichviel, ob es sich um Schweden oder Aus- l ä n d e r handelt. Oer erste dreibändige Polizeibericht. Stockholm, 6. Mai. Der erstq Bericht der Kriminalpolizei in der Krcuger-Ange- legenhcit, der nicht weniger als drei Bände nmfaßt. wirft ein grelles Licht auf die K r e u g e r s ch e n Methoden, die bei dem verwickelten Gesellschaftssystem zur Anwendung kamen, das Kreuzer während der letzten Jahre aufgebaut hatte. Aus dem Bericht geht hervor, wie Kreuger alle Mittel benutzte, die ihm die Gesetzgebung in den verschiedenen Ländern bot, und wie er sich die Dienstbereit- schast fast aller P e r s o n e n zu sichern wußte, die von ihm abhängig waren oder die er in Situationen geführt hatte, aus denen es kein Zurück mehr gab. Zunächst werden in dem Bericht die gefälschten polnischen und spanischen Zündhol zmonopolab- kommen wiedergegeben. Die Kriminalpolizei hat beiin schwedischen Außcnimnistcnum erfahren, daß die sogenannten„Abkommen" mit Polen dort unbekannt seien. Die schwedische Gesandtschaft in Madrid hat, wie wester aus dem Bericht hervorgeht, auf Anfrage mstgeteist, daß ein Abkommen mit Spanien nie bestanden hob«. Der ver- haftete Revisor Wendler erklärt, daß eine Revision bei der holländi- schon Kreuger u. Toll A. B. nie vorgenommen worden sei. Schon 1925 begann Kreuger mit der Taktik der Stützungskäufe. Bon den Vorstandsmitgliedern der Kreuger u. Toll A. B. wurden Lindberg- Juhlin-Dannfeldt und Magnussen vernommen. Ueber die Schäden, die der Gesellschaft zugefügt worden seien, erklärten diese, daß die Besitzer von Obligationen und die übrigen Gläubiger durch die falschen Bilanzen geschädigt worden seien. LlGA. suchen Sanierung. Das Parlament beharrt auf seinem Plan. New Jork. 6. Mai.(Eigenbericht.) Das Repräsentantenhaus lehnte die Regierungsvorlage ab, die 206 Millionen Dollar Ausgaben ersparen soll und bestätigte ledig- lich 38 Millionen Dollar Abstriche. Abgelehnt wurde ferner der von der Regierung angeregte Abbau eines Teils der G e- h ä l t e r unter 2500 Dollar. Beschlossen wurde«in llprozen- tiger Abzug von Gehältern über 2500 Dollar monatlich. Dieser Widerstand gegen die Regierungsvorschläge ist durch Popularitätsrücksichten auf die kommenden Wahlen hervorgerufen, soll aber auch ein Druckmittel zur Durchsetzung der Goldborough- Vorlage sein, die dos Repräsentantenhaus— wie bereits gemeldet — gegen den Widerspruch der Regierung angenommen hat. Dieses Goldborough-Prpjekt soll inflatorisch« Maß- nahmen zur Senkung der Kaufkraft des Dollar herbeiführen: noch der Meinung des Schatzamtes hat dieses Gesetz wenig Aussicht, in Kraft zu treten, da die Finanzkreise schwere Bedenken dagegen hegen. Es wird erklärt, daß das Bundes- reserveamt bereits jetzt nach Möglichkest zur Krediterleichterung und zur Senkung des Zinsfußes beitrage, indem es Schatz- anweisungen der Regierung kaufe und dadurch den offenen Geldmarkt entlaste, sowie durch Hochtreiben des Kurses dieser Anweisungen die Zinssätze allmählich herabdrückc, daß es aber unklug wäre, ohne Rücksicht auf die jeweilige Markttage derartige Aktionen durch gesetzliche Borschristen zu erzwingen. Die Schulden des Reiches. Kreditermächtigungen erhalten nachträglich Gesetzesform. Der Reichsrat verabschiedete am Mittwoch den Gesetzent wurf über Schuldentilgung. Der Berichterstatter, Min.- Direktor Dr. Brecht, führte aus, daß das Gesetz eine Reihe von Fragen regelt, die mit dem Schuldenwesen des Reiches zusammenhängen. Zunächst handelt es sich darum, daß der im Oktober 1930 mit der Firma Lee Higinson abgeschlossene Dellarkredit im Werte von 530 Millionen Mark, der bis zum 15. November 1932 zurückgezahlt werden sollte, im Benehmen mit der Gläubigerin um ein Jahr verlängert wird. Weiter wird in dem Gesetz die Schuldentilgung geregelt. Nach dem Gesetz von 1930 sollten in den Jahren 1931 bis 1933 jährlich 420 millionen in den Haushalt für diesen Zweck eingestellt werden. Diese Verpflichtung soll auch auf die Haushalte von 1934 und 1935 ausgedehnt werden. Wie der Berichterstatter erklärte, sei es zwar in den letzten zwei Jahren nicht gelungen, die Tilgung in dem vorgesehenen Maße durchzuführen. Trotzdem habe die Einstellung der Summe eine große Bedeutung, weil bei der Aufstellung des Haushalts die Ausgaben so eingerichtet werden, daß die Tilgungssummen geleistet werden können. Obwohl die Länder nicht in der Lage seien, in ihre Etats eine solche hohe Til40. Abt. Die Funktionärversammlung heute abend fällt aus. Die Funktionäre treffen sich Montag, 19 Uhr, bei Förster, Dreibundstraße 11. ,, Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Bostauflage bei Das neile Buch Georg Rendi: Vor den Fenstern*) Rendl war selbst einer von den Millionen Arbeitslosen, die wir in Deutschland haben, und sein neues Buch ist die Geschichte des Klaus Raab aus dem Moordorfe, der arbeitslos ist, weil die Ziegelei stillgelegt worden ist und dem die Unterstützung entzogen wird, weil er sie im Wirtshaus versoffen haben soll; aber das haben die Bauern der Umgebung bezahlt, von den Pfennigen feiner Unterſtügung hätte er sich nie einen Rausch faufen fönnen, und so wird er ohne seine Schuld auch noch obdachlos, als letzte Zuflucht bleibt ihm die Landstraße, über die er mit durchlöcherten Schuhen und zerrissenen Kleidern tippelt, ein Hungernder. Frierender, ein famer, den die Not zerbricht, so daß er willens ist, für eine warme dem der Bergwind in die Lungen Suppe zu arbeiten, ein Verräter, den die Kollegen mit Steinen bewerfen, weil er aus der Sinnlosigkeit seines Daseins und der Unbewußtheit seiner Lage ihre jämmerlichen Hungerlöhne noch drücken hilft. FUNK GUNDAM ABEND Freitag, den 6. Mai 1932 Berlin. 16.19„ Von australischen Hexenmeistern, Davis Pokalen und vergangenen Tennisschlachten"( F. W. Rahe). 16.35 Kammerorchester- Konzert. 17.35 Jugendstunde. ,, Vom Hören der Tiere."( Dr. W. Hirsch.) 17.55 Das neue Buch. 18.05 Teemusik. 18.30 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.35 Kasimir Edschmid: eigene Prosa. 18.55.Die Funkstunde teilt mit..." 19.00, Stimme zum Tag." 19.10 Oesterreich als Wirtschafts- und Sozialproblem"( Dr. A. Lauterbach. Wien). 19.30 Zum Zyklus( 1789-1815):„ Wilhelm von Humboldt und die Berliner Universität"( Min.- Dir. Prof. D. Dr. Richter); 20.00 Aus Berliner Varietés und Kabaretts. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10, Leutnant Komma." Satirisches Spiel. für die Soziale Radiohilfe: Gertrud Eysoldt( Rezitation), 22.40 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten. 23.00 Veranstaltung Dr. W. Herbert( Klavier), Paula Keller( Violine). Königswusterhausen. 16.00 Was soll mit der Aus Hamburg: Konzert. 17.30 Erlebnis und Ausdruck( Dr. genfchuldung einzustellen, hätten die Ausschüsse mit Rücksicht auf die Gehegter, der vor den Fenstern der Bauern bettelt, ein Fiebernder, ländlichen Fortbildungsschule werden"( K. Herbst). 16.30 zugestimmt. hohen Fehlbeträge des Reiches dem Regierungsvorschlag Endlich regeit das Gesez die Kreditermächtigung. Der äußere Anlaß dafür waren die Bedenken der Reichsschuldenverwaltung, ob die durch Notverordnung gegebenen Kreditermächtigungen den Voraussetzungen der Verfassung entsprechen. Die einzelnen Kreditermächtigungen sollen daher jetzt nachträglich in Ge= fegesform gefleidet werden. Es handelt sich um Kredit ermächtigungen für die Fehlbeträge der Jahre 1930 und 1931 und für die schwebende Schuld, die für außerordentliche Ausgaben aufgenommen wurde. Für 1930 handelt es sich um einen Fehlbetrag von 240 Millionen. Der Fehlbetrag für 1931 wird auf 500 Millionen geschätzt. Bei der Kreditermächtigung für den außerordentlichen Haushalt handelt es sich um 550 Millionent. Hinzu kommt der Kredit für die Banfensanierung von 400 Mil lionen, dann eine Kreditermächtigung von 100 Millionen, folange die Veräußerung von Vorzugsaktien der Reichsbahn nicht in dem erforderlichen Maße gelingt, der Kredit der Kursstügung und endlich ein Betriebskredit in Höhe von 500 Millionen, den der Reichsrat auf 600 Millionen erhöhte. Der Dank vom Hause Jordan. Nach 40jähriger Tätigkeit entlaffen. Wie uns mitgeteilt wird, hat die Firma Heinrich Jordan in der Markgrafenstraße gelegentlich ihrer Umwandlung ,, aufgeräumt" und u. a. eine 54jährige Angestellte, die seit 40 Jahren bei ihr beschäftigt war, entlassen. Die entlassenen Angestellten getrauten sich nicht einmal- obwohl sie darauf auf merksam gemacht wurden bei ihrer betrieblichen Vertretung gegen die Entlassung Einspruch zu erheben, so daß ihnen nicht zu helfen ist. Wetter für Berlin. Meist bewölkt, im ganzen milder, etwas Regen. Für Deutschland: Allgemein wolkig, vereinzelt etwas Regen, zunehmende Milderung. Dieser Raab aus dem Moore ist ein Abseitiger, einer von denen, die ihr Elend als Strafe für irgendeine persönliche Schulb empfinden, weil sie gläubig sind und den gerechten Gott und den Hunger ihrer Tage nicht in Einklang bringen können. Rendl gibt mit seinem Raab nicht einen Typ, sondern einen Einzelfall. Denn der Durchschnittserwerbslose weiß, warum die Fabriken geschlossen find, warum er stempeln gehen muß, er weiß, was mit dieser Welt los ist und neben seinem Wunsche nach Arbeit ist in ihm auch noch der Wille lebendig, die Verhältnisse so umzugestalten, daß der SpielDavon raum für die Krisen auf ein Minimum beschränkt wird. weiß dieser Klaus Raab nichts. Und die Landstraße zerbricht in ihm auch den letzten Rest von Solidaritätsgefühl, weil die Bauern eher etwas geben, wenn einer allein kommt. So wird er gänzlich zurückgedrängt auf den letzten Posten der Verteidigung. Sein Körper erfrantt, er hat die Mundfäule, in feinem Gehirn fizt das Fieber, er hat franke Visionen, und in einer Kirche, wo er einsam und frierend übernachtet, predigt er einer imaginären Gemeinde von dem neuen Gott der Arbeit. Dieser neue Gott ist der werktätige Mensch selbst und ihm gehört die Zukunft. Aber das ist diesem Raab nicht rationale Erfenninis, sondern es ist religiöse Schau. Er bleibt Individualiſt, und er ist bereit, diese kapitalistische Welt zu bejahen, wenn sie ihm wieder Arbeit gibt. Im Fieber ist er durch den Schleier der Religion der Wahrheit nahe gekommen, aber zum Schluß ist er eben so blind wie vorher. Er hat nichts gelernt und viel vergessen. Er ist das Musterbeispiel eines Arbeiters, der sich seiner Lage innerhalb dieser kapitalistischen Gesellschaft nicht bewußt ist, und der unter den Verhältnissen nur passiv leiden kann, ohne die historische S. Pepper. Mission seiner Klasse zu ahnen. *) Deutsche Verlags- Anstalt, Stuttgart- Berlir. K. Schulze- Jahde). 18.00 Verschollene deutsche Musik( Arbeitsgemeinschaft Marie- Luise König und H. Schulze- Ritter). 18.30 Wie sucht die Arbeiterschaft die Wirtschaftskrise zu überwinden( Wilhelm Eggert). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Aktuelles. 19.15 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.35 Der Erwerbslose in der Erwachsenen- Schule( Dr. H. Falkenfeld). 20.00 Aus Leipzig: Aus klassischen Operetten. 21.00 Berliner Programm. Sonnabend, den 7. Mai 1932 ' e Berlin. 16.05 Orchersterkonzert, in einer Pause: 10 Minuten Film. 18.00 Bremen als deutscher Seehafen ( Staatsrat Dr. Völckers). 18.25 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30 Klavier- Vorträge. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Zehn Minuten Sport ( H. Brauch). 19.20 Zum deutschen Muttertag( Dr. R. Knauer). 19.30 Die Erzählung der Woche( Josef Maria Frank). 20.00 Aus München: Eine Stunde Volkskunst. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Lustig Blut und leichter Sinn. Eine Revue. 22.15 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Gläubigerund Schuldnerschutz( Rechtsanwältin Dr. E. Hegemann- Springer). 16.30 Aus Hamburg: Konzert. 17.30 Das wichtigste deutsche Nahrungsmittel( Stadtmedizinalrat Prof. Dr. v. Drigalski). 17.50 Der deutsche Maler Otto Ubbelohde.( Dr. W. HoffmannHarnisch). 18.05 Deutsch für Deutsche( Dr. J. Günther). 18.30 Das Volksflugzeug in Sicht( Dipl.- Ing. Soboczik). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Englisch für Anfänger( Stud.- Rat W. Ohse und Lektor W. Mann). 19.30 Das Rätsel des Leidens( Pfarrer Prätorius). 20.00 Aus Langenberg: Lustiger Abend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Berliner Programm. Vollständiges Europa- Programm im Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle ,, Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Berantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Vorwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin GW 68, Lindenstr. 3. Hierau 1 Beilage. bjod PROGRAMM für die Zeit vom 6. bis 9. Mai KINO- TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 6. bis 9. Mai BTL Potsdamer Straße 38 Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich Jugendliche haben Zutritt W. 5, 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str.75 Moabit Artushof Wochent. ab 6 Uhr Zeli Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 Zwei in einem Auto mit Magda Schneider. Vergessen Sie nicht... Tonbeiprogr. Neue Tonwoche Charlottenburg Zehlendorf- Mitte Beginn tägl. 5, 7, 9 Uhr Südosten Nordosten Stg. 3 Uhr Jugendvorstell. Deutsch- Amerik. Theater ,, Elysium Potsdamer Str. 50 Unter falscher Flagge mit G. Fröhlich, Charl, Susa. Beipr. Steglitz Titania- Palast W.6.30, 9 U. Stg.4, 6.30,9U. Köpenicker Str. 68. Beginn 4.30 Uhr Der Frauendiplomat mit Max Hansen, Martha Eggerth. Gr. Tonbeiprogramm Der Sieger mit Hans Albers, Germania- Palast W. ab 5 U. Steglitz. Schloßstr 5. Ecke Gutsmuthsstr. Filmeck Käthe von Nagy W. 5, 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Turmstraße 12 Gitta entdeckt ihr Herz mit S. ab 3 U. Charlottenburg, Wilmersdorfer Str 53/54 Die fünf verfluchten Gentlemen mit Camilla Horn.- Dick und Dof hinter Schloß und Riegel Gitta Alpar, Gustav Fröhlich Kant- Lichtspiele Jugendliche haben Zutritt W. 5, 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Kantstr 54( an der Wilmersdorfer Str.) Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel mit Martha Eggerth, Gustav Fröhlich. Jugendliche Zutritt W. 5, 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Rasputin mit Conrad Veidt.- Schlüter- Theater Beginn: Der Feldherrnhügel mit Elga Brink. 10 Stg. ab 3 Uhr Den ganzen Tag, geöffnet Westen Primus- Palast s Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr. Uraufführung! Ein süßes Geheimnis mit Hansi Nie- e, Else Elster, Grit Haid, H. Hardt, P. Heidemann, André Mattoni W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr. S. ab 3.15 Uhr Unter den Linden Die Kamera Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich, L. Steckel, Blandine Ebinger. - Tonfilm- Beipr..- Jgdl. Zutritt Mariendorf Ma- Li Tonlichtspiele So. ab 5 U. Mariendorfer W. 7, 8.30, · Chausseestr 305 2 Tonfilme: Einmal möcht' ich keine Sorgen haben mit Max 66 Prenzlauer Allee 56 Wocht, ab 5 Uhr. Sonnt, ab 3 Uhr Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich. Bühnenschau: Wilh. Bendow Am Görlitzer Bahnhot Flora- Lichtspiele Landsberger W. ab 62, Stgs. ab 3 Fünf von der Jazzband mit Jenny Jugo. Meine Kinder, mein Glück. Bühnenschau Hansen. Mitternachtsliebe Luisen- Theater Tempelhof 5, 7, 9 U. Kurfürst Schlüterstr. 17. Sonntag 3 Uhr Peter Voß, der Millionendieb mit Willy Forst.- Beiprogr.. Tonwoche Atrium Wilmersdorf W 7, 9 Uhr Stg. 5, 7, 9 Uhr Sonntag 3 Uhr: Jugendvorstellung Dorfstraße 22 Ecke Berliner Straße Es war einmal ein Walzer mit Martha Eggerth Tonbeipr. Jugendliche haben Zutritt Wochent. 7, 94 U. Tivoli Täglich 5, 7, 9 Uhr Sonnt. 5, 7, 94 U. Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Melodie der Liebe mit Rich. Tauber, Lien Deyers, Petra Unkel, Szöke Szakall, Alice Treff. Jugendliche haben Zutritt Schöneberg Unter den Alhambra Linden 14 Täglich 3, 5, 7, 9 Uhr Monte Carlo mit Jeanette Macdonald 1 Ein Staatskerl mit Raimond Griffith Friedrichstadt Franziskaner Woch 5, 7, 9 Uhr Sonnt 3, 5, 7, 9 Uhr Hauptstr 30 Varieté, Tonfilm Rango, ein atemraubender Spielfilm.- Ein Grab am Nordpol. Bühne: Fop und Kid, Comedy Akt. Jugendliche haben Zutritt Tageskino ab Titania Schöneberg 9 Uhr vorm Hauptstr 49 Georgenstraße Ecke Friedrichstraße) W 5 7 9 Uhr 9, 12 3, 6, 9 Uhr: Zwei in einem Aute Magda Schneider. Karl Ludwig- Diehl, Rich. Romanowsky, E. Verebes 10.30, 1.30 4.30, 7.30. 10.30 Uh Der Geheimagent mit Harry Piel, Maria Solveg, Eduard v. Winterstein u.a. S 3, 5, 7, 9 Uhr Gitta entdecks ihr Herz mit Gitta Alpar, Gusta Fröhlich. Tonbeiprogr. Jugen.l. Zutritt Friedenau Kronen- Lichtspiele Rheinstraße 65 Wocht. 7, 9 Uhr, Sonnt 5, 7, 9 Uhr Der Draufgänger mit Hans Albers.-Gutes Beiprogramm W. ab 6.30 Stgs, ab 3 Reichenberger Str. 34. Mädchen zum Heiraten mit Renate Müller, Hermann Thimig. Abenteuer- Tonfilm: Das Ende von Maradu Stella- Palast W. ab 6.30 Uhr Sonnt. ab 3 Uhr Stgs 3 Uhr: Jugendvorstell Berliner Str. 97. Die Fünf von der Jazzband mit Jenny Jugo. Tonbeipr. Köpenicker Straße 12-14 Jugendliche haben Zutritt Neukölln Mercedes- Palast W.6%, 9 U. S. ab 3 U. Hermannstr 212 Die Wasserteufel von Hieflau. Mädchen zum Heiraten mit Renate Müller. Herm. Thimig. Sonnabend, 11½Uhr, Nachtvorstellg., Farbenlichtbilder- Vortrag: Mann u. Weib in Afrika( Vortr. E. H. Schrenzel). Die Tonfilm- Operette Es war einmal ein Walzer mit Martha Eggerth. Auf der Bühne: Willy Rosen Jugendliche haben Zutritt Treptow Primus- Palast 6.30, 9 u. Treptow- Sternwarte W6.30, 9u. Sonnt ab 3 U. Am Hermannplatz Urbanstr 72/76 Einmal möcht ich keine Sorgen haben mit Max Hansen, Urs. Grabley.- Sergeant X mit Iwan Mosjukin Südwesten Film- Palast Kammersäle Teltower Str 1 W ab 5%. So ab 3½ U Gitta entdeckt ihr Herz. mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich. Tonbeiprogramm Sonnab. 4. 8. Sonnt, 4, 6, 8 Uhr: Die Welt von oben Ein Film von deutscher Luftfahrt Baumschulenweg Lichtspielhaus Baumschulenstr 78. W 6 U, St 4.30 Allee 40/41 Friedrichsfelde Kino Busch Frt., Sbd., Stg. ab 5, sonst Beginn 6 Uhr Tonwoche Alt- Friedrichsfelde 3 Der Sieger mit Hans Albers, Käthe v. Nagy. Tonkabarett. Norden Sonnt ab 3 Uhr Alhambra Müllerstraße 136. Wocht, ab 5.45. Mädchen zum Heiraten mit Renate Müller. Das Ende von Maradu W. Königstadt- Palast Sig- ab i Schönhauser Allee 10 Zwei in einem Auto( Reise ins Glück) mit Magda Schneider. Tonbeipr. Tonwoche Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Woch. ab 6.30 Uhr Sonnt ab 3 Uhr Mädchen zum Heiraten mit Renate Müller, Hermann Thimig. Auf der Bühne: Gastspiel des beliebten Schlagerkomponisten Willy Rosen Text und Musik von mir" Woch. 5 Uhr Sonnt ab 3 Uhr Luna- Palast Gr Frankfurter Str 121 Tonwoche Ecke Seestraße W. 5, 7, 9 Uhr. Sonnt, ab 2.30 Uhr 2 Großtonfilme: Das blaue Licht mit Leni Riefenstah. Einmal möcht' ich keine Sorgen haben mit M. Hansen, Jgdl Zutr, Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 2 Großitonfilme: Täglich 5, 7, 9 U. Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitt Alpar. Die 5 verfluchten Gentiemen mit Camilla Hern Reinickendorf- Ost Beba- Lichtspiele Residenzstr 124 W 6.45 u. 8.45 Uhr Sig. 5, 7, 9 Uhr 3 Uhr: Jugendvorst. Der Geheimagent mit Harry Gr. Beipr. Piel, Maria Solveg Pankow Wocht. 7, 9, Einmal möcht' ich keine Sor- Palast- Theater Saab 3 U gen haben mit Max Hansen. Bühne: Gastspiel Revue Hallo Breite Str. 21a. 1932, 30 Personen Schwarzer Adler Frankf Allee 99 W. 5, 7, ca 9 Uhr. Stg 3, 5, 7, 9 Uhr Zwei Herzen und ein Schlag mit L. Harvey Tonbeiprogr. Lust. Bühnenschau Viktoria- Theater Woch. ab 5 Stg. ab 3 U. Frankfurter Allee 46 Der Frauendiplomat mit Max Hansen. Wie die Alten sungen... Neu- Lichtenberg S1 2.30 1 Kosmos- Lichtspiele Tonwoche Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich. Gr. Beiprogramm Lückstr. 70. Jugendi, Zutritt Wo. 5, ca. 7, 49 Uhr, Sig ab 3 Uhr Eine Nacht im Paradies mit Anny Ondra, Ralph Roberts. Tonbeipr. Tonwoche 1 Das blaue Licht mit Leni Riefenstahi. Willen. Casanova wider Tegel Filmpalast Tegel Bahnhofstraße 2 Wochent 6. Sonnt 4 15 U Sonntags 2 Uhr: Jugendvorstellung Das blaue Licht mit Lent Riefenstahl, M. Wiemann. Gr. Tonbeiprogr. Hennigsdorf 6, Filmpalast Bea W 6. 8.30 Uhr 44. 6. 8% U. Berliner Str 59 Großtonfilm: Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich, Tonbeiprogr. Beilage Freitag, 6. Mai 1932 Aenderung der Unfallversicherung. Unternehmer gegen Beteiligung der Arbeiter. Die Berufsgenossenschaften in Sachsen haben in Verbindung mit dem Landesausschuß sächsischer Arbeitgeberverbände dem Reiche= arbeitsminister eine Entschließung übermittelt, in der sie ihre Bedenken gegen die geplante Aenderung der Unfallversicherung äußern, deren Verwaltung ausschließlich in den Händen der Unternehmer liegt. Die Herren in Sachsen meinen, es liege keine Veranlassung vor.„ auf dem Wege einer Notverordnung eine Teilreform gerade bei der bestbewährten Unfallverhütung überſtürzt vorzunehmen Die verdächtige Eile lasse die Absicht erkennen, den Arbeitgebern die Möglichkeit des Widerstandes zu nehmen, sie lasse aber auch den begründeten Verdacht(!) auftauchen, daß hier wieder einmal PD. 44. Abteilung Am 3. Mai ist unser langjähriges Mitglied Fritz Meersbach Oranienstraße 199 verstorben. Wir werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren. Die Einäicherung findet am Sonnabend, dem 7 Mat, mittags um 12 Uhr. im Krematorium Baumschulenwe statt. Rege Beteiligung erwartet der Abteilungsvorstand. Aparte Gewerkschaften gegebene politisch bedingte versprechen auf often Frühjahrsmäntel. Kostüme der Arbeitgeber eingelöst werden sollen. Die seitherige Regelung habe den Versicherten genügend Recht der Einwirkung auf die Gestaltung der Unfallverhütung gegeben Die vom Reichsarbeitsministerium beabsichtigten Maßnahmen führ= ten lediglich zu einer Vermehrung der Verwaltung und damit selbsttätig zu einer Steigerung der Verwaltungskosten in den Berufsgenossenschaften". Haben die Herrschaften derart begründeten Anlaß zu der Befürchtung, Arbeitnehmervertreter könnten ihnen in die Karten sehen bei ihrem Unfallversicherungsbetrieb? Gewerkschaften und Nazis. Abwehrausschuß der Chriftlich- Evangelischen. Führende evangelische Mitglieder der christlichen Gewerkschaften befaßten sich am 3. Mai mit der politischen Lage, wie sie durch den Ausfall der preußischen Landtagswahl für den evangelischen Teil der christlich- nationalen Arbeitnehmerbewegung entstanden ist. Einmütig waren die verschiedenen Parteien angehörenden Arbeiterführer der Ansicht, daß die sozialreaktionären Strömungen im Nationalsozialismus und seine Feindschaft gegen jede wirklich selbständige Gewerkschaftsbewegung die schärfste Aufmerksamkeit und Abwehr erfordern. Es wurde ein Ausschuß eingesetzt, der einen geschlossenen politischen Einsatz der evangelischen Arbeiterschaft für die Durchsetzung christlichsozialer Grundsäge in der praktischen Politik anbahnen soll. Er wird binnen kurzem die Ergebnisse seiner Arbeit in einem Aufruf an die evangelische Arbeiterschaft bekannt geben. Dem Ausschuß gehören u. a. Behrens und Baltrusch an. Verpflichtung zu Schadenersatz. Bei Schädigung durch übermäßige Ausbeutung. Hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Schadenersatz. menn er durch übermäßige Ausbeutung zu Schaden gekommen ist? Mit dieser Frage hatte sich das Reichsarbeitsgericht am 4. April zu beschäftigen. Bei einer Parfümeriefirma in Berlin deren Namen fehlt in dem uns vorliegenden Bericht war der Kläger als Angestellter und Vertreter beschäftigt. Die Vertreter wurden von der Firma nach Strich und Faden ausgenügt und hatten nur geringen Verdienst. Am 31. Oktober fündigte die Beklagte dem Kläger das Arbeitsverhältnis. Gegen diese Kündigung erhob der Kläger Einspruch. Gleichzeitig flagte er auf Fest stellung, daß die Beklagte verpflichtet sei, ihm allen Schaden zu ersetzen, der daraus entstanden sei, daß er sich ein Bruchleiden zugezogen hat. Die Krankheit habe er sich nur durch das Tragen der schweren Koffer und durch die übermäßige Ausbeutung von der Firma zugezogen. Die beklagte Firma lehnt die Schadenersatzansprüche des Klägers ab und erklärt, daß die anderen Arbeitnehmer dieselben schweren Arbeiten verrichten müßten und auch nicht dabei frank würden. Das Arbeits= gericht hat den Klageanspruch abgewiesen. Auf die Berufung des Klägers hat das Landesarbeitsgericht Berlin die Beklagte verurteilt, dem Kläger die Hälfte des Schadens zu ersetzen, der ihm daraus entstanden ist, daß er infolge des Tragens der schweren Soffer an einem Bruchleiden erkrankte. Durch die überanstrengende Tätigkeit habe sich der Kläger ein Leiden zugezogen, für das die Beklagte zu haften habe. Die gegen das Urteil von der Beklagten eingelegte Revision murde vom Reichsarbeitsgericht als völlig unbegründet verworfen. Das Gericht schloß sich der vorinstanzlichen Entscheidung an und legte der Beklagten die Kosten des Rechtsstreits auf.( RAG. 9/32.) Stillegungen im Harz. Goslar, 6. Mai. Das Hüttenwerk Ofer und das hiesige Rammels= berger Bergwerk sollen auf Beschluß der Preußag stillgelegt werden. Die vorhandenen Bestände an Material sollen aufgearbeitet werden, so daß bei der Stillegung eine plögliche Arbeitseinstellung nicht erfolgen wird. Die Rammelsberg- Grube beschäftigt zur Zeit etma 260 Arbeiter und Angestellte. Falls das Bergwerk zum Erliegen kommt, würde dies nach einiger Zeit die Stillegung auch der Kupfer= hütte in Ofer und der Bleihütte in Herzog Julius= Hütte bedeuten. Diese Werke haben zusammen etwa 1000 bis 1200 Beschäftigte. Grube und Hütten gehören zu den Unterharzer Berg- und Hüttenwerken, an denen die Preußag und der braunschweigische Staat beteiligt find. Ebenso ist für das Bergwerk Wohlfahrt des Erzberg wertes Bad Grund Stillegung zum 30. Juni beantragt. Mit der Stillegung wird die gesamte Belegschaft, bestehend aus acht Angestellten und 260 Arbeitern, entlassen. Die Betriebsanlagen sollen jedoch unterhalten werden, so daß später die Wiederaufnahme des Betriebs möglich ist. Bergarbeiterteilstreif in England. London, 6. Mai. Von den Belegschaften der Kohlenbergwerke in der englischen Grafschaft Fifeshire befinden sich 5000 Bergarbeiter im Streif. Am Donnerstag schlossen sich weitere 500 Mann dem Streit an. zu ganz besonders niedrigen Preisen Maßanfertigung spez. für starke Damenl Paul Linck Damenmäntel- Fabrik. und Hdlg. Neukölln, Reuterstr. 63, a. d. Kaiser- Friedrich- Str. Fritz Muth Buttergroßhandlung Filialen in allen Stadtteilen finden freundl. Parteigenossen Aufnahme, sehr gute Küche( 5 Mahlzeiten), Garten mit Liegewiese direkt am Hause. nahe Wald und Bahnstation, Schwimmbad vorhanden. Pension 3,50 täglich, keine Nebenkosten Albert Karges, Luftkurori Harriehausen( Harz). Genossen, kommt an den Rhein! Pension Basquit Bacharach a. Rh, Auf der Mauer Ganze Peni. 4,50 M. Bad im Hause Zim. m. Frühft. 2.25 M. Rheinterrasse Winterkur Wintersport Schierke Harz PROSPEKT KURVERWALTUNG Sommerfrische Schöna ( Sächs. Schweiz) empfiehlt sich bestens. C- Prospekte durch Gemeindeverwaltung und die Geschäftsstelle des ,, Vorwärts" KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 10 Pt. 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Alexanderplata C& A BRENNINKMEYER Nachdruck von Wort und Bild verbolen] Besuch in Husum Ein Städtebild Von Erich Hübner Storms graue Stadt... Die nordfriesische Küstenlaitdschaft mit ihren weiten, fruchtbaren Marschen und öer ruhelosen See im stetigen Wechsel der Gezeiten hat für den Fremden besonderen Reiz. Theodor Storms Heimat, feiner Vaterstadt Husum, der„grauen Stadt am Meer", wie er sie selbst einmal genannt hat, galt daher mein Besuch. Die ernste, wehmütige Stimmung, die uns aus vielen Werken des Dichterz entgegenklingt, spiegelt so recht das herbe Wesen dieser Landschaft und die Einsamkeit, die der empfindet, der an der Grenze von Wasser und Land im brausenden Winde steht und dem Schrei der auf- und niedergleitenden Möoen lauscht. Storm liebte seine Heimat leidenschaftlich. In Husum wurde er geboren, hier ließ er sich auch als junger Rechtsanwalt nieder und bekleidete in späteren Jahren die Würde eines Amtsrichters. Als er bei der Besetzung Schleswig-Holstoins durch die Dänen mutig gegen die Fremdherrschaft in Wort und Schrift auftrat, mußte er die Stadt verlassen. Di« Tremiung ist ihm schwer geworden, niemals hat er sich damit abfinden können und an keinem anderen Orte hat er sich richtig wohlgefühlt. Mit um so stärkerer Heimatliebe kehrte er dann nach jahrelanger Abwesenheit in seine Vaterstadt zurück. ....im hellen Sonnenschein.. Ganz im Banne hex Schilderung, die uns Storms Gedicht von der„grauen Stadt" gibt, war meine Ueberraschung groß, als sich Husum mir bet hellem Sonnenschein im Schmucke kleiner, sauberer und freundlicher Häuser zeigte und so gar nichts von der Verwl�nschenheit erkennen ließ, die ich mir im stillen vor- gestielt hatte. Als Kreisstadt mit etwa 13 Einwohnern, zugleich Schnellzugstation an der Strecke nach Insel Sylt, hat es in vielfacher Beziehung ein durchaus modernes Gesicht. Aber auch an alter Vergangenheit fehlt ez nicht. Aus Funden ist zu sehen, daß hier schon in der Steinzeit menschliche Siedlungen gestanden haben. In späterer Zeit wuchsen die beiden, im 13. Jahrhundert zuerst erwähnten Dörfer O st e r- und We st erHusum zusehends, da sie ost die durch die verheerenden Sturmfluten von ihren Inseln und Küstenstrichen vertriebene Bevölkerung aufnahmen. Im 15. Jahrhundert mit städtischen Privilegien ausgestattet, entwickelte sich der jetzt Husum genannte Ort wegen seiner günstigen Lage zu einem Handelsplatz von weitreichender Bedeutung. Land- Wirtschaft, Gewerb» und Handel blühten auf und brachten das am Anfang des 17. Jahrhunderts zur Stadt gewordene Weichbild auf den Höhepunkt seines Wohlstandes. Aber auch Schrecken des Krieg«- blieben Husum im Lauf« der Zeit nicht erspart, sei es, daß es unter den feindlichen Dänen oder den„rettenden" Preußen zü leiden ha»«. Ein Spaziergang führt mich durch enge Straßen mit holprigem Pflaster zum Marktplatz. Hier, nicht weit vom Rathaus, steht daz Geburtshaus Storms. Bäume und eins kleine Stein- treppe, die sich ehemals vor dem Haus» befanden, haben allerdings moderner Geschäftstüchtigkeit weichen müssen, und nur eine an der Front angebracht« Tafel erinnert noch an den Dichter. Sein Haus in der Wasserreihe, nahe beim Hafen, das er später be- wohnte, vermittelt den Eindruck behaglicher Ruhe, und ich sehe im Geiste den würdigen Amtsrichter aus dem Fenster schauen. Vom alten, in einfachen Backsteinen erbauten Husumer Schloß ist es nicht weit zum Storm-Dentmal im Stadtpark, dem ehe- maligen Schloßgarten. Das freundliche Gesicht grüßt vom hohen Steinsockel herab den Besucher. Beim Klo st er St. Jürgen, dicht an der Straß« gelegen, ist unter mächtigen, alten Bäumen die R u h e st ä t t e Theodor Storms. die gerade in diesen Tagen Kranzschmuck trägt. „Husum lebt vom V i« h m a r k t." Wer sich aber nach so vielerlei Erinnerung an vergangen« Zeiten vom heutigen Husum ein Bild machen will, der muh es am Tage des Vieh Marktes aufsuchen.„Husum l«bt vom Viehmarkt." Dieser Ausspruch eines Bauern, mit dem ich mich am Tage vorher unterhielt, wird von Bedeutung, wenn man hört, daß dort in guten Zeiten jährlich etwa 100000 Rinder und 19 000 Schaf« verkauft werden und Husums Vieh- markt als Preisregulator für Deutschlands Fleisch- v e r s o r g u n g gilt. Schon am frühen Morgen weckt lautes Ge- brüll die Bewohner in der Nähe des Marktes. Große und kleine Herden Rindvieh durchziehen die Straßen. Zu beiden Seiten gehen die Treiber, die mit kräftigen Rufen und häufigen Stock- schlügen die Tiere in der Bahn halten. Nicht selten kommt es vor, daß sich eine Kuh durch eine Seitenstraße weg selbständig machen will. Dann geht's mit lautem Hallo schnell hinterher, um ihr den Weg abzuschneiden und sie in die Marschordnung zurück- zujogen. Jeder, selbst der kleinst« Knirps, der vom Vater das erstemal mit zum Viehmarkt genommen wird, trägt einen Stock: das Viehtreiberwerkzcug. Auf dem Markt verstärkt sich das Tier. gebrüll zu einem vielstimmigen Chor. Mustergültig sind die An- lagen: lange Reihen eiserner Gestelle dienen zum Festbinden der Tiere, eine besondere Untersuch ungs st elle und die Qua- rantänestation befinden sich am anderen Ende des großen Platzes. Draußen an der Mauer stehen die Autos der Händler, die ein günstiges Geschüjt von weit her gelockt hat. Wenn sich der Tageshandel schließlich seinem Ende nähert, kann man aus den Straßen bequem von einem Kuhfladen in den nächsten trete». Vor der Stadt. Draußen vor der Stadt beginnt der D« i ch. Längs der Husum er Au«, einem ins Land dringenden Meeresarm, der zugleich Fahrtrinne für die Schiffahrt ist. zieht er sich hin bis zum Strand, biegt sodann nach Norden, um kilometerweit das Land vor der stürmenden Flut zu schützen. Unvergeßlich ist ein Spazier- gang aus dem Deich. Nichts ist da von trübem Nebel und grauem Himmel! Hell scheint die Sonne und ein steifer'Nordwestwind treibt einzelne Wolke» mit jagender 5)ast über Land und Meer. Das Kreischen der ruhelos hin und her flatternden Möve» oer- klingt im Brausen des Windes. Hier leuchtet die bunt schimmernde Fläche der Watten, in der Ferne die Insel Nordstrand. von oort grüßt die Stadt über die saftiggrünen Wiesen mit glitzern- den Dächern freundlich herüber. Kühe und Schafe weiden auf dem von vielen Wassergräben durchzogenen Marschland hinter dem Deich. In sanfter Krümmung fällt seine Böschung nach dem Strand ab, um bei Sturmflut den vernichtenden Wogen die Ge- walt zu nehmen, da er ihnen so keine Angriffsfläche bietet. Hinten im Land zieht sich ein anderer Deich hin: was als fruchtbare Erde zwischen beiden liegt, hat man dem Meer, das es an anderer Stelle fortgespült hat, im Laufe vieler Jahre wieder abgewinnen können. So stehen hier Zerstörung und Ausbau in wechselnder Beziehung zueinander. Weiter führt der Weg. Vereinzelt liegt ein Gehöft nnt niedrigem Strohdach wie schutzsuchend hinter den Deich geduckt. Kleine Büsche, die der Wind unbarmherzig zersaust, erheben sich nur wenig über dem Boden. Bei S ch o b ü l l, dessen Kirche ihren Turm kühn in die Luft streckt, hat der Deich vorläufig«in Ende, da sich hier das hochgelegene Geestland weit an den Strand heran vorschiebt. Nicht weit von hier ist der Damm, der die Insel Nord- strand mit dem Festland verbindet. Eine halbe Stunde dauert es, auf schmaler, hölzerner Laufbohle, die mit dem roh aufgeschütteten Steinwerk verankert ist, hinüber zu gelangen. Zur Zeit der Flut dürfte man es nicht wagen, da das vom Wind gepeitschte Wasser den Damm dann ohne große Mühe überschwemmt. Lange, aus Holzstämmen mit Strauchwerkfüllung gebildete Gitter durchziehen weithin die Watten vor der Insel. Sie dienen dem Zweck, den von der Flut angespülten, fruchtbaren Schlamm beim Zu- rückebben des Meeres aufzuhalten und so der Insel neues nutzbares Land zu gewinnen, das nach Verlauf vieler Jahre von einem neuen Deich umschlossen wird. Vor mir, in dunstiger Ferne, erscheint auf der schillernden Wattenfläche ein dunkler Streifen. Schwach nur zeichnen sich einige Erhebungen ab. Das ist die Hallig N o r d st r a n d i s ch- m o o r. Und im Geiste fahre ich hinüber zu den 5)alligen, jenen Ucberrejten der alten Insel Nordstrand, deren Schicksal von der fürchterlichen Sturmflut im Jahre 1634 besiegelt wurde. Von keinem Deich geschützt, sind sie dem Anprall der Nordsee unaufhör- sich ausgesetzt. In vielen Prielen durchzieht das salzige Wasser ihr niedriges Erdreich, mit jeder Flut kostbare Teile davon hin- wegführend und das Land dem Zerfall zutreibend. Nur die Häuser, niedrig gebaut und eng aneinander gedrängt,� stehen auf der Warf, einem einige Meter hoch ausgeschütteten Hügel. Mit zähem Mute verteidigen die Friesen ihr Hab und Gut gegen den blanken Hans: doch ist es fraglich, ob die Halligen einen großen Sturm noch einmal überstehen werden. Di« Dämmerung kommt. Doch zurück zur Stadt. Schon längst ist es dämmerig ge» worden. Kalt weht der Wind von der See herein. Den Himmel färbt hoch oben ein schwaches Graublau, im Westen leuchtet es in glutgelben Farben über einer dunklen Wolkenwand. Wie ein fernes, mächtiges Gebirge mit sanften Hügeln und steilen Zacken schimmert das Wolkengebilde herüber, bis sich die bewegten For- men auslösen, die Farben verblassen und Meer und Wolken sich am Horizont zu einem trüben, undurchsichtigen Grau vereinigen. Noch glänzen die Watten matt vom letzten Tageslicht und lassen die kleinen platzenden Bläschen erkennen. Die weite Fläche ist ein silberner Teppich mit unzählig vielen Mustern von Mövenfllßchen, die ihr« Spur hier hinterlassen I>aben Mit leisem Glucksen durch- dringt die kommende Flut den sich lockernden Schlamm. Dunkel ist jetzt das Meer und die Marsch ringsum. Nur einsame L e u ch t» feuer blinken über die Wasser. Dunkel ist auch mein Weg zu. rück zur Stadt, und Möven und Regenpfeifer wünschen wir gute Nacht. Einsiedler von Shuswap Lahe Eine Begegnung in den Rocky Mountains** Von Karl Moeller Nach langem Suchen hatten wir am User des Shuswap- Sees einen schmalen Pfad entdeckt, der in das Innere des Ur- waldes hineinführte. Wie eine dunkle Mauer standen die hohen Tannen bis an den Rand des Wassers. Ohne die genaue Beschreibung des Krämers auf der letzten Station hätten wir den Weg nie gefunden, zumal schon die Sonne hinter den Bergen der Rocky Mountains unterging. Wir zogen das Mietboot auf de» trockenen Strand und standen nach kurzem Marsch an einer grünen Lichtung. Hier, an dem schmalen Gebirgsbach, fristeten ein paar kümmerliche Laubbäume ihr Leben, und in einem schmalen Biereck war sogar ein kleiner Obst- und Gemüsegarten angelegt, der ver- wildert genug aussah. Und mittendrin stand das abenteuerlichste Haus, das ich jemals gesehen habe. Rohe, unbehauene Baum- stämme waren zu einem niedrig«», langgestreckten Blockhaus auf- einandergestapelt, dessen Ritzen mit hellem Lehm verschmiert waren. Das Dach bestand aus ungleichen Schindeln und das Komischste am ganzen Bau war ein riesiger Schornstein. Eigentlich verdiente er gar nicht dies« Bezeichnung, er sah vielmehr wie die Kranztorte eine- unförmigen Waldungeheuers aus: die Felsbrocken waren so aufeinandergestapelt, daß sie sich nach oben verjüngten und die weiße, erdige Verbindungsmasse glich einem frischen Zuckerguß. Ein« dicke, schwarze Rauchsäule zeigte uns, daß jemand zu Hause sein werde. � Hier also, in dieser einsamen Wildnis, lebte der Bruder eines namhaften deutschen Gelehrten. Auf den Siedlungen in den obst- reichen Tälern Westkanadas hatten wir von ihm gehört und be- schloffen, den Sonderling zu besuchen. Nun waren wir nach langem Wege am Ziel, aber keiner wagte, den Alten aus seiner Ruhe zu stören. Schließlich klopften wir leise an die Tür. Keine Antwort. Wir pochten fester, singen an, laut zu rufen. Niemand meldete sich. Doch die Tür war offen und drinnen am leuchtenden Kamin saß der graubärtige Alte und zeichnet« im Schein des brennenden Kienholzes. „Ihr seid wohl die jungen Deutschen, die mir da geschrieben haben", sagte er langsam,„es freut mich, etwas von draußen zu hören." Unser Kommen hatte er nicht früher bemerkt, weil seine Ohren schlecht sind, wie bei so vielen Menschen, die ein schweres Leben hinter sich haben. Dann tischte er uns gleich seinen ganzen Reichtum aus: ge- backene Florellen aus dem fischreichen See und eine Art Pfannkuchen, die er kunstgerecht am offenen Feuer briet. „Ein altes Vuschinannsessc», laßt es euch schmecken", sagte er. Nachher saßen wir auf Fellen um den Kamin, zu dem der kunstvoll« Schornstein gehörte. Zischend krachten die langen Scheite in der Glut zusammen. An Holz wird hier nicht gespart, denn es kostet ja nichts. Als wir eine Weile von der Heiniat und den neuesten Ereignissen gesprochen hatten, sing der Alt« schließlich von selbst an, aus seineni Leben zu erzählen: Ein junger Bursch, war er als Fahnenflüchtiger von seinem Elternhof i» der Eisel ausgerückt. Aber auch in Amerika hielt es ihn nicht. Er begann ein unruhiges Wanderleben als Seemann. Längere Zeit verbrachte er in dem damals noch unerschlossenen Australien und mehrere Male kehrte er nach Europa zurück, wo er sich ober nicht mehr wohlfühlte. Nach langem Umhcrstreisei, durch Südamerika kam er durch die Vereinigten Staaten nach Kanada. Und hier ist er geblieben. Die hohen, kahlen Täler, die einsamen Seen erinnerten ihn wohl an seine Heimat und im weiten Westen war noch freier Raum genug. Seine Augen glänzten, als er von jenen Tagen erzählte, wo nur Trapper und Holzfäller in den Gebirge» lebten. Dann kau? die Regierung und begann das Land zu vermessen, denn das Holz wurde kostbar. „So ließ ich mir als alter, gebrechlicher Mann auch eine Heim- statte geben, rodete dos vorgeschrieben« Stück und baute mir eine notdürftige Behausung", endete er. „Wovon leben Si« heute?" fragte ich. Da taute der Graukbpf mächtig auf. Erregt antwortete er: „Jeder Mensch hätte heute genug zum Leben, wenn nicht die Hochmut der Städte bestünde. Der Wald gibt mir genug Tiere und Früchte. Der See wimmelt von Fischen und viel mehr brauch« ich nicht. Kleider und Geräte fertige ich selbst an und an den langen Abenden pinsele ich kleine Bilder aufs Papier von dein, was ich tagsüber sehe. Ab und zu kaust ein Tourist aus der Station ein Bildchen und davon habe ich mir die neuen Errungenschaften der Technik, die ich benötige, gekauft." Und er zeigte uns seinen großen Radioapparat, mit dem er die Verbindung mit der Außenwelt aufrechterhält, sein« blitz- blanke Büchse und ein Fernrohr zur Jagd und das Malzeug. Zwischen leeren Konservenbüchsen, trocknenden Kräutern und Fellen kramte er auch ein paar fertige Bilder hervor, die immer wieder den See, das Gebirge und feine hehre Einsamkeit zeigen. An dem einzigen Kopfhörer hörten wir nacheinander aus Chikago di« Bekanntgabe der neuesten Kurse, wobei der Alte nur überlegen lächelte. Dann legten wir uns auf den Boden zur Ruhe. In der stillen, langen Nacht, in der nur das Zusammenbrechen des Holzseuers zu hören war, träumte ich zum ersten Male seit meiner Kindheit wieder von Robinson und seiner Hütte. Am Morgen fuhren wir mit dem Boot über den Shuswap Lake zu einem neuen Holzfätlerlager, dos der Alte besuchen wollte, um die Fischlieferung für den Koch zu erhalten. Es war nur eine kleine Gruppe von Schweden, die in Zelten lebten und gerade damit beschäftigt waren, eine Abfahrtsrinne für das ge- schlagene Holz zu bauen. Aus der Rückfahrt berichtete unser Freund von dem Schicksal des Sees, das ihn traurig machte: „Als ich mit ein paar Freunden vor zwanzig Jahren hierher kam, waren wir noch die einzige», die sich außer de» paar Leute» auf der Bahnstation hier niedergelassen hatten. Jetzt müssen die Jäger und Fischer immer weiter nach Norden zurückweichen und die Indianer hat man schon lange vertrieben. Sie leben jetzt oben in der Columbia Range, deren schneebedeckte Gipfel dort am Ende des Sees leuchten. Ich wollte schon immer mal hin, aber ich glaube, ich bin zu alt. Ich muß auf meinem Platz bleiben, trotzdem mir widerwärtige Touristen, wuchernde Holzhändler und alle Monat einmal der Postdampfer aus den Hals rücken. Aus der kleinen Trappsrftation ist mittlerweile ein großes Hotel geworden, das abenteuerlustige Städter aufnimmt. Kramläden und Säge- wühlen haben sich ringsherum ausgetan und jetzt gerade beginne» sie zehn Minuten von meinem Haus entfernt am Strand mit den» Bau einer S o m m e r v i l l a für irgendein hohes Regierungstier. Gott gebe, daß ich nicht mehr bin, wenn der mir liebe Ort S i c a m o u s zu einer Stadt erniedrigt wird mit lauten Bretter- budencafes und einem elenden Kino. Lange werde ich ja nicht mehr mitmachen und eines Tages werden sie mich steif und un» beweglich an meinem Kamin liegend auffinden." Spriducövter aus einem Jahrlaufend Rotzige Leute wollen immer den andern die Nase putzen. Der leere Eimer steigt in die Höhe. Wer klug ist, legt die Hand nicht zwischen Hammer und Amboß, Der Kluge düngt seine Felder nicht mit Salzwasser. Ein Löffel voll Tat ist besser als ein Scheffel voll Rat. Es ist ein böser Vogel, der in sein eigen Nest hofiert. Begierde setzt Sporen in die Haut. Wenn die Sintflut kommt, wollen alle Fische werden. � Ungelegte Eier geben ungewisse Küchlein. Kusxsvitdlt von �Vaitber G. Osdiilowslci. 'Opel schon von 1890 ab werk RM AN „ Die Hoffnung des Wolfgang Binder" zorbal Theater am Schiffbauerdamm Im Laufe der Jahre haben sich wohl an zwanzig meiner näheren Bekannten, homoferuell veranlagt und verschüchtert und verhetzt durch die Unduldsamkeit der Gesetze und der Gesellschaft, umgebracht. Unter den Selbstmördern waren zwei meiner Lehrer und ein hochbegabter Studienkamerad, über deren besondere Natur wir erst durch den Klatsch nach ihrem Tode die betrüblichen Einzelheiten erfuhren Der junge Schriftsteller Wolf Ullrich Hasse, wirklich ein Junger, denn er wurde erst 1910 geboren, schreibt eine dieser Tragödien für das Theater um. Man staunt über den noch ungeübten Quellensucher nach seelischen Rätseln, denn es gehört ja Mut dazu, ein so unbeliebtes Thema zu wählen. Hasse vertieft sich in das Schwierigste, in das Unnormale. und es soll derart als Kunstwerk geformt werden, daß die ins Allgemeine hineingreifende Bedeutung wichtiger ist als die medizinische Kuriosität. Die dem jungen Dramatiker vertraute Welt ist die Prima des Gymnasiums. Die Lehrer sind halbe Zeloten, sonst ganz brav. Wird einer von den Jungen im Gebüsch mit einem Mädel ertappt, dann drücken sie verständig ein Auge zu. Kommen sie aber dem Jobst Karde und dem Torry Eyck darauf, daß sie in altgriechischr Manier fündigen, dann steht den Schulerziehern der Philologenverstand stille. Sie sehen die Tragödie nicht, sie zetern nur über Schweinerei und sind zufrieden, daß der Karde, der als Anstister und Verführer gilt, vom Penal und Elternhaus gejagt wird. Für diesen unglücklichen Jobst nimmt Hasse Partei. Als einen mutigen Jungen läßt er ihn in die Welt ziehen. Komplizierter ist der von den Lehrern begnadigte Torry. Denn er ist ein Duckmäuser und Feigling, ein faltblütiger Lockvogel, der sich als Opfer ausgibt, während er sich doch allzu willig angeboten hat. Knallt am Schlusse der Schülertragödie der Selbstmörderschuß. so trifft er weder den koketten Torry, noch den energischen Jobst, sondern den lyrischen Wolfgang Binder, den die Verwirrung am grausamsten packt, weil seine Sehnsucht immer betrogen wurde, weil die peinigende Entsagung ihn vollständig zerstörte. Das soll die psychologische Feinheitspointe des Schauspiels sein, die tragische Ueberraschung kommt jedoch zu plötzlich. Der Dramatiker hat geflügelt und gekünftelt, zu schwächlich ist er noch, um solche Kompliziertheit logisch anzulegen. Für den jungen Dramatiker gewinnt aber, daß er die älteren Leute beinahe besser kennt als die Jungen. Für die Altersgenossen hat er nur gefühlvolle Lyrik parat, für die Lehrerkonferenz auch ein wenig Tendenz und Satire. Aus all diesen Elementen entsteht eine noch zaghafte, vielleicht aber entwicklungsfähige Dramatit. Adam Kuckhoff ist Regisseur und Organisator der Entdeckervorstellung. Mit den primitivsten Notstandsmitteln bewältigt er das Stück, das im Grunde aber gar nicht mehr stürmisch primitiv, sondern schon ziemlich überaltert wirkt. Und das ist das Bedenklichste Der Schmuck als Kunstwerk. Ausstellung im Alten Museum. Alles, was die Schäße der Museen aus ihrer Haft befreien, sie bewegen, in neues Licht rücken fann, verdient Zustimmung. Der GoPlan der Generalverwaltung unserer staatlichen Sammlungen, unter wechselndem Thema erlesene Stücke aus dem Besiz der verschiedenen Museen zu kleinen Ausstellungen zusammenzufügen, tann nur anerkennend begrüßt werden. Nachdem mit einer schönen Ausstellung von Bildnissen aller Beiten eine erste Extraft- Schau gegeben war, folgt nun im Obergeschoß des Alten Museums ein Querschnitt durch das Gebiet des kunsthandwerklichen Schmuckes. Professor 3 ahn hat ihn aus den Beständen verschiedener Museen zusammengestellt. Auch der Kenner der Berliner öffentlichen Sammlungen wird das meiste noch nie gesehen, jedenfalls nie recht beachtet und zu einer Gesamtanschauung der Schmuckkunst verwertet haben. Das Unternehmen beschränkt sich allerdings auf den Kulturkreis der alten Welt", schließt also den erotischen Schmuck und außerdem die modernen Erzeugnisse aus. Sehr konsequent ist eine solche Abgrenzung schwerlich. Was geboten ist, wirtt um so fragmentarischer, als spätes Mittelalter, Renaissance, Barod und die Stile des achtzehn ten Jahrhunderts nur durch ein paar Zufallsproben vertreten sind. Wichtige Blütezeiten der Schmuckunst fallen demnach fast aus. Wenn unsere staatlichen Sammlungen arm find an Beispielen für diese Epochen, so hätte man die Ausstellung getrost von anderer Seite her ergänzen sollen. | | Qualität an dem jungen Dichter, der seine Kühnheit beteuert. Die Primanerszenen spielen auf der Bühnenfläche, die Lehrer- und Familienszenen im Etagenaufbau. Einminutenszenen und Zehnminutenszenen, Produkte der dramaturgischen Ungeschicklichkeit, müssen von dem Regisseur gerettet werden. Peter Wolff, Peter Elsholz, Carl Ludwig Schreiber spielen die drei tragischen Jungen sehr munter, doch ohne Nuancierung, sie spielen nur mit Zufallexplosionen, nur mit einer Deflamation, die dem Dilettantischen allzu nahe tommt. Und Beter Wolff, der nun doch schon fünf oder sechs Jahre lang Zeit hatte, sich aus einem viel versprechenden Theaterknaben zu einem ordentlich sprechenden Theaterjüngling zu erziehen, scheint gar nicht den Ehrgeiz zu haben, daß man seine Worte auch verstehe. ,, Geliebtes Berlin." Eine Stunde mit Paul Graeg. M. H. Diese Veranstaltung im Programm der Berliner Funkstunde bewies, mit wie geringem äußerem Aufwand sich wirklich erfreuliche, gehaltvolle Unterhaltung für den Rundfunkhörer schaffen läßt. Welchem echten Berliner hätte bei dieser Stunde mit Baul Graetz nicht das Herz im Leibe gelacht! Man hörte Berlin? Man sah es. Zuerst zwar nur als verblichenes Bilderbogenbild, das man staunend und doch mit einem kleinen verwandtschaftlichen Gefühl im Herzen belächelte; die Familienähnlichkeit blieb unverkennbar. Paul Graet kennt sich da aus; er sieht und liebt und versteht das Berliner Heute auch im Gestern. Und deshalb gab es in seinen Vorträgen feinen Bruch, feinen noch so dünnen Trennungsstrich zwischen Literatur und Volkstümlichem. für Jeden GeldBedeutende und unbedeutende Dichtungen flangen in diesem Grundton zusammen, glitten unmerklich ineinander über, Worte, Bilder, die Leben wurden. Mietkasernen, die vom Frühling träumen und ihn nie sehen, die Weidendammbrüde, Treptow und ein bißchen weiter draußen Fontanes Landschaft; nicht die amerikanisierte, heute vom Pleitegeier überschattete Weltstadt das Berlin der kleinen Leute. Mit Berliner Zärtlichkeit, mit Rührung, die sich ihrer selbst schämt und sich so rasch wie möglich wieder hinter einer gehörigen Portion Schnoddrigkeit versteckt, zeichnete Graetz die Berliner Proletariermutter nach, und rasch und liebevoll tupfte er Vater Zille hin. Die Zwischentöne, die Untertöne waren es, die dieser Darbietung ihre besondere Stimmung gaben. Dafür hatte der Verwalter des musikalischen Teiles freilich wenig Gehör; statt flarer Töne goß er dunkel strömende Seele zwischen diese Rezitationen; glücklicherweise in nicht allzu großen und aufdringlichen Mengen. Die neue ,, Ariadne". Lindenoper. Tes. Von allem rein Artistischem, von allem föstlich Künstlichem, das Strauß je schrieb, ist die Ariadne"-Partitur ganz sicherlich das Künstlichste und Köstlichste zugleich; ganz Wert von 1912, filberner Traum, von Hofmannsthal geträumt, ein in den leisesten Lasuren schimmerndes Erzeugnis einer späten, in sich selbst maßlos verliebten lebensfernen Kunst von pretiöser Anmut, zarter Trauer und graziler Dekadenz. Schwerloses Spiel der Text: labiles Gleich gewicht in durcheinander parodierter Tragit und skurriler Lustigkeit; dann die Musik: ein Höhepunkt an Können, Technik, Raffinement, ein Kreuzungspunkt von Stilen, musikalischen Kulturen, Neuem, Altem.... Das weiße Licht, das Mozart heißt, erglänzt aufs neue, wenn auch gebrochen vielfach durch das Prisma der Romantit, farbig wenn auch gebrochen vielfach durch das Prisma der Romantit, farbig zerlegt, vitaler Kraft beraubt. Das ganze Werk ist waches Träumen, steptisches Spiel und spielerische Stepsis, auflösende und aufgelöste Spätromantik, kraftlose Schönheit, l'art pour l'art in Reinfultur: all dies vollkommen aber. Die Inszenierung Tietjens ist ein großer und geglückter Wurf. Preetorius' Gesamtausstattung Kostüme, Bilder, Lichteffekte all das ist angemessen, fontrastreich, wirkungsvoll. Naturalistisch ganz das Vorspiel: tahle Kulissenwelt des Theaterfaals; in schwerem Spätbarod der stilgebundene Opernschauplah; sternübersätes Fimament zum Schluß, romantisch- lyrisch. $ Brachtvoll Regie und Spiel( dies noch gehemmt am Anfang, in um so größerer Freiheit später aber), das Ausspielen des Bühnen raumes, das lockere, gelöste und wieder straffe Gegeneinander- und 3usammenspiel der Einzelnen, der Gruppen. Prachtvoll auch Leo Blech am Bult und der Orchesterklang. Der Stern des Abends, Trumpf und Triumph der Aufführung jedoch heißt Joogün derart vollendet, in so glockenklarer Reinheit, in so geschliffener Virtuofität perlender Läufe, blizender Staccati, funkelnder Passagen singt ihr die Zerbinetta feiner nach. Bon Domgraf- Faß bänder geführt( Fuchs; Witting, Rödin sind die andern), ist das Quintett der Buffonisten unterhaltsam und beweglich, außer ordentlich sicher, amüsant. Anni Konezni ist Ariadne: nobel in der Kantilene, ganz feierliche Primadonna der seriösen Oper. Als Bacchus ist der Gast Mar Lorenz ganz sympathisch( doch kaum mehr, etwas zu glanzlos in der Stimme). Gut besetzt sind auch die Kleineren Partien, der spröde Komponist der Heidersbach, Großmanns Musiklehrer, das Nymphentrio und so fort. Großer Erfolg und rauschender Applaus für alle; der größte, rauschendſte, der sich zu hellem Jubel steigert, gilt dem Schöpfer dieses Wunders: dem Meister Richard Strauß. Kommt aber der Wunsch nach schmuckgeschichtlichem Ueberblick zu kurz, so wird die unmittelbar am Zauber der Arbeiten sich erfreuende Betrachtung reich genug belohnt. Das Gold herrscht vor, zumal im antiken Schmuck Kleinasiens, Griechenlands und Roms. Mit dem von Schliemann ausgegrabenen Goldschatz Trojas hebt die Reihe der gleißenden Herrlichkeiten an, die sich in goldenen Halsketten, Stirnbändern, Agraffen, Ohrgehängen ausbreiten. Der Stilwandel und die technischen Veränderungen, wie sie besonders Die römischen Stüde aufweisen, lassen sich hier an einem erstaunlich reichen Material verfolgen. Die nubischen Manschetten in emailliertem Gold, der naturalistisch in Goldblech nachgebildete Delblatt franz aus der tassischen Zeit griechischer Kunst, ein unendlich subtil gearbeitetes Rantengewinde mit Blütchen und winzigen Spiralen aus dem blizenden Metall: das sind so ein paar Gianzstücke. Und dann Proben aus frühchriftlicher, byzantinischer, islamischer Sphäre, ein ganz aus der Reihe fallender slavischer Silberfund von 1100 n. Chr. und ein zweiter, ebenfalls in der Mark gemachter geschlosse ner Silberfund aus dem 14. Jahrhundert, der geradezu die Aus lage eines damaligen Schmuckladens darzubieten scheint. In vollitu tommenem Gegensatz zu allen schlichten und impofanten Stücken Die wiederhergestellte Brudner- Orgel. Im Stift St. Flori des antiken Bereiches die Beispiele deutschen Volksschmuckes in an bei Linz wurde die wiederhergestellte Bruckner- Orgel, die nunfrauser Häufung von reichem Goldschmiedewerk und bunten Steinen, mehr die größte Orgel Desterreichs ist, geweiht. Bruckners be= wo sich etwa fazettierte Goldblechkugeln in Pfirsichgröße zur Kette rühmtes Tedeum" wurde zu Gehör gebracht. in Stette A. W. reihen. Oder auch die mit Rubinen und Berlen unbekümmert über- bau Eisenstein will wieder in Rußland filmen. Der Regisseur säten Ordenstetten und Jagdgesellschafts- Gehänge, die Eichenblatt- S. M. Eisenstein, foeben mit einer riesigen Ausbeute an Filmsträuße und Enbleme Dresdener Arbeit aus dem 17. Jahrhundert. material von Merito zurückgekehrt, beabsichtigt nunmehr das Feld So treten immerhin einige große Kontraste heraus: Volksschmuck seiner Tätigkeit wieder nach Rußland zu verlegen. Sein nächster und höfischer Brunt, antife und germanische Formenwelt, spröde Film soll aus dem Leben des heutigen Rußland gegriffen sein. Einfachheit früher Geschmadsstufen und übersteigertes Raffinement gefättigter Epochen. Der heutige Mensch, gegen alle Schmuckform mißtrauisch, schon durch ein gründlich verändertes Sozialbewußtsein jeder Burschaustellung von glänzenden Kostbarkeiten abgeneigt, geht geblendet und verwundert zwischen den Schäzen verstorbener Beiten hindurch, immer voll Bewunderung für die Feinheit der handwerklichen Leistungen, leise umschauert von dem Blutgeruch und den Dünsten der Gier, des Hochmuts und der herrischen Eitelkeit, die an alledem haften. Willi Wolfradt. Die Goethe- Ehrung der Universität Berlin. Die Universität Berlin veranstaltet in den Monaten Mai und Juni eine wissenschaftliche Ehrung 14 schaftliches Berennmis su Goethes Berſonlichkeit und Wert ablegen. Die Vorträge finden in der neuen Aula der Universität statt. Es sprechen am 6. Mai Prof. Dr. Kohlrausch über:„ Goethe und das Recht"; am 10. Mai Prof. Dr. Wächter über:„ Goethe und der Staat". 2081 die Uraufführung des szenischen Chorwerts„ Mann im Beton" von ,, Mann im Beton." Am 8. Mai, 7.30 Uhr, erfolgt in der Singakademie alter Gronostay( Text: R. A. Stemmle und G. Weifenborn). Veranstalter: Berliner Schubert- Chor. Dirigent: Helmut Koch. Regie: Gerhart Henschke. Intendant Carl Ebert hat das neueste Werk von Prof. Franz Schrefer Die Ramera zeigt ab Freitag Ein Staatsfer I", eine grofeste Der Schmied von Gent"( große Bauberoper in 3 Atten) für die erworben bentel! 00 Das hat unser Wettbewerb: Was kostet LeineWeber- Qualität heute?: klar erwiesen. Schon 1930 war Leineweber ,, das Haus das Jeden anzieht"- erst recht 1932, denn unsere scharf kalkulierten Preise gehen mit der Zeit: 1930 15 56, 685 折 43. 38 Herren Anzug reinwollene Kammgarnware, aus vorzüglich. Wollmaterial bis ins Detail mustergültig verarbeitet und von vollendeter Paßform Mantel Herren 100% iges, reinwollenes Kammgarnmaterial feingarnig, ganz dicht gewebt und bestens imprägniert, auf Kamelhaar gearbeitet. 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Schlechtes Regattawetter gestern bei den Wettfahrten der Freien Segler 30- Quadratmeter- Rennjachten: Windhund 2: 1,11. 22- Quadratmeter- Nationale- Jollen, A: Jenny 1: 47,30, B: Espero 2: 02,52. 20- Quadratmeter- Rennjollen, A: Greif 1: 53,43, B: Loti 2: 02,21. 20- Quadratmeter- Wanderjollen: Teufel 2: 00,06. 15- Quadratmeter- Rennjollen, A: Lucifer II 1: 52,33, B: 60Im Kreise Berlin des Freien Geglerverbandes erzielte Biechen" in der 17. Klasse, während Neptun" Zweiter fanden gestern die ersten Segelregatten statt. Auf dem wurde. Teller Heini" mußte wegen zmeimaligen Pajjierens der Langen und Seddinsee im Osten ließ das falte und un- Ziellinie distanziert werden. freundliche Wetter von den gemeldeten Booten 29 ausfallen Bei schwachen Nordwest von 1 bis 1½ Sefundenmeter gab es cuf dem ersten Schlag an der Rohrwallinsel ein heftiges Gedränge. Der etwas auffrischende Wind zog später auf dem Seddinsee die Felder zelle II 2: 03,35. 15- Quadratmeter- Wanderjollen, A: Juwel 1: 52,26, B: Sturmauseinander; seltsamerweise war keine der Wendemarken von einem 2: 19,19. Ausgleichskreuzer: Niobe 2: 18,11. Ausgleichsjollenkreuzer: Mürig Kontrollmotorboot besetzt. Der Weitfahrtausschuß hat nach einer 2: 22,40. 10- Quadratmeter- Rennjollen, A: Silberbob 1: 01,15, B: Ahoi 1: 16,40. Startverschiebung von 30 Minuten nur verkürzte Bahn fahren Frigga 2: 01,17; Größe 2: Tartane 2: 04,16; Größe 3: Fraternitas 2: 17,00; 10- Quadratmeter- Wanderjollen: Mudi 1: 03,30. Ausgleichsjollen, Größe 1: Größe 4: La Paloma 1: 08,49; Größe 5: Rismet 1: 01,34; Größe 6: Biechen 1: 06,54; Größe 7: Satan 1: 11,38. lassen. " Von den 30- Quadratmeter- Rennjachten und den 22- Quadratmeter- Nationalen- Jollen starteten Windhund" und Jenny" ohne Konkurrenz. Auch„ Espero" fuhr in der B- Klasse allein; Jenny" wurde mit einer gesegelten Zeit von 1: 47,30 schnellstes Boot der großen Bahn. Die 20- Quadratmeter- Rennjolle Greif" fonnte 7 Minuten vor„ Helios" als Sieger durchs Ziel" gehen, Filou" belegte den dritten Play, trozdem er bis zur Kreuzstrecke auf dem Seddinsee als Zweiter lag. In der B- Klasse wurden Loki" und Trudi" Sieger. In der 20- Quadratmeter- Wanderjollen- Klasse gelang es diesmal„ Teufel" vor„ Gerdel" des gleichen Vereins mit 4' Minuten Vorsprung durchs Ziel zu gehen. Bei den 15- Quadratmeter- Rennjollen lag ,, Lucifer II" Dom Start an als sicherer Sieger vorn, Wienerin" tam diesmal nur auf den zweiten Platz. Sehr gut hielt sich Frieda", die bisher als Halbrennjolle fuhr und gestern Dritter wurde vor Schnulli", die fast bis zum Schluß an dieser Stelle lag, aber auf dem vorletzten Schlag noch aufbrummte. Triumph" gab auf. In der B- Klaffe siegte Gazelle" vor„ Rudi". „ Daimon" machte mit den Ausläufern der Gosener Berge Bekanntschaft und fuhr auf dem Sedddinsee vollständig fest. Gazelle II" siegte in der B- Klasse vor ,, Rudi". " " Sehr gute Zeiten wurden von den 15- Quadratmeter- Wanderjollen gefegelt.„ Juwel", der Sieger der stark bejezten Klaſſe, " " gesell 2: 05,35. halb 15 Minuten auf 13: 1 bringen fonnte. Damit schienen bie Weddinger genug zu haben. Nordring hatte nun etwas mehr vom Spiel. In der 25. Minute gelang ihnen dann auch der zweite Treffer, dem zwei Minuten später der dritte angereiht wurde. Mif 13: 3 blieb Wedding wieder einmal, wie schon so oft in den Vorjahren, Handballmeister des Kreises Berlin- Brandenburg. Kleiner Sport von überall BSV. 92 zum 7. Male Hockeymeister. Im Rückspiel um die Berliner Hockeymeisterschaft der bürgerlichen Vereine zwischen dem 20.Quadratmeter- Rielboote, A: Sohiho 2: 06,09, B: Tubbi Sportverein 92 und dem THC. 99 Friedenau leiſteten die 99er 1 Auf dem Tegeler See Die Wettfahrten der Gruppe West auf dem Tegeler See litten stark unter der Ungunst der Witterung. Regnerisch, kühl und ein ichwacher Wind von 1 bis 2 Sekundenmeter, der zeitweise gänzlich einzuschlafen drohte, so war die Situation. So stellten sich denn von 59 gemeldeten Booten nur 33 dem Starter. Die schwach be= fezten Klassen und der Vorteil der Flautenschieber gegenüber den Schwerwetterbooten boten keine Gelegenheit zu größeren Kämpfen. In der 20- Quadratmeter- Rennjollen- A- Klasse wurden zum Beispiel Zeitunterschiede bis zu einer Stunde herausgesegelt. Z 124 und Z 122 lieferten sich einen spannenden Kampf; Z 124 Krümel", als legter vom Start wegkommend, holte gut auf, und nach abwechselnder Führung mit Z 122 Maja II" lief die technisch besser gesteuerte ,, Krümel" mit 2 Min. 36 Set. Vorsprung als Erste durch die Ziellinie, gleichzeitig schnellstes Boot der großen Bahn werdend. In der 30- Quadratmeter- Rennjachtenklasse konnte sich die anfangs weit zurückliegende ,, Thetis" den Sieg sichern ,,, Libelle" um 1 Min. 3 Set. aufsegelnd. Die Führung gab Fridolin II" aus der siegte vor dem 9 Min. 44 Sef. später einkommenden„ Seelöwe II". 15- Quadratmeter- Wanderjollen- A- Klasse nicht aus der Hand und den übrigen Klassen war das Nichtstarten besonders groß, und teilweise waren schon beim Starten die Sieger auszumachen. 20Ausgleichsklasse: A 140 Alabautermann( E. Fischer, TSV.) 2: 40,20. 1 30- Quadratmeter- Rennjachten: 222 Thetis( E. Birred, TSV.) 2: 38,05. Quadratmeter- Jollenkreuzer: W 20 Libelle II( R. Winkelmann, WSVN.) 2: 54,40. 20- Quadratmeter- Rennjollen, A: 3 124 Krümel( G. Dübler, WSVN.) 2: 18,48. 20- Quadratmeter- Rennjollen, B: 3 109 Hummel II( M. Bien, WSVN.) 15- Quadratmeter- Wanderjollen, A: 96 Fridolin II( A. Reußner, 15- Quadratermeter- Jollenkreuzer: 0 6 Inge( W. Borrash, 3: 03.12. WSVN.) 2: 30,32. SCWH.) 3: 37,42. GCWH.) 1: 43,30. 10- Quadratmeter- Wanderjollen: B 75 Pilot( E. Gerhardt, Ausgleichsjollen, 12. Klaffe: II 166 Möwe( O. Flohr, FSG.) 3: 16.50. Ausgleichsjollen, 13. Klaffe: III 411 Kolumbus IV( B. Lonte, FSW.) 1: 39,45. I Ausgleichsjollen, 14. Alaffe: II 161 Seeadler( V. Bokowskn, 63.) 1: 41,10. Ausgleichsjollen, 15. Klasse: II 322 Lümmel( A. Gehrke, FSW.) 1: 51,10. Vereinsregatta ,, Aufwärts". fuhr noch einige Sekunden schneller als das schnellste Boot der 15- Quadratmeter- Rennklasse. Erst 11 Minuten später ging ,, Libelle" als Zweite durchs Ziel. Seeteufel" und" Amoy" wurden Dritter und Vierter. In der B- Klasse machte Sturmgesell" das Rennen. Die 20- Quadratmeter- Rielbootflasse, die fast nur von den Tourenfeglern Grünau bestritten wurde, brachte diesem Verein auch die Siege in beiden Klassen, Hohiho" und„ Tuddi" wurden Erster, ,, Alraune" in der B- Klasse" 3weiter. Bei den Kreuzern der 8. Klasse wogte der Kampf zwischen Sturmgesell" und Niobe" die als Erste durch den Start ging lange hin und her. Schließlich fiegte aber doch Niobe", die auf der Kreuzstrede gut vorgekommen war. Auch bei den Jollenkreuzern verschob sich das Bild noch zum Schluß, und Mürig" siegte mit fast drei Minuten Vorsprung vor ,, Sonnenbruder". Bei den 10- Quadratmeter- Rennjollen war ,, Silberbob" nicht zu schlagen und wurde mit 1: 01,15 Minuten schnellstes Boot der kleinen Bahn. Zweiter wurde ,, Edith II" vom gleichen Verein. In der B- Klasse siegte„ Ahoi". Auch bei den 10- Quadratmeter- Wanderjollen ging der Sieger aus den Tourenseglern Grünau hervor, die gestern ihren guten Tag hatten und von den 17 Klassen 10 Erste für sich buchen konnten. ,.Mudi" ging vor Wodan" und Annekin" durchs Ziel, während der„ Seebär" als Vierter einen Konkurrenten fast gerammt hätte. Bei den Ausgleichsjollen waren in der 12. und 13. Klasse Frigga" und ,, Tartane" die Sieger ,,, Tonida" und Ida" wurden Zweiter. Das Jugendboot Fraternitas" fuhr in der 14. Klasse ohne Konfurrenz, während in der 15. Klasse La Paloma" siegte. Auch in der 16. und 18. Klasse gab es feine Gegner. Eine sehr gute Zeit Männer, über 1000 Meter: 1. Rosenzweig- Hartmann mit 6,4; 2. Wenzel- Schulz Bei typischem Himmelfahrtswetter fand gestern auf dem Tegeler See die Vereins- Regatta der Freien Wasserfahrer „ Aufwärts" statt. Trozdem in den Vormittagsstunden Regen einsetzte, ließ die Beteiligung nichts zu wünschen übrig, so daß die für den Nachmittag vorgesehene Beranstaltung bei inzwischen ge= besserter Wetterlage glatt von statten ging. Die Beteiligung an den einzelnen Rennen war gut. Doppeltajat, Klasse V, gemischte Mannschaft, über 600 Meter: 1. Buch holz- Buchholz mit 4,8; 2. Wenzel- Dittrich mit 4,15; 3. Richter- Richter mit 4,17%. Doppelkajak, Klasse IV, Scharpie, für gemischte Mannschaft, über 600 Meter: 1. Ulbrich- Gossed mit 4,23; 2. Beter- Duge mit 4.28%; 3. SchulzMöller mit 4,34%. Faltboote fit Männer, Klasse X, über 1000 Meter: 1. Richter- Unger mit 6,13%; 2. Rosenzweig- Hartmann mit 6,59%; 3. MöllerVed mit 7,34. Einer mit Steuermann, über 1000 Meter: 1. Zapf mit 6,0%; 2. Kronfeld mit 6,5%; 3. Prinz mit 6,5%. Doppeltajat, Alaffe für mit 6,6; 3. Unger- Möller mit 6,21%. Der Tag der Meisterschaften Volkssport Neukölln Hockeymeister- Wedding siegt im Handball zwar bedeutend mehr Widerstand als bei der ersten Begegnung, aber auch diesmal wurden sie geschlagen, und zwar mit 2: 1( 1: 1). Der Sportverein holte sich damit zum 7. Male den Meistertitel. BSC. besiegt SCC. im Leichtathletik- klubkampf. Auf dem Pla des SC. Charlottenburg am Bahnhof Eichkamp trafen sich am Himmelfahrtstage die Leichtathleten der beiden führenden bürgerlichen Vereine der Reichshauptstadt, des SC. Charlottenburg und des Berliner Sport- Clubs, zu dem mit Spannung erwarteten Klubkampf, der aus elf Einzelwettbewerben und zwei Staffeir beſtand. Int Gesamtergebnis siegte der Berliner Sportctus mit 252 213 Punkten. ,, Quer durch Berlin" der Ruderer. Zum vierten Male brachte der Spree- Havel- Ruderverband am Himmelfahrtstag das Versoigungsrennen Quer durch Berlin" auf der Innenspree zur Durchführung. Der Start zu dieser bürgerlichen Ruderwettfahrt des Jahres erfolgte am Schlütersteg( Bahnhof Friedrichstraße), das Ziel lag wieder zwischen der Charlottenburger Schloßbrücke und dem Behnhof Jungfernheide. Im Spree apel ter siegte der Berliner RC. in 31:05 Minuten vor Berliner RC. 31:31. Die Berliner Olympia- Radrennbahn wartet morgen, Sonnabend, um 17 Uhr, mit ihrer zweiten Trainingsveranstaltung auf. Neben gut befeßten Fliegerrennen für Berufsfahrer und Amateure werden auch zwei Dauerrennen über 20 und 30 Kilometer geboten, an denen u. a. Ehmer, der Hallenser Horn und Pawlac- Forst teilnehmen werden. Volkssport Neukölln- Britz wirbt Wir kurbeln an! Unter dieser Parole führt der Arbeitersportverein ,, Volkssport Neukölln Briz" im Monat Mai eine großzügige Werbeaktion durch. Oft schon haben wir uns an die sporttreibenden Arbeitnehmer gewandt um sie für die auf sozialistischem Boden stehende Arbeitersportbewegung zu gewinnen. Wir wollen weiter, wir müssen durch. Neuland gilt es zu erobern. Noch stehen zuviele abseits, zuviel in den Reihen der bürgerlichen Sportbewegung. Deshalb: Her zu uns, Gesinnungsfreunde, Repu blikaner, her zu uns Freigemerfschaftler und Parteimitglieder. Wir furbeln an! Die nächsten Veranstaltungen bieten Gelegenheit, die turn, spiel- und sporttechnische Leistungsfähigkeit des Vereins zu beweisen. Der 8. Mai vereint alle auf dem städtischen Spielplatz in der Sonnenallee zu einem Berbeturntag. Zum Ansporteln des Kartells am 22. Mai auf Platz 2 im Neuköllner Sportpark marschiert der Volkssport in vorderster Front. Werbeabend der Altersabteilung am 6. Mai, 20 Uhr, Turnhalle Donaustraße 120. Werbung der 3. Frauen- Abteilung am 12. Mai, 20 Uhr in der Turnhalle KaiserFriedrich- Straße 4. Der wirtschaftlichen Notlage entsprechend werden im Werbes monat feine Aufnahmegebühren erhoben, der Monat Mai ist bei= tragsfrei. Auskünfte aller Art erteilt die Geschäftsstelle Baul Schulze, Neukölln, Stuttgarter Str. 18, Telephon Neukölln F2 8612. Bundestreue Vereine teilen mit: Touristenverein Die Naturfreunde". Freitag, 6. Mai. Abt. Humboldthain: Maijugendtag fällt aus. Photoarbeitsgemeinschaft: Franke, Johannisstraße 15( Dunkeltammer). Photoarbeitsgemeinschaft Neukölln: Bergstr. 29. Photoarbeitsgemeinschaft Osten: Frankfurter Allee 307. Ergebnisse der Nachtaufnahmen. Programmausarbeitung für die Bilderferie Wanderfahrt". Faltbootabteilung: Johannisstr. 15. Geschäftliches, Gingfang. Vinetaplaz Schönhauser Borstadt: Lorging- Ede Graunstraße. Südost: Manteuffelstr. 7. Lustiges aus Sachsen. Charlottenburg: Spreeftr. 30. Geschäftliches. Briz: Chauffeestr. 48, Rathaus. Geschäftliches. Treptow: Elsenstr. 3, am Bahnhof. Geschäftliches. Montag, 9. Mai. Malgemeinschaft: Manteuffelstr. 7, Jugendheim. Malübungen. Photostammgruppe: Johannisstr. 15. Geschäftliches. Teco spricht über hochempfindliche Platten. Humboldthain, Spielstraße 15. Alle Abteilungen haben mindestens einen Bertreter zu entsenden. Fahrten am 8. Mai. Abt. Norden: Buch, Basdorf, Schildow. Abfahrt 7 Uhr Gesundbrunnen( Führer: Danzig). Einzelmitglieder, 1. Kreis. Sonntag, 8. Mai, 13% Uhr. Treffen zur Booistaufe bei Fraternitas", Bootshaus Riediger, Erfner, Bretterscher Graben. Einfahrt geradeüber Ruderverein Ertner. Nächste Sigung 10. Mai, 20 Uhr, Geschäftsstelle, Elsässer Str. 86-88, IV. Referent: Stadtarzt Dr. G. Loewenstein. Gäste willkommen. Die Kreismeisterschaftsspiele der Arbeiter| Einige Besucher des Weddingtores endeten allerdings im Aus. Ein Handball und hockeyspieler gehören der Vergangenheit schneller Angriff Nordrings wurde unnötigerweise vom Schiedsan. Sie waren gestern nicht gerade von günstigem Wetter begleitet. richter unterbunden, denn sonst hätte es bereits in der neunten Bei dem Spiel der Jugendmannschaften sette ein feiner Regen ein, minute 3: 1 geheißen. Zusehends wurden die Nordringleute besser. gemeinſchaft: Gotenburger Straße, Sote Scule Führersektion: Johannisder die hohe Grasnarbe des Neuköllner Stadions zu einer Eisbahn Ihre Angriffe waren aber zu schwach, um den Weddingtormart zu machte. Die Spieler lagen mehr auf dem Boden als sie standen. schlagen. Weddings Angriffe waren dagegen weit gefährlicher; in Trogdem zeigten alle großen Eifer. Das kann man auch insbeson- gleichmäßigen Abständen von zwei zu zwei Minuten jetzte es ein dere von dem Spiel der Frauen behaupten. Hier waren es die Tor aufs andere, und bei der Pause lautete das Resultat 7: 1 Luckenwalder, die durch große Schußkraft und Schnelligkeit über- für Wedding. raschten. Das Hauptspiel der Männer sah den Boden schon bedeutend trockener, so daß hier von einem einwandfreien Spiel ge- den Ton angeben. Sofort liegen sie vor dem Weddingtor; doch durch den Wedding, Treffen 9 Uhr Innsbrucker Plag und Raiser- Wilhelm- Plaz sprochen werden kann. Eines wäre noch zu rügen: Ist es nötig, daß sich einzelne Hockenspieler in Sportkleidung hinstellen und 3igaretten rauchen. So etwas sollten Arbeitersportler im Dreß auf dem Sportplag nicht tun! # Zu den Spielen selbst: Beim Jugendspiel Wolfssport Wedding gegen Eiche Köpenick lagen die Weddinger bis zur Pause bereits mit 2: 1 in Führung. Nach dem Seitenwechsel war Eiche immer überlegen, aber planloses Spiel des Sturms ließ es zu feinem Erfolg kommen. Die Weddinger begannen zu mauern, d. h. sie zogen die ganze Mannschaft in die eigene Spielhälfte zurüd. Trozdem gelang es den Köpenickern in der 17. Minute das Spiel auf 2: 2 zu stellen. Troß größerer Bemühungen der Köpenicker blieb es bei diesem unentschiedenen Resultat. Der Frauenkampf endete ebenfalls unentschieden 0: 0. Bei beiden Spielen verzichteten die Mannschaften auf eine Auslosung des Meisters, da sie angeblich nicht durch das Glück des Torziehens Kreismeister werden wollen.( Ist hier nicht auch etwas Trotz mit im Spiel gewesen?) Nach den Bestimmungen des Arbeiter- Turnund Sportbundes dürfen Meisterschaftsspiele bei Frauen- und Jugendmannschaften bei unentschiedenem Ausgang nicht verlängert werden. Ueber die Meisterschaft entscheidet dann das Los. Das Hodenfpiet zwischen Neukölln und TennisRot hatte sehr unter dem hohen Gras zu leiden. Zeitweise war Nach dem Wiederantritt sind es die Nordringleute, die zunächst hier war es der Mittelstürmer, der eine aussichtsreiche Möglichkeit durch Körpermachen verscherzte. Das eigensinnige Spiel des Nordring- Mittelstürmers verhinderte dann jeden Erfolg, während Wedding durch schnelles und sicheres Zuspielen das Resultat innerStaats 陶 Theater Freitag, den 6. Mai Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Falstaff Staatl.Schauspielhaus Gendarmenmarkt. 20 Uhr Zum 1. Male Der Liebestrank der Ball überhaupt nicht zu sehen. Daß Volkssport Neukölln Sieger PLAZA blieb, mar nur einem Glücksumstand zu verdanken. Bei einem Schuß auf das Tor prallte der Ball ins Feld zurück und wurde von den Neuköllnern zum einzigen Tor verwandelt. Volkssport Neukölln ist damit Berlin- Brandenburgischer Hodeymeister. Alles war nun gespannt auf das Endspiel um die Handballmeisterschaft zwischen Boltssport Wedding und FIGB. Nordring. Daß die Weddinger wieder Meister würden, mar vorauszusehen; daß sie aber mit einem so hohen Sieg von 13: 3 durchs Ziel gehen würden. hatten wohl wenige erwartet. Den Anwurf der Nordringleute fing Wedding ab, und bevor man es sich versah, war der erste Treffer im Tor. Wieder Anwurf von Nordring und nach einer Minute Spielzeit lautete das Resultat 2: 0. Das war aber erst der Anfang; denn nur wenige Minuten später hieß es bereits 3: 0. Nun fand sich auch Nordring besser. Schiller- Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die Räuber Städi. Oper Charlottenburg Bismarckstraße 4. Freitag, 6. Mai Turnus 1 5.815 Stgs.2, 5, 815 U. Bis einschl. 8. Mal verlängert: Der Vogelhändler Ab 9. Mai: DieDubarry DieEntführung Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr aus dem Serail Neueinstudierung Gerharta G.( Wien) Pfahl, Fidesser, Andrésen, Gombert, Reiff. Ende 22,45 Uhr Die Hoffnung des Anfang 20 Uhr Wolfgang Binder Arbeitersportverein Schöneberg- Friedenau. Sonntag, 8. Mai, Straßenlauf möglichst im Trainingsanzug. Sportverein Moabit. Alle Mitglieder, besonders die Spieler, am Sonntag, 10 Uhr, in der Turnhalle Quizowstraße, Treffpunkt zum Straßenlauf. Alle nicht attiven Mitglieder als Ordner ebenda. AGB. Rot- Weiß. Heute, 191 Uhr, Bersammlung bei Ufert, Gleimstr. 56. Sonntag, 9 Uhr, Treffpunkt Bahnhof Schönhauser Allee zum Straßenlauf. Rachmittags, 15 Uhr, Ansporteln a. d. Erer. Pflichtveranstaltung. Die neue Varieté Revue: ,, 0 schöner Mai" Trude Hesterberg Fischer Köppe Mario Saletzki Luella Paikin Eckstein- Truppe Arthur Hell Jlja Livschakoff Julius Kuthan Junetros& Elsie 12 Deblars Bil& Bil- 2 Franks Winter Garten · usw. Dirigenten: Max Roth Eduard Künnecke Sonnabend u. Sonntag je 2 Vorstellg. 4 U. u. 8 U. 15. 4 U. kleine Preise. Flora 3434 Rauchen erlaubt. Karten unter Friedenspreis schon von 70 Pf. an! Großdestillation zum weißen Hirsch Ritterstraße 106, Ecke Prinzenstraße Frühstückstube Gutgepflegte Biere Mittagstisch 40 PF. Willy Seidlitz täglich GROSSES 8 Uhr Volksbühne Theater am Bülowplatz SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr Sturm im Wasserglas mit Hansi Niese Komödie in 3 Akten von Bruno Frank Regie: A. M. Rabenalt Staatl. Schiller- Theater 8 Uhr Die Räuber Lessing- Theater Täglich 814 Uhr Das Theater der Schauspieler Maria Stuart Tilla Durieux, Erika Wagner Theater in der. Stresemannstr. Tel.: Be: gmann 2110 Tägi 8 Uhr Mädel aus der Hölle Basch, Grabley, Hardt, Herz, Dahlke, Klebusch, Peukert, Rathmann, Standtke. Regie: Ludw. Jubelsky. DIE SCHONE HELENA MAX REINHARDT INSZENIERUNG HAUS YATERLAND KURFURST 7460 Day ergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Deutsches Theater Rose- Theater 8 Uhr Große Frankfurter Straße 132 Vor Sonnen- lel. Weichsel E 7 3422 Untergang v. Gerh.Hauptmann Regie: 814 Uhr Die Frau, Max Reinhardt die jeder sucht