BERLIN Mittag S.Mi 1932 10 Pf. )ir. 215 B 105 49. Lahrgang Erscheinttüglich außer Sonntage. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts�. Bezugspreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3,25 M. pro Monai (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ws HauS) im voraus -ablbar Dostbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. DostzeitungS' und 72 Pf Postbestellgebübren Anzetgenpret«- Die etnsvalttge Milltmeterjestr SC Pf. Reklamezeile 2.»» M. Ermäßigungen nach Tarif. Dosti'checkkonto-. BorwärtS-Berlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behalt stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzelgen vor' Redaktton und Ervedttlon: Berlin SW 68. Lmdenstr 3 Fernsprecher? Donboft(A 7) 292—297 Großer Linkssieg in Krankreich Tardieus Mehrheit zusammengebrochen— Sozialisten und Radikale in Front Paris, 9. Mai.(Eigenbericht.) Die neue Deputiertenkammer wird sich nach den gestrigen Stichwahlen, die den Sieg der Linken über alles Erwarten vollendet haben, wie folgt zusammensetzen: Mandate bisher Sozialisten.... IS9 m(+ 17) Unabh Kommunisten. 11 Unabh Sozialisten und soz.Republ.(Painleve) 37 Radikale(Herriot).. 159 Unabhängige Radikale OS Kath. Demokraten(inkl. elsäfs.Heimatsrechtler) l 0 Linksrepubl.(Tardieu) 7S Unabhängige Republi- kaner(Reynaud).. 28 Nationalistische Gruppe (Marin)..... 76 Konservative(Royalist) 5 Kommunisten.... IS 5(+ 6) SS(+ 5) 109(+ 50) 90(- 28) 19(- 3) 101(- 29) 26(+ S) 90(- 14) 8(- 3) 10(+ 2) Diese Statistik bezieht sich aus 607 Man- date. Einige Resultate aus den Kolonien stehen noch aus, die zumeist den Radikalen zugute kommen dürften. * Am vergangenen Montag, nach dem ersten Wahlgang. hatten wir an dieser Stelle einen klaren Sieg der fran- zösischen Linken mit Bestimmtheit angekündigt und standen mit dieser Auffassung in der Berliner Presse ziemlich ver- einsamt da. Die Rechtspresse, die aus instinktiven Solidari- tätsgründen die Aufrechterhaltung der reaktionären Tardieu- Mehrheit wünschte, und der größte Teil der Linkspresse, deren Pariser Berichterstatter bei dieser Gelegenheit einen erstaun- lichen Mangel an Beurteilungsvermögen an den Tag legten, verkündeten übereinstimmend, daß die bisherige Regierungs- Mehrheit zwar leicht angeknabbert, aber letzten Endes un- erschüttert aus dem Wahlkampf hervorgehen würde. Wir haben uns insofern geirrt, als wir zwar einen großen Erfolg der Linksparteien in Aussicht stellten, aber doch nicht wagten, den wahren Triumph zu prophezeien, der inzwischen von den Gegnern der Regierung Tardieu erfochten worden ist. Noch am Sonntagmorgen wurde hier die Er- Wartung zum Ausdruck gebracht, daß die Linksmehrheit „ungefähr so stark wie 1924" sein würde. Sie ist aber in Wirklichkeit noch viel stärker geworden. Denn vor acht Iahren umfaßte diese Mehrheit des Links- kartells auch jene Gruppe der„Radikalen Linken", die hier als unsichere Kantonisten bezeichnet worden sind. Diese Gruppe war es, die schon 1925 eine Rechtsschwenkung vor- nahm und in der letzten Kammer den Ausschlag zugunsten der Rechtsmehrheit gab. Jetzt besitzt die Linke eine klare absolute Mehrheit, ohne auf diese unsichere Gruppe an- gewiesen zu sein, die nunmehr wieder nach links schwenken und Anschluß an die kommenden Machthaber suchen dürfte. Rechnet man ausschließlich die Zahlen der Radika- l e n. der S o z i a l r e p u b l i k a n e r und der Sozia- l i st e n zusammen, dann ergibt sich schon jetzt eine klare Mehrheit von mindestens 325 Abgeordnelen von ins- gesamt 615. Dazu dürfte nicht nur der größte Teil der 62 Mann starken Gruppe der„Radikalen Linken" zuzurechnen sein, sondern auch die Gruppe der u n a b h ä n g i g e n K o m- mu nisten— die übrigens, entgegen Berliner Blätter- Meldungen, mit„Trotzkismus" nichts zu tun haben—, welche mit sozialistischen Stiinmcn gemäbit wurden und vermutlich demnächst Anschluß an unsere Partei finden werden Tardieus Mehrheit ist nicht nur gebrochen, son- dem förmlich zusammengebrochen. Sie war nie Albert Thomas Paris, 9. Mai.(Eigenbericht.) Ter Tirettor des Internationalen Arbeitsamts Albert Thomas ist am«onnabendabcnd in einem Pariser Restaurant einem Herzschlag erlegen. Thomas war am Freitagnachmittag anläßlich der Wahlen nach Frankreich gekommen, obgleich seine Gesundheit schon in den lebten Tagen zu wünschen übrig gelassen hatte. Am sonnabendabend gegen 19 Uhr fühlte Albert Thomas. er sich auf der Ltraße plöhlich unwohl. Gr begab sich in der Nähe des Lt.-Lazare-Pahnhofs in ein Restaurant, wo er sich einen Rum bestellte. Bevor ihm der Kellner das Getränk brachte, suchte er den Waschraum aus. Ta er nach einer halben Stunde noch nicht zurückgekehrt war, ließ der Geschäftsführer den Waschraum gewaltsam ösfnen. Gs bot sich ein trauriges Bild. Albert Thomas lag leblos mit dem Gesicht auf der Erde. Einige Polizeibcamte brachten ihn nach dem nächsten Krankenhaus, wo die Aerzte den Tod feststellten. Tie Polizei ließ sofort Thomas Schwester und seinen Schivager benachrichtigen, die kurz darauf in dem Krankenhaus eintrafen und die Identität des Toten bestätigten. Tie Leiche wurde vorläufig im Krankenhaus aufgebahrt. Am Sonntag erschienen zahlreiche Persönlichkeiten, darunter Ministerpräsident Tardieu und Arbeitsminister Laval am Sarge des Toten. Laval uird Tardieu haben der Familie Thomas vorgeschlagen, die Leiche im Arbeitsministerium aufzubahren. Frau Thomas ist inzwischen von lKenf in Paris eingetroffen, hat aber die Anfbahrung im Arbeits- Ministerium abgelehnt. Albert Thomas hat ein Alter von fast 54 Iahren erreicht. Er lvar am 19. Juni 1878 im Ehampigny bei Paris als Sohn eines Bäckermeisters geboren. Nach dem Studium der Philosophie widmete er sich bald der Politik. Als Jean Jaurcs im Jahre 1904 die„Humanite" gründete, zog er Albert Thomas als Mitarbeiter für soziale Fragen heran. Daneben gab Thomas die„Revue Shn- diealiste" heraus. 1919 wurde er als sozialistischer Abgeordneter zum erstenmal in die Kammer gewählt. Im Jahr« 1915 trat er als Unterstaatssekretär für Artillerie und Munition in das Kabinett Biviani ein, ein Amt, das er auch in dem fünften Kabinett Briand beibehielt. Im sechsten Kabinett Briand wurde er Rüstungsminister und behielt diesen Titel auch im nachfolgenden Kabinett Ribot. 1929 legte Thomas sein Mandat nieder, um seine Tätig- keit ganz dem Internationalen Arbeitsamt zu widmen, das ihn inzwischen zu seinem Direktor gewählt hatte. (Siehe auch die Beilage.) Zum Tode von Albert Thomas. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschland? sandte an die Sozialistische Partei Frankreichs folgendes Beileids- lelegramm: Zum Tode Zllberl Thomas' spreche» wir Euch unser herzliches Beileid aus. Mit ihm verliert dos internationale Proletarial einen seiner besten(freunde, einen Mann, der energisch bestrebl war, den Darbenden auch über die Einrichtungen des ZAA. Arbeil und Brot zu verschassen. Parteivorstand. Wels. Erispien. Vogel. Für den Bundesvorstand des ADGB. richtete Genosse Lei- pari folgendes Telegramm an das Internationale Arbeitsamt in Genf: „Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund trauert niit dem Internationalen Arbeitsamt um den plötzlichen Tod des genialen Direktors Albert Thomas. Sein großes Werk leuchtet und wirkt in der ganzen Welt. Die internationale Arbeiterbewegung wird in aller Zukunft seinen Namen in höchster Anerkennung und Dank- barkeit nennen." An die Witwe des Verstorbenen telegraphierte der Bundes- vorstand des ADGB.: „Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund spricht Ihnen, sehr verehrte Frau, aujrichtiges Beileid aus zu dem plötzlichen Tod Ihres hochgeschätzten(Satten. Die deutsche Arbeiterschaft hat den großen Vorkämpfer der internationalen Sozialpolitik immer hoch verehrt und geliebt wegen seines Verständnisses für ihre Lage und seiner Unerschrockenheit und Be- harrlichkeit im Kanips für soziale Gerech- t i g k e i t. Seine treu« Gesinnung und sein großes Werk sicher» ihm dauernde Dankbarkeit der Arbeiter aller Länder." Auch der Zentrale der französischen Gewerkschaften hat der 'ADGB. sein herzlichstes Beileid ausgedrückt. besonders groß gewesen und betrug zuletzt bestenfalls 35 bis 49 Stimmen. Gegenüber den 325 Mandaten der reinen Linken in der neuen Kammer verfügt Tardieu jetzt höchstens noch über 269 Mandate, auch wenn man ihm die 62 Mann der„Radikalen Linken" zurechnet, die, wie' gesagt, jetzt größtenteils wieder nach links abschwenken werden. Es ist zwar noch zu f r ü h, um Betrachtungen darüber anzustellen, in welcher Form bei der künftigen Regie- rungsbildung dem klaren Volkswillen, der einen Kurswechsel gebieterisch verlangt, Rechnung getragen werden wird. Eine reine Linkskoalition ist möglich und jetzt sogar nicht unwahrscheinlich, aber noch keineswegs sicher. Ihre Bildung hängt sowohl von der Bereitwilligkeit der Ra- dikalen wie auch der Sozialisten ab. Bis gestern schien die Neigung zu dieser Lösung weder bei Herriot noch bei Leon Blum besonders stark. Aber es gibt Erfolge, die verpflichten. Ebenso wie nach dem Aufstieg der deutschen Sozialdemokratie im Mai 1928 eine Regierungsbildung ohne uns undenkbar mar, wird der klare Machtzuwachs der französischen Sozialisten für sie vielleicht den Zwang zur Koalition bedeuten. Unsere französischen Freunde werden das Für und Wider dieses Problems nüchtern und ohne Illusionen erwägen. Denn in diesen eiten der Wirtschaftskrise ist die Uebernahme eines Teils der Macht und der Verantwortung gewiß alles eher denn ein lockendes Ziel. Aber gibt es jetzt überhaupt eine andere Lösung als eine Regierung des Linkskartells? An eine Konzentra- tionsregierung— d. h. eine Koalition von den Radi- kalen bis zur Tardieu-Grupp«, unter Ausschließung einerseits der Sozialisten, andererseits der Marin-Gruppe—. können wir schwerlich glauben. Ihre Basis wäre sehr schwach, sie würde alsbald zum Zerfall der radikalen Fraktion führen: man kann sich schwer vorstellen, daß Männer wie Pierre Cot, Bergery, Chautemps und viel« andere entschiedene Republikaner und Verständigungspolitiker mit Leuten wie Tardieu und Franklin-Bouillon zusammenarbeiten. Vor allem: die Konzentrationsregierung würde dem Willen der Wähler nicht entsprechen und für sie eine schwere Enttäu- schung bedeuten. Das gestrige Wahlergebnis dürfte auch nicht ohne Einfluß auf die morgige Neuwahl des Präsidenten der Republik bleiben. Es ist an sich schon ein unglaublicher Paradox, daß noch die alte Deputiertenkammer dazu be- rufen wird, an dieser Wahl mitzuwirken. Etwa 75 ehemalige Abgeordnete der Tardieu-Mehrheit, die seit gestern in Wirk- lichkeit gar keine Abgeordneten mehr sind, sollen das Recht haben, eine der wichtigsten und verantwortungsvollsten Ob- liegenheiten des Parlamentariers �u erfüllen! Der gegen- wärtige Präsident des Senats, Charles Lebrun hat seine Kandidatur zwar bereits angemeldet, aber als Exponent der bisherigen Rechtsmehrheit. Wird er sich sieben Jahre lang nachsagen lassen wollen, daß er seinen Sieg nur solchen Stimmen verdankt, die zwar formalrechtlich, weil es der Buchstabe der Verfassung so verlangt, abstimmungsberechtigt sind, aber politisch und moralisch nicht mehr als Volksvertreter gelten können. Die Chancen P a i n l e v- s oder eines anderen Kandadaten der Linken sind jedenfalls seit gestern gestiegen. Ein Wort noch über die Kommunisten. Sie oer- danken das Dutzend Mandate, das sie gestern, teils in der Hauptstadt, teils im Norden erlangt haben, lediglich der Uneigennützigkeit der Sozialisten, die ihren Kandidaten dort zum Siege oerholfen haben, wo e» galt, einen Anhänger Tardieus zu schlagen. Aber die Kommunisten haben wieder einmal durch ihre verbrecherische Stichwahl- parole den Erfolg von etwa zwanzig Reak- tionären und Nationali st en— darunter Franklin-Bouillons— verschuldet. Sie haben ins- besondere bewirkt, daß in mehreren proletarischen Wahlkreisen des Nordens der Vertreter des Großkapitals über den Sozia-. listen siegte. Das wird ihren Auflösungsprozeß in Frankreich sicherlich nur beschleunigen. Mit besorfberer Genugtuung sei hier die Niederlage der widerwärtigsten Erscheinungen der Kommunistischen Partei Frankreichs, MarcelCachin und M a r t y, verzeichnet. Zlußer der etwas rätselhaften Errettung M a n d e l s vor für sicher erachteten Niederlage und dem Reinfall des üblen Hetzers de K ö r i l l i s hat die Stichwahl eigentlich keine allzu großen Ueberraschungen persönlicher Art gebracht. Die S o z i a l i st i s ch e Partei beklagt den Verlust von ins- gesamt fast 20 bisherigen Abgeordneten, darunter G r u m» dach und Uhry: aber sie hat dafür fast doppelt soviel neue Mandate erobert, besonders in Paris und Umgebung, im Norden und in manchen südfranzösischen Departements, die jetzt überwiegend rot gewählt haben. Alles in allem läßt sich feststellen, daß das Zusammen- gehen der Linken sich wieder einmal glänzend, meist sogar mit arithmetischer Sicherheit, bei der Stichwahl bewährt hat. Weder hat das scheußliche Attentat auf Doumer. dos die Rechte zynisch und die Regierung vorsichtig auszunützen versuchte, die Entscheidung der Wähler irgendwie beeinflußt, noch haben die demagogischen Schimpfereien Tar- d i e u s am Rundfunkmikrophon ihn vor der Niederlage retten können. Das französische Volk, das allerdings von der Wirt- schaftskrise bisher weniger schwer betroffen wurde, als das deutsche, hat ein Maß von politischer'Vernunft bewiesen, um das man es beneiden darf. Tardieu zieht die Konsequenzen. Pari». S. Mal. sEIgenbericht.) Die Regierung ha« In einem M i n I st e r r a«. der heute vormittag stattfand, die Lage geprüft, die sich aus dem Zusammenfallen der Mahl de, neuen Staatspräsidenten und der au» den Sammer. mahlen hervorgegangenen neuen Mehrheit ergibt, und befchtosfen. dem neuen Staatspräsidenten, dem sie morgen Abend gemäß der Zraditlon die Demission überreichen wird, zu ersuchen, die bis- herigen Minister nicht wieder in ihr Amt einzu- sehen. painleve kandidiert gegen Lebrun. Pari», kl. Mai. sEigenbericht.) P a i n l e v e hat aus die Bitten zahlreicher Linksparlomen- iarier heule mittag ossiziell die Kandidatur für die Präsidentenwahl angenommen, nachdem Senolspräsident L e b r u n seine Anwartschaft aus Wunsch seiner rechtsstehenden Freunde bereits angemeldet hatte. Bannmeile gesichert. Alarmbereitschafi der Polizei. Für den heutigen Wiederzusammentritt des Reichstage» und van der Polizei umsassende Vorkehrungen getroffen worden, um etwaige Demonstrationen zu verhindern. Der Reichstag und die Pannmeile sind in der üblichen Weife ge sichert. darüber hinaus ist aber auch Alarmbereitschast sür die Po. lizei angeordnet worden, damit genügend Kräfte auch für den Fall bereitstehen, daß in anderen Stadtteilen außerhalb der Bannmeile irgendwelche Demonstrationsversuche airläßlich der Reichstagssitzung unternommen werden sollten. Das gilt insbesondere sür die Innen- stadt. die auch schon om Sonnabendabend in Erwartung van Zwischenfällen besanderen polizeilichen Schutz erhalten hotte. Di? polizeiliä en Maßnahmen für heute bleiben ober aus jeden Fall hinter den für die letzte Wohl getroffenen Vorkehrungen zurück und werden deshalb auch äußerlich nicht ja stark in Erscheinung treten. Brünina über die auswärtiaepolitik Eine Gonntagsrede vor der presse Reichskanzler Dr. Brüning hielt am Sonnabend gewissermaßen zur Einleitung der Reichskagsverhandlungen in einer politischen Morgenveranslallung des Vereins der auswärtigen presse zu Berlin eine Rede, in der er sich vor ollem mit deu außenpoli- tischen Fragen beschäftigte. Räch einem Rückblick auf die Neuwahl de» Reichspräsidenten und seiner Mitwirkung bei der Wahl- agitation suhr Brüning fori: Nach vollzogener Präsidentenwahl habe ich mich dann in Genf der Behandlung der außenpolitischen Probleme gewidmet, deren großzügiger und beschleunigter Lösung wir im deutschen Interesse wie auch im Interesse der Welt bedürfen. Nur dann kann ich sür Deutschland das beste herausholen, wenn mir gleichzeitig der Nach- weis gelingt, daß Deutschlands Ziel« mit d«n wähloerstandenen Interessen der Welt zusammenfallen. Das ist ja gerade das Unglück des Versailler Vertrages und der ihm nachgemodelten anderen Friedensschlüsse gewesen, daß man geglaubt hat, daß einzelne Länder sich alles Gute und Wertvolle dieser Erde sichern, sich sozusagen alles Glück verschaffen können, während dem Unterlegenen nur das Unglück überlassen bleiben könnte, den Besiegten sozusagen nur die Tränen gestattet werden könnten, um ihr Unglück zu beweinen. Rein! von einer solchen innerlich unwahren Friedensansfassung geht alles Verhängnis aus! Sie hat sich in der Nachkriegszeit je länger, je mehr als voll- kommen irrig erwiesen; sie wird auch, wenn keine Aenderung ein- tritt, die Welt immer tiefer in das entsetzliche Elend hinobstotzen, das in Form von Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit zur Geißel aller Staaten zu werden droht. Zur Herstellung normaler Verhält- niss« ist Vertrauen und wiederum Vertrauen notwendig. Wie soll dieses Vertrauen geschossen werden, wenn noch immer die aufreizende Ungleichheit zwischen den Siegern besteht, wenn Unterschiede gemacht werden, die dem einen alle» gestatten, ihm al» sein selbstverständliches Recht zuerkennen, was den anderen, darunter besonder» uns Deut- schen, als ausdrücklich verboten, ja als Rechtsbruch vorenthalten wird! Es hat sich allerdings schon vieles gegenüber Deutschland zum Besse- ren gewendet, die Atmosphäre de» Hasses ist vielfach gewichen, aber in vielem besteht diese Ungerechtigkeit fort, und gerade in einem der wichtigsten Punkte, nämlich in der Verteidigungsmöglichkeit dessen, was jedem Menschen das Teuerste und Heiligste sein muß. Darin besonders sind wir in einem Zustand minderen Rechts geblieben. Hiergegen bäumt sich ganz Deuffchland mit Recht auf. Hierin sind sich all« einig, und hierin liegt die Bedeutung der Abrüstung, die seit Februar in Genf einer Lösung«ngegengeführt werden soll. Ich Hab« in Dens ohne Widerspruch auf den friedlichen Charakter des deutschen Volkes verweisen können. Deuffchland will keine Sonderrechte, keine Privilegien. Es will nichts als die Gleichheit, als die Beseitigung des Zustandes, der es in die Kategorie des Staates minderen Rechts und auf den Stand der Wehrlosigkeit in einer Umgebung bis auf die Zahns bewaffneter Staaten herabdrückt. wir haben vor wenigen lagen da» Gerücht von einer bevorstehenden Besehung vanzigs vernommen. Oos Gerücht war unbegründet. Aber wie hätte es so tiefe Beunruhigung in ganz Deutschland her- beiführen können, wenn eben nicht diese Ungerechtigkeit bestünde, wenn sich eben nicht mit allen Mitteln moderner Kriegsführung ausgerüstete Staaten an der Seit« eines wehrlosen Deuffchlands befänden. Was für die Abriiftungsftage gilt, gilt in gleichem Maße auch für die Reparationszahlungen. Längst ist in allen denkenden Köpfen die Ueberzeugung Gemeingut geworden, daß Deutschland die ihm auferlegten ungeheuren Zahlungen nicht leisten kann. ja. mehr als das. daß diese Zahlungen entscheidend dazu beigetragen haben, den wirtschaftlichen Wirrwarr in der Welt herbeizuführen, ihn bis ins Unerträgliche zu vergrößern und— bei ihrer Fortdauer— jede Möglichkeit der Besserung auszuschalten. Deuffchland hat für den von ihm verlorenen Krieg wie wohl kaum ein Volk in der neueren Geschichte gelitten und Opfer bringen müssen. Einmal aber müssen diese Opfer ihr Ende haben! Einmal muß auch diese Rechnung als beglichen anerkannt werden, wenn wirklich der Krieg als beendet erklärt werden soll!(Stürmischer Beifall.) Es ist in den Genfer Besprechungen das Gerüst für die Lausanner Konferenz ausgeführt worden. Von ihrem Ergebnis wird es abhängen, welchem Geschick nicht nur Deuffchland, sondern die ganze Welt entgegengehen wird, oder, ob sie weiterhin in Elend und Sorge versinken oder endlich aber den festen Grund finden werden, auf dem allein ein Wieder- aufbau, eine Epoche fortschreitender Entwicklung möglich ist! Aus diese Konferenz sind die Blicke der Gutgesinnten aller Völker ge- richtet, hoffend und sehnsüchtig, ungeduldig und fordernd! Die Krise geht mit gigantischen Schritten ihren Weg, an dem sich von Tag zu Tag die schwresten Opfer häufen. Und die Staatsmänner zögern! Zögern teils vor der Größe der Aufgabe, teils vor der irregefiihrten Meinung ihrer Völker, denen man noch so langen Iahren bequemer Illusionen die volle, wenn auch harte Wahrheit nicht sagen zu können vermeint. Wird dieses Bekenntnis leichter, wenn man es aufschiebt Will man warten, bis nichts mehr zu bekennen ist, als daß die Hilfe bereits zu spät kommt? Wer will die Verantwortung tragen für weiteres Zaudern? Hört man in den Staatskanzleien und in den Kontoren der Wirffchaftskönige der Welt nicht den immer stärker anschwellenden Thor derer, denen die beschämende Ergebnisarmut der bisherigen internotionalsen Beratungen der wirksamste Zutreiber ihrer ex- tremen, ja revolutionären Fronten ist? Sieht man nicht, daß dämonische Geister der Aerneinung und Zerstörung enfftehen? Wir können nicht mehr warten, weil die Völker nicht mehr warten wollen und nicht mehr warten werden! Wa» uns nottut, ist nicht eine Multiplikation der Konferenzen, sondern die beschleunigt«, die ganze Tat!(Lebhafter Beifall.) 2m Zeichen dieses Tatwillens muß Lausanne stehen, sonst wird es nicht zum Meilenzelchen des Lebens, sondern zum Wegweiser des Zusammenbruchs. In dem Glauben an die unabhängig« Zukunft unseres Voltes und Reiches bin ich Optimist. Aller- dings wird eine solche Zukunft nur Erfüllung finden, wenn sich ein einiger und gestählter Will« des gesamten Volte» der Erreichung diese» Zieles stark und opferbereit weiht... Da« deuffchc Volt hat in seiner Geschichte olles Gute schwer erringen und er« kämpfen müssen. So wird es aller Voraussicht nach auch in Zu- kunft bleiben. Dos fordert von uns ollen Einsetzung der ganzen Kraft. Die Erfüllung dieses Versprechens, da» wir uns heute hier geben wollen, wird uns erleichtert durch da» Beispiel des Reichs- Präsidenten, der in seiner Schlichtheit, Pflichttreue und Vaterlands- liebe uns allen«in anfeuerndes Borbild ist. Von einem solchen und einmütigen Willen beseelt, wird Deutschland mich in schwerster Zeit ungebrochen und ungebeugt der besseren Zukunft entgegengehen, die wir erhoffen und für die wir alle unsere ganze Kraft einsetzt!» wollen! Razifirolche an der Arbeit. Brutaler lleberfall ans Arbeiterjugend. Braunschweig. S. Mai.(Eigenbericht.) Einen heimtückischen Ueberfall auf die Arbeiter- j u g e n d verübten Nazistrolche in Birneck«. Im dortigen Jugend- Heim waren Arbeiterjungen und-Mädel» au» Blankenburg mit Gesinnungsfreunden au» Blankenburg zusammen, als eine Horde Nazi» anrückt« und das Heim belagert«. Ein Jugend- genosie, der telephonisch Polizei zu Hilf« rufen wollte, wurde zusammengeschlagen. Beim Verlasien de« Heim» fielen die Rowdys über die Wehrlosen mit Steinen, Flaschen, Latten und Schlagzeugen her. Nicht nur die männlichen, sondern auch die weiblichen Jugendlichen wurden derartig zugerichtet, daß verschiedene von ihnen bewußtlos zu- sammenbrachen. Es gab eine Reihe Schwerverletzter. Die meistenteils erkannten Rohlinge sind angezeigt worden. Wieder Krawalle in Chemnitz. Angriffe auf die Polizei/ 3 Demonstranten schwer verletzt. Chemnitz, 9. Mai.(Eigenbericht.) Die Herabsetzung der Wohlsahrtsunterstützungssätz« in Chemnitz, die schon am Freitag zu erheblichen Krawallen geführt hatte, führte am Sonnabend zu neuen Tumultszenen. Die kommunistischen Drahtzieher und nationalsozialistischen Provokateure können sich rühmen, daß ihre Hetzen nicht ohne Erfolg geblieben sind. Bei dem Vevsiich, einen Demonstrationszug aufzulösen, wurde die Polizei von den Demonstranten tätlich angegriffen. In höchster Be- drängnis machte sie von der Schußwasfe Gebrauch. Drei Deman- stranten wurden schwer verletzt; einer der Verletzten starb auf dem Transport zum Krankenhaus. Oer Mord an dem Greisenpaar. Tleues Geständnis des Täters.— Attentat auf Ailmdiva war geplant. Mit der restlosen Ausklärung des Doppelmordes an dem Greisen- paar B a o r s sind gestern die Kriminalakten über eine der grausigsten Bluttat in Berlin geschlossen worden. Der Mörder Ernst W a l d o w hat jetzt«in umfassendes, wahres Geständnis abgelegt, das sieb mit den Feststelliingen der Mordkommission Zapfc-Groscheck völlig deckt. Der abschließende» Bernehmung durch die beiden Kriminalisten wohnte der Berliner Staatsanwalffchaftsrat H o e ltz bei. Die gesammelten Recherchen der Mordkommission, die Fest- stellungen am Tatort und das Ergebnis der Obduktion wurden dem Mörder vorgeholten, der sich daraufhin bequemte, jetzt endlich die volle Wahrheit zu sogen. Bei dieser llsiordbeichte kamen ander« un- heimliche Dinge noch zur Sprache So gestand Waldow auch ein. mit Komplicen ein furchtbares Attentat aus eine der bekanntesten Berliner Filmschauspielerinnen geplant zu hoben. Der Morder wird am Montag dem Jugendgericht zugeführt werden. Von Zigeunern ermordet. Weil er einer alten Jrau zu Hilf« kam. Bor einigen Tagen kam«» zwischen dem 20 Jahr« alten Arbeiter Walter F lasch aus der Müllerstr. 74/76 und drei Zigeunern zu einer Schlägerei, in deren Verlauf Flosch zwei Messerstiche in den Kops und einen in den Rücken erhielt. Der jung« Mann wurde sofort ins Reinickendorfer Krankenhaus geschafft. Dort fft er seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Untersuchung, die von der Mordinspektton eingeleitet wurde, hat jetzt ein völlig verändertes Bild ergeben. Al» Täter kommen drei Zigeuner, zwei Brüder und ein Vetter namens Lau- b i n g e r. in Frage. Der Messerstecher ist der Musiker Gustav L., der nach Hamburg geflüchtet ist. Ein Helfer, Walter L., ist fest- genommen worden, während der dritte, Karl L., ebenfall» flüchtete. Feuergefecht lm Kino. Zu einem schweren Feuergefecht zwischen einem Wächter der Wachbereitschoft Groß-Berlin und einem bisher noch unbekannten Einbrecher kam es in der Nacht zum Sonntag im Kino Müller- straße 142 im Norden Berlins. Der Wächter hatte in der Nacht seinen Kontrollgong angetreten und war in den Vorführraum des Kinos gekommen. Plötzlich sah er im Schein seiner Blendlaterne dort einen Mann vor sich stehen, der im nächsten Moment flüchten wollt«. Der Wächter packte jetzt zu, es kam zu einem heftigen Handgemenge zwischen ihm und dem Einbrecher, der sich losreißen konnte. Der Wächter konnte nicht mehr den Hauptschalter der Lichtleitung erreichen, sondern setzte jetzt dem Flüchtenden noch. Der Mann war in den Zuschauerraum geeilt, hatte dort hinter den Sesseln Deckung genommen und eröffnete setzt auf den Wächter ein regelrechtes Feuer. Der Wachbeamte erwiderte die Schüsse, die jedoch in der Dunkelheit fehlgingen. Linier den Bädern der Stadibahn. Zwischen den Stationen Treptow und Bahnhos Kaiser- periedrich-Straße�n Neukölln wurde heute früh unweit der Kanalbrücke von einem Streckenwärter die Leiche eines Mannes ge- fanden, dem der Kopf vom Rumpf getrennt war. Aus vorgefundenen Papieren�geht hervor, daß der Tote ein YZ Jahre alter Korbmacher Richard Schneider aus der Koloniestr.«8 im Norden Berlins ist. Nach dem Befund liegt zweifellos Selbstmord vor, die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Buvdeskonserenz des Reichsbanners. Arn Sonntag fand eine Konferenz der Gauführer und Gaugefchäftssührer des Reichsbanners «chwarz-Rot-Gold statt. Der Bericht des B�mdesvorsitzenden Hölter- mann über die Aktion gegen das R?icK»banner wurde debattelo, zur Kenntnis genommen. Gauführer und Gaugeschäftsführer er- naeten Zuy einstimmig mit den Maßnahmen des Bundesvor. jtandss e i n v s r st a n d« n. Ferner wurden eine Anzahl organi- iatorffcher Fragen zur Vorbereitung der zukünftigen Arbeit des Reichsbanner besprochen. Gewaltakt in Oanzig D«r Hitter-HllgenSerg-Senat verbiete« die Erörterung der Aazifchandtaten 2 a n z i g, S. Mai. lEigrubeticht.) Der völlig unter Nazidruck stehende Senat der freien Stadt Danzig hat soeben eine geradezu unglaubliche Maßnahme getroffen. Cr hat das Organ der Sozialdemokratischen Varkei, die„Vanzlger Volksstimme", für die Dauer van drei Monaken mit sofortiger Wirkung verboten, vnlah dazu hoben zwei Artikel gegeben, die aus der V e s o r g n i s um die Existenz des Freien Staates Danzig heraus das E i n s ch r e i t c n der Völterbundsin stanzen gegen das Weiterbestehen der SA. verlangten, durch die Danzig in schwerste außenpolitische Gefahren geraten ist. wie weit die ZustSnde in Danzig gediehen sind, zeig! eine Aus- lassung des hiesigen Zentrumsorgans, das in seiner Sonnabend- ausgäbe in bezug auf die Nalivnalsoziolisten in Danzig feststellte. dag«alle möglichen zweifelhaften Subjekte mit Genehmigung der Behörden mit Schießeisen Herumlauf dürfen". Das stell! also das Organ der g r ö ß t c n R e- gierungsparlei des Freistaates unbeanstandet fest. Klarer können wohl die unhaltbaren Verhältnisse in Danzig nicht gekennzeichnet werden. Es kann nach Lage der Dinge gar kein Zweifel darüber be- stehen, daß dofc Verbot unseres parteiblattes der Absicht entfpringt, die Aufdeckung der unglaublichen Entwicklung der Dinge unter dem setzigen Rechkskurs und damit jede internationale Erörterung dar- über, vor allem Im Hinblick auf die bestehenden Beratungen der Danziger Frage im Völkerbundsrot, zu verhindern. -i- «Handstreich der Polen!"—„SS.-Mord in Neuteich!" Zwei Meldungen, die blitzartig die Situation des Freistaates an der Weichselmündung beleuchten. Seitdem das„Hakenkreuz feine Faust über Danzig hält"— wie ein Naziführer den jetzt seit 16 Monaten nach Hitler-Direktiven gesteuerten Vürgerblockkurs bezeichnet— seit- dem reißen die außenpolitischen Konflikte ebensowenig ab, wie die blutigen Gemalttaten der braunen Soldateska. So sehr man sich im Reiche entsetzt haben mag, als plötzlich englische Sensationsblätter von einem drohenden polnischen Gewalt st reich gegen Danzig sprachen, der bei der Schlüsselstellung des Freistaats mit Völkerkrieg im Osten gleichgesetzt wird, wiegt hier, wo man diese Putschnachrichten auf Grund zahlreicher Erfahrungen von vornherein als Sensationsmache bewertet Hot, die zweite Erscheinung, schon da sie eine Tatsache ist, wesentlich schwerer. Die Niederschießung eines SPD.-Stadtverordneten in Neuteich durch den dortigen SA.-Führer offenbart das Treiben der Nazi- banden, das in seiner Zügellosigkeit schon mehr als einmal zu schweren Verwicklungen mit Polen geführt Hot. Wenn von den gewalttätigen Ausschreitungen nicht nur polnische Staatsangehörige betroffen werden, sondern wenn maßgebende Naziführer immer wieder eine baldige gewaltsame Auseinandersetzung mit Polen ankündigen, so wird dadurch das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen den beiden Staaten auherordent- lich verschärft. Sicherlich hat die polnische Regierung durch ihr« immer offener ge- zeigte wirtschaftliche A b d ro s se l u n g s p ol i ti t den hauptanleil zu der Verschlechterung des Verhältnisses beigetragen, aber es fragt sich doch, ob sie sich mit ihren Plänen(die sich am sichtbarsten in der Zurückdrängung des Danziger Hafens durch die Konkurrenz von Edingen und durch die trotz einheitlichen Wirt- schastsgehietes immer mehr versuchts Verhinderung der Einfuhr Danziger Waren nach Polen zeigt), soweit hätte hervorwagen kön- nen, wenn ihr die ständige Drohpolitik und eine sinnlose Autarkie-Propaganda der Nazis das nicht erleichtert hätte. Und wenn die aus dem gegenseitigen Nationalismus erwachsenen wirtschaftlichen Nöte Danzigs jetzt endlich auf der bevorstehenden Tagung des Völkerbundsrates geklärt werden sollen, so können sie durch die von den Nazis heraufbeschworenen außenpolitischen Kompli- kationen in den Hintergrund gedrängt werden. Im Reiche wird man sich vielfach gefragt haben: ,,SS.-Führer, so etwas gibt es in Danzig noch?" Es gehört zu den Unglaublichkeiten des als internationaler Zwischenstaat unter dem Schutze des Völkerbundes konstituierten Danzig, daß es, unbekümmert um feine besondere, prekäre Stellung, sich im Gegensatz zum Reich noch immer den Luxus der uniformierten Hitler-Soldateska erlaubt. Und dos, trotzdem sie hier noch mehr al» im Reiche sich als Gefahrenherd gezeigt hat. Obwohl im Mai vorigen Jahres der völkerbundsrot der Dan- ziger Regierung empfohlen hat, die dem Freistaat abträglichen nationalistischen Umtriebe einzudämmen und ausländische uniformierte verbände auszuheben, kann sich Hitlers Privatarmee selbst nach ihrem verbot in Deutschland hier noch ungehindert betätigen.> Den Arbeiter-Schutzbund, der als Abwehrorganifation gegen den Naziterror erst sehr spät gegründet wurde, hat man aus Grund eines tragischen Zwischensalles, den die Hakenkreuzler verursachten, schon im November vorigen Jahres verboten. Aber der viel schwerer wiegende, weil planmäßige Ueberfall einer SA.-Truppe auf eine Silvester-Veranstaltung des Bundes der Freunde der Sowjet-Union, der einem Teilnehmer das Leben kostete, war ebensowenig Anlaß zum Verbot der Hakenkreuz-Soldateska wie der Mord in Neuteich. Obwohl innerhalb Jahresfrist bereits fünf Menschenleben den Hitler- Banden in Danzig zum Opfer gefallen sind, obwohl sie sich durch zahlreiche Ausschreitungen auch gegen Ausländer als außer- ordentlich friedensstörendes Element erwiesen haben, können sie in Danzig weiter ihr Unwesen treiben. Die Regierung wagt nichts Entscheidendes gegen sie zu unternehmen, da sie von der Unter- stützung der hitlerianer abhängig ist und diese lieber zum Schaden des Freistaates austoben läßt, un> sich dafür die Senotorensessel zu erhalten. Zwar hat man die hakenkreuzler im Anschluß an das deutsche Ml.-Verbot zu einem..freiwilligen Unisorm-Verzicht" be- wegt, doch haben sie diese„bis auf weiteres" vorgesehene Maßnahme schon nach drei Tagen wieder aufgehoben. Seitdem demonstrieren die Nazis wieder ungehindert in Kriegsausrüstung. Daß ste außer- dem Felddien st Übungen, möglichst gern an der nahe- gelegenen polnischen Grenze, veranstalten und sich auch sonst jedes nur irgendwie denkbare militärische Brimborium erlauben, ist auch nicht dazu angetan, ein friedliches Echo nach außen hervorzurufen. Aus dieser Atmosphäre entstehen auch die Putschgerüchte, die immer wieder um Dauzig auftauchen und deren jüngste Auslage besonders aufregeade Formen angenommen hat. Es kann dahingestellt bleiben, ob Polen bei den weitgehenden Zu- bringerdiensten, die ihm aus der Untergrabung Danzigs durch die Nazipolitik erwachsen, gewaltsame Lösungen für opportun hält— auch viele andere Momente sprechen dagegen— aber selbst wenn polnische Gewaltabsichten gegen Danzig dastehen, so sind sie erst in kreuzumtrieben Wenn man bedenkt, Verbindung mit den haken- zu einer ernsten Gefahr geworden. daß auf Grund einer Völkerbunds- bestimmung bei etwaigen Unruhen in Danzig sin benachbarter Staat für die Ruhe und Ordnung im Freistaat zu sorgen hat, so kann es für Polen, das ja der nächste Nachbar ist, kaum etwas Erwünschteres geben, als daß ihm die Nazis Gelegenheit zum „Friedenstiftsn" verschaffen. Dieser Umstand läßt die Gemeingefähr- lichkeit des unruhostiftenden Treibens der Hitler-Bonden im Frei- staat in seiner folgenschweren Auswirkung erkennen. Aber selbst das hat die braunbehsmdsten„heilsbringer" nicht davon abgehalten, ganz offen in Danzig mit Putschabsichtcn zu spielen, und wenn erst im Februar der Boden dazu durch wilde Gerüchtemacherei über an- gebliche polnische Einfallspläne vorbereitet werden sollte, so sind auch bei den neuerlichen englischen Alarmmeldungcn d i e Quellen nicht völlig klargestellt. Ja, es scheint, als wenn diese Nachrichten mehr diplomatischen Ab- sichten, denn ernsthasten Tatsachen entsprungen sind. Wenn jetzt erklärt wird, daß in Verbindung mit den am 1. Mai in Kraft getretenen Einschränkungen für das Anlaufen polnischer Kriegsschiffe im Danziger Hafen polnische Eigenmächtigkeiten zu be- fürchten gewesen wären, so steht dieser Behauptung, die noch am Mittag des Vortages von dem stellvertretenden Präsidenten des Dan- ziger Senats abgegebene Erklärung gegenüber, daß für irgendwelche Zwischenfälle keinerlei Anhaltspunkte gegeben seien. Die„Danziger Volksstimme" konnte«ine ganze Reihe recht merkwürdiger Beobachtungen wiedergeben, die auf die Entstehung der englischen Alarmmelbungen ein bedenkliches Licht werfen. In Polen hat man sogar behauptet, die Veröffentlichungen des„Daily Expreß" wären daraus berechnet gewesen, den Völkerbundsrot für das Weiterbestehen der SA.-Formationen„zum Schutze Danzigs" zu beeinflussen. So phantastisch diese Behauptung im ersten Augenblick klingen mag, so gewinnt sie dadurch an Be- deutung, daß die fragliche Meldung ausschließlich auf die auzlän- dische Zeitung zurückgeht, die in engster Verbindung mit demBraunen Haus« steht. Auch daß diese Sensationsnachricht sich auf den Völkerbundskommissar in Danzig, Gras Grovina, stützte, kann, obwohl dieser ein Dementi erließ, diese These nicht widerlegen. Graf Gravina hat als italienischer Faschist der Nazibewegung in Danzig bisher stets fein größtes Wohlwollen entgegen- gebracht. Nur daraus kann die an sich»nbegreisliche Tatsache abgeleitet werden, daß trotz des vor Zahcessrist vom Völker- bundsrat für all« ausländischen Verbände in Danzig erforderlich gehaltenen Aniformnerbots. dieses aus die Nazis nicht ange- wandt worden ist, woraus die weitere Zuspitzung mit ihren verhängnisvollen Zwischenfällen sicherlich zum erheblichen Teil« resultiert. Auch daß selbst noch nach dem SA.-Verbot in Deutschland die uni» formierten Hitler-Banden ausgerechnet im Freistaat Danzig weiter- bestehen, dürfte die Stellung der Danziger Unterhändler in dieser Frage in Genf nicht erleichtern. Da es also Leute gibt, die die SA.- Formationen in Danzig weitererhalten, kann auch die Möglichkeit, daß die über ein Londoner hitler-freundliches Blatt geleitete pol- nifche Putschmeldung diesen Zwecken dienen sollte, nicht außer acht gelassen werden. Danzigs Bevölkerung sieht der bevorstehenden Völkerbundsrats- tagung mit gespanntester Erwartung entgegen. Sie hofft, daß alle die Dinge, die zu schweren politischen und wirtschaftlichen Unzuträg- lichkeiten nach innen und außen geführt haben, endlich ihre B e- r e i n i g u n g erfahren. Dos wird in erster Linie in bezug auf die wirtschaftlichen Abschnürungsmaßnohmen Polens gegen Danzig, die in der sichtbarsten Form der hafenkonkurrcnz durch Edingen offiziell auf der Tagesordnung stehen, geschehen müssen. Der Abbau der außenpolitischen Bedrängnisse und die Wiederherstellung wenigstens einigermaßen ausreichender Wirtschaftsmöglichkeiten ist erste Vor» oussetzung einer Gesundung, die bedingt, daß auch auf Danziger Seite alle die Erscheinungen zurückgedrängt werden, die seine wirt- schaftliche Mittlerausgabe untergraben. Die Freie Stadt mutz aus der Stickluft der gegenseitigen nationalistischen Verhetzung befreit werden. Die letzten Ereignisse sind dafür aufrüttelnde Alarmzeichen. Sie dürfen dos nicht im Interesse der Kriegshetzer und Gewaltpolitiker sein, sondern sie müssen alle die Kräfte wachrufen, denen eine friedliche Entwicklung am herzen liegt. Wieder Erdrutsch in Lyon Zwei Häuser eingestürzt— AS Tote unter den Trümmern Paris. 9. Mai.(Eigenbericht.) Die Ttabt Lyon ist am Sonntag durch ein« neue Ein» sturzkatastrophe, ähnlich der im November)9A0, in Trauer versetzt worden. Am Ionntagvormittag um 8!� Uhr stürzten plötzlich unter donnerähnlichem Getöse zwei der in dem Vorort Ealnire am Fuß eines Hügels gelegenen fünfstöckigen Häuser ein. Etwa 39 Bewohner wurden unter den Trümmern begraben. Tie Katastrophe ist durch einen Erdrutsch hervorgerufen worden. Infolge häufiger Regenfälle der letzten Zeit ist ein Teil des Hügels ins Gleiten gekommen. Unmittelbar nach dem Einsturz schlugen aus den Trümmern hohe Flammen empor. Infolge Bruches der Gasleilun- gen war Gas ausgeströmt und hakte sich entzündet. Die Bewohner der Nachbarhäuser, die. von einer Panik ergriffen, zunächst das weite suchten, alarmierten die Feuerwehr, die in wenigen Minuten an der Unglücksstelle erschien. Sie bemühte sich zunächst, das Feuer zu löschen und begann dann, unterstützt von Freiwilligen und Trup- pen, mit den Bergungsarbeilen. Inzwischen waren auch Bürgermeister Herrlot und Vertreter der Slaalsanwaltschasl an der Unglücksstelle eingetroffen. In verhältnismäßig kurzer Zeit wurden acht Schwer- und vier Leichtverletzte, die Bewohner des obersten Stockwerk» beider Häuser, geborgen. Die Schwer ver- letzten wurden ins Krankenhaus geschafft, die Leichtverletzten fanden bei Bekonnten Unterkommen. Während die Arbeiten im vollen Gange waren, ereignete sich kurz nach eis Uhr ein zweiter Erdrutsch, der die Trümmer der eingestürzten Häuser vollkommeu bedeckte. Dank der Geistesgegenwart Herriols und einiger anderer offizieller Per- sönlichkeilen wurden die Rettungsmannschaften Im letzten Augenblick gewarnt und konnten sich in Sicherheit bringen. Da weiter Erd- rutschgefahr bestand, wurden die Retwngsorbeilen vorläufig eiage- stellt. Die Feuerwehr hielt sich in einiger Entfernung von der Un- glücksstelle auf und bekämpfte die neuen Feuerherde, die nach dem zweiten Erdrutsch entstanden waren. Als gegen drei Uhr nachmittags die Arbeiten wieder ausgenom- men werden sollten, ereignete sich ein dritter Erdrutsch, bei dem ein stehengebliebener Teil des einen Hause» zum Einsturz ge- bracht wurde. Verletzt wurde diesmal niemand, da ein Trompeter, der als Wache aufgestellt war, noch rechtzeitig ein Signal geben konnte. Unter den Trümmern befinden sich noch Z 8 Personen, die wahrscheinlich tot sind. ZNaurer und Zimmerer versuchen. die Nachbarhäuser zu stützen, die gleichfalls einzustürzen drohen. Eine ungeheure vkenschenmenge Hot die llngtücksstell« um- lagert, so daß umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden mußten. Oer gespaltene Nerg. Der Besitzer eines der Häuser erklärte, daß er sich gerade«enige Meter von dem einen der beiden Häuser befand, als er plötzlich eine Rauchwalke gen Himmel steigen sah. Einige Sekunden später Hab« er einen furchtboren Krach gehört, in den sich die Hilfe. schrei« der Opfer gemengt hätten. Er sei sofort zur Unglücksstslle geeilt, wo sich ihm ein entsetzlicher Anblick geboten habe. Die Er- HöKung, aus der die beiden Häuser gebaut waren, ist buchstäblich in zwei Stücke gespalten. Der Erdrutsch, der sich während der Rettung»- arbeiten ereignete, hätte beinahe noch 50 weiteren Personen dos Leben gekostet, die sich unmittelbar neben der Erhöhung befanden. die plötzlich abrutschte. Unter ihnen war auch der Bürgermeister herriot. Das Feuer, das sofort nach der Katastrophe ausbrach, konnte nach einigen Stunden gelöscht werden. Die ganze Gegend ist von Gendarmerie und Polizei abgesperrt, hunderte von Mensch en umlagern die Unglück? st eile und warten auf Nachricht über Berwandts oder Bekannte, die sich unter den Trümmern befinden. Die Bergungsarbeiten haben im Laufe des Nachmittags eine Unterbrechung erfahren, da man zu- nächst einmal die umliegenden Häuser stützen muß, um neuen Katastrophen vorzubeugen. Ttene Ekdrulfche.— I�ettungSarbeiten. Paris. S. Mai.(Eigenbericht.) In der vergangenen Nacht sind in Lyon an der Unglücksstelle weitere Erdrutsche erfolgt, bei denen ein Teil de? Dache» eines dritten Hauses zerstört wurde. Nachdem jede Hoffnung auf- gegeben war, noch einen der Verschütteten lebend zu bergen, hörte man gegen Mitternacht dumpfe Schreie und leises Stöhnen aus den Trümmern hervordringen. Trotz der Gefahr neuer Erdrutsche wurden daher die Rettungsarbciten wieder aufgenommen. Um zwei Uhr morgens war es gelungen, von einem Nachbarhaus aus einen zwei Meter tiefen Tunnel in die Trümmer eines Hauses zu graben. Am Ende des Tunnels entdeckten die Rettungsleute den Arm einer Frau, die noch lebte und ihren Namen angeben konnte. Plötzlich hörte man einen Krach in dem Nachbarhaus. Ein Feuerwehroffizier befahl den fünf im Tunnel befindlichen Leuten, sich sofort in Sicher- heit zu bringen, da man den Einsturz des Hauses befürchtet«. Glück- licherweise brach nur ein Teil des Dachstuhls zusammen. Di« genaue Zahl der unter den Trümmern Begrabenen läßt sich nicht fest» stellen, da man noch nicht weiß, wieviel Bewohner zur Zeit des Un» glücks abwesend waren. Opfer der Autoraserei. Rücksichtslose Fahrer.- Zwei«Schupos schwer verunglückt. Durch da» rücksichtslose Fohren zweier Privalautomobi- listen sind am gestrigen Sonntag zwei Schupobeamte schwer verunglückt. Der Polizeioberwachtmeister Löbach vom 45. Polizeirevier trat am Sonntag nachmittag seine Urlaubsfahrt mit feinem Motor- rad an. Als erste Etappe wollte L. Rheinsberg erreichen. Kurz hinter der Ortsschaft Lindow wurde der Beamte von einem nach- folgenden Privatauto so scharf auf den Sommerweg abgedrängt, daß Lobach die Gewalt über sein Fahrzeug verlor. Das Rad über- schlug sich und der Schupo stürzte so unglücklich, daß er lange Zeit bewußtlos liegen blieb. Später kam der Verunglückte wieder zu sich und es gelang ihm unter Aufbietung seiner letzten Kräfte, die nächst- Ortschaft zu erreichen. Dort brach der Beamte zu- sammen. Durch einen Arzt wurde ein Schädelbruch festgestellt. Lobach fand im Staatskrankenhaus Aufnahme, wo er schwer daniederliegt. Der schuldige Automobilist hatte sich au« dem Staube gemacht, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Ein ähnlicher Vorfall spielte sich am Platz der Republik ab. hier wurde der 30jährige Polizeioberwachtmeister Alfred Menzel aus der Christinenstr. 3 mit seinem Motorrad von einem Privatauto überfahren und schwer verletzt. Auch in diesem Falle roste der schuldige Autofahrer davon, ohne sich des Ueberfahrenen anzunehmen. Menzel fand in der Eharite Aufnahme. Ein weiteres schweres Motorradunglück ereignete sich in Köpenick. Das Motorrad, auf dem sich zwei Personen befanden, wurde von einem Privatauto buchstäblich überrannt. Dabei erlitt die 21 Jahre Edith Mitte«zwei aus der Lindenallee 14 in Friedrichshagen schwere Verletzungen. Das junge Mädchen wurde ins Köpenicker Krankenhaus gebracht.— An der Ecke Frieden- und Friedrichsberger Straße stieß ein Motorrad mit einer Autodroschk« zusammen. Der Führer de? Rades, der 32 Jahre alte Arbeiter Heinrich Witsch au? Hohenschönhausen, Landsberger Chaussee 3/4, mußte mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus am Friedrichs- Hain gebracht werden. ..Deutsches Thealer am Rhein", die von einer Vereinigung des Düsseldorfer Schauspiels mit dem von Köln wissen wollen, bestätigen sich. Zwischen dem Oberbürgermeister der Stadt Köln und dem Auf- sichtsrat der G. m. b. H. Schauspielhaus Düsseldorf wurde die Zu- sammenlegung de« Kölnischen Schausvielhauses mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus beschlossen. Beide gehen hierbei auf in die Gemein- lchastsgründung„Deutsches Theater am Rhein". Gespielt werden soll in den Häusern in Köln und Düeldorf, voraussichtlich auch in Bonn. Brüder des Neandertholers. Eine englisch-amerikanisch« For- schungsexpedition hat bei Athlit in Palästina drei Skelette entdeckt, die eine unverkennbar« Aehnlichkeit mit dem Knochengerüst des be- rühmten Neanderthalmenschen zeigen. Das Alter der Reste wird auf 72000 Jahre geschätzt. Streik im Möbeliransporigewerbe. Llnverfchämte Provokation der Unternehmer. Im gesamten Berliner Möbeltransportgewerbe ist heute früh die Arbeit eingestellt worden. Der Konflikt wurde von den Unternehmern heraufbeschworen, die das Lohnabkommen zum 30. Mai gekündigt haben. Am Sonnabend ist für das Berliner Möbeltransportgewerbe ein Schiedsspruch gefällt worden, der das bisherige Lohnabkommen zunächst unverändert bis zum 31. Mai verlängert. Bon der Lohnwoche an, in die der 1. Juni fällt, sollen die Löhne der ständigen Arbeiter und Stalleute u m 1 l) Proz und die der unständigen Arbeiter von 9,80 M. t ä g- l ich aus 8,50 M., also um rund 13 Proz. gekürzt werden. Die Zuschläge für Nebenarbeiten wie Klavier- und Geldschrank- transporte usw. sollen nach dem Schiedsspruch um 30 Proz. gekürzt werden. Für den Schiedsspruch, der bis zum 31. August gelten soll, ist eine Erklärungssrist bis Ende dieser Woche festgesetzt. Die Unternehmer des Transportgewerbes haben nun, ohne diese Erklärungsfrist abzuwarten, heute früh, teilweise sogar schon am Sonnabend einen Anschlag in den Betrieben heraus- gebracht mit der Erklärung, daß sie schon von Anfang dieser Woche an die Löhne hecunlersetzen, und zwar nach eigenem Ermessen. Bei den ständigen Arbeitern wollen sie sich ungefähr an den Schiedsspruch halten und den Wochenlohn von 49 auf 44 M. herabsetzen. Der Tagelohn der unständigen Arbeiter soll nach dem Diktat der Unternehmer von 9,89 auf 7,59 M. her- abgesetzt werden. Die Zuschläge für Nebenarbeiten sollen nicht, wie im Schiedsspruch vorgesehen, um 39 Proz., sondern gleich um die chölfte gekürzt werden. Diese unverschämte Provokation ist von den Möbeltransport- arbeitern im Einoernehmen mit ihrer zuständigen Organisation, dem Gesamtvcrband, heute früh mit der Arbeilseinstellung auf der ganzen Linie beanlwortel worden. An dem Streik sind etwa 1999 Möbeltransportarbeiter beteiligt. Angesichts des entschlossenen Widerstandes der Arbeiterschaft ist verschiedenen Unternehmern schon wieder der Mut geschwunden; beim Gesamtverband hat sich bereits eine Anzahl von Firmen- inhobern gemeldet, die sich zur Weiterzahlung des alten Lohnes schriftlich bereiterklärt haben. Die höheren Beamten. Auch sie klagen über andauernde Gehaltskürzungen. Der Reichsbuyd der höheren Beamten hielt am Sonntag in Eisenach einen Bundestag ab. lieber die Lebenshaltung der höheren Beamten sprach Dr. Bohlen-Berlin. Er betonte, daß der Beamte nach der Recht- sprechung Anspruch auf eine standesgemäße Lebenshaltung habe. Der Beamtenberus solle dadurch die Anziehungskrast einer gehobenen sozialen Stellung erhalten. Man müsse von der Notverordnungs- Politik zu grundsätzlichen und oalkswirtschastlich richtigen An- schauungen zurückkehren. Die Forderung nach Verzinsung des Kopitals für das Studiuni und die Sicherung standes- gemäßer Lebensweise müsse erfüllt werden. Nach statistischen Erhebungen seien die Ausgaben der höheren Beamten für Ernährimg mn ein Drittel verringert. Ausgaben für Bücher, Bildung, Kulturpflege usw. müßten soft völlig gestrichen werden. Hieraus erkläre sich die Erbitterung der höheren Be- amtcn über die Gehaltskürzungen. Uns scheint, als sei die Erbitterung der 5 Millionen Arbeitslosen in Deutschland berechtigter, als die der höheren Herren Be- muten, ganz abgesehen von der Erbitterung der noch in Arbeit und Kurzarbeit stehenden Arbeitnehmer über die ihnen ausgezwungene Einschränkung ihrer- Lebcnshaltmig. Geiordert wurde die Einführung der Arbeitsdicnstpflicht zu Siedlungszwecken— Arbeitsjahr. Das Heer müsse aus volks- politischen, nicht aus Aufrüstungsgründcn, im Wege internationaler Verständigung, vermehrt werden. Einheit- die sie meinen. Kommunistische Aqitationsmanöver. Die kommunistischen Gewcrkschaftsspoltcr hobcii in all den Iahren nach der Kricgszeil kein Mittel unversucht gelassen, um die freien Gewerkschaften zu schmöchcn und zu spalten. Obwohl sie ihre Parolen immer wieder wechselten und das Hohelied von den „klassenbewußten revolutionären Unorganisierte»" sangen, hängten sie doch immer wieder ihren Spaltungsversuchen das Mäntelchsn der„Einheitsfront" uiii. Je notwendiger die gewerkschaftliche Einheitsfront ist, um so krampfhafter die Spaltungsanstrengungen der KPD. und der NGO., die sie als„Einheitsfront" maskieren— wie sie sie auffassen. Die Drahtzieher der„Einheitsfront"-Spolterci wissen sehr wohl, daß es eine falsche Rechnung ist, wenn sie zählen: kämen alle Arbeiter zur KPD.-NGO., dann wäre die„rote" Einheitsfront perfekt. Wohl oder übel begnügen sie sich damit, das eine oder andere verärgerte Gewerkschastsmitglied unter Barspiegelung falscher Tatsachen und Schimpfereien gegen die Gewerkschaften herüberzuziehen und damit Reklame für ihre„Einheitsfront" zu machen. Den Kern der Einheitsfront der Arbeitnehmerschaft bilden d l e freien Gewerkschaften. Es gilt, aus ihrem Baden die wirk- liche Einheitsfront herzustellen und allen Spaltern, die die Ein- heitesront schänden, das Handwerk zu legen. Franz Spliedt, Sekretär der Sozialpolitischen Abteilung des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschaftsbundes, tritt an stelle des ver- storbcnen Redakteurs der„Gewerkschafts-Zeitung", Paul Umbreit, in den Vorläufigen Reichswirr schaitsrat ein. Rundfimk der Woche Aus Arbeit und Leben Jedem Menschen ist irgend etwas in seinem Beruf, in seinem Lebenskreis so wichtig, daß er für seine Verhältnisse beredt wird, wenn er darauf zu sprechen kommt. Natürlich muß er sich jemand gegenüber befinden, an dessen Interesse er glaubt und dem er bereit ist, von sich zu erzählen. Ein paar vernünftige Zwischenfragen: Ja, wie ist denn das? Wie machen Sie jenes?, und die Schilderung erwärmt sich; ihre Anschaulichkeit, Allgemeinverständlichkeit steigt. Wenn man zu denselben Menschen geht und ihnen sagt:„Halten Sie über diese Dinge einen Vortrag!" so wird das, was ihnen bisher ein Gespräch über die natürlichsten Dinge der Welt erschien, einfach und mühelos zu führen, plötzlich eine gewichtige Sache. Sie denken nicht mehr daran, was sie selber zu den Dingen zu sagen haben, sondern beginnen zu überlegen, wie man das macht, einen Vortrag halten. Das ist so wie das Aufsatzschreiben in der Schule. „Halten Sie über ihre Arbeit und ihr Leben einen Vortrag," sagt man zu irgendeinem Arbeiter oder Angestellten und zitiert ihn zu einem bestimmten Tag, für eine bestimmte Stunde vor das Mikrophon. Was mögen viele der Armen schwitzen, bis sie ihren „Vortrag" zusammen haben, acht bis zehn Schreibmaschinenseiten, zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten! Also zuerst einmal die Ein- leitung, was man so über Beruf und Leben im allgemeinen zu sagen pflegt; eine Seite läßt sich damit immerhin füllen. Dann: was kann man über den eigenen Beruf berichten? Ist er sehr oder wenig anstrengend? Nun, auf jeden Fall nicht so wenig, wie sich mancher Junge denkt, der ihn ergreisen möchte. Und natürlich ist er überfüllt. Fordert viel Lust und Liebe. Folgt die Aufzählung der nötigen Spezialkenntnisse. Neulich stand ein Verkäufer aus einem Feinkost- geschäst vor dem Mikrophon, der alle Salatnamen der Hörerschaft übermittelte, dazu die Fcinkaftzusammenstellungen für Braten und Zwischengcrichte. Folgt Umgang mit Publikum, Vor- und Nach- gesetzten; versteht sich, Schilderung im aufsatzreifcn Stil.„Sind die Vorträge langweilig!" sagen die Hörer. Müssen sie langweilig sein? Die Menschen, die da vor dem Mikrophon stehen, haben nichts anderes als den Auftrag, von dem zu sprechen, was sie tagaus, tagein beschäftigt. Aber während sie sich für den Vortrag vorbereiten, während sie ihn halten, ist Welt und Wirklichkeit für sie ver- schwunden, mindestens von einem dichten Schleier verdeckt. Eine schwierige Konstruktion, Worte aufgebaut zu Sätzen, Sätze zu einem Vortrag, mathematisches Problem, am leichtesten zu lösen, wenn man sich an ein Schema hält, gilt es zu bewältigen. Bisweilen geschieht es, daß einer sich daran versucht, rechtzeitig die Lust verliert, alle wohlgeordneten Aufstellungen beiseite schiebt und nun frisch drauflosredet.„Man, wir, in unserem Beruf, die Arbeit als..." fängt er an, und plötzlich ist er beim„ich" angelangt. Das traut sich zuerst noch nicht so ganz in den Vordergrund, versteckt sich immer wieder hinter Allgemeinheiten, aber endlich steht es unver- hüllt da. Und auf einmal wird der Bortrag spannend. Statt der Häufung von Allgemeinheiten, die mit kaum merklichen Abwand- lungen auf jeden Beruf, auf jede Lebenslage anwendbar sind, und die immer Worte bleiben, nie Anschauung werden, steht plötzlich ein Mensch mit seinem Schicksal da. Es ist ein ganz bestimmtes Leben, was sich da aufrollt, mit Namen und Daten zu fassen— und doch gehört es allen; denn es ist das Leben eines Menschen, und jeder Hörer fühlt, daß er selber dieser Mensch sein könnte. Jeder spürt, daß sein eigenes Dasein, so verschieden von dem eben geschilderten, doch in der Richtung der Kräfte diesem ähnlich, diesem gleich ist, daß auch ihn Umwelt und Beruf formten, auch ihn Tag um Tag, Jahr um Jahr gestalten, schleifen, vorwärts- treiben. Der Mensch hört den Menschen, und er versteht seine Sprache. Das sind in diesen Vortragsfolgen vor dem Mikrophon seltene Glücksfälle. Das Vortraghaltsn ist dem Aufsatzschreiben zu verwandt. Weshalb läßt man die Menschen nicht einfach von sich er- zählen? Dann und wann eine Zwischenfrage, die Verständnis- volle Anteilnahme beweist, oder, wenn der Bericht plötzlich anfängt, besondere Aufmerksamkeit des Erzählenden für das Mikrophon zu verraten, einige ablenkende Bemerkungen, und die Garantie für spannende Schilderungen wäre mit neunundneunzigprozentiger Sicherheit gegeben. Denn die Bedeutung aller dieser Vorträge liegt nicht im Stofflichen, sondern im persönlichen Erlebnis, genau gesagt: im Alltagserlebnis des Menschen. Alle die kleinen Dinge, die seinen Arbeitstag füllen, die fein privates Leben ausmachen, seine Sehnsüchte, die ewig unerfüllbaren und jene, auf deren Er- füllung dieser Mensch noch hofft, sie geben solchen Berichten van Beruf und Leben den eigentlichen Gehalt. Der Mensch soll hier zum Menschen reden— nicht der Beruf zum anderen Beruf oder zum Bcrufsanwärter. Die Jugend, die sich nach Arbeit und Ausbildung umsieht, kann durch gut orientierte Berufsberatung viel einfacher, zweckmäßiger informiert werden. Es wäre bestimmt nicht schwierig, den lebendigen Menschen vor dem Mikrophon sprechen zu machen— allerdings nur durch jemand, der sich auf die Lcbenswelt dieser Menschen einzustellen weiß, der sich ganz ungezwungen mit ihm darüber zu unterhalten weiß. Solche vorbereitenden Gespräche dürsten allerdings nicht ohne weiteres auf eine Mikrophondarbietung hinzielen; sie müßten nur erst einmal zeigen, was der Betreffende überhaupt aussagen kann und in welcher Form er am ungezwungensten spricht. Liegt ihm, wenn er „in Fluß" gekommen ist, der Vortrag— gut, so mag er einen Vortrag halten- sonst müssen immer wieder auflockernde Zwischen- fragen gestellt werden, nie aber so viele, daß dadurch von dem, was dem Berichtenden wesentlich ist, abgelenkt wird. Die Menschen, die aus„Arbeit und Leben" erzählen sollen, müssen davor bewahrt bleiben, der Suggestion des Mikro- phons zu verfallen, das fünfundzwanzig stilistisch einwandfrei aus- gefüllte Minuten von ihnen fordert. Wenn man ihnen das Bewußt- sein erhält, daß sie unmittelbar zu Menschen, zu ihresgleichen sprechen, die gar nicht für den Stil und nur für den Inhalt Interesse haben, so wird es mit einem Schlage nur noch gute, lebendige Vorträge in dieser Reihe geben. De,. ß S&uch Ollo Corbiuii: Offene IteU Die Weltwirtschaftskrise, die Stockung jeglichen Warenverkehrs und die Erfchüticrung nahezu aller Staaten versucht Otto Cor- dach in einem„Offene Welt" betitelten Buche(Ernst-Rowohlt- Verlag, Berlin 1932, kait. 7 M., Leinen 9 M.) zurückzuführen auf eine Versündigung der-Menschen gegen die Grundgesetze natürlichen Epistenzkainpfes. Seit Erschaffung der Welt haben alle Lebewesen, wie er nachweist, auch die standortgebundene Pflanze, zu ihrer Existenz und zu ihrer Fortpflanzung den weiten Raum frei durch- drungen und erfüllt. In der Geschichte der Menschheit haben immer wieder die Nomodcnoölker den Anstoß zu neuem Auftrieb gegeben, und solange die europäischen Völker in Europa und in Uebersee noch ungehindert eine große Auswander.ingspolitik trieben, solange sie also noch nomadenhaft, naturgemäß auf wirtschaftliche Hemmnisse reagierten, solange war es ihnen möglich, immer wieder zu neuer Machlcntfaltuna und kultureller Aufwärtsentwicklung zu kommen. Jetzt aber ist die weite Welt politisch aufgeteilt, iiberall sind „chinesische Mauern" ausgerichtet. Es fehlt nicht an siedlungsfähigen Räumen, aber es fehlt an der Erkenntnis, daß Einwandcrungs- verböte die Menschen erst endgültig seßhaft machen und dadurch ihre Kultur dein Verfall anhciin geben. Dringendes Gebot der Stiinde sei daher eine Politik der offenen Welt für ciiic großzügige| Besiedlung der Räume ohne Volk und für eine ebenso großzügige Uuisicdlung der Völker ohne Raum. Die geistreichen, mit sehr viel Material belegten Ausführungen sind nicht frei van kühnen Behauptungen und subjektiven Wert- urteilen, aus die«inzugehen der Platz verbietet. Wichtig aber ist zu bemerken, daß Corbach an der Planlosigkeit, an den, Anarchie- m u s der k a p i t a l i st i f ch e n Gesellschaft jast völlig vorbei geht. Zivar klingt sein Buch aus in der Forderung nach eiiier Planwirtschaft, die aber erst möglich sein soll, nachdem in genügend großem Maße Europa entvöllert ist, und die Corbach für möglich hält, ohne daß eine Beseitigung des kapitalistischen Systems not- wendig wäre. Wilhelm Tictxens. Eimdhmk am Abend Monta«?, den 9. Mai 1932. Berlin. 16.05..Kunststätten in Suddeutschland"(Prof. Dr. H. Hildebrandt). 16.30 Altklassische Arien für Sopran, Violine und Cembalo. 16.55 Klaviermusik. 17.10 Lieder 17.30 Dr. Ueberall erzählt. 17.50 Von der bildenden Kunst (Dr. E. Cohn-Wiener). 18.00..Die Anekdote"(P. Frisdiauer). 18.20 Mandolinenmusik. 18.35„Die Funkstunde teilt mit..." 19.00 Stimme zum Tag. 19.10..Frauen an der Maschine" (Else Niewierra. Emma Rüsche, Min.-Rat Prof. Woldt). 19.45 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.50 Aus Greifswald; Pommersches Musikfest. 20.35 Aus München: Gustl Waldau in der Komödie..Improvisationen im Juni". 22.05 Politische Zeitungsschau(Dr. J. Räuscher'). 22.25 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Spracfakranke in der Normalschule(Dr. A. Simon). 17.30 Südamerika in der Krise(Dr. W. Schücki. 18.00 Können Photographien lügen? (W. Stiewe). 18.30 Spanisch für Anfänger(Gertrud v. Ey seren, Dr. F. Armesto). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Die französischen Wahlen(Dr. M. Clauss). 19.20 Zweck und Notwendigkeit der Schweineleistungsprüfungen(Dr. Schoetzau). 19.35 Die Rechtsstellung des Memelgcbietes(Reg.- Ass..Nicolaus). 22.45 Aus München: Kon/ent. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"-Bolen oder die Postanstallen. Weiler für Berlin und Umgegend: Noch ziemlich kühl, anfangs veränderlich mit einigen Regenschauern, später Besserung, mäßige Westwinde.— Für Deutschland: Im Nordosten noch zeitweise regnerisch, im Übrigen Reiche von Südwesten her einsetzende BessernnG und Erwärmung. 13. kreis. Heute Fraktionssitzung. 19)� Uhr. 5. kreis. Kreis» funktionärsigung im Gesellschaftshaus Ewest, Große Frankstirter Straße 39. l. Kreisangelegcnheiten; 2. Vortrag des Genossen Kurt Heinig, M. d. R.,„Die Wahlen vom 24. April und die politische Lage; 3. Diskussion. Bcrantwortl. für die Acdaüion: Rich. Bernstein, Berlin-, Anzeigen: Th. Glocke. Berlin Bcrlrg: Vorwärts Verlag CS. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Bcrlagsanstalt Paul Singer Si Co.. Berlin SW K8. Lindenstr. Z. Hierzu> Beilage. Heuttdi« IDeater s Uhr Vor sonnen- nnlergang v. aerh.Hauptmann Regie: Max Reinhardi I tarn-TueaiKi' Dienstag I rauffil hrnnx Madonna wo bisl Du? '. v. Bertüdi-Haselia;■ U5 Uht flora 3431: auclien«iJUlM Ble uari&e-£evue „o seiner Hier inblDte" u„Von Lenz u. linde" ümviderrufüch nur Im iilal Zum Pfingstfest— verkauft große Trauringfabrik � \ direkt an Rrivate fugenlce. Es massive, garant. voükarKüge Ä.«» suIs&SIaJL 1 Ring 333 gestemp. n u r 4 50 ois 7.50 Mk 1„ 580 leicht 8.- I, 58S mittel 11.50 1. 585 schwer 13.75 I„ 900 leicht 15.50 .. 1.. 900 mittel 20.50 | ütHtiS I � 90" schwer 11.— capaniteschem. Gravieren gratis soiori z. mitnenrnen irtiiieriesiraBe 3E w. Passaoer su. 12 A Xollhusser Oamra 9 carattttescnein. Gravieren grans ffsniffl Wisse original-Belema Patenlma�ratzen/ Ruhebetten souchs mit Befema-Federung •roUo rrankturtBi SlraBe •. Wiidmi k> W 4.15 Uhr Die Frau. die jeder sudit MAX «iVSZtWitRJMtt PatcnNDrebbeH(D. R. P.) ein Grift- Tin Sc«, sowie das neue Molzbeit mi. cfcma-Fcdc. nts�. sind voilkommor jp rteräujcbio».' Kein Ein iegen. Für schwersfe delaszung. Ueberali erhält! j— Besoaders ,7irisa'n � � kleiheh Anzncn j 20 Jahre Garantie. Seri.FedarmatratZ.-FaürlK, Koppenstr.siltes.Vorwärts" iol trett(l«D aoMrordenii.i billig J| Pumpen z.Selhstaufstellcp — Röhren— Filter, slmllithc FiMtitelleJItost. Preisüsti nralis' Köa SM 3 So. Panfwfabrit Berlin N«5, PeiBidtnijorfir StraBi 55. j �obnaebiffe. | VlatinabFalle i Quecksilber Rinn» I Metalle. Silber- schmehe. Doldsckmel. I�erci. Gbriftionat, ßboenicfcrftraRc 39. fKüleftfOp Mbnlbert- j ftrofte Bootshaus im Tiefwerder gegen i Pochtübernahme. «Ezumann, Neukölln 716S. föellage Montag, 9. Mai 1932 ÜnSbrnt SfinJnmgnße da f�TUMxW- Stürmer und Staatsmann! / Von Friedrich Stampfer Ganz plötzlich ist Albert Thomas fortgegangen, es läßt sich schwer aussprechen, für immer! Nicht leicht ist, sich vorzustellen, daß der lebendigen Welt fortab dieser Lebendigste fehlen wird! Das Internationale Arbeits- a m t verliert in ihm nicht nur seinen Direktor, sondern auch seine Seele. Wohl war vorauszusehen, daß es einmal in Genf einen Abschied geben würde, doch hatte man ihn sich anders gedacht. Dieser Mann, der sich mit seiner ganzen elementaren Arbeits- energie auf das Gebiet der Sozialpolitik geworfen hatte, als ob nie etwas anderes für ihn existiert hätte, war ein Staatsmann von großem Format; feine Rück- kehr in die aktive Politik Frankreichs schien nur eine Frage der Zeit, und diese Zeit schien nahe. Sein tragischer Tod— am Tage vor dem Sieg— macht nicht nur Frank- reich, sondern Europa um eine Hoffnung ärmer. Es sind ziemlich genau zwanzig Jahre her, da kam Albert Thomas zum erstenmal als junger sozialistischer Deputierter nach Berlin zurück, das er als Student verlassen hatte. Ein Mann Mitte dreißig mit dem Kopf eines Philosophen und den Fäusten eines Bauern, strotzend von Kraft und Tat- willen. Schüler des großen Lauras, doch noch mehr als dieser zum Realen gewandt, fest auf der Erde stehend und bereit, sie aus den Angeln zu heben. Reformist im Sinne des Marx-Wortes, daß wir die Welt nicht nur interpretieren wollen, sondern verändern. In Berlin fand er einen Kameraden von gleicher Ge- sinnung und gleicher Schulterhöhe an Ludwig Frank. Im Zusammenwirken dieser beiden Männer entstand ein Plan zur Herstellung eines freundschaftlichen Einvernehmens zwischen Frankreich und Deutschland, eines Locarno vor demWeltkrieg. Daß die deutschen und die französischen Sozialisten die Verständigung ihrer Länder wollten, war eine Selbstver- ständlichkeit. Aber beide waren weit davon entfernt, die aus- wärtige Politik ihrer Regierungen entscheidend beeinflussen zu können, solange ihre Aktion isoliert blieb. Wollten, konnten sie warten, bis sie in beiden Ländern die Macht besaßen? Das hätte bedeutet, zunächst einmal den kommenden Krieg als unabwendbares Verhängnis hinnehmen, auf die Aktion zu seiner Verhinderung verzichten! Wollte man den Versuch machen, das Rad des Schicksals an den Speichen zu packen, dann konnte man das nur in Kooperation mit den bürgerlichen Parteien jenseits und diesseits tun, soweit sie in diesem einen Punkte mit den Sozialisten über- einstimmten. Es galt also, in Paris wie in Berlin zunächst sozialistische und nichtsozialistische Abgeordnete in der Frage der deutsch- französischen Verständigung auf eine Linie zu bringen und dann beide, Deutsche und Franzosen, zusammenzuführen. Das gelang auch nach glänzender Vorbereitung mit Hilfe eines Schweizer Komitees, das zum 11. Mai 1913 nach Bern zu einer deutfch-französifchen Konferenz einlud. Die Konfe- renz, an der von deutscher Seite Sozialdemokraten, Fort- schrittler und Elsässer, von französischer Sozialisten, Radikal- sozialisten und Linksradikale teilnahmen, sprach sich für die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit aus. Sie gab der Ueber- zeugung Ausdruck, daß beide Völker in ihrer ungeheuren Mehrheit den Frieden wollten und daß eine Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich die Grundlagen für einen dauernden Frieden schaffen werde. Ein Jahr später— im Mai 1914!— traten die parlamentarischen Friedensausschüsse beider Länder in Basel zu- sammen, jetzt waren auf deutscher Seite auch Zentrumsleute und Nationalliberale mitgekommen, so daß die große Mehrheit des Reichstags vertreten war. Auf der französischen Seite war es nicht anders. Beide Völker mani- feftierten durch ihre Vertretungen ihren gemeinsamen Willen zum Frieden. Dies war der letzte großzügig erdachte, wenn auch mit unzureichenden Mitteln unternommene Versuch, den Frieden der Welt zu retten. Wenn er bis zu einem Punkte gedieh, an dem er Millionen mit neuen Hoffnungen erfüllte, so war das nur möglich geworden durch die ungeheure Arbeitskraft zweier Männer, ihren zähen Willen, ihr diplomatisches Ge- schick. Das waren Ludwig Frank und Albert Thomas. Nach ein paar Monaten war das alles zusammen- gebrochen. Ludwig Frank fiel als Kriegsfreiwilliger, Albert Thomas wurde Arbeits-, das heißt Munitionsminister. Sozialistische Arbeiter marschierten gegen sozialistische Ar- beiter, sie taten ihre Pflicht, aber sie taten sie mit zerrissenen Herzen. Es war für sie ein Bruderkrieg. Tragödie der Menschheit! Tragödie des Sozialismus! Für das Wesen Albert Thomas bleibt dieser erste Schritt in die große Politik kennzeichnend. Er blieb der Mann der weiten Perspektiven, des starken sachlichen Ehrgeizes; er blieb auch der Politiker, der mit Mitteln der Realpolitik die Grenze zum Utopischen weiter hinauszurücken bestrebt ist. Dieser Franzose hat immer nach dem Ausspruch Napoleons gehandelt:„Unmöglich ist kein französisches Wort." Mit der- selben stürmenden Energie wie vor zwei Jahrzehnten für die Rettung des Friedens hat er in den letzten Monaten für seinen gigantischen Plan eines internationalen Ar- beitsbeschaffungsprogramms gekämpft. Wäre er eines Tages, nach dem Siege der Linken in Frankreich Ministerpräsident oder Außenminister geworden, er hätte sich gewiß nicht damit begnügt, einer von den vielen zu sein, die da kommen und gehen; Glanz und Titel hätten ihn wenig befriedigt, seine Leidenschaft zur Leistung, sein Wille zur geschichtlichen Tat hätten ihn über den Rang eines Durchschnittsministers hoch emporgehoben. Er wollte nicht sterben, ohne in der Welt etwas vorwärtsgebracht zu haben. Nun hat ein tragisches Geschick ihn weggerissen gerade in dem Augenblick, in dem sich seiner ungeheuren Arbeits- energie neue Möglichkeiten zu öffnen schienen. Auf den glän- zenden Sieg unserer französischen Genossen fällt der dunkle Schatten des Todes. Wahrlich, es ist schwer zu denken, daß Albert Thomas nicht mehr lebt! Große Berliner Kunstausstellung Schloß Bellevue Wie stets im Mai versammelt das Kartell der Berliner Künstler- oerbände eine umfangreiche Schau von Gemälden und Skulpturen mancher Art und Richtung, abermals im vielgescholtenen Schloß B e l l e v u e. Aber mag diese Unterkunst auch ein mangelhaftes Provisorium sein,— sie nun für die von Jahr zu Jahr weniger erhebende Wirkung verantwortlich zu machen, geht doch wohl nicht an. Ebenso verfehlt scheint es, alle Schuld an dem immer schwäche- ren Gesamteindruck der zu großen Ausdehnung beizumessen oder dem Kartellgedanken, der Werke sehr unterschiedlichen Gepräges oft etwas schroff benachbart. Nein, daran liegt es nicht. Am Lehrter Bahnhof umfaßte die„Große Berliner Kunstausstellung" regelmäßig fünfmal so viel Nummern. Und gerade die Zusammenberufung sämtlicher Gruppen sollte eine jede von ihnen zu engerer Auslese zwingen und so dem kontrastreichen Gesamtbild nur förderlich sein können. Gerade heute wird kein Freund des bildkünstlerischen Schaffens leichten Herzens den so unendlich hart betroffenen Malern und Bildhauern Knüppel zwischen die Beine werfen und das ohne- hin verkümmerte öffentliche Interesse für ihre Darbietungen noch schmälern wollen. Trotzdem kann nicht verschwiegen werden, welch dürftiges Ergebnis diese als Querschnitt der letztjährigen künstle- rischen Produktion in Berlin auftretende Ausstellung vorführt. Es muß schon darum offen ausgesprochen werden, weil der Eindruck, den man hier gewinnt, keineswegs dem allgemeinen Niveau der Leistungen entspricht, das ganz unvergleichlich höher liegt. Es wären ohne jede Schwierigkeit Hunderte von in Berlin lebenden Künstlern zu benennen, berühmte und unberühmte, fortschrittliche und konservative, deren Arbeiten dieser Schau zur leuchtenden Zierde gereichen müßten. Wieso fehlen sie, obschon die einzelnen Künstlerverbände nach freiem Ermessen eingesandt und sich von keiner allgemeinen Jury abhängig gemacht haben? Wie erklärt es sich, daß die meisten qualifizierten Mitglieder dieser Verbände nicht mitgetan haben? Der Eingeweihte weiß, welches geringe Ansehen diese traditionelle große Ausstellung in den weitesten Kreisen nachgerade genießt. Man drängt sich keineswegs, dabei zu fein, und auch die Beteiligten kon- zentrieren ihren besonderen Ehrgeiz kaum auf diese Veranstaltung. Selbst die Künstler des leitenden Ausschusse» haben größtenteils ihre eigenen Arbeiten vorenthalten. Gleichviel, wie das so gekommen ist und durch wessen Verschulden.— so liegt es. Ohne einen ganz neuen Impuls, eine ihr wieder Geltung verschaffende Reor- ganisation wird die„Große Berliner" nicht vor dem völligen Er- löschen zu bewahren sein. Dabei hätte sie recht wichtige Aufgaben im Berliner Kunstleben zu erfüllen. Selbstverständlich herrscht in den Sälen nicht, wie in den ent- sprechenden Ausstellungen in Paris oder London, die schreiende Un- kunst. Aber aus der faden Leidlichkeit lau erlebter und halb ge- lungener Werke hebt sich kein Dutzend stärkerer Eingebungen. dichterer Bildfügungcn, verantwortlicherer Gestaltungen. Zu ihm sei in erster Linie das strenge, schmale Mädchen in Blau vor roter Draperie von Hans Steiner gerechnet, dann eine kleine „Kanalschleuse" von S ch ü l e i n, zwei Tierbilder von R. Tacke, eine recht feine silbertonige Provence-Landschaft von Rhein, P a e s ch k e s buntlebendige Aufnahmen der Baumblüte in Werder und des Eisfegelns auf dem Wannsee und auf plastischem Gebiet die ruhigen Arbeiten von I s e n st e i n und Porträts von Hein- r i ch- S a l z e in graubraunem, schlackigem Klinker. All das wirst nicht gerade um, aber es besteht. Unter vielen, die sich hier um zeitkritische Bildmanifeste wenig selbstkritisch bemühen, durch Einsall und Formulierung einzig fesselnd Oscar N e r l i n ge r, wenn er etwa den industrialisierten Rhein zeigt und davor eine riesige rosa Brille, die Loreley-Romantik vortäuscht, oder ein andermal den weltfernen Stillebenmaler unter der Glasglocke, der von den sozialen Erregungen ringsum nichts sieht noch hört. Die Schwächlichkeit des Wollens, die Unsicherheit der Aus- führung verteilt sich gleichmäßig auf alle Richtungen, die hier zu Worte kommen. Daraus nun ein allgemeines Nachlassen festzu- stellen, wäre unberechtigt. Diese Ausstellung kann nicht den An- spruch erheben, hierüber gültige Auskunft erteilen zu können. Man ist es dem wirklichen vielfältigen Können, dem ernsten Eifer der wahrhaftig nicht wenigen Begabungen und künstlerisch schaffenden Kräfte dieser ihnen so unfreundlichen Zeit schuldig, sie gegen ein Urteil zu verwahren, das sich auf die Kartellausstellung im Schloß Bellevue stützt, Willi Wolfradt. Kleine Konzertchronit. Was muß das vor fünfzig Jahren für eine in allem Musi- kalischen fruchtbore und unternehmungslustige Zeit gewesen sein, was ist da nicht alles gegründet worden, wieviel damals Be- gonnenes hat sich nicht aufs ehrenvollste durch Jahrzehnte, durch ein halbes Jahrhundert zu behaupten gewußt! Beweis dessen der in dieser Saison scheinbar kein Ende nehmende Reigen von Ju- biläen, von denen das Slljährige Künstlerjubiläum der Quartett- Vereinigung Arnold Rose nicht das letzte ist. Ein österreichisches, mehr noch: ein wienerisches Quartett sind die Roses von je gewesen, bei aller Präzision, bei aller kristallenen Klarheit und untadeligen Delikatesse von wienerischer Weichheit, süddeutschem Schwung, öfter- reichischer Klangseligteit— wenn sie Mozart oder Schubert spielten, wurden sie Erzieher ganzer Generationen von Quartetthörern und -spielern, deren es an der schönen blauen Donau ja viel mehr gibt als irgendwo anders. Auch diesmal spielten sie(neben Beethoven) Mozart und Schubert, das Jagd-Quartett, das Forellen-Quintett, bei dem ihnen allerdings ein anderer Klavierpartner als Stefan Berg- mann von Herzen vergönnt gewesen wäre. Zwei Pianisten„von Format", sehr unterschiedlich freilich im Können, in der Technik, insbesondere aber im Wollen, in der In- tention; beide spielen ausschließlich Chopin und jedesmal ist s eine andere Welt: Leonid Kreutzer müht sich um Tiefe, Strenge, Bau, Bedeutung seiner Werke, nicht ohne freilich ins Doktrinäre. Intellektuelle, Ueberspitzte zu versallen, nicht ohne zusammen- hängende Flächen zu zerreißen, einheitliche Linien zu zerstören und in einem Maß persönlich zu werden, das das Werk gefährdet. Wladimir H o r o w i tz dagegen, der brillanteste Klaviertechniker unserer Tage, vorzugsweise eleganter, nonchalanter Chonpinspieler, bleibt an der Oberfläche: an einer unnachahmlich glanzvollen, in allen Farben irrisierenden Oberfläche freilich... Max von Schillings dirigierte ein wohltätigen Zwecken gewidmetes Konzert des Sinfonie-Orchefters: Beata M alkin und Alexander K i P n i s(die mit Mozart-Arien und Schubert-Liedern viel Applaus ernteten) waren feine erfolgreichen Solisten. Das große Konzertereignis der Woche aber hieß Richard Strauß, der — feierlich begrüßt— zum erstenmal am Pult der Funkstunde er- schien, um seinen„Don Juan"(der übrigens funkisch denkbar un- geeignet ist) und Mozarts Jupiter-Sinsonie zu dirigieren. Ob er sein eigenes stürmisches Jugendwerk in erstaunlicher Ruhe und Korrekcheit interpretierte, ob er Mozart so hinmusizierte, als gäbe es keinen Krampf und keine Uebersteigerung musikalischer Dar- stellungskunst, nicht als organisches Sichentfoltenlassen. Wachsen, Aufblühen— in jedem Takt war mehr als Meifterfchoft, war etwas zu spüren, das Strauß vielleicht als einziger noch ganz besitzt: in jedem Takt war Einheit der Musik./ A. W. Japanische Tänze. Matinee im Zienaissance-Theater. Im Renaissance-Theater zeigte das Tanzpaar U m e m o t o japanische Tänze. Der dekorative Eindruck, der von aller japanischen Kunst ausgeht, war auch an diesen Tänzen das augenfälligste Merk- mal. Wenn auch manches an dem von den Tänzern Gebotenen nicht mehrZtreng an die tänzerische Tradition des Landes gebunden sein mochte, so war doch die für die japanische Kunst charakteristische Linie in allen Vorführungen unverkennbar. Das für Japan so be- zeichnende Historienbild, Illustration zu irgendeiner Heldengefchichte oder auch nur zu einem Kulturbericht, findet im Tanz seine Parallele. Der beschreibende Inhalt wird als Lied gesungen: der Tänzer be- gleitet ihn mit Gesten, die durch vollendete Beherrschung feinster Aus- drucksnuancen immer wieder bezaubern, aber gleichwohl die Grenze sauberen Kunstgewerbes kaum je überschreiten. Diese scheinbar aus bloßem Spiel erwachsende mühelose Anmut machte auch ein Frühlingstanz der Tänzerin Umemoto so reizvoll. Der in der japanischen Kunst immer wieder verblüffende Sinn für groteske Wirkung feierte in einigen der gezeigten Tänze seinen Triumph. Stürmische Heiterkeit löste ein Tanz aus, in dem der Tänzer bald einen Reisenden, bald das ihn empfangende Gasthaus- mädchen darstellte. Ein IbOO Jahre alter religiöser Tanz zeigte be- sonders deutlich, daß auch die japanische Bewegungskunst ihre Wur- zeln in den buddhistischen Kulturkreisen des asiatischen Festlandes hat. Das feierliche Zeremoniell einer streng festgelegten Gestik, die den kultischen Tanzbewegungen Chinas und Hinterindiens ent- stammt, beherrschte diesen Tanz. Japanische Lieder sang mit wohl- klingend europäisch geschulter Stimme der Sänger O k u d a. h. Im Rahmen ber Koethe-Bartrilge der Universität spricht Dienstaq, 8 Uhr, in der Renen Aula der Universität Prof. Richter iibcr„Goethe und der Staat", Im Museum für Naturkunde spriäit Mittwoch, K Ubr, Prof. Zinnner: Von den Vögeln des Tiergartens,— Sonderausstellung: die Vögel und Säugetiere des Tiergartens, „Schriststeller betrachten Europa." Unter diesem Titel veranstaltet der PEN.-Club am 12. Mai, abends TA Uhr, einen internationalen Dis- kussionsabend im Haus der Presse, Tiergartcnstraße>k. Die Referenten sind: für Frankreich: Victor M a r g u e r i t te, für Polen: Ferdinand G o e t e l, für Spanien: Luis Aragnistain, für USA.: Edgar A. M o w r e r, für Teutschland: Heinrich Mann und Arnold Zwei g. Tie Islamisch«.llunstobteilung der Staatlichen Museen veranstaltet während Mai und Juni im.Kaiser-Friedrich-Museum«Saal 2? und 2öt eine Ausstellung Islamischer.Kunst aus Berliner Privatbesitz. Reben einer stattlichen Rübe prächtiger Orientteppiche des 15. bis 17. Jahr- Hunderts werden Fapencen und islamtsch« Gläser gerelg». „Quer durch den Wedding" Wcrbclauf der Arbeit erspoHler/ 70 Mannschaften, S10 Teilnehmer Dlarf) langer Unterbrechung lief gestern im Rahmen der B u n- des w�e r b e l ä u f e auch wieder in Berlin ein Straßenlauf vom«tapeh Leider halte der Wettergott wenig Einsehen mit den Sportlern. Regen in der Nacht, trübe der Vormittag, Regen zum Beginn der Läufe. Unter diesen ungünstigen Bedingungen blieben ein Teil der gemeldeten Mannschaften dem Start fern. Trotzdem stellten sich jedoch 70 Mannschaften dem Starter. Eine dicht- Zu- schauermenge hielt in weitem Umkreis Promenade und Biirgerfteige besetzt. Zahlreiche Lastautos brachten die Sportler aus ihren Wohn- bezirken an die Plätze und nahmen sie nach dem Lauf wieder auf, was bei dem ungünstigen Wetter sehr angenehm war. Aus Gründen der Billigkeit und Annehmlichkeit bürgert sich der Autotransport überhaupt mehr und mehr ein. Die mit der Veranstaltung betrauten Vereine A«V.-Wedding, Volksfport-Wedding und Moabit hatten durch Markierung der Strecke und Aufstellung von Ordnern ihre Ausgabe bestens gelöst. Um 11 Uhr eröffneten die Kinder mit einer 10-mal-100-Meter- Stafette den Werbelauf. Bei den Knaben wartete Südoft-Treptow mit der schnellsten Mannschaft auf, während beide Mannschaften von Volksfport-Wedding die Mädchenstafette gewannen. Dann ablolvier- ten die� Sparten st afetten und Einzelläufer die 2000- Meter-Strecke. Tegel gewann vor den Moabiter Spielern. Die ersten des Jugendeinzcllaufes Rakow-Volksfport-Wedding, Niemann- Reinickendorf-Ost und Rinkel-Pankow sind guter Mittelstreckennach- wuchs. Bei den älteren Sportlern kam Goltz-ASV.-Wedding knapp vor'Förster-Freie Lehrersportvereinigung ein. Die 2000-Meter-Stosette der I u g e n d und Sportlerinnen startete gemeinsam. Bis zum zweiten Wechsel hielten sich sogar einige Sportlerinnen in der Spitzengruppe der Lugend. Volkssport- Weddings Jugend führte zunächst vor ASV.-Wedding, Rot-Weiß, Schöneberg und ASV.-Neukölln. Nach 1500 Metern gingen die Neu- köllner in Führung und beendeten 50 Meter vor Rot-Weiß, dem dichtauf Pankow folgte, das Rennen. Die ersten 1000 Meter bei den Sportlerinnen wurden im Rudel zurückgelegt, unter stetem Platzwechsel zwischen Schöneberg, Osten, Rot-Weiß, Ostring und ASC. 500 Meter vor dem Ziel setzte sich Rot-Weiß vor Ostring an die Spitze, um die Stafette siegreich zu beenden. Inzwischen starteten die L a n g st r e ck l e r zum 7400-Meter- Einzellaufen. Bald hatte sich eine Spitzengruppe mit Schulze-Weißen- see, Pape-Mahlsdorf und Griebener-Zehlendorf gebildet. Langsam zog sich das Feld auseinander. Auch die Spitzengruppe tellte sich bei 1500 Meter, jedoch bleibt die Reihenfolge bis zum Ziel bestehen. Nur im Hinterselde gab es einige Plotzverfchiebungen. Schulze beendete mit 200 Metern Borsprung den Lauf. Die mit Spannung erwartete große Stasfel sah 20 Mann- schaften am Ablauf. Durch die beliebige Aufstellung der Vereine waren bei 1000 Metern noch etwa 10 Mannschaften in kurzen Ab- ständen beieinander. Dann fetzte der erwartete Zweikampf Ost- ring— ASC. ein. Unter mehrmaligem Führungswechsel der Favo- riten, ließen sie das übrige Feld 100 Meter zurück. Im chinterfelde entspann sich vom dritten bis fünften Kilometer ein Dauerkampf um den dritten Platz. Erst find ASV. und Volkssport-Neutölln die Rivalen, dann greifen Volksfport-Wedding, Rot-Weiß und Moabit in den Kampf ein. Leider kamen auf dem schlüpfrigen Asphalt einige Läufer zu Fall. In der Müllerstraße klärte sich die Situation. ASC. lag 80 Meter vor Ostring, als diese Läufer stürzten. 120 Meter zurück folgte ASV.-Neukölln vor dem übrigen Felde in kurzen Ab- ständen. So bleibt die Reihenfolge bis zum Schluß. Kurz vor dem Ziel passiert Volksfport-Wedding noch Rot-Weiß und wird damit Vierter. Die Klassensieger der Großen Stafette wurden somit: �-Klasse ASC., L-Klasse ASV.-Neukölln. E-Klasse FTGB.-Osten, untere Mannschaften ASC 2. Genaueren Aufschluß gibt die Gesamt- wertung. Der gestrige Straßenlauf war jedenfalls in den trotz des Regens gut belebten Straßenzügen des Weddings und Moabits eine wirksame Propaganda für den Berliner Arbeitersport. 1(mn0 Meter Knaben: 1. Sudost.?repton' 2;!4,4; 2. AST. 3:01,2; 3. Bolks- fport-Wedding: 4. Schwimmverein Kellas. 10X100 Meter, Mädchen: 1. und 2. Bolksvvrt.Weddinz 3:12,3. MOO-Metcr-Svartenstafettc: 1. Tegel 4:29,1; 2. Mvabtt.Svieler 4:39,2; 3. Reinick-ndorf.Ost 4:43,1; 4. Treptow. Südost. 2000.Metkr.?»gcndstofctie: 1. ASP-Neulölln 4:46,4; 2. Rot-Veiß 50 Meter zurück; 3. Pankow dichtauf; 4. Schöncbcrg; 5. ASP.-Wedding; 6. Volkssport» Wedding. 2000-Metcr.Svortlerinnen-Stafette: 1. ASV.»Rot-Weiß ä:19, 2. Ost» ring; 3. ASC.; 4. AS?..Sch°nederg: 5. FTSP.-Osten; 6. AEB.-W-dding. 7400.Meter.Stasette: 1. ASC I 18:54,2; 2. Ostring I 19:14,2: ASV.-NeukSlln I 19:51,2; 4. Volkssport-Wedding 1; 5. ASP.-Rot-Wciß: 6. Moabit I; 7. Volk». sporl Neukölln: 8. AS?..W-dbina; 9. IZTGB. Osten; 10. ASC II; 11. Wildau: 12. ASV-Schöneberg, 13. ASC III, 13. Volksfport.Wedding II; 15. Proles; 16. FTSV.»Süden; 17. Ostring II; 18. Fr. SPvgg. Fichte: 19. ASV.»Neu» kölln II. Cinzelläufe. 2000 Meter, Jugend: 1. Rakow.Vclksivort.Wedding 6:22,8; 2. NiemanN'Reinickendorf.Ost: 3. Rinke-Pankow; 4. Sielaff-Proles. 2000 Meter, ältere Sportler: 1. Golß-ASV-Wedding 6:50.8: 2. Färstcr-Fr. Lebrersportver» einiaung. 7400 Meter. Sportler: i. Schulze.Volksfport.Weißensee 24:07; 2. Pape.Mablsdorf 25:42,3: 3.(5riebener.Fr. Schwimmer Zeblendors; 4. Bohn- stedt-Zossen. 5. Czerr-Werlsee; 6. Nänchen-Aaulsdors; 7. Tbeck-Volkssport-Neu» kölln; 8. Knospe-Moabit; 9. Pospischil-FTG?.. Osten; 10. Proske-Spandau. Die Zedier haben Glück Verregneter zweiter Regattatag Wenn man bereits am chimmelsahrtstage von schlechtem Regatta- weiter sprechen mußte, so war es gestern, am zweiten Tage der Frühjahrswettfahrten des Freien Segleroerbandes, Kreis Berlin, nur dem Spartgeist einiger Rennklasienoertreter zu ver- danken, daß die Veranstaltung auf dem Langen und Seddin- s e e nicht ausfiel. 5 bis 6 Grad„Wärme" und Dauerregen dazu find bei einer zweistündigen Wettfahrt die besten Voraussetzungen für eine Erkältung, der sich nicht jeder aussetzen will. Nachdem auch eme Stortvcrschiebung von einer Stunde keine Aendcrung in der Wetterlage brachte, sandte der Starter um 12 ilhr bei einem gleich- mäßigen Nordost von 3 bis 4 Sekundenmeter die Unentwegten auf die Bahn. „Jenny" von den 22-2uadratnister-Nationalen-Iollen fuhr M!edec ollein. mußte ober das Prädikat„schnellstes Boot der großen Bahn" diesmal an die 20-Quadratmeter-Renniolle„Greif" abgeben, die dazu nur 1:44 Minuten brauchte. In der B-Klasfe hotte „Trudi" keine Konkurrenz. Bei den lö-Ouadrotmeter-Rennjollen lag „Lucifer ll" wieder seinem Feid weit voraus und wurde mit 4� Minuten Vorsprung Sieger vor„Wienerin", die den 2. Platz b-ieate. Drittor wurde„Schnulli", der diesmal„Friede" nicht gc- fährlich werden kannte. In der B-Klasse machte„Lieselchen" das Rennen ollein. Auch bei den 15-Ouodratmeter-Wanderjollen gab es keine spannenden Kämpfe.„Amoy" konnte den„Ersten" für sich buchen, nachdem zwei seiner Gegner, die schneller waren, wegen ihrer großen Segel bei de? Bewertung ausfielen. Den 2. und 3. Platz belegten„Blitz" und„Pirat". In der S-Klasse„siegte"„Wander- hurirfi" als Alleingänger. Bei den 10>Ouadrotmeter-Rennjollen kämnsten„Ifchi Copa" und„Silberbob" hartnäckig um den Sieg. Obgleich der letztere vom Start an vorn lag, wurde er von„Ifchi Copa" fo dicht verfolgt, daß der Sieg oft zweifelhaft war. Schließ- lich muhte sich dieser aber mit einem Abstand von 12 Sekunden mit dem zweilen Platz bescheiden, während„Silberbob" mit einer Zeit van 1:13,22 Min. schnellstes Boot der Kleinen Bahn wurde. „Rumtreiber" von der S-Klasse wurde ohne Kampf Sieger. Sehr aut hielt sich auch„Seeteufel", eine Ausgleichsjolle, die als Regatta- bummle? das schlechte Wetter nicht scheute. Die wetterharten Müggel- seer hotten gestern an der Wettfahrt hervorragenden Anteil und kannten auch die größte Zahl der Siege für sich buchen. Es wurden folgende Zeiten gefahren: 22.ll-v.N<>tipnale Jollen: Ncnnn 1:46:51. 20.qm.Renniollen A: Wrtlf 1:44:00; B; Trudi 1:54:44. lö-am-Rennjollen A: fiuciftt II 1:44:17; B: Lifclchcn 2:09:22. in-qm-WondctioOcn A: Amog 1:59:40; B: Wanderbursch 2:07 54. lO-am-Ronn» sollen A: Silb-rbob 1:13:22; B: Rumtreiber 1:78:22. An-oleich-uollen: See- teufet 1:21:51. Gruppe �Vest Der zweite Tag der Frühjahrswettfahrten bracht« auf dem Tegeler See für die Gruppe West wegen der ziemlich niedrigen Temperatur wieder großen Startausfall. In den gestarteten Klasien wurden bei einer gut durchstechenden Brise von 4 bis 5 Sekunden- meter recht abwechslungsvolle Kämpfe geboten.„Thetis" siegte auch diesinal wieder in der 30-2uadratmeter'Renniachtenk!asse. Bei den 20-Ouadratineter-Iollenkreuzern, die anfangs dicht beieinander lagen, konnte sich„Paß-llpp" in der ersten Runde freisegeln, und.war nicht mehr zu schlagen. In der 20-Quadrotmeter-Rennjollen.�-Klasse hatte „Maja II" vom Start an die Führung.„Krümel", die trotz spätem Stört Zeit ausgeholt hatte, fiel auf der Kreuzstrecke wieder zurück und blieb mit 32 Sekunden Abstand zweiter.„Maja II" war s-inellstes Boot der großen Bahn in der Zeit von l: 27,12 Stunden. „Greis" in der 15-Ouadrotineter-Manderj oll en-.�-Klais« log in der ersten Runde noch an dritter Stelle, halte gut aus und ließ „Fridolin II" in der Ziellinie noch 1: 11 Minuten hinter sich. „Tutti" in der 11. Klasse muß!« die 12. Klasse um 10 Minuten aussegeln und erfüllte diese Bedingung, 14: 20 Minuten vor der 12..Klasse dyrchs Ziel lausend. In den übrigen Klassen waren die Sieger durchweg Alleingänger.„Oho" in der 10>Ouadratnietcr- Rennjol,Ien �»Klasi« mußte die k Klasse um 15 Minuten aussegeln, hotte aber keine Gegner und gewann in 1:06,10 Stunden als schnellstes Boot der kleinen Babn einkommend. SO-qm-Renniochtev: 1,22 Tbeki« 1:34:56. 2O.qm-Jollenkreuzer: 0 8 Paß.Upp 1:37:48. 20.qm.31cnnjon«B, A-alofT«; z 122 Maja n 1:27:12. A>.qw.RenniolliN. E-ÄIaßc; Z 109 Hmmnsl XI 1:41:34. lü-qm-ffianictiollcn, A-Klaffe: H HO(Steil B; Trubi 1:54:44. Ill-qm-R-nnjollcn A: Lueifer II 1:44:17; B: Lissslchen 2:09:22. sollen A: Silberbob 1:13:22; B: Rummtreiber 1:28:22. Ausgleichsjollen: See» 11. Klasse: IV 321 Tutti 1:90:22. 12.«lasse: 111 308 Strolch 1:44:42. 15.«lasse: III 260 Stups 1:25:33. Bootstaufe in Potsdam Ein neuer Kanuvierer lür die„Havel-Alriions- gruppe Schwarzrotgold" Ganz gewiß gibt es Arbeitersportvereine, die auf vorgeschobenem Ppsten gegen die gesinnungsmäßig anders eingestellten Vereine i stehen. Ganz gewiß wollen sie keinen Krieg führen, dazu ist der Sport eine zu heitere Angelegenheit, aber in der heutigen Zeit, wo es vielfach um die Republik geht, schadet es verdammt nichts, wenn auf dem Wasser den schwarzweißroten Flaggen der„neutral" rechtsstehenden Bereinc und Verbände die Farben der Republik«nt- gegengesetzt werden, Das tut die„chavel-Aktionsgruppe Schwarzrot- g o l d", die sich die Potsdamer Gewässer, weil es dort am nötigsten ist. als Aktionsgebiet erkoren hat. Vor fünf Jahren ge- gründet, hat sie eine Schar entschiedener Republikaner um sich ge- sammelt, die auf ihren Booten die Reichsflagge dort zeigen, wo die anderen, ewig gestrigen, glauben zu Hause zu sein. Gestern war B o o t s t a u f e bei ihnen, ein funkelnagelneuer j Kanuvierer wurde dem Verein geschenkt. Doch bitte keine Miß- ' beutung: Niemand hat das schmucke Fahrzeug geschenkt, die Mit- glieder haben ihn sich mühselig— das kann man getrost sagen— zusammengespart. Das ist keine Kleinigkeit in dieser Notzeit. Ueber tausend Mark kostet so ein Boot, da mußte manches Markstück bei- feite gelegt werden, ehe der Bootsbauer die letzte Rate bekommen konnte. Aber nun herrschte gestern denn auch eitel Freude bei den schwarzrotgoldenen Potsdamern. Da marschierte ein Reichsbanner- tambourchor auf, da waren bis aus Gatow und Spandau und Tief- werder die Wasserfahrervereine des Arbeiter-Turn- und Sport- bunde» erschienen, da war die parteigenösslsche und republikanische Bevölkerung aus Potsdam und Nowawes gekommen, und schließ- lich trat der Verein selbst in Kriegsstärke paddelschwingend und amazonenverstärkt an, Genosie Dr. F r i e d l ä n d e r, der erste Vorsitzende, sprach als Taufvater, Genosse S z u m a n n hielt als Spartenvorsitzender des 1, Kreises die Weihrede, dann sagte eine kleine Kanuitin einen aktuellen Vorspruch. Mit frischem Grün und viel schwarzrotgoldenem Band geschmückt glitten die Boote— gleichzeitige Täuflinge waren noch vier mitgliedereigene Boote— in ihr Element. Viele Frei-Heil- Rufe begleiteten sie auf ihrer ersten Fahrt gegen Potsdamer Reaktion. Ein Mitglied des Vereins stellte zur gleichen Stunde eine selb st gebaute Segelsolle vor. Ein schmuckes Fahrzeug, dos dem Eigener und der Havel-Aktionsgruppe viel Ehre einlegen wird, �ntahren unter Schwarzrotßold Was ein richtiger Seemann ist, der scheut nicht Wind und Wetter und See. Das macht sich als Haussegen für einen Berufs- seefahrer sehr hübsch: wenn aber sportliche Motorbootfahrer bei solchem Wetter, wie es gestern war, ihr Anfahren abhalten, so gehört ein gut Teil Ueberzeugungstreue zum Spart dazu. Um 10 Uhr hatte sich gestern eine stattliche Flottille unter dem Stander der Motorbootabteilung des republikanischen deutschen Reichsautoklubs und mit schwarzrotgoldenen Flaggen am Heck am Stößcnseegemünde eingefunden, die in Kiel- linie die Havel abwärts am Wannsee und der Pfaueninsel vorbei nach Nedlitz fuhr. Dort erwarteten die Boote aus Potsdam und der weiteren Umgebung die Berliner.?ln gemeinsamer Mittags- tofel gedachte der Vorsitzende Braun des Tages, der wieder einmal die die Farben des Reiches fahrenden Motvrbaotsbesttzervereine in dem Willen, der Republik auch dann zu dienen, wenn eigentlich Dienst und Arbeit und Geschäft, besonders aber die Politik ruhen sollten. Man blieb noch lange Zeit beieinander, denn schließlich war es gestern(im wunderschönen Monat Mai!) im geheizten Saal doch besser sitzen, als auf dem wassersprühenden See! 'ARBEITEN rüSSEÜLL Adler 08 schlägt Weifjensee 4: 1 Mit gemischten Gefühlen trat man die Fahrt nach Pankow an, um sich mit noch gemischteren auf die Heimreise zu begeben. Man erhoffte eine Sensation und wurde nicht getäuscht. Nur fiel die Sensation anders aus, wie man erwartete: Ein Spiel wurde ge- zeigt, wie man es zum Glück in der Arbeitersportbewegung selten zu sehen bekommt. Das, was die Weißenfeer boten, war bestimmt nicht werbend. Dem technisch bedeutend besseren Spiel der Adler- Elf glaubten sie mit unfairen Mitteln begegnen zu können, kamen aber �»amst nicht weit. Wenn dann noch der Schiedsrichter nicht durchgreift, ist naturgemäß alles aus! Adlers Sieg stand keinen Augenblick außer Frage. Der erste Treffer wurde nach einem schönen Durchbruch bereits in der ersten Minute durch den Rechtsaußen erzielt. Dadurch schienen die Weißen- seer aus dem Konzept gekommen zu sein. Hinzu kommt, daß der Mittelstürmer mehr mit dem Mund als mit dem Ball spielte. Er brachte dadurch bei seinen eigenen Spielern viel Unruhe ins Spiel. Beim Stande von 3:0— der dritte Treffer war das Ergebnis eines Elfmeters— erzielte Weißensee das einzige, aber auch schönst? Tor des Tages, Den weiteren Angrissen machte die Adler-Ber- teidigung ein schnelles Ende. War die erste Halbzeit schon aufgeregt, so war es in der zweiten nicht mehr auszuhalten. Mit 4: 1 blieb Adler verdienter Sieger. Damit die Ueberraschungen nicht ausbleiben, ließ sich Eiche- Köpenick von Lichtenberg I mit 3: 0 schlagen. Am meisten waren wohl die Köpenicker selbst überrascht, als sie merkten, baß die Lichtenberger auch Tore zu schießen in der Loge sind. Aber auch Minerva 28 sorgte für eine Bombenüberraschung. Während Minerva vor 14 Tagen gegen Teltow mit 6: 2 verlor, schlugen die Neuköllner gestern die Wilmersdorfer hoch mft 8: 0. Bis zur Pause konnte sich Wilmersdorf noch halten, mußte sich jedoch in der zweiten Halbzeit dem technisch besseren Spiel Minervas beugen. Trotzdem die Neuköllner die letzten 30 Minuten nur mit zehn Mann spielten, konnten sie den Ball noch sechsmal einsenden. E i n t r a ch t- Reinickendorf war nicht so sehr überlegen, wie es das Resultat von 5: 1 gegen Pankow vermuten läßt. Die Pankower waren reichlich vom Pech verfolgt. »ritrre Resultate: Adler? gegen Buch 1 5:0. Beigensee 2 gegen Börnicke 1 1: 3, Lichtenberg Ii 2 gegen Mahlsdorf 15:2, Lichtenberg 1 2 gegen Eiche 2 3: 3. Minerva 2 gegen Weimersdorf 2 10: 0. Adler Jugend gegen Lichtenberg 1 4: 1. Minervaingend gegen Staaken 1: 0. Adler 1. Schüler gegen Panloiv 4: 0. Lichtenberg II Schüler gegen Rormannia 4: 0. Adler 2. Schüler g-gen Saxonia 0: 2. Minerva Schüler gegen Hansa 31 6:0, nie Motorradrennen auf der Avus/ Wiese fuhr 153 Stdkm. Der Deutsche Motorradfahrer-Berband hatte am Sonntag bei seinem internationalen Motorradrennen auf der Avus das fast schon traditionelle Wetterpech. Das naßkalte, un- freundliche Wetter war nicht dazu angetan, die Zuschauer in Massen ins Freie zu locken, und so wiesen die riesigen Tribünen nur mäßigen Besuch aus, als um 12 Uhr das über vier Runden— 79,123 Kilometer führende Rennen der Ausweisfahrer gestartet wurde. In allen vier Klassen wurde sehr flott Tempo gefahren, und es zeigte sich, daß auch in der Reichshauptstadt an guten Nachwuchsfahrern kein Mangel ist. Der Schnellste unter den Ausweisfahrern war der in der Halbliterklasse gestartet« Alfted Franke(Rudge Withworth), der einen Stundendurchschnitt von 134,45 Kilometer herausfuhr und ständig führend mit nur 2 Se- künden Borlprung gegen H. Pohl-Berlin(Norton) gewann. In der großen Klaff« lieferten sich Rodler-Brandenburg a. H.(BMW.) einen spannenden Kampf, den schließlich Letzterer mit einem Stundenmiftel von 124,4 Kilometer zu seinen Gunsten entschieden, in den Klasien bis 250 bzw. 350 com waren Lauber-Bernburg(DKW.) und K. Mix-Berlin(Rudge) die Schnellsten. Anschließend traten die Seitenwagensahrer zum Kampf über acht Runden— 157,415 Kilometer an. Der Regen hatte in- zwischen ausgehört und die Bahn begann abzutrocknen, so daß in allen drei Klassen zum Teil sogar wesenttich bessere Zeften als im Borjahre gefahren wurden. Ein spannendes Duell lieferten sich in der Klasse bis 1000 com Schoth-Berlin(BMW.) und Kürten-Düsiel- darf(Tornax). Der Westdeutsche lag dicht hinter dem führenden Schoth, bis er in der vierten Runde Tanken mußte. Er verlor dabei aber so viel Zeit, daß es, obwohl er die schnellsten Runden fuhr, nur noch zum dritten Platz hinter Schoth und dem Aachener Weyres (Harlen-Davidson) reichte. Der siegreiche BMW.-Fahrer erzielt« mit 126 9 Sttindenkilometer die größte Geschwindigkeit der Seitenwagen- Maschinen. In der Klasie bis 600 com gewann der Berliner Thevis(Norton) durchweg führend überlegen, der Sieg wurde ihm jedoch dadurch erleichtert, daß sein gefährlichster Rivale, der ihm ständig dicht auf den Fersen folgende Heyer-Krefeld(AIS) durch einen Ventilbruch aus dem Rennen geworfen wurde. Das Rennen der kleinen Seitenwagenklasie endlich holte sich der Düsiel- dorser A. Schneider(Velocette), obwohl er von Loof-Godesberg (Imperia) ständig hart bedrängt wurde. Ueberaus spannend verlief das Haupttennen der Veranstaltung, der Kampf der Solofahrer um den Großen Preis der S t a d t B e r l i n. Die beste Zeit des Tages erzielte in der 1y00er Klasie der Hannovraner Fritz Wiese(BMW) der einen Stunden- durchschnitt von rund 153 Kilometer herausfuhr und damit den Großen Preis der Stadt Berlin gewann. Wiese hatte allerdings insofern etwas Glück, als der große Favorit Bullus(RSU.) durch Defekte aus dem Rennen geworfen wurde. In der Halbliterklasie wechselten sich die Favoriten Bauhoser-München(DKW.) und Rüttchen-Erkelenz(NEU.) mehrfach in der Führung ab. bis Rüttchen Infolge eines Maschinendesektes liegen blieb, Run schien der Weg zum Siege für den Bayern frei, aber auch er hatte Pech, ihm ging auf der Strecke der Brennstofs aus. Bcmhofer verlor beim Tanken viel Zeit und gab schließlich das für ihn aussichtslos gewordene Rennen in der vorletzten Runde auf. Dadurch kam Manfred v. Bochmayr-Potsdam(Rudge) mit einem Stundenmittel von 135 Kilometer zu einem billigen Siege vor dem Polen Graf Alvens- leben(Norton). Etwas bessere Zeiten als in der Halbliterklasie wurden im Rennen der 350er Maschinen gefahren, das Loof-Godes- berg(Imperia) durchweg führend mit einem Swndenmittel von 135,9 Kilometer leicht gegen den Pommern H. Degener-Swinemünde (Norton) oewann.?n der kleinsten Klasie bis 250 ccm, die nur zehn Runden zurückzulegen hatte, setzte sich der Favorit W, Winkler- Ehemnib(DKW.) sicher in 125 Stundenkilometer gegen Kahrmann- Fulda(Hercules-Jap) durch. Die gefahrenen Zeiten der Solo- Maschinen blieben durchweg hinter den vorjährigen Leistungen etwas zurück. Trabrennen zu Ruhlebtti. Auf die leider verregnete Premiere folgt Dienstag. 10. Mai, auf der Derbybahn zu Ruhleben die zweite Veranstaltung, der hoffentlich besseres Wetter beschieden ist. Die Rennen beginnen wieder um ISH Uhr AZV.-RcukSll». BportabUiluna. Trainingstag» im Svvrtpark Neukölln. Dienstag, ab 18 Uhr. große Kampfbahn, Freitag, ab 18 Uhr Platz II. Mitt» wachs, ab 18 Uhr, Spielabenb auf Platz 6.